PRESTIGE Switzerland Volume 56

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Maserati Ghibli Hybrid: Leistung kW (PS): 243 (330) – Hubraum (cm3): 1998 – Zylinder: 4 – Maximales Drehmoment (Nm) / bei Drehzahl (U/min): 450 / 4.000 Kraftstoffverbrauch kombiniert (l/100 km): 9,6 - CO2-Emissionen kombiniert (g/km)*: 216 - Effizienzklasse: G. Provisorische Werte, Homologation noch nicht abgeschlossen. *CO2 ist das für die Erderwärmung hauptverantwortliche Treibhausgas; Die mittlere CO2-Emission aller (markenübergreifend) angebotenen Fahrzeugtypen in der Schweiz beträgt 174 g/km.


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erscheint vierteljährlich MEMBER OF THE BOARD TIBOR MUELLER BORIS JAEGGI rundschauMEDIEN AG St. Jakob-Strasse 84 CH-4132 Muttenz  T +41 (0)61 335 60 80 F +41 (0)61 335 60 88 info@rundschaumedien.ch rundschaumedien.ch A PART OF PRESTIGE MEDIA GROUP SA EDITOR-IN-CHIEF SWENJA WILLMS s.willms@rundschaumedien.ch DEPUTY EDITOR-IN-CHIEF NIKE SCHRÖDER n.schroeder@rundschaumedien.ch

IM PRES SUM

SALES ELIAS THALER e.thaler@rundschaumedien.ch PATRICK FREY p.frey@rundschaumedien.ch MICHELE ZITO m.zito@rundschaumedien.ch ALAIN WILLI a.willi@rundschaumedien.ch URS HUEBSCHER u.huebscher@rundschaumedien.ch HEAD OF PRODUCTION & ART DIRECTION EMMA R. SCHAUB e.schaub@rundschaumedien.ch GRAPHIC DESIGN MELANIE MORET m.moret@rundschaumedien.ch PRODUCT PUBLIC RELATION SWENJA WILLMS s.willms@rundschaumedien.ch EDITORS CEMIL BAYSAL FRANK BODIN FRÉDÉRIC BRUN GISBERT L. BRUNNER VERA DILLIER WILMA FASOLA PATRICK FREY LONE K. HALVORSEN THOMAS HAUER SIMONE HOFFMANN URS HUEBSCHER BEAT KRAUSHAAR BEAT KRENGER NINA MERLI TIBOR MÜLLER VIVIEN RATHJEN ANTONIA CLARA SEMMLER KEVIN SCHNEEBELI MARC SONNTAG BEATRICE SCHÖNHAUS SPIRIG ANNA KAROLINA STOCK HELENA UGRENOVIC COSIMO VIOLATI HELEN WALDBURGER ANDY ZAUGG

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CORRECTOR ANDREAS PROBST COVER PHOTOGRAPHER Patrizio Di Renzo www.patriziodirenzo.com MODEL Manuela Frey STYLING Patrick Häusermann STYLING ASSISTENT Aleksandra Wisniewska MAKE-UP & HAIR Jehan Radwand PRODUCTION & ASSISTANCE www.thefotostudio.ch All rights reserved PHOTOGRAPHS Image databases, H. Moser, Audemars Piguet, Breitling, Oris, Parmigiani, Patek Philippe, Porsche Design, Richard Mille, Tag Heuer, Zenith, Rolex, Vacheron Constantin, Hermès ADMIN, COORDINATION &  SUBSCRIPTIONS SERPIL DURSUN s.dursun@rundschaumedien.ch PRICE  Issue CHF 10.–/€ 9.50 Year ­C HF 39.–/€ 35.– IT SUPPORT DEJAN DJOKIC deki@rundschaumedien.ch WEB SERVICES websiteria GmbH info@websiteria.ch is a registered trademark. (IGE 596.147) ISSN 1662-1255


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ART & 32 CULTURE

22 KUNST IM AUSNAHMEZUSTAND Wie die Corona-Krise den Kunstmarkt ausbremst 32 DER MEISTER DER VERHÜLLUNGEN Christo 36 YOU, ME & THE ART Helen Waldburger und Elliot Jack Stew 39 KOLUMNE Vivien Rathjen 40 POPKULTUR AUF HÖCHSTEM NIVEAU «Pop Lamborghini» in der «Cité de l’Automobile» 46 BLÜTEZEIT EINER KUNSTNATION Neue Kunstlokalitäten der Schweiz

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54 EINE KÜNSTLERISCHE SYNTHESE 3Kay

60 ZWISCHEN DEN MEEREN Oh wie schön ist Panama

TR AVEL 12

68 EIN KARIBISCHES JUWEL Eden Roc Cap Cana 72 PALÄSTE DES WISSENS Die schönsten Bibliotheken der Welt 80 REVITALISIERUNG DER EXTRAKLASSE «Borgo Miranda» 84 DIE STADT DER KONTRASTE Brillantes Budapest 90 NATUR, KULTUR, KULINARIK The Legian Bali



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WAT CHES 110 &

92 ZEITSCHREIBENDE KOMPLIKATIONEN Chronographen im Fokus 102 KALEIDOSKOPISCHE SCHÖNHEITEN Die Premier-Kaleidoscope-Modelle von Harry Winston 104 EIN QUERDENKER AUF ERFOLGSKURS Marc Ferrero im Interview 109 WUSSTEN SIE …? Kurioses Faktenwissen

JEW EL­LERY

MO 124 TION

110 DIE PRACHT DER FEDER Schmuckwelt «Aurora» wird erweitert

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114 GESCHÄRFTE SPEERSPITZE Porsche Macan Turbo 118 DER RENNSPORTLER IM SMOKING Maserati 3500 GT 122 MIT DER SEELE EINES SPORTWAGENS Der Aston Martin DBX 124 VERY BRITISH Unterwegs im Rolls-Royce Dawn Silver Bullet 130 DAS MASS DER DINGE Der neue Mercedes-AMG GT

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134 FAS

134 FASHION EDITORIAL Patrizio di Renzo 144 HUT AB Extravagante Hutmode von Christian Dior

HION

150 FASHION EDITORIAL When color meets culture 160 EIN MOSAIK DER EXKLUSIVITÄT Au Bon Marché Paris

BEAUTY&  WELLBEING LIVING

164 DIE ALCHEMIE DER SINNE Haute Parfumerie 170 KOLUMNE Antonia Clara Semmler

172 MOMENTE DER SELBSTBESINNUNG The Alpina Gstaad

176 ERSTE LIGA Das Home-Training erlangt sein Designer-Siegel

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178 FÜNF HÄUSER FÜR DIE KUNST Chara Schreyer, Gary Hutton und die Liebe zu Kunst und Architektur 186 ERWECKE DAS KIND IN DIR Raw Edges 192 WOHNEN NACH PLAN B Ein Luxusbunker für Krisenzeiten 198 NATURNAH Möbel und Accessoires aus Holz

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AUS DEM HERZEN DER SCHWEIZER ALPEN Im wunderschönen Simmental ist das Schreinerhandwerk noch ein traditionelles Handwerk. Der Stolz auf unsere Arbeit zeigt sich in jeder von uns individuell angefertigten Küche. Die raue Landschaft, die majestätischen Berge und die unberührte Natur inspirieren dabei unsere Arbeit. Ob Penthouse-Besitzer oder Chalet-Liebhaber, sie alle teilen die Leidenschaft mit uns, die uns dazu motiviert, die exklusiven Küchenträume unserer Kunden wahr werden zu lassen. Die Zbären Küchen werden dabei mit hochwertigsten Materialien in feinster Handarbeit und mit hochmodernen Maschinen gefertigt. Von der kleinen Manufaktur im Herzen der Schweizer Alpen liefern wir die massgefertigten Küchen in die ganze Welt.

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200

CULI NA RIUM

200 DIE PERLE VON HELSINKI Restaurant «Savoy» 208 GEMISCHTES DOPPEL Yannick Alléno und Benoît Gouez 214 GENUSS WIRD ZUM ERLEBNIS Weinregion Langenlois 218 KOLUMNE Andy Zaugg

222 HAUTE CULTURE Warum wir uns Luxus leisten sollten

208

FINAN TRENDS CE PHILIPP PLEIN

58 ART & CULTURE 82 TRAVEL 113 JEWELLERY 129 MOTION 149 FASHION WOMEN 158 FASHION MEN 171 BEAUTY 191 LIVING 212 CULINARIUM 220 FINANCE

226 PRIVATE-EQUITY-ANLAGEN Chancen und Risiken 229 KOLUMNE Kevin Schneebeli 230 FINANZIELL ABGESICHERT Wohlstand selbst in die Hand nehmen

8 IMPRESSUM 21 EDITORIAL 232 VORSCHAU

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ORTE DER ZUFLUCHT

Manche Situationen lassen sich nicht vorhersehen, sind geprägt von Komplexität und Unberechenbarkeit und stürzen uns in Unsicherheiten und Beklemmung. Es sind unkalkulierbare Momente, Geschehnisse oder auch blinde Flecken, die den Verlauf einer Handlung mitbestimmen und für deren Ende ausschlaggebend sind. Nicht alle Folgen einer Handlung lassen sich vorhersehen, und doch ist die Verantwortung dafür zu übernehmen. Dass in Zeiten einer weltumspannenden Pandemie die Denk- und Sehgewohnheiten besonders gefordert sind, repräsentieren die Geschichten in unserer Herbstausgabe. So erfinden sich rund um den Globus Museen und Galerien neu, um den Kunstmarkt aufrechtzuerhalten. Denn jede noch so ausweglos scheinende Situation birgt Chancen und lässt neue Orte entstehen, die Zuflucht gewähren. Dort, wo man sie am wenigsten vermuten würde. Wie eine Mohnblüte, die auf kargem Fels wächst. Zu diesen zählt die Erweiterung des historischen Gebäudes von Audemars Piguet im Vallée de Joux, das heute als eine der Wiegen der komplizierten Schweizer Uhrmacherkunst bekannt ist. Das Musée Atelier Audemars Piguet ist ein Ort der Begegnungen, an dem das Handwerk gelebt wird. In den prunkvollsten Bibliotheken der Welt verschanzen wir uns zusammen mit dem Fotografen Massimo Listri, der die schönsten Paläste des Wissens besucht und mit der Kamera festgehalten hat. Fotografische Wegweiser in eine neue, aufregende Welt liefert uns zudem Fotograf und Creative Director Patrizio Di Renzo, der auch das Cover unserer Herbstausgabe schmücken durfte. Aufbruchstimmung wird greifbar. Und in der Ukraine stossen wir auf Festungen der Exklusivität. Tief unter der Erde erschuf hier das Studio «Sergey Makhno Architects» ein Konzept für ein sicheres und gemütliches Zuhause in Krisenzeiten – eine Reflexion über die Fortsetzung des menschlichen Lebens unter allen Umständen.

EDI TO RIAL

Swenja Willms Editor in Chief

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ART ART & & CULCULTURE TURE PRESTIGE

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ART & CULTURE

KUNST IM AUSNAHMEZUSTAND

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Die Corona-Krise hat die Kunstwelt ausgebremst. Ob Frieze London oder Art Basel: Kunstmessen und Biennalen sind abgesagt, Galerien und Museen wurden vorübergehend oder sogar für immer geschlossen. Vieles liegt noch in der Schwebe, doch eines ist sicher: Der Kunstmarkt muss sich neu erfinden. Autor_Beat Krenger

Leuchtende Farben bedecken den Boden, breiten sich wie die Tentakel eines Tintenfischs aus, erobern die hohen Wände. Und sie verlassen sogar das Gebäude, gelangen durch offene Tore in die Aussenwelt. Dies ist Kunst, die aus dem Rahmen fällt. Kunst, die keine Grenzen kennt und keine Beschränkungen mehr akzeptiert. Gemälde oder Installation? Kategorisierungen sind unmöglich. Das Werk «It Wasn’t Us», das in Zeiten einer weltumspannenden Pandemie die Denk- und Sehgewohnheiten besonders fordert, stammt von der in Berlin lebenden Künstlerin Katharina Grosse und ist noch bis Januar 2021 im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart zu erleben. Selbstverständlich gelten auch hier strikte Kontaktbeschränkungen, die seit dem Frühjahr für jede Ausstellung zur Pflicht gehören. Das monumentale Werk von Katharina Grosse zeigt, dass Kunst auch im Jahr von Corona beeindrucken kann. Gerade weil in der Weitläufigkeit der Präsentation, die sich hier und dort sogar bis ins Freie zieht, die erforderlichen Abstandsregeln mühelos eingehalten werden können. Doch auf eine Ansammlung Zigtausender von Kunstexponaten, vereint und eingebettet im Rahmen einer Messehalle, dicht an dicht ausgestellt, wird man dieses Jahr verzichten müssen. Diese Zeiten sind vorerst vorbei.

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©Jens-Ziehe

ART & CULTURE

Grenzenlos: «It Wasn’t Us» von Katharina Grosse im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart.

MUTPROBE FÜR DEN KULTURSEKTOR Die Pandemie und ihre Folgen – das ist auch ein einmaliges Experiment. Die Wirtschaft leidet, die weltweite, oft atemlose Vernetzung des Kunstmarkts wirkt plötzlich verletzlich. Dabei wächst die Sorge, wie lange die Regierungen die finanziellen und sozialen Folgen abfedern können – und ob nicht spätestens die zweite Infektionswelle zu noch mehr Konkursen in der Branche führen wird. Gerade Kunstschaffende und ihre Galerien fragen sich: Wie bekommen wir das möglichst schnell wieder in Gang? Vereint suchen sie nach Auswegen aus der Corona-Schockstarre. Und das Staunen ist gross über die Kraft der Menschen, die trotz den vielen Hürden, welche die Notlage mit sich bringt, neue Wege einschlagen. Es ist nicht leicht, in unübersichtlichen Zeiten den Überblick zu behalten. Werden nur die grossen Galerien mit ausreichend finanziellen Rücklagen die Krise überleben? Haben die Kunstschaffenden aus dem erzwungenen Stillstand gar einen kreativen Nutzen gezogen? Und wann werden sie, wenn überhaupt, wieder im Langstreckenflugzeug die Kunstmetropolen dieser Welt ansteuern können? Was wird in zwei Monaten sein? Was in einem Jahr?

Frieze London, Art Basel, Biennale Venedig, Art Hongkong, Art Paris: Wegen der Covid-19-Pandemie wurden überall auf der Welt die wichtigsten Kunstevents abgesagt – mit unabsehbaren Folgen. Mit Spannung wird vor allem die ohnehin angeschlagene Schweizer Messegesellschaft MCH, die hinter der Art Basel steht, von Kunstkennern beobachtet. Dort ist jetzt der Sohn des umstrittenen Medienmoguls Rupert Murdoch als Investor eingestiegen. Die Muttergesellschaft der Art Basel ist in Schwierigkeiten geraten, und den MCH-Aktionären war die Rettung durch James Murdoch lieber als eine Pleite der Kunstmesse. Immerhin hat Murdoch junior bereits erste Erfahrungen in der Kultur- und Eventbranche gesammelt. Die Art Basel ist mit zuletzt 95’000 Besuchern und bis zu 300 Galerien Magnet und Motor der Basler Kunstmessewoche und hat in ihrer 50-jährigen Geschichte illustre Parallelmessen ans Rheinknie gelockt. Doch jenseits dieser exklusiven Sphäre erzeugt nun die Krise Risse und Brüche, die in eine Zäsur münden könnten. Galerien etwa machen zwischen 35 und 50 Prozent ihrer Jahresumsätze auf Kunstmessen. Dieses Segment jedoch ist jetzt auf Eis gelegt, und es ist offen, ob sich das in naher Zukunft ändern wird.

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ART & CULTURE

Überlebenswichtiges rückt nun ins Zentrum. Wie macht man Kunst, wenn selbst der Austausch mit Gleichgesinnten fehlt? Wie verkauft man seine Werke, ohne mit interessierten Sammlern direkt in Kontakt treten zu können? Eine gemeinsame Plattform wie die Art Basel etwa reisst ein riesiges Loch in den Kunstkalender. Die endgültige Absage der bereits vom Frühjahr in den September verschobenen Leitmesse samt der parallel stattfindenden Design Miami Basel unterstreicht diese Lähmung, die keineswegs nur Basel betrifft. Der ganze Kunstmarkt ist im Ausnahmezustand. Ausweichmanöver ins Digitale werden in Windeseile initiiert, Galerien und Künstler nutzen die verbindenden Qualitäten der Kunst und richten alle Energien auf einen Neustart. Es sind turbulente Zeiten. Einzig das Fragezeichen hinter den klassischen Messeformaten bleibt eine Konstante. Besonders kleinere Galerien haben es jetzt besonders schwer, ein internationales Publikum zu finden. Wie viele von ihnen die derzeitige Krise überleben, hängt auch davon ab, wie solidarisch sich ihr Umfeld zeigt. Viele können es sich nicht leisten, auf ihren Websites innerhalb weniger Wochen «Online Viewing Rooms» einzurichten, um ihre Ausstellungen digital zu zeigen. Immerhin gibt es vielerorts unter lokal vernetzten Galerien einen neu erstarkten Sinn für gegenseitigen Support, von der Zoom-Gruppe für Informationen und gute Ratschläge bis zur Planung koordinierter Wiedereröffnungen von Ausstellungen. Der US-Kunsthändler David Zwirner ging noch einem Schritt weiter: Der gebürtige Kölner, der vor 27 Jahren seine erste Galerie in New York eröffnete, ist heute – mit drei New Yorker Adressen und Niederlassungen in London, Paris und Hongkong – einer der weltweit mächtigsten Galeristen. Nach dem Lockdown

im Frühjahr stellte er kleineren Galerien, die für ein innovatives Programm stehen, kostenlos einen Platz auf der Website seiner Galerie zur Verfügung. «Das Projekt entstand ganz organisch. Zwischen der Idee und dem Launch verging nur eine Woche», erklärt Elena Soboleva, die Direktorin für Online Sales bei Zwirner. «Als Galerien und Museen in New York schliessen mussten, traf sich eine Gruppe von jungen Mitarbeitern der Galerie, um zu überlegen, was wir tun können, um die Art Community zu unterstützen.» Daraus entstand «Platform: New York». Eine aus der Not geborene Erfolgsgeschichte. In den ersten drei Tagen zählte die Website über 20’000 Besucher. Trotz diesem Akt der Solidarität wird das Jahr 2020 als Annus horribilis in die Annalen des Kunsthandels eingehen. Laut Umfrage unter 168 Galerien der amerikanischen Galeristenvereinigung rechnen die Mitglieder fürs zweite Quartal mit einer Umsatzeinbusse von 73 Prozent. Als Folge des harten Lockdowns lancierte auch die Art Basel als Reaktion darauf neue digitale Plattformen wie Online-Ausstellungsräume oder tat sich mit bereits bestehenden KunstmarktWebsites zusammen. Sogar die Preise der Kunstwerke wurden veröffentlicht, was die von vielen schon lange geforderte Transparenz in den Markt brachte. Und das in einer Branche, die noch wenige Monate zuvor Werkpreise nur auf Anfrage mitgeteilt hatte. Das alles seien wichtige Indizien, dass die Krise den Kunstmarkt nachhaltig verändern wird, schreibt Marc Spiegler, Direktor der Art Basel, im Magazin des «Tages-Anzeigers». Die Galeristen würden das während des Lockdowns Gelernte für die Zukunft ausbauen, auch ihre Investitionen in die Digitalisierung könnten sich längerfristig auszahlen. «Es war erstaunlich zu sehen, wie rasch die Kunstwelt innovativ wurde», analysiert Spiegler. Bereits am ersten Tag der «Art Basel Online Viewing Rooms» loggten sich Tausende Besucher in den Online-Zuschauerraum ein. Neben vielen Verbesserungen wurde eine Funktion hinzugefügt, die es Galerien ermöglicht, jedes Kunstwerk von einem Video begleiten zu lassen. Einige haben Nahaufnahmen ihrer Werke hochgeladen, während andere Clips von Künstlern drehten, die über ihre Werke sprechen. Darüber hinaus veranstalteten einige Galerien parallel zur Ausstellung digitale Events – virtuelle Empfänge bis hin zu Studioführungen. Viele boten Zoom-Rundgänge durch ihre Räume an, sodass sie direkt mit Gruppen von Sammlern sprechen konnten, was sich als besonders effektiv für den Verkauf von Werken erwies.

Lockdown-Lichter: «Night #22» von Michael Wolf, Bruce Silverstein Gallery New York.

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«Hold Still» von Hayv Kahraman, Jack Shainman Gallery New York.

KREATIVE WEGE FINDEN Wie wird die Zukunft der Kunstwelt aussehen? «Galerien, Museen und Messen werden nach und nach wieder im alten Glanz erstrahlen», prophezeit Marc Spiegler. «Menschen, die Kunst lieben, werden einen immensen Nachholbedarf haben nach Kunst, die sich physisch betrachten lässt und nicht nur digital.» 2019 lief es für viele Museen noch richtig gut. Unfassbare 9,6 Millionen Menschen aus aller Welt kamen etwa in den Louvre, so viele wie nie zuvor. Das Pariser Museum setzte seine Erfolgswelle Anfang dieses Jahres fort mit einem Besucherrekord von 1,1 Millionen Menschen allein für die Leonardo-da-Vinci-Ausstellung. Und auch der Madrider Prado verzeichnete im Jubiläumsjahr 2019 einen Besucherrekord. Dass selbst Blockbuster-Ausstellungen trotz Corona-Krise funktionieren, beweist im kanadischen Toronto erstmals eine Drivein-Ausstellung mit Werken des niederländischen Malers Vincent van Gogh. Die Bilder werden an grosse Wandflächen projiziert, zehn Autos passen gleichzeitig in die Ausstellungshalle. Während der Projektion der Kunstwerke, die von Musik begleitet wird, bleiben die Motoren der Autos ausgeschaltet. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit den Schöpfern von «Van Gogh, Sternennacht», einer beliebten Schau, die letztes Jahr im Pariser L’Atelier des Lumières präsentiert wurde. Überaus passend zum derzeit propagierten Social Distancing: Das Leben des niederländischen Malergenies war geprägt von seiner Unfähigkeit, enge soziale Bindungen einzugehen. Die befahrbare Van-Gogh-Ausstellung ist stets ausverkauft und wurde bis Ende September verlängert. Kreative Wege ging auch die Bremer Kunsthalle während des Corona-Lockdowns, um die hauseigene Sammlung an Werken öffentlich zu feiern: Um die tristen Monate ohne Besucher zu überbrücken, rief das Museum dazu auf, Gemälde und Skulpturen nachzustellen. «Die Resonanz war überwältigend!», verkündeten die Initiatoren zum Ende der Aktion. Auf den Bildern in den sozialen Medien waren Menschen zu sehen, die sich wie vor hundert Jahren kleideten und Posen nachstellten. In den Händen hielten sie Aktenordner statt Papyrusrollen oder Stoffkatzen, die dem Original bis auf das Fellmuster glichen. Als Vorlage dienten unter anderem Werke von Albrecht Dürer, Caspar David Friedrich, Claude Monet, Paula Modersohn-Becker, Waldemar Otto und Pipilotti Rist. Nun sind mehrere Monate vergangen, und einige Museen fokussieren sich unter Einhaltung der Covid-19-Sicherheitskonzepte wieder auf ihre geplanten Ausstellungen. «Wir haben uns gefragt, was den Kunstmegastar Andy Warhol gerade jetzt aktuell macht?»,

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ART & CULTURE

des modernen Kunsttouristen, weil nicht einmal ein Bruchteil der 450 pro Tag erlaubten Besucher kommt. Der internationale Kunsttourismus ist momentan ausgebremst. Es scheint, als erfülle sich unverhofft die Forderung des Aktivisten und Künstlers Gustav Metzger, der schon vor Jahren den Slogan «Reduce Art Flights» propagierte, weil er die um die Welt jettende Kunstszene mit ihrem hohen Kerosinverbrauch als Klimasünder entlarvte. Frances Morris von der Tate Modern in London offenbart auf Anfrage, dass die Museen auf all das schon längst vorbereitet seien. Schon vor dem Ausbruch von Corona war abzusehen, so die Direktorin des wohl einflussreichsten Museums für zeitge-

sagt Yilmaz Dziewior, Direktor des Museums Ludwig. Dabei sei offenkundig geworden, dass Warhol «als Sohn von Immigranten, als schwuler Mann und in seinem Verhältnis zur Subkultur» heute grosse Relevanz habe. Am 10. Oktober eröffnet die Blockbuster-Ausstellung wie geplant im Museum Ludwig in Köln – natürlich abstandsregelkonform, mit Hygienekonzept und im Wissen, dass viel weniger internationale Besucher als sonst üblich anreisen werden. Auch Eike Schmidt, Direktor der weltberühmten Uffizien in Florenz, setzt vorläufig auf lokale Kulturfans. Im Gespräch schwärmt er davon, dass die Galerien in seinem Haus jetzt so weitläufig und leer sind wie in Lord Byrons Zeiten, dem Urahnen

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nössische Kunst, dass ihre Zielgruppe nicht nur Ausstellungsprogramm und Sammlung kritisch hinterfragt, sondern auch die Anstrengungen, die das Haus in Bezug auf Klimaschutz unternimmt. «Unsere Gebäude verbrauchen 26’000 Tonnen CO2 im Jahr», rechnet Frances Morris vor, «260’000 Tonnen werden dagegen von unseren anreisenden Besuchern verursacht.» Auch deshalb wolle sich die Tate Modern künftig vermehrt nur noch auf die Menschen aus Greater London ausrichten – wo ja bereits ein Millionenpublikum wohnt. Die Vernunft gebietet also zu planen, was man ohnehin zu tun gezwungen ist: lokaler zu werden. Jahrhundertelang waren Kunst und ihr Besitz eine Demonstration von Macht, denn der Zugang zu den Werken war in der Regel stark eingeschränkt. Zu sehen waren Kunstwerke oft nur in sakralen Räumen oder den Palästen der Herrschenden. Ihre Enthüllung war ein Ritual, das sich vom Alltag so stark wie möglich abheben sollte, um die Macht zu zelebrieren, die mit der Herrschaft über die Bilder im erlauchten Kreis einherging. Diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Kunst ist heute allgegenwärtig. Sie ist, besonders im Fall von Bildern, digital reproduzierbar und dadurch praktisch überall und für jeden verfügbar geworden. Dieses Privileg sollte genutzt werden, gerade jetzt. Auch in Museen oder bei Kulturveranstaltungen, die im Freien stattfinden, wo die Ansteckungsgefahr laut Experten äus­ serst gering ist, wie die Erfahrungen der Sommermonate zeigten. Gerade in Museen ist es selbst in geschlossenen Räumen kein Problem, Besucher einzeln oder in kleinen Gruppen mit ausreichend Abstand durch eine Ausstellung zu lotsen, ohne dass der Kunstgenuss darunter leidet. Deshalb werden die innovativsten Galerien der Kulturstadt Basel zusammen mit dem ansässigen Kunstmuseum und der Fondation Beyeler vom 17. bis 20. September 2020 eine Premiere feiern. Die ersten Kunsttage Basel sollen Besucherinnen und Besucher durch rund 40 Galerien und Museen führen können, eine Art «Galerien- und Art-Hopping». So können sich die Kunstliebhaber problemlos verteilen, um das Ansteckungsrisiko möglichst klein zu halten.

«Veduta (Vuillard)», von Whitney Bedford, Vielmetter Los Angeles.

Natürlich könnten auch Ausstellungsstücke gekauft werden, sagt Carlo Knoell, Galerist und einer der Initiatoren der Kunsttage Basel: «Das Verkaufen steht aber sicher nicht im Fokus, sondern viel mehr geht es darum, Kunst in Basel erlebbar zu machen.» Auch Daniel Kurjakovic, Kurator Programme am Kunstmuseum Basel, betont, dass mit den Kunsttagen Basel keine kommerziellen Ziele verfolgt würden. «Wir fühlen uns alle verantwortlich für die Kulturstadt Basel, und deshalb machen auch so viele verschiedene Akteure mit und stecken viel Herzblut in das Projekt.» Die endgültig abgesagte Liste Air Fair lanciert zudem vom 2. bis 15. September die Online-Plattform Liste Showtime. Diese neue Initiative wird zur Bühne für 72 internationale Galerien, auf der sie einen Künstler aus ihrem Programm umfassend vorstellen und Werke zum Verkauf anbieten. Das ergänzende Posterprojekt «Rewriting Our Imaginations» wird sowohl online als auch im öffentlichen Raum von Basel zu sehen sein. 2020 wird dennoch als düsteres Krisenjahr in Erinnerung bleiben, in dem die Kunstszene unfreiwillig lernen musste, ihr Selbstverständnis zu hinterfragen und sich neu zu definieren. Viele Künstlerinnen und Künstler nutzten die freie Zeit während des Lockdowns aus und verschanzten sich in ihren Ateliers. Der kreative und intellektuelle Output, der daraus entstand, wird uns noch viele Jahre begleiten, faszinieren und berühren. Die künstlerische Verarbeitung des Erlebten wirkt wie ein Mahnmal für eine Zeit, die keiner von uns jemals vergessen wird. Kunst nach Corona sorgsam zu unterstützen, ist auch ein Zeichen von Solidarität und von demokratischem Bewusstsein. Kunst ist, und das sollte man nie vergessen, ein Privileg, das man nicht leichtfertig aufgeben darf. Jetzt erst recht nicht.

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ART & CULTURE

DIE PANDEMIE UND IHRE FOLGEN – DAS IST AUCH EIN EINMALIGES EXPERIMENT.

«Stillleben Wolken» von Titus Schade, Eigen + Art Leipzig.

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DER MEISTER

Autorin_Lone K. Halvorsen

DER VERHÜLLUNGEN 32


ART & CULTURE

Im Alter von 84 Jahren starb dieses Jahr der Verhüllungskünstler Christo. Zusammen mit seiner Frau Jeanne-Claude eroberte er mit unvergleichlichen Installationen die Kunstwelt. Selbst bezeichnete er seine Kunst als «irrational und sinnlos», aber sie war unverwechselbar und unvergänglich.

schiedlicher aufwachsen können, aber zusammen sollten sie eines der erstaunlichsten Gespanne der Kunstgeschichte werden. Christo blieb nicht lange in Wien, denn gleich darauf ging die Reise weiter nach Paris, wo er einige Avantgardisten kennenlernte. Von einer wohlhabenden Dame namens Précilda de Guillebon erhielt er einen Auftrag für Portraits und lernte dabei deren Tochter Jeanne-Claude kennen. «Für mich war es nur zum Spass», erzählte Jeanne-Claude. «Jede reife Frau, jung oder alt, will sich einem Künstler hingeben. Nachher, wenn man ihn gehabt hat, kehrt man ins wirkliche Leben zurück. Er war mein Künstler. Aber er war ein super Liebhaber. Das schaffte mich.» Für Christo verliess Jeanne-Claude ihren Ehemann Philippe nach nur drei Wochen. Philippe mochte sich viel Mühe geben, aber sie gierte nach einem Leben mit Christo. Da sich das Zentrum der Kunst zunehmend von Paris nach New York verlagerte, traten Christo und Jeanne-Claude 1964 die Überfahrt nach New York an.

Bekannt wurde der gebürtige Bulgare durch seine aufwendigen Installationen wie etwa die Verhüllung des Reichstagsgebäudes in Berlin, die safranfarbenen Tore «The Gates» im Central Park New York, die schwimmenden, mit Nylongewebe bezogenen Stege «Floating Piers» auf dem Wasser des Iseo-Sees in der Lombardei oder der verpackte Pont Neuf in Paris, um nur einige zu nennen. Im Mai dieses Jahres und kurz vor seinem 85. Geburtstag starb der Verhüllungskünstler eines natürlichen Todes in seinem Haus in New York. HINTER DEM EISERNEN VORHANG Am 13. Juni 1935 wurde Christo, der Sohn einer Industriellenfamilie, als Christo Javacheff in Bulgarien geboren. In bescheidenen Verhältnissen wuchs er auf, und er sollte viele Abenteuer in seinem Leben – schöne und weniger schöne – erleben, bis er Erfolg erfahren durfte. Er lebte ein Leben mit vielen nervenzerreissenden Episoden hinter dem Eisernen Vorhang, obgleich er immer alles auf eine Karte setzte. Dieser Charakterzug sollte ihn ein Leben lang begleiten und ihm vor allem im Winter 1957 einen Neuanfang ermöglichen. Irgendwo in der Tschechoslowakei versteckte er sich mit anderen Flüchtlingen in einem Güterwagon hinter Kartonstapeln, in der Hoffnung, unentdeckt über die österreichische Grenze nach Wien zu gelangen. Ob diese Flucht in die Freiheit dem unwiderstehlichen Drang entsprang, aufgezwungenen Beschränkungen zu trotzen, oder ob sie einfach seinem Charakter entsprach – dieses Ereignis markierte einen Wendepunkt in seinem Leben. Zweitausend Kilometer entfernt, zur gleichen Zeit, genoss Jeanne-Claude Marie de Guillebon ein privilegierteres Leben. Auch sie am 13. Juni 1935 geboren, hätten die zwei nicht unter-

DER BEGINN DER VERHÜLLUNGEN Die Zusammenarbeit von Christo und Jeanne-Claude beschrieb eine enge Freundin von Jeanne-Claude als «einen Adler mit zwei Köpfen». Die beiden spürten sich gegenseitig, als wären sie unsichtbar miteinander verwachsen. Je mehr Zeit verging, desto schwerer fiel es, sie voneinander zu unterscheiden oder sich ein Projekt vorzustellen, das nicht von ihrer gemeinsamen Energie belebt war. Zwar waren es Christos Werke, die wachsenden Zulauf fanden, denn er hat alle Zeichnungen, Collagen, Drucke und Modelle hergestellt. Jeanne-Claude hingegen kümmerte sich um die geschäftlichen Dinge. Ungeachtet dieser unterschiedlichen Aufgaben haben

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Der 400 Meter lange Vorhang «Valley Curtain» wurde durch ein breites Tal in den Rocky Mountains aufgehängt.

terhohen Zaun aus Stoffbahnen 40 Kilometer durch die Landschaft Kaliforniens schlängeln. Mit der Verhüllung des Pont Neuf im Jahr 1985 verwandelte Christo die älteste Steinbrücke in Paris zu einem Kunstwerk, und fünf Jahre später stellte das Paar für «The Umbrellas» insgesamt 3100 Schirme in Kalifornien und Japan auf. Dieses poetische Projekt gehört zu einem ihrer spektakulärsten und wurde zu einem grossen Publikumserfolg. Oftmals dauerte es Jahre, bis ein Projekt realisiert werden konnte. Dazu gehört eine seiner bekanntesten Verhüllungen, der «Verhüllte Reichstag» in Berlin. Diesem Projekt war eine 20-jährige beharrliche Vorbereitung vorausgegangen, bevor es 1994 in einer Bundestags­ abstimmung die Zustimmung der deutschen Regierung erhalten hatte und ein Jahr später Menschen aus aller Welt nach Berlin pilgerten, um dieses Projekt mit eigenen Augen zu erleben. Etwas mehr an Geduld und Beharrlichkeit musste Christo für das Projekt der «Verhüllten Bäume» rund um die Fondation Beyeler und dem benachbarten Berower Park aufbringen. Als im Herbst 1998 162 Bäume in Polyesterstoff verhüllt und in ein fast bildhauerisches Meisterwerk verwandelt wurden, war dies die künstlerische Vollendung einer langen Geschichte von Baumverhüllungen.

die beiden stets eine identische Zielsetzung verfolgt und sämtliche Entscheidungen gemeinsam getroffen. Manche rümpften darüber jedoch die Nase und hielten es für unangebracht, Jeanne-Claude als Künstlerin zu bezeichnen. Zu ihren ersten bekannten Projekten gehörte der Auftritt auf der Documenta 4 im Jahr 1968 mit der 85 Meter hohen Liftsäule «5600 Cubic Meter Package» – welche eher als MonsterZigarre oder Super-Salami betitelt wurde. Unermüdlich war Christo jedoch darauf erpicht, ein grosses Gebäude zu verhüllen. «Bereits 1964 war mir klar, dass die Verhüllung eines Gebäudes nur innerhalb der Museumswelt möglich sein würde.» 1968 wurde mit der Berner Kunsthalle ihr Traum, ein öffentliches Gebäude zu verhüllen, verwirklicht, und anschliessend ging es dann Schlag auf Schlag. Neue Ideen, neue Orte und neue Projekte, denn schliesslich gab es mehr als nur Museen zu verhüllen. Es folgte «Wrapped Coast», wo der Künstler einen ganzen Küstenstreifen in Australien verhüllte. Gefolgt von «Valley Curtain», wo ein sechs Tonnen schwerer und 111 Meter hoher Vorhang durch ein 400 Meter breites Tal der Rocky Mountains gezogen wurde. Kurze Zeit danach liess Christo bei «Running Fence» einen me-

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ART & CULTURE

DIE VERWIRKLICHUNG DER PROJEKTE Christo und Jeanne-Claude lehnten Sponsorengelder aus öffentlicher oder privater Hand strikt ab, und somit wurden die Projekte durch den Verkauf von Planskizzen, Modellen und Zeichnungen finanziert. Womöglich wären viele Projekte auch nie zustande gekommen, wenn die beiden nicht die Kosten dafür selbst übernommen hätten. «Zwischen 1991 und 1995 haben wir 39 Millionen Dollar ausgegeben», berichtet Jeanne-Claude. Das Geld hatten sie von der Bank geliehen, und so zahlten sie «Zinsen bis zu dem wundervollen Tag, an dem wir sagen können, vielen Dank, wir haben unsere Zahlungen nun abgeschlossen». Insgesamt konnten von 1962 bis 2019 23 Projekte realisiert werden. Ob verhüllend, leitend oder abgrenzend – die Projekte einen die immense Grösse, die Verwendung von Stoffen sowie – und das war ihnen besonders wichtig – die öffentliche Zugänglichkeit. Auch nach dem Tod des Künstlers hält Frankreich an der geplanten Verpackung des Triumphbogens fest. Die Verhüllung des legendären Wahrzeichens von Paris wird im kommenden Jahr stattfinden, und es verspricht, ein spektakuläres Ereignis zu Ehren eines der aussergewöhnlichsten Künstler zu werden.

Der 40 Kilometer lange «Running Fence» in Kalifornien wurde 1976 vollendet.

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Autorin_Vera Dillier Bilder_Helen Waldburger / Elliot Jack Stew

YOU, ME & THE ART Mit der Ausstellung «Threesome: You, Me & the Art» in der Galerie 10 in St. Moritz präsentiert das junge Künstlerpaar Helen Waldburger und Elliot Jack Stew 25 seiner Werke erstmals in der Schweiz. Eine Ausstellung, die sich aus gemeinsamen Erfahrungen und kombinierten Visionen zusammensetzt.

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ART & CULTURE

«Lai della Stria», ein Gemälde, das die Glücksgefühle beim Betrachter hevorrufen möchte, die einen beim Sprung ins kühle Nass überkommen. Gleichzeitig weist das Werk auf das Unbekannte hin, das auf dem Grund des Gewässers wartet.

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PRESTIGE Das Werk «Keep your hands off my Dads mackerel» von Elliot Jack Stew zelebriert den persönlichen Werdegang des Künstlers. Fische waren das Hauptsujet seines Vaters, der ebenfalls als Maler tätig war.

DIE

Die Nachwuchskünstler Helen Waldburger und Elliot Jack Stew lernten sich 2014 an der Kunstuniversität Central Saint Martin in London kennen und wurden zu einem Paar, das sich gegenseitig inspiriert. Sie zeigen nun erstmals ihre Werke in der Schweiz. Die Schweizerin Helen Waldburger ist seit ihrer Jugend mit dem Engadin verbunden, während ihr Partner Elliot Jack Stew alles erst durch ihre Augen neu entdeckte. Und genau darauf basiert diese aktuelle Ausstellung. Gemeinsame Erlebnisse, Erfahrungen und die Visionen der beiden Künstler vermengen sich zu einer kreativen und schöpferischen Kraft – die Kunst wird so zum dritten Akteur des Künstlerpaares und zu einem essentiellen Teil der Beziehung. So gilt bei den beiden Künstlern 1+1=3. Dass Helen Waldburger selber eine sehr feine junge Frau ist, kommt auch in ihren Bildern zum Ausdruck. Sie malt mit Wasser und Ölfarben auf durchsichtigen Stoffen und erfand damit eine neue einzigartige Technik mit hohem Wiedererkennungswert. Das Ganze ergibt ein Spiel von Licht und Schatten, das sich auf der dahinterliegenden Wand spiegelt, sodass die Bilder schon fast dreidimensional wirken. Helen hat bisher weitgehend in Grossbritannien ausgestellt und wurde bereits für den «NOVA Award» nominiert. Auf die zarten Werke von Helen treffen die ausdrucksstarken Bilder von Elliot mit seinen sehr persönlichen Reflektionen. Sein Hummer-Bild «in Lobster we trust» entstand aus seinem Wissen, dass der Hummer früher in Amerika das Protein des armen Mannes war und heute zum Sinnbild von Luxus auf der Speisekarte geworden ist. Elliot konnte seine Kunst bereits im Somerset House in London ausstellen und wurde für den «CASS Art Prize» selektiert.

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Threesome: You, Me & the Art 1. August 2020 bis 30. September 2020 Galerie 10 Via Maistra 10 7500 St. Moritz


ART & CULTURE

KOSTBARES UND KURIOSES:

MAGISCHE MASCHINEN

Autorin_Vivien Rathjen

in nur drei Wochen auf eine 36 Meter lange Papierrolle in einer rasenden Geschwindigkeit von 100 Anschlägen pro Minute. Der so entstandene, ununterbrochen lesbare Gedankenfluss wurde vor ein paar Jahren für zwei Millionen Dollar versteigert. Die Begeisterung für Schreibmaschinen schwappte auch in andere künstlerische Bereiche über. 1950 schrieb der Komponist Leroy Anderson eine orchestrale Hommage an das Schreibgerät. Das Klappern der Schlagköpfe auf dem Papier und der Klingelton, mit dem das Ende der Zeile verkündet wird, sind dabei essentielle Bestandteile der Melodie. Richtig berühmt wurde das Stück durch die geniale Interpretation des Komikers Jerry Lewis 1962 im Film «Der Ladenhüter». Lewis imitiert die Tippbewegungen allerdings in der Luft, denn die vom Komponisten vorgegebene Schreibgeschwindigkeit lässt auch geübte Bürokräfte aus der Puste kommen. Bei Aufführungen übernehmen professionelle Schlagzeuger den Part – auch ein Grund, warum man die Schreibmaschine zu den Schlagwerken zählt. Der Satz «All work and no play makes Jack a dull boy» hat Filmgeschichte geschrieben. Jack Nicholson tippt ihn in seiner Rolle als manischer Autor Jack Torrance im Film «The Shining» (1980) auf ganze Papierberge. Als wäre die Szene nicht schon beunruhigend genug, hat sich der Regisseur Stanley Kubrick noch einen weiteren Dreh einfallen lassen: So existieren für die verschiedenen Sprachversionen des Films auch verschiedene Fassungen des Satzes. Französische Kinogänger sehen «Un tiens vaut mieux que deux tu l’auras», italienische «Il mattino ha l’oro in bocca» und deutsche «Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen». Welcher Satz beunruhigender ist, könnte man auf einer VintageSchreibmaschine ausprobieren.

Heute schon QWERTZ, QWERTY oder AZERTY? Die Antwort liegt in den ersten sechs Buchstaben der ersten Zeile einer Tastatur: Als Europäer schreibt man mit erster, in anglophonen Ländern mit zweiter, und im frankophonen Raum verwendet man die dritte Variante. Die Buchstabenverteilung stammt noch aus Zeiten der mechanischen Schreibmaschinen. Hier versuchte man, Tasten mit viel benutzten Vokalen voneinander zu trennen, um das Verhaken der Schlagköpfe zu verhindern. Warum auch Computertastaturen diese Aufteilung beibehalten, lässt sich nur mit Gewohnheit, nicht mit Notwendigkeit erklären. Übrigens befinden sich alle Buchstaben für das Wort «Typewriter» in der ersten Zeile einer QWERTYAufteilung. Ob das ihr Erfinder Christopher Sholes wohl absichtlich gemacht hat? Die «Blaue Mauritius» für Schreibmaschinensammler heisst «Malling-Hansen» und sieht aus wie ein Nadelkissen: Die einzelnen Tasten stecken in einer Halbkugel, und das Papier wird in den Zylinder darunter gesteckt. Noch merkwürdiger sehen die ältesten Schreibmaschinen aus, die der österreichische Erfinder Peter Mitterhofer 1864 patentieren liess: Holzkästen, die an Musikinstrumente erinnern und deren Schlagköpfe im Kreis angeordnet sind. Solche Maschinen können Preise bis zu 50’000 Euro erzielen. Für Sammler sind Schreibmaschinen allerdings mehr als nur technische Geräte einer vergangenen Epoche. Der Schauspieler und leidenschaftliche Sammler Tom Hanks sieht darin Werkzeuge der Kreativität, ohne die zahlreiche Meisterwerke nicht geschrieben worden wären. In seiner inzwischen auf über 100 Stück angewachsenen Sammlung befinden sich auch Schreibmaschinen der Marke Underwood – die Lieblingsmarke des Schriftstellers Jack Kerouac. Der Legende nach schrieb er sein berühmtes Buch «On the Road»

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© 2020 Automobili Lamborghini S.p.A

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LAMBORGHINI P400 MIURA «THE ITALIAN JOB» DE 1968. COLLECTION FRITZ KAISER.

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ART & CULTURE

POPKULTUR Autor_Frédéric Brun

AUF HÖCHSTEM NIVEAU

ZUM ALLERERSTEN MAL EHRT DIE CITÉ DE L’AUTOMOBILE IM JAHR 2020 LAMBORGHINI UND VEREINT HERAUSRAGENDE MODELLE DES ITALIENISCHEN HERSTELLERS, DIE VON DEN GRÖSSTEN NAMEN DER KAROSSERIE- UND DESIGNBRANCHE ENTWORFEN WURDEN. MIT EINER THEMATISCH ORIGINELLEN PRÄSENTATION BELEUCHTET DIE AUSSTELLUNG DIE VERBINDUNGEN ZWISCHEN DEN KÜHNSTEN FAHRZEUGEN DES HERSTELLERS UND DER ZEITGENÖSSISCHEN POPKULTUR. 41


© 2020 Automobili Lamborghini S.p.A.

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Ein Prototyp des Lamborghini Marzal beim Grand Prix von Monaco 1967.

Lamborghini P400 Miura «The Italian Job» von 1968. Collection Fritz Kaiser.

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© The Classic Car Trust

ART & CULTURE

LAMBORGHINI

Lamborghini erfreut sich seit der Gründung durch Ferruccio Lamborghini grosser Beliebtheit bei Sportlern, Schauspielern und Persönlichkeiten und ist sowohl auf der Strasse als auch auf der Leinwand zu einer Referenz aufgestiegen. In «Véhicules rares – Fahrzeuge mit Seltenheitswert» – wird die Geschichte der Marke von den 1960er Jahren bis hinein ins 21. Jahrhundert nachgezeichnet. Die aussergewöhnlichen Leihgaben, die vom Lamborghini-Museum MUDETEC und privaten Sammlern stammen, vervollständigen die Sammlung Schlumpf, die weltweit grösste Sammlung historischer Fahrzeuge. 1963 begann Ferruccio Lamborghini mit der Konstruktion von Luxus-Sportwagen. Der reiche Industrielle mit einer Begeisterung für Mechanik war von den renommierten Marken der damaligen Zeit (Ferrari, Maserati, Jaguar, Alfa Romeo) enttäuscht und beschloss, den mythischen Ferrari Konkurrenz zu machen. Das aus der Wut geborene Unternehmen Automobili Ferruccio Lamborghini wurde am 1. Juli 1963 in der Nähe von Modena gegründet. Auf den entwickelten Prototypen ist ein Stier, Sternzeichen von Ferruccio, abgebildet, der schliesslich zum Emblem des Unternehmens wurde und für Feuer und Charakter steht. Das Zielpublikum der jungen Marke sind Automobilenthusiasten mit einem Hang zum Nervenkitzel. 1965 wurde der Miura, der erste Strassensportwagen, der von Rennwagen den Motor in zentraler Hecklage übernahm und es auf mehr als 300 km / h brachte, vorgestellt. Von der Präsentation des ersten Modells, des 350 GTV, auf dem Genfer Autosalon 1964 bis zur letztjährigen Wüstendurchquerung im Urus zeichnen sich die Autos mit dem Schriftzug Lamborghini, die stolz ihre südländische Identität und italienische Linienführung zeigen, durch ihre Radikalität und ihre Ästhetik aus, die Design und Technik an ihre damaligen Grenzen brachten. Die Ausstellung bietet Einblicke in die streckenweise bewegte Geschichte des italienischen Herstellers und unterstreicht die Einzigartigkeit dieser aussergewöhnlichen Automobile, die auch heute noch Traumautos sind. Gleichzeitig beschreitet die Marke, Sinnbild für Supercars, neue Wege auf den Rennstrecken, aber auch in unwegsamem Gelände mit einem der gewagtesten SUVs, die heute zu haben sind. Von den ersten visionären Kreationen bis hin zu neueren Supersportwagen, die zum Träumen führen und

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Adrenalinschübe auslösen, zeichnet die Ausstellung die Geschichte der Marke und die Gründe für ihr mehrfaches Wiederaufleben trotz Wirtschaftskrisen nach. Neben den aussergewöhnlichen Fahrzeugen werden auch zahlreiche Archivdokumente präsentiert.

© akg / MONDADORI PORTFOLIO / Sergio del Grande

IKONE DER AUTOMOBILEN POPKULTUR Ein Lamborghini ist nicht nur ein aussergewöhnlich schnelles Auto, ein einzigartiges Designstück oder ein Konzentrat einer alle Rahmen sprengenden Technologie. Ein Lamborghini ist ein Versprechen, ein Traum, eine Vorstellung und zumal auch pure Fantasie. Die prominentesten Persönlichkeiten zählen zu seinen Aficionados und haben ihn zum Star der Automobilszene gemacht. Der am 28. April 1916 im Zeichen des Stiers geborene Ferruccio Lamborghini war nicht der Typ, der sich etwas vorschreiben liess. Der Bauernsohn aus der Emilia-Romagna, Absolvent der Hochschule für Technik von Bologna, der sein Vermögen mit der Herstellung von Landmaschinen und Brennern gemacht hatte, trat 1963 nach einem Wutanfall gegen Enzo Ferrari auf die Bühne des automobilen Abenteuers. «Du kannst vielleicht Traktor fahren, aber Du wirst nie einen Ferrari fahren können», provoziert ihn eines Tages der Commendatore, als der Traktorhersteller kam, um seinen Ferrari reparieren zu lassen. Ferruccio Lamborghini beschliesst daraufhin, die Marke aus Maranello zu entthronen. Er umgibt sich mit den besten Ingenieuren der damaligen Zeit (Giotto Bizzarrini, Giampaolo Dallara, Paolo Stanzani) und baut in Sant’Agata Bolognese, in der Nähe von Modena, ein Werk zur Herstellung schneller GTs. Die italienische Marke hält sich bewusst vom Motorsport fern, wird aber von einer Aura profitieren, die umgekehrt proportional zu ihren geringen Produktionszahlen ist. Staatsoberhäupter, Künstler, Rock- und Filmstars, Industriekapitäne, Trader, Piloten und Playboys werden zu bedingungslosen Lamborghini-Fans und machen aus der Marke ein Symbol der automobilen Popkultur. 1967 eröffnen Fürst Rainier III. und Fürstin Gracia Patricia den Grossen Preis von Monaco am Steuer des Marzal, einer sensationellen Studie des Designers Marcello Gandini für den Karosseriebauer Nuccio Bertone. Ab diesem Moment zieht er wie ein Magnet eine stetig wachsende Zahl an Berühmtheiten an, von Miles Davis bis Rod Stewart, über den Schah von Persien, König Faisal von Saudi-Arabien, Aristoteles Onassis, aber auch Paul McCartney, Johnny Hallyday, Christophe, Silvester Stallone und heute Jay Kay, POG, Kanye West, David Beckham, Cristiano Ronaldo, Jay-Z, Justin Bieber, 50 Cent, oder Kim Kardashian. Genug, um einen der ersten Mythen in der gesamten Automobilgeschichte zu begründen, der nicht auf Motorsport basiert: Die Marke ging bezüglich Motorsport fast immer deutlich auf Distanz. Auch mit dem Ableben von Ferruccio Lamborghini am 20. Februar 1993 hat die Marke nie aufgehört, sich neu zu erfinden, was ihre Liebhaber zu danken wissen.

RECHTS Lamborghini concept P140 - Prototyp. LINKS Ferruccio Lamborghini, Gründer der Marke, posiert zwischen einem Lamborghini Jarama und einem landwirtschaftlichen Traktor 1970.

POP LAMBORGHINI 9. Juli 2020 – 10. Januar 2021 Cité de l’Automobile – Musée national Collection Schlumpf 17, Rue de la Mertzau Mulhouse Kurator: Frédéric Brun, Autor mehrerer Bücher über die Geschichte des Automobils, Journalist, Sammler und Mitglied der internationalen Jurys der Concours d’Élégance.

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© Umberto Guizzardi for Automobili Lamborghini

ART & CULTURE

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Blütezeit einer Kunstnation

© Audemars Piguet

Autorin_Swenja Willms

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© David Chipperfield Architects

ART & CULTURE

Kaum ein Land auf dieser Welt beherbergt mehr Museen pro Kopf als die kosmopolitische Schweiz  – 1118 waren es an der Zahl im Jahr 2018. Daneben erfreut eine Vielzahl an Galerien, Auktionen sowie internationalen und regionalen Messen das Herz von Kunstliebhabern aus aller Welt. Und bereits in den vergangenen Monaten durften wieder weitere Kunstlokalitäten entstehen. Drei davon sollten Kunstkenner auf die Agenda setzen. 47


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VERSCHMELZUNG VON TRADITION UND FORTSCHRITT –

MUSÉE ATELIER AUDEMARS PIGUET Die Besucher erwartet eine abwechslungsreiche Reise durch die Uhrmacherei. Durch Interludien wie Skulpturen, Apparate, kinetische Installationen und Modelle von komplexen mechanischen Uhrwerken wird den verschiedenen Aspekten von Technik und Design Leben eingehaucht. Zudem erhalten die Besucher die Möglichkeit, bei einigen historischen Techniken einmal selbst Hand anzulegen. Die Exponate, die aus einem Zeitraum von 200 Jahren stammen, umfassen mehr als 300 Uhren. Unter ihnen Meisterwerke der Komplikation, der Miniaturisierung und des unkonventionellen Designs. All diese aussergewöhnlichen Uhren erzählen dieselbe Geschichte. Sie handelt von bescheidenen Handwerkern, die im 19. Jahrhundert in einem entlegenen Tal im Schweizer Jura lebten. Sie fertigten Uhren, die weit über die Grenzen ihres Tals hinaus die Menschen in den Städten in Staunen versetzten und auch heute noch Uhrenliebhaber auf der ganzen Welt begeistern.

2014 gewann die Bjarke Ingels Group (BIG) den ausgeschriebenen Wettbewerb von Audemars Piguet, die historischen Gebäude der Marke zu erweitern. Das Unternehmen konzipierte einen modernen spiralförmigen Glasbau. Er ist an das älteste Gebäude des Unternehmens angeschlossen, in dem Jules Louis Audemars und Edward Auguste Piguet einst ihre Werkstatt gründeten – eine Art Start-up aus dem Jahr 1875. Diese architektonische Verbindung verweist auf die Verschmelzung von Tradition und Fortschritt, die den Kern des Handwerks von Audemars Piguet bildet. Gleichzeitig unterstreicht sie die tiefe Verwurzelung von Audemars Piguet im Vallée de Joux. In die raffinierte Raumgestaltung des Museums sind klassische Werkstätten eingegliedert, in denen einige der kompliziertesten Uhren der Manufaktur auch heute noch vollendet werden. So können Besucher den Kunsthandwerkern von Audemars Piguet bei ihrer Arbeit quasi einen Blick über die Schulter werfen. Die Werkstätten für Grandes Complications und Métiers d’Art sind im Herzen der Spirale untergebracht. Sie hauchen den zahlreichen mechanischen und ästhetischen Meisterwerken, die im Museum ausgestellt sind, Leben ein.

Musée Atelier Audemars Piguet Route de France 18 CH-1348 Le Brassus Eröffnung für Besucher: 25. Juni 2020

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© Audemars Piguet

ART & CULTURE

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© David Chipperfield Architects

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ART & CULTURE

PURISTISCH ELEGANT –

Das vom Schweizer Architekten Karl Moser entworfene Kunsthaus Zürich wurde zwischen 1904 und 1910 erbaut und befindet sich am Heimplatz in der Zürcher Innenstadt. Das bestehende Museum soll auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes um ein neues Gebäude erweitert werden, das von David Chipperfield Architects Berlin entworfen wurde. Die neue Erweiterung zeigt eine Sammlung der klassischen Moderne, die Bührle-Sammlung, Wechselausstellungen und eine Sammlung zeitgenössischer Kunst ab den 1960er Jahren. Zusammen mit dem Schauspielhaus auf der Ostseite des Platzes bilden die Museumsgebäude ein «Tor zu den Künsten», einen städtischen Zugang zur Bildungsmeile, die zu den Universitätsgebäuden im Norden führt. Das städtische Konzept sieht die Platzierung eines klaren geometrischen Volumens am Nordrand des Platzes vor, was zur Definition von zwei neuen öffentlichen Räumen führt – einem städtischen Platz, der im Süden von Architektur umrahmt wird, und dem Kunstgarten, der im Norden als natürlicher Kontrapunkt fungiert. Eine öffentlich zugängliche Halle, die sich über die gesamte Länge des Gebäudes erstreckt, stellt eine Verbindung zwischen diesen beiden neuen städtischen Räumen her. Die grossen Eingänge zum Platz und zum Garten schaffen eine starke Beziehung zur umliegenden Stadt, während grosse Fenster an allen Seiten des

Kunsthaus Zürich Heimplatz 1 CH-8001 Zürich Eröffnung für Besucher: Herbst 2021

Gebäudes diese Verbindung verstärken. Die Fassade der Erweiterung wird durch traditionelle Steinfassaden bestimmt, die sich im bestehenden Museum sowie in anderen bedeutenden öffentlichen Gebäuden in Zürich befinden. In regelmässigen Abständen platzierte schlanke Pilasterstreifen und die gesägte Kalksteinoberfläche verweben Tradition mit der Gegenwart und binden das Gebäude in den urbanen Kontext ein. Der Grundriss des Gebäudes basiert auf der Idee eines «Hauses der Räume». Alle öffentlichen Einrichtungen wie Café oder Bar, Veranstaltungssaal, Museumsshop und Bildungsdienste befinden sich im Erdgeschoss um die zentrale Eingangshalle. Die Halle ist sowohl vom Garten als auch vom Heimplatz aus für die Öffentlichkeit zugänglich und haucht dem Platz neues Leben ein. Die beiden oberen Stockwerke sind für die Ausstellung von Kunst reserviert, wobei die Ausstellungsräume eine Abfolge von Räumen unterschiedlicher Grösse bilden. Tageslicht tritt von der Seite im ersten Stock und durch Dachfensteröffnungen im zweiten Stock in das Gebäude ein und gibt dem Besucher eine zeitliche und räumliche Orientierung. Zusammen mit dem heutigen Gebäude entsteht bis 2020 ein dynamisches Ensemble – das grösste Kunstmuseum der Schweiz. Die Eröffnung erfolgt im Herbst 2021.

«TOR ZU DEN KÜNSTEN» 51


EIN FEST DER EXTRAKLASSE –

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GALLERY ELLE IM SUVRETTA HOUSE

Im Winter 2019 gab die Galerie ELLE ihren zweiten Standort im Suvretta House St. Moritz bekannt. Dieser neue Raum stellt eine natürliche Erweiterung der Aktivitäten der Galerie ELLE in der Schweiz dar. Die Galerie ELLE St. Moritz, im Herzen der Suvretta Gallery gelegen, bietet Gästen ein unvergessliches Erlebnis aus Kunstinstallationen, Gemälden, Fotografien, Skulpturen und Leuchten. Der Aussengarten, umgeben von einem wunderschönen, atemberaubenden Panorama, zeigt renommierte und aussergewöhnliche Einzelwerke. Atossa Meier, Galeristin der Galerie ELLE, sagt zu der Neueröffnung: «Es ist mir eine Ehre, meine Galerie in dieser historischen Bastion von Kunst, Kultur und Literatur zu eröffnen. Es ist mein Weg, zum Erbe von St. Moritz und dem Engadin beizutragen.» Nach einem grosszügigen Umbau der Galerie wird die Sommersaison 2020 eingeläutet, unter anderem mit der Ausstellung «Celebrations», kuratiert mit Stücken von dem Lichtkünstler Christopher Boots, Spiegelkunst von Mathias Kiss sowie weiteren aussergewöhnlichen Werken. Der Suvretta-Garten zeigt Skulpturen von Julian Mayor sowie Kunstgemälde von Pierre Bonnefille aus Paris.

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ART & CULTURE

Gallery ELLE Suvretta House – Via Chasellas 1 CH-7500 St. Moritz Eröffnung für Besucher: 10. Juli 2020

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ART & CULTURE

Neologismus par excellence – so könnten die Werke des Schweizer Portraitkünstlers 3Kay beschrieben werden. Der gelernte Informatiker verschrieb sich vor einigen Jahren der Kunst, vertraute blindlings seinen Instinkten und blieb fortan seinen Fähigkeiten treu. Seine Portraitbilder verbinden verschiedenste künstlerische Konzepte und stossen weltweit auf Resonanz.

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Autoren_Cemil Baysal & Beat Kraushaar Bilder_3Kay

EINE KÜNSTLERISCHE

SYNTHESE


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KAY

Kay wurde 1981 in Basel geboren und fungiert als Künstler unter dem Namen 3Kay mit Schwerpunkt in Graffiti und Street Art. Schon als Kind hatte er Interesse am Malen und war in seinem Heranwachsen immer auf der Suche nach neuen Entdeckungen, um seinen Drang zu lernen zu stillen. Die anfänglichen Hemmungen während der Malerei verschwanden nach dem Wechsel zum Malen auf Leinwänden. Die ersten Portraits von 3Kay wurden nach dem Abbild seiner drei Töchter geschaffen, mit Stolz eingerahmt und aufgehängt von Kayas Frau. Das führte dazu, dass die ganze Familie gemeinsam malte und dadurch Zeit zusammen verbrachte, wobei sie Spass und Kunst miteinander verbanden. Das war der letzte Anstoss, endlich den lange gehegten Traum, in der Kunst Fuss zu fassen, in Angriff zu nehmen. Malen erlaubt es 3Kay, alles hinter sich zu lassen und in die Welt der Farben einzutauchen. Mittlerweile zeichnet sich der Basler Künstler durch seine neugierige, kreative und perfektionistische Persönlichkeit aus, die ihn zu dem macht, was er ist. Seit jeher besuchte Kay gerne Ausstellungen in Museen und studierte und recherchierte die dortigen Kunstwerke. Eine Inspiration waren auch die Gemälde und Zeichnungen alter Maler, die in 3Kay den Wunsch festigten, einen Pinsel in die Hand zu nehmen und seine Begabung zu erwecken. Zurzeit lebt der Künstler mit seiner Familie in Frankreich, sieht sich als Botschafter der modernen Kunst und ernährt seine Kunst mit Inspiration und Kreativität.

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ART & CULTURE

SWISSINSPIRATION Das Markenzeichen von 3Kay ist der Begriff «Swissinspiration», mit dem er die wiederentdeckte Ernsthaftigkeit in der zeitgenössischen Kunst bezeichnet und so vom Betrachter auch verstanden werden möchte. Schlägt man in Wörterbüchern nach, so wird der Begriff «Swiss» oftmals gleichgestellt mit Qualität oder «dem inneren Antrieb folgend». Mit seinem unverwechselbaren Malstil, der sich aus der Dynamik des Augenblickes entwickelt, vermittelt 3Kay traditionelle, in der Kunst gültige Werte in einer neuen, dem Zeitgeist entsprechenden Interpretation. Betrachtet man unter diesen Aspekten die Gemälde, so ist dieser Neologismus, der das Wissen über die Techniken aus der Öl-, Aquarell- und Acrylmalerei, Sprayund Collagenkunst harmonisch vereint, weit mehr als nur aussagekräftig. Die Bilder von 3Kay entwickeln sich spontan, denn der Künstler folgt seinem inneren Antrieb, verlässt sich auf seine momentane Gefühlslage und überrascht mit seinen Bildern, die zwar nach realen Vorbildern streben, jedoch aus der momentanen Intuition entstehen. Neben urbanen Zentren Europas, wie Zürich oder Basel, konnte 3Kay seine Kunst auch bereits im Nahen Osten präsentieren. Auch Weltstars sind von der Kunst von 3Kay begeistert und von seinem Talent und seiner Inspiration überzeugt. Stars wie Maldini, Irfan Can, Kaya Yanar, Loris Karius und die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft haben bereits Kunstwerke von 3Kay erhalten.

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TRENDS

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S F V V&A

Diesen Herbst widmet sich das V&A dem ultimativen Accessoire: die umfassende Ausstellung «Bags: Inside Out» untersucht die jahrelange Faszination für die Tasche. Von Designerhandtaschen über Versandkartons, Kosmetikkoffern bis hin zu Militärrucksäcken, mit innovativen Designs von Mulberry bis Karl Lagerfeld, Taschen von Vivien Leigh bis Sarah Jessica Parker, vom Erbe von Hermès bis zur Streetwear von Off-White.

SCHEIDEGGER & SPIESS

Die in Seoul lebende Künstlerin Hong Seung-Hye hat durch das Trotzen konventioneller Grenzen eine einzigartige Position in der Kunstszene erlangt. Dieses Buch zeichnet den Verlauf Hongs produktiver Karriere nach. Neben mehr als zweihundert Farbreproduktionen von Hongs Kunst enthält es auch vier Essays, die von angesehenen koreanischen Kritikern, Kuratoren und Pädagogen verfasst wurden.

FONDATION BEYELER

©Succession Picasso / 2020. ProLitteris, Zürich

Die Moderne als Zeitalter des technischen Fortschritts ist vor allem durch Bewegung und Geschwindigkeit charakterisiert, die auch in der Kunst auf vielfältige Weise ihren Niederschlag gefunden haben. Zugleich entwickelte sich vermehrt auch eine Sehnsucht nach Entschleunigung. So stehen in der aktuellen Sammlungsausstellung «Stilles Sehen – Bilder der Ruhe» in der Fondation Beyeler Werke der modernen und zeitgenössischen Kunst im Fokus, die sich mit dem Thema der Ruhe befassen.

A

©Vincent Amar

ART PARIS

Die «Art Paris» kehrt vom 10. bis 13. September 2020 zurück ins Grand Palais in Paris. Mehr als 110 Galerien bieten eine regionale Erkundung der europäischen Kunst an – von der Nachkriegszeit bis heute.

ART & CULTURE

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Mit unserer Landschaftsarchitektur kreieren wir Werte für Generationen.

RAPPERSWIL- JONA | ZURICH | MIAMI | NEW YORK

Buechstrasse 12 | CH - 8645 Rapperswil-Jona | T + 41 55 225 55 55 | info@enea.ch | www.enea.ch


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TR AV EL

TR AVEL

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TRAVEL

ZWISCHEN Autorin_Helena Ugrenovic

DEN MEEREN

EINE SATTGRÜNE FLORA, EINE REICHHALTIGE FAUNA, KARIBISCHE STIMMUNG AUF DER EINEN, PAZIFISCHER WELLENGANG AUF DER ANDEREN SEITE, TEILWEISE UNBERÜHRTE NATUR, BUNTE PFEILGIFTFRÖSCHE, SCHLÄFRIGE FAULTIERE, EINE 82 KILOMETER LANGE WASSERSTRASSE UND PANAMA CITY, EXZENTRISCH, TEILWEISE DEKADENT, PULSIEREND, ANMUTIG, DIE KOSMOPOLITISCHSTE STADT MITTEL­AMERIKAS UND EIN MIX AUS MIAMI UND DEN GESCHICHTENERZÄHLERN AUS DER KOLONIALZEIT. OH WIE SCHÖN IST PANAMA.

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TRAVEL

Republik Grosskolumbien an. Simón Bolívar, auch «El Libertador», der Befreier, genannt, ein venezolanischer militärischer und politischer Führer, der die heutigen Länder Venezuela, Bolivien, Kolumbien, Ecuador, Peru und Panama in die Unabhängigkeit vom spanischen Imperium führt, kann seinen Traum von einem geeinten Südamerika jedoch nicht verwirklichen. Wegen der besonderen Rolle Panamas als Handelsweg zwischen den Ozeanen ist die Verbindung zu Kolumbien nie sehr fest. Denn trotz der Unabhängigkeit vom Königreich Spanien herrschen regionale und politische Unruhen, Rivalitäten, innenpolitische Machtkämpfe –  die neuen Republiken versinken im Chaos. Auch in Panama toben Aufstände, und 1840 löst sich Panama von Kolumbien, jedoch ohne komplette Alleinbestimmung. Als die kolumbianische Regierung der Société Civile Internationale du Canal Interocéanique 1878 eine Konzession zum Kanalbau, die sogenannte Wyse-Konzession, erteilt und nach einem Jahr unter der Leitung von Ferdinand de Lesseps, dem Erbauer des Suezkanals, das Unternehmen bankrott ist und den Bau einstellt, nehmen die USA, die ein Transitrecht in Panama geniessen, mit der Regierung in Bogotá Kontakt auf, um den Weiterbau des geplanten Atlantik-Pazifik-Kanals zu forcieren. Doch die Verhandlungen scheitern an den bürgerkriegsähnlichen Zuständen in Kolumbien. Auf das Bestreben und die Initiative der USA hin wird das heutige Panama 1903 von Kolumbien abgespalten und als selbständige Republik proklamiert.

ES

Es ist ein schmaler Grat, der 60 Kilometer breite Isthmus von Panama, die Landenge, die im Norden das Karibische Meer und im Süden den Pazifischen Ozean berührt. Lange vor der europäischen Kolonialisierung ist Panama weitgehend von Chibchan-, Chocoan- und Cueva-Völkern besiedelt, die hauptsächlich von der Jagd, dem Sammeln von essbaren Pflanzen und Früchten und dem Anbau von Mais, Kakao und Hackfrüchten leben. Völlig ahnungslos ist die in kleinen Hütten aus Palmblättern lebende indigene Bevölkerung über all die Schätze und Reichtümer Südamerikas, die Freibeuter, Piraten und gierige Europäer wie das Licht die Motten anlocken. ONCE UPON A TIME 300 Jahre lang ist Panama Teil des spanischen Reiches, und keine andere Region erweist sich als strategisch und wirtschaftlich wichtiger – alle Schätze und all das Gold des von Kolumbus erzählten «Sesam, öffne dich!», die in Südamerika zu finden sind, wurden nach Europa verschifft. Als die spanischen Kolonien 1821 ihre Unabhängigkeit vom Mutterland erklären, schliesst sich Panama der

PANAMA CITY Sie ist sowohl pulsierende Metropole als auch Tor zu tropischen Fluchtmöglichkeiten. Inmitten satten Dschungels glitzert die Skyline von Panama City erhaben über dem Wasser. Sonnenstrahlen tanzen auf den Glasfassaden der Wolkenkratzer, die sich

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PANAMAISCHE BALBOA Obwohl er zu den damaligen Konquistadoren gehört, die unter der spanischen Krone das Land eingenommen und kolonialisiert haben, gedenkt man seiner noch heute. Die Währung Panamas, der Balboa, ist nach Vasco Núñez de Balboa benannt. Zahlreiche Strassen, öffentliche Plätze und Parks in den Staaten des amerikanischen Westens sind nach ihm benannt, und auch Firmen und Produkte tragen heute noch den Namen Balboa. ARCHIPIÉLAGO DE BOCAS DEL TORO Die karibische Inselkette ist Panamas Ferienort Nummer eins und eine Oase der puren Entspannung. Mit Cruiser Bikes zum Strand fahren, beim Abendessen in einer strohgedeckten Hütte am Strand faulenzen, surfen oder schnorcheln, in einer bescheidenen Rucksackunterkunft wohnen oder in einer der atemberaubenden Dschungel-Lodges und Luxusresorts auf den Ausseninseln logieren. Es ist der perfekte Ort, um fernab vom Rest der Welt eben diesem Rest der Welt «hasta la vista» zuzuf lüstern und die Auszeit zu geniessen.

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scharf vom klaren, blauen Himmel abheben und jeden Besucher, der von einer Katamaran-Tour nach Panama City zurückkehrt, in Schnappatmung versetzen. Es ist eine faszinierend merkwürdige Kulisse, und sie verleitet zu unermüdlichen Klicks auf dem Fotoapparat oder Smartphone, zu kontrovers ist das Bild aus hypermodernen Bauten, die in die Sonne ragen, und den alten Holzbooten, die davor im Wasser dümpeln, während die Fischer ihren Fang aus den Kuttern an Land wuchten. Panama City ist die einzige Hauptstadt der Welt, in deren Stadtmitte ein tropischer Regenwald zu finden ist. Gleichzeitig liegt sie an einem der spektakulärsten und grössten Bauwerke der Geschichte, dem Panamakanal, durch den die Stadt nicht nur reich, sondern auch bedeutend wurde. Es ist eine Stadt der Kontraste, wo sich Moderne mit Kolonialstil vermischt, wo bunt besprayte Touristenbusse, die «diablos rojos», neben schnittigen Sportwagen an der Ampel hupen, wo indigene Völker Handwerkskunst auf den Strassen verkaufen, während im Casco Viejo, der Altstadt, Hipster und schicke Fashionistas in Stilettos graziös über die Pflastersteine in die angesagten Restaurants und Clubs tänzeln. Panama City verkörpert die Mentalität des ganzen Landes. Panama ist ein Herzlich-willkommen-Staat und eine regionale Drehscheibe für Handel und Einwanderung. Der daraus resultierende kulturelle Cocktail-Mix führt zu einer erfrischenden «anything goes»-, Alles-ist-möglich-Haltung, die um einiges dynamischer und flüssiger ist als in den Nachbarländern. Und wo die heimische Bevölkerung den Touristen nicht mit zurückhaltendem Misstrauen, sondern mit herzlicher Freundlichkeit begegnet und jeder Taxifahrer nebst Ratschlägen, unbedingt Schutzfaktor 50 bei einer Bootsfahrt aufzutragen, allerlei Geschichtliches freudig erzählt. CASCO VIEJO Der bezaubernde Stadtteil liegt am südwestlichen Rand von Panama City und ist der zweite Standort von Panama City. Der erste war Panama Viejo. Bis zu Beginn des 20sten Jahrhunderts ist er das Stadtzentrum und wird 1997 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Seit den 1990er Jahren wurden am Casco Viejo Restaurierungsprojekte durchgeführt, und diese zahlen sich aus. Heutzutage hat das Viertel eine romantische, fast kunstvolle Ausstrahlung, die es zu einem angenehmen Ort zum Bummeln und Erkunden macht. Der architektonische Stil von Casco Viejo vermischt französische, spanische und neoklassizistische Einflüsse in den hohen Häusern, die die Kopfsteinpflasterstrassen säumen. Zwischen den Häusern wirken die Kirchen und Museen wie zufällig hingestreut. Neue Geschäfte, Designerläden, schicke Restaurants, hippe Bars und Boutique-Hotels betten sich zwischen die historischen Gebäude. Diese Mischung aus Boutique und Bohème, ein pulsierendes Nachtleben, das sich speziell an der Plaza Bolívar abspielt, Live-Musik, Open-Air-Restaurants und zahlreiche Cafés, die nicht nur den besten Kaffee servieren, sondern wo von jedem Sitzplatz aus wunderbare Fotomotive zu knipsen sind, machen Panama City zu einem der schicksten Reiseziele, die jegliche Reisende, vom Rucksacktouristen über Jazzliebhaber bis zu Yuppies, anziehen. Ein historischer Magnet ist die Plaza de La Independencia im Zentrum von Casco Viejo, an der Panama 1903 seine Unabhängigkeit von Kolumbien erklärte. Die Catedral de Nuestra Señora de La Asuncíon stammt aus dem Jahr 1688 und beherbergt die Gebeine des Heiligen Aurelio, die in einem Reliquiar hinter einem Gemälde an der Vorderseite der Kirche versteckt sind. Die Plaza

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USD zu Buche, je nach Grösse des Frachters. Das Prinzip ist simpel: Ein Schiff fährt in die Schleuse ein, später schliesst sich die Schleuse, und die Gewölbe sind offen, um die Kammer mit Wasser zu füllen. Acht Minuten dauert es, um die Kammer zu füllen und das Schiff hochzuheben. In dieser Zeit steigt das Schiff auf den Wasserstand der nächsten Schleuse und kann sicher hindurchfahren. In circa acht bis zehn Stunden gelangt man von einem Ozean zum nächsten.

Bolivar ist mit vielen Restaurants und Cafés besonders nachts ein angenehmer Ort zum Entspannen. Die Plaza Francia ist indes einer der besten Plätze im Casco Viejo für Spaziergänge mit einem Spazierweg, der an den Ozean grenzt und einen überwältigenden Ausblick auf die Innenstadt Panamas bietet. Gewöhnlich verkaufen dort zahlreiche Kunsthandwerker und Schmuckdesigner unter schattigen Bäumen und Sonnenschirmen ihre Ware. DIE LÄNGSTE WASSERSTRASSE DER WELT Unabhängig davon, ob man nichts über das Land weiss oder nie geplant hat, Panama zu besuchen, ist der Panamakanal ein weltberühmter Begriff. Vereinfacht gesagt ist er die Abkürzung zwischen dem Pazifik und dem Atlantischen Ozean und eine der besten von Menschenhand geschaffenen Industrieleistungen des 20. Jahrhunderts, das Ergebnis technischer Brillanz und eine der bedeutendsten Errungenschaften der modernen Geschichte. Nachdem die Franzosen das Projekt nicht mehr weiterführen konnten, übernahmen die Vereinigten Staaten die Fertigstellung, und so konnte der Panamakanal 1914 eröffnet werden. Jahrelang bleibt der Bau für die Panamaer ein heikles Thema, nicht zuletzt wegen der Tatsache, dass Tausende von ihnen zusammen mit ausländischen Arbeitern während der Bauarbeiten starben. Der Kanal wird bis 1999 von den USA verwaltet und erst dann vollständig an Panama übergeben. Der Panamakanal funktioniert dank des Systems von drei Schleusen. Das Prinzip ist für jedes Schiff, das in den Kanal einfährt, sehr ähnlich, wobei die Durchfahrt durch den Kanal sehr teuer ist – nicht selten schlägt eine Durchfahrt mit fast einer Million

EIN BISSCHEN ROBINSON CRUSOE Die karibischen Trauminseln San Blas liegen drei Autostunden von Panama City entfernt. Guna Yala, wie die Inseln auch heissen, könnten das Versteck von Robinson Crusoe gewesen sein. Pulvriger, schneeweiser Sand, in den schaumige Wellenspitzen türkisklaren Wassers leise versickern, das Meer angenehm warm und Kokospalmen, die willkommenen Schatten spenden. In Panama, so sagt man, hat jeder Tag eine Insel, sogar ein paar mehr, denn die San-BlasInseln sind eine Inselgruppe im Archipel von San Blas mit 378 Inseln. Die Mehrheit der Inseln ist unbewohnt, lediglich auf den grösseren Inseln finden sich Ureinwohner wie die Guna. Fernab des Massentourismus macht gerade dieser Umstand diesen Ort so anziehend. Beschützt durch die Ureinwohner, die die Kontrolle über das Land haben, sind die San-Blas-Inseln einzigartig, wenn man auf der Suche nach unberührter Natur und Kultur ist. Sie spiegeln den krassen Gegensatz dieses aussergewöhnlichen Landes, das generell noch nicht sehr stark von Touristen überlaufen ist und auf jeder Bucket-Liste stehen müsste.

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EIN KARIBISCHES

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Autor_Urs Huebscher Bilder_Eden Roc Cap Cana

DIE WÄRME UND SCHÖNHEIT DER DOMINIKANISCHEN REPUBLIK HAT SCHON IMMER BESUCHER AN IHRE UFER GELOCKT, ABER DIESE ATTRAKTIVITÄT REIMT SICH NICHT UNBEDINGT AUF EXKLUSIVITÄT, OHNE DAS EDEN ROC CAP CANA ZU ERWÄHNEN, DAS EINZIGE FÜNFSTERNE-RELAIS-&-CHÂTEAUX-MITGLIEDSHOTEL DER DOMINIKANISCHEN REPUBLIK. KOMFORT, VIELFALT, GELASSENHEIT – ALLES MIT EINEM ATEMBERAUBENDEN PANORAMA, DEM GRÖSSTEN SPA UND DEM EINZIGEN 18-LOCH-GOLFPLATZ VON JACK NICKLAUS IN DER DOMINIKANISCHEN REPUBLIK, NUR EINEN STEINWURF VOM GRÖSSTEN YACHTHAFEN DER KARIBIK ENTFERNT. Das Eden Roc Cap Cana bietet 60 luxuriöse Unterkünfte, die von grosszügigen Boutique-Villen mit eigenem Pool bis zu elegant gestalteten Suiten am Strand und vier charmanten Ocean Villas reichen. Die Hotelanlage bietet zwei unterschiedliche Unterkunftsgebiete: das Inland-Boutique-Suite-Segment, das sich 300 Meter vom Beach Club entfernt befindet und über 34 eigenständige Suiten und Villen mit Blick auf den Garten oder die Pools im Lagunenstil verfügt. Der Eden Roc Beach Club ist von 26 atemberaubenden Suiten mit zwei Schlafzimmern am Strand und vier neuen Villen am Pool am Meer umgeben. Eine Sammlung von Luxus-Suiten in einer traumhaften Umgebung mit einem Hauch der italienischen und französischen Riviera und einer verführerischen Aura internationalen Glamours. Umgeben von üppigem Grün, grünen Gärten, Pools im Lagunenstil und beeindruckenden Panoramen am Meer, sodass jeder Reisende seinen Himmel der Intimität und des Friedens findet. Die Hunderten von Unterkünften zeichnen sich durch eine Vielzahl von Stilen aus, sodass jeder die Möglichkeit hat, die für ihn am besten geeignete Eden-Rock-Suite zu finden.

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Die Junior Suiten mit eigenem Pool und Pergola sind übrigens mit Terrassen mit Aussendusche ausgestattet, damit man die Meeresluft so lange wie möglich geniessen kann. Paare, die nach Romantik suchen, entdecken dies und mehr in den Luxus-Poolsuiten mit einem Schlafzimmer, den Suiten mit einem Schlafzimmer am Strand oder den Poolvillen am Meer. Familien mit kleinen Kindern mögen die beliebten FamilySuiten mit zwei Schlafzimmern. Und Kinder finden ihr Zuhause in der Ferne im Koko Kid's Club, wo es eine Vielzahl von betreuten Aktivitäten gibt wie Kajakfahren in der Lagune und Mini-Maniküre und -Pediküre im eigenen Spa des Clubs. Die prächtigsten Eden-Roc-Suiten sind die beiden Villen mit mehreren Schlafzimmern und privaten Pools, die sorgfältig mit Butler Service, privatem Koch und viel Platz im Freien für intime Abendessen ausgestattet sind. EIN FEST DER AROMEN Die inspirierten Restaurants des Eden Roc Cap Cana bieten eine Auswahl an Haute Cuisine. Jedes Restaurant und jede Bar wird durch eine Kombination aus auffälligem Dekor und einzigartiger Identität mit einer unverwechselbaren Persönlichkeit zum Leben erweckt. Der Küchenchef bringt seine Erfahrungen in die mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten Restaurants in sein mediterranes Gepäck ein, es ist ihm eine Ehre, in den sechs Bars und Restaurants des Resorts lokale Produkte zu bevorzugen. Mit einem eindeutigen Namen wie Mediterraneo ist das Gourmet-Restaurant bestrebt, die Aromen der Karibik mit in Europa fachmännisch getesteten kulinarischen Techniken zu verbinden. Auf Wunsch kann der Gast auch die Vier-Gänge-Menüs im Restaurant Garden of Eden, in der geselligeren Blue-Grill-Bar, speziell für Gerichte, die nach den Methoden von Robatayaki und Nikkei zubereitet werden, geniessen. Früher oder im Zuge dieser Paradiese für den Gaumen gibt es in der Beach Bar oder im Riva viele klassische oder exotische Versuchungen. SPA UND GOLF Wenn es darum geht, wieder in Form zu kommen, sich gesund zu fühlen und die Freuden der Sinne zu vervielfachen, finden sich hier für Sie und Ihn Möglichkeiten. Madame im Spa und Monsieur beim Golf ? Oder umgekehrt oder beides oder zusammen nacheinander! Der Golfplatz Punta Espada wurde zum besten Golfplatz der Karibik gewählt und gehört zum Eden Roc, mit dem sie eins sind. Der von Jack Nicklaus entworfene Golf Course vereint alle paradiesischen Eigenschaften von Cap Cana in den 18 Löchern, die alle einen aussergewöhnlichen Blick auf das Meer und eine perfekte Kulisse bieten, um Inspiration für die besten Aufnahmen zu finden. Entspannung steht auch im Vordergrund des Solaya-Behandlungszentrums und des Spa. Fast 3000 Quadratmeter gross, umgeben von viel Grün und dem Wohlbefinden gewidmet, aus allen Blickwinkeln: Yoga-Bereich, hochmoderner Fitnessraum mit Personal Instructor, zwölf Behandlungsräume mit einigen lokalen Exklusivprodukten wie Ananas- und Mango-Wrap, ganz zu schweigen von der essenziellen Wellness-Bar mit eigenem Sortiment an frischen Fruchtsäften. Die Interaktion mit der lokalen Fauna ist allgegenwärtig, die Pflanzenwand und das natürliche Licht optimieren die Wirkung der Fülle. WWW.EDENROCCAPCANA.COM

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PALÄSTE DES Lange Zeit vor der Erfindung von E-Books und iPads waren Bücher so wertvoll, dass man Paläste für sie baute. Bibliotheken von Herrschern, Universitäten und Klöstern prunkten nicht nur mit Wissen, sondern auch mit Architektur. Fotograf Massimo Listri hat sie besucht und mit der Kamera festgehalten. Autorin_Anna Karolina Stock Bilder_Massimo Listri / TASCHEN

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Die Bestände der Biblioteca Apostolica Vaticana in Rom zählen heute zu den wertvollsten der Welt.

BIBLIOTHEK IM PRAGER KLOSTER STRAHOV, TSCHECHIEN Die barocke Bibliothek im Kloster Strahov (Strahovská knihovna), die sich unweit der Prager Burg und des Laurenzibergs (Petrín) befindet, zählt zu den wertvollsten und am besten erhaltenen historischen Bibliotheken der Welt. Nicht umsonst schafft sie es regelmässig auf Ranking-Listen von Orten, die man zumindest einmal im Leben gesehen haben sollte. Mehr als 200’000 Bücher türmen sich in den meterhohen Regalen der Klosterbibliothek. Zu den grössten Kostbarkeiten zählt das «Strahov-Evangeliar», eine Handschrift aus dem 9. / 10. Jahrhundert. Der älteste Teil der Bibliothek – der Theologische Saal – entstand zwischen 1671 und 1674, wurde jedoch mehrfach erweitert. Seine heutige Gestalt im typischen Prager Barock erhielt er Anfang des 18. Jahrhunderts. Aus dieser Zeit stammen auch die Fresken von Franz Siard Nosecký, welche Schlachtszenen aus dem Dreissigjährigen Krieg darstellen. Das klassizistische Hauptgewölbe des Philosophischen Saals datiert aus dem Jahr 1794 und umfasst mit seiner imposanten Höhe zwei Stockwerke des Gebäudes. Neben

Die Idee war revolutionär und naheliegend zugleich: das Wissen der ganzen Welt an einem einzigen Ort zu versammeln. Mit dieser Intention gründete der ägyptische König Ptolemaios I. bereits im dritten Jahrhundert vor Christus die Bibliothek von Alexandria. Nach seinem Beispiel entstanden im Laufe der Jahrhunderte Wissenspaläste auf der ganzen Welt: Ob Privatsammlungen wissenshungriger Machthaber, Kloster- oder Universitätsbibliotheken – sie sind bis heute Oasen der Stille, altehrwürdige Schatzkammern des Wissens und zugleich die Gedächtnisse der Zivilisation. Für seinen Bildband «Die schönsten Bibliotheken der Welt» besuchte der florentinische Fotograf Massimo Listri (67) die architektonisch, historisch und künstlerisch wertvollsten Exemplare dieser Welt. Seine Reise führte ihn unter anderem nach Prag, Dublin, Amsterdam, Rio de Janeiro – und nach St. Gallen. Auf seinen Fotografien setzt Listri opulent eingerichtete Bücherschatzkammern in Szene – darunter die Privatbibliothek der Medici, die kein Geringerer als Michelangelo entwarf, sowie die Handschriftenund Büchersammlungen des Vatikans, der seine heiligen Wissensschätze vor neugierigen Blicken in kostbaren Truhen versteckt.

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kostbaren, mit Wissen gefüllten Nussholzschränken beeindruckt in erster Linie das monumentale Deckenfresko von Franz Anton Maulbertsch. Österreichs bedeutendster Freskenmaler hat die Gewölbemalerei im damals hohen Alter von 70 Jahren in nur sechs Monaten vollendet. Sein Werk illustriert die Geschichte der Philosophie – beginnend bei Adam und Eva bis hin zu den französischen Aufklärern des 18. Jahrhunderts. Das Kloster Strahov selbst wurde bereits im 12. Jahrhundert gegründet und wird bis heute von Mönchen des PrämonstratenserOrdens bewohnt. Damit gehört es zu den ältesten aktiven Klöstern Tschechiens. Das gesamte Areal ist von einem Wall umgeben, den eine gewisse Ironie umgibt: Denn es sind die Bücher und der darin angesammelte Wissensschatz, die das Kloster mehrmals in der Geschichte vor der Zerstörung retteten – nicht umgekehrt. STIFTSBIBLIOTHEK SANKT GALLEN, SCHWEIZ Einer der prunkvollsten Wissenspaläste ist die Stiftsbibliothek des ehemaligen Benediktinerstifts St. Gallen. Sie ist die älteste Bibliothek der Schweiz und wurde bereits 1983 ins UNESCO-Weltkultur­ erbe aufgenommen. Ihr Barocksaal überrascht durch seine reiche Rokoko-Ausstattung und gilt als einer der schönsten des Landes. Gleichzeitig ist sie das einzige Schweizer Exemplar, das es in Listris Bildband geschafft hat. Zu Recht: Ab Mitte des 8. Jahrhunderts versammelte die Stiftsbibliothek alles, was es zu wissen gab. Neben der Kirche war sie das ideelle Zentrum eines der bedeutendsten und gelehrtesten Benediktinerklöster des Abendlandes. Es gab nichts, was man dort nicht nachschlagen konnte – ähnlich wie heute im Internet. Sie ist die einzige der grossen Klosterbibliotheken des Frühmittelalters, deren wertvoller Bücherbestand bis heute mehr oder weniger intakt geblieben ist. Er offenbart die Entwicklung der europäischen Kultur und dokumentiert die kulturelle Leistung des Klosters St. Gallen bis zur Aufhebung der Abtei im Jahr 1805. Wechselnde Ausstellungen wertvoller Manuskripte und Unikate ermöglichen einen authentischen Einblick in die St. Galler Klosterkultur. Heute ist die mit Wissen und Weisheit gefüllte «Schatzkammer» eine aktive Leihbibliothek mit rund 170’000 Medien, von denen die nach 1900 erschienenen Werke ausgeliehen werden

ALTEHRWÜRDIGE SCHATZKAMMERN DES WISSENS UND ZUGLEICH DIE GEDÄCHTNISSE DER ZIVILISATION. 76


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können. Die beeindruckende Sammlung frühmittelalterlicher Original-Handschriften verschaffte ihr internationale Bekanntheit. Über 400 Bände sind mehr als 1000 Jahre alt. HERZOGIN ANNA AMALIA BIBLIOTHEK IN WEIMAR, DEUTSCHLAND Die 1691 gegründete Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar zählt zu den bekanntesten, öffentlich zugänglichen Fürstenbibliotheken in ganz Deutschland. Der architektonisch sehr harmonische Rokoko-Bibliothekssaal beherbergt rund eine Million Werke. Und niemand Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe war Ende des 18. Jahrhunderts mit ihrer Aufsicht betraut. Die auf europäische Literatur- und Kulturgeschichte spezialisierte Büchersammlung (mit besonderem Schwerpunkt auf die Epoche von 1750 bis 1850) umfasst nicht nur das weltweit grösste Repertoire zu Goethes «Faust», sondern auch die persönlichen Sammlungen von Franz Liszt, Friedrich Nietzsche und der Familie von Arnim. Zudem enthält sie zahlreiche Sonderbestände mit Primär- und Sekundärliteratur zu Themen wie dem Nibelungenlied, ebenso wie Werke der Aufklärung, Klassik und Romantik. Umso verheerender war der Grossbrand im Jahr 2004. Seine Flammen vernichteten die historische Bausubstanz der herzoglichen Bibliothek sowie mehr als 50’000 Bücher – darunter unschätzbar wertvolle Einzelstücke aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Weitere 118’000 Bände erlitten durch Feuer, Hitze, Rauch oder Löschwasser schwere Schäden. Erst nach langen Restaurierungsarbeiten konnte die Herzogin Anna Amalia Bibliothek im Jahr 2007 wieder eröffnen. Obwohl in den Regalen grosse Lücken klaffen und das einheitliche Bild einer historischen Büchersammlung durch moderne graue Einbände gestört ist, zählt die Weimarer Bibliothek nach ihrer Rekonstruktion deutlich mehr Besucher als zuvor. Es ist vermutlich nicht die Sensationslust, die Büchernarren aus aller Welt anzieht, sondern ihre Bewunderung für die Arbeit der Restauratoren, die völlig verkohlte, mit Löschwasser getränkte Blätterreste in wieder benutzbare Bücher verwandeln können.

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Über 230.000 lesbare Schätze befinden sich in der Stiftsbibliothek Kremsmünster in Oberösterreich.

KLOSTERBIBLIOTHEK WIBLINGEN, ULM, DEUTSCHLAND Der Bibliothekssaal im Kloster Wiblingen gilt als Meisterwerk des südwestdeutschen Rokokos. Der mit vielen Ornamenten dekorierte Festsaal der einstigen Benediktinerabtei ist reich an geschmückten Figuren, goldenen Verzierungen und bunten Marmorsäulen. Besonders imposant sind die geschwungene Form des Bibliothekssaals und die in die Wand eingelassenen Bücherregale aus Stein, die erst auf den zweiten Blick zu erkennen sind. Lange Fensterreihen sorgen für viel Licht. Nicht weniger beeindruckend ist das weitläufige Deckenfresko von Maler Franz Martin Kuen. Im Mittelpunkt des Gemäldes steht eine von Engeln umgebene Frauengestalt: die göttliche Weisheit, die über allem herrscht. Auch eine Inschrift über dem Eingang der Bibliothek verspricht, dass hier alle Schätze der Weisheit und der Wissenschaft vereint seien. In ihrer Blütezeit umfasste die Klosterbibliothek circa 15’000 Bände und diente unter anderem als repräsentativer Empfangssaal für Gäste. Dadurch konnte das Kloster sich als bedeutender Ort in Szene setzen, in dem das ganze Wissen und Denken der Zeit verfügbar war. Nach der Zeit der Säkularisation (1806) wurde der Bücherbestand jedoch auf verschiedene Bibliotheken im ganzen Land verteilt. Die prächtige Ausstattung der Bibliothek lässt die Kraft ihres einstigen Wissensschatzes allerdings immer noch erahnen.

Massimo Listri Die schönsten Bibliotheken der Welt 560 Seiten TASCHEN ISBN 978 3 8365 3524 3

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Erlebnisse sind in greifbarer Nähe, sodass Gäste und Bewohner das Beste aus dem Resort in einem Refugium der Ruhe und Schönheit geniessen können. IM EINKLANG MIT GESCHICHTE UND ZUKUNFT Das Resort wird von der Designfirma GRUNER & FRIENDS geplant, die dafür sorgt, dass das Prestige und die Bekanntheit des Reiseziels durch ein zeitgemässes Design in Kombination mit den lokalen Einflüssen in Einklang gebracht werden. Die 53 Residenzen und 17 Suiten sollen als gewerbliche «Buy-to-let»-Einheiten verkauft werden und einen Teil des gesamten Zimmervermietungsbestands des Hotels ausmachen. Schweizer Gewerbeimmobilien sind von der Lex Koller ausgeschlossen, daher können internationale Investoren eine Einheit im Projekt frei erwerben. Das Projekt umfasst zu einem späteren Zeitpunkt auch den Bau luxuriöser Wohnvillen mit Panoramablick über den Lago Maggiore und die Alpen. Traditionell wurden Resorts in der Regel als klassische Hotels betrieben. In den letzten Jahren haben steigende Grundstückspreise und explodierende Entwicklungs- und Betriebskosten Hotelresorts wirtschaftlich unrentabel gemacht, insbesondere in saisonalen Destinationen. Daher bestehen praktisch alle neuen Resorts aus zum Verkauf stehenden Immobilien oder umfassen Angebote, welche durch eine Vielzahl von Annehmlichkeiten wie Spa / Fitnesscenter, Restaurants, Geschäfte und Konferenzeinrichtungen unterstützt werden, um Gäste zu jeder Jahreszeit und aus verschiedenen Bereichen anzulocken. Im Resort befinden sich einzelne Wohneinheiten in Privatbesitz – diese Einheiten werden ausschliesslich vom Hotelbetreiber vermietet. Resorts wie «Borgo Miranda» sind keineswegs «Gated Communities», das heisst, sie sind nicht für Wohnzwecke konzipiert, sondern sind freizeitorientierte Einrichtungen, die eher für Urlaubsreisende gedacht sind und in die lokale Gemeinschaft eingebettet sind.

Revitalisierung der Extraklasse Autoren_Cosimo Violati & Marc Sontag Bilder_Aedartis

INMITTEN EINER ATEMBERAUBENDEN NATÜRLICHEN UMGEBUNG IST DAS «BORGO MIRANDA» EIN NEU GEPLANTES WELLNESSRESORT DER ABSOLUTEN LUXUSKLASSE. ES VERFÜGT ÜBER SERVICE­ WOHNUNGEN UND UMFANGREICHE WELLNESS-, CATERING- UND FREIZEITEIN­ RICHTUNGEN MIT BLICK AUF DEN LAGO MAGGIORE.

EIN STARKES TEAM IM RÜCKEN Das «Borgo Miranda»-Projekt wird von dem erfahrenen Immobilienentwickler Aedartis AG entwickelt, der über umfangreiche Erfahrung in der Entwicklung von Wohnimmobilien, Resorts und Lifestyle-Projekten verfügt. Das Management-Team und die Investoren des Unternehmens entwickeln seit Anfang 2000er Jahre Wohn- und Mischnutzungsprojekte. Das Management war beispielsweise an dem preisgekrönten «Chedi Andermatt», dem «Radisson Blu Andermatt» in der Schweiz, dem Golf- und Strandresort «Vale do Lobo», dem «Hilton As Cascatas Vilamoura», dem «Monte Santo»-Resort und dem «Conrad Quinta do Lago» in Portugal beteiligt. Das «Borgo Miranda»-Projekt von Aedartis zielt darauf ab, durch die Entwicklung in Monte Brè sopra Locarno eine Sanierung und Revitalisierung des Gebiets zu bewirken. Das Projekt entstand aus der Vision heraus, ein neues Reiseziel in der Region Locarno zu schaffen, seine Attraktivität zu erhöhen und dem regionalen Tourismussektor neue Impulse zu geben. Das Tessin ist seit Jahren auf gehobene Gastfreundschaft ausgerichtet. Die Vision von Aedartis geht über die Eröffnung eines Hotels in Monte Brè hinaus und zielt darauf ab, ein neues Touristenziel in der Region zu schaffen. 365 Tage im Jahr. Ein Reiseziel, das nicht nur von lokalen Besuchern anerkannt und geschätzt werden kann, sondern auch von jedem, der von einem einzigartigen Wellnessresort und Investitionsmöglichkeiten angezogen wird.

Das Gebiet des Lago Maggiore in Ascona-Locarno gilt als eines der besten Urlaubsziele der Schweiz und bietet eine Vielzahl von Kultur- und Erholungsmöglichkeiten in einer majestätischen Umgebung vor der Haustür. Es ist weithin als führendes Lifestyle-Reiseziel für nationale und internationale Gäste und Investoren bekannt. So liegt es auf der Hand, dass das neue Luxusresort-Projekt des Immobilienunternehmens Aedartis seinen idealen Standort gefunden hat. Das Resort mit Rückzugscharakter in einer einzigartigen, versteckten Lage konzentriert sich auf das Wohlbefinden und ganzheitliche Spa-Behandlungen. Das erwartete Projekt zielt auf ein nachhaltiges Resort-Angebot und einen familiären Lebensstil ab unter Berücksichtigung der natürlichen Umwelt. Es konzentriert sich auf den ästhetischen, historischen und kulturellen Charakter der umliegenden Gemeinde und schafft gleichzeitig einen neuen, lebendigen und zeitgenössischen Ort, der authentisch und vollständig in die Lokalität eingebettet ist. Atemberaubende Ausblicke, eine Reihe aufregender Aktivitäten und faszinierende kulturelle

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LOUIS VUITTON

«Nuit de Feu» – der neue Duft aus dem Hause Louis Vuitton –  präsentiert das olfaktorische Erbe des Unter­nehmens, das geprägt ist vom Nahen Osten und dessen Zutaten von höchster Qualität sind: Weihrauch, abgemildert durch die weiche Note von exklusivem Naturleder und verherrlicht von einem kräftigen Moschusakkord, und der Duft mystischer Schriftrollen aus Oudh-Holz. Erhältlich auch in der praktischen Reisegrösse.

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Schlüsseletui «Camail» aus Epsom-Kalbsleder, das benannt ist nach der gleichnamigen Stadt im Südosten Englands, die berühmt ist für ihre Pferderennen. Die feine und gleichmässige Narbung des Leders, die durch mechanische Prägung erhalten wird, zeichnet sich durch einen sehr markanten doppelten Ton von subtiler Ästhetik aus.

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TRENDS

TRA VEL

LOEWE

Ausspannen auf exquisite Art und Weise – mit dieser Mikrofaser-Yogamatte im Meerjungfrauendruck und dem LOEWE-Anagramm an den gegenüberliegenden Ecken. Versehen mit einem glatten, langen Kalbslederarmband.

SALVATORE FERRAGAMO

Dieser Koffer aus der «SpringSummer-Collection 2020» besteht aus technischem ultraleichten Material mit geprägten Einsätzen aus Kalbsleder und dem ikonischen tonalen Gancini-Muster. Mit ausziehbarem Griff, grosser Klappentasche vorne und Vorhängeschlossverschluss.

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Progra mm online

ab 10. 9., 12. 0

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BRILLANTES

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Autor_Urs Huebscher Bilder_Ungarisches Tourismusamt

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DIE STADT DER KONTRASTE

man unter die Erde und begeht die Labyrinth-artigen Gänge des Kellersystems unter dem einst blühenden Judenviertel.In der nördlichen Ecke der Budaer Burg erhebt sich der BUDATOWER – Maria-Magdalena-Turm, einer der schönsten Aussichtspunkte im Burgviertel: Von hier gibt es ein Rundpanorama auf die ganze Stadt. Der 600 Jahre alte Glockenturm ist das einzige originale gotische Gebäude in Budapest, das besucht werden kann. An den Innenwänden findet man geheimnisvolle Inschriften aus den vergangenen Jahrhunderten. Nur ein paar Schritte davon entfernt, in der 700 Jahre alten St.-Michael-Kapelle bei der Fischerbastei, kann man mit Zeitreisen (3-D Past) die Blütezeit der Budaer Burg –  die Renaissance-Alltage im Alter von König Matthias – hautnah erleben. Auf einem Burgspaziergang kann man auch den Spuren der österreichischen Kaiserin und ungarischen Königin Elisabeth folgen: Man kann ihre Lieblingsgärten, den NeorenaissanceBurggarten-Basar und weitere Schauplätze im königlichen Palast mit Bezug auf Sissi im Rahmen einer Führung begehen.

NOSTALGISCHE BÄDER UND HOHEITLICHE BURGEN, PRUNKVOLLE KAFFEEHÄUSER UND TRENDIGE RUINENKNEIPEN, GEMÜTLICHE GASSEN UND ELEGANTE AVENUEN: WER KONTRASTE LIEBT, WIRD IN BUDAPEST REICHE BEUTE MACHEN.

SCHNITTPUNKT VON OST UND WEST Budapest ist Treffpunkt der Religionen. Sehenswert ist die zweitgrösste Synagoge der Welt, die Grosse Synagoge in der DohányStrasse – deren schöner Altar, monumentale Kuppel und Nischen die kulturelle Grosszügigkeit des zeitgenössischen Judentums beweisen –, den Raoul-Wallenberg-Gedenkpark, den Baum des Lebens, das Jüdische Museum, die orthodoxe Synagoge in der RumbachStrasse und noch vieles mehr während eines 2,5- bis 3,5-stündigen Rundgangs. Das jüdische Viertel dient das gesamte Jahr als Veranstaltungsort für farbenfrohe Strassenfeste. Die glänzend renovierte Gül-Baba-Türbe ist übrigens der nördlichste muslimische Pilgerort der Welt auf Rózsadomb («Rosenhügel») in Buda. Aus der Säulenhalle der Grabstätte öffnet sich eine fantastische Aussicht auf die Margareteninsel. Die Kuppel der St.-Stephans-Basilika ist die höchste Aussichtsplattform von Pest, die ein spektakuläres 360-Grad-Panorama auf die gesamte Stadt bietet. In der Schatzkammer der Basilika kann man die Nachbildung der Heiligen Krone aus Herender Porzellan, die auch heute noch verwendeten liturgischen Gegenstände sowie die selbst gemachten Stickereien der Kaiserin Sissi bewundern. Auch in Buda, im Burgviertel steht eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Die offiziell Liebfrauenkirche genannte Kirche wurde im 13. Jahrhundert gegründet. Im Rahmen der unlängst abgeschlossenen Sanierungsarbeiten wurden rund 150’000 Dachziegel der berühmten Zsolnay-Manufaktur in Pécs (Fünfkirchen) verwendet. Die Matthiaskirche hat jährlich etwa eine Million Besucher –  nicht umsonst, sie ist unbedingt einen Besuch wert!

Budapest … Die Stadt, die durch die majestätisch dahinfliessende Donau in zwei Teile getrennt wird: Buda mit seinen romantischen kleinen Strassen und Pest mit seiner lebendigen, energiedurchflossenen Lebensart. Kaum existiert noch eine Stadt in der Welt, die ihre Gäste mit dieser einzigartigen Kombination von einander so grossartig ergänzenden natürlichen Bedingungen, baulichem und historischem Erbe sowie Angeboten an kulturellen und gastronomischen Erlebnissen sowie Badekultur erwartet. Der Budaer Teil der durch die Donau in zwei Teile getrennten Hauptstadt strahlt – mit seinen historischen Heilbädern, dem Königspalast, der Matthiaskirche und den verwinkelten Strassen unter dem Burgviertel – eine wohltuende Ruhe aus. Der Pester Teil vermittelt dabei mit seinem pulsierenden Museumsleben, mit der Basilika umgeben von Fussgängerzonen sowie mit dem ehemaligen jüdischen Viertel durchdrungen von einer inspirierenden Atmosphäre ein wimmelndes Erlebnis. Budapest ist ein friedlicher kultureller und religiöser Treffpunkt, wo das immaterielle Kultur­ erbe von Ost und West leicht miteinander vereinbar ist. Zugleich ein Schmelztiegel der unterschiedlichen Subkulturen, wohin es sich deshalb lohnt zu kommen, weil man sich hier wie zu Hause und sicher fühlen kann und die Stadt trotzdem jede Menge Neuheiten und Überraschungen bereithält.

TRENDIGE MULTIKULTURELLE STADT Budapest ist durch seine international hochrangigen Künstler und Festivals zu einem der wichtigsten kulturellen und touristischen Ziele geworden. Die Stadt ist Gastgeber des bekannten Sziget-Festivals. Das ganze Jahr über regen zahlreiche Kulturerbestätten dazu an, die Kultur in vollen Zügen zu geniessen: Die Open-Air-Bühne der Margareteninsel lockt ihre Gäste zwölf Sommerwochenenden lang mit Opern- und Musicalaufführungen, Tanzvorführungen, Jazz-, Weltmusik-, Klassik- und Cross-OverKonzerten. Das Partyviertel von Budapest ist auch nicht nur wegen der Bistros oder Weinbars so verlockend und aufregend: Hier versammeln sich auch die Handwerks- und Antiquitätenmärkte sowie die kleinen Designergeschäfte.

STADT DER LEBENDIGEN GESCHICHTE Budapest ist durchdrungen von der Atmosphäre verschiedener historischer Zeitalter. Das älteste rituale jüdische Bad, das sogenannte Budaer mikve, befindet sich in der Budaer Burg. Auf einem besonderen Spaziergang – von Burggarten-Basar organisiert – geht

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Schokoladenmuseum Szamos, mit einer 78 Kilogramm schweren Marzipanskulptur und einem schönen Schokoladenmädchen, befindet sich im Obergeschoss.

SPRUDELNDES LEBEN IN DEN BÄDERN VON BUDAPEST Die Badekultur ist ein wesentlicher Bestandteil des Flairs von Budapest. Die Welt der Bäder führt ihre Gäste an Stätten, die Geschichte atmen. Neben einem der grössten Erlebnisbäder Mitteleuropas befinden sich hier auch zahlreiche traditionelle Heilbäder. Budapest trägt seit 1934 den Titel «Bäderstadt», und das nicht unverdient: Von allen Hauptstädten der Welt hat sie die meisten Thermal- und Heilquellen (80 an der Zahl) zu bieten. Zudem sind hier 19 verschiedene Heilwässer verzeichnet. Das Heilwasser der Quellen aus den Tiefen der Erde eignet sich für moderne Heilkuren zur Behandlung von akuten und chronischen Erkrankungen des Bewegungsapparats und zu Rehabilitationszwecken. Budapest bietet die einzigartige Essenz und Kombination römischer, türkischer und europäischer Badekulturen an. Sowohl im Winter als auch im Sommer ist es ein aussergewöhnliches Erlebnis, im Heilbecken des Széchenyi- oder des Gellért-Bades zu planschen. Wenn jemand ein familiengerechtes türkisches Bad sucht, dann ist das Király-Bad in Buda oder das 1574 errichtete Bad Veli Bej die beste Option. Dem Lukács-Bad in Buda wird nachgesagt, sein Heilwasser sei eines der wirksamsten in ganz Budapest. Das Bad bietet seinen Gästen Thermalbecken, Schwimmund Erlebnisbecken, einen Wellnessbereich, Saunen und diverse Dienstleistungen. Mit der Budapest Card kann dieses Bad kostenlos besucht werden.

WO VERKEHR EIN ERLEBNIS SEIN KANN Budapest lässt sich auf erstaunlich vielfältige Weisen erkunden. Von der Kettenbrücke zum Burgviertel kann man am schnellsten mit der Standseilbahn (Sikló) gelangen, die über eine Neigung von 48 Prozent und über eine Länge von 95 Metern verfügt. Die Aussicht aus der Standseilbahn ist atemberaubend. In den verlockenden Stras­sen des Burgviertels kann man das älteste Viertel von Budapest aus offenen, elektrisch betriebenen Minibussen mit Selfies erkunden. Während der fast ein Kilometer langen Fahrt des Sessellifts (Libegó) erhält man Einblicke in die Gärten von Zugliget und geniesst man als Fahrgast das längste Panorama der Hauptstadt. Die Donau bietet eine Vielzahl von Schifffahrten zur Stadtbesichtigung: Wer die prunkvoll beleuchtete Stadt vom Fluss aus bewundern möchte – auch während eines Abendessens bei Kerzenschein –, empfehle ich die Kreuzfahrtschiffe Legenda, Lunch &  Cruise oder MAHART. ÓBUDA, DIE WIEGE VON BUDAPEST Óbuda ist das älteste Viertel von Budapest, mit einer jahrhundertealten Gastfreundschaft. Das Herz des Bezirks ist der Fó tér (Hauptplatz) mit einer unverfälschten Romantik der Jahrhundertwende. Das barocke Schloss Zichy beherbergt das erste hundefreundliche Museum des Landes, das Óbuda-Museum, das auch für seine Spielzeugsammlung bekannt ist. Wer Óbuda besucht, sollte auch das Schwimmen nicht verpassen: Die Quellen aus den Römischen Bädern (heutige «Rómaifürdó») werden seit der Antike als heiliger Ort verehrt. Es gibt drei Becken am Strand. Und es gibt nicht nur einen, sondern mehrere Strände, in Pünkösdfürdó und das renovierte Heilbad in Csillaghegy der Árpád Forrás Bad. Óbuda ist eine richtige Badestadt! «Balnea salus – im Bade ist Heil» sagten die Römer.

KULINARISCHE REISE Budapest hat eine einzigartige Geschmackswelt, welche die traditionelle ungarische Küche mit den neuesten kulinarischen Trends kombiniert. In den vergangenen Jahren hat die neueste Welle der kulinarischen Revolution auch Budapest erreicht. Gute Ergebnisse davon sind die wachsende Anzahl von Restaurants mit MichelinSternen: das Costes in der Ráday Strasse, das Onyx am VörösmartyPlatz, Borkonyha in der Nähe der Basilika und das Costes Downtown in der unmittelbaren Nachbarschaft des Gresham-Palastes und des Parlamentsgebäudes. Es empfiehlt sich, die Geschmackstour in der Grossen Markthalle am Fóvám-Platz zu beginnen. In der Markthalle muss man das echte ungarische Gulasch probieren und sich ein Päckchen Paprikapulver besorgen. Unter den Glaskuppeln der CentralPassage in der Király-Strasse kann man donnerstagabends an üppigen Verkostungen teilnehmen. Die bohemhaften Strassen in der Elisabethstadt (Erzsébetváros) bieten die breiteste Palette an Bistros und Weinbars in der Premium-Kategorie an, die alle auch einzeln selbstständige Weinuniversen sind: Die Weinauswahl wird nach jeweils anderen Kriterien zusammengestellt, es werden verschiedene Speisen angeboten und mithilfe der unterschiedlichen Innendesigns wird versucht, den zur Verfügung stehenden Raum gemütlich zu gestalten und der dort zu verbringenden Zeit eine besondere Note zu verleihen. Zu den Strassen in Budapest gehören auch die das Stadtbild gestaltenden, kleineren und grösseren Terrassen hinzu. Die an die Friedenszeit erinnernden literarischen Cafés sind stark im Kommen: Das Café New York wurde zum schönsten Kaffeehaus der Welt gekürt, das Interieur des Cafés Gerbeaud aus Gold, Marmor und Holz erinnert an die Pracht am Anfang des 20. Jahrhunderts. Nach dem Besuch im ungarischen Parlament kann man die funktionierende Schokoladenwerkstatt des Szamos Cafés am Kossuth-Lajos-Platz bewundern. Das in ganz Europa berühmte

JENSEITS DER GROSSSTADT Wer nach dem Grossstadtgewimmel ein wenig Erfrischung braucht, besucht die nah an Budapest liegende Stadt Szentendre mit ihren krummen Gassen, Galerien und Kirchtürmen sowie mediterranem Flair, sie ist das begehrteste Ausflugsziel der Umgebung. Auf der anderen Seite der Donau liegt die Stadt Vác, die wegen des schönsten Barockhauptplatzes Ungarns und der furchterregenden Vácer-Mumien einen Besuch wert ist. Kaum 20 Kilometer entfernt liegt das königliche Schloss Gödölló, es ist eines der schönsten Barockschlösser Ungarns. Und wer versteckte Schätze finden möchte, besucht die historische Basilika mit hervorragender Akustik in der Kleinstadt Ócsa oder das Schloss Brunszvik in Martonvásár als das Zentrum des ungarischen Kultes des vor 250 Jahren geborenen Komponistenriesen Ludwig van Beethoven. Die ungarische Hauptstadt ist sowohl die Heimat der Bürger von Budapest als auch eine der touristisch aufregendsten Städte Europas. Während eines Aufenthalts besorgt man sich am besten die Budapest Card als Reisebegleiter: Die offizielle Stadtkarte bietet über 30 kostenlose Programme und noch mehr Ermässigungen bei über 100 verschiedenen Budapest-Card-Partnern. WWW.WOWHUNGARY.COM

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TRAVEL Autor_Urs Huebscher Bilder_The Legian Bali

NATUR, KULTUR, KULINARIK BALIS IKONENHAFTES SUITEN- UND VILLENHOTEL, DAS LEGIAN SEMINYAK HOTEL, IST DAS BESTE AN INDONESISCHER GASTFREUNDSCHAFT, DESIGN UND STIL UND EINES DER RENOMMIERTESTEN HOTELS IN INDONESIEN. EINE BEVORZUGTE WAHL FÜR LUXUSREISENDE.

Dank der Lage des Hotels haben die Gäste leichten Zugang zur lokalen Küche und zu stilvollen Strandclubs mit Favoriten wie dem nahe gelegenen Ku De Ta und La Lucciola.

Wenn Sie mit jemandem sprechen, der Bali vor 20 Jahren besucht hat, wird er Ihnen sagen, wie sehr sich die paradiesische Insel verändert hat. Es ist aber immer noch ein wunderschöner, entspannender Ort, um Zeit zu verbringen: einer meiner Favoriten. Seminyak ist einer der geschäftigsten Teile der indonesischen Insel. Aber das war nicht immer so. Wo es jetzt Strassen und Gebäude gibt, soll es früher nichts gegeben haben als die markanten grünen Reisterrassen, für die Bali berühmt ist. Diese Reisterrassen wären alles gewesen, was The Legian umgab, das 1996 erbaut wurde und zu einem Klassiker auf Bali wurde. Versteckt in der Gegend von Seminyak fühlt es sich nicht so an, als wäre das Hotel mitten im Geschehen. Stattdessen ist es friedlich, privat und abgelegen, an einem schönen, ruhigen Abschnitt des Strandes von Seminyak gelegen. Dank seiner unvergleichlichen Lage an einem der schönsten Strände der Insel, der aussergewöhnlichen erhöhten Lage, zieht dieses exklusive Grande-Dame-Hotel neben seinem Schwesterhaus The Club by The Legian Seminyak Gäste aus aller Welt an. Jede Suite hat einen unvergleichlichen Blick auf das Meer, und die Gäste können aus einer Vielzahl von Optionen wählen, ob es sich um eine Zufluchtsstätte am Strand für zwei Personen oder eine Mehrzimmer-Suite für Gruppen von Freunden oder Familien handeln soll. Es gibt auch The Beach House – eine Drei-SchlafzimmerVilla mit Pool und eine von nur zwei Villen in Bali mit direktem Zugang zum Strand. Wer die ultimative Exklusivität sucht, kann sich für einen Aufenthalt im super-schicken Club by The Legian Seminyak entscheiden. Dieses private Anwesen liegt neben dem Legian Seminyak und beherbergt einen 30-Meter-Pool, einen privaten Sitzplatz im Freien und 14 private Pool-Villen. Es bietet seinen Gästen eine Reihe von Vorteilen, darunter einen engagierten Butler, einen privaten Autoservice, eine Wäscherei, täglichen Nachmittagstee, Cocktails und Canapés sowie eine kostenlose Minibar auf dem Zimmer. Das Essen im Legian ist berühmt und zieht Besucher aus der ganzen Insel an. Das Restaurant überblickt den kultigen dreistufigen Infinity Pool des Hotels und kombiniert asiatische Einflüsse und lokale Kochtechniken mit den besten organischen und nachhaltigen Zutaten der Saison. Für ein entspannteres Essen bieten die Pool Bar und die Ocean Champagne Bar den ganzen Tag über leichte Vorspeisen und erfrischende Cocktails. Zusätzlich zu den aussergewöhnlichen Restaurants im Hotel ist Seminyak selbst als die Hauptstadt der Feinschmecker auf Bali bekannt.

WELLNESS BY THE LEGIAN

Das Legian beherbergt ein hervorragendes Spa, das sich im «South Garden»-Bereich des Anwesens befindet. Stilvoll, subtil und minimalistisch im Design schafft das Spa ein ganzheitliches, beruhigendes Ambiente und bietet ein umfangreiches Behandlungsmenü mit charakteristischen Erlebnissen und Ritualen, die in den Behandlungsräumen am Strand durchgeführt werden. Zu den charakteristischen Behandlungen gehören eine verwöhnende vierhändige Massage, die javanesische Meereswellenmassage, eine tibetische Kunye-Massage, die Chakra-Balancing-Massage und die beliebte balinesische antike Massage, die balinesische Heilrituale beinhaltet. Das Spa verfügt über vier Einzel- und zwei Doppelbehandlungsräume direkt am Strand, während der Wellnessbereich mit einem warmen Tauch-Whirlpool, einem erfrischenden kalten Tauchbecken, einer geräumigen Sauna und Dampfkabinen sowie Maniküre- und Pediküre-Lounges, einer Spa-Boutique und einem Fitnessstudio ausgestattet ist. Darüber hinaus gibt es täglich kostenlose Morgen-Yoga-Kurse und eine breite Palette an Outdoor-Aktivitäten wie Surfen, Wassersport und Personal Training.

DAS BESTE ENTDECKEN

Von den ruhigen schwarzen Sandstränden und verspielten Delfinen im Norden bis hin zum majestätischen Gunung Agung mit dem Muttertempel von Besakih im Osten bietet Bali seinen Gästen unzählige kulturelle und natürliche Schätze, die es zu entdecken gilt. Zu den Höhepunkten gehören Ubud, das kulturelle Herz der Insel, der Tempel von Uluwatu, der für seine abendlichen KecakAufführungen berühmt ist, und der spektakuläre Tempel von Tanah Lot. Für diejenigen, die Natur und Kultur verbinden möchten, ist der Heilige Affenwald von Padangtegal in Ubud ein schillernder Tagesausflug von The Legian Seminyak aus, ebenso wie die berühmten botanischen Gärten von Ubud und die von der UNESCO geschützten Reisterrassen von Jatiluwih. WWW.LHM-HOTELS.COM

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ZEITSCHREIBENDE KOMPLIKATIONEN

Autor_Gisbert L. Brunner

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Ganz ohne Zweifel gehören Chronographen zu den beliebtesten Zusatzfunktionen mechanischer Uhren. Manche bezeichnen sie als Anachronismus, denn die Möglichkeit, Zeitintervalle zu stoppen, gehört inzwischen zur Standardausstattung jedes besseren Smartphones. Gleichwohl besitzt die Armbanduhr mit Chronograph weiterhin einen ganz besonderen Reiz. Das liegt einmal an der starken Optik. Zum anderen ist die überlieferte Stoppfunktion faszinierender Ausdruck uhrmacherischer Kompetenz. Für zuverlässige Funktion müssen zahl­reiche Komponenten nicht nur auf engem Raum zusammen­ finden, sondern auch einwandfrei kooperieren. Und das ist auch im 21. Jahrhundert eine echte Herausforderung. Noch komplizierter wird es, wenn sich zum Chronographen weitere Funktionen wie Kalenderwerk oder Tourbillon gesellen. Gar nicht wenigen Uhrenliebhabern kommt das gerade recht, denn sie machen das Besondere zum Mass ihrer hohen Ansprüche. 95


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ZEITSCHREIBENDE NOSTALGIE PUR Für das Uhrenjahr 2020 blickten die Designer von Audemars Piguet tief in die Archive. 1943 geschossene Fotos inspirierten zur Kreation der nostalgiebetonten Referenz 26595SR.OO.A032VE.01. Gestalterisch hält sich die auf 500 Exemplare limitierte «[Re]master01» mit Stahl- / Rotgold-Schale beinahe sklavisch an das Vorbild. Ausdruck uhrmacherischer Moderne sind der Saphirglas-Sichtboden und das Automatikkaliber 4409 aus eigener Manufaktur. Der massivgoldene Rotor des 32 Millimeter grossen und 6,8 Millimeter hoch bauenden Uhrwerks spannt die Zugfeder in beiden Drehrichtungen. Die dort gespeicherte Energie reicht für circa 70 Stunden Gangautonomie. Winzige Keramikkugeln im Rotorlager mindern den Verschleiss. Als Steuerelement des Chronographen dient selbstverständlich ein überliefertes, aber ungewöhnlich ausgeformtes Schaltrad. Die Verbindung zwischen Stopper und tickendem Motor stellt per Knopfdruck eine vertikale Reibungskupplung her. Zum Duschen und Schwimmen eignet sich diese Armbanduhr wegen der nur bis zu zwei bar Druck reichenden Wasserdichte nicht. ZORRO UND JAMES BOND LASSEN GRÜSSEN Nostalgiebetonten Retrolook schreibt Breitling beim «Top Time Limited Edition»-Chronographen gross. Diese speziell an eine jüngere Zielgruppe adressierte Uhrenlinie geht zurück auf die frühen 1960er Jahre. Im James-Bond-Streifen «Feuerball» erlangte eine Version mit integriertem Geigerzähler 1965 einige Berühmtheit. Der aussergewöhnliche Auftritt dieses Stoppers resultiert primär aus dem Zifferblatt im sogenannten «Zorro»-Look. Schon damals war die aufgedruckte Dezimalskala als Alternative zu Tachy- oder Pulsometer erhältlich. Im massiven Gehäuseboden der insgesamt 2000 Edelstahl-Exemplare mit 41 Millimeter Durchmesser findet sich die Gravur «One of 2000». Um die Zeit kümmert sich das chronometerzertifizierte Automatikkaliber Breitling B23. Als Basis dient das bewährte Eta 7753 mit einseitig wirkendem Kugellagerrotor, vier Hertz Unruhfrequenz und 30-Minuten-Totalisator bei «3». Nach Vollaufzug stehen etwa 48 Stunden Gangautonomie zur Verfügung. STREAMLINE DESIGN Mit dem «Streamliner Flyback Chronograph Automatic» betritt H. Moser & Cie. in doppelter Hinsicht Neuland. Zum einen lanciert die Marke ihre erste neuzeitliche Armbanduhr mit Stoppfunktion. Ausserdem besitzt dieser Edelstahl-Chronograph mit integriertem Gliederband eine betont sportliche Note. Für die Entwicklung des Automatikkalibers HMC 902 zeichnet die Genfer Agenhor verantwortlich. Die Schwungmasse des aus 434 Komponenten bestehenden Œuvres rotiert unter dem Zifferblatt. Neben traditionellen Elementen wie die Schaltradsteuerung setzen die Konstrukteure auf durchaus revolutionäre Neuerungen, darunter die Kupplung namens «AgenClutch». Bei ihr drücken zwei Räder mit rauer Oberfläche gegeneinander. Der Zählzeiger bewegt sich dank Schneckensteuerung in akkuraten Sprüngen vorwärts. Schliesslich erfolgt die Nullstellung mit Hilfe von Nocken und Spiralfedern. Mit von der Partie ist schliesslich auch eine Flyback-Funktion zum Neustart des Chronographen ohne Zwischenstopp. BRONZEZEIT IN HÖLSTEIN Seit 1904 ist Oris in Hölstein nahe Basel zu Hause. Daher widmet das Familienunternehmen seinem Heimatort die «Hölstein Edition 2020». Und zwar in Gestalt eines «Divers Sixty-Five»-

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Korrekturen geschehen mit Hilfe versenkter Drücker. Dabei assistieren links und rechts neben dem Datumszeiger positionierte Indikationen für Tag / Nacht und den Schaltjahreszyklus. Erst nach 122 Jahren und 45 Tagen weicht die präzise Mondphasenanzeige 24 Stunden von der astronomischen Norm ab.

Chronographen, bei dem Gehäuse und Gliederband einer SwissMade-Armbanduhr erstmals aus Bronze bestehen. Stahl braucht es zur Herstellung der Verbindungsstifte zwischen den einzelnen Gliedern sowie der Faltschliesse. Am massiven Schraubboden zeigt sich der beliebte Oris-Bär. Passend zu einer Taucheruhr ist die Bronzelünette nur in einer Richtung drehbar. Die Wasserdichte dieses Zeitmessers mit Bronze-Schraubkrone und -Drückern reicht bis zu zehn bar Druck. Für die Zeit ist das von Sellita zugelieferte Kaliber 771 mit beidseitig wirkendem Rotoraufzug, circa 48 Stunden Gangautonomie, vier Hertz Unruhfrequenz, Fensterdatum und 30-Minuten-Totalisator bei «3» zuständig. Von dieser limitierten Edition wird es insgesamt 250 Exemplare geben.

QUAL DER WAHL Wer sich einen neuen Porsche zulegt, kann sein Auto im Rahmen des angebotenen Spektrums selbst gestalten. Den gleichen Konfigurator offeriert Porsche Design nun auch im Rahmen des «custombuilt Timepieces»-Programms. In jedem Fall basiert das darin enthaltene Titan-Gehäuse auf dem «Chronotimer Series 1». Erhältlich ist es beschichtet oder puristisch grau. Im Inneren tickt das exklusive Chronographenkaliber 01.100 mit automatischem Aufzug. Den durchbrochenen Rotor in Porsche-Felgen-Design können die Kunden aus sechs verschiedenen Exemplaren wählen. Analog zur Felgenflanke beim Fahrzeug lässt sich auch die Rotorflanke passend zum Auto lackieren. Auch beim Zifferblatt stehen alle 27 verfügbaren Wagenfarben für eingelegte farbige Ringe mit Minuterie im Stil des Fahrzeug-Tachometers zur Wahl. Davor drehen entweder klassisch schwarze Essence- oder sportlich mattweisse, mit roter Spitze versehene Performance-Zeiger. Bis zu 300 Wahlmöglichkeiten bietet Porsche Design beim entweder in Fahrzeugleder, genäht mit entsprechendem Garn, oder Titan ausgeführten Armband. Schliesslich bietet auch das Etui noch Möglichkeiten der Individualisierung.

SYNTHESE AUS SPORTLICHKEIT UND ELEGANZ Bislang ist Parmigiani Fleurier eher für elegante als sportliche Armbanduhren bekannt. Mit dem neuen «Tondagraph GT» beginnt im abgeschiedenen Val de Travers eine neue Ära. Die stählerne Synthese aus Sportlichkeit und Eleganz misst 42 Millimeter. Auf das Leuchtzifferblatt und die Zeiger blickt man durch ein ARunicSaphirglas mit Antireflex-Beschichtung. Der Sichtboden zeigt das 30 Millimeter grosse Manufakturkaliber PF 315 mit RotorSelbstaufzug, zwei Federhäusern und 48 Stunden Gangautonomie. Seine Vorderseite trägt ein komplexes Modul mit Achtelsekunden-Chronograph, 30-Minuten- und 12-Stunden-Totalisator sowie einem hilfreichen Jahreskalender. Wie der Name bereits andeutet, sind manuelle Korrekturen nur jeweils Ende Februar erforderlich. Beim Einstellen hilft eine digitale Monatsanzeige. Die komplette Zeit-Mechanik namens PF043 besteht aus 443 Teilen. Von der Ausführung mit stählernem Gliederband gibt es 200 Exemplare.

KOMPLIZIERTES MIT DURCHBLICK Typisch auf der ganzen Linie ist der «RM 11-05 Automatic Flyback Chronograph GMT» von Richard Mille. Die durchbrochene Konstruktion des auf 140 Exemplare limitierten Zeitmessers gestattet tiefe Einblicke. Seine graue diamantharte Lünette besteht aus Cermet, einem hoch belastbaren Keramik-Metall-Mix. Sie sitzt auf einem Gehäusemittelteil aus «Thin Ply Technology»-Karbon. Grade-5-Titan dient zur Herstellung des Gehäusebodens, durch dessen Saphirfenster sich das exklusive Automatikkaliber RMAC3 zeigt. Die Platine, Brücken und Kloben des von Vaucher in Fleurier gefertigten Basiswerks bestehen aus Titan. Nur bei Richard Mille gibt es den skelettierten Kugellagerrotor mit beweglichen Schwing­ armen aus 18-karätigem Weissgold. Die veränderliche Masseträgheit passt sich der Dynamik des Trägers dieser Armbanduhr an. Zwei

COMEBACK DES GELBEN GOLDES Um Gelbgold ist es in der Uhrenszene zwischenzeitlich etwas ruhiger geworden. Mit der Referenz 5270J-001 beschert Patek Philippe dem glänzenden Material ein Comeback. Im 41 Millimeter grossen Sichtboden-Gehäuse bewahrt und stoppt das hauseigene Chronographenkaliber CH 29-535 PS Q das kostbarste Gut der Menschen. In dieser Referenz debütierte 2011 eine vollkommen neue KalenderKadratur. Sie besitzt digitale Anzeigen für Wochentag und Monat sowie ein Zeigerdatum bei «6». Ein rotierender Nocken steuert die unterschiedlichen Monatslängen in Normal- wie Schaltjahren.

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Federhäuser speichern Kraft für 50 Stunden ununterbrochenen Lauf. Das vorderseitig montierte Schaltwerk verfügt über einen Flyback-Chronographen mit 60-Minuten-Totalisator. Hinzu gesellen sich ein Jahreskalender sowie ein zusätzlicher, per Drücker bei «9» verstellbarer 24-Stunden-Zeiger. ZUKUNFT EINER ZEIT-IKONE 1963 machte die von Jack W. Heuer und seinem Team kreierte «Carrera» wegen ihres klaren Designs von sich reden. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich der Chronograph dieses Namens zu einer echten Uhr-Ikone. Verständlich, dass sie bei der Manufaktur regelmässig im Fokus steht und zur Entwicklung zeitgemässer Evolutionsstufen anregt. Die neueste mit Namen «Carrera 44 mm Calibre Heuer 02» hätte eigentlich während der Baselworld ihren Einstand geben sollen. Ihr bis zehn bar wasserdichtes Stahlgehäuse mit Keramiklünette erinnert ganz klar an die Vergangenheit. Uhrmacherische Gegenwart verkörpert einmal das hauseigene Automatikkaliber Heuer 02 mit Rotor-Selbstaufzug, 80 Stunden Gangautonomie, Fensterdatum bei «6» und Schaltrad-Chronograph. Zum anderen lässt auch das stählerne Gliederband den Weg in eine lange Zukunft erkennen. VERPACKT IN ROTGOLD Aus 292 selbstverständlich sorgfältig finissierten Komponenten assemblieren die Uhrmacher von Vacheron Constantin das Manufakturkaliber 3200 im rotgoldenen «Traditionnelle Tourbillon Chronograph». Die Sichtboden-Schale misst 42,5 Millimeter, baut 11,7 Millimeter hoch und widersteht Wasser bis zu drei bar Druck. Der Antrieb des Drehgangs erfolgt nicht wie üblich vom Kleinboden-, sondern vom Sekundenrad des Uhrwerks. Damit sich das Tourbillon dennoch im Uhrzeigersinn dreht, braucht es ein kleines Zwischenrad. Einen Mix aus Tradition und Moderne verkörpert der Chronographenmechanismus. Das Überlieferte repräsentieren ein Drücker für drei Funktionen, Schaltradsteuerung sowie eine horizontale Räderkupplung. Ausdruck zukunftsweisenden Handelns sind unter anderem koaxial übereinander angeordnete Kupplungsräder. Dieser konstruktive Kunstgriff minimiert zum einen den unliebsamen Startsprung des Chronographenzeigers. Andererseits reduziert sich die mechanische Beanspruchung dieser Baugruppe. PURPUR IM DOPPELTAKT Nicht zuletzt wegen ihrer markanten Optik erfreut sich die «Defy» im Hause Zenith besonderer Beliebtheit. Neu in dieser Uhrenlinie ist die «Defy 21 Ultraviolet». Ihr Manufaktur-Automatikkaliber El Primero 9004 agiert bi-frequent. Die mit fünf Hertz oszillierende Unruh dient zum Bewahren der Uhrzeit mit Time-Lab-geprüfter Genauigkeit. Und zwar bei voll gespanntem Federhaus 50 Stunden lang. Fünfzig Hertz beträgt die Frequenz des kleineren, aber deutlich schnelleren Pendants. Durch dieses Tempo lassen sich 50 Minuten lang Zeitintervalle auf die Hundertstelsekunde genau stoppen. Der zugehörige Totalisator reicht bis 30 Minuten. Zur Sicherheit informiert eine Gangreserveanzeige bei «12» über den aktuellen Energievorrat. Das zweischichtige Ensemble mit innovativer Silizium-Hemmung besteht aus 293 Bauteilen. Eine PVDBeschichtung bewirkt das violette Finish des durchbrochen gestalteten Mikrokosmos. Schutz bis zu zehn bar Wasserdruck bietet ein facettiertes Sichtbodengehäuse mit 44 Millimeter Durchmesser.

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Kaleidoskopische Autorin_Swenja Willms Bilder_Harry Winston

SCHÖNHEITEN Das Haus Winston hat viel Erfahrung damit, ein kleines Zifferblatt auf originelle Weise mit Leben zu erfüllen. Funkelnde Diamanten, wertvolle Edelsteine, Perlmutt und markante Gestaltungsmotive haben ihren Platz auf den Zifferblättern der bezauberndsten Uhren von Harry Winston gefunden – so auch auf den KaleidoscopeModellen, die 2019 aus der Taufe gehoben wurden. Dieses Jahr kehren sie in Form von sechs Premier-Modellen aus 18-Karat-Gold mit einem mechanischen Schweizer Automatikuhrwerk zurück. Kräftige Farben und geometrische Formen sowie strahlende Diamanten und Edelsteine machen diese hypnotisierenden Zeitmesser aus, die ihrem magischen Namensgeber alle Ehre machen.

2020 stehen Damenuhren wieder einmal im Rampenlicht. Die charakteristische Designsprache des Hauses Harry Winston und die mit aussergewöhnlich hoher Handwerkskunst gestalteten Edelsteinfassungen prägen jedes der kostbaren Uhrenmodelle, die dank ihres erlesenen Schweizer Uhrwerks als lebenslange Begleiter zur Seite stehen. In den Zeitmessern der Kaleidoscope-Serie finden sich alle Formen und Farben wieder, die zum Markenkern von Harry Winston gehören. So ist beispielsweise die Farbe Blau untrennbar mit dem Hause verbunden und erinnert an den legendären Hope-Diamanten, den Harry Winston im Jahr 1949 erworben hat. Das Gehäuse und die diamantenbesetzten Bandanstösse dieser Premier-Modelle erinnern zudem an den Eingang von Harry Winstons Flagship Salon in der Fifth Avenue in New York. Und «last but not least» zelebrieren die 57 im Brillant-

schliff geschliffenen Diamanten auf dem Gehäuse sowie die Edelsteine auf den sechs verschiedenen Premier-Kaleido­ scope-Zifferblättern Harry Winstons Erbe als «König der Diamanten». UNTRÜGLICHE ERKENNUNGSZEICHEN Die Premier-Kaleidoscope-Modelle bringen den filigranen, schillernden Charakter des Perlmutts mit frischen Farben, Formen und Mustern ganz neu zur Entfaltung. In aufsehenerregender Farbenpracht spielt das markante Zifferblatt der dunkelblauen Version kunstvoll mit Blau-, Pink-, Türkis- und Grüntönen. Was man leicht für Edelsteine halten könnte, sind in Wirklichkeit sorgfältig gearbeitete Perlmutt-Skulpturen. Zur Herstellung des hypnotisierenden Bildes auf dem Zifferblatt wird dessen Basis aus 18-Karat-Gold zuerst mit weissem Perlmutt beschichtet. Darauf wird als nächster

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Schritt ein ebenfalls aus Perlmutt bestehendes geometrisches Durchbruchmuster gelegt. Um diese blaue, extrem filigrane und aus einem einzigen Perlmuttstück gefertigte Applikation verarbeiten zu können, müssen die Handwerksmeister von Harry Winston ihre ganze Kunstfertigkeit und Präzision in die Waagschale werfen. Faszinierende, aus grossen Perlmuttsteinen kreierte Cabochons in Pink, Türkis und Grün eifern mit ihrer Strahlkraft dem Glanz von Edelsteinen nach, während die 70 im Brillantschliff geschliffenen Diamanten das Zifferblatt dieser bezaubernden Kreation in hellem Licht erstrahlen lassen. Mehrere Schichten schimmernden PerlenPerlmutts und erhöht platzierte Cabochons verleihen dem dynamischen Zifferblatt Tiefe und Volumen. Das blaue perlmuttartige Armband aus Alligatorleder passt perfekt zu den dunkelblauen Gestaltungsdetails auf dem Zifferblatt und komplettiert so die Komposition. Geschlossen wird das Armband durch eine Dornschliesse aus 18 Karat Roségold, die mit Diamanten im Brillantschliff besetzt ist. Drei weitere farbenfrohe Uhrenvariationen in Orange-, Rot- und Hellblautönen runden die Modellreihe «Premier Kaleidoscope Automatic 36 mm» ab.

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ZUVERLÄSSIGE PRÄZISION Die Premier-Kaleidoscope-Modelle werden durch ein hochwertiges mechanisches Schweizer Automatikuhrwerk angetrieben und verfügen über eine Gangreserve von 72 Stunden. Das Uhrwerk mit seinem skelettierten Rotor aus 18 Karat Roségold und den raffinierten Details kann durch den Gehäuseboden aus Saphirglas bewundert werden. Eine Flachspirale aus Silizium steht für modernste Technologie und garantiert dauerhafte Präzision. HERAUSRAGENDE BEGLEITER Die Kaldeidoscope-Kollektion wird mithilfe einzigartiger Schmuckstücke komplettiert. Auch hier stehen kräftige Farben und geometrische Formen, akzentuiert mit den berühmten Diamanten von Harry Winston, im Zentrum. Die Winston-Kaleidoscope-Juwelenkollektion wurde im Zuge der Neuheiten 2020 entwickelt und ist ein herausragender Begleiter auf dem roten Teppich oder ein schillerndes Abend-Accessoire. Die Schmuckanhänger sind in unterschiedlichen Kompositionen erhältlich, unter anderem mit Aquamarin, blauen Saphiren oder pinkem Morganit.


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Ein Querdenker auf Erfolgskurs

Autorin_Swenja Willms Bilder_Hublot

MARC FERRERO IST EINER DER WENIGEN ZEITGENÖSSISCHEN MALER, DIE ZEIGEN, DASS DIE MALEREI NOCH IMMER NEUE WEGE ERKUNDEN KANN. GEMEINSAM MIT DER UHRENMANUFAKTUR HUBLOT KREIERTE DER KÜNSTLER NUN DIE NEUE «BIG BANG ONE CLICK MARC FERRERO LIMITED EDITION». IM EXKLUSIVEN INTERVIEW WERFEN WIR EINEN BLICK AUF FERREROS GESAMTWERK, DAS IN ENGER VERBINDUNG ZUR «STORYTELLING ART»-BEWEGUNG STEHT: FIKTIVE GESCHICHTEN, DIE UNS UM DIE GANZE WELT REISEN LASSEN UND SICH AUF ALLE MÖGLICHEN KULTUREN UND ERFUNDENEN FIGUREN BEZIEHEN – WIE ECHTE SPIEGEL DER GEMEINSAMEN HOFFNUNGEN UND WÜNSCHE UNSERER ZEIT.

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PRESTIGE: Marc Ferrero, Sie haben bereits vergangenes Jahr zwei «Big Bang»-Modelle zusammen mit Hublot entwickelt. Was waren Ihre Anforderungen an die neue «Big Bang One Click Marc Ferrero Limited Edition»? MARC FERRERO: Die Idee des neuen Modells war es, mit dem stärksten aller Kontraste zu arbeiten: Schwarz und Weiss. Ich liebe Schwarz und Weiss, weil es nah an der Idee von Ying und Yang und dessen Symbiose liegt und ich sehr interessiert an entgegengesetzten Ideen bin. Als Künstler ist es wichtig, offen für komplementäre und gegensätzliche Dinge zu sein. Schwarz ist eine Farbe ohne Aktion, es gibt keine Bewegung. Weiss hingegen ist eine Farbe der Zukunft, eine Farbe, mit der alles möglich ist. Die beiden Farben passen zu allen anderen Farben, konkurrieren jedoch nie mit ihnen. Ihre Kunst ist normalerweise ziemlich farbenfroh. Wieso arbeiten Sie trotzdem gerne mit Schwarz und Weiss? Viele Künstler in der Vergangenheit und auch in der Gegenwart arbeiten mit den beiden Farben. Auch meine Arbeit hat ihren Ursprung in Schwarzweiss. 1999 veröffentlichte ich eine Graphic Novel komplett in Schwarz und Weiss, und auch danach malte ich fantastische Kunstwerke, auch für private Sammlungen. Schwarz und Weiss sind für mich wie eine Rock ’n’ Roll Band: stark und ohne Kompromisse. Vielleicht komme ich eines Tages auf Schwarzweissbilder zurück, aber momentan widme ich mich lieber den farbenfroheren Nuancen. Ein Tag hat leider nur 24 Stunden – man kann nicht alles machen (lacht). Auf dem Zifferblatt des neuen Modells ist Ihr Werk «Lipstick», Ihre berühmteste Arbeit, abgebildet. Dieses wurde auch bereits beim Vorgängermodell verwendet. Warum haben Sie beschlossen, es erneut auf dem neuen Modell zu präsentieren? Das Lippenstiftgemälde passt zum neuen Modell, weil es eine Frauenuhr ist. «Lipstick» ist ein Gemälde, das die Frau des 21. Jahrhunderts darstellt. Es ist eine Frau, die in der Geschäftswelt involviert ist, die gehört wird und eine starke Sichtweise hat. Es ist ein sehr bedeutendes Stück in meiner Produktion, es ist eine Art Signatur. Ich habe ungefähr zehn Jahre gebraucht, um das endgültige Gemälde fertigzustellen und alle Ideen auszudrücken, die ich wollte. Es ist eine magische Geschichte, mit diesem Gemälde auf der Uhr zu arbeiten. Die Message von «Lipstick» wird gerade auch in der aktuellen Feminismus-Bewegung aufgegriffen … Ich bin ein Künstler, ich bin offen für alle und alle Ansichten. Als Maler spielst du gerne mit dem Tagesgeschehen und neuen Ideen. Aber es ist meine Vorstellung von einer Frau des 21. Jahrhunderts, und die Idee ist, eine Frau in der Geschäftswelt auszudrücken – also keine Männerwelt. «Lipstick» ist so gesehen nicht mit einer starken politischen Meinung verbunden, es ist surrealistischer. Haben die «Big Bang»-Modelle merklich zur Berühmtheit­ ­Ihres Werkes beigetragen, oder woher rührt diese Popularität? Nein, «Lipstick» war schon vorher berühmt. Viele Kunstsammler wollten dieses Werk in ihrer Sammlung. Aber ich liebe es, Bilder auf eine andere Art und Weise zu veröffentlichen. Es ist wie ein Song, den man liebt, aber manchmal kann der Remix besser sein. Ich liebe es, mit verschiedenen Arten von «Lipstick» zu spielen – in diesem Fall eben mit Schwarz und Weiss, mit mehr Kubismus und grafischer Konstruktion.

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Das Werk repräsentiert also Ihre Kunst im Allgemeinen? Es ist ein Teil meiner Kunst, es ist nur eines meiner Gemälde. Als grosser Maler seiner Zeit benötigt man ein sehr starkes Gemälde in seiner Produktion. Wenn Sie beispielsweise an van Gogh denken, denken Sie an Sonnenblumen, wenn Sie an Picasso denken, denken Sie an «Les Demoiselles d’Avignon». Und genau so ist es bei «Lipstick» passiert. Das Gemälde wurde zu einer Art Charakter. Das war nicht mein Ziel, aber es ist einfach passiert, und ich bin sehr glücklich, eine Produktion wie diese mein Eigen zu nennen. Charaktere erfinden ist folglich der Hauptteil Ihrer Kunst? Ja, ich denke, unsere Generation arbeitet mit Geschichten. Wir lieben Geschichten. Und Geschichten nähren unterschiedliche Empfindungen. Es gibt keine Einschränkung bei der Idee, Geschichten zu erzählen. Im Vergleich zur Kunstform kann man sehr leicht in Sackgassen geraten, weil man sich irgendwann durch Abstraktion und Kubismus wiederholen kann, aber dies kann nicht passieren, wenn man Geschichten erzählt. Ich bin mit einer alten Fernsehserie aufgewachsen. Als ich jung war, habe ich nicht so viele Comics gelesen, wie viele Leute denken, aber ich schaute regelmässig diese eine Serie in den 60ern in Schwarz und Weiss. Das inspiriert mich viel mehr als Comics, weil die Technik damals noch ihre Grenzen hatte und nicht so ausgefeilt war. Und vor allem inspirierten mich eben die Charaktere: Sie hatten eine sehr starke Persönlichkeit und Identität. Das mochte ich. Das «Big Bang»-Modell ist eines der bekanntesten von Hublot, und stets werden neue Editionen auf den Markt gebracht. Wie hoch war der Druck, ein Modell zu kreieren, das sich von anderen abhebt? Als Künstler möchten Sie natürlich etwas sehr Starkes erschaffen, aber dieser Prozess ist nicht kontrollierbar, und das ist gut so. Man versucht einfach, seinen Instinkten und seinen eigenen Gefühlen zu folgen. Folglich habe ich mir bei dieser Produktion keinen Druck gemacht. «Lipstick» passt zudem perfekt zur Konstruktion der Uhr. Die Konstruktion des Gemäldes mit dem Kubismus im Zentrum und die Art und Weise, wie die Uhr gestaltet ist, harmonieren stark. Es ist sehr komplementär und verleiht dem Handgelenk ein feministisches und starkes Design. Die Herausforderung besteht darin, am Design zu arbeiten, ohne den Fehler zu machen, nur ein Bild auf das Zifferblatt zu reproduzieren.

Kunst und Uhrmacherei miteinander zu verbinden, hat folglich ihre Schwierigkeiten? Ja, wenn die zwei Parteien nicht an derselben Idee arbeiten. Hublot ist für mich eine Marke, die wie ein Künstler arbeitet. Alle Leute denken über den Tellerrand hinaus. Während eines Meetings suchen wir gemeinsam nach neuen Ideen. Und das ist es, warum Hublot so erfolgreich mit Künstlern zusammenarbeitet. Wir haben die gleiche Intention. Dies ist wichtig für den Erfolg der Uhr. Welche Herausforderungen ergaben sich bei der Kooperation? Die grösste Herausforderung besteht darin, den Geist von Hublot und den Geist des Gemäldes in geringerer Grösse zu respektieren. Es ist wichtig, den perfekten Kompromiss zu finden. Leute, die bei Hublot arbeiten, sind sehr künstlerische Leute, also haben sie einen sehr guten Geschmack. Es ist eine perfekte Ergänzung zwischen ihnen und mir. Es ist eine Team-Arbeit. Ihre Kunst und Ihre Philosophie scheinen mit deren von Hublot übereinzustimmen … Ja, es ist das Out-of-the-box-Denken. Und es gibt einen Punkt, an dem wir in die gleiche Richtung arbeiten: die technische Fusion. Dies ist auch in meiner Arbeit sehr wichtig, weil ich mit der Verschmelzung von Kubismus und figurativer Kunst und Pop-Art arbeite, also benutze ich alle möglichen Elemente, um etwas zu kreieren und um Geschichten zu erzählen. Denn alles andere –  Surrealismus, Kubismus, Pop-Art, Expressionismus – das alles kennen wir bereits. Aber um etwas Neues zu schaffen, ist Fusion nötig. Als Künstler und als Marke musst du gegen Regeln verstossen, um etwas Persönliches zu kreieren. Hublot tut dies beispielsweise mit der Vermischung verschiedenster Materialien ihrer Uhren. Wie ich immer sage: «With Hublot on your wrist, it’s time to move from zero to super hero.»

Die «Big Bang One Click 39 mm Ceramic Black & White» und die «Big Bang One Click 39 mm Steel White» sind auf jeweils 100 Exemplare limitiert und seit Anfang des Jahres erhältlich.

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WUSSTEN SIE…?

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MIT DER EIGENEN ROLEX IM WELTRAUM

Viele Apollo-Astronauten vertrauten ihre Zeit privat einer Rolex an. Zu diesem Kreis gehörte auch John Leonard «Jack» Swigert. Das Mitglied der Ersatzmannschaft der Apollo-13-Mission musste 72 Stunden vor dem Start für den erkrankten Thomas K. Mattingly als Pilot der Kommandokapsel einspringen. Seine «GMT-Master» nahm er in der Hosentasche mit. Nach der glücklichen Rückkehr zur Erde bedankte er sich 1970 schriftlich dafür bei Rolex, dass ihn seine Armbanduhr «immer pünktlich sein» liess.

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IM RHYTHMUS DER MONDPHASEN

Bei Zifferblättern mit traditioneller Mondphasenanzeige pflegt der Mond auf einem kleinen Ausschnitt des unbeweglichen Zählers seine Kreise zu ziehen. Der Mond dreht sich, während der Zähler stillsteht. Beim System der jüngsten Hermès-Uhr, deren Gehäuse 1978 von Henri d’Origny entworfen wurde, ist das genaue Gegenteil der Fall. Eine poetische, atemberaubend neuartige Komplikation stellt unser Verständnis von Raum und Zeit auf den Kopf. Bei dieser Uhr sind es die Monde, die stillstehen. Zwei Mondscheiben in Form naturweisser Perlmutt-Intarsien zieren das Aventurin- oder Meteorit-Zifferblatt.

DIE REINHEIT DES DIAMANTEN

Neben dem klassischen Brillant-Schliff ist der Baguette-Schliff heutzutage die beliebteste Form für Trau- und Verlobungsringe. Entwickelt wurde diese Schliffform Anfang des 20. Jahrhunderts in der Zeit des Art déco. Der berühmte Schmuckhersteller Cartier war einer der ersten, die diese neue Technik verwendeten. Der Baguette-Schliff zeichnet sich vor allem durch seine Schlichtheit und seine klaren Linien auf und bringt so die Reinheit des Diamanten zum Vorschein.

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DIE PRACHT DER FEDER 110


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Autorin_Swenja Willms Bilder_Gübelin

Die faszinierende Innenwelt der seltenen PadparadschaSaphire inspirierte Gübelin Jewellery zu der neuen Schmuckwelt «Aurora». Anfang des Jahres wurde die Kollektion durch das spektakuläre Collier «Blushing Wing» erweitert. Im Herbst 2020 folgt nun der passende Cocktailring, der ebenfalls mit dem Padparadscha des Colliers besetzt werden kann. 111


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MIT

Mit «Blushing Wing» bereichert Gübelin Jewellery die kürzlich lancierte Schmuckwelt «Aurora», die auf der Innenwelt der begehrten Padparadscha-Saphire basiert. Auf Sri Lanka, der Insel der Edelsteine, wurden die ersten Exemplare der seltensten Saphir-Varietät in den typischen rosa- und orangefarbenen Tönen gefunden. Unter dem Mikroskop sind im Inneren des Padparadschas aus Sri Lanka elegante Strukturen erkennbar, die als «Federn» bezeichnet werden. Die Mikrofotografie inspirierte die Designer zu «Blushing Wing». Dabei nimmt das Design Bezug auf die Vogelwelt Sri Lankas und erinnert an einen Vogel, der seine eleganten Flügel in der Morgensonne auffächert. So ist das Collier eine Hommage an die Herkunft des Padparadschas – die sagenumwobene Insel Sri Lanka. Charakteristisch für das Collier sind organisch geschwungene Elemente, die zarten Federn gleichen und kunstvoll arrangiert sind. Besetzt ist «Blushing Wing» mit einem imposanten, kissenförmigen Padparadscha-Saphir aus Sri Lanka, 12,10 ct, 120 Saphiren in verschiedenen Pastelltönen und Brillanten. Gesamthaft sind in diesem Collier 717 Edelsteine von zusammen 33,23 ct einzeln und mit höchster Präzision von Hand gesetzt. Die pastellfarbigen Saphire wurden sorgfältig auf das Farbenspiel des Padparadschas abgestimmt und nehmen Bezug auf die Mikrofotografie. Zudem betont die warme Farbe des Rotgolds die Schönheit der Saphire. Das harmonische Zusammenspiel der romantischen Farbnuancen erinnert an ein zartes Erröten. In sanftem Schwung schmiegt sich der Schmuck um den Hals der Trägerin. Trotz der Leichtigkeit und der fliessenden Formen weist das Collier eine unaufdringliche Präsenz auf. Der facettenreiche Mix von Schliffen, Farben und Formen unterstreicht die Dynamik des Designs und rekurriert zugleich auf die reiche Schmuckgeschichte des Hauses Gübelin und dessen Entwürfe der glamourösen 1950er und 1960er Jahre. Um die «Deeply Inspired»-Philosophie zu symbolisieren, weist jedes Schmuckstück von Gübelin Jewellery einen Rubin auf. Er gilt als König der Edelsteine, wird mit Leidenschaft assoziiert und steht für Gübelins Liebe zu Farbsteinen. Zugleich ist der Rubin das Markenzeichen von Gübelin Jewellery. Prominent platziert, weist er «Blushing Wing» subtil und dennoch eindeutig als eine Kreation des Schweizer Familienunternehmens aus. Als Ergänzung der Kollektion wurde kürzlich ein passender Cocktailring entworfen. Das Ensemble, bestehend aus Collier und Cocktailring, ist von der Innenwelt des Padparadscha-Saphirs aus Sri Lanka, 12,10 ct, inspiriert. Beide Schmuckstücke können mit dem Padparadscha besetzt und dank des variablen, brillantbesetzten Elements gleichzeitig getragen werden.

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TRENDS by

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B BUCHERER

Die Beliebtheit der «B Dimension»Kollektion von Bucherer Fine Jewellery gründet im entspannten Understatement, minimalistischen Design und der atemberaubenden Brillanz. Mit neu interpretierten Design­elementen und Diamanten im Baguette-Schliff bauen die neuen Schmuckstücke – von grazil bis auffällig – auf diesem Ansatz auf.

H HARRY WINSTON

Die «Secrets by Harry Winston Collection» zeugt von den berühmtesten Designs und Traditionen des Hauses. Mit einem sanften Drehen verwandelt sich der «Secret Wonder Ring» von einer klassischen Schönheit in ein farbenprächtiges Schauspiel aus Diamanten, Aquamarinen und blauen Saphiren.

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PIAGET

«Wings of Light» – die neue High Jewellery Collection von Piaget lädt dazu ein, eine Reise in ein Land der Fantasie und Magie zu unternehmen. Ein Ort, an dem Zwänge und Grenzen weit hinter sich gelassen werden und an dem Extravaganz und Erfindungsreichtum frei sind.

B BVLGARI

Bvlgari zelebriert das Leben und die Schönheit mit Barocko, der neuesten Interpretation des römischen Juweliers, der einen kühnen und mutigen Ansatz für High-Jewellery-Schmuckstücke verfolgt. Lebendige Farben, aussergewöhnliche Lichteffekte, phantasievolle Formen und erlesene Details vermitteln ein Gefühl der Freude und Positivität, das sich über die ganze Welt verteilt.

JEWE LLERY


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MOTI ON

MO TION 114


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GESCHĂ„RFTE SPEERSPITZE Der Macan Turbo ist das Flaggschiff der Ăźberarbeiteten Macan-Modellgeneration. Er wurde in allen Bereichen inklusive Ausstattung verbessert und ist nun auch technisch State of the Art. 115


PRESTIGE Autor_Patrick Frey Bilder_Porsche

Dass der neue Macan Turbo innerhalb der Baureihe die Spitzenstellung einnimmt, demonstriert der elegant gezeichnete, kompakte Sport-SUV durch seine exklusive Front mit drei grossen Lufteinlässen, hochgesetzter Bugleuchte und LED-Hauptscheinwerfern. In der Seitenansicht unterscheidet sich das Topmodell von seinen Geschwistern durch 20 Zoll grosse Macan-Turbo-Räder, SportDesign-Seitenschweller und Sport-Design-Aussenspiegel in Exterieurfarbe. Turbo-typisch ist zudem der speziell entwickelte feststehende Dachspoiler im Doppelflügeldesign. Auch die Sportabgasanlage verfügt mit ihren silbernen Doppelendrohren über ein eigenständiges Design. 18-WEGE-SPORTSITZE UND SURROUND-SOUND-SYSTEM AB WERK Als Aushängeschild der Modellreihe bietet der neue Macan Turbo eine Ausstattung, die es in sich hat: Adaptive Sportsitze mit Glattlederbezug und elektrischer 18-Wege-Verstellung zählen zur Serienausstattung. Passende Akzente setzen der Dachhimmel in Alcantara und das Interieurpaket aus gebürstetem Aluminium. Mit seinem 10,9-Zoll-Full-HD-Touchscreen ist das Porsche Communication Management (PCM) jetzt serienmässig voll vernetzt und an ein 665 Watt starkes Bose-Surround-Sound-System mit 14 Lautsprechern gekoppelt. Natürlich beinhaltet es OnlineNavigation mit Echtzeit-Verkehrsinformationen und eine intelligente Sprachbedienung. Ebenfalls serienmässig an Bord: Porsche Connect Plus inklusive LTE-Telefonmodul, WLAN-Hotspot sowie zahlreichen Porsche-Connect-Diensten. Optional für alle MacanModelle sind jetzt Smartphone-Ablage mit induktiver Ladefunktion, eine beheizbare Frontscheibe, ein Ionisator zur Verbesserung der Luftqualität im Innenraum und der neue Stauassistent inklusive Abstandsregeltempostat, der bis 60 km / h nicht nur autonom beschleunigt und bremst, sondern auch beim Lenken hilft.

STÄRKER, SCHNELLER, AGILER Die 440 PS (324 kW) des neuen 2,9-Liter-Sechszylinder-Biturbomotors sind eine klare Ansage. Ganze zehn Prozent wurde die Leistung gegenüber der des Vorgängermodells erhöht – bei zugleich 20 Prozent weniger Hubraum! Die beiden Abgasturbolader sind neu innen im Zylinder-V angeordnet. Dieses sogenannte CentralTurbo-Layout mit den kurzen Abgaswegen zwischen den Brennräumen und den Turboladern erlaubt ein besonders spontanes Ansprechverhalten. Ab 1800 / min steht das maximale Drehmoment von 550 Nm durchgehend bis 5600 / min zur Verfügung. Die sich äusserst linear aufbauende Leistung erreicht ihren Peak zwischen 5700 und 6600 / min. Der Sprint aus dem Stand auf 100  km  /  h gelingt (mit optionalem Sport-Chrono-Paket) in 4,3 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 270 km / h (plus vier km / h). Für die Kraftübertragung sorgen ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe und Allradantrieb. Den NEFZ-Verbrauch gibt Porsche mit 9,8 l / 100 km an. OPTIMIERTES FAHRWERK MIT NEUER, SAUBERER BREMSE Leistungsfähige und standfeste Bremsen sind Teil der Porsche-DNA. Die für den Macan Turbo serienmässige Porsche Surface Coated Brake (PSCB) ist Teil des optimierten Fahrwerks. Die Porscheexklusive Hochleistungsbremse mit einer Wolframcarbidschicht auf den Bremsscheiben bietet ein schnelleres Ansprechen, einen geringeren Verschleiss und bis zu 90 Prozent weniger BremsstaubEntwicklung im Vergleich zu einer konventionellen Graugussbremse. Charakteristisch sind die hochglänzenden Bremsscheiben und die weiss lackierten Bremssättel. Die Preise des Porsche Macan Turbo starten bei 121’300 Franken. Schweizer Kunden profitieren mit dem attraktiven Porsche Swiss Package ohne Aufpreis von einer Garantieverlängerung sowie diversen Ausstattungsoptionen.

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DER RENNSPORTLER IM SMOKING Maserati 3500 GT Wie kann man einen hoch entwickelten Rennwagenmotor und ein luxuriöses Automobil miteinander kombinieren? Mit dem schönsten aller Maserati-Modelle, dem 3500 GT, gelang dem Unternehmen der Wandel vom Rennwagenproduzenten zum Hersteller von Strassenfahrzeugen.

Autorin_Lone K. Halvorsen Bilder_Maserati

Im Jahr 1914 gründeten die Maserati-Brüder in Bologna eine kleine Autowerkstatt und legten damit den Grundstein für die Marke Maserati, die in die Automobilgeschichte eingehen sollte. In den 1920er und 1930er Jahren verkaufte das Unternehmen weltweit Rennwagen, für den Strassenverkehr zugelassene Fahrzeuge wurden lediglich aufgrund von Einzelbestellungen hergestellt. Die drei Brüder Alfieri, Ernesto und Ettore waren technisch versiert, Mario hingegen hatte keine Ahnung von Motoren, doch besass er eine künstlerische Ader. Er bekam den Auftrag, ein Logo für die Firma zu entwerfen, und er wählte eines der Wahrzeichen der Stadt Bologna als charakteristisches Element: den Dreizack der Neptun-Statue auf der Piazza Maggiore als Symbol für Stärke und Vitalität. Das Dreizack-Logo symbolisierte für Alfieri Maserati die Stärke seiner

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Familiengeneration, bestehend aus sechs Brüdern – und bis in die Gegenwart sollte dieses Logo für Autoaffine weltweit legendär bleiben. 1937 übernahm die Familie Orsi die Geschäftsleitung, und das Unternehmen zog von Bologna nach Modena – bis heute der Maserati-Hauptsitz. VOM RENNWAGEN ZUM STRASSENAUTO Mitte der 1950er Jahre gab der Chef von Maserati, Omer Orsi, dem Chefingenieur Giulio Alfieri die Aufgabe, einen schnellen, zuverlässigen Gran Turismo für die Strasse zu entwerfen. Es war genau diese Strategie, die das Schicksal von Maserati verändern sollte. Der 3500 GT wurde nicht nur zu einem der schönsten Modelle von Maserati, sondern mit ihm gelang dem Unternehmen auch der Wandel vom Rennwagenproduzenten zum Hersteller von Strassenfahrzeugen. Die Bedeutung dieser Modellserie spielte für Maserati eine elementare Rolle. Womöglich würde es ohne diese zeitlosen Klassiker das Traditionsunternehmen nicht mehr geben, denn nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges stand es kurz vor dem wirtschaftlichen Ruin. Doch es war Alfieri, der die Erfolgsgeschichte mit viel Geschick in die entscheidenden Bahnen lenkte. Der 3500 GT war ein Sportwagen der Oberklasse mit einem vom Rennwagen 350S abgeleiteten Motor – jedoch für den Strassenbetrieb erheblich modifiziert. Die legendäre Eleganz gepaart mit der Sportlichkeit war bereits von Beginn an ein Markenzeichen von Maserati, und auch beim 3500 GT blieb das Unternehmen diesem Ruf treu. Mit ihm gelang den Konstrukteuren und Autobauern rund um Alfieri ein Volltreffer – 1957 wurde der feudale Gran Turismo auf dem Genfer Autosalon präsentiert. Der Prototyp ging wegen seiner weissen Lackierung als «Dama Bianca» in die Geschichte ein – mit geringfügigen Unterschieden zu der Serienversion, deren Produktion im selben Jahr aufgenommen wurde. DAS STREBEN NACH INNOVATION UND GESCHWINDIGKEIT Ende 1957 hatte Maserati sich vom Rennsport zurückgezogen. Umso wichtiger war der Erfolg des 3500 GT. Das Magazin «Automobil Revue» schrieb 1958: «Zu den Aktivposten von Maserati ist ein Automobil zu zählen, das erst vor Jahresfrist zusammengebaut wurde und nun binnen dieser relativ kurzen Zeit einen beachtlichen Reifegrad erreicht hat, nämlich der DreieinhalbLiter-Gran-Turismo. Dieser imponierende Sechszylinder ist ein luxuriöser zwei- bis viersitziger Wagen für schnelle Reisen.» Der elegante Sportwagen war eine Kreation der Carrozzeria Touring und wurde aus Aluminium hergestellt. Als Chassis diente ein Rohrrahmen, wie er vom Prinzip her auch bei den Rennwagen eingesetzt wurde. Klassisch waren die lange Motorhaube, die relativ kurze Fahrbehausung und der grosse Überhang hinten. Abgeleitet vom Rennsportmodell 350S war es natürlich auch hier zu erwarten, dass der Motor zum Herzstück des Modells gehört. Das Resultat gefiel auch dem Publikum, und die «Automobil Revue» fügte hinzu: «Trotz seiner Abstammung aus einem Stall der Grand-Prix- und Rennsportfahrzeuge ist das elegante Superleggera-Coupé ein Gebrauchsfahrzeug für den Alltag. Es schaltet sich leicht, obwohl der starke 3,5-Liter-Sechszylinder – nebenbei bemerkt der grösste Serienmotor der Gegenwart – auch im direkten Gang ein unerhörtes Durchstehvermögen besitzt.» Mindestens ebenso wichtig für den Erfolg war die optische Erscheinung. Den 3500 GT gab es in den zwei Karosserievarianten Coupé und Spyder. In Genf wurden zwei Arten von Coupés präsentiert: Eine Version war von Allemano

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karossiert worden, die zweite von Touring in Mailand. Nach dem Ende der Ausstellung entschied sich die Unternehmensleitung für die Serienproduktion mit Touring. Ein Jahr später folgte die offene Variante, und die beiden ersten Cabrios entstanden 1958 ebenfalls bei Touring. Für die Serienproduktion der Spyder entschied sich jedoch Maserati für den Karosseriebauer Vignale, womöglich aufgrund der modernen und sportlichen Optik. Der führende Designer des renommierten Karosseriebauers Vignale, Giovanni Michelotti, verkürzte das Fahrgestell um zehn Zentimeter und schaffte durch einen geschmeidigen Hüftschwung eine Dynamik in der Seitenlinie, welche auffällig über die Hinterräder verlief. Das Fahrzeug war ein Meisterwerk der Proportion und wurde von der Presse als «rollendes Kunstwerk» beschrieben. Einige Jahre später wurden an allen vier Rädern Scheibenbremsen eingebaut – was als ein Novum im damaligen Italien galt. Wenngleich die grösste Neuerung mit der Lucas-Benzineinspritzung einherkam, die eine Höchstgeschwindigkeit von über 220 km / h ermöglichte. UNTERWEGS MIT DER PROMINENZ Der Zustand des Strassennetzes wurde – sowohl in quantitativer wie qualitativer Hinsicht – nach dem Zweiten Weltkrieg immer hochwertiger. Wo früher die holprigen Strassen schnelles Fahren verhinderten, konnte in den 50er Jahren wieder Gas gegeben werden. Als Resultat dieser Entwicklung entstand ein neues Segment von Sportwagenkäufern, denn Prominente, gut situierte Unternehmer und andere Erfolgreiche dürsteten nach schnellen luxuriösen Sportwagen. Diesen Trend hatte Alfieri bereits erkannt und setzte dafür die nötigen Massnahmen um, als er den 3500 GT schuf. Maserati war in jener Epoche die innovativste der norditalienischen Sportwagenmarken, und kaum ein anderes Fahrzeug hat das italienische Flair so gekonnt präsentiert. Die Prominenz griff gerne zum Maserati 3500 GT, und man kann es ihr nicht verübeln. Zu den stolzen Besitzern zählten Fürst Rainier III. von Monaco, Dean Martin, Tony Curtis, Anthony Quinn, Rennfahrer Luigi Taramazzo oder auch der mexikanische Staatspräsident Adolfo Lopez. Gerne wurde der offene Maserati auch in Filmen genutzt –  so hatte der Vignale Spyder etwa Auftritte in «Love is a Ball» (1962), «La bella di Lodi» (1963) oder «La vita difficile» (1963). Als Sportwagen der Oberklasse begeisterte der 3500 GT schon damals zahlreiche Käufer, und auch heute noch sind der GT wie auch der Vignale Spyder begehrte Sammlerobjekte.

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MIT DER SEELE EINES SPORTWAGENS Autor_Patrick Frey Bilder_Aston Martin

ES IST DER ERSTE SUV IN DER 106-JÄHRIGEN TRADITION VON ASTON MARTIN. ENTSPRECHEND SEINER BEDEUTUNG ERHIELT DER DBX DAS FACETTENREICHSTE DESIGN IN DER GESCHICHTE DER BRITISCHEN LUXUSMARKE. SELBSTREDEND VERFÜGT ER ÜBER EIN BREITES LEISTUNGSSPEKTRUM VON SPORTWAGENDYNAMIK BIS HIN ZU OFFROAD-TAUGLICHKEIT.

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Mit dem DBX, dessen Entwicklung bereits 2015 begann, drängt Aston Martin in ganz neue Welten. Denn im Gegensatz zu anderen Herstellern von Luxussportwagen ist dieses Segment für die Briten absolutes Neuland. Umso mehr setzten sie sich zum Ziel, durch Vielseitigkeit und sportlichen Fahrspass einen neuen Standard in der Klasse der Luxus-SUV zu setzen. Dazu wurde auch die Hilfe von externen Beratern in Anspruch genommen – unter anderen dem «Female Advisory Board». Gebaut wird der DBX in einem eigens errichteten Werk in St Athan (UK). Basis ist eine neue SUV-Plattform. Unter Verwendung von Verbundaluminium, einer Bauweise, die Aston Martin durch die Entwicklung seiner Sportwagen beherrscht, ist die Karosserie des neuen Modells leicht und zugleich steif, was dem DBX zu einer herausragenden Dynamik verhilft. Der leer 2245 Kilogramm wiegende SUV misst in der Länge 5039 Millimeter. Kompakt ist das nicht, denn schon von Anfang an wurde der DBX so konzipiert, dass er im Innenraum so geräumig wie möglich ist. Dabei wurde besonders viel Wert auf Details und auf eine optimale Platznutzung gelegt, sowohl für die Passagiere in der vorderen als auch in der hinteren Reihe. Mit Blick auf China wurde dieser Luxus-SUV auch für jene Kunden entwickelt, die sich lieber chauffieren lassen, als selbst hinter dem Volant zu sitzen. NUR DAS BESTE IST GUT GENUG Bezüglich Technologie schöpfte Aston Martin aus dem Vollen. Die adaptive Dreifach-Luftfederung wurde mit dem neuesten elektrischen 48V-Anti-Roll-Kontrollsystem (eARC) und mit elektronischen adaptiven Dämpfern kombiniert. Sie ermöglicht, die Bodenfreiheit um 45 Millimeter zu erhöhen oder um 50 Millimeter abzusenken, um das Fahrzeug an verschiedenste Geländetypen optimal anzupassen, aber auch um das Ein- und Aussteigen sowie das Beladen des Autos zu vereinfachen. Angetrieben von einer neuen Version des Vier-Liter-TwinTurbo-V8-Motors, der bereits im DB11 und Vantage zu finden ist, beeindruckt der DBX mit 550 PS Leistung und 700 Nm Drehmoment. Das aktive Auspuffsystem sorgt dafür, dass dieser Luxus-SUV edel und fein, aber bereits im nächsten Moment aggressiv und berauschend klingen kann. Zur Optimierung des Verbrauchs verfügt der V8-Turbo über eine Zylinderabschaltfunktion. Hat es der Fahrer eilig, beschleunigt ihn der DBX in 4,5 Sekunden von null auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 291 km / h.

HANDGEFERTIGTER INNENRAUM Die laut Aston Martin «einzigartige Kopf- und Beinfreiheit» zusammen mit einem ununterbrochenen Glas-Panoramadach und einer rahmenlosen Fenstereinfassung sorgen für eine helle und geräumige Ausstattung im Innenraum. Die vorderen bequemen Sportsitze geben nicht nur satten Halt, sondern bieten auch noch mehr Knie- und Fussfreiheit für die Passagiere auf der Rückbank. Dazu kommen viele Details im Innenraum, unter anderem separate Armlehnen, ein intelligentes Handschuhfach-Design und eine ergonomische Positionierung der Steuerelemente. In der gesamten Kabine wurde Wert auf die Authentizität der Materialien gelegt; mit einer stilvollen Kombination aus Metall, Glas und Holz. Eine zeitgemässe Auswahl an exquisiten Holz-, Verbundstoff- und Metallfurnieren sorgt dafür, dass das Cockpit je nach Geschmack eingerichtet werden kann. Ein 10,25-Zoll-TFT-Bildschirm sitzt bündig in der Mittelkonsole, während ein grosser 12,3-Zoll-TFT-Bildschirm dem Fahrer alle Informationen bereitstellt. Apple CarPlay ist in der serienmässigen Ausstattung enthalten, ebenso wie ein 360°-Kamerasystem und eine Innenraumbeleuchtung mit 64 Farben in zwei Zonen. Der Basispreis des DBX in der Schweiz beträgt 199’420 Franken.

SPORTLICH IM GELÄNDE, FREUNDLICH IM ALLTAG Für die Übertragung von Leistung und Drehmoment auf den Boden ist ein Neun-Gang-Automatikgetriebe mit Drehmomentwandler verantwortlich, zusammen mit einem Allradantrieb mit einem aktiven Zentraldifferenzial und einem elektronisch gesteuerten hinteren Sperrdifferenzial (eDiff ). Dadurch kann das Drehmoment auf präzise Art und Weise sowohl zwischen Vorder- und Hinterachse als auch entlang der Hinterachse verteilt werden. Mit 632 Liter Stauraum und mit 40:20:40 aufgeteilten, umklappbaren Rücksitzen verfügt der DBX über eine flexible Ladekapazität. Abgesehen von der bemerkenswerten Standardausstattung mit allen aktiven Sicherheitssystemen werden auch optionale Zubehörpakete angeboten. So beinhaltet zum Beispiel das Pet Pack unter anderem eine mobile Waschanlage, damit der Hund nach dem Spaziergang sauber nach Hause kommt. Alternativ liefert das Snow Pack Stiefelwärmer, um einen Skiausflug noch angenehmer zu machen.

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VERY BRITISH UNTERWEGS IM ROLLS-ROYCE DAWN SILVER BULLET Autor_Thomas Hauer Bilder_Rolls-Royce Motor Cars

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SEIT DER IM VEREINIGTEN KÖNIGREICH NICHT UNUMSTRITTENEN ÜBERNAHME DER ROLLS-ROYCE MOTOR CARS LTD. DURCH DIE MÜNCHNER BMW AG ANFANG DER 2000ER JAHRE HABEN DIE BAYERN DER ZULETZT EIN WENIG IN DIE JAHRE GEKOMMENEN BRITISCHEN TRADITIONSMARKE MIT ZAHLREICHEN NEUEN MODELLEN, DIE VOR ALLEM STATUSBEWUSSTE SELBSTFAHRER ANSPRECHEN, ERFOLGREICH NEUES LEBEN EINGEHAUCHT. DARUNTER MIT DEM CULLINAN ZULETZT AUCH EIN WASCHECHTES LUXUS-SUV. DER VIELLEICHT SCHÖNSTE FAMILIENZUWACHS DER LETZTEN JAHRE ABER IST DER 2016 AUF BASIS DES WRAITH COUPÉ LANCIERTE DAWN. EIN CABRIOLET DER SUPERLATIVE. ANFANG DES JAHRES HAT ROLLS-ROYCE NUN EINE AUF 50 EXEMPLARE LIMITIERTE SONDERSERIE DES MODELLS ANGEKÜNDIGT UND DEN URSPRÜNGLICH ALS VIERSITZER KONZIPIERTEN DAWN DAFÜR KURZERHAND IN EINEN HIGH-END ROADSTER MIT DEM SCHICKEN NAMEN SILVER BULLET VERWANDELT. WIE ALLE ROLLS-ROYCE WIRD AUCH DER SILVER BULLET IN DER VON BMW NEU ERRICHTETEN MANUFAKTUR DES KULTLABELS NAHE DES LEGENDÄREN GOODWOOD CIRCUIT GEFERTIGT. WIR HATTEN GELEGENHEIT, EINEN DER EXKLUSIVSTEN UND TEUERSTEN ZWEISITZER DER WELT, DER MIT SEINEM RETRODESIGN AN DEN DEKADENTEN CHARME DER PLAYBOY ROADSTERS AUS DEN ROARING TWENTIES ANKNÜPFEN SOLL, ZU EINER SPAZIERFAHRT AUSZUFÜHREN. DOCH DER REIHE NACH.

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© Marc Riccioni

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Der Rolls-Royce Dawn in der sportlichen Black Badge Design Edition.

DAS

Das erste Mal, als ich einen Rolls-Royce fahren durfte – oder besser gesagt darin chauffiert wurde –, liegt schon einige Jahre zurück. Ich war auf einige Tage ins tief verschneite St. Moritz gereist und wollte an einem grauen Mittwochnachmittag vor dem Abendessen noch kurz eine Freundin besuchen, die damals im «Badrutt’s Palace Hotel» arbeitete. Über all den Törtchen und Pralinés auf dem turmhohen Schokoladenbuffet, das in der kathedralengleichen Hotelhalle aufgebaut war, vergass ich die Zeit und musste mich am Ende sputen, um nicht den Aperitif zu verpassen. An der Tür fragte meine Freundin, ob einer der Portiers mich nicht schnell in mein Hotel fahren dürfe. Und so sass ich keine halbe Minute später dort, wo 40 Jahre zuvor schon Elisabeth II. zu sitzen geruht hatte, um stilvoll zu einer Parlamentseröffnung oder einem anderen epochalen Staatsakt zu rollen – im Fond eines Rolls-Royce Phantom VI, Baujahr 1968, der lange Jahre zum offiziellen Fuhrpark der britischen Monarchin gehört hatte. Während mein livrierter, mit

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Glacéhandschuhen ausstaffierter Chauffeur das über sechs Meter lange Vehikel souverän und gefühlt im Zeitlupentempo durch den Kreisverkehr im Dorfzentrum lenkte, musste ich tatsächlich dem Impuls widerstehen, neugierigen Passanten am Strassenrand ebenso huldvoll mit der Rechten zuzuwinken, wie die Royals es so formvollendet verstehen. Und obwohl die Fahrt damals keine 5 Minuten dauerte, hat mich das Erlebnis doch tief beeindruckt.

EINE ODE AN DIE DEKADENZ

Im ersten Moment wirkt der brandneue Silver Bullet, den ich vorher nur von Computergenerierten Renderings kannte, deshalb auch fast ein wenig furchteinflössend, denn auch seine Dimensionen wirken auf den ersten Blick so wuchtig, als sei er für den Riesen Gulliver, den es an die Gestade des Zwergenreiches Liliput verschlagen hat, konstruiert worden. Und das, obwohl der Roadster mit knapp 5,30 Meter Länge und knapp zwei Meter Breite deutlich «kompakter» ausfällt als der St. Moritzer Phantom-Royal. Wie um alles in der Welt soll man dieses bildschöne Ungetüm nur unbeschadet durch enge Gassen oder gar in einen gewöhnlichen Parkplatz manövrieren? Doch solche Alltagssorgen plagen echte Rolls-Royce-Fans sicher nur am Rande. Ganz vorsichtig lasse ich die Finger über den silbernen Speziallack gleiten. Unwillkürlich schiesst mir dabei der Gedanke an den streichelweichen Griff eines Seiden-Négligés durch den Kopf. Autoerotik pur. Die archetypische Frontpartie des Silver Bullet wird, wie bei allen Rolls-Royce, vom emblematischen Kühlergrill bestimmt, der ein wenig an die Fassade eines griechischen Tempels erinnert. Geschmückt wird der natürlich auch beim Silver Bullet von der legendären «Spirit of Ecstasy». Der abgedunkelte Hintergrund der Scheinwerfer zu beiden Seiten des Grills verleiht den markanten Augen des Silver Bullet dabei eine fast androgyne Persönlichkeit mit Gotik-Charme. Einzig das Heck wirkt, trotz schwarzer Designakzente, im Vergleich zur langgestreckten, sportlichen Silhouette für einen Playboy fast ein wenig bieder. Und natürlich bleibt auch beim Silver Bullet das RR-Logo im Zentrum der teilpolierten 21-Zoll-Leichtmetallräder stets senkrecht und lesbar, egal wie schnell die Felgen sich drehen. Die beiden gewaltigen Türen öffnen sich beinahe wie von selbst, kaum hat man ein wenig an den Griffen gezogen, und schlagen, ebenfalls Rolls-Royce-typisch, hinten an. Geschlossen werden sie auf Wunsch per Knopfdruck. Undenkbar, dass sich Fahrer oder Beifahrer verrenken müssen, um die Klinken zu erreichen. Das Einsteigen erinnert denn auch eher an ein Hineingleiten. An der Fussleiste prangt die silberne Collection-Plate mit der Inschrift Silver Bullet und der individuellen Fahrzeugnummer.

EPISCHE ROADTRIPS GARANTIERT

Das Interieur unseres Testfahrzeugs ist eine beeindruckende Leistungsschau britischer Handwerkskunst – handgenähtes Leder und anthrazitfarbenes Carbon-Hightech-Gewebe anstelle von Edelhölzern bestimmen das Design. Das auffälligste Feature aber sind die beiden ebenfalls leberbespannten Aero-Cowlings-Elemente. Ihre markante TonneauForm verleiht dem Dawn seine extrem dynamische und zugleich elegante Linienführung. Gleichzeitig optimieren sie in Verbindung mit dem zwischen den beiden Hügeln verbauten gläsernen Windschott die Strömungswerte. Übrigens sind die Aero Cowlings – gegen atemberaubenden Aufpreis versteht sich – auch für den «regulären» Dawn erhältlich und werden dann einfach über den Rücksitzen montiert. Unter der kolossalen Haube schnurrt flüsterleise und fast vibrationslos ein BMW6,6-Liter-V12-Biturbo-Motor mit 570 PS, und tatsächlich lässt sich das rund 2,5 Tonnen schwere Geschoss damit in Verbindung mit dem butterzart schaltenden Achtgang-ZF-Automatik-Getriebe in grade mal 4,9 Sekunden von null auf 100 km / h beschleunigen. Bei 250 km / h wird dann elektronisch abgeriegelt. Doch Geschwindigkeit ist beim Rolls-Royce eigentlich fast Nebensache. Wie um das zu unterstreichen, öffnet und schliesst sich das Stoffverdeck des Dawn mit majestätischer Behäbigkeit, bietet dank Spezialbeschichtung aber so guten Schallschutz, dass es bei geschlossenem Dach im Wageninneren kaum lauter zugeht als im Wraith Coupé – eine technische Meisterleistung. Erst mal unterwegs fühlt man sich im Silver Bullet dann so sicher und komfortabel aufgehoben wie in Abrahams Schoss. Nicht ganz so geschmeidig reagiert der Roadster allerdings in engen Kurven. Hier wird schnell deutlich: Das hohe Gewicht in Verbindung

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Auch in der pastellfarbenen Pebble-Beach-Variante ist der Dawn ein Traumwagen.

mit reinem Hinterradantrieb lässt den Rolls-Royce, je nach Fahrweise und Terrain, in den Hüften bisweilen ein wenig träge, ja bockig wirken. Das heisst, übertrieben sportlich fühlt sich das Fahrverhalten dank des arg steifen Hecks nicht gerade an. Aber selbst das passt doch irgendwie zu einem waschechten Briten. Tunlichst meiden sollten den Silver Bullet allerdings Fahrer mit Hang zu Understatement, denn mit kaum einem Vehikel haben wir bisher grösseres Aufsehen erregt als mit dem Silver Bullet. Typisch Rolls-Royce eben. Kein Wunder. Ich habe schon im zarten Alter von 11 Jahren, als ich zum ersten Mal den fiesen Schurken Goldfinger aus dem gleichnamigen Bond-Streifen in seinem 37er Phantom III Sedanca de Ville Platz nehmen sah, begriffen, dass ein Rolls-Royce nicht einfach ein Auto ist, sondern ein Mythos, der Schurken wie Helden gleichermassen in seinen Bann zieht. Schweigen wir an dieser Stelle deshalb über schwindelerregende Verbrauchswerte, vorsintflutlichen CO2-Ausstoss und ganz allgemein den Sinn oder Unsinn solch automobiler Dinosaurier im 21. Jahrhundert und geniessen einfach die Fahrt in den Sonnenuntergang, während uns das Rolls-Royce Bespoke Audio System mit Santana-Riffs in Studio-Qualität verwöhnt. Bon voyage!

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THE OUTLIERMAN

Eleganz und Rennsport stehen sich in der Entwicklung eines legendären Fahrhandschuh­ modells gegenüber. Das Design dieses Modells ist inspiriert vom Stil der Gentlemen Drivers. Angereichert mit kontrast­ ierenden Ledereinsätzen aus Nappalammleder und in Italien vollständig von Handwerkern handgefertigt.

T PORSCHE

BENTLEY

Der Bentayga verbindet die Fähigkeiten eines leistungsstarken Grand Tourers mit den Eigenschaften einer Luxuslimousine, eines geräumigen Familienfahrzeugs und eines Offroad-Fahrzeugs. Das neue Modell wurde innen wie aussen deutlich überarbeitet und punktet mit aktuellster Bord-Technologie und einem noch behaglicheren Innenraum.

P

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TRENDS by

In Anlehnung an die «Porsche 911 Targa 4S Heritage Design Edition» entstand der moderne Canvas Weekender, der ideale Begleiter für den Kurztrip über das Wochenende. Hingucker sind der PorscheSchriftzug und weitere Akzente in Gold. Dank drei separater Innentaschen ist für ausreichend Stauraum gesorgt.

LAMBORGHINI

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Automobili Lamborghini und 24Bottles präsentieren die Clima Bottle, eine doppelwandige, thermisch isolierte Trinkflasche aus 18/8-Edelstahl. Sie bewahrt den Geschmack und die Temperatur von Getränken, die bis zu zwölf Stunden warm und bis zu 24 Stunden kalt gehalten werden können. Das Design der Clima Bottle erinnert an die auffällige Camouflage-Folie des Lamborghini Aventador SVJ, der den Rundenrekord für Serienfahrzeuge auf der Nürburgring-Nordschleife hält.

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DAS MASS DER DINGE

Der neue Mercedes-AMG GT wurde in vielen Details geschärft. Die zweitürigen Coupés und Roadster erhielten neben Aktualisierungen im Exterieur die integrierte Fahrdynamikregelung «AMG Dynamics» für noch mehr Agilität sowie ein volldigitales Instrumenten-Display.

Autor_Patrick Frey Bilder_Mercedes-Benz

Frontmittelmotorkonzept, Getriebe in Transaxle-Anordnung an der Hinterachse und tiefer Fahrzeugschwerpunkt – dieses Grundlayout verhilft dem AMG-GT-Portfolio seit 2014 zu einem sehr agilen Handling mit hohen Kurvengeschwindigkeiten. Die flachen und mit ihrer langgezogenen Haube auch äusserlich sehr begehrenswerten zweitürigen Modelle, die es in den vier Leistungs- und Ausstattungsversionen GT, GT S, GT C und GT R gibt, wurden nun mit zahlreichen Innovationen aus dem AMG GT 4-Türer-Coupé ausgestattet. So wurden – um die Familienbande zu stärken – Coupé und Roadster mit neuen Front- und Heckleuchten ausgestattet. Ein bogenförmiger Lichtleiter übernimmt die Funktionen von Tagfahrlicht, Positionslicht und Blinker, und die Einzel-Reflektoren für Abblendlicht und Fernlicht verleihen dem AMG GT auch einen sportlich-dynamischen Blick. Der schwarze Hintergrund der Lichter sorgt schliesslich für optische Tiefe und mehr Sportlichkeit. EINE FAMILIE RÜCKT ZUSAMMEN In der Rückansicht fällt der neue Look der Heckschürze auf mit neu gestaltetem schwarzen Diffusoreinsatz. Die Doppel-Endrohr-Blenden sind nun ebenfalls an die Formgebung des Vier-Türer-Coupés angeglichen – rund beim AMG GT und trapezförmig bei AMG GT S und AMG GT C. Das Heckdesign des Performance-Modells AMG GT R hingegen behält seine markante Formgebung. AMG GT und AMG GT S erhalten eine neue, im unteren Bereich schwarz genarbte Schwellerverkleidung. Optionale Exterieur-Pakete setzen mit Zierelementen in Hochglanzschwarz, Schwarz matt, Hochglanzchrom oder Carbon individuelle Akzente. Für AMG GT und AMG GT S steht ausserdem auf Wunsch ein neues Leichtmetallrad im Y-Speichen-Design in Schwarz matt mit glanzgedrehter Oberfläche zur Verfügung. Optional gibt es zudem für GT, GT S und GT C neue Schmiederäder im 10-DoppelspeichenDesign in Titangrau mit glanzgedrehten Oberflächen oder in Schwarz matt mit glanzgedrehtem Felgenhorn.

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Als weiteres Zeichen der Familienzugehörigkeit ist nun auch der Zweitürer in der neuen Exterieurfarbe Brillantblau magno erhältlich, die mit dem AMG GT Vier-Türer-Coupé eingeführt wurde. Zu den neuen Wunschausstattungen zählt ausserdem die Polsterung in zweifarbigem Nappaleder Perlsilber / Schwarz. WO HUBRAUM NOCH TUGEND IST In Zeiten des Downsizings wirkt der AMG-4,0-Liter-V8-Biturbomotor wie ein Fels in der Brandung. Bereits aus niedrigen Drehzahlen tritt er kraftvoll an und ermöglicht hervorragende Fahrleistungen. Je nach Version leistet er 476 bis 585 PS und entwickelt dabei ein maximales Drehmoment zwischen 630 und 700 Nm. Gleichzeitig ist der Zweisitzer dank gut nutzbarem Kofferraum, hohem Langstreckenkomfort und den umfangreichen Assistenzsystemen ein unkomplizierter, komfortabler und zuverlässiger Begleiter im automobilen Alltag. Insbesondere auch durch die neue Option «Parkpaket», die das Rangieren im Alltag erleichtert. Sie umfasst den Park-Assistenten Parktronic, eine Rückfahr- und eine Frontkamera. DIE ZUKUNFT IST HEUTE Wie im Vier-Türer-Coupé hält nun auch in den zweitürigen AMG-GT-Modellen das volldigitale Instrumenten-Display mit 12,3-Zoll-Kombiinstrument und 10,25 Zoll grossem Multimedia-Display in der Mitte der Instrumententafel serienmässig Einzug. Das Kombiinstrument bietet ein vollkommen neues Screendesign mit den drei Anzeigestilen «Klassisch», «Sportlich» oder «Supersport», wobei im letzteren umfangreiche AMG-spezifische Zusatzinformationen angezeigt werden, wie beispielsweise eine dem Motorsport entlehnte Aufforderung zum Hochschalten im manuellen Getriebemodus, auch bekannt als «Shiftlight». Das hervorstechende Merkmal des Innenraums ist die Mittelkonsole im stilisierten V8-Design. Der zweitürige AMG GT erhält damit nun ebenfalls die innovativen farbigen Display-Tasten. Sie integrieren die Anzeige und die Steuerung von Getriebelogik,

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Fahrwerk, ESP, Abgasanlage, Heckspoiler und Start-Stopp-Funktion. Die in TFT-Technologie ausgeführten Display-Tasten zeigen über intuitiv verständliche Symbole deren Funktion an und lassen sich mit einem kleinen Fingertipp entsprechend einfach bedienen. Ergänzt werden die Display-Tasten von den beiden Wippenschaltern für Fahrprogramme und Lautstärkenregelung. NEUE AMG-LENKRAD-GENERATION MIT LENKRADTASTEN Mit der Modellpflege erhält der zweitürige AMG GT das neue Performance-Lenkrad, das bereits in der viertürigen Variante sein Debüt feierte und auch in weiteren aktuellen AMG-Modellen erhältlich ist. Es zeichnet sich durch das sportliche Design, die unten abgeflachte Form mit stark konturiertem Kranz und die intuitive Bedienung aus. Die serienmässigen Lenkradtasten bestehen aus einem runden Drehregler mit integriertem Display unterhalb der rechten Lenkradspeiche sowie zwei vertikal positionierten farbigen Display-Tasten mit Schaltern unterhalb der linken Lenkradspeiche. Über den rechten Drehregler lassen sich die Fahrprogramme ansteuern. Die gewählte Einstellung wird über das farbige LCD-Display angezeigt, das direkt in den Drehregler integriert ist. Mit den beiden frei belegbaren Display-Tasten und den Zusatzschaltern auf der linken Seite können weitere Funktionen direkt am Lenkrad bedient werden. So kann sich der Fahrer uneingeschränkt dem dynamischen Fahren widmen, ohne die Hände vom Lenkrad nehmen zu müssen. PROFI-TOOL FÜR DIE RENNSTRECKE AMG Track Pace, der Datenlogger für den Einsatz auf der Rennstrecke, wurde im Funktionsumfang erweitert. Während der Fahrt über eine Rennstrecke kann er eine Vielzahl von fahrzeugspezifischen Daten (z.B. Geschwindigkeit, Beschleunigung) zehnmal pro

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Sekunde aufzeichnen. Hinzu kommen die Anzeige von Runden- und Sektorzeiten sowie jeweils die Differenz zur Referenzzeit. Im Anschluss an die schnellen Runden kann der Fahrer anhand der Daten sein Fahrkönnen analysieren und gegebenenfalls verbessern. Ausserdem lassen sich Beschleunigungs- und Verzögerungswerte messen und speichern. Dank eines neu entwickelten Algorithmus, der die Fahrzeugposition so exakt wie möglich bestimmt, erkennt AMG Track Pace sogar, wenn die Strecke verlassen oder abgekürzt wird. Neben den GPS-Daten werden dazu die im Fahrzeug vorhandenen Sensoren (Beschleunigung, Gyroskop, Lenkwinkel, Raddrehzahlen) verwendet. Bekannte Rennstrecken wie zum Beispiel der Nürburgring oder Spa-Francorchamps sind bereits hinterlegt, andere Rennstrecken können aufgezeichnet werden. SUPERHIRN MIT NEUEM FAHRPROGRAMM Das Fahrverhalten lässt sich über die sechs Fahrprogramme «Glätte», «Comfort», «Sport», «Sport+», «Race» und «Individual» modifizieren. Dabei werden wichtige Parameter wie das Ansprechverhalten von Motor und Getriebe, die Lenkungskennlinie, die Fahrwerksdämpfung oder der Sound verändert. Das neue Fahrprogramm «Glätte» ist optimal auf rutschige Strassenoberflächen abgestimmt, mit reduziertem Leistungseinsatz und flacher Momentkurve. «Race» ist für hochdynamische Fahrten auf abgesperrten Rennstrecken konzipiert. Hier sind alle Parameter auf maximale Performance getrimmt. Und als ob das alles nicht genug wäre: Die Fahrdynamikregelung «AMG Dynamics» berechnet über Sensorwerte, wie das Fahrzeug reagieren wird. Die Regelung reagiert also noch vor dem Fahrer – und zwar ohne spürbare Eingriffe des Systems. Der Fahrer erhält ein sehr authentisches Fahrgefühl mit hoher Kurvendynamik und optimaler Traktion bei hoher Stabilität und berechenbarem Fahrverhalten. Auch erfahrene Piloten werden so optimal unterstützt, ohne vom System bevormundet zu werden.

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FASHI ON

FASH ION 134


Rose plissĂŠ top: Anastasia Bull White crop top: Zara Skirt: Gucci from Trois Pommes Glasses: Gucci from Koch Optik

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DELIVERANCE

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PHOTOGRAPHY:

PATRIZIO DI RENZO

MODEL:

MANUELA FREY FROM OPTION MODEL AGENCY

STYLING :

PATRICK HÄUSERMANN

STYLING ASSISTANT:

ALEKSANDRA WISNIEWSKA

MAKE-UP AND HAIR: JEHAN RADWAND

PRODUCTION AND ASSISTANCE : THE FOTOSTUDIO

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LINKS Dress: Albino Teodoro from Salvatore Schito Top: Serena Gili Overknee boots: Amorphose RECHTS Satin dress: Mara Danz Trenchcoat: Mara Danz Handbag: Essential Antwerp Tights: Falke Shoes: Anastasia Bull

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PRESTIGE Caftan: MOURJJAN Jewellery: Vanto by Veronica Antonucci Catsuit: Alaia from Grieder Shoes: Givenchy from Secondhand Marta Zürich

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FASHION LINKS Dress: Alexandre Vauthier from Trois Pommes Skirt: Sacai from from Trois Pommes Handbag: Essential Antwerp Corsage: Anastasia Bull RECHTS Top: Balenciaga Trousers: NO21 from Salvatore Schito Glasses: Balenciaga from Koch Optik Handbag: Anastasia Bull

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LINKS Top: Amorphose Skirt: Amorphose Belt: Amorphose Glasses: Gucci from Koch Optik RECHTS Bomber jacket: Balenciaga from Trois Pommes Dress: Seraina Büchi Top: Zara Earrings: Essential Antwerp Shoes: Essential Antwerp

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HUT AB

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© Sølve Sundsbø, 2019

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Autorin_Swenja Willms

Als Hommage an die Exzellenz des Savoir-faire und die Kunst der Eleganz präsentiert das Modehaus Dior das Buch «Dior Hats», das über 70 Jahre kreative Leidenschaft enthüllt. 145


© Bert Stern / Condé Nast via Getty Images

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Seidenhut «halo of anemones», Christian Dior – New York, 1964.

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© Sølve Sundsbø, 2019

Stephen Jones, Artistic Director von Dior Hats.

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Er schuf die ideale Voraussetzung für eine extravagante Hutmode: Christian Dior, der Schöpfer einer exzentrisch femininen Mode mit Wespentaille und opulenten Röcken, brachte in den 1950er Jahren die Hutindustrie zum Florieren. In Christian Diors Händen wurde der Hut zu einem wichtigen Symbol der französischen Haute Couture und Eleganz. «Es ist der beste Weg, die eigene Persönlichkeit auszudrücken», schrieb er über sein Lieblingsaccessoire, das von 1947 bis 1957 in jeder seiner 22 Kollektionen zu sehen war. Was einst als schützende Bedeckung des Kopfes diente oder die Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht oder Vereinigung symbolisierte, ist heute Accessoire stilbewusster Männer und Frauen geworden.

© Sølve Sundsbø, 2019

KOPFBEDECKUNG MIT HISTORIE Seiner ursprünglichen Funktion verdankt der Hut seine Namensgebung: Die Bezeichnung «Hut» – ursprünglich aus dem mittelhochdeutschen Wort «huot» abgeleitet – bedeutet Schutz oder Decke. Erst im 18. Jahrhundert verdrängten Hüte als Kopfbedeckung die aufkommenden Perücken. Danach gewann der Hut weltweit an Popularität: In Amerika kam der Cowboyhut in Mode, in Italien oder Deutschland veranschaulichten demokratisch gesinnte Männer ihre politische Position mittels eines breitkrempigen Filzhuts – genannt Kalabreser –, und in England wurde die Melone zu feierlichen Anlässen getragen. Auch heutzutage verkörpert ein Hut Eleganz und Ästhetik, doch neben klassische Modelle mit Krempe reihen sich Schiebermützen, Baseballkappen, Zylinder und Barette. Getreu dem Motto «jedem Topf seinen Deckel» lässt sich jeder Stil mit der passenden Kopfbedeckung stimmig abrunden. EINE FANTASIEVOLLE ODYSSEE Das Buch «Dior Hats» greift prächtige Momente auf: von Monsieur Diors fabelhaften Hüten bis zu denen, die zu Haute-Couture-­ Silhouetten von Yves Saint Laurent passten, floralen Hauben von Marc Bohan, majestätischen Hüten mit breiter Krempe von Gianfranco Ferré, extravaganten Konfekten von John Galliano, poetischen Kreationen von Raf Simons und Federkopfschmuck von Maria Grazia Chiuri. Eine Reihe exklusiver, nie zuvor veröffentlichter Fotografien von Sølve Sundsbø sowie emblematische Bilder der grössten Modefotografen zeigen die herrlichen Kreationen des Modeschöpfers. Ein Fest der Auszeichnung in seiner Quintessenz. Ob aus Stroh gewebt, unterbrochen von Maiglöckchenzweigen, geformt aus Taft oder Leder, von skurrilen Bibis bis hin zu zarten Bob-Hüten mit Schleier – Dior-Hüte sind eine Signatur für sich selbst, eine Verkörperung von Raffinesse und Weiblichkeit.

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Die Haute-CoutureKollektion 2003.

© Guy Marineau

Die Publikation wurde unter dem virtuosen Auge von Stephen Jones zusammengestellt, der seit 1996 im House of Dior tätig ist. Stephen Jones, Diors Modist und künstlerischer Leiter der Ausstellung «Chapeaux Dior! L’Art du Chapeau, de Christian Dior à Stephen Jones», verfasste die Texte des Buches mit Beiträgen von Florence Müller, der Kuratorin der Ausstellung, und den Schriftstellern und Journalisten Natasha Fraser-Cavassoni, Alexander Fury und Dean Rhys Morgan sowie Vincent Leret, Erbe und Projektmanager bei Christian Dior Parfums. Die Publikation enthüllt Archivschätze und entführt den Leser auf eine fantasievolle Odyssee der Entdeckung durch eine Mischung aus Wörtern und Bildern, die diesen faszinierenden Objekten des Begehrens gewidmet sind.

DIOR HATS Dieses illustrierte Buch sollte die Ausstellung «Chapeaux Dior! L’Art du Chapeau, de Christian Dior à Stephen Jones» markieren, welche 2020 im «Christian Dior Museum» in Granville in der Normandie stattfinden sollte. Angesichts der aktuellen Situation wird die Ausstellung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Rizzoli New York 240 Seiten, 200 Illustrationen ISBN 978-0-8478- 6844-5

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TRE N DS by

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GABRIELA HEARST

Die Demi Bag ist die kleinere Version der Nina Bag. Die Tasche in Form eines runden Beutels mit Turnlock-Verschluss besteht aus glattem Krokodilleder und hat einen strukturierten oberen Griff.

WOMEN

CHLOÉ

Die Herbst- und Winterkollektion 2020 unter der Leitung von Natacha Ramsay-Levi repräsentiert starke Frauen im 21. Jahrhundert. So dominieren Caprihosen und Midi-Röcke in weichen Ocker- oder Beigetönen und einer betonten Taille.

K KHAITE

Dieser samtige Slipper aus Wildleder, der im Zuge der «Pre-Fall 2020»-Kollektion vorgestellt wurde, reduziert den Penny Loafer auf das Wesentliche. Die weiche Silhouette, die farblich abgestimmten Absteppungen und eine Ledersohle mit leichtem Absatz sind der Inbegriff italienischer Handwerkskunst.

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Full Look: Prada from www.luxury-shops.com Jewellery: Beatrice Rossi

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WHEN COLOR MEETS CULTURE 151


PRESTIGE LINKS Blouse: Gucci Trousers: Hermes from www.luxury-shops.com Jewellery: Beatrice Rossi Flowers: Blumen Heidi Huber RECHTS Jewellery: Beatrice Rossi

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LINKS Jacket: Chanel Blouse: Gucci Trousers: Akris Boots: Chanel from www.luxury-shops.com Jewellery: Beatrice Rossi RECHTS Cape: Chanel from www.luxury-shops.com Jewellery: Beatrice Rossi Jumpsuit: Balmain from www.luxury-shops.com Shoes: Prada by www.luxury-shops.com

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PRESTIGE LINKS Shoes: Victoria Beckham from www.luxury-shops.com Jewellery: Beatrice Rossi RECHTS Two-piece suit: Dior from www.loveatthebusstop.com Shoes: Victoria Beckham from www.luxury-shops.com Jewellery: Beatrice Rossi

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PHOTOGRAPHY:

BRIGITTE AESCHBACH

ART DIRECTION:

BRIGITTE AESCHBACH & BEATRICE SCHÖNHAUS

LOCATION:

SCHLOSS SCHADAU

MODEL:

MANUELA FREY FROM OPTION MODEL AGENCY

STYLING:

WWW.LUXURYSHOPS.COM WWW.LOVEATTHEBUSSTOP.COM

JEWELLERY:

BEATRICE ROSSI

HAIR:

TOM FROM CHARLES AELLEN COMPANY

MAKE-UP:

ALEXANDRA AUGUSTIN

FLOWERS:

BLUMEN HEIDI HUBER

RETOUCH:

YANA MATSCO

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D DAKS

An der Londoner Fashion Week präsentierte das britische Luxusmodehaus DAKS die Herbst- /Winterkollektion für das Jahr 2020. Urbritisch kamen dabei vor allem Karomuster in gedeckten Farben zum Einsatz, die der Kollektion einen Hauch Vintage und Nostalgie verleihen.

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AHLEM

Der Rahmen der Sonnenbrille «Place Dauphine» besteht aus feder­leichtem, galvanisiertem Palladium aus 22 Karat Gold mit einzigartigen filigran gravierten Bügeln und der charakteristischen Bügelspitze von Ahlem aus handgefertigtem Vintage-Acetat.

TRENDS MEN by

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DOLCE & GABBANA

Als Neuheit in der Saison und als Weiterentwicklung des legendären Sorrento-Modells erscheinen die NS1 Sneakers aus maschenfestem Stoff, Mesh und gummiertem Kalbsleder. Sie verfügen über die superflexible Gummisohle mit seitlichen Laschen sowie über eine wetterfeste, maschenfeste Schuhzunge mit hochfrequenten Bewegungsmöglichkeiten.


FASHION

www.despinapetric.com

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© Au Bon Marché, Paris

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EIN MOSAIK

DER

EXKLUSIVITÄT Autorin_Beatrice Schönhaus Spirig

ES IST DAS ERSTE WARENHAUS DER WELT, GEGRÜNDET 1838: AU BON MARCHÉ PARIS. OFT NACHGEAHMT, SELTEN ERREICHT. FRISCH RENOVIERT, BIETET ES ALLES, WAS DAS SHOPPING-HERZ BEGEHRT. UND NOCH VIEL MEHR. INKLUSIVE KUNST.

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© Gabriel de La Chapelle

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© Au Bon Marché, Paris

DIE

Die amerikanische Kultfigur, Unternehmerin und ehemalige Innenarchitektin Iris Apfel liebt es, Schauspielerin Vanessa Hudgens ebenso, und der Fernsehsender arte hat eine bemerkenswerte Dok darüber verfilmt: Die Rede ist vom Warenhaus Au Bon Marché (ab 1989 Le Bon Marché) Rive Gauche Paris. Als die Gebrüder Videau es 1838 gründeten, war das eine waghalsige, tollkühne Idee. Das erste Warenhaus der Welt sollte es werden: grösser, schöner, besser. Sogar Gustave Eiffel, der Erbauer des Eiffel-Turms, des Wahrzeichens von Paris, hat daran mitgearbeitet und viele Tonnen Stahl verbauen lassen, zusammen mit dem Architekten Louis-Charles Boileau. Sie wollten in die Geschichte eingehen. Und haben es auch prompt geschafft. Mit noch sehr wenigen Angestellten suchte man die schönsten, exklusivsten und speziellsten Objekte der Welt für das Sortiment des neuen Warenhauses zusammen – und damit das erste globale Sortiment der Welt. Mode für Männer und Frauen und natürlich auch für Kinder. Dazu Accessoires aller Art, Einrichtungsgegenstände für Wohnung oder Haus und eben Kunst-Objekte – das war neu, überraschend und machte den Besuch im Warenhaus auch zu einem emotionalen und kulturellen Erlebnis. Kunst von neuzeitlichen, avantgardistischen Künstlern. Das gab dem Geschäft nochmals eine neue, noch nie dagewesene Dimension. Zu Beginn war Au Bon Marché ein Insider-Tipp für die gehobene Klasse – klein, fein und exklusiv. Als aber das Ehepaar Aristide und Marguerite Boucicaut das Warenhaus im Jahr 1852 übernahmen, sollte sich alles ändern. Das Ehepaar probierte raffinierte neue Methoden aus, um den modernen Kunden ganz persönlich abzuholen. Ihm ein völlig neues, überraschendes Einkaufserlebnis zu bieten. Eines, das es sonst nirgends gab! Ausserdem bemühten sie sich, der wachsenden Zahl ihrer Angestellten bessere Lebensqualität zu bieten, bessere Arbeitsbedingungen. Und so entstand ganz nebenbei ein Vorreitermodell für einen sozialeren Führungsstil, auch wenn immer noch eine strenge Hierarchie herrschte. Positiver Nebeneffekt dabei: Die Identifikation der Angestellten mit der Firma und damit ihrem Arbeitgeber war viel enger, intensiver und solider – eine Win-win-Situation, die noch heute Gültigkeit hat. 1984, in diesen äusserst konsumfreudigen Jahren, geschah etwas vom Besten, was einem berühmten Warenhaus dieser Art passieren konnte: Das Luxus-Powerhouse LVMH (Louis Vuitton und Moët Hennessy-Gruppe) übernahm den ältesten Department Store der Welt und gab ihm damit den nötigen – auch finanziellen – Schub und eine langfristige Strategie, um ein Warenhaus dieser Liga am Leben zu erhalten. Ein Prozess, wie man ihn auch bei anderen glamourösen Geschäften beobachten kann. Zum Beispiel bei den Galeries Lafayette in Paris oder dem dynamischen KaDeWe in Berlin. Dessen CEO (und Vorgänger des heutigen CEOs André Maeder) Patrice Wagner wechselte im Jahr 2010 zu Le Bon Marché und machte das Warenhaus erst recht zu einem High-End Department Store, indem er Abteilung um Abteilung umkrempelte. Kürzlich erhielt dann das ganze Haus ein vollumfängliches Update: Jede Abteilung wurde sorgsam erneuert, das Erscheinungsbild und das Sortiment wurden neu definiert und angepasst. So wurden beispielsweise die dekorativen Art-déco-Glasdächer wieder freigelegt, wodurch der Schuhabteilung neue architektonische Lebendigkeit verliehen wurde. Auch die Grande Épicerie, der Feinkost-Laden, der ganz Paris begeistert, wurde aufpoliert. Hier findet das verwöhnte Gourmet-Herz um die 5000 Köstlichkeiten aus aller Welt – sie gilt heute als das beste Delikatessen-Geschäft von Paris. Prinzipiell legt man im Le Bon Marché Wert auf ein sinnliches, emotionales Einkaufs-rundum-Erlebnis. Denn Konsum ist nicht gleich Konsum. Es ist ein Ort, an dem sich Tradition und Zukunft ständig begegnen, herausfordern und damit erneuern. Ein Ort, der unbedingt auf die To-do-Liste für den nächsten Paris-Besuch gehört!

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Your Makeup Mirror. Anywhere. Anytime. 163


BE &BEAUTY WELL AUTY BE ING WELL BEING PRESTIGE

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BEAUTY &WELLBEING

HAUTE PARFUMERIE:

ALCHEMIE DER SINNE

Autorin_Nina Merli

EXKLUSIV, INDIVIDUELL UND SINNLICH –  DAS INTERESSE NACH LUXURIÖSEN DÜFTEN IST GROSS. UND SO WAGEN SICH WELTWEIT IMMER MEHR PARFUMEURE AN DAS ABENTEUER EINER EIGENEN, EINZIGARTIGEN UND ANSPRUCHSVOLLEN DUFTKREATION. AUCH IN DER SCHWEIZ.

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© Odur

Der letzte und wildeste Duft von ODUR: Eine starke erdig-holzige Note, vereint mit intensiven Kräutern, erinnert an die feuchte Berglandschaft nach einem heftigen Sommergewitter.

Stellen Sie sich einen heissen Sommertag in den Bergen vor. Die Felsen sind von der Sonne erhitzt, man hört die Bienen summen. Doch plötzlich ziehen am Himmel dunkle Wolken auf, ein Gewitter braut sich zusammen und entlädt sich wenige Minuten später mit prasselndem Regen. Der Geruch von feuchter Walderde und nassen Kräutern liegt in der Luft – man kann das Berggewitter förmlich riechen. «Diese Bilder hatten wir im Kopf, als wir ‹Terra›, unseren letzten Duft, kreiert haben», sagt Claudio Zier. Der Ex-Werber, Mitte fünfzig, hat sich vor genau sechs Jahren gemeinsam mit seinem Jugendfreund Patrick Stebler einen Traum erfüllt und mit «ODUR» ein eigenes Parfum-Label ins Leben gerufen. Seither haben sie vier Nischendüfte kreiert: «Pinus», «Ervas», «Calma» und «Terra». Vier Düfte, die alle die DNA des Bündnerlandes in sich tragen. KLASSE STATT MASSE Nischendüfte sind Parfums, die in kleineren Stückzahlen produziert und nur an ausgesuchten Standorten erhältlich sind. Sie bestechen durch ihre wertvollen und oft auch sehr eigenwilligen Inhaltsstoffe, die so gar nichts mit den Düften der grossen Parfumerieketten zu tun haben. Darum sind sie auch nicht jedermanns Sache. Doch in Zeiten der Globalisierung, so scheint es, sehnen sich immer mehr Menschen nach Individualität – und so hat der Markt für Nischen-

parfums, ganz nach dem Motto «Klasse statt Masse», in den letzten Jahren mächtig zugelegt. Parfumeure, die ihren eigenen Weg gehen, sind gefragter denn je. Als ein Pionier der Branche gilt der Franzose Serge Lutens. 1992 kreierte er mit «Féminité du bois» seinen ersten Unisex-Duft und revolutionierte damit die Parfumbranche: Ein Parfum, das zu 60 Prozent aus holzigen Noten besteht – das gab es noch nie. Die Fachwelt war verblüfft, irritiert und fasziniert zugleich. Seither sind fast dreissig Jahre vergangen, und in der Nische wird es langsam eng: Luxusmarken wie Hermès (mit «Hermessence»), Prada (mit «Parco Palladiano») oder Chanel (mit «Les Exclusifs») sind ebenfalls auf den Geschmack von eigenwilligen Duftlinien gekommen, und mit dem Kauf des ehemaligen Nischenlabels «Le Labo» durch Estée Lauder sehen eingefleischte Fans die Exklusivität der Nischendüfte in Gefahr. Trotz dieser Entwicklungen haben sich die Macher von ODUR nicht davon abhalten lassen, in diesen hart umkämpften Markt einzusteigen. EIN PARFUM ZUM FÜNFZIGSTEN Zu gross war die Verlockung, etwas Eigenes, Gewagtes zu kreieren – und die Lust, mit 50 «noch etwas zu reissen». Seit Patrick Stebler vor einigen Jahren die gleichnamige Drogerie und Parfumerie seines Vaters in Chur übernommen hatte, begleitete ihn sein Freund Claudio Zier jedes Jahr an die «Pitti Fragranze», eine Messe für

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BEAUTY &WELLBEING

SCHWEIZER PARFUMEURE Andy Tauer Im Gegensatz zu den meisten Parfumeuren hat Andy Tauer keine entsprechende Schule besucht oder eine spezifische Ausbildung absolviert. Der Autodidakt stellt all seine Düfte in Kleinproduktion unter Verwendung hochwertigster Zutaten von Hand in der Schweiz her. Der Duftpapst Luca Turin stolperte über Tauers zweiten Duft «L’Air du Désert Marocain» und verewigte ihn in der Parfum-Bibel «Perfumes: The A-Z Guide» mit einer lobenden Rezension und der maximalen Fünf-Sterne-Auszeichnung. Andreas Wilhelm Man nennt ihn auch den Punk-Parfumeur. Denn Wilhelm kennt keine Kompromisse. Nach der Chemielaboranten-Lehre folgten verschiedene Jobs als IndustrieParfumeur bei grossen Schweizer Duftentwicklern. Doch das war ihm alles zu mainstream, zu kommerziell. Darum richtete er sich in einer Zürcher Garage ein Duftlabor ein und tüftelte an seinen eigenen Kreationen. Nebst seiner Tätigkeit für Seluz, einen der grössten türkischen Duftentwickler, hat Wilhelm vor einigen Jahren seinen eigenen Brand «Perfume.Sucks» lanciert. Giovanni Sammarco Eigentlich hätte Sammarco ja Rechtsanwalt werden sollen. Als er seiner Freundin das falsche Parfum schenkte und darauf die Beziehung scheiterte, entschied sich Sammarco, sich parallel zum Parfumeur ausbilden zu lassen. 2013 zog der gebürtige Italiener in die Schweiz und gründete in Herisau seine eigene Firma. Nebst Kreationen für das Bündner Label «ODUR» und andere Kunden vertreibt er unter der Eigenmarke «Sammarco» bereits sieben Duftkreationen. Vero Kern Erst im Rentenalter lancierte die inzwischen verstorbene «Nase von Zürich» ihr Nischen-Label «Vero Profumo». Um ihrer wahren Leidenschaft nachzugehen, liess sich Vero Kern ihre Pensionskasse auszahlen, um fortan im Soussol ihrer Wohnung Parfums zu kreieren. Insgesamt hat Vero Kern sechs verschiedene Düfte lanciert und weltweit vertrieben.

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Die Landschaften Graubündens als Inspirationsquelle für Schweizer Parfumeure.

Artistik- und Nischendüfte in Florenz, um ihn in Sortimentsund Marketingfragen zu beraten – und weil ihn die Welt der Düfte schon seit seiner Kindheit fasziniert. «Meine Grosseltern hatten ein Coiffeurgeschäft, und ich kann mich noch sehr gut an all die intensiven Düfte der Shampoos, Haarsprays und Haarwasser erinnern.» Während der «Pitti Fragranze» kommt die Crème de la Crème der Parfumeure zusammen, man könnte die Messe auch als eine Art Zusammenkunft moderner Alchemisten bezeichnen. Während drei Tagen treffen hier jeweils die wichtigsten Akteure der Branche aufeinander: Die besten «Nasen», wie Parfumeure auch genannt werden, Lieferanten seltener Inhaltsstoffe, Händler und Markeninhaber. Und mittendrin Patrick Stebler und Claudio Zier. Am Abend finden Gespräche mit Duft-Grössen wie etwa Mark Buxton oder dem Rebellen Gesa Schön in den Bars der Innenstadt von Florenz statt. Diese inspirierenden Momente und die Tatsache, dass der 50. Geburtstag ansteht, bringen Stebler und Zier auf die Idee, selber einen Duft zu kreieren: «Statt eines sehr teuren Sportwagens oder eines Motorrads gab es zu unserem 50. ein eigenes Parfum», so Stebler. DAS BÜNDNERLAND ALS GERUCHSKULISSE Für beide war klar, dass sie – trotz internationaler Kontakte – mit einem in der Schweiz lebenden Parfumeur arbeiten wollten. Denn, auch das stand von Anfang an fest, ihre Bündner Wurzeln sollten

ein fester Bestandteil ihrer Duftlinie werden. «ODUR» heisst Duft auf Romanisch, und so ist die Bündner Identität als gemeinsamer Nenner in all ihren Düften präsent. Gemeinsam mit dem in St. Gallen heimischen Parfumeur Giovanni Sammarco arbeiteten sie zwei Jahre lang, bis sie «Pinus» und «Ervas» lancieren konnten. Dieses Jahr – und etliche Duftproben später – kamen mit «Terra» und «Calma» zwei weitere Düfte dazu. Während Coco Chanel für den Klassiker N°5 «den Duft eines nordischen Morgens am See» im Sinn hatte, wurde Sammarco beauftragt, die Bündner Bergkulisse, saftige Arvenwälder, verschnei­te Winterlandschaften oder die Frische des Caumasees olfaktorisch zu interpretieren. Düfte können ganz unglaubliche Geschichten erzählen. Und sie können Erinnerungen auslösen – sogar mehr als alle anderen Sinne. Allein durch die flüchtige Wahrnehmung eines Duftes kann eine breite Palette scheinbar längst vergessener Erinnerungen mit ganzer Wucht ausgelöst werden. Wissenschafter bezeichnen dieses Phänomen als «Proust-Effekt», benannt nach dem französischen Autor Marcel Proust, der in seinem Roman «Auf der Suche nach der verlorenen Zeit» beschreibt, wie ein Mann ein Stück Madeleine in seinen Tee tunkt und darauf von einer Fülle an Kindheitserinnerungen eingeholt wird. Gerüche rufen die stärksten und emotionalsten Erinnerungen hervor, und wahrscheinlich sind wir Menschen auch darum schon seit Menschengedenken von Düften fasziniert.

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GESCHICHTE DES PARFUMS Ägypter gelten als die wahren Erfinder des Parfums: Schon 3000 v. Chr. war es bei ihnen üblich, parfümierte Öle und Salben mit duftenden Pf lanzenextrakten zu verwenden und Duftstoffe bei Räucherritualen zu verbrennen. Räucherrituale waren auch bei den antiken Römern beliebt – so leitet sich der Begriff «Parfum» vom lateinischen «per fumum» ab. Durch die Kreuzzüge im Mittelalter entdeckte das christliche Abendland die duftenden Rohstoffe und Mixturen des Orients. Zwar kannte man in unseren

Eines der berühmtesten Parfums der Welt: Coco Chanels «N°5».

Breitengraden bereits duftendes Lavendelwasser, durch die europäischen Seefahrer gelangten nun aber über Venedig neue Gewürze, Kräuter und Duftstoffe nach Europa – Alchemisten kreierten damit ätherische Öle, die man ab dem 15. Jahr­ hundert zum ersten Mal kaufen konnte. Die edlen Düfte waren zu Beginn allerdings nur dem Adel vorbehalten und wurden von Katharina von Medici durch ihre Heirat mit Heinrich II. sozusagen in den französischen Hof importiert. Denn Katharina brachte ihren eigenen Parfumeur aus Florenz mit, der eigens für die Adlige einen bergamottbasierten Duft kreierte. Diesen sprühte sie jeweils auf ihre Handschuhe und löste damit den ersten Parfum-Trend aus. 1580 gelangte schliesslich der Alchimist und Apotheker Francesco Tombarelli ins französische Grasse und gründete dort ein Laboratorium zur Herstellung von Düften. Seither gilt die Stadt als Weltmetropole des Parfums. So kam beispielsweise 1921 Coco Chanel hierher, um ein Parfum für ihr Modehaus zu lancieren – bis heute werden in Grasse durch die Familie Mul in fünfter Generation die Pf lanzen für das weltberühmte «N°5» angebaut. Eine breite Masse erreichten Parfums erst im 19. Jahrhundert, als sich die Duftwasser beim Bürgertum durchsetzten. Darunter die Duftkreationen des wohl berühmtesten Parfumeurs seiner Zeit: Pierre-François-Pascal Guerlain. Mit der Jahrhundertwende wurden erstmals auch synthetische Duftstoffe in der Parfumherstellung verwendet. François Coty vermischte erstmals natürliche und synthetische Substanzen und setzte damit den Grundstein für die moderne Parfumerie.

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WENN DER KNOTEN PLATZT!

Autorin_Antonia Clara Semmler

Haben Sie schon einmal einen Knoten in Ihr Taschentuch gemacht? Nein? Ich auch nicht. Besser wäre es in meinem Fall aber hier und da gewesen. Jedes Mal, wenn ich etwas vergessen habe und es mir so schleichend wieder dämmert wie der Nebel im Morgengrauen, denke ich an die Satire von Ephraim Kishon namens «Wenn ich nicht vergesse». Als Schulkind hatte ich dieses ausserordentliche Vergnügen, das Spottgedicht zusammen mit einer Mitschülerin vorzutragen. Im Wesentlichen geht es darum, was man alles machen könnte, um etwas auf keinen Fall zu vergessen. Zum Beispiel ruft die eine Person die andere zehn Minuten vor dem abgemachten Zeitpunkt an, um dieser zu sagen, dass sie in zehn Minuten die Person anzurufen hat, die sie gerade daran erinnert. Oder man traut sich an die fortgeschrittene Variante: die Taschentuchverknotung. Das Erinnerungsvermögen soll damit proaktiv unterstützt werden. Logisch. Man fragt sich irgendwann schon von ganz alleine, warum zum Teufel sich ein Knoten im Schnäuzlappen befindet. Vorausgesetzt, dass überhaupt jemand problemlos eine Gedächtnisstütze hineingeknüpft bekommt und nicht das ganze Papiergedöns dabei zerfleddert. Vermutlich gibt es nur eine Person, die bei einem Theaterstück, in dem es um das Vergessen geht, sogar den Text vergisst. Mich. Mea culpa! Hatte ich doch keinen einzigen Knoten auch nur irgendwohin geknüpft. An dieses Verknotungstrauma von anno dazumal liess mich neulich eine Begegnung mit einem invasiven Neophyten denken. Dem Knöterich. Diese japanische Staudenpflanze hat eine enorme Wuchskraft und einen weitverzweigten Wurzelstock. Eine unterirdische Massenverknotung sozusagen. Mein erster Gedanke war: «Der muss aber an viel denken bei so viel subterraner Erinnerungshilfe!» Und so ist es auch. Die Zierpflanze ist nicht nur in ihrem Dasein als lästiges Unkraut beschäftigt, sie hat auch einige positive Eigenschaften, die sie nicht ausser Acht lassen darf. So soll sie zum Beispiel antibakteriell, entzündungshemmend, entgiftend und antimykotisch sein. In der asiatischen Heilkunde werden aus dem Jungbrunnen-Gewächs Tinkturen gewonnen, Umschläge aufbereitet oder die Wurzeln pulverisiert. Sein wichtigster Inhaltsstoff ist das Resveratrol, ein hocheffektives Antioxidans. Die Antwort auf Stress bei Pflanzen. Kennen Sie vielleicht, ist auch im Rotwein enthalten. Die Antwort auf Stress beim Menschen. Um den Anti-Aging-Effekt für mich sogleich zu testen und meine Experimentierfreude auszuleben, kam ein Knöterich-Sprösslein geradewegs unter das Küchenmesser und als Rhabarber-ähnliches Gemüseallerlei angerichtet retour. Und siehe da! Auf einmal ist mein Kindheitstrauma-Knoten geplatzt, und ich stelle fest: Ich bleibe dann doch lieber beim Rotwein!

Antonia Clara Semmler ist freie Journalistin und PR-Profi. Ihr Spezialgebiet ist die Beauty-Branche, mit der sie seit 18 Jahren verknotet ist.

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MOMENTE DER SELBSTBESINNUNG WER SICH INMITTEN EINER GRÜNEN BERGWIESE BEFINDET UND DIE FRISCHE ALPENLUFT SCHNUPPERT, DER SCHEINT SICH BEREITS IN EINER WAHRHAFTIGEN WELLNESS-HOCHBURG ZU BEFINDEN. ÜBERTRUMPFEN LÄSST SICH DIES NUR VOM FÜNF-STERNE-LUXUSHOTEL «THE ALPINA GSTAAD», DAS ELEGANZ IM AUTHENTISCHEN ALPINEN CHIC VERKÖRPERT. DAS INTEGRIERTE SIX SENSES SPA GSTAAD VOLLENDET DEN QUELL DER RUHE UND DES WOHLBEFINDENS – DIE HIER ANGEBOTENEN BEHANDLUNGEN ERGEBEN EINE INTUITIVE MISCHUNG AUS WISSENSCHAFT UND MENSCHLICHEM BEWUSSTSEIN UND GEHEN WEIT ÜBER DAS ÜBLICHE HINAUS. Autorin_Swenja Willms Bilder_The Alpina Gstaad

Die unterirdische Tunnel-Einfahrt, die zum Hoteleingang leitet, lässt bereits vermuten, dass hier eine Grenze passiert wird. Eine Grenze, die Ende und Anfang einer Reise markiert. Gstaad, das idyllische Örtchen inmitten eines prachtvollen Bergpanoramas, wird hinter sich gelassen, und man betritt stattdessen eine Festung, die Exzellenz in jeglicher Form verkörpert. Doch so sehr die Erscheinung des «The Alpina Gstaad» vor Exklusivität auch strotzen mag und für dessen Besucher gar schon einschüchternd wirken könnte, so deutet doch nichts darauf hin, dass hier nicht in geerdetem und harmonischem Ambiente verweilt werden darf. Denn wie es der Slogan von Gstaad – «come up, slow down» –  selbst beschreibt, so wird auch im Luxusresort «The Alpina Gstaad» Wert gelegt auf einen Aufenthalt, der nicht nur den Körper zum Ruhepol zurückführt, sondern auch den Geist. Und das auf eine Weise, die Nachhaltigkeit und Naturverbundenheit ins Zentrum rückt. Das Fünf-Sterne-Bergresort gilt mittlerweile als Ikone für Gstaad und steht für achtsamen, bewussten und verantwortungsbewussten Luxus. EIN BEEINDRUCKENDES ENSEMBLE Eingebettet im Herzen der Natur thront das umweltfreundliche Hotel über der geschichtsträchtigen Region Gstaad. Nachhaltigkeit und Innovation sind die zwei Säulen, auf denen «The Alpina Gstaad» basiert. Lokale Produkte und Ressourcen werden nahtlos

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men werden. So können Mann und Frau auch nach ihrem Aufenthalt noch ein Stück dieser Erlebnisreise mit sich tragen. Mit seinem Engagement für das Umweltbewusstsein ist das «The Alpina Gstaad» Mitglied der NOW Force for Good Alliance und von EarthCheck mit Silber zertifiziert. Die 56 Zimmer und Suiten spiegeln wider, wie alpine Authentizität auf Schweizer Luxus trifft. Das Erbe der Region inspiriert das Detail und die sorgfältige Verarbeitung. Klassisch geschnitzte Decken und holzverkleidete Wände sorgen zusammen mit Leder-

in das gesamte Hotel integriert, um eine moderne Interpretation des alpinen Chics zu schaffen. Dafür wurde beispielsweise während des dreijährigen Baus des Hotels Holz oder Naturstein aus der Region verwendet. Executive Küchenchef Martin Göschel kreierte zudem im Rahmen von Nachhaltigkeit und Food Waste die innovative Zero Waste Pasta, wobei Brotreste zu Mehl verarbeitet werden, das als Basis für einen feinen Nudelteig dient. Selbst die Hausschuhe, die neben dem Bett auf den Zimmern bereitstehen, sind nachhaltig produziert und dürfen gar von den Gästen mit nach Hause genom-

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taten. So wird im Idealfall nach der Anreise ein individuelles Wellness-Screening durchgeführt. Dabei handelt es sich um ein innovatives Konzept des Wohlbefindens, mit dem wichtige physiologische Biomarker des Körpers gemessen und analysiert werden können. «Das Wellness-Screening zeichnet ein aktuelles Bild davon, wie es dem eigenen Körper geht. Unser Ziel ist es, den Lebensstil unserer Gäste während des Aufenthalts zu verbessern und Ratschläge zu erteilen, wie dieser zu Hause fortgeführt werden kann», erklärt Petula Elzenaar, Direktorin des Six Senses Spa Gstaad. Auf der Grundlage des Wellness-Screenings wird folglich ein personalisiertes Programm mit Spa-Behandlungen, Fitness- und Wellness-Aktivitäten zusammenstellt, das auf den persönlichen Wohlfühlzielen beruht. Im Programm enthalten sein kann frühmorgendliche Meditation, um tiefenentspannt in den Tag zu starten. Gleichgewicht und Stressabbau können durch Reiki und Klangheilung erreicht werden – ein «Energy & Sound Healing». Schon die ersten Momente im Behandlungszimmer dieses Treatments versprechen eine neuartige spirituelle Erfahrung: gebettet auf einer daunenweichen, mit Tüchern ausgelegten Matratze inmitten eines Lichtermeers und Sammelsuriums an Klangschalen, Kristallstimmgabeln und Glockenspielen. Einmal abgetaucht in die Geräuschkulisse, die einem nach Behandlungsbeginn 90 Minuten lang umgibt, verschwimmen die Grenzen zwischen Traum und Realität. Dass das körperliche und emotionale Wesen nach einem Aufenthalt im «The Alpina Gstaad» im Gleichgewicht ist, spürt man spätestens während der Heimreise auf den kurvigen Passstras­ sen, die auf einmal mühelos und ohne Schwindelgefühle befahren werden können.

kopfteilen, Schweizer Schränken im Landhausstil und Truhen für ein gemütliches Ambiente. Dekorative Accessoires wie die traditionellen Lederriemen der Simmentaler Kühe sind eine Ikone für Gstaad im Saanenland. Das Ergebnis ist aber auch frisch und modern und liefert eine originelle alpine Chic-Ästhetik. ENTSPANNEN MIT ALLEN SINNEN Wer in die Tiefe seiner selbst eintauchen und Körper und Geist herunterfahren möchte, findet im exklusiven Six Senses Spa Gstaad ein von der asiatischen Tradition inspiriertes Spektrum an Behandlungen. Die integrierte Wellness-Oase aus kokonähnlichen ineinanderfliessenden Bereichen bietet in insgesamt zwölf Behandlungsräumen auch Anwendungen mit Ingredienzien aus den Schweizer Alpen. Ein Hammam, ein Farbtherapie- und ein Ayurveda-Raum, ein orientalischer Behandlungsraum, eine Salzgrotte, ein Raum für Paarbehandlungen sowie fünf allgemeine Behandlungsräume berücksichtigen die elementaren Bedürfnisse des eigenen Körpers, entgiften und revitalisieren ihn. Weiter gehören ein Indoor- und Outdoor-Pool sowie ein Fitness- und Yogastudio zu den Einrichtungen, doch sind es insbesondere die hoch qualifizierten Therapeuten, die das Spa-Erlebnis prägen. Sie entführen in eine Welt ganzheitlicher Wellness mit lang anhaltenden Resul-

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WER DEM GANG INS FITNESSSTUDIO NOCH EHER SKEPTISCH GEGENÜBERSTEHT, DER IST GUT BEDIENT, SICH SEIN EIGENES INDOOR-GYM EINZURICHTEN. DANK HOCHWERTIGER SPORTKLEIDUNG UND DEM PASSENDEN EQUIPMENT ERLANGT DAS HOME-TRAINING SEIN DESIGNER-SIEGEL.

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Wer auf der Suche nach einzigartigem Equipment für seinen Lieblingsballsport ist, wird beim italienischen Modeunternehmen Versace fündig. Der ikonische Barocco-Print ziert neben Kleidung und Accessoires auch gelegentlich aussergewöhnliche Einzelstücke wie diesen Rugby-Ball. Optisch ein absoluter Treffer.

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Nicht nur das Equipment, auch die Kleidung für sportliche Betätigungen ist mit Bedacht zu wählen. Dieser Ganzkörperanzug von Burberry aus Stretch-Jersey legt sich wie eine zweite Haut an den Körper und animiert dank Monogrammdruck und der Farbblockverkleidung zu einem ausgiebigen Work­out. Diskret untergebrachte Steckfächer bieten Platz für nötige Kleinutensilien.

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Fünf Häuser für die

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andere, viel grössere und schillerndere Welt als die Apfelplantage, eine Welt voller Schönheit und Glamour, und sie riecht förmlich nach Schöpfung sowie Unendlichkeit. Diese Begegnung mit der Andersartigkeit verändert seine Perspektive nachhaltig. Auch heute noch treiben transformierende Erlebnisse den stillen Luxus seiner Möbelentwürfe an. Gary Huttons subversiv-schöne, moderne Arbeiten und seine 40-jährige Karriere leben an der Schnittstelle von Innenarchitektur und bildender Kunst. Sein erstes Projekt ist das Restaurant «Today’s on Union Square» in San Francisco. Es ist ein unglaublich innovatives Restaurant mit extravagantem Design und zieht das anspruchsvollste und schillerndste Publikum San Franciscos an. 1979 wird das Projekt im Magazin «Interior Design» veröffentlicht und lässt die Designwelt aufhorchen.

Autorin_Helena Ugrenovic Bilder_Matthew Millman Photography

DIE GUNST DER STUNDE Chara Schreyer wird in Münchberg, Deutschland, geboren, wohin ihr polnischstämmiger Vater Max Webb übersiedelte. Sechs Konzentrationslager, darunter Auschwitz, und ein Dutzend Arbeitslager hat er überlebt. In Münchberg gründet er zusammen mit Nathan Shapell, einem Mitüberlebenden und Bruder von Webbs erster Frau Sala, ein Textilgeschäft. 1952 ziehen die Familien nach Los Angeles, wo Max Webb, Nathan Shapell und dessen Bruder David eine der grössten Immobilienentwicklungsfirmen des Staats Kaliforniens gründen. Die Firma kauft unter anderem Land in der Porter Ranch auf und baut dort Tausende von Musterhäusern. Der Erfolg der Firma ermöglicht es Chara, das Sammeln von Kunst zu einer Berufung zu machen. Ihre Familiengeschichte indes durchdringt ihre Sammlung, denn Kunst erzählt Geschichte. So hat sie in ihrem Tiburon-Haus einen «Katastrophenschuppen» mit Glastür eingerichtet, um der Vergänglichkeit des Lebens zu gedenken. «Man braucht sieben Generationen, um ein Trauma aus dem Kopf zu bereinigen», erklärt sie in einem Interview: «Wenn man das Kind von Holocaust-Überlebenden ist, hat man das Gott sei Dank nicht wirklich erlebt, aber man hat es auf viele Arten gelebt. Ich habe einfach die Vorstellung, dass sich das Leben auf einen Schlag ändern kann. Ich fühle mich zu Dingen hingezogen, die dafür sprechen.»

ER IST AMERIKAS BERÜHMTESTER INNEN­ ARCHITEKT. SIE EINE DER WELTWEIT FÜHRENDEN KUNSTSAMMLERINNEN. WAS CHARA SCHREYER UND GARY HUTTON EINT, IST DIE LIEBE UND PASSION ZU KUNST UND DESIGN SOWIE EINE 40-JÄHRIGE ZUSAMMENARBEIT. FÜNF RESIDENZEN SIND ENTSTANDEN, DIE 600 KUNSTWERKE BEHERBERGEN, DARUNTER MEISTERWERKE VON MARCEL DUCHAMP, ANDY WARHOL, DONALD JUDD, LOUIS NELSON, DIANE ARBUS UND FRANK STELLA. IN IHREM BUCH «ART HOUSE» ENTFÜHREN SIE DEN LESER AUF EINE ATEMBERAUBENDE VISUELLE TOUR. DOCH ES IST NICHT NUR EIN ÄSTHETISCHES MEISTERWERK ÜBER IHRE ARBEIT UND LEIDENSCHAFT. ES IST DIE ERKUNDUNG EINES LEBENS, DAS DEM LEBEN MIT KUNST UND DER GESTALTUNG VON HÄUSERN GEWIDMET IST. Es ist einfach so passiert, wird Chara Schreyer in einem Interview erzählen und dass sie nicht vorhatte, Sammlerin zu werden. Aber ein ästhetischer Mensch sei sie immer schon gewesen. Als «es» dann einfach passiert und sie durch ihren Sinn für Ästhetik und das Gespür für Künstler und deren Werke in ihren 20er Jahren damit beginnt, Kunst zu sammeln, besitzt sie gemäss «ARTnews» heute eine der 10 grössten Privatsammlungen moderner und zeitgenössischer Kunst weltweit. Ihre Sammlung hat die kanonische Vielfalt einer klug unterrichteten Kunstvermessungsklasse nach dem Zweiten Weltkrieg, und sie erwirbt bestimmte Kunstwerke noch bevor diese gefeiert und unerschwinglich teuer werden. Sie sammelt Künstler, die den Lauf der Geschichte verändern. Nicht im Traum würde sie ihre Kunstschätze einlagern. Dafür erwirbt sie Häuser, in denen sie ihre Sammlung richtig inszeniert. Tatsächlich erwirbt sie eines der Häuser deshalb, weil es die perfekte Wand für eine geliebte Judd-Skulptur hat, ein Stapel reflektierender Stahl- und Plexiglaskästen, der vollends lebendig wird, wenn natürliches Licht von beiden Seiten auf ihn trifft. Gary Hutton ist ein Sohn Kaliforniens und wächst auf der 30 Hektar grossen Apfelplantage seiner Grossmutter auf, eingebettet zwischen den Santa-Cruz-Bergen und der kalifornischen Küste. Seinen kreativen Schock und was man im Nachhinein als eine Sternengeburt beschreiben kann, ist der Moment, als er Kim Novak in seiner Umgebung sieht. Die blonde Schönheit hat sich in der Nähe einquartiert, während sie für Alfred Hitchcocks «Vertigo» vor der Kamera steht. Es ist diese Hollywood-Magie, eine

EINE SAMMLERIN MIT HERZ UND GESCHICHTE Sie fühlt sich zu Werken hingezogen, die sich auf Gewalt und Mord beziehen. Ein Kunstwerk muss rigoros, poetisch und historisch getrieben sein, und es muss den Dialog der Kunstgeschichte mit Pathos erweitern und Grenzen sprengen. Sie sammelt unbewusst, psychoanalytisch und Dinge aus ihrer eigenen geistigen sowie persönlichen Geschichte. Als sie mit dem Sammeln beginnt, ist die Kunstwelt noch nicht so glühend heiss, dermassen teuer, und sie ist noch nicht so marktorientiert. Ihr erstes Kunstwerk kauft sie 1975 vom venezolanischen Op-Art-Künstler Jesus Rafael Soto und danach zwei Gemälde von Georgia O’Keeffe. Aus Prinzip veräussert sie nichts und kauft Jahre später eine Videoinstallation von Nam June Paik zurück, die ihr erster Mann bei der Scheidung mitgenommen hatte. Leiht sie an Museen aus, hinterlässt sie ein ausgedrucktes Foto des abwesenden Kunstwerks an der Wand. Nichts ist eingelagert, und das macht sie einzigartig. Im Gegensatz zu beispielsweise Cliff und Mandy Einstein hat sie ihre Sammlung nie ausgeladen und neu begonnen; im Gegensatz zu den Brüdern Marcian und Eli Broad wird sie niemals ein Privatmuseum bauen, das ihr als Offsite-Speicher dient, und daher wird ihre Sammlung niemals mit den örtlichen Museen konkurrieren.

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Ihre Kunstwerke leben in ihren Häusern, an einem durchdachten und perfekten Platz. «Ich verbringe sehr viel Zeit mit Denken», erzählt die Sammlerin und Philanthropin, die in den Aufsichtsräten des San Francisco Museum of Modern Art, des Hammer Museum und des Los Angeles Museum of Contemporary Art sitzt, «ich liege im Bett und bewege sie alle in meinem Kopf herum, wodurch verschiedene Dialoge zwischen ihnen entstehen.» So entsteht eine enge, 40-jährige Zusammenarbeit mit dem Innenarchitekten Gary Hutton, um ideale Schauplätze und atemberaubende, elegant zurückhaltende Räume für ihre Sammlung zu schaffen. Sie entwerfen keine neuen Räume, um ein bestimmtes Werk unterzubringen, sondern betrachten jedes Haus als eigenes Kunstwerk. DER DEKAN DES WESTKÜSTEN-DESIGNS In den frühen 1970er Jahren studiert Gary Hutton bildende Kunst und Studiopraxis an der UC Davis, bekannt als Heimat der «Aggies» – Macher, Veränderer und Problemlöser –, die seit ihrer Eröffnung im Jahr 1908 bekannt ist für herausragende Akademiker, Nachhaltigkeit, die Wertschätzung des kalifornischen Lebensstils und die zu den führenden öffentlichen Universitäten der Vereinigten Staaten zählt. Unter der Leitung der dort lehrenden Künstler Wayne Thiebaud, Robert Arneson und Manuel Neri sowie mit deren Faible nach Materialität vertieft er seine Kenntnisse, und das wird zentral für seine Arbeiten und am sichtbarsten in seinen Möbeln sowie persönlichen Sammlungen. Als Nächstes erhält er einen Abschluss in Innenarchitektur am California College of the Arts und widmet sich seinem ersten Projekt, dem Restaurant «Today’s on Union Square», das gleichzeitig sein Durchbruch ist.

«DIE WISSENSCHAFT IST DER VERSTAND DER WELT, DIE KUNST IHRE SEELE.» Maksim Gorkij

Seine Möbelkollektionen erregen immer mehr Aufmerksamkeit und Beachtung. 1989 lanciert, überschreiten sie Grenzen, und auch Gary Huttons gestalterischer Anspruch verstärkt sich. Er ist ein wahrer Trendsetter, und sein charakteristischer Ciao-Stuhl wird von einigen der grössten Einzelhändler in Amerika kopiert. Er hält international Vorträge in Museen, Ausstellungsräumen und Design-Veranstaltungsorten. Er unterstützt sowohl die Kunst aktiv als auch die Designausbildung und andere soziale Anliegen, und so erstaunt es keineswegs, dass sein Büro voll von Auszeichnungen, Anerkennungen und Applaus ist. Er ist ein bescheidener und sympathischer Designer ohne Diva-ähnliche Starallüren, wie man es oft von einer Design-Koryphäe erwartet. Sein Bestreben, «es klein zu halten», ist oft von der Notwendigkeit angetrieben, an jedem der Schritte des Designprozesses beteiligt zu bleiben, während seine lang gehegte Liebe zur Kunst seiner Arbeit eine Ästhetik verleiht, die sich der Norm entzieht. Gleichgesinnte respektieren ihn genauso wie Kunden, und zu Recht zählt er zur Design-Elite der Bay Area. VOM MUSTERKNABEN ZUR DESIGN-KORYPHÄE Wie Chara Schreyer prägt auch ihn die Geschichte seines Lebens. Sein Vater ist Ingenieur und fährt Züge für die Eisenbahn, seine Mutter ist Hausfrau. Er wächst in einer ländlich konservativen Umgebung auf, erlebt eine traditionelle Erziehung auf dem Land und ist später sogar Ober-Cheerleader während seiner Zeit an der Watsonville High School. Der Klassiker schlechthin. Nach seinem Abschluss an der UC Davis erhält er von einer Werbeagentur den Auftrag, eine Skulptur für ihre Büros zu schaffen. Zum Leben reicht es nicht, und so arbeitet er in einem Bekleidungsgeschäft,

Art House: The collaboration of Chara Schreyer & Gary Hutton 244 Seiten Assouline ISBN 978 1 61428 536 6 www.assouline.com

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einer Buchhandlung und einem Einkaufszentrum, bevor er beschliesst, dass Inneneinrichtung etwas ist, das ihn sehr interessiert. Er schreibt sich am California College of the Arts ein und führt musterschülermässig eine Reihe von Projekten durch, bevor er sein eigenes Designbüro eröffnet. Nach seinem ersten Werk, dem Restaurant in San Francisco, verwandelt sich der Musterknabe in einen Designer, der die Aufmerksamkeit und den Respekt von Design-Grössen wie Orlando Diaz und Charlie Pfister erregt, die im Restaurant speisten. Es ist seine Wertschätzung für das Visuelle und Schöne, die er schon seit seiner Kindheit besitzt und die ihm mit acht Jahren bewusst wird. «Meine Mutter hatte keinen Schmuck, ausser ihrem Ehering. Woher wusste ich also von ausgefallenem Schmuck?», erzählt Gary Hutton in einem Interview: «Als ich acht Jahre alt war, ging ich nach Watsonville, um mir die Haare schneiden zu lassen. Und während ich in dem Friseurstuhl sitze, sehe ich plötzlich Kim Novak! Es war der berühmte Schuppen-von-den-Augen-fallenMoment. Ich dachte – wow! Glamour! Und plötzlich verstand ich es, hier ist noch etwas anderes, und ich will es wissen!»

DAS KUNSTHAUS «Art House», herausgegeben von Assouline und geschrieben von Alisa Carroll, Chefredakteurin von «SFC&G», berichtet über die vierzigjährige Zusammenarbeit der führenden Kunstsammlerin Chara Schreyer mit Gary Hutton, aus der fünf Residenzen hervorgegangen sind, die sechshundert Kunstwerke beherbergen können. Alles beginnt mit dem Fotografen Matthew Millman, der die Sammlung von Huttons Klientin Chara Schreyer dokumentieren will. Sie nehmen Gespräche mit einem Buchagenten in New York auf, der einige Nachforschungen über die Partnerschaft von Schreyer und Hutton anstellt. Sein Feedback lautet: «Ein Buch mit Bildern aus der Kunstsammlung einer reichen Person, das niemand jemals kaufen wird. Die wahre Geschichte hier ist, dass Gary und Chara seit fast 40 Jahren zusammenarbeiten, und zwar in diesen fünf Häusern, die diese Sammlung beherbergen. Das ist die Geschichte.» So ist das Buch zu dem geworden, was es ist.

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GEORGE Werner / Vazquez Design Studio MOBIMEX.CH


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RAW EDGES DESIGNER DES JAHRES 2020

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BEREITS ZUM 24.  M AL HAT DAS RENOMMIERTE MAGAZIN «AW ARCHITEKTUR &  W OHNEN» DEN AWARD «AW DESIGNER DES JAHRES» VERLIEHEN. 2020 WURDE DAS LONDONER DESIGNERDUO «RAW EDGES» FÜR SEINE MÖBEL UND OBJEKTE MIT ÜBERRASCHENDEN FUNKTIONEN MIT DIESEM AWARD GEEHRT.

Die zwei jungen Israelis Yael Mer und Shay Alkalay, die das Studio Raw Edges 2009 gegründet haben, gesellen sich zu einer Vielzahl an Design-Koryphäen, welche in der Vergangenheit diesen ehrenvollen und bedeutsamen Preis entgegennehmen durften. Die Jury des Awards «AW Designer des Jahres» begründet ihre Wahl wie folgt: «Der Aufwand, der hinter einzelnen Objekten und Techniken steckt, ist kaum zu ermessen. Bei dem spielerischen Aspekt in ihren Werken verhält es sich wie bei einem guten Witz: Es kostet eine Menge Arbeit, bis die Pointe zündet. Dabei fällt auf, dass zu jedem einzelnen Objekt auch eine innige Beziehung besteht. Das hat uns beeindruckt.»

DIE ENTWICKLUNG NEUER TYPOLOGIEN

Yael und Shay, beide Jahrgang 1976, lernten sich in Jerusalem kennen und zogen gemeinsam nach London, um am Royal College of Art (RCA) zu studieren. Als die beiden für ein gemeinsames Designprojekt nach China fuhren, stellten sie spätestens dort fest, dass sie nicht nur auf der persönlichen Ebene, sondern auch innerhalb des Arbeitsprozesses harmonisieren. Unter den Fittichen der Tutoren Daniel Charney und Roberto Feo des RCA und mit einer Affinität für das Progressive begannen sie, mit der Schaffung neuer Typologien zu experimentieren. Mit dem Gedanken, wie sie unser tägliches Umfeld mit Produkten und Objekten bereichern und verschönern könnten, begannen die beiden Israelis ein mutiges und farbenfrohes Design zu entwickeln. Nach dem Abschluss am RCA gründeten die beiden das Designstudio Raw Edges in London, in dem sie ihre Fantasien ausleben konnten: Möbel, Installationen und Produkte zu entwickeln, die von einem starken Akzent auf Verspieltheit geprägt sind. Der Name «Raw Edges» entstand bei dem gemeinsamen Projekt in China. «Wir sollten für die Firma Knirps neue Produkte entwerfen», erzählt Yael Mer, «und immer wieder haben wir die Handwerker aufgefordert, die Kanten der Schirme und Taschen nicht ordentlich zu vernähen, sondern eher unbearbeitet, ursprünglich, individuell zu belassen.» Sinngemäss übersetzt bedeutet der Name «unbehandelte Kanten».

PROVOKATIVE ILLUSIONEN

Autorin_Lone K. Halvorsen Bilder_Raw Edges

Das Studio wurde zu einem Ort, an dem die Neugierde ein leitender Einfluss bei der Entwicklung ihrer Produkte war. Sie begaben sich auf eine kontinuierliche Entdeckungsreise und stellten die Welt auf den Kopf mit Staunen, Humor und stetigen Überraschungen. Farben, Muster und Bewegungen bilden einen grossen Teil der DNA von Raw Edges, und

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die Ideen und provokativen Illusionen zielen darauf ab, das Kind in uns allen hervorzulocken – vor allem bei denen, die möglicherweise einen anhaltenden Kampf gegen die Langeweile führen. Mit skurrilen Ideen, wie das Giessen von erweiterbarem Schaum in gefalteten Papierhohlräumen oder das Kochen von Holz in Farbstoffen, sind die beiden stets für eine Überraschung parat. Auf einer 2008 von Martino Gamper kuratierten Show präsentierten Yael Mer und Shay Alkalay die Kommode «Stack» für das Label Established & Sons und ernteten damit grosse Aufmerksamkeit in der Designszene und der Fachpresse. Mit renommierten Designpreisen ausgezeichnet und in das New Yorker MoMA und zwei weltweit renommierte Möbelhersteller aufgenommen, war der Grundstein für eine erfolgreiche Zusammenarbeit gelegt.

EIN BRUCH DER KONVENTIONEN

Die Kommode «Stack» stellte die konventionelle Kommode in Frage. Meist besteht eine Kommode aus einem festen Korpus, der ihre Tragestruktur und die schützenden Aussenwände bildet, und zugleich werden die Schubladen auf Schienen eingehängt. Dieses allgemein geläufige Prinzip lässt jedoch nur zu, dass die Schubladen in eine Richtung geöffnet werden können. Das Schubladensystem «Stack» hingegen begnügt sich nicht mit dieser herkömmlichen Entwurfsvariante, sondern öffnet mit einem ungewöhnlichen Ansatz neue Perspektiven der Nutzung. Bestehend aus einzelnen, bunten Schubladen, die in einem Turm asymmetrisch übereinander aufgehängt sind und sich in unterschiedlichen Richtungen öffnen lassen, entsteht ein spektakuläres Erscheinungsbild. Der Turm wurde der Schlüssel zum Erfolg. Ihre Kreativität bewiesen die beiden Designer auch mit dem Sitzmöbel «Dolls» aus der Möbelkollektion «Objets Nomades», die sie für Louis Vuitton entwarfen. Der avantgardistische Sessel in einem plastischen Design mit Bezugsstoffen aus aller Welt begeistert nicht nur durch die aussergewöhnliche Gestaltung, sondern auch durch eine nachhaltige Philosophie. Der Sessel ist inspiriert durch skandinavische Prints, mexikanische Stickmuster, Schottenröcke sowie allerlei handgemachte Fell- oder Lederverarbeitungen. Mit zwei Beinen oder einem ZickzackFuss, einer Sitzschale und bunten Kissen kann der charmante Sessel einfach zusammengesteckt werden. Auch durch ihr buntes Fischgräten-Parkett, welches in 40 von Stella McCartneys Modetempeln weltweit zu sehen ist, wurde das Designerduo international bekannt. Über die Jahre führte der erfinderische Ansatz zu grossartigen Kooperationen – unter anderem für Firmen wie Vitra, Moroso, Cappellini oder Kvadrat, um nur einige zu nennen. Die Liste der Kunden ist umfangreich – darunter zahlreiche grosse Namen. Zuletzt konnte Raw Edges im alten englischen Herrenhaus Chatsworth House eine grosse Installation durchführen, in der sie ortsspezifische, gemusterte Holzsitze entwarfen, die aus einem massgeschneiderten, gerasterten Holzboden hervorgehen. Raw Edges erweitert somit seine «Endgrain-Sammlung» für private Aufträge weiter.

SINN FÜR VERSPIELTHEIT

Nebst ihrer beruflichen Zusammenarbeit leben die beiden selbsternannten Chaoten zusammen mit ihren zwei Kindern im Stadtteil Kentish Town, wo sie ein typisches viktorianisches Reihenhaus gekauft haben. Auch wenn die beiden behaupten, dass in ihrer beruflichen Zusammenarbeit das Organisieren am wenigsten gelingt, verläuft der Umbau des Hauses als ein «Work-in-Progress» in Eigenregie. Dies zeigt, dass die Designer die Neugierde und Freude am Experiment – ob am eigenen Haus oder im Designstudio – weiterführen. Yael Mer sagt dazu: «Zu experimentieren ist für uns ein guter Weg, um zu Ergebnissen zu kommen, die wir nicht vorhersehen können. Dafür brauchen wir nicht mal eine Werkstatt. Auch wenn wir am Computer sitzen und zeichnen, tun wir das mit einer experimentellen Haltung.» Die beiden werden sicherlich auch in Zukunft von sich hören lassen und weitere kreative Projekte verwirklichen. Mehr als ein Jahrzehnt nach der Gründung des Designstudios führen sie Menschen auf eine Entdeckungsreise in die Welt des Designs – und vor allem in die Welt des Staunens und des Humors.

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FEUERSTEIN ESSENTIALS

Duftkerzen aus Schweizer Bio-Rapswachs und naturreinen ätherischen Ölen, deren angenehmer Geruch wie ein Windhauch durch den Raum schwebt. Gefertigt in der Schweiz mit grosser Sorgfalt in zwei verschiedenen Duftnoten. Der hautfreundliche Bio-Rapswachs eignet sich hervorragend für luxuriös duftende Massagen.

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YAKUSHA DESIGN

TALSEE

Das Design der «artisan Special Edition» lehnt sich an die geschichtsträchtige Handwerkskunst der Keramik an. Das Badezimmermöbel «artisan» ist eine Special Edition, mitentworfen von pura bagno by Grüter und produziert in der talsee-Manufaktur in Hochdorf.

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Während dem Salone del Mobile in Mailand 2019 zeigte Vitra in Zusammenarbeit mit den Gebrüdern Bouroullec die Vases Découpage als Designstudie. Die handwerklich anmutenden Vasen fanden grossen Anklang, sodass eine Auswahl der Entwürfe nun zur Serienreife entwickelt wurde. Die Vases Déoupage entsprechen dem Zeitgeist: Sie laden ein, sich das Objekt mit unterschiedlichen Kompositionen zu eigen zu machen.

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Die authentische Designkollektion «FAINA» der ukrainischen Architektin Victoria Yakusha wird betitelt als «lebender Minimalismus». Inspiriert von der ukrainischen Heimat, natürlicher Unvollkommenheiten und handwerklichen Traditionen, versetzt uns die Möbellinie zurück in unsere Kindheit, als wir noch mit Händen neue Objekte erschaffen konnten.

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WOHNEN NACH PLAN B

Autorin_Swenja Willms Bilder_Sergey Makhno Architects

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Die Aufgabe: ein gemütliches und sicheres Zuhause in den Tiefen der Erde zu schaffen, um unangenehme Überraschungen zu überstehen, die in einer Welt nach einer Pandemie auf uns warten könnten. Das ukrainische Studio für Design, Architektur und Keramik «Sergey Makhno Architects» entwarf entsprechend diesem Szenario das Konzept eines Bunkers, den man nicht nur in Krisenzeiten gerne bewohnen möchte. Von aussen ähnelt «Plan B» dem Eingang zu einem Museum für moderne Kunst oder gar einer Militärbasis. Die massive Betonkonstruktion ist mit drei Eingängen und einem Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach ausgestattet und nimmt nur 172 Quadratmeter ein. Das Konzept für einen Bunker der Extraklasse bietet einen Kurztrip in eine Tiefe von 15 Metern und darunter an. Ein autonomes Haus, das in Bezug auf Komfort und Ausstattung mit Bodenresidenzen konkurriert. «Wir haben versucht, eine einfache und prägnante Form zu schaffen, die in ihrer ganzen Perspektive von Zuverlässigkeit spricht, aber auch ästhetisch attraktiv ist, nicht einschüchtert und sowohl vom Boden als auch aus der Luft für Bewohner zugänglich ist», sagt der Gründer und kreative Leiter des ukrainischen Design-, Architektur- und Keramikstudios, Serhii Makhno. Alle Systeme im unterirdischen Gebäude sind autonom: Wasserversorgung, Kanalisation, geschlossenes

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Lüftungssystem und Luftreinigung. Was auch immer auf der Erdoberfläche passiert, das Leben in «Plan B» läuft weiter. Als Hauptbaumasse wird Stahlbeton eingesetzt. Die Hauptwendeltreppe und der Aufzug führen zum unterirdischen Gebäude sowie zwei Wendeltreppen für Personal und Ladevorräte. Gemäss internationalen Empfehlungen befindet sich das Obergeschoss in einer Tiefe von 15 Metern. Darunter folgen ein Wohnraum, ein Boden mit Wasseraufbereitungssystem und Generator, eine Schicht elektrischer Ausrüstung und schliesslich ganz unten ein Brunnen. FÜR ALLE EVENTUALITÄTEN GEWAPPNET In Krisenzeiten steht Sicherheit an erster Stelle. «Meine Priorität war es, einen angenehmen Schlaf, ausgeglichene Temperatur, qualitativ hochwertige Lebensmittel, Wasser und Luft zu gewährleisten. Der Rest dient nur dem Komfort», sagt die Chefingenieurin des Studios, Olha Sobchyshyna. Neben einem eigenen Fischbecken befindet sich im Gebäude ein Garten mit Phyto-Geräten, in dem Gemüse und Früchte angebaut werden können. Ebenfalls im Wohnbereich befindet sich ein grosses Lebensmittellager. Die Personalräume sind in einem separaten Bereich zusammengefasst, genauso wie ein Raum für die medizinische Versorgung mit einem Isolator und einem geschlossenen Bereich für die Lagerung von Medikamentenbeständen.

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WOHNUNG MIT AUSSICHT Der Projektvorschlag bietet zwei oder drei Familien mit Kindern und Mitarbeitern mit deren Familien ein komfortables Leben. Bei Bedarf kann das Projekt für eine viel grössere Anzahl von Personen neu gestaltet werden. Auch wenn das Bauprojekt unterirdisch konstruiert wurde, soll für dessen Bewohner doch der Eindruck entstehen, über der Oberfläche zu wohnen. Dafür wurde bei der Raumgestaltung mit optischen Illusionen experimentiert. So enden beispielsweise Schlafzimmer mit einem hochempfindlichen Bildschirmfenster, dessen Ansicht auf Knopfdruck auf dem Bedienfeld des Smart-Home-Systems geändert werden kann – beispielsweise schneebedeckte Berge oder eine verschlafene Morgenstrasse in Kiew. Ausserdem können Fenster visuell geöffnet und eine leichte Brise oder ein Geruch von frisch geschnittenem Gras erzeugt werden. RAUMAUFTEILUNG UNTER BERÜCKSICHTIGUNG DER FAMILIENWERTE Orte der gemeinsamen Nutzung sind so nah wie möglich an unserem früheren Leben auf der Erde angelehnt: ein grosser Esstisch, an dem sich alle Bewohner versammeln können, eine Bibliothek, ein Kino mit bequemen Stühlen, kraftvoller Akustik, einem 5D-System und einer Sammlung der besten Filme aller Zeiten. «Wir haben uns entschlossen, die Küche professionell zu machen – Kochen kann ein grossartiges neues Hobby werden. Auf jeden Fall werden die Bewohner oft hier sein. Und übrigens denke ich, dass Edelstahl für Küchenoberflächen nicht nur für Restaurants eine grossartige Lösung ist», sagt Designer Oleksandr Makhno. Ein Wohnzimmer mit einem grossen Sofa verleiht Gemütlichkeit wie in einer Stadtwohnung. Ausserhalb der Fenster wird Tageslicht simuliert, damit die eigenen Biorhythmen und das Gefühl von Tag und Nacht nicht verloren gehen. GESUNDER KÖRPER, GESUNDER GEIST, GESUNDE ZUKUNFT Den Bereichen Sport und Erholung wurde im Konzept des Architekturstudios viel Aufmerksamkeit geschenkt, da der physische und der spirituelle Körper eine integrale Einheit bilden. Der Poolbereich ist durch einen Bildschirm von der allgemeinen Sportzone getrennt und unterscheidet sich aufgrund der Beleuchtung stark in der Stimmung. Es gibt kein Tageslicht im Pool, die Hauptlichtquelle hier ist grünliches Licht am Boden des Pools. Daneben befinden sich ein klassisches Fitnessstudio und ein Meditationsraum, in dessen Mitte Lichtschemata verändert werden können, wie ein Sternenhimmel, Regen oder Sonnenstrahlen. «Wir wollen Räume schaffen, in denen wir gerne leben würden, auch wenn es keine Apokalypse gibt», kommentiert die Architektin Maryna Hrechko. Auch mögliche Haustiere wurden nicht vergessen. So wurde ein spezieller Bereich für die Haltung von Hunden ausgestattet – mit Grasflächen, Bäumen und Steinen. Der Evakuierungskreis kann auch als Ort für lange Spaziergänge und zum Radfahren dienen. «Dieses Projekt ist eine Befreiung von Emotionen, eine Reflexion über die Fortsetzung des menschlichen Lebens unter allen Umständen und ein Versuch, eine Antwort auf die Frage zu finden, ob Architektur den Eindruck von Leben an der Oberfläche erwecken kann, während das Gebäude sich in Wahrheit unter der Erde befindet», fasst Serhii Makhno zusammen.

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NATURNAH

BACK TO NATURE. MÖBEL UND ACCESSOIRES AUS HOLZ SORGEN MIT IHRER NATÜRLICHEN MASERUNG UND IHREM NATURVERBUNDENEN LOOK FÜR EINE BEHAGLICHE ATMOSPHÄRE.

MEHR SENSIBILITÄT FÜR NACHHALTIGKEIT Für das Debüt seiner internationalen Kollektion hat der brasilianische Möbelhersteller ETEL mit Patricia Urquiola zusammengearbeitet. Die Kollektion zielt darauf ab, das Fachwissen von ETEL in Bezug auf hohe Handwerkskunst und den bahnbrechenden respektvollen und ethischen Umgang mit Materialien einer breiteren Designszene zugänglich zu machen. Im Rahmen dieser Kooperation entwarf Patricia Urquiola vier neue Produkte: eine Konsole, zwei Beistelltische und einen Servierwagen. Der Herstellung lagen nachhaltige Materialien zugrunde, unter anderem FSC-zertifiziertes Amazonas-Holz, Abfallreste, Naturharz oder Holzreste. ZWISCHEN TRADITION UND MODERNE Cassina ergänzt die Kollektion «Hommage à Pierre Jeanneret» mit dem Sessel «Kangaroo», der sich durch seine essentiellen Formen und die einfachen Materialien auszeichnet. Er steht für die Ausgewogenheit zwischen den modernen europäischen Idealen und der traditionellen indischen Geisteshaltung. Diese niedrige Sitzgelegenheit weist charakteristische «Z»-förmige Seiten auf. Zusätzlich zur historischen Teakholzversion existieren zwei weitere Varianten aus natürlicher Eiche und gebeizter schwarzer Eiche.

EINEM KUNSTWERK GLEICH Inspiriert von der grossartigen Struktur des Kunstwerks «Hollow» –  installiert von den Architekten Zeller & Moye und der Künstlerin Katie Paterson auf dem Gelände der Bristol University – konzipierte der Möbelhersteller Malabar ein ganz besonderes Stück: die hohle Kommode. Gefertigt aus einer Mischung verschiedenster Hölzer wie Ulmenholzwurzel, Patchwork-Intarsien aus Eisenholz und amerikanischem Walnussholz schafft die «Hollow Chest of Drawers» mit ihrer dynamischen Struktur einen wunderschönen Blickfang in jeder modernen Wohnkultur.

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OB MODERN ODER CLASSIC, DIE PERFEKTION ENTSTEHT IM DETAIL BE at HOME entdeckt mit Ihnen Ihre ganz persönliche Linie, interpretiert Ihren individuellen Lebensstil und setzt diesen virtuos um. Wir ent­ wickeln massgeschneiderte Einrich­ tungskonzepte im Wohnbereich wie im Geschäftsumfeld. Möchten Sie mehr über uns erfah­ ren? Besuchen Sie uns im Web unter be-at-home.ch oder lernen Sie uns persönlich kennen: +41 44 253 22 00.

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CU LINA RI UM

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DIE PERLE

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VON HELSINKI EINGEBETTET WIE IN EINER KOSTBAREN MUSCHEL LIEGT DIE KULINARISCHE IKONE MITTEN IM HERZEN HELSINKIS. FANTASTISCH DER BLICK AUF DEN ESPLANADE-PARK. SCHILLERND DIE ILLUSTRE KLIENTEL AUS KÜNSTLERN, INTELLEKTUELLEN, GESCHÄFTSLEUTEN, FAMILIEN, TOURISTEN UND LIEBHABERN EXZELLENTER KÜCHE SOWIE WEINE. BEEINDRUCKEND UND ERFRISCHEND DER NEUE GLANZ, IN DEM DAS RESTAURANT SAVOY NACH EINEM REFRESH DER INNEN­ EINRICHTUNG DURCH DIE DESIGNERIN ILSE CRAWFORD ERSTRAHLT. Autorin_Helena Ugrenovic Bilder_Savoy Helsinki

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Sexspielchen, so die Gerüchteküche der britischen High Society, den König nicht nur um den Finger gewickelt, sondern zu Fall gebracht hat. Aus King Edward VIII, König von Grossbritannien, Irland und den anderen Dominions sowie Kaiser von Indien, wird mit seiner Abdankung der Duke of Windsor. Ein Herzog mit der Anrede «Seine Königliche Hoheit», verliebt und nun verheiratet, Hand in Hand mit seiner Herzogin, welcher jedoch diese Anrede untersagt ist und stattdessen immer noch die Bezeichnung Mätresse wie ein Schatten über den Juwelen und dem Liebesglück liegt, mit denen sie der ihr restlos verfallene Gatte in den kommenden Jahrzehnten überschwemmen wird.

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In Spanien tobt der Bürgerkrieg, angeheizt durch zahlreiche ausländische Mächte, die direkt oder indirekt mitmischen; Adolf Hitler probt mit mehreren kriegsverbrecherischen Luftangriffen seinen geplanten grossen Krieg; Josef Stalin treibt in der Sowjetunion den grossen Terror zum Höhepunkt und «enthauptet» in den kommenden Jahren die Rote Armee und jeden, der sich gegen das Regime stellt; als sich Soldaten der Kaiserlichen Japanischen Armee mit der Nationalrevolutionären Armee der Republik China an der Marco-Polo-Brücke ein Feuergefecht liefern, kippt das Zünglein an der Waage, und es ist der Auslöser für den Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg; in der Dominikanischen Republik beginnt ein zweiwöchiges Massaker, bei dem mehr als 20’000 Menschen aus dem benachbarten Haiti getötet werden – können sie das Wort «Perejil», Petersilie, nicht richtig aussprechen, werden sie als «Fremde gleich Feinde» deklassiert; in den USA beginnt die zweite Amtszeit von Franklin D. Roosevelt und gipfelt wenige Monate später in der Quarantäne-Rede, in der Roosevelt fordert, die Staaten Deutschland, Italien und Japan, ohne sie explizit zu nennen, unter politische «Quarantäne» zu stellen. Es ist ein explosives Jahr, 1937, in dem sich die Ereignisse global überschlagen und das überschattet ist von Feuersalven sowie politischen Pulverfässern, die jeden Moment zu bersten drohen und dem bereits in Blut getränkten Planeten und seiner Bevölkerung noch mehr Wunden und Leid zufügen. Verglichen damit erscheint der Skandal, der den britischen Hof erschüttert, fast schon wie eine B-Movie-Seifenoper. Herz oder Krone. Doch nicht eine standesgemässe und blaublütige Von und Zu hat das Herz Edwards VIII. erobert, sondern eine amerikanische und bereits zwei Mal geschiedene Femme fatale. Wallis Simpson, ihres Zeichens Vamp und weiblicher, untreuer Luftibus, die mit ihren angeblich raffinierten

DIE VERBINDUNG ZWISCHEN MENSCH UND NATUR Wo die Nächte monatelang schier endlos sind und dicke Schneeschichten sich lautlos wie eine unendliche Decke über das Land legen, sehnt sich der Mensch nach Farbe und noch mehr nach Leben. Die ursprüngliche Idee der Garden-City-Bewegung geht auf den britischen Autor Sir Ebenezer Howard zurück, der 1898 mit seiner Publikation die Stadt von morgen beschreibt. Sie soll nicht unter Betonburgen, Tausenden Menschen und Fahrzeugen ächzen, sondern eine blühende Gartenstadt sein, mit einem Stadtdesign, die nicht nur über eine tadellose Planung und ausgezeichnete Annehmlichkeiten verfügt, sondern die natürliche Schönheit der Landschaft betont. Und sie soll den Spagat zwischen den Bewohnern der Stadt und der Natur ermöglichen. Der akademische Ansatz stammt jedoch aus Finnland, wo Gartenarbeit lange Zeit als wissenschaftliches Fach studiert und 1912 in den Lehrplan der Grundschule in Helsinki aufgenommen wird. Der Fokus liegt auf einem starken, praktischen Element, bei dem Kindern Gartenbeete zugeteilt werden, auf denen sie nach den neuesten Methoden sowohl nützliche als auch dekorative Pflanzen anbauen können. Gleichermassen begeistert von dieser Idee zeigen sich die berühmten finnischen Architekten Saarinen, Gesellius und Lindgren, die einige Lektionen in ihre Landschaftsentwürfe integrieren. Lindgrens utopischer Plan von 1915 sieht die Umhüllung von Munkkiniemi vor. Der im Osten liegende Stadtteil Helsinkis soll mit Gärten in den Innenhöfen von Wohnblöcken verschönert werden, und auch zwischen geräumigeren Reihenhäusern soll eine reichhaltige Flora gedeihen. Während der Kriegszwischenjahre wächst die Beschäftigung mit der Anlage von Grünflächen in Helsinki rapide. Eines der Projekte soll das Nonplusultra der Bepflanzung werden. EINE LEGENDE WIRD GEBOREN «Das Restaurant wird eine Überraschung sein für die Bewohner Helsinkis», schrieb Alvar Aalto 1937 im Magazin «Arkkitehti». Was das finnische Superstar-Architektenpaar Alvar und Aino Aalto erschafft, ist ein Knaller, eine aussergewöhnliche Kreation, das Paradebeispiel an Eleganz sowie Funktionalität schlechthin und der Wallfahrtsort für Aalto-Anhänger. 1937 eröffnet das Restaurant Savoy – es gilt heute als eines der ältesten und geschichtsträchtigsten Restaurants Helsinkis. Mitten in der finnischen Hauptstadt und in der achten Etage des Teollisuuspalatsi-Gebäudes, das an der Ecke Eteläesplanadi und Kasarmikatu in Helsinki liegt. Es ist ein Art-déco-Schmuckstück und mit einem Interieur ausgestattet, das reich an verschiedenen Holzarten, dekorativen Textilien, imposanten Glasvasen, typischen Aalto-Hängeleuchten und einer üppigen Bepflanzung ist. Alvar und Aino Aalto entwerfen für das «Savoy» eine spezielle Möbelserie, von welcher viele Objekte

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«FORMEN BERGEN EIN GEHEIMNIS, DAS SCHWER ZU BESCHREIBEN IST. ABER SIE MACHEN MENSCHEN FREUDE.» Alvar Aalto

auch heute noch en vogue sind und zu den Designklassikern zählen. Die 1936 kreierte Aalto-Vase, auch bekannt als Savoy-Vase, gilt als zeitlose Ikone finnischen Designs und ist eines der bekanntesten Glasobjekte der Welt. Es ist eine Ode an Finnland, und gleichzeitig spielt die gewellte Form der Vase auf «aalto», was übersetzt Welle bedeutet, an. Der asymmetrische Grundriss und die organische Linienführung der Vase repräsentieren die charakteristische Beschaffenheit der finnischen Landschaft mit ihren unzähligen Seen. Sieben Glasbläser benötigt es, um in einer Fertigungszeit von bis zu sechzehn Stunden eine einzige Vase herzustellen, wobei jede Aalto-Vase ein Unikat mit der Handschrift des jeweiligen Bläsers ist. Der stimmungsvolle Speisesaal ist an drei Seiten von Terrassen eingerahmt, die alle offen und üppig bepflanzt sind. Es ist ein Garten Eden über den Dächern von Helsinki. Die Aaltos lieben einladende und stimmungsvolle Möbel sowie hochwertige und natürliche Materialien. Auf den Terrassen vermitteln entspannte Rattan-Stühle und -Esstische ein mediterranes Ambiente und machen den Ort zu einem bezaubernden Flecken Erde inmitten einer märchenhaften und stilvollen Kulisse. Es ist ein Treffpunkt von Künstlern, Diplomaten, Helsinkis High Society, Schauspielern, der Creme de la Creme sowie Politikern und bringt Menschen zusammen – alles, was Rang und Namen hat, gibt sich die Klinke in die Hand. Staatspräsident Carl Gustaf Mannerheim (1867–1951), der im nahe gelegenen Kaivopuisto wohnt, geniesst oft das Mittag- oder Abendessen an seinem Ecktisch im «Savoy», der stets für ihn reserviert ist. Er ist ein Kosmopolit und Connaisseur, liebt gutes Essen sowie gute Weine und besteht darauf, dass die Butter immer hart sein soll und in einem Tontopf serviert werden muss. Er ist es

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Studioilse ist genau wie Aino und Alvar Aalto ein Vorreiter im De­ signansatz. Ilse Crawford setzt auf Langlebigkeit und Räume, die auf das wirkliche Leben konzipiert sind. Der Trend des «Savoy» soll erhalten bleiben, aufgefrischt mit viel Liebe zum Detail und seinem Ursprung, jedoch ohne das Rad neu zu erfinden. In Kooperation mit der finnischen Möbelmarke Artek, dem Helsinki City Museum sowie der Alvar Aalto Foundation knipst sie die Lichter im legendären «Savoy» neu an.

auch, der eine Spezialität und gleichzeitig sein Lieblingsessen auf die Speisekarte bringt, die heute noch zu den beliebtesten Menüs des Restaurants zählt. «Vorschmack» aus Lammfleisch, Rindfleisch, Fisch, mit gebratenen Kartoffeln, Roter Beete, Gurken und Crème fraîche ist ein mit Sardellen und Zwiebeln aromatisierter Fleischtopf, den er wahrscheinlich im Warschauer Offiziersklub kennengelernt hat. Mit «Marskin Ryyppy», «Marschalls Schnaps», einer Kombination aus Aquavit, Gin und Wermut, der sogenannten «Trotzburg» gegen die harten finnischen Winter, verewigt er einen weiteren Bestseller im «Savoy». EIN NEUES ALTES OUTFIT Fast 83 Jahre lang und trotz einiger Besitzerwechsel bleibt das Design des «Savoy» erhalten. Als 2019 neue Besitzer das Restaurant erwerben, versprechen diese, das von Alvar und Aino Aalto entworfene Restaurant wieder in seinem alten Glanz erstrahlen zu lassen, und engagieren dafür die weltberühmte britische Designerin, Wissenschaftlerin und Kreativchefin von «Studioilse», Ilse Crawford. «Wir wollen das Allerbeste», sagt Gastgeber Saku Tuominen, Aktionär und Mitbesitzer: «Ilse Crawford verfügt über ein tiefes Verständnis für das Vermächtnis der Aaltos und hat erkannt, um was es geht – nämlich, dass es eher darum geht, ein Aalto-Interieur zu erschaffen als ihr eigenes.»

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DER KAISERIN NEUE KLEIDER «Die Aaltos hielten es für wichtig, die Materialien in einer humaneren Richtung zu verfeinern», erklärt Ilse Crawford in einem Interview, «deshalb beinhaltete ein wichtiger Teil unserer Arbeiten im ‹Savoy›, den Fokus auf Einfachheit, Funktionalität und soziales Bewusstsein zu respektieren.» Die Arbeiten orientieren sich an der ursprünglichen Inneneinrichtung von Aalto aus dem Jahr 1937, bringen das Restaurant in seine ursprüngliche Form zurück und erfrischen zeitgemäss. Nach neun Monaten Planung beginnt die Restaurierung des «Savoy», was sich jedoch vom emotionalen Aspekt her zu Beginn eher beklemmend anfühlt, und gerade Artek, dessen Zeichenbüro damals mit Aalto die Inneneinrichtung entworfen hat, zögert anfangs, Restaurierungsprozesse vorzunehmen. «Es war für uns einschüchternd, in einen so ikonischen Raum einzugreifen», erzählt die Geschäftsführerin Marianne Goebl: «Produkte, die speziell für das Restaurant entwickelt wurden, werden auch heute noch von Artek hergestellt. Glücklicherweise ist das Projekt in unseren Firmenarchiven von Möbelzeichnungen bis hin zu Materialmustern gut dokumentiert.» Die mit tiefblauem Stoff gepolsterten Sitzgelegenheiten im Speisesaal werden gegen einen weichen grauen Stoff ausgetauscht, die Ecken der Esszimmerstühle und ihre Armlehnen werden mit braunem Leder umwickelt, was den neuen pilzfarbenen Teppichboden ergänzt, eine gepolsterte Banquette, die entlang der Peripherie des Hauses verläuft, wird mit einem kräftigen, schwarz-weiss gestreiften Stoff bezogen. Die Beleuchtung im Raum wird mit Arteks zylindrischen A201-Pendelleuchten, die in einer Linie über den Tischen hängen, optimiert, und für die Innenterrasse des «Savoy» erstellt Artek eine Sonderedition seines Modells Chair 611. Ein Stuhl, den Alvar Aalto 1929 für die Marke entwirft, bevor 20 Jahre später eine Version mit geflochtener Rückenlehne auf den Markt kommt. Es ist das «Savoy» von 1937, einfach entstaubt und mit viel Hingabe restauriert. «Wir wollen, dass das ‹Savoy› ein Weltklasse-Restaurant wird. Und wir wollen, dass es ein Schrein für die Aaltos ist», so Saku Tuominen.


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Gemischtes Doppel BEREITS MARCEL PROUST KANNTE DEN ZAUBERHAFTEN PAVILLON LEDOYEN, VERSTECKT IN DEN GÄRTEN DER CHAMPS ÉLYSÉES. DAS DREI-STERNE-RESTAURANT VON STARKOCH YANNICK ALLÉNO WÄRE GENAU NACH SEINEM GESCHMACK GEWESEN. VOR DER CORONA-KRISE BIN ICH HIER MIT ALLÉNO UND BENOÎT GOUEZ, DEM HERRN ÜBER DIE KELLER VON MOËT & CHANDON, VERABREDET. Autorin_Simone Hoffmann Bilder_Moët & Chandon

Als ich am Empfang nach den beiden frage, führt man mich erst mal durch die Küche, wo hochkonzentriert gearbeitet wird. Im Herzen des Heiligtums legt Chef Alléno persönlich Hand an. Yannick Alléno ist ein Saucennarr, für ihn sind sie eines der wichtigsten Elemente, wenn nicht sogar DAS wichtigste Element der französischen Küche an sich. Mit einem ganz speziellen Verfahren, das er sich von Winzern abgeschaut hat, konzentriert Alléno die Basen für seine Saucen auf nie da gewesenem Niveau: Gemüse, Fleisch oder Fisch haben ihren perfekten Temperatur- und Garpunkt, um den Geschmack zu extrahieren. Bei Sellerie sind es laut Alléno zwölf Stunden bei 83 Grad Celsius. Der so gewonnene Sud wird eingefroren. Beim langsamen Auftauen tropft das mineralhaltige Gemüsekonzentrat ab, das gefrorene Wasser bleibt übrig. Eine absolut geniale Idee, um schwere Saucen zu ersetzen. Als ich ankomme, hält Alléno gerade Benoît Gouez einen Löffel zum Probieren hin. Der Kellermeister schliesst kurz abwägend die Augen. «Ja, das passt gut zum 1999er. Dieser Kürbisgeschmack wird sich an das süsse, toastige Aroma des Champagners wunderbar anpassen.» EIN GAUMEN UND EINE NASE Dass die beiden sich schon lange kennen, merkt man an ihrem freundschaftlich vertrauten Umgangston. Wie lange genau, darüber sind sie sich nicht ganz einig. «Benoît bin ich das erste Mal 2008 bei einer Besichtigung der Champagner-Weinkeller von Moët & Chandon in Épernay begegnet. Er hat sich viel Zeit genommen und uns erklärt, wie der Rosé-Champagner hergestellt wird. Das hat mich tief beeindruckt», meint Alléno. «Ich habe da 2012 im Kopf, als Du noch im ‹Le Meurice› warst», schmunzelt Benoît Gouez. «Damals haben wir den Moët & Chandon Grand Vintage 2004 gelauncht. Ich erinnere mich noch an das unglaubliche Dessert, das Du gemacht hast: gesalzene Schokolade und schwarze Trüffel. Das war unvergesslich.» Ein Datum ist aber ganz sicher: Seit 2014 arbeiten die beiden ganz offiziell zusammen. Yannick Alléno wurde Botschafter von Moët & Chandon. «Es ist rar, dass Küchenchefs sich für Wein

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interessieren und ihn kennen. Von Champagner ganz zu schweigen. Aber bei Yannick ist das anders. Er will wirklich etwas schaffen, was als Gesamtes funktioniert, wie eine Komposition, wo ein Element das andere hervorhebt», schwärmt Benoît Gouez. Seit 2005 ist Benoît Gouez der Herr der Keller von Moët & Chandon. Wenn er die Basisweine zur Zusammensetzung eines neuen Champagners testet, geht das sehr schnell: «Ich kann 30 Weine in drei Minuten probieren. Meine Entscheidung kommt immer aus dem Bauch, ich weiss sofort, welcher Wein passt oder nicht. Wenn ich anfange nachzudenken, dann stimmt was nicht», erläutert Gouez. Was den Kellerchef von Moët & Chandon besonders auszeichnet, ist sein Gespür für Champagner. Die Worte Instinkt und Gefühl fallen häufig, wenn Gouez über seinen Beruf spricht. Ein sicherer Instinkt, das trifft auch auf Yannick Alléno zu. Der Starkoch ist als unermüdlicher Kreativer weltweit bekannt: 16 Restaurants in der ganzen Welt, zwei davon haben drei MichelinSterne, das macht ihm so schnell keiner nach. Doch auch wenn Alléno in der Welt der Gastronomie eigentlich fast alles erreicht hat, was man sich wünschen kann, bleibt seine Leidenschaft fürs Kochen vollkommen intakt. Beide Männer sind getrieben von dem Wunsch, kreatives Neuland zu betreten. «Für Yannick gibt es nichts, was unmöglich ist, er ist fordernd, geht total in seiner Arbeit auf. Dabei ist er gleichzeitig absolut seriös und bleibt trotzdem jemand, der zu Spässen aufgelegt ist», so beschreibt Gouez den Küchenchef. «Es gibt wenige Menschen, die so leidenschaftlich von ihrer Arbeit begeistert sind wie Benoît. Er kennt Champagner, wie nur wenige ihn kennen, und kann das wirklich anderen mitgeben, weil er auch sehr sensibel ist. Und», fügt Alléno mit einem Lachen hinzu, «er hat viel Geduld!» getrunken werden, und ich kreiere dann danach das Menü, das genau zu jedem einzelnen passt», erklärt Alléno. «Hier geht es um Freiheit: die Freiheit, die wir hatten, diese unglaublichen Weine zu schaffen. Die Freiheit, die Yannick hat, um diese Weine ganz frei zu interpretieren und ihre Eleganz mit seinen exquisiten Kreationen zu unterstreichen», ergänzt Benoît Gouez. Bis zu sechs Personen können «Inside» reservieren. Mit dem Projekt wollten Alléno und Gouez auch mit einem hartnäckigen Vorurteil aufräumen: «Die Zeiten sind doch wirklich vorbei, wo man einen Champagner zum Aperitif nahm, dann einen Rotwein zum Fleisch, einen Weisswein zum Fisch und einen Cognac als Digestif. Es stimmt, dass heutzutage immer noch relativ wenig Champagner zum Essen serviert wird. Aber die Sommeliers sollten endlich mal kapieren, dass Champagner auch ein Wein ist! Natürlich kann man ihn zu einem Essen trinken», meint Gouez. Und das muss nicht einmal kompliziert sein. «Champagner passt zu allem! Am Ende eines langen Arbeitstages, wenn man nicht mehr grosse Lust hat zu kochen, da esse ich gerne einen richtig guten Camembert mit einem Glas Moët & Chandon Impérial. Wenn man etwas Warmes will, kann man dazu ein paar geröstete Kartoffeln mit salziger Butter und Fleur de Sel reichen. Das ist eine echte Delikatesse», schwärmt Yannick Alléno. Was ihre nächsten Projekte sind, will ich am Ende wissen. Benoît und Yannick werfen sich einen verschwörerischen Blick zu und lachen. «Oh,là là, das können wir leider noch nicht verraten. Wir arbeiten an einer sehr aufregenden Idee. Aber da müssen Sie sich noch ein wenig gedulden.» Was auch immer sie ausbrüten, eins ist jetzt schon sicher: der Erfolg der zwei Hyperkreativen.

PERFEKTES MATCH Etwas schaffen, was andere Menschen als eine Erfahrung mitnehmen, das scheint für beide ein lebenslanger Leitsatz. «Die Leute sollen einen unvergesslichen Moment erleben», sagen beide fast im Chor. In den letzten sechs Jahren haben Alléno und Gouez daher viele gemeinsame Events konzipiert, die meisten von ihnen waren einmalig wie das Pop-up-Restaurant «Le &» im Weingut von Moët & Chandon in Épernay 2014. «Wir haben beide immer davon geträumt, etwas zu schaffen, was von Dauer ist. Einen Ort, wo die Menschen unsere beiden Universen entdecken können. Eine Auszeit vom normalen Leben», meint Gouez. Der Traum wurde vor zwei Jahren Realität: «Inside» nennt er sich. Direkt neben Yannicks Küche im «Pavillon Ledoyen» hat Moët & Chandon einen privaten Raum geschaffen, der ein bisschen an eine Schatzkammer erinnert. Minimalistisch eingerichtet, mit Blick nach draussen auf die Aktion der Köche und doch komplett ungestört. Ein echter Geheimtipp für diejenigen, die einen ganz besonderen Abend mit ausgewählten Menschen verbringen wollen. Das Konzept von Yannick und Benoît beruht auf zwölf Vintage-Jahrgängen von Moët & Chandon zwischen 1999 und 2012, die man sonst nirgends trinken oder kaufen kann. Zu diesen exklusiven Champagnern hat Yannick Alléno eine Menüabfolge kreiert. «Normalerweise kreiert der Chef ein Gericht, und dazu sucht der Sommelier den Wein aus. Hier haben wir den Spiess umgedreht, weil wir Lust hatten, etwas zu schaffen, was genau zu diesen einzigartigen Champagnern passt: Benoît sucht aus, welche Millésimes

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© One&Only

Seine Reisen durch Kalifornien, Neuseeland und Australien haben Benoît Gouez zu seiner Berufswahl inspiriert. «Ich habe den idealen Beruf», sagt er, «Reisen und seine Leidenschaft mit anderen teilen, was kann man sich Schöneres vorstellen?»

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FORMETTĀ

Bekämpfen Sie häufige altersbedingte Probleme mit diesem Kollagenpräparat für jeden Tag. Formettā wurde mit sorgfältig ausgewählten, gut untersuchten Komponenten formuliert, die den Körper auffüllen, Schäden durch freie Radikale bekämpfen und die ordnungs­ gemässe Zellfunktion fördern. Mischen Sie einen Beutel Formettā mit Flüssigkeit, einem Smoothie oder Joghurt und nehmen Sie es so einmal täglich ein.

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TRENDS

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PRUNIER

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French Caviar gilt mit einer Jahresproduktion von fast 40 Tonnen als einer der besten Kaviare der Welt. Um die Legitimität des französischen Kaviars zu würdigen, hat sich Prunier zur Vorbereitung seines bevorstehenden 100-jährigen Bestehens dazu entschlossen, die erste französische Kaviardose erneut herauszugeben. Die Kaviar­ dose, die in Paris eine neue Weltindustrie eröffnete.

CULI NARI UM

DOM PÉRIGNON

Die Entstehung des «Dom Pérignon Vintage 2010» war ein Wettrennen gegen die Zeit: Die Weinlese war aufgrund von Botrytis-Schimmel dramatisch. Trotzdem konnte dank viel Erfahrung und Inspiration ein Jahrgangschampagner erschaffen werden. Blumige Frische und leuchtende Weichheit ver­ schmelzen und offenbaren die Vitalität des aus erdigen Tiefen sprudelnden Saftes. Amplitude, Grosszügigkeit und Stärke bilden ein harmonisches Gleich­gewicht, begleitet von pfeffrigen Nuancen bis hin zum silbrigen Nachklang eines glänzenden Abgangs.

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MAX CHOCOLATIER

Ob mit einem feinen Tropfen Williams, Edelkastanien oder Caramel – ein herbstlicher Abend lässt sich nicht besser verbringen als in der Gesellschaft einer Schachtel saisonaler und handgemachter Pralinen. Und wer dem Sommer nachtrauert, den schickt Max Chocolatier mit der Tee-Praline mit Alpenkräutern von der Urner Seewlialp auf eine Sommerwanderung in die Berge.


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GENUSS WIRD

Autorin_Swenja Willms Bilder_Stadtgemeinde Langenlois

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CULINARIUM

ZUM ERLEBNIS

LANGENLOIS ZU BESUCHEN, BEDEUTET, DER LIEBLICHEN SEITE DES KAMPTALS ZU BEGEGNEN. EINEN ORT ZU ENTDECKEN, DESSEN SANFT GEZEICHNETE WEINBERGE, PRACHTVOLLE GÄRTEN UND BREIT GEFÄCHERTE ARCHITEKTUR UM DIE SINNE SEINER BESUCHER BUHLEN.

Dort, wo sich Weingärten auf Ebenen und Hügeln aneinanderschmiegen und fein strukturierte Muster aus fruchtbaren Linien in den Boden zeichnen, beschert sie uns ein Meer aus genussvollen Momenten: die Weinmetropole Langenlois mit den Weinorten Gobelsburg, Zöbing, Mittelberg, Reith und dem Wein- und Gartendorf Schiltern. Eine Gegend, in der Menschen mit Leidenschaft am Werk sind. Weil sie seit jeher mit ihrem Ursprung stark verwurzelt sind und trotzdem den Willen zur Veränderung nie aus den Augen verloren haben. Selten trifft man auf ein so unverwechselbar poetisches Zusammenspiel, das Altes und Neues, Liebliches und Revolutionäres, Naturbelassenes und Innovatives leichtfüssig miteinander kombiniert und kultiviert. Langenlois zu erleben, heisst aber auch, durch seine herrlichen Gärten zu wandeln, in denen Pflanzenwelten zum Vorschein kommen, die den natürlichen

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Ob einfach oder prunkvoll – der deutlichste und ursprünglichste Impuls regionaler Weinarchitektur geht seit jeher von Weinkellern aus. An deren Seite erheben sich die Winzer- und Bürgerhäuser im Kern der Stadt. Als Zeitzeugen der Baukunst gelten auch die malerischen Innenhöfe und das architektonische Schmuckstück von Langenlois: der komplett erhaltene historische Stadtplatz, dessen Name «Kornplatz» interessante Einblicke in seine ursprüngliche Entstehung gewährt. EIN GUTER BODEN Reichlich Platz ist einer der grössten Vorteile dieses erspriesslichen Fleckens Erde. Er erlaubt es den hier angebauten Reben, in den vielfältigsten Farben und Formen zu wachsen und zu gedeihen. Schliesslich befindet man sich im Kamptal, einem Weinbaugebiet, das weit grösser ist als jenes der Steiermark und Wiens zusammen. Wer in Langenlois zu Gast ist, spürt sofort: Hier regiert der Rhythmus des Weins, der auf unvergleichliche Weise das Leben der Menschen, die ihn kultivieren und geniessen, bestimmt. Wenn der Regen fernbleibt und sich kühle Nordwinde sowie die Kraft der Sonne dazugesellen, entsteht wahrhaft Grossartiges –  auch wenn es den Namen Langenloiser Kleinklima trägt. Diesem und dem Ideenreichtum seiner Bewohner ist es zu verdanken, dass Langenlois seit Jahrzehnten als Kompetenzzentrum in Sachen Weisswein gilt. Herausragendes Glanzstück ist der Grüne Veltliner –  Österreichs selbstbewusstes Lebenszeichen weisser Weinbaukultur. Mindestens die gleiche Geltung kann auch dem Riesling zugesprochen werden, der mit seinen Lagenamen Heiligenstein, Steinhaus oder Dechant Kennern aus allen Ecken der Erde regelmässig grösstes Lob abgewinnt – ein Prädikat, das den Langenloiser Winzern immer wieder zu regionalen und nationalen Auszeichnungen und Ehren gereicht. Als ebenbürtiges Spitzenprodukt gilt auch der Zweigelt – seines Zeichens rote Hauptsorte des Kamptals. Und weil laut Ansicht vieler der hier ansässigen siebenhundert Winzer Vielfalt selbstverständlich nicht zu kurz kommen darf, werden auch internationale Weine wie Chardonnay, Weissburgunder, Blauburgunder und Cabernet Sauvignon ausgepflanzt. Wenn dann im Frühjahr die jungen Blätter all dieser Reben treiben, deren Trauben in der Sommersonne Kraft tanken, wenn im Herbst die Lese beginnt und im Winter die Maische in den Kellern reift, ist das Langenloiser Lebensgefühl komplett – das schnell jeder Beschreibung, aber keiner Versuchung trotzt.

Kreislauf längst vergangener Tage und schier endloser Kreativität widerspiegeln. Oder einer architektonischen Komposition zu begegnen, die jeden Betrachter sofort in ihren Bann zieht. Eine Synthese aus verwunschenen Kellergassen, die vom Winzerleben verstrichener Epochen erzählen, und hochmodernen Tempeln der Weinkultur. Einfach alles ist von dieser besonderen Magie durchdrungen. So einzigartig, dass nicht nur Weinenthusiasten das plötzliche Gefühl empfinden, endlich angekommen zu sein. Es ist diese unbeschreibliche Gelassenheit, die Entspannung und Genuss fernab des Alltags jeden Augenblick erlebbar macht. Schon der kleinste Spaziergang durch Langenlois macht es klar: Hier stösst man auf eindeutige Spuren der Gotik, der italienischen Renaissance und des Barock.

DIE KELLERGASSEN FÜR GAUMENFREUDEN Wer lukullische Begegnungen im Zeichen des Weines sucht, wird sie genau hier finden: in den zahlreichen Weinkellern, die man im Laufe der Jahrhunderte in den Langenloiser Löss- und Lehmboden grub. Allesamt architektonische Kleinode, die in den mächtigen Hohlwegen in und um Langenlois anzutreffen sind. Sie sind die tief verwurzelten Epizentren gastronomischen Genusslebens dieser Gegend – auch Heurige genannt. Dort, wo geselliges Beisammensitzen Pflicht ist und Langenloiser Gaumenfreuden auf der Tagesordnung stehen.

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CULINARIUM

Wahrzeichen von Langenlois. Das Ursin Haus ist ein Paradies für Weinliebhaber: 58 Winzerbetriebe des Weinbaugebietes Kamptal bieten hier ihre Produkte – etwa 300 an der Zahl – zu Ab-HofPreisen an. Die Weine, Sekte und Edelbrände können direkt im «Haus der Weine» in entspannter Atmosphäre verkostet werden. Neben der Kamptaler Gebietsvinothek und dem Tourismusbüro beherbergt das Ursin Haus das Lokal «Café & Wein» und ist aus­ serdem Sitz mehrerer weintouristischer Organisationen. In der LOISIUM WeinWelt & Vinothek begeben sich Gäste auf die Spur der edelsten Gewächse des Landes. Als besonderes Highlight für Weinenthusiasten bietet die LOISIUM Weinwelt unter der Erde eine Tour durch die Welt des Weinbaus an. 15 Stationen beleuchten die Reise von der Traube zum Wein. Ein privater Weinkeller mit Veltlinerflaschen aus den 1930er-Jahren, die Sektproduktion des Weinguts Steininger und ursprünglicher Kellerarchitektur runden den Besuch ab. Langenlois ist ein Ort, an dem Wein zum Erlebnis wird. Es ist diese perfekt ausbalancierte Cuvée aus abwechslungsreicher Landschaft, reichhaltigem Angebot und offenen Menschen, die diese Gegend so spannend und einzigartig macht.

Ob traditionsgemäss nur ein paar Wochen oder das ganze Jahr über offen, in den circa fünfzig Betrieben der Region wird besonderes Augenmerk auf authentisches Ambiente und Gastfreundschaft gelegt. Dabei spielt es keine Rolle, wie umfangreich das Angebot ist. Von der einfachen Jause bis zur kulinarischen Spitzenleistung: Die Weinkeller von Langenlois bieten jedem Besucher viele Gelegenheiten, wählerisch zu sein. Und wer dachte, dass in einer so genussfreudigen Region wie dieser die klassische Gastronomie zu kurz kommt, wird schnell vom Gegenteil überzeugt. Sucht man einen Ort, an dem önologische Kostbarkeiten gesammelt anzutreffen sind, besucht man einfach die einladenden Vinotheken im Ursin Haus und in der LOISIUM Weinwelt. DAS URSIN HAUS Im Herzen der Weinmetropole Langenlois, dort, wo der Kornplatz und die Kamptalstrasse aufeinandertreffen, finden Sie das Ursin Haus – die optimale Symbiose von Kamptaler Gebietsvinothek und Tourismusinformationsbüro. Die circa 1590 im deutschen Renaissancestil errichtete Fassade am Kornplatz, dem ehemaligen «Traidmarkt» mit der barocken Dreifaltigkeitssäule, ist eines der

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THINK BRUNELLO

Autor_Andy Zaugg Bild_José R. Martinez

Es gibt kein Zurück! Wer einmal hochqualitative Olivenöle für sich entdeckt hat, bleibt dabei. Ich erlebe das regelmässig bei meinen Olivenöl-Degustationen. Um Qualität beim Olivenöl muss man sich bemühen. Man muss sie sich sozusagen verdienen und sehr gute Öle probieren, aber auch solche aus dem Supermarkt. Erst dann erkennt man die Qualität. Belohnt wird man durch diesen Eindruck von purer Frische, gepaart mit der harmonischen Verbindung von Bitternoten und Schärfe. Kein Wunder, dass die Fans von Spitzenölen allen Aspekten der Öle eine Aufmerksamkeit entgegenbringen, die wir sonst nur aus der Welt des Weins kennen. Wie bei den Supertoskanern, welche seit den 1970er-Jahren die Qualitätsansprüche von Weinproduzenten und -konsumenten nachhaltig veränderten, erfahren seit dem Jahrtausendwechsel auch Olivenöle eine Qualitätsoffensive. Verantwortlich für dieses neues Top-Segment ist die noch junge Technologie von hochmodernen Ölmühlen. Sie ermöglicht erst den Aromentransfer von der Olive ins Öl. Weitere Schlüsselfaktoren sind der Erntezeitpunkt und eine sorgfältige Verarbeitungsweise. Ein gutes Olivenöl fängt die Natur ein. Es präsentiert uns im Aroma und Geschmack das Beste, das ein Terroir und eine Olivensorte geben können. Schärfe und Bitterkeit sind positive Zeichen für einen hohen Gehalt an wertvollen sekundären Pflanzenstoffen. Während die Spitzenproduzenten die eingeschlagene Qualitätsoffensive weiterverfolgen, stelle ich auf Konsumentenseite oft eine gewisse Verunsicherung fest. Das mag an den Preisen liegen, die für Spitzenöle vergleichbar sind mit einer guten Flasche Brunello. Unseren Brunello kaufen wir nicht im Supermarkt. Wir sollten uns deshalb auch von der Vorstellung verabschieden, dass wir, abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen, ein Spitzen-Olivenöl im Supermarkt finden. Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von engagierten Olivenöl-Botschaftern, spezialisierten Webshops und Fachhändlern, die Interessierte beraten und bei der Auswahl unterstützen. Denn die Spitzenproduzenten, die Tag für Tag an der Qualität ihrer Öle und am Erhalt der wundervollen Olivenhaine arbeiten, haben auch Ihre Unterstützung verdient.

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CULINARIUM

Vertrauen schenkt man nicht. Es wächst. Auch für Vermögensdienstleistungen gilt, je besser man sich kennt, umso perfekter das Zusammenspiel. Daher sind uns Zeit und Aufmerksamkeit in der persönlichen Beratung genauso wichtig wie Know-how und Kompetenz. So begleiten wir Sie vertrauensvoll über viele Jahre – in aller Verlässlichkeit und mit Erfolg.

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Die spektakuläre Entdeckung der Venus von Milo im Jahr 1820 sorgte für eine Offenbarung in der Welt der Kunst und der Archäologie. Zwei Jahrhunderte nach ihrer Ausgrabung überwältigt ihre Schönheit weiterhin. Montegrappa fängt diese herrliche Unvollkommenheit auf einem Schreibgerät ein, das aus Materialien in Museumsqualität gefertigt ist. Limitierte Edition aus 18-karätigem Gold.

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Die Grotta Azzurra ist ein einzigartiges Naturphänomen und dient als Inspiration für eine dritte Edition einer Hommage an Capri. Die neue «Classic Fusion Chronograph Special Edition Capri» ist wie die Magie des Sommers etwas Besonderes und erscheint in einer auf 30 Exemplare limitierten Edition, exklusiv erhältlich in der Boutique auf der Insel.

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HAUTE CULTURE – WARUM WIR UNS LUXUS LEISTEN SOLLTEN Autor_Frank Bodin

Die digitale Transformation und der Klimawandel verändern unser Denken und Handeln. Der Luxus­ güterindustrie stellt sich dabei die Gretchen- beziehungsweise Greta-Thunberg-Frage: Sind die Bestrebungen der Gesellschaft noch vereinbar mit einem 800-PS-Verbrennungsmotor in der 30er-Zone? Um diese Transformation gesellschaftlicher Bedürfnisse zu erkennen, lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit. 222


FINANCE

Vor zwanzig Jahren reichte Tradition noch als Referenz für eine Luxusmarke. Heute garantiert sie kaum ihren Wert in Zukunft. Über historische Referenzen hinaus müssen Luxusmarken nach neuen Wegen suchen, die den heutigen Erwartungen entsprechen. Das bedeutet nicht, dass Luxusmarken mit einer langjährigen Tradition nicht über ihren Status in der Vergangenheit kommunizieren können. Sie müssen sich aber überlegen, wie sie ihre Botschaft an einen modernen kulturellen Kontext anpassen. Beim modernen Storytelling ist das Erzählen der eigenen Markengeschichte nicht mehr ausreichend. Es geht heute darum, den Menschen mit Luxus Selbstausdruck zu ermöglichen.

Im Mittelalter diente Luxus der staatlichen und kirchlichen Repräsentation. Luxus war Machtdemonstration. Mit Parks und Pomp baute Louis der 14. sein absolutes Herrschertum aus. Dasselbe machte sich auch der Klerus zunutze. Das feudale Gehabe fand ein jähes Ende mit der Französischen Revolution; das Bürgertum kam zu Einfluss und Geld. Die Französische Revolution war auch eine Revolution des Luxus. «Le luxe» hielt Einzug ins Privatleben wohlhabender Bürger und wurde Teil der Gesellschaft. Neue Industrien entstanden zur Herstellung von Seidenstoffen, Goldbeschlägen, Tapisserien, Spitzen, Spiegel, Juwelen. Luxus kurbelte den wirtschaftlichen Fortschritt und den allgemeinen Wohlstand an. Das erkannte auch Montesquieu: «Ohne Luxus geht es nicht. Wenn die Reichen nicht reichlich ausgeben, werden die Armen Hungers sterben.» Ein Paradox: Luxus wurde zu einer wirtschaftlichen Notwendigkeit. Mit der Erfindung der Dampfmaschine erhielt die Luxus­ industrie zusätzliche Schubkraft. Im industriellen Zeitalter wurde «ohne Fleiss, kein Preis» zu einer Maxime. Luxus wurde zum Mittel, die eigene Tüchtigkeit und den damit einhergehenden Erfolg zu unterstreichen. Die Zeit der Fabrikantenvillen brach an. Die Zeit der Limousinen. Die Zeit der Delikatessen-Geschäfte. Luxus war nicht mehr nur ein Wirtschaftsfaktor, sondern auch ein Ausdruck für den persönlichen Erfolg. Wer sehr fleissig war, konnte sich Dinge zu einem sehr teuren Preis leisten. Die digitale Revolution revolutioniert den Luxus erneut. Insbesondere traditionelle Luxusmarken, die ihre Wurzeln im industriellen Zeitalter haben, bekommen das zu spüren. Heute stehen nicht mehr Tugenden wie Tüchtigkeit und Erfolg, sondern solche wie Selbstverwirklichung im Zentrum. Wir leben in einer Epoche unter der Maxime «die Konstruktion des eigenen Glücks». Luxus ist heute ein Mittel, Individualität und Leidenschaften zum Ausdruck zu bringen und sich zumindest für gewisse Momente ein Stück Glück zu verschaffen.

DER NEUE LUXUS IST INDIVIDUELL Die Digitalisierung der Welt hat eine noch nie dagewesene Transparenz zur Folge. Die verwendeten Materialien eines Produktes, dessen Herkunft, die Arbeitsbedingungen, die Preise – alles wird transparent. Mehr noch: Auch der Mensch wird gläsern. Nicht nur das Navigationsgerät Ihres Autos weiss, wo man war, sondern auch die unzähligen Apps auf dem Smartphone wissen es. Daten sind das neue Öl im Wirtschaftsmotor. Daten analysieren nicht nur unser Verhalten, sondern können es sogar voraussagen. Der Mensch wird gläsern, transparent, quasi selbstauflösend. Privatsphäre war einmal. Clevere Programme wissen mein Programm, bevor ich es weiss. IT-Spezialisten sind die neuen Wahrsager, die unsere Bedürfnisse von unserem Verhalten ablesen. Permanent werden wir gescort, geklickt, geliked und geteilt. Ist das die neue Welt, wie wir sie wollen? Einige dieser durchaus nützlichen Funktionen sind unverzichtbar, aber in dieser Form wollen wir das alles irgendwie auch nicht. Und gerade deshalb ist Luxus derzeit gefragter denn je. Luxus ist immer aussergewöhnlich. Luxus lässt uns Menschen für einige Momente aussergewöhnlich erscheinen.

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LUXUSPRESTIGE

Das Bedürfnis, sich mit Luxus zum Ausdruck zu bringen, gibt es nicht nur in der realen Welt, es hat längst auch die virtuellen Welten erobert. Letztes Jahr ging Louis Vuitton als erste Luxusmarke eine Partnerschaft mit dem Online-Videospiel «League of Legends» ein. Louis Vuitton bot In-Game-Outfits an, im Genre «Skins» genannt. Das ist der Anfang einer neuen Mode. Und ich bin gespannt, wann die erste Roboter-Kollektion von Prada die Laufstege erobert. Wie individuell Luxus ist, zeigt sich spätestens dann, wenn ältere Semester eine völlig andere Vorstellung von Luxus haben als jüngere Generationen. Viele Millennials verbringen mehrere Stunden täglich im Netz, die meiste Zeit auf Social-MediaPlattformen wie Instagram und Youtube. Luxusmarken spielen für sie eine wichtige Rolle: Luxuriöse Kleidung, Accessoires und Kosmetik aus den oberen Preissegmenten spiegeln für diese Zielgruppe ein ganz bestimmtes Lebensgefühl wider. Der entscheidende Grund dafür findet sich in den sozialen Medien. Die Präsenz von Luxusmarken in der Aussendarstellung ist riesig: Markennamen werden nicht dezent versteckt, sondern exzessiv zur Schau gestellt. «Logomania» wird dieses Phänomen genannt. Rapper und Influ­ encer machen es vor und setzen Trends. Den Rapper Capital Bra mit «Nur noch Gucci und Rolex» mögen manche doof finden; seine 3,7 Millionen Instagram- und 1,8 Millionen Youtube-Follower finden das cool. Was sagt «Logomania» über diese junge Klientel aus? Qualität und Verarbeitung sind zwar nach wie vor relevant, doch eher untergeordnet gegenüber sozialer Anerkennung und Prestige. Teenager suchen eine eigene Identität; sie lösen sich von zuhause ab und suchen nach neuen Communities, die ihnen entsprechen. Luxus für Millennials ist Dazugehörigkeit. Und für manche um jeden Preis. Ein sonst eher unauffälliger Pullover wird mit der Aufschrift Gucci, Fendi oder Off-White zum absoluten «Must-have». Und das, weil die in der Masse von Menschen eher unauffällige Trägerin sich davon erhofft, selbst zum «Must-have» zu werden. Oder anders gesagt: «Der Pulli ist zwar sündhaft teuer, aber ich leiste ihn mir, um dazuzugehören.» Ausser Millennials muss das niemand verstehen. Der Mensch ist nun einmal unlogisch. Erfindungen, Kreativität sind zu Beginn auch immer unlogisch. Sonst käme ja jeder drauf. Hier offenbaren sich die Grenzen der Digitalisierung und der daraus

entspringenden Sehnsucht des Menschen nach dem Irrationalen: Daten entspringen einer Box – Kreativität hingegen ist Denken out of the box. Das ist die Schönheit des Luxus: Luxus ist unlogisch. Luxus macht keinen Sinn. Es macht vielleicht Sinn, ein Auto zu haben, das mich günstig, sicher und schnell von A nach B bringt. Aber eine Luxuskarosse mit 800 PS macht keinen Sinn. In Zeiten der Logik und Sinnhaftigkeit gibt mir gerade das Unlogische und Sinnlose ein Gefühl der Freiheit, das Gefühl, mit etwas Aussergewöhnlichem verbunden zu sein. Der Sinn des Luxus ist die Sinnlosigkeit. LUXUS IST NATÜRLICH Nebst dem digitalen Wandel prägt ein weiterer Wandel unsere Zeit: der Klimawandel. Für Tugendwächter war Luxus schon immer eine Sünde. Von der sprichwörtlich zwinglianischen Lebensart der Zürcher Reformation bis zum heutigen Ökoaktivismus gilt: Ein guter Mensch lebt aufs Notwendige reduziert. Wer sich der Üppigkeit, dem Prunk, der Verschwendung hingibt, ist dekadent und sündig. Der Greta-Effekt ist nicht nur ein Dilemma für Luxusmarken, sondern für unsere Gesellschaft. Fortschritt ist nur mit einem quantitativen und qualitativen Überschuss möglich. Würde sich die Welt nur aufs Überlebensnotwendigste beschränken, wären wir noch immer Savannen-Affen ohne Kultur, ohne Wohlstand. Luxus ist nicht nur ein Wirtschaftsphänomen, sondern auch ein Naturphänomen. Warum gibt es die Blütenpracht einer Rose, wenn die banale Blüte eines Weissklees für die Befruchtung ausreicht? Oder mit den Worten des Philosophen Ludwig Hasler: «Warum hat die Natur den männlichen Pfau mit einem ausschweifenden Radschlag ausgestattet, der überlebenstaktisch ein Witz ist? – Der radschlagende Luxus hat seinen Preis, doch er ist wunderschön, und die Weibchen sind hin und weg.» Apropos Luxus und Nachhaltigkeit: Die Weisen des Club of Rome haben bereits vor Jahren postuliert, dass soziale und wirtschaftliche Stabilität die Grundlagen sind, um nachhaltig etwas für die Umwelt zu tun. Mit asketischem Konsumverzicht legen wir nicht nur unsere Wirtschaft lahm, sondern auch Innovation und Fortschritt. Fortschritt ist nur mit einem Überschuss an Wissen möglich. Innovation entsteht nur durch Überfluss – genauso wie Kultur. Eine funktionierende Wirtschaft ist nur durch Überfluss möglich. Luxus ist kein Luxus, sondern ein evolutionäres Naturgesetz.

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FINANCE

NDUSTRIE

LUXUS IST KULTUR «Geld macht nicht glücklich. Falsch.» – Dies ist die Schlagzeile einer Anzeige für Rolls-Royce, als man noch Anzeigen für Rolls-Royce machte. Nun wissen alle, dass Geld und Luxus nicht zwingend Hand in Hand einhergehen. Man kann reich sein und gleichzeitig arm an Lebensfreude. Luxus kann pervertiert sein. Wenn ich mir einen Picasso an die Wand hänge, nur um damit auszudrücken, dass ich es mir leisten kann. Bei Teenagern ist ein derartiges Verhalten noch entschuldbar, wenn sie aus Geltungs- und Zusammengehörigkeitssucht Luxuslabel zur Schau tragen. Bei gestandenen Persönlichkeiten nicht. Ich zitiere nochmals Ludwig Hasler: «Dieser Kunst-Luxus funktioniert etwa so, wie wenn man sagt, wer gut Klavier spielt, hat Glück bei den Frauen. Das ist ein wahrer Satz, doch ‹Die Gunst der Frauen mag das Klavierspiel beflügeln, nur, sie steht nie am Anfang der Pianokunst. Jeder Tastenvirtuose beginnt aus Liebe zur Musik, nicht aus erotischem Kalkül.›» Luxus kann pervertiert sein. Luxus kann wunderbar sein. Wenn ich einen Picasso bei mir aufhänge, weil ich einfach muss. Weil ich besessen bin von der Schönheit des Bildes. Genau so beginnt jeder «wahre» Kunstsammler. Genau so beginnt jeder «wahre» Autofanatiker. Genau so beginnt jeder Modeliebhaber: Besessen vom Reiz des Besonderen, des Raren, des einmalig Schönen. Bereit, sich einer Sache hinzugeben, egal, was andere davon halten. Das ist ein Ausdruck von Genussfähigkeit. Und Kultur. Im alten Ägypten gipfelte dies in den Bau der Pyramiden. «Wahrer» Luxus ist eine Liebeserklärung: zu Dingen und Menschen, welche diese Dinge geschaffen haben. Welches Kleid, welchen Anzug, welche Uhr, welche Tasche, welchen Künstler, welches Auto? Wählerische Menschen befassen sich intensiv mit dem Produkt: Qualität, Fertigung, Raffinesse. Wählerische Menschen bezeugen Respekt vor der Arbeit, die sie erwerben. Sie haben die Fähigkeit zu geniessen. Luxus ist nicht Besitz, sondern eine Haltung und damit eine Form von Kultur, manchmal sogar von Hochkultur – «Haute Culture».

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PRIVATEEQUITYINVESTITIONEN – DIE BILDER DES PRIVATE-EQUITY-MARKTES WAREN IN DEN LETZTEN JAHREN SEHR UNTERSCHIEDLICH. HISTORISCH BETRACHTET HANDELTE ES SICH ZUNÄCHST UM EINE KLEINE NISCHE IN DEN FINANZWELTEN, DANN PRÄGTEN DIE BILDER, MIT DEM DICKEN PINSEL GEMALT, VON DEN SPEKULATIVEN «HEUSCHRECKEN» DAS GESCHEHEN. ANDERE ANALYSTEN SKIZZIERTEN SEHR NÜCHTERN UND MIT SPITZEM BLEISTIFT EINEN WICHTIGEN BESTANDTEIL DES WIRTSCHAFTSKREISLAUFS. DIE COVID-19-KRISE HAT ALLE DIESE BILDER AUF DEN PRÜFSTAND GESTELLT. WAGEN WIR EINE REALISTISCHE ANNÄHERUNG. AM ENDE DES BEITRAGS STELLEN WIR DREI UNTERNEHMEN VOR.

Autor: Tibor Müller

FOKUS IN DER KRISE SCHARF STELLEN

Am Anfang steht die Frage nach der Bedeutung. Um was geht es? Private Equity ist eine spezifische Form des Beteiligungskapitals. Sie gilt als alternative Investitionsform. Durch den inzwischen langen Zeitraum der Niedrigzinspolitik, bei gleichzeitig viel Anlage suchendes Kapital wird vermehrt nach Erträgen durch Beteiligungskapital gesucht. Der Begriff setzt sich aus private / privat und Equity / Eigenkapital zusammen. Private Equity sind private Kapitalbeteiligungen, die an nicht börsennotierten Unternehmen erworben werden. Das frische Geld bringt Unternehmen in die Position, ein schnelles Wachstum zu erzielen. Im Gegenzug erhoffen sich Kapitalgeber hohe Renditen. Bekanntlich gerieten mit Covid-19 viele Wachstumspläne und Zukunftsprognosen unter Druck. Daher konzentrieren sich viele Beteiligungsgesellschaften auf das eigene Portfolio, um die Unternehmen möglichst unbeschadet durch die Krise zu manövrieren. Neuinvestitionen stehen nun ganz hinten auf der Agenda. In Schockstarre zu verfallen und sich nur von negativen Szenarien leiten zu lassen, ist aber die falsche Strategie. Zunächst gilt es, die langfristigen Perspektiven im Auge zu haben. Hier fallen zunächst die verschiedenen Branchen und ihre gewaltigen Unterschiede, was die Performance betrifft, auf. Aber auch intern könnten Unterschiede kaum grösser sein. Die Automobilindustrie und ihre Zulieferer standen schon vor der Krise unter Druck, da sie sich in einer Umbruchsituation befinden. Covid-19 ist hier der Brandbeschleuniger. Die Verantwortlichen stehen vor gewaltigen Herausforderungen. Covid-19 funktioniert aber auch als Brennglas. Die unsäglichen Verhältnisse in den Schlacht-

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FINANCE

Zu gute Angebote gilt es zu meiden. Gerade im erschwinglichen Private-Equity-Einstiegsbereich sind unseriöse und dubiose Angebote und Methoden verbreitet. Es gilt, vorsichtig zu hinterfragen und Angebote kritisch zu hinterfragen. Erfolgsgarantien sind immer absolut unseriös. All-in ist leider immer noch ein grosser Fehler. Diversifizierung ist ein Schlüsselwort in fast jeder Anleger-Talk-Runde. Leider wird es gerade von Laien immer noch zu wenig beachtet. Wenn man sich dazu entscheidet, in Private Equity zu investieren, empfehlen wir eine Faustregel: nie mehr als zehn Prozent des Vermögens in Hochrisiko-Investitionen zu setzen Einfluss nehmen ist ein weiteres wichtiges Stichwort. Dies gilt vor allem für grössere Investitionen. Ein perfektes Mittel ist, wenn man bei einer Investition auch einen Sitz im Verwaltungsrat oder Advisory Board verlangt. Der Sitz im Verwaltungsrat gibt die Sicherheit, alle Informationen bezüglich Finanzen, Geschäftsgänge oder Projekte zu erhalten.

höfen der industrialisierten Landwirtschaft sind hier ein Beispiel. Die Verbraucher wenden sich mit Grausen ab. Umgekehrt erleben Anbieter, die online einen Lieferservice mit frischen Lebensmitteln oder Speisen anbieten, seit März 2020 einen Boom. Wer die langfristige Perspektive behält, nicht nervös wird und auf die richtigen Pferde setzt, kann vorsichtig optimistisch sein. Beim Thema Private Equity ist neben der Branche und dem Geschäftsmodell noch ein dritter Punkt zu beachten. Die Qualität des Fondsmanagements kann fast noch wichtiger sein als das jeweilige Marktumfeld. Private-Equity-Fonds, die in der Regel Haupteigentümer ihrer Portfoliounternehmen sind und in einem konzentrierten und transparenten Dialog mit dem Management stehen, können schneller und qualitativ hochwertiger agieren. Trotzdem sind viele Private-Equity-Anlagen weiter im Tief. Die Preise für solche Anlagen sind im Gegensatz zur Börse immer noch im Keller. Das könnte sich aber im Herbst / Winter, wenn es an den Börsen aus vielen weltwirtschaftlichen Krisenszenarien zu Rückschlägen kommt und dies auf die Kurse drückt, ändern. Auf Katastrophentheoretiker zu hören und nur auf Gold zu setzen, ist aber genau der falsche Weg. Im Gegenteil. Für uns stehen die besten Seed-Jahre seit der Finanzkrise 2008 / 2009 vor der Tür. Trotzdem darf man jetzt nicht einfach blauäugig investieren. Eine gute Diversifikation und eine tiefgründige Due Diligence sind zwingend, um gute Erfolgschancen zu haben.

DREI AKTUELLE INVESTMENT-PROJEKTE Als operativ Verantwortlicher und finanziell Beteiligter empfehle ich, in die folgenden Private-Equity-Projekte zu investieren: 1. Das Thema Blockchain und Kryptowährungen befand sich in den letzten Jahren in einer Art Goldgräberstimmung. Es tummelten sich viele schwarze Schafe auf der Wiese. Jetzt kommen wir in etwas ruhigeres Fahrwasser. Der Charme des Neuen ist aber weiter da. Crypto Valley Partners ist eine Beratungs- und Investmentgesellschaft auf dem Gebiet der Blockchain-Technologie. Sie ist spezialisiert auf Strategien mit geringer bis null Korrelation zu anderen Vermögenswerten und hohem Gewinnpotenzial. Angesichts der unterschiedlichen Hintergründe der Gründungspartner ist das Unternehmen gut positioniert, um die Herausforderungen in diesem sich schnell entwickelnden Ökosystem zu meistern. Die Akteure nutzen Investitionsmöglichkeiten in Technologien mit dem Potenzial zur Disruption des Finanzsektors. Die Idee hinter dem Ansatz basiert auf der Tatsache, dass Finanzinvestoren Bitcoin als eine tragfähige Investitionsmöglichkeit betrachten, sich jedoch fragen, ob Bitcoin das ideale digitale Asset für langfristige Investitionen ist. Die Firma möchte in nachhaltige digitale Vermögenswerte investieren, bei denen es sich um reine Anlagevermögen handelt, die im Laufe der Zeit aufgewertet werden sollen. Die Investitionen des Unternehmens haben aktuell eine durchschnittliche monatliche Rendite von mehr als zehn Prozent. Selbst während des Marktcrashs im März 2020 gab es keine Korrelation zu anderen Vermögenswerten. Die Chancen

DIE RICHTIGE STRATEGIE In der Folge zeigen wir mit knappen praktischen Tipps auf, welche Fehler es zu vermeiden gilt, und stellen drei Projekte vor, in welche wir substanziell investiert haben. Risiken dürfen nicht unterschätzt werden. Wer in Private Equity Geld anlegt, geht erhebliche Risiken ein. Ist das Zielunternehmen trotz aller Massnahmen gezwungen, Insolvenz anzumelden, kann dies zum Totalverlust führen. Die mangelhafte Informationslage ist ein weiterer kritischer Punkt. Private-Equity-Firmen sind oftmals nicht verpflichtet, ihre Renditen oder Geschäftstätigkeiten offenzulegen. Das erschwert Anlegern eine gründliche Analyse der Chancen und Risiken der Kapitalanlage. Zudem gilt es, die Anlagedauer nicht zu unterschätzen. Die Laufzeiten von Private-Equity-Investments betragen normalerweise zwischen drei und zehn Jahre. Während dieser Zeit kann sehr viel passieren. Neue Technologien, Aufkommen von Konkurrenz, Liquiditätsengpässe bei den Unternehmen, Verzögerungen bei Produktion oder das Reissen von Lieferketten sind die wichtigsten Punkte.

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liegen in einem extrem hohen Entwicklungs- und Renditepotential, Weltklasse-Investorenstruktur, hohe Einstiegshürde und eine klare Vision. Die Risiken liegen in sehr neuen Technologien und Märkten, in denen die langjährigen Erfahrungen fehlen, und in der grossen Volatilität in den Zielmärkten. Der Investitionshorizont beträgt über fünf Jahre. 2. Die Medienbranche ist im Umbruch. Klassische Printprodukte verlieren an Bedeutung, und digitale Lösungen können die entstehende finanzielle Lücke oft nicht ausgleichen. Wir vergleichen die Situation oft mit dem Biermarkt. Der Umsatz geht insgesamt zurück, innovative Ansätze haben aber trotzdem Erfolg. Die PRESTIGE Media Group S.A. ist ein enorm schnell wachsendes Netzwerk aus etablierten und erfolgreichen Unternehmen, welche weltweit tätig sind. Die PRESTIGE Media Group sorgt für die Digitalisierung aller Prozesse, Produkte und Unternehmen und stellt dabei sicher, dass Onlinepräsenzen und Auftritte sowie alle Transaktionen über die neusten und modernsten Wege abgewickelt werden. Unterstützt von einer mehrere hunderttausend Mitglieder umfassenden Community, stellt die PRESTIGE Media Group S.A. sicher, dass alle verbundenen Unternehmen und deren Kunden stets über die modernsten Lösungen und Angebote verfügen. Der Erfolg der Gruppe hat viele Optionen eröffnet, welche aktiv verfolgt werden. Über deren bestehenden Finanz-, Technologie- und Medienproduktionen hinaus. Nicht umsonst lautet der Slogan der Firma – «Europas exklusivste Medien-Boutique». Die Chancen liegen in einem beachtlichen Entwicklungspotential, in einem sehr etablierten Geschäftsbereich, hoher Flexibilität, es ist dieses Jahr ein Börsengang an der Euronext in Paris geplant, exklusiver langjähriger Kundenstamm, grosser Community Support, qualitativ hochstehende, etablierte Produkte, extrem hochwertiges Advisory Board und ein erfahrenes Management. Die Risiken liegen in der Branche begründet. Die Medienbranche durchlebt eine grosse Wandlung, es handelt sich um eine stark konjunkturabhängige Branche. Der Investitionshorizont beträgt sieben Jahre. 3. Auch die Immobilienbranche ist kein ruhiges Fahrwasser. Oft werden Immobilienblasen prognostiziert, die dann aber doch nicht platzen. Trotzdem sind die Herausforderungen nicht zu unterschätzen. Die Aedartis AG ist ein aktives Immobilienverwaltungs-, Immobilienentwicklungs- und Beratungsunternehmen mit einem starken Fokus auf den Gastgewerbesektor in ganz Europa. Ihre Kernkompetenz liegt in der Konzeption, Lieferung und Verwaltung von gemischt genutzten Resort-Immobilien. Das Management verfügt über mehr als 50 Jahre kombinierte Immobilienerfahrung und hat den gesamten Lebenszyklus von Investitionen und Entwicklungen in Europa mit Portfoliowerten von mehr als 400 Millionen Euro erfolgreich gemanagt. Aedartis ist Mitglied von PolyReg, einer von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA anerkannten selbstregulierten Organisation. Die Verantwortlichen haben eine Reihe von Hospitality-Projekten am Laufen, von denen einige im Besitz sind, während andere auf Vereinbarungen mit Dritten oder Pipeline-Projekten basieren. Als Teil des Entwicklungsprozesses stellt das Team sicher, dass Investitionen in zukünftige Projekte mit minimalem Risiko und optimaler Rendite richtig analysiert, verstanden und getätigt werden. Beim Asset-Management-Service geht es darum, die Geschäftsziele zwischen Betreiber und Eigentümer aufeinander abzustimmen. Das Management kann während des gesamten Anlage-

lebenszyklus umfassende Beratung bieten und die operative Leistung sowie die Auswirkungen eines Handels-Cashflows auf die zugrunde liegende Sicherheit von Vermögenswerten verstehen. Klare Beratung zu Kapitalallokation, Betrieb und Risikomanagement ist der Fokus. Die zentralen Chancen sehen wir in einem renommierten Management mit einem track record in weltbekannten Projekten, starkes Portfolio mit werthaltigen Assets im Immobilienbereich, sehr etablierte Industrie mit grosser Nachfrage – speziell im Immobilienbereich. Die Risiken liegen in den Bremsspuren von lokalen Bürgerbewegungen, Behörden und Politik. Zudem gibt es grossen Investmentbedarf, um Projekte umzusetzen und einen grossen Geldbedarf zur Strukturerhaltung der Firma. Der Investitionshorizont liegt bei über zehn Jahren. KLEINES FAZIT UND AUSBLICK Die obgenannten Projekte sind keine Investitionsempfehlungen und gelten ausschliesslich zur Erläuterung unserer Strategie. Jeder Investor sollte sich ein eigenes Bild über mögliche Anlagetätigkeiten machen. Grundsätzlich sollte man aber nicht zu fest vom Altbewährten abweichen. Wie schon erwähnt ist es für einen privaten, nicht allzu versierten Investor nicht empfehlenswert, zu viel Risiko in Kauf zu nehmen. In erster Linie im festverzinslichen Bereich kann man immer noch eindrückliche Jahresrenditen von drei bis sechs Prozent erzielen, welche eine weitaus höhere Sicherheit als Aktienanlagen oder Private Equity bieten. Es gilt: Ein gesunder Mix ist aber immer noch das A und O.

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Autor_Kevin Schneebeli

BANKEN UND DIE

FINANCE

CORONA-KRISE Die Corona-Krise verändert das Marktumfeld für Banken nachhaltig, und die Phase der harten Beschränkungen wird erheblichen Einfluss auf die Erträge von Banken in diesem Jahr haben. Analysen deuten aktuell darauf hin, dass die Ertragspools für Schweizer Banken auch in einem positiven Szenario das Niveau von 2019 frühestens im Jahr 2024 wieder erreichen werden. Die Ertragspools im Neugeschäft könnten 2020 um 15 bis 30 Prozent geringer ausfallen als vor Covid-19 erwartet. Der Wettbewerbsdruck im Banking in der Schweiz wird sich dadurch weiter erhöhen. Dies gilt insbesondere für dieses Jahr, aber trotz der zu erwartenden Erholung auch für die kommenden Jahre. Für das Jahr 2020 wurden ursprünglich für den Schweizer Bankenplatz stabile Ertragspools prognostiziert. Dies wäre nach mehreren Jahren des vor allem durch das Niedrigzinsumfeld getriebenen Rückgangs der Ertragspools eine Fortsetzung der 2019 begonnenen Stabilisierung gewesen. Aufgrund der Corona-Krise könnten diese Ertragspools jedoch deutlich sinken. Daraus resultieren drei Szenarien für die Entwicklung der Ertragspools im Banking in der Schweiz. Szenario eins ist die «schnelle Erholung». Diese kann von einer nahe an v-förmigen Erholung des Bruttoinlandsproduktes ausgehen. Die Arbeitslosigkeit würde nur temporär stark ansteigen und dann wieder das Vorkrisenniveau erreichen. Gleiches würde für Verbrauchervertrauen und internationalen Handel gelten.

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Für das Szenario der «langsamen Erholung» kann von einer u-förmigen Erholung des BIP mit entsprechend langsamerer Erholung von Arbeitslosenraten und Verbrauchervertrauen gerechnet werden. Auch der internationale Handel würde sich erholen, wenn auch langsam. Produktseitig würden in diesem Szenario zusätzlich vor allem auch die Ertragspools bei Konsumentenkrediten hinter den ursprünglichen Vorhersagen zurückbleiben. Durch die länger anhaltende wirtschaftliche Schwächephase leiden der Konsum und auch grössere Anschaffungen, was sich wiederum in rückläufigen Konsumentenkrediten niederschlägt. Im negativen dritten Szenario mit «tieferen Auswirkungen» ist anzunehmen, dass sich das BIP nur langsam entlang einer ausgedehnten u-förmigen Entwicklung erholen wird. Dies ginge einher mit langfristig steigender Arbeitslosigkeit und einem dauerhaften Einbruch des Verbrauchervertrauens. Der globale Handel erführe in diesem Szenario einen strukturellen Einbruch. Es ist noch nicht absehbar, wie sich die Corona-Krise auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung und konkret auf das Banking auswirken wird. Die Implikationen werden jedoch massiv sein. Banken müssen ihre Digitalisierungsprogramme beschleunigen, um mit dem veränderten Kundenverhalten Schritt zu halten und dem weiter steigenden Kostendruck zu begegnen. Der Wettbewerb um Neugeschäfte wird sich erhöhen und sich zunehmend auf zwei Ebenen abspielen: an der Kundenschnittstelle und auf Produktebene.


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FINANZIELL ABGESICHERT – DAS GEHT VIEL BESSER, WENN MAN ES SELBST IN DIE HAND NIMMT

MENSCHEN SIND HERDENTIERE, UND WIR LIEBEN AUTORITÄTEN. DOCH DIE KOSTEN UNS MANCHMAL DEN ZWAR WOHLVERDIENTEN, ABER FINANZIELL NICHT ABGESICHERTEN RUHESTAND. DOCH DAS MUSS NICHT SEIN, SAGT «DER KANZLER».

«Ich halte mich da raus, da habe ich keine Aktien drin.» Niemand weiss so richtig, woher diese Redewendung stammt. Doch viele handeln danach. Und wir reden nicht von hundert Menschen, nicht von tausend Menschen. Wir reden von Nationen, von Millionen Menschen, die sich in Sachen dauerhafter Wohlstandsaufbau seit Jahrzehnten übers Ohr hauen lassen. Oder wie «Der Kanzler» es in seinen Vorträgen zusammenfasst: «Die Menschen lassen sich seit Jahren die Butter vom Brot nehmen.» PRESTIGE: Herr Kanzler, was meinen Sie damit, dass sich die Menschen schon viel zu lange die Butter vom Brot nehmen lassen, wenn es um ihren Wohlstandsaufbau geht? CHRISTOPH R. KANZLER: Fakten belegen, dass die Kapitalmärkte in den letzten hundert Jahren im Durchschnitt zehn Prozent Rendite gemacht haben. Im Vergleich dazu haben

andere Investitions- oder Sparmöglichkeiten Renditen um die dunkle Null oder sogar im roten Zahlenbereich erwirtschaftet. Das bedeutet, wir haben ziemlich rentable Kapitalmärkte, die mehr Auf- als Abschwünge haben. Und diese freien Märkte stehen –  wie die Bezeichnung es schon verrät – jedem zur Verfügung. Dem Gross- wie auch Kleinanleger. Jeder Mensch auf der Welt kann sein Geld mittels der Kapitalmärkte vermehren. Warum tun es dann so wenige? Angst, ein falsches Verständnis und die Branche sind gut darin, diese beiden Dinge so anzufüttern, dass sie Generationen überleben. Viele Menschen glauben, dass Dinge wie Aktien, Börse und Fonds mit einem Casino vergleichbar sind. Dass es da nur Risiko gibt und keine Sicherheiten. Doch jeder Mensch ist Teil der freien Märkte – als Arbeitnehmer ist er Produzent und als Privat-

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FINANCE

Und wir können auf die zehn Prozent Rendite setzen? Keiner weiss das, aber wir können es erwarten. Solange wir Menschen nach einer Krise weiterleben wollen, wird sich das positiv auf den freien Märkten zeigen. Börsen reflektieren Hoffnungen in die Zukunft. Solange die Menschen die Hoffnung haben, dass es Sinn macht, am Morgen aufzustehen, werden das die Kapitalmärkte reflektieren. Erst wenn die Menschheit aus irgendeinem Grund die Hoffnung verloren hat, nicht mehr in die Zukunft investieren oder Erwartungen eingehen will, werden auch die Kapitalmärkte einbrechen. Also doch jedes Jahr zehn Prozent sicher? Es wird Jahre geben, wo es schlechter läuft. 2020 ist sicher ein Jahr, das uns alle am Silvesterabend etwas unsicher zurücklässt. Aber tendenziell zeigt sich, dass die Kapitalmärkte seit Anfang des 15. Jahrhunderts massiv mehr Aufschwünge als Abschwünge haben. Dotcom, Immobilien, schon viele Blasen sind geplatzt, und dennoch haben wir noch ausreichend Luft zum Atmen. Dieses Wissen kann ich nutzen, und es bedeutet für mich als Anleger, dass ich mich nicht jeden Tag mit dem Zeug beschäftigen muss. Mir muss klar werden: Renditen kommen von freien Märkten, von Konsumenten und Produzenten. Ich kann mit einem Klick hocheffizient ein globales Portfolio, die Welt AG, kaufen. Und ich kann diese für mich arbeiten lassen, ohne dass ich mich kümmern muss.

Autorin_Wilma Fasola

person Konsument. Gewinne entstehen dann, wenn die Menschen die von den Unternehmen produzierten Produkte und Dienstleistungen konsumieren. Wer trägt in Ihren Augen die Verantwortung dafür, dass es so weit kommen konnte – oder besser, dass es seit Jahrzehnten so funktioniert? Man muss wohl fragen: Woher kommt es? In Deutschland beispielsweise haben die Menschen zweimal in den letzten hundert Jahren ihr ganzes Geld verloren. Die Währungsreformen von 1924 und 1948 haben das Barvermögen und die auf Konten geparkten Gelder von jetzt auf gleich wertlos gemacht. Das macht den Menschen heute noch Angst, und dennoch horten sie ihr Geld heute wie damals unter dem Kopfkissen oder auf dem Sparkonto. Hätten die Menschen damals über Produktivkapital verfügt, das in Form von Aktienanteilen in Unternehmen wie BMW, Siemens oder Mercedes investiert worden wäre, hätten sie mit dem Wirtschaftsboom nach dem Zweiten Weltkrieg von ihren Investitionen in Form von Renditen profitieren können.

Die Welt als freundlicher Ort für Anleger – wie sieht das aus? Wir müssen ein Forum schaffen, das Raum bietet, sich informieren zu können. Wir müssen verstehen, flächendeckend, wie Kapitalmärkte funktionieren, und wir müssen die Menschen verstehen. Die Finanzindustrie referenziert sich seit Jahrzehnten nur mit sich selbst. Mit viel Aufwand wird künstliche Komplexität geschaffen, um die Existenzberechtigung nicht zu verlieren. Jetzt geht es darum, als Anleger zu agieren, nicht mehr nur zu reagieren. Es liegt in unserer Hand, uns zu informieren, und die meisten Fakten sind nur einen Klick entfernt. Ein anlegerfreundlicher Platz ist der, der Menschen davon abbringt, falschen Glaubenssätzen hinterherzurennen oder Verkaufsmaschen zu verfallen. Wir als Menschen schaffen unseren eigenen Platz und platzieren unser hart verdientes Geld dort, wo es am Ende für uns arbeitet.

Wie konnte es so weit kommen, dass es die Ausländer sind, die an unserer Produktions- und Konsumkraft verdienen, und wir leer ausgehen? Sie haben ein anderes Verständnis von Kapitalmärkten. In unseren Nachbarländern sind die Aktionärsquoten höher. Dabei ist die mediale Aufbereitung des Themas aber nicht ganz unschuldig. Presse und Medien füttern quasi den Mythos, dass Börse, Aktien & Co. eine Casinomentalität leben und nichts anderes sind als Raubtierkapitalismus. Medien lieben Schlagzeilen wie die, dass der DAX eingebrochen ist und der nächste Crash nicht mehr zu verhindern ist. Die ganzen dramatisch aufgepusteten Berichte helfen nicht dabei, dass der Mensch endlich seine Chance nutzt, mittels Investitionen auf den freien Märkten Wohlstand aufzubauen. Es ist zu viel Lärm da draussen.

CHRISTOPH R. KANZLER (49) – «DER KANZLER»   –  IST SEIT MEHR ALS 25 JAHREN IN DER INTERNATIONALEN FINANZINDUSTRIE TÄTIG. ALS EINER DER ERSTEN IN EUROPA BESCHÄFTIGTE ER SICH BEREITS 2007 MIT ETFS UND EVIDENZBASIERTEN ANLAGESTRATEGIEN. SEIT ANFANG 2020 IST ER MIT ZWEI UNTERNEHMEN «DER KANZLER» UND «30PLUSX» GESTARTET. BEIDE HABEN ZUM ZIEL, DEN DEUTSCHSPRACHIGEN RAUM ZU EINEM BESSEREN PLATZ FÜR ANLEGER ZU MACHEN. MIT DEM VON IHM ENTWICKELTEN ANLEGER-COACHINGPROGRAMM «DIE SCHULE DER MÄRKTE» SCHAFFT ER EIN VOLLKOMMEN NEUES VERSTÄNDNIS RUND UM DIE THEMEN INVESTIEREN, SPAREN SOWIE KAPITALMÄRKTE.

Aber kann ich denn wirklich als Otto Normalbürger die Kraft der Kapitalmärkte in eine finanzielle Absicherung für mein Leben ummünzen? Das Geheimnis ist, dass es kein Geheimnis gibt. Anlegen ist wie Fahrrad oder Auto fahren lernen. Man muss es trainieren, üben und perfektionieren, und danach geht es wie von alleine. Es ist für jeden simpel und einfach, von der Kraft freier Märkte zu profitieren, die 10 Prozent Rendite im Durchschnitt machen.

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VOR SCHAU

A MATCH MADE IN HEAVEN ZWEI KULTDESIGNER PRADA

An der Mailänder Fashionweek wurde es publik gemacht: Star-Designer Raf Simons arbeitet seit Frühjahr Seite an Seite mit Miuccia Prada.

Zwei Kultdesigner mit grossen Egos, die sich gemeinsam um eine Luxusmarke kümmern. Bereits im Herbst wird die erste gemeinsame Kollektion vorgestellt, die wir genauer unter die Lupe nehmen.

SAFETY FIRST SICHER AUF DER PISTE UNTERWEGS

Wintersport ist belebend und bringt uns dazu, in der Kälte mobil zu werden und die Natur zu geniessen. Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung verletzen sich jedoch allein auf Schweizer Pisten jedes Jahr rund 76ʼ000 Menschen. Der Promi-Orthopäde und begeisterte Skifahrer Simon Moyes, der sich über die Wintermonate am liebsten in seinem Chalet in Val-d’Isère aufhält, erzählt von seinen Erfahrungen im Bereich Skiunfälle und gibt Tipps, um solche zu verhindern.

GOLD EIN MYTHOS AUF DEM

Gold hat in der gesamten Geschichte der Menschheit eine unvergleichliche Symbolkraft entfaltet und ist für viele reiche Zeitgenossen immer noch die Währung, die überall in der Welt Bewunderung auslöst und Sicherheit garantiert. Wir begeben uns auf Streifzüge durch die Goldgeschichte und zeigen, wie sie mit dem Wirtschaftsleben verknüpft ist.

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G

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