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Be the Storm

V8 Levante Trofeo mit 580 PS. Der stärkste Maserati, den es je gab

V8 90° 3799 cm3; Leistung 580 PS (427 kW); Drehmoment: max. 730 Nm bei 2500-5000 Upm; Höchstgeschwindigkeit: 300 km/h; Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 4,1 Sek. V8 Levante Trofeo Verbrauch: kombiniert 13,3 l/100 km; CO2-Emissionen*: kombiniert 302 g/km; Abgasnorm Euro 6d-TEMP; Effizienzklasse: G. * CO2 ist das für die Erderwärmung hauptverantwortliche Treibhausgas; Die mittlere CO2-Emission aller (markenübergreifend) angebotenen Fahrzeugtypen in der Schweiz beträgt 137 g/km.


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IM PRES SUM

HEAD OF PRODUCTION & ART DIRECTION EMMA R. SCHAUB e.schaub@rundschaumedien.ch PRODUCT PUBLIC RELATION LAURA GIARRATANA l.giarratana@rundschaumedien.ch

EDITORS GISBERT L. BRUNNER OMAR DEWJI CHARLOTTE DIWAN PATRICIA ENGELHORN WILMA FASOLA PATRICK FREY WILHELM J. GRUSDAT LONE K. HALVORSEN THOMAS HAUER SIMONE HOFFMANN DANIEL HUBER URS HUEBSCHER BEAT KRENGER GEORG LUTZ NINA MERLI ELMAR MOCK BEATRICE SCHÖNHAUS ANTONIA CLARA SEMMLER STEPHANIE STEINMANN ANNA KAROLINA STOCK MARTIN STROHBECK HELENA UGRENOVIC ANDY ZAUGG CORRECTOR ANDREAS PROBST COVER shutterstock PHOTOGRAPHS shutterstock, Bucherer, TAG Heuer, Audemars Piguet, Oris,Bulgari, Chanel, Roger Dubuis,Carl F. Bucherer, A. Lange Söhne,Greubel Forsey, Tods, Richard Burbridge, Dior, Bobbie Brown, Louboutin, CHEDI, Maiensässhotel Guarda Val, The Capra Saas Fee ADMIN, COORDINATION &  SUBSCRIPTIONS SERPIL DURSUN s.dursun@rundschaumedien.ch PRICE  Issue CHF 10.–/€ 9.50 Year ­C HF 39.–/€ 35.– IT SUPPORT DEJAN DJOKIC deki@rundschaumedien.ch WEB SERVICES websiteria GmbH info@websiteria.ch is a registered trademark. (IGE 596.147) ISSN 1662-1255

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30 ALLTAGSZAUBER Cig Harvey 36 DIE KUNSTMESSE DER ROMANDIE artgenève 38 KUNST ODER VANDALISMUS? Street Art 44 EDITOR’S CHOICE Kunst in Buchform 46 INSIDER Das Leben eines Kunstsammlers 54 KOLUMNE Wilhelm J. Grusdat 56 DIE STIMME DES REGENWALDES Bruno Manser

60 CHINA Von der Zukunft in die Vergangenheit 70 GOLFPARADIES TENERIFFA Abama Resort

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72 GREEN LUXURY Reisen mit gutem Gewissen 78 STILVOLLE OASEN One & Only Resorts 80 GUTER GESCHMACK Interview mit Martin Strohbeck

TR AVEL 20

82 QUELLE DER REGENERATION Grand Resort Bad Ragaz 86 ZEITLOSE SCHÖNHEIT Vakkaru Maldives


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90 IM GESPRÄCH Ricardo Guadalupe 100 ZEITLOSER GLAMOUR Harry Winston Cluster 102 WUSSTEN SIE …? Von Verlobungen und Perlen 104 DIE SAMMLERIN Deanna Farneti Cera 110 FÜR MECHANIK-VOYEURE Uhren mit Durchblick

JEWEL­ L 100 ERY 118 MO TION

118 DIE BRITISCHE LEGENDE Aston Martin DB5 124 LUFTVERKEHR Das goldene Zeitalter 130 DAS AUTOMOBIL Ein Blick zurück 134 DIE ACHTE GENERATION Porsche 911

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116 EIN STÜCK GLÜCK Uhren aus zweiter Hand


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136 BLACK POWER BEAUTIES Supermodels mit einer Mission

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146 FASHION-WEEK IN DER KARIBIK Dominicana Moda 2019 150 DER ERFINDER DER SUPERMODELS Peter Lindbergh 156 FASHION EDITORIAL Die Stärke des Schlichten

BEAUTY& WELL 162 BEING 176 LIVI NG 24

162 ALL EYES ON ME Der dramatische Augenaufschlag 168 WELLNESS IM WINTER WONDERLAND Drei Hotspots für Ruhe und Erholung 172 PINK RIBBON NIGHT #TimeToEndBreastCancer 174 KOLUMNE Antonia Clara Semmler

176 STILVOLLER ALLTAGSBEGLEITER Das Daybed 180 KÜCHE NACH MASS Elias Holocher im Interview 184 MAGISCHES SPIEGELKABINETT Eine schwindelerregende Buchhandlung 188 MEDITERRANER LEBENSZAUBER Exklusive Villen «Le Ramingao»


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214 194 COURCHEVEL À la carte 206 ANYTHING GOES Surrealist Dinner 208 MAISON BELLE ÉPOQUE Die Welt von Perrier-Jouët

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FI NAN CE TRENDS Christian Louboutin

52 ART & CULTURE 76 TRAVEL 108 JEWELLERY 129 MOTION 144 FASHION WOMEN 155 FASHION MEN 175 BEAUTY 192 LIVING 204 CULINARIUM 220 FINANCE

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213 KOLUMNE Andy Zaugg 214 DIE STERNE VON BUDAPEST «Onyx» 218 SNACKIFICATION Kleine Glücklichmacher

222 INNOVATIONSPROZESSE VERSTEHEN Elmar Mock über den Erfindergeist 226 KRYPTOWÄHRUNG Wer, wie & was 230 EGOISMUS ERLAUBT Frauen und Verhandlungen

10 IMPRESSUM 29 EDITORIAL 232 VORSCHAU


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EDITORIAL

CLUB DER PIONIERE

Um Grosses zu vollbringen, verlieren wir uns gerne im Labyrinth der unbegrenzten Möglichkeiten. Schliesslich steht uns in der heutigen Welt beinahe jede Tür offen. Wer ganz nach oben will, muss nicht nur den Mut finden, eine Entscheidung zu treffen, sondern auch darauf aufbauen können. Erfolg kommt nicht von ungefähr. Manch einer muss erst aus dem Schatten ins Rampenlicht schreiten, wie etwa Ricardo Guadalupe, der jahrelang als unverzichtbarer Weggefährte im Hintergrund die Strippen zog, bevor er zum jetzigen CEO von Hublot ernannt wurde. Dieser Schritt erfordert einen ausgeprägten Entdeckergeist und den Mut, neue, unbekannte Wege zu beschreiten, wie er uns im Gespräch erzählt. Elmar Mock, Miterfinder der Swatch, weiss ebenso um die Herausforderungen der Innovationsprozesse und schärft mit seinem Artikel den Jagdinstinkt eines jeden Erfinders: «Innovatoren gehen nicht auf Trüffelsuche auf der Autobahn. Sie nehmen die Seitenstrassen, die, die niemand je nimmt.» Eine wertvolle Botschaft vermitteln auch die beiden Newcomer im Mode-Olymp Anok Yai und Adut Akech. Zwei junge schwarze Frauen, die ein wichtiges Zeichen für mehr Vielfalt und Toleranz setzen und unsere durchmischte Gesellschaft widerspiegeln. Wem es dann gelungen ist, sich einen Namen zu machen, der legt ein Augenmerk auf seine Werte und Geschichte, wie das prestigeträchtige Champagnerhaus Perrier-Jouët, welches wir exklusiv an der Avenue de Champagne in Épernay besucht haben. Dies sind nur einige wegweisende Pioniere, die uns wertvolle Inspiration und neuen Lesestoff bieten. Doch an diesen Paradebeispielen wollen wir uns nicht festklammern, vielmehr ist es der eigene Ansporn und Wille, der uns täglich wachsen lässt. Damit wir Regeln nicht nur befolgen, sondern eines Tages auch selbst schreiben.

EDI TO RIAL

Swenja Willms Editor in Chief

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ART ART && CULCULTURE TURE

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ART & CULTURE

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DER ZAUBER DES ALLTÄGLICHEN Autorin_Swenja Willms Bilder_Cig Harvey

SCHNELLLEBIG, EINTÖNIG UND UNSPEKTAKULÄR SCHEINT UNSER JEDER ALLTAG MANCHMAL ZU SEIN. UMSO WICHTIGER, DAS ­P ERSÖNLICHE AUGENMERK AUF DIE KLEINEN DINGE ZU LEGEN, DIE UNSERE WELT BEREICHERN. DIESER AUFGABE STELLT SICH DIE KUNSTFOTOGRAFIN CIG HARVEY, DEREN WERKE REICH SIND AN IMPLIZITEN ERZÄHLUNGEN UND NATÜRLICHEN UMGEBUNGEN, UM DAS MAGISCHE IM GEWÖHNLICHEN SICHTBAR EINZUFANGEN. 32


ART & CULTURE

PRESTIGE: Cig, Sie sind bekannt für Ihre surrealen Fotografien von Natur und Familie. Weshalb faszinieren Sie diese Themen? CIG HARVEY: Es sind Subjekte, die jeden Tag sichtbar sind und uns umgeben – gewöhnlich und doch unvergleichbar. In meinen Arbeiten hebe ich das hervor, was uns täglich begegnet, sodass wir die Welt, in der wir leben, mehr zu schätzen wissen. Sind für Sie Surrealismus und Familiarität zwei Gegensätze? Ich denke, dass meine Art, wie ich das Familiäre aus der gewöhnlichen Welt herauskristallisiere, auf den Betrachter meiner Fotografien einen surrealen Eindruck hinterlässt. Die Bilder an sich würde ich persönlich nicht als surreal beschreiben. Es sind vielleicht seltene, aussergewöhnliche Momente, die ich einfange, aber nicht surreale. Als Betrachter Ihrer Fotografien fühlt man sich versetzt in das typische amerikanische Vorstadtleben. Ein Leben, das Sie selbst führen und auch Ihre Arbeit beeinflusst? Für mich steht mehr die Verbindung zur Natur im Vordergrund als das Vorstadtleben. Maine erinnert mich in vielerlei Hinsicht an meinen Geburtsort Devon im Südwesten Englands: Das satte, lebendige Grün der Wälder, die Apfelbäume und Blumen inspirieren mich sehr. Zur Wüste fühle ich mich nicht so hingezogen, auch wenn dies für viele Fotografen ein Lieblingsort ist. Ein Grossteil Ihrer Bilder entsteht folglich in Maine? Ja, dies untermauert die Grundidee meiner Arbeit: die Welt, in der wir leben, mit weit geöffneten Augen erleben und geniessen und nicht nur, wenn wir nach Paris reisen oder eine Safari-Rund­ reise machen. Die Welt im Augenblick schätzen. Wenn ich meine Bilder an fremden Orten mache, dann versuche ich auch, die Umgebung nicht hervorzuheben, sondern das Bild so aussehen zu lassen, als wäre es dort entstanden, wo ich lebe.

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ART & CULTURE

Ein Bild in natürlicher Umgebung zu realisieren, birgt auch Herausforderungen: Die Natur lässt sich nicht von aussen beeinflussen. Steht Ihnen Ihr Credo manchmal selbst im Weg? Gerade bin ich von einem Shoot von einem wilden Blumenfeld zurückgekommen, welches ich innert der letzten Tage zufällig gefunden habe. Ich war fasziniert von den leuchtenden Farben: Rot, Grün, Pink, Lila, Orange. Ich sehe es als meine Aufgabe, das Beste der Natur in meinen Bildern zu betonen. Folglich besuchte ich gestern dieses Feld, heute erneut nach einem starken Regenguss in der vergangenen Nacht, und ich werde heute Abend ebenfalls nochmals hinfahren. Was ich sagen will: Es ist unmöglich, die Natur zu kontrollieren, aber ich kann kontrollieren, wann ich aufstehe, welche Tage ich einplane für Fotografien und welche Hilfsmittel ich einsetze. Die Natur erzählt ihre Geschichte, und ich fange sie ein mittels Licht, Wetter und Atmosphäre. Manchmal gelingt dies sofort, und manchmal besucht man ein bestimmtes Subjekt oder eine Landschaft immer und immer wieder.

You Look At Me Like An Emergency, 2012 Cig Harveys erstes Buch ist eine visuelle Autobiographie, die über mehr als ein Jahrzehnt von den zentralen Beziehungen der Fotografie geprägt war. Schilt Publishing 144 Seiten, 74 Fotografien ISBN: 9789053307710

Sie widmen demzufolge der Planung Ihrer Fotografien viel Zeit. Entstehen trotzdem manchmal auch spontane Bilder? Meine Kamera begleitet mich tagtäglich, und ich fange ständig alle möglichen Dinge ein, die ich sehe. Und manchmal entsteht das Bild zuerst im Kopf, und dann beginne ich mit den Arrangements. Normalerweise erscheint alles, was mich persönlich beschäftigt, auch auf dem Bild. Mein gewöhnlicher Lebensstil und Gefühle wie Liebe, Angst, Hoffnung und Hass. Ich bin zeitgleich Konstruktor und Responder. Ihre aktuelle Ausstellung trägt den Namen «Eating Flowers», in welcher Sie verschiedene Medien wie Videos, Fotografien und handgeschriebene Texte miteinander kombinieren. Was war der Grundgedanke hinter einem solchen Konzept? «Eating Flowers» ist das Ergebnis 18-jähriger Arbeit. Ursprünglich war von der Ausstellungsleitung eine «mid career survey» geplant – also ein Resümee meiner vergangenen Arbeit. Dies entsprach aber nicht ganz meiner Vorstellung, und so fokussierten wir uns vorerst auf meine damals aktuelle Arbeit, die sich dem Thema der fünf Sinne widmete. Als ich dann meine Arbeiten der vergangenen zwanzig Jahre studierte, bemerkte ich, dass viele meiner Fotografien dieses Thema bereits aufgriffen und in direkter Verbindung stehen zu sinnlichen Erfahrungen oder der Melange von Sinnen. Ich habe jahrelang meine Bilder mit diesem Thema verbunden, ohne es wirklich zu realisieren. Dies war ein sehr inspirierender Moment für mich, und deshalb bin ich auch so stolz auf diese Ausstellung. Sie hebt sich stark von allen anderen Ausstellungen ab, die ich bisher realisieren durfte. Ich arbeite schon seit Jahren mit verschiedenen Medien, konnte aber noch nie alle zusammen in einer Ausstellung präsentieren. Es ist eine neue Erfahrung aller menschlichen Sinne.

Gardening at Night, 2015 Während der Vorgänger das Finden und Definieren eines Zuhauses erfasst, bedeutet «Gardening at Night», sich in der eigenen Landschaft niederzulassen und das Leben dort zu schaffen, wo man sich befindet. Schilt Publishing 144 Seiten, 80 Fotografien ISBN: 9789053308448

Möchten Sie dieses Konzept auch in Zukunft weiterverfolgen? Auf jeden Fall. Ich war nie mehr inspiriert. Dies ist ein Moment in meiner Karriere, in dem ich den zentralen Kern meiner gesamten Arbeit gefunden habe.

You An Orchestra You A Bomb, 2017 Cig Harveys dritte Monografie untersucht die Beziehung des Fotografen zum Leben selbst. Schilt Publishing 144 Seiten, 80 Fotografien ISBN: 9789053308936

WWW.CIGHARVEY.COM cig_harvey

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ART & CULTURE

artgenève – die Kunstmesse für die Romandie Autorin_Charlotte Diwan Bilder_artgenève

Für die nächste Ausgabe Ende Januar 2020 bringt artgenève rund 90 Galerien zusammen, darunter auch neue Galerien wie Lévy Gorvy, Applicat-Prazan, Campoli Presti, von Bartha, Loevenbruck, David Lewis und Massimo de Carlo. Das reichhaltige institutionelle und kuratorische Programm wird ebenfalls erweitert. Zusätzlich zu den regionalen Institutionen wie Mamco Genève und Plateforme 10 wird artgenève auch die Ehre haben, ICA Milano, die Royal Academy of Arts aus London mit einer umfangreichen Installation von ­Michael Craig-Martin, Le Consortium aus Dijon, die Michael Ringier Collection mit einer schwimmenden Installation des Künstlers Urs Fischer und eine monografische Ausstellung von David Shrigley zu beherbergen. Architektur wird ebenfalls in den Ausstellungshallen bespielt, beispielsweise in Form des Pavillons von Jean Prouvé in «The Living Room». Ein weiterer Schwerpunkt der neuen Ausgabe der artgenève wird die Videokunst sein. Die berühmte Videomesse Loop Barcelona wird ihr Programm in einem eigenen Bereich präsentieren und bringt so rund zehn Galerien zusammen.

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artgenève wird über ihre föderative Rolle hinaus ihre Mission fortsetzen, lokale und internationale junge Kunsträume zu fördern, indem sie Kunsträume wie «Fragile» aus Berlin und «Daily Lazy» aus Athen zur Ausstellung einlädt. Auch inmitten der Stadt Genf lebt die Kunstmesse weiter: Hier können zahlreiche Skulpturen in der Innenstadt betrachtet werden, und artgenève /  musique inszeniert am Freitag «Zeitgenössische Kunst als Konzert» in der Victoria Hall. Am Abend des 31. Januar findet ein künstlerischer Anlass im Grand Théâtre de Genève in Anwesenheit von Sylvie Fleury statt. Auf dem Pont de la Machine im Herzen von Genf wird die Debut-Ausstellung «Singular Talents» der Michelangelo Foundation und der Fondation de la Haute Horlogerie präsentiert. Das Publikum wird eingeladen, Gefühle zu erfahren, die ausserhalb seiner Komfortzone liegen. 95 Galerien für zeitgenössische und moderne Kunst, 15 Einzelausstellungen und Videokunst bilden gemeinsam die «Arcades des Arts». WWW.ARTGENEVE.CH


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ART & CULTURE

KUNST AUS DER DOSE Autorin_Lone K. Halvorsen

WAS FÜR DEN EINEN ALS KUNST GILT, IST FÜR DEN ANDEREN VANDALISMUS. DOCH DIE ENTWICKLUNG VON DEN URSPRÜNGLICH BESPRÜHTEN EISENBAHNWAGGONS BIS HIN ZU DEN HÄUSERWÄNDEN INMITTEN BELEBTER METROPOLEN IST EINE SPANNENDE KUNSTGESCHICHTE. 39


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«WHAT GRAFFITI ­WRITING SHARES WITH STREET ART IS A BASIC SENSE ­ OF APPROPRIATION: MAKING THE CITY YOUR OWN BY CLAIMING THE SPACE»

Urban Art? Ist es nicht eher ein Ausdruck, der unseren hippen Zeitgeist signalisieren soll – oder hat es tatsächlich etwas mit Kunst zu tun? Wenn man sich für Kunst interessiert und nicht nur die klassischen Galerien besucht, stolpert man früher oder später auf den Begriff Urban Art. Allein beim Stöbern im Netz erscheint eine zehnstellige Zahl als Trefferquote bei Google. Scheint in der Tat ein bedeutender Begriff zu sein, doch was versteht man nun unter urbaner Kunst?

DIE VISUELLE KRIEGSAUSTRAGUNG

Als Jugendliche in der Bronx in den 1960er Jahren auf U-Bahn-Waggons und Häusern ihre Signaturen hinterliessen, entwickelte sich Graffiti zu einem weltumspannenden Ausdruck der Jugendkultur. Es herrschte Bandenkrieg in den Armenvierteln der USA, und den Bezirk anderer Gangs zu betreten, galt als gefährlich. Mit sogenannten «nicknames» begann man, das Revier der gegnerischen Gang zu signieren und zugleich zu provozieren. Die Nicknames wurden fortan in Form von «tags» immer einfallsreicher mit mehr Farbe, figurativen Elementen und unterschiedlichen Logos versehen. Eine visuelle Form der Kriegsaustragung hatte begonnen – und zugleich die Geburtsstunde von Graffiti. Das American Graffiti hat nach Meinung vieler Kunstexperten den grössten Einfluss auf die Street Art ausgeübt – und so entwickelte sich über die Jahre aus der illegalen Sprayer-Kultur die sogenannte Street Art.

(LEWISON, 2008)

EINE KUNSTSZENE IST GEBOREN

gestaltete, wurde bewiesen, wie viel Potential in dieser Kunstform steckt. Inzwischen haben Metropolen weltweit die Street Art als kulturelle Bereicherung erkannt, und Touristen erfreuen sich an den vielfältig gesprühten Wandgemälden.

In der Tat ist Street Art auch längst erwachsen geworden. Die Kunst von der Strasse hat sogar ihren Weg in die Galerien gefunden. Besonders seit der Jahrtausendwende ist ein regelrechter Hype um Street Art ausgelöst worden – was nicht zuletzt Künstlern wie Banksy oder Shepard Fairey zu verdanken ist. Der Schauplatz von Urban Art ist immer der öffentliche Raum; sie wird (meist) legal an Wänden in unterschiedlichster Form dargestellt. Anders als bei Graffiti werden hier nicht Reviere markiert, die Darstellungen sind vielmehr Statements zu sozialen und politischen Themen im urbanen Raum. Diese Kunstwerke gehören mittlerweile unbestreitbar zum Stadtbild von Metropolen in der ganzen Welt und sind zudem ein richtiger Tourismusmagnet. Als der langjährige Street-Art-Aktivist Shepard Fairey das von ihm gestaltete «Hope»Plakat mit dem Konterfei des damaligen Präsidenten Barack Obama

DIE HEIMAT VON BANKSY

Die lebendige Universitätsstadt Bristol gilt als die inoffizielle Hauptstadt der Street Art. Überdimensionale Murals (Wandmalereien) und kleinere Werke der Sprühkunst sind in der ganzen Stadt verteilt und zu entdecken. Nicht nur Banksy hat sich an den Wänden seiner Heimatstadt mit mehreren Werken verewigt, hier lebt noch eine Vielzahl anderer Street-Art-Künstler. Das bekannte Werk «The Mild Mild West» ist übrigens im Viertel Stokes zu bewundern: ein Teddybär, bewaffnet mit einem Molotowcocktail, der Polizisten hinter Schutzschildern gegenübersteht. Rund um die Nelson Street tummeln sich Künstler wie Conor Harrington, Pixel Pancho oder Nick Walter eindrucksvoll an den meterhohen Wänden. Die Szenen in Bedminster und Southville sind besonders lebendig, hier findet auch das jährliche «Upfest Festival» statt. Es ist eines der grössten Street-Art-Festivals Europas, welches jährlich 25’000 Zuschauer anzieht, die Workshops besuchen oder Künstler live beim Sprühen beobachten.

KUNST AN DER MAUER

Warum ins Museum gehen, wenn Kunst auf der Strasse anzutreffen ist? Seit dem Mauerfall 1989 entfachte ein wahrer Boom an Street Art in der deutschen Hauptstadt Berlin. Gewiss zählt die «East Side Gallery» zu den bekanntesten Anlaufstellen,

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ART & CULTURE

Orang-Utans von Ernest Zacharevic.

«The Mild Mild West» ist ein Wandbild des Graffiti-Künstlers Banksy.

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aber über die Jahre haben in Berlin viele internationale Künstler ihre Spuren an den Wänden der Stadt hinterlassen. Die grössten Werke lassen sich in den Hotspot-Bezirken Mitte, Friedrichshain und Kreuzberg finden. Eines der bekanntesten Werke ist der schwebende «Astronaut Kosmonaut» des französischen Künstlers Victor Ash, der den Kalten Krieg zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion symbolisiert. Das Werk «Make Art Not War» von Shepard Fairey im Bezirk Kreuzberg lässt keine Fragen offen und ist ein klares Statement gegen Krieg und gesellschaftliche Intoleranz. Die Hauptstadt hat jedoch nicht nur imposante Murals zu bieten – wer mit offenen Augen durch die Stadt läuft, entdeckt überall kleinere verborgene Kunstwerke.

DIE FLORIERENDE SZENE DER SEINE-METROPOLE

Paris, die Stadt der Liebe und der Street Art. Wer den Blick hebt beim Schlendern durch die Strassen der Seine-Metropole, entdeckt erstaunlich kreative Wandmalereien. Trotz einer Vielfalt an Museen und Galerien müssen sich die Street-Art-Künstler hier nicht «verstecken», denn Paris ist ein Freiluft-Museum mit Platz für jegliche Form von Kunst. Ob sozialkritisch, nett oder düster – hier findet man eine Vielfalt an Street-Art-Motiven. Das 13. Arrondissement von Paris zählt seit Jahren zu den Hotspots der Street Art. Hier verteilen sich ein paar beeindruckende Werke von Shepard Fairey, darunter der französische Leitspruch «Liberté, Égalité, Fraternité». Direkt nebenan hat der französische Künstler Invader sich mit einem hohen Mosaikwerk, welches den Fernseharzt Dr. House darstellt, verewigt. In den Vierteln Oberkampf, Belleville und Ménilmontant verfügen einige Wände sogar über ihr eigenes künstlerisches Programm. Alle zwei Wochen wird ein Künstler eingeladen, hier sein Werk zu hinterlassen. Die Performance findet öffentlich statt und ist ein wahres Fest für die Augen der Zuschauer.

NEW YORK, NEW YORK

Wie könnte es anders sein: Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss. New York gilt als Geburtsort der Street Art – und natürlich kann dieser Bericht nicht enden, ohne den Big Apple mit einzubeziehen. Kaum eine Stadt ist so schnelllebig, wechselhaft, pulsierend und progressiv wie New York. Das Wort langweilig findet hier keinen Platz, denn hier gelten andere Regeln. Die Stadt, die niemals schläft, ist für Künstler aus aller Welt ein Tummelplatz, und hierzu gehört auch der brasilianische Künstler Eduardo Kobra. Mit leuchtenden Farben, geometrischen Formen und gesellschaftlichen Themen hat er sich an einer Vielzahl von Wänden verewigt. Ob Gandhi, Martin Luther King, Waffen oder Umweltverschmutzung – für ihn ist kein Thema tabu. Im Viertel Bowery entdeckte einst Keith Haring eine leere Betonwand und schuf darauf ein Kunstwerk, welches absolut als Highlight deklariert werden kann. Auf einer Entdeckungstour durch die Stadt dürfen die Viertel SoHo, Chelsea, Lower East Side Manhattan und Brooklyn nicht fehlen. Und wer die Augen offen hält, entdeckt nicht nur die grossen Projekte an den Wänden, sondern auch an Gully-Deckeln, Wasserhydranten oder an Strassenschildern. Street Art Dogs Bracken & Haggis

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EDITOR’S CHOICE KUNST NEU ENTDECKEN

John Updike: Über Kunst / Schriften 1979 – 2008 Piet Meyer

John Updike hat nicht nur fast dreissig Romane und unzählige Essays geschrieben, sondern verfasste auch Texte über Kunst für renommierte amerikanische Magazine wie «The New Yorker» oder «The New Republic». Updikes Kunstessays verbinden das Beste aus beiden Welten: die tief empfundene Nähe zur Kunst, insbesondere der Malerei, die ihn immer wieder ganz genau hinschauen lässt, und die Fähigkeit des Literaten, mit leichter Hand grundlegende Themen des Menschlichen zu erfassen. Der Band ist nach europäischen und amerikanischen Künstlern gegliedert und enthält zahlreiche Abbildungen sowie ein Nachwort.

DER BEGNADETE PLASTIKER

Henri Matisse ist als revolutionärer Maler und Erfinder der Papiers découpés berühmt. Seine plastischen Arbeiten standen lange Zeit im Schatten seines malerischen Werks. Dieses Buch, das anlässlich einer Ausstellung im Kunsthaus Zürich im Herbst 2019 erschien, präsentiert Verwandlungen und Parallelen zu seinem malerischen und zeichnerischen Werk. Matisses unterschiedliche lnspirationsquellen – Aktfotografien, afrikanische und antike Vorbilder – sowie Fotografien, die den Künstler als Bildhauer zeigen, runden die Darstellung ab und präsentieren den französischen Meister von einer unbekannteren Seite.

Kunsthaus Zürich: Matisse – Metamorphosen Scheidegger & Spiess

VERFLOCHTEN

Indiennes sind bedruckte und bemalte Baumwollstoffe, die im 16. Jahrhundert aus Indien nach Europa gelangten. Ganz Europa liess sich im 17. und 18. Jahrhundert von den Indiennes begeistern, sie prägten fast zwei Jahrhunderte lang nachhaltig die damalige Gesellschaft, Wirtschaft und Mode. Erstmals wird ausführlich die Rolle der zahlreichen Schweizer beschrieben, die den höchst rentablen Industriezweig mitgestalteten. Doch nicht nur ökonomische Aspekte zogen Schweizer nach Indien, auch Missionare reisten auf den Subkontinent. Und im 20. Jahrhundert trug ein Schweizer Fotograf Bilder von Gandhis Unabhängigkeitskampf in die ganze Welt.

Schweizerisches Nationalmuseum: Indiennes Christoph Merian

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© Marc Domage

INSIDER – EINE WOCHE

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Autorin_Simone Hoffmann


ART & CULTURE

IM LEBEN EINES KUNSTSAMMLERS

Champagner und Partys? Die Pariserin Sandra Hegedüs zeigt uns den echten Messe-Alltag eines Kunstsammlers.

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WIR

«Wir müssen Vitamine essen und Turnschuhe anziehen!», warnt Sandra Hegedüs lachend am Telefon, «es ist die aufregendste Woche im ganzen Jahr, während der FIAC ist Paris der Nabel der Kunstwelt.» Im Grand Palais geht es erst am Mittwoch los – aber für Insider wie Sandra Hegedüs startet der Marathon schon am Montag. Seit 1990 lebt die gebürtige Brasilianerin in Paris. 2005 hat sie begonnen, Kunst zu kaufen. Für die FIAC-Woche hat Sandra Hegedüs einen disziplinierten Terminplan «Es ist einfach, man ist von morgens bis abends unterwegs und spricht die ganze Zeit mit Leuten», lacht sie. Weil wir es ruhig angehen lassen wollen, beginnen wir am Montag mit der Vernissage der neuen Gruppenausstellung des Palais de Tokyo. Vor dem Eingang des Museums eine mehrere hundert Meter lange Schlange von Besuchern. Sandra Hegedüs geht zielstrebig daran vorbei zum Hintereingang. Der Sicherheitsmann grüsst und öffnet sofort die Tür. Kein Wunder, Sandra ist hier ein bisschen zu Hause. Die ehemalige Filmproduzentin ist nicht nur Sammlerin, sondern auch Mäzenin. 2009 hat sie «Sam Art Projects» ins Leben gerufen, ein Förderprojekt für Künstler aus dem Ausland. Jedes Jahr prämiert ihre Jury zwei Künstler aus nichteuropäischen Ländern, die für eine bis zu achtmonatige Residenz nach Paris eingeladen werden. Die entstandenen Werke werden gerade hier im Palais de Tokyo ausgestellt. «In Frankreich sind viele sehr erfolgreiche Künstler aus Südamerika oder Afrika komplett unbekannt. Mit Sam Art Projects will ich das ändern.» Gleichzeitig unterstützt die Mäzenin auch französische Künstler: «Kultureller Austausch ist mir wichtig. Und ich lebe hier in Frankreich, da ist es normal, den Künstlern hier zu helfen, im Ausland ihre Projekte zu realisieren.»

dass man in Paris auch kostenlos auf der Strasse Kunst entdecken kann. Und dann gibt es noch die OFF-Messen, die sehr gut sind: Asia Now, Paris Internationale, Galeristes. Selbst jemand, der noch nie gekauft hat, kann da interessante Künstler entdecken.» Die Vernissage der Ausstellung im Petit Palais ist auch ein Pflichttermin. Als bekannte Sammlerin und Mäzenin muss Sandra bei diversen Events dabei sein, um «ihre» Künstler zu unterstützen. Laute Musik dröhnt uns entgegen. Aber das interessiert Sandra Hegedüs weniger als die Ritterrüstung, die sie in einer Ecke entdeckt. Ein Kunstwerk des französischen Künstlers Abraham Poincheval, der für seine Extrem-Performances bekannt ist. Er schliesst sich schon mal gerne mehrere Tage in einen Felsen oder in eine Bärenhaut ein. «Abraham, bist Du da drin? Beweg mal Deinen kleinen Finger», ruft Sandra. In der Ritterrüstung rührt sich nichts. «Er ist da drin, aber er kann stundenlang bewegungslos bleiben. Faszinierend, oder?» Es ist kaum 21 Uhr, aber Sandra Hegedüs verabschiedet sich. «Morgen müssen wir fit sein!», ruft sie mir zu. AUSDAUERLAUF Pünktlich um elf Uhr warten wir am Mittwoch mit hunderten anderen Sammlern auf Einlass in den Grand Palais. Der Tag vor der Publikumsöffnung ist speziell für wichtige Kunstsammler reserviert. Man spürt die aufgeladene Atmosphäre, denn wer hier kaufen will, muss schnell handeln. Sandra Hegedüs ist keine Ausnahme. Bereits nach zehn Minuten tätigt sie den ersten Kauf: ein Werk des Künstlerduos Ida Tursic und Wilfried Mille, beide 2019 für den Prix Marcel Duchamp nominiert. Aber das ist es nicht, was die Sammlerin motiviert. «Meine Käufe sind impulsiv. Es geht nicht um eine Geldanlage, sondern ich verliebe mich in ein Werk. Und das hier ist witzig, unerwartet.» Ein weiterer Kauf mit einem Werk des Schotten Douglas Gordon folgt kurze Zeit später. Die Messe ist aber seriöse Arbeit: An jedem französischen Messestand verbringt sie Zeit, um mit den Galeristen über ihre Künstler zu sprechen, etwas über neue Projekte zu erfahren. Nach stundenlangem Messe-Laufen und trotz Turnschuhen sind wir beide k.o. Aber das Abendprogramm ist heute ziemlich

WARM-UP Mit dem Palais de Tokyo haben wir uns ein bisschen warmgelaufen. Am Dienstag besichtigen wir die Tuilerien-Gärten, dort sind extra für die FIAC 25 Werke von Künstlern installiert. Für Sandra Hegedüs ein Pflichtprogramm: «Das Besondere an der FIAC ist,

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© Simone Hoffmann

ART & CULTURE

© Simone Hoffmann

Der Kolumbianer Ivan Argote ist einer von Sandras Schützlingen. Seine Beton-Skulpturen haben ihn in Südamerika zu einem der wichtigsten Newcomer gemacht.

«Grossartiges Werk, da brauche ich ein Foto», ruft Sandra Hegedüs, als wir am Werk von Paula Cooper vorbeigehen.

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© Galerie Nathalie Obadia

© Photo Archive Adagp

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OBEN Eine der wichtigsten OFF-Messen ist Galeristes im Carreau du Temple. Eine sehr pointierte Auswahl von unabhängigen französischen Galerien. UNTEN Im Petit Palais sind aussergewöhnliche Werke zu entdecken. Diese Installation stammt von Laure Prouvost, die dieses Jahr Frankreich auf der Biennale von Venedig repräsentiert hat.

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ART & CULTURE

ein wichtiger Karriereschritt. «Wenn ich dabei helfen kann, dann ist das wunderbar», erklärt sie. Nach mehreren Stunden kommt es hinter geschlossenen Türen zur Abstimmung. Sandra Hegedüs entschuldigt sich aber noch vorher: Eine Gruppe von Brasilianern besichtigt heute ihre eigene Sammlung. Während der Messe ist es in Paris gang und gäbe, dass Sammler zu einer privaten Führung ihr Haus öffnen. Sandra Hegedüs’ Sammlung umfasst mehrere hundert Werke «Das ist die Geschichte meines Lebens! Die Sammlung ist mein eigenes Kunstwerk. Als ich mich scheiden liess, war die Sammlung traurig. Und dann wieder fröhlich, als ich mich neu verliebt habe», erklärt Sandra. Zu jedem Kunstwerk gibt es eine Anekdote: «Bei dieser Zeichnung von Douglas Gordon lagen eigentlich die Schnitze von einem gespitzten Bleistift darunter. Aber meine Putzfrau hat sie weggefegt.» Die Gäste verabschieden sich erst, als es dunkel wird.

aufregend: Die Eröffnung der Mega-Galerie David Zwirner ist heute der place to be. Um 19 Uhr quetschen sich die Besucher durch die Ausstellungsräume, die Kunst ist kaum noch zu sehen. Beim anschliessenden Empfang im Restaurant Loulou, strikt für geladene Gäste, geht es sehr viel zivilisierter zu. Natürlich ist Sandra Hegedüs dabei, auch wenn sie schulterzuckend zugibt: «Diese Empfänge sind nicht so mein Ding. Da geht’s ja nicht um Kunst!» Bei Champagner und Häppchen tauscht sie sich mit Künstlern und anderen Sammlern aus. Alle sind sich einig: 2019 ist ein grossartiger Jahrgang. Den letzten Termin des Tages erledige ich alleine, Sandra verweist lachend auf ihre Füsse: «Ich muss mal Pause machen!» Los geht’s in die Vorstadt Pantin. In der museumsgleichen Galerie von Thaddaeus Ropac findet ein Konzert des französischen Sängers Adam Naas statt. Inmitten der Werke von Georg Baselitz. Dazu gibt es Mousse au chocolat, Macarons und natürlich Champagner – Thaddaeus Ropac versteht es aufs Beste, die Sammler zu verwöhnen.

ZIELEINLAUF Die Woche neigt sich dem Ende zu. Am Freitagabend nimmt mich Sandra zu unserem letzten Termin mit. Sie ist Jurymitglied des Prix Ricard, eines wichtigen Preises für Nachwuchskünstler. Genau der richtige Termin, um ein Resümee zu ziehen. «Es geht mir immer darum, Künstlern zu mehr Freiheit zu verhelfen. Die Galerien geben den Künstlern Wurzeln, ich will ihnen Flügel geben», meint sie. Und mit einem Gähnen fügt sie hinzu: «Nach diesem Abendessen geh ich aber nach Hause und zieh den Schlafanzug erst am Montag wieder aus!»

SPRINT Donnerstagfrüh werden bereits Kisten aus dem Grand Palais geschafft: Die Galerien haben am Vortag gut verkauft und bestücken ihre Stände für die Publikumsöffnung neu. Dieses Mal ist Sandra Hegedüs als Mitglied des Einkaufskomitees des Centre Pompidou auf der Messe. Während des FIAC-Besuchs werden Neuerwerbe vorgeschlagen, über die das Komitee anschliessend abstimmt. Ihre Rolle als Komitee-Mitglied nimmt Sandra ernst. In die Sammlung des Centre Pompidou aufgenommen zu werden, ist für Künstler

© André Morin

Baitogogo, die Ausstellung des brasilianischen Künstlers Henrique Oliveira, der 2013 mit Sam Art Projects nach Paris kam, im Palais de Tokyo.

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V VITRA

Dieses Jahr feiert das Vitra Design Museum in Weil a. Rhein sein 30-Jahr-Jubiläum. Die aktuelle Ausstellung im Vitra Design ­Museum läuft bis 19. Januar 2020 unter der Überschrift «Objekte der Begierde. Surrealismus und Design 1924 – heute».

K S

SCHEIDEGGER & SPIESS

Das Werk des Basler ­Künstlers Bruno Gasser (1947–2010) kreiste ­u nablässig um das Thema Gras. In dieser einmaligen Monografie zeigen die ­Fotografen Martin P. Bühler und Marcel Baumann ­Gassers Werk aus ganz besonderen Blickwinkeln.

KUNSTHALLE ­«TALSTRASSE»

Mit der Ausstellung «Das Frauenbild der 1920er Jahre. Zwischen Femme fatale und Broterwerb» zeigt die KUNSTHALLE «Talstrasse» mehr als 70 Werke aus Malerei und Grafik der klassischen Moderne aus der Sammlung Frank Brabant (Wiesbaden).

TRENDS by

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ART & CULT URE

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Die Beistelltische «Windows of Bo Bardi» sind inspiriert vom Architekturstil des Brutalismus. Erhältlich in drei verschiedenen Varianten: Betonverbund, lackiertes Holz und Tulpenholz.

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ART & CULTURE

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AUS DEM LEBEN EINES GALERISTEN: MUSIK LIEGT Autor_Wilhelm J. Grusdat

IN DER LUFT Freundschaften mit Pablo Picasso können ganz schön wild werden. Das musste auch der Komponist Igor Strawinsky feststellen. Die beiden versuchten, ihre Freundschaft durch kleine Geschenke zu erhalten. In einem Telegramm setzte Strawinsky beispielsweise Picassos kubistische Malerei in Musik um. Die Notenlinien der Klarinettenmelodie liessen sich sowohl horizontal als auch vertikal lesen, sodass das einfache Stück je nach Leserichtung immer komplexer wurde. Picasso bedankte sich mit drei kleinen Portraits des Komponisten. Eines davon war so abstrakt, dass der Komponist bei seiner Einreise in die Schweiz mit der Grenzpolizei Schwierigkeiten bekam. Diese dachte, die Zeichnung sei ein codierter Militärplan, und liess sich erst nach einem ausgiebigen Verhör davon überzeugen, dass es sich tatsächlich um Kunst handelte. Aus Andy Warhol und David Bowie wurden nie Freunde. Das mag wohl daran gelegen haben, dass Warhol das ihm gewidmete Lied nicht leiden konnte. Eigentlich wollte der Musiker darin nur seine Bewunderung für den Künstler zum Ausdruck bringen, den er bis dahin noch nicht persönlich kennengelernt hatte. Allerdings beginnt die fertige Aufnahme mit einem Gespräch zwischen Bowie und seinem Manager, in dem sie diskutieren, wie man den Namen Warhol richtig ausspricht. Im Lied selbst werden seine kleinen und grossen Eitelkeiten diskutiert. Warhol fand das überhaupt nicht lustig. Bei der einzigen Liveperformance in seiner Factory verliess er schweigend den Raum, ohne je wieder das Gespräch mit Bowie zu suchen. Ironischerweise war es dann der Musiker, der Warhol im Kinofilm «Basquiat» verkörpern durfte. David Byrne, Sänger und Gitarrist der Band Talking Heads, engagierte Robert Rauschenberg für die Gestaltung des Albums «Speaking in Tongues». Rauschenberg verwendete hierfür eine Idee, die er schon in seiner Skulpturenserie «Revolver» angewendet hatte. Hier hatte er fünf Plexiglasscheiben hintereinander in eine Metallhalterung montiert. Die Scheiben waren mit unterschiedlichen Motiven in Rot, Grün, Blau und Gelb bedruckt. Schaltete man den Motor ein, dann drehten sich die Scheiben, sodass immer neue Kompositionen sichtbar wurden. Für das Album liess Rau-

«Was ich wirklich machen wollte, war Musik. Aber meinen Brotjob kann ich dafür nicht aufgeben!» schenberg eine durchsichtige Schallplatte mit einer dreifarbigen Collage bedrucken, die dieses Prinzip der Farb- und Formmischung aufnahm. Der Prozess war so langwierig und kostspielig, dass Byrne sich nach drei Jahren Produktionszeit gezwungen sah, eine zweite, günstigere Version herauszugeben. Erstaunlicherweise gehörte Andy Warhol zu den Superfans, die 100 Dollar für Rauschenbergs Version ausgaben. Roy Lichtenstein liebte Musik und beherrschte neben Klavier auch Klarinette und Saxophon. In einem Interview erklärte er: «Was ich wirklich machen wollte, war Musik. Aber meinen Brotjob kann ich dafür nicht aufgeben!» Markus Lüpertz geht es ähnlich: Als Maler ist er berühmt, spielt aber nebenher seit über 20 Jahren als Jazzpianist in einer Band. Dabei handelt es sich um die experimentelle Freejazz Band «TTT – Triple Trip Touch», die 1983 in New York vom Maler A. R. Penck und dem Musiker Frank Wollny gegründet worden war. Als Penck mit der Holzbildhauerei anfing, wechselte er vom Klavier zum Schlagzeug. Es gibt wohl gewisse rhythmische Ähnlichkeiten zwischen dem Hämmern auf einen Holzklotz und einer Trommel. Als er sich Mitte der 90er nach Irland zurückzog, stieg Lüpertz als permanenter Jazzpianist in die Band ein. Inzwischen sind seine dynamischen Auftritte berühmt, bei denen er die Tasten in rasantem Tempo bearbeitet und nicht selten mit blutigen Fingern von der Bühne wankt.

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DIE STIMME DES REGENWALDES WÄHREND BRUNO MANSER VON 1984 BIS 1990 IM DSCHUNGEL BORNEOS LEBTE, ENTSTANDEN SEINE FASZINIERENDEN «TAGEBÜCHER AUS DEM REGENWALD»: AUFZEICHNUNGEN ÜBER FLORA UND FAUNA SOWIE ÜBER SPRACHE, KULTUR UND LEBENSWEISE DER PENAN, DER DORT LEBENDEN INDIGENEN BEVÖLKERUNG. NEBEN DEN SPANNENDEN TEXTEN BEEIN­ DRUCKEN VOR ALLEM DIE MIT AUSDAUERNDER HINGABE UND GROSSER DETAILTREUE GEZEICHNETEN UND KOLORIERTEN BILDER. MANSER MAHNTE UNS BEREITS DAMALS, DASS DIE ABHOLZUNG DER LETZTEN REGENWÄLDER NICHT NUR DEN LEBENSRAUM DER PENAN ZERSTÖRT, SONDERN AUCH MASSGEBLICH ZUM KLIMAWANDEL BEITRAGEN WIRD.

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Autorin_Swenja Willms Bilder_Christoph Merian Verlag


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MANSERS

Mansers Berichte und Zeichnungen über Kultur und Lebensalltag der Penan sowie präzise Einblicke in Fauna und Flora sind einzigartig. In den Tagebüchern erfahren wir auch von seinem Kampf für die Erhaltung des Lebensraums der Ureinwohner. Das brachte ihn in Gefahr. Auf ihn war ein Kopfgeld in Höhe von 50’000 Dollar ausgesetzt. Zur Flucht gezwungen, übergab er seine Aufzeichnungen Freunden, Medienschaffenden oder Touristen, die die Dokumente in die Schweiz mitnahmen. Die Tagebücher zeigen einen Beobachter, der Verantwortung für die Umwelt übernimmt und hinschaut, wo andere wegsehen. Trotz der Gefahr besuchte Manser später immer wieder die Penan. Von seiner letzten Reise in den Norden von Sarawak ist er nicht zurückgekehrt: Seit Mai 2000 wurde er vermisst und am 10. März 2005 amtlich für verschollen erklärt. Sein Schicksal ist bis heute ungewiss. 2004 wurden seine fast zweitausend Seiten umfassenden Tagebücher mit Notizen und Zeichnungen aus sechs Jahren Leben im Regenwald erstmals veröffentlicht – sie fanden sehr grossen Zuspruch und Aufmerksamkeit. Lange waren die Tagebücher vergriffen, nun erscheint eine neu überarbeitete und mit eingelegter Landkarte erweiterte 4. Auflage. Ausserdem widmet das Historische Museum Basel dem Aktivisten die Kabinettausstellung «Staatsfeind – Bruno Manser und der Regenwald». Mansers Anliegen sind aktueller denn je. Viele, vor allem junge Menschen engagieren sich heute für einen nachhaltigen Ressourcenumgang und setzen sich für den Schutz des Weltklimas ein. Manser hat in seinen Aufzeichnungen die Bedeutung der Erhaltung der für das Weltklima so wichtigen Regenwälder erkannt und beschrieben – seine Tagebücher sind sein Vermächtnis. ÜBER DEN AUTOR: Bruno Manser (geboren 1954 in Basel) engagierte sich viele Jahre für die Erhaltung und den Schutz des Lebensraums der Penan, der ursprünglichen Bewohner Borneos. Von seiner letzten Reise nach Sarawak ist er nie zurückgekehrt. Noch heute führt der von ihm gegründete Bruno Manser Fonds seinen Kampf für die Penan und deren Lebensraum sowie für andere indigene Völker fort.

Bruno Manser – Tagebücher aus dem Regenwald Bruno Manser Fonds (Hg.) Broschur, 720 Seiten 2019 Christoph Merian Verlag Die überarbeitete Neuauflage des Bestsellers beinhaltet neu eine grossformatige Landkarte mit Ortsre­ gister und ein Gedicht von Franz Hohler an Bruno Manser. Kabinettausstellung «Staatsfeind –  Bruno Manser und der Regenwald» im Historischen Museum Basel von September 2019 bis Februar 2020.

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AUS DEM HERZEN DER SCHWEIZER ALPEN Im wunderschönen Simmental ist das Schreinerhandwerk noch ein traditionelles Handwerk. Der Stolz auf unsere Arbeit zeigt sich in jeder von uns individuell angefertigten Küche. Die raue Landschaft, die majestätischen Berge und die unberührte Natur inspirieren dabei unsere Arbeit. Ob Penthouse-Besitzer oder Chalet-Liebhaber, sie alle teilen die Leidenschaft mit uns, die uns dazu motiviert, die exklusiven Küchenträume unserer Kunden wahr werden zu lassen. Die Zbären Küchen werden dabei mit hochwertigsten Materialien in feinster Handarbeit und mit hochmodernen Maschinen gefertigt. Von der kleinen Manufaktur im Herzen der Schweizer Alpen liefern wir die massgefertigten Küchen in die ganze Welt.

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TR AV ELTRAVEL

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CHINA EINE REISE ÜBER DIE ZUKUNFT IN DIE VERGANGENHEIT Autor_Daniel Huber Bilder_Marcel Steiner 

Blick vom Yu Garden auf den Shanghai Tower, der das zweithöchste Gebäude der Welt ist.

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VON DER ÜBER 400 KM / H SCHNELLEN MAGNETSCHWEBEBAHN IN SHANGHAI ZU DEN ARCHAISCHEN WASSERBÜFFELN IN DEN REISFELDERN VON YUANYANG. EINE 8000 KILOMETER LANGE RUNDREISE DURCH EIN FASZINIERENDES LAND IM UM- UND AUFBRUCH.

Abgesehen von den asiatischen Gesichtszügen der meisten anderen Reisenden und den chinesischen Schriftzügen auf den Schildern könnten wir nach unserem zwölfstündigen Direktflug ab Zürich ebenso gut in New York gelandet sein. Auch hier werden wir wie Schafe durch grosse Hallen, vorbei an Fingerabdruck-ScanMaschinen und Stehtischen mit Einreiseformularen in die Koppeln der Einwanderungsbehörden getrieben. Endlich ist auch die letzte gelbe Wartelinie-Hürde überwunden, und eine mürrisch gelangweilte Beamtin gibt in ihrem Kabäuschen widerwillig das Einreise-Okay per Stempel. Immerhin drehen auf dem Gepäckband bereits die unversehrten Koffer ihre Runden. Bleibt noch ein letzter X-Ray-Check des Gepäcks, und wir sind rund eineinhalb Stunden nach der Landung tatsächlich in Shanghai angekommen, was okay ist. So weit kein grosser Unterschied zum Ankommen beim grossen Gegenspieler im fernen Westen. Doch dann fahren wir in einem fast neuen, sauber herausgeputzten Taxi Richtung Shanghai und werden anders als in New York weder von Schlaglöchern noch von Baustellen und Staus aus­ gebremst. Auf der neuen, sechsspurigen Autobahn geht es zügig voran, wobei auffällig viele Luxus- und vor allem auch Elektro-­ Limousinen mit grünen Nummernschildern unterwegs sind. In der Ferne sind auch schon die Umrisse der imposanten Skyline zu erkennen, als wir plötzlich rechts auf einer erhöhten Trasse in rasendem Tempo von einer Magnetschwebebahn überholt werden. Diese beschleunigt auf der 30 Kilometer langen Pilotstrecke zwischen dem Flughafen und dem neuen Expo Centre bis auf eine Topgeschwindigkeit von 430 km / h und ist damit der schnellste, kommerziell genutzte Zug der Welt. Wer als «Westler» via Shanghai durch China reisen will, reist zuerst in die Zukunft. RUHIGE, GRÜNE STADT MIT ELEKTRO-ROLLERN Je nach Quelle und Erhebungsart ist Shanghai mit aktuell über 25 Millionen Einwohnern eine der grössten, wenn nicht sogar die grösste Stadt der Welt. Umso verblüffender ist der erste Eindruck, nachdem wir von der Hochautobahn, die ringförmig die

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Metropole erschliesst, ins Zentrum hinabtauchen. Trotz morgendlichem Berufsverkehr ist das Chaos auf den Strassen moderat. Auch als wir am Nachmittag durch das schmucke Quartier der French Concession schlendern, bleibt die erwartete asiatische Grossstadt-Hektik aus. Im Gegenteil, zumeist führen schmucke Alleen vorbei an Wohnhäusern mit Gärten und Parkanlagen. Das Quartier versprüht den internationalen Charme von einst mit einer Fülle von kleinen Boutiquen, Cafés und Bars. Doch vor allem fehlt der Gestank von Tausenden von Benzin-Rollern oder Tuk-Tuks, wie man es von Bangkok oder Manila her kennt. Diese wurden quasi per Dekret in Form von extrem teuren Abgaben von den Strassen verbannt. So erfolgt die Nahversorgung und Mobilität zumeist über surrende Elektro-Roller oder Sharing-Fahrräder. Touristisches Epizentrum in Shanghai ist aber der Bund, wo wir uns mit dem Hotel «Peninsula» im ersten Haus am Platz einquartiert haben. Von der Flusspromenade aus werden tagtäglich Abermillionen Fotos und Selfies mit der Skyline von Shanghai geschossen. Diese beinhaltet die Wolkenkratzer des Finanzviertels auf der anderen Seite des Huangpu-Flusses. Es handelt sich dabei um den westlichen Teil des Stadtbezirkes Pudong, der in den Neunzigerjahren als Business- und Wohngebiet aus dem Boden gestampft wurde. Markantes Wahrzeichen der Stadt ist dort der 1995 fertiggestellte Fernsehturm «Oriental Pearl Tower». Mit seinen 468 Metern war er damals das höchste Gebäude Chinas. Doch seither ist viel passiert, nicht nur in Shanghai, sondern in der ganzen Volksrepublik. Hier werden unsere Trends von morgen schon heute gelebt. So wird zum Beispiel kaum noch mit Bargeld bezahlt, sondern per QR-Code und Smartphone. Der Zwischenschritt mit Kreditkarten erfolgte in China eher stiefmütterlich und scheint auch nicht mehr weiterentwickelt zu werden. Egal ob im Supermarkt, auf dem Fischmarkt, bei der kleinen Dumpling-Küche am Strassenrand, für die Fahrt im chinesischen Uber-Pendant namens Didi oder in der Luxus-Boutique, fast ausnahmslos wird über das Smartphone mit WeChat Pay oder Alipay online bezahlt. BEZAHLEN UND ÜBERWACHEN MIT GESICHTSERKENNUNG Bei den Hema-Shops des Internet-Giganten Alibaba erfolgt das Bezahlen der per App registrierten Kunden bereits via Gesichtserkennung. Diese neue Technologie wird auch vom Staat im grossen Stil für die allgegenwärtige Überwachung genutzt. Wohin dies schon bald in ganz China führen dürfte, leben bereits einige Pilotstädte vor, in denen alle Bewohnerinnen und Bewohner flächendeckend Video-überwacht und nach einem sozialen Punktesystem bewertet werden. Bei Rot über die Strasse gehen gibt Abzüge, gesundes Essen kaufen und die Grossmutter besuchen Pluspunkte. Fast nichts bleibt dem Auge des Staates verborgen. Vorbildliche Bürger werden mit Annehmlichkeiten belohnt, diejenigen am anderen Ende der Skala mit verschiedensten Massnahmen und Einschränkungen bestraft. Erstaunlicherweise wird dieser gigantische Überwachsapparat von den Chinesen selber eher gelassen bis sogar positiv aufgenommen und in den staatseigenen Medien gar als Allheilmittel gegen Betrug und Korruption im kleinen und grossen Stil gefeiert. Auf der auch für uns spürbar positiven Seite hat diese gelebte George-Orwell-Vision die Kriminalität markant gesenkt. So gehört Shanghai wohl zu den sichersten Grossstädten der Welt. Wir haben uns denn auch auf der ganzen Rundreise durch China nie unsicher oder bedroht gefühlt.


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Andererseits wissen die Chinesen wohl wie keine andere Nation, die Massen effizient zu bewegen, sei es bei den modernen Terminals der Hochgeschwindigkeitszüge, in der Verbotenen Stadt oder den riesigen Hallen der Terrakotta-Krieger in Xian. Alles nimmt geordnet seinen Gang. Doch wer in kleinen Gruppen oder gar mit Privat-Guide unterwegs ist, dem bieten sich trotz allem immer noch Möglichkeiten, die wirklich eindrücklichen Orte in Ruhe auf sich einwirken zu lassen. Das gilt sowohl an den Kulturstätten als auch abseits der breiten Trampelpfade in den Naturparks.

NANJING LU: DIE LUXUS-EINKAUFSMEILE Doch Shanghai überrascht nicht nur mit futuristischen Transport- und Zahlungsmitteln, die Nanjing Lu ist eine der längsten und prächtigsten Einkaufsstrassen der Welt. Hier bietet die Volksrepublik auf einer Länge von rund sechs Kilometern schamlos kapitalistische Luxusgüter aus aller Welt zu westlichen Preisen feil. Insbesondere im westlichen Teil übertreffen sich Gucci, Armani, Prada, Louis Vuitton und Co. mit immer noch pompöseren Einkaufstempeln. Für die viel zitierte, 400 Millionen Menschen umfassende neue Mittelschicht Chinas dürften diese Luxusgüter grösstenteils immer noch ausser Reichweite sein. Doch wächst die Zahl der Millionäre oder gar Milliardäre wohl nirgends so schnell wie in Shanghai. Das schlägt sich auch im automobilen Strassenbild nieder, das durchaus mit demjenigen rund um den Zürcher Paradeplatz vergleichbar ist. Doch so wenig New York für die ganzen USA steht, ist Shanghai nicht gleich China. Das zeigt sich bereits in der Hauptstadt Beijing, die wir extrem bequem mit einem Hochgeschwindigkeitszug erreichen, der mit einer Geschwindigkeit von über 300 km / h die 1320 Kilometer lange Strecke in lediglich viereinhalb Stunden zurücklegt. In der Hauptstadt ist weniger die Zukunft als die grosse Geschichte der einstigen Kaiser und des Grossen Führers Mao Zedong präsent. Nach einem eindrücklichen Tagesausflug zur grossen Mauer werden wir während zweier Tage fast schon atemlos durch die Verbotene Stadt, Sommerpalast, Himmelstempel, Tiananmen-Platz und Olympiastadion geführt. Bei diesen touristischen Highlights wird uns schnell deutlich: «Overtourism» ist nicht nur ein europäisches Phänomen. Die erst vor kurzem herangewachsene Mittelschicht Chinas hat nicht nur den Konsum, sondern auch das Reisen entdeckt, und wer will es ihr verübeln. So werden auch hier alle bekannten Sehenswürdigkeiten überflutet von chinesischen Reisegruppen, die von mit Megaphonen oder Funkmikrophonen bewaffneten lauten Guides angeführt werden. Westliche Besucher verkommen daneben zur vernachlässigbaren Minderheit.

VOM TOURISMUS GESCHLUCKTES LONGSHENG Spätestens als wir von Guilin in die Region Longsheng reisen, bekommen wir aber auch einen Eindruck davon, was ein ungebremst anschwellender Touristenstrom mit einem einst abgeschieden verträumten Ort anrichten kann. So führt der Weg ins Tal über ein eigentliches Touristen-Check-in-Tor mit gigantischem Bus-Parkplatz, Souvenir-Shops und Restaurants. Dort müssen die Zutrittstickets für den Bezirk gekauft werden. Danach geht es praktisch im Konvoi zu den drei Dörfern, wobei Ping’an, das nur zu Fuss erreicht werden kann, das bekannteste ist, da es die schönsten Ausblicke, respektive Selfie-Kulisse, auf die jahrhundertealten Reisterrassen bietet. Das führte in diesem einst so entrückten Bergdorf zu einem unbändigen Bauboom, der kaum mehr etwas vom einstigen Zauber des Dorfes übriglässt. Da macht es Yangshuo nördlich von Guilin mit seinem Eco-Park, der tagsüber nur von den Bewohnern der Dörfer mit Autos befahren werden darf, deutlich besser. Hier radeln die Touristen gemütlich auf Fahrrädern durch die atemberaubend schöne Karstfelsen-Landschaft – oder noch besser, sie lassen sich auf den typischen Bambusflössen den Yulong-Fluss runtertreiben. Diese Flösse werden im Übrigen auch von den Kormoran-Fischern verwendet. Doch auch diese finden ihr Auskommen mittlerweile vor allem als Foto-Sujets für Touristen und weniger mit dem Verkauf der gefangenen Fische. Ebenfalls innerhalb des Parks im kleinen Dorf Jima befindet sich etwas erhöht das sehr empfehlenswerte

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Einer grossen Tradition verschrieben: ein Kalligraph auf dem Markt von Guilin.

Menschgemachtes Naturspektakel: die Reisterrassen von Yuanyang.

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«Yangshuo Ancient Garden Boutique Hotel». Diese wohltuend ruhige Oase mit stilvoll umgebautem Herrenhaus, wunderschöner Gartenanlage und Pool bietet eine willkommene Auszeit für gestresste China-Reisende. JAHRHUNDERTEALTE REISTERRASSEN MIT WASSERBÜFFELN KULTIVIEREN Danach geht es mit dem Hochgeschwindigkeitszug von Guilin in etwas mehr als vier Stunden ins rund 1000 Kilometer östlich gelegene Kunming, wobei mindestens ein Drittel der geradlinig durch die Berge gehauenen Strecke in Tunnels verläuft. Die Hauptstadt der Provinz Yunnan liegt auf rund 2000 Meter und ist bekannt für ihre vielfältige Minderheiten-Bevölkerung, das angenehme Klima, das reichhaltige Essen und die bald 40-jährige Städtepartnerschaft mit Zürich. Hier ist auch der nächstgelegene Flughafen zu einem weiteren Tourist-Hotspot: die Reisterrassen von Yuanyang, welche 2013 in die Liste der UNESCO-Weltnatur­ erben aufgenommen wurde. Spätestens seit dann gibt es bezüglich der touristischen Erschliessung dieses vom Hani-Volk vor über 1300 Jahren geschaffenen Wunderwerks kein Halten mehr. Entlang der neuen Zubringerstrasse gibt es über ein halbes Dutzend Aussichtsterrassen mit grossen Parkplätzen, die nach dem Kauf eines Eintrittstickets je nach Tageszeit das perfekte Bild der Reisterrassen garantieren. Und überall schiessen neue Hotels und Restaurants aus dem Boden. Anderseits wird die Schwerstarbeit in den Terrassen wie seit Jahrhunderten immer noch von Wasserbüffeln und zumeist Frauen verrichtet. Anders als in den Städten braucht der Wandel von der Steinzeit zur Supermoderne in dieser bis vor zehn Jahren praktisch von der Umwelt abgeschlossenen Region im Südwesten Chinas deutlich länger, zumal es auch nicht im Interesse der Zentralregierung sein dürfte, dass es besonders schnell passiert. Schliesslich will man der reisenden Mittelschicht den Blick auf die eigenen – wenn auch menschgemachten – Wunder der Natur mit grosser Vergangenheit nicht verwehren. IM EINZELKONTAKT AUSNAHMSLOS FREUNDLICH UND HILFSBEREIT Nach vier Wochen und rund 8000 zurückgelegten Kilometern fliegen wir von Shanghai nachdenklich zurück nach Europa. Das einstige Reich der Mitte ist definitiv aus dem kommunistischen Winterschlaf erwacht. Und das Image der billigen Werkbank des Westens stimmt längst nicht mehr. China ist ähnlich der Magnet­ schwebebahn von Shanghai bezüglich Innovations- und Wirtschaftskraft bereits an uns vorbeigerauscht, zumindest in den grossen Millionen-Metropolen, allen voran Shanghai. Die Entwicklung dieses 1,4 Milliarden Menschen mächtigen Landes in den vergangenen zehn Jahren dürfte einzigartig sein. Wir sind froh um all die Erfahrungen, Eindrücke und vor allem auch persönlichen Begegnungen mit den Menschen in China. Diese mögen für uns «Westler» in der Gruppe häufig etwas laut und rüpelhaft daherkommen, aber einzeln im direkten Kontakt waren sie ohne Ausnahme durchwegs freundlich und überaus zuvorkommend. Die Summe all dieser Eindrücke und Erfahrungen macht China zu einer extrem spannenden Reisedestination, die für jede und jeden viele Überraschungen bereithalten und eine Menge Vorurteile in ein anderes Licht rücken wird.

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Tipps REISEN IN CHINA Wer in China herumreisen will, sollte das in einer kleinen Gruppe oder noch besser mit Privat-Guide und Fahrer tun. Das macht die Reise nicht nur angenehmer, sondern auch spannender. Englischsprechende Chinesen sind ausserhalb von internationalen Hotels und Restaurants immer noch die grosse Ausnahme. Entsprechend schwierig wird es, abgesehen von den üblichen Reisetätigkeiten, auch etwas über China und seine reichhaltige Kultur in Erfahrung zu bringen, sei es im Museum, beim Essen oder beim Spaziergang durch die Altstadt.

DIE REISEROUTE Von Shanghai mit Hochgeschwindigkeitszug nach Beijing, Nachtzug nach Xian, Flug nach Guilin, Fahrt nach Longsheng, Yangshuo und zurück nach Guilin, Hochgeschwindigkeitszug nach Kunming, Fahrt nach Tonghai, Jian Shui, Yuangyang und via Lunan zurück nach Kunming, Flug nach Shanghai.

PERSÖNLICHE TIPPS ZUSÄTZLICH ZU DEN BEK A NNTEN TOU RISTEN-HOTSPOTS Die Grosse Mauer bei Jinshanling besuchen, das ist circa 120 Kilometer nordwestlich von Beijing, die zusätzliche Fahrtzeit lohnt sich, in Beijing zudem eines der traditio­ nellen Hutong-Stadtviertel besuchen. In Xian ist neben den TerrakottaKriegern auch das muslimische Viertel mit der Grossen Moschee und dem Strassenmarkt sehenswert. Auf dem Weg von Kunming zu den Reisterrassen von Yuanyang im schmucken Städtchen Jian Shui Zwischenstopp machen.

Seit Jahrhunderten werden die Felder bei Yangshuo mit Wasserbüffeln bewirtschaftet.

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ERSTE A DRESSE A M BU ND Das «Peninsula» ist am nördlichen Ende des Bund an bester Lage. Bewohner von «River-Side»-Zimmern oder -Suiten werden entsprechend mit einer atemberaubenden Aussicht auf die Skyline von Pudong am andern Flussufer geweckt. Diese wird eigentlich nur noch vom nächtlichen Blick von der Rooftop Bar im 14. Stock übertroffen. Das Fünf-Sterne-Luxus-Hotel wurde 2009 im Art-déco-Stil gebaut und bietet allen erdenklichen Komfort. Dabei werden Gäste auch kulinarisch rundum verwöhnt. Zusätzlich zum Restaurant in der Lobby gibt es einerseits das mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnete Restaurant «Yi Long Court» mit kantonesischer Küche und andererseits das modern europäisch ausgerichtete Restaurant «Sir Elly’s» mit einem Michelin-­ Stern. Im angrenzenden Park befindet sich zudem die ehemalige britische Botschaft. Im ehrwürdigen Gebäude serviert das Hotel Nachmittagstee, und es kann zudem für Festanlässe gebucht werden. Hotel Peninsula, No.32 The Bund – Shanghai www.peninsula.com Sehr empfehlenswert in Yangshuo Hotel Yangshuo Ancient Garden Boutique Hotel No. 31, Jima Village – Yangshuo, www.yangshuoancientgarden.com Der Schweizer China-Spezialist Tourasia arbeitet mit der lokalen Partneragentur China Travel Navigator in Xian zusammen. +41 (0)43 233 30 90 www.tourasia.ch


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Ein Golfparadies auf der Insel des ewigen Frühlings Autor_Urs Hübscher Bilder_Los Jardines de Abama

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NUR WENIGE FLUGSTUNDEN VON DER SCHWEIZ ENTFERNT BEFINDET SICH DAS BESTGEHÜTETE GEHEIMNIS EUROPAS: DAS ABAMA RESORT. ES LIEGT ABGELEGEN IN EINER DER RUHIGSTEN ECKEN TENERIFFAS AUF EINEM WEITLÄUFIGEN GRUNDSTÜCK, DAS SICH BIS ZU DEN VORBERGEN DES TEIDE HINAUF ERSTRECKT.

Meerausrichtung findet jeder, was er sucht. Die Appartements haben eine Fläche von 62 bis 143 Quadratmetern mit Terrassen von 22 bis 128 Quadratmetern. Sie sind komplett möbliert und mit Top-Marken wie Porcelanosa, Axor, Hansgrohe und Duravit ausgestattet, sodass Eigentümer nur die Tür aufschliessen und geniessen können. Jedes Appartement verfügt über einen Parkplatz und einen privaten Abstellraum im Untergeschoss. Einbauschränke, Schlafzimmer mit allem Komfort und Energiesparanlagen sind weitere Merkmale, die Los Jardines de Abama auszeichnen. Eigentümer werden automatisch Mitglied des Abama Prestige Owners Club und eines Austauschprogrammes, welches in Partnerschaft mit The Registry Collection angeboten wird. Die Mitgliedsbeiträge der ersten zwei Jahre werden von Abama übernommen. Mit dem Austauschprogramm können Eigentümer Aufenthalte in Abama gegen Aufenthalte in 240 anderen Luxuszielen weltweit eintauschen. Besuchen Sie das Abama Resort, und verschaffen Sie sich Ihren persönlichen Eindruck.

365 Tage Golf im Jahr. Das ist für die Bewohner im Abama Resort nur der Anfang. Teneriffa ist eins der wahren Paradiese Europas und beeindruckt mit einer kulturellen Leidenschaft, die überall zur Geltung kommt. Hier, inmitten der geschützten Naturreservate der Insel, findet man grossartige Immobilien, die nur darauf warten, entdeckt zu werden. ROMANTISCHE UND ZUGLEICH GERÄUMIGE APPARTEMENTS Selten findet man einen Rückzugsort, der die Sinne so fesselt wie Los Jardines de Abama. Die geräumigen Appartements liegen an der Frontseite des von Dave Thomas gestalteten Abama-Golfplatzes und bieten einen direkten Blick auf den Atlantik. Speisen Sie im Freien, geniessen Sie ein Bad im Whirlpool, und erfreuen Sie sich an der subtropischen Gartenlandschaft des Resorts. Die Ferienwohnungen werden mit einem, zwei oder drei Schlafzimmern und in verschiedenen Grundrissen angeboten, sodass jeder Interessent das für ihn passende Appartement findet. Von Appartements mit Zugang zum Garten bis hin zu Duplex-Wohnungen im ersten oder zweiten Stock mit grosszügig geschnittenen Terrassen und

WWW.ABAMAHOTELRESORT.COM

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Privacy an erster Stelle: Jede Villa verfĂźgt Ăźber einen eigenen Privatstrand.

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GREEN LUXURY –

LUXUSREISEN MIT GUTEM GEWISSEN Autorin_Nina Merli Bilder_Soneva Fushi

im inseleigenen Recycling-Center wiederverwertet, 20 Prozent des Stroms der Insel aus Solarenergie gewonnen und jährlich 1,2 Millionen Plastikflaschen eingespart, weil man das Trinkwasser durch eine eigene Mehrwasserentsalzungsanlage gewinnt. Die LuxusBungalows werden aus recyceltem Holz gebaut, Kleiderhaken aus gebrauchten Aludosen gegossen, und Rindfleisch gibt es aufgrund des hohen CO2-Verbrauchs auf der ganzen Insel nicht – oder muss eigens vom Gast einen Tag vorher bestellt werden. Was sich nicht vermeiden lässt, sind die vielen Tonnen Kohlendioxid, die durch die Flugreisen der Gäste entstehen. Das kann auch das ausgeklügeltste Öko-Konzept nicht ändern, aber – und auch das zeigt, wie ernst es den Besitzern mit der Nachhaltigkeit ist – das «Soneva» hat sich verpflichtet, den verursachten CO2-Ausstoss zu kompensieren: So wurden auf Kosten des Resorts im Norden von Thailand 500’000 Bäume angepflanzt und in Darfur 125’000 energieeffiziente Öfen an die Menschen verteilt.

IN ZEITEN DER KLIMAKRISE SIND LUXUSREISEN ZIEMLICH IN VERRUF GERATEN. DASS LUXUS UND NACHHALTIGKEIT JEDOCH SEHR WOHL HAND IN HAND FUNKTIONIEREN KÖNNEN, BEWEIST DAS SONEVA FUSHI BEACH RESORT AUF DEN MALEDIVEN. Die Geschichte des Soneva Fushi Beach Resort liest sich wie ein Märchen: Es war einmal ein junges, reiches Paar, das Ferien auf den Malediven machte. Dort gefiel es den frisch Verliebten so gut, dass sie unbedingt eine eigene Insel mit einem eigenen Resort haben wollten. Also mieteten sie eine kleine Insel, und wenige Jahre später eröffneten sie das «Soneva Fushi», eines der teuersten Hotels der Welt. In Wirklichkeit war der Weg bis zur Eröffnung im Jahr 1995 natürlich auch mit Hürden und diversen Rückschlägen verbunden, doch den Rest der Geschichte kann man in etwa so stehen lassen. Tatsächlich bereiste 1990 Sonu Shivdasani – ein Brite mit indischen Wurzeln und damals noch junger Oxford-Student – mit seiner Frau Eva, einem schwedischen Model, die Malediven. Der Inselstaat im Indischen Ozean galt damals noch nicht als eine Luxusdestination, gefiel dem jungen Paar aber derart gut, dass es sich in den Kopf setzte, ein eigenes, nach ihren Wünschen konzipiertes Resort zu realisieren: ein Rückzugsort, wo Luxus auf Nachhaltigkeit trifft oder, um es mit den Worten von Shivdasani zu definieren, wo «intelligenter Luxus» stattfindet.

NO NEWS, NO SHOES Nun mag die grüne Philosophie ja einen grossen Teil des Charmes und der Qualität dieses Resorts ausmachen, doch die Einzigartigkeit des «Soneva» hängt noch von vielen weiteren Aspekten ab. So bezeichnete etwa Superstar Madonna den Ort als «Definition of Heaven». Und auch viele weitere Promis haben ihr Herz an das UNESCO-geschützte Biosphären-Reservat verloren: Gwyneth Paltrow macht hier mit ihrer gesamten Patchwork-Familie regelmässig Ferien, die Beckhams, Paul McCartney, Guy Ritchie mit seiner Frau Jacqui und den Kindern oder erst kürzlich Salma Hayek – die Liste mit bekannten Namen ist lang. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass einem auf Soneva Fushi die totale Privacy geboten wird. Jede einzelne der 57 Villen, die in einer Grösse von einem bis neun Zimmer variieren, hat einen eigenen Privat-Strand und ist komplett von den anderen Häusern abgeschottet. Ruhe, die nicht nur von Menschen im Rampenlicht geschätzt wird.

NACHHALTIGKEIT ALS ERNST GEMEINTES KONZEPT Wer das «Soneva» besucht, wird sich mit eigenen Augen überzeugen können, dass «Eco Friendly» nicht nur als gutes, dem Zeitgeist entsprechendes Verkaufsargument dient: Hier findet definitiv kein «green washing» statt. Im Gegenteil. Seit über zehn Jahren ist die Insel komplett plastikfrei, 90 Prozent des Abfalls werden

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Sonus und Evas Vision war es es, einen Ort zu schaffen, wo Gästen minimalistischer Luxus, vor allem aber auch Entschleunigung geboten werden. Wer mit dem Wasserflugzeug landet, wird von seinem persönlichen Butler in Empfang genommen und als Erstes von seinen Schuhen befreit: Diese landen anschliessend in einem Beutel mit der Aufschrift «No news, no shoes». Von diesem Augenblick an sind Gäste barfuss unterwegs – bis zur Abreise. Ein Konzept, das, bis auf ganz wenige Ausnahmen, von allen Gästen sehr geschätzt wird. Wer in den Genuss eines Barfuss-Aufenthaltes auf Soneva kommt, merkt schnell, wie befreiend diese scheinbar kleine Geste sein kann. Der ständige Kontakt mit der Erde und allein schon das «sich keine Gedanken über welche Schuhe zu welchem Outfit» machen zu müssen, wirken unendlich entspannend. Jedem Gast steht während des Aufenthaltes ein Fahrrad zur Verfügung, das er benutzen kann, um sich auf der Insel fortzubewegen – und weil ja alle barfuss unterwegs sind, sind die Pedale weich gepolstert. Genau diese Liebe zum Detail ist es, die einen Aufenthalt hier so wertvoll macht. Und so verbringt man hier auf dieser Insel einen Tag nach dem anderen, ohne jeglichem Stress ausgesetzt zu sein – weil es schlicht und einfach keinen einzigen Grund gibt, sich aufzuregen. Das Ruhe- und Entspannungskonzept setzt sich auch abends durch, Action wird auf Soneva Sushi nicht grossgeschrieben, abgesehen vom Freilicht-Kino – inklusive romantischem Sternenhimmel – gibt es keine aufwendigen Gäste-Unterhaltungs-Shows, und auch tagsüber wird man in Ruhe gelassen. Denn schliesslich ist man aus diesem Grund ja hier, um endlich wieder einmal völlig abzuschalten. Was einem auch in kürzester Zeit gelingt. LIEBE GEHT DURCH DEN MAGEN Kulinarisch bietet das «Soneva» nebst dem Angebot eines hauseigenen Kochs, der vor allem von Gästen in den grossen Villen genutzt wird, mehrere Restaurants. Das neu eröffnete «Out of the Blue» wurde auf einer Plattform über dem Meer gebaut und bietet nebst köstlichen Gerichten ein atemberaubendes Meeres-Panorama; das «Fresh in the Garden» erweist sich als riesiges BaumhausRestaurant hoch oben über den dichten Bananenbäumen mit direktem Zugang zur Sternwarte, die einen atemberaubenden Blick in den Sternenhimmel garantiert. Besonderes Augenmerk gilt aber mit Sicherheit dem erst vor kurzem lancierten Dining-Konzept «Shades of Green», das rein pflanzliche Menu-Kompositionen anbietet. Was hier unter der Führung der Küchenchefin Jenever Espero auf den Tisch kommt, lässt jedes Vegetarier- und Veganerherz höherschlagen. Vor dem Essen wird den Gästen ein Rundgang durch den hauseigenen Biogarten (wo sich auch das Restaurant befindet) angeboten. «Chef Jenever» bringt einem dabei die Vielfalt und Faszination verschiedenster Kräuter und Pflanzen näher, lässt einen schnuppern, riechen und selbstverständlich auch probieren. Ohne Schuhe, die Füsse fest auf der weichen Erde, inmitten all dieser delikaten Naturschätze, kann man gar nicht anders, als sich erden, sich entspannen. Dem Stress entkommen. Und so ist es auch genau einer dieser Momente, in dem man sich der Natur so nahe, so verbunden fühlt, wo man den eigentlichen Luxus dieses Resorts erkennt: eins sein. Wem es gelingt, diese Erkenntnis auch nach dem exklusiven Verwöhnprogramm im «Soneva» mit nach Hause zu nehmen, der hat tatsächlich nachhaltigen Luxus erlebt. WWW.SONEVA.COM

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Auszeit im Paradies – Privacy wird hier grossgeschrieben.

BESTE REISEZEIT Das Wetter ist auf den Malediven das ganze Jahr über sommerlich warm. Als beste Reisezeit gilt jedoch die Trockenperiode zwischen November und April, da in diesen Monaten keine Regenschauer zu befürchten sind. UNTERKUNFT Das «Soneva Fushi» ist ganzjährig geöffnet, es verfügt über den grössten Kids-Club der Malediven, was das Resort darum auch für Familien sehr attraktiv macht. Man kann segeln, surfen oder tauchen. Entspannung bietet das Six-Senses-Spa oder Yoga- und Meditationsklassen im Turtle Beach Champa. INFOS Für die Einreise aus der Schweiz benötigt man einen Reisepass, der mindestens noch sechs Monate über das Rückreisedatum hinaus gültig ist. Ein Visum ist nicht nötig. Da die Malediven ein muslimischer Inselstaat sind, ist die Einfuhr von Alkohol verboten.

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P M PRESTIGE

TRENDS by

PORSCHE DESIGN

Die exklusive Lifestylemarke Porsche Design und der ­S kihersteller Elan bringen in Zusammenarbeit einen ­einzigartigen und hochmodernen Alpinski auf den Markt: den ­«Porsche Design Elan Amphibio».

TR AVEL

MONCLER

Der «Norah» ist ein AprèsSki-Schuh für Damen, der vom Snowboarden inspiriert ist und dem alpinen Look ein Hightech-Gefühl verleiht. Das Design und die Details erinnern an Sportbekleidung, während die Materialien das Leistungsniveau garantieren, das Moncler zur ­b evorzugten Marke auf schneebedeckten Pisten gemacht hat.

L

T TILA MARCH

LOUIS VUITTON

Virgil Abloh präsentiert die neuen K ­ lassiker der Lederwarenlinie für Herren: vier Taschen, die das ­ Konzept der Lederwaren neu erfinden, indem sie die Körper, Bewegungen und Einstellungen der zeitgenössischen Männlichkeit einbeziehen.

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Gepäckstückanhänger aus 100 Prozent Leder in r­ ot-weiss-blau gehaltenem Design, ­i nspiriert von der US-amerikanischen Flagge. Hergestellt in Frankreich.


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STILVOLLE OASEN

Autor_Martin Strohbeck Bilder_One&Only Resorts

ONE&ONLY «THE PALM»

Wo One&Only ist, ist vorne – auf diesen einfachen Nenner gebracht lässt sich das One&Only The Palm beschreiben. Mit nur 90 Zimmern und Suiten, vier extravaganten Strandvillen und seiner einzigartigen Lage auf Dubais künstlicher Insel The Palm Jumeirah ist One&Only The Palm das führende Resort in Dubai – trotz namhafter Konkurrenz. Ein 850 Quadratmeter grosser Pool, ein eigener Yachthafen sowie die maurisch-arabische Architektur machen das Boutique-Hotel zu einem wahren Juwel vor den Toren Dubais. Jenseits des Trubels der Wüstenmetropole gelegen, ist One&Only The Palm mit seinen exquisiten Restaurants, mondänen Bars und dem weitläufigen Guerlain-Spa eine Oase der Ruhe und Erholung; das Festland mit all seinen Entdeckungen ist dank privater Wassertaxen und Limousinen jederzeit bequem erreichbar. Und es können problemlos alle Einrichtungen und Restaurants des Schwesterhotels One&Only «Royal Mirage» mitgenutzt werden. Wer behauptet, Dubai hätte keine Seele und sei zu künstlich, wird im One&Only The Palm eines Besseren belehrt. Gerade dieses kleine Luxus-Hideaway hat eine ganz besondere «cosy atmosphere». Und danach ins One&Only «Reethi Rah» auf die Malediven – die perfekte Kombination. Preisbeispiel im Mai 2020: drei Nächte mit Halbpension in einem Beach-Premier-Zimmer ab 1145 Euro pro Person.

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ONE&ONLY «LE SAINT GÉRAN»

Gelegen auf einer exklusiven tropischen Halbinsel, umrahmt vom warmen Meer und einer idyllischen Lagune, präsentiert sich das One&Only Le Saint Géran seit kurzem im neuen Look – eine prachtvolle Hommage an dessen einzigartige Lage auf Mauritius. Modernes Design mit Beachflair zieht sich durch die öffentlichen und privaten Bereiche. Inseltypische Farbtöne und fast unsichtbares Glas holen die atemberaubende Umgebung nach innen. Die beliebten Restaurants wurden komplett neu gestaltet mit zeitgenössischer Einrichtung, innovativer Showküche und Terrassen mit herrlichem Ausblick. Hochmoderne neue Angebote verwandeln die Strände und Gärten in herrliche Spielwiesen zum Relaxen und Aktivsein, etwa beim Yoga, Zumba, Schnorcheln oder Fliegenfischen. Eines der besten und luxuriösesten Resorts der an Luxushotels nicht gerade armen Insel. Wer Sport wie Wasserski, Tennis oder Fitness ebenso liebt wie eine gediegene Abendunterhaltung, wird sich im «Saint Géran» perfekt wohlfühlen. Preisbeispiel im Sommer 2020: eine Woche Oceanview-Zimmer mit Halbpension und Transfer ab 2750 Euro pro Person.

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«MEINE KUNDEN VERLASSEN

Autorin_Patricia Engelhorn Bilder_Strohbeck Reisen GmbH

SICH AUF MEINEN GESCHMACK»

Nicht nur anspruchsvolle Urlauber lieben One&Only, sondern auch anspruchsvolle Reiseveranstalter. High-End-Urlaub-­ Spezialist Martin Strohbeck (Strohbeck Reisen) spricht über seine Philosophie, seinen Erfolg und seine Lieblingshotels.

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PRESTIGE: Herr Strohbeck, Ihr Reiseunternehmen hat gerade sein 25-jähriges Jubiläum gefeiert. Wie haben Sie sich so lange so gut gehalten? MARTIN STROHBECK: Die Antwort klingt banal. Sie lautet: Qualität. Die Konkurrenz schläft aber nicht … Das stimmt. Doch der Reisemarkt ist gross, und es gibt Platz für alle. Ich sehe das ganz gelassen. Bleiben Sie auch Nachahmern gegenüber gelassen, es gibt doch bestimmt viele, die versucht haben, Ihren Stil zu kopieren? Darauf können Sie Gift nehmen! Aber soll ich mich deswegen aufregen? Oder Anwälte beschäftigen? Dafür ist mir meine Zeit zu schade. Ich versuche lieber, immer besser zu werden. Und Sie kennen doch bestimmt die Weisheit des chinesischen Philosophen Konfuzius: Wer das Werk kopiert, ehrt den Meister. Wir fragen jetzt mal ganz unphilosophisch: Was können Sie, was andere nicht können? Sie sagten es eingangs: Ich bin seit 25 Jahren im Geschäft. Ich kenne den Markt und meine Zielgruppe. Ich kenne viele meiner Kunden persönlich und jedes einzelne Hotel, das ich anbiete, aus eigener Anschauung. Das kopiert niemand so schnell. Kann man sagen, dass die Auswahl in Ihrem Katalog Ihren persönlichen Vorlieben entspricht? So ist es. Meine Auswahl ist total subjektiv, ich biete nur an, was mir selbst gefällt. Dazu stehe ich, und meine Kunden verlassen sich auf meinen Geschmack.

Seit 25 Jahren erfüllt Martin Strohbeck erfolgreich individuelle Urlaubsträume.

Wo machen Sie denn am liebsten Urlaub? Das ist kein Geheimnis: auf den Malediven. Für mich sind diese Inseln das Paradies auf Erden. Sie sind einmalig schön und mit keiner anderen Destination vergleichbar – das sehen inzwischen auch viele meiner Kunden so.

Das klingt nach Seelenverwandtschaft … Wir arbeiten jedenfalls sehr eng, sehr harmonisch und sehr vertrauensvoll zusammen. Davon profitieren auch unsere Kunden. Wie meinen Sie das? Weil ich jedes einzelne One&Only-Resort wirklich gut kenne, kann ich meinen Kunden mit sehr genauen Empfehlungen helfen, die für sie geeignete Destination zu finden. Denn das Angebot von One&Only ist breit gefächert, und nicht jeder wird auf den Malediven glücklich. Auf der anderen Seite weiss man bei One&Only, dass wir ihnen gute Gäste schicken, also Menschen, die das, was geboten wird, verstehen und zu schätzen wissen. Unsere Kunden werden immer ganz besonders nett empfangen.

Und gibt es ein Hotel, das Sie ganz besonders lieben? Es gibt eine Hotelgruppe, die mich immer wieder positiv überrascht. Das ist One&Only. Jedes der dazugehörenden Häuser ist auf seine Art aussergewöhnlich und ganz wunderbar. Können Sie das präzisieren? Das ist schwierig, denn es hat viel mit dem Gefühl «besser geht’s nicht» zu tun – ein Gefühl, das nicht jeder gleich empfindet. Aber ich kann versuchen, ein paar Fakten zu nennen: One&OnlyHotels stehen an den schönsten Orten der Welt und dort immer in allerbester Lage. Es gibt bei One&Only so gut wie keine Stadthotels, so wie es auch bei Strohbeck Reisen so gut wie keine StädteTrips gibt. Ich kenne auch kaum Hotels, in denen man sich so individuell und so liebevoll um jeden Gast kümmert, die KundenOrientierung bei One&Only ist einmalig und sensationell.

Würden Sie sich trauen, aus Ihrer Lieblingshotelgruppe ein Haus besonders hervorzuheben? Nein. Ich müsste wenigstens zwei nennen. Das «St. Géran» auf Mauritius, in dem meine Frau und ich während eines Abendessens Strohbeck Reisen sozusagen erfunden haben. Und das «Reethi Rah» auf den Malediven, in dem seit sieben Jahren unsere stets sehr erfolgreiche Eventwoche stattfindet. Aber wissen Sie: One&Only hat in den letzten Jahren einmalig schöne Resorts in Ruanda, Australien und Dubai eröffnet. Da fällt es selbst mir schwer, Favoriten zu nennen. Und es stehen weitere Neueröffnungen in Malaysia, Mexiko und Montenegro an. Ich würde mein letztes Hemd darauf verwetten, dass jedes davon eine Reise wert sein wird.

Arbeiten Sie schon lange mit One&Only zusammen? Ja, fast von Anfang an. Wir passen einfach perfekt zueinander: Wir mögen es sehr luxuriös, aber zugleich sehr leger. Der Service sollte perfekt funktionieren, aber spontan und persönlich wirken. Wir brauchen keine goldenen Wasserhähne, sondern Platz und Privacy. In all dem und noch vielem mehr sind wir uns absolut einig.

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QUELLE DER REGENERATION

TIEF IN DER WILDROMANTISCHEN TAMINASCHLUCHT SCHLÄGT DAS HERZ DES GRAND RESORT BAD RAGAZ. DIE ENTSTEHUNG DIESER OASE DER ERHOLUNG BERUHT AUF EINER JAHRHUNDERTELANGEN BADE- UND HEILTRADITION. DARAUS IST EINE EINZIGARTIGE KOMBINATION AUS EIGENER THERMALQUELLE UND DER VIELFALT EINES FÜNF-STERNE-LUXUSRESORTS ENTSTANDEN. 82


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Autorin_Swenja Willms Bilder_Grand Resort Bad Ragaz AG

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1242 entdecken Jäger des Klosters Pfäfers eine 36.5 Grad Celsius warme Quelle in der Taminaschlucht. In deren Wasser erkennen die Mönche des nahe gelegenen Benediktiner-Klosters eine heilende Wirkung – so die Überlieferung. Damit begann die lange Geschichte vom Bad Pfäfers und später dem Grand Resort Bad Ragaz. TRADITION TRIFFT MODERNE Zeitlose Eleganz, puristisches Design oder stilvolle Behaglichkeit zeichnen die insgesamt vier Häuser des Grand Resort Bad Ragaz aus. Das «Grand Hotel Hof Ragaz» verkörpert Tradition und Prestige. Das Haus mit Weltruf bietet Fünf-Sterne-Luxus in einem Ambiente voller Behaglichkeit. Die «Spa Suites» vereinen Wellness und Design. Hier wartet eine private Erholungsoase mit eigenem Thermalwasser. Das «Grand Hotel Quellenhof *****» ist die «Grande Dame» der Schweizer Grand-Hotellerie. Das traditionsreiche Haus feiert sein 150-Jahr-Jubiläum – und präsentiert sich pünktlich dazu nach fünfmonatigem Komplettumbau in neuem Glanz und mit frischem Wind. Die perfekte Symbiose zwischen Tradition und Moderne, Luxus und Eleganz, Klassik und Zeitgeist. Das Hotel beherbergt insgesamt 98 Suiten in unterschiedlichen Luxusvariationen von 50 Quadratmetern bis hin zu 270 Quadratmetern.

ERHOLUNG AUF HÖCHSTEM NIVEAU Schon seit fast 800 Jahren weiss man um die besonderen Kräfte des Wassers, das aus der Taminaschlucht kommt. Im hoteleigenen Thermal Spa sowie in der öffentlichen Tamina Therme des Grand Resort Bad Ragaz spielt das 36.5 Grad warme Thermalwasser eine wichtige Rolle – die wichtigste. Denn für die Regeneration von Körper, Geist und Seele ist das mineralarme Wasser von besonderer Bedeutung. Die Tamina-Quelle gilt als die wasserreichste Akratho-Therme Europas. Das Wasser, das dieser Quelle entspringt, hat eine vielfältige gesundheitliche Wirkung – vom Bewegungsapparat bis zu Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sind viele Krankheitsfelder eingeschlossen. Die grosszügige Saunalandschaft, zahlreiche Massage- und Beauty-Angebote sowie ein vielfältiges Kurs- und Veranstaltungsprogramm ergänzen das umfangreiche Erholungsangebot des Grand Resort Bad Ragaz.

GASTRONOMISCHE VIELFALT Das Grand Resort Bad Ragaz ist nicht nur ein ideales Ziel für all jene, die Ruhe und Entspannung suchen. Auch Feinschmeckern bietet die Kulinarikdestination einiges – von den Schweizer Klassikern über gesunde Lifestyle-Küche bis zu fernöstlichen Spezialitäten und aussergewöhnlichen Fine-Dining-Erlebnissen. Ausgezeichnet mit einem Michelin-Stern und 48 Gault-Millau-Punkten verbinden die Restaurants des Grand Resort Bad Ragaz grosse Leidenschaft fürs Produkt mit Mut zur Kreativität. Zwei Restaurants stehen unter der Leitung von Culinary Director Sven Wassmer, welcher in seinem vorherigen Restaurant mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet war. Das Health-und-Lifestyle-­ Restaurant «verve by sven» bietet gesunde Wohlfühlküche. Die «Verve» bezeichnet eine künstlerisch kreative Leichtigkeit und symbolisiert ein allgemein positiv beschwingtes Lebensgefühl. Viele Menschen verbinden die gesunde Ernährung fälschlicherweise immer noch mit dem Verzicht. Die Küche des «verve by sven» beweist jedoch überaus eindrucksvoll, dass eine bewusste und gesunde Ernährung äusserst köstlich ist und sich zudem positiv auf das innere Wohlbefinden auswirkt. Erinnerungen wecken und neue, bleibende Erinnerungen schaffen – das möchte Sven Wassmer bei den Gästen seines Signature-Restaurants «Memories». Das «Memories» ist ein Wohlfühl­ ort, wo der junge Spitzenkoch mit seiner reduzierten Interpretation einer neuen alpinen Schweizer Küche ein authentisches und naturverbundenes Gesamterlebnis schafft. Daneben existieren noch sechs weitere Restaurants, die einen Abstecher in die mediterrane, schweizerische oder asiatische Küche machen. Bekanntlich trägt ja auch die Ernährung zu einer vollumfänglichen Regeneration bei.

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Vakkaru Maldives IN DER WEITE DES UNESCO-BIOSPHÄRENRESERVATS IM BAA-ATOLL TAUCHT SIE AUF – VÖLLIG ALLEIN IM TÜRKISBLAU SCHIMMERNDEN OZEAN. EINE ZEITLOSE INSELSCHÖNHEIT MIT WEISSEN PUDERZUCKERSTRÄNDEN, INTAKTER NATUR UND AUSBLICKEN ÜBER DAS MEER, SO WEIT DAS AUGE REICHT. FÜR EINE NACHHALTIGE AUSZEIT. GANZHEITLICH FÜR KÖRPER, GEIST UND SEELE. Autor_Urs Huebscher Bilder_Vakkaru Maldives

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und Suites. Mit einer Grösse ab 114 bis 917 Quadratmeter sind sie alle sehr grosszügig. Und sehr privat. Viele haben einen eigenen Pool oder direkten Zugang zur Lagune. Das Design-Konzept von Vakkaru Maldives ist ein Mix aus zeitgenössischem Design mit modern-schlichter Formgebung und lokaler Architektur. Das Design-Konzept zieht sich durch alle Bereiche: von der VIPLounge am Flughafen Male über die offen-lichte Lobby auf der Insel bis zu den Villen, Restaurants, dem Spa und alle öffentliche Bereiche. Natürliche Materialien, sanfte Naturtöne und softe Texturen stehen im Mittelpunkt. Grün, Türkis oder Gelb spiegeln die Natur und setzen raffinierte Akzente. Weite Panoramafenster –  bodentief – geben den Blick auf die Natur frei; holen sie förmlich nach drinnen. Ein Grossteil der Möbel, der stimmungsvollen Beleuchtung und der Wandgestaltung wurde speziell für Vakkaru Maldives entworfen. Schön sind die klar geschnitzten Stühle oder das kunstvolle Flechtwerk, das sich überall zeigt – raffiniert ist die Form zum Beispiel der Liegen am Pool. Die Blicke gehen in alle Richtungen – sei es auf die üppig-tropische Vegetation der Insel oder auf die unendliche Weite des Meeres. Alle Unterkünfte haben eine weitläufige Terrasse und eine Aussen- wie Innendusche. Die exklusiven Amenities sind rein natürlich. Dezent integriert sind modernster Komfort und Technik wie die eigene Espressomaschine, Teevorrichtung, WiFi und WLAN oder ein Entertainment-Soundsystem.

Das Inselparadies, nur 1.6 Quadratkilometer gross, ist umgeben von einem lebendigen Hausriff mit gleich drei eigenen Blue Holes. Hier und in vielen weiteren Gebieten rund um Vakkaru Maldives finden sich zahlreiche Schnorchel- und Tauchgebiete, die bisher noch fast unentdeckt sind. Die Unterwasserwelt ist so bunt wie gesund. Daher ist Vakkaru ein perfektes Ziel für Tauch- und Schnorchel-Enthusiasten. Bei der Entwicklung des Resorts – die Eröffnung war Ende 2017 – wurde sorgfältig darauf geachtet, die Natur so ungestört wie möglich zu lassen. Die Architektur behutsam zu integrieren. Üppig-tropisch zeigt sich die Vegetation der Insel – es gibt allein 2300 Kokosnusspalmen. Und das erklärt auch den Namen –  Vakkaru heisst übersetzt Kokosnussholz. Ein persönlicher Butler kümmert sich um das Wohl der Gäste. Unaufdringlich und charmant. Malediven-typisch ist der Service prinzipiell sehr persönlich, aber zurückhaltend. Gäste sollen sich gut umsorgt, aber völlig ungezwungen und frei fühlen – «barefoot luxury» eben. ZEITGENÖSSISCHES DESIGN 113 exklusive Villen und Suiten verteilen sich am Strand und streuen sich ins Meer. Es gibt Beach Villas und Suites wie Over Water Villas

FÜR PAARE, FAMILIEN UND DEN URLAUB MIT FREUNDEN Prinzipiell wurde die jeweilige Architektur den Bedürfnissen angepasst. Denn Vakkaru Maldives ist nicht nur ein Traumplatz für Paare oder den Urlaub mit Freunden. Die Insel beweist, dass die Malediven durchaus ein schönes Ziel für Familien sind. So gibt es Villen und Suiten für Paare, die sich nach absoluter Privatsphäre sehnen und ungestört sein wollen, geräumige Villen für den Urlaub mit Freunden und solche, die ideal für Familien sind – wie die Beach Pool Family Villa mit eigenem Kinderzimmer und Pool. HIGHLIGHT – DIE FOUR BEDROOM OVERWATER POOL RESIDENCE Am Ende der Lagune, völlig ungestört thront sie: die Four Bedroom Overwater Pool Residence. Ein zweistöckiges Anwesen mit einer Gesamtfläche von 917 Quadratmetern. Allein der Pool ist 55 Quadratmeter gross. Die weite Sonnenterrasse mit ihren exklusiven Liegen ragt weit in den Ozean. Exklusiv ist der private Zugang zum Hausriff. Die Residence bietet Platz für vier Erwachsene und vier Kinder oder acht Erwachsene. Drinnen wie draussen gibt es grosszügige Wohn- und Essbereiche. Insgesamt stehen vier Schlafzimmer zur Verfügung. Der Butler hat seine eigene Küche. KULINARISCH UM DIE WELT Fünf Restaurants und zwei Bars bieten kulinarische Abwechslung. Dabei geht die Reise um die Welt. Biologisch, frisch sind die Zutaten überall. Im «Amaany» werden internationale Kreationen raffiniert mit Malediven-Twist kombiniert. Licht und weit ist das Ambiente indoor wie outdoor. Hier wird auch das Frühstück serviert. Das «Isolettaa» ist mittags und abends ganz auf zeitgenössische italienische Küche eingestellt. In eleganter Fine-Dining-Atmosphäre verführt das «Vakku» mit herrlichen Fleisch- und Fischkreationen. Die erlesenen Weine aus der Alten wie Neuen Welt stammen aus dem eigenen Weinkeller, dem «Vakkaru Reserve», perfekt für ein

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privates Dinner oder eine Degustation mit dem Sommelier. Mit dem «Onu» geht es durch Asien – entspannt ist die Garten-Atmosphäre unter Kokosnusspalmen. Viele Zutaten kommen frisch und handgepflückt aus der Inselplantage. Interessant ist eine Tour mit dem Küchenchef mit anschliessendem Kochkurs. Weit in den Ozean hinaus erstreckt sich die «Lagoon Bar». Hier verführen kreative Cocktails und Drinks. Köstlich sind die frischen Sushis und Sashimis. «Cabbana» ist die ungezwungene al fresco Pool Lounge – ein Platz nach dem Sonnenbad oder für den Night Cup gleichermassen. Überall auf der Insel werden natürlich auch Picknick und Candle Light Dinner arrangiert – ganz individuell nach den Wünschen der Gäste.

ENTSPANNT ODER AKTIV Auf Vakkaru Maldives ist beides möglich – die absolute Entspannung oder das aktive Vergnügen. Zahlreich sind die Wassersport­ aktivitäten, arrangiert im Splash Water Sports & Dive Center: ob Schnorcheln, Jetski, Kajak, Abenteuertouren oder Expeditionen auf andere Inseln. Das PADI Tauchcenter bietet Lehrgänge für Anfänger bis Fortgeschrittene. Ein grosses Spiel- und Entertainment-Repertoire findet sich im Coconut-Club mit eigener Kaffee-­ Lounge und Bibliothek. Für die Malediven selten sind die Allwetter-­ Tennisplätze oder der Badmintonplatz. Regelmässig verzaubern Kinoabende unter freiem Sternenhimmel. Nachhaltig interessant sind die Präsentationen des Insel-Meeresbiologen.

WOHLGEFÜHL IM MERANA SPA Das Merana Spa ist die Oase für ganzheitliches Wohlgefühl. Umspült vom azurblauen Wasser des Ozeans. Insgesamt gibt es zwölf Behandlungsräume – darunter acht für zu zweit für ein völlig ungestörtes Vergnügen. Schwebend auf dem Wasser, denn der Fussboden ist aus Glas. Weite Panoramafenster geben einen ungestörten Blick auf den Ozean frei. Das private Sonnendeck ist ideal zum Entspannen und Geniessen nach einem wohltuenden Treatment. Die Behandlungen sind ganzheitlich ausgelegt und inspiriert von alten, traditionellen Ritualen. Verwendet werden nur rein natürliche Produkte – wie zum Beispiel Kokosnuss. So ist das Signature Treatment ganz auf die Nuss der Insel eingestellt, und verwendet wird alles – von der Schale über das Wasser bis zum Fruchtfleisch. Der Wellnessbereich bietet darüber hinaus ein Nagelstudio, einen Coiffeur, Sauna, Dampfbad, Whirlpool und Tauchbecken. Die weite Lounge erstreckt sich förmlich in das Meer und ist ideal für entspannende Momente. Unweit des Spas liegt das Overwater-Gym, ausgestattet mit modernsten Geräten. Auf Wunsch steht ein Personal Trainer zur Verfügung. Hier gibt es auch einen Yogabereich. Ein schöner Start in den Tag ist die morgendliche Yoga Session.

SPIEL UND SPASS FÜR DEN NACHWUCHS Wer sagt, dass die Malediven kein Ziel für den Urlaub mit Kindern sind? Auf Vakkaru Maldives sind sie bestens aufgehoben. Altersgerecht spannend sind die Aktivitäten. Liebevoll-professionell die Betreuung. So können Eltern ihren Nachwuchs getrost in die Obhut geben. NACHHALTIGKEIT UND UMWELTSCHUTZ Vakkaru Maldives legt grossen Wert auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Viele «grüne Projekte» werden umgesetzt. Angefangen bei der Wasseraufbereitung über die Zubereitung des inseleigenen Mineralwassers (spritzig oder still in wiederverwertbaren Glasflaschen), dem Abfallmanagement (Kompostierung, Recycling) bis hin zum nachhaltigen Einkauf (regional und frisch). Ganz abgeschieden und allein liegt Vakkaru Maldives im Baa-Atoll. Die Anreise ab Malé International Airport dauert trotzdem nur kurz – gerade 25 Flugminuten mit dem Wasserflugzeug. Wie auch immer, die Anreise ist das erste Highlight – ob zu Luft oder auf dem Wasser. Beeindruckend ist es, die Inselwelt im schimmernden Ozean zu bestaunen. WWW.VAKKARUMALDIVES.COM

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WAT CHES & JEW ELLERY

WAT CHES & JEW ELLERY

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IM GESPRÄCH: RICARDO GUADALUPE

Autor_Gisbert L. Brunner Bilder_Hublot

HUBLOT, GEGRÜNDET 1980 VON CARLO CROCCO, BLICKT AUF EINE RELATIV KURZE, DAFÜR JEDOCH AUSGESPROCHEN SPANNENDE GESCHICHTE ­ZURÜCK. 2004 STAND DIE UHRENMARKE NAHE AM ABGRUND. DANN KAM JEAN-CLAUDE BIVER. DER CHARISMATISCHE MANAGER ENTWICKELTE DIE ERFOLGREICHE FUSIONS-IDEE, INITIIERTE DIE KREATION DER IKONE BIG BANG, UND ER HOLTE RICARDO GUADALUPE AN BORD. BIS 2012 AGIERTE DER 1965 GEBORENE ALS UNVERZICHT­ BARER WEGGEFÄHRTE VORNEHMLICH IM HINTERGRUND. DANN STIEG ER ZUM HUBLOTCEO AUF. SEITDEM LENKT DER MANN MIT ­SPANISCHEN WURZELN DIE GESCHICKE DER UHRENMANUFAKTUR UNTER DEM DACH DES LVHM-KONZERNS. DAS WORT SCHULDEN KENNT SIE ÜBRIGENS NICHT. HUBLOT ­FINANZIERT SICH KOMPLETT AUS DEM EIGENEN CASH-FLOW.

PRESTIGE: Herzliche Glückwünsche zum neuen Top-Ranking. Im Sommer 2019 hat die Schweizer Bank Vontobel die von Ihnen geleitete Hublot bei den Marken über 10’000 Euro unter den ersten fünf und ganz allgemein unter den ersten zehn eingeordnet. RICARDO GUADALUPE: Als ich davon erfahren habe, hat mich das wirklich sehr gefreut. Das geht ja auch auf Ihr Konto, oder? Ich möchte nicht unbescheiden sein, aber ein Teil geht auch auf mein Wirken zurück. Vontobel nennt 700 Millionen Schweizer Franken Jahresumsatz … … wir geben offiziell keine Zahlen heraus. Aber Vontobel liegt gar nicht so schlecht. 2004 haben Sie 24 Millionen Jahresumsatz gemacht. Wenn es so weitergeht, ist die Milliarde irgendwann erreicht. Intern haben wir eine Mission, welche wir den Weg zur Milliarde nennen. Unser Plan besteht darin, dieses Ziel in fünf bis sieben Jahren zu erreichen. Und zwar in erster Linie wegen unserer chinesischen Kundschaft. Den grössten Teil unseres Wachstums erzielten wir in China selbst und mit Chinesen. Wir haben mehr als zehn Jahre lang hart dafür gearbeitet, die Marke Hublot bekannt zu machen. Und wir haben mächtig in eigene Boutiquen investiert. Nun können wir die Resultate unseres Schaffens einfahren.

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Wie viel steuert der chinesische Markt zum Umsatz von Hublot bei? Im Grossraum China, Hongkong und Macao eingeschlossen, werden wir dieses Jahr wohl 13 Prozent erreichen. Mit chinesischen Kunden machen wir weltweit 20 bis 22 Prozent. Wenn wir hingegen die Schweizer Uhrenexporte als Ganzes betrachten, wird etwa die Hälfte an Chinesen verkauft. Daher besitzt Hublot ein beträchtliches Wachstumspotenzial. 40 Prozent sind keineswegs unrealistisch. Zur Erfolgsstory von Hublot gehören auch Gehäusematerialien. Ich wüsste keine andere Marke, die eine derartige Vielfalt anbietet. Wie lange denken und planen Sie bei neuen Materialien voraus? Das sind fünf, teilweise sogar zehn Jahre, bis ein neues Material einsatzbereit ist. Bei uns laufen derzeit zahlreiche Projekte. Manche davon gestalten sich leichter, andere sind ausgesprochen schwierig zu realisieren. Und manche lassen sich am Ende überhaupt nicht in die Praxis umsetzen. Wenn ich mal überschlage, haben wir gegenwärtig 30 bis 40 Projekte am Laufen. Wobei der Entwicklungsstand ganz unterschiedlich ist. Manche beziehen sich beispielsweise auf Keramik und dort neue Farben. Wir denken hier an Orange oder Gelbtöne. Neue Metalllegierungen sind auch ein Thema.

BIG BANG UNICO CERAMIC MAGIC GOLD

Soviel ich weiss, stecken nach dem einzigartigen Magic Gold auch Magic Aluminium und Magic Platinum in der Pipeline. Stimmt. Aber bis es Uhren mit solchen Gehäusen gibt, bleibt noch einiges zu tun. Magic Gold ist einzigartig und total kratzfest dazu. Warum gibt es nur so wenige Uhren aus diesem Material? Das hängt mit der aufwändigen Herstellung zusammen. Gegenwärtig können wir monatlich nur rund zwanzig Gehäuse herstellen. Wer kauft eine Uhr aus Magic Gold? Menschen, die sich unterscheiden wollen? Das Material schaut anders aus und spricht sicher An­ dersdenkende an. Wir haben ja auch Uhren mit Teilen aus überlieferten Goldlegierungen in der Kollektion. Ich persönlich bin überrascht über Teile unserer chinesischen Kundschaft. Die wollen etwas anderes und greifen deshalb erstaunlich gerne zum Magic Gold. Die Differenzierung ist sehr gut. Wird es eines Tages eine Classic Fusion aus Magic Gold geben? Ich hoffe es. Wir arbeiten jedenfalls daran. Aber das Gehäuse der Classic Fusion mit ihren mehr abgerundeten Kanten ist im Hinblick auf die korrekte Oberfläche deutlich schwieriger zu realisieren. Aber wir sind dabei. Unsere Abteilung Forschung und Entwicklung hat viele Projekte. Das ist eines davon. Die Classic-Fusion-Linie erfreut sich zunehmender Beliebtheit, wenn mich nicht alles täuscht. Hinsichtlich der Stückzahlen macht die Classic Fusion heute 55 Prozent unserer Verkäufe aus. Beim Wert ist die Big Bang wegen des höheren Durchschnittspreises weiterhin vorne. Die Classic Fusion verschafft Menschen, die Hublot mögen und das, was wir tun, einen Einstieg in unsere Welt.

BIG BANG MECA-10 10-DAY POWER RESERVE MAGIC GOLD 93


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Es könnten aber auch mehr sein, oder? Zahlreiche Frauen tragen Herrenuhren. Das kann ich nicht erfassen und messen. Ich zähle, was ich dem Damenbereich zurechne. Dazu gehört auch der Durchmesser. Für mich hört bei 41 Millimetern das auf, was Damen anziehen. Aber manche Damen tragen vielleicht Grösseres. Andererseits gibt es auch Männer, die 41-Millimeter-Uhren tragen.

Stimmt Sie das glücklich? Warum nicht? Die Classic Fusion ist ein kommerzielleres Produkt als die Big Bang. Angesiedelt in einer Einstiegspreislage. Dagegen kann man nichts haben. Aber unsere Kommunikation erstreckt sich mehr auf Projekte wie Ferrari, Sang Bleu, Richard Orlinski oder im Frühjahr 2019 auch die Garage Italia. Apropos Garage Italia. Das ist ja auch Ihr Uhrenbaby. Konkret stammt die Idee von Lapo Elkann, mit dem Hublot bekanntlich schon lange zusammenarbeitet. Der Vorschlag, eine neue Art von Armbanduhr zu kreieren, hat mich sofort fasziniert. Die Garage Italia beschäftigt sich ja mit Booten, Flugzeugen und natürlich Autos. Insofern lang die Konzeption, See, Himmel und die Erde in Projekten zu verwirklichen, sehr nahe. Sie bringt Inspirationen für die Zukunft.

Bei Ihren Gehäusematerialien besitzt Saphir einen immer grösseren Stellenwert. Saphir ist seit Jahrzehnten bekannt. Aber Hublot hat ein gewisses Alleinstellungsmerkmal, weil wir Saphirgehäuse in grösseren Quantitäten produzieren können. Hierfür investieren wir grosse Summen in die nötigen Technologien und Maschinen, konkret Lasermaschinen, Poliermaschinen und Ultraschallmaschinen. Auf die farblose Big Bang Saphire von 2016 folgten ab 2017 Gehäuse aus eingefärbtem Saphir.

Hublot limitiert seine Uhren oft auf 250 Stück. In diesem Fall waren es lediglich 100. Warum nur so wenige? Das hängt mit diesem Konzept zusammen. Wir wollten erst einmal ausloten, wie weit wir hier gehen können. Es handelt sich zweifellos um eine wunderschöne Uhr. Aber die Farbgebung polarisiert auch. Das helle Lapo-Blau spricht ja auch nicht jeden an. Also beschlossen wir, mit etwas Exklusivem in geringer Auflage zu starten. In die Zukunft bringen wir andere Produkte. Und dann werden wir weitersehen. Das Blau lässt sich natürlich auch für andere Uhren verwenden.

Welchen Wertschöpfungsanteil generiert Hublot bei Saphirgehäusen im eigenen Haus? Wir haben zusammen mit einer anderen Firma die Kapazitäten für eine industrialisierte Fertigung ausgebaut und können einen beträchtlichen Teil selber machen. Wir verfügen ganz generell über grosse Erfahrungen im Umgang mit harten Materialien. Aber Saphir verlangt nach sehr speziellem Know-how. Was man so hört, sind die Hublot-Uhren mit Saphirgehäusen sehr erfolgreich … Wir reden ja über ein doch recht kostspieliges Produkt jenseits der 50’000 Euro. Unter Einbeziehung dieses Preises ist die Big Bang Sapphire unglaublich erfolgreich.

Für die Garage Italia mit ihren ausgefallenen Farbideen kommt im Grunde genommen auch nur ein Partner, nämlich Hublot, in Betracht. Das sehe ich auch so, denn Keramik in diesem Farbspektrum bringen in der Tat nur wir zusammen. Hublot hat in den zurückliegenden Jahren auf dem Materialsektor eine beachtliche Kompetenz entwickelt.

Im Vergleich zu anderen Produkten am Markt ist der Preis aber doch sehr erträglich. Das geht auch nur, weil Hublot bei der Big Bang eine modulare Gehäusekonstruktion anwendet. Alle externen Teile bestehen aus Saphir, aber im Inneren findet sich weiterhin der bekannte Container für das Uhrwerk. In diesem Fall besteht es aus transparentem Kunstharz. So etwas können wir ruhig machen, weil damit ja niemand in Berührung kommt. Der hohe Innovationsfaktor besteht also in der Gehäusekonstruktion.

Wie lange hat es gedauert, diese Uhr auf die Beine zu stellen? Wenn ich ehrlich bin, ging das relativ zügig. Blaue Keramik ist bei weitem nicht so anspruchsvoll wie rote. Das Rot für die Ferrari-Modelle hat uns sehr viel länger beschäftigt, denn diese Farbe ist ungemein kompliziert. Wenn ich zurückdenke, sprechen wir von einem Jahr, um dieses spezielle Himmelblau für die Lünette und das dunkelblaue Gehäusemittelteil aus der Taufe zu heben.

Seit mehr als zwei Jahren sind Sie nun der Boss einer, wie Sie selbst sagen, sehr agilen Uhrenmarke. Um erfolgreich zu sein, müssen wir fortwährend kreativ und innovativ agieren. Und zwar nicht nur beim Produkt selber, sondern auch auf allen anderen Ebenen. Das ist einer der Gründe, warum Hublot sehr viel Geld in die Produktentwicklung investiert. In Uhrwerke, in neuartige Materialien und natürlich auch ins Design. Und dazu natürlich alle Aktivitäten rund um die Uhr. All unsere Partnerschaften unter anderen mit Ferrari, mit dem Fussball …

Wie wichtig sind Farben bei hochrangigen Uhren, wie sie Hublot grundsätzlich produziert? Frauen legen grossen Wert darauf. Manche Marken haben nicht den Mut dazu. Wir sind erfolgreich. Männer wollen auch Farben. Aber in einer anderen Weise. Frauen, die schon alles haben, betrachten Uhren oft als Accessoire, das zur Tasche passen muss, oder zur Kleidung. Solche Kunden haben natürlich nicht nur eine Uhr. Sie besitzen 20 oder 50. Die viel grössere Herausforderung besteht darin, einer Frau die erste Uhr zu verkaufen. Das ist viel anstrengender als der Verkauf einer ersten hochwertigen Uhr an einen Mann.

Von wie vielen Partnerschaften reden wir denn gegenwärtig? (lacht) So viele, so viele … Also quasi unzählige? Ja. Wirklich eine richtige Menge. Aber wir pflegen zwei Hauptsäulen. Und das sind Fussball und eben Ferrari. Dorthin fliessen zwei Drittel unseres entsprechenden Budgets.

Wie steht es bei Hublot generell um das weibliche Geschlecht. Können Sie einen Umsatz-Anteil nennen? Etwa 23 Prozent, aber mit steigender Tendenz.

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WATCHES & JEWELLERY

CF AERO CHRONO ORLINSKI GREEN CERAMIC 45

CLASSIC FUSION ORLINSKI TITANIUM

CF AERO CHRONO ORLINSKI RED CERAMIC

SPIRIT OF BIG BANG BLUE SAPPHIRE

BIG BANG PINK SAPPHIRE DIAMONDS

SPIRIT OF BIG BANG YELLOW SAPPHIRE

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CLASSIC FUSION ­CHRONOGRAPH JUVENTUS CERAMIC CARBON

Habe ich mich verhört? Zwei Drittel? Ja, aber des Sponsoring- und nicht des Marketing-Budgets. Daneben müssen wir unsere Klientel natürlich auch über andere Plattformen erreichen. Insbesondere die Musik. Dort investieren wir ebenfalls, um die jüngere Generation anzusprechen. Denken Sie beispielsweise an Depeche Mode.

wichtige Partnerschaft handeln könnte mit dem Resultat einer erspriesslichen Win-win-Situation.

Die Kooperation mit Depeche Mode währt jetzt schon rund zehn Jahre. Was macht diese Partnerschaft für Hublot so bedeutend? Uns ging und geht es darum, andere Welten zu betreten und uns darin aufzuhalten. Die Welt der Musik ist für uns sehr wichtig. Sie spricht Millionen von Menschen an. Auch dort können und wollen wir die Marke Hublot und ihre Werte kommunizieren. Depeche Mode sind für uns ausgesprochen wichtige Botschafter auf dem Gebiet der Musik.

Haben Menschen, die Depeche Mode hören, eine Beziehung zu Hublot-Uhren? Natürlich nicht alle, aber viele eben schon. Und das macht den Reiz dieser Partnerschaft aus. Die Kooperation bringt DepecheMode-Fans zu Hublot und im Gegenzug aber auch Hublot-Fans zu dieser Band und ihrer Musik. Wir sprechen eine Generation an, die sich für Depeche Mode begeistert und für die eben auch Hublot von Interesse ist.

Sie haben bislang zwei Tourneen gesponsert. Wie ist das Resultat aus der Sicht von Hublot? Ich würde es als grossen Erfolg bezeichnen.

Wie reagierte das Publikum auf die limitierten Editionen, welche bislang gemeinsam mit Depeche Mode entstanden? Wenn ich sage, dass alle Uhren restlos ausverkauft sind, spricht das doch absolut für sich. Beide Seiten waren und sind also restlos zufrieden mit dem, was wir bislang zusammen erreicht

Was haben Sie sich gedacht, als Sie den Mitgliedern der Band zum ersten Mal begegnet sind? Das war im Zuge der Eröffnung unserer Boutique in Prag. Mir war schnell bewusst, dass es sich um eine für beide Seiten

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haben. Das Engagement für die Aktion Charity: Water hat alles in allem mehr als drei Millionen Dollar eingebracht und mehr als 60’000 Menschen mit Trinkwasser versorgt. Wie viel steuern denn Ihre Partnerschaften mit Ferrari und Fussball zum Umsatz bei? Für den Fussball kreieren wir ja nur vereinzelt Uhren. Fussball ist für uns mehr Sponsoring zugunsten der Markenbekanntheit. Aber es kurbelt dennoch die Verkäufe an … … natürlich, aber das lässt sich nicht wirklich messen. Andererseits haben wir natürlich vereinzelt spezielle Modelle für diesen Breitensport. Welches Gefühl haben Sie persönlich zu Hublot und Fussball? Fussball hat die Bekanntheit von Hublot deutlich gesteigert. Wenn Leute heute Hublot hören, sagt ihnen das was, verknüpfen sie den Namen mit Uhren. Wir sind uns aber auch bewusst, dass sich 90 bis 95 Prozent dieser Leute keine Hublot leisten können. Aber das macht gar nichts. Wir glauben fest, dass es sehr wichtig ist, eine Marke konsequent aufzubauen. Leute sollen Hublot mit Uhren verknüpfen und nicht mit einer Bank oder irgendwelchen Nahrungsmitteln.

CLASSIC FUSION ­CHRONOGRAPH UEFA ­CHAMPIONS LEAGUE

Bei Ferrari sieht das wahrscheinlich anders aus … Klar. Hier sehen wir mehr potenzielle Kunden, weshalb sich die Kreation eigener Uhren auf jeden Fall lohnt. Jedes Jahr verkaufen wir zwei- oder dreitausend Uhren zusammen mit Ferrari. Hinsichtlich des Umsatzes macht das sieben bis acht Prozent aus. Das ist messbar und ein grosser Erfolg. Im Gegensatz zu anderen Marken, die vorher mit Ferrari kooperiert haben, gelingt es uns, zahlreiche Uhren an Besitzer dieser Autos zu verkaufen. Hublot hat sich zu einer wirklich etablierten Marke entwickelt. Menschen mit Ihren Uhren am Handgelenk sieht man inzwischen nahezu überall. Der Erfolg einer Marke zeigt sich tatsächlich darin, dass die Uhren getragen werden. In diesem Sinn sehen wir natürlich viele Rolex, viele Royal Oak, einige Patek Philippe und eben auch Hublots. Wir gehören zu den vier oder vielleicht auch fünf Marken, welche im Moment gut verkaufen. Für andere ist es anstrengender und auch herausfordernder, sich zu behaupten. Sie sind fester Bestandteil dieser mittlerweile 15-jährigen von Jean-Claude Biver initiierten Erfolgsgeschichte. Wie sehen Sie sich und Ihre Rolle darin? Meine Rolle bestand darin, die Dinge möglich zu machen. Jean-Claude ist eine brillante Person. Ich denke an seine Visionen, an sein Konzept und all die vielen Ideen, die er ständig entwickelt. Jede Sekunde ein Einfall, möchte ich sagen. Dazu bin ich komplementär, denn ich sorge für die praktische Umsetzung. Ich lasse geschehen. Man kann die besten Ideen besitzen, aber wenn es nicht gelingt, diese Realität werden zu lassen, ist alles irgendwie nutzlos. Meiner Meinung nach war ich die Person, welche die Ideen aufgegriffen und zum Beispiel in Uhren, deren Produktion, Marketing- und Verkaufsstrategien umgemünzt hat. Ich habe die Dinge bei Hublot geschehen lassen. Davon bin ich fest überzeugt.

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BIG BANG FERRARI ­CARBON RED CERAMIC

BIG BANG SCUDERIA FERRARI 90TH ANNIVERSARY PLATINUM

TECHFRAME FERRARI ­TOURBILLON CHRONOGRAPH SAPPHIRE WHITE GOLD


WATCHES & JEWELLERY

Der Künstler Richard Orlinski brachte frischen Wind in die Hublot-Szene. Auch das ist fantastisch. Anleihen für eine Uhr bei der Kunst zu nehmen, ist etwas Grossartiges. Das Produkt sieht unglaublich gut aus und bringt einen ungeheuren wirtschaftlichen Erfolg mit sich. Können Sie sich noch an die erste Begegnung mit Richard erinnern? Als wäre es gestern gewesen. Ich sagte zu ihm: Lass uns als Erst-Edition mal 200 Uhren produzieren. Dann sehen wir weiter.

Jetzt sind Sie beides in einer Person. Sie müssen fortan auch die Inspirationen liefern. Absolut richtig …

Will heissen, Sie waren etwas skeptisch … … ich würde eher sagen vorsichtig. Richard hingegen war spontan vom Erfolg der Kooperation überzeugt. Er hat recht behalten. Inzwischen sind wir bei mindestens zehn Editionen und 2000 Uhren angelangt.

… und sie in die Tat umsetzen. Genau. Aber ich agiere von einer guten Basis aus. 2004 gab es eine Vision, von der wir bei Hublot bis heute zehren. Und es gibt keinen Grund, diese Vision zu verwerfen. Und wir müssen diese Vision auch nicht neu erfinden. Die Kunst der Fusion lebt. Und sie wird es auch in Zukunft immer tun. So eine bewährte Plattform hilft gewaltig. Immer einzigartig sein, unterschiedlich und stets der Erste in allem, was wir tun, um disruptiv in Erscheinung zu treten. Alle diese Philosophien wurden wirklich von Jean-Claude Biver implementiert. Und ich muss gestehen, dass das hilft. Aber natürlich muss man immer wieder neue Ideen in die Welt setzen. Zum Beispiel das bereits erwähnte Engagement in der Musik oder in der Kunst und so weiter. Das waren mehr meine Ideen, welche aber natürlich der angestammten Philosophie folgen.

Ergo hat die Zusammenarbeit mit bedeutenden Künstlern und Designern Zukunft bei Hublot. Das denke ich, ja. Unsere Kunden warten auf so etwas. Einmal mehr wollen und bekommen sie etwas anderes. Sie erhalten ein Kunstwerk fürs Handgelenk. Ich bin mir jedoch auch sicher, dass andere Marken folgen werden. Aber das macht nichts, denn einmal mehr sind wir die Leader. Zusammenfassend möchte ich sagen, dass es immer wichtig ist, sich von anderen Welten und nicht nur von der Uhrenszene inspirieren zu lassen. Hublot liebt Design, und Hublot liebt Kunst. Lieben Sie persönlich ebenfalls Kunst und Design? Ich mag zeitgenössische Kunst. Und solche habe ich auch zu Hause. Ich besitze Kunstwerke von den Künstlern, mit denen Hublot kooperiert. Schliesslich wählen wir unsere Partner auch nach deren Kunst aus.

Wenn Sie auf 15 Jahre bei Hublot zurückblicken, gibt es da etwas, auf das Sie persönlich besonders stolz sind? Wenn Sie mich so fragen, möchte ich die Big Bang nennen. In deren Kreation war ich massgeblich involviert. Die Anfänge des Produkts waren ein Schlüsselelement, und ich denke, mein Beitrag bestand darin, diese Armbanduhr mit allen ihren Details Realität werden zu lassen.

Dann besitzen Sie sicher auch einen Orlinski. Ja, ich besitze unter anderem einen Panther und einen kleinen Kong. Oder was von Carlos Cruz-Diez. Romero Britto malte im Zusammenhang mit der Fussball-Weltmeisterschaft in Brasilien eigens für mich ein Bild. Auch von Thierry Guetta, bekannt als Mr. Brainwash, gibt es etwas. Um hier nur einige Kunstwerke zu nennen.

Zusammen mit Mijat? Ja, schon, aber Mijat war als Produktgestalter eben nur ein Teil davon. Am Anfang lieferte er ein Design. Und ich war davon nicht hundertprozentig überzeugt. Die Entwürfe waren in etlichen Punkten verbesserungsbedürftig. Wir mussten vieles überarbeiten und praxistauglich machen. Bekanntlich geht es um die Details. Letzten Endes arbeiten wir auch heute noch beständig weiter. Deshalb kann ich wirklich von einer beträchtlichen Teilhabe sprechen. Ganz zu Anfang bestand meine Arbeit zu hundert Prozent in Produktentwicklung. Das Ergebnis ist die Big Bang, welche heute zu Recht als Ikone unserer Industrie gilt.

Und Ihr Haus wurde gestaltet von? Das Design ist sehr speziell, denn das Haus besteht aus Beton. Manche Leute behaupten, es sei ein Bunker (lacht). Aber ich muss zugeben, es sieht auch ein wenig danach aus. Ich wollte etwas Andersartiges, Besonderes. Nicht klassisch. Daher alles Beton. Ja, von aussen liegt die Assoziation mit einem Bunker nicht ganz fern. Aber innen ist es sehr modern, aber auch sehr hübsch.

Welche Big Bang ist eigentlich die erfolgreichste unter allen Referenzen, die im Laufe der Jahre entstanden? Es handelt sich um ein 2005 geschaffenes Modell mit Keramik. Auch nach dieser langen Zeit immer noch unser Bestseller. Die Nummer eins bei den Verkäufen. Also ein echter Klassiker … … ja. Geschaffen für Menschen, welche die Welt von Hublot betreten wollen. Dieser Chronograph ist in einem erschwinglichen Preissegment angesiedelt und repräsentiert unsere Marke perfekt.

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ZEITLOSER GLAMOUR Autorin_Swenja Willms Bilder_Harry Winston

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Während seiner gesamten Karriere glaubte Harry Winston, dass Diamanten dank ihrer natürlichen Brillanz das Design von Schmuckstücken bestimmen sollten. Diese Philosophie führt uns zurück zu den frühen Anfängen des Traditionshauses. In einer Dezembernacht in den 1940er Jahren hielt Harry Winston plötzlich inne und starrte auf den dekorativen Stechpalmenkranz, der an der Tür seines Anwesens in Scarsdale hing. Es war die Art, wie die Zweige im Licht des frischen Winterschnees glitzerten, die ihn zutiefst faszinierte. Die miteinander verflochtenen Blätter formten sich zu einem winterlichen Design unvergleichbarer Schönheit, während die Zweige des Kranzes in den Hintergrund traten. In diesem Moment kam Harry Winston seine historische Erkenntnis: Edelsteine, nicht ihre Fassungen, sollten das Design seiner Juwelenkreationen bestimmen. Dies veranlasste Winston und seinen Chefdesigner Nevdon Koumrouyan, das moderne Design von edlem Schmuck zu revolutionieren, indem sie eine Signatur-Design-Technik, bekannt als «Clustering», einführten. Nevdon Koumrouyan, ein erfolgreicher und talentierter Künstler, war für seinen eleganten, malerischen Stil bekannt, der auf perfekte Weise die jedem aussergewöhnlichen Edelstein innewohnende Schönheit zur Geltung brachte. Durch seine Hände wurde das legendärste Motiv des Hauses ins Leben gerufen und somit ein unerreichtes Vermächtnis besiegelt. Heute, nahezu 75 Jahre später, ist das Winston Cluster noch immer eines der begehrtesten Motive des Hauses. Von dem unglaublichen «Wreath»-Collier bis hin zu aussergewöhnlichen Ohrringen und Ringen, die alle das gleiche beliebte ClusterMotiv aufweisen, dient die Kollektion als Grundpfeiler aller Harry-Winston-Designs und ist weiterhin Inspiration für zukünftige Generationen legendärer Schmuckstücke. Im Februar 2018 erweiterte Harry Winston seine ClusterKollektion mit Akzenten aus Smaragden, Rubinen und Saphiren. Mit den aussergewöhnlichsten Edelsteinen an der Spitze interpretieren die neuen Winston-Cluster-Kreationen ein ikonisches Motiv, das edlen Schmuck in dreidimensionale Cluster voller Glanz verwandelt, auf ganz neue Weise.

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WUSSTEN SIE…?

NEUE WEGE Seit September ist Bucherer im Geschäft mit Uhren aus Vorbesitz aktiv und setzt mit einem exklusiven Konzept neue Massstäbe. Kunden können ab sofort Certified-Pre-Owned(CPO)-­Uhren erwerben, welche von den Uhrenexperten bei Bucherer authentifiziert, inspiziert und zertifiziert wurden. In der speziell gestalteten Bucherer Gallery in Genf präsentiert das Unternehmen eine kuratierte Auswahl von CPO-Uhren in einem innovativen und kreativen Rahmen. In der Schweiz ist das komplette CPO-Uhrenangebot auch online erhältlich. DER ERSTE VERLOBUNGSRING Die erste Übergabe eines diamantbesetzten Verlobungsringes geht auf das Jahr 1477 zurück, als sich Erzherzog Maximilian I. von Habsburg mit Maria von Burgund verlobte. Der Verlobungsring war mit kleinen Diamantstücken in der Form des Buchstabens «M» besetzt. Die Ehe, die in erster Linie aus politischen Gründen vollzogen wurde, entwickelte sich bald zu einer innigen Liebesbeziehung und prägt bis heute die Tradition des Verlobungsringes. BLACK PEARL Gerade ihre Seltenheit macht Perlen so besonders wertvoll. Schätzungen zufolge findet man nur in jeder 15’000sten Muschel eine schwarze Naturperle. «Azra» heisst eine der bekanntesten, sie ist das Herzstück eines Colliers der russischen Kronjuwelen. Heute werden schwarze Perlen erfolgreich gezüchtet und tragen den Namen «Tahiti-Perlen». Sie gehören mit einem Durchmesser von acht bis 16 Millimetern zu den grössten und wertvollsten Perlen. Ihre Wachstumszeit beträgt vier bis fünf Jahre.


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prestigemagazin.com


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DIE SAMMLERIN

Autorin_Helena Ugrenovic Bilder_ACC Publishing Group

SEIT ÜBER 30 JAHREN BESCHÄFTIGT SIE SICH LEIDENSCHAFTLICH MIT MODESCHMUCK SOWIE BIJOUX DE COUTURE. SIE IST EINE ANERKANNTE AUTORITÄT ALS EXPERTIN, SCHRIEB ZWÖLF IN DIVERSE SPRACHEN ÜBERSETZTE BÜCHER UND IST MIT 3500 DIGITALISIERTEN FARBDIAS SOWIE 3000 DIGITALEN FOTOGRAFIEN EINE SAMMLERIN AUS LEIDENSCHAFT. DEANNA FARNETI CERA.

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Im Jahr 1987 entscheidet sie sich bei ihrer ersten Ausstellung über Modeschmuck dafür, die besten Stücke, die sie gekauft hat, professionell zu fotografieren und nach Designer, Hersteller, Datum, Land, Stil, Materialien, Verarbeitungstechniken, Identifikationsmerkmalen sowie Provenienz zu sortieren. Erst nachdem die Herkunft des Stücks vollständig identifiziert und mittels einer Fotografie festgehalten ist, kann das Stück verkauft werden. Heute bietet der Fundus der passionierten Sammlerin eines der reichhaltigsten Archive, worin Verlagshäuser, Modemagazine, Schulen und Studenten gerne stöbern.

ONCE UPON A TIME IN ITALY

Seit jeher existiert in Italien die Tradition, Schmuck aus Halbedelsteinen als Kopien oder Prototypen der Haute Joaillerie anzufertigen. In ihrem Buch «Made in Italy» führt Deanna Farneti Cera durch eine 100-jährige Chronologie mit Exemplaren aus den 1920er Jahren bis zur Zeit der faschistischen Herrschaft, als Schmuck ausschliesslich aus lokalen Materialien wie Holz, Kork, Stroh, venezianischem Glas oder venezianischer Koralle hergestellt werden musste. Die 50er und 60er Jahre lassen zum ersten Mal grosse Namen im Bereich Modeschmuck erblühen: Giuliano Fratti, Emma Caimi Pellini, Sharra Pagano, Ugo Correani, Coppola e Toppo, Luciana de Reutern, Canesi, Ornella. Ein besonders wichtiges Phänomen zeichnet sich in den 70er Jahren in Mailand ab, als italienische Mode mit einem Schlag die internationale Szene erobert und diese mit italienischen Designern wie Armani, Versace, Ferré und später Moschino sowie Prada dominiert und weltweit eine unglaubliche Erfolgswelle verbucht. In den 80er und 90er Jahren und bis weit bis ins Jahr 2000 drängen noch weitere Namen im Bereich Modeschmuck an die Spitze – Carlo Zini, Angela Caputi, Maria Calderara, Giorgio Vigna, Fabio Cammarata, Emilio Cressoni, Robert Tomas, Irene Moret, Silvia Beccaria. Zu den berühmtesten Schmuckdesignern etablieren sich namhafte Designer wie Bijoux Bozart, Carlo Zini, Chanel, Chloé, Fiorucci, Emilio Pucci, Gianfranco Ferré, Giorgio Armani, Karl Lagerfeld, Luciana de Reutern, Marni, Missoni, Moschino, Unger, Valentino und Versace.

LINKS Repräsentativ für den Art-déco-Stil: «Madame Agnès» von Jean Dunand.

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TRAUMKARRIERE

Innerhalb weniger Jahre steigt Deanna Farneti Cera zu einer der gefragtesten Expertinnen auf dem Markt auf. Nach ihrem Abschluss 1975 an der Universität Bologna, in den Fächern Kunst, Musik und Theater, ist sie Kuratorin und stellvertretende Direktorin der Städtischen Galerie für Moderne Kunst in Bologna. Sie ist verantwortlich für die Pressestelle und redigiert alle 22 Kataloge der Wechselausstellungen sowie den Gesamtkatalog der Gemälde. Im Auftrag der Stadt Mailand reist sie 1975 in die USA, nach England und Frankreich, um für die Ausstellung «Die andere Hälfte der Avantgarde», die sie in Zusammenarbeit mit Lea Vergine organisiert, Künstler zu treffen. 1987 ist sie als Kuratorin und Organisatorin von «Le Gioie di Hollywood – amerikanische Designer von Modeschmuck 1920–1960» für die Ausstellung in der Design-Galerie in Venedig verantwortlich und verfasst den Katalog in italienischer und englischer Sprache. 1989 eröffnet sie einen Modeschmuck-Showroom am Corso di Porta Vigentina in Mailand.

DER TEUFEL STECKT IM DETAIL

In über 30 Jahren Arbeit schafft sie es, Artikel aus den wichtigsten und renommiertesten Modemagazinen sowie Texte aus Forschungsbüchern von anerkannten Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts zu finden und zu sammeln. Es ähnelt einer Sisyphus- und Detektiv­ arbeit, wie fokussiert Deanna Farneti Cera nach Beweisen sucht, bevor sie zu einer Schlussfolgerung in Bezug auf den Namen des Herstellers, das Datum, den Stil, das Herkunftsland, den Couturier oder Designer, der das Stück in Auftrag gegeben hat, kommt: «Wenn ich ein Modeschmuckstück authentifiziere und zertifiziere, wende ich immer noch die gleichen Methoden an, die ich als stellvertretende Direktorin der Städtischen Galerie für Moderne Kunst in Bologna angewendet habe. Deren Kuratoren haben stets grosse Anstrengungen unternommen, um durch umfangreiche Recherchen die genaue Zuordnung von nicht signierten Gemälden zu ermitteln. In meiner späteren Karriere als Schmuckhistorikerin gebe ich immer noch mein Bestes, um ein Schmuckstück zu dokumentieren, insbesondere, wenn das Stück nicht signiert ist.»


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Nebst den Büchern und Zeitschriften recherchiert sie in Handelskammern und Patentämtern und datiert Kataloge, in denen Rohstoffe, insbesondere Glasperlen, aufgeführt sind. Ihr Auge und ihr Wissen sind schon derart sensibilisiert, dass sie in der Lage ist, Rohmaterial zu erkennen, das sie in Katalogen für Modeschmuck gesehen hatte, und daher diese Stücke problemlos datieren kann. Nebst der theoretischen Untersuchung besucht sie die Werkstätten der Hersteller von Fein- und Modeschmuck, um eine genauere Vorstellung von Techniken und Verarbeitung zu erhalten.

FREUNDSCHAFTEN DER BESONDEREN ART

Die enge Zusammenarbeit und Vertrautheit mit den Handwerkern fördert Freundschaften, die ihr einen speziellen Bonus bescheren. Bereits im Vorfeld wird sie von den Meistern für Modeschmuck gefragt, ob sie im Falle einer Stilllegung oder Einstellung der Tätigkeit den gesamten Prototypenbestand kaufen möchte. Tatsächlich wird das der Fall bei Coppola und Toppo, Ugo Correani und Iba aus Varese, einem Spezialisten für Kunststoffschmuck, der für Missoni, Armani, Sharra Pagano, Ugo Correani, Laiotti, Genny und Enrico Coveri Schmuckstücke fertigte. Zusammen mit Prototypen von Schmuckstücken erhält Deanna Farneti Cera noch dazu Fotos und Presseausschnitte, die jeder der Designer im Laufe seines Lebens angehäuft hat. Wertvolles Material, um die Geschichte der Mode des 20. Jahrhunderts und ihre Ergänzungen nachzuvollziehen und in diesem Zusammenhang die Stile und Themen zu beobachten, die jeden dieser Designer auszeichnet. All das hält sie in ihrem ersten Buch «Le Gioie di Hollywood» aus dem Jahr 1987 fest und übernimmt zahlreiche Informationen in ihren späteren Veröffentlichungen.

Brosche aus dem Jahr 1925 aus emailliertem Metall.

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WATCHES & JEWELLERY

MODE SCHMÜCKEN

Deanna Farneti Ceras neuestes Werk «Adorning Fashion» kommt fast schon einer Fashion- und Modeschmuck-Bibel gleich, die gefüllt ist mit Experteninformationen, Identifikationstipps und historischen Anekdoten. Unter Modeschmuck versteht man gewöhnlich modische und doch erschwingliche Schmuckstücke aus nicht kostbarem Material. Der früheste Modeschmuck, der Mitte des 18. Jahrhunderts in Frankreich mit dem Aufstieg der Bourgeoisie entstand, ahmte feine Schmuckstile nach. Seitdem hat sich Modeschmuck immer weiterentwickelt und vom viktorianischen Sentimentalismus bis zu den heute massenproduzierten Ornamenten zu einer eigenständigen Kunstform entwickelt. «Adorning Fashion» belichtet die Stile der Epoche – viktorianisch, Edwardian, Arts & Crafts, Jugendstil, Art nouveau und jedes Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts individuell und erläutert ebenfalls die Herstellungsmethoden ausführlich. Legierungen und vergoldete Galvanik können Silber und Gold imitieren, während der Brechungsindex von behandeltem Glas für das geübte Auge mit einem Diamanten verwechselt werden kann. «Adorning Fashion» diskutiert die Beiträge einer bemerkenswerten Gruppe von Designern und Innovatoren, darunter Kokichi Mikimoto, Carlo Giuliano, René Lalique, Elizabeth Bonté, die Brüder Castellani, Jean Fouquet, Fulco di Verdura, Jean Schlumberger, Salvador Dalí, Gräfin Cissy Zoltowska, Christian Dior, Balenciaga, Chanel, Van Cleef & Arpels, Paco Rabanne, Yves Saint Laurent, Bulgaria, Versace und viele mehr.

Adorning Fashion The History of Costume Jewellery to Modern Times Deanna Farneti Cera 400 Seiten, 542 Illustrationen ACC Art Books ISBN: 9781788840477

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JEWEL LERY

HARRY WINSTON

Unter der exquisiten äusseren Komposition der «Ultimate Emerald Signature» verbirgt sich eine wertvolle Uhr mit einem Zifferblatt aus Diamantpavé. Diese aussergewöhnliche Kreation erforderte mehr als 100 Stunden Arbeit.

H

M B B MIKIMOTO

Armband bestückt mit Aquamarinen (2,40~2,66 Karat), Diamanten (7,17 Karat) und weissen Südsee-Zuchtperlen.

BEYER

Ohrhänger in Weissgold bestehend aus zwei ParaibaTurmalinen (total 3,13 Karat) und 54 Brillanten (0,51 Karat).

TR EN DS by

BULGARI

«Secret watch Serpenti Misteriosi» mit Quarzwerk in 18-karätigem Weissgold. Das Armband und das Zifferblatt sind besetzt mit blauen Saphiren und Diamanten im Marquise- und Brillantschliff.

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WATCHES & JEWELLERY

ARMBAND UHREN Autor_Gisbert L. Brunner

für Mechanik-Voyeure LIEBHABER MECHANISCHER ARMBANDUHREN BESITZEN AUCH EIN GEHÖRIGES QUANTUM NEUGIER. BRENNEND INTERESSIEREN SIE SICH DAFÜR, WAS DIE ZEIT AN IHREM HANDGELENK BEWAHRT. DIESEN WISSENSDRANG BEFRIEDIGT DIE UHRENINDUSTRIE DURCH SKELETTIERTE UHRWERKE, GEÖFFNETE ZIFFERBLÄTTER ODER VORDERSEITIG MONTIERTE MECHANISMEN. ARMBANDUHREN MIT DURCH- ODER EINBLICK LASSEN FOLGLICH NUR WENIGE WÜNSCHE OFFEN.

Mitunter besitzen Krisen auch positive Seiten. So geschehen in den frühen 1930er Jahren, als eine schwere Krise die Weltwirtschaft massiv beeinträchtigte. Folgen zeigten sich auch in der Schweiz. Quasi über Nacht kollabierte das Geschäft mit feinen Zeitmessern. Beim Grübeln über die Zukunft stiessen findige Uhrmacher auf scheinbar vergessene Handwerkskünste aus dem 18. Jahrhundert. Gemeint ist das Skelettieren der tickenden Mikrokosmen. Zunächst markieren die Handwerker mit feiner Nadel alle Umrisse des überflüssigen Materials. Das wiederum entfernen sie nach dem Anbringen feiner Bohrungen mit einer feinen Laubsäge. Weitere Schritte gelten dem Anglieren der Kanten sowie dem Gravieren der Oberflächen. Geschicktes manuelles Tun zeigt sich nicht nur in sorgfältig ausgearbeiteten Winkeln, sondern auch in vollkommener Kongruenz übereinanderliegender Teile. Unter der Leichtigkeit des skelettierten Seins darf die Festigkeit der tragenden Teile, also der Platine, Brücken und Kloben, unter keinen Umständen leiden. Nur so ist einwandfreie Funktion über Jahrzehnte hinweg gewährleistet. Folglich verlangt perfektes Skelettieren mehr als nur handwerkliche Fertigkeiten. Nicht minder wichtig sind genaue Kenntnisse zum Kraftfluss im feinen Getriebe. Tickende Uhrwerke benötigen zum Erfüllen ihrer zeitbewahrenden Aufgaben gerade einmal ein milliardstel PS. Daher können und dürfen die Gesetze der Mechanik unter keinen Umständen vernachlässigt werden.

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OBEN LINKS Oris Big Crown ProPilot X Calibre OBEN RECHTS Bulgari Octo Finissimo Skeleton UNTEN LINKS Chanel UNTEN RECHTS ROGER DUBUIS Excalibur Skelett Automatik

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WATCHES & JEWELLERY

Getrennte Zeigerpaare bilden verschiedene Zonenzeiten ab. Auch solche, die sich nur um Halb- oder Viertelstunden voneinander unterscheiden. Das unabhängige Ein- und Verstellen erfolgt mit Hilfe zweier Kronen. Im 52.4 Millimeter langen und 29.8 mm breiten Platingehäuse kommt das selbst entwickelte und gefertigte Skelett-Kaliber 9919 zum Einsatz. Seine beiden Zugfedern müssen nach spätestens 60 Stunden manuell gespannt werden. Ganz «im Süden» vollzieht die Unruh stündlich 28’800 Halbschwingungen. Schwarz, aber dennoch mit hoher Transparenz präsentiert sich die neue «Boy-Friend Skeleton Édition Noire» von Chanel. Von Hand muss das bei «12» positionierte Federhaus des schwarz beschichteten «Calibre 3» mit potenzieller Energie befüllt werden. Nach Vollaufzug reichen die Reserven etwa 55 Stunden lang. Aus Edelstahl besteht das Gehäuse in den Dimensionen 28.6 x 37 Millimeter, aus Keramik der vordere Glasrand. Dem Druck des nassen Elements widersteht die auf 55 Exemplare limitierte Armbanduhr bis zu drei bar. Beim Manufakturkaliber GP09400-1035 mit MikrorotorSelbstaufzug hat Girard-Perregaux alles Überflüssige weggelassen. Die insgesamt 80 Teile des filigranen Titan-Tourbillons bringen nur 0,25 Gramm auf die Waage. Das unter der oberen Brücke montierte Federhaus speichert Kraft für mindestens 60 Stunden Gangautonomie. Jedes der durchbrochen gestalteten Gesamtkunstwerke im Inneren der «Quasar» setzen die Uhrmacher aus 260 Komponenten zusammen. Durch die vollkommen transparente, bis drei bar druckdichte Saphirschale mit 45 Millimeter Durchmesser lässt sich das funktionale Zusammenwirken aus allen Perspektiven beobachten. Zeitgemässe Manufaktur-Mechanik mit reichlich Durchblick repräsentiert das neue Kaliber 115 von Oris. Bei der Konstruktion des Handaufzugswerks mit zehn Tagen Gangautonomie und drei Hertz Unruhfrequenz standen Stabilität, Zuverlässigkeit und Präzision im Vordergrund. Auf formaler Balance zwischen Uhrwerk und Gehäuse basiert die Gestaltung der ganzen «Big Crown ProPilot X Calibre 115». Die intendierten Bezüge zur Fliegerei resultieren aus dem geriffelten Höhenring im Inneren des 44 Millimeter grossen Titangehäuses mit Stealth-Charakter und aus seinem Glasrand. Bis zu 100 Meter Tauchtiefe reicht die Wasserdichte. Manufakturwerke in durchbrochener Bauweise gehören zu den signifikanten Markenzeichen von Roger Dubuis. Im ultraleichten Karbongehäuse der 45 mm grossen «Excalibur Skelett Automatik» findet sich das mit einem Mikrorotor ausgestattete Selbstaufzugskaliber 820SQ. Es besteht aus summa summarum 166 Komponenten und lässt seinen Gangregler nach Vollaufzug rund 60 Stunden lang mit vier Hertz schwingen. Weil den Boliden das Genfer Qualitätssiegel auszeichnet, darf die maximale wöchentliche Gangabweichung nicht mehr als eine Minute betragen. Das Kautschukband besitzt eine komfortable Faltschliesse. Zu den Besonderheiten des skelettierten Handaufzugskalibers 4805 SK im Zenith «Fusée Tourbillon» gehört ein überliefertes Kette-Schnecke-System. Selbiges stabilisiert das Drehmoment der vom Federhaus ans Räderwerk weitergereichten Antriebskraft. Aus 807 Einzelteilen fügen versierte Uhrmacher den 37 Millimeter grossen Mikrokosmos mit Minutentourbillon und flotten fünf Hertz Unruhfrequenz zusammen. Davon entfallen alleine 575 auf die hauchdünne, 18 Zentimeter lange Kette. Ein kleiner Zeiger zwischen «4» und «5» fungiert als Gangreserveindikation. Von der Ausführung mit Karbongehäuse entstehen 50 Exemplare.

Es war Paul-Jules Audemars, der mangels anderer Arbeit im Jahr 1934 ein 17-liniges Uhrwerk eigenhändig skelettierte und dadurch einen Trend auslöste. An diese Leistung erinnert das komplizierte «Jules Audemars Tourbillon Openworked» von Audemars Piguet. Für vollkommenen Durchblick besitzt sein Platingehäuse Saphirgläser auf Vorder- und Rückseite. Sie zeigen das aus 268 Komponenten zusammengefügte Automatikkaliber 2875 mit Minutentourbillon. Im feinen Drehgestell oszilliert die Unruh mit drei Hertz. Nach Vollaufzug stehen 54 Stunden Gangautonomie zur Verfügung. Den verbleibenden Energievorrat stellt eine Art Tankuhr dar. Fachsprachlich heisst sie Gangreserveanzeige. 2008 brachte Patek Philippe die Referenz 5180 / 1 «Calatrava Squelette» auf den Markt. Ihr Automatikkaliber 240 SQU zeichnet sich aus durch ausnahmslos manuelle Skelettierung, Gravur und Dekoration. Folglich leben in diesem eleganten Uhrwerk mit massivgoldenem Mikrorotor überlieferte Handwerkskünste auf höchstem Niveau fort. Unbewegt beispielsweise im Tresor stellt die Unruh nach ungefähr 48 Stunden ihre Oszillationen ein. Zum 40. Jubiläum der 2.53 Millimeter flachen Manufaktur-Mechanik im Jahr 1977 präsentierte das traditionsreiche Genfer Familienunternehmen eine 39 Millimeter grosse Version in Roségold, welche am Handgelenk nur 6.7 Millimeter aufträgt. Im Genfer Vorort Plan-les-Ouates beweisen die Uhrmacher von Vacheron Constantin ihre Kunstfertigkeit. Überlieferte, ausnahmslos manuell ausgeführte Skelettierungs- und Dekorationstechniken führen zur «Traditionnelle Automatik extra-flach Skelett». Ihr 38-Millimeter-Gehäuse aus Weissgold misst in der Höhe 6.82 Millimeter. Möglich macht’s das ultraflache Automatikkaliber 1120 SQ. Seine Geschichte reicht zurück bis ins Jahr 1967. Ohne Datumsanzeige baut es lediglich 2.45 Millimeter hoch. 144 Komponenten braucht es für ein Exemplar mit Zentralrotor. Dessen Aufzugseffizienz steigert ein äusseres Massivgold-Segment.

MODERNE SKELETTE

Das Computer-Zeitalter hat dem Thema Skelettierung nicht nur Impulse, sondern auch Flügel verliehen. Zeitgemässe Konstruktions- und Fertigungstechnologien ermöglichen bemerkenswerte Alternativen. Will heissen: Schon bei der Entwicklung und auch während des anschliessenden Herstellungsprozedere nehmen Uhrwerke ihre durchbrochene Gestalt an. Die Skelette sind gefräst, gestanzt, oder sie entstehen auf andere Weise in mehr oder minder automatisierten Verfahren. An der Funktion ändert das natürlich nichts. Dass Maschinen manuelles Tun übernommen haben, zeigt sich schnell beim begutachtenden Blick durch die Lupe. Auf der anderen Seite macht sich Modernität durch günstigere Preise bemerkbar. Und genau das kommt vielen MechanikAficionados sehr entgegen. Seit 2014 stellt Bulgari seine Mechanik-Kompetenz durch flache Uhrwerke unter Beweis. Eindrucksvoller Beleg ist die «Octo Finissimo Skeleton». Ihr durchbrochen konstruiertes und maschinell gefertigtes Handaufzugswerk vom Kaliber BVL 128SK baut gerade einmal 2.35 Millimeter hoch. Sein Durchmesser liegt bei 36 Millimetern. Bis zu 65 Stunden reicht die in einem Federhaus gespeicherte Energie. Wie es um die verbleibenden Vorräte bestellt ist, lässt eine Indikation bei «9» wissen. Aus leichter, antiallergischer Keramik bestehen die 40-Millimeter-Schale mit Saphirgläsern vorne und hinten sowie das Gliederband. An Kosmopoliten wendet sich die Cartier «Tonneau Dual Time Zone Squelette».

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UHREN MIT EINBLICK

UNTER DER LEICHTIGKEIT DES SKELETTIERTEN SEINS DARF DIE FESTIGKEIT DER TRAGENDEN TEILE ­UNTER KEINEN UMSTÄNDEN LEIDEN

Sichtböden gehören bei modernen Armbanduhren fast schon zum guten Ton. Wer selbst sehen oder anderen zeigen möchte, was im Gehäuseinneren vor sich geht, muss Zeitmesser mit Sichtboden notgedrungen vom Handgelenk schnallen. Mit dem Lancement von Serien-Tourbillons ging ab 1986 ein Bewusstseinswandel einher. In aller Regel zeigte sich der aufwändige Drehgang durch einen Zifferblattausschnitt. Als einige Jahre später auch die normale Unruh in einem kleinen Guckloch oszillierte, entdeckten immer mehr Produktgestalter den Reiz durchbrochener Zifferblätter. Durch sie präsentiert sich die normalerweise aber wenig attraktive Vorderseite des Uhrwerks. Aber Uhrmacher sind von Hause aus kreative Menschen. Daher verlegten sie einen mehr oder minder grossen Teil der faszinierenden Mechanik nach vorne. Auf diese Weise können sie Uhrenliebhabern die verbauten Komplikationen vor Augen führen oder ganz einfach jenes Ticken, welches auch im 21. Jahrhundert weiterhin den Herzschlag der menschlichen Kultur repräsentiert. 200 Exemplare wird A. Lange & Söhne vom «Datograph Auf / Ab Lumen» mit Platinschale herstellen. Dank eines semitransparenten Zifferblatts, welches untertags UV-Ladelicht durchlässt, sowie eines speziellen phosphoreszierenden Materials sind sämtliche Indikationen auch bei Dunkelheit ablesbar. Besonders eindrucksvoll präsentiert sich dabei das Grossdatum. Sein Zehnerkreuz ist mit heller Leuchtmasse beschichtet, welche kontraststarke schwarze Ziffern trägt. Im Gegensatz dazu rotiert die gläserne, ebenfalls mit schwarzen Ziffern bedruckte Saphirglas-Einerscheibe des Manufakturkalibers L951.7 vor statischem nachtleuchtenden Hintergrund. Streng genommen besteht das Manufakturkaliber ARF17 im querovalen Saphirgehäuse der Armin Strom «Dual Time Resonance Sapphire» aus zwei nebeneinander angeordneten Uhrwerken. Jedes davon besitzt zwei Energiespeicher und 110 Stunden Gangautonomie. Eine patentierte und zertifizierte Resonanz-Kupplungsfeder verbindet die bei «12» mit ungewöhnlichen 3,5 Hertz oszillierenden Schwingsysteme. Diese Art der Koppelung bewirkt eine 15 bis 20 Prozent höhere Ganggenauigkeit. Wie sich unschwer erkennen lässt, besitzt die Konstruktion auch zwei getrennte und unabhängig voneinander einstellbare Zeitanzeigen. Beim 43 Millimeter grossen «Heritage Tourbillon Double Peripheral» treibt Carl F. Bucherer sein peripheres System auf die Spitze. Neben dem nabenlosen Aussenrotor mit massivgoldener Schwungmasse zeichnet sich auch das bei «12» sichtbare Minutentourbillon durch periphere Lagerung aus. Das Drehgestell halten drei Keramikkugellager in Position. Anker und Ankerrad des Manufakturkalibers CFB T3000 bestehen aus Silizium, das seine Aufgaben auch ohne Öl bestens erfüllt. Amtlicher Beleg für tadellose Funktion und präzisen Gang des Automatikwerks mit 65 Stunden Gangautonomie ist das offizielle COSC-Chronometerzeugnis, welches jede dieser Armbanduhren begleitet. Einzig und allein der Zeit widmet sich die weissgoldene «Balancier Contemporain» von Greubel Forsey. Das kontinuierliche Verstreichen demonstrieren die Oszillationen der nachgerade majestätischen, weil 12,6 mm grossen Glucydur-Unruh mit drei Hertz Frequenz und variabler Trägheit. Ein Unruhstopp gestattet sekundengenaues Zeigerstellen. Spätestens nach 72 Stunden muss dem aus 255 Teilen assemblierten Uhrwerk Energienachschub durch einige Drehungen an der Krone zugeführt werden. Wann

es so weit ist, gibt die Gangreserveanzeige bei «12» zu erkennen. Bis zu drei bar Druck schützt das Gehäuse die puristische EdelMechanik gegen zerstörerisches Wasser. Beim «Master Grande Tradition Gyrotourbillon Westminster Perpétuel» mit 43-Millimeter-Weissgoldgehäuse und dem Manufaktur-Handaufzugskaliber 184 konnte Jaeger-LeCoultre die Masse des dreidimensionalen Drehgangs noch weiter reduzieren. Ein Konstantkraftantrieb wirkt dem kontinuierlich nachlassenden Drehmoment des Energiespeichers entgegen. Zum Komplikationenspektrum gehört ferner ein ewiger Kalender mit Anzeige von Datum (springend), Wochentag, Monat und Jahr. Auf Knopfdruck tritt die Minutenrepetition in Aktion. Dabei ertönt die Zahl der Viertelstunden wie Westminster in London. Zu den anerkannten Stilikonen der Uhrengeschichte gehört zweifellos die Heuer «Carrera». In die grossen Fussstapfen des 1963 kreierten Chronographen tritt gegenwärtig die «Carrera Calibre Heuer 02 Automatic». Im Gegensatz zu einst beherbergt das 45 Millimeter messende Keramikgehäuse ein selbst entwickeltes und produziertes Automatikwerk. «Heuer 02» heisst die Mechanik mit klassisch v-förmig angeordneten Zählzeigern und Permanentsekunde, Schaltradsteuerung des integrierten Stoppers, Vertikalkupplung, Rotoraufzug sowie 80 Stunden Gangautonomie. Zur Montage des chronographischen Schaltwerks braucht es nur eine einzige Schraube. Neugierigen Zeit-Genossen kommt das offenherzig gestaltete Zifferblatt entgegen.

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WATCHES & JEWELLERY OBEN LINKS Carl F. Bucherer Heritage Tourbillon OBEN RECHTS A. Lange & Söhne UNTEN LINKS TAG Heuer Carrera ­Calibre Heuer Carbon UNTEN RECHTS Greubel Forsey ­Balancier Contemporain

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EIN STÜCK GLÜCK Als das Familienunternehmen Beyer Uhren und Juwelen 1965 damit startete, auch Antik- und Vintage-Uhren zu verkaufen, war das ganz neu auf dem Markt. Beyer bewies damit wieder einmal Pioniergeist. Inzwischen tun es auch andere, doch kein vergleichbares Uhrengeschäft verfügt über so viel Erfahrung und Know-how. Antik-Uhren sind historisch relevante Modelle, die mindestens 99 Jahre alt sein müssen, um als solche zu gelten. Vintage-Uhren hingegen verdienen diese Bezeichnung schon ab 25 Jahren, sie haben ihren Wert behalten, oder er ist manchmal sogar höher als der ursprüngliche Kaufpreis. Und Trouvaillen sind Modelle, die bis zu circa 25 Jahre alt sind und gesucht werden. Was bei Beyer ein grosser Vorteil ist, erläutert uns die Fachfrau für Trouvaillen, Ursula Junger, gleich selbst: «Ihre Uhr, die Sie verkaufen möchten, wird bei uns kompetent und sorgfältig eingeschätzt, wir definieren zusammen einen fairen Preis. Wenn Sie möchten, wird der gleich auch in bar ausbezahlt oder beim Erwerb einer neuen Uhr angerechnet. Zudem kaufen wir auch Modelle von auserwählten Marken, die wir sonst nicht im Sortiment haben.» Auf die Frage, was derzeit im Trend sei im Bereich Trouvaillen, entgegnet Junger: «Nach wie vor sind es Modelle in Gelbgold. Aber neuerdings stellen wir auch eine vermehrte Nachfrage nach Rosé-Gold fest. Das im Zeichen der wiederentdeckten Romantik, vermutlich.» An die 200 Secondhand-Uhren werden bei Beyer jährlich verkauft – inklusive Echtheitszertifikat. Aber das eigentlich Schöne an diesen Uhren sind die Geschichten dahinter. Zum Beispiel die der charmanten älteren Lady, die bei ihrem geliebten CartierModell die Zahlen plötzlich nicht mehr lesen konnte. Sie verkaufte das edle Stück – und erwarb eine neue Rolex. Mit markant grös­ seren Zahlen, versteht sich. Oder der Gentleman, der eine Uhr verkaufte, nachdem er über Jahre die ganze Welt damit bereist hatte und nun fand, dieses Kapitel sei zu Ende – und es sei damit Zeit für eine neue, andere Uhr. «Wichtig beim Uhrenkauf, bei neuen und speziell bei Modellen aus zweiter Hand, ist das Vertrauen», so Junger. Ein Schlüsselbegriff also. Bei Beyer kann man sich als Kunde drauf verlassen, dass die Uhren garantiert echt, geprüft und sorgfältig renoviert sind. Entweder im Hause oder in der Original-Manufaktur. Damit entsteht eine klassische Win-win-Situation – der Verkäufer ist zufrieden und der Kunde freut sich –, so ist die Freude also auf beiden Seiten. Und ein Glücksfall für alle.

Autorin_Beatrice Schönhaus Bilder_Beyer Uhren & Juwelen

Uhren kaufen ist eine emotionale Angelegenheit. Und Secondhand-Uhren kaufen ist dies gleich im zweifachen Sinn. 116


WATCHES & JEWELLERY

Beyer Uhren und Juwelen hat eine spannende Entstehungsgeschichte. Was viele nicht wissen: Beyer Chronometrie ist das erste und älteste Uhrengeschäft in der Schweiz, mit Sitz an der Bahnhofstrasse 31 in Zürich. Das Familienunternehmen wurde 1760 gegründet und stets vom Vater an den Sohn übergeben. Alle gelernte Uhrmacher. So wie auch René Beyer, der die Beyer Chronometrie in der achten Generation führt. Das Sortiment umfasst zwölf Top-Uhrenmarken, die preiswerte Beyer-Uhrenlinie sowie antike Uhren und Trouvaillen. Zudem fertigt das eigene Atelier sehr exklusiven Schmuck. Im Untergeschoss des Hauses befindet sich zudem eine der wichtigsten Uhrensammlungen der Welt: das Uhrenmuseum Beyer mit rund 300 Exponaten von 1400 v.Chr. bis heute.

WWW.BEYER-CH.COM / TROUVAILLEN

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MO MO TION TI ON PRESTIGE

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DIE BRITISCHE AUTOLEGENDE Autorin_Lone K. Halvorsen Bilder_Aston Martin

ASTON MARTIN DB5 119


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ER KAM MIT MASCHINENGEWEHREN HINTER DEN BLINKERN, ROTIERENDEN NUMMERNSCHILDERN, SCHLEUDERSITZ, EINEM REIFEN-ZERTEILER UND EINEM AUSFAHRBAREN KUGELFANG – DER DB5 WAR EINE RASENDE FESTUNG UND ZUGLEICH FÜR DEN STRASSENVERKEHR ZUGELASSEN.

Bei der Auflistung solcher Gadgets wird jeder Autoliebhaber unvermeidlich an James Bond und seinen Aston Martin DB5 in der Farbe Silver Birch denken. Im Film «Goldfinger» tauchte zum ersten Mal ein DB5 als Dienstwagen an der Seite von Sean Connery auf – für viele war das Auto der heimliche Star des Films. Man kann zu Recht behaupten, dass bis anhin kein anderes Auto derart Filmgeschichte geschrieben hat, aber zu Unrecht noch nie für den Oscar nominiert wurde. Dennoch war der DB5-007-Auftritt legendär, und die Marke Aston Martin zehrt immer noch vom damaligen Publicity-Boost.

spricht. Die beiden Herren gingen jedoch getrennte Wege, aber Mr. Martin widmete sich fortan erfolgreich der Konstruktion von edlen Rennwagen für die Strasse, die auch im Motorsport erfolgreich bestehen konnten. Es sollten jedoch einige Jahre vergehen, bis der DB5 das Licht der Welt erblickte.

IM DIENSTE IHRER MAJESTÄT

ONCE UPON A TIME

Die Geschichte von Aston Martin begann vor mehr als einhundert Jahren. Der rennbegeisterte Geschäftsmann Lionel Martin und der britische Ingenieur Robert Bamford gründeten 1913 das Unternehmen Bamford & Martin Ltd. im Westen von London. Beide Männer teilten ihre Leidenschaft und ihr Talent für Maschinen, Antrieb, Motoren und Rennsport. Diese Leidenschaft brachte sie dazu, Autos zu bauen, die immer schneller, leistungsstärker und immer schöner wurden. Bereits zwei Jahre nach der Gründung des Unternehmens rollte aus einer Hinterhof-­ Garage im Londoner Stadtteil Kensington das erste vierrädrige Gefährt mit dem Spitznamen «Coal Scuttle» (Kohlenkasten). Nach dem Motto «win on sunday, sell on monday» nahm der Gentleman-Fahrer Martin am Bergrennen von Aston Clinton teil – was der Namensgebung des ersten Fahrzeugs ent-

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Im Jahr 1963 wurde der Aston Martin DB5 auf der Earls Court Motor Show in London vorgestellt und frenetisch begrüsst. Das Design ähnelte dem Vorgänger DB4, doch «inhaltlich» hatte der DB5 deutlich mehr zu bieten. Mit drei Doppelvergasern schaffte der Reihensechszylinder-Motor mit vier Liter Hubraum und 314 PS eine Beschleunigung von null auf Tempo 100 in acht Sekunden, und mit einer Höchstgeschwindigkeit von 233 km / h gehörte er zu den schnellsten Sportwagen seiner Zeit. Der Legende zufolge wurde der Prototyp von DB5 in «Goldfinger» eingesetzt. Jahre später durfte der DB5 mit seinem Geheimagenten in «Skyfall» bei einem Einsatz wieder dabei sein. Wenn auch nur kurz, denn schliesslich wurde der DB5 von Kugeln durchlöchert und in die Luft gejagt. Oldtimerfans blutete bei dieser Szene das Herz, aber versöhnlich wirkte die Nachricht, dass es kein echter DB5 war. Sechs Mal kam der DB5 zum Einsatz, und 25 Jahre später wird nun der berühmteste Dienstwagen der Geschichte ein Remake erleben. Der Preis ist enorm, aber was soll’s, man lebt ja nur zweimal …


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LIKE NOWHERE ELS E

Imagine drifting at more than 125 MPH in total safety round an F1 circuit… … reproduced full-scale on a frozen lake, … behind the wheel of a high-powered sports car, … under the northern lights of Swedish Lapland.

Welcome to Lapland Ice Driving.

WWW.LAPLAND-ICE-DRIVING.COM

123 Each year, Lapland Ice Driving takes the necessary measures to completely neutralise its carbon footprint.


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Autor_Text map Bilder_Archiv Borgmann, Werk

ALS FLIEGEN NOCH KEIN ­VOLKSSPORT WAR Kurztrip nach London, Surfwoche auf den Kanaren? Was vielen ­Menschen heute normal erscheint, war ­früher ein Luxus für Eliten.

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ÜBERFÜLLTE

Überfüllte Check-in, vor sich hin dünstende Schuhe auf Röntgen-Bändern, unangenehme Leibesvisitationen, d ­ azu regelmässig Verspätungen: Nein, Fliegen war schon mal schöner. Das Preis-­ Dumping tritt aktuell in eine neue Phase, und herablassende Titulierungen des Bordpersonals zeigen, ­welchen Prestigewert das Reisen per Flugzeug in der westlichen Welt heute noch hat – gar keinen mehr. Und w ­ ährend fast jeder G ­ eschäftsreisende ein Frequent Traveller oder etwas noch Besseres ist, bleibt auch der Respekt vor der ­technischen Errungenschaft auf der Strecke: Zürich–Tokio nonstop in weniger als zwölf Stunden e­ rscheint vielen Fluggästen längst zu langsam. Zeit­zonen-Hopping schafft inzwischen mehr Frust als Lust. Vor 60 Jahren war das alles noch anders. Damals galten Inter­kontinentalflüge als Privileg für die oberen Zehntausend, kostete das Transatlantik-Ticket nach New York so viel wie ein Neuwagen, während Normalsterbliche im Käfer nach Italien tuckerten. Regelmässige Flugpläne waren etwas ganz Neues; entsprechend ­prominent wurde die schnellste Art der Fortbewegung in den ­Medien zelebriert: Winkende Filmstars mit Blumen auf der Gangway oder Politiker im Cockpit und alle immer in Top-Garderobe – ­Fliegen war ein gesellschaftliches Event und das Flugzeug eine Bühne, für die man sich entsprechend chic kleidete. Nicht zuletzt auch, weil dort auch oft fotografiert wurde. Das Buch «Das goldene Zeitalter des Luftverkehrs» ruft jene Ära in Erinnerung, in der Flugreisen e­ twas Glamouröses, Aufregendes gewesen sind. Damals ­beherrschten noch andere Airlines und Hersteller den Luftraum: Es war die Zeit der Propeller; Düsen wurden erst in den 1960er-Jahren zum S ­ tandard. Man erfährt unter

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anderem, dass es ab 1945 einen von der IATA (International Air Transport Association) vorgeschriebenen Einheitstarif gegeben hat, der teilweise bis in die 1980er-Jahre h ­ inein galt. Fluggesellschaften mussten sich folglich über ihren Service ­unterscheiden und taten das auch nach Kräften. Der ­Leser blättert staunend durch Fotos mit opulent ausgestatteten Kabinen, Waschräumen, Bars oder Bordküchen. Cockpits waren noch voll analog, und es ist den Bildern anzusehen, wie laut die Maschinen damals gewesen sind: H ­ eute ist also gar nicht alles schlechter, aber sicher weniger ­romantisch. Autor Wolfgang Borgmann, der aus einer Flieger-Familie stammt und ausgewiesener Luftfahrtexperte ist, wollte dieser frühen E ­ poche moderner Flugreisen schon lange ein Denkmal setzen. In 33 hochinteressanten Kapiteln zeichnet er deren Genesis kompetent nach – von den Nachkriegsjahren mit der Entstehung des Bordservice über ­luxuriöse Flugboote, die nahezu überall landen konnten, erste «Stratosphärenkreuzer» und Konkurrenzkämpfe der Fluggesellschaften, steigende Geschwindigkeiten, Druckkabinen und Polarrouten bis hin zu Flughafen-Terminals, jenen «Kathedralen des Fortschritts». Man erfährt, dass 1964 erstmals mehr Menschen den Nordatlantik per Flugzeug überquerten als mit dem Schiff. Herausragende Baumuster jener «goldenen Jahre» wie die Lockheed Super Constellation oder Douglas DC-7C, eine De ­Havilland Comet und ihr französisches Pendant Sud Aviation Caravelle sowie der 1970 erstmals in Dienst g­ estellte Jumbo-Jet, quasi als (Luft-)Brücke in die Jetztzeit, dürfen in diesem Buch nicht fehlen. Das ist ebenso nostalgisch wie unterhaltsam, aber auch ein Lehrstück über uns Menschen, die gerne vergessen – und vieles sehr schnell als selbstverständlich erachten.


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Up and away: Das Flugzeug war auch die BĂźhne vieler Stars, die es eilig hatten.

Wolfgang Borgmann: Das goldene Zeitalter des Luftverkehrs. 176 Seiten, 220 Abbildungen und Fotos, Motorbuch Verlag Stuttgart/D., ISBN 978-3-613-03655-0

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Mit der neuen exklusiven SneakerKollektion «Santoni for AMG» setzen die Performance-Marke Mercedes-AMG und das italienische Luxus-Schuhlabel Santoni ihre erfolgreiche Lifestyle-Kooperation fort.

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Der Lexus LC Limited Edition verbindet klassische Farben mit modernstem Design. Das Resultat ist ein Coupé von gediegenster Ausstrahlung und mit der ganzen Fülle an Technologie, Leistung und Raffinesse, die den Lexus LC so begehrenswert macht.

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CARS:

ACCELERATING THE MODERN WORLD

Autor_Thomas Hauer

Doch Benz war nicht der erste Ingenieur, der im 19. Jahrhundert von einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor träumte. Bereits im 18. Jahrhundert hatte es ausserdem erste Versuche mit dampfbetriebenen Fahrzeugen gegeben. So zum Beispiel das dreirädrige Dampfmobil des Franzosen Nicholas-Joseph Cugnot von 1769, das mit 4000 kg Gewicht aber schlicht zu schwer und unhandlich war, um bei den damaligen Strassenverhältnissen von praktischem Nutzen zu sein. Zu den Pionieren des modernen Verbrennungsmotors zählen unter anderen der Schweizer Isaac de Rivaz, der schon 1807 ein einfaches, mit Wasserstoffgas betriebenes Versuchsgefährt konstruierte, oder die mit atmosphärischen Motoren bestückten Fahrzeuge des Belgiers Étienne Lenoir, der auch als Erster Verbrennungsmotoren in Serie produzieren liess, oder des in Österreich lebenden Deutschen Siegfried Marcus. Was sie alle jedoch von Carl Benz unterschied, war, dass der nicht nur das wirtschaftliche Potential eines «Wagens ohne Pferde» erkannte, den er zu einem alltagstauglichen Produkt weiterentwickelte, sondern seine Erfindung in seinem neu gegründeten Mannheimer Automobilwerk auch selbst produzieren und vermarkten liess. Doch am Ende war es der Amerikaner Henry Ford, der dem Automobil mit der Einführung der Fliessbandmontage im Jahre 1913, durch die sowohl die Herstellungskosten gesenkt als auch die Produktionsmengen dramatisch gesteigert werden konnten, in den USA und damit im Mutterland automobilen Grössenwahns zum Durchbruch verhalf. So rollte Fords legendäres T-Modell im Highland-Park-Werk von Detroit, Keimzelle der US-Automobilindustrie, zwischen 1908 und 1927 rund 15 Millionen Mal vom Band. Erst 1972 wurde es vom VW Käfer vom Thron der meistverkauften Modelle gestossen. Pünktlich zur Präsentation des T-Modells wurde ab 1908 im Staat New York auch die erste Autobahn der Welt gebaut: der Vanderbuilt oder Long Island Motor Parkway. Damals noch eine private Mautverbindung, deren fast schnurgerade Konstruktion ohne Kreuzungen und mit getrennten Richtungsfahrbahnen sie zum Archetyp aller nachfolgenden Fernstrassen machen sollte. Tatsächlich hat das Automobil die Gestaltung urbaner Räume in keinem Land der Welt stärker geprägt als in den USA. Dort sorgten sich Stadt- und Verkehrsplaner in grenzenloser

Nur wenige Erfindungen haben unsere Welt, unsere Art zu leben, nachhaltiger geprägt als das Automobil. In seiner gerade mal 130-jährigen Geschichte hat es räumliche, aber auch soziale Grenzen gesprengt und das Gesicht unserer Städte für immer verändert. Parallel dazu entwickelte sich die Automobilindustrie zur Schlüsselbranche ganzer Volkswirtschaften, revolutionierte Produktionswege und Wertschöpfungsketten, wurde das Auto zum Symbol der Moderne und zur Designikone. Von Anfang an war es aber auch chromglänzender Spiegel unseres Strebens nach Individualität und Distinktion, gleichermassen Hassobjekt wie Fetisch. Doch mittlerweile scheint es, als habe das automobile Zeitalter seinen Zenit überschritten, wirken PS-strotzende Boliden zunehmend wie Relikte einer längst vergangenen Ära, ja ähneln aus der Zeit gefallenen Dinosauriern, deren Tage angesichts einer zunehmend hitzig geführten Klimadebatte gezählt sind. Nun widmet das prestigeträchtige Victoria and Albert Museum in London dem Auto und seiner Rolle als Motor unserer Zivilisation eine eigene Ausstellung. Werfen wir deshalb einen Blick zurück. Es ist der Silvesterabend des Jahres 1879. Mit lautem Husten springt der Prototyp des von Carl Benz konstruierten Benzinmotors zum ersten Mal an. Noch ahnt sein Schöpfer nicht, dass seine Erfindung die Welt revolutionieren wird. Benz’ Vision: ein mit der Kraft seines Benziners angetriebener Motorwagen. Es sollten aber noch sechs Jahre vergehen, bevor Benz seinen Zweisitzer mit einer Motorleistung von gerade mal 0.75 PS, der an eine Mischung aus überdimensionalem Dreirad und Pferdedroschke ohne Gespann erinnert, 1885 schliesslich zum Laufen brachte. Am 29. Januar 1886 meldete der Tüftler sein «Fahrzeug mit Gasmotorenantrieb» unter der Nummer DRP 37435 dann zum Patent an – die Geburtsstunde des Automobils. Die erste öffentliche Ausfahrt des Motorwagens Typ 1 folgte im Juli 1886. Aber erst mit der legendären Fernfahrt von Bertha Benz, die diese 1888 ohne Wissen ihres Mannes mit ihren Söhnen Eugen und Richard unternahm, gelang der Durchbruch, denn Bertha hatte der Welt auf der 180 Kilometer langen Strecke eindrucksvoll die Zuverlässigkeit des Motorwagens unter Beweis gestellt. Der Rest ist Geschichte.

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Das Auto als Symbol von Männlichkeit – Lowrider Convention in Los Angeles, 2019.

NUR WENIGE ERFINDUNGEN HABEN UNSERE WELT, UNSERE ART ZU LEBEN, NACHHALTIGER GEPRÄGT ALS DAS AUTOMOBIL. 131

© Nathanael Turner, 2019

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© Victoria and Albert Museum, London

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© General Motors Company

IN INSGESAMT DREI ABTEILUNGEN WIDMEN SICH DIE AUSSTELLUNGSMACHER DABEI GANZ UNTERSCHIEDLICHEN ASPEKTEN DES THEMAS. LINKS OBEN Victoire – Kühlerfigur designed von René Lalique, 1925. LINKS UNTEN Auto im Raketendesign von General Motors, 1953 RECHTS Werbung für den Tatra 77, Französisches Reklamefoto von 1934


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© Victoria and Albert Museum, London

Auto-Euphorie bis in die 60er Jahre mehr um das reibungslose Rollen der endlosen Blechlawinen als um die sozialen Bedürfnisse der Bewohner. Das bis heute spürbare Resultat: Organisch gewachsene Strukturen zerfielen, durch Schnellstrassen zerrissen, in Quartiere, während die Stadtzentren gleichzeitig verödeten und in der Peripherie seelenlose Schlafquartiere ohne Infrastruktur entstanden. Diese Zersiedlung und das damit einhergehende Anwachsen der Städte entlang der neuen Verkehrsachsen machten das Auto im Gegenzug aber umso unentbehrlicher. Ein Teufelskreis. Den Verkehrsinfarkt der Megacities konnten aber auch 6-spurige Freeways nicht verhindern. Einen ersten Dämpfer erhielt der Traum der ungebremsten Mobilität dann in den 70er Jahren mit der Ölkrise und massiven Umweltschäden durch Autoabgase, die die Bewohner zunehmend in Smog gehüllter Städte am eigenen Leib erfahren mussten. Eine Entwicklung, die Hollywood in den 70ern in zahlreichen dystopischen SciFi-Streifen wie z.B. «Soylent Green» aufgriff. Der wirtschaftliche Boom der 80er und die flächendeckende Einführung des Katalysators verschafften dem Auto dann aber noch einmal einen ungeahnten Konjunkturschub, der aus der Rückschau nun fast wie ein letztes Aufbäumen anmutet. Neue Marketingkonzepte machten damals aus als «Spiesserkarre» verschrienen Brands – wie z.B. der VW-Tochter Audi – binnen weniger Jahre neue Kultmarken. Doch bereits Mitte der 90er begannen sich schon wieder erste Rostflecke auf dem Lack der Industrie abzuzeichnen, und die Rolle des Autos als prestigeträchtiges Statussymbol wurde parallel zum Aufstieg der Ökobewegung zunehmend hinterfragt – vor allem bei jüngeren Konsumenten. Heute stehen wir wieder an einem Wendepunkt der Automobilgeschichte. Doch es wird erst in 15 oder 20 Jahren klar sein, ob sich Elektroantriebe wirklich weltweit durchsetzen werden oder ob wir nicht stattdessen ganz neue Mobilitätskonzepte entwickeln müssen. Gerade vor diesem Hintergrund lohnt der Besuch im Londoner Victoria and Albert Museum umso mehr, das in seiner Ausstellung anhand 15 bahnbrechender Fahrzeugmodelle – darunter mit dem Patentwagen No. 3 von 1888 das erste Serienfahrzeug von Autopionier Carl Benz oder das Konzept für ein autonomes Flugauto aus der Designschmiede von Italdesign, Airbus und Audi – nicht nur die Technik- und Designgeschichte des Automobils thematisiert, sondern vor allem den Einfluss, den es auf die Entwicklung unserer Gesellschaft in den letzten 100 Jahren hatte – inklusive seiner Schattenseiten. In insgesamt drei Abteilungen widmen sich die Ausstellungsmacher dabei ganz unterschiedlichen Aspekten des Themas. So stehen in Going fast die Rolle des Autos als zunehmend fragwürdiges Symbol technischen Fortschritts, das Autodesign und das ambivalente Streben nach Geschwindigkeit und Sicherheit im Fokus. Making more dagegen thematisiert das Automobil als Archetyp moderner Industrieproduktion und Massenprodukt, aber auch als Marketing-befeuertes Objekt der Begierde. In der letzten Abteilung – Shaping space – geht es schliesslich um den Einfluss des Autos auf die Weltwirtschaft, seine Rolle für den Klimawandel und neue Mobilitätskonzepte jenseits des Verbrennungsmotors. AUSSTELLUNG Cars – Accelerating the Modern World Victoria and Albert Museum London – Sainsbury Gallery 23. November 2019 – 19. April 2020 vam.ac.uk/cars | #VaVaVroom

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PRESTIGE Autor_Patrick Frey Bilder_Porsche

DIE ACHTE GENERATION

DER NEUE PORSCHE 911 MIT DER MODELL­­BEZEICHNUNG 992 IST STÄRKER, SCHNELLER UND NEU AUCH DIGITAL. NEBST EINEM DEUTLICH MUSKULÖSEREN AUFTRITT ERFÜLLEN INNOVATIVE ASSISTENZSYSTEME MODERNE ANSPRÜCHE DER DIGITALEN WELT.


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DAS

Das Herz eines Sportwagens (im Allgemeinen und beim 911er im Speziellen) ist sein Motor. Mit 450 PS in den Modellen Carrera S (mit Heck-) und Carrera 4S (mit Allradantrieb) präsentiert sich die neuste Generation des Sechszylinder-Boxermotors mit BiturboAufladung mit einem Plus von 30 PS. Erreicht wurde dies durch ein verbessertes Einspritzverfahren und eine neue Anordnung von Turbolader samt Ladeluftkühlung. Die Kraftübertragung übernimmt ein neu entwickeltes Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe. Dank dem maximalen Drehmoment von 530 Newtonmetern ab 2300 / min dauert der Sprint von null auf 100 km / h im Carrera S gerade mal 3.7 Sekunden und 3.6 Sekunden im 4S. Mit dem optionalen Sport-Chrono-Paket reduziert sich der Wert noch je um weitere 0,2 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeiten betragen nun 308 resp. 306 km / h. Über den grossen Rädern mit vorn 20 und hinten 21 Zoll Durchmesser wölben sich deutlich breitere Radhäuser. Das Heck ist nun bei allen Modellen einheitlich breit und mit einem nahtlos feinen Leuchtenband versehen. Vorne legte die Breite um 45 Millimeter zu. Elektrisch ausfahrende Griffe, neue LED-Scheinwerfer und ein deutlich breiterer ausfahrbarer Heckspoiler sind weitere Merkmale. Mit Ausnahme des Bug- und Heckteils besteht nun die gesamte Aussenhaut aus Aluminium. Die Armaturentafel ist von klaren und geraden Linien geprägt – eine Reminiszenz an die Elfer aus den 1970er Jahren. Der mittig platzierte Touchscreen vergrösserte sich auf 10.9 Zoll. Das Multimedia- und Konnektivitätssystem «Porsche Communication Management» (PCM) umfasst unter anderem serienmässig eine Schwarmdaten-basierte Online-Navigation und Porsche Connect Plus zur Anbindung von Mobilgeräten und Internet. Eine Weltneuheit ist der serienmässige Wet Mode: Diese Funktion erkennt Wasser auf der Strasse, konditioniert die Regelsysteme entsprechend vor und warnt den Fahrer. Der ebenfalls serienmässige Warn- und Bremsassistent erkennt Kamera-basiert die Gefahr von Kollisionen mit sich bewegenden Objekten und leitet gegebenenfalls eine Notbremsung ein. Erstmals ist für den 911 ein Nachtsichtassistent mit Wärmebildkamera als Option lieferbar. Drei neue Apps nutzen das Potenzial der Digitalisierung: Mit «Porsche Road Trip» plant und organisiert man aussergewöhnliche Touren, der persönliche Assistent «Porsche 360+» steht dem Kunden als persönlicher Lifestyle-Assistent rund um die Uhr zur Verfügung, und der Web-basierte Emissions-Kalkulator «Porsche Impact» hilft bei der Neutralisation des individuellen CO2-Fussabdrucks und empfiehlt international zertifizierte Klimaprojekte. Der Einstieg in den 911 Carrera S beginnt bei 156’700 Franken (4S ab 167’100 Franken) inklusive länderspezifischer Ausstattung, Garantieverlängerung (2+2) und Porsche Swiss Package.

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FAS HION

FA SHI ON 136


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© H&M Studio

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SUPERMODELS

MIT EINER MISSION

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Autor_Beat Krenger


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SIE STEHEN GANZ OBEN AUF DEM MODE-OLYMP: ADUT AKECH UND ANOK YAI. ZWEI JUNGE SCHWARZE FRAUEN, DIE EIN WICHTIGES ZEICHEN FÜR MEHR VIELFALT UND TOLERANZ SETZEN. Ob in Mailand, Paris, London oder New York: Auf Laufstegen, Werbeanzeigen und den Seiten der renommierten Modemagazine der Welt bewegt sich etwas. Ein lang ersehnter Wechsel kommt endlich in Schwung. Der Anteil von dunkelhäutigen Models in Kampagnen, Fashion Shows und der «Vogue» war nämlich noch nie so hoch wie jetzt. Und es sind zurzeit zwei Newcomer, welche die besten und bestbezahlten Aufträge von Chanel über Valentino bis Estée Lauder an Land ziehen. Adut Akech und Anok Yai, beide sehr schwarz und sehr stolz darauf, sind die Topmodels der Generation Z. Das ist hocherfreulich, gerade weil ihre bewegten Lebensgeschichten unsere heutige durchmischte Gesellschaft widerspiegeln. Zwei Momente einer Modeschau sind unter Models auch im Jahr 2019 besonders erstrebenswert, weil sie die allergrösste Aufmerksamkeit garantieren und schon so manche Modelkarriere erst richtig angekurbelt haben: als erstes Model eine Modeschau eines bekannten Designers zu eröffnen oder sie als letztes zu beschliessen. Meist im Hochzeitskleid als Krönung der ganzen Kollektion. Modeschöpfer Karl Lagerfeld hatte für seine zweitletzte Chanel-Modenschau vor seinem Tod höchstpersönlich bestimmt, dass Adut Akech, damals erst zarte 18 Jahre jung, das teuerste Kleid mit dem Brautschleier tragen darf. Als Adut ganz in Mintgrün über den Laufsteg im Pariser Grand Palais schritt, war das zugleich eine wichtige Botschaft für mehr Diversität in der Modeszene. Nach Supermodel Alek Wek, die im Jahr 2004 die Chanel-Braut verkörperte, ist sie erst das zweite schwarze Model, welchem mit diesem Ritterschlag gehuldigt wurde. «Solche Momente sind Zeichen des Fortschritts», erklärte Akech danach mit Tränen in den Augen den Pressevertretern. «Wir werden zwar noch einige Jahre auf dieses Ereignis zurückblicken, doch ich hoffe sehr, dass es zu einer breiteren Akzeptanz von schwarzen Models in der Branche verhilft.» Adut Akech hat seither unglaublich viel zu tun. Und die sonst so exklusive Modeszene ist etwas offener und vielfältiger geworden. Ende letzten Jahres wurde Adut Akech einstimmig zum Model des Jahres gekürt, zierte Kampagnen unter anderen für Bottega Veneta, Versace Chanel, H&M, Zara, Saint Laurent, Fendi, Miu Miu, Givenchy und Missoni. Auf den letzten internationalen Modewochen, die im Oktober in Paris zu Ende gegangen sind, lief sie für alle Designer von Rang und Namen. Die junge Frau hat ein Gesicht, das man sich merken sollte. Und dafür sorgten zuletzt fünf internationale September-­ Ausgaben der «Vogue», auf deren Cover Adut es schaffte. Fünf «Vogue»-Titel in einem Monat: Das ist spektakulär und hat noch nie zuvor ein Newcomer-Model geschafft.

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Adut Akech auf dem Runway der Milan Fashion Week.


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Anok Yai wurde dank Instagram zum Topmodel.

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Adut Akech kämpft für mehr Toleranz in der Modewelt.

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Gerade die «September Issues», die traditionell den Beginn der neuen Modesaison einläuten, gelten als ultimative Stil-Bibel für neue Trends. Das schwarze Topmodel zierte nicht nur das Titelbild der japanischen, deutschen und australischen «Vogue», sondern auch der vielbeachteten «Vogue Italia». Die grösste Ehre war es jedoch, von der Herzogin von Sussex, Meghan Markle, als eine von 15 Hoffnungsträgerinnen auf das Cover der britischen «Vogue» ausgewählt zu werden, Markle hatte das Magazin als Co-Chefredaktorin mitgestaltet – und es entwickelte sich zum absoluten Verkaufsrenner weit über die Britischen Inseln hinaus. Adut Akech wurde im Südsudan geboren und wuchs unter äusserst harten Bedingungen in einem Flüchtlingslager in Kenia auf, bevor sie mit ihrer Familie nach Australien zog. Es ist diese Geschichte, die Meghan Markle beeindruckte und die Adut Akech dazu inspiriert, eine politische Botschafterin gegen Diskriminierung und Rassismus zu sein. Auch Pierpaolo Piccioli, Creative Director und Chefdesigner von Valentino, ist bekennender Fan von Adut Akech. Seit einigen Saisons läuft sie regelmässig für alle seine Modeschauen in Paris und zierte bereits mehrere Kampagnen des Luxuslabels. Im vergangenen September kündigte Piccioli auf seinem Instagram-Account an: «Zum ersten Mal überhaupt repräsentiert eine schwarze Frau einen Parfum-Duft eines Couture-Hauses – und ich könnte darauf nicht stolzer sein.» Adut Akech ist nicht nur das Aushängeschild des neuen Dufts «Born in Roma», sie schreibt mit dem lukrativen, mehrjährigen Exklusiv-Vertrag ein Stück Geschichte. «Diversity» bedeutet Vielfalt. Sich abzuheben, anders auszusehen, von der Norm abzuweichen. Und gerade das sind alles Attribute, warum Adut Akech und ihre Modelkollegin Anok Yai momentan so viel Aufmerksamkeit erregen. Sie sind nicht nur umwerfend schön, sondern auch stolz auf ihre Wurzeln, politisch engagiert und sehr smart. Diversität ist heute nicht mehr nur eine leere Versprechung. Sie ist eine Tatsache. Auch in der Modebranche, die so viele Jahre auf Size Zero und klassische, austauschbare Schönheiten gesetzt hatte. Dass Designer Pierpaolo Piccioli für seine letzte Valentino-­ Couture-Show ausschliesslich dunkelhäutige Models engagierte, war keine einmalige Laune, sondern ein wichtiges Statement für mehr Anerkennung und Toleranz. «Einst war Couture nur für weisse Frauen bestimmt, das ist zum Glück heute vorbei», sagte Piccioli nach seiner Show der Presse. «Es geht jetzt um etwas, das weit über die Kleider hinausgeht. Es geht um einen Wandel in der Gesellschaft.» Er bekam viel Zuspruch von allen Seiten für seine Aktion. Inklusivität wird zwar immer grösser geschrieben. Und doch tun sich nicht alle einfach mit dem Wandel. Als ein australisches Life­ style-Magazin kürzlich ein grosses Porträt über Adut Akech brachte, stellte eines der Fotos im Artikel ein ganz anderes Model dar. Das Topmodel tobte zu Recht und schrieb ein klares Statement auf Instagram. Ihre Anklage lautete: Es ist viel passiert in den letzten Jahren, aber eine solche Verwechslung würde einem ebenso bekannten weissen Model nicht passieren. Die Episode zeigt: Trotz aller Erfolgsmeldungen über mehr Akzeptanz gibt es immer noch Nachholbedarf – und das nicht nur in der oberflächlichen Modewelt, wo kurzlebige Trends das Geschäft dominieren. Seit fast zwei Jahren ist Anok Yai im Modezirkus mit dabei, und in dieser kurzen Zeit hat sie in der Branche mehrere Rekorde gebrochen. Die Studentin der Biochemie wurde zufällig auf einem

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Musikfestival in Jeans-Shorts, T-Shirt und mit Naturkrause entdeckt. Ein Streetstyle-Fotograf postete den Schnappschuss der damals 19-Jährigen auf Instagram – und das Foto ging viral. Nur kurze Zeit später war sie bei einer der besten Modelagenturen unter Vertrag, heimste einen mehrjährigen Beauty-Deal von Estée Lauder ein und wurde der neue Liebling von Miuccia Prada. Die Aschenputtel-Geschichte geht aber noch weiter in die Vergangenheit zurück. 1997 wurde das heutige Topmodel als Tochter sudanesischer Migranten in Ägypten geboren. Dann musste sie mit der Familie vor dem Genozid in Darfur fliehen. So kam Anok Yai nach New Hampshire, wo sie endlich ein sicheres Zuhause fand. Auch sie ist unterwegs mit einer klaren Mission: «Ich möchte ein Vorbild sein. Ich möchte den Menschen zeigen, dass dunkle Haut schön ist. Ich will einfach nur, dass es heute ganz selbstverständlich ist, schwarz zu sein.» Heute gilt Anok Yai als Muse von Tom Ford, und sie durfte als zweites schwarzes Model in der Geschichte eine Prada-­Show eröffnen – 20 Jahre nachdem Naomi Campell diese Ehre zuteilwurde. Die 21-jährige Anok Yai kann heute für ein Photoshooting sage und schreibe 15’000 Dollar verlangen – pro Stunde. Das Vermögen der grazilen Schönheit wird heute auf über drei Millionen Dollar geschätzt. Selbst Cinderella würde vor Neid erblassen. Aber gerade die ungebrochene Aufmerksamkeit, die Adut und Anok für ihre Arbeit bekommen, zeigt, wie stark das alte Schönheitsbild immer noch verankert ist. Erst in den letzten zwei Jahren begann die Modeindustrie, das Wort «Diversity» in sich aufzusaugen, aber es trägt erst jetzt langsam Früchte. Popstar Rihanna hat kürzlich in New York auf eindrückliche Art gezeigt, dass Frauen in allen Hautfarben, Geschlechterschattierungen und Körperformen ihre entworfenen Fenty-Dessous tragen sollen –  und umwerfend darin aussehen. Egal ob dick, dünn, schwarz, weiss, mit Makel oder ohne. In dem Wort «Diversity» steckt eigentlich das neue Erfolgsrezept für mehr Solidarität, für mehr Anerkennung und Vielfalt. Weit über die Modewelt hinaus. Und erst jetzt hat man das Gefühl, dass es die Branche, die sich diesem Begriff über eine lange Zeit zum grossen Teil verweigerte, wirklich ernst meint. Auch dank den bahnbrechenden Auftritten von Adut Akech und Anok Yai, die ganz oben angekommen sind, um dort zu bleiben.

EIN LANG ERSEHNTER WECHSEL KOMMT ENDLICH IN SCHWUNG


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BALMAIN

Tausende von Nieten und die Anwendung von Patchwork finden sich in der Herbst / Winter2019 / 2020-­Kollektion von Balmain wieder. ­Auffällige Bouclé-Blazer, schwarze Accessoires und kontrastreiche Strukturen sind die M ­ ust-haves der Saison.

WOMEN

M MULBERRY

Die neue Keeley-Tasche ­v erkörpert das Beste ­ des rebellischen Geistes, der sich durch die ­ britische Geschichte zieht, von Suffragetten bis zu Punks. Hardwaredetails und das neue Keystone-Nietenschloss ­k ontrastieren mit einer weichen Struktur.

TR EN DS by

VALENTINO

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Rockstud-Stiefelette aus ­K albsleder mit platinfarbenen Nieten und elastischen ­Seitenteilen. Die Gummilaufsole sorgt selbst auf schneebe­ decktem Untergrund für Halt.

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Naeem Khan präsentierte farbenfrohe Stickereien und elegante Roben.

DOMINICANA MODA Autorin_Swenja Willms Bilder_Tourist Board der Dominikanischen Republik

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RUND UM DEN GLOBUS TREFFEN SICH TRENDBEWUSSTE MODEKENNER ZU DEN FASHION WEEKS: BERLIN, PARIS, NEW YORK. DIESE METROPOLEN STEHEN BEI DEN INTERNATIONAL RENOMMIERTEN DESIGNERN AUF DER LISTE. DASS ABSEITS VON ALL DIESEM GETÜMMEL, WEIT ENTFERNT UNTER PALMEN UND STRAHLENDER SONNE, EIN EBENSO BEDEUTSAMES FASHION-EVENT STATTFINDET, WEISS KAUM EINER: DIE KARIBISCHE FASHION WEEK «DOMINICANA MODA 2019» IN SANTO DOMINGO BRINGT JÄHRLICH EINHEIMISCHE UND INTERNATIONALE DESIGNER ZUSAMMEN.

Die historische Kolonialzone von Santo Domingo wurde mit der Fashion Week «Dominicana Moda 2019» Ende Oktober erneut zum Mittelpunkt der karibischen Modewelt. Das renommierte Event führte zum 14. Mal einheimische und internationale Designer gemeinsam auf den Catwalk. Die «Dominicana Moda» hat sich in den letzten Jahren – dank der Kombination aus Mode, Gastronomie und Entertainment – zum bedeutsamsten Fashion-Event der Karibik etabliert und wird vom Tourismusministerium der Dominikanischen Republik unterstützt. Für die ideale Kulisse dient die romantische Altstadt Santo Domingos, welche seit 1990 zum Welterbe der UNESCO gehört. Das grosse, treue Publikum dankt jährlich den neuen Trends und Kollektionen mit fulminantem Applaus. Auf dem Programm standen die Entwürfe und Designs von Giannina Azar, Arcadio Díaz, Leonel Lirio, Jenny Polanco, Jacqueline Then, Carlos de Moya, Rafael Rivero, Michelle Reynoso und Miguel Genao. Ergänzt wird das Event mit den dominikanischen Marken Camila Casual, Cayena, Arnaldo Womenswear, Toribio Brand, Louardos und Achadom. Im Rahmen des «Children Showcase» wurden auch die Kinder-Kollektionen von Little Tales und Dixy Kids vorgestellt.

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Rafael Rivero unterstreicht mit seiner Kollektion die Figur der femininen und selbstbewussten Frau.

Metallische Farben, Pailletten und Fransen dominieren bei der Designerin Giannina Azar.

NATIONALE NAMEN Die Designerin Giannina Azar war verantwortlich für die Eröffnung der 14. Ausgabe der «Dominicana Moda». Azar präsentierte ihre Kollektion in Untermalung kultiger Discomusik. Passend dazu dominieren bei den gezeigten Kleidungsstücken auf dem Laufsteg metallische Farben, Pailletten und Fransen. Minikleider und Off-Shoulder finden ihren Platz genauso wie Transparenz und die Verwendung von Tüll bei Röcken und Kleidern. Unter dem Motto «Acqua» brach die dominikanische Designerin Jenny Polanco ihre ansonsten in traditionellem Weiss gehaltenen Kollektionen und präsentierte eine Kollektion in kräftigen Rot-, Orange- und Koralltönen. Die Ruinen von San Nicolás de Bari wurden vom Designer Carlos de Moya für die Präsentation seiner «Caña Brava»-Kollektion ausgewählt, die an die Farbenpracht und Folklore der dominikanischen Kultur erinnert. Carlos de Moya selbst sieht die Dominikanische Republik nicht nur als Teil seines Lebens und seiner Kindheit, sondern auch als Kulturmarke und nutzt so jede Gelegenheit, um dieses Gut in seine Mode einfliessen zu lassen. Einen ähnlichen Ansatz verfolgte der lokal ansässige Designer Rafael Rivero in seiner Frühlings- / Sommer-Kollektion «Olé». Zwar konzentrierte sich der Schöpfer nicht auf die lateinamerikanische Kultur, aber auf die spanische. Inspiriert wurde Rivero vom traditionellen Flamenco und Stierkampf und schuf

so eine Kollektion für starke und selbstbewusste Frauen. Punkteund Blumenprints dominieren in den Kleidungsstücken aus Chiffon, Crêpe oder Chantilly in einer breiten Farbpalette aus warmen und hellen Tönen.

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PARADE DER ELEGANZ Das krönende Finale bildete in diesem Jahr die exklusive Show des international geschätzten indisch-amerikanischen Designers Naeem Khan in der Iglesia Santa Bárbara. Seit seiner ersten Kollektion 2003 schmücken sich zahlreiche Persönlichkeiten mit seinen Kreationen. Darunter Königin N r al-Hussain von Jordanien, Ihre Königliche Hoheit Catherine, Duchess of Cambridge, Beyoncé, Jennifer Lopez, Taylor Swift, Rachel McAdams und die ehemalige First Lady Michelle Obama. Als Abschluss der «Dominicana Moda» präsentierte Naeem Khan seine Frühjahrs- und Sommerkollektion 2020 zusammen mit ausgewählten Stücken aus seiner Brautkollektion. Die Kollektion widmet Khan seiner verstorbenen Freundin und Architektin Zaha Hadid – sie ist an Eleganz und Weiblichkeit kaum zu überbieten. Hauptmerkmal des Modeschöpfers sind die aufwendig von Hand bestickten Kleidungsstücke in farbenfrohen Textilien. See-through und Spitze wird als Detail in Blusen oder Kleidern verwendet. Voluminöse Abendroben aus Chiffon in kräftigen Farben verleihen der Kollektion Ausdruck jugendlicher Freiheit.


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Die ungeschminkte Schönheit

© Jim Rakete / Courtesy of Peter Lindbergh, Paris

Autorin_Anna Karolina Stock

Peter Lindbergh – der Erfinder der Supermodels

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VOR SEINER KAMERA FÜHLTEN SICH DIE MENSCHEN WOHL UND BEREIT, GANZ SIE SELBST ZU SEIN. PETER LINDBERGH SCHUF DAMIT EIN FOTOGRAFISCHES WERK, DAS IN DER MODEWELT SEINESGLEICHEN SUCHT. NACH SEINEM TOD IST DIE AUTHENTIZITÄT SEINER ARBEIT RELEVANTER DENN JE.

Wer an den im September verstorbenen Peter Lindbergh denkt, hat meist das berühmte «Vogue»-Cover von 1990 vor Augen, auf dem die fünf wunderschönen und damals blutjungen Models Cindy Crawford, Naomi Campbell, Christy Turlington, Tatjana Patitz und Linda Evangelista zu sehen sind. Sie tragen Baumwollshirts zu Jeans, das Make-up ist schlicht. Ein Cover, das so anders war als die perfekt inszenierten Bilder von Frauen mit opulentem Goldschmuck und Fönfrisuren voller Haarspray, die bis dahin die Modemagazine füllten. Aber es waren nicht ihre makellosen Körper oder ihre Jugend, die den Fotografen faszinierten und diese jungen Frauen anschliessend zu den Supermodels der ersten Generation machten. ER SAH ALLE FACETTEN «Peter war ein Menschenversteher. Er hat niemals nur die Fassade einer Person, sondern immer den wahren Menschen dahinter gesehen und abgebildet. Wer sich von ihm fotografieren liess, benötigte Mut und Vertrauen, um diese Nacktheit, diese Entblössung, in welcher Form auch immer, zuzulassen», schreibt Chefredakteurin Christiane Arp über ihren langjährigen Freund und Mitarbeiter in der diesjährigen November-Ausgabe der deutschen «Vogue». Peter Lindbergh war in der Tat ein Visionär, der die wahre Essenz des Menschen in einem einzigen Bild festhalten konnte und nicht müde wurde, entgegen den damaligen Konventionen, intelligente und starke Persönlichkeiten abzulichten, die sich auch ohne Make-up und in schlichten weissen Männerhemden vor seine Kamera trauten. Er blieb auch standhaft, als die Postproduktion als neues Werkzeug der Schönheitsindustrie an die Macht kam. Falten und Fehler zu kaschieren, nannte die Branche «verbesserte Realität», doch Lindbergh weigerte sich, eine retuschierte Perfektion als Wahrheit zu verkaufen, und blieb seiner

zurückhaltenden und zeitlosen Art, die ungeschminkte Seele einer Frau abzubilden, während seiner 40-jährigen Karriere treu. So wurde er unter anderem zum ersten Fotografen, der den berühmten PirelliKalender anstatt mit Softporno-Ästhetik mit Aufnahmen von selbstbewussten Schauspielerinnen aller Altersgruppen bestückte – natürlich in Schwarz-Weiss und mit all ihren «Makeln». SCHRITT FÜR SCHRITT ZUM MODEFOTOGRAFEN Peter Lindbergh wurde 1944 unter dem Namen Peter Brodbeck in Lissa im heutigen Polen geboren. Da seine Familie nach Deutschland vertrieben wurde, verbrachte er seine Jugend im Nachkriegs-Duisburg, einer von Kohlebergbau und Industrie geprägten Stadt im Ruhrgebiet. Zum Fotografieren kam Lindbergh erst relativ spät. Dort, wo er herkam, war die Kunst weit weg. Nach Abschluss der Volksschule arbeitete er als Schaufensterdekorateur bei den Kaufhausketten Karstadt und Horten. «Das war das Künstlerischste, was ich mir damals vorstellen konnte», verriet der Starfotograf einst in einem Interview. Um nicht von der Bundeswehr eingezogen zu werden, ging er mit 18 in die Schweiz. Zehn Monate später zog er von Luzern nach Westberlin. Ab diesem Zeitpunkt fand er nach und nach seine künstlerische Bestimmung. Seine Karriere begann mit einem Studium der Malerei an der Kunsthochschule in Krefeld, wo er auch seine erste Frau Astrid kennenlernte. Van Gogh und die Neue Sachlichkeit – die Rückbesinnung auf die Welt des Sichtbaren – wurden zu seinen Vorbildern, später die Konzeptkunst. Seine Faszination für Holzstühle soll sich zum Beispiel von den Werken des USamerikanischen Konzeptkünstlers Joseph Kossuth ableiten. Erst 1971, im Alter von 27 Jahren, wandte er sich schliesslich der Fotografie zu und arbeitete zwei Jahre

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WER SICH VON IHM FOTOGRAFIEREN LIESS, BENÖTIGTE MUT UND VERTRAUEN

als Assistent für den Düsseldorfer Fotografen Hans Lux. In dieser Zeit nahm er den Künstlernamen Lindbergh an, inspiriert von dem Piloten und Schriftsteller Charles Lindbergh, der als erster Mann den Atlantik überquert hatte. Nachdem er sich ein paar Jahre als selbstständiger Werbefotograf einen Namen gemacht hatte, wurde Willy Fleckhaus, einer der innovativsten und einflussreichsten Gestalter der Nachkriegszeit, auf ihn aufmerksam. Es folgten erste Arbeiten für die deutsche Zeitschrift «Stern». Dabei orientierte er sich an frühen Dokumentarfotografen wie Dorothea Lange, Henri CartierBresson oder Walker Evans und legte den Grundstein für seinen späteren Stil, mit dem er bis heute assoziiert wird: schwarzweiss, körnig, unprätentiös – alles andere als perfekt eben. DER MENSCH IM VORDERGRUND – NICHT DER LOOK Trotz enger persönlicher Beziehungen zu berühmten Modeschöpfern wie Jean-Paul Gaultier oder Giorgio Armani machte Lindbergh – anders als viele seiner Kollegen – nie den Fehler, seine Modelle mit seelenlosen Objekten zu verwechseln. Er kümmerte sich immer wenig darum, wer die Outfits kreiert hatte. Die Mode, die meist ein Interesse daran hat, in ihrer prächtigen Farbigkeit dargestellt zu werden, musste bei ihm hinter die Personen zurücktreten. Viel zu nachlässig, wurde er anfangs kritisiert, Kleider könne man so nicht verkaufen. Lindbergh bewies das Ge-

genteil: Spätestens als aus seinen bildhübschen Musen erfolgreiche Superstars und mächtige Geschäftsfrauen mit 15’000 Dollar Tagesgage wurden und George Michael sich von Lindberghs Arbeiten zum Video zu seinem Hit «Freedom! ’90» inspirieren liess, profitierte auch die Modeindustrie von seiner ehrlichen und direkten Art zu fotografieren. INSPIRATION AUS KINDHEITSTAGEN Von Duisburg aus sind es zweieinhalb Stunden mit dem Auto an den malerischen Sandstrand von Zandvoort. Lindberghs Eltern seien an den Wochenenden regelmässig mit ihm und seinen Geschwistern in den niederländischen Küstenort gefahren, einfach um am Strand zu sitzen und der industriegeprägten Heimat zu entkommen, die er eigenen Aussagen zufolge als «so hässlich» empfand, dass alles andere automatisch schön wirkte. Käme er aus Venedig oder Paris, wäre seine Sicht der Schönheit höchstwahrscheinlich anders. Wie sehr ihn diese Strandausflüge aus Kindertagen geprägt haben, spiegelt sich in vielen seiner Arbeiten wider. Zum Beispiel in den Porträts, mit denen die Modedesignerin Jil Sander Anfang der 90er Jahre für ihre Marke warb: sie selbst an einem hellen, breiten Sandstrand, wie sie sich das Revers ihres flatternden Mantels zuhält und dem Wind trotzt. Wie sie die Weite geniesst. Eine starke, freie, elegante Frau. Oder die Gruppenporträts von 1988: Lindbergh hatte mehrere Models, darunter auch die späteren

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Supermodels Linda Evangelista, Christy Turlington und Tatjana Patitz, in weisse Männerhemden gesteckt und liess sie am Strand von Santa Monica herumalbern. Ihre Beine sind nackt, ihre Haare verweht, sie lachen, ganz ungekünstelt. Später stehen auch Julianne Moore und Kate Winslet am Strand vor seiner Kamera. All diese ikonischen Fotos schoss er. DAS VERMÄCHTNIS EINES STARFOTOGRAFEN Mit seinem Tod am 3. September 2019 im Alter von 74 Jahren hinterlässt Lindbergh seine Frau Petra, seine erste Frau Astrid, vier Söhne und sieben Enkelkinder. Ausserdem eine grosse Lücke, wie sein Team am Tag danach auf seiner Instagram-Seite verkündete. Und diese Lücke sah Lindbergh auch in der zeitgenössischen Fotografie. Übertriebene Selbstdarstellung und digitale Bildbearbeitung waren ihm schon immer suspekt. Photoshop und Selfies konnte er nicht ausstehen. «Nur, wenn man den Mut hat, man selbst zu sein, dann ist man schön», betonte Lindbergh immer wieder. Und als Fotograf habe er die Verantwortung, genau das zu zeigen. Diesem Credo ist er stets treu geblieben. Seine Kamera diente ihm als Transformationsobjekt, mit dem er jede Frau in eine unantastbare und souveräne Heldin verwandeln konnte. Zuletzt fotografierte er für die Septemberausgabe der britischen «Vogue» fünfzehn inspirierende Frauen, die Gastredakteurin Meghan Markle höchstpersönlich ausgewählt hatte. Auf dem Cover werden sie als «Forces for Change» bezeichnet: Frauen, die die Welt in die richtige Richtung lenken könnten. Unter ihnen befindet sich auch Greta Thunberg. Lindberghs Schwarz-Weiss-Porträt von der 16-jährigen Klimaaktivistin könnte tatsächlich den Anfang einer neuen Ära einläuten. Oder haben Sie schon jemals ein so ernstes Mädchen im Kapuzenpulli und ohne Make-up auf einem «Vogue»-Cover gesehen?

RECHTS OBEN Kate Moss, St. Barth, 2007 RECHTS UNTEN Estelle Lefébure, Karen Alexander, Rachel Williams, Linda Evangelista, Tatjana Patitz & Christy Turlington, Santa Monica, 1988


Peter Lindbergh / Courtesy of Peter Lindbergh, Paris

© Peter Lindbergh / courtesy Schirmer / Mosel

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© Peter Lindbergh / courtesy Schirmer / Mosel

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Peter Lindbergh Images of Women 312 Seiten, 189 Duotone-Tafeln Schirmer / Mosel Verlag ISBN 978-3-8296-0637-0

Peter Lindbergh Images of Women II Photographien 2005–2014 296 Seiten, 161 Duotone-Tafeln, 166 Abbildungen Schirmer / Mosel Verlag ISBN 978-3-8296-0685-1

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MEN

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GUCCI

Eine moderne Version von Herrenschuhen aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die mit Edelmetallschnallen und einer klobigen goldfarbenen Kette mit Horsebit-Details verziert wurden.

FASHION

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BURBERRY

Duff lecoat aus beigefar­ bener Wolle mit Kapuze und grafischen Streifen in ­Jacquard-Webung als ­m oderne Neuinterpretation der charakteristischen Designelemente von ­B urberry.

E V ETRO

Dieser Gürtel ist aus Leder mit Krokodildruck gefertigt und verfügt über eine Pegasus-Schnalle und eine ­I nnenseite mit einem heissgeprägten Paisley-Muster.

TR ENDS by

VIVIENNE WESTWOOD

Die neue AlexanderDokumententasche verfügt über die charakteristischen Alex-Gürtelgriffe in Braun aus genarbtem schwarzem Leder für eine schlanke und minimalistische Ästhetik mit einem geprägten Branding auf der Vorderseite.

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DIE STÄRKE DES

SCHLICHTEN 156


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PHOTOGRAPHY: ZORAN BOZANIC

PHOTOASSISTANT: CARO BECKER

MODEL:

PETER ZANOL (SILVER FOX)

LOCATION:

HOTEL ATLANTIS BY GIARDINO, ZÜRICH

Outfit: Kenner Herrenausstatter, Zürich Brille: SehFelder, Zürich Rolex Uhr (1984): Opera Watches, Zürich

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PHOTOGRAPHY: ZORAN BOZANIC

PHOTOASSISTANT: CARO BECKER

MODEL:

DANIEL SOKIC (URBAN HIPSTER)

LOCATION:

ZWISCHEN KAUFLEUTEN UND PELIKAMO Outfit: Pelikamo, Zürich Brille: Götti Uhr: Opera Watches, Zürich

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BE BE AUTY AU TY & WELL WELL BE BEING ING PRESTIGE

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BEAUTY &WELLBEING Photography: brigitteaeschbach SS19 Blazer: www.mourjjan.com Model: Jade for www.scout-model.com

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AUGEN AUF! Autorin_Beatrice Schönhaus

Wenn US-Superstar Taylor Swift die Bühne betritt, kriegen viele Menschen Gänsehaut. Gänsehaut wegen ihres dramatischen Augenaufschlags. Und des markanten Make-ups. Die Cat Eyes, die sie sich schminken lässt, sind an Dramatik nicht zu überbieten. Zusammen mit ihrem Charisma verleihen sie ihr das, was wir im Kleinen auch davon lernen können: Sie verleihen ihr Präsenz. Auch Schauspielerin Kristen Stewart, berühmt geworden durch den Film «Twilight» mit Robert Pattinson, weiss das. Und betont ihre Augenpartie gekonnt dramatisch und stark. Sie verleiht damit ihrem ohnehin expressiven Gesicht das Unverwechselbare, Geheimnisvolle. Es stimmt schon: Der Look eignet sich vielleicht eher für den Abend, die Party oder das grosse Event – im grellen Neonlicht des Büros kann er leicht etwas übertrieben und unpassend wirken. In der Beautybranche jedoch ist dies einer der grossen Wintertrends 2019 / 20. Die ganze Augenpartie ist im Fokus der Stylisten. Variationen dazu gibt’s viele – von sanft mithilfe Augenbrauenbürste oder -stift oder kräftig mit schimmernden Lidschatten wie etwa mit den «Ombres Premières» von Chanel und viel Mascara oder Kunst-Wimpern. Für die Inspirationen in der Mode schaut man sich am besten die Shows von Prada, Fendi, Versace und natürlich Dior an. Die Models wirken darin zwar poetisch, feminin, teilweise verspielt. Und doch auch ungeheuer stark, entschieden und selbstbewusst. Wie Frauen von heute eben sind. Die Meisterin dieser Inszenierung ist im Moment Maria Grazia Chiuri, die die Designs und die Vision des Modehauses Dior prägt. Und damit an den Pret-à-porterShows Frühling / Sommer 2020 international heftig für Furore sorgte. Es war eine der interessantesten, futuristischen Shows, die

das gegenwärtige Zeitgefühl perfekt widerspiegelte. Denn die zarten Wesen in den teils floralen, luftigen Kleidchen wirkten trotzdem äusserst willensstark, etwas wütend und bereit, im Grossstadtdschungel zu kämpfen. Die künstlerische Inspiration dazu war die Lebensgeschichte von Christian Diors Schwester Catherine, die gelernte Gärtnerin war und in Paris im Quartier Les Halles Blumen verkaufte, bis sie im 2. Weltkrieg dann der Résistance, dem Widerstand, beitrat. Sie riskierte ihr Leben, überstand aber dank viel Glück alles heil. «Ich entschied mich, diese Show zu nutzen, um Catherine zu feiern, weil ich glaube, dass sie eine wirklich moderne Frau war», sagt Designerin Maria Grazia Chiuri im Interview mit der deutschen Frauenzeitschrift «Vogue». Bei der Figur von Catherine trifft Poesie auf stählernen Widerstand, weich auf hart, Verspieltes auf Entschlossenheit. Das passt perfekt zum Trend in der Mode und im Make-up, die Dualität der heutigen Zeit. Sie bildet einen reizvollen Kontrast zur Persönlichkeit, den man auch optisch gut betonen kann. Am besten lässt man sich bei einer Kosmetikerin oder über Tutorials auf Youtube mal zeigen, wie man eine betonte Augenpartie am besten hinbekommt – und lässt sich effektvolle Augenbrauen bei seiner Lieblingskosmetikerin applizieren. Der Markt bietet viele spannende neue Produkte im Fachhandel: so zum Beispiel den «Natural Brow Shaper» oder das ganze «Brow Kit» von Bobbi Brown. Oder das französische Haus Lancôme, dem mit dem «Sourcils Styler» ein gutes Produkt gelang. Von der Kultmarke Yves Saint Laurent überzeugt die Mascara «Volume Effet Faux Cils» und von Helena Rubinstein die «Lash Queen Mascara». Hübsch designte Pro-

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BEAUTY &WELLBEING

Gesichtet auf dem Runway: betonte Augen bei der Frühlings-/Sommer-Kollektion 2020 von Dior.

Peter Philips legt bei Dior den Fokus auf einen dramatischen Augenaufschlag.

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Sowohl optisch als auch inhaltlich für das Auge entworfen: Louboutin «Metallic Eye Colour».

Das «Brow Kit» von Bobbi Brown untermalt die Augenpartie.

dukte gibt es übrigens von Schuh-Papst Christian Louboutin zu kaufen: Die Linie «Metallic Eye Colour» ist über den Online-Anbieter Net-a-porter zu erwerben. Ist einem dies zu wenig und bringt eine zu wenig schnelle Optimierung, spricht man mit einem guten Dermatologen und Fachmann der ästhetischen Medizin darüber, wie man sich sanft den einen oder andern Fehler der Natur, etwas erschlaffte Lider oder anderes korrigieren respektive optimieren lassen kann. Der erfahrene Dermatologe Dr. med. Michael Gütling von den Pallas-Kliniken verrät: «Nach wie vor ist die Oberlidstraffung etwas, was am meisten verlangt wird. Das öffnet den Blick wieder und verleiht einem insgesamt ein frischeres Aussehen. Zudem hält der Effekt dieser Behandlung lange an. Hässliche Krähenfüs­se lassen sich meist mit Botox oder einem

Yves Saint Laurent überzeugt mit der Mascara «Volume Effet Faux Cils».

neuen Fadenlifting beheben, wobei Fäden verwendet werden, die sich selber auflösen. Die Laser von heute sind viel effektvoller und sanfter zur Haut. Ganz aktuell sind Augenbrauen-Transplantationen, die einen intensiveren Blick verleihen. Immer jedoch gilt: sich vor dem Eingriff mit dem Facharzt beraten, die Risiken kennen und – ganz wichtig – sich erkundigen, wie man die Augenbrauen wieder entfernen könnte, sollte man nicht ganz zufrieden sein mit dem Effekt.» Das Schöne an den heutigen Optionen ist die Tatsache, dass man wählen kann. Ich persönlich mag’s lieber sanft, helfe mit Pflege und optischen Tricks nach. Andere wollen’s ein für alle Mal optimieren – auch hier sind Kontraste erlaubt. Wichtig ist das Ergebnis, der Augenblick, in dem man in den Spiegel schaut und denkt: «So gefall ich mir!»

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Im Sommer werden hier erfrischende Cocktails serviert, im Winter verwandelt sich ÂŤThe CourtyardÂť in ein Eisfeld.

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WELLNESS WINTER IM WONDERLAND Autorin_Nina Merli

DIE KALTE JAHRESZEIT IST IDEAL, UM SICH EIN PAAR TAGE VOLLER ­ENTSPANNUNG, RUHE UND ENTSCHLEUNIGUNG ZU GÖNNEN. WIR HABEN DREI HOTELS MIT VÖLLIG VERSCHIEDENEN WELLNESS-ANSÄTZEN GETESTET, DIE ABER EINES GEMEINSAM HABEN: IHRE EINZIGARTIGE LAGE IN DEN BERGEN.

THE CHEDI ANDERMATT

Kennen Sie Tata Harper? Das ist die exklusive Naturkosmetik-Linie, die zurzeit Beauty-Bloggerinnen rund um den Globus in Ekstase versetzt und so ziemlich jeden existierenden BeautyAward gewinnt. Natürlich war auch mir der Name ein Begriff, getestet hatte ich die Produkte jedoch noch nie – was nicht zuletzt mit der Tatsache zusammenhängt, dass es in der Schweiz nur ein einziges Spa gibt, das Treatments mit Tata-Harper-Produkten im Angebot hat: das Spa des «Chedi Andermatt». In Sachen Treatments ist man sich als regelmässige Spa-Gängerin ja einiges gewohnt und – um ehrlich zu sein – auch ziemlich verwöhnt. Doch das Tata-Harper-Treatment hat mich regelrecht umgehauen. Nach der straffenden Körper- und Gesichtsbehandlung (für durstige Haut) fühlte sich meine Haut unglaublich weich an. Keine Spur von Brennen, wie es manchmal nach bestimmten Beauty-Produkten der Fall sein kann, keine Stress-Reaktion auf ungewohnte Stoffe. Gerade wer zu empfindlicher Haut neigt, wird von diesen Produkten begeistert sein. Grund genug, sich ein bisschen genauer mit den Tata-Harper-Produkten auseinanderzusetzen: Ursprünglich aus Barranquilla, Kolumbien, lebt die Ingenieurin Tata Harper seit einigen Jahren auf einer Farm in Vermont, wo all ihre zu 100 Prozent natürlichen, chemiefreien Produkte entstehen, die laut Harper so effektiv «wie La-Mer-Produkte und Botox sein sollen – einfach natürlich». Die über 300 verschiedenen Inhaltsstoffe werden aus mehr als 68 Ländern aus der ganzen Welt bezogen, wobei ein Grossteil der Rohstoffe für die Produkte auf ihrer eigenen Farm angebaut und –

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teilweise – von Hand verarbeitet werden. Die dreifache Mutter kontrolliert die Herstellung ihrer Produkte, wann immer es geht, persönlich – eine Auslagerung käme für sie, trotz steigender Nachfrage, nicht infrage, weil sie nicht mehr frisch produzieren könnte. Jedes einzelne Produkt setzt sich aus einer komplexen Formel zusammen, mit zahlreichen hochkonzentrierten Inhaltsstoffen, die maximale Ergebnisse erzielen – und kommt dabei ohne einen einzigen Tropfen künstlicher Chemikalien aus. Was auch für Naturkosmetik sehr aussergewöhnlich ist. Aussergewöhnlich ist auch das asiatisch inspirierte Spa des «Chedi», das schon mehrfach ausgezeichnet wurde und sich grosszügig auf rund 2400 Quadratmeter erstreckt. Im 35 Meter langen Innenpool kann man tatsächlich seine Runden schwimmen und muss sich nicht mit ein bisschen «Planschen» zufriedengeben. Ausserdem ist dieser Bereich nur für Hotelgäste reserviert, was die Privacy massiv erhöht – und die Entspannung in einer der grossen Tagesliegen noch grösser macht. In einem separaten Teil befinden sich zehn Luxus-Spa-Suiten für die Behandlungen und ein tibetanischer Ruheraum. Fazit: Wer eine entspannende Auszeit in den Bergen in einem absolut luxuriösen Ambiente verbringen, sich mit kulinarischen und erstklassigen Treatments verwöhnen lassen möchte, wird sich im «Chedi» an der richtigen Adresse befinden und ein «Regular Guest» werden. WWW.THECHEDIANDERMATT.COM


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OBEN Viel Holz, helle Farben und eine grosse Portion Gemütlichkeit – die Zimmer des «Guarda Val» bieten Chalet-Chic und Komfort. UNTEN Ein heisses Bad in kalter Nacht. Der beheizte Aussenpool entspannt nach einem langen Wintertag in der Natur.

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MAIENSÄSSHOTEL GUARDA VAL

klar, dass man es hier mit einer erstklassigen Ayurveda-Therapeutin zu tun hat, die ihr Handwerk mehr als gut versteht. Für die Laien: Ayurvedische Behandlungen haben den grossen Vorteil, dass sie nicht nur ungemein entspannend sind, sondern sich nachweislich positiv auf Gesundheit und Wohlbefinden auswirken. So hat zum Beispiel die Bergkräutermassage nebst ihrer durchblutenden und entspannenden Wirkung auch einen stark entgiftenden Effekt, und auch das Sesamöl hilft beim Ausscheiden von Giftstoffen. Nach den Behandlungen geht es erst mal in den Ruheraum, wo man sich idealerweise in eine der Heuliegen legt und dabei komplett abtaucht. Für mich persönlich hat das «Guarda Val» aber noch ­einen ganz anderen, speziellen Wellness-Faktor – nebst erstklassigem Essen (das Gourmet-Restaurant «Guarda Val» ist mit 16 Gault-Millau-Punkten und einem Michelin-Stern ausgezeichnet, und im urchigen «Crap Naros» gibt es lokale Gerichte und Käsespezialitäten, die in den Bergen ein Muss sind), der allgegenwärtigen Gemütlichkeit, die man heutzutage so oft vermisst, überwältigt mich jedes Mal die Lage dieses Hotels: im Weiler Sporz, etwas von der Lenzerheide abgelegen, mit einer wundervollen Aussicht runter ins Tal. Eingebettet in diese wunderschöne Berglandschaft, die man tagsüber am besten zu Fuss oder auf den Skiern erkundet, erlebt man tatsächlich so etwas wie Wellness für die Sinne.

Das Spa im Hotel Guarda Val ist komplett anders, als man es sich von anderen Wellness-Hotels gewohnt ist: kein fancy Infinity-Pool und auch kein orientalisch anmutendes Design-Konzept. Stattdessen gibt es im Bündner Maiensässhotel oberhalb der Lenzerheide authentisches Berghütten-Feeling mit einer separaten Blockhütten-Sauna, einem Hot Pot im Freien und herrlich duftenden Heubetten im Ruheraum. Wer sich ein Wellness-Wochenende mit Bergromantik gönnen will, ist hier goldrichtig. Das «Guarda Val» ist auf elf bis zu 300 Jahre alte Hütten und Ställe verteilt und verbindet heimelige Alptradition mit einer grossen Portion Luxus und Genuss. Das «Guarda Sana», der Spa-Bereich des Hotels, ist in einer ehemaligen, umgebauten Scheune situiert, und so dominiert auch hier das Element Holz – allein dies wirkt schon unheimlich beruhigend auf die gestresste Psyche. Auf dem Spa-Menu stehen verschiedene Wellness-Packages, Kosmetikbehandlungen und natürlich Massagen zur Auswahl. Wir haben das Signature-Treatment, die Guarda-Sana-Massage und die Bergkräuterstempelmassage getestet. Bei der Guarda-Sana-Massage wird zuerst der gesamte Körper mit kalt gepresstem Sesam- und Mandelöl behandelt und anschliessend mit einer entspannenden Gesichtsmassage mit Bergkristallen abgeschlossen. Herrlich! Wer sich in Sachen Spa und Behandlungen ein bisschen auskennt, weiss, dass Sesamöl vor allem in ayurvedischen Behandlungen verwendet wird. Und tatsächlich, im Gespräch mit der Masseurin wird einem schnell

WWW.GUARDAVAL.CH

THE CAPRA SAAS FEE

All diese Aspekte sind wichtig, denn das Ziel des Peak-HealthProgramms ist ein tieferes Verständnis des eigenen Körpers und seines Potentials. Mindestens so wichtig wie die aktive Bewegung (Yoga, Wanderungen, Cardio-Übungen und mehr) ist während einer Peak-­ Health-Woche die Ernährung: keine Milchprodukte, kein Gluten, kein Zucker. Das Frühstück basiert auf blutzuckerausgleichenden Proteinen, Fetten und Kohlenhydraten mit niedrigem glykämischen Index (je niedriger, desto besser) und liefert Energie für die Wanderung, ohne den Blutzucker- oder Insulinspiegel zu erhöhen. Gesunde Küche steht aber auch ausserhalb der Retreats im Fokus, so verfolgen die Brasserie- und Lounge-Menus ebenfalls einen ganzheitlichen Ansatz: Nebst lokalen Produkten, die ohnehin ein Muss sind, stehen viele Super Foods und Gemüse auf dem Menu – Vegetarier kommen im «Capra» auf alle Fälle auf ihre Kosten. Nebst aller Entspannung sollte man sich aber unbedingt auch Zeit nehmen, um die Umgebung rund um das «Capra» zu erkunden; da wären das autofreie Dörfchen Saas Fee, das von der Globalisierung verschont geblieben zu sein scheint (mittlerweile eine wahre Seltenheit!) und dafür mit urchigem Charme trumpft, und natürlich die umliegenden Berge, die sich auch für Schneeschuhtouren eignen. Anfänger beginnen am besten mit einem leichten Walk zum Restaurant Alpenblick. 80er-JahreNostalgiker sollten zudem unbedingt zum«Chalet Schliechten» spazieren, wo 1984 das Video zum Smash-Hit «Last Christmas» gedreht wurde – hier entsteht mit Sicherheit ein Selfie mit garantiertem Like-Potential.

Wenn im «The Capra» von Nachhaltigkeit die Rede ist, dann ist damit weniger ein ökologisches Tourismuskonzept gemeint, sondern eine nachhaltige Wellness-Wirkung. Denn das Spa des «Capra» wird von «Peak Health» betrieben und verwaltet. Das Ziel von Peak Health ist es, nicht nur zu helfen, sich zu entspannen, sondern eine eigene persönliche Strategie zu entwickeln, um Gesundheit und Fitness langfristig und nachhaltig zu verbessern – also auch dann, wenn man wieder zuhause in seinem Alltagstrott ist. Die Peak-Health-Philosophie basiert auf der Forschung eines Teams von Medizin- und Wellnessexperten aus der ganzen Welt und verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. So bietet das Spa des «Capra» speziell kuratierte Behandlungen wie etwa massgeschneiderte Gesichtsbehandlungen, therapeutische Massagen, Körperpakete, Muskelaufbau, Entgiftungsbehandlungen und auch Privat­ unterricht. Es lohnt sich wirklich, vor den Behandlungen der Therapeutin seine ganz persönlichen Wünsche und Bedürfnisse zu erklären, weil sie anhand dieser ganz gezielt darauf eingehen kann. So kamen bei meinem Cold & Hot Stone Treatment nebst den Jade-Massage-Steinen auch Amethyst, Sodalith, Aventurin, Türkis und andere Edelsteine zum Einsatz. Wer seinen Lifestyle grundsätzlich verbessern möchte, kann dies mit einem siebentägigen Peak Health Retreat tun. Dabei gehen die Macher von Peak Health sehr individuell vor, denn jeder Mensch ist verschieden, und entsprechend unterschiedlich sind seine Bedürfnisse. Mittels eines Body-Assessment wird zunächst der Ist-Zustand ermittelt, und im Laufe des Erstgesprächs werden auch die eigenen Ziele definiert. Ist man gestresst und will vor allem seinen Geist beruhigen? Oder steht der Gewichtsverlust im Mittelpunkt? Und wie steht es mit der eigenen Schlafqualität?

WWW.THECAPRA.CH

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PINK RIBBON NIGHT

Autorin_Swenja Willms Bilder_Pink Ribbon Schweiz

1992 hatte Evelyn Lauder die rosa Schleife ins Leben gerufen, denn sie glaubte daran, dass man mit vereinten Kräften mehr erreichen und Brustkrebs eines Tages stoppen kann. Auch 27 Jahre später setzen sich die Estée Lauder Companies für das Thema ein und möchten mit der diesjährigen Breast-Cancer-Kampagne unter dem Motto «Hoffnung auf Heilung vereint uns alle» ihrem Solidaritätsgedanken Ausdruck verleihen. Die diesjährige Brustkrebs-Gala «Pink Ribbon Night» leistet hierfür ebenfalls einen wichtigen Beitrag.

Estée Lauder Advanced Night Repair Serum für Pink Ribbon.

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Vor 27 Jahren hat Evelyn Lauder die weltweite Kampagne gegen Brustkrebs der Estée Lauder Companies ins Leben gerufen.

Arbeitsgemeinschaft für Klinische Krebsforschung (SAKK) ist es, Patientinnen in einem frühen Stadium zu regelmässigem, zügigem Gehen zu motivieren und dadurch das Auftreten von Muskel- und Gelenkschmerzen sowie weiteren Nebenwirkungen wie Wallungen und Erschöpfung zu verringern. Die Studie möchte aufzeigen, dass die medikamentöse Therapie erträglicher und der Lebensstil von Patientinnen mit körperlicher Aktivität nachhaltig positiv verändert wird. Mithilfe der Studienergebnisse sollen den Betroffenen Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie sie selbst Nebenwirkungen verringern und den Weg durch die Therapie positiv beeinflussen können. Die Estée Lauder Companies möchten mit der Unterstützung dieser Studie, an welcher über 30 Schweizer Zentren involviert sind, einen Beitrag leisten, um die Lebensqualität der Patientinnen zu steigern und ihnen das Durchhalten der Therapie zu erleichtern. Am Ende des Abends der Pink Ribbon Night wurden insgesamt 70’000 Franken für die SAKK-Studie gesammelt. Unter tosendem Beifall tanzte das gesamte Publikum bei der Schlussnummer der Pink Surprise Show mit, und man spürte, dass die vielen magischen Momente der Pink Ribbon Night 2019 noch lange in Erinnerung bleiben werden.

Die diesjährige Brustkrebs-Gala stand ganz im Zeichen der Magie. Die geladenen Gäste wurden in eine zauberhafte Welt mit kulinarischem Hochgenuss und spektakulären Showelementen entführt. Bereits zum sechsten Mal in Folge kochte der Spitzenkoch Anton Mosimann ehrenamtlich für die Gäste, und während des exklusiven Gala-Dinners verblüfften zwei Magier das Publikum mit ihren unerwarteten Zauberkünsten. Für zauberhafte Momente sorgte auch die Überraschungsshow im Ballsaal des «Park Hyatt Zürich»: Die Pink Ribbon Ambassadors Jesse Ritch, Eliane Müller, Tiziana Gulino und Viola Tami gaben ein berührendes Charity-Konzert zum Besten. Der Erlös der Pink Ribbon Night finanziert eine Studie der «Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Klinische Krebsforschung SAKK», welche Brustkrebspatientinnen verspricht, die Therapie erträglicher zu machen. DIAGNOSE BRUSTKREBS Jede achte Frau wird mit dieser Diagnose konfrontiert. Die Brustkrebs-Kampagne der Estée Lauder Companies vereint und inspiriert Millionen von Menschen in ihrem Bemühen, eine Welt ohne Brustkrebs zu schaffen. Ziel der Studie WISE der Schweizerischen

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I DO NOTCARROT AT ALL

Autorin_Antonia Clara Semmler

Kennen Sie das? Sie sind Single und sehen nichts als ­glückliche Pärchen? Sie suchen nach einem neuen Auto und sehen nur noch Ihren Traumschlitten h ­ erumfahren? So ging es mir letztens auch. Mit Karotten. Alles fing an mit einem Film. Es ging darum, wie die Briten im Zweiten Weltkrieg ihren Einsatz von Radartechnologie bei Nachtflügen nutzten, um den Feind bei Dunkelheit zu erkennen und auszuschalten. Sie behaupteten anschliessend, um die bahnbrechende Boardradar-Entdeckung nicht preiszugeben, ihre Piloten sähen nachts so gut, weil sie viele Karotten essen würden. Aha! Diese klug inszenierte Propagandakampagne für das gelbrote Rüebli führte dazu, dass fortan alle Welt das Wundergemüse essen wollte. Durch die Geschichte verspürte ich selbst auf einmal den Drang, welche knabbern zu wollen. Samstagabends. Eingekuschelt auf dem Sofa. Nicht nur an meiner Zurechnungsfähigkeit, sondern auch an meiner Nachtsichtigkeit habe ich unmittelbar gezweifelt. Kerzenbeleuchtung aus. Licht an. Weil kein orangefarbenes Rübengemüse da. So, jetzt sehe ich auch wieder was! Ein paar Tage später verabreichte mir der Arzt meines Vertrauens eine Vitaminkur und obendrauf – ein Rezept für eine Karottensuppe! Soll gut für den Darm sein. Rezept nach Moro. «Möhre?» «Nein, Moro nicht Möhre!» Natürlich muss der Herr Moro eine Möhrensuppe nach ihm benennen. Oder war es umgekehrt? Diese Karotten müssen es also draufhaben! Neben dem Beta-Carotin (VitaminA-Vorstufe) enthält die Wurzelpflanze ei-

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nige Vitamine der B-Gruppe, Vitamin C und den Radikalfänger Vitamin E. Obendrein ist sie reich an verschiedenen Mineralstoffen und Spurenelementen wie Eisen und Zink. Wie konnte ich das so lange ignorieren? Vitamin A und Co. gehören quasi zu meinem Alltag. Aber abgefüllt. In Fläschchen oder Cremetuben. In Form von Retinol für einen natürlichen Anti-Aging-Effekt. Meine Kollegin meinte dazu, ich solle mich doch einfach mal auf mein Karottengemüse setzen. Was? Ja, in der Hoffnung, man müsse sie nicht essen, um zu glatter Haut, einem gesunden Darm und Adleraugen zu gelangen. Ähnlich wie in folgender Theorie, bei der man sich die relevanten Kapitel für die Prüfung unter sein Kopfkissen legt und am nächsten Tag besteht. Einfach so. Mit Bestnote. Die Ratschläge meiner Kollegin sind genauso gut gemeint wie nutzlos. Aber sie hat ein gutes Herz. Während des Nachdenkens, wie ich mich in Zukunft einfach auf meine Vitamine draufsetze – plopp. Ein Artikel am Computer springt mir förmlich ins Gesicht. Es geht um: «Machen Rüebli wirklich braune Haut?» Ich bin dann mal weg. Karotten kaufen. Falls Sie mich in nächster Zeit mit orangefarbenem Teint sehen. Sagen Sie nichts. Setzen Sie sich einfach hin.

Antonia Clara Semmler ist freie Journalistin und PR-Profi. Ihr Spezialgebiet ist die Beauty-Branche, auf der sie seit über 17 Jahren sitzt.

WWW.ANTONIACLARA.CH


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GILLETTE

Dank eines innovativen, beheiz­baren Wärme-Streifens sorgt der Heated Razor von GilletteLabs für ein unver­­g leich ­l iches Rasurerlebnis: das Gefühl eines warmen Handtuchs wie beim Barbier – und das erstmals auf Knopfdruck, bei jedem Zug und jeder Rasur z ­ uhause. Ab September ­e xklusiv im neuen Gillette ­Online-Shop erhältlich.

G

S

SISLEY

Die neuen «phyto-ombres» von Sisley haben eine hohe Pigmentkonzentration und sind mit ­l ichtref lektierenden Perlmutt­ partikeln versetzt. 20 leuchtende, intensive und magnetische ­Nuancen mit zartschmelzender Textur und diversen Finishes für einen farbintensiven Blick.

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LI VI LI VINGNG

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© DePasquale+Maffini

LIVING

DAYBED STORY Autorin_Lone K. Halvorsen

DER STILVOLLE ALLTAGS­BEGLEITER UND EWIGE SEHNSUCHTSORT 177


© Courtesy of the Knoll Archive

© LC4 by Le Corbusier, Pierre Jeanneret, Charlotte Perriand – Cassina

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LIVING

Sie nennen sich Daybed, ­Chaiselongue oder Récamiere –  unterschiedliche Bezeichnungen für ein faszinierendes Möbelstück. Die stilvollen, ­eleganten Sitz- und Liegesofas erfreuen sich einer ­zunehmenden Beliebtheit. der bekanntesten Chaiselongues ist die 1928 mit Stahlgestell entworfene LC4 von Le Corbusier, Pierre Jeanneret und Charlotte Perriand, welche als Grundstein für weitere Interpretationen in der Folgezeit dienen sollte. Mit der Zeit verschmolz die zweiteilige Chaiselongue zu einem einzigen Möbelstück, aus dem die Récamiere und die moderne Chaiselongue hervorgingen. Charakteristisch war weiterhin die lange Liege ohne Rückenlehne, aber mit zwei hoch geschwungenen Armlehnen. Im Verlauf der Jahre wurden viele Varianten der Récamiere entwickelt, und mitunter wurde die Liege etwas kürzer gestaltet – je nach Bedarf mit einem bequemen Hocker für die Beine. Benannt wurde die Récamiere nach der französischen Schriftstellerin Julie Récamier. Im Gegensatz zur ursprünglichen Form ohne Rückenlehne, aber mit zwei Armlehnen ist das Möbelstück heutzutage meist mit einer Rückenlehne versehen, bei der die Armlehnen oft nur angedeutet werden.

Alle drei möchten sich ungern als ein konkretes Möbelstück definieren, sondern die Freiheit geniessen, sich je nach Bedarf des Nutzers entfalten zu können. Ob dieser nun mit einem schönen Buch oder einem Glas Wein sitzend oder liegend entspannen, einen Mittagsschlaf machen, einfach nur ein wenig tagträumen möchte oder wenn der Gast über Nacht bleiben soll … Sie sind nicht nur schön, sondern auch multifunktional und intelligent. Sie überzeugen als Solisten, die vor allem frei im Raum ihr Salonflair entfalten. Wo bisher ausladende Sofalandschaften dominierten, haben die Daybeds & Co ihre Wohnzimmerberechtigung daher längstens verdient. Da jedoch oft die Merkmale zwischen den dreien verschmelzen, die Grenzen verwischen und die Unterschiede für manche nicht klar definiert werden können, blicken wir zurück in die Vergangenheit, um die Geschichte des legendären Multitalents aufzudecken.

DAS DAYBED – SCHLICHT UND STILVOLL Erst die Pflicht und dann die Kür mag wohl bei vielen Menschen die Devise lauten, wenn eine Wohnung eingerichtet werden soll. Unbestritten steht dennoch bei manchen ganz oben auf der Liste der «Irgendwann-Wunschmöbel» das Daybed. Die Weiterentwicklung der historischen Liegemöbel wird jedes Jahr mit immer mehr Eifer neu interpretiert. Wenngleich das Bemühen nicht immer sichtbar ist, denn gerade in der Schlichtheit liegt ja der Reiz des Daybeds. Besonders wirkungsvoll sind die Modelle, die ganz auf Rücken- und Armlehnen verzichten. Zu einem der schönsten Klassiker gehört gewiss das puristische Barcelona Daybed der Bauhaus-Legende Ludwig Mies van der Rohe, das in der Formensprache Bauhaus-typisch reduziert und ohne eine aufwendige Gestaltung 1929 entworfen wurde.

CHAISELONGUE & RÉCAMIERE – ZWEI LIEGEN MIT GESCHICHTE Der älteste Vertreter der drei Möbel-Musketiere ist die Chaiselongue. Schon allein das Wort hat etwas Elegantes, die Chaiselongue verbreitet auch wahrhaftig Glamour im Raum. Übersetzt als «langer Stuhl», wussten bereits die Römer um den Zauber der Liege, die darauf assen und lasen oder die Gäste halb liegend empfingen. Eine Tugend, die im Altertum von Herrschenden zelebriert wurde. Recht hatten sie, denn die Ungezwungenheit des Ruhe- und Tagesbettes war schon damals bestens prädestiniert zum Nachdenken oder Dösen. Bereits im Altertum wurde die Liege mit dem erhöhten Kopfende populär, und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam der gepolsterte «lange Stuhl» in Frankreich in Mode. Das Design ging aus einem durch ein Tabouret verlängerten Fauteuil hervor – die Chaiselongue wurde demnach quasi in zwei Teilen gestaltet. Eine

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MASSANFERTIGUNG

im Küchenbau Autor_Georg Lutz Bilder_Holocher

KÜCHEN, DIE NUR WENIG RAUM ZUR VERFÜGUNG HABEN UND TROTZDEM SEHR VIEL KOMFORT AUFWEISEN KÖNNEN, SIND SELTEN. IM FOLGENDEN INTERVIEW MIT ELIAS HOLOCHER STELLEN WIR EINE KÜCHE VOR, DIE DIESBEZÜGLICH WEGWEISENDE ZEICHEN SETZT.

Wir waren an einem schönen Herbsttag auf der Wassersportmesse Interboot in Friedrichshafen am Bodensee. Dort bestaunten wir schnittige Motorjachten und elegante Segelschiffe. Kombüsen auf Schiffen sind normalerweise klein und spartanisch. Doch wir entdeckten eine Küche, die ganz anders aufgestellt war. PRESTIGE: Wir befinden uns hier auf einer Bootsmesse. Küchen, nicht nur auf Booten, brauchen High Tech, und Platz ist ein grosses Thema. Schildern Sie uns doch die Situation? ELIAS HOLOCHER: Man sieht hier zunächst einen Küchenblock – eine Kochinsel, die voll funktionsfähig ist. Der Wasserhahn von Quooker liefert heisses Wasser. Es gibt die üblichen Geräte wie Spülmaschine, Kaffeemaschine und Backofen. So weit das Übliche. Und man kann mit einem Sprachbefehl die Küche ganz einfach transformieren. Das ist jetzt ungewöhnlich. Ja, zum Beispiel können über einen Sprachbefehl aus dem Küchenblock mehrere Sitzplätze ausgefahren werden. Das heisst, Bänke fahren aus, Lehnen klappen auf, die Arbeitsplatte nivelliert sich mit der Esstischhöhe. Die Elektrogeräte können nun auch vom Esstisch aus bedient werden. Wenn ich nun beim Platz Herausforderungen habe, spare ich mir hier Stühle und Tisch. Diese sind hier integriert und können herausgefahren werden. Das spart Platz. Ist das jetzt nicht nur eine teure Spielerei, sondern hat es auch einen praktischen Wert? Ja, wenn Sie mit kleinen Raumverhältnissen zu tun haben und trotzdem vollen Komfort wollen, sind Sie mit dieser Lösung, die wir weltweit patentieren lassen haben, vollkommen richtig.

«Geht nicht – gibtʼs nicht» könnte das Motto von Holocher sein. Elias Holocher ist CEO bei Holocher.

Am Anfang hatten Sie sicher auch mit skeptischen Stimmen zu kämpfen? Ja, einige Skeptiker haben uns prophezeit, wir würden das mit dem Zu- und Abwasser nicht in den Griff bekommen. Und wie haben Sie darauf reagiert? Wir haben es in den Griff bekommen. Der Kunde muss auf nichts verzichten. Er besitzt bei uns eine voll autarke Küche. Wie sind Sie auf die Idee gekommen? Hochwertige Küchen gibt es ja viele. Die Idee ist eigentlich aus der Not entstanden. Meine Frau und ich haben nur eine kleine Küche zur Verfügung gehabt. Wir standen in einer schönen Küche vor einem Küchenblock, hatten aber keinen Sitzplatz.

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Dann bin ich in einen Baumarkt gefahren, habe eine Arbeitsplatte gekauft und habe diese drehen lassen. Freundinnen und Freunde waren begeistert und haben mich gefragt: Wo kann man das kaufen? Und ich habe geantwortet: Das muss man selber bauen. Das kann aber nicht jeder. In der Folge haben wir die Firma gegründet. Ein Freund von mir ist Schreinermeister. Das hat dann auch dazu gepasst. Auf Kombüsen in Schiffen geht es noch enger zu wie in kleinen Küchen in Häusern. Wie gehen Sie da vor? Auch Boots- und Yachtbauer kommen auf uns zu, meist mit einer CAD-Zeichnung im Gepäck. Da geht es dann um sehr runde und kleinere Arbeitsplatten, beispielsweise aus Carbon. Es braucht ja dann auch Bauteile, die wasserbeständig sind. Auch die Motoren sind spritzwassergeschützt und laufen mit 24 Volt. Korrosionsbeständigkeit der Teile ist hier ein wichtiges Thema. Auch die Wohnmobilindustrie hat solche Ansprüche. Unsere Technik verbirgt sich in einem hochfesten Aluminiumkern und ist daher geschützt. Hier auf der Interboot führen wir aus den angeführten Gründen gute Gespräche mit Yachtbauern.

Wie haben Sie Anbieter für die aufwendige Technik gefunden? Wir waren bei verschiedenen Motorbauern im süddeutschen Raum und mussten am Anfang viel über «Try und Error» ausprobieren. Inzwischen haben wir Antriebe, die mehrfach einsetzbar sind. So bauen sich bei uns Sitzgelegenheiten auf. Die Technologie und die daraus resultierende Lösung sind aber auch auf einer Yacht einsetzbar, wo es darum geht, eine Treppe ein- und auszufahren. Was lässt sich über den Businessablauf sagen? Wir haben vor drei Jahren eine GmbH gegründet. Ich und meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben uns viel Wissen betreffend Motorentechnik und Programmierung angeeignet. Mit Studio Becker Europe haben wir einerseits einen Partner im internationalen Vertrieb und andererseits einen Abnehmer für unsere Techniken im hochqualitativen Bereich. Das hört sich an, als würden Sie übermorgen von einem grossen Player geschluckt werden? Ja, es gab schon mehrere Angebote. Aber wir lassen uns nicht kaufen.

Die Kombination von edlem Holz und ungewöhnlicher Technik ist fast spürbar.

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DAS LESEN VON BÜCHERN GILT SEIT JEHER ALS IDEALE BESCHÄFTIGUNG, UM IN NEUE, FREMDE WELTEN ABZUTAUCHEN. IN EIN REGELRECHT GEOMETRISCHES WUNDERLAND ENTFÜHRT DIE KÜRZLICH FERTIGGESTELLTE «CHONGQING ZHONGSHUGE». DIESER BUCHHANDLUNG GELINGT EINE NERVENKITZELNDE SYMBIOSE: HALB TRINITY COLLEGE LIBRARY UND HALB TRIBUT AN DIE WERKE DES NIEDERLÄNDISCHEN MEISTERS DER DRITTEN DIMENSION M. C. ESCHER.

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Als eine der grössten Binnenstädte der Welt mit Bergen und Flüssen ist Chongqing eine Stadt voller Überraschungen und wunderbarer und charmanter Ecken. Seit der Antike hat ihre Landschaft zahlreiche prominente Schriftsteller und Kalligrafen angezogen. Bis heute ist Chongqing eine Stadt mit Anziehungskraft. Eine magische Anziehung übt nun auch die vom lokal ansässigen Architekturbüro «X+Living» entworfene Buchhandlung im Südwesten Chinas aus. Die 13’000 Quadratmeter grosse «Chongqing Zhongshuge» befindet sich auf der 3. und 4. Etage des Zodi Plaza in Yangjiaping. Das surreale Interieur ist von einer scheinbar endlosen Wand aus Büchern und Treppen geprägt. Inspiriert von der reichen literarischen Geschichte der Stadt Chongqing, nutzt die Buchhandlung abstrakte Architektur und Spiegel, um den Kunden ein einzigartiges Erlebnis zu bieten. In der dunkelbraunen Lobby sind verstreute lampenschirmförmige Bücherregale zu finden, die zum Stöbern und zu anregenden Gesprächen einladen. Ein ruhiger Lesekorridor mit Bücherregalen erstreckt sich das Foyer hinunter. In der anderen Ecke der Lobby befindet sich der Kinderlesesaal, in dem die Bücherregale farbenfroh mit gezeichneten Landschaften, Gebäuden und Verkehrsmitteln von Chongqing gestaltet sind. Kinder können sich beim Lesen in diesem Raum wie im charmanten Chongqing fühlen. Der eindrucksvollste Raum ist jedoch die riesige «ladder hall», in der kreuz und quer verlaufende Treppen als Regale und Leitern als Zugang zu den Büchern dienen. Eine reflektierende Decke schafft ein Spiegelbild des atemberaubenden Raums für diejenigen, die einen Blick nach oben werfen. Die breiten Stufen der Treppe dienen gleichzeitig als Sitzgelegenheiten, auf denen die Besucher zum Lesen und Ausruhen angeregt werden. Dieses Feature soll dem Leser ermöglichen, in Büchern und Gedanken zu versinken. In der 4. Etage befindet sich der weitläufige Lesesaal mit Werken namhafter Autoren, in dem die Besucher ihre visuelle und geistige Welt bereichern können. Denn der Zweck von Buchhandlungen ist seit Jahrhunderten konstant geblieben, und genau dafür wurde der Chongqing Zhongshuge Bookstore geschaffen: ein Ort, an dem nicht nur literarische Werke durchstöbert werden, sondern auch der eigene Geist.

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MEDITERRANER LEBENSZAUBER Sorgenfreies Aufwachen, ­entspanntes Leben und ­französisches Savoir-vivre an der Côte d’Azur sind in den Villen «Le Ramingao» Alltag. Wohnen im idyllischen urbanen Setting an ­exklusiver, ruhiger sowie ­absolut unverbaubarer Lage ist in nur 1.5 Kilometer Entfernung vom Monaco Beach-Club eine exklusive Seltenheit. Umgeben von edlen, handverlesenen und naturnahen Materialien, verbunden mit Schweizer Qualitätsansprüchen, erfüllen diese Wohnobjekte in Roquebrune-Cap-Martin alle Wünsche an einen gehobenen Lebensstandard. Autor_Omar Dewji Bilder_STUDIO f, F-06300 Nice

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Sie ist eine der bevorzugtesten Gemeinden in ganz Frankreich und insbesondere an der Côte d’Azur: Roquebrune-Cap-Martin ist eingebettet zwischen den französischen Seealpen und bietet eine einmalige Aussicht auf den türkisblauen «Golfe Bleu» zwischen Cap Martin und dem Cap Roquebrune. Dieser Aussicht werden die zwei durch einen lokalen französischen Architekten unter Schweizer Anweisung separat gebauten Villen «Le Ramingao» in dieser einzigartigen Wohnregion gerecht. Die erste freistehende Privat-Villa mit über 570 Quadratmeter Wohn- und Lebensraum ist verteilt auf drei Etagen plus eigenem Infinity-Pool von 45 Quadratmeter Grösse und einem zusätzlichen Dachgeschoss mit Parkplätzen für sieben Fahrzeuge. In der zweiten freistehenden Villa befinden sich einerseits ein separates Appartement mit über 250 Quadratmeter Wohn- und Lebensraum plus drei Parkplätze auf dem Dachgeschoss und anderseits eine Duplex-Wohnung mit total über 420 Quadratmeter mit eigenem Infinity-Pool

sowie vier grosszügige Parkplätze auf dem Dachgeschoss. Die Auswahl der Materialien und die hohen Anforderungen des Schweizer Bauherrn mit grosser Expertise im Bau von Luxusresidenzen lassen keine Wünsche offen und lassen Sie tagtäglich am Leben erfreuen. State of the Art Security-Systeme wie zum Beispiel Fensterfronten aus Sicherheitsglas oder Kameraüberwachung sind die allerbeste Prävention gegen eine Störung durch ungebetene Gäste. Die Objekte werden ohne Zwischenhändler oder Makler direkt vom Schweizer Bauherrn zu fairen Marktbedingungen angeboten. Daher steht bei den zukünftigen Besitzern nicht ausschliesslich deren Kaufkraft im Vordergrund, und es wird stark auf eine adäquate Abstimmung einer in sich passenden Käuferschaft geachtet. Die Fertigstellung im Sommer 2020 bietet Raum und die Möglichkeit für individuelle Ausbauwünsche. WWW.VILLARAMINGAO.CH

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Blühende Rosen und vergoldete Blätter zieren dieses Villari-Tablett für einen botanischen Look. Das aus Messing und Porzellan gefertigte Design ist in Gold gehalten und eignet sich perfekt für die Präsentation von Dekorationsgegen­ ständen sowie zum Servieren von Nachmittagstee oder Abendessen.

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© L'Apogée - Oetker Collection

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195 © L'Apogée - Oetker Collection

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© Courchevel Tourisme - Patrice Mestari

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COURCHEVEL À LA CARTE – Autor_Thomas Hauer

ZUSAMMEN MIT MÉRIBEL UND VAL THORENS BILDET COURCHEVEL DAS ZENTRUM DER LEGENDÄREN TROIS VALLÉES IM DÉPARTEMENT SAVOIE – DER MIT MEHR ALS 600 PISTEN­ KILOMETERN UND ÜBER 180 LIFTANLAGEN GRÖSSTEN ZUSAMMENHÄNGENDEN SKIARENA DER WELT. DOCH AUCH FÜR GOURMETS IST DAS MONDÄNE «SAINT-TROPEZ DER ALPEN» MIT ALLEINE SIEBEN STERNERESTAURANTS EIN LOHNENDES ZIEL.

Spitzenküche im Herzen der französischen Alpen

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© Cheval Blanc, Restaurant Le 1947

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Schliesslich hat das am Reissbrett entstandene Luxusresort vor der atemberaubenden Kulisse des Mont Blanc und der Grande Casse, angelegt nach Entwürfen des in seiner Heimat höchst umstrittenen Architekten und Stadtplaners Laurent Chappis, mit seinen heute sechs Ortsteilen – der exklusivste und teuerste davon Courchevel 1850 – mehr als 120 Restaurants zu bieten. Von der urigen Fonduestube bis zum Drei-Sterne-Restaurant. Die erste Adresse von Courchevel – zumindest kulinarisch – ist das 2008 eröffnete «Le 1947» unter der Ägide von Küchenlegende Yannick Alléno. Standesgemäss residiert es im vielleicht besten Haus am Platz, dem zur LVMH-Gruppe zählenden Ultra-Luxus-­ Hotel «Cheval Blanc». Wer es sich leisten kann, in den grade mal 36 traumhaften Zimmern und Suiten abzusteigen – alle bis ins kleinste Detail durchgestylte Unikate –, hat es geschafft. Benannt nach dem seit Menschengedenken grössten Jahrgang des gleichnamigen Ausnahme-Bordeaux aus Saint-Émilion verwöhnt Küchenchef Gérard Barbin – während des Sommers rechte Hand und Executive Souschef in Allénos Pariser Drei-Sterne-­ Gourmettempel «Pavillon Ledoyen» – im «Le 1947» Feinschmecker mit exklusiven Gaumenfreuden auf Weltklasseniveau. Dabei gelingt der Küche Saison um Saison ein ebenso beeindruckender wie stimmiger Spagat zwischen kulinarischer Avantgarde und Wohlfühlküche mit lokalen Bezügen. Natürlich können Gäste des «Le 1947» den Mythen-umrankten Jahrhundertwein auf Wunsch auch als exklusiven Menübegleiter wählen. Allerdings belastet eine Magnumflasche des kostbaren Elixiers das Genussbudget mit atemberaubenden 127’000 Euro. Aber hey – schliesslich sind wir in Courchevel. Über Geld spricht man hier nicht, man hat es. Und zur Not lässt sich Cheval Blanc im «Le 1947» dank Coravin Winesaver auch glasweise ordern. Oder man entscheidet sich schlicht für eine

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© Cheval Blanc, Restaurant Le 1947

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©Cheval Blanc – Jean-Christophe, Studio Bergoend

Im «Le 1947» werden die Kreationen von Küchenchef Gérard Barbin wie essbare Stillleben in Szene gesetzt.

Das legendäre 3-SterneRestaurant unter Patronage von Starchef Yannick Alléno liegt am Ende eines minimalistischen Korridors, der die Gäste auf die unverwechselbare Handschrift des Meisters einstimmt.

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© Cheval Blanc – F. Nannini

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Flasche aus einem der weniger prestigeträchtigen Jahrgänge. Die gibt es schon zum Preis eines gebrauchten Kleinwagens. Dabei haben noch vor 60 Jahren während der kurzen, hochalpinen Sommer an den steilen Hängen rund um Courchevel allenfalls ein paar Schafe gegrast. Aber mit dem mittlerweile in zahlreichen Ski-Resorts rund um den Globus kopierten Konzept des Ski in / Ski out, das heisst mit Hotels, die direkt an die Pisten gebaut wurden, und einem belebten Zentrum, an dem sich die wichtigsten Loipen kreuzen, entwickelte sich Courchevel innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem der schillerndsten Wintersportorte der Welt. Den endgültigen Durchbruch brachte dann die Winter­ olympiade 1992 im nahe gelegenen Albertville. Rund 45 Hotels – darunter nicht weniger als 20 Fünf-Sterne-­ Herbergen, von denen sich drei, wie auch das «Cheval Blanc», mit dem prestigeträchtigen Label «Palace» schmücken dürfen, hat der Ort heute zu bieten. Darüber hinaus unzählige Luxus-Chalets. Doch zurück ins «Le 1947», über dem seit 2017 drei Michelin-­ Sterne leuchten und das im Gault Millau parallel dazu mit der Traumnote von 19,5 Punkten geführt wird. Damit also höchste kulinarische Weihen geniesst. Das minimalistische Setting des Restaurants, das maximal 22 Gästen Platz bietet, trägt die Handschrift von Frankreichs Interior-Design-Ikone Sybille de Margerie und wirkt wie eine ins «Star Trek»-Zeitalter gebeamte Filmkulisse aus einem 60er-JahreJames-Bond-Streifen à la «Goldfinger». (Apropos James Bond – auf dem spektakulären Altiport von Courchevel mit seinem grade mal 537 Meter langen, steil abfallenden Runway wurden tatsächlich schon Action-Szenen für die Bondfilme «Tomorrow never dies» und «Golden Eye» gedreht.) In der offenen Küche wuseln dabei fast so viele Köche, wie Gäste an den sechs weissen, mit feinstem Leder

bespannten Tischen Platz finden, die unter kleinen Kuppeln arrangiert sind, sodass fast eine Art Kokon-Feeling entsteht. Beim Betreten des Restaurants lädt Chef Barbin seine Gäste zunächst zu einem kleinen Küchenrundgang ein und präsentiert dabei, nicht ohne Stolz, den mit Holzkohle befeuerten Grill, zieht aus versteckten Kabinetten Einmachgläser hervor und lässt neugierige Feinschmecker an fermentiertem Waldboden, in der Umgebung gesammelten Wildkräutern, in Bienenwachs konservierten Trüffeln oder in Essig eingelegten Tannenspitzen schnuppern. Auf dem gewaltigen Herd köchelt derweil in einem Kupfer-gefassten Granittopf eine herrlich duftende Gemüsesuppe. Ein fast schon familiäres Ambiente. Typisch für ein Restaurant, das die unverkennbare Handschrift von Yannick Alléno trägt, steht im Mittelpunkt des Menüs der ansonsten im Vergleich zu Vorspeisen und Zwischengerichten oft eher stiefmütterlich behandelte Hauptgang. Das heisst, Gäste werden gebeten, zunächst ihre «plats de résistance» zu wählen, der Rest des Menüs wird dann quasi darum herum komponiert. Extrawünsche? Kein Problem. Das Wörtchen «Nein» bekommen Gäste in Courchevel ohnehin nur selten zu hören. Wir probieren neben Barbins Signature-Gericht – gedämpften Jacobsmuscheln, je nach Saison mit Kaviar oder schwarzen Trüffeln und einer himmlisch leichten bayrischen Creme kombiniert – unter anderem butterzartes Aveyron-Milchlamm mit einer hocharomatischen, ebenfalls mit Trüffeln verfeinerten «Sauce Moderne» und kandierten Zwiebeln, sowie saftigen, über Holzkohle gegrillten Hummer mit leichter Rauchnote, begleitet von einem intensiven Krustentierjus und Basilikum. Schliesslich ist der Meister ja nicht zuletzt für seine aromengewaltigen Saucen – die er selbst lieber als Extrakte bezeichnet – berühmt.

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Deutlich bodenständiger, aber nicht minder hervorragend wird dagegen im mit einem Michelin-Stern bewerteten Restaurant «Le Farçon» unter der Patronage von Küchenchef Julien Machet, der die Liebe zum Kochen von seiner Grossmutter geerbt hat, im besonders bei britischen Wintersporturlaubern beliebten Ortsteil La Tania aufgekocht. Das kleine Lokal, das in einem von aussen eher anonym wirkenden Gebäudekomplex im Zentrum untergebracht ist, besticht mit einer von regionalen Zutaten inspirierten Aromenküche auf höchstem Niveau. Hier stehen allerdings nicht Luxusprodukte im Mittelpunkt, sondern Machets Fokus liegt auf perfekt ausbalancierten Tellerkunstwerken. Und das ist durchaus wörtlich zu verstehen. Besonders gerne experimentiert der Küchenchef mit Heu, das er für alle möglichen Kreationen einsetzt – vom Aperitif, verfeinert mit hausgemachtem Heusirup, bis zum Dessert. Die dazu offen ausgeschenkten Weine aus der Region Savoyen beweisen eindrucksvoll, dass es nicht immer die ganz grossen Etiketten sein müssen – im Gegenteil. Der elegante, fruchtbetonte Pinot Noir des Weinguts Ravier präsentiert sich zum Beispiel als geradezu perfekter Begleiter eines saftigen Kalbsfilets mit feinen Röstzwiebeln. Apropos Geheimtipps. Von denen hat auch Marina Silina jede Menge auf Lager. Die gebürtige Russin, die es vor vielen Jahren nach Courchevel verschlagen hat, gebietet über den vielleicht kleinsten Weinladen der Welt – «Les Perles du Palais». Auf gerade mal 13 Quadratmetern offeriert Marina in der Rue de la Croisette ihren Kunden handverlesene Tropfen, darunter zahlreiche Bio-Weine, sowie charakterstarke spontan vergorene Kreszenzen, sprich Orange-Wein. Dass Marina, bevor sie ihre Liebe zum Rebensaft entdeckte, mit Trouvaillen ganz anderer Art Handel getrieben hat, verraten heute nur noch die beiden eindrucksvollen lupenreinen Brillanten, die an ihren Ohrläppchen blitzen. Längst geniesst ihr winziger Laden Kultstatus und gilt vielen Courchevel-­ Fans als Institution. Manche ihrer wohlhabenden Kunden geben Marina zum Saisonauftakt gar eine Carte blanche und überlassen ihr vertrauensvoll die Aufgabe, den heimischen Weinkeller im privaten Chalet für den Winter neu aufzufüllen. Nur einen Steinwurf entfernt in der Rue des Verdons betreibt Antoine Petitcolas mit seiner Weinboutique «Le Baricou» das Gegenstück zu Marinas Weinkabinett, denn Antoines Spezialität sind Grossflaschen der Spitzenweingüter aus Bordeaux sowie exklusive Burgunder und handverlesene Champagner, die, selbst wenn man über ein entsprechendes Budget verfügt, nur schwer aufzutreiben sind. Und auch wenn Antoine zahlreiche Flaschen mit vierstelligem Preisschild im Portfolio führt, wirkt sein Laden ebenso bescheiden und bodenständig wie der von Marina. Diese durchaus sympathische Mischung aus Bodenständigkeit und Luxus ist auch für viele Hotels in Courchevel typisch. Kaum ein Haus hat mehr als 40 oder 50 Zimmer, die meisten sind im Chalet-Stil erbaut. Deshalb hebt sich Courchevel auch wohltuend von vielen anderen Retortenresorts der französischen Alpen mit ihren Betonbettenburgen ab. Trotzdem gibt es leider, anders als in den frühen Jahren, zunehmend weniger familiengeführte Hotels – eines der letzten ist das Fünf-Sterne-Haus «Annapurna», das von der Schwester von Skilegende Alexis ­­Pinturault geleitet wird. Grossgeschieben wird in allen Häusern dabei vor allem das Thema Service. Kein Kundenwunsch bleibt unerfüllt, die Gast/Mitarbeiter-Ratio ist für europäische Verhältnisse atemberaubend, ja erinnert eher an Asien, was in Verbindung mit der Tatsache, dass Courchevel im Sommer faktisch eine

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Geisterstadt ist, der komplette Jahresumsatz also in der nur vier Monate dauernden Wintersaison gemacht werden muss, dazu führt, dass der Ort zu den teuersten Destinationen der Welt zählt. Es gibt zwar auch günstigere Adressen, aber ein reguläres Doppelzimmer in einem Fünf-Sterne-Resort in Courchevel 1850 kann locker mit 1000 Euro pro Nacht zu Buche schlagen. Nach oben gibt es ohnehin keine Grenzen. Zu den schönsten Hotels in Courchevel zählen, neben dem «Cheval Blanc», das zur Oetker-Collection zählende «L’Apogée» und das «Aman Le Mélézin». Gleichzeitig wetteifern die beiden Luxushotels kulinarisch um das beste japanische Restaurant des Wintersportparadieses. Während man im schicken «Koori» – Japanisch für «Eis» – des «L’Apogée» unter der Federführung von Jean-Luc Lefrançois dabei eher auf Fusionküche setzt, bietet das minimalistische «Nama», was auf Japanisch so viel wie «roh» bedeutet, authentische Washoku-Küche, deren Ziel es ist, die jeweilige Essenz der verwendeten Zutaten herauszukitzeln und für eine vollendete Harmonie von Präsentation und Aromen zu sorgen. Einen Besuch wert sind beide. Guten Appetit!

VON DER URIGEN FONDUESTUBE BIS ZUM DREI-STERNERESTAURANT


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© L'Apogée –  Oetker Collection

Asian Fusion ist der Schwerpunkt im stylishen Restaurant «Koori» des «LʼApogéé», Teil der luxuriösen Oetker Collection. Bekannt ist es vor allem für exklusive Sushikreationen mit modernem Touch, die man auch direkt an der Bar geniessen kann.

© Aman Le Mélézin – w ww.aman.com

Im Restaurant «Nama» des «Aman Le Mélézin» erwartet Gäste dagegen authentisch japanische Washoku-Küche, die für die vollendete Harmonie ihrer Aromen berühmt ist.

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© L'Apogée – Oetker Collection

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Tipps Reiseziel Gemeinsam mit Méribel und Val Thorens bildet Courchevel das grösste zusammenhängende Skigebiet der Welt – Les Trois Vallées – und lockt Feinschmecker mit unzähligen Gourmetadressen, darunter alleine 7 Sternerestaurants mit insgesamt 12 Michelin-Sternen. Reisezeit Die Skisaison dauert von Mitte Dezember bis Anfang April. Anreise Mit dem Auto via Genf Richtung Albertville und weiter nach Courchevel oder mit dem Zug über Genf nach Moûtiers und weiter per Taxi oder Shuttle. Die nächstgelegenen internationalen Flughäfen sind Genf und Lyon, ausserdem gibt es in Courchevel einen Flugplatz für kleine Privatmaschinen und Helikopter – mit 2006 Metern über dem Meer einer der höchstgelegenen und schwierigsten Runways Europas. Informationen www.courchevel.com oder über Atout France – Französische Zentrale für Tourismus unter de.france.fr Hotel-Tipps Cheval Blanc (5*-Palace) – stylishe Ultra-Luxus-Herberge betrieben von LVMH – www.chevalblanc.com/en/maison/courchevel LʼApogée (5*) – schillerndes Kronjuwel im exklusiven Hotelportfolio der Oetker-Collection www.oetkercollection.com/hotels/lapogee-courchevel Aman Le Mélézin (5*) – minimalistischer Luxus mit japanischem Touch www.aman.com/melezin Annapurna (5*) – familiär geführtes Haus im Besitz der Familie von Skilegende Alexis Pinturault www.annapurna-courchevel.com Restaurant-Tipps Le 1947 by Yannick Alléno (3*) im Hotel Cheval Blanc Le Farçon (1*) – www.lefarcon.fr Koori im Hotel LʼApogée Nama im Aman Le Mélézin

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EIN SURREALIST DINNER VON CHARLES KAISIN IST, ALS OB MAN WIE ALICE IM WUNDERLAND DURCH EIN KANINCHENLOCH IN EINE WUNDERWELT STOLPERTE, IN DER ALLES GANZ ANDERS, BUNTER, AUFREGENDER UND UNTERHALTSAMER IST ALS IM RICHTIGEN LEBEN. Autorin_Stephanie Steinmann Bild_Tobias Stahel

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«Als ich in Paris studierte, lebte ich ein Jahr lang bei der Eigentümerfamilie von Hermès. Ich wollte mich bei ihnen dafür bedanken, also organisierte ich ein Abendessen. Das war mein erstes Surrealist Dinner», erzählt der belgische Künstler, Architekt und Designer Charles Kaisin von seinen Anfängen. Heute zieht er mit seinen magischen Dinner-Performances für Luxusmarken wie Cartier, Hermès oder Rolls-Royce weltweit Menschen in seinen Bann. Sein erstes Happening in Zürich inszenierte er vor versammelter Live-Communications-Szene Ende Oktober für die Halle 550. Ab Oktober 2020 wird dieses Industriedenkmal von der Genossenschaft Migros Zürich als Event- und Kulturhalle betrieben. Charles Kaisins Veranstaltungen sind viel mehr als nur ein kulinarisches und visuelles Feuerwerk: Im Palazzo Vecchio in Florenz hatte Charles Kaisin ein Abendessen für einen Geschäftsmann und seine Freunde organisiert. Alle Stühle waren mit Basilikum parfümiert worden, in Anlehnung an eine Passage aus Boccaccios «Decamerone». Im Casino Monte-Carlo wurden Albert de Monaco und seine Gäste an riesigen Tischfussball- und Roulette-Tischen mit als Spielkarten eingekleideten Kellnerinnen und Kellnern empfangen, und in Basel installierte Charles Kaisin für die Gäste der belgischen Marke Ice-Watch ein aufblasbares Schloss in einer Kirche.

«ANYTHING GOES»

Für das Surrealist Dinner in Zürich nahm sich Charles Kaisin des Slogans der Halle 550 «anything goes» an. Die Halle 550 wird im Herbst 2020 als modernste Eventplattform der Schweiz eröffnet. Kernstück ist ein flexibles Raumkonzept. Bereiche lassen sich einzeln oder kombiniert bespielen. Dazu kommen modernste Technik, Gastronomieflächen und Services, die heute in der Schweiz in der geplanten Form noch nicht angeboten werden. «Anything goes» – Charles Kaisin nimmt die Zürcher Gäste mit auf eine Reise, die an einer riesigen, schwarz eingekleideten Tafel, kunstvoll dekoriert in Orange, beginnt. Kellnerinnen und Kellner, kostümiert als Gärtner, goldene Zeitreisende aus einer anderen Galaxie oder als «Men in Black» aus der Vergangenheit: Alle drei oder vier Minuten passiert etwas am Tisch. Jedes Detail ist durchdacht und enthält Verweise auf Literatur, Kunst, Geschichte, Mode, Oper und Musik. Es ist in der Tat schwierig, im Moment alle Nuancen zu erfassen und die Hinweise zu entschlüsseln, und man hat gar keine andere Wahl, als einfach in diese phantastische Welt einzutauchen. An der langen Tafel ist man nicht nur Gast, sondern fühlt sich als Teil des Geschehens. Und weil das Surrealist Dinner mit der Vielzahl an Referenzen so komplex ist, dass es unmöglich ist, sie noch am selben Abend in ihrer Gesamtheit zu erfassen, erhält jeder Gast eine handgefertigte Broschüre zum Happening, sowohl als Andenken als auch zur Erläuterung der Dinner-Performance.

EIN TISCH IST EIN TISCH

Im Namen der «Erfinderin des kulinarischen Surrealismus», der Fotografin Lee Miller, die Schneebälle in ihrem Eisfach lagerte, falls ihre Gäste Lust auf eine Schneeballschlacht hätten, wird nach dem Hauptgang die Tafel zum Racetrack für einen ModellCitroën-2CV. Auf seinem Dach trägt er ein Plateau mit dem Käsegang und erweckt von oben betrachtet den Anschein von Käseprali-

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nen auf Rädern. «Glaube nie, was du siehst», so die Botschaft von Charles Kaisin. Ein paar Minuten später wird das Tischtuch durch einen Reissverschluss in der Mitte geöffnet, sodass es auf beiden Seiten zu Boden gleitet. Der Tisch wird aufgeklappt und legt einen unglaublichen Schatz an riesigen Duplo-Legosteinen in schönen Farben frei. Wer macht daraus den höchsten Turm? An der Tafel werden alle Sinne einbezogen. «Für jedes Surrealist Dinner entwickeln wir ein Szenario von hundert Seiten», so Charles Kaisin. «Bei zweihundert Gästen benötigen wir vor Ort ein Team von bis zu vierhundert Personen, darunter Friseurinnen, Maskenbildner, Tänzerinnen sowie Kellner. Das Orchestrieren eines Surrealist Dinner erfordert eine Vorbereitungszeit von bis zu sechs Monaten. Ob es sich um hundert oder sechshundert Gäste handelt, die Designarbeit bleibt dieselbe», erklärt Charles Kaisin seine Vorgehensweise. Wer ihn buchen möchte: Die Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit sind immer die gleichen: ein Sternekoch. Ein aussergewöhnlicher Ort. Ein zentrales Thema. Eine Kellnerin oder einen Kellner für zwei Gäste. Und mit jedem Gericht ein neues Outfit für den Service. Seine Rolle als Organisator der Surrealist Dinner vergleicht Charles Kaisin mit derjenigen eines Opernregisseurs. «Ich höre genau zu, was meine Kunden wollen. Aber ich möchte eine Carte blanche. Sie würden einen Künstler auch nicht fragen, ob er nicht das Gemälde auch in einer anderen Farbe hat!», so Charles Kaisin, der von Mark Straehl, und dessen KomVent GmbH, vertreten wird.

ZUSAMMENARBEIT MIT STERNEKOCH ANDY ZAUGG UND ROLF MÜRNER

Andy Zaugg, der als Sternekoch, Caterer und Sensoriker über die perfekten Voraussetzungen für die kulinarische Umsetzung des Surrealist Dinner verfügte, legte den Fokus auf Zutaten aus der Schweiz. Das Herbstthema der Vorspeise setzte er mit Kürbissen um, die ganz serviert wurden und mit Waldpilzen, Wachtelei, Chasselas-Trauben aus Yvorne und Trüffeln aus den Wäldern von Solothurn gefüllt waren. Die Suppe aus Chasselas, Schnittlauchpüree und geräucherten Paprika wurde in runden Glaskolben, wie man sie aus dem Chemielabor kennt, aufgetragen. Der Hauptgang bestand aus einer Deklination von Swiss Shrimps mit Oona Caviar aus dem Tropenhaus Fruttigen auf Risotto, Tomate confite und Pesto. Er wurde auf einen drehbaren Untersatz gestellt, war zu Beginn noch unter einem Bowler versteckt und überzeugte durch seine grosse Harmonie der Aromen und Konsistenzen. Mutig und delikat zugleich: eine Jersey-Blue-Praline mit gerösteten Haselnüssen auf einem Sablé mit einem Jelly aus Aargauer Portwein von Susi Steiger-Wehrli, die diesen Herbst von GaultMillau ausgezeichnet wurde. «Das Surrealist Dinner war für mich persönlich mehr als ein Catering an einem kulinarischen Grossevent. Es war eine Erfahrung, die auch dank der Kreativität von Charles Kaisin, der spektakulären Halle 550 und der intensiven Zusammenarbeit mit Mark Straehl einzigartig war», so Andy Zaugg. Das Dessert kam von Rolf Mürner, Pâtissier-Weltmeister, und stiess auf grosse Begeisterung. Gut behütet unter einer goldenen Confiserie-Verpackung, die im nächsten Moment von goldenen Ballonen wie von Zauberhand getragen dem Deckenhimmel der Halle 550 entgegenschwebte, verbarg sich ein Traum aus Piura-Porcelana-Schokolade, Cassis, Passionsfrucht, Oliven und Birne.


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Maison Belle Époque Willkommen in der Welt von Perrier-Jouët Autorin_Swenja Willms Bilder_Perrier-Jouët

«BELLE ÉPOQUE», ALSO DIE ZEIT DES GROSSEN AUFSCHWUNGS VON WISSENSCHAFT, KUNST UND KULTUR VOR DEM AUSBRUCH DES ERSTEN WELTKRIEGES. DER NAME IST PROGRAMM. INNERHALB DIESER VIER MAUERN DER MAISON BELLE ÉPOQUE ENTFALTET SICH DIE GESCHICHTE ZWEIER HÄUSER. DIE GESCHICHTE VON MAISON PERRIER-JOUËT, GEGRÜNDET 1811 DURCH DIE HEIRAT VON PIERRE-NICOLAS PERRIER UND ROSE-ADÉLAÏDE JOUËT, DIE IHRE LEIDENSCHAFT FÜR KUNST UND NATUR VEREINTEN IN EINER EINZIGARTIGEN VISION VON CHAMPAGNER. DIE MAISON BELLE ÉPOQUE IST HEUTE DER LEBENDIGE AUSDRUCK NICHT NUR VON MAISON PERRIER-­ JOUËTS 200-JÄHRIGEM ERBE, SONDERN AUCH VON DEREN DAUERHAFTER PHILOSOPHIE. Der Shuttle hält mitten in einem idyllischen französischen Ort. Lustig, denn ausnahmslos jeder, der Teil dieser Pressereise ist, hat mit einer Maison mitten auf dem Land, der friedlichen Champagne, gerechnet. Tatsächlich aber steht die Maison Belle Époque mitten im Städtchen Épernay, und zwar – wie könnte es auch anders sein – an der Avenue de Champagne. Hier reihen sich die prestigeträchtigsten Champagnerhäuser Frankreichs aneinander – 35 insgesamt. Darunter auch die Produktionsstätte und das ehemalige Eigenheim der Gründer von Perrier-Jouët.

Die Nachfolge ist geregelt: Auf Hervé Deschamps folgt Séverine Frerson als erste von Perrier-Jouët ernannte weibliche Kellermeisterin.

HARMONISCHES ENSEMBLE Die Maison Belle Époque vereint die grössten Namen des Jugendstils. Einst lebten hier Pierre-Nicolas Perrier und Rose-Adélaïde Jouët, doch heute ist es weitaus mehr als ein Zuhause. Seit 1990 hat es sich dank eines Projekts von Pierre Ernst, dem derzeitigen CEO von Perrier-Jouët, in ein bezauberndes Gästehaus verwandelt: Die Maison Belle Époque bietet ein fantastisches Erlebnis, eine Reise in die Ästhetik und Poesie des Jugendstils. Für den Erwerb und die Restaurierung der Möbel und Ziergegenstände, die sich heute an diesem Ort befinden, waren ganze acht Jahre erforderlich. Mit über 200 Arbeiten und Einzelstücken, die von herausragenden Jugendstilkünstlern wie Louis Majorelle, Hector Guimard, René Lalique und Auguste Rodin geschaffen wurden, verströmt dieser Ort einen ganz besonderen Zauber. Das Haus beherbergt die grösste private Sammlung des französischen Ju-

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gendstils in Europa und aussergewöhnliche Exponate der führenden Vertreter der Bewegung. Selbst im 13 Kilometer langen Kellerlabyrinth verstecken sich Kunstwerke, die den Besucher in Staunen versetzen. Hier, circa elf Meter unter der Erdoberfläche, reihen sich die gelagerten Champagnerflaschen aneinander. Neben Cuvées, die im Standardsortiment zu finden sind, lagern hier auch jahrzehntealte Champagner. Kalt und feucht ist es, so tief unter der Erde. Und dunkel. Was bei den meisten Besuchern ein wenig Unbehaglichkeit auslöst, ist für Hervé Deschamps pure Gewohnheit. Als Kellermeister von Perrier-Jouët verbringt Deschamps täglich seine Zeit hier in der Dunkelheit. Bemerkenswerterweise hatte Maison Perrier-Jouët nur sieben Kellermeister seit der Gründung, die mehr als zwei Jahrhunderte zurückliegt. Dieser aussergewöhnliche Grad an Kontinuität ermöglicht es, beispielloses Fachwissen zu erwerben und die Quintessenz von Chardonnay zu enthüllen. 1993 wurde Hervé Deschamps zum siebten Kellermeister von Perrier-Jouët ernannt. Seitdem ist er verantwortlich für die Herstellung der gesamten Perrier-Jouët-Sammlung, einschliesslich Perrier-Jouët Grand Brut, Perrier-Jouët Blason Rosé und der legendären Perrier-Jouët Belle Époque, Perrier-Jouët Belle Époque Rosé und Perrier-Jouët Belle Époque Blanc de Blancs-Cuvées. Das Mischen von verschiedenen Weinen betrachtet er als kreativen Prozess: «Ich gehe direkt zur Mischung, ganz wie ein Künstler, der auf eine unerklärliche Verschmelzung von Intuition, Sensibilität und Können vertraut.» SCHLÜSSELÜBERGABE Nach mehr als 20 Jahren übergibt Hérve Deschamps nun sein Amt an Séverine Frerson, die erste Frau als Kellermeister nach Rose-­ Adélaïde Jouët. Druck lastet auf der Nachfolgerin aber keiner: «Für mich ist es keine Belastung, sondern eine grosse Ehre, diese Arbeit auszuführen. Rose-Adélaïde war eine beeindruckende Frau, und ich werde immer zu ihr aufschauen. Neben ihrer berührenden Liebesgeschichte mit Pierre-Nicolas war Rose-Adélaïde Jouët eine eigenständige Frau mit Charakter – genau wie ich. Sie war eine grosse Inspirationsquelle, nicht nur als Frau, sondern auch als erste Kellermeisterin von Perrier-Jouët», so Frerson. Die Wahl der neuen Kellermeisterin wurde von Hervé Deschamps höchstpersönlich getroffen. Ein besonderer Faktor spielte dabei die tragende Rolle, wie Deschamps erläutert: «Ich habe mich gerade deshalb für Séverine als meine Nachfolgerin entschieden, weil wir, was Geschmack und Intuition angeht, auf einer Wellenlänge sind. Wir vertreten die gleichen Werte. Beim Wein ist das nicht anders als beispielsweise bei Autoliebhabern. Die einen mögen Peugeot, die anderen Mercedes.» Die Übergabe des Amtes von Hervé Deschamps an Séverine Frerson dauert volle zwei Jahre. Eine lange Zeitspanne, um zu garantieren, dass Tradition, Geschichte, Wissen und Können akkurat übergeben werden. «Die wichtigste Zeit in diesen zwei Jahren sind die jeweiligen Ernten. Die Ernte der Trauben auf unseren Rebbergen ist nur einmal im Jahr, nämlich im Herbst. In dieser Zeit ist am meisten Wissen und Können gefragt. Zwischen den Ernten haben wir Zeit für neue Kreationen», betont Frerson. Und mitten in den Rebbergen stehen wir tags darauf und verkosten die Trauben der Sorte «Blanc de Blancs». Die Ernte wird von Hand vollzogen und anschliessend zur Presse in die benachbarten Weingüter transportiert. Hier, beim Ursprung des Champagners, endet unsere Reise, und zwar genau auf die Art, wie sie begonnen hat: mit einem Glas Champagner.

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DIE MAISON BELLE ÉPOQUE BIETET EIN FANTASTISCHES ERLEBNIS, EINE REISE IN DIE ÄSTHETIK UND POESIE DES JUGENDSTILS

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GRUSS AUS DER STERNEKÜCHE:

Autor_Andy Zaugg Bild_José R. Martinez

Nicht umsonst haben viele Spitzenköche die Garnele von ihrer Speisekarte verbannt. Der Ruf der Produktion in Asien und die Qualität liessen zu wünschen übrig. Heute aber werden ganz neue landwirtschaftliche Formen entwickelt. Sie bringen die Produktion näher zu den Konsumenten und garantieren somit Frische. Die CrevettenZucht hat auf dem Gelände der Saline Riburg in Rheinfelden ihr Zuhause gefunden. Die Wärme für die Salzwasserbecken stammt aus Abwärme der Schweizer Salinen, und von dort wird auch das Salz für die Wassermischung bezogen. Dadurch verbinden Swiss Shrimps höchste Qualität mit Innovation und Nachhaltigkeit. Das ist schon mal sehr gut. Schlussendlich sind es aber die Menschen, die den Unterschied machen, und ich bewundere die Jungunternehmer von Swiss Shrimps für ihren Mut und ihre Standhaftigkeit. Sie haben ihre Vision der Schweizer Crevette erfolgreich umgesetzt. Es gilt zu hoffen, dass nicht nur die «Blauen», sondern auch der Pioniergeist der Jungunternehmer Schule machen.

Die besten Crevetten kommen aus dem Wildfang? Nicht falsch, aber auch nicht die einzige Wahrheit! Seit einigen Jahren liefern europäische Aquakulturen tolle Ergebnisse. Bereits im Testbetrieb konnte ich die ersten «Swiss Shrimps» kosten. Heute werden sie in Rheinfelden in artgerechter Haltung ohne Einsatz von Antibiotika gezüchtet. Gefischt werden sie nur auf Bestellung. Als Erstes fällt bei den «Swiss Shrimps» ihre blau-graue Farbe auf. Sie sind durchscheinend, fest, elastisch und knackig-zart. Nichts zu wünschen übrig lässt auch das süsslich-frische Garnelenaroma. Ich gebe ihnen ein «Sehr gut» im Aussehen, Geruch, in der Konsistenz und im Mundgefühl. Privat und bei meinen Caterings serviere ich sie am liebsten sautiert. So zubereitet wird ihre delikate Süsse noch verstärkt. Mit der Hitze wechseln die Swiss Shrimps, die vor 24 Stunden noch im Salzwasser schwammen, ihre Farbe. Aus dem schimmernden Grau-Blau wird Orange. Aber eigentlich muss man sie gar nicht braten. Mit ihrer Sashimi-Qualität schmecken sie auch roh vorzüglich.

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Allez les Bleus!

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Autorin_Helena Ugrenovic Bilder_Gerbeaud Gastronomy Ltd

DIE STERNE VON BUDAPEST

Es ist ein Kleinod neobarocker Ästhetik. Ein Tempel der Haute Cuisine, in dem Kulinarik kunstvoll zu Gemälden arrangiert wird, die Gaumen und Sinne gleichermassen verführen. Überreicht von einer Crew, die man am liebsten einpacken und nach Hause nehmen will, um sich täglich betüdeln zu lassen. Onyx Budapest. Im Herzen der Stadt und Ungarns einziges Restaurant, an dem zwei MichelinSterne strahlen. 215

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ES

Es ist ein verhältnismässig kleines Restaurant mit 55 Sitzplätzen, das gerade dadurch für eine angenehm intime Atmosphäre sorgt. Tür an Tür mit dem legendären Café Gerbeaud am Vörösmarty-­ Platz. Dunkle Tapeten mit opulenten Ornamenten, riesige Glastafeln, hohe Decken, majestätisch imposante Sessel, neobarock, kombiniert mit modernem Design sprechen die gleiche Sprache wie die Küche des «Onyx», das Tradition mit Innovation verbindet. DER STERNEFLÜSTERER Den ersten Michelin-Stern schnappt sich das «Onyx» 2016 unter der kulinarischen Leitung von Szabina Szullo und Tamás Széll. Drei Jahre später leuchtet der zweite Michelin-Stern unter Gourmet-­Meister Ádám Mészáros. Ein Meister seines Fachs, der bereits mit 10 Jahren den Wunsch verspürt, Koch zu werden. Vielleicht liegt es daran, dass er den grössten Teil seiner Jugend mit seiner Mutter beim Kochen verbringt. 2002 besucht er die Sekundarschule und schreibt sich später in die Berufsschule für Gastgewerbe ein und studiert Kochkunst, in der Hoffnung, seine Liebe zum Kochen als Beruf auszuüben. Als er 2006 sein Studium mit einer Fachausbildung beendet, arbeitet er drei Jahre lang in drei namhaften Restaurants in Budapest und lernt im «Trió», «Matteo» und «Costes» on the job technische Feinheiten und sehr viel über die kulinarische Industrie. Nach Abschluss seiner Fachausbildung arbeitet Mészáros 18 Monate lang bei «Costes», das im Frühjahr 2010 seinen ersten Michelin-Stern in der ungarischen Ausgabe des Guide Michelin erhält. Im August 2011 wird Mészáros eine Rolle in der Küche des mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten «Onyx» angeboten, und drei Jahre später wird er zum Chef de Partie befördert. Kurze Zeit später ist er als Sous-Chef die rechte Hand des Chefkochs, dem er in allen Belangen assistiert. Er erhält mehr Verantwortung sowie Freiheiten und beginnt, Gerichte für das renommierte Restaurant zu kreieren.

GRIFF NACH DEN STERNEN 2016 absolviert Ádám Mészáros ein Stage im Luxushotel und Gourmetrestaurant «Serge Vieira» in Frankreich. Der Maître arbeitet mit Leidenschaft an der Harmonie der Aromen und Erzeugnisse aus der Auvergne und gestaltet mit Herzblut seine Gerichte wie ein Designer, der er gerne gewesen wäre. Es ist der perfekte Ort und der Maître mit seinem Wissen und seiner Leidenschaft eine Art Vollendung für Ádám Mészáros. Nach seiner Rückkehr nach Budapest tritt er die Stelle des ausgeschiedenen Chefkochs im «Onyx» an. Nicht nur, dass er in seiner Spitzenposition die Topqualität des Restaurants hält, er verbessert sie noch, und unter seiner Leitung wird das «Onyx» mit dem zweiten Michelin-Stern ausgezeichnet. Es ist eine Premiere in Ungarn. DIE VERSCHMELZUNG VON TRADITION UND INNOVATION Die Philosophie des Restaurants ist es, einen hohen Standard an internationaler Qualitätsküche in Ungarn zu schaffen, indem Gäste der Tradition und Innovation durch das Essen begegnen können. So haben der Küchenchef und seine Crew sehr viel Energie darin investiert, die besten regionalen Zutaten zu erforschen und sie mit der neuesten Technologie und Kochkunst zu kombinieren. Das Ergebnis sind Gerichte, die innovativ, komplex und ein Gaumenfestival sondergleichen sind. «Onyx» hat zwei verschiedene 6-Gänge-Menüs kreiert, von denen eines auf heimische Produkte höchster Qualität setzt und das andere auf die Kreativität und Fantasie der Köche.

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Guide Michelin Es ist «die» internationale Referenz unter den Hotel- und Gastronomieführern, die im Jahr 1900 erstmals und in einer Auf lage von 35’000 Exemplaren in Frankreich erscheint. In Europa beschäftigt der Guide Michelin insgesamt 85 Kritiker, die für zwölf europäische Restaurant- und Hotelführer grenzüberschreitend eingesetzt werden. Die Bewertungskriterien sind die gleichbleibende Qualität der Zutaten und deren Frische, ihre fachgerechte Zube­ reitung, die Harmonie der geschmacklichen Verbindung sowie die Innovation und ­E inzigartigkeit der Gerichte, die sich in Kreativität und persönlicher Note widerspiegeln. Durchschnittlich werden alle 18 Monate 3800 Restaurants und 5000 Hotels besucht, diejenigen mit bereits einem Stern häufiger. In der deutschen Ausgabe des Führers wird die Bedeutung der Sterne so beschrieben: ein Stern: «Eine Küche voller Finesse – einen Stopp wert!», zwei Sterne: «Eine Spitzenküche – einen Umweg wert!», drei Sterne: «Eine ­e inzigartige Küche – eine Reise wert!» Städte mit den meisten Michelin-Sterne-Restaurants Obwohl der Ursprung in Frankreich liegt, belegt Paris unter den Top Ten und mit 141 Sterne-Restaurants den zweiten Platz, weggeputzt von Tokio, das seit Jahren und aktuell mit 308 Sterne-Restaurants den Spitzenplatz fest im Griff hat. Mit Kyoto auf Platz drei, Osaka auf Platz vier, Hongkong, Singapur und Shanghai auf den Plätzen sechs, neun und zehn dominiert Asien den Guide-Michelin-Sterne-Himmel. New York und San Francisco sind in den USA mit den Plätzen fünf und acht vertreten. Neben Paris schafft es London als zweite europäische Metropole und Platz sieben unter die Top Ten.

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SNACKIFICATION

EINE NEUE TRENDWELLE FÜR DAS JAHR 2020 ERFASST DIE KULINARIK. DER BEGRIFF «SNACKIFICATION» BESCHREIBT DIE NEUEN ERKENNTNISSE ZU UNSEREM ESSVERHALTEN. SO ESSEN WIR LIEBER ÖFTER, DAFÜR ABER IN KLEINEREN PORTIONEN. ZU DIESEN DREI VARIATIONEN GREIFEN WIR AM HÄUFIGSTEN: ON THE GO

Snacks müssen nicht immer nur kleine Mini-Portionen sein. Auch der Burger, zusammengestellt in der eigenen Küche oder vom Foodtruck für unterwegs, zählt als Snack. Ein schwarzer Burger-Bun fungiert nicht nur als Hingucker, sondern hilft dem Körper auch, durch die enthaltene Aktivkohle Giftstoffe und Bakterien unschädlich zu machen.

HERZHAFT ODER SÜSS

Mix and Match lautet die Devise beim Arrangement von Bowls. Simple, gesunde oder auch süsse Zutaten wie Quinoa, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte oder Fisch werden zusammengewürfelt und ergeben so eine ausbalancierte und vielfältige Zwischenmahlzeit.

SOMMERLICH

Diese in Reispapier eingewickelten rohen Gemüsesticks sind der leichte Snack par excellence. Gefüllt mit Salat, Hähnchen oder knackigen Gemüsevariationen und einer würzigen Erdnuss-Sauce sind Sommerrollen schnell vorbereitet und lassen sich gut in einer Tupperware für unterwegs verstauen.

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Schöner ist nur, was noch vor uns liegt. Wir wollen unsere Kunden spürbar voranbringen. Deshalb agieren wir als unternehmerische Bank und dynamischer Partner. Wir schaffen Erlebnisse, die begeistern. Mit Effizienz und in klarer Einfachheit. So weckt jedes gemeinsam erreichte Ziel die Vorfreude auf das nächste.

VP Bank AG · Aeulestrasse 6 · 9490 Vaduz · Liechtenstein T +423 235 66 55 · F +423 235 65 00 · info@vpbank.com · www.vpbank.com Die VP Bank Gruppe ist vertreten in Vaduz, Zürich, Luxemburg, Tortola/BVI, Singapur und Hongkong.


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HUBLOT

Hublot liebt Capri. Darum ist die neue «Classic Fusion Chronograph Special Edition Capri» aus innovativer himmelblauer Keramik, die 2019 im Rahmen einer limitierten Auf lage erhältlich ist, der einzigartigen Stimmung und den atemberaubenden Panoramen der Insel gewidmet.

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Elegante Manschettenknöpfe in Azur aus emailliertem Silber. Kontrastierende Email­ applikation mit dem Logo von Giorgio Armani.

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Das Meisterstück «Calligraphy Maki-e Limited Edition 88» ist eine Hommage an die japanische Kunst des jahrhundertealten künstlerischen Erbes von Chisō, einem der führenden Yuzen-­K imono-Ateliers, das 1555 g ­ egründet wurde.

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GIOBAGNARA

«Ettore Marble Backgammon» bestehend aus einem Marmortablett mit reversibler Lederauf lage und Spielsteinen aus Walnussholz.

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EIN HUNGRIGER HUND JAGT AM BESTEN Autor_Elmar Mock

VERSTEHEN WIR WIRKLICH, WORUM ES BEI BAHNBRECHENDEN INNOVATIONEN GEHT? EINES IST SICHER: INNOVATION IST DER MOTOR JEDER MODERNEN GESELLSCHAFT. PROFESSIONELLE INNOVATOREN SIND EINE TREIBENDE KRAFT IN UNSERER SCHWEIZER WIRTSCHAFT. DIE INNOVATIONSFREUDE DER SCHWEIZ SPIEGELT AUCH DEN NATIONALEN CHARAKTER WIDER, DER ZUR PROBLEMLÖSUNG NEIGT. INNOVATION IST NOTWENDIG, UM MEHRWERT FÜR KUNDEN, VERBRAUCHER, UNTERNEHMEN UND DIE GESELLSCHAFT IM ALLGEMEINEN ZU SCHAFFEN. EINE GROSSE SCHWIERIGKEIT FÜR JEDEN INNOVATOR IST HEUTE DIE UNGLAUBLICHE FÄHIGKEIT DER MENSCHLICHEN GESELLSCHAFT, DINGE ZU ERTRAGEN, DIE STÖREN, ODER EINFACH NUR MIT UNZUREICHENDEN LÖSUNGEN ZUFRIEDEN ZU SEIN. IM JAHR 2019 IST DER ERFINDERGEIST STÄRKER DENN JE, ABER DER ­­ INNOVATIONSPROZESS IST NICHT SO EINFACH.

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Verbindung der beiden Kräfte. Die Erkundung in Kombination mit der Nutzung führt zu Innovationen.

Innovatoren wollen nicht, dass das Morgen eine Fortsetzung des Heute ist. Sie verändern die Art und Weise, wie du denkst, um neue Ideen zu schaffen, die als unmöglich oder inakzeptabel gelten. Sie schaffen neue Objekte, neue Konzepte. Innovatoren gehen nicht auf Trüffelsuche auf der Autobahn. Sie nehmen die Seitenstras­ sen, die, die niemand je nimmt. Es klingt einfach, aber der Weg dorthin ist etwas komplizierter. Und wenn ihre Innovation schliesslich auf den Markt kommt, bauen sie eine neue Autobahn, die es ihnen ermöglicht, schneller als alle anderen zu fahren und durch kontinuierliche Innovation voranzukommen. In der Lage zu sein, auf der Überholspur zu laufen mit den besten Leistungsträgern oder Konkurrenten.

ARBEITEN WIE EIN HUND Der Innovator, wenn er das Feld erreicht hat, wird seinen Kollegen wie einen Jagdhund in einem weiten Kreis führen. Der Hund beginnt dann hin und her zu arbeiten, zuerst in der Nähe des Jägers und dann nach und nach in einem grösseren Radius. Der Hund wiederholt diesen Vorgang, während sich die Jäger durch das Feld bewegen. Einige Trainer schulen den Hund, bewegungslos zu bleiben, während der Jäger vortritt und das Wild spült. Oder der Jäger benutzt einen Spürhund, der viel enger mit dem Jäger zusammenarbeitet. Der Setterhund sucht geräuschlos Wild nach Geruch; die Jagd wird systematisch und methodisch durchgeführt. Wenn Beute angetroffen wird, erstarrt der Hund und jagt nicht nach dem Wild. Der Kollege, der einen angeborenen Instinkt hat, durch Anhalten und Zielen auf das Ziel hinzuweisen, ist in der Lage, durch die dichten Wälder des Geschäftslebens nach Anzeichen von Wild zu suchen. Sie sind grossartig darin, Spuren zu riechen. Diese Menschen halten ihre Nase am Boden, und ihre Augen und Ohren sind immer offen. Ihr scharfer Intellekt erlaubt es ihnen, die Punkte zu verbinden und vorausschauend auf die Suche nach Spuren zu gehen. Sie konzentrieren sich nicht nur auf die nächste Woche oder den nächsten Monat, sondern denken auch 10 bis 15 Jahre voraus. Und wie der Zeigerhund ermöglicht ihnen ihre Freundlichkeit, mit potenziellen Kunden umzugehen. Der Retriever holt das Wild nach dem Schuss und gibt es ohne Schaden an den Jäger zurück. Sie werden für weiche Münder und eine grosse Bereitschaft gezüchtet, zu gefallen, zu lernen und zu gehorchen. (Ein weicher Mund bezieht sich auf die Bereitschaft des Hundes, Wild in seinem Mund zu tragen, ohne in die Beute einzubeissen.) Der Aufbau einer Gruppe von gut ausgebildeten Retrievern, die in der Lage sind, die oben beschriebenen Aufgaben zu erfüllen, erfordert einen erheblichen Zeit- und Arbeitsaufwand. Training, intelligente, kontrollierbare und offen lernende Retriever-Kollegen sind von grösster Bedeutung.

LAUFEN MIT DEN GROSSEN HUNDEN Viele Unternehmen wissen, dass sie innovativ sein müssen, um zu überleben, aber sie sind misstrauisch gegenüber Innovationen, da sie immer mit einem gewissen Risiko verbunden sind. Dieses Risiko ist nicht nur finanziell, sondern auch philosophisch, denn man muss eine gewisse Unsicherheit sowie die Wahrscheinlichkeit akzeptieren, dass das Ergebnis nicht dem ursprünglichen Plan entspricht und alles scheitern könnte. Angesichts dieser Ängste überwiegt die Renovierung vor der Innovation. Viele Unternehmen sagen, dass sie nach Innovationen suchen, aber die überwiegende Mehrheit fischt effektiv nach Renovierung. Tatsächlich baut die wissenschaftliche, technische und Managementkultur des Westens auf der Verbesserung der Identität von Objekten auf. Viele von uns träumen von einer Revolution, aber wir neigen dazu, auf die Evolution hinzuarbeiten. Es ist so wichtig, die richtigen Personen mit Charakter, Kompetenz und Kompatibilität für den Innovationsprozess zu finden. Die richtigen Leute zu finden, ist entscheidend für den Erfolg – Fähigkeiten sind notwendig, nicht unbedingt im gleichen Bereich, aber man muss Menschen finden, die bereit sind, den Sprung zu wagen, die Motivation, Vertrauen, Ehrgeiz und Erfahrung besitzen. Sie müssen lernen, mit Konzept und Wissen in einer Atmosphäre konstruktiver Konflikte zu spielen. Heute sind zu viele Unternehmer, vor allem in Start-ups, ihr eigener schlimmster Feind und versuchen, alles selbst zu machen. Konzepte müssen sich weiterentwickeln, und neues Wissen muss in einem nichtlinearen Prozess hinzugefügt werden. Zu viele von uns wurden durch Wissen auf «lineare» Weise geschult. Innovation braucht Vorbereitung und Struktur, aber nicht linear. Es gibt viele Ähnlichkeiten zwischen Innovation und Jagd. Sie müssen spähen, jagen und zurückholen. Um innovativ zu sein, muss man sich wie ein Jäger verhalten, aber man jagt immer nach dem Unbekannten. Man weiss nie, was man finden wird. Bei der Innovation geht es nicht darum, den Kunden zu fragen, was er will, sondern vielmehr darum, der Erste zu sein, der ihm das bietet, was er braucht. Die Wahl des richtigen Kollegen, der erkunden, spähen muss, ist vergleichbar mit einem erfahrenen Jäger, der den richtigen Hund finden muss, um die anstehende Aufgabe zu erfüllen. Jagdhunde haben oft Fähigkeiten, die über die für ihre Klassifizierung beschriebenen Aufgaben hinausgehen. Je nachdem, wie sie trainiert werden, können Hunde in einer Vielzahl von Jagdsituationen nützlich sein. Der richtige Kollege am richtigen Ort wird auch im Jagdprozess in der Welt der Innovation entscheidend sein. Innovation erfordert sowohl Eignung als auch Einstellung. Eignung ist Ausbeutung und Haltung ist Erforschung – Innovation ist die

ZWEI HUNDE KÖNNEN EINEN LÖWEN TÖTEN Man weiss nie, welches Wild man findet, wenn man mit seinem Hund in die Wildnis geht. Wichtig ist, dass man «loslegt», um da rauszugehen und mit der Jagd zu beginnen. Beginne, Dinge in Bewegung zu setzen. Du hast nicht nur ein Ziel, eine Beute im Sinn. Das Ziel ändert sich, wenn du unterwegs bist. Ein interessantes Beispiel ist Smixin. Das Wild, das wir jagten, war etwas, das das Risiko von Epidemien senken konnte. Smixin-Systeme sind daher berührungslos und verfügen über einen einzigartigen integrierten Seifenmechanismus, der das Risiko der Keimübertragung und Kontamination ausschliesst. Smixin zielt darauf ab, die Bedürfnisse der Gegenwart zu befriedigen, ohne die Fähigkeit künftiger Generationen zu beeinträchtigen, ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Smixin-Systeme verbrauchen deutlich weniger Ressourcen wie Wasser, Seife und Papier. Smixin ist zu einem umweltfreundlichen Händewaschen-System geworden und hat uns auf den Wert von Wasser aufmerksam gemacht. Wir gingen zurück in die Wildnis auf der Suche nach einem Produkt, das den Wasserverbrauch im Bad senken würde. Gjosa ist aus diesem Bedürfnis heraus entstanden und hat sich zu einem Umweltinnovationsunternehmen entwickelt, das an Technologie als eine Kraft für das

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Gute glaubt. Heute baut Gjosa eine neue Generation von Produkten, die die Technologie integrieren, um innovative Erfahrungen zu ermöglichen, beispielsweise die Verbesserung des Friseurerlebnisses für professionelle Salons. Bei der Arbeit an diesen beiden Produkten wurde uns bewusst, dass in unseren Duschen viel Energie verschwendet wird. Joulia, eine Dusche mit Wärmerückgewinnung, wurde geschaffen. Der Joulia-Duschablauf gewinnt wertvolle Wärmeenergie aus verbrauchtem Duschwasser zurück. Es ist nicht nur eine moderne Innovation, sondern auch ein bewusster Umgang mit Energie und ein Beitrag zur Schonung unserer natürlichen Ressourcen. Alle diese drei Unternehmen sind Umweltinnovationsfirmen, die an die Technologie als treibende Kraft, die eine nachhaltigere Zukunft aufbauen wird, glauben. Und wenn wir das ursprüngliche Ziel nicht erreichten, konnten wir etwas anderes erreichen. Wir gingen auf die Jagd nach einem Schneehuhn und kamen mit einem Fasan, einem Kaninchen und einem Löwen nach Hause. Ziel ist es, einen Weg zu gehen und unterwegs bessere Ziele zu erreichen. Vor allem aber

GER erreichen wir es nicht, indem wir über das Ziel sprechen. Indem man tut, was man tut, erreicht man es. ES IST DAS LEBEN EINES HUNDES! Ein hungriger Hund, ein hungriger Kollege jagen am besten. Wenn sie einen Job zu erledigen haben, spielen sie nicht herum. Sie investieren Zeit, Mühe und Engagement, um sicherzustellen, dass die Arbeit erledigt und richtig gemacht wird. Sie sind dafür bekannt, dass sie die Hartnäckigkeit besitzen, sich anzupassen und die Erwartungen am Arbeitsplatz zu übertreffen. Aber vergessen Sie nicht, dass es wichtig ist, eine feste Bindung zu Ihren Jagdkollegen aufzubauen. Jagdkollegen brauchen aktive Bosse. Sie brauchen viel geistige Stimulation und gedeihen durch menschliche Gesellschaft. Sie lieben Abwechslung, viel Freiheit und Erkundung in sicheren Bereichen – deshalb ist Training wichtig. Jeder Manager von kreativen Menschen muss sicherstellen, dass er ihnen das gibt, was sie brauchen, und er muss viele Erfinderspielzeuge und Projekte im Ärmel haben, um sie zu unterhalten. Obwohl die

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EIN HUNGRIGER HUND JAGT AM BESTEN Frühe Siedler in Amerika mussten sofort einen Todesstoss für Nahrung ausführen, um zu überleben. Wenn Sie gerade erst anfangen, müssen Sie das Gleiche tun. Wie bei den Herausforderungen, vor denen jeder Jäger auf dem Feld steht, muss der gute Innovator mit der Tradition brechen. Risiken müssen eingegangen werden. Diskussionen und sogar Meinungsverschiedenheiten müssen gefördert werden. Es ist eine bekannte Tatsache, dass in Kriegs-, Krisen- und Rezessionszeiten Menschen an ihre Grenzen gedrängt werden, um innovativ zu sein. Die Fähigkeit, bei allen Arten von Wild ruhig zu bleiben, ist für einen guten Jagdhund unerlässlich. Die Organisation des Innovationsprozesses ist unerlässlich. Die Wahl der richtigen Kollegen ist unerlässlich. Die Entscheidung für das Wildfleisch: Niemand weiss, was sie mit nach Hause bringen werden. Nicht viele Menschen sind gut in allen Aktivitäten der Jagd, des Scoutings, des Zeigens, des Zurückholens. Zum Beispiel kann ein grosser Späher bei der Jagd zu kurz kommen. Führen Sie also als Führungskraft Ihr Team bestmöglich und delegieren Sie klug. Vermeiden Sie den Wettbewerb zwischen Ihren Kollegen und schaffen Sie eine besondere Bindung zu ihnen. Wenn Sie das Glück haben, mit jemandem zusammenzuarbeiten, der gut in allen jagdlichen Aktivitäten ist, lassen Sie ihn nicht von einem Konkurrenten wildern. Bei der Innovation ist es wirklich wichtig, das Wildfleisch im Auge zu behalten und alle unerwarteten Faktoren, die auftreten können und werden, einfallsreich anzugehen – denn die Konkurrenz ist hart, und wenn man nicht aufpasst, kann der Jäger zum Gejagten werden!

meisten einzelnen Retriever die Rohkapazität haben, um als Schützenhund ausgebildet zu werden, wird ein erheblicher Aufwand betrieben, um in bestimmten gewünschten Eigenschaften Hunde aus Feldrassen zu züchten, die den Trainingsprozess erheblich verbessern. Wie beim Schützenhund sollte besonders darauf geachtet werden, ob es sich um einen Kollegen handelt, der die Feldarbeit übernimmt. Einige Unternehmen bilden ihre Jagdkollegen so aus, dass sie vielseitig einsetzbar sind, wie die europäischen HPR-Rassen (für Jagd, Punkt und Apport). Diese Rassen wurden entwickelt, um Wild wie alle zeigenden Rassen zu finden und zu zeigen, wurden aber auch gezüchtet, um andere Jagdaufgaben zu erfüllen. Diese Unterscheidung dürfte sich ergeben haben, denn während die Briten in Kontinentaleuropa Rassen entwickelten, die sich auf Aufgaben wie Zeigen, Spülen und Bergen spezialisierten, wurde derselbe Hund ausgebildet, um jede dieser Aufgaben (wenn auch weniger effektiv) erfüllen zu können. Der professionelle Erfinder ist eine HPR-Rasse. WENN ZWEI HUNDE UM EINEN KNOCHEN KÄMPFEN, TRÄGT EIN DRITTER IHN WEG … Das Jagen, Zeigen, Bergen trägt zum Wachstum eines Unternehmens bei. Der Zweck von Hunting ist es, in die Welt hinauszugehen, die Ziele zu identifizieren und neue Kunden / Projekte hinzuzufügen. Wie oft Sie jagen, hängt davon ab, wie hungrig Sie sind. Ihre Erfolgsrate wird variieren, und es wird Zeiten geben, in denen Sie für eine Weile hungrig werden können. Frühe Siedler reisten Hunderte oder Tausende von Meilen, um ein neues Leben zu beginnen. Das Erste, was sie wahrscheinlich taten, nachdem sie eine Art Unterkunft errichtet hatten, war die Jagd nach Nahrung. Ich bezweifle, dass sie nur ein paar Ernten gepflanzt und bis zum Frühjahr gewartet haben, bevor sie ihre erste Mahlzeit erhielten. Doch das ist es, was viele neue Unternehmen und Start-ups tun – ihnen wurde gesagt, dass Social Media und Marketing der richtige Weg ist… doch sie verhungern, bevor der Frühling kommt.

WWW.MOCK-KETT.CH WWW.SMIXIN.COM WWW.GJOSA.COM WWW.JOULIA.COM WWW.CREAHOLIC.COM

ELMAR MOCK IST MITERFINDER DER SWATCH UND BEGRÜNDER DER INNOVATIONSFABRIK CREAHOLIC MIT SITZ IN BIEL. ER IST SERIAL INNOVATOR, SCHRIFTSTELLER UND «LIFETIME ACHIEVEMENT FINALIST» DER «EUROPEAN INVENTOR AWARDS 2017».

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PRESTIGE Autorin_Wilma Fasola

KRYPTOWÄHRUNG – WER, WIE & WAS FACEBOOK WILL EINE EIGENE, DER BITCOIN IST MITTLERWEILE ALLTAG UND KEIN TAG OHNE NEUE NEWS ZUR KRYPTOWÄHRUNG. WIR HABEN UNS DEN WAHNSINN RUND UM DIE DIGITALE ZAHLMETHODE UND IHRE HEIMAT, DIE BLOCKCHAIN, VON EINEM IT-EXPERTEN ERKLÄREN LASSEN.

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Wessen Eigentum ist die Blockchain? Oft wird gesagt, sie gehört allen. Aber nein, sie gehört sich selbst. Die Blockchain ist der erste selbständig lebensfähige autonome Software-Algorithmus. Man muss ihn sich vorstellen wie eine Stiftung. Auch eine Stiftung gehört niemandem. Die Blockchain gehört sich selbst. Solange durch ihre Benutzung neue Bitcoins entstehen, ist die Blockchain in der Lage, selbst für ihren Lebensunterhalt aufzukommen, indem sie bei Rechenzentren ihre eigenen Betriebskosten begleicht. Es ist wie mit jeder anderen Kapital­ gesellschaft auch: Wenn das Geld ausgeht, ist es vorbei.

Christoph Holz hat rechtzeitig in einige der erfolgreichsten BitcoinUnternehmen der Welt investiert. Als Keynote-Speaker und TV-Experte vermittelt er sein Wissen einem breiten Publikum. Seine Ausführungen zu den Auswirkungen, Möglichkeiten und eventuellen Gefahren der Digitalisierung sorgen für einen neuen Blick auf ein Thema, das jeden von uns beschäftigt: die Kryptowährung. PRESTIGE: Herr Holz, Kryptowährung: Warum wurde sie erfunden? CHRISTOPH HOLZ: Als Informationstechniker bin ich 1994 zum ersten Mal mit einer Kryptowährung in Kontakt gekommen. Als IT-Experten wussten wir, das Internet kann nur funktionieren, wenn es auch eine interneteigene Währung gibt. Wenn man also nicht auf fremde Systeme wie beispielsweise Kreditkartenunternehmen angewiesen ist, um bezahlen zu können. Vor allem aber brauchte es ein System, das Kleinstbeträge ohne exorbitante Transaktionsgebühren abrechnen konnte. Damals wurden Passwörter vergeben, die einen gewissen Gegenwert hatten. Wurde nicht der Gesamtbetrag auf einmal investiert, gab es ein neues Passwort mit dem offenen Depot. Der einzige Haken: Ich konnte mit meinem ersten Passwort auch noch woanders bezahlen.

Was bedeutet sie für die Zukunft des Geldes? Geld hat zwei Funktionen. 1. Effiziente Märkte zu ermöglichen, damit Wirtschaft funktioniert. Im Fokus steht dabei der Austausch von Produkten. Und 2. Treibt Geld über die Preisfunktion Innovationen voran. Wird etwas günstiger, wie beispielsweise die Künstliche Intelligenz, denken wir darüber nach, wofür wir sie sonst noch verwenden könnten. In unserem Fall, indem wir sie Auto fahren lassen, was vor Jahren noch gar nicht zur Debatte stand. Wenn im Gegenzug etwas teurer wird, wie zum Beispiel Lithium, suchen wir nach Alternativen. Das Geld braucht erst einmal keinen Staat. Doch für den Staat ist Geld wichtig, um Steuern einzunehmen. Er nimmt sich die Hoheit über das Territorialgeld und damit auch über seine Einwohner. Das Internet ist ein globales System, das im Grunde keinen Staat braucht, um zu funktionieren. Internetgeld kennt daher keine Grenzen.

Wer hat’s eigentlich erfunden? Um dieses Problem eines fehlenden Micropayment-Systems zu lösen, erfand 2008 Satoshi Nakamoto mit dem dezentralen System der Blockchain eine Lösung. Dass es sich bei Nakamoto um ein Pseudonym handelt, ist sicher. Wer dahintersteht, ist bis heute offen.

Wovor müssen sich Banken fürchten? Banken wird es immer geben, aber ob es jene sind, die es heute gibt, ist die Frage. Banken haben die Aufgabe, Geld effizient zu managen. Wir können jedoch davon ausgehen, dass die Form des Geldes sich verändert. Geld ist irgendwann vor 5000 Jahren von den Sumerern erfunden worden. Sie haben damals aufgeschrieben, wie viel jeder hatte, und haben damit das Buchgeld erfunden. Aus diesem wurde irgendwann Datenbankgeld. Aber im Grunde war das Geld schon vorher nur ein Datensatz auf einer Keilschrifttafel. Allerdings war dieses Geld zentralisiert. Zuerst im Tempel, später in der Bank. Die Kryptowährung hingegen basiert auf einem dezentralen System und ist durch Verschlüsselungen abgesichert. Aber auch Kryptowährungen brauchen Banken. Das sind sogenannte Xchanges oder Wallet-Provider. Wobei man sagen muss: Auch die Kryptowährung ist nicht der Weisheit letzter

Wie funktioniert das? Die Technologie dahinter nennt sich Blockchain. Das ist eine Datenbank. Darin steht, wer wie viel hat. Ist bei meiner Bank auch noch so. Doch von der Blockchain gibt es zehntausende Kopien, daher ist sie auch so langsam. Immer, wenn ich ein Geschäft und damit einen Eintrag mache, wird dieser an alle Datenbanken im Gesamtsystem übertragen. Das dauert. Statt wie bei einer althergebrachten Datenbank sind die Datensätze somit dezentral abgelegt, und es ist praktisch unmöglich, sie nachträglich zu ändern. Die Blockchain ist eine Art Liste, die mit jedem Eintrag wächst, weil niemals ein Datensatz gelöscht wird. Und somit sind alle Transaktionen immer nachvollziehbar und manipulationssicher.

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KRYPTO Schluss. Wir wissen heute schon, dass es effiziente Märkte ohne Geld gibt. Es gibt zum Beispiel ein Angebot an Spendernieren und eine Nachfrage. Das ist ein echter Markt. Aber aus moralischen Gründen verwenden wir kein Geld, um Angebot und Nachfrage zusammenzubringen. Wir verwenden Blutgruppe, Alter, Dringlichkeit und andere Daten, um das beste Match zu finden. Wieso braucht Mark Zuckerberg eine eigene Währung? Damit er endlich ein richtiger Staat werden kann, und zwar mit mehr als zwei Milliarden Einwohnern. Ich bin österreichischer und deutscher Staatsbürger. Meine österreichische Identität ist verknüpft mit meiner Geburt, meinem Führerschein, mit meiner Matura. Meine deutsche Identität ist verbunden mit meinem Studium, meiner Arbeit. Und meine FB-Identität ist meine Timeline. Identität war früher dem Staat vorbehalten. Heute wird sie auch von den grossen Digitalriesen bereitgestellt. Und in ihren Syste-

men sorgen sie für Sicherheit. Es gibt Armeen von Cyberexperten, die die Aussengrenzen von Facebook verteidigen. Wenn man die Gesetze, das heisst die Nutzungsbedingungen, verletzt, kann man ausgebürgert werden. Das klingt stark nach Staat. Das Letzte, was noch fehlt, ist eben Geld. Staat ist die Art, wie wir unsere Gesellschaft organisieren, und die Digitalisierung bringt neue Staatsformen. Weshalb gibt es so viele Libra-Gegner? Die Entscheidungsträger hinter Facebook haben das Vertrauen der Gesellschaft verspielt. Facebook muss dieses zurückgewinnen. Libra passt gut in diese Strategie. Sie ist sicher auch eine Image-Massnahme. Auf der anderen Seite löst Libra ein Problem, das wir in der westlichen Welt gar nicht haben. Auf den Philippinen gibt es doppelt so viele Facebook-Accounts wie Bankkonten. Also ein grosser Teil der Menschen hat keinen Zugang zu

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WÄHRUNG Bankdienstleistungen. Und in Indien gehört es zum Standard von Banken, ihre Kunden zu betrügen. Wenn man sich auf seine Bank nicht verlassen kann, ist es gut nachvollziehbar, dass Facebook hier mehr Vertrauen geniesst als die regionale Bankfiliale. Und damit ist es gut vorstellbar, dass in Schwellen- und Entwicklungsländern Libra die Leitwährung aushebelt. Und das hat gravierende Auswirkungen auch auf unsere Firmen, die Geschäfte mit diesen Ländern machen. Libra ist damit eine gesunde Konkurrenz für die etablierten Geldsysteme. Und Staaten reagieren auf Konkurrenz mit Diskriminierung.

Welches Problem löst sie denn? Menschen, die bei uns arbeiten, überweisen circa 500 Milliarden Euro jedes Jahr in ihre ursprüngliche Heimat. Das ist mehr als jede Entwicklungshilfe, mehr als jede Art von Direktinvestitionen. Doch von diesen 500 Milliarden kommen nur 400 Milliarden

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an. Der Rest bleibt als Überweisungsgebühr bei den Banken. Alternativ kann man in Zukunft einen Gutschein für Geld via Smartphone übermitteln. Das kann ein Amazon-Gutschein sein oder eben ein Libra-Gutschein. Diesen tauscht man beim mobilen Banker aus der Nachbarschaft gegen Pesos. Aus meiner Sicht kann Libra nur scheitern, wenn Mastercard, Vodafone oder andere Partner von Libra kalte Füsse bekommen. Wenn dies nicht passiert, hat Libra gute Chancen, bei diesen Heimatüberweisungen führend zu werden. Und wovor müssen wir mit Blick auf die Digitalisierung am meisten Angst haben? Solange die Politik stolz auf ihre eigene Langsamkeit ist, wird sie nur wenige Jahrzehnte hinter der Realität hinterherhinken. Die grösste Gefahr ist, dass missverstandene Regulierungen langfristige Wohlfahrtsgewinne für alle beschädigen.


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EGOISMUS ERLAUBT!

SEINEN EIGENEN WEG MIT EINEM GESUNDEN ­EGOISMUS ZU BESCHREITEN, IST EINE DER BESTEN VORAUSSETZUNGEN FÜR ERFOLG. DER WORKSHOP «I DO IT MY WAY» MOTIVIERT FRAU, SELBSTBESTIMMTER AUF- UND FÜR DIE EIGENEN ZIELE SOWIE WÜNSCHE EINZUTRETEN. EIN SELBSTVERSUCH.

«Es ist der geschützte Raum. Es gibt keine Männer, die einen bei einer Fragestellung mitleidig anblicken.» Das schreibt Matthias Schranner, der weltweit anerkannte Experte für schwierige Verhandlungen, in seinem Vorwort zum Seminar «I DO IT MY WAY». Er bezieht sich dabei auf das Feedback der Teilnehmerinnen, die bereits 2018 den von seinem Institut lancierten Verhandlungsworkshop besucht haben. In drei Städten in drei Ländern geben er und eingeladene externe Referenten Einblick in ihre Art der Verhandlung. Immer mit dem Ziel, dass Frau mehr für sich selbst, für ihre Wünsche, ihre Ziele einsteht. Doch was macht dieses Seminar so anders als die zahlreichen weiteren Angebote, in denen Frauen gezielt motiviert werden, mehr für sich und ihre Ziele zu tun? Ist es wirklich nur der Fakt, dass ausser Matthias Schranner und dem Psychologen Dr. Klaus Lassert als Referenten kein weiterer Mann anwesend ist? Oder ist es die Auswahl an wirklich spannenden Referentinnen – die fernab von irgendwelchen Theorien ihre ganz persönlichen, weil praktischen Erfahrungen teilen? Vielleicht ist es aber auch der spannende Fakt, von jemandem zu lernen, der einst mit Geiselnehmern und Selbstmördern verhandelt hat. Die Antwort ist, dass Frau es am besten einmal selbst ausprobiert. So passiert Ende Oktober beim letzten der drei Workshops in Zürich.

Autorin_Wilma Fasola

KONFLIKTE – FRAU MUSS SIE LIEBEN LERNEN Pünktlich um 9 Uhr begrüsst Matthias Schranner die rund 50 Teilnehmerinnen. Der Mann, der einst als Polizist undercover in der Drogenfahndung arbeitete und nach der Ausbildung durch das FBI Experte für schwierige Verhandlungen wurde. Heute leitet er das Schranner Negotiation Institute mit Standorten in Zürich, New York City, Hongkong und Dubai. Gemeinsam mit seinem etwa 40 Köpfe umfassenden Team unterstützt er internationale Big Player aus Wirtschaft und Politik, erfolgreich aus ihren schwierigen Verhandlungen herauszugehen. An diesem Freitag berät er uns Frauen und stellt klar die Forderung in den Raum: Seid egoistischer! Lernt, den Konflikt zu lieben, und habt keine Angst, in einer Verhandlung bewusst eine Eskalation herbeizuführen. Ja aber, denkt Frau an dieser Stelle, geht es bei Verhandlungen nicht darum, dass am Ende beide mit einem guten Gefühl nach Hause gehen? Also das klassische Win-win. Schranner antwortet darauf: «In schwierigen Verhandlungen gibt es das nicht. In schwierigen Verhandlungen kann es nur einen Sieger geben.»

EGOISMUS ERWÜNSCHT !

VERHANDLUNGEN – FRAU MUSS FORDERUNGEN PLATZIEREN Zusammenfassend stellt er zu Beginn des Workshops die nach ihm benannte Verhandlungsmethode vor: das Schranner Concept. Dabei geht es vor allem darum, für etwas und nicht gegen jemanden zu verhandeln. Es geht darum, Forderungen einzubringen und nicht versuchen, durch Argumente zu überzeugen. «In einer Welt, in der jeder sein eigenes, ganz persönliches Wertesystem hat, werden Sie

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Worte, mit denen sich ihr Leben von jetzt auf gleich änderte. Und nein, nicht zum Besseren und Leichteren. Es wurde schwierig, verdammt schwierig. Das Damoklesschwert des Scheiterns schwebte über ihr. Ständig kurz vor der Insolvenz, Mitarbeiter, die plötzlich unter dem kleinen blonden Mädchen arbeiten sollten, das sie in Gummistiefeln als Kleinkind über den Schrottplatz hatten stolpern sehen. Jeder Tag ein Kampf – gegen sich selbst, die Stolpersteine und Menschen, die mit ihrem Tun nicht einverstanden waren.

andere mit Ihrer persönlichen Meinung nicht umstimmen können», sagt er. «Recht haben ist nicht Verhandlung. Und dass Ihr Gegenüber endlich vernünftig wird, können Sie gleich vergessen.» Angesprochen darauf, ob Frauen und Männer unterschiedlich verhandeln, antwortet er nicht ausweichend. Eher verrückt er den Fokus des Themas. So gibt es in seinen Augen zwei Charaktere von Verhandlungspartnern: den kausal, rational denkenden. Der Typ, der sich auf logische Schlussfolgerungen stützt und nicht versteht, dass er für die bereits im letzten Jahr geleistete Arbeit in diesem keine Gehaltserhöhung bekommt. Und auf der anderen Seite den Spieler. Derjenige, der in Verhandlungen einfach aus Spass am Konflikt unmögliche Forderungen in den Raum stellt. Aktuelles Beispiel: Donald Trump. Schranner räumt jedoch auch ein, dass es doch einen Unterschied zwischen der weiblichen und der männlichen Verhandlungsführung gibt: Männer suchen den Konflikt innerhalb der Auseinandersetzung. Sie gehen in die Verhandlung und freuen sich auf Reibung. Frauen hingegen kommen bereits mit der fertigen Lösung. Denn der stärkste Verhandlungsgegner einer Frau ist meist sie selbst. Bevor es überhaupt losgeht, hat Frau schon tausend mögliche Entscheidungen gedanklich durchgespielt. Doch Ratespiele, was der andere wollen oder wie die Verhandlung ablaufen könnte, sind vollkommen fehl am Platz. Es ist besser, das Ganze als sportlichen Wettkampf zu sehen. Als ein Kräftemessen – und das auf dem Platz und nicht in der Kabine ohne Sicht auf den Gegner.

LEBENSZIELE – NUR KLAR DEFINIERT SIND SIE EINE LANDKARTE So unterschiedlich dabei die Lebenswege der beiden Frauen auf den ersten Blick auch erscheinen mögen, zeigen sie auf, dass es eigentlich immer um das Gleiche geht. Beide sind ihren Weg konsequent gegangen und haben die zahlreichen darauf gemachten Fehler immer als Chance gesehen – so schwer es auch fiel, wenn man wie einst Don Quijote gegen Windmühlen kämpfte. Beide haben eindrücklich bewiesen, dass der Glaube an sich selbst und Durchhaltevermögen machtvolle Waffen sind. Und dass es sich lohnt, sich nicht nur Ziele zu setzen, sondern hartnäckig darum kämpft, sie durchzusetzen. Und ein Ziel ist immer erst gut, wenn es eigentlich viel zu hoch gesteckt ist. «Gesunder Egoismus ist absolut legitim», sagt Dr. Klaus Lassert kurz darauf in seinem Vortrag. «Es bedeutet, die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, für sich selbst zu sorgen. Weg vom Opfer hin zum Akteur», so der renommierte Psychologe. «Zahlreiche unterbewusst eingreifende Mechanismen halten uns davon ab, zu unseren Wünschen und Bedürfnissen zu stehen», erklärt er weiter. «Es sind nicht die anderen, die uns vom Machen abhalten, wir selbst stehen uns im Weg.» Und Frauen eben öfter als Männer. Weil Frauen eben oftmals die Verhandlungen beginnen, ohne zu merken, dass der andere eben noch nicht im Raum ist. Oder weil sie nicht ehrlich sind und die Frage falsch stellen. «Es geht nicht darum, zu hinterfragen, wie andere Sie sehen sollen», so Lassert. «Es geht darum, wie Sie sind. Wobei wir eben erneut beim so wichtigen Selbstbewusstsein sind.» Er ist sich daher sicher, dass die Welt einfacher wäre, wenn alle ein wenig mehr sich selbst bewusst und damit egoistischer wären – besonders die Frauen.

IDEEN VERWIRKLICHEN – DAS NO-GO DER GESELLSCHAFT Wer kurz darauf den beiden eingeladenen Referentinnen lauschte, versteht, warum sportlicher Ehrgeiz auf jeden Fall eine gute Basis für den Erfolg ist. «Es geht nicht darum, verbissen zu sein», so Tanja Schildknecht, die vor 15 Jahren trotz massiven Widerstandes das erste Zürich Film Fest auf die Beine stellte. Eine Veranstaltung, die heute international von Bedeutung ist und einmal im Jahr die grössten Schauspieler, Regisseure und Musiker an die Limmat lockt. Ein Event, das in den Anfängen aber im wahrsten Sinne des Wortes ein Leidenschafts-Projekt war. «Wenn wir dachten, eine Hürde überschritten zu haben, kam schon die nächste. Jeder versuchte, uns auszubremsen, Politik, Kanton, Stadt, Interessengruppen», so erinnerte sich die 46-Jährige an diese Zeit. «Doch ich blieb immer hartnäckig. Verhandeln braucht in meinen Augen Kraft und Ausdauer.» «Zudem auch eine riesige Portion Selbstbewusstsein», ergänzte Nicole Schindelar Schildknechts Aussage. Die 32-jährige Münchnerin hat mit 27 Jahren den Schrottplatz ihres Vaters übernommen. Unerwartet verstorben, hinterliess ihr Papa ein Vermächtnis, dem sie im Grunde gar nicht gewachsen war. Doch sie fühlte einen emotionalen Drang wie auch Druck, es dennoch anzunehmen, entgegen allen Warnungen. Selbst ihre Mutter riet ihr ab. Doch sie sagt heute noch: «Ich wusste, dass ich muss.» Fünf

FAZIT – SEIEN SIE TÄTER, NICHT OPFER Am Ende des Tages ist der Applaus für alle Mitwirkenden ehrlich und zustimmend. Der geschützte Raum hat für einen unglaublich offenen Austausch gesorgt. Hat Fragen ermöglicht, die Frauen an anderen Orten nicht gestellt hätten. «Im Fokus jeder schwierigen Verhandlung steht der Konflikt», sagt Matthias Schranner abschliessend. «Ich würde mir wünschen, dass Sie in jeder Verhandlung diesen lieben und den spielerischen Umgang damit lernen werden.» Er macht eine kurze Pause: «Und besonders, wenn Sie mit einem Mann verhandeln. Wir wünschen uns Gegner, keine Opfer.»

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VOR

PRESTIGE

EIN GUTES GESPANN STERNEKÜCHE IN BANGKOK

Die mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichneten Zwillingsbrüder Mathias und Thomas Sühring laden uns zu sich nach Hause ein.

SCHAU

Im Restaurant «Sühring» im Herzen von Bangkok werden die besten Gerichte der modernen deutschen Küche präsentiert, die von Kindheitserinnerungen, Familienrezepten und jahrelanger Reiseerfahrung inspiriert sind und die Essenz traditioneller Gerichte mit zeitgenössischen mitteleuropäischen Einflüssen verbinden. Alles auf dem Niveau der Haute Cuisine.

CHRISTIAN LOUBOUTIN: THE EXHIBITION

Ab dem 25. Februar 2020 zeigt das Palais de la Porte Dorée eine grosse Ausstellung über die Arbeit und Kreativität von Christian Louboutin, dem international renommierten Schuhdesigner und Schlüsselfigur der Modewelt. Die Ausstellung enthüllt die Inspirationen und kreativen Prozesse von Christian Louboutin und zeigt die Vision des Designers anhand einer Auswahl der wertvollsten Werke aus persönlichen und öffentlichen Sammlungen.

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CHRISTINA OITICICA EIN EXKLUSIV BESUCH

Die gebürtige Brasilianerin, Künstlerin und Ehefrau von Paulo Coelho öffnet uns die Tür zu ihrem Atelier in Genf. Wir erhaschen exklusiv einen ersten Blick auf ihre gegenwärtige Arbeit und die kommende Ausstellung im Mai 2020. Dann wird Oiticica ihre von der Natur geprägten Kunstwerke in der «GALLERY ELLE» in Zürich und St. Moritz präsentieren.


BADEN IM GLÜCK.


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PRESTIGE Switzerland Volume 53  

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