PRESTIGE Switzerland Volume 30 Auszug

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inhalt Travel

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29 UBUD Balis spirituelles Zentrum 34 Best Hideaways Amandari 36 Best Hideaways The Chedi Club - Tanah Gajah 38 TAUCH-HOTSPOTS This is Underwater Love

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40 RIO DE JANEIRO Futebol de Brasil 46 SCHÖNE EINÖDEN Ab in die Wüste

46

54 LUXEMBURG Klein, aber oho

Culture 61 GOODBYE BABYFACE Leonardo DiCaprio 67 RICHARD BRANSON Like a Virgin 68 WORLD WIDE GIRLS Fashion around the World

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72 MEYER LANSKY Der Bankier der Mafia 78 KUNSTWELTEN Books & News 80 BIRKIN & GAINSBOURG Je t’aimais 82 REGISSEUR UND WINZER Francis Ford Coppola 84 ANYA BARTELS-SUERMONDT Spanische Leidenschaft

80 18 | PRESTIGE

94 DAS TOR NACH LAPPLAND Kultur aus dem hohen Norden


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inhalt Watches & Jewellery 101 BASELWORLD Das Uhrenjahr 2014 118 Frank’s way Shooting by Gianni Pisano 132 SCHMUCKUHREN Glitzernde Zeitmesser 136 PERLEN Tränen des Meeres 140 FABERGÉ Der Hofjuwelier des Zaren

136

143 GELBE DIAMANTEN Luxus trifft auf Wertanlage 146 ANTIKE UHREN Frühe Genfer Uhren

132

Drive style 151 GEBURTSSTUNDE EINES MYTHOS Silberpfeil

162 LEINWANDFIEBER Gemalte Rennwagen

156 KÖNIGSKINDER Sonderanfertigungen schneller Flitzer

168 AUTOMOBILMUSEEN Motorisierte Spurensuche

159 NIKI LAUDA Die Rennsportlegende

172 GIRLS ON BIKES Fashion meets Scooter

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inhalt Fashion 179 KUNST AM LEIB Art meets Fashion 182 Fashion shortcuts

202 DER SPAZIERSTOCK Er läuft wieder

184 Milano mia Shooting by Gianni Pisano 196 MODEILLUSTRATION Fashion aus dem Handgelenk 198 SPORTLICH UNTERWEGS Sporty Outfit

Beauty

202

209 PUNK And FASHION Vivien Westwood 210 KUNSTVOLL UMSCHMEICHELT Edle Seiden-Accessoires

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217 MÄNNERKOSMETIK Falten sind charismatisch

224 WIE DUFTET 2014? Duftreise nach Florenz

222 ADRIANA TRIPA Die Imagemacherin

228 EWIGE JUGEND Kurze Geschichte der Kosmetik

Living

228 237 TILLA THEUS Grande Dame der Architektur 240 LIVING NEWS Vom Stuhl zur Leuchte 242 KRISTALL DER KÖNIGE 250 Jahre Baccarat 246 ORDNUNGSSYSTEME Individuelle Schrankgestaltung 250 RETO GUNTLI Der Star hinter der Kamera 256 Das Wohnerlebnis 51° Spa Residences in Leukerbad

250 22 | PRESTIGE

262 ARCHITEKTENADEL Sir Norman Foster 266 Luxusresidenz über davos Alpine Wellnessvilla

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inhalt Culinarium

275

275 HAUTE CUISINE AUF SEE It’s Sea-Time 282 BENNY PARTH Österreichs jüngster Haubenkoch 286 FOOD Shortcuts

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288 STARKOCH DER BRITEN Jamie Oliver 290 FOODBOOKS Schmackhafte Schmöker 292 fussball passion Champagner in Brasilien

Topevents 297 MONTREUX JAZZ FESTIVAL It’s Jazz-Time 302 ART BASEL Die Königin der Kunstmessen

297

Finance 309 Auf der sicheren Seite Reputation Management

316 Reputation Gewinnt Vertrauen säen und überleben

312 Vertrauen erarbeiten Die Potenziale von Reputation

320 Brücken bauen Der etwas andere Ansatz im globalen Agrarbusiness

Kolumnen 58 Vera Dillier – Wellnessen 98 WILHELM GRUSDAT – Aus dem Leben eines Galeristen: Strandgut 161 TAMARA WERNLI – Wie viel Sex-Appeal verströmen Sie? 214 GABRIEL PALACIOS – Mit Gelassenheit attraktiv wirken! 234 GÖTZ WINTER – Unter Frauen 272 JÖRG SCHMITTSCHNEIDER - Wie weit wachsen die Türme? 294 DJ ANTOINE – Das Leben ist zu kurz, um schlechten Champagner zu trinken! 319 Thomas Hügli – Verantwortung ist bestes Reputation Management 323 DR. CARSTEN PRIEBE – Biotech – Das Rennen um die Gene

news 109 144 160 201 211

Baroque Beaux-Arts Funkelnde Schmuckstücke Prestige styles Men Orange Meets Blue Bunter Frühling

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208 Prestige styles woman 215 Black Trends 221 Men’s care 227 Spring Fragrance 233 Nice To Have

235 Happy Skin 245 Schmückende Ornamentik 1 249 Schmückende Ornamentik 2 264 Design news 324 Vorschau & Impressum


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ir begrüssen Sie zur Lektüre unserer Frühlingsausgabe. Spazieren Sie mit uns durch die Welt der Beautyprodukte, Fashionbrands, Kulturstätten und Motoren. Durch die Jahrhunderte kommen und gehen die Trends, aber eines der langlebigsten Accessoires ist eng verbunden mit der Geschichte des Luxus und der Mode – der Spazierstock. Seit geraumer Zeit wird der Stock wieder in die Hand genommen und erlebt ein Comeback im Kreis der Reichen und Berühmten. Ob George ­Clooney oder Brad Pitt, der Stock ist wieder Begleiter auf dem Parkett der Welt.

Ein weiteres wichtiges Accessoire bzw. Schmuckstück ist und bleibt die Uhr. Welche neuen Trends uns auf der Baselword erwarten und welche Marke mit den besten Innovationen punkten kann, erfahren Sie von unserem Uhrenredaktor Gisbert Brunner. Stets am Puls der Zeit, präsentiert er die neusten Zeitmesser der Traditionshäuser. Wem gute Uhren oder die teuersten Autos der Welt nicht exklusiv genug sind, der lässt sich eben individuell etwas Hübsches anfertigen: Das Karosseriehandwerk erlebt derzeit eine Renaissance – nicht nur in feinen italienischen Edelschmieden, sondern auch bei den Automobilherstellern selbst. ­PRESTIGE zeigt Ihnen fünf ganz besondere Beispiele. Doch auch die Damenwelt kommt in dieser Ausgabe nicht zu kurz: Sie erwarten Tipps für die nächsten Ferien, schmückende Diamanten und Perlen und die neusten Düfte des Jahres.

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Francesco J. Ciringione Verleger

Yvonne Beck Chefredaktorin

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TRAVEL

29 UBUD Balis spirituelles Zentrum 34 Best Hideaways Amandari 36 Best Hideaways The Chedi Club - Tanah Gajah 38 TAUCH-HOTSPOTS This is Underwater Love 40 RIO DE JANEIRO Futebol de Brasil 46 SCHÖNE EINÖDEN Ab in die Wüste 54 LUXEMBURG Klein, aber oho

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Spirituelles Zentrum

Balis

Der Name «Ubud» bedeutet im Balinesischen ­«Medizin», benannt nach einem Kraut, das nahe dem Fluss Campuhan wächst. Einigen Einwohnern Ubuds werden ­besondere Heilkräfte zugeschrieben. Doch auch wer keinen traditionellen «Heiler» aufsucht, kann in Ubud neue Energie tanken. Yvonne Beck

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as geschichtsträchtige Zentralbali ist berühmt für sein Handwerk und seine darstellenden Künste, Ubud ist unbestritten das kulturelle Zentrum der Insel. Schon in den 20er- und 30er-Jahren war Ubud für Künstler «the place to be» und ihre Popularität wächst ungebrochen. Die Stadt gehört – trotz ihrer geringen Grösse – zu den Top-Cities Asiens und der Hype, den der Bestseller «Eat Pray Love» ausgelöst hat, hat diesen Trend zusehends verstärkt.

Eat, Pray, Love Julia Roberts spielt in «Eat Pray Love» eine Frau jenseits der 30 namens Elizabeth Gilbert. Eigentlich hat sie alles, was sie sich in ihrem jungen Leben nur wünschen kann: Erfolg im Job als Schriftstellerin, einen Mann, ein Haus. Und doch findet sie in dieser Konstellation keine Erfüllung. Nachdem sie sich von ihrem Mann scheiden lässt und eine weitere unglückliche Beziehung eingegan-

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gen ist, trifft sie eine weitreichende Entscheidung: Sie begibt sich auf eine einjährige Sinnsuche, um Leib und Seele wieder in Einklang zu bringen. Der Plan lautet daher schlicht: Eat, Pray, Love – wobei sie Letzteres nicht offiziell sucht. Also führt sie ihre Reise zunächst nach Italien (Eat), dann nach Indien (Pray), um schliesslich auf Bali zu enden (Love). Auf Bali oder genauer gesagt in Ubud, sucht sie einen Medizinmann auf, der sie an die wesentlichen Dinge des Lebens erinnert: Lächeln und Selbstliebe. «Eat Pray Love» beruht auf den Memoiren der echten Elizabeth Gilbert. Die Reisekasse bestand aus einem Vorschuss für das angekündigte Buch als Ergebnis ihrer tatsächlichen Sinnsuche in Italien, durch Indien und auf Bali. 158 Wochen stand das Buch in der «New-York-Times»-Bestseller-Liste. Ubud-Kenner und Bewohner kritisierten Gilberts


Buch, denn es liefere ein unvollständiges Bild von Ubud und seinen Bewohnern, von Tanz und Kunst der Region, den Wanderungen und Naturbeschaffenheiten. So gibt es beispielsweise keine Surfspots an der Nordküste und einen Traumstrand sucht man in der Nähe von Ubud auch vergeblich. Trotzdem fanden viele Menschen nach der Lektüre des Buches ihren Weg nach Ubud und wurden nicht enttäuscht, denn Ubud hat gerade jenseits der Hollywoodfiktion einfach etwas Magisches. Diese Magie sollte man also nicht 1:1 auf den Spuren Julia Roberts’ suchen, denn auch wenn man einige Charaktere des Films (s. Box Seite 33) wirklich in Ubud antreffen kann, sind diese Begegnungen eher ernüchternd statt erbauend. Besser ist es also, man macht sich selbst auf die Suche nach seinen ganz eigenen Ubud-Glücksmomenten.

Traditionelle Heiler Sie werden «balian» genannt und spielen in der balinesischen Kultur eine sehr bedeutende Rolle. Sie behandeln körperliche und physische Krankheiten, entfernen Flüche und übermitteln Nachrichten der Vorfahren. Die etwa 8 000 Balian sind die Grundpfeiler der medizinischen Versorgung in den Gemeinden. Für Touristen ist es nicht einfach, einen echten balinesischen Heiler zu

finden und keinem Scharlatan aufzusitzen. Gute Hotels können jedoch weiterhelfen, eine Verabredung zu treffen und die passenden Opfergaben zu beschaffen, in die die Gebühr gesteckt wird. Balinesische Schamanen haben ihre Kenntnisse teils von einem Familienmitglied erworben, welches zu Lebzeiten selbst die Funktion eines Balians ausgeübt hatte. So haben sich die Balians seit Generationen auf die traditionelle Heilbehandlung spezialisiert. Da die Heiler ihr schamanisches Wissen nur an neue Mitglieder ihrer Gruppe weitergeben, erwuchsen den jeweiligen Mitgliedern dieser Gruppen freilich auch ganz unterschiedliche Fähigkeiten bezüglich der von ihnen praktizierten schamanischen Heilung. Ein Balian Tulang ist darauf spezialisiert, gebrochene Knochen zu richten oder Verstauchungen zu kurieren. Die Schamanen der Gruppe Balian Manak arbeiten als

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travel

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travel

schamanische Geburtshelfer oder schamanische Hebammen. Wohingegen ein Balian Usada, die auch als «lesende Balians» bezeichnet werden, ihre Heilkräfte aus dem Besitz bestimmter Bücher, die sich mit der «traditionellen Heilkunde» oder mit schamanisch-magischen Techniken beschäftigen, beziehen. Diese Kraft wird vom Balian Usada durch Rezitieren von Mantras in Verbindung mit bestimmten Opferungen und Holy Water, das mit diesen Lontars (Bücher mit heiligen Texten auf Palmblättern geschrieben) in Kontakt gebracht wurde, auf andere Personen übertragen und zu Heilzwecken eingesetzt. Egal, zu welchem Heiler man sich begibt, man sollte nicht vergessen, dass die Behandlung stets in der Öffentlichkeit stattfindet und wahrscheinlich schmerzhaft ist. Tiefengewebsmassagen, das Stechen mit spitzen Stäben, Schröpfen oder das Ausspucken zerkauter Kräuter auf den Patienten gehören zur Behandlung einfach dazu. Viele Reiseveranstalter sind inzwischen auf den «Eat Pray Love»-Zug gesprungen: Es gibt Pauschalreisen inklusive Heiler- und Wahrsagerbesuche. Ein gut organisierter Gesundheits- und Glückstourismus. Doch auch wenn «Ubud» übersetzt «Medizin» heisst, finden die meisten ihr Heil wohl eher auf andere Art und Weise. Durch lange Wanderungen inmitten grüner Reisfelder, den Besuch einer klassischen Tanzveranstaltung oder einfach durch das ständige Lächeln der Einwohner – nirgends auf ganz Bali sind die Bewohner so freundlich wie hier. Eine Freundlichkeit, die nach und nach auf den Besucher abfährt und durch die man die wahre innere Heilung erfährt.

Real existierende Figuren aus Eat Pray Love Ketut Liyer: Ketut ist klein und zusammengefaltet. Sein Alter wird auf etwa 80 Jahre geschätzt. Und er ist inzwischen sehr prominent. Sein Spezialgebiet ist das «Palmreading», also Handlesen – samt Lebensberatung. Die Sprechzeiten wechseln und der alternde Ketut ist etwas gesundheitlich angeschlagen. 25 Dollar muss man für eine kurze Sitzung bezahlen. Für 20 weitere Dollar kann man sogar auf dem Liyer-Grundstück übernachten. Fast jeder Taxifahrer kennt inzwischen den Weg zu Ketut. Wayan Nurasih: Nurashi, ein weiterer Star aus dem Film, wohnt im Herzen Ubuds. In ihrem Laden können Besucher über ihre körperlichen Beschwerden und deren Behandlungen sprechen. Elixiere, Vitamindrinks und spezielle Rohkostdiäten stehen hoch im Kurs. Eine Therapie kann aber schnell über 50 Dollar kosten, daher sei Vorsicht geboten, bei dem, was man vereinbart.

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B est H i d e away s 1. Amandari

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riedliche Geister», so lautet die Übersetzung des 1989 eröffneten Aman Resorts «Amandari», das im Herzen Balis in direkter Nachbarschaft zur Künstlergemeinde Ubud gegenüber des Dorfs Kedewatan liegt. Im Stil eines balinesischen Dorfes errichtet, schlängeln sich durch das Resort Gehwege aus Flussstein, vorüber an hohen Paras-Steinmauern der typisch lokalen Gebäude. Auch die Open-Air-Lobby wurde in ihrer Gestaltung einem «wantilan», dem typischen balinesischen Dorftreffpunkt, nachempfunden. Der Pfad, der durch das Amandari und das Tal zum Fluss hinabführt, ist heiliges Land. Über hunderte von Jahren hinweg haben Balineser zwei Mal im Jahr diesen Weg genommen, um hinab zu einem natürlichen Bassin mit heiligem Wasser zu gelangen. Oberhalb dieses aus Quellen gespeisten Beckens befinden sich drei Schreine sowie ein in den Felsen gemeisselter antiker Tiger.

Suiten & Villen: Steinerne Zugangswege im balinesischen Stil führen zu Amandaris 30 ummauerten, schilfgedeckten Suiten. Allen Suiten gemeinsam sind ein eigener Garten im Innenhof und ein Wohnbereich mit wandhohen Glastüren, die sich nach drei Seiten zur üppig bewachsenen Umgebung öffnen. Sie sind alle aus lokalen Materialien gestaltet: Holz, Rattan und Kokos­ stämme. Direkt vor der Suite befindet sich ein Garten oder, in manchen Fällen, ein privater Swimmingpool. Schmuckstück des Resorts: Die Amandari Villa mit atemberaubendem Blick über das Ayung-Tal entfaltet sich auf einer Fläche von 1 728 Quadratmetern und besteht aus fünf Pavillons: drei alleinstehende Schlafzimmerpavillons

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im Terrassenstil, ein separater, vollständig verglaster Wohnpavillon sowie ein Pavillon für Küche und Personalunterkünfte. Ein Outdoor-Dining-Bale liegt inmitten schimmernder Teiche. Ein Garten sowie ein bepflanztes Deck umgeben den ausgedehnten zweistufigen Swimmingpool, der – ebenfalls als eine Referenz an die umgebenden Reisfelder – mit hellgrünen Kacheln verkleidet ist. Fürs Wohlbefinden: Umgeben von einem Lotusteich, scheint Amandaris Spa friedlich über dem Wasser zu schweben. Es bietet zwei Open-AirBales, einen Schönheitssalon, eine Sauna und einen Marmor-Dampfraum. Private Yoga-Stunden in einem reizvollen Outdoor-Setting sind bei Amandaris Yogalehrer buchbar. Für Abkühlung oder Bewegung sorgt Amandaris 32 Meter langer, smaragd-schimmernder Swimming Pool in atemberaubender Lage nah am Rande der Schlucht. Aktiv: Das Amandari bietet einige spektakuläre Touren an, darunter ein Spaziergang durch das Ayung-Tal, vorbei an heiligen Schreinen, Reis­ terrassen, Mango-, Kaffee- und Nelkenbäumen, bis hin zum Taman Burung-Vogelpark.


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Rubriken

B est H i d e away s 2. The Chedi Club – Tanah Gajah

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ie Balinesen werden für ihre beeindruckende Fähigkeit bewundert, Schönheit und Anmut in alltäglichen Dingen zu würdigen. Hotelier Adrian Zecha liess sich von dieser Philosophie inspirieren, als er das Konzept für The Chedi Club Tanah Gajah entwickelte. Ursprünglich wurde das Gelände in den frühen 80er-Jahren von dem renommierten indonesischen Architekten und Innendesigner Hendra Hadiprana als Rückzugsort für seine Familie und Freunde entworfen. Heute steht der Chedi Club seinen Gästen als eine Oase der Ruhe, inmitten von insgesamt fünf Hektar grossen Reisfeldern, offen. Im Eingangsbereich sorgen mit Blumen geschmückte Skulpturen der Gottheit Ganesha für eine spirituelle Atmosphäre. Auf dem Gelände befinden sich Lotusteiche, Reflexionsbecken und private Villen.

Suiten & Villen: Die Innenbereiche aller Unterkünfte fügen sich harmonisch in die Landschaft ein. Für jede Villa steht ein Butler zur Verfügung, der den Gästen beim Auspacken sowie am Pool zur Verfügung steht. Jede der 20 Villen und Suiten ist mit Kunstwerken der Privatsammlung Hendra Hadipranas ausgestattet. Schmuckstück des Resorts: Die 280 Quadratmeter grosse Poolvilla. Im privaten 10-Meter-Pool zu schwimmen und dabei auf grüne Reisfelder zu schauen, ist ein Erlebnis ganz besonderer Art. Die Offenheit zur Natur und dabei ein solch grosses Mass an Privatheit zu haben, sucht ihresgleichen. Hier wundert es nicht, dass es die meisten Gäste trotz der Nähe zu Ubud vorziehen, auf dem Resortgelände zu bleiben.

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Fürs Wohlbefinden: Nicht nur das Spa und die Swimmingpools tragen zum allgemeinen Wohlbefinden bei, sondern auch der neue Chefkoch Khairudin «Dean» Nor. Das weitreichende Angebot an Biogemüse, die umliegenden Fischteiche und die Reisfelder liefern Dean Inspiration und Ingredienzen sozusagen auf dem Silbertablett. «Einfach und elegant», so bezeichnet Chefkoch Dean seine aktuelle Auswahl an Gerichten: Auf der Vorspeisenkarte stehen Kreationen wie Sop Buntut Oxschwanz Suppe und roter Bio-Quinoasalat, als Hauptspeise werden gebratener Riesenseebarsch, Entenbeinconfit oder Tournedos Rossini angeboten und als Dessert kreative Leckereien wie kalte Ananassuppe und Maracujafruchtmousse. Aktiv: Exklusiv für Gäste des The Chedi Club Tanah Gajah öffnet die Familie Hadiprana, bekannt als Sammler und Mäzene indonesischer Kunst, die Tore ihres privaten Anwesens Duadari. Für die Teilnahme an den «Art Expressions» sind keine Vorkenntnisse zur Verwendung von Acrylfarben vonnöten, denn es steht ein professioneller, einheimischer Künstler bereit, der bei Bedarf den Kunstinteressierten Hilfestellungen bietet.


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Ich bin nicht die gleiche Person bei jedem Flug. Meine Welt ist luxuriös und ich lebe meine Stimmungswechsel. Eine persönliche Begleitung durch das Check-in und die Passkontrolle an Bangkoks Flughafen Suvarnabhumi geniesse ich immer, auch werde ich dort mit einer Spa-Behandlung verwöhnt. An Bord, eine erlesene Gourmetselektion, Privatsphäre-Optionen mit dem zum bequemen Bett wandelbaren Sitz und immer neuesten Unterhaltungsprogramm, was möchte ich heute? Das muss ich jetzt noch nicht entscheiden. An Bord der Royal First Klasse wähle ich, was und wann ich will. Ich fliege THAI.

Information und Reservation: T 044 215 65 00, www.thaiair.ch, reservation@thaiair.ch oder in jedem Reisebüro.


CULTURE

Culture 61 GOODBYE BABYFACE LEONARDO DICAPRIO

80 BIRKIN & GAINSBOURG JE T’AIMAIS

67 RICHARD BRANSON LIKE A VIRGIN

82 REGISSEUR UND WINZER FRANCIS FORD COPPOLA

68 WORLD WIDE GIRLS FASHION AROUND THE WORLD

84 ANYA BARTELS-SUERMONDT SPANISCHE LEIDENSCHAFT

72 MEYER LANSKY DER BANKIER DER MAFIA

92 Baroque Beaux-arts

78 KUNSTWELTEN BOOKS & NEWS

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94 DAS TOR NACH LAPPLAND KULTUR AUS DEM HOHEN NORDEN


Goodbye Babyface Leonardo

DiCaprio Der Bart und die Extrakilos stehen ihm gut. Mit bald 40 ist Leonardo DiCaprio endlich auch optisch zum Mann gereift. Doch warum schläft er nur mit Models? Wieso trägt er immer S ­ chweizer Uhren? Und weshalb spielt er im Kino nie ­Superhelden? Hier kommen die Antworten. Dominique Zahnd

Blood Diamond (2006). © Warner Bros.

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CULTURE

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eine Filmpremiere war ein Hit und der ausgeschenkte Champagner beim anschliessenden Empfang lecker. Jetzt stehen wir zusammen in der geschmackvoll beleuchteten Lobby des Hotels Carlton in Cannes (F). Leo ist gut drauf, scherzt, strahlt, bis der Schauspieler den Fotografen bei der Eingangstür entdeckt, der auf ihn zugestürzt kommt. Das Lächeln verschwindet sofort aus seinem Gesicht. Der Hollywoodstar duckt sich und versucht, sich hinter den breiten Rücken von ein paar Freunden zu verstecken. Der Paparazzo hat keine Chance, ein halbwegs anständiges Bild zu schiessen. In Kauerstellung drängt DiCaprio dem Ausgang entgegen. Seine Limousine wartet bereits mit laufendem Motor. Tür auf, Tür zu – und schon verschluckt ihn das Dunkel der Nacht.

Augen schauen. Sein Gesicht zeigt nie eine Regung. Er riecht nicht nach Aftershave und sieht alterslos aus. Passt ihm eine Frage nicht, wiederholt er sie erst laut mehrmals, bis er eine einsilbige Antwort gibt. Als Fan seiner Arbeit könnte man seine Zurückhaltung auch als extreme Coolness auslegen. Doch das gefällt ihm ebenfalls nicht. «Ich bin ein Nerd, ein stinknormaler Typ. Ich mag keine coolen Leute. Die meisten meiner Freunde sind Nerds. Die würden verrückt spielen, wenn sie hörten, ich sei cool.»

Flucht dank Hustentrick

Leo, ein Normalo? Ein stinknormaler Typ? So ganz passt das nicht zum Bild, das der Rest der Welt von ihm hat. Da wäre zum Beispiel die Tatsache, dass er nur mit Models ausgeht. Seine Lippen h ­ aben unter anderem schon Kate Moss, Eva ­Herzigova, Bridget Hall, Kristen Zang, Amber Valletta, Erin Heatherton, Gisele Bündchen, Bar Rafaeli und Toni Garn geküsst. Die Mädels haben (fast) alle etwas gemeinsam: einen Traumbody und blonde Haare.

Leonardo DiCaprio definiert sich über seine Arbeit. Er ist mit Leib und Seele Schauspieler. Doch Fotoshootings, Interviews und kreischende Fans nerven den Star. Der 39-Jährige – im November wird er 40 – kennt allerdings diverse Tricks, wie er bei öffentlichen Anlässen schnell davonhuschen kann. Beliebteste Taktik: die Hustenattacke. Die setzt der Amerikaner besonders gern auf dem roten Teppich ein. Das sieht dann so aus: Erst senkt er den Kopf bis auf die Brust und hält die rechte Hand als Faust geballt vor den Mund, als würde er einen Hustenanfall stoppen wollen. Damit ist sein Gesicht verdeckt – und damit kein geeignetes Fotomotiv mehr –, zudem hat er eine gute Entschuldigung weiterzugehen.

Ferien in Deutschland Ein Star zum Anfassen, das war er nie. Und wehe dem, der es während des Interviews wagt, allzu private Fragen zu stellen. Dann verstummt der Charakterdarsteller und mutiert zum Eisklotz. Gleichzeitig droht sein Pressebetreuer damit, das Gespräch beim nächsten Ausrutscher auf der Stelle zu beenden. Zu Journalisten ist Leo grundsätzlich höflich, bleibt aber distanziert. Leonardo DiCaprio kann seinem Gegenüber nicht länger als drei Sekunden in die

Vor den Traualtar konnte ihn allerdings noch keine zerren. Obwohl, Bar Rafaeli war nah dran. ­DiCaprios deutsche Mutter Irmelin hatte die hübsche Israelin bereits ins Herz geschlossen. Die beiden kochten oft zusammen. Und Bar spielte gern mit «Django», Irmelins französischer Bull-

«Dank Titanic kann ich jetzt

alle Rollen spielen, die ich will.» Der Duft des Untergangs

Es gibt auch ein «Titanic»-Herrenparfüm. ­Leonardo DiCaprio entdeckte es per Zufall bei einem Filmdreh in Afrika und amüsierte sich königlich darüber. Denn das Duftwasser war in 14 verschiedenen Noten erhältlich – von «männlich» bis «wahnsinnig männlich».

Titanic (1997), mit Kate Winslet. © 20th Century Fox

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«Ich bin besessen von meiner Arbeit.» Inception (2010). © Warner Bros.

dogge. Leo hat seinen Modelschatz auch mit nach Deutschland genommen und seiner Grossmutter Helene Indenbirken vorgestellt. In Oer-Erkenschwick bei Dortmund, in einem Mehrfamilienhaus in der Kampstrasse, machte der Star als Kind oft Ferien. Ein Nachbar von damals erinnert sich: «Er war im Schwimmbad, ist mit dem Rad herumgekurvt und hat sogar bei einem Breakdance-Wettbewerb mit­gemacht.» Und DiCaprio sagt: «In meinem Film ‹Wolf of Wall Street› zeige ich ein paar meiner alten Moves. Als Teenager habe ich bei einem Wettbewerb in Deutschland mal eine Silber-Trophäe gewonnen. Ich bin bis heute der M ­ einung, ich hätte den ersten Platz verdient gehabt.» Der Schock war gross, als Oma Helene im August 2008 im Alter von 93 Jahren verstarb. Der Schauspieler ist aber nicht sofort in seine alte Heimat geflogen. Er wartete erst ein paar Tage, bis sich alle Paparazzi verzogen hatten. Erst dann verabschiedete er sich von seiner Grossmutter auf dem Waldfriedhof. Übrigens ohne Freundin Bar an seiner Seite, da die ihr Engagement an der Fashion Week in New York nicht so kurzfristig absagen konnte. Deutschland – das Land und die Kultur haben ihre Spuren bei DiCaprio hinterlassen. Was nur wenige wissen: Er spricht ganz passabel Deutsch. «Ich komme damit durch, kann Essen bestellen, nach dem Weg fragen. Aber ein stimulierendes, intellektuelles Gespräch – das wird mir nicht gelingen», sagt er. Ist er in den USA, vermisst er die deutsche Kost. Er ist verrückt nach Curry­wurst, sein Lieblingsessen sind aber Kartoffelpuffer. «Immer, wenn ich in Deutschland bin, nehme ich ein paar Kilos zu. Ich liebe deutsches Essen und stopfe mich voll, bis nichts mehr reinpasst.»

Seine Haltung ist «deutsch» Seine Mutter war in den Fünfzigern nach Kalifornien ausgewandert. Ihr Sohn wuchs in Los Angeles auf. Doch es hat ihn immer wieder nach Deutschland – ins beschauliche und geordnete Provinzleben – gezogen. Auch nach dem Durchbruch mit «Titanic». «Meine Oma und meine Mutter hat der ganze Rummel um meine Person nie beeindruckt. Deshalb bin ich nie abgehoben. Sie haben mir beigebracht, immer offen und ehrlich zu sein. Auch wenn ich damit anecke. Es ist mir egal, was die Leute von mir denken», sagt der Star. «Diese

Haltung empfinde ich als sehr deutsch – und die werde ich hoffentlich für immer behalten.» Für DiCaprio zählt nur der Job und den will er gut machen. Vier Oscar-Nominationen sprechen eine deutliche Sprache. Leonardo DiCaprio hat ein sehr gutes Händchen bei der Rollenauswahl. Er gilt als einer der begabtesten und präzisesten Schauspieler Hollywoods. Spannende Charaktere zu verkörpern, das treibt ihn an. Er sagt: «Ich will grossartige Filme drehen, einen nach dem anderen. Ich bin besessen von meiner Arbeit. Und ich kenne auf dem Set keine Zurückhaltung. Ich sage allen Autoren und Regisseuren, mit denen ich zu tun habe, was mir gefällt und was nicht. Manchmal fliegen die Fetzen, aber das finde ich gar nicht so schlecht.» Denn der Schauspieler kennt seinen Marktwert und setzt ihn bewusst ein. «Momentan habe ich die Macht, dass ich mit meinem Namen Filme finanzieren kann. Das muss ich ausnutzen.» Mit grossen Honoraren allein kann man den Star aber nicht vor die Kamera locken. Für ihn ist das Drehbuch ausschlaggebend. «Ich kann reinen Gewissens behaupten, noch nie einen Film nur fürs Geld gemacht zu haben. Deswegen drehe ich auch keine Science-Fiction- oder SuperheldenStreifen.» DiCaprio interessieren echte Menschen und gelebte Schicksale. Darum ist er sich auch für seichte, romantische Komödien zu schade. «Ich mag keine traditionellen Liebesgeschichten. Sie sind mir zu kitschig. Auch für die Rolle des Romeo in ‹Romeo und Julia› entschied ich mich nur, weil ich die moderne Fassung des Films interes-

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Django Unchained (2012).

© Walt Disney Studios

«Ich liebe

deutsches Essen – vor allem Currywurst und Kartoffelpuffer.» sant und den Regisseur toll fand.» Und seinen grössten Hit «Titanic» (1997, mit 11 Oscars ausgezeichnet) kann man auch nicht als typische Romantic Comedy abtun. Der zweiterfolgreichste Film aller Zeiten war Desaster-Movie, Actionfilm und Liebesdrama zugleich. Seither ist er ein Superstar. Wie sieht er heute seinen damaligen Durchbruch? DiCaprio: «Ich bin diesem Film immer noch dankbar. Wegen ihm kann ich jetzt alle Rollen spielen, die ich will. Aber auf das, was damit verbunden war, war ich überhaupt nicht vorbereitet.»

Keine Zeit für Fanpost Damit meint er die Kreation des «Medienmonsters Leo». «Ich habe den Rummel an den Filmpremieren als nicht mehr real empfunden, ich fühlte mich wie ein Ausserirdischer. Die Mädchen waren eine anonyme Wand schreiender Münder. Wer so mit Bewunderung überschüttet wird, dem fällt es schwer, noch wie ein Mensch zu empfinden.» Seit den 90er-Jahren ist sein Briefkasten voll mit Fanpost. Lesen tut er sie kaum – ihm fehlt die Zeit dafür. «Aber ein Freund schaut sie für mich durch und gibt mir die verrücktesten und lustigsten Briefe zu lesen. Manche Mädchen schreiben echt bizarre Sachen.» Seit sein Bekanntheitsgrad explodiert ist («Ich werde selbst im Amazonas erkannt.»), jagen ihn auch die Paparazzi. «Jedes Mal, wenn ich mich über sie oder die Klatschblätter aufrege, komme ich mir wie ein oberflächlicher Idiot vor. Es gibt schliesslich Wichtigeres auf der Welt als die Probleme von Promis. Ich gebe zu, ich hasse viele von diesen Paparazzi, weil sie mein Leben schwer machen. Ich wünschte, sie würden mich in Ruhe lassen. Aber was soll’s: Ich habe gelernt, damit zu leben.» Ins Rampenlicht hat es ihn schon früh gedrängt. Er liebte es bereits als Kind, andere zu unterhalten. «Ob das nun mit Breakdancing oder irgendeinem an-

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William Shakespeares Romeo & Julia (1996). © 20th Century Fox

deren Quatsch war, ich wollte Aufmerksamkeit. Das ist in meinem Blut.» Zu Hause hat er oft die Gäste imitiert, nachdem sie gegangen waren. Damit brachte er seine Eltern immer zum Lachen. Irgendwann wurde ihm klar, dass Entertainer ein Beruf ist. Beeindruckt hat ihn damals auch sein Stiefbruder Adam. Der verdiente durch einen Auftritt in einem Werbefilm 50 000 Dollar. Das wollte Leo auch – und seine Eltern unterstützten ihn dabei. Sie trennten sich, als er ein Jahr alt war. «Trotzdem haben sie sich nie scheiden lassen und mich gemeinsam und sehr liebevoll aufgezogen», erinnert sich der Star. Sein Vater George DiCaprio war lange Zeit sein grosses Vorbild. Dieser war in den Sechzigern ein Beatnik, zeichnete Comics und lebte wie ein Bohemien. «Er ist für mich eine Art Buddha. Von ihm habe ich meinen eklektizistischen Geschmack für alles Künstlerische, Politische und Spirituelle.» So romantisch das alles auch klingt, seine Kindheit war nicht nur von purer Idylle geprägt. Denn Echo-Park, der Stadtteil, in dem er damals mit seiner Mutter in Los Angeles lebte, ist bekannt für seine hohe Kriminalitätsrate. Drogen waren all­ gegenwärtig, der Junge sah jeden Tag Junkies. DiCaprio hat selbst nie Drogen angerührt. «Sie


Paradeplatz, Zurich


CULTURE

unterdrücken nur den Selbsthass. Ich glaube, viele, die in Hollywood Drogen nehmen, wollen sich einfach selbst bestrafen», sagt der Schauspieler. Um auf die Gefahren des gefährlichen Konsums aufmerksam zu machen, drehte er 1995 das Drama «The Basketball Diaries».

Das Sparen antrainiert Dass er als Kind arm war, hat Leonardo DiCaprio geprägt. Denn ihm wurde täglich vor Augen geführt, wie die anderen, die Reichen, in Beverly Hills leben. «Ich ging mit ihnen zur Schule und sah diese Welt, die nicht meine war.» Heute ist Leo reich. Doch trotz seiner hohen Gagen hat er das Sparen nicht verlernt. «Wenn ich es vermeiden kann, verzichte ich im Hotel auf eine Cola für fünf Dollar und kaufe mir für den gleichen Preis eine Sechserpackung um die Ecke.» Doch mit genug Geld auf dem Konto kann man anderen auch leichter helfen. Das tut er. Seine Mutter Irmelin regelt alles Finanzielle, sie ist auch die Geschäftsführerin ­sei-

Auch Stars sind nur Menschen Seine Anhänger halten ihn für perfekt, doch ­DiCaprio kämpft täglich gegen Zwangsneurosen. Der Schauspieler sagt: «An Flughäfen möchte ich auf jeden weggeschmissenen Kaugummi treten. Ich muss mir dann klar machen, dass ich nicht jedes Mal 20 Meter zurückgehen muss, um meinen Fuss auf so einen Kaugummi zu setzen.»

The Great Gatsby (2013). © Warner Bros

ner Umweltorganisation «11th Hour Action». Der Star spendet und sammelt regelmässig für gute Zwecke. «Meine Stiftung hat kürzlich 38 Millionen Dollar bei einer Auktion zusammengebracht – damit haben wir unter anderem in Nepal Schutzgebiete für Tiger eingerichtet», sagt DiCaprio. Zwei seiner Leidenschaften – die Natur und schicke Uhren – konnte er übrigens bei Schweizer Projekten vereinen. Gemeinsam mit dem traditionsreichen Uhrenhersteller Jaeger-LeCoultre entwarf er gemäss dem Motto «Time to Care» eine Kollektion von Luxusuhren. Der gesamte Erlös dieser Kooperation wurde für Öko-Projekte und Artenschutz eingesetzt. Jede Uhr kostete rund 300 000 Dollar, inklusive eingravierter DiCaprio-Signatur. Und bei der Schweizer Uhrenmarke TAG Heuer löste Leonardo DiCaprio seinen Kollegen Brad Pitt als Werbegesicht ab. Auch für diese Marke entwarf er seinen eigenen Zeitmesser, den «Auqaracer 500M Calibre 5 Limited Edition Leonardo DiCaprio». Ein Teil der Einnahmen floss ebenfalls in den Umweltschutz. Zeit für solche Projekte hat er nur in Drehpausen. Doch die sind selten, weil er zu gern arbeitet. Der Schauspieler ist regelrecht süchtig danach, in neue Figuren zu schlüpfen. «Wenn ich mit einer Rolle verschmelze, spüre ich das in jeder Zelle meines Körpers. Für diese Sekunden lebe ich», sagt er. In H ­ ollywood gehört er längst zur A-Liga. Beachtlich, wenn man bedenkt, dass der Amerikaner nie einen Fuss in eine Schauspielschule gesetzt hat. Spielberg, Cameron, Tarantino, Luhrmann, Eastwood, Mendes – DiCaprio hat sich schon für etliche der grossen Visionäre vor die Kamera gestellt. Doch zu Martin Scorsese pflegt er die innigste Beziehung. Nach «Gangs of New York» (2002), «The Aviator» (2004), «The Departed» (2006) und «Shutter Island» (2010) markiert «The Wolf of Wall Street» (2013) ihre fünfte Zusammenarbeit. «Wir mögen die gleiche Musik, die gleichen Filme – und uns ist auch das Gleiche zuwider. Wenn uns zum Beispiel etwas in einer Szene nicht gefällt, dann müssen wir das gar nicht erst aussprechen. Wir beide sind von unserer Arbeit besessen, wir vertrauen einander», sagt der Schauspieler. Und schwärmt dann weiter: «Marty hat mir geholfen, als Schauspieler ein ganz neues Niveau zu erreichen.»

«Es ist mir egal, was die Leute von mir denken.»


Like a Virgin Richard Branson

Er ist der viertreichste Mann Grossbritanniens. Zu seinem riesigen Firmenimperium der «Virgin Group» gehören weltweit über 400 Firmen. Den Grundstein legte er mit einem Plattenlabel. Hinzu kam unter anderem eine Fluglinie, eine Eisenbahn und ein Mobiltelefonbetreiber. Zudem gehört ihm die «Virgin Limited Edition», hinter der sich einzigartige Ferienanlagen verbergen: eine private Insel, eine Anlage in den Bergen, ein Wildreservat, die Villa Catamaran, eine Lodge, ein Restaurant und ein privater Club für Mitglieder. Mit «Virgin Galactic» gründete Sir Richard Branson das ambitionierteste Projekt der Virgin Gruppe. Viele sehen darin den Beginn eines neuen Tourismus – Weltalltourismus. Branson selbst steckt der Abenteurer im Blut. Von der Ballonfahrt über Kitesurfen bis zum Klettern – er lässt nichts aus, was Nervenkitzel oder Weltrekorde verspricht.

3 Fragen Was haben Ihre Lehrer über Sie in Ihrer Schulzeit gesagt? Richard, entweder Du kommst ins Gefängnis oder Du wirst Multimillionär.

Was war Ihre erste Business-Idee? Mit neun Jahren habe ich auf dem Grundstück meiner Eltern kleine Weihnachtsbäume gesetzt, in der Hoffnung, dass sie, bis zu meinem Schulabschluss gross genug sind, um sie für viel Geld zu verkaufen. Aber die Hasen haben sie alle aufgefressen.

Sind Sie glücklich? Ich denke, ich bin eine der glücklichsten Personen auf der Welt. Auch wenn ich häufig weine. Meine Kinder haben immer schon eine Packung Taschentücher dabei, wenn sie mit mir ins Kino gehen. Lustige Geschichten, traurige Geschichten, ich weine immer.

«Was der schnellste Weg ist, Millionär zu werden? Borg Dir 5er von jedem, den Du triffst.»

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Watches & Jewellery

101 BASELWORLD Das Uhrenjahr 2014 103 Bucherer presents 107 Gübelin presents 109 La Serlas Presents 111 Beyer Presents 115 Meister Juwelier Presents 117 Les Ambassadeurs Presents 118 Frank’s way Shooting by Gianni Pisano 132 SCHMUCKUHREN Glitzernde Zeitmesser 135 Chopard Presents 136 PERLEN Tränen des Meeres 140 FABERGÉ Der Hofjuwelier des Zaren 143 GELBE DIAMANTEN Luxus trifft auf Wertanlage 146 ANTIKE UHREN Frühe Genfer Uhren

ca r r e r a y ca r r e r a

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WATCHES & JEweLLERY

Das Uhrenjahr

2014 beginnt

Neuigkeiten

von A bis Z

The Show must go on. Nach diesem altbewährten Motto handelt die erfolgsverwöhnte Uhrenindustrie von Jahr zu Jahr. Will heissen: Neue Modelle, Uhrwerke, Komplika­ tionen und Materialien sollen, ja müssen das internationale Publikum faszinieren. Die Resultate vielfältiger Bemühungen zeigten sich während des Genfer Uhrensalons und wie immer auch in seinem Umfeld. Die Trends des Jahres lauten innovative Mechanik, ausdrucksstarke Farben, elegantes flaches Outfit, hochwertige Skelettkunst, reduzierte Dimensionen und einmal mehr faszinierender Retrolook. Die 1950er- bis 1970er-Jahre leben neben dem Zeitgeist unserer Tage munter fort. Klassik überlebt sich nicht. Gisbert L. Brunner

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WATCHES & JEweLLERY

Die Geschichte der Manufaktur ­Roger ­Dubuis begann 1995 mit dem gleichnamigen Uhrmacher. An ersten Armbanduhren des Genfer Startup er­ innert die vergleichsweise schlichte Linie «Hom­ mage». Zur Genfer Uhrenmesse wartete das mittlerweile zum Richemont-Konzern gehörende Unternehmen mit einem neuen Chronografen auf, dessen Rotgoldgehäuse 42 Millimeter zwischen die Backen einer Schieblehre bringt. Selbstver­ ständlich tickt im Inneren der bis 30 Meter was­ serdichten Schale exklusive Manufakturarbeit. Ganz konkret handelt es sich um das 13 ¾-­linige (Durchmesser 31 Millimeter), 6,3 Millimeter hohe Kaliber RD680, welches die Uhrmacher aus 261 Komponenten zusammenbauen. Das Spannen der Zugfeder besorgt ein in die Werksebene inte­ grierter Mikrorotor. In voll aufgezogenem Zustand beträgt die Gangautonomie zwei volle Tage. Vier Hertz Unruhfrequenz gestatten das Stoppen von Zeitintervallen auf die Achtelsekunde genau. Ein Totalisator erfasst bis zu 30 Umläufe des zentralen Chronografenzeigers. Wie in guten al­ ten Zeiten steuert ein klassisches Schaltrad die drei zeitschreibenden Funktionen Start, Stopp und Nullstellung. Bei genauem Betrachten des sorgfältig finissierten Mikromechanismus sticht zwangsläufig das für Qualität und Ganggenauig­ keit bürgende Genfer Siegel ins Auge.

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BUCHERER PRESENTS

L ebensfreude und D olce V ita Der Bucherer-Klassiker ÂŤLacrimaÂť frisch interpretiert. Sechs Jahre nach der Lancierung wird die sinnliche Kollektion aus dem Hause Bucherer mit bezaubernden Kreationen im modernen Stil erweitert. Die Kollektion widerspiegelt die Vielfalt und den Reichtum des Lebens auf der italienischen Piazza und ist Ausdruck der Passion wie auch der Handwerkskunst des Hauses.

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DRIVE STYLE

Drive-

style

151 GEBURTSSTUNDE EINES MYTHOS SILBERPFEIL 156 KÖNIGSKINDER SONDERANFERTIGUNGEN SCHNELLER FLITZER 159 NIKI LAUDA DIE RENNSPORTLEGENDE 162 LEINWANDFIEBER GEMALTE RENNWAGEN 168 AUTOMOBILMUSEEN MOTORISIERTE SPURENSUCHE 172 GIRLS ON BIKES FASHION MEETS SCOOTER

M A ttel

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DRIVE STYLE

geburtsstunde

Eines MYTHOS Die Legende des Silberpfeils Der Ausdruck «Silberpfeil» soll auf eine Behelfslösung am Mercedes-Benz W25 zurückgehen. Doch auch ohne die umstrittene Legende schrieb der Kompressor-Wagen Motorsportgeschichte Adriano Cimarosti

Collection Maniago, Werk

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DRIVE STYLE

N

ürburgring, 2. Juni 1934: Beim Eifelrennen geht Mercedes mit einem komplett neuen Rennwagen an den Start. Das Auto heisst W25 und entspricht der in jener Saison eingeführten 750-Kilo-Formel, welche das erlaubte Höchstgewicht umschreibt. Wie für deutsche Mann­ schaften traditionell üblich sind die beiden antretenden W25 weiss lackiert – und bringen beim Wiegen drei Pfund zu viel auf die Waage. Die Truppe ist ratlos: Schon am nächsten Tag wird das Rennen stattfinden – und was soll man an einem auf Leichtbau getrimmten Wagen noch abbauen? «Jetzt sind wir die Gelackmeierten!», bringt es ein Mechaniker auf den Punkt und liefert die passende Antwort gleich mit: Über Nacht – so geht die von Mercedes kolportierte Legende – werden alle Verkleidungen bis aufs blanke Alublech abgeschliffen und so die nötigen Pfunde abgespeckt, anschliessend siegt der Bolide souverän. Für den ehrfürchtigen Spitznamen «Silberpfeil» sorgt dann der Volksmund, denn künftig wird auch Mercedes – die Auto-UnionBoliden gingen so bereits beim Avus-Rennen im Mai an den Start – nur noch in dieser Farbe antreten.

Ob erster Silberpfeil oder nicht: Der W25 begründet auf jeden Fall einen Mar­ ken-Mythos von Überlegenheit und Ruhm, was ihn bis heute so faszinierend macht. Denn es sind diese silbrig glänzenden Rennwagen aus Deutschland, die den internationalen GP-Sport künftig nach Belieben dominieren werden. Rückblende in die Vorgeschichte der wirtschaftlich angespannten Jah­ re 1930/1931: Grosse Automobilwerke übten sich damals im Rennsport in Zurückhaltung. Mercedes-Benz sollte bis 1932 bei einigen Rennen noch mit den fast 1,6 Tonnen schweren «weissen Elefanten» SSK oder SSKL an­ treten, deren 7065 cm3 grosser Sechszylinder-Kompressor einst von Prof. Ferdinand Porsche konstruiert worden war. 1931 gewann Rudolf Caracciola auf einem solchen Auto das Berliner Avus-Rennen; auch bei der Mille Mig­ lia siegte er. Im folgenden Jahr dominierte von Brauchitsch auf SSKL (mit Stromlinienverkleidung von Freiherr Reinhard Koenig-Fachsenfeld) mit einem Durchschnitt von 194 km/h auf der Avus, allerdings vor schwacher Konkur­ renz. Alfa Romeo brachte 1932 unter Vittorio Jano zwar den 700 kg leichten Typ P3 mit 2,7-Liter-Achtzylindermotor; Tazio Nuvolari sicherte sich mit ihm gleich den Grossen Preis von Italien. Doch die Mailänder zogen sich dann per Ende Jahr vom Rennsport zurück und überliessen 1933 ihr gesamtes Rennmaterial der Scuderia Ferrari aus Modena. Anders bei Mercedes: Nach den Jahren der Rezession wagte man den Neuanfang auf der Piste. Im Hinblick auf das 1934er-Reglement entstand in Untertürkheim unter der Gesamtleitung von Dr. Hans Nibels ein moderner Monoposto mit aufgeladenem Achtzylinder-Reihenmotor, für dessen Konst­ ruktion Albert Hess verantwortlich zeichnete. Der Hubraum des Triebwerkes mit Kompressor und zwei Druckvergasern betrug ursprünglich 3360 cm3, doch schon bald ging man auf 3710 und schliesslich auf 3990 cm3 über. Das Triebwerk besass vier Ventile pro Zylinder, welche von zwei obenliegenden Nockenwellen betätigt wurden; die Aufladung besorgte ein Roots-Flügel­ kompressor. Im Rahmen der 750-kg-Formel machte auch das Fahrgestell konstruktiv grosse Fortschritte, nachdem die zwanziger Jahre diesbezüglich eine Stagnierung gebracht hatten. Damals konzentrierten sich die Konstruk­ teure noch auf die ständig mittels stärkerer Aufladung erzeugte Leistungs­ steigerung. Nun wich das veraltete Starrachsprinzip einer Einzelradaufhän­ gung rundum – vorne mit Querlenkern und Schraubenfedern, hinten als

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DRIVE STYLE

Pendelachse mit Querblattfedern. Die Federung wurde allgemein weicher ausgelegt, aber auch straffer gedämpft. Aus Balance-Gründen verblockte man das Getriebe in Transaxle-Bauweise gemeinsam mit dem Differential an der Hinterachse. Mit dem fertigen Rennwagen führte Mercedes-Benz im Januar 1934 auf der Autobahn Mailand–Como erste Probefahrten durch, danach wurden die Testfahrten auf dem Nürburgring fortgesetzt. Beim Avus-Rennen vom 27. Mai sollte das erste und von ganz Deutschland mit Spannung erwartete Zusammentreffen mit den unter der Gesamtleitung von Professor Porsche

entstandenen Auto Union erfolgen, deren V16 vor der Hinterachse eingebaut war – eine damals re­ volutionäre Anordnung. Doch wenige Tage zuvor entschied sich Mercedes-Benz, auf den Einsatz des W25 zu verzichten, weil der Wagen noch nicht einsatzbereit war. Auto Union hingegen hat­ te schon beim ersten Avus-Auftritt des 295-PSBoliden, der als Präsentation und Abnahmefahrt deklariert war, einen Erfolg verbucht, denn an die­ sem 6. März 1934 stellte Hans Stuck mit dem

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DRIVE STYLE

Mittelmotor-Neuling drei Weltrekorde auf. Auf den beiden zehn Kilometer lan­ gen Geraden kam der Auto Union Typ A auf 265 km/h. Das Avus-Rennen selbst gewann allerdings der Franzose Guy Moll auf Alfa Romeo P3 mit auf 2905 cm3 erhöhtem Hubraum und Stromlinienkarosserie. Zwei Auto Union (Stuck/von Liningen) schieden dagegen aus, während der dritte (Momberger) mit 225,8 km/h immerhin die schnellste Runde fuhr. Das Zusammentreffen der beiden Rivalen wurde nun auf das eingangs er­ wähnte Eifelrennen vertagt – und damit sind wir wieder am Anfang. Es geht über 15 Runden oder 342,15 km und Manfred von Brauchitsch siegt – vor Hans Stuck auf Auto Union und Louis Chiron auf dem Alfa Romeo P3. Der zweite W25-Pilot Luigi Fagioli fällt mit Zündproblemen aus, während Rudolf Caracciola nach seinem schweren Sturz von Monaco noch verletzt ist und gar nicht antritt. Der weitere Saisonverlauf bietet Höhen und Tiefen für den W25: Beim Grand Prix des ACF in Montlhéry bei Paris erleiden die deutschen Wagen eine Nie­ derlage, indem sie ausscheiden; es siegt der Monegasse Louis Chiron auf dem Alfa Romeo P3 der Scuderia Ferrari. Der Grosse Preis von Deutsch­ land findet Mitte Juli wieder auf dem Nürburgring statt und wird von Stuck

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auf Auto Union gewonnen, gefolgt von Fagioli auf Mercedes und Chiron auf Alfa Romeo. Die für den Grossen Preis von Belgien gemeldeten deutschen Wagen werden wieder zurückgezogen; es trium­ phiert der Franzose René Dreyfus auf Bugatti. Dazwischen, am 5. August, treten einige Spit­ zenfahrer beim renommierten Klausenrennen an, wo sich die Teilnehmer auf einer 21,5 km langen Schotterstrecke (!) bis zum Ziel auf 1948 m Höhe kämpfen müssen. Als favorisierte Gipfelstürmer stehen sich der von seinem Unfall gezeichnete Rudolf Caracciola auf Mercedes-Benz W25 sowie Hans Stuck auf Auto Union Typ A gegenüber. «Ca­ ratsch» (Startnummer 65) wirft mit 15’ 22,2“ eine neue Rekordzeit auf die Bahn, Stuck (Startnum­ mer 66) antwortet mit 15’25,4“, also mit einem für damalige Verhältnisse hauchdünnen Rückstand von 3,2 Sekunden. Diese Zeitjagd der Giganten schreibt Motorsportgeschichte.


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Bei der Coppa Acerbo bei Pescara zehn Tage später kommt mit Luigi Fagioli ein weiterer Mer­ cedes-Fahrer zum Sieg – vor den Alfa Romeo von Nuvolari und Brivio. Am 26. August folgt in Bern der Grosse Preis der Schweiz, den Hans Stuck mit seinem Auto Union im Regen dominiert, ge­ folgt vom Markenkollegen Momberger sowie von Dreyfus auf Bugatti. Anlässlich des 500,2 km lan­ gen Grossen Preises von Italien in Monza lösen sich Anfang September dann einige Fahrer am Steuer ab: Caracciola/Fagioli gewinnen auf Mer­ cedes vor Stuck/zu Leiningen auf Auto Union, dann folgen die Alfa Romeo von Trossi/Comotti und Chiron/Nuvolari. Die Leistung des mittlerweile auf 4310 cm3 ge­ brachten Achtzylinders (Werkcode: M25C) wird Ende 1934 bereits beachtliche 462 PS erreicht ha­ ben. Nach dem Tod von Dr. Nibels wird die techni­ sche Leitung 1935 auf Max Sailer übertragen. Der

in wesentlichen Details optimierte W25 ist nun kaum noch zu schlagen und durchläuft eine totale Erfolgssaison mit neun Siegen, wovon fünf bei klassi­ schen Grand Prix errungen werden. Caracciola gewinnt bei den Grossen Preisen von Monaco, Frankreich, Spanien, Belgien und der Schweiz, er siegt auch beim Eifelrennen sowie beim Grand Prix von Tripolis. Damit steht er als Europameister 1935 fest. Luigi Fagioli holt Platz 1 auf der Avus sowie in Barcelona. Eine noch bessere Rennsaison kann man sich in Untertürkheim kaum vorstellen und es soll auch eine der erfolgreichsten bleiben. Der W25 wird auch noch 1936 zum Einsatz kommen, dann allerdings als W25K mit einer verkürzten Karosserie, erneut höherem Hubraum von 4740 cm3 – und delikaterem Handling. Nur zwei Siege liegen drin, bevor Mercedes den ersten Silberpfeil zurückzieht und sich auf den W125 für die Saison 1937 konzentriert: Der wird ebenso ein Siegerauto wie der W154 von 1938. Die Legende vom W25 überstrahlt freilich alle beide: Gerade mal 15 Exemplare sind zwischen 1934 und 36 entstanden. Drei haben überlebt und sind ent­ sprechend kostbar, doch nur das heutige Werkauto ist fahrbereit. Man muss Mercedes dankbar dafür sein, dass dieser GP-Wagen instand gehalten und auch noch engagiert eingesetzt wird: Wer ihn einmal in Aktion gesehen und vor allem gehört hat, wird das nie vergessen!

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Fashion

fashion

179 KUNST AM LEIB ART MEETS FASHION 182 FASHION SHORTCUTS 184 MILANO MIA SHOOTING BY GIANNI PISANO 196 MODEILLUSTRATION FASHION AUS DEM HANDGELENK 198 SPORTLICH UNTERWEGS SPORTY OUTFIT 202 DER SPAZIERSTOCK ER LÄUFT WIEDER 209 PUNK AND FASHION VIVIEN WESTWOOD 210 KUNSTVOLL UMSCHMEICHELT EDLE SEIDEN-ACCESSOIRES

selected jewels

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Kunst am Leib

Art meets

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ModeschĂśpfer zeigen diesen FrĂźhling / Sommer ihre Liebe zur Kunst, indem sie ihre Kleider damit bedrucken. Die Symbiose von Kunst und Mode hat eine lange Tradition in der Modewelt und lebt gerade wieder auf. Kathrin Eckhardt


Fashion

E

s ist bunt auf den Laufstegen und in den Hallen in Paris und Mailand. Chanel in­ szenierte im Grand Palais eine kleine «Art Basel» in einer riesigen Betonhalle mit Plas­ tiken und Skulpturen. Bunt gekleidete Modelle beschreiten die Halle, die Augen geschminkt, als wären sie selbst ein Teil eines abstrakten Gemäl­ des und die letzten zehn Looks Chanels wurden von Aufdrucken beherrscht, die Karl Lagerfeld in seinen Ferien selbst gemalt hatte. Dazu läuft der passende Soundtrack von Jay-Z: «Picasso Baby».

Gemälde schmücken edle Roben Und auch die Kunstliebhaberin Miucca Prada zeigt diesen Frühling ihre Liebe zu Kunst so deutlich wie schon lange nicht mehr. Riesige Gemälde und Illustrationen zieren die Prada-Show-Location in ­ Mailand. Die Handschrift der Künstler erkennt man auf den Entwürfen der Kollektion der Italienerin wieder. Frauengesichter, die einen liebevoll anse­ hen oder bunte Regenbogen hängen als Kleider an den Modellen. Und sogar die sonst einfarbig liebende Jil Sander hat sich für bunte Drucke ent­ schieden, die ein bisschen an Konfetti oder eben moderne Kunst erinnern. Auch das Modehaus ­Céline traut sich, plakative Formen auf ihre simplen Entwürfe zu drucken, inspiriert vom französischen Fotografen und Künstler Brassaï.

Prada Donna Showspace

Wir erinnern uns bei diesen Beispielen an die Kollektionen aus den 80er-Jah­ ren von Yves Saint Laurent. Er war kunstbegeistert wie Miucca Prada, die in ihrem Hauptquartier in Mailand eine riesige Rutsche von Carsten Höller stehen hat, eine eigene Kunstsammlung mit über 1 000 Werken in der «Fondazione Prada» besitzt, künstlerische Filme produziert und Literaturpreise ausschreibt.

Kunst auf Couture-Kleidern Saint Laurent sammelte mit seinem Lebensgefährten Pierre Bergé diverse Werke, darunter ein Gemälde von Matisse, das 2009 nach dem Tod des De­ signers für über 32 Millionen Euro versteigert worden war. In den 80er-Jahren waren Matisses berühmte Blätter auf den Couture-Kleidern von Yves Saint Laurent zu sehen. Die Van-Gogh-­Jacken oder der bodenlange Matisse-Jupe und das Mondrian-Kleid sind ein paar Beispiele dafür, wie Saint Laurent Kunst in seine Kollektionen integrierte. Heute reproduzieren die Modeschöpfer nicht nur vorhandene Kunst auf ihre Entwürfe, sondern lassen extra Kunst für die Kleider anfertigen, so etwa ­Miucca Prada, die vier verschiedene Künstler da­ für engagierte. Oder die Designer schaffen die Kunst selbst, die auf den Klei­ dern zu sehen ist, wie Karl Lagerfeld für Chanel. Trotzdem distanzieren sich die Designer davon, selbst Künstler zu sein, geschweige denn zu behaupten, dass Mode Kunst sei. Die Kunst sei immer nur Inspirationsquelle für ihr Desig­ ner-Dasein, so äussert sich Miucca Prada sehr klar zum Thema. Kunst und Mode sind zwei eigenständige Welten und trotzdem gleichen sie sich. Die Kunst wie die Mode bestimmen den Puls der Zeit und sind deren Spiegelbild, sie lösen Denkanstösse aus und polarisieren. Diese Saison zele­ brieren die Designer die Nähe zur Kunst-Disziplin besonders schön. Die Mode feiert die Kunst und bemalt ihre Kleider, als wären sie weisse Leinwände und die Modelle lebendige Ausstellungsflächen.


Prada Donna

Chanel

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Fashion

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Beauty

217 MÄNNERKOSMETIK FALTEN SIND CHARISMATISCH 222 ADRIANA TRIPA DIE IMAGEMACHERIN

Beauty

224 WIE DUFTET 2014? DUFTREISE NACH FLORENZ 228 EWIGE JUGEND KURZE GESCHICHTE DER KOSMETIK

v e r sa c e

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Beauty

Je mehr

falten

DESTO

charismatischer Wer die Wahl hat, hat die Qual! Stimmt diese Aussage, haben es Männer leichter – auf alle Fälle in einer Parfümerie. Blickt man sich hier um, wird klar, warum: Der Anteil von ­ausgewiesenen Herren-Produkten ist im Vergleich mit den Damen-Produkten verschwindend gering. Valeska Jansen

A nann é

A c c a K appa

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Beauty

G

anz besonders auf dem Gebiet der Pflege werden Männer im Verhältnis zu Frauen «unterversorgt». Und das, obwohl seit einigen Jahren immer behauptet wird, dass sich das Schönheitsbewusstsein des Mannes extrem verändert hätte. Zum Positiven natürlich. ­Liessen sie früher nur Wasser und Seife an ihre Haut, war plötzlich überall zu lesen und zu hören, dass sie nun auch gerne cremen.

Irgendwie manifestiert sich aber der Eindruck, dass Männer doch lieber im Baumarkt shoppen gehen als in der Parfümerie. Es könnte auch daran liegen, dass Männer von Natur aus schön sind, oder besser, sein müssen. Schliesslich können sie sich nicht hinter Bergen von Make-up verstecken und auch der «Morgen-danach»-Schock bleibt Frauen erspart. Wir trafen einen «natürlich» schönen Mann, der zum wiederholten Male zum «Sexiest Man Alive» und zum «Sexiest Footballer Alive» gewählt wurde. Der Ex-National- und FC-Bayern-Spieler Bixente Lizarazu achtet ganz besonders auf seinen Körper. Regelmässiger Sport und seine grosse Leidenschaft, das Surfen, gehören für ihn zum Tagesprogramm. Wir trafen einen vollkommen uneitlen und sehr entspannten, dafür (oder vielleicht auch gerade deswegen) aber tatsächlich sexy Mann, anlässlich seiner Tätigkeit als Markenbotschafter für eine bekannte Kosmetikmarke in Zürich. : Sie sind jetzt zum zweiten Mal hintereinander zum Sexiest Foot­ baller Alive gewählt worden. Wie fühlt man sich denn mit so einem Titel? Bixente Lizarazu: (Lacht.) Da ist wohl irgendetwas falsch gelaufen. Keine Ahnung, war­ um die Wahl auf mich viel, ehrlich. Aber nichtsdestotrotz ist es mir lieber so, als dass die Leute über mich sagen: Mensch ist das ein hässlicher Kerl.

Sie sind nun Markenbotschafter und Werbegesicht der Marke Biotherm Homme. Weil Sie so sexy sind? Oh, da gab es einige Gründe. Es ist bekannt, dass ich das Meer über alles liebe. Ausser­ dem wissen viele, dass ich als Sportler extrem auf meinen Körper achte bzw. achten muss. Ich habe zwar vor sieben Jahren mit dem Profifussball aufgehört, aber ich treibe weiter extrem viel Sport. Ich segle, tauche, surfe, fahre Ski, mache Jiu-Jitsu und noch einiges mehr. Bei dieser Kooperation ging es meiner Meinung nach nicht um mein Gesicht, son­ dern um meinen Lebensstil. Mein Körper ist sowieso nicht sexy, ich hatte schon so viele Unfälle und Verletzungen durch den Sport, dass ich mit Narben übersät bin. Meine Nase war auch schon mehrfach gebrochen. An mir ist echt rein gar nichts perfekt.

Haben Sie denn jemals über Schönheitseingriffe nachgedacht? Botox? Das ist für mich unvorstellbar. Ich bin, wie ich bin, und ei­ nes ist klar: Ich bin sehr natürlich und das wird sich sicher auch niemals ändern.

Viele Männer benutzen noch immer keine Kosme­ tikprodukte, woran liegt das Ihrer Meinung nach? Ich glaube, dass Kosmetik in vielen Männerköpfen noch immer ein Frauending ist. Kosmetik spielt in deren Männer­ leben keine Rolle. Ich glaube allerdings auch, dass es bei Sportlern von Haus aus anders ist, anders sein muss. Gehe ich zum Skifahren, muss ich mich vor der Sonne schützen, am Meer ebenso. Nach diesen Aktivitäten spannt die Haut so sehr, dass ich ganz freiwillig Creme auftrage, um dieses unangenehme Gefühl zu lindern.

Wie viele Cremes benutzen Sie denn so am Tag? Darüber denke ich nie nach, da gibt es bei mir keinen Plan. Wenn ich weiss, dass ich sieben Stunden segeln gehe, cre­ me ich mich morgens mit Sonnenschutz ein und benutze abends eine Feuchtigkeitspflege. Ich bin ein echter Na­ turbursche und amüsiere mich eher, wenn ich höre, dass japanische Männer vier bis fünf verschiedene Kosmetik­ produkte am Tag benutzen. Das wäre nichts für mich! Und wenn ich mir unser Badezimmer zu Hause so anschaue, wo sollte ich denn da mehr als zwei Produkte hinstellen? Da steht alles voll mit Produkten meiner Frau ... (Lacht.)

Also keine Anti-Falten-Creme und dafür in Würde altern? Genau! Als Mann ist es doch so, dass jedes Fältchen, je­ de Falte ein Männergesicht charmanter macht. Bei Frauen ist es leider schwieriger. Da ist der Druck von aussen viel zu gross. Nehmen wir den alten Mann und das Meer: Was ­wäre er denn ohne sein gegerbtes Gesicht?

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Beauty

Ihr erstes Pflege-Beauty-Produkt? Als Biotherm «Aqua Power» auf den Markt brachte, eines der ersten Männer-Pflegepro­ dukte überhaupt, vor zwanzig Jahren, kaufte ich es mir und ich bin dabei geblieben. Und das hat nichts mit meiner Kooperation mit Biotherm heute zu tun. Ich benutze es jetzt tatsächlich seit über zwanzig Jahren und habe es immer mit meinem eigenen Geld bezahlt.

Wie sieht es denn bei Ihren Ex-Fussball-Kollegen mit Pflege so aus? Wir waren ein Team von 25 Fussballern beim FC Bayern und hatten oft zweimal täglich Training. Das heisst, zweimal täglich duschen und trockene Haut danach. Aber eingecremt nach dem Duschen haben sich höchstens vier bis fünf.

Sie engagieren sich stark für den Schutz der Meere. Was machen Sie da genau? Und was hat das mit Pflege zu tun? 2003 habe ich meine Foundation «Liza pour une mer en bleu» gegründet. Dort geht es um den Schutz unserer Meere. Zusätzlich beteilige ich mich ehrenamtlich bei der Organisati­ on Surfrider, die sich u. a. um saubere Strände kümmert. Surfrider veranstaltet weltweit regelmässig grosse Treffen, bei denen alle Teilnehmer die Strände von Müll befreien. Auch bei der Oceans Initiative bin ich ehrenamtlich tätig. Dort geht es darum, den Lebensraum von Delfinen und Walen zu schützen und zu verbessern. Und dann engagiere ich mich noch mit «l'Odyssée du flocon à la Vague», um die Aufklärung der Menschen über den Kreislauf des Wassers zu verbessern. Biotherm hat auch eine eigene Organisation namens «Biotherm Water Lovers». Sie setzen sich für den Schutz der Gewässer und ihrer Lebewe­ sen ein, deshalb auch unsere Kooperation. Ein perfect match sozusagen. Für Biotherm ist das Meer die Quelle aller Produkte, denn überall sind aquatische Inhaltsstoffe, wie zum Beispiel Plankton, enthalten.

Eine letzte Frage, aus Aktualitätsgründen: Wurde zu Ihren Fussballzeiten das Thema Homosexualität in irgendeiner Art und Weise thematisiert? Absolut nein. Das war ein echtes Tabuthema. So etwas hatte in der Fussballwelt nichts zu suchen. Es wurde weder gemutmasst, noch sonst irgendwie darüber gesprochen. Dabei bin ich persönlich der Meinung, dass es in jeder Sportart auch homosexuelle Menschen gibt. Das hat nichts mit Männlichkeit zu tun. Selbstverständlich gibt es auch im Männer­ fussball, die als männlichste Sportart überhaupt gilt, Homosexuelle.

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living

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237 TILLA THEUS GRANDE DAME DER ARCHITEKTUR 240 LIVING NEWS VOM STUHL ZUR LEUCHTE 242 KRISTALL DER KÖNIGE 250 JAHRE BACCARAT 246 ORDNUNGSSYSTEME INDIVIDUELLE SCHRANKGESTALTUNG 250 RETO GUNTLI DER STAR HINTER DER KAMERA 262 ARCHITEKTENADEL SIR NORMAN FOSTER 266 LUXUSRESIDENZ ÜBER DAVOS

L A LI Q U E

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Rubriken

die Grande

Dame der Architektur

Tilla Theus Von Sanierungen denkmalgesch端tzter Objekte, Neubauten bis hin zu Innenarchitektur und Raumdesign-Optimierung. Tilla Theus ist die Grande Dame der Schweizer Architektur. Lone K. Halvorsen


living

D

ie sympathische Architektin beweist stets ein hervorragendes Fingerspitzengefühl mit alten Substanzen. Sei es das legendäre «Widder»Hotel in Zürich, der «Mammertsberg» in Freidorf oder das Grand Café «Motta» in Zürich. Auch bei ihrem letzten Projekt, dem Umbau des EPA-Gebäudes an der Sihlporte, hat sie die ursprüngliche Form des 1929 von Otto Streicher erstellten Gebäudes wieder hergestellt. Tilla Theus’ Visionen zeichnen sich beständig durch ihre Leidenschaft und das Ringen um die beste architektonische Lösung bis ins Detail aus. Prestige sprach mit Tilla Theus über ihre Projekte sowie die Reize zwischen neuen und historischen Gebäuden.

Sie sind bekannt dafür, historische Elemente mit Neuzeitlichem in einen Kontext zu setzen. Beruht dies auf Ihrem persönlichen Geschmack, oder sind dies Wünsche und Vorgaben vom Auftragge­ ber, welche Sie erfüllen müssen? Für die spannungsvolle Harmonie zwischen Alt und Neu ha­ be ich eine Leidenschaft entwickelt. Auch deswegen werden mir Projekte anvertraut. In aller Regel muss ich aber bei der Bauherrschaft geduldige Überzeugungsarbeit leisten. Dafür bin ich hoch motiviert.

: Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit Sie ein Projekt

annehmen? Tilla Theus: Architektonische Freiheit im Rahmen eines klaren Auftrags und eines damit konformen Budgets.

Wenn Sie Ihre Gebäude anschauen, sind sie in der Vergangenheit vorwiegend so geworden, wie sie in Ihrem Kopf bei der Planung ausgesehen haben? In allen wesentlichen Punkten ja.

Im Kampf um Aufträge und Reputation müssen die Ellenbogen der Frauen besonders spitz sein. Erle­ ben Sie Ihr Berufsfeld als eine Männerdomäne, in welcher Frauen mehr kämpfen müssen, um wahr­ genommen zu werden? Nicht meine Ellenbogen sind spitz, sondern meine Projekte Spitzenklasse. Im Ernst: Es zählt in meinem Bereich die Qua­ lität, ob Mann oder Frau.

Wem soll schlussendlich ein von Ihnen entwickeltes Gebäude gefallen? Mir, der Bauherrschaft, den Nutzern und den Passanten – in dieser Reihenfolge.

Wie wohnt eine «Star-Architektin» privat?

Hotels, Büros, Geschäfte, Wohnungen oder Restaurants ... Was ziehen Sie vor und weshalb?

In einem selber gebauten Haus am Zürichsee: schnörkellos, praktisch, sowohl ein schöner privater Rückzugsort als auch offen für Freunde – und mit grossen Tischen, die für mich die wunderbarsten Möbelstücke sind.

Wenn ich frei wählen kann: das schwierigste, mich am meisten herausfordernde Projekt.

Nehmen Sie auf moderne Art einen Gedanken auf, den der US-Architekt Louis Sullivan auf den Begriff «form follows function» gebracht hat?

Was bereitet Ihnen die meiste Freude im Leben?

Ja. Denn nur nach dem Prinzip «form follows function» fühlen sich die Nutzer wohl. Das Umgekehrte bedeutet architektonischen Terror, den ich entschieden ablehne.

Die glückliche Vollendung eines anspruchsvollen, aufreiben­ den Projekts, auf einer Reise die Entdeckung einer architek­ tonischen Perle, eine brillante Ballettaufführung.

Entwickeln Sie sich stets weiter, oder bleiben Sie Ihrem Stil treu?

Ein Architekt, den Sie bewundern …

Beides: eine ständige Weiterentwicklung aus den gesammelten Erfahrungen und Beibehal­ tung eines an der Detailpräzision und Funktionalität orientierten Stils.

Die Reihe ist sehr lang und erweiterbar, aber um einige zu nennen: Frank Lloyd Wright, Carlo Scarpa, Alvar Aalto, Le Corbusier, Louis Kahn ...

Welche Reize und Herausforderungen besitzen alte Gebäude im Vergleich zu einem neuen, das keine Geschichte in sich trägt? Ob alt oder neu: Mich reizen heikle Problemstellungen.

Eine Ihrer bekanntesten Arbeiten ist das «Widder»-Hotel. Sie haben hier in den bestehenden Strukturen von acht historischen Altstadthäusern ein Lu­ xushotel gebaut, welches wohl als einzigartig zu bezeichnen ist. Wie sind Sie an dieses Projekt herangegangen, und empfinden Sie einen gewissen Stolz? In der Tat bin ich auf das «Widder»-Hotel noch immer stolz. Mit dem Vertrauen in die Echtheit setzte ich einen neuen Trend, der sich bewährte und Schule machte gegen die Luxushotels mit üppigem Plüsch und falschem Gold.

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Das für Sie grösste architektonische Meisterwerk … Die Natur als Architektin, die für das Huhn das Ei entwi­ ckelte – die absolut perfekte Umsetzung von «form follows function», als noch niemand davon sprach.

Architektur sollte … … den Menschen das Erlebnis der Geborgenheit und der Schönheit schenken und mit dem knappen Boden sorgsam umgehen.


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«Nicht meine Ellenbogen sind spitz, sondern meine Projekte Spitzenklasse.» – Tilla Theus –

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275 HAUTE CUISINE AUF SEE IT’S SEA-TIME 282 BENNY PARTH ÖSTERREICHS JÜNGSTER HAUBENKOCH 286 FOOD SHORTCUTS 288 STARKOCH DER BRITEN JAMIE OLIVER 290 FOODBOOKS SCHMACKHAFTE SCHMÖKER 292 FUSSBALL PASSION CHAMPAGNER IN BRASILIEN

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Culinarium


HAUTE Cuisine

Auf Hoher

SEE Keine Frage: Essen ist auf Kreuzfahrtschiffen die Freizeitbesch채ftigung Nummer eins. Allerdings nicht immer ein echtes Vergn체gen. Es gibt jedoch auch Schiffe, die als schwimmende Luxusrestaurants mit angeschlossenem 5-Sterne-Resort gelten. Thomas Hauer

Silversea Cruises


BUON APPE TITO

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ei einer Fahrt auf der Silver Spirit hatten wir Gelegenheit, uns von der kulinarischen Ausnahmestellung der italienischen Luxusrederei zu überzeugen.

Klein, aber fein

Gerade einmal 500 Passagiere fasst das elegante Flaggschiff der vier Kreuzfahrer, ein zur Silversea-Flotte zählender Explorer, der uns im geschäftigen Hafen von Civitavecchia am Pier erwartet. Andere Reedereien bringen auf Schiffen vergleichbarer Grösse dagegen schon einmal 1 000 Gäste oder mehr unter. Doch während man sich bei der Konkurrenz schon beim Boarding im Schlange-Stehen üben muss, werden wir bei Silversea noch vor dem Check-in mit einem Glas Champagner begrüsst und innerhalb weniger Minuten direkt zu unserer Veranda-Suite auf Deck 8 gebracht. Das ist bei Silversea kein besonderer Luxus, sondern Standard, denn die Reederei verfolgt ein «Suites only»-Konzept. Normale Kabinen gibt es nicht. Doch dann die erste Enttäuschung, die allerdings nicht wir erleben, sondern unser Butler Rudolfo, er gehört im Übrigen auch zur Standardausstattung: Als er kurz nach dem Einchecken dezent an unsere Kabinentür klopft, ha-

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ben wir unsere Koffer schon selbst ausgepackt. Nur durch unser heiliges Versprechen, dass er sie wenigstens bei unserer Abreise wieder einpacken darf, lässt er sich beruhigen und serviert alsbald formvollendet ein Fläschchen eisgekühlten Heidsieck Monopole. Während wir den goldgelben Nektar aus edlen Kristallgläsern schlürfen, erklärt uns Rudolfo die Ausstattung unserer Suite und die wichtigsten Bordabläufe. Anschliessend wird es ernst: Wir steuern den Stars Supper Club an, in dem am Abend normalerweise zu Live-Jazz Degustationsmenüs im Tapas-Format serviert werden. Doch jetzt, am Nachmittag des ersten Reisetages, ist hier die «Reservierungszentrale» für diverse Restaurants der Silver Spirit aufgebaut. Schliesslich haben wir nur eine Woche Zeit. Maitre Gustavo, den wir zwei Tage später als Sommelier und Gastgeber im exklusiven Silversea


TITO …

Relais & Châteaux-Gourmetrestaurant «Le Champagne» wiederbegegnen, gibt Insidertipps und liest uns jeden Wunsch von den Augen ab. Am Ende stellt sich heraus, dass wir bei einer siebentägigen Kreuzfahrt gerade ein Mal im Hauptrestaurant speisen werden – alle anderen Abende verbringen wir in Spezialitätenrestaurants und beim obligatorischen Midcruise-Barbecue auf dem Pooldeck – eine absolutes Highlight.

Das Ultra-all-inclusive-Konzept Zum Einstieg haben wir einen Tisch im «The Rocks» oberhalb des Poolbereichs reserviert. Dort werden am Abend al fresco saftige Filets und Rumpsteaks aus Nebraska, gewaltige New England Kalbskoteletts oder Riesengarnelen aus Madagaskar auf glühend heissen Lavasteinen serviert. Die werden vom Service direkt am Tisch kunstvoll auf den heissen Stein drapiert und jeder Gast kann das Ganze so lange brutzeln lassen, bis es seinen persönlichen Vorlieben entspricht. Dazu gibt es Bearnaise, Pfeffersosse, frische Steinpilze, Ofenkartoffeln und Gemüsespiesse. Wir entscheiden uns für das Kotelett, das uns fast die Tränen in die Augen treibt, so

CULINARIUM

zart, saftig und wohlschmeckend präsentiert sich das delikate Kälbchen. Vorneweg ein klassischer Caesar Salad und zum Abschluss noch ein lauwarmer Apple Pie mit hausgemachter Vanilleeiscreme und schon ist der erste Tag an Bord nach einem letzten Drink in der Panorama Lounge vorbei. In der Suite dann die entscheidende Frage: Sollen wir am nächsten Morgen in der Kabine frühstücken, im Hauptrestaurant à la Carte ordern oder uns im «La Terrazza» auf Deck 7 am Büffet bedienen? Wir entscheiden uns für das Büffet. Das Einzige, was man hier selbst tun muss, ist, sich die kleinen Köstlichkeiten vom schottischen Räucherlachs über frische Pastrami, edelste Käsespezialitäten oder ofenfrisches Brot- und Gebäck sowie frisches Obst und süsse Beeren auf den Teller zu laden. Aber selbst

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CULINARIUM

das nimmt einem das dienstbare Personal auf Wunsch gerne ab. Wer wie wir selbst zugreift, dem wird von den Servicekräften am Ende aber sofort mit einem freundlichen, aber bestimmten Lächeln der Teller entwunden und formvollendet an den Tisch gebracht. Dazu ein Tässchen Illy-Cappuccino oder edler Ronnefeldt-Tee, frisch gepresster Orangensaft, ein Smoothie, Fitnessdrink oder Champagner, Eggs Benedict, Eiweisssoufflé oder frisch gebackene Waffeln? Alles kein Problem und Teil des Ultra-all–inclusive-Konzeptes von Silversea – freilich auf 5- oder sagen wir mal 6-Sterne-Niveau.

Speisen wie die Götter Zum Lunch besuchen wir dann das «Seishin». Dieses Spezialitätenrestaurant auf Deck 4 serviert am Mittag Misosuppe, Sushi, Sashimi und Tempura – alles vom Chef vor den Augen der Gäste frisch zubereitet. Am Abend verwandelt sich das Etablissement dann in ein japanisches Spezialitätenrestaurant, in dem erlesene Degustationsmenüs angeboten werden. Sie bieten von Kaviar-Sorbet über pochierte Austern, Seeigel, Water Spider Rolls und Soft Shell Crabs bis Kobe-Beef und werden auf Wunsch von ausgewählten SakeSpezialitäten begleitet. Doch bevor es so weit ist, steht am Nachmittag gegen 16 Uhr noch der tägliche High Tea auf dem Programm. Dazu werden kleine Köstlichkeiten aus der Patisserie und feine Lachs-, Roastbeef-, Ei- und Gurkensandwichs auf einer Etagere gereicht, die einem Sprüngli in der Züricher

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Bahnhofstrasse ernsthafte Konkurrenz machen könnten. Ausserdem lauwarme Scones mit Clotted Cream, die jeden Briten in Verzückung versetzen würden. Der Tee stammt aus der exklusiven Teestar-Kollektion von Ronnefeldt, die es sonst nur in handselektierten 5-Sterne-Hotels gibt. Wir schwören auf den Ti Dung Oolong – schliesslich soll der schlank machen … Auch hier darf natürlich das ein oder andere Gläschen Champagner nicht fehlen. Den ersten Hafen unserer Reise – ­Livorno – haben wir ob all der Genüsse glatt ­verpasst. Aber wer will dieses schwimmende Schlaraffenland schon freiwillig verlassen?

Der Chef ist eine Frau An der Spitze der 63-köpfigen Küchenbrigade der Silver Spirit steht Anne Marie Cornelius, im harten Kreuzfahrtgeschäft eine absolute Ausnahme. Aber die sympathische 38-jährige Südafrikanerin führt die Galley mit einer Souveränität, als wäre sie schon seit mehreren Jahrzehnten im Geschäft. Bei


CULINARIUM

… IT'S SEA-TIME The Luxury Way of Life | 283


CULINARIUM

­einer Tour durch die Eingeweide der Silver Spirit erklärt sie uns, wie aufwendig es ist, auf einem Schiff einen dermassen hohen Standard zu halten, wie er bei Silversea selbstverständlich ist. Im Hintergrund schwärmt derweil eine ganze Armada von Butlern und Servicekräften wie ein emsiges Bienenvolk mit silbernen Tabletts, auf denen sich die Bestellungen türmen, herum – ein 24-Stunden-Room-Service ist bei Silversea natürlich ebenfalls obligatorisch und wie fast alles «complimentary». Apropos Roomservice: Neben dem Frühstück kann man sich auch alle anderen Mahlzeiten oder Getränke, die irgendwo auf dem Schiff angeboten werden, in der Suite servieren lassen – Gang für Gang. Zu den persönlichen Favoriten von Anne Marie gehören Ausfüge zu lokalen Märkten, zu denen sie auch gerne mal eine kleine Gruppe von Gästen mitnimmt. Dann werden

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lokale Spezialitäten probiert und manches, was bei diesen Touren im Einkaufskorb landet, findet sich am Abend wieder auf der Karte. Wir haben mittlerweile Nizza hinter uns gelassen und nehmen Kurs auf Menorca. Heute Abend haben wir im Le Champagne reserviert. Dieses in Kooperation mit Relais & Châteaux betriebene Luxusrestaurant treibt die kulinarischen Eskapaden bei Silversea auf die Spitze. Bei Kaviar und Hummersalat, Steinbutt, Gänseleber, Jakobsmuscheln und Taubenbrust kommen wir endgültig im kulinarischen Nirwana an. Die auf einer speziellen Connaisseurliste angebotenen Weine sind so fair kalkuliert, dass manche Flaschen im Laden teurer sind als an Bord. Wir wählen als Menübegleitung einen herausragenden 1996er Nec Plus Ultra Champagner von Bruno Paillard, der selbst an Land nur sehr schwer zu bekommen ist. Aber auch Krug oder Dom Pérignon stehen natürlich auf der Karte genau wie Château Margaux oder Château Yquem. Wem das alles ein wenig zu viel ist, wählt dagegen einen Tisch im «La Terrazza». Das verwandelt sich täglich zur Dinnerzeit in ein veritables Slow-Food-Restaurant, in dem mit authentischen Slow-Food-Zutaten italienische Küchenkunst auf Top-


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Niveau zelebriert wird. Unbedingt probieren: hausgemachte Pappardelle mit Enten­ragout, ein Signature Dish bei Silversea – besser geht es nicht! Dazu ein Fläschchen Sassicaia, Ornelleia oder ein Barolo von Gaja und der Abend wird zum Fest. Als wir uns schliesslich mit Palma der vorletzten Station unserer Reise nähern, wird es Zeit für das Barbecue – dazu wird das Pooldeck der Silversea in eine einzige Büffet- und Party-Area verwandelt und unter funkelnden Sternen gibt es von Sushi bis Spanferkel frisch vom Grill so ziemlich alles, was einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Nach dem Essen wird das Deck zu einem Open-Air-Dancefloor und die mehrheitlich amerikanischen Gäste zeigen den wenigen Europäern an Bord erst einmal, wie man richtig feiert! Bordsprache ist übrigens Englisch, aber es gibt auch zahlreiche Mitarbeiter an Bord, die hervorragend Deutsch sprechen.

Völlerei mit Folgen … Mittlerweile haben ich und meine Begleitung zusammen schon fast drei Kilo zugelegt – trotz morgendlicher Joggingrunden um das Oberdeck und aus­ giebigen Besuchen im bordeigenen Fitnesscenter. Zum Glück bietet der ­exklusive Silversea Spa auch effektive Slimming Treatments. Der letzte Hafen unserer Reise ist schliesslich Barcelona, wo wir über Nacht am Kai bleiben und uns einen ganzen Vormittag über den wahrscheinlich

schönsten Markt Europas, die Boqueria, treiben lassen. Als würdigen Schlussakkord besuchen wir schliesslich doch noch das elegante Hauptrestaurant der Silver Spirit und bei gratinierten Escargot, zarten Tournedos Rossini, Dover Sole und himmlisch leichter Panna Cotta mit Flugmango kommt ein wenig Wehmut auf. Doch wir sind sicher: Das war nicht unsere letzte Reise an Bord der Silver Spirit – schliesslich lässt sich das Erlebnis noch toppen. Exklusiv bietet Silversea in 2014 spezielle Wein- und Culinary Voyages mit international renommierten Guest Chefs an, die Kochkurse an Bord durchführen. Ausserdem gibt es in Kooperation mit Slow Food und Relais & Château exklusive Pre- und Post-Cruise-Programme mit kulinarischem bzw. Wein-Schwerpunkt. Ach ja, wir haben Rudolfo natürlich doch noch glücklich gemacht. Einen ordentlicher gepackten Koffer haben wir noch nie gesehen! Chapeau! Deshalb: Leinen los!


presents

top events of Switzerland 297 MONTREUX JAZZ FESTIVAL IT’S JAZZ-TIME 302 ART BASEL DIE KÖNIGIN DER KUNSTMESSEN

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It’s Jazztime

Das Montreux Jazz Festival, das 1967 durch ­Claude Nobs ins Leben gerufen wurde, ist im ­Laufe der Zeit ein unumgängliches Erlebnis für Musikliebhaber aus der Schweiz und dem Ausland geworden. Von Miles Davis über Ray Charles, von David Bowie über Prince – all die grossen Namen standen schon auf den verschiedenen Bühnen des Festivals. Lilly Steffen

© 2008 FFJM - Lionel Flusin


Top Events Of Switzerland

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uch wenn der Jazz für den Ursprung des Festivals steht, konnten sich andere ­Musikstile, dank der gegenseitigen Neugierde und des Enthusiasmus, schnell einen Platz schaffen. Mit seiner vielseitigen und originellen Musikauswahl bietet das Montreux Jazz Festival während zwei Wochen eine optimale Pattform für Musiker in einem intimen Rahmen. Als David Bowie während eines der eindrücklichsten Konzerte der Geschichte des Montreux Jazz Festivals sein Publikum zu sich nach Hause einlud, fasste er, ohne es zu wissen, den Geist des Festivals besser zusammen, als es je jemandem vor ihm gelungen war. An diesem Konzertabend im Juli 2002 drängte das Publikum, gebannt durch so grosse Virtuosität, den Künstler dazu, sich selbst zu vergessen. Er wähnte sich daheim. Das Auditorium Stravinski war zu seinem Zuhause geworden und die Zuschauer waren in der Tat eingeladen, den Abend in seiner Gesellschaft zu verbringen.

Das Erleben der Musik Selbst wenn das Montreux Jazz Festival im Laufe der vierzig Jahre seiner Existenz nicht nur Konzertabende solchen Charakters erlebt hat, war das Ziel Claude Nobs’ und seiner Nachfolgeteams seit jeher, solche Abende ins Leben zu rufen. Im Vordergrund steht dabei das Erleben der Musik, nicht nur ihr Konsum. Denn auch wenn, glücklicherweise, niemand über solche Magie frei verfügen kann, ist es doch möglich, ihr einen Rahmen zu geben, der ihr Erscheinen begünstigt. Der Fall von David Bowie ist nur ein Beispiel. PJ Harvey, Tori Amos, B. B. King oder Miles Davis, unter vielen anderen, haben dem Publikum das aussergewöhnliche Geschenk gemacht, sich ihm ganz hinzugeben, statt «nur» ein Konzert zu geben.

© 2011 FFJM - Lionel Flusin

Moment innezuhalten, um Montreux zu geniessen. Die Teilnehmer des Fernsehwettbewerbs «La Rose d’Or» schätzten die Ortschaft ganz besonders. Es fehlte nur noch eine geeignete Abendunterhaltung.

Die Liebe zur Musik Selbst das Umfeld der Veranstaltung stellt ein rares Schmuckkästchen dar und begünstigt ein Gefühl der Vertrautheit. Seit der Entstehung 1967 profitierte das Festival von seiner idealen Lage. Die kleine Stadt, Lieblingsdestination der Engländer im 19. Jahrhundert, steckt mit den Füssen im Genfersee und mit dem Kopf in den Bergen und hat die Sonne als Schutzengel. Nur wenige Durchreisende können der Versuchung widerstehen, einen

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Ein Mitarbeiter des Tourismusbüros wurde damit beauftragt. Ein gewisser Claude Nobs, seit jeher begeistert von der Musik, nahm diese Aufgabe voller Elan in Angriff. Er erledigte sie so gut, dass einige Jahre darauf, die Entscheidung gefällt wurde, eine separate Veranstaltung zu schaffen. Dank seines Enthusiasmus und seiner Kühnheit, überzeugte Claude Nobs, dem es auch als Erster gelungen war, die Rolling Stones ausserhalb Grossbritanniens auftreten zu lassen, alle davon, dass ein Festival, dem Jazz und anderen aktuellen Musikrichtungen gewidmet, seinen Platz an der Riviera bekommen sollte. Seien wir ganz offen, ein Hauch Wahnsinn schwingt in diesem Vorhaben mit.


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© 2008 FFJM - Miles Guidetti

Ohne auf warnende Stimmen zu hören, wollten Claude Nobs und seine Weggefährten nie etwas von einem kleinen Festival wissen, sondern strebten Grösseres an. Nicht um des Ruhmes, noch des Geldes willen, sondern wegen ihrer Liebe zur Musik. Diese feurige Leidenschaft, verhinderte es auch, die Absage eines Künstlers als definitiv zu akzeptieren, und erlaubt es noch heute, mehr als vierzig Jahre später, das Montreux Jazz Festival als ein Grossereignis der Musikwelt anzusehen. Nicht etwa weil die Besucherzahl heute die Marke von 220 000 überschreitet, noch weil die zwei Montreuxer Wochen zu den wichtigsten europäischen und weltweiten Festivals zählen, sondern ganz im Gegenteil, trotz alledem. Die schwindelerregenden Zahlen stehen im Kontrast zu der erhaltengebliebenen Intimität. Immer noch herrscht zwischen ganz grossen Künstlern und ihrem Publikum eine grosse Nähe. Dies ermöglichen Säle mit vernünftigem Fassungsvermögen, in denen das Publikum, dank exzellentem Komfort und höchster Hörqualität, einmalige Musikempfindungen erlebt. Und

der Eindruck entsteht, einen ganz seltenen Moment unter Freunden eines Abends miterlebt zu haben. Dies unterscheidet diejenigen, die dort waren, von denen, die es nicht waren.

Eine solche Atmosphäre entsteht nicht von allein Sie entspringt aus einem ursprünglichen und respektierten Willen, einer Mischung aus hohem artistischem Anspruch und menschlicher Wärme. Montreux, der Geburtsort des Festivals, bürgt von Anfang an dafür, dass eine gute Wahl getroffen wird. Das Casino de Montreux beherbergte während drei Tagen im Juni des Jahres 1967 seine ersten Konzerte: 15 Bands oder Künstler traten an kostenpflichtigen Konzerten auf, während zugleich in den Gärten bereits Jam Sessions stattfanden. Der Höhepunkt dieses ersten Festivals war das Charles Lloyd Quartett, welches das Publikum neben Charles Lloyd selbst auch den Pianisten Keith Jarrett und den Schlagzeuger John DeJohnette entdecken liess. Beide traten erneut am Festival auf, ein Beweis für die natürliche Bindung, die sich zwischen den Künstlern und dem Festival knüpfte. Ab dem zweiten Jahr verlängerte man das Festival auf fünf Tage. Seither wuchs es, dank seines grossen Erfolges, stetig an. Trotz allem war der Weg steinig. Während eines Franck-Zappa-Konzertes 1972 erzwang ein Brand im Casino einen zeitweiligen Umzug in den Pavillon du Palace und für die nächsten zwei Jahre in das Kongresshaus. Die Rückkehr ins komplett erneuerte ­Casino

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markierte auch den Einzug neuer Musikrichtungen wie Folk und Country. 1977 erreichte die Länge des Festivals einen Rekord von drei Wochen und dauerte vom 1. bis 24. Juli. In dieser Zeit hielten auch die Stilrichtungen Weltmusik und Rock bis hin zu Disco ihren Einzug. In den folgenden 15 Jahren gewann das Festival definitiv das Herz der Musikliebhaber und machte sich in der ganzen Welt einen Namen. Miles Davis fühlte sich auf dem Festival wie zu Hause, B. B. King wartet regelmässig mit Blues auf, Herbie Hancock entfesselt seine Feuerfinger und seine Kreativität. Fast alle grossen Namen ehrten die Bühne des Casinos mit ihrem Auftritt. Doch die Musik, obgleich das Zentrum des Festivals, war nicht dessen einzige Kunstform. Die Plakatgestaltung wurde jährlich unterschiedlichen Künstlern anvertraut, darunter grossen N ­ amen wie Keith Haring und Andy ­Warhol oder Jean Tingely.

Claude Nobs. © Lionel Flusin

Auditorium Stravinsky und New Q’s Statt sich auf den Lorbeeren des Erfolgs auszuruhen, machte das Festival in den 1990er-Jahren eine spektakuläre Wende. 1993 wurde das Kongress- und Ausstellungszentrum zur neuen Produktionsstätte des Festivals und ermöglichte eine Programmgestaltung in zwei Sälen gleichzeitig, dem Auditorium Stravinsky und dem New Q’s. Dieser «kleine» Saal erlaubte den Zuschauern, weniger bekannte Künstler oder spezialisierte Musikstile zu entdecken. Dieser Übergang wurde von Quincy Jones mitgetragen, der in den Jahren 1991 bis 1993 die Veranstaltung neben Claude Nobs koproduzierte. Auch das Publikum folgte dieser Entwicklung und vermehrte sich von Jahr zu Jahr. 1998 bekam die Miles Davis Hall die Rolle des zweiten Saales und wurde immer mehr neueren Musikstilen geöffnet – von Electro, Acid Jazz bis hin zu Hip-Hop. Im selben Jahr wurde die Schwelle von 200 000 Besuchern der kostenpflichtigen und «Festival off»-Konzerte überschritten. Seit 2003 vergrösserte ein neuer Saal im Casino Barrière zusätzlich das Angebot. Trotz des häufig launenhaften Wetters behielt das Festival seine hohe Besucherrate bei. Im Jahre 2006 feierte das Festival seinen 40. und Claude Nobs seinen 70. Geburtstag. Die 220 000er-Marke ist nun schon seit mehreren Jahren überschritten.

© 2009 FFJM - Lionel Flusin

Von Miles Davis bis Santana Es ist unmöglich, hier alle aufzuzählen, die während dieser 40 Jahre auf den verschiedenen Bühnen des Festivals aufgetreten sind. Eine einfache Auflistung aller Musiker würde sich über mehrere

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© 2010 FFJM - Muriel Rochat


Top Events Of Switzerland

© Ambiance MJF 2006 Muriel Rochat

hundert Seiten erstrecken und eher einem Telefonbuch als einem Pantheon gleichen. Dies würde keinem von ihnen Recht tun, denn alle haben an der Entstehung dieses einzigartigen Festivals mitgewirkt. Die Stärke Claude Nobs’ und seiner Mitarbeiter liegt nicht primär in der Anhäufung von Musikgrössen und neuer Talente, sondern in der Art mit ihnen umzugehen. In Montreux werden die Musiker sowohl als Freunde als auch Künstler e ­ mpfangen. In einer solchen Stimmung konnten sie ihre Künste seit jeher frei entfalten. Wie sonst liesse sich ihre Treue und ihre wiederkehrende Lust, einzigartige Projekte speziell für das Festival auf die Beine zu stellen, erklären? Musiker von Miles Davis bis Santana, von Jamiroquai bis Michel Petrucciani haben sich oft ihre besten Vorstellungen für die Zuschauer in Montreux ­aufgehoben. Obgleich die kostenpflichtigen Konzerte das prestigereichste Aushängeschild des Festivals sind, wollte Claude Nobs seit Beginn des Festivals dem Publikum auch Gratiskonzerte schenken. Dies einerseits mit dem Ziel, die grösstmögliche Besucherzahl zu erreichen, und anderseits weniger bekannten Musikern die Möglichkeit zu geben, sich künstlerisch auszudrücken. Am Nachmittag und am frühen Abend empfangen die verschiedenen «Under the Sky»-Bühnen die Besucher ausserhalb des Gebäudes. Innerhalb des Kongress- und Ausstellungszentrums bieten das Montreux Jazz Café und der MDH Club zwei unterschiedliche Ambiente an. Im ersten finden Jam Sessions statt, an denen sich oft Musiker, die zuvor im Auditorium Stravinsky oder der Miles Davis Hall gespielt hatten, beteiligen. Die zweite Lokation widmet

sich ganz der Electro Musik. Workshops laden die Musikliebhaber ein, während einigen Stunden an den Geheimnissen ihrer Meister teilzuhaben. Im Rahmen des Petit Palais kommen die Musiker, um ihre Vorgehensweise zu erklären, ihre Tricks zu enthüllen oder einfach um ihre Gedanken über Kunst mit dem Publikum auszutauschen. Oft befinden sich an diesen Sitzungen Vertreter der drei verschieden Wettbewerbkategorien des Festivals, dem Klavier, der Gitarre und dem Gesang. Manchmal finden sich hier junge Berufsmusiker wieder, die vor Jahren an dem Wettbewerb des Festivals teilgenommen hatten, dies wiederum beweist den guten Riecher der Jurymitglieder des Wettbewerbs. Dem Flair, Engagement und offenen Geist von Claude Nobs ist es zu verdanken, dass sich in Montreux ein einzigartiger Anlass von inter­nationalem Ruf entwickelte. Und dieser Geist bleibt das Herzstück des Festivals, trotz des Todes von Claude Nobs am 10. Januar 2013, in seinem 77. Jahr. Wie er es wollte, geht das Abenteuer weiter!

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309 Auf der sicheren Seite Reputation Management 312 Vertrauen erarbeiten Die Potenziale von Reputation 316 Reputation Gewinnt Vertrauen s채en und 체berleben 320 Br체cken bauen Der etwas andere Ansatz im globalen Agrarbusiness

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Finance


finance

Auf der

sicheren

Seite Reputation Management

Reputationsfaktoren definieren und aktiv bearbeiten.

Reputation definiert sich als die Gesamteinschätzung eines Unternehmens durch alle interessierten und beteiligten Gruppen (Stakeholder), wie Kunden, Investoren, Analysten, Mitarbeiter, Wettbewerber und die Gesellschaft. Sie ist die ­emotionale Reaktion auf die Faktoren Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Professor Dr. Christel Niedereichholz von der Privaten Hochschule für Wirtschaft PHW in Bern gibt uns einen Überblick. Prof. Dr. Christel Niedereichholz

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eputation ist ein immaterieller Wert und trotzdem monetär messbar. Das «reputational capital» eines börsennotierten Unternehmens wird definiert als der Betrag, um den der Marktwert den Liquidationswert übersteigt. Reputationsschäden können am nachhaltigen Absinken des Unternehmenswertes (Aktienkurs) abgelesen werden.

Aber auch nicht börsennotierte Unternehmen können ihre Reputationsschäden messen. Beim aktuellen Fall des ADAC Deutschland, der bisher als «Club» die Rechtsform eines steuerbegünstigten, gemeinnützigen Vereins hatte, ist durch Fälschung von Statistiken und missbräuchliche Nutzung von Rettungshubschraubern ein massiver Reputationsschaden entstanden. Diesen wird man sehr bald messen können, wenn die Finanzbehörden dem Club die Gemeinnützigkeit aberkennen und der ADAC in Zukunft wie ein ganz normales Wirtschaftsunternehmen besteuert wird. Das Konzept eines wirkungsvollen Reputation Managements besteht aus fünf Teilen:

2. Öffentlichkeitsarbeit/Lobbyismus Hier wird konzeptionell festgelegt, wie die Kontakte zu den Regierungsstellen, Ministerien, NGOs, Verbänden und lokalen Gruppierungen aufgebaut und gepflegt werden, die einen besonderen Einfluss auf die Geschäftstätigkeit haben. In einer Matrix wird dokumentiert, welche dieser Organisationen für welchen Reputationsfaktor besonders wichtig ist. Beispiel: British Petroleum hat beim Thema Klimaschutz eng mit der US-Regierung und NGOs, wie zum Beispiel Green Peace, zusammengearbeitet und nachhaltige Lösungen für die Energieerzeugung erarbeitet. BP agiert heute sowohl im Hinblick auf die Reputation als auch auf den Profit weit vor seinen Wettbewerbern.

3. Krisenmanagement 1. Issue Management Dies umfasst Konzepte und Vorgehensweisen, um bestehende oder aufkeimende öffentliche Diskussionen (Was? Wer? Wo? Wie?), die in Relation zur eigenen Geschäftstätigkeit stehen, zu bewerten und richtig einzuordnen. Danach sind Aktionspläne zu entwickeln, um positive Diskussionen zu verstärken und negative abzuschwächen. Beispiel: Unilever hat frühzeitig die Hebelwirkung der Gesundheitsdiskussionen verstanden und ein fett- und cholesterinarmes Produktionsprogramm (Flora, Becel) aufgelegt.

Eine Reputationskrise ist definiert als ein virulent gewordenes Risiko für Führungskräfte, Mitarbeiter, Produkte, Strategie und Vermögenswerte, das den Markennamen und das Unternehmensimage bedroht, die normale Geschäftstätigkeit stört und negative Aufmerksamkeit erregt. Beispiel: Coca Cola war gezwungen, Millionen von Dosen und Flaschen aus europäischen Ländern zurückzurufen, nachdem bekannt geworden war, dass mehrere Menschen nach dem Genuss des Getränkes erkrankt waren. Das Unternehmen versuchte zunächst, zu vertuschen, und ging verspätet in eine Öffentlichkeitsoffensive. Der Aktienkurs stürzte ab und CEO Doug Ivester verlor wenig später wegen des missglückten ­Krisenmanagements seinen Job.

4. Zusammenarbeit mit Medien Die meisten Unternehmen haben eine oder mehrere Stellen, die für die Unternehmenskommunikation mit Medien, Investoren und Analysten zuständig sind. Die Mitarbeiter dieser Stellen werden meist noch durch eine externe Agentur unterstützt. Medien haben einen sehr grossen Einfluss darauf, wie ein Unternehmen in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Deshalb ist dieser Teil des Konzeptes von besonderer Bedeutung. Beispiel: Durch den undiplomatischen Umgang mit der Presse und durch ungeschickte Wortwahl führte der frühere Chef der Deutschen Bahn, Mehdorn, das Unternehmen von einer Reputationskrise zur

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nächsten. Die Glaubwürdigkeit ist so beschädigt, dass heute kaum ein Kunde den Beteuerungen der neuen Unternehmensleitung glaubt, das Unternehmen würde in den nächsten Jahren schwarze Zahlen schreiben. Bei dem geplanten Börsengang wird sich dieses über Jahrzehnte betriebene schlechte Reputation Management rächen.

5. Organisation In Bezug auf Reputation Management wird häufig beklagt, dass wichtige Teilaufgaben des Reputation Managements über das ganze Unternehmen verstreut sind. Fachleute plädieren deshalb für die Schaffung einer neuen Vorstandsposition, dem Chief Reputation Officer, unter dessen Leitung alle diese Teilaufgaben zusammengefasst sind. Die meisten Unternehmen sind davon noch weit entfernt.

Aktionspläne ­entwickeln.

The Luxury Way of Life | 315


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