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Prag:1918—1992

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Einleitung Prag, Tschechoslowakei (1918–1992)

1918–1992

Prag ist seinen Besuchern vor allem als einzigartige historische Stadt bekannt, deren Architektur eine märchenhafte Atmosphäre schafft. Die Schönheit des Zentrums lässt die Besucher die dramatischen und auch tragischen historischen Momente übersehen, welche die Stadt und das Land im Laufe des 20. Jahrhunderts durchmachten. Den 100. Jahrestag der Gründung der Tschechoslowakei im Jahre 2018 sehen wir daher als Gelegenheit, den Besuchern einige Aspekte der jüngeren Geschichte Prags zu zeigen. In unserem „Katalog“, den Sie gerade in Händen halten, finden Sie Gebäude, Kunstwerke, Denkmäler und andere Phänomene, die die tschechoslowakische Ära bis heute in Prag vergegenwärtigen. Wir haben jedem Existenzjahr der Tschechoslowakei ein Phänomen zugeordnet, obgleich die zeitliche Zuordnung nicht immer ganz genau ist. Wir haben uns vor allem bemüht, unsere Publikation visuell interessant, inhaltlich abwechslungsreich und – wir hoffen – für die Besucher Prags bereichernd zu gestalten. 1

Zdenek Rykr – Prag, 1937, Druck, 95 x 61,5 cm, Inv. Nr. 79/99 © Regionalmuseum in Kolín

Diese Wörter erschienen 74 Jahre nebeneinander. Auch mehr als ein Vierteljahrhundert seit dem Ende der Tschechoslowakei passiert es manchmal, dass ein ausländischer Politiker oder Journalist die heutige Tschechische Republik so bezeichnet. Bei ihren Bewohnern ruft dieser Fehler eine Mischung aus Belustigung, Frustration und Resignation hervor: nichts zu machen, das Wort Tschechoslowakei hat sich, scheinbar unauslöschlich, ins kollektive Gedächtnis geschrieben.

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Einleitung Prag, Tschechoslowakei (1918–1992)

1918–1992

Prag ist seinen Besuchern vor allem als einzigartige historische Stadt bekannt, deren Architektur eine märchenhafte Atmosphäre schafft. Die Schönheit des Zentrums lässt die Besucher die dramatischen und auch tragischen historischen Momente übersehen, welche die Stadt und das Land im Laufe des 20. Jahrhunderts durchmachten. Den 100. Jahrestag der Gründung der Tschechoslowakei im Jahre 2018 sehen wir daher als Gelegenheit, den Besuchern einige Aspekte der jüngeren Geschichte Prags zu zeigen. In unserem „Katalog“, den Sie gerade in Händen halten, finden Sie Gebäude, Kunstwerke, Denkmäler und andere Phänomene, die die tschechoslowakische Ära bis heute in Prag vergegenwärtigen. Wir haben jedem Existenzjahr der Tschechoslowakei ein Phänomen zugeordnet, obgleich die zeitliche Zuordnung nicht immer ganz genau ist. Wir haben uns vor allem bemüht, unsere Publikation visuell interessant, inhaltlich abwechslungsreich und – wir hoffen – für die Besucher Prags bereichernd zu gestalten. 1

Zdenek Rykr – Prag, 1937, Druck, 95 x 61,5 cm, Inv. Nr. 79/99 © Regionalmuseum in Kolín

Diese Wörter erschienen 74 Jahre nebeneinander. Auch mehr als ein Vierteljahrhundert seit dem Ende der Tschechoslowakei passiert es manchmal, dass ein ausländischer Politiker oder Journalist die heutige Tschechische Republik so bezeichnet. Bei ihren Bewohnern ruft dieser Fehler eine Mischung aus Belustigung, Frustration und Resignation hervor: nichts zu machen, das Wort Tschechoslowakei hat sich, scheinbar unauslöschlich, ins kollektive Gedächtnis geschrieben.

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Die Geschichte der Tschechoslowakei kurz zusammengefasst Die Tschechoslowakische Republik war einer der Staaten, die nach dem Zerfall der Monarchie Österreich-Ungarns unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkriegs entstanden. Der neue Staat bekam einen außergewöhnlichen Präsidenten – den Intellektuellen Tomáš Garrigue Masaryk, eine hochentwickelte Industrie und eine ethnisch vielfältige Bevölkerung mit einigen nationalen Minderheiten (von denen die deutsche bei weitem die größte war) in die Wiege gelegt. Trotz verschiedenster Probleme konnte sich die Tschechoslowakei während der ersten zwei Jahrzehnte ihrer Existenz international als progressiver, demokratischer europäischer Staat durchsetzen, dessen kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung über seine geografische Fläche hinausreichte. Diese Ära endete symbolisch mit der Unterzeichnung des Münchner Abkommens 1938 und der anschließenden Beschneidung der Tschechoslowakei um die Gebiete mit deutschsprachiger Bevölkerung (Sudeten), welche an das Reich angeschlossen wurden. 1939 folgte die nationalsozialistische Besatzung und das Protektorat Böhmen und Mähren wurde ausgerufen. Während der Besatzung ermorderte das Naziregime u.a. schrittweise den Großteil der jüdischen und einen Teil der Roma-Bevölkerung. Die Tschechoslowakei wurde im Mai 1945 von den Armeen der Sowjetunion und der USA befreit.

Richtung Osten. 1948 wurde die Tschechoslowakei während dem von Moskau gelenkten Februarumsturz Teil des sowjetischen Blocks. Das kommunistische Regime regierte hier danach über vierzig Jahre lang. Hoffnungsvoller war die Zeit des Prager Frühlings im Jahre 1968, als die damalige Führung der kommunistischen Partei versuchte, demokratische Reformen im Land einzuführen. Der Prager Frühling wurde schließlich vom militärischen Eingreifen der Armeen des Warschauer Pakts und der anschließenden Verfolgung aller Beteiligten sowie der nicht konformen Bürger brutal niedergeschlagen. So hielt sich das kommunistische Regime in der Tschechoslowakei bis November 1989, als es während der als Samtene Revolution bekannten Ereignisse zusammenbrach. Der Beginn der Demokratie brachte aber eine Belebung des slowakischen Bedürfnisses nach Selbstbestimmung mit sich, welches der gemeinsame tschechoslowakische Staat nie ganz erfüllte. Am 31. Dezember 1992 endete die Tschechoslowakei also durch eine politische Vereinbarung und am 1. 1. 1993 entstanden die zwei Nachfolgerstaaten, die Tschechische Republik und die Slowakei.

Die Nachkriegszeit brachte eine politische Wende 2

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Die Geschichte der Tschechoslowakei kurz zusammengefasst Die Tschechoslowakische Republik war einer der Staaten, die nach dem Zerfall der Monarchie Österreich-Ungarns unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkriegs entstanden. Der neue Staat bekam einen außergewöhnlichen Präsidenten – den Intellektuellen Tomáš Garrigue Masaryk, eine hochentwickelte Industrie und eine ethnisch vielfältige Bevölkerung mit einigen nationalen Minderheiten (von denen die deutsche bei weitem die größte war) in die Wiege gelegt. Trotz verschiedenster Probleme konnte sich die Tschechoslowakei während der ersten zwei Jahrzehnte ihrer Existenz international als progressiver, demokratischer europäischer Staat durchsetzen, dessen kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung über seine geografische Fläche hinausreichte. Diese Ära endete symbolisch mit der Unterzeichnung des Münchner Abkommens 1938 und der anschließenden Beschneidung der Tschechoslowakei um die Gebiete mit deutschsprachiger Bevölkerung (Sudeten), welche an das Reich angeschlossen wurden. 1939 folgte die nationalsozialistische Besatzung und das Protektorat Böhmen und Mähren wurde ausgerufen. Während der Besatzung ermorderte das Naziregime u.a. schrittweise den Großteil der jüdischen und einen Teil der Roma-Bevölkerung. Die Tschechoslowakei wurde im Mai 1945 von den Armeen der Sowjetunion und der USA befreit.

Richtung Osten. 1948 wurde die Tschechoslowakei während dem von Moskau gelenkten Februarumsturz Teil des sowjetischen Blocks. Das kommunistische Regime regierte hier danach über vierzig Jahre lang. Hoffnungsvoller war die Zeit des Prager Frühlings im Jahre 1968, als die damalige Führung der kommunistischen Partei versuchte, demokratische Reformen im Land einzuführen. Der Prager Frühling wurde schließlich vom militärischen Eingreifen der Armeen des Warschauer Pakts und der anschließenden Verfolgung aller Beteiligten sowie der nicht konformen Bürger brutal niedergeschlagen. So hielt sich das kommunistische Regime in der Tschechoslowakei bis November 1989, als es während der als Samtene Revolution bekannten Ereignisse zusammenbrach. Der Beginn der Demokratie brachte aber eine Belebung des slowakischen Bedürfnisses nach Selbstbestimmung mit sich, welches der gemeinsame tschechoslowakische Staat nie ganz erfüllte. Am 31. Dezember 1992 endete die Tschechoslowakei also durch eine politische Vereinbarung und am 1. 1. 1993 entstanden die zwei Nachfolgerstaaten, die Tschechische Republik und die Slowakei.

Die Nachkriegszeit brachte eine politische Wende 2

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1918 Tomáš Garrigue

Masaryk, erster tschechoslowakischer Präsident

sche Seele des Landes auch in Zeiten zu erhalten, in denen Europa vom Faschismus bedroht wurde. Das Werk der Bildhauer Josef Vajce, Jan Bartoš und des Architekten Jiří Rathouský ließ der letzte tschechoslowakische und erste tschechische Präsident

Václav Havel, dem die Schwierigkeiten von Masaryks Entscheidung und deren Erfüllung mehr als jedem anderen bewusst waren, im Jahr 2000 errichten. Die Statue ist symbolisch in Richtung des Präsidentenamts ausgerichtet.

Archiv des Nationalmuseums, Fotoarchiv der Prager Burg, Tee für die amerikanischen Tschechen im Königlichen Garten, TGM mit Damen, Prag, 3. 7. 1920 © Nationalmuseum, Prag, Tschechische Republik

Museum Kampa q U Sovových mlýnů 503/2, Prag 1 – Kleinseite w www.museumkampa.cz František Kupka (1871–1957) war ein außergewöhnlicher Maler und Grafiker. Nach einer in Ostböhmen verbrachten Kindheit studierte er erst in Wien und dann in Paris, wo er sich dauerhaft niederließ. Sein frühes Werk wurde im Geiste des Realismus und Symbolismus geschaffen. Kupka interessierte sich schon damals für Philosophie und Spiritualismus, Naturwissenschaften sowie Musiktheorie.

Statue des Präsidenten Masaryk qH radčanské náměstí, Prag 1 Hradschin (siehe S.3) Mitten auf dem Hradčanské náměstí befindet sich eine Statue des ersten tschechoslowakischen Präsidenten Tomáš Garrigue Masaryk (TGM). Diese charismatische Persönlichkeit war eine der wichtigsten der jungen Tschechoslowakei.

Nach 1900 arbeitete sich Kupka zu immer größerer Unabhängigkeit der Farbe vor, die in ihrer Konzeption selbst zum Thema der Malerei wurde. Bereits 1912 stellte er zum ersten Mal völlig abstrakte Werke aus. Die Kritiker verhöhnten die Bilder, aber Kupka setzte seinen Weg fort. Bewegung und ihr Fluss wurden seine Inspiration für weitere Werke. Danach wandte sich sein Interesse der von organischen Formen der Natur und des Kosmos, Aspekten der Genese, der Schaffung und des Wachstums inspirierten Abstraktion zu. Genese ist das Motiv des Bilds Kosmischer Frühling – Schöpfung.

Mehr Hochschulpädagoge als Politiker, entschied er sich am Rande des Ersten Weltkriegs zu emigrieren, um – mit Hilfe der Entente (Frankreich, Großbritannien, Italien, Russland und USA) – den Fall der Habsburgermonarchie und die Schaffung eines eigenständigen Staates der Tschechen und Slowaken zu erreichen. Er musste nicht nur die konservativen Gegner in ganz Europa überzeugen, sondern sich auch um die internationale Eingliederung der geplanten Republik kümmern. Trotz aller Schwierigkeiten gelang das Vorhaben. Am 28. Oktober 1918 erschien die Tschechoslowakei auf der Karte Europas und TGM wurde ihr Präsident. Von seiner Nation geliebt und bewundert stand er vier Wahlperioden an der Spitze der Republik. Mit seiner Autorität näherte er politische Gegner einander an, unterstützte die junge Demokratie und schaffte es, die demokrati4

1919 František Kupka: Kosmischer Frühling – Schöpfung

Dieses Foto ist nur im gedruckten Katalog erhältlich.

Kupkas Werk wurde lange nicht gebührend geschätzt, wozu auch sein Individualismus beitrug, sein Unwille, sich Gruppenaktivitäten anzuschließen oder sich mit verschiedenen „ismen“ zu verbinden. František Kupka gehört zweifelsfrei zu den originellsten Künstlern des 20. Jahrhunderts und zu den internationalen Pionieren der abstrakten Kunst.  Bildnis des 1. tschechoslowakischen Präsidenten Tomáš G. Masaryk (1850–1937). Druck aus dem Besitz eines Wolhynientschechen und Angehörigen der tschechoslowakischen Auslandsarmee, veröffentlicht vom Informationsministerium 1945, Sammlung des Nationalmuseums, H8-19889. © Nationalmuseum, Prag, Tschechische Republik

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1918 Tomáš Garrigue

Masaryk, erster tschechoslowakischer Präsident

sche Seele des Landes auch in Zeiten zu erhalten, in denen Europa vom Faschismus bedroht wurde. Das Werk der Bildhauer Josef Vajce, Jan Bartoš und des Architekten Jiří Rathouský ließ der letzte tschechoslowakische und erste tschechische Präsident

Václav Havel, dem die Schwierigkeiten von Masaryks Entscheidung und deren Erfüllung mehr als jedem anderen bewusst waren, im Jahr 2000 errichten. Die Statue ist symbolisch in Richtung des Präsidentenamts ausgerichtet.

Archiv des Nationalmuseums, Fotoarchiv der Prager Burg, Tee für die amerikanischen Tschechen im Königlichen Garten, TGM mit Damen, Prag, 3. 7. 1920 © Nationalmuseum, Prag, Tschechische Republik

Museum Kampa q U Sovových mlýnů 503/2, Prag 1 – Kleinseite w www.museumkampa.cz František Kupka (1871–1957) war ein außergewöhnlicher Maler und Grafiker. Nach einer in Ostböhmen verbrachten Kindheit studierte er erst in Wien und dann in Paris, wo er sich dauerhaft niederließ. Sein frühes Werk wurde im Geiste des Realismus und Symbolismus geschaffen. Kupka interessierte sich schon damals für Philosophie und Spiritualismus, Naturwissenschaften sowie Musiktheorie.

Statue des Präsidenten Masaryk qH radčanské náměstí, Prag 1 Hradschin (siehe S.3) Mitten auf dem Hradčanské náměstí befindet sich eine Statue des ersten tschechoslowakischen Präsidenten Tomáš Garrigue Masaryk (TGM). Diese charismatische Persönlichkeit war eine der wichtigsten der jungen Tschechoslowakei.

Nach 1900 arbeitete sich Kupka zu immer größerer Unabhängigkeit der Farbe vor, die in ihrer Konzeption selbst zum Thema der Malerei wurde. Bereits 1912 stellte er zum ersten Mal völlig abstrakte Werke aus. Die Kritiker verhöhnten die Bilder, aber Kupka setzte seinen Weg fort. Bewegung und ihr Fluss wurden seine Inspiration für weitere Werke. Danach wandte sich sein Interesse der von organischen Formen der Natur und des Kosmos, Aspekten der Genese, der Schaffung und des Wachstums inspirierten Abstraktion zu. Genese ist das Motiv des Bilds Kosmischer Frühling – Schöpfung.

Mehr Hochschulpädagoge als Politiker, entschied er sich am Rande des Ersten Weltkriegs zu emigrieren, um – mit Hilfe der Entente (Frankreich, Großbritannien, Italien, Russland und USA) – den Fall der Habsburgermonarchie und die Schaffung eines eigenständigen Staates der Tschechen und Slowaken zu erreichen. Er musste nicht nur die konservativen Gegner in ganz Europa überzeugen, sondern sich auch um die internationale Eingliederung der geplanten Republik kümmern. Trotz aller Schwierigkeiten gelang das Vorhaben. Am 28. Oktober 1918 erschien die Tschechoslowakei auf der Karte Europas und TGM wurde ihr Präsident. Von seiner Nation geliebt und bewundert stand er vier Wahlperioden an der Spitze der Republik. Mit seiner Autorität näherte er politische Gegner einander an, unterstützte die junge Demokratie und schaffte es, die demokrati4

1919 František Kupka: Kosmischer Frühling – Schöpfung

Dieses Foto ist nur im gedruckten Katalog erhältlich.

Kupkas Werk wurde lange nicht gebührend geschätzt, wozu auch sein Individualismus beitrug, sein Unwille, sich Gruppenaktivitäten anzuschließen oder sich mit verschiedenen „ismen“ zu verbinden. František Kupka gehört zweifelsfrei zu den originellsten Künstlern des 20. Jahrhunderts und zu den internationalen Pionieren der abstrakten Kunst.  Bildnis des 1. tschechoslowakischen Präsidenten Tomáš G. Masaryk (1850–1937). Druck aus dem Besitz eines Wolhynientschechen und Angehörigen der tschechoslowakischen Auslandsarmee, veröffentlicht vom Informationsministerium 1945, Sammlung des Nationalmuseums, H8-19889. © Nationalmuseum, Prag, Tschechische Republik

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1920 Jože Plečnik – Südgärten der Prager Burg

Südgärten der Prager Burg qZ ugang vom Hradčanské náměstí, aus dem 3. Innenhof der Prager Burg oder durch das Tor über den Alten Schlossstiegen r vom 1. 4. bis zum 31. 10. täglich geöffnet w www.hrad.cz

Stiertreppe, über die man vom dritten Innenhof in die Südgärten der Prager Burg gelangt. Die Idee, Gärten an einer Stelle der mittelalterlichen Befestigung, die bereits in der Renaissance bepflanzt wurde, anzulegen, war genial. Von hier eröffnet sich der schönste Ausblick auf die Stadt. Die

sonnigen Gartenterrassen hatten ursprünglich privaten Charakter als Arbeits- und Erholungsort des Präsidenten, T. G. Masaryk ließ sie allerdings früh der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Es handelt sich um einen der herrlichsten Orte Prags, den sich kein Besucher entgehen lassen sollte.

© Archiv der Hauptstadt Prag

Die Prager Burg war seit jeher die Residenz der böhmischen Könige sowie einiger Kaiser des Heiligen Römischen Reichs. Nach Entstehung der eigenständigen Tschechoslowakei entschied sich der Präsident der Republik, hier sein Amt zu schaffen. Die Burg umzugestalten, mit Respekt gegenüber ihrer Geschichte zu modernisieren und gleichzeitig die Ansprüche des Präsidenten der neuen Republik zu befriedigen war nicht einfach. Dieser Aufgabe nahm sich jedoch einer von Europas besten Architekten der Zwischenkriegszeit, der im tschechischen Umfeld eingebürgerte Slowene Jože Plečnik, an. „Die Monarchieburg in eine Demokratieburg umgestalten“, lautete die resolute Anforderung T. G. Masaryks. Ab 1920, als Masaryk Plečnik beauftragte, begann eine Zeit hektischen Treibens. Im Laufe einiger Jahre veränderte sich das Burgareal umfassend, ohne dass die kostbaren historischen Bauten berührt wurden. Hinzugekommen sind neue Pflastersteine, interessante Fahnenmasten, die Säulenhalle als Eingang zu den repräsentativen Räumlichkeiten, der Granitobelisk, der bei der Kathedrale emporragt und die bis heute verblüffende 6

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1920 Jože Plečnik – Südgärten der Prager Burg

Südgärten der Prager Burg qZ ugang vom Hradčanské náměstí, aus dem 3. Innenhof der Prager Burg oder durch das Tor über den Alten Schlossstiegen r vom 1. 4. bis zum 31. 10. täglich geöffnet w www.hrad.cz

Stiertreppe, über die man vom dritten Innenhof in die Südgärten der Prager Burg gelangt. Die Idee, Gärten an einer Stelle der mittelalterlichen Befestigung, die bereits in der Renaissance bepflanzt wurde, anzulegen, war genial. Von hier eröffnet sich der schönste Ausblick auf die Stadt. Die

sonnigen Gartenterrassen hatten ursprünglich privaten Charakter als Arbeits- und Erholungsort des Präsidenten, T. G. Masaryk ließ sie allerdings früh der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Es handelt sich um einen der herrlichsten Orte Prags, den sich kein Besucher entgehen lassen sollte.

© Archiv der Hauptstadt Prag

Die Prager Burg war seit jeher die Residenz der böhmischen Könige sowie einiger Kaiser des Heiligen Römischen Reichs. Nach Entstehung der eigenständigen Tschechoslowakei entschied sich der Präsident der Republik, hier sein Amt zu schaffen. Die Burg umzugestalten, mit Respekt gegenüber ihrer Geschichte zu modernisieren und gleichzeitig die Ansprüche des Präsidenten der neuen Republik zu befriedigen war nicht einfach. Dieser Aufgabe nahm sich jedoch einer von Europas besten Architekten der Zwischenkriegszeit, der im tschechischen Umfeld eingebürgerte Slowene Jože Plečnik, an. „Die Monarchieburg in eine Demokratieburg umgestalten“, lautete die resolute Anforderung T. G. Masaryks. Ab 1920, als Masaryk Plečnik beauftragte, begann eine Zeit hektischen Treibens. Im Laufe einiger Jahre veränderte sich das Burgareal umfassend, ohne dass die kostbaren historischen Bauten berührt wurden. Hinzugekommen sind neue Pflastersteine, interessante Fahnenmasten, die Säulenhalle als Eingang zu den repräsentativen Räumlichkeiten, der Granitobelisk, der bei der Kathedrale emporragt und die bis heute verblüffende 6

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gesellschaftliche Herz Prags Palais Lucerna (Palác Lucerna) q Štěpánská 61 – Prag 1 w www.lucerna.cz Das Palais Lucerna in direkter Nachbarschaft des Wenzelsplatzes ist ein Beleg der beginnenden tschechischen Moderne, wobei sein eklektisches Design auch Spuren des späten Jugendstils trägt. Nach der Fertigstellung 1921 wurde es zum meistbesuchten Gesellschaftszentrum der Stadt. Das erlebte der Baumeister, Projektleiter und Unternehmer Ing. Vácslav Havel, Großvater des späteren Präsidenten Václav Havel, nicht mehr. Seine Büste finden Sie über den Stiegen. Unter einem Dach breiteten sich Büros, Ateliers, Wohnungen mit Terrassen, ein Mädchenpensionat, ein Kino, zwei Gesellschaftssäle und einige Gastronomiebetriebe aus. In der bis heute beliebten Lucernabar befand sich ein Kabarett, in dem sich die besten Jazzmusiker Europas trafen. Im Kino Lucerna wurden die ersten Tonfilme gezeigt. Eine Attraktion war die erste Durchgangspassage der Stadt, welche heute u.a. mit David Černýs provokant aufgehängter Statue des tschechischen Schirmherrn, dem Hl. Wenzel, lockt. Dank der Verankerung der Stahlbetonkonstruktion auf einer Betonplatte, die bis zu 14 m tief in der Erde 8

den auf. Hier tanzte Josephine Baker und spielten Louis Armstrong und Count Basie. Nun, ein Kultbau!

1922 Spielzeug Ladislav Sutnars Kunstgewerbemuseum in Prag q 17. listopadu 2, Prag 1 – Altstadt w www.upm.cz Die Holzspielzeuge des talentierten Designers und Grafikers Ladislav Sutnar, deren Entwurf auf Bestellung des Staatlichen Schulinstituts in den 20er Jahren entstand, gehörten zu den ersten wirklich modernen tschechischen Spielzeugen. Die Entwicklung und Form des Kinderspielzeugs Anfang des 20. Jahrhunderts wurde stark von modernen Strömungen beeinflusst, dank derer Spielzeug als Kunstobjekt wahrgenommen wurde. Eine bedeutende Rolle spielte auch die moderne Pädagogik. Aufgabe des Spielzeugs war es nicht nur, die kindliche Fantasie, die Sinneswahrnehmung und die Motorik zu entwickeln, sondern auch den Geschmack des Kindes zu kultivieren und seine ästhetischen Empfindungen zu entwickeln. Das Ergebnis war eine Abwendung vom traditionellen Naturalismus zur abstrakten Konzeption, der Verwendung vereinfachter geometrischer Formen und bunter Farben. Traditionelle Motive wurden von zeitgenössischen Motiven ergänzt – Autos, Maschinen und Fabriken. Von Hand erzeugte und bemalte Repliken von Sutnars stilisierten Tieren – Elefant, Nashorn, Kamel und Walross – gibt es heute wieder in einigen Geschäften mit hochwertigem tschechischem Design zu kaufen. Die erhaltenen Prototypen gibt es im Kunstgewerbemuseum in Prag zu sehen.

Foto © Kunstgewerbemuseum in Prag

1921 Palais Lucerna – das

versenkt ist, war der große Gesellschaftssaal ein technisches Wunder seiner Zeit. Im großen Saal trat vor und nach dem Krieg eine Reihe von Musiklegen-

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gesellschaftliche Herz Prags Palais Lucerna (Palác Lucerna) q Štěpánská 61 – Prag 1 w www.lucerna.cz Das Palais Lucerna in direkter Nachbarschaft des Wenzelsplatzes ist ein Beleg der beginnenden tschechischen Moderne, wobei sein eklektisches Design auch Spuren des späten Jugendstils trägt. Nach der Fertigstellung 1921 wurde es zum meistbesuchten Gesellschaftszentrum der Stadt. Das erlebte der Baumeister, Projektleiter und Unternehmer Ing. Vácslav Havel, Großvater des späteren Präsidenten Václav Havel, nicht mehr. Seine Büste finden Sie über den Stiegen. Unter einem Dach breiteten sich Büros, Ateliers, Wohnungen mit Terrassen, ein Mädchenpensionat, ein Kino, zwei Gesellschaftssäle und einige Gastronomiebetriebe aus. In der bis heute beliebten Lucernabar befand sich ein Kabarett, in dem sich die besten Jazzmusiker Europas trafen. Im Kino Lucerna wurden die ersten Tonfilme gezeigt. Eine Attraktion war die erste Durchgangspassage der Stadt, welche heute u.a. mit David Černýs provokant aufgehängter Statue des tschechischen Schirmherrn, dem Hl. Wenzel, lockt. Dank der Verankerung der Stahlbetonkonstruktion auf einer Betonplatte, die bis zu 14 m tief in der Erde 8

den auf. Hier tanzte Josephine Baker und spielten Louis Armstrong und Count Basie. Nun, ein Kultbau!

1922 Spielzeug Ladislav Sutnars Kunstgewerbemuseum in Prag q 17. listopadu 2, Prag 1 – Altstadt w www.upm.cz Die Holzspielzeuge des talentierten Designers und Grafikers Ladislav Sutnar, deren Entwurf auf Bestellung des Staatlichen Schulinstituts in den 20er Jahren entstand, gehörten zu den ersten wirklich modernen tschechischen Spielzeugen. Die Entwicklung und Form des Kinderspielzeugs Anfang des 20. Jahrhunderts wurde stark von modernen Strömungen beeinflusst, dank derer Spielzeug als Kunstobjekt wahrgenommen wurde. Eine bedeutende Rolle spielte auch die moderne Pädagogik. Aufgabe des Spielzeugs war es nicht nur, die kindliche Fantasie, die Sinneswahrnehmung und die Motorik zu entwickeln, sondern auch den Geschmack des Kindes zu kultivieren und seine ästhetischen Empfindungen zu entwickeln. Das Ergebnis war eine Abwendung vom traditionellen Naturalismus zur abstrakten Konzeption, der Verwendung vereinfachter geometrischer Formen und bunter Farben. Traditionelle Motive wurden von zeitgenössischen Motiven ergänzt – Autos, Maschinen und Fabriken. Von Hand erzeugte und bemalte Repliken von Sutnars stilisierten Tieren – Elefant, Nashorn, Kamel und Walross – gibt es heute wieder in einigen Geschäften mit hochwertigem tschechischem Design zu kaufen. Die erhaltenen Prototypen gibt es im Kunstgewerbemuseum in Prag zu sehen.

Foto © Kunstgewerbemuseum in Prag

1921 Palais Lucerna – das

versenkt ist, war der große Gesellschaftssaal ein technisches Wunder seiner Zeit. Im großen Saal trat vor und nach dem Krieg eine Reihe von Musiklegen-

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1923 Legiobanka – Bau des tschechischen nationalen Dekorativismus Palais Archa (Palác Archa) q Na Poříčí 1046/24, Prag 1 – Neustadt w www.palacarcha.cz Jeder, der die Straße Na Poříčí entlang geht, bleibt mit den Augen an der Fassade eines ungewöhnlichen monumentalen Gebäudes hängen. Dieses gehört der Legiobanka, der Bank der tschechoslowakischen Legionen, und für seinen Stil hat sich die Bezeichnung Rondokubismus durchgesetzt. Als es 1923 nach dem Entwurf des Architekten Josef Gočár vollendet wurde, wurde es zum Lehrbeispiel des Stils, der zwar die geometrischen Formen Würfel, Prismen und Pyramide verwendete, die Kanten aber abrundete. Die Reliefs und Skulpturen von Jan Štursa und Otto Gutfreund erinnern an die Bedeutung der Legionen – der tschechoslowakischen Armeeeinheiten, welche sich während dem Ersten Weltkrieg quer durch Europa bildeten, um die siegreiche Entente, aber vor allem die Entstehung der eigenständigen Tschechoslowakei, zu unterstützen. Auch wenn die Bank schon lange nicht mehr existiert, das Gebäude wurde vor einigen Jahren renoviert, um Platz für Büros, aber auch das Experimentaltheater Archa zu schaffen.

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1924 Palais Adria –

imposanter Rondokubismus mit mediterranem Hauch

geführte Bürgerforum an. Diese schnell gebildete politische Repräsentation, bestehend vor allem aus ehemaligen Dissidenten, führte das ganze Land innerhalb von einigen Wochen zu bedeutenden demokratischen Änderungen.

Im Sommer sitzt man angenehm auf der Terrasse des Cafés im zweiten Stock mit Ausblick auf die umgebende Architektur.

Palais Adria (Palác Adria) q Jungmannova 31, Prag 1 – Neustadt Riunione Adriatica di Sicurtà, so hieß die italienische Gesellschaft, für die die Architekten Josef Zasche und Pavel Janák einen originellen Prager Sitz gestalteten. Das Stahlbetonskelett ist von einer monumentalen Fassade abgedeckt, auf der sich im regelmäßigen Rhythmus des rondokubistischen Stils Bögen und Dreiecke abwechseln, ergänzt durch Statuen und Blumenmotive. Der tschechische Nationalstil wird von majestätischen Türmen gekrönt. Über der Terrasse verbergen sich Seefahrerskulpturen – Auftraggeber war eine Firma mit Sitz in der italienischen Hafenstadt Triest und ihre Prager Filiale verband See- und Landversicherungstätigkeiten. Die Eingangspassage in die mit glänzendem Marmor verzierten repräsentativen Säle wird an der Stirnseite von einer figuralen Gestaltung der zwölf Tierkreiszeichen, Tag und Nacht sowie Sonne und Mond geschmückt. Das Gebäude wurde auch Teil der neuzeitlichen Geschichte. Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die Räumlichkeiten im Erdgeschoss für die Vorstellungen der beliebten Laterna Magika (S. 51) umgebaut. Ende 1989 siedelte sich hier das von Václav Havel 11


1923 Legiobanka – Bau des tschechischen nationalen Dekorativismus Palais Archa (Palác Archa) q Na Poříčí 1046/24, Prag 1 – Neustadt w www.palacarcha.cz Jeder, der die Straße Na Poříčí entlang geht, bleibt mit den Augen an der Fassade eines ungewöhnlichen monumentalen Gebäudes hängen. Dieses gehört der Legiobanka, der Bank der tschechoslowakischen Legionen, und für seinen Stil hat sich die Bezeichnung Rondokubismus durchgesetzt. Als es 1923 nach dem Entwurf des Architekten Josef Gočár vollendet wurde, wurde es zum Lehrbeispiel des Stils, der zwar die geometrischen Formen Würfel, Prismen und Pyramide verwendete, die Kanten aber abrundete. Die Reliefs und Skulpturen von Jan Štursa und Otto Gutfreund erinnern an die Bedeutung der Legionen – der tschechoslowakischen Armeeeinheiten, welche sich während dem Ersten Weltkrieg quer durch Europa bildeten, um die siegreiche Entente, aber vor allem die Entstehung der eigenständigen Tschechoslowakei, zu unterstützen. Auch wenn die Bank schon lange nicht mehr existiert, das Gebäude wurde vor einigen Jahren renoviert, um Platz für Büros, aber auch das Experimentaltheater Archa zu schaffen.

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1924 Palais Adria –

imposanter Rondokubismus mit mediterranem Hauch

geführte Bürgerforum an. Diese schnell gebildete politische Repräsentation, bestehend vor allem aus ehemaligen Dissidenten, führte das ganze Land innerhalb von einigen Wochen zu bedeutenden demokratischen Änderungen.

Im Sommer sitzt man angenehm auf der Terrasse des Cafés im zweiten Stock mit Ausblick auf die umgebende Architektur.

Palais Adria (Palác Adria) q Jungmannova 31, Prag 1 – Neustadt Riunione Adriatica di Sicurtà, so hieß die italienische Gesellschaft, für die die Architekten Josef Zasche und Pavel Janák einen originellen Prager Sitz gestalteten. Das Stahlbetonskelett ist von einer monumentalen Fassade abgedeckt, auf der sich im regelmäßigen Rhythmus des rondokubistischen Stils Bögen und Dreiecke abwechseln, ergänzt durch Statuen und Blumenmotive. Der tschechische Nationalstil wird von majestätischen Türmen gekrönt. Über der Terrasse verbergen sich Seefahrerskulpturen – Auftraggeber war eine Firma mit Sitz in der italienischen Hafenstadt Triest und ihre Prager Filiale verband See- und Landversicherungstätigkeiten. Die Eingangspassage in die mit glänzendem Marmor verzierten repräsentativen Säle wird an der Stirnseite von einer figuralen Gestaltung der zwölf Tierkreiszeichen, Tag und Nacht sowie Sonne und Mond geschmückt. Das Gebäude wurde auch Teil der neuzeitlichen Geschichte. Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die Räumlichkeiten im Erdgeschoss für die Vorstellungen der beliebten Laterna Magika (S. 51) umgebaut. Ende 1989 siedelte sich hier das von Václav Havel 11


1925 Das befreite Theater – eine Ikone der Prager Avantgarde

Werich-Villa q U Sovových mlýnů 501/7, Prag 1 – Kleinseite w www.werichovavila.cz

Theaterstück Die Braut © Pestrý týden (Zeitschrift, dt: Bunte Woche), Quelle Mährische Landesbücherei

Das Gebäude des ehemaligen Edison-Umspannwerks gehörte zu den ersten Vertretern der funktionalistischen Architektur im Zentrum Prags. Es wurde zwischen 1926 und 1930 nach dem Entwurf des erfahrenen Architekten für Industriegebäude František Albert Libra errichtet. Mit dem sich erweiternden Netz Prager elektroenergetischer Systeme entstanden neue Umspannwerke, welche als Verbindungsstücke zwischen dem Zentralnetz und den Endverbrauchern dienten. In seiner Funktion diente das Edison-Umspannwerk bis Mitte der 90er Jahre. Aus architektonischer Sicht interessant ist der Bau durch seine kaskadenförmig eingezogene Fassade, welche dem Objekt eine einzigartige Dynamik gibt, sowie die vorgesetzte Stahlbetonwand mit ausgeprägten Rahmen der Stahlfenster.

Die glorreichste Zeit des Theaters ist mit dem Schaffen des Autoren- und Schauspielduos Jiří Voskovec und Jan Werich, kurz V+W, verbunden, denen sich der Komponist Jaroslav Ježek (J) anschloss. Inspiration tankten V+W bei verschiedensten Quellen, von den Clowns der Fratelli-Brüder über stumme Grotesken bis zur französischen literarischen Avantgarde. Die Komödien von V+W waren voller Satire, Wortwitz und Improvisation, mit dem starken Musikelement aus Ježeks Liedern, von denen viele bis heute beliebt sind.

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Edison-Umspannwerk (Edisonova transformační stanice) q Jeruzalémská 2, Prag 1 – Neustadt

Plakat der Inszenierung des Stücks Himmel auf Erden von Jiří Voskovec und Jan Werich, Befreites Theater, o.D. Sammlung des Nationalmuseums, H6C-7388 © Nationalmuseum, Prag, Tschechische Republik 

Das befreite Theater (Osvobozené divadlo) war ein 1925 gegründetes legendäres Prager Avantgardetheater, dessen populäre Inszenierungen von den Ideen des Dadaismus, Futurismus und Poetismus durchzogen waren.

In den 30er Jahren wurde das politische Klima in der Tschechoslowakei unerträglich und das Trio zog in die USA. Nach Aufkommen des Kommunismus trennten sich die Schicksale von V+W. Jiří Voskovec emigrierte in die USA, wo er seine Schauspielkarriere fortsetzte. Er spielte u.a. im bekannten Film Die zwölf Geschworenen von Sidney Lumet mit. Jan

1926 Edison-Umspannwerk – unauffällige industrielle Eleganz

Werich blieb in der kommunistischen Tschechoslowakei, wo er sich trotz Probleme mit dem Regime der literarischen und Theaterarbeit sowie dem Film widmete. Eine Exposition über V+W+J können sie in der einstigen Villa Jan Werichs in Kampa besuchen, welche vor kurzem als Kulturraum und Museum zugänglich gemacht wurde.

© Adolf Hoffmeister Familie

Der Bau wurde nach seiner Fertigstellung 1930 von den Lichtplastiken des tschechischen Avantgardebildhauers Zdeněk Pešánek (mehr auf S. 25), einem der ersten tschechischen Schaffer kinetischer Plastiken, gekrönt. In seine Werke arbeitete Pešánek verschiedene Arten von elektrischer Beleuchtung und Neon ein, deshalb wählte die Leitung der Prager Elektrobetriebe seine Arbeit aus. Es handelte sich um die erste öffentliche Lichtplastik der Welt. Deren Original verschwand leider noch vor dem Zweiten Weltkrieg. 13


1925 Das befreite Theater – eine Ikone der Prager Avantgarde

Werich-Villa q U Sovových mlýnů 501/7, Prag 1 – Kleinseite w www.werichovavila.cz

Theaterstück Die Braut © Pestrý týden (Zeitschrift, dt: Bunte Woche), Quelle Mährische Landesbücherei

Das Gebäude des ehemaligen Edison-Umspannwerks gehörte zu den ersten Vertretern der funktionalistischen Architektur im Zentrum Prags. Es wurde zwischen 1926 und 1930 nach dem Entwurf des erfahrenen Architekten für Industriegebäude František Albert Libra errichtet. Mit dem sich erweiternden Netz Prager elektroenergetischer Systeme entstanden neue Umspannwerke, welche als Verbindungsstücke zwischen dem Zentralnetz und den Endverbrauchern dienten. In seiner Funktion diente das Edison-Umspannwerk bis Mitte der 90er Jahre. Aus architektonischer Sicht interessant ist der Bau durch seine kaskadenförmig eingezogene Fassade, welche dem Objekt eine einzigartige Dynamik gibt, sowie die vorgesetzte Stahlbetonwand mit ausgeprägten Rahmen der Stahlfenster.

Die glorreichste Zeit des Theaters ist mit dem Schaffen des Autoren- und Schauspielduos Jiří Voskovec und Jan Werich, kurz V+W, verbunden, denen sich der Komponist Jaroslav Ježek (J) anschloss. Inspiration tankten V+W bei verschiedensten Quellen, von den Clowns der Fratelli-Brüder über stumme Grotesken bis zur französischen literarischen Avantgarde. Die Komödien von V+W waren voller Satire, Wortwitz und Improvisation, mit dem starken Musikelement aus Ježeks Liedern, von denen viele bis heute beliebt sind.

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Edison-Umspannwerk (Edisonova transformační stanice) q Jeruzalémská 2, Prag 1 – Neustadt

Plakat der Inszenierung des Stücks Himmel auf Erden von Jiří Voskovec und Jan Werich, Befreites Theater, o.D. Sammlung des Nationalmuseums, H6C-7388 © Nationalmuseum, Prag, Tschechische Republik 

Das befreite Theater (Osvobozené divadlo) war ein 1925 gegründetes legendäres Prager Avantgardetheater, dessen populäre Inszenierungen von den Ideen des Dadaismus, Futurismus und Poetismus durchzogen waren.

In den 30er Jahren wurde das politische Klima in der Tschechoslowakei unerträglich und das Trio zog in die USA. Nach Aufkommen des Kommunismus trennten sich die Schicksale von V+W. Jiří Voskovec emigrierte in die USA, wo er seine Schauspielkarriere fortsetzte. Er spielte u.a. im bekannten Film Die zwölf Geschworenen von Sidney Lumet mit. Jan

1926 Edison-Umspannwerk – unauffällige industrielle Eleganz

Werich blieb in der kommunistischen Tschechoslowakei, wo er sich trotz Probleme mit dem Regime der literarischen und Theaterarbeit sowie dem Film widmete. Eine Exposition über V+W+J können sie in der einstigen Villa Jan Werichs in Kampa besuchen, welche vor kurzem als Kulturraum und Museum zugänglich gemacht wurde.

© Adolf Hoffmeister Familie

Der Bau wurde nach seiner Fertigstellung 1930 von den Lichtplastiken des tschechischen Avantgardebildhauers Zdeněk Pešánek (mehr auf S. 25), einem der ersten tschechischen Schaffer kinetischer Plastiken, gekrönt. In seine Werke arbeitete Pešánek verschiedene Arten von elektrischer Beleuchtung und Neon ein, deshalb wählte die Leitung der Prager Elektrobetriebe seine Arbeit aus. Es handelte sich um die erste öffentliche Lichtplastik der Welt. Deren Original verschwand leider noch vor dem Zweiten Weltkrieg. 13


1927 Praga Alfa 6 –

der legendäre Sechszylinder

1928 Messepalast, Nationalgalerie in Prag – funktionalistischer Tempel

die Straßen Prags, in den Cabriolets brachen die jungen Gentlemans die Herzen der vorbeigehenden Damen. Der Alfa wurde auch als viertüriger, viersitziger Phaeton oder als zweisitziges Coupé hergestellt.

moderner Kunst

Der Fabrikskomplex Pragovka dient heutzutage als Kunst- und Kulturzentrum. Zukünftig soll hier auch das Museum der Marken seinen Sitz haben.

Messepalast, Nationalgalerie in Prag (Národní galerie v Praze – Veletržní palác) qD ukelských hrdinů 47, Prag 7 – Holešovice w www.ngprague.cz

Spazierfahrt mit dem Automobil Praga: Prague Chauffeurs w www.praguechauffeurs.com Pragovka Art District qKolbenova 923/34A, Prag 9 – Vysočany w www.pragovka.com

Beim Eintritt in den Sitz der Sammlung moderner Kunst der Nationalgalerie in Prag kann man kaum glauben, dass dieser funktionalistische Bau – einst der größte der Welt – bereits seinen 90. Geburtstag feiert. Mit seinen Maßen hinterließ er sogar bei Le Corbusiera, dem Vater des Funktionalismus selbst, einen starken Eindruck. Das Werk der Architekten Oldřich Tyl und Josef Fuchs, ist 120 m lang, 60 m breit und 30 m hoch.

Die Marke Praga wurde 1907 gegründet und erzeugte Personen- und Lastkraftfahrzeuge, Autobusse, Motorräder, Flugzeuge und Landwirtschafts- sowie Kriegstechnik. In fast jedem Bereich erzeugte Praga eine Reihe von Modellen, von denen einige in die Geschichte eingingen. Die Bezeichnung Alfa verwendete der Automobilerzeuger Praga mit Sitz im Prager Bezirk Libeň schon vor dem Ersten Weltkrieg. Bis Ende der 20er Jahre trugen ihn kleinere Wagen mit Vierzylindermotoren. Im September 1927 debütierte der erste sechszylindrige Praga Alfa 6 mit dem wassergekühlten serienmäßigen Sechszylinder SV und einem Volumen von 1 496 cm3 in den Prager Autosalons. Der Alfa erreichte eine Maximalgeschwindigkeit von 80 km/h und der Verbrauch des Fahrzeugs betrug 12 l Benzin auf 100 km. Der Alfa wurde in vielen Karrosserievarianten produziert: in der sechssitzigen Limousine kurvte die tschechoslowakische Creme de la Creme durch 14

Quelle: Archiv Jan Tučeks

© Archiv Veteran Car Club Praha

© Praga klub z.s

Quelle: Archiv Jan Tučeks

Der Messepalast wurde für die Veranstaltung von Messen und Ausstellungen mitten im Industrieviertel Holešovice erbaut. Einzigartig waren neben seinen Maßen, dem verwendeten Material und der Form auch die Funktionalität. Prag hätte dieses Schmuckstück aber fast verloren. 1974 brach ein Feuer im Messepalast aus, das 13 Tage lang gelöscht wurde und eine totale Verwüstung hinterließ; es wurde aber erfolgreich rekonstruiert. Heute hat die Nationalgalerie weitere große Pläne mit dem Gebäude, trotzdem können Sie neben der Architektur vor allem die Werke moderner Maler des 19. und 20. Jahrhundert hier bewundern (u.a. Picasso, Braque, Renoir, van Gogh, Klimt und Kupka). Foto © Nationalgalerie in Prag

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1927 Praga Alfa 6 –

der legendäre Sechszylinder

1928 Messepalast, Nationalgalerie in Prag – funktionalistischer Tempel

die Straßen Prags, in den Cabriolets brachen die jungen Gentlemans die Herzen der vorbeigehenden Damen. Der Alfa wurde auch als viertüriger, viersitziger Phaeton oder als zweisitziges Coupé hergestellt.

moderner Kunst

Der Fabrikskomplex Pragovka dient heutzutage als Kunst- und Kulturzentrum. Zukünftig soll hier auch das Museum der Marken seinen Sitz haben.

Messepalast, Nationalgalerie in Prag (Národní galerie v Praze – Veletržní palác) qD ukelských hrdinů 47, Prag 7 – Holešovice w www.ngprague.cz

Spazierfahrt mit dem Automobil Praga: Prague Chauffeurs w www.praguechauffeurs.com Pragovka Art District qKolbenova 923/34A, Prag 9 – Vysočany w www.pragovka.com

Beim Eintritt in den Sitz der Sammlung moderner Kunst der Nationalgalerie in Prag kann man kaum glauben, dass dieser funktionalistische Bau – einst der größte der Welt – bereits seinen 90. Geburtstag feiert. Mit seinen Maßen hinterließ er sogar bei Le Corbusiera, dem Vater des Funktionalismus selbst, einen starken Eindruck. Das Werk der Architekten Oldřich Tyl und Josef Fuchs, ist 120 m lang, 60 m breit und 30 m hoch.

Die Marke Praga wurde 1907 gegründet und erzeugte Personen- und Lastkraftfahrzeuge, Autobusse, Motorräder, Flugzeuge und Landwirtschafts- sowie Kriegstechnik. In fast jedem Bereich erzeugte Praga eine Reihe von Modellen, von denen einige in die Geschichte eingingen. Die Bezeichnung Alfa verwendete der Automobilerzeuger Praga mit Sitz im Prager Bezirk Libeň schon vor dem Ersten Weltkrieg. Bis Ende der 20er Jahre trugen ihn kleinere Wagen mit Vierzylindermotoren. Im September 1927 debütierte der erste sechszylindrige Praga Alfa 6 mit dem wassergekühlten serienmäßigen Sechszylinder SV und einem Volumen von 1 496 cm3 in den Prager Autosalons. Der Alfa erreichte eine Maximalgeschwindigkeit von 80 km/h und der Verbrauch des Fahrzeugs betrug 12 l Benzin auf 100 km. Der Alfa wurde in vielen Karrosserievarianten produziert: in der sechssitzigen Limousine kurvte die tschechoslowakische Creme de la Creme durch 14

Quelle: Archiv Jan Tučeks

© Archiv Veteran Car Club Praha

© Praga klub z.s

Quelle: Archiv Jan Tučeks

Der Messepalast wurde für die Veranstaltung von Messen und Ausstellungen mitten im Industrieviertel Holešovice erbaut. Einzigartig waren neben seinen Maßen, dem verwendeten Material und der Form auch die Funktionalität. Prag hätte dieses Schmuckstück aber fast verloren. 1974 brach ein Feuer im Messepalast aus, das 13 Tage lang gelöscht wurde und eine totale Verwüstung hinterließ; es wurde aber erfolgreich rekonstruiert. Heute hat die Nationalgalerie weitere große Pläne mit dem Gebäude, trotzdem können Sie neben der Architektur vor allem die Werke moderner Maler des 19. und 20. Jahrhundert hier bewundern (u.a. Picasso, Braque, Renoir, van Gogh, Klimt und Kupka). Foto © Nationalgalerie in Prag

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1929 Kirche des Hl. Erzengels Michael am Petřín – Erinnerung an Transkarpatien Kirche des Hl. Erzengels Michael (Chrám sv. archanděla Michaela) qK inský Garten, Prag 5 – Smíchov 50°4′42,3″ s. š., 14°23′54,3″ v. d. Die orthodoxe Holzkirche mit Schindeldach im Kinský Garten wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhundert in der Nähe von Mukatschewo in der Karpatenukraine, dem heutigen Transkarpatien, erbaut. Im Jahre 1929 wurde sie als Vorzeigestück eines traditionellen volkstümlichen Baus und gleichzeitig als diplomatische Geste Prag überlassen – schließlich war die Karpatenukraine damals Teil der Tschechoslowakei und Prag somit die Hauptstadt auch für die dortige Bevölkerung. Nach sorgfältiger Überlegung fiel die Ortswahl auf den Petřínhügel, damit dieses hölzerne Schmuckstück wieder auf einer Anhöhe und im Grün der Bäume steht, wie in seiner ursprünglichen Umgebung. Der Blockbau hat drei ausgeprägt zwiebelförmige Türmchen. Der Hauptkirchenturm steht über dem Frauenbereich der Kirche. Die Türme sind polychrom in drei Farben, weiß, grün und rot, als Symbole für Glaube, Hoffnung und Liebe. Der Boden besteht nur aus festgestampftem Lehm. Um den Eingangsbereich befindet sich ein hölzerner 16

Wandelgang, der bei schlechtem Wetter die Gläubigen, die nicht mehr hineinpassten, schützte. Der Bau ist auch dadurch einzigartig, dass sich kein einziger Nagel darin befindet.

Die Kirche wird heutzutage von der orthodoxen Gemeinde genutzt. Der Öffentlichkeit ist die Kirche nur vor dem Gottesdienst am Sonntag oder Montag zugänglich.

1930 Villa Müller – Loos‘ Prager Juwel

Foto Martin Polák © Museum der Hauptstadt Prag

Villa Müller (Müllerova vila) qN ad Hradním vodojemem 14, Prag 6 – Střešovice w www.mullerovavila.cz pW ir machen darauf aufmerksam, dass ein Besuch der Villa im Vorhinein unter der oben angegebenen Internetadresse reserviert werden muss. Die schlichte Villa gehört zu den Kultdenkmälern der modernen Architektur Tschechiens und der Welt. Der Besitzer der Villa, František Müller, war ein bedeutender Vertreter der damaligen tschechischen Gesellschaft und den Auftrag seines eigenen Wohnsitzes vergab er an einen der größten Architekten der damaligen Zeit – Adolf Loos, dessen provokante Ideen über die primäre Rolle der Funktion in der Architektur die zukünftige Theorie und Praxis des Gebiets stark beeinflussten. Der Entwurf der Villa schockierte zu ihrer Zeit. Der Quaderbau ohne Dekoelemente stand in starkem Kontrast zur damaligen historisierenden Architektur. Das städtische Bauamt verweigerte Loos sogar mehrmals die Baugenehmigung. Die Villa wurde letztendlich in den Jahren 1928‒1930 gebaut. Ihre Einzigartigkeit versteckt sie vor allem innen – im faszinierend geteilten Raum fließen die einzelnen Stockwerke und Räume im Sinne von Loos‘ „Raumplantheorie“ dynamisch ineinander. Einzigartig ist auch Loos‘ Arbeit mit Farbe und exklusiven Materialien. Loos‘ besonderes, luxuriöses und zeitloses Haus beeinflusste ganze Generationen tschechischer Architekten. 17


1929 Kirche des Hl. Erzengels Michael am Petřín – Erinnerung an Transkarpatien Kirche des Hl. Erzengels Michael (Chrám sv. archanděla Michaela) qK inský Garten, Prag 5 – Smíchov 50°4′42,3″ s. š., 14°23′54,3″ v. d. Die orthodoxe Holzkirche mit Schindeldach im Kinský Garten wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhundert in der Nähe von Mukatschewo in der Karpatenukraine, dem heutigen Transkarpatien, erbaut. Im Jahre 1929 wurde sie als Vorzeigestück eines traditionellen volkstümlichen Baus und gleichzeitig als diplomatische Geste Prag überlassen – schließlich war die Karpatenukraine damals Teil der Tschechoslowakei und Prag somit die Hauptstadt auch für die dortige Bevölkerung. Nach sorgfältiger Überlegung fiel die Ortswahl auf den Petřínhügel, damit dieses hölzerne Schmuckstück wieder auf einer Anhöhe und im Grün der Bäume steht, wie in seiner ursprünglichen Umgebung. Der Blockbau hat drei ausgeprägt zwiebelförmige Türmchen. Der Hauptkirchenturm steht über dem Frauenbereich der Kirche. Die Türme sind polychrom in drei Farben, weiß, grün und rot, als Symbole für Glaube, Hoffnung und Liebe. Der Boden besteht nur aus festgestampftem Lehm. Um den Eingangsbereich befindet sich ein hölzerner 16

Wandelgang, der bei schlechtem Wetter die Gläubigen, die nicht mehr hineinpassten, schützte. Der Bau ist auch dadurch einzigartig, dass sich kein einziger Nagel darin befindet.

Die Kirche wird heutzutage von der orthodoxen Gemeinde genutzt. Der Öffentlichkeit ist die Kirche nur vor dem Gottesdienst am Sonntag oder Montag zugänglich.

1930 Villa Müller – Loos‘ Prager Juwel

Foto Martin Polák © Museum der Hauptstadt Prag

Villa Müller (Müllerova vila) qN ad Hradním vodojemem 14, Prag 6 – Střešovice w www.mullerovavila.cz pW ir machen darauf aufmerksam, dass ein Besuch der Villa im Vorhinein unter der oben angegebenen Internetadresse reserviert werden muss. Die schlichte Villa gehört zu den Kultdenkmälern der modernen Architektur Tschechiens und der Welt. Der Besitzer der Villa, František Müller, war ein bedeutender Vertreter der damaligen tschechischen Gesellschaft und den Auftrag seines eigenen Wohnsitzes vergab er an einen der größten Architekten der damaligen Zeit – Adolf Loos, dessen provokante Ideen über die primäre Rolle der Funktion in der Architektur die zukünftige Theorie und Praxis des Gebiets stark beeinflussten. Der Entwurf der Villa schockierte zu ihrer Zeit. Der Quaderbau ohne Dekoelemente stand in starkem Kontrast zur damaligen historisierenden Architektur. Das städtische Bauamt verweigerte Loos sogar mehrmals die Baugenehmigung. Die Villa wurde letztendlich in den Jahren 1928‒1930 gebaut. Ihre Einzigartigkeit versteckt sie vor allem innen – im faszinierend geteilten Raum fließen die einzelnen Stockwerke und Räume im Sinne von Loos‘ „Raumplantheorie“ dynamisch ineinander. Einzigartig ist auch Loos‘ Arbeit mit Farbe und exklusiven Materialien. Loos‘ besonderes, luxuriöses und zeitloses Haus beeinflusste ganze Generationen tschechischer Architekten. 17


1931 Zoologischer Garten

Hauptgebäude des Prager Zoos © Archiv Zoo Prag

der Hauptstadt Prag

1932 Kirche des heiligsten Herzens

des Herrn – Noahs Arche im Grünen

Zoologischer Garten der Hauptstadt Prag (Zoologická zahrada hlavního města Prahy) qU Trojského zámku 3, Prag 7 – Troja w www.zoopraha.cz

Kirche des heiligsten Herzens des Herrn (Kostel Nejsvětějšího Srdce Páně) qN áměstí Jiřího z Poděbrad, Prag 3 – Vinohrady w www.srdcepane.cz

Nach einigen nicht gelungenen Versuchen, bereits Ende des 19. Jahrhunderts einen zoologischen Garten in Prag anzulegen, nahm sich der Pädagoge und Ornithologe Professor Jiří Janda des Projekts an, geleitete es zum Erfolg und wurde sein erster Direktor. Der Zoo wurde im Jahre 1931 eröffnet und ist nach der Prager Burg das meistbesuchte touristische Ziel Tschechiens. Dank seiner einzigartigen Lage gehört er zu den schönsten Zoos der Welt. Sein abwechslungsreiches Terrain bietet einen bis zu zehn Kilometer langen Spaziergang, an 12 Pavillons und mehr als 150 Expositionen vorbei.

Als Prag kurz nach Entstehung der Tschechoslowakei zur Hauptstadt des neuen Staats wurde, wuchs es auch durch den Zusammenschluss mit den umliegenden Vororten. Damals kam der Gedanke auf, eine Kirche für die Bewohner Vinohradys zu errichten. Obwohl mehr als 30 Bewerbungen auf die Ausschreibung eingingen, fiel die Wahl auf einen Architekten, der gar nicht teilgenommen hatte. Die Experten hielten ihn aber für den Besten – es war Jože Plečnik, ein Slowene der seit langem als Architekturprofessor in Prag tätig war (siehe auch S. 6). Vom Entwurf bis zu seiner Realisierung vergingen aber zehn lange Jahre.

Der Stolz des Zoos ist das Elefantental, wo die Besucher die große Herde indischer Elefanten beobachten können, außerdem das Velemlokárium, in dem es die größten Amphibien der Welt zu sehen gibt – den vom Aussterben bedrohten Chinesischen Riesensalamander, sowie das gigantische Glashaus des Indonesischen Dschungels. Ein Besucherfavorit ist die ständig wachsende Familie Westlicher Gorillas mit ihrem charismatischen Anführer Richard. 2017 wurde der Zoo zum Fünftbesten der Welt gewählt. 18

Erster Direktor des Prager Zoos Prof. Jiří Janda und Elefant Baby © Archiv Zoo Prag

dem er voll vertraute und freie Hand in der Auswahl von Bildhauern und Kunsthandwerkern ließ, umgesetzt. So entstand ein einzigartiger Sakralbau, dessen Besuch wir unbedingt empfehlen.

© Urheber №8, CC BY 2.0  https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30328223

Plečniks Ziel war es, ein Abbild von Noahs Arche mitten in Vinohrady aus einfachen glasierten Ziegeln zu erschaffen, mit einem breiten dominanten Turm. Der Gläubige sollte in einen schlichten ungegliederten Innenraum im Geiste der antiken Tempel treten. Nur kleine Kreuze an den Wänden und Glasmalereien mit modernen Farben von Karel Svollinský unter den Fenstern schmücken diesen Raum, der von einer überlebensgroßen Darstellung von Jesus Christus beherrscht wird. Auch wenn Plečnik sein Werk nicht vollenden konnte, wurde es vom Architekten Otto Rothmayer, Plečniks Schüler, 19


1931 Zoologischer Garten

Hauptgebäude des Prager Zoos © Archiv Zoo Prag

der Hauptstadt Prag

1932 Kirche des heiligsten Herzens

des Herrn – Noahs Arche im Grünen

Zoologischer Garten der Hauptstadt Prag (Zoologická zahrada hlavního města Prahy) qU Trojského zámku 3, Prag 7 – Troja w www.zoopraha.cz

Kirche des heiligsten Herzens des Herrn (Kostel Nejsvětějšího Srdce Páně) qN áměstí Jiřího z Poděbrad, Prag 3 – Vinohrady w www.srdcepane.cz

Nach einigen nicht gelungenen Versuchen, bereits Ende des 19. Jahrhunderts einen zoologischen Garten in Prag anzulegen, nahm sich der Pädagoge und Ornithologe Professor Jiří Janda des Projekts an, geleitete es zum Erfolg und wurde sein erster Direktor. Der Zoo wurde im Jahre 1931 eröffnet und ist nach der Prager Burg das meistbesuchte touristische Ziel Tschechiens. Dank seiner einzigartigen Lage gehört er zu den schönsten Zoos der Welt. Sein abwechslungsreiches Terrain bietet einen bis zu zehn Kilometer langen Spaziergang, an 12 Pavillons und mehr als 150 Expositionen vorbei.

Als Prag kurz nach Entstehung der Tschechoslowakei zur Hauptstadt des neuen Staats wurde, wuchs es auch durch den Zusammenschluss mit den umliegenden Vororten. Damals kam der Gedanke auf, eine Kirche für die Bewohner Vinohradys zu errichten. Obwohl mehr als 30 Bewerbungen auf die Ausschreibung eingingen, fiel die Wahl auf einen Architekten, der gar nicht teilgenommen hatte. Die Experten hielten ihn aber für den Besten – es war Jože Plečnik, ein Slowene der seit langem als Architekturprofessor in Prag tätig war (siehe auch S. 6). Vom Entwurf bis zu seiner Realisierung vergingen aber zehn lange Jahre.

Der Stolz des Zoos ist das Elefantental, wo die Besucher die große Herde indischer Elefanten beobachten können, außerdem das Velemlokárium, in dem es die größten Amphibien der Welt zu sehen gibt – den vom Aussterben bedrohten Chinesischen Riesensalamander, sowie das gigantische Glashaus des Indonesischen Dschungels. Ein Besucherfavorit ist die ständig wachsende Familie Westlicher Gorillas mit ihrem charismatischen Anführer Richard. 2017 wurde der Zoo zum Fünftbesten der Welt gewählt. 18

Erster Direktor des Prager Zoos Prof. Jiří Janda und Elefant Baby © Archiv Zoo Prag

dem er voll vertraute und freie Hand in der Auswahl von Bildhauern und Kunsthandwerkern ließ, umgesetzt. So entstand ein einzigartiger Sakralbau, dessen Besuch wir unbedingt empfehlen.

© Urheber №8, CC BY 2.0  https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30328223

Plečniks Ziel war es, ein Abbild von Noahs Arche mitten in Vinohrady aus einfachen glasierten Ziegeln zu erschaffen, mit einem breiten dominanten Turm. Der Gläubige sollte in einen schlichten ungegliederten Innenraum im Geiste der antiken Tempel treten. Nur kleine Kreuze an den Wänden und Glasmalereien mit modernen Farben von Karel Svollinský unter den Fenstern schmücken diesen Raum, der von einer überlebensgroßen Darstellung von Jesus Christus beherrscht wird. Auch wenn Plečnik sein Werk nicht vollenden konnte, wurde es vom Architekten Otto Rothmayer, Plečniks Schüler, 19


Extase © RGA

1933 Barrandov Studio –

Barrandover Ateliers © Barrandov Studio a.s.

tschechisches Hollywood an der Moldau Barrandov Studio qK říženeckého nám. 322/5, Prag 5 – Hlubočepy w www.barrandov.cz Prag spielte eine wichtige Rolle in der Entstehung und Entwicklung der tschechischen Filmindustrie und -kultur. 1933 fiel die erste Klappe in den neuen Ateliers in Barrandov, bis heute die größten der Tschechischen Republik und unter den größten Europas. Das Studio brachte in den mehr als 80 Jahren seiner Existenz fast 3 000 Tonfilme heraus – darunter zwei Teile von Mission: Impossible, den Bond Film Casino Royale, zwei Teile der Serie Chroniken von Narnia und den ersten Teil der Serie über den Agenten Bourne. Hinter der Entstehung der Barrandover Ateliers stand Miloš Havel, ein erfolgreicher Unternehmer in der Filmindustrie, der in den 30er Jahren seine Ateliers aus Vinohrady hierher übersiedelte. Mit schwindelerregender Geschwindigkeit entstand hier ein supermodernes Areal, das vom zentralen Gebäude im funktionalistischen Stil dominiert wird.

Extase (Regie: Gustav Machatý) Im Eröffnungsjahr der Barrandover Ateliers feierte Gustav Machatýs Kultfilm mit dem Titel Extase seine Premiere in der Tschechoslowakei. Dieser wurde zu einem der international bekanntesten tschechischen Filme der Vorkriegszeit.

cher hinter die Kulissen klassischer und moderner Film- und Fernsehproduktionen blicken lässt, Teil des Hauptgebäudes.

Hauptgebäude © Archiv der Hauptstadt Prag

Das Drama über ein Liebesdreieck fesselte die Zuschauer mit seinen künstlerischen Werten (Bildmetaphern, Arbeit mit dem Licht, Musik), gleichzeitig löste es aber mit einigen provokanten Erotikszenen einen bis dahin nicht vorgekommenen Skandal aus. Die Szene, in der die Hauptfigur, dargestellt von der charmanten Hedy Lamarr (die später den Durchbruch als Schauspielerin und Erfinderin in den USA schaffte), nackt badet, gehörte zu den ersten Beispielen weiblicher Nacktheit im Film. Der Film wurde sogar vom Papst verurteilt. Der damalige Ehemann von Hedy Lamarr wiederum gab mehr als 5 Millionen Dollar aus beim Versuch, alle existierenden Kopien des Films aufzukaufen. Trotz der Probleme mit der Zensur und den kontroversen Reaktionen der Zuseher nahm Machatý im Jahre 1934 am Internationalen Filmfestival in Venedig den Preis für die beste Regie entgegen. Barrandov in den 30er Jahren © Barrandov Studio a.s.

Das Barrandov Studio ist heute ein anerkanntes Filmstudio mit 13 Filmateliers (eines davon gehört zu den größten schalldichten Ateliers in Europa), weitläufigem Außenbereich und einem der größten Kostüm- und Requisitenfundus in Europa. Seit 2014 ist der Ausstellungsbereich Filmpoint, der die Besu20

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Extase © RGA

1933 Barrandov Studio –

Barrandover Ateliers © Barrandov Studio a.s.

tschechisches Hollywood an der Moldau Barrandov Studio qK říženeckého nám. 322/5, Prag 5 – Hlubočepy w www.barrandov.cz Prag spielte eine wichtige Rolle in der Entstehung und Entwicklung der tschechischen Filmindustrie und -kultur. 1933 fiel die erste Klappe in den neuen Ateliers in Barrandov, bis heute die größten der Tschechischen Republik und unter den größten Europas. Das Studio brachte in den mehr als 80 Jahren seiner Existenz fast 3 000 Tonfilme heraus – darunter zwei Teile von Mission: Impossible, den Bond Film Casino Royale, zwei Teile der Serie Chroniken von Narnia und den ersten Teil der Serie über den Agenten Bourne. Hinter der Entstehung der Barrandover Ateliers stand Miloš Havel, ein erfolgreicher Unternehmer in der Filmindustrie, der in den 30er Jahren seine Ateliers aus Vinohrady hierher übersiedelte. Mit schwindelerregender Geschwindigkeit entstand hier ein supermodernes Areal, das vom zentralen Gebäude im funktionalistischen Stil dominiert wird.

Extase (Regie: Gustav Machatý) Im Eröffnungsjahr der Barrandover Ateliers feierte Gustav Machatýs Kultfilm mit dem Titel Extase seine Premiere in der Tschechoslowakei. Dieser wurde zu einem der international bekanntesten tschechischen Filme der Vorkriegszeit.

cher hinter die Kulissen klassischer und moderner Film- und Fernsehproduktionen blicken lässt, Teil des Hauptgebäudes.

Hauptgebäude © Archiv der Hauptstadt Prag

Das Drama über ein Liebesdreieck fesselte die Zuschauer mit seinen künstlerischen Werten (Bildmetaphern, Arbeit mit dem Licht, Musik), gleichzeitig löste es aber mit einigen provokanten Erotikszenen einen bis dahin nicht vorgekommenen Skandal aus. Die Szene, in der die Hauptfigur, dargestellt von der charmanten Hedy Lamarr (die später den Durchbruch als Schauspielerin und Erfinderin in den USA schaffte), nackt badet, gehörte zu den ersten Beispielen weiblicher Nacktheit im Film. Der Film wurde sogar vom Papst verurteilt. Der damalige Ehemann von Hedy Lamarr wiederum gab mehr als 5 Millionen Dollar aus beim Versuch, alle existierenden Kopien des Films aufzukaufen. Trotz der Probleme mit der Zensur und den kontroversen Reaktionen der Zuseher nahm Machatý im Jahre 1934 am Internationalen Filmfestival in Venedig den Preis für die beste Regie entgegen. Barrandov in den 30er Jahren © Barrandov Studio a.s.

Das Barrandov Studio ist heute ein anerkanntes Filmstudio mit 13 Filmateliers (eines davon gehört zu den größten schalldichten Ateliers in Europa), weitläufigem Außenbereich und einem der größten Kostüm- und Requisitenfundus in Europa. Seit 2014 ist der Ausstellungsbereich Filmpoint, der die Besu20

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1934 Zdenek Rykr – ein Genie mit Leidenschaft für Schokolade

Künstlers – einem Autodidakten. Dem Schaffen Zdenek Rykrs ist eine tragische persönliche Geschichte verbunden – unter dem Druck der Besatzung der Tschechoslowakei durch Nazi-Deutschland beging Rykr im Jahre 1940 Selbstmord. Das Interesse an Rykrs Werk stieg zuletzt, denn er wird als Genie des Marketingdesigns angesehen.

Verpackungen von Orion-Schokolade und Bonbons, 20er und 30er Jahre, Papier, Druck, Nestlé Česko s.r.o.

Publikation Zdenek Rykr und die Schokoladenfabrik, hrsg. KANT, 2016 zu kaufen z.B. in Koenig Books, Nationalgalerie in Prag – Messepalast Kunstgewerbemuseum in Prag q 17. listopadu 2, Prag 1 – Altstadt w www.upm.cz Zdenek Rykr (1900–1940) ist eine faszinierende Persönlichkeit der tschechischen bildnerischen und angewandten Kunst. Dieser Autodidakt, studierte Archäologe und Kunsthistoriker wurde nie an der Akademie für Bildende Kunst angenommen. Sein freies Schaffen schwankt zwischen einer Reihe von Stilen, wobei sein Werbedesign eindeutig modern und, ohne zu übertreiben, visionär ist. Bereits im Jahre 1921, mit 21, begann Zdenek Rykr Verpackungen, Werbezettel und -plakate für die Firma Orion, einer der größten Hersteller von Schokolade und Süßigkeiten in der Tschechoslowakei der Zwischenkriegszeit, zu gestalten. Die Kultiviertheit und der Einfallsreichtum der Schokoladeverpackungen von Orion suchte damals seinesgleichen. Für Orion war der Künstler ganze 18 Jahre lang tätig, bis 1939. Rykrs „Erfindung“ des Schokoladestars Orion, des Schriftzugs Orion sowie des Motivs des Mohrs auf der Verpackung des berühmten Riegels Kofila zeugt von nie dagewesenen Fähigkeiten des jungen 22

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1934 Zdenek Rykr – ein Genie mit Leidenschaft für Schokolade

Künstlers – einem Autodidakten. Dem Schaffen Zdenek Rykrs ist eine tragische persönliche Geschichte verbunden – unter dem Druck der Besatzung der Tschechoslowakei durch Nazi-Deutschland beging Rykr im Jahre 1940 Selbstmord. Das Interesse an Rykrs Werk stieg zuletzt, denn er wird als Genie des Marketingdesigns angesehen.

Verpackungen von Orion-Schokolade und Bonbons, 20er und 30er Jahre, Papier, Druck, Nestlé Česko s.r.o.

Publikation Zdenek Rykr und die Schokoladenfabrik, hrsg. KANT, 2016 zu kaufen z.B. in Koenig Books, Nationalgalerie in Prag – Messepalast Kunstgewerbemuseum in Prag q 17. listopadu 2, Prag 1 – Altstadt w www.upm.cz Zdenek Rykr (1900–1940) ist eine faszinierende Persönlichkeit der tschechischen bildnerischen und angewandten Kunst. Dieser Autodidakt, studierte Archäologe und Kunsthistoriker wurde nie an der Akademie für Bildende Kunst angenommen. Sein freies Schaffen schwankt zwischen einer Reihe von Stilen, wobei sein Werbedesign eindeutig modern und, ohne zu übertreiben, visionär ist. Bereits im Jahre 1921, mit 21, begann Zdenek Rykr Verpackungen, Werbezettel und -plakate für die Firma Orion, einer der größten Hersteller von Schokolade und Süßigkeiten in der Tschechoslowakei der Zwischenkriegszeit, zu gestalten. Die Kultiviertheit und der Einfallsreichtum der Schokoladeverpackungen von Orion suchte damals seinesgleichen. Für Orion war der Künstler ganze 18 Jahre lang tätig, bis 1939. Rykrs „Erfindung“ des Schokoladestars Orion, des Schriftzugs Orion sowie des Motivs des Mohrs auf der Verpackung des berühmten Riegels Kofila zeugt von nie dagewesenen Fähigkeiten des jungen 22

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1935 Gebäude der Prager Elektrobetriebe – ein prunkvoller Palast der Elektrifizierung

Ehemaliges Gebäude der Prager Elektrobetriebe qB ubenská 1477/1, Prag 7 – Holešovice w www.bubenska.cz Das ehemalige Gebäude der Prager Elektrobetriebe ist einer der bedeutendsten funktionalistischen Bauten Prags, dessen Interieur ein Vorzeigestück der technisch konzipierten großzügigen Architektur der 1930er ist. Das Projekt ergab sich aus den Anforderungen der damaligen Prager Elektrobetriebe, welche sich entschlossen, alle ihre Beamten unter einem Dach zu vereinen. Den Architekturwettbewerb gewann das Duo Adolf Benš und Josef Kříž. Das Budget für den Bau betrug für die damalige Zeit unglaubliche 52 Millionen Kronen. Das Gebäude wurde am 7. März 1935 feierlich eröffnet und war damals das größte Bürogebäude Prags, mit Platz für bis zu 1 100 Beamten. Auch die technischen Konzeptionen des Gebäudes waren in der damaligen Zeit einzigartig. Vor allem das Heiz- und Klimatisierungssystem Carrier ermöglichte durchzugsfreies Belüften und ausgezeichnetes Heizen. Das sich in Hochwassergebiet befindliche Souterrain ist mit einem speziellen Entwässerungssystem ausgestattet. Etwas Besonderes ist auch die Fassade aus frostbeständigen Keramiktafeln. 24

1936 Zdeněk Pešánek: © Archiv der Hauptstadt Prag

Liegender Torso – Bahnbrechendes Werk kinetischer Kunst

Material der Torsos hell und rhythmisch strahlende Licht. Nach Ende der Ausstellung wurde das Werk nach Prag überführt. Es konnte jedoch nicht – wie vom Künstler gewünscht – öffentlich platziert werden. Pešáneks Schaffen erlangte erst Mitte

der 60er Jahre Anerkennung. Heute ist ein Torso aus seiner Skulptur in der Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst der Nationalgalerie im Messepalast ausgestellt.

Zdeněk Pešánek, Liegender Torso, 1936 © Nationalgalerie in Prag

Nationalgalerie in Prag, Messepalast (Národní galerie v Praze, Veletržní palác) qD ukelských hrdinů 47, Prag 7 – Holešovice w www.ngprague.cz Zu den Wegbereitern kinetischer Kunst gehört der Bildhauer und Architekt Zdeněk Pešánek (1896–1965). Er ging von der klassischen Bildhauerei aus, welche er bei der Arbeit mit kinetischen Lichtplastiken anwendete. Er beschäftigte sich mit Lichtästhetik, farbiger Musik und kosmischen Zukunftsvisionen. Auf der Weltausstellung in Paris 1937 stellte er zwei Arbeiten aus, den Zyklus von kinetischen Lichtplastiken „Hundert Jahre Elektrizität“ und „Kurbrunnen“. Dies war eine bedeutende Repräsentation der Tschechoslowakei als demokratischer Staat mit starker Industrie und hohem Kulturniveau. Die Prager Elektrobetriebe zeigten hier mittels Pešáneks Werken ihre Unterstützung für die Verbindung von Technik und Kunst. Beide Arbeiten wurden mit Medaillen ausgezeichnet. Der Brunnen war rund, mit drei menschlichen Torsos in der Mitte. Das künstlerische Hauptelement des Objekts war das aus dem lichtdurchlässigen 25


1935 Gebäude der Prager Elektrobetriebe – ein prunkvoller Palast der Elektrifizierung

Ehemaliges Gebäude der Prager Elektrobetriebe qB ubenská 1477/1, Prag 7 – Holešovice w www.bubenska.cz Das ehemalige Gebäude der Prager Elektrobetriebe ist einer der bedeutendsten funktionalistischen Bauten Prags, dessen Interieur ein Vorzeigestück der technisch konzipierten großzügigen Architektur der 1930er ist. Das Projekt ergab sich aus den Anforderungen der damaligen Prager Elektrobetriebe, welche sich entschlossen, alle ihre Beamten unter einem Dach zu vereinen. Den Architekturwettbewerb gewann das Duo Adolf Benš und Josef Kříž. Das Budget für den Bau betrug für die damalige Zeit unglaubliche 52 Millionen Kronen. Das Gebäude wurde am 7. März 1935 feierlich eröffnet und war damals das größte Bürogebäude Prags, mit Platz für bis zu 1 100 Beamten. Auch die technischen Konzeptionen des Gebäudes waren in der damaligen Zeit einzigartig. Vor allem das Heiz- und Klimatisierungssystem Carrier ermöglichte durchzugsfreies Belüften und ausgezeichnetes Heizen. Das sich in Hochwassergebiet befindliche Souterrain ist mit einem speziellen Entwässerungssystem ausgestattet. Etwas Besonderes ist auch die Fassade aus frostbeständigen Keramiktafeln. 24

1936 Zdeněk Pešánek: © Archiv der Hauptstadt Prag

Liegender Torso – Bahnbrechendes Werk kinetischer Kunst

Material der Torsos hell und rhythmisch strahlende Licht. Nach Ende der Ausstellung wurde das Werk nach Prag überführt. Es konnte jedoch nicht – wie vom Künstler gewünscht – öffentlich platziert werden. Pešáneks Schaffen erlangte erst Mitte

der 60er Jahre Anerkennung. Heute ist ein Torso aus seiner Skulptur in der Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst der Nationalgalerie im Messepalast ausgestellt.

Zdeněk Pešánek, Liegender Torso, 1936 © Nationalgalerie in Prag

Nationalgalerie in Prag, Messepalast (Národní galerie v Praze, Veletržní palác) qD ukelských hrdinů 47, Prag 7 – Holešovice w www.ngprague.cz Zu den Wegbereitern kinetischer Kunst gehört der Bildhauer und Architekt Zdeněk Pešánek (1896–1965). Er ging von der klassischen Bildhauerei aus, welche er bei der Arbeit mit kinetischen Lichtplastiken anwendete. Er beschäftigte sich mit Lichtästhetik, farbiger Musik und kosmischen Zukunftsvisionen. Auf der Weltausstellung in Paris 1937 stellte er zwei Arbeiten aus, den Zyklus von kinetischen Lichtplastiken „Hundert Jahre Elektrizität“ und „Kurbrunnen“. Dies war eine bedeutende Repräsentation der Tschechoslowakei als demokratischer Staat mit starker Industrie und hohem Kulturniveau. Die Prager Elektrobetriebe zeigten hier mittels Pešáneks Werken ihre Unterstützung für die Verbindung von Technik und Kunst. Beide Arbeiten wurden mit Medaillen ausgezeichnet. Der Brunnen war rund, mit drei menschlichen Torsos in der Mitte. Das künstlerische Hauptelement des Objekts war das aus dem lichtdurchlässigen 25


1937 Tschechischer Surrealismus – Jindřich Štyrský, Aus meinem Tagebuch Nationalgalerie in Prag, Messepalast (Národní galerie v Praze, Veletržní palác) qD ukelských hrdinů 47, Prag 7 – Holešovice w www.ngprague.cz Die Zeit der ersten tschechoslowakischen Republik zeichnete sich durch ihre westliche Kulturorientierung aus. Vor allem über Frankreichs Kulturgeschehen referierten lokale Medien ausgiebig. Daher reisten die tschechoslowakischen Künstler dann zur Inspiration nach Paris. Der Surrealismus gelangte erstmals durch das Manifest André Bretons aus dem Jahre 1924 nach Böhmen. Bereits ein Jahr später besuchten die Maler Jindřich Štyrský (1899–1942) und Toyen (1902–1980) die erste Pariser Surrealismusausstellung, knüpften Kontakte und ließen sich für drei Jahre dort nieder. Štyrský widmete sich neben der Malerei auch der Grafik, Collagen, Fotografie, Szenografie, Poesie und Kunsttheorie. Seine Weitsicht und Kreativität hatten großen Einfluss auf die Kunstszene der Zwischenkriegszeit. Als 1934 die tschechoslowakische surrealistische Gruppe entstand, waren Štyrský und Toyen unter den Gründungsmitgliedern. André Breton selbst kam für einen Vortrag nach Prag und sie bleiben bis zum Kriegsbeginn in Kontakt. Nach dem Krieg nahm die Gruppe ihre Tätigkeit wieder auf und setzt sie bis heute fort. Zu den aktuellen Mitgliedern gehört zum Beispiel der Filmemacher und bildende Künstler Jan Švankmajer. 26

Jindřich Štyrský – Aus meinem Tagebuch, 1933 © Nationalgalerie in Prag

1938 Nationaldenkmal

Heutzutage befindet sich die heeresgeschichtliche Exposition des Nationalmuseums im Denkmal. Die Besucher haben gleichzeitig die Möglichkeit, bis auf

das eigentliche Dach des Denkmals aufzusteigen, von wo sich ein 360 Grad Ausblick auf das Panorama Prags bietet.

am Vítkov

Nationaldenkmal am Vítkov (Národní památník na Vítkově) qU Památníku 1900, Prag 3 – Žižkov w www.nm.cz Das Nationaldenkmal wurde am Hügel Vítkov in Žižkov zu Ehren der tschechoslowakischen Legionäre und anlässlich der Entstehung der Tschechoslowakei errichtet. 1928 wurde der Grundstein gelegt, aber erst 1938 wurde das Gebäude der Öffentlichkeit übergeben. Die Nazi-Besatzung der Tschechoslowakei und der Zweite Weltkrieg änderten alles. Teile der Museumssammlungen mussten versteckt werden, damit sie nicht in die Hände der Besatzer gelangten. Das Denkmal wurde besetzt und auf Anweisung des Reichsprotektors versiegelt. Nach Ende des Krieges begann die Instandsetzung. 1948 übernahmen aber die Kommunisten die Macht und das neue Regime beschloss einen neuen Zweck für das Denkmal – es sollte nach Moskauer Vorbild ein Mausoleum für den ersten kommunistischen Präsidenten Klement Gottwald werden. (Die Mumifizierung gelang allerdings trotz der Assistenz sowjetischer Experten nicht und Gottwald musste eingeäschert werden.) 1950 wurde dann eine der größten Reiterstatuen der Welt, die Statue des legendären hussitischen Feldherren Jan Žižka, vor dem Denkmal platziert. 27


1937 Tschechischer Surrealismus – Jindřich Štyrský, Aus meinem Tagebuch Nationalgalerie in Prag, Messepalast (Národní galerie v Praze, Veletržní palác) qD ukelských hrdinů 47, Prag 7 – Holešovice w www.ngprague.cz Die Zeit der ersten tschechoslowakischen Republik zeichnete sich durch ihre westliche Kulturorientierung aus. Vor allem über Frankreichs Kulturgeschehen referierten lokale Medien ausgiebig. Daher reisten die tschechoslowakischen Künstler dann zur Inspiration nach Paris. Der Surrealismus gelangte erstmals durch das Manifest André Bretons aus dem Jahre 1924 nach Böhmen. Bereits ein Jahr später besuchten die Maler Jindřich Štyrský (1899–1942) und Toyen (1902–1980) die erste Pariser Surrealismusausstellung, knüpften Kontakte und ließen sich für drei Jahre dort nieder. Štyrský widmete sich neben der Malerei auch der Grafik, Collagen, Fotografie, Szenografie, Poesie und Kunsttheorie. Seine Weitsicht und Kreativität hatten großen Einfluss auf die Kunstszene der Zwischenkriegszeit. Als 1934 die tschechoslowakische surrealistische Gruppe entstand, waren Štyrský und Toyen unter den Gründungsmitgliedern. André Breton selbst kam für einen Vortrag nach Prag und sie bleiben bis zum Kriegsbeginn in Kontakt. Nach dem Krieg nahm die Gruppe ihre Tätigkeit wieder auf und setzt sie bis heute fort. Zu den aktuellen Mitgliedern gehört zum Beispiel der Filmemacher und bildende Künstler Jan Švankmajer. 26

Jindřich Štyrský – Aus meinem Tagebuch, 1933 © Nationalgalerie in Prag

1938 Nationaldenkmal

Heutzutage befindet sich die heeresgeschichtliche Exposition des Nationalmuseums im Denkmal. Die Besucher haben gleichzeitig die Möglichkeit, bis auf

das eigentliche Dach des Denkmals aufzusteigen, von wo sich ein 360 Grad Ausblick auf das Panorama Prags bietet.

am Vítkov

Nationaldenkmal am Vítkov (Národní památník na Vítkově) qU Památníku 1900, Prag 3 – Žižkov w www.nm.cz Das Nationaldenkmal wurde am Hügel Vítkov in Žižkov zu Ehren der tschechoslowakischen Legionäre und anlässlich der Entstehung der Tschechoslowakei errichtet. 1928 wurde der Grundstein gelegt, aber erst 1938 wurde das Gebäude der Öffentlichkeit übergeben. Die Nazi-Besatzung der Tschechoslowakei und der Zweite Weltkrieg änderten alles. Teile der Museumssammlungen mussten versteckt werden, damit sie nicht in die Hände der Besatzer gelangten. Das Denkmal wurde besetzt und auf Anweisung des Reichsprotektors versiegelt. Nach Ende des Krieges begann die Instandsetzung. 1948 übernahmen aber die Kommunisten die Macht und das neue Regime beschloss einen neuen Zweck für das Denkmal – es sollte nach Moskauer Vorbild ein Mausoleum für den ersten kommunistischen Präsidenten Klement Gottwald werden. (Die Mumifizierung gelang allerdings trotz der Assistenz sowjetischer Experten nicht und Gottwald musste eingeäschert werden.) 1950 wurde dann eine der größten Reiterstatuen der Welt, die Statue des legendären hussitischen Feldherren Jan Žižka, vor dem Denkmal platziert. 27


1939 Statue von Nicholas

Winton und Denkmal Abschied Prag Hauptbahnhof (Praha hlavní nádraží) qW ilsonova 300/8, Prag 2 – Vinohrady Zwei Denkmäler am Prager Hauptbahnhof erinnern an eine der ergreifendsten Geschichten des Zweiten Weltkriegs. Sir Nicholas Winton (1909–2015) war ein britischer Börsenmakler und humanitärer Helfer, der im Jahre 1939 669 großteils jüdische Kinder aus den okkupierten Gebieten der Tschechoslowakei vor dem Transport ins Konzentrationslager rettete, in dem er die Zugfahrt ins Vereinigte Königreich ermöglichte. Nach der Machtergreifung der Nazis entstanden einige Organisationen, die den Verfolgten halfen, aus Deutschland und den okkupierten Gebieten zu emigrieren. Eine davon war das Britische Komitee für Flüchtlinge aus der Tschechoslowakei (British Committee for Refugees from Czechoslovakia, BCRC). Neben finanzieller Hilfe versuchten diese Organisationen, mit den Ämtern der Staaten, welche bereit waren Flüchtlinge aufzunehmen, zu verhandeln. Im Dezember 1938 bat einer der Mitarbeiter des BCRC, Martin Blake, seinen Freund Nicholas Winton, nach Prag zu fahren und dem Prager Büro des BCRC zu helfen, die Kindertransporte zu organisieren. Für jedes Kind unter 17 Jahren war eine Ersatzfamilie in Großbritannien und eine Kaution von 50 Pfund nötig. Danach war es kein Problem 28

mehr, ein britisches Visum und eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. Nach der Abfahrt aus Prag organisierte Winton diese Adoptionen bereits von London aus. Neben seiner normalen Arbeit suchte er dort Ersatzfamilien, erledigte die Adoptionen auf den Ämtern und erhielt Beiträge für die Kautionen. In Prag sammelte der neue Leiter der Prager Filiale des BCRC Trevor Chadwick die notwendigen Dokumente von den Eltern und holte die Ausreisegenehmigungen von den deutschen Besatzungsämtern ein, unter ständiger Überwachung durch die Gestapo.

das sich drei der „Winton-Kinder“ ausdachten, gedenkt der Liebe und dem Entschluss der Eltern, deren schwierige Entscheidung, ihre Kinder ins Ungewisse zu schicken, deren Leben rettete. Das Denkmal besteht aus einer Replik einer Zugtür mit den Abdrücken von Händen von Kindern und Eltern. Gerade die Erinnerung an die Eltern und Kinder, die ihre Hände an das Glas der Türen drückten, ist für die Gedenkenden am stärksten.

Winton und seinen Kollegen gelang es von März bis August 1939 acht Transporte zu organisieren. Der letzte erfolgreiche Kindertransport wurde am 2. August 1939 durchgeführt, wodurch die Gesamtzahl der geretteten Kinder 669 erreichte. Nicholas Winton erachtete seine Tätigkeit als nichts Besonderes und sprach nach dem Krieg selbst nicht darüber. Erst im Jahre 1988 machte die Historikerin Elizabeth Maxwell sie öffentlich. Nicholas Winton wurde in die Sendung BBC That’s Life eingeladen, wo er erstmals seit dem Krieg dutzende der von ihm geretteten damaligen jüdischen Kinder traf. Die Statuen von Sir Nicholas Winton mit zwei Kindern befinden sich am 1. Bahnsteig des Hauptbahnhofs, ergänzt von einer Tafel: „Mit tiefer Dankbarkeit Sir Nicholas Winton und allen mitfühlenden Menschen gewidmet, die mit acht Zugtransporten nach Großbritannien im Jahre 1939 669 Kinder vor den Schrecken des Zweiten Weltkriegs retteten und als Denkmal den 15 131 tschechoslowakischen in den Konzentrationslagern ermordeten Kindern“. Seit Mai 2017 ist in der Unterführung zu den Bahnsteigen eine weitere mit Sir Winton verbundene Erinnerung zu sehen. Das Denkmal Abschied,

Denkmal Abschied, Winton-Kinder, Hauptbahnhof © ČTK/Ruml Miloš

Verleihung des Ordens des Weißen Löwen © yakub88 / Shutterstock.com

Denkmal Sir Nicholas Winton, Hauptbahnhof © ČTK/Švancara Petr

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1939 Statue von Nicholas

Winton und Denkmal Abschied Prag Hauptbahnhof (Praha hlavní nádraží) qW ilsonova 300/8, Prag 2 – Vinohrady Zwei Denkmäler am Prager Hauptbahnhof erinnern an eine der ergreifendsten Geschichten des Zweiten Weltkriegs. Sir Nicholas Winton (1909–2015) war ein britischer Börsenmakler und humanitärer Helfer, der im Jahre 1939 669 großteils jüdische Kinder aus den okkupierten Gebieten der Tschechoslowakei vor dem Transport ins Konzentrationslager rettete, in dem er die Zugfahrt ins Vereinigte Königreich ermöglichte. Nach der Machtergreifung der Nazis entstanden einige Organisationen, die den Verfolgten halfen, aus Deutschland und den okkupierten Gebieten zu emigrieren. Eine davon war das Britische Komitee für Flüchtlinge aus der Tschechoslowakei (British Committee for Refugees from Czechoslovakia, BCRC). Neben finanzieller Hilfe versuchten diese Organisationen, mit den Ämtern der Staaten, welche bereit waren Flüchtlinge aufzunehmen, zu verhandeln. Im Dezember 1938 bat einer der Mitarbeiter des BCRC, Martin Blake, seinen Freund Nicholas Winton, nach Prag zu fahren und dem Prager Büro des BCRC zu helfen, die Kindertransporte zu organisieren. Für jedes Kind unter 17 Jahren war eine Ersatzfamilie in Großbritannien und eine Kaution von 50 Pfund nötig. Danach war es kein Problem 28

mehr, ein britisches Visum und eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. Nach der Abfahrt aus Prag organisierte Winton diese Adoptionen bereits von London aus. Neben seiner normalen Arbeit suchte er dort Ersatzfamilien, erledigte die Adoptionen auf den Ämtern und erhielt Beiträge für die Kautionen. In Prag sammelte der neue Leiter der Prager Filiale des BCRC Trevor Chadwick die notwendigen Dokumente von den Eltern und holte die Ausreisegenehmigungen von den deutschen Besatzungsämtern ein, unter ständiger Überwachung durch die Gestapo.

das sich drei der „Winton-Kinder“ ausdachten, gedenkt der Liebe und dem Entschluss der Eltern, deren schwierige Entscheidung, ihre Kinder ins Ungewisse zu schicken, deren Leben rettete. Das Denkmal besteht aus einer Replik einer Zugtür mit den Abdrücken von Händen von Kindern und Eltern. Gerade die Erinnerung an die Eltern und Kinder, die ihre Hände an das Glas der Türen drückten, ist für die Gedenkenden am stärksten.

Winton und seinen Kollegen gelang es von März bis August 1939 acht Transporte zu organisieren. Der letzte erfolgreiche Kindertransport wurde am 2. August 1939 durchgeführt, wodurch die Gesamtzahl der geretteten Kinder 669 erreichte. Nicholas Winton erachtete seine Tätigkeit als nichts Besonderes und sprach nach dem Krieg selbst nicht darüber. Erst im Jahre 1988 machte die Historikerin Elizabeth Maxwell sie öffentlich. Nicholas Winton wurde in die Sendung BBC That’s Life eingeladen, wo er erstmals seit dem Krieg dutzende der von ihm geretteten damaligen jüdischen Kinder traf. Die Statuen von Sir Nicholas Winton mit zwei Kindern befinden sich am 1. Bahnsteig des Hauptbahnhofs, ergänzt von einer Tafel: „Mit tiefer Dankbarkeit Sir Nicholas Winton und allen mitfühlenden Menschen gewidmet, die mit acht Zugtransporten nach Großbritannien im Jahre 1939 669 Kinder vor den Schrecken des Zweiten Weltkriegs retteten und als Denkmal den 15 131 tschechoslowakischen in den Konzentrationslagern ermordeten Kindern“. Seit Mai 2017 ist in der Unterführung zu den Bahnsteigen eine weitere mit Sir Winton verbundene Erinnerung zu sehen. Das Denkmal Abschied,

Denkmal Abschied, Winton-Kinder, Hauptbahnhof © ČTK/Ruml Miloš

Verleihung des Ordens des Weißen Löwen © yakub88 / Shutterstock.com

Denkmal Sir Nicholas Winton, Hauptbahnhof © ČTK/Švancara Petr

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1940 Bio Oko

1941 Technisches

Kino Oko qF rantiška Křížka 460/15, Prag 7 – Letná w www.biooko.net Das beliebte einsälige Arthouse-Kino ist eines von wenigen alten Kinos in Prag. Es befindet sich im Untergeschoss eines zentralen Objekts, das die Blocks von sieben funktionalistischen Zinshäusern, die für die Angestellten der einstigen Nationalbank gebaut wurden, verbindet. Es handelt sich um einen außergewöhnlichen Bau sowohl hinsichtlich des städtischen Urbanismus als auch der Architektur. Ursprünglich sollte der Komplex nur zwei Randgebäude und eine offene Mitte haben. Da jedoch die damaligen Regulierungspläne einen einheitlichen Blockbau vorschrieben, wurde 1940 das mittlere Gebäude mit dem erwähnten Kino als letztes angefügt. Dieses wurde um 7,5 m weiter vom Straßenrand gebaut, was den Bürgersteig vor dem Kino erweiterte und den Besuchern des Lichtspielhauses mit einer Kapazität von 800 Zusehern das Parken ermöglichte. Das Kino wurde umfassend rekonstruiert, seine Atmosphäre blieb jedoch erhalten. Das Erdgeschoss des Kinosaals ist mit verschiedensten Sitzen bestückt (Strandliegen, Sitzsäcke, Automobilkarosserien), die vom tschechischen Designer Maxim Velčovský zusammengestellt worden sind. Die hiesige Bar mit Kaffeehaus ist ein beliebter Treffpunkt. Die Dramaturgie des Kinos fokussiert sich, neben geläufigen Filmproduktionen, auch auf Arthouseaufnahmen und -filmvorführungen. 30

Foto © Bio Oko

Nationalmuseum Technisches Nationalmuseum (Národní technické muzeum) qK ostelní 1320/42, Prag 7 – Holešovice w www.ntm.cz

Dauerausstellungen – Architektur, Bauwesen und Design, Astronomie, Verkehr, Fotografie, Bergbau, Metallurgie, Merkur-Spielplatz, Chemie um uns, Interkamera, Zeitmessung, Druck, Technik im Haushalt, Spieltechnik und Fernsehstudio. Neben der Verkehrsexposition gehört auch das umfassende Modell eines Erz- und Kohlebergwerks zu den größten Besuchermagneten.

Der Vorläufer des heutigen Technischen Nationalmuseums, das Technische Museum des Königreichs Böhmen, wurde bereits im Jahre 1908 gegründet. Das Museum entstand aus einer Initiative der technischen Intelligenzija, insbesondere der Professoren der Technischen Universität Prag. Nach der Entstehung der Tschechoslowakischen Republik 1918 nahm es einen neuen Namen an – Tschechoslowakisches Technisches Nationalmuseum, und dank öffentlicher Sammlungen, Spenden und finanzieller Hilfe des Staates wurden die Mittel für den Bau eines neuen Museumsgebäudes in Letná zusammengebracht. Der Bau nach dem Entwurf von Milan Babušek wurde erst 1941 fertiggestellt, bereits im Protektorat Böhmen und Mähren, und wurde gleich von der Besatzungsadministration für das Postministerium eingenommen. Nach dem Ende des Krieges 1945 wurde das Gebäude mühselig für Museumszwecke zurückgewonnen. Nichtsdestotrotz diente ein Drittel des Gebäudes bis 1990 anderen Institutionen. Im Oktober 2013 wurde das Technische Nationalmuseum nach 75 Jahren endlich fertiggestellt und voll eingerichtet. Das Museum präsentiert die Geschichte der technischen Findigkeiten in 15 (!)

Foto © Technisches Nationalmuseum

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1940 Bio Oko

1941 Technisches

Kino Oko qF rantiška Křížka 460/15, Prag 7 – Letná w www.biooko.net Das beliebte einsälige Arthouse-Kino ist eines von wenigen alten Kinos in Prag. Es befindet sich im Untergeschoss eines zentralen Objekts, das die Blocks von sieben funktionalistischen Zinshäusern, die für die Angestellten der einstigen Nationalbank gebaut wurden, verbindet. Es handelt sich um einen außergewöhnlichen Bau sowohl hinsichtlich des städtischen Urbanismus als auch der Architektur. Ursprünglich sollte der Komplex nur zwei Randgebäude und eine offene Mitte haben. Da jedoch die damaligen Regulierungspläne einen einheitlichen Blockbau vorschrieben, wurde 1940 das mittlere Gebäude mit dem erwähnten Kino als letztes angefügt. Dieses wurde um 7,5 m weiter vom Straßenrand gebaut, was den Bürgersteig vor dem Kino erweiterte und den Besuchern des Lichtspielhauses mit einer Kapazität von 800 Zusehern das Parken ermöglichte. Das Kino wurde umfassend rekonstruiert, seine Atmosphäre blieb jedoch erhalten. Das Erdgeschoss des Kinosaals ist mit verschiedensten Sitzen bestückt (Strandliegen, Sitzsäcke, Automobilkarosserien), die vom tschechischen Designer Maxim Velčovský zusammengestellt worden sind. Die hiesige Bar mit Kaffeehaus ist ein beliebter Treffpunkt. Die Dramaturgie des Kinos fokussiert sich, neben geläufigen Filmproduktionen, auch auf Arthouseaufnahmen und -filmvorführungen. 30

Foto © Bio Oko

Nationalmuseum Technisches Nationalmuseum (Národní technické muzeum) qK ostelní 1320/42, Prag 7 – Holešovice w www.ntm.cz

Dauerausstellungen – Architektur, Bauwesen und Design, Astronomie, Verkehr, Fotografie, Bergbau, Metallurgie, Merkur-Spielplatz, Chemie um uns, Interkamera, Zeitmessung, Druck, Technik im Haushalt, Spieltechnik und Fernsehstudio. Neben der Verkehrsexposition gehört auch das umfassende Modell eines Erz- und Kohlebergwerks zu den größten Besuchermagneten.

Der Vorläufer des heutigen Technischen Nationalmuseums, das Technische Museum des Königreichs Böhmen, wurde bereits im Jahre 1908 gegründet. Das Museum entstand aus einer Initiative der technischen Intelligenzija, insbesondere der Professoren der Technischen Universität Prag. Nach der Entstehung der Tschechoslowakischen Republik 1918 nahm es einen neuen Namen an – Tschechoslowakisches Technisches Nationalmuseum, und dank öffentlicher Sammlungen, Spenden und finanzieller Hilfe des Staates wurden die Mittel für den Bau eines neuen Museumsgebäudes in Letná zusammengebracht. Der Bau nach dem Entwurf von Milan Babušek wurde erst 1941 fertiggestellt, bereits im Protektorat Böhmen und Mähren, und wurde gleich von der Besatzungsadministration für das Postministerium eingenommen. Nach dem Ende des Krieges 1945 wurde das Gebäude mühselig für Museumszwecke zurückgewonnen. Nichtsdestotrotz diente ein Drittel des Gebäudes bis 1990 anderen Institutionen. Im Oktober 2013 wurde das Technische Nationalmuseum nach 75 Jahren endlich fertiggestellt und voll eingerichtet. Das Museum präsentiert die Geschichte der technischen Findigkeiten in 15 (!)

Foto © Technisches Nationalmuseum

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1942 Krypta der Kirche

St. Cyrill und Method Nationaldenkmal für die Helden der Heydrichiade (Národní památník heydrichiády) qR esslova 9a, Prag 2 – Neustadt w www.vhu.cz/muzea/ostatni-expozice/krypta w www.pamatnik-heydrichiady.cz In der Barockirche St. Cyrill und Method (Kostel sv. Cyrila a Metoděje), ursprünglich dem Hl. Karl Borromäus geweiht, treffen westliche christliche Kunst und östliche byzantinische Ikonografie aufeinander.

auf Hilfe der Fallschirmjäger ausgelöscht. Beide Fallschirmjäger versteckten sich zusammen mit fünf weiteren Soldaten der Tschechoslowakischen selbständigen Brigade aus Großbritannien inzwischen in der Kirche St. Cyrill und Method.

sie die Krypta mit Rammböcken aufzubrechen und mit Wasser zu fluten. In der verzweifelten Situation nahmen sich die tschechoslowakischen Soldaten, denen bereits die Munition ausging, selbst das Leben.

Aufgrund eines Verrats entdeckten die SS- und Gestapo-Angehörigen das Versteck, umzingelten die Kirche und griffen sie an. Nach zwei Stunden, als die Angreifer das Hauptschiff der Kirche eingenommen hatten, flüchteten die übriggebliebenen vier Soldaten in die Krypta. In die Fenster, die in die Resslova Straße führten, warfen die SS-Männer Tränengas- und Handgranaten, danach versuchten

An diesem Ort entstand das Nationaldenkmal der Helden der Heydrichiade, welches aus der Kirche, der Krypta unter der Kirche und einer den Schicksalen der Fallschirmjäger gewidmeten Exposition besteht. Auf den Geschehnissen der Heydrichiade basiert der britisch-tschechisch-französische Film Anthropoid (2016).

Büsten von Jan Kubiš und Jozef Gabčík © Cristian Puscasu / Shutterstock.com

Am 15. 3. 1939 wurde das tschechische Gebiet von der deutschen Armee besetzt. Unmittelbar darauf wurde das Protektorat Böhmen und Mähren eingerichtet und es folgten sechs Jahre der brutalen Unterdrückung und der Erniedrigung der tschechischen Nation. Die schlimmste Zeit begann mit dem Antritt des stellvertretenden Reichsprotektors Reinhard Heydrich 1941, der im Protektorat das Standrecht ausrief. Die tschechoslowakische Exilregierung entschied daher über die Notwendigkeit eines Anschlags auf Heydrich. Die Operation mit dem Decknamen Anthropoid sollten speziell ausgebildete Soldaten durchführen, Jozef Gabčík und Jan Kubiš. Das Attentat wurde im Mai 1942 erfolgreich durchgeführt. Es folgten Hinrichtungen der Widerstandskämpfer, ihrer Mitarbeiter und aller, die das Attentat (wenn auch nur angeblich) guthießen. Die Gemeinde Lidice mit 503 Bewohnern wurde wegen Verdachts 32

Krypta der Kirche St. Cyrill und Method © Archiv der Hauptstadt Prag

Kirche St. Cyrill und Method © Archiv der Hauptstadt Prag

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1942 Krypta der Kirche

St. Cyrill und Method Nationaldenkmal für die Helden der Heydrichiade (Národní památník heydrichiády) qR esslova 9a, Prag 2 – Neustadt w www.vhu.cz/muzea/ostatni-expozice/krypta w www.pamatnik-heydrichiady.cz In der Barockirche St. Cyrill und Method (Kostel sv. Cyrila a Metoděje), ursprünglich dem Hl. Karl Borromäus geweiht, treffen westliche christliche Kunst und östliche byzantinische Ikonografie aufeinander.

auf Hilfe der Fallschirmjäger ausgelöscht. Beide Fallschirmjäger versteckten sich zusammen mit fünf weiteren Soldaten der Tschechoslowakischen selbständigen Brigade aus Großbritannien inzwischen in der Kirche St. Cyrill und Method.

sie die Krypta mit Rammböcken aufzubrechen und mit Wasser zu fluten. In der verzweifelten Situation nahmen sich die tschechoslowakischen Soldaten, denen bereits die Munition ausging, selbst das Leben.

Aufgrund eines Verrats entdeckten die SS- und Gestapo-Angehörigen das Versteck, umzingelten die Kirche und griffen sie an. Nach zwei Stunden, als die Angreifer das Hauptschiff der Kirche eingenommen hatten, flüchteten die übriggebliebenen vier Soldaten in die Krypta. In die Fenster, die in die Resslova Straße führten, warfen die SS-Männer Tränengas- und Handgranaten, danach versuchten

An diesem Ort entstand das Nationaldenkmal der Helden der Heydrichiade, welches aus der Kirche, der Krypta unter der Kirche und einer den Schicksalen der Fallschirmjäger gewidmeten Exposition besteht. Auf den Geschehnissen der Heydrichiade basiert der britisch-tschechisch-französische Film Anthropoid (2016).

Büsten von Jan Kubiš und Jozef Gabčík © Cristian Puscasu / Shutterstock.com

Am 15. 3. 1939 wurde das tschechische Gebiet von der deutschen Armee besetzt. Unmittelbar darauf wurde das Protektorat Böhmen und Mähren eingerichtet und es folgten sechs Jahre der brutalen Unterdrückung und der Erniedrigung der tschechischen Nation. Die schlimmste Zeit begann mit dem Antritt des stellvertretenden Reichsprotektors Reinhard Heydrich 1941, der im Protektorat das Standrecht ausrief. Die tschechoslowakische Exilregierung entschied daher über die Notwendigkeit eines Anschlags auf Heydrich. Die Operation mit dem Decknamen Anthropoid sollten speziell ausgebildete Soldaten durchführen, Jozef Gabčík und Jan Kubiš. Das Attentat wurde im Mai 1942 erfolgreich durchgeführt. Es folgten Hinrichtungen der Widerstandskämpfer, ihrer Mitarbeiter und aller, die das Attentat (wenn auch nur angeblich) guthießen. Die Gemeinde Lidice mit 503 Bewohnern wurde wegen Verdachts 32

Krypta der Kirche St. Cyrill und Method © Archiv der Hauptstadt Prag

Kirche St. Cyrill und Method © Archiv der Hauptstadt Prag

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1943 Kamil Lhoták

und die Gruppe 42 Monografie und Ausstellungskataloge: w www.retrogallery.cz Kamil Lhoták (1912–1990) war ein Maler, Grafiker und Illustrator von (besonders Kinder-) Büchern, dessen unverwechselbarer Stil sich in das Gedächtnis mehrerer Generationen einprägte. Lhoták war ein Autodidakt mit ausgeprägter malerischer Handschrift. Bereits als Kind zeichnete er nur Autos, Motorräder und Fahrräder. Sein Schaffen ist von Bewunderung für die moderne Zivilisation, der Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert durchzogen. Inspiration schöpfte er aus Illustrationen, Zeitschriften, den Abenteuerromanen von J. Vernes und der Atmosphäre der städtischen Peripherie. Im Jahre 1942 wurde er zu einem Gründungsmitglied der Künstlergruppe 42, welche tschechische Dichter, Künstler und Fotografen vereinte. Der Fokus der Gruppe 42 lag auf der Stadt, ihrer Landschaft und Lebensart, besonders der städtischen Peripherie, den Fabriken und dem Leben der gewöhnlichen arbeitenden Leute. Das Motiv der Einzäunungen und Winkel der Prager Peripherie konnte er mit einem traumhaften, dichterischen Hauch darstellen. Auch auf seinen späteren Bildern erscheinen Ballons, Luftschiffe, Flugzeuge, Fahrräder oder alte Automobile, aber auch Rennbahnen, rauchende Kamine und Bahnhöfe. Eines seiner Bilder, Tochter der Großstadt, beschäftigte auch Pablo Picasso. 34

Ab Beginn der 60er Jahre konzentrierte sich Kamil Lhoták auf die Effekte von Farben. Einen bedeutenden Teil seines Werks bildeten Zeichnungen, freie

Grafiken und Buchillustrationen. Er widmete sich auch der Briefmarkengestaltung und gehört zu den Wegbereitern des tschechischen Animationsfilms.

Kamil Lhoták: Zwei Ballons über Bohdalec, 1939, Öl auf Leinwand, 60,5 x 70,5 cm, © Retro Gallery

1944 Film Theresienstadt.

Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet und das Denkmal der Schoah in der PinkasSynagoge Gedenkstätte Terezín (Památník Terezín) qP rincipova alej 304, Terezín w www.pamatnik-terezin.cz Pinkas-Synagoge – Denkmal der böhmischen und mährischen Opfer der Schoah (Pinkasova synagoga – Památník českých a moravských obětí šoa) qŠ iroká 23/3, 110 00 Prag 1 – Josefov w www.jewishmuseum.cz Terezín (dt.: Theresienstadt) war das größte Konzentrationslager auf tschechischem Gebiet. Auf Wunsch Adolf Eichmanns wurde es kurz zum Propagandawerkzeug, „ein Schmuckkästchen reif für den Besuch von Journalisten und dem Roten Kreuz“. In Wirklichkeit drängten sich zwischen den Mauern der Großen Festung bis zu 58 500 Juden. Die Fläche pro Person betrug 1,6 m2. Neben den erschütternden Bedingungen drohte der Transport in ein Vernichtungslager. Insgesamt durchliefen das Terezíner Ghetto ca.155 000 Menschen, erlebten

118 000 das Kriegsende nicht. 35 000 von ihnen verstarben direkt in Terezín. Dem Regisseur Kurt Gerron wurde für die Aufzeichnung des „glücklichen Lebens“ in Terezín das Leben seiner Familie versprochen. Im Film genießen die gefangenen Juden das Kulturprogramm, machen mit Freude Sport oder faulenzen im Park. Der Film Theresienstadt – Ein Dokumentarfilm aus dem

jüdischen Siedlungsgebiet wurde nie in den Kinos gezeigt und Kurt Gerron und seine Familie wurden in Auschwitz ermordet. In Prag erinnert die Pinkas-Synagoge an die Schrecken des Holocausts und dient als Gedenkstätte für die fast 80 000 tschechischen Juden, die ihm zum Opfer fielen. An den Wänden stehen die Namen mit Daten über den letzten Aufenthaltsort, Geburtsdatum und Datum des gewaltsamen Todes. Darunter befinden sich auch etwa 15 000 Kindernamen, ihre Zeichnungen sind im ersten Stock der Synagoge ausgestellt.

Dieses Foto ist nur im gedruckten Katalog erhältlich.

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1943 Kamil Lhoták

und die Gruppe 42 Monografie und Ausstellungskataloge: w www.retrogallery.cz Kamil Lhoták (1912–1990) war ein Maler, Grafiker und Illustrator von (besonders Kinder-) Büchern, dessen unverwechselbarer Stil sich in das Gedächtnis mehrerer Generationen einprägte. Lhoták war ein Autodidakt mit ausgeprägter malerischer Handschrift. Bereits als Kind zeichnete er nur Autos, Motorräder und Fahrräder. Sein Schaffen ist von Bewunderung für die moderne Zivilisation, der Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert durchzogen. Inspiration schöpfte er aus Illustrationen, Zeitschriften, den Abenteuerromanen von J. Vernes und der Atmosphäre der städtischen Peripherie. Im Jahre 1942 wurde er zu einem Gründungsmitglied der Künstlergruppe 42, welche tschechische Dichter, Künstler und Fotografen vereinte. Der Fokus der Gruppe 42 lag auf der Stadt, ihrer Landschaft und Lebensart, besonders der städtischen Peripherie, den Fabriken und dem Leben der gewöhnlichen arbeitenden Leute. Das Motiv der Einzäunungen und Winkel der Prager Peripherie konnte er mit einem traumhaften, dichterischen Hauch darstellen. Auch auf seinen späteren Bildern erscheinen Ballons, Luftschiffe, Flugzeuge, Fahrräder oder alte Automobile, aber auch Rennbahnen, rauchende Kamine und Bahnhöfe. Eines seiner Bilder, Tochter der Großstadt, beschäftigte auch Pablo Picasso. 34

Ab Beginn der 60er Jahre konzentrierte sich Kamil Lhoták auf die Effekte von Farben. Einen bedeutenden Teil seines Werks bildeten Zeichnungen, freie

Grafiken und Buchillustrationen. Er widmete sich auch der Briefmarkengestaltung und gehört zu den Wegbereitern des tschechischen Animationsfilms.

Kamil Lhoták: Zwei Ballons über Bohdalec, 1939, Öl auf Leinwand, 60,5 x 70,5 cm, © Retro Gallery

1944 Film Theresienstadt.

Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet und das Denkmal der Schoah in der PinkasSynagoge Gedenkstätte Terezín (Památník Terezín) qP rincipova alej 304, Terezín w www.pamatnik-terezin.cz Pinkas-Synagoge – Denkmal der böhmischen und mährischen Opfer der Schoah (Pinkasova synagoga – Památník českých a moravských obětí šoa) qŠ iroká 23/3, 110 00 Prag 1 – Josefov w www.jewishmuseum.cz Terezín (dt.: Theresienstadt) war das größte Konzentrationslager auf tschechischem Gebiet. Auf Wunsch Adolf Eichmanns wurde es kurz zum Propagandawerkzeug, „ein Schmuckkästchen reif für den Besuch von Journalisten und dem Roten Kreuz“. In Wirklichkeit drängten sich zwischen den Mauern der Großen Festung bis zu 58 500 Juden. Die Fläche pro Person betrug 1,6 m2. Neben den erschütternden Bedingungen drohte der Transport in ein Vernichtungslager. Insgesamt durchliefen das Terezíner Ghetto ca.155 000 Menschen, erlebten

118 000 das Kriegsende nicht. 35 000 von ihnen verstarben direkt in Terezín. Dem Regisseur Kurt Gerron wurde für die Aufzeichnung des „glücklichen Lebens“ in Terezín das Leben seiner Familie versprochen. Im Film genießen die gefangenen Juden das Kulturprogramm, machen mit Freude Sport oder faulenzen im Park. Der Film Theresienstadt – Ein Dokumentarfilm aus dem

jüdischen Siedlungsgebiet wurde nie in den Kinos gezeigt und Kurt Gerron und seine Familie wurden in Auschwitz ermordet. In Prag erinnert die Pinkas-Synagoge an die Schrecken des Holocausts und dient als Gedenkstätte für die fast 80 000 tschechischen Juden, die ihm zum Opfer fielen. An den Wänden stehen die Namen mit Daten über den letzten Aufenthaltsort, Geburtsdatum und Datum des gewaltsamen Todes. Darunter befinden sich auch etwa 15 000 Kindernamen, ihre Zeichnungen sind im ersten Stock der Synagoge ausgestellt.

Dieses Foto ist nur im gedruckten Katalog erhältlich.

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1945 Kampf um Prag Während dem Zweiten Weltkrieg wurde Prag nicht so wie manche andere europäische Städte von zerstörerischen Flugangriffen getroffen. Die Metropole wurde erst in den letzten Monaten des Konflikts bombardiert. Die größten Alliiertenbombardements erlebten die Prager am 14. 2. 1945, als 62 amerikanische Bomber über Prag flogen. Über Westeuropa herrschte damals schlechtes Wetter, es wehte starker Wind und wegen der starken Bewölkung, die die Navigation erschwerte, wich der 1. Bomberflügel vom ursprünglichen Kurs ab. Bei diesem schlechten Wetter suchten die Navigatoren nach Orientierungspunkten am Boden, die ihnen helfen würden. Ihr Hauptziel war der Dresdener Rangierbahnhof. Die Navigatoren verwechselten Dresden aber mit Prag und die Bomber warfen insgesamt 152 Tonnen Sprengstoff ab. 701 Menschen starben und 1 184 wurden verletzt. Die markantesten Schäden im historischen Zentrum wurden aber nicht von den Februarbombardements verursacht, sondern von den Kämpfen während des Prager Aufstands gegen die Besatzungsadministration. Diese brachen am 5. Mai 1945 aus und breiteten sich bald in der ganzen Stadt aus. Damals diente das Altstädter Rathaus zusammen mit dem Rundfunkgebäude als eine der Zentralen des antifaschistischen Widerstands. In seinem direkten Umfeld fanden Kämpfe zwischen den Aufständischen und der deutschen Armee statt. Der am 8. Mai von den deutschen Panzern 36

und Infanterietruppen durchgeführte Angriff auf das Rathaus hatte ein verheerendes Feuer zur Folge. Dabei wurde der neugotische Flügel des Rathauses so sehr zerstört, dass nur die Außenwand stehenblieb (diese wurde nach dem Krieg abgerissen). Schwere Schäden trugen auch der Turm und die Aposteluhr davon.

Wenzelsplatz, 1945

Altstädter Rathaus, Mai 1945

Nach der Abmachung über die Demarkationslinie zwischen den Alliierten der Anti-Hitler-Koalition musste die amerikanische Armee unter Führung von General Patton bei Pilsen bleiben, während die Rote Armee am 9. Mai von Berlin aus in Prag ankam. Die sowjetischen Soldaten kamen von Ruzyně und trafen kaum Widerstand an. Gleich nach der Befreiung der Stadt begann ihr Wiederaufbau.

Altstädter Ring, Mai 1945 Foto © Archiv der Hauptstadt Prag

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1945 Kampf um Prag Während dem Zweiten Weltkrieg wurde Prag nicht so wie manche andere europäische Städte von zerstörerischen Flugangriffen getroffen. Die Metropole wurde erst in den letzten Monaten des Konflikts bombardiert. Die größten Alliiertenbombardements erlebten die Prager am 14. 2. 1945, als 62 amerikanische Bomber über Prag flogen. Über Westeuropa herrschte damals schlechtes Wetter, es wehte starker Wind und wegen der starken Bewölkung, die die Navigation erschwerte, wich der 1. Bomberflügel vom ursprünglichen Kurs ab. Bei diesem schlechten Wetter suchten die Navigatoren nach Orientierungspunkten am Boden, die ihnen helfen würden. Ihr Hauptziel war der Dresdener Rangierbahnhof. Die Navigatoren verwechselten Dresden aber mit Prag und die Bomber warfen insgesamt 152 Tonnen Sprengstoff ab. 701 Menschen starben und 1 184 wurden verletzt. Die markantesten Schäden im historischen Zentrum wurden aber nicht von den Februarbombardements verursacht, sondern von den Kämpfen während des Prager Aufstands gegen die Besatzungsadministration. Diese brachen am 5. Mai 1945 aus und breiteten sich bald in der ganzen Stadt aus. Damals diente das Altstädter Rathaus zusammen mit dem Rundfunkgebäude als eine der Zentralen des antifaschistischen Widerstands. In seinem direkten Umfeld fanden Kämpfe zwischen den Aufständischen und der deutschen Armee statt. Der am 8. Mai von den deutschen Panzern 36

und Infanterietruppen durchgeführte Angriff auf das Rathaus hatte ein verheerendes Feuer zur Folge. Dabei wurde der neugotische Flügel des Rathauses so sehr zerstört, dass nur die Außenwand stehenblieb (diese wurde nach dem Krieg abgerissen). Schwere Schäden trugen auch der Turm und die Aposteluhr davon.

Wenzelsplatz, 1945

Altstädter Rathaus, Mai 1945

Nach der Abmachung über die Demarkationslinie zwischen den Alliierten der Anti-Hitler-Koalition musste die amerikanische Armee unter Führung von General Patton bei Pilsen bleiben, während die Rote Armee am 9. Mai von Berlin aus in Prag ankam. Die sowjetischen Soldaten kamen von Ruzyně und trafen kaum Widerstand an. Gleich nach der Befreiung der Stadt begann ihr Wiederaufbau.

Altstädter Ring, Mai 1945 Foto © Archiv der Hauptstadt Prag

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1946 Prager Frühling Prager Frühling (Pražské jaro) w www.festival.cz Das Eröffnungskonzert des 1. Jahrgangs des Musikfestivals Prager Frühling fand am 11. Mai 1946 im Rudolfinum statt. Das Festival sollte ursprünglich nur eine einmalige Veranstaltung zum 50. Jahrestag der Existenz der Tschechischen Philharmonie sein, die ihre Tätigkeit 1896 unter der Leitung von Antonín Dvořák im Rudolfinum aufnahm. Während dem ersten Jahrgang des Prager Frühlings trat die Tschechische Philharmonie insgesamt vierzehn Mal auf, immer mit anderem Programm. Das Orchester wurde von seinem damaligen Chef, dem phänomenalen Dirigenten Rafael Kubelik geleitet. Der unerwartete Erfolg ließ eine bis heute jährlich stattfindende Musikfeier entstehen. Kubelík diente als künstlerischer Direktor und Dirigent des Chicagoer Symphonieorchesters, später wurde er zum musikalischen Direktor der Königlichen Oper in London ernannt und mit 60 Jahren wurde er zum Dirigenten der Metropolitan Oper in New York. Während seiner Aufenthalte in der Welt bemühte er sich, der tschechischen Musik zu Ruhm zu verhelfen. Nach Prag kehrte er 1990 triumphal zurück, als er während dem Prager Frühling erneut die Tschechische Philharmonie dirigierte. Das Festival wird jedes Jahr vom Zyklus symphonischer Dichtungen Mein Vaterland von Friedrich Smetana am Todestag des Komponisten, dem 12. Mai, eröffnet. 38

Rafael Kubelík, 12. 5. 1990 © ČTK/Matička Petr

1947 Denkmal Verbrüderung Denkmal Verbrüderung qV rchlického sady, Prag 1 50°5′2″ s. š., 14°26′2″ v. d. Am Weg durch den Vrchlický-Park vom Hauptbahnhof zur Straßenbahnstation in der Bolzanova Straße ziehen die heroisch gestimmten Statuen auf einem hohen Sockel Aufmerksamkeit auf sich. Dargestellt sind zwei Männer – ein stehender Soldat in langem Mantel mit Flieder in der Hand und ein Zivilist, der den Soldaten in dramatischer Pose umarmt. Es handelt sich um ein Werk des Bildhauers Karel Pokorný mit dem Titel Verbrüderung (Sbratření). Die Figuren symbolisieren die Befreiung der Tschechoslowakei durch die Rote Armee. Das sowjetische Militär erreichte Böhmen am 8. Mai 1945 und die Bevölkerung hieß sie mit Blumen der gerade blühenden Fliedersträucher willkommen. Das Motiv des sowjetischen Soldaten mit Flieder wurde in den folgenden Jahren dankbares Thema dutzender Abbildungen und das besonders nach dem kommunistischen Putsch im Jahre 1948. Auch wenn die Skulptur einen leicht künstlerischenEindruck erweckt, ist sie von einer tatsächlichen Fotografie des tschechischen Fotografen Karel Ludwig vom Prager Aufstand (S. 36) inspiriert. Die Prager Statuen sind eine Kopie des Originals, welches sich in Česká Třebová befindet. Das Motiv der Statuen wurde im Jahre 1952 auf Briefmarken verwendet, 1953 schließlich auf Banknoten. 39


1946 Prager Frühling Prager Frühling (Pražské jaro) w www.festival.cz Das Eröffnungskonzert des 1. Jahrgangs des Musikfestivals Prager Frühling fand am 11. Mai 1946 im Rudolfinum statt. Das Festival sollte ursprünglich nur eine einmalige Veranstaltung zum 50. Jahrestag der Existenz der Tschechischen Philharmonie sein, die ihre Tätigkeit 1896 unter der Leitung von Antonín Dvořák im Rudolfinum aufnahm. Während dem ersten Jahrgang des Prager Frühlings trat die Tschechische Philharmonie insgesamt vierzehn Mal auf, immer mit anderem Programm. Das Orchester wurde von seinem damaligen Chef, dem phänomenalen Dirigenten Rafael Kubelik geleitet. Der unerwartete Erfolg ließ eine bis heute jährlich stattfindende Musikfeier entstehen. Kubelík diente als künstlerischer Direktor und Dirigent des Chicagoer Symphonieorchesters, später wurde er zum musikalischen Direktor der Königlichen Oper in London ernannt und mit 60 Jahren wurde er zum Dirigenten der Metropolitan Oper in New York. Während seiner Aufenthalte in der Welt bemühte er sich, der tschechischen Musik zu Ruhm zu verhelfen. Nach Prag kehrte er 1990 triumphal zurück, als er während dem Prager Frühling erneut die Tschechische Philharmonie dirigierte. Das Festival wird jedes Jahr vom Zyklus symphonischer Dichtungen Mein Vaterland von Friedrich Smetana am Todestag des Komponisten, dem 12. Mai, eröffnet. 38

Rafael Kubelík, 12. 5. 1990 © ČTK/Matička Petr

1947 Denkmal Verbrüderung Denkmal Verbrüderung qV rchlického sady, Prag 1 50°5′2″ s. š., 14°26′2″ v. d. Am Weg durch den Vrchlický-Park vom Hauptbahnhof zur Straßenbahnstation in der Bolzanova Straße ziehen die heroisch gestimmten Statuen auf einem hohen Sockel Aufmerksamkeit auf sich. Dargestellt sind zwei Männer – ein stehender Soldat in langem Mantel mit Flieder in der Hand und ein Zivilist, der den Soldaten in dramatischer Pose umarmt. Es handelt sich um ein Werk des Bildhauers Karel Pokorný mit dem Titel Verbrüderung (Sbratření). Die Figuren symbolisieren die Befreiung der Tschechoslowakei durch die Rote Armee. Das sowjetische Militär erreichte Böhmen am 8. Mai 1945 und die Bevölkerung hieß sie mit Blumen der gerade blühenden Fliedersträucher willkommen. Das Motiv des sowjetischen Soldaten mit Flieder wurde in den folgenden Jahren dankbares Thema dutzender Abbildungen und das besonders nach dem kommunistischen Putsch im Jahre 1948. Auch wenn die Skulptur einen leicht künstlerischenEindruck erweckt, ist sie von einer tatsächlichen Fotografie des tschechischen Fotografen Karel Ludwig vom Prager Aufstand (S. 36) inspiriert. Die Prager Statuen sind eine Kopie des Originals, welches sich in Česká Třebová befindet. Das Motiv der Statuen wurde im Jahre 1952 auf Briefmarken verwendet, 1953 schließlich auf Banknoten. 39


1948 Denkmal für die Opfer des Kommunismus

qA m Fuß des Petřín-Hügels, Vítězná ulice, Prag 1 – Kleinseite, 50°4′52″ s. š., 14°24′15″ v. d. w www.muzeumkomunismu.cz Im Februar 1948 kam die Kommunistische Partei durch einen Staatsstreich an die Macht. So reihte sich die Tschechoslowakei für 41 Jahre in die Länder des von Moskau geführten Ostblocks ein. Es begann die Zeit der Säuberungen, der Inhaftierung von Unschuldigen und ihrer Enteignung, der politischen Prozesse und Morde, der Unfreiheit und Ungerechtigkeit.

umgekommen – 170 938 Bürger emigrierten». Die ganze Treppe durchzieht ein Bronzeband mit dieser Information. Durch die Körper der Statuen ist die © PhotoFires / Shutterstock.com

Národní třída zu sehen, auf der sich die dramatischen Geschehnisse des Jahres 1989 vor dem Fall des Kommunismus abgespielt haben.

1949 Bethlehemskapelle –

das neugeborene Bethaus von Magister Jan Hus Bethlehemskapelle (Betlémská kaple) q Betlémské náměstí 255/4, Prag 1 – Altstadt w www.bethlehemchapel.eu Der Bethlehemsplatz erinnert mit seinem Namen an die mittelalterliche Kapelle der Kinder von Bethlehem. Die Größe und Silhouette des Gebäudes mit zwei hohen Giebeln zeigen, dass dies keine gewöhnliche Kirche war.

Am Fuß des Petřín befindet sich eines der ungewöhnlichsten Denkmäler Prags. Dahinter stecken der Bildhauer Olbram Zoubek, der die kommunistische Willkür am eigenen Leib erfuhr, und die Architekten Zdeněk Hölzel und Jan Kerel. Das Denkmal zeigt auf einer absteigenden Treppe sieben hintereinander schreitende Bronzefiguren. Die erste Statue ist komplett, jede weitere verliert ein Stück Körper – zuerst platzt die Brust auf und nach und nach verschwindet die ganze Figur.

Die Kapelle, die hier in den Jahren 1391–1394 errichtet wurde, bot Raum für tschechische Predigten und deren kritischen Blick auf die Kirche. Hier war der Magister der Prager Universität, Theologe und Reformator Jan Hus tätig. Seine Predigten zogen damals tausende Besucher an. Nach Hus‘ Zerwürfnis mit der katholischen Kirche, das seinen Höhepunkt in seiner Verbrennung während dem Konstanzer Konzil 1415 hatte, fand sich die hiesige Kapelle in der Rolle des Zentrums des hussitischen Widerstands.

Zoubek schilderte so das eskalierende Leiden sogenannter „Mukl“, politischer Gefangener, die in den 50er Jahren zur Liquidierung verurteilt wurden. Im unteren Teil der Treppe befindet sich eine Tafel mit dem Text: „Opfer des Kommunismus 1948–1989: 205 486 verurteilt – 248 hingerichtet – 4 500 in Gefängnissen gestorben – 327 an den Grenzen

Im 18. Jahrhundert wurde die beschädigte Kapelle abgerissen, nur ein Teil der Außenwand blieb bestehen. Im 20. Jahrhundert wurde aber anders damit umgegangen. Der Versuch, die Geheimnisse des einst bedeutenden Heiligtums zu enthüllen, stand am Anfang der Bau- und Architekturforschung, gefolgt von der sorgfältigen Präparation

40

durch den Architekten Jaroslav Fragner. Das erneuerte Interieur wird von Bildern nach dem Jenaer Kodex, aber auch Fragmenten der ursprünglichen Inschriften geschmückt. Die Kapelle konnte so wieder zum symbolischen Zentrum der ersten europäischen Reformation werden.

© frantic00 / Shutterstock.com

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1948 Denkmal für die Opfer des Kommunismus

qA m Fuß des Petřín-Hügels, Vítězná ulice, Prag 1 – Kleinseite, 50°4′52″ s. š., 14°24′15″ v. d. w www.muzeumkomunismu.cz Im Februar 1948 kam die Kommunistische Partei durch einen Staatsstreich an die Macht. So reihte sich die Tschechoslowakei für 41 Jahre in die Länder des von Moskau geführten Ostblocks ein. Es begann die Zeit der Säuberungen, der Inhaftierung von Unschuldigen und ihrer Enteignung, der politischen Prozesse und Morde, der Unfreiheit und Ungerechtigkeit.

umgekommen – 170 938 Bürger emigrierten». Die ganze Treppe durchzieht ein Bronzeband mit dieser Information. Durch die Körper der Statuen ist die © PhotoFires / Shutterstock.com

Národní třída zu sehen, auf der sich die dramatischen Geschehnisse des Jahres 1989 vor dem Fall des Kommunismus abgespielt haben.

1949 Bethlehemskapelle –

das neugeborene Bethaus von Magister Jan Hus Bethlehemskapelle (Betlémská kaple) q Betlémské náměstí 255/4, Prag 1 – Altstadt w www.bethlehemchapel.eu Der Bethlehemsplatz erinnert mit seinem Namen an die mittelalterliche Kapelle der Kinder von Bethlehem. Die Größe und Silhouette des Gebäudes mit zwei hohen Giebeln zeigen, dass dies keine gewöhnliche Kirche war.

Am Fuß des Petřín befindet sich eines der ungewöhnlichsten Denkmäler Prags. Dahinter stecken der Bildhauer Olbram Zoubek, der die kommunistische Willkür am eigenen Leib erfuhr, und die Architekten Zdeněk Hölzel und Jan Kerel. Das Denkmal zeigt auf einer absteigenden Treppe sieben hintereinander schreitende Bronzefiguren. Die erste Statue ist komplett, jede weitere verliert ein Stück Körper – zuerst platzt die Brust auf und nach und nach verschwindet die ganze Figur.

Die Kapelle, die hier in den Jahren 1391–1394 errichtet wurde, bot Raum für tschechische Predigten und deren kritischen Blick auf die Kirche. Hier war der Magister der Prager Universität, Theologe und Reformator Jan Hus tätig. Seine Predigten zogen damals tausende Besucher an. Nach Hus‘ Zerwürfnis mit der katholischen Kirche, das seinen Höhepunkt in seiner Verbrennung während dem Konstanzer Konzil 1415 hatte, fand sich die hiesige Kapelle in der Rolle des Zentrums des hussitischen Widerstands.

Zoubek schilderte so das eskalierende Leiden sogenannter „Mukl“, politischer Gefangener, die in den 50er Jahren zur Liquidierung verurteilt wurden. Im unteren Teil der Treppe befindet sich eine Tafel mit dem Text: „Opfer des Kommunismus 1948–1989: 205 486 verurteilt – 248 hingerichtet – 4 500 in Gefängnissen gestorben – 327 an den Grenzen

Im 18. Jahrhundert wurde die beschädigte Kapelle abgerissen, nur ein Teil der Außenwand blieb bestehen. Im 20. Jahrhundert wurde aber anders damit umgegangen. Der Versuch, die Geheimnisse des einst bedeutenden Heiligtums zu enthüllen, stand am Anfang der Bau- und Architekturforschung, gefolgt von der sorgfältigen Präparation

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durch den Architekten Jaroslav Fragner. Das erneuerte Interieur wird von Bildern nach dem Jenaer Kodex, aber auch Fragmenten der ursprünglichen Inschriften geschmückt. Die Kapelle konnte so wieder zum symbolischen Zentrum der ersten europäischen Reformation werden.

© frantic00 / Shutterstock.com

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1950 Prager Dieseltriebwagen „Motoráček“

w www.prague.eu, in das Suchfenster geben Sie das Wort „Semmering“ ein Der Prager Dieseltriebwagen „Motoráček“ ist ein einzigartiger Teil des Prager (vor-) städtischen Verkehrssystems. Diese Wagen wurden in den Jahren 1949–1960 gebaut und sind bis heute in regelmäßigem Betrieb. Sie fahren auf der malerischen Strecke zwischen dem Prager Hauptbahnhof und der Station Zličín. Den Reisenden bieten sich unterwegs schöne Ausblicke, untypische Prager Ecken, Naturszenerien und technische Besonderheiten. Die Strecke beinhaltet den längsten zweigleisigen Tunnel Tschechiens (Vinohrader Tunnel mit einer Länge von 1145 m) und die Moldauüberquerung auf einer Stahlbrücke aus dem Jahre 1901, von wo aus sich schöne Ausblicke auf die Prager Burg und Vyšehrad ergeben. Vom Industrieviertel Smíchov fährt der „Motoráček“ dann auf den Prager Semmering. Die Strecke überquert in einer Schleife zweimal das Prokoptal über den imposanten Hlubočepy Viadukt, von wo aus die dorfartige Bebauung des ursprünglichen Hlubočepy sowie die einzigartige Natur des Prokoptals zu sehen ist. Zwischen den Kalksteinen geht es weiter durch die Villenviertel Košíře und Cibulka und den Naturpark Košíře–Motol bis zur Siedlung Řepy. 42

Prager Dieseltriebwagen „Motoráček“ © KŽC Doprava s.r.o.

1951 Fahrrad Favorit –

heutigen Fahrräder von Favorit werden von Hand erzeugt, nach Maß, und sind für die modernste Technologie mit originellen Elementen, niedrigem Gewicht und Spitzendesign bekannt.

schnell, leicht, elegant Favorit qP avilon a.s., Vinohradská 1200/50, Prag 2 – Vinohrady w www.favorit.cz Das Fahrrad Favorit, einst der Traum jedes tschechoslowakischen Jungen, entstand in Rokycany. In der Fabrik wurden ursprünglich nur einzelne Bestandteile erzeugt. Weil in der kommunistischen Tschechoslowakei ein Mangel an Valuten für die Einfuhr von Fahrradteilen aus dem Westen herrschte, wurde entschieden, das ganze Fahrrad im Inland herzustellen. Dank des Geschicks der hiesigen Entwickler gelang es bald, Fahrräder herzustellen, die alle Parameter eines Spitzenrennrads erfüllten. Als die tschechoslowakischen Repräsentanten Medaillen von den internationalen Rennen und Wettbewerben zurückbrachten, erlangte die Marke Favorit immer mehr Respekt unter den Experten. Im ersten Jahr 1951 wurden 5 148 Fahrräder hergestellt, vier Jahre später waren es 13 531 Fahrräder und 1978 wurde das millionste Fahrrad von Favorit hergestellt. In den 80ern wurden sie bereits in 38 Länder exportiert, darunter die USA, Kanada und die BRD. 1989 wurde die Fabrik privatisiert und wechselte einige Male ihren Besitzer. 2011 kaufte der Unternehmer Richard Galovič die originale geschützte Marke und ihre Renaissance konnte beginnen. Die © Favorit Czechoslovakia s.r.o

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1950 Prager Dieseltriebwagen „Motoráček“

w www.prague.eu, in das Suchfenster geben Sie das Wort „Semmering“ ein Der Prager Dieseltriebwagen „Motoráček“ ist ein einzigartiger Teil des Prager (vor-) städtischen Verkehrssystems. Diese Wagen wurden in den Jahren 1949–1960 gebaut und sind bis heute in regelmäßigem Betrieb. Sie fahren auf der malerischen Strecke zwischen dem Prager Hauptbahnhof und der Station Zličín. Den Reisenden bieten sich unterwegs schöne Ausblicke, untypische Prager Ecken, Naturszenerien und technische Besonderheiten. Die Strecke beinhaltet den längsten zweigleisigen Tunnel Tschechiens (Vinohrader Tunnel mit einer Länge von 1145 m) und die Moldauüberquerung auf einer Stahlbrücke aus dem Jahre 1901, von wo aus sich schöne Ausblicke auf die Prager Burg und Vyšehrad ergeben. Vom Industrieviertel Smíchov fährt der „Motoráček“ dann auf den Prager Semmering. Die Strecke überquert in einer Schleife zweimal das Prokoptal über den imposanten Hlubočepy Viadukt, von wo aus die dorfartige Bebauung des ursprünglichen Hlubočepy sowie die einzigartige Natur des Prokoptals zu sehen ist. Zwischen den Kalksteinen geht es weiter durch die Villenviertel Košíře und Cibulka und den Naturpark Košíře–Motol bis zur Siedlung Řepy. 42

Prager Dieseltriebwagen „Motoráček“ © KŽC Doprava s.r.o.

1951 Fahrrad Favorit –

heutigen Fahrräder von Favorit werden von Hand erzeugt, nach Maß, und sind für die modernste Technologie mit originellen Elementen, niedrigem Gewicht und Spitzendesign bekannt.

schnell, leicht, elegant Favorit qP avilon a.s., Vinohradská 1200/50, Prag 2 – Vinohrady w www.favorit.cz Das Fahrrad Favorit, einst der Traum jedes tschechoslowakischen Jungen, entstand in Rokycany. In der Fabrik wurden ursprünglich nur einzelne Bestandteile erzeugt. Weil in der kommunistischen Tschechoslowakei ein Mangel an Valuten für die Einfuhr von Fahrradteilen aus dem Westen herrschte, wurde entschieden, das ganze Fahrrad im Inland herzustellen. Dank des Geschicks der hiesigen Entwickler gelang es bald, Fahrräder herzustellen, die alle Parameter eines Spitzenrennrads erfüllten. Als die tschechoslowakischen Repräsentanten Medaillen von den internationalen Rennen und Wettbewerben zurückbrachten, erlangte die Marke Favorit immer mehr Respekt unter den Experten. Im ersten Jahr 1951 wurden 5 148 Fahrräder hergestellt, vier Jahre später waren es 13 531 Fahrräder und 1978 wurde das millionste Fahrrad von Favorit hergestellt. In den 80ern wurden sie bereits in 38 Länder exportiert, darunter die USA, Kanada und die BRD. 1989 wurde die Fabrik privatisiert und wechselte einige Male ihren Besitzer. 2011 kaufte der Unternehmer Richard Galovič die originale geschützte Marke und ihre Renaissance konnte beginnen. Die © Favorit Czechoslovakia s.r.o

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1952 Josef Sudek – einzigartiges

1953 Brauerei Staropramen – aus dem

Atelier Josef Sudeks qÚ jezd 432/30, Prag 1 – Kleinseite w www.sudek-atelier.cz Josef-Sudek-Galerie q Úvoz 160/24, Prag 1 – Hradschin w www.upm.cz

Besucherzentrum Staropramen qP ivovarská 244/9, Prag 5 – Smíchov w www.staropramen.cz

Phänomen der tschechischen Fotografie

Josef Sudek (1896 – 1976) ist einer der wichtigsten Fotografen aller Zeiten. Sein originelles und vielfältiges Werk ist in vielen prestigeträchtigen internationalen Sammlungen vertreten. Er begann als Amateur und war gelernter Buchbinder, aber als einarmiger Kriegsinvalider requalifizierte er sich später als professioneller Fotograf. Letztendlich schloss er auch ein Fotografiestudium ab. Sudeks Werk hat seit Beginn des 20. Jahrhundert alle Phasen der modernen Fotografie angetrieben. Seit den 20ern wurde er von Prag, aber auch der Natur inspiriert. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs widmete er sich der Werbe-, Repro- und Portraitfotografie und erhielt beträchtliches Renommé. Ab 1940 bildete sich sein unnachahmlicher Stil der Kontaktkopien, mit denen er seine persönlichen Themen in umfassenden und zeitintensiven Zyklen anordnete. Zu seinen wertvollsten Fotografien gehört unter anderem die Serie der Ausblicke aus dem Fenster seines Gartenateliers im Prager Újezd.

Aus der Serie Fenster meines Ateliers Josef Sudek © Kunsthandwerkliches Museum in Prag

Arbeiterbezirk Smíchov in die ganze Welt

Die Geschichte der Brauerei Staropramen reicht bis ins Jahr 1869, als sie im Prager Fabrikenviertel Smíchov gegründet wurde. Heute ist sie die letzte aktive industrielle Brauerei in ganz Prag. Seit Beginn ihrer Existenz entwickelte sie sich dank der neuen Technologien, zu denen eine der ersten Abfüllanlagen für Flaschen in Österreich-Ungarn oder die künstliche Kühlung in Kellern und Gärbottichen gehört, weiter. Den Namen Staropramen bekam sie im Jahre 1913 nach einem ihrer Biere und 1932 wurde sie bereits einer der größten Bierproduzenten des Landes.

Foto © Pivovary Staropramen s.r.o.

1953 wurde mit dem Export von Smíchover Bier begonnen. Heute wird es in 30 Länder geliefert, was Staropramen zu einem der größten tschechischen Bierexporteure macht. Das Flaggschiff Staropramens ist das helle Bier mit 10° Stammwürze, ein leichteres, aber volles Bier, das die Smíchover Arbeiter gerne nach der Schicht in der Fabrik tranken. Auch heute noch macht es mehr als die Hälfte der Gesamtproduktion der Brauerei aus. Auch wenn die Lager und Spezialbiere ständig an Beliebtheit zunehmen hält das „Zehner“ seine starke Position. Die Pivovary Staropramen s.r.o. betreibt die Restaurantkette Potrefená husa. Am Smíchover Sitz finden

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Sie ein interaktives Besucherzentrum, das die Geschichte des Biers der Marke Staropramen, das Bier der Smíchover Arbeiter, das berühmt geworden ist, näherbringt.

Areal der Brauerei Ende des 19. Jahrhunderts

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1952 Josef Sudek – einzigartiges

1953 Brauerei Staropramen – aus dem

Atelier Josef Sudeks qÚ jezd 432/30, Prag 1 – Kleinseite w www.sudek-atelier.cz Josef-Sudek-Galerie q Úvoz 160/24, Prag 1 – Hradschin w www.upm.cz

Besucherzentrum Staropramen qP ivovarská 244/9, Prag 5 – Smíchov w www.staropramen.cz

Phänomen der tschechischen Fotografie

Josef Sudek (1896 – 1976) ist einer der wichtigsten Fotografen aller Zeiten. Sein originelles und vielfältiges Werk ist in vielen prestigeträchtigen internationalen Sammlungen vertreten. Er begann als Amateur und war gelernter Buchbinder, aber als einarmiger Kriegsinvalider requalifizierte er sich später als professioneller Fotograf. Letztendlich schloss er auch ein Fotografiestudium ab. Sudeks Werk hat seit Beginn des 20. Jahrhundert alle Phasen der modernen Fotografie angetrieben. Seit den 20ern wurde er von Prag, aber auch der Natur inspiriert. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs widmete er sich der Werbe-, Repro- und Portraitfotografie und erhielt beträchtliches Renommé. Ab 1940 bildete sich sein unnachahmlicher Stil der Kontaktkopien, mit denen er seine persönlichen Themen in umfassenden und zeitintensiven Zyklen anordnete. Zu seinen wertvollsten Fotografien gehört unter anderem die Serie der Ausblicke aus dem Fenster seines Gartenateliers im Prager Újezd.

Aus der Serie Fenster meines Ateliers Josef Sudek © Kunsthandwerkliches Museum in Prag

Arbeiterbezirk Smíchov in die ganze Welt

Die Geschichte der Brauerei Staropramen reicht bis ins Jahr 1869, als sie im Prager Fabrikenviertel Smíchov gegründet wurde. Heute ist sie die letzte aktive industrielle Brauerei in ganz Prag. Seit Beginn ihrer Existenz entwickelte sie sich dank der neuen Technologien, zu denen eine der ersten Abfüllanlagen für Flaschen in Österreich-Ungarn oder die künstliche Kühlung in Kellern und Gärbottichen gehört, weiter. Den Namen Staropramen bekam sie im Jahre 1913 nach einem ihrer Biere und 1932 wurde sie bereits einer der größten Bierproduzenten des Landes.

Foto © Pivovary Staropramen s.r.o.

1953 wurde mit dem Export von Smíchover Bier begonnen. Heute wird es in 30 Länder geliefert, was Staropramen zu einem der größten tschechischen Bierexporteure macht. Das Flaggschiff Staropramens ist das helle Bier mit 10° Stammwürze, ein leichteres, aber volles Bier, das die Smíchover Arbeiter gerne nach der Schicht in der Fabrik tranken. Auch heute noch macht es mehr als die Hälfte der Gesamtproduktion der Brauerei aus. Auch wenn die Lager und Spezialbiere ständig an Beliebtheit zunehmen hält das „Zehner“ seine starke Position. Die Pivovary Staropramen s.r.o. betreibt die Restaurantkette Potrefená husa. Am Smíchover Sitz finden

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Sie ein interaktives Besucherzentrum, das die Geschichte des Biers der Marke Staropramen, das Bier der Smíchover Arbeiter, das berühmt geworden ist, näherbringt.

Areal der Brauerei Ende des 19. Jahrhunderts

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1954 Hotel Jalta – ein Neubau mitten am Wenzelsplatz Hotel Jalta qV áclavske náměstí 45, Prag 1 – Neustadt w www.hoteljalta.com Der Wenzelsplatz war oft Zeuge dramatischer Momente der Geschichte. Im Mai 1945, kurz vor der Niederlage Nazideutschlands, griffen Flugzeuge der Luftwaffe das Stadtzentrum mit Brandbomben an. Nach dem Krieg wurden die zerstörten Häuser mitten am Wenzelsplatz schnell mit Neubauten ersetzt werden. Einer davon entstand in den Jahren 1954–1958 und trat den Pragern als Luxushotel Jalta ins Bewusstsein. Der dekorative Bau beeindruckt vor allem mit der reichen Verkleidung der Fassade. Der Architekt Antonín Tenzer hatte damals in dem kommunistischen Präsidenten Antonín Zápotocký einen wichtigen Unterstützer. Der Politiker, ein professioneller Steinmetz, beteiligte sich letztendlich an der Auswahl des hochwertigsten Marmors und Travertins. Das luxuriöse Interieur beinhaltet Glasreliefs von Stanislav Libenský, elegante Keramikverkleidungen und handgewobene Textilien. Ein Detail, von dem die damalige Allgemeinheit keine Ahnung hatte, war der weitläufige unterirdische Atombunker für die Vertreter der kommunistischen Macht. Er war für 250 Personen gedacht und mit einem OP-Saal, einem Wasserreservoir und Einrichtungen für den Militärstab ausgestattet. Im Untergeschoss war auch eine Abhöranlage für die Telefone der einzelnen Zimmer eingerichtet, um 46

Museum des Kalten Kriegs im Atombunker des Hotel Jalta

1955 Reise in die Urzeit und Karel Zeman Karel-Zeman-Museum qS aská 80/1, Prag 1 – Kleinseite w www.muzeumkarlazemana.cz

deren Betrieb sich die Geheimdienste „kümmerten“. Heutzutage ist dieser Teil des Hotels gelegentlich zugänglich.

Foto © Jalta Boutique Hotel

Atombunker

Karel Zeman – der Filmkünstler und Regisseur, Zauberer der Filmleinwand und Wegbereiter der Trickfilme – ist einer von wenigen international anerkannten tschechischen Regisseuren. Seine einzigartige Ästhetik unberührt von digitalen Technologien und seine unendliche Fantasie inspirierten Filmemacher von Terry Gilliam bis Tim Burton. Zeman bewunderte Marionetten seit seiner Kindheit und spielte im Marionettentheater. In Frankreich studierte er Werbegestaltung, fand Gefallen an Animationsfilmen und am Reisen – zu Fuß durchquerte er Marokko, Ägypten, Jugoslawien und Griechenland. 1955 debütierte sein Film Reise durch die Urzeit, der gespielte, animierte und Marionettenteile kombinierte. Die Geschichte von vier Jungen, die gegen den Strom der Zeit in die Urzeit reisen ist bis heute beliebt. Die Darstellung der urzeitlichen Echsen und anderer Tiere spiegelt den damaligen paläontologischen Wissensstand getreu wieder. Internationalen Erfolg brachte ihm der Film Die Erfindung des Verderbens, frei nach den Büchern von Jules Verne, der in 72 Länder verkauft wurde und so zum erfolgreichsten tschechischen Film aller Zeiten wurde. Als das Beste von Zemans Werken gilt aber der Film Baron Prášil von 1961, der später den Regisseur Terry Gilliam zu seiner eigenen Version inspirierte.

Foto © Karel-Zeman-Museum

2012 entstand das interaktive Karel-Zeman-Museum in Prag, das seine magische Welt den nächsten Generationen von Kindern und Erwachsenen näherbringt.

Reise in die Urzeit, Arbeit im Atelier

Reise in die Urzeit, Szene mit Mammut

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1954 Hotel Jalta – ein Neubau mitten am Wenzelsplatz Hotel Jalta qV áclavske náměstí 45, Prag 1 – Neustadt w www.hoteljalta.com Der Wenzelsplatz war oft Zeuge dramatischer Momente der Geschichte. Im Mai 1945, kurz vor der Niederlage Nazideutschlands, griffen Flugzeuge der Luftwaffe das Stadtzentrum mit Brandbomben an. Nach dem Krieg wurden die zerstörten Häuser mitten am Wenzelsplatz schnell mit Neubauten ersetzt werden. Einer davon entstand in den Jahren 1954–1958 und trat den Pragern als Luxushotel Jalta ins Bewusstsein. Der dekorative Bau beeindruckt vor allem mit der reichen Verkleidung der Fassade. Der Architekt Antonín Tenzer hatte damals in dem kommunistischen Präsidenten Antonín Zápotocký einen wichtigen Unterstützer. Der Politiker, ein professioneller Steinmetz, beteiligte sich letztendlich an der Auswahl des hochwertigsten Marmors und Travertins. Das luxuriöse Interieur beinhaltet Glasreliefs von Stanislav Libenský, elegante Keramikverkleidungen und handgewobene Textilien. Ein Detail, von dem die damalige Allgemeinheit keine Ahnung hatte, war der weitläufige unterirdische Atombunker für die Vertreter der kommunistischen Macht. Er war für 250 Personen gedacht und mit einem OP-Saal, einem Wasserreservoir und Einrichtungen für den Militärstab ausgestattet. Im Untergeschoss war auch eine Abhöranlage für die Telefone der einzelnen Zimmer eingerichtet, um 46

Museum des Kalten Kriegs im Atombunker des Hotel Jalta

1955 Reise in die Urzeit und Karel Zeman Karel-Zeman-Museum qS aská 80/1, Prag 1 – Kleinseite w www.muzeumkarlazemana.cz

deren Betrieb sich die Geheimdienste „kümmerten“. Heutzutage ist dieser Teil des Hotels gelegentlich zugänglich.

Foto © Jalta Boutique Hotel

Atombunker

Karel Zeman – der Filmkünstler und Regisseur, Zauberer der Filmleinwand und Wegbereiter der Trickfilme – ist einer von wenigen international anerkannten tschechischen Regisseuren. Seine einzigartige Ästhetik unberührt von digitalen Technologien und seine unendliche Fantasie inspirierten Filmemacher von Terry Gilliam bis Tim Burton. Zeman bewunderte Marionetten seit seiner Kindheit und spielte im Marionettentheater. In Frankreich studierte er Werbegestaltung, fand Gefallen an Animationsfilmen und am Reisen – zu Fuß durchquerte er Marokko, Ägypten, Jugoslawien und Griechenland. 1955 debütierte sein Film Reise durch die Urzeit, der gespielte, animierte und Marionettenteile kombinierte. Die Geschichte von vier Jungen, die gegen den Strom der Zeit in die Urzeit reisen ist bis heute beliebt. Die Darstellung der urzeitlichen Echsen und anderer Tiere spiegelt den damaligen paläontologischen Wissensstand getreu wieder. Internationalen Erfolg brachte ihm der Film Die Erfindung des Verderbens, frei nach den Büchern von Jules Verne, der in 72 Länder verkauft wurde und so zum erfolgreichsten tschechischen Film aller Zeiten wurde. Als das Beste von Zemans Werken gilt aber der Film Baron Prášil von 1961, der später den Regisseur Terry Gilliam zu seiner eigenen Version inspirierte.

Foto © Karel-Zeman-Museum

2012 entstand das interaktive Karel-Zeman-Museum in Prag, das seine magische Welt den nächsten Generationen von Kindern und Erwachsenen näherbringt.

Reise in die Urzeit, Arbeit im Atelier

Reise in die Urzeit, Szene mit Mammut

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1956 Hotel International –

Der Bau wurde nach vielen Adaptierungen und Veränderungen erst 1956 vollendet, drei Jahre nach Stalins Tod, und dient bis heute als Hotel. Das Hotel

International ist zwar nach modernen Standards ausgestattet, aber den Zauber eines historischen Unikats versprüht es dennoch.

das größte Symbol des Prager Sozrealismus

1957 Wie der Maulwurf

zu seinen Hosen kam Eines Abends im Jahre 1956 stolperte der Künstler, Illustrator und Regisseur Zdeněk Miler bei einem Spaziergang im Wald über einen Maulwurfshügel. Dieses scheinbar unbedeutende Ereignis veranlasste die Entstehung der mit Abstand bekanntesten und beliebtesten tschechischen Animationsfigur – dem Maulwurf (tsch.: Krtek).

Hôtel International qK oulova 1501/15, Prag 6 – Dejvice w www.internationalprague.cz Regierungsaufgabe: So entstand einer der interessantesten Bauten der Prager Architektur des 20. Jahrhunderts. Verteidigungsminister Alexej Čepička war derjenige, der das ursprüngliche Vorhaben einer einfachen Armeeunterkunft auf die Aufgabe, ein Luxushotel für die anreisenden sowjetischen Regierungs- und Militärdelegationen zu schaffen, abänderte, inklusive einer Unterkunft für hohe militärische Chargen. Čepička träumte sogar von einer Teilnahme des Generalissimus Stalin selbst an der Eröffnung des Hotels. Das Gebäude hatte übrigens den Spitznamen „Stalins Torte“.

In diesem Jahr erhielt Miler die Aufgabe, ein animiertes Märchen über die Herstellung von Kleidung zu schaffen. Bei der Auswahl der Hauptfigur war er allerdings am Ende – es schien, als hätte Walt Disney für seine gezeichneten Geschichten bereits alle existierenden Tiere verwendet. Aber dann kamen dieser Maulwurfhügel und der Gedanke, dass dieser niedliche kleine Insektenfresser den jungen Zusehern gefallen könnte. So entstand 1957 der Zeichentrickfilm „Wie der Maulwurf zu seinen Hosen kam“. Am Filmfestival in Venedig erhielt er zwei Preise und weitere Filme mit dem Maulwurf folgten bald.

Das sechzehnstöckige Gebäude mit einer Höhe von 88 m in den zentralen Teilen wurde zu einem typischen Beispiel des deutlich von sowjetischen Beispielen beeinflussten sozialistischen Realismus. Die Innenräume des Hotels wurden mit hochwertigen Kunstwerken, Metall- und Glaselementen sowie Wandteppichen verziert. Die Turmspitze verziert ein fünfzackiger Stern. Ein ausgeklügelter Mechanismus ermöglichte, ihn zur regelmäßigen Reinigung nach innen zu ziehen – natürlich in der Nacht, damit seine Abwesenheit keine Aufmerksamkeit erweckte.

Des Maulwurfs Beliebtheit überschritt bald die Grenzen – die nur von Interjektionen begleiteten Filme waren wie geschaffen für die Auslandsdistribution und wurden stichprobenweise nach Deutschland, Britannien, Skandinavien sowie Japan exportiert. Im Laufe seines Lebens machte Zdeněk Miler etwa 70 Filme und verkaufte Millionen von Büchern. 2011 wurde der legendäre Maulwurf sogar Teil der Weltallmission des Raumschiffs Endeavour, als der amerikanische Astronaut Andrew Feustel ihn mitnahm.

48 © Libor Sváček

Ansichtskarte von damals

Dieses Foto ist nur im gedruckten Katalog erhältlich.

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1956 Hotel International –

Der Bau wurde nach vielen Adaptierungen und Veränderungen erst 1956 vollendet, drei Jahre nach Stalins Tod, und dient bis heute als Hotel. Das Hotel

International ist zwar nach modernen Standards ausgestattet, aber den Zauber eines historischen Unikats versprüht es dennoch.

das größte Symbol des Prager Sozrealismus

1957 Wie der Maulwurf

zu seinen Hosen kam Eines Abends im Jahre 1956 stolperte der Künstler, Illustrator und Regisseur Zdeněk Miler bei einem Spaziergang im Wald über einen Maulwurfshügel. Dieses scheinbar unbedeutende Ereignis veranlasste die Entstehung der mit Abstand bekanntesten und beliebtesten tschechischen Animationsfigur – dem Maulwurf (tsch.: Krtek).

Hôtel International qK oulova 1501/15, Prag 6 – Dejvice w www.internationalprague.cz Regierungsaufgabe: So entstand einer der interessantesten Bauten der Prager Architektur des 20. Jahrhunderts. Verteidigungsminister Alexej Čepička war derjenige, der das ursprüngliche Vorhaben einer einfachen Armeeunterkunft auf die Aufgabe, ein Luxushotel für die anreisenden sowjetischen Regierungs- und Militärdelegationen zu schaffen, abänderte, inklusive einer Unterkunft für hohe militärische Chargen. Čepička träumte sogar von einer Teilnahme des Generalissimus Stalin selbst an der Eröffnung des Hotels. Das Gebäude hatte übrigens den Spitznamen „Stalins Torte“.

In diesem Jahr erhielt Miler die Aufgabe, ein animiertes Märchen über die Herstellung von Kleidung zu schaffen. Bei der Auswahl der Hauptfigur war er allerdings am Ende – es schien, als hätte Walt Disney für seine gezeichneten Geschichten bereits alle existierenden Tiere verwendet. Aber dann kamen dieser Maulwurfhügel und der Gedanke, dass dieser niedliche kleine Insektenfresser den jungen Zusehern gefallen könnte. So entstand 1957 der Zeichentrickfilm „Wie der Maulwurf zu seinen Hosen kam“. Am Filmfestival in Venedig erhielt er zwei Preise und weitere Filme mit dem Maulwurf folgten bald.

Das sechzehnstöckige Gebäude mit einer Höhe von 88 m in den zentralen Teilen wurde zu einem typischen Beispiel des deutlich von sowjetischen Beispielen beeinflussten sozialistischen Realismus. Die Innenräume des Hotels wurden mit hochwertigen Kunstwerken, Metall- und Glaselementen sowie Wandteppichen verziert. Die Turmspitze verziert ein fünfzackiger Stern. Ein ausgeklügelter Mechanismus ermöglichte, ihn zur regelmäßigen Reinigung nach innen zu ziehen – natürlich in der Nacht, damit seine Abwesenheit keine Aufmerksamkeit erweckte.

Des Maulwurfs Beliebtheit überschritt bald die Grenzen – die nur von Interjektionen begleiteten Filme waren wie geschaffen für die Auslandsdistribution und wurden stichprobenweise nach Deutschland, Britannien, Skandinavien sowie Japan exportiert. Im Laufe seines Lebens machte Zdeněk Miler etwa 70 Filme und verkaufte Millionen von Büchern. 2011 wurde der legendäre Maulwurf sogar Teil der Weltallmission des Raumschiffs Endeavour, als der amerikanische Astronaut Andrew Feustel ihn mitnahm.

48 © Libor Sváček

Ansichtskarte von damals

Dieses Foto ist nur im gedruckten Katalog erhältlich.

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1958 Expo 1958 – triumphaler

Siegeszug des Brüsseler Stils Expo 58 qL etenské sady 1500/80, Prag 7 – Holešovice Das Jahr 1958 schrieb sich mit einem gigantischen Ausstellungsprojekt in das Bewusstsein Europas ein – in Brüssel fand die Weltausstellung Expo 58 statt. Im Laufe von sieben Monaten besuchten mehr als 42 Millionen Menschen das Ausstellungsgelände. Vielleicht deshalb, weil es sich um das erste Projekt dieser Art seit Kriegsende handelte, maßen ihm die einzelnen Staaten enorme Bedeutung zu. Der triumphale Erfolg des tschechoslowakischen Pavillons und Programms auf der Expo 58 war dann ein Vorzeichen der zehnjährigen schrittweisen Liberalisierung, die erst von der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 beendet wurde.

sentation, besonders Laterna Magika (siehe S. 51). Die Expo 58 wurde zum Symbol der tschechoslowakischen Rückkehr in den europäischen Kulturraum und der Begriff Brüsseler Stil wurde in der Tschechoslowakei die Bezeichnung für neues Design, charakterisiert von eleganten runden Formen, bunten Farben und neuzeitlichen Materialien wie Kunststoff, Umakart, Furniersperrholz sowie Aluminium. Der Brüsseler Stil wurde Inspiration und Motivation für eine politische Lockerung.

Der Pavillon heute © Naděžda Murmaková

1959 Laterna magika Laterna magika qN árodní 4, Prag 1 – Neustadt w www.laterna.cz Laterna Magika, das erste multimediale Theater der Welt, hatte seine Weltpremiere auf der Expo 1958 in Brüssel, wo es eine Sensation hervorrief. Nach diesem Erfolg wurde Laterna Magika zu Gastauftritten in einer Reihe von Ländern eingeladen und 1959 wurde unter diesem Namen eine eigenständige Experimentalbühne des Nationaltheaters mit vorrübergehendem Sitz im Palais Adria (S. 11) gegründet.

Offizielles Ziel war es, die tschechoslowakische Kultur und den Lebensstandard bestmöglich zu präsentieren. Daher konnten die originellen Ideen der Architekten František Cubr, Josef Hrubý und Zdeněk Pokorný umgesetzt werden, deren Pavillon die höchste Bewertung erhielt, u.a. dank der architektonisch modern angelegten Restaurants. Nach dem Ende der Ausstellung wurde der Pavillon nach Prag transportiert und im Letná Park platziert.

Das Grundprinzip ist eine interaktive Beziehung zwischen der Liveveranstaltung auf der Bühne und der Filmprojektion. Das damalige Programm war ein gemeinsames Werk des Regisseurs Alfréd Radok und des Bühnenbildners Josef Svoboda, welche die Prinzipien der Beziehungen zwischen der Veranstaltung auf der Bühne und dem Film definierten. Das ursprüngliche Programm war ein komponiertes Band einzelner Nummern, die durch die Auftritte von Conférencières verbunden waren. Diese wurden vorab in einigen Sprachen aufgenommen, die einzelnen Versionen wurden dann parallel so projiziert, dass es zu einer scheinbar realen Interaktion der Schauspielerinnen auf der Bühne mit ihren Bildern und mit einander kam. Das selbe Prinzip wurde für die Komposition anderer Nummern mit Musik, Tanz sowie Schauspiel angewandt.

Erfolgreich war auch der kulturelle Teil der Prä-

In der Laterna Magika kann eine Bühnenveranstal-

50

© Expo58.blogspot.cz

tung verschiedenste Formen haben, von Schauspiel über Pantomime, modernen Tanz und Akrobatik bis zu schwarzem Theater. Seit 1959 ist die Laterna Magika ununterbrochen als eigenständige Bühne tätig. Foto © Nationaltheater

Die Wundersamen Reisen des Jules Verne Magischer Zirkus

Aufnahme des Films zur Choreografie Halsbrecherische Fahrt

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1958 Expo 1958 – triumphaler

Siegeszug des Brüsseler Stils Expo 58 qL etenské sady 1500/80, Prag 7 – Holešovice Das Jahr 1958 schrieb sich mit einem gigantischen Ausstellungsprojekt in das Bewusstsein Europas ein – in Brüssel fand die Weltausstellung Expo 58 statt. Im Laufe von sieben Monaten besuchten mehr als 42 Millionen Menschen das Ausstellungsgelände. Vielleicht deshalb, weil es sich um das erste Projekt dieser Art seit Kriegsende handelte, maßen ihm die einzelnen Staaten enorme Bedeutung zu. Der triumphale Erfolg des tschechoslowakischen Pavillons und Programms auf der Expo 58 war dann ein Vorzeichen der zehnjährigen schrittweisen Liberalisierung, die erst von der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 beendet wurde.

sentation, besonders Laterna Magika (siehe S. 51). Die Expo 58 wurde zum Symbol der tschechoslowakischen Rückkehr in den europäischen Kulturraum und der Begriff Brüsseler Stil wurde in der Tschechoslowakei die Bezeichnung für neues Design, charakterisiert von eleganten runden Formen, bunten Farben und neuzeitlichen Materialien wie Kunststoff, Umakart, Furniersperrholz sowie Aluminium. Der Brüsseler Stil wurde Inspiration und Motivation für eine politische Lockerung.

Der Pavillon heute © Naděžda Murmaková

1959 Laterna magika Laterna magika qN árodní 4, Prag 1 – Neustadt w www.laterna.cz Laterna Magika, das erste multimediale Theater der Welt, hatte seine Weltpremiere auf der Expo 1958 in Brüssel, wo es eine Sensation hervorrief. Nach diesem Erfolg wurde Laterna Magika zu Gastauftritten in einer Reihe von Ländern eingeladen und 1959 wurde unter diesem Namen eine eigenständige Experimentalbühne des Nationaltheaters mit vorrübergehendem Sitz im Palais Adria (S. 11) gegründet.

Offizielles Ziel war es, die tschechoslowakische Kultur und den Lebensstandard bestmöglich zu präsentieren. Daher konnten die originellen Ideen der Architekten František Cubr, Josef Hrubý und Zdeněk Pokorný umgesetzt werden, deren Pavillon die höchste Bewertung erhielt, u.a. dank der architektonisch modern angelegten Restaurants. Nach dem Ende der Ausstellung wurde der Pavillon nach Prag transportiert und im Letná Park platziert.

Das Grundprinzip ist eine interaktive Beziehung zwischen der Liveveranstaltung auf der Bühne und der Filmprojektion. Das damalige Programm war ein gemeinsames Werk des Regisseurs Alfréd Radok und des Bühnenbildners Josef Svoboda, welche die Prinzipien der Beziehungen zwischen der Veranstaltung auf der Bühne und dem Film definierten. Das ursprüngliche Programm war ein komponiertes Band einzelner Nummern, die durch die Auftritte von Conférencières verbunden waren. Diese wurden vorab in einigen Sprachen aufgenommen, die einzelnen Versionen wurden dann parallel so projiziert, dass es zu einer scheinbar realen Interaktion der Schauspielerinnen auf der Bühne mit ihren Bildern und mit einander kam. Das selbe Prinzip wurde für die Komposition anderer Nummern mit Musik, Tanz sowie Schauspiel angewandt.

Erfolgreich war auch der kulturelle Teil der Prä-

In der Laterna Magika kann eine Bühnenveranstal-

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© Expo58.blogspot.cz

tung verschiedenste Formen haben, von Schauspiel über Pantomime, modernen Tanz und Akrobatik bis zu schwarzem Theater. Seit 1959 ist die Laterna Magika ununterbrochen als eigenständige Bühne tätig. Foto © Nationaltheater

Die Wundersamen Reisen des Jules Verne Magischer Zirkus

Aufnahme des Films zur Choreografie Halsbrecherische Fahrt

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1960 Kofola – kommunistisches Coca-Cola mit geheimer Zutat w www.kofola.cz Bis 1960 existierten in der Tschechoslowakei genau zwei Sorten von Limonaden, die rote Himbeerlimonade und die gelbe Zitronade. Coca-Cola und Pepsi Cola waren ein unerreichbarer Traum der Jungen. Das damalige Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei entschied deshalb, dass es die ausländischen Getränke durch etwas Ähnliches aus heimischen Quellen ersetzen würde. Die Basis für Kofola, den Sirup Kofo, entwickelte ein Team des Forschungsinstituts für Heilmittel in Prag. Der Hauptbestandteil war Himbeersirup, weitere Zutaten waren die Brombeer-, Erdbeerund Himbeerblätter, aber auch Zimt, Lakritze und getrocknete Orangenschale – insgesamt vierzehn Bestandteile. Ursprünglich wurde der Sirup ausschließlich aus Kräutern gemacht, schrittweise wurden sie aber von Essenzen und konzentrierten Auszügen ersetzt. Eine wichtige Rolle spielte Koffein. Für dessen Einfuhr gab es allerdings keine Valuten und so wurde eine kreative Lösung gewählt – das Koffein wurde chemisch aus dem Kaminruß der einzigen Kaffeerösterei, die damals in Prag in Betrieb war, extrahiert. In der Tschechoslowakei der 70er Jahre erlebte 52

Foto © Archiv Kofola ČeskoSlovensko

Kofola seine größten Ruhmestage. Nach einer Phase der Unsicherheit erlebte es in den 90ern ein Comeback. Das heutige beliebte und überall erhältliche Kofola basiert auf natürlicher Zusammensetzung, dessen Fundament in der immer

noch ursprünglichen Rezeptur des Sirups Kofo liegt. Sein origineller, leicht süßer Geschmack mit Kräuter- und Gewürztönen ist für viele Ausländer, die es das erste Mal probieren, eine angenehme Überraschung.

1961 Wichterles

Linsenapparatur Technisches Nationalmuseum (Národní technické muzeum) qK ostelní 1320/42, 170 78 Prag 7 w www.ntm.cz Zu den größten tschechischen Forschern und Erfindern des 20. Jahrhunderts gehört eindeutig Professor Otto Wichterle (1913 – 1998), der Mitbegründer der makromolekularen organischen Chemie. Er wurde vor allem für seine Entdeckungen und Erfindungen bekannt, die zur Vollendung und Verbreitung weicher Kontaktlinsen führten.

das Gießen in rotierende offene Formen. Zu Weihnachten 1961 stellte er dann in seiner Wohnung aus dem Kinderbaukasten Merkur und dem Motor eines Grammofons eine Apparatur zusammen, die die Hydrogellinsen erfolgreich goss. Das Patent auf diese Erzeugungsart verkaufte der Tschechoslowakische Staat später in die USA. Wichterles ursprüngliche „Linsenapparatur“ ist heutzutage Teil der Exposition des Technischen Nationalmuseums (S. 31). Foto © Technisches Nationalmuseum

Otto Wichterle

Sein erster Impuls zur Arbeit an der Entwicklung weicher Kontaktlinsen war sein zufälliges Gespräch im Zug über die Möglichkeiten der chirurgischen Korrektur der Augen. Wichterle wurde bewusst, dass Kunststoff das geeignetere Material für Implantate wäre als Edelmetalle. Er begann also eine Theorie über dreidimensionale hydrophile Polymere, die für das Auge gut verträglich wären, zu entwickeln. Am passendsten erschien ihm HEMA Gel, das zu etwa 40% Wasser absorbierte, durchsichtig war und gute mechanische Eigenschaften hatte. Das Problem war die Verarbeitung. Wenn das Gel in Formen gegossen wurde, rissen die Linsen und hatten unregelmäßige Ränder. Das Gesundheitsministerium unterbrach Wichterles Forschung 1961. Damals fiel dem Forscher aber eine neue Art der Verarbeitung von HEMA Gel ein,

Wichterle – Linsenapparatur

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1960 Kofola – kommunistisches Coca-Cola mit geheimer Zutat w www.kofola.cz Bis 1960 existierten in der Tschechoslowakei genau zwei Sorten von Limonaden, die rote Himbeerlimonade und die gelbe Zitronade. Coca-Cola und Pepsi Cola waren ein unerreichbarer Traum der Jungen. Das damalige Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei entschied deshalb, dass es die ausländischen Getränke durch etwas Ähnliches aus heimischen Quellen ersetzen würde. Die Basis für Kofola, den Sirup Kofo, entwickelte ein Team des Forschungsinstituts für Heilmittel in Prag. Der Hauptbestandteil war Himbeersirup, weitere Zutaten waren die Brombeer-, Erdbeerund Himbeerblätter, aber auch Zimt, Lakritze und getrocknete Orangenschale – insgesamt vierzehn Bestandteile. Ursprünglich wurde der Sirup ausschließlich aus Kräutern gemacht, schrittweise wurden sie aber von Essenzen und konzentrierten Auszügen ersetzt. Eine wichtige Rolle spielte Koffein. Für dessen Einfuhr gab es allerdings keine Valuten und so wurde eine kreative Lösung gewählt – das Koffein wurde chemisch aus dem Kaminruß der einzigen Kaffeerösterei, die damals in Prag in Betrieb war, extrahiert. In der Tschechoslowakei der 70er Jahre erlebte 52

Foto © Archiv Kofola ČeskoSlovensko

Kofola seine größten Ruhmestage. Nach einer Phase der Unsicherheit erlebte es in den 90ern ein Comeback. Das heutige beliebte und überall erhältliche Kofola basiert auf natürlicher Zusammensetzung, dessen Fundament in der immer

noch ursprünglichen Rezeptur des Sirups Kofo liegt. Sein origineller, leicht süßer Geschmack mit Kräuter- und Gewürztönen ist für viele Ausländer, die es das erste Mal probieren, eine angenehme Überraschung.

1961 Wichterles

Linsenapparatur Technisches Nationalmuseum (Národní technické muzeum) qK ostelní 1320/42, 170 78 Prag 7 w www.ntm.cz Zu den größten tschechischen Forschern und Erfindern des 20. Jahrhunderts gehört eindeutig Professor Otto Wichterle (1913 – 1998), der Mitbegründer der makromolekularen organischen Chemie. Er wurde vor allem für seine Entdeckungen und Erfindungen bekannt, die zur Vollendung und Verbreitung weicher Kontaktlinsen führten.

das Gießen in rotierende offene Formen. Zu Weihnachten 1961 stellte er dann in seiner Wohnung aus dem Kinderbaukasten Merkur und dem Motor eines Grammofons eine Apparatur zusammen, die die Hydrogellinsen erfolgreich goss. Das Patent auf diese Erzeugungsart verkaufte der Tschechoslowakische Staat später in die USA. Wichterles ursprüngliche „Linsenapparatur“ ist heutzutage Teil der Exposition des Technischen Nationalmuseums (S. 31). Foto © Technisches Nationalmuseum

Otto Wichterle

Sein erster Impuls zur Arbeit an der Entwicklung weicher Kontaktlinsen war sein zufälliges Gespräch im Zug über die Möglichkeiten der chirurgischen Korrektur der Augen. Wichterle wurde bewusst, dass Kunststoff das geeignetere Material für Implantate wäre als Edelmetalle. Er begann also eine Theorie über dreidimensionale hydrophile Polymere, die für das Auge gut verträglich wären, zu entwickeln. Am passendsten erschien ihm HEMA Gel, das zu etwa 40% Wasser absorbierte, durchsichtig war und gute mechanische Eigenschaften hatte. Das Problem war die Verarbeitung. Wenn das Gel in Formen gegossen wurde, rissen die Linsen und hatten unregelmäßige Ränder. Das Gesundheitsministerium unterbrach Wichterles Forschung 1961. Damals fiel dem Forscher aber eine neue Art der Verarbeitung von HEMA Gel ein,

Wichterle – Linsenapparatur

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1962 Stalin-Denkmal – das

Ende eines monströsen Monuments q Nábřeží Edvarda Beneše, Prag 7 – Letná Die größte Statuengruppe Europas wurde zu Ehren des sowjetischen Führers J. V. Stalin Mitte der 50er Jahre errichtet, in der dunkelsten Periode der kommunistischen Ära in der Tschechoslowakei. Dem Bau ging ein Wettbewerb voraus, an dem sich alle bekannten Architekten und Bildhauer verpflichtend beteiligten mussten. Der Bildhauer Otakar Švec schickte seinen Vorschlag für eine Statue Stalins umgeben von einer Gruppe von Personen in der Hoffnung, aufgrund der schwierigen Realisierung vom Wettbewerb ausgeschlossen zu werden. Zu seinem Entsetzen gewann sein Entwurf aber. Darin stehen zu Stalins Linken Vertreter des sowjetischen Volks, zu seiner Rechten das tschechoslowakische Volk. Unter den Pragern bekam das Denkmal den Spitznamen „Warteschlange für Fleisch“: Stalin, der erste in der Reihe, schien seine Geldbörse aus dem Mantel zu ziehen, hinter ihm dann die Schlange Wartender. Die feierliche Enthüllung des Denkmals 1955 erlebte Otakar Švec nicht, einen Monat davor beging er Selbstmord. Auch Stalin war bereits gestorben. Der neue sowjetische Führer Chruschtschow verachtete seinen Vorgänger – in Prag musste man sich also schnell mit der Frage befassen, wie man Stalin loswerden könne. Letztendlich wurde er 1962 in 54

die Luft gejagt. die Aktion wurde streng überwacht und es war verboten, den Bereich zu fotografieren. Den Kopf des sowjetischen Führers mussten zwei Steinmetze in Stücke schneiden und mit dem Aufzug abtransportieren. Das Denkmal wurde auseinandergenommen, ein Teil der Blöcke wurde in den Karlíner Hafen gebracht und der Schutt wurde in den unterirdischen Räumen eingeschlossen. Auf dem ehemaligen Sockel steht heute das Metronom (S. 85).

Foto © Archiv der Hauptstadt Prag

1963 Straßenbahn Tatra T3 Museum des städtischen öffentlichen Verkehrs q Patočkova 4, Praha 6 – Střešovice w www.dpp.cz Tatra T3 ist das Kultmodell der Prager Straßenbahn. Mit ihrer typischen Silhouette und dem creme-roten Anstrich dieser Wagen pflügt sie schon mehr als ein halbes Jahrhundert durch die Prager Straßen. Die erste Straßenbahn des Typs T3 nahm den regelmäßigen Betrieb in Prag im November 1962 auf, im Laufe des Folgejahres wurden die Straßenbahnen flächendeckend eingesetzt. Das Modell T3 inklusive seiner Modernisierung wurde zum meisterzeugten Typ Straßenbahn der Welt. Von 1960 bis 1997 wurden fast 14 000 Stück hergestellt. Der Wagen aus der Produktion der Fabrik ČKD Tatra Smíchov war dank der verwendeten Materialien wie Kunststoff oder Laminat sehr modern für seine Zeit. Am Anfang der T3 standen der Konstrukteur Antonín Honzík und der Designer František Kardaus. Gerade ihnen ist das zeitlose Aussehen mit den typisch runden Scheinwerfern und der hohen „Stirn“ vor der Frontscheibe zu verdanken. Beliebt war die Straßenbahn auch aufgrund der beheizten Sitze aus Glaslaminat, die ab 1964 montiert wurden und deren Komfort laut vielen Zeitzeugen seinesgleichen suchte. In der Stadt fahren bis heute einige hundert modernisierter Straßenbahnen plus die rekonstruierte T3 als Nostalgielinie Nr. 23 in der ursprünglichen Form. Auf der Strecke wird übrigens mit einem normalen Fahrschein bezahlt.

© Archiv der Verkehrsbetriebe der Hauptstadt Prag © Maks Ershov / Shutterstock.com

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1962 Stalin-Denkmal – das

Ende eines monströsen Monuments q Nábřeží Edvarda Beneše, Prag 7 – Letná Die größte Statuengruppe Europas wurde zu Ehren des sowjetischen Führers J. V. Stalin Mitte der 50er Jahre errichtet, in der dunkelsten Periode der kommunistischen Ära in der Tschechoslowakei. Dem Bau ging ein Wettbewerb voraus, an dem sich alle bekannten Architekten und Bildhauer verpflichtend beteiligten mussten. Der Bildhauer Otakar Švec schickte seinen Vorschlag für eine Statue Stalins umgeben von einer Gruppe von Personen in der Hoffnung, aufgrund der schwierigen Realisierung vom Wettbewerb ausgeschlossen zu werden. Zu seinem Entsetzen gewann sein Entwurf aber. Darin stehen zu Stalins Linken Vertreter des sowjetischen Volks, zu seiner Rechten das tschechoslowakische Volk. Unter den Pragern bekam das Denkmal den Spitznamen „Warteschlange für Fleisch“: Stalin, der erste in der Reihe, schien seine Geldbörse aus dem Mantel zu ziehen, hinter ihm dann die Schlange Wartender. Die feierliche Enthüllung des Denkmals 1955 erlebte Otakar Švec nicht, einen Monat davor beging er Selbstmord. Auch Stalin war bereits gestorben. Der neue sowjetische Führer Chruschtschow verachtete seinen Vorgänger – in Prag musste man sich also schnell mit der Frage befassen, wie man Stalin loswerden könne. Letztendlich wurde er 1962 in 54

die Luft gejagt. die Aktion wurde streng überwacht und es war verboten, den Bereich zu fotografieren. Den Kopf des sowjetischen Führers mussten zwei Steinmetze in Stücke schneiden und mit dem Aufzug abtransportieren. Das Denkmal wurde auseinandergenommen, ein Teil der Blöcke wurde in den Karlíner Hafen gebracht und der Schutt wurde in den unterirdischen Räumen eingeschlossen. Auf dem ehemaligen Sockel steht heute das Metronom (S. 85).

Foto © Archiv der Hauptstadt Prag

1963 Straßenbahn Tatra T3 Museum des städtischen öffentlichen Verkehrs q Patočkova 4, Praha 6 – Střešovice w www.dpp.cz Tatra T3 ist das Kultmodell der Prager Straßenbahn. Mit ihrer typischen Silhouette und dem creme-roten Anstrich dieser Wagen pflügt sie schon mehr als ein halbes Jahrhundert durch die Prager Straßen. Die erste Straßenbahn des Typs T3 nahm den regelmäßigen Betrieb in Prag im November 1962 auf, im Laufe des Folgejahres wurden die Straßenbahnen flächendeckend eingesetzt. Das Modell T3 inklusive seiner Modernisierung wurde zum meisterzeugten Typ Straßenbahn der Welt. Von 1960 bis 1997 wurden fast 14 000 Stück hergestellt. Der Wagen aus der Produktion der Fabrik ČKD Tatra Smíchov war dank der verwendeten Materialien wie Kunststoff oder Laminat sehr modern für seine Zeit. Am Anfang der T3 standen der Konstrukteur Antonín Honzík und der Designer František Kardaus. Gerade ihnen ist das zeitlose Aussehen mit den typisch runden Scheinwerfern und der hohen „Stirn“ vor der Frontscheibe zu verdanken. Beliebt war die Straßenbahn auch aufgrund der beheizten Sitze aus Glaslaminat, die ab 1964 montiert wurden und deren Komfort laut vielen Zeitzeugen seinesgleichen suchte. In der Stadt fahren bis heute einige hundert modernisierter Straßenbahnen plus die rekonstruierte T3 als Nostalgielinie Nr. 23 in der ursprünglichen Form. Auf der Strecke wird übrigens mit einem normalen Fahrschein bezahlt.

© Archiv der Verkehrsbetriebe der Hauptstadt Prag © Maks Ershov / Shutterstock.com

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1964 Limonaden-Joe – eine erstaunliche Blüte der sozialistischen Kinematografie

Die 60er Jahre waren das goldene Zeitalter des tschechoslowakischen Films. Die Filme der neuen Welle feierten internationale Erfolge und Regisseure wie Miloš Forman, Věra Chytilová, Ivan Passer, Jan Němec, Ján Kadár oder Jiří Menzel (die beiden letztgenannten erhielten sogar einen Oscar) erschufen Werke, die durch die Natürlichkeit (oft Improvisiertheit) des Dialoges, Intimität, bitter-komischen Ausdruck und klar definiterte Ästhetik überzeugten.

Dieses Foto ist nur im gedruckten Katalog erhältlich.

56

Eines der originellsten Werke des Jahrzehnts ist aber die Musikkomödie Limonaden-Joe von Drehbuchautor Jiří Brdečka und Regisseur Oldřich Lipský, die sich davon radikal unterscheidet. Der Film ist eine stilisierte Parodie auf Western und gleichzeitig eine liebevolle Ode an dieses Genre, an die Ästhetik der Abenteuerromane, Slapstik und Kitsch. Die Geschichte des adeligen antialkoholischen Pistolenhelden Limonaden-Joe, seine Nemesis Hogofogo und die schöne Winifred hat eine flotte Handlung, eingängige Melodien und ein ironisches Ende. Der in den Barrandover Außenstudios (S. 20) gedrehte Film ist ein Orkan an dynamischen,

kunstvoll stilisierten Szenen, ob es sich nun um die ungestüme Prügelei im Trigger Whisky Saloon oder die brutale Folterung des gefangenen Joe handelt. In den Hauptrollen brillieren Miloš Kopecký als dämonischer Zyniker Hogofogo und „die tschechische Brigitte Bardot“ Olga Schoberová. Brdečka und Lipský werden manchmal als die Begründer der tschechischen parodischen Schule bezeichnet, aber keiner ihrer späteren – wenn auch brillanten – Filme reicht an die explosive Energie ihres ersten gemeinsamen Werks heran.

1965 Schwimmstadion

Podolí – zeitlose Welle im Moldautal

Bei ihrem Besuch in Prag 1991 schwamm sogar Prinzessin Diana in Podolí. Sie kam als gewöhnliche Besucherin, bezahlte Eintritt und ging ins Hallenbecken, das zu der Zeit allerdings Sportlern vorbehalten war. Dadurch, dass sie eine gute Schwimmerin war, dauerte es einige Zeit, bis einer der Trainer bemerkte, dass sie nicht zum Trainingsverband gehörte. Danach musste sie das Becken allerdings verlassen.

Schwimmstadion Podolí (Plavecký stadion Podolí) qP odolská 74, Prag 4 – Podolí w www.pspodoli.cz Das bekannteste Prager Schwimmstadion gehört zu den Dominanten des rechten Moldauufers. Die Lage im ehemaligen Kalksteinbruch bietet Windschutz von drei Seiten. Gleichzeitig ist es den Großteil des Tages den Sonnenstrahlen ausgesetzt. Im Areal befinden sich ein Hallenschwimmbecken und zwei Freiluftbecken. Es dient nicht nur der Öffentlichkeit, sondern es wird auch eine Reihe von Wettbewerben im Schwimmen, Turmspringen und Wasserpolo hier veranstaltet.

Dieses Foto ist nur im gedruckten Katalog erhältlich.

Das Stadion wurde 1965 nach dem Entwurf des tschechischen Architekten Richard Podzemný gebaut. Der elegante Glas- und Betonbau ist von einem effektiv gelösten Dach in Form einer Welle bedeckt, die auch praktische Verwendung hat – sie schützt vor dem von der nahegelegenen Moldau wehenden Wind und dient gleichzeitig als Tribüne. Einzigartig ist auch die Aufheiztechnik der Schwimmbecken. Das Areal ist über unterirdische Leitungen mit dem Gebäude des Tschechischen Fernsehens in Kavčí Horá verbunden, wo das kalte Wasser die dortige Technik kühlt. Nach Podolí kehrt das Wasser dann warm zurück. Foto © Schwimmstadion Podolí

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1964 Limonaden-Joe – eine erstaunliche Blüte der sozialistischen Kinematografie

Die 60er Jahre waren das goldene Zeitalter des tschechoslowakischen Films. Die Filme der neuen Welle feierten internationale Erfolge und Regisseure wie Miloš Forman, Věra Chytilová, Ivan Passer, Jan Němec, Ján Kadár oder Jiří Menzel (die beiden letztgenannten erhielten sogar einen Oscar) erschufen Werke, die durch die Natürlichkeit (oft Improvisiertheit) des Dialoges, Intimität, bitter-komischen Ausdruck und klar definiterte Ästhetik überzeugten.

Dieses Foto ist nur im gedruckten Katalog erhältlich.

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Eines der originellsten Werke des Jahrzehnts ist aber die Musikkomödie Limonaden-Joe von Drehbuchautor Jiří Brdečka und Regisseur Oldřich Lipský, die sich davon radikal unterscheidet. Der Film ist eine stilisierte Parodie auf Western und gleichzeitig eine liebevolle Ode an dieses Genre, an die Ästhetik der Abenteuerromane, Slapstik und Kitsch. Die Geschichte des adeligen antialkoholischen Pistolenhelden Limonaden-Joe, seine Nemesis Hogofogo und die schöne Winifred hat eine flotte Handlung, eingängige Melodien und ein ironisches Ende. Der in den Barrandover Außenstudios (S. 20) gedrehte Film ist ein Orkan an dynamischen,

kunstvoll stilisierten Szenen, ob es sich nun um die ungestüme Prügelei im Trigger Whisky Saloon oder die brutale Folterung des gefangenen Joe handelt. In den Hauptrollen brillieren Miloš Kopecký als dämonischer Zyniker Hogofogo und „die tschechische Brigitte Bardot“ Olga Schoberová. Brdečka und Lipský werden manchmal als die Begründer der tschechischen parodischen Schule bezeichnet, aber keiner ihrer späteren – wenn auch brillanten – Filme reicht an die explosive Energie ihres ersten gemeinsamen Werks heran.

1965 Schwimmstadion

Podolí – zeitlose Welle im Moldautal

Bei ihrem Besuch in Prag 1991 schwamm sogar Prinzessin Diana in Podolí. Sie kam als gewöhnliche Besucherin, bezahlte Eintritt und ging ins Hallenbecken, das zu der Zeit allerdings Sportlern vorbehalten war. Dadurch, dass sie eine gute Schwimmerin war, dauerte es einige Zeit, bis einer der Trainer bemerkte, dass sie nicht zum Trainingsverband gehörte. Danach musste sie das Becken allerdings verlassen.

Schwimmstadion Podolí (Plavecký stadion Podolí) qP odolská 74, Prag 4 – Podolí w www.pspodoli.cz Das bekannteste Prager Schwimmstadion gehört zu den Dominanten des rechten Moldauufers. Die Lage im ehemaligen Kalksteinbruch bietet Windschutz von drei Seiten. Gleichzeitig ist es den Großteil des Tages den Sonnenstrahlen ausgesetzt. Im Areal befinden sich ein Hallenschwimmbecken und zwei Freiluftbecken. Es dient nicht nur der Öffentlichkeit, sondern es wird auch eine Reihe von Wettbewerben im Schwimmen, Turmspringen und Wasserpolo hier veranstaltet.

Dieses Foto ist nur im gedruckten Katalog erhältlich.

Das Stadion wurde 1965 nach dem Entwurf des tschechischen Architekten Richard Podzemný gebaut. Der elegante Glas- und Betonbau ist von einem effektiv gelösten Dach in Form einer Welle bedeckt, die auch praktische Verwendung hat – sie schützt vor dem von der nahegelegenen Moldau wehenden Wind und dient gleichzeitig als Tribüne. Einzigartig ist auch die Aufheiztechnik der Schwimmbecken. Das Areal ist über unterirdische Leitungen mit dem Gebäude des Tschechischen Fernsehens in Kavčí Horá verbunden, wo das kalte Wasser die dortige Technik kühlt. Nach Podolí kehrt das Wasser dann warm zurück. Foto © Schwimmstadion Podolí

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1966 Botas Classic – der

Schuh, der seinen Glanz nicht verlor BOTAS 66 qS kořepka 4, Prag 1 – Altstadt qK řížkovského 18, Prag 3 – Žižkov w www.botas66.cz Die Entstehung der beliebtesten tschechischen Sportschuhmarke Botas datiert sich auf das Jahr 1963. Diese Marke diktierte Trends nicht nur in der damaligen Tschechoslowakei, sondern auch im Rest des Ostblocks bis zu dessen Zerfall. Sportgeschichte schrieben die Schuhe bereits im Jahre 1964, als die tschechoslowakischen Volleyballspieler sie auf der Olympiade in Tokio trugen, auf der sie eine Silbermedaille erhielten. Die größte Popularität erhielten die Schuhe allerdings erst dank dem mittlerweile kultigen Modell Classic, das die Firma im Jahre 1966 auf den Markt brachte. Das ursprüngliche Material, aus dem die Schuhe erzeugt wurden – Leder von mongolischen Pferden – wurde durch synthetische Materialien ersetzt, ihr Design veränderte sich allerdings bis in die 80er Jahre nicht. Das neu designte Modell Botas Classic erschien erst 2009 wieder am Markt, und zwar dank der Zusammenarbeit zwischen der Marke und den jungen Designern Jan Kloss und Jakub Korouš, die es sich als Basis für ihr Projekt im Rahmen des Grafikdesignstudiums an der Akademie für Kunst, Architek58

tur und Design Prag aussuchten. So entstand eine erfolgreiche neue Kollektion, die einige bedeutende Auszeichnungen erhielt. Die immer noch beliebten

© Kunstgewerbemuseum in Prag

Schuhe gibt es in vier Versionen. Heute bekannt unter dem Lifestyle-Label BOTAS66 kann man sie in zwei Prager Markengeschäften kaufen.

1967 Theater von Jára Cimrman Žižkover Theater von Jára Cimrman (Žižkovské divadlo Járy Cimrmana) qŠ títného 5, Prag 3 – Žižkov w www.zdjc.cz Am 4. Oktober 1967 trat das Ensemble, dessen gesamtes Repertoire sich auf das Schicksal des fiktiven tschechischen Genies und Alleskönners Jára Cimrman fokussiert, das erste Mal auf. Die Figur des vom Pech verfolgten tschechischen Genies entstand als freie Mystifizierung zweier Prager Intellektueller, Ladislav Smoljak und Zdeněk Svěrák. Mit der Zeit gewann sie jedoch stark an Popularität, wovon auch die Tatsache zeugt, dass Cimrman von der tschechischen Bevölkerung in einer Umfrage zum „größten Tschechen“ aller Zeiten gewählt wurde. (Der Veranstalter – und das ist für Cimrmans Pech typisch – disqualifizierte ihn, da es sich um eine fiktive Figur handelt.) Jára Cimrman war ein Erfinder, Mathematiker, Physiker, Komponist, Reisender, Patriot, Pädagoge, Dramatiker uvm. – er beschäftige sich mit allen Bereichen des menschlichen Handelns. Schicksalsschläge, Intrigen von Konkurrenten und Pech bewirkten allerdings, dass immer jemand anderer den Profit und Ruhm für die Früchte seines Geistes erntete. Das Motiv vom Leben und Werken Jára Cimrmans hat fünfzehn Theaterstücke hervorgebracht, alle werden bis heute gespielt. Das Schicksal des frustrierten Genies aus dem späten 19. Jahrhundert kann auch als Allegorie auf das

Büste Jára Cimrmans © Künstler Stanislav Jelen – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index. php?curid=1057436 

Schicksal einer kleinen Nation mit großen Ambitionen verstanden werden, die aus verschiedenen Gründen nie erreicht werden. Trotz des spezifisch lokalen Charakters des Cimrman-Phänomens studierte das Prager Ensemble Cimrman English Theatre einige Stücke mit Erfolg auch in der englischen Version ein.

Theaterstück Akt © Archiv des Žižkover Theaters von Jára Cimrman

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1966 Botas Classic – der

Schuh, der seinen Glanz nicht verlor BOTAS 66 qS kořepka 4, Prag 1 – Altstadt qK řížkovského 18, Prag 3 – Žižkov w www.botas66.cz Die Entstehung der beliebtesten tschechischen Sportschuhmarke Botas datiert sich auf das Jahr 1963. Diese Marke diktierte Trends nicht nur in der damaligen Tschechoslowakei, sondern auch im Rest des Ostblocks bis zu dessen Zerfall. Sportgeschichte schrieben die Schuhe bereits im Jahre 1964, als die tschechoslowakischen Volleyballspieler sie auf der Olympiade in Tokio trugen, auf der sie eine Silbermedaille erhielten. Die größte Popularität erhielten die Schuhe allerdings erst dank dem mittlerweile kultigen Modell Classic, das die Firma im Jahre 1966 auf den Markt brachte. Das ursprüngliche Material, aus dem die Schuhe erzeugt wurden – Leder von mongolischen Pferden – wurde durch synthetische Materialien ersetzt, ihr Design veränderte sich allerdings bis in die 80er Jahre nicht. Das neu designte Modell Botas Classic erschien erst 2009 wieder am Markt, und zwar dank der Zusammenarbeit zwischen der Marke und den jungen Designern Jan Kloss und Jakub Korouš, die es sich als Basis für ihr Projekt im Rahmen des Grafikdesignstudiums an der Akademie für Kunst, Architek58

tur und Design Prag aussuchten. So entstand eine erfolgreiche neue Kollektion, die einige bedeutende Auszeichnungen erhielt. Die immer noch beliebten

© Kunstgewerbemuseum in Prag

Schuhe gibt es in vier Versionen. Heute bekannt unter dem Lifestyle-Label BOTAS66 kann man sie in zwei Prager Markengeschäften kaufen.

1967 Theater von Jára Cimrman Žižkover Theater von Jára Cimrman (Žižkovské divadlo Járy Cimrmana) qŠ títného 5, Prag 3 – Žižkov w www.zdjc.cz Am 4. Oktober 1967 trat das Ensemble, dessen gesamtes Repertoire sich auf das Schicksal des fiktiven tschechischen Genies und Alleskönners Jára Cimrman fokussiert, das erste Mal auf. Die Figur des vom Pech verfolgten tschechischen Genies entstand als freie Mystifizierung zweier Prager Intellektueller, Ladislav Smoljak und Zdeněk Svěrák. Mit der Zeit gewann sie jedoch stark an Popularität, wovon auch die Tatsache zeugt, dass Cimrman von der tschechischen Bevölkerung in einer Umfrage zum „größten Tschechen“ aller Zeiten gewählt wurde. (Der Veranstalter – und das ist für Cimrmans Pech typisch – disqualifizierte ihn, da es sich um eine fiktive Figur handelt.) Jára Cimrman war ein Erfinder, Mathematiker, Physiker, Komponist, Reisender, Patriot, Pädagoge, Dramatiker uvm. – er beschäftige sich mit allen Bereichen des menschlichen Handelns. Schicksalsschläge, Intrigen von Konkurrenten und Pech bewirkten allerdings, dass immer jemand anderer den Profit und Ruhm für die Früchte seines Geistes erntete. Das Motiv vom Leben und Werken Jára Cimrmans hat fünfzehn Theaterstücke hervorgebracht, alle werden bis heute gespielt. Das Schicksal des frustrierten Genies aus dem späten 19. Jahrhundert kann auch als Allegorie auf das

Büste Jára Cimrmans © Künstler Stanislav Jelen – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index. php?curid=1057436 

Schicksal einer kleinen Nation mit großen Ambitionen verstanden werden, die aus verschiedenen Gründen nie erreicht werden. Trotz des spezifisch lokalen Charakters des Cimrman-Phänomens studierte das Prager Ensemble Cimrman English Theatre einige Stücke mit Erfolg auch in der englischen Version ein.

Theaterstück Akt © Archiv des Žižkover Theaters von Jára Cimrman

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1968 Prager Frühling 1968 und Kampf um den Rundfunk

Tschechischer Rundfunk (Český rozhlas) qV inohradská 12, Prag 2 – Vinohrady w www.rozhlas.cz „Prager Frühling“ ist die Bezeichnung für die Periode der Liberalisierung in der Tschechoslowakei im Frühling 1968, die bis zum 21. August andauerte. Im Januar wurde die neue Führung der Kommunis-

tischen Partei der Tschechoslowakei und Alexander Dubček an deren Spitze gewählt. Es wurde über gesellschaftliche Probleme gesprochen, die Grenze zum Westen war offen, die Zensur ausgesetzt und in der Tschechoslowakei herrschte vorsichtiger Optimismus und der Glaube an Veränderung. Die Sowjetunion nahm die Situation allerdings als Bedrohung ihrer Machtposition war, die sie nicht vorhatte zu tolerieren. Nach dem Versuch, die tschechoslowakische Führung zum Gehorsam zu bewegen, beschlossen die sowjetischen Führer, ihn zu erzwingen. In der Nacht zum 21. August 1968 überquerte die Armee des Warschauer Pakts die Grenze der Tschechoslowakei und besetzte alle Flughäfen und weitere wichtige Orte des Landes. Vielerorts kam es zu Zusammenstößen zwischen unbewaffneten Bürgern und den Mitgliedern der

Besatzungstruppen. Der größte Konflikt spielte sich in Prag beim Gebäude des Tschechoslowakischen Rundfunks ab. Der Rundfunk war ein strategisches Ziel der Sowjets, weil er wahrheitsgemäße Informationen über die Invasion ins ganze Land sendete. In den frühen Morgenstunden wehrten sich hier zwanzig Männer auf der improvisierten Barrikade des Rundfunkgebäudes gegen die Übermacht der Panzer. 17 von ihnen wurden von den sowjetischen Soldaten massakriert. So wurde das funktionalistische Gebäude des Rundfunks zum stummen Zeugen dieses Durchgreifens der „brüderlichen Hilfe“.

1969 Memento des Opfers von Jan Palach

Jan-Palach-Denkmal/Kreuz qW enzelsplatz, Bürgersteig vor dem Brunnen des Nationalmuseums, Prag 1 – Neustadt Jan-Palach-Gedenktafel qP hilosophische Fakultät der Karlsuniversität, náměstí Jana Palacha 2, Prag 1 – Altstadt Haus der Mutter und Haus des Sohnes – JanPalach-Denkmal q Alšovo nábřeží, Prag 1 – Altstadt Der Versuch, in der Tschechoslowakei einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ aufzubauen, endete mit dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts im August 1968. Viele Tschechoslowaken emigrierten. Die, die blieben, resignierten oder versuchten sich mit dem neuen Regime zu arrangieren. Der zwanzigjährige Student Jan Palach konnte sich mit der wachsenden Apathie der Gesellschaft nicht abfinden. Um seine Mitbürger aufzurütteln, entschied er sich zu einer radikalen Tat und am 16. Januar 1969 übergoss er sich in der Nähe der Statue des Hl. Wenzel mit Benzin und zündete sich an. An den Folgen seiner Tat starb er einige Tage später. Seine drastische Tat erschütterte die Gesellschaft und inspirierte sogar einen Nachahmer, Jan Zajíc. Den Lauf der Geschichte konnte er aber nicht ändern.

Gebäude des Tschechischen Rundfunks © Urheber: Ludek – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/ index.php?curid=1712182

Palachs Name war bis zum Jahre 1989 Tabu, heute erinnern drei Denkmäler an seine Tat. Das Bronzekreuz im Straßenpflaster am Bürgersteig vor dem 60

© Archiv der Hauptstadt Prag

Nationalmuseum markiert unauffällig den Ort, an dem sich Palach anzündete. Die Gedenktafel mit der Totenmaske ist an der Fassade der Philosophischen Fakultät am Platz, der Palachs Namen trägt, platziert. Und zuletzt ragt ein paar Schritte weiter das Doppeldenkmal mit dem Namen Haus der Mutter und Haus des Sohnes vom amerikanischen Architekten mit tschechischen Wurzeln John Hejduk zum Himmel.

© Peter Zurek / Shutterstock.com

© Maks Ershov / Shutterstock.com

© Vincenzo De Bernardo / Shutterstock.com

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1968 Prager Frühling 1968 und Kampf um den Rundfunk

Tschechischer Rundfunk (Český rozhlas) qV inohradská 12, Prag 2 – Vinohrady w www.rozhlas.cz „Prager Frühling“ ist die Bezeichnung für die Periode der Liberalisierung in der Tschechoslowakei im Frühling 1968, die bis zum 21. August andauerte. Im Januar wurde die neue Führung der Kommunis-

tischen Partei der Tschechoslowakei und Alexander Dubček an deren Spitze gewählt. Es wurde über gesellschaftliche Probleme gesprochen, die Grenze zum Westen war offen, die Zensur ausgesetzt und in der Tschechoslowakei herrschte vorsichtiger Optimismus und der Glaube an Veränderung. Die Sowjetunion nahm die Situation allerdings als Bedrohung ihrer Machtposition war, die sie nicht vorhatte zu tolerieren. Nach dem Versuch, die tschechoslowakische Führung zum Gehorsam zu bewegen, beschlossen die sowjetischen Führer, ihn zu erzwingen. In der Nacht zum 21. August 1968 überquerte die Armee des Warschauer Pakts die Grenze der Tschechoslowakei und besetzte alle Flughäfen und weitere wichtige Orte des Landes. Vielerorts kam es zu Zusammenstößen zwischen unbewaffneten Bürgern und den Mitgliedern der

Besatzungstruppen. Der größte Konflikt spielte sich in Prag beim Gebäude des Tschechoslowakischen Rundfunks ab. Der Rundfunk war ein strategisches Ziel der Sowjets, weil er wahrheitsgemäße Informationen über die Invasion ins ganze Land sendete. In den frühen Morgenstunden wehrten sich hier zwanzig Männer auf der improvisierten Barrikade des Rundfunkgebäudes gegen die Übermacht der Panzer. 17 von ihnen wurden von den sowjetischen Soldaten massakriert. So wurde das funktionalistische Gebäude des Rundfunks zum stummen Zeugen dieses Durchgreifens der „brüderlichen Hilfe“.

1969 Memento des Opfers von Jan Palach

Jan-Palach-Denkmal/Kreuz qW enzelsplatz, Bürgersteig vor dem Brunnen des Nationalmuseums, Prag 1 – Neustadt Jan-Palach-Gedenktafel qP hilosophische Fakultät der Karlsuniversität, náměstí Jana Palacha 2, Prag 1 – Altstadt Haus der Mutter und Haus des Sohnes – JanPalach-Denkmal q Alšovo nábřeží, Prag 1 – Altstadt Der Versuch, in der Tschechoslowakei einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ aufzubauen, endete mit dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts im August 1968. Viele Tschechoslowaken emigrierten. Die, die blieben, resignierten oder versuchten sich mit dem neuen Regime zu arrangieren. Der zwanzigjährige Student Jan Palach konnte sich mit der wachsenden Apathie der Gesellschaft nicht abfinden. Um seine Mitbürger aufzurütteln, entschied er sich zu einer radikalen Tat und am 16. Januar 1969 übergoss er sich in der Nähe der Statue des Hl. Wenzel mit Benzin und zündete sich an. An den Folgen seiner Tat starb er einige Tage später. Seine drastische Tat erschütterte die Gesellschaft und inspirierte sogar einen Nachahmer, Jan Zajíc. Den Lauf der Geschichte konnte er aber nicht ändern.

Gebäude des Tschechischen Rundfunks © Urheber: Ludek – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/ index.php?curid=1712182

Palachs Name war bis zum Jahre 1989 Tabu, heute erinnern drei Denkmäler an seine Tat. Das Bronzekreuz im Straßenpflaster am Bürgersteig vor dem 60

© Archiv der Hauptstadt Prag

Nationalmuseum markiert unauffällig den Ort, an dem sich Palach anzündete. Die Gedenktafel mit der Totenmaske ist an der Fassade der Philosophischen Fakultät am Platz, der Palachs Namen trägt, platziert. Und zuletzt ragt ein paar Schritte weiter das Doppeldenkmal mit dem Namen Haus der Mutter und Haus des Sohnes vom amerikanischen Architekten mit tschechischen Wurzeln John Hejduk zum Himmel.

© Peter Zurek / Shutterstock.com

© Maks Ershov / Shutterstock.com

© Vincenzo De Bernardo / Shutterstock.com

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1970 Kája Saudek

(*1935 – †2015)

–

Macourek die Fortsetzung mit dem Titel Muriel und der orange Tod, das als Saudeks artistischer Höhepunkt gilt. Die Geschichte reflektiert die Besatzung der Tschechoslowakei durch die sowjetische Armee im Jahre 1968. Der Hauptkonflikt ist der Versuch

Muriel und die Engel, Muriel und der orange Tod

von Muriel und dem Engel Ro, die Erde vor den feindlichen orangen Außerirdischen zu retten. p Plakate und Bücher von Kája Saudek sind auf Ausstellungen erhältlich.

Mit den amerikanischen Comics machte sich Saudek schon in seiner Kindheit bekannt. In den 50er Jahren konnte er aus politischen Gründen nicht studieren, also wurde er Zeichner und Kulissenschieber in den Barrandovstudios. Hier traf er den Regisseur Miloš Macourek, nach dessen Drehbuch er 1969 die Sci-Fi-Geschichte Muriel und die Engel schuf. Die Hauptfigur zeichnete Saudek in Anlehnung an das damalige tschechoslowakische Sexsymbol Olga Schoberová, in die Figur des Bösewichts Xeron wiederum inkorporierte er seinen Bruder Jan. Aufgrund des Anfangs der Normalisierung konnte das Buch erst 1991 erscheinen, es wurde aber zu einem sofortigen Phänomen.

w www.saudek.com Jan Saudek ist mit mehr als 400 selbständigen Ausstellungen auf der ganzen Welt der berühmteste zeitgenössische tschechische Fotograf. Er ist in allen prestigeträchtigen internationalen Museen und Kunstgalerien vertreten und 1990 wurde er als erster Tscheche mit dem französischen Titel «Le Chevalier des Arts et Lettres» (Ritter der Kunst und Literatur) ausgezeichnet. Er ist der Zwillingsbruder des Zeichners Kája Saudek.

w www.kajasaudek.com Kája Saudek wird als Meister des tschechischen Comics und einer der originellsten tschechischen Zeichner angesehen. Sein Buch Muriel und die Engel wurde zum besten tschechischen Comic aller Zeiten ernannt und war dem heimischen Schaffen seiner Zeit weit voraus. Mit seiner Fortschrittlichkeit, Ambition und künstlerischen Qualität kann er mit der internationalen Spitze mithalten. Geschätzt und bewundert werden auch Saudeks Filmplakate und Malereien.

Jan Saudek (*1935) – Das Schicksal steigt zum Fluss herab und begleitet zwei unschuldige Kinder

Dieses Foto ist nur im gedruckten Katalog erhältlich.

Jan Saudek ist ein Einzelgänger in der Welt der Fotografie. Er widmet sich vor allem der Atelierfotografie, in der er sich einen eigenen Stil und Atmosphäre herausarbeitete – typisch ist vor allem der durch Kolorierung erzielte Farbenreichtum. In den Anfängen seines Schaffens widmete sich Saudek der Feier der Familie, dem Thema Kindheit und der Beziehung zwischen Kindern und Eltern. Aus dieser Periode stammt eines seiner bekanntesten Werke – Das Schicksal steigt zum Fluss herab und begleitet zwei unschuldige Kinder. Sein späteres Schaffen fokussiert sich auf explizite aber künstlerische Nacktheit, den weiblichen Körper und die Körperlichkeit als solche.

Dieses Foto ist nur im gedruckten Katalog erhältlich.

In den Jahren 1969-1970 schufen Saudek und 62

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1970 Kája Saudek

(*1935 – †2015)

–

Macourek die Fortsetzung mit dem Titel Muriel und der orange Tod, das als Saudeks artistischer Höhepunkt gilt. Die Geschichte reflektiert die Besatzung der Tschechoslowakei durch die sowjetische Armee im Jahre 1968. Der Hauptkonflikt ist der Versuch

Muriel und die Engel, Muriel und der orange Tod

von Muriel und dem Engel Ro, die Erde vor den feindlichen orangen Außerirdischen zu retten. p Plakate und Bücher von Kája Saudek sind auf Ausstellungen erhältlich.

Mit den amerikanischen Comics machte sich Saudek schon in seiner Kindheit bekannt. In den 50er Jahren konnte er aus politischen Gründen nicht studieren, also wurde er Zeichner und Kulissenschieber in den Barrandovstudios. Hier traf er den Regisseur Miloš Macourek, nach dessen Drehbuch er 1969 die Sci-Fi-Geschichte Muriel und die Engel schuf. Die Hauptfigur zeichnete Saudek in Anlehnung an das damalige tschechoslowakische Sexsymbol Olga Schoberová, in die Figur des Bösewichts Xeron wiederum inkorporierte er seinen Bruder Jan. Aufgrund des Anfangs der Normalisierung konnte das Buch erst 1991 erscheinen, es wurde aber zu einem sofortigen Phänomen.

w www.saudek.com Jan Saudek ist mit mehr als 400 selbständigen Ausstellungen auf der ganzen Welt der berühmteste zeitgenössische tschechische Fotograf. Er ist in allen prestigeträchtigen internationalen Museen und Kunstgalerien vertreten und 1990 wurde er als erster Tscheche mit dem französischen Titel «Le Chevalier des Arts et Lettres» (Ritter der Kunst und Literatur) ausgezeichnet. Er ist der Zwillingsbruder des Zeichners Kája Saudek.

w www.kajasaudek.com Kája Saudek wird als Meister des tschechischen Comics und einer der originellsten tschechischen Zeichner angesehen. Sein Buch Muriel und die Engel wurde zum besten tschechischen Comic aller Zeiten ernannt und war dem heimischen Schaffen seiner Zeit weit voraus. Mit seiner Fortschrittlichkeit, Ambition und künstlerischen Qualität kann er mit der internationalen Spitze mithalten. Geschätzt und bewundert werden auch Saudeks Filmplakate und Malereien.

Jan Saudek (*1935) – Das Schicksal steigt zum Fluss herab und begleitet zwei unschuldige Kinder

Dieses Foto ist nur im gedruckten Katalog erhältlich.

Jan Saudek ist ein Einzelgänger in der Welt der Fotografie. Er widmet sich vor allem der Atelierfotografie, in der er sich einen eigenen Stil und Atmosphäre herausarbeitete – typisch ist vor allem der durch Kolorierung erzielte Farbenreichtum. In den Anfängen seines Schaffens widmete sich Saudek der Feier der Familie, dem Thema Kindheit und der Beziehung zwischen Kindern und Eltern. Aus dieser Periode stammt eines seiner bekanntesten Werke – Das Schicksal steigt zum Fluss herab und begleitet zwei unschuldige Kinder. Sein späteres Schaffen fokussiert sich auf explizite aber künstlerische Nacktheit, den weiblichen Körper und die Körperlichkeit als solche.

Dieses Foto ist nur im gedruckten Katalog erhältlich.

In den Jahren 1969-1970 schufen Saudek und 62

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1971 Siedlung Südstadt – Ein Fest des Betons und Massenwohnens

Siedlung Südstadt y metro C – Stationen Chodov, Opatov, Háje Die Südstadt (Jižní Město) ist ein Komplex von Plattenbausiedlungen im Südosten der Stadt, die größte Siedlungseinheit in der Tschechischen Republik. Heute leben hier etwa 90 000 Bewohner. Erstmals in Erwägung gezogen wurde der Bau der Plattenbausiedlungen, deren Ursprung in den Ideen des Vorkriegsmodernismus zu finden sind, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg als Folge des Bevölkerungsbooms und der “Zentralisierung” der Bevölkerung in den Städten. Das Gelände im Süden Prags wurde für den Bau eines gigantischen Wohnkomplexes bestimmt. Das ursprüngliche urbanistische Konzept, das die Siedlung als Einheit behandelte, wurde letztendlich eingestampft. Das definierende Merkmal des Projekts war die Anzahl der Wohneinheiten. Ab 1971 entstand so eine verblüffende Menge an Plattenbauten („Paneláky“), benannt nach den vorfabrizierten Betonplatten (Panely), aus denen die praktisch identischen Gebäude zusammengesetzt werden. Nach 1989 wandte man sich in der Tschechoslowakei weg von der mit dem Kommunismus identifizierten standardisierten Wohnkultur hin zu eigenständigen Einfamilienhäusern in der Vor64

stadt. Mittlerweile erfuhren einige Siedlungen eine Revitalisierung in den Außen- und Innenbereichen und ihr Platz im Stadtgebiet wird deutlich positiver bewertet. Aus den kommunistischen Schlafstellen

vor allem für Industriearbeiter transformierten sich viele Siedlungen in modernes, würdevolles Wohnen für die Mittelklasse.

© Archiv der Hauptstadt Prag

1972 Spielzeug von Libuše Niklová Verkauf z.B. im Geschäft GUMA spol. s r.o. qJ ečná 24, Prag 2 – Neustadt w www.fatra.cz Libuše Niklová war eine der erfolgreichsten tschechischen Designerinnen. Ihr Name ist eng mit Kinderspielzeug verbunden. Nach einer Reihe von Gummifiguren und originellen Designertieren mit Ziehharmonikakörper, brachte sie Anfang der 70er Jahre ein neues Konzept von Spielzeug. Die grossen bunten aufblasbaren Tiere waren so entworfen, dass die Kinder sicher auf ihnen sitzen und sich ausruhen oder herumspringen konnten, ohne die Gefahr zu fallen. Die Designerin ließ sich ihre Idee patentieren. Am bekanntesten sind der rote Büffel, die gelbe Giraffe und der blaue Elefant, die sich auch heute großer Beliebtheit erfreuen. Das aufblasbare Spielzeug von Libuše Niklová, das bis heute von der tschechischen Firma Fatra hergestellt wird, gehört ohne Übertreibung zu den Ikonen des tschechischen Designs.

Foto © Fatra

65


1971 Siedlung Südstadt – Ein Fest des Betons und Massenwohnens

Siedlung Südstadt y metro C – Stationen Chodov, Opatov, Háje Die Südstadt (Jižní Město) ist ein Komplex von Plattenbausiedlungen im Südosten der Stadt, die größte Siedlungseinheit in der Tschechischen Republik. Heute leben hier etwa 90 000 Bewohner. Erstmals in Erwägung gezogen wurde der Bau der Plattenbausiedlungen, deren Ursprung in den Ideen des Vorkriegsmodernismus zu finden sind, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg als Folge des Bevölkerungsbooms und der “Zentralisierung” der Bevölkerung in den Städten. Das Gelände im Süden Prags wurde für den Bau eines gigantischen Wohnkomplexes bestimmt. Das ursprüngliche urbanistische Konzept, das die Siedlung als Einheit behandelte, wurde letztendlich eingestampft. Das definierende Merkmal des Projekts war die Anzahl der Wohneinheiten. Ab 1971 entstand so eine verblüffende Menge an Plattenbauten („Paneláky“), benannt nach den vorfabrizierten Betonplatten (Panely), aus denen die praktisch identischen Gebäude zusammengesetzt werden. Nach 1989 wandte man sich in der Tschechoslowakei weg von der mit dem Kommunismus identifizierten standardisierten Wohnkultur hin zu eigenständigen Einfamilienhäusern in der Vor64

stadt. Mittlerweile erfuhren einige Siedlungen eine Revitalisierung in den Außen- und Innenbereichen und ihr Platz im Stadtgebiet wird deutlich positiver bewertet. Aus den kommunistischen Schlafstellen

vor allem für Industriearbeiter transformierten sich viele Siedlungen in modernes, würdevolles Wohnen für die Mittelklasse.

© Archiv der Hauptstadt Prag

1972 Spielzeug von Libuše Niklová Verkauf z.B. im Geschäft GUMA spol. s r.o. qJ ečná 24, Prag 2 – Neustadt w www.fatra.cz Libuše Niklová war eine der erfolgreichsten tschechischen Designerinnen. Ihr Name ist eng mit Kinderspielzeug verbunden. Nach einer Reihe von Gummifiguren und originellen Designertieren mit Ziehharmonikakörper, brachte sie Anfang der 70er Jahre ein neues Konzept von Spielzeug. Die grossen bunten aufblasbaren Tiere waren so entworfen, dass die Kinder sicher auf ihnen sitzen und sich ausruhen oder herumspringen konnten, ohne die Gefahr zu fallen. Die Designerin ließ sich ihre Idee patentieren. Am bekanntesten sind der rote Büffel, die gelbe Giraffe und der blaue Elefant, die sich auch heute großer Beliebtheit erfreuen. Das aufblasbare Spielzeug von Libuše Niklová, das bis heute von der tschechischen Firma Fatra hergestellt wird, gehört ohne Übertreibung zu den Ikonen des tschechischen Designs.

Foto © Fatra

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1973 Nusle-Brücke

1974 Hotel InterContinental

Nusle-Brücke y Metro C, Station Vyšehrad

Hotel InterContinental Prague qP ařížská 30, Prag 1 – Altstadt w www.icprague.com

Die Klement-Gottwald-Brücke, heute Nusle-Brücke wurde am 25. Februar 1973 eröffnet. Die Brücke ist 485 m lang, 26 m breit und ihr höchster Punkt über dem Terrain ist 43 m hoch. Ihr Bau dauerte nur 6 Jahre. Die ersten Studien zur Überbrückung des Nusle Tals tauchten bereits Anfang des 20. Jahrhunderts auf – zum Beispiel eine futuristische Vision, in der die Brückenpfeiler von dreizehnstöckigen Wohnhäusern ersetzt wurden. Die Realisierung eines anderen Vorschlags aus den 30er Jahren verhinderte der Zweite Weltkrieg. Die Überbrückung des Tals wurde so erst 1960 final entschieden. Der Bau selbst ging auf einzigartige Art vor sich – es wurde schrittweise von beiden Seiten gebaut, bis sich die beiden Brückenteile in der Mitte verbanden. Die Brücke beinhaltet einen Tubus, in dem Metrozüge fahren. Den Spitznamen „Selbstmörderbrücke“ verdiente sich der Bau wegen den etwa 300 Menschen, die hier freiwillig ihr Leben beendeten. (Die heutzutage installierte Stahlbarriere macht einen Sprung von der Brücke praktisch unmöglich.) 2011 wurde im Park Folimanka unter der Nusle Brücke eine Skulptur des tschechischen Künstlers Krištof Kintera als Erinnerung an diejenigen, die hier ihr Leben beendeten, aufgestellt. Die Skulptur mit dem Titel „Aus eigener Entscheidung“ hat die Form einer Straßenlampe, die zum Himmel leuchtet. 66

Links: Bau der Nusle-Brücke, Frühling 1969, rechts: Nusle-Brücke, Sommer 1969Foto © ČTK/Krejčí Bedřich

Der unübersehbare Komplex des Luxushotels InterContinental am Ende der Pařížská Straße weckt starke Emotionen. Das Betongebäude bildet einen scharfen Kontrast zu den umliegenden Jugendstil- und historischen Häusern. Das Hotel wurde im Geiste des Brutalismus gestaltet und wirkt sehr schroff. Der ungleichmäßige Betonkomplex besteht aus einigen meist quadratischen Teilen. Die Fassade ist von Keramikfliesen in einigen vertikalen Streifen ergänzt, die sie in kleinere Einheiten unterteilt.

Night Club im 9. Stock des Hotels, 70er Jahre

Aus architektonischer Sicht ist das Hotel InterContinental ein wertvoller Bau, seine Architekten ließen sich von aktuellen ausländischen Trends inspirieren. Außergewöhnlich sind auch die Umstände seiner Entstehung – es handelt sich um den ersten Prager Bau eines amerikanischen Investors, der Firma, der die Hotelkette InterContinental gehörte. Viele Jahre lang blieb das InterContinental das luxuriöseste Hotel Prags. Der Exklusivität des Standorts entsprach auch die Innenausstattung mit der wertvollen Sammlung von Werken führender tschechischer Künstler. Das renommierte Restaurant Zlatá Praha im Obergeschoss des Hotels bietet bis heute einen einzigartigen Blick über die Prager Dächer und Türme. Die Präsidentensuite des Hotels beherbergte eine Reihe bedeutender Gäste, darunter auch Michael Jackson, der 1996 seine letzte Welttournee in Prag begann. Foto © Archiv des Hotels InterContinental Prague

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1973 Nusle-Brücke

1974 Hotel InterContinental

Nusle-Brücke y Metro C, Station Vyšehrad

Hotel InterContinental Prague qP ařížská 30, Prag 1 – Altstadt w www.icprague.com

Die Klement-Gottwald-Brücke, heute Nusle-Brücke wurde am 25. Februar 1973 eröffnet. Die Brücke ist 485 m lang, 26 m breit und ihr höchster Punkt über dem Terrain ist 43 m hoch. Ihr Bau dauerte nur 6 Jahre. Die ersten Studien zur Überbrückung des Nusle Tals tauchten bereits Anfang des 20. Jahrhunderts auf – zum Beispiel eine futuristische Vision, in der die Brückenpfeiler von dreizehnstöckigen Wohnhäusern ersetzt wurden. Die Realisierung eines anderen Vorschlags aus den 30er Jahren verhinderte der Zweite Weltkrieg. Die Überbrückung des Tals wurde so erst 1960 final entschieden. Der Bau selbst ging auf einzigartige Art vor sich – es wurde schrittweise von beiden Seiten gebaut, bis sich die beiden Brückenteile in der Mitte verbanden. Die Brücke beinhaltet einen Tubus, in dem Metrozüge fahren. Den Spitznamen „Selbstmörderbrücke“ verdiente sich der Bau wegen den etwa 300 Menschen, die hier freiwillig ihr Leben beendeten. (Die heutzutage installierte Stahlbarriere macht einen Sprung von der Brücke praktisch unmöglich.) 2011 wurde im Park Folimanka unter der Nusle Brücke eine Skulptur des tschechischen Künstlers Krištof Kintera als Erinnerung an diejenigen, die hier ihr Leben beendeten, aufgestellt. Die Skulptur mit dem Titel „Aus eigener Entscheidung“ hat die Form einer Straßenlampe, die zum Himmel leuchtet. 66

Links: Bau der Nusle-Brücke, Frühling 1969, rechts: Nusle-Brücke, Sommer 1969Foto © ČTK/Krejčí Bedřich

Der unübersehbare Komplex des Luxushotels InterContinental am Ende der Pařížská Straße weckt starke Emotionen. Das Betongebäude bildet einen scharfen Kontrast zu den umliegenden Jugendstil- und historischen Häusern. Das Hotel wurde im Geiste des Brutalismus gestaltet und wirkt sehr schroff. Der ungleichmäßige Betonkomplex besteht aus einigen meist quadratischen Teilen. Die Fassade ist von Keramikfliesen in einigen vertikalen Streifen ergänzt, die sie in kleinere Einheiten unterteilt.

Night Club im 9. Stock des Hotels, 70er Jahre

Aus architektonischer Sicht ist das Hotel InterContinental ein wertvoller Bau, seine Architekten ließen sich von aktuellen ausländischen Trends inspirieren. Außergewöhnlich sind auch die Umstände seiner Entstehung – es handelt sich um den ersten Prager Bau eines amerikanischen Investors, der Firma, der die Hotelkette InterContinental gehörte. Viele Jahre lang blieb das InterContinental das luxuriöseste Hotel Prags. Der Exklusivität des Standorts entsprach auch die Innenausstattung mit der wertvollen Sammlung von Werken führender tschechischer Künstler. Das renommierte Restaurant Zlatá Praha im Obergeschoss des Hotels bietet bis heute einen einzigartigen Blick über die Prager Dächer und Türme. Die Präsidentensuite des Hotels beherbergte eine Reihe bedeutender Gäste, darunter auch Michael Jackson, der 1996 seine letzte Welttournee in Prag begann. Foto © Archiv des Hotels InterContinental Prague

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1975 Kaufhäuser Kotva und Máj

1976 Oldřich Hlavsa: Oldřich Hlavsa (1909—1995) war ein bedeutender tschechischer Buchgrafiker und Typograph, der entscheidenden Einfluss auf das tschechische Grafikdesign der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte. In diesem Bereich arbeitete er über 60 Jahre und mit den etwa 2 000 bearbeiteten Buchtiteln formte er die neuen visuellen und inhaltlichen Werte der Schrift signifikant und beeinflusste die Sicht auf die ideologische und künstlerische Konzeption des Buches. Sein Name ist bis heute ein international anerkannter Begriff im Bereich Typographie, Grafik und Buchdesign. © OD Kotva

© ČTK/Khol Pavel

Eröffnung des Kaufhauses Máj im Jahr 1975 © ČTK/Kruliš Jiří 

OD Máj © www.a489.cz

Hlavsas künstlerisches Interesses galt dem Buch. Dieses sah er als Kommunikationsmittel, ein eigenständiges künstlerisches Werk, das Gedanken zusammenfügt, ästhetische Wahrnehmung und Leserpartizipation erfordert. Die Typographie repräsentiert Hlavsas künstlerische Basis und wichtigstes Strukturelement, das auf der Ebene von Bild und Illustration aufbaut. Heute unterscheiden wir zwischen dem Grafiker (oder auch Grafikdesigner) und dem Schaffer des Fonts — dem Typographen, aber Hlavsa sah sich selbst als Typograph und bezeichnete sich immer so, obwohl er selbst nie eine eigene Schriftart schuf.

Auszug aus dem Buch „Es geht darum, damit es um etwas geht“ Quelle: Barbora Toman Tylová

w www.oldrichhlavsa.cz

Das Kaufhaus Kotva gehört zu den Kultbauten des tschechischen Brutalismus. Es wurde zwischen 1970 und 1975 nach dem Entwurf der Architekten Věra und Vladimír Machonin errichtet. Den spezifischen Grundriss des fünfstöckigen Gebäudes bilden Sechsecke, die an Bienenwaben erinnern. Der Bau wurde von der schwedischen Firma SIAB umgesetzt, was damals sehr ungewöhnlich war. Die Architekten wurden aufgrund ihrer politischen Einstellung nicht zur Eröffnungsfeier eingeladen.

68

fasste und der Geschichte und den Werten von 500 Jahren Buchentwicklung Tribut zollte.

Typographia 1

Kaufhaus Kotva qn áměstí Republiky 8, Prag 1 w www.od-kotva.cz Kaufhaus My qN árodní třída 63/26, Prag 1 w www.mystores.cz

Das weitere Prager Kaufhaus Máj (heute My) wurde nur ein paar Monate später eröffnet, am 21. April 1975. Den Bau entwarfen die renommierten Architekten John Eisler, Miroslav Masák und Martin Rajniš. Auch sie gehörten nicht zu den Günstlingen des kommunistischen Regimes – der Bau wurde allerdings von ausländischen Experten hoch bewertet, und das vor allem dank seiner vom Centre Georges Pompidou in Paris inspirierten High-Tech Architektur. Neu waren die enthüllten bunten Lufttechnikrohre an der Decke, grundlegend waren auch die neofunktionalistischen Elemente wie die dünne Verkleidung, die Fensterreihen oder die Glasflächen. 2006 wurde das Gebäude zum Kulturdenkmal erklärt.

1976 mit dem Untertitel Schrift, Illustration, Buch herauskam, in dem Hlavsa seine Erfahrungen mit der klassischen Schrift des Buchdrucks zusammen-

Als sein Magnum Opus wird das dreiteilige Werk Typographia gesehen, dessen erster Band im Jahre 69


1975 Kaufhäuser Kotva und Máj

1976 Oldřich Hlavsa: Oldřich Hlavsa (1909—1995) war ein bedeutender tschechischer Buchgrafiker und Typograph, der entscheidenden Einfluss auf das tschechische Grafikdesign der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte. In diesem Bereich arbeitete er über 60 Jahre und mit den etwa 2 000 bearbeiteten Buchtiteln formte er die neuen visuellen und inhaltlichen Werte der Schrift signifikant und beeinflusste die Sicht auf die ideologische und künstlerische Konzeption des Buches. Sein Name ist bis heute ein international anerkannter Begriff im Bereich Typographie, Grafik und Buchdesign. © OD Kotva

© ČTK/Khol Pavel

Eröffnung des Kaufhauses Máj im Jahr 1975 © ČTK/Kruliš Jiří 

OD Máj © www.a489.cz

Hlavsas künstlerisches Interesses galt dem Buch. Dieses sah er als Kommunikationsmittel, ein eigenständiges künstlerisches Werk, das Gedanken zusammenfügt, ästhetische Wahrnehmung und Leserpartizipation erfordert. Die Typographie repräsentiert Hlavsas künstlerische Basis und wichtigstes Strukturelement, das auf der Ebene von Bild und Illustration aufbaut. Heute unterscheiden wir zwischen dem Grafiker (oder auch Grafikdesigner) und dem Schaffer des Fonts — dem Typographen, aber Hlavsa sah sich selbst als Typograph und bezeichnete sich immer so, obwohl er selbst nie eine eigene Schriftart schuf.

Auszug aus dem Buch „Es geht darum, damit es um etwas geht“ Quelle: Barbora Toman Tylová

w www.oldrichhlavsa.cz

Das Kaufhaus Kotva gehört zu den Kultbauten des tschechischen Brutalismus. Es wurde zwischen 1970 und 1975 nach dem Entwurf der Architekten Věra und Vladimír Machonin errichtet. Den spezifischen Grundriss des fünfstöckigen Gebäudes bilden Sechsecke, die an Bienenwaben erinnern. Der Bau wurde von der schwedischen Firma SIAB umgesetzt, was damals sehr ungewöhnlich war. Die Architekten wurden aufgrund ihrer politischen Einstellung nicht zur Eröffnungsfeier eingeladen.

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fasste und der Geschichte und den Werten von 500 Jahren Buchentwicklung Tribut zollte.

Typographia 1

Kaufhaus Kotva qn áměstí Republiky 8, Prag 1 w www.od-kotva.cz Kaufhaus My qN árodní třída 63/26, Prag 1 w www.mystores.cz

Das weitere Prager Kaufhaus Máj (heute My) wurde nur ein paar Monate später eröffnet, am 21. April 1975. Den Bau entwarfen die renommierten Architekten John Eisler, Miroslav Masák und Martin Rajniš. Auch sie gehörten nicht zu den Günstlingen des kommunistischen Regimes – der Bau wurde allerdings von ausländischen Experten hoch bewertet, und das vor allem dank seiner vom Centre Georges Pompidou in Paris inspirierten High-Tech Architektur. Neu waren die enthüllten bunten Lufttechnikrohre an der Decke, grundlegend waren auch die neofunktionalistischen Elemente wie die dünne Verkleidung, die Fensterreihen oder die Glasflächen. 2006 wurde das Gebäude zum Kulturdenkmal erklärt.

1976 mit dem Untertitel Schrift, Illustration, Buch herauskam, in dem Hlavsa seine Erfahrungen mit der klassischen Schrift des Buchdrucks zusammen-

Als sein Magnum Opus wird das dreiteilige Werk Typographia gesehen, dessen erster Band im Jahre 69


Zeit der Normalisierung wird der Zeitabschnitt zwischen dem Einmarsch der Armee des Warschauer Pakts im Jahre 1968 (S. 60) und der Samtenen Revolution 1989 (S. 82) genannt. Die Normalisierung wurde von einer Reihe repressiver Maßnahmen des kommunistischen Regimes charakterisiert – Wiedereinführung der Zensur, parteiliche Säuberungen, Verunmöglichen des Studiums oder Entlassung unbequemer Personen, alles mit der Notwendigkeit der „Normalisierung der Verhältnisse“ begründet. Mittel zur Festigung der Macht war vor allem die Staatssicherheit (politische Polizei), deren Sitz, das berüchtigte Gebäude in der Bartolomějská Straße Nr. 7, den Spitznamen „Kachlíkárna“ (etwa: Kachelhaus) trug, wo u.a. Verhöre stattfanden. 1977 veröffentlichte eine Gruppe von Dissidenten um Václav Havel ein Dokument mit dem Titel Erklärung der Charta 77. Diese kritisierte die tschechoslowakische Staatsmacht für die Verletzung von Menschen- und Bürgerrechten, zu deren Einhaltung sich die Tschechoslowakei durch Unterschrift des Helsinkiprotokolls verpflichtet hatte. Die Charta 77 war ein freier Bund von Personen verschiedener Berufe, Glaubens und Überzeugung, die der Wille verband, sich für die Einhaltung der Menschenrechte in der Tschechoslowakei und anderswo einzusetzen. 70

Dieses Foto ist nur im gedruckten Katalog erhältlich.

1978 Metro A

Foto © Archiv der Verkehrsbetriebe der Hauptstadt Prag

„Kachlíkárna“ qB artolomějská 7, Prag 1 – Altstadt Václav-Havel-Bücherei qO strovní 13, 110 00 Prag 1 w www.vaclavhavel-library.org

Unterzeichner der Charta 77 © Oldřich Škácha, Václav-Havel-Bücherei

1977 Charta 77

Das Dokument unterschrieben hunderte bedeutende Persönlichkeiten und gewöhnliche Bürger. Die Unterzeichner und Sympathisanten wurden vom Regime hart verfolgt. Nach einem brutalen Verhör starb auch einer der ersten Sprecher der Charta 77, Professor Jan Patočka. Die Tätigkeit der Charta 77 wurde offiziell nach dem Fall des Regimes im Jahre 1992 beendet.

w www.dpp.cz Die erste Idee zum Bau einer U-Bahn in Prag entstand bereits 1898 in Zusammenhang mit den umfassenden Sanierungsarbeiten in der Altstadt. Konkrete Schritte zur Durchführung dieser Idee wurden allerdings erst in den 1960ern getätigt, als Prag der ständige Verkehrskollaps drohte. Auch wenn die älteste Linie der Prager Metro die im Jahre 1974 eröffnete Linie C ist, allerdings nur von Florenc nach Kačerov, am berühmtesten wurde der vier Jahre später eröffnete erste Abschnitt der Linie A zwischen Dejvická und náměstí Míru. Dank dem typischen Interieur, das durch die Farbabstimmung und das verwendete Material sehr exklusiv wirkt, gehören die Stationen in diesem Abschnitt bis heute zu den schönsten in Europa. Die Stationen sind mit Aluminiumtafeln in Form konvexer und konkaver Linsen verkleidet, die der Hauptarchitekt der Prager U-Bahn Jaroslav Otruba entwarf. Diese erfüllen hier nicht nur eine ästhetische Funktion, sondern auch eine praktische – sie sollten die Schallwellen dämpfen, die die schweren Zuggarnituren ausstießen (mehr auf S. 75). Der Bau der Linie A begann am 1. Juli 1971 und am 12. August 1978 ging sie in Betrieb. Für die Prager Metro wurde eine spezielle Schriftart namens Metron entworfen, die nicht nur in den Namen der Stationen sondern auch für deren Informationssystem verwendet wird. 71


Zeit der Normalisierung wird der Zeitabschnitt zwischen dem Einmarsch der Armee des Warschauer Pakts im Jahre 1968 (S. 60) und der Samtenen Revolution 1989 (S. 82) genannt. Die Normalisierung wurde von einer Reihe repressiver Maßnahmen des kommunistischen Regimes charakterisiert – Wiedereinführung der Zensur, parteiliche Säuberungen, Verunmöglichen des Studiums oder Entlassung unbequemer Personen, alles mit der Notwendigkeit der „Normalisierung der Verhältnisse“ begründet. Mittel zur Festigung der Macht war vor allem die Staatssicherheit (politische Polizei), deren Sitz, das berüchtigte Gebäude in der Bartolomějská Straße Nr. 7, den Spitznamen „Kachlíkárna“ (etwa: Kachelhaus) trug, wo u.a. Verhöre stattfanden. 1977 veröffentlichte eine Gruppe von Dissidenten um Václav Havel ein Dokument mit dem Titel Erklärung der Charta 77. Diese kritisierte die tschechoslowakische Staatsmacht für die Verletzung von Menschen- und Bürgerrechten, zu deren Einhaltung sich die Tschechoslowakei durch Unterschrift des Helsinkiprotokolls verpflichtet hatte. Die Charta 77 war ein freier Bund von Personen verschiedener Berufe, Glaubens und Überzeugung, die der Wille verband, sich für die Einhaltung der Menschenrechte in der Tschechoslowakei und anderswo einzusetzen. 70

Dieses Foto ist nur im gedruckten Katalog erhältlich.

1978 Metro A

Foto © Archiv der Verkehrsbetriebe der Hauptstadt Prag

„Kachlíkárna“ qB artolomějská 7, Prag 1 – Altstadt Václav-Havel-Bücherei qO strovní 13, 110 00 Prag 1 w www.vaclavhavel-library.org

Unterzeichner der Charta 77 © Oldřich Škácha, Václav-Havel-Bücherei

1977 Charta 77

Das Dokument unterschrieben hunderte bedeutende Persönlichkeiten und gewöhnliche Bürger. Die Unterzeichner und Sympathisanten wurden vom Regime hart verfolgt. Nach einem brutalen Verhör starb auch einer der ersten Sprecher der Charta 77, Professor Jan Patočka. Die Tätigkeit der Charta 77 wurde offiziell nach dem Fall des Regimes im Jahre 1992 beendet.

w www.dpp.cz Die erste Idee zum Bau einer U-Bahn in Prag entstand bereits 1898 in Zusammenhang mit den umfassenden Sanierungsarbeiten in der Altstadt. Konkrete Schritte zur Durchführung dieser Idee wurden allerdings erst in den 1960ern getätigt, als Prag der ständige Verkehrskollaps drohte. Auch wenn die älteste Linie der Prager Metro die im Jahre 1974 eröffnete Linie C ist, allerdings nur von Florenc nach Kačerov, am berühmtesten wurde der vier Jahre später eröffnete erste Abschnitt der Linie A zwischen Dejvická und náměstí Míru. Dank dem typischen Interieur, das durch die Farbabstimmung und das verwendete Material sehr exklusiv wirkt, gehören die Stationen in diesem Abschnitt bis heute zu den schönsten in Europa. Die Stationen sind mit Aluminiumtafeln in Form konvexer und konkaver Linsen verkleidet, die der Hauptarchitekt der Prager U-Bahn Jaroslav Otruba entwarf. Diese erfüllen hier nicht nur eine ästhetische Funktion, sondern auch eine praktische – sie sollten die Schallwellen dämpfen, die die schweren Zuggarnituren ausstießen (mehr auf S. 75). Der Bau der Linie A begann am 1. Juli 1971 und am 12. August 1978 ging sie in Betrieb. Für die Prager Metro wurde eine spezielle Schriftart namens Metron entworfen, die nicht nur in den Namen der Stationen sondern auch für deren Informationssystem verwendet wird. 71


1979 ČKD-Gebäude Na

Můstku – Perle der Prager Postmoderne ČKD-Gebäude Na Můstku (Geschäft New Yorker) qN a Můstku 9, Prag 1 – Altstadt Das postmoderne Haus Na Můstku wurde 1977–1983 nach dem Entwurf der Architekten Jan Šrámek und Alena Šrámková errichtet und gehört zu den bedeutendsten Bauten der tschechischen Nachkriegsarchitektur. Das Multifunktionshaus wurde als Stahlskelett konstruiert, das an der Stahlbetondecke der Metro aufgesetzt ist und an die Unterführung und das Vestibül der Station Můstek anschließt. Es handelt sich um einen sehr schlichten Bau, der viele untypische verspielte Elemente trägt, zum Beispiel vor die Fassade tretende Fenster, verglaste Ecken, das überhängende Obergeschoss sowie eine Riesenglasuhr. Im Haus befanden sich ursprünglich Büros von ČKD, einem Straßenbahnhersteller, über drei Etagen, sowie ein Luxusrestaurant am Dach des Objekts. Nach dem Bankrott von ČKD verfiel das Objekt schrittweise. Im Jahre 2002 wurde es von einer Schwesterngesellschaft des deutschen Modehauses New Yorker aufgekauft, welches die ursprüngliche Architektin Alena Šrámková beauftragte. Heute dienen dem Geschäft das Erdgeschoss und zwei Stockwerke, die mit markanten zentralen Rolltreppen verbunden sind. Die beiden oberen Geschosse dienen als administrative Räumlichkeiten. 72

Die Architektin Alena Šrámková ist eine markante Persönlichkeit der tschechischen Architektur und arbeitete an einer Reihe von bedeutenden Bauten im Stil der Postmoderne mit. Neben dem erwähnten Palác ČKD entwarf sie zum Beispiel auch die Abfertigungshalle und das Vestibül des Hauptbahnhofs in Prag.

© Urheber VitVit – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https:// commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=49197841 ČKD-Gebäude, August 1983 © ČTK/Slavík Herbert

1980 Lennonmauer Lennonmauer qV elkopřevorské náměstí, Prag 1 – Kleinseite

Lennons ist bereits unwiederbringlich unter dutzenden Farbschichten verloren. Während seinem Pragbesuch im Dezember 2003 besichtigte auch Lennons Frau Yoko Ono die Lennonmauer. Sie fügte

ihre Unterschrift und einen Auszug aus einem von Lennons Liedern hinzu: „War is over! If you want it.“

© Jiri Vaclavek / Shutterstock.com

Die buntbemalte Mauer, die das Grab John Lennons, Frontmann der legendären Beatles, symbolisiert, steht am Velkopřevorské náměstí in Kleinseite. Dieser Ort, eine Pflichtstation der meisten Touristen, die sich in dieses malerische Viertel aufmachen, ist symbolisch mit dem friedlichen Widerstand gegen Gewalt und Ungerechtigkeit auf der ganzen Welt verbunden.

John Lennon wurde am 8. Dezember 1980 Opfer eines Attentats in New York. Direkt danach begannen die Menschen Graffiti auf die Wand zu malen um an sein Leben und seine Gedanken zu erinnern. Zu dieser spontanen Schaffung eines Gedenkorts strömten bald hunderte Menschen um hier Blumen niederzulegen oder Kerzen anzuzünden. Das kommunistische Regime sah hierin unerwünscht Rebellion, deshalb wurden die Texte, die ein Verlangen nach Freiheit und Frieden ausdrückten oftmals übertüncht. Die Menschen haben sie aber sofort wieder auf die Wand geschrieben. Bis heute verändert sich dieser Ort Tag für Tag mit neuen Texten und Malereien. Dank den wohlwollenden Besitzern der Mauer, dem Orden der Malteserritter, kann hier jeder seine Nachricht hinterlassen, verständlicherweise zum Thema Liebe und Frieden. Die ursprüngliche Malerei mit dem Portrait John 73


1979 ČKD-Gebäude Na

Můstku – Perle der Prager Postmoderne ČKD-Gebäude Na Můstku (Geschäft New Yorker) qN a Můstku 9, Prag 1 – Altstadt Das postmoderne Haus Na Můstku wurde 1977–1983 nach dem Entwurf der Architekten Jan Šrámek und Alena Šrámková errichtet und gehört zu den bedeutendsten Bauten der tschechischen Nachkriegsarchitektur. Das Multifunktionshaus wurde als Stahlskelett konstruiert, das an der Stahlbetondecke der Metro aufgesetzt ist und an die Unterführung und das Vestibül der Station Můstek anschließt. Es handelt sich um einen sehr schlichten Bau, der viele untypische verspielte Elemente trägt, zum Beispiel vor die Fassade tretende Fenster, verglaste Ecken, das überhängende Obergeschoss sowie eine Riesenglasuhr. Im Haus befanden sich ursprünglich Büros von ČKD, einem Straßenbahnhersteller, über drei Etagen, sowie ein Luxusrestaurant am Dach des Objekts. Nach dem Bankrott von ČKD verfiel das Objekt schrittweise. Im Jahre 2002 wurde es von einer Schwesterngesellschaft des deutschen Modehauses New Yorker aufgekauft, welches die ursprüngliche Architektin Alena Šrámková beauftragte. Heute dienen dem Geschäft das Erdgeschoss und zwei Stockwerke, die mit markanten zentralen Rolltreppen verbunden sind. Die beiden oberen Geschosse dienen als administrative Räumlichkeiten. 72

Die Architektin Alena Šrámková ist eine markante Persönlichkeit der tschechischen Architektur und arbeitete an einer Reihe von bedeutenden Bauten im Stil der Postmoderne mit. Neben dem erwähnten Palác ČKD entwarf sie zum Beispiel auch die Abfertigungshalle und das Vestibül des Hauptbahnhofs in Prag.

© Urheber VitVit – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https:// commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=49197841 ČKD-Gebäude, August 1983 © ČTK/Slavík Herbert

1980 Lennonmauer Lennonmauer qV elkopřevorské náměstí, Prag 1 – Kleinseite

Lennons ist bereits unwiederbringlich unter dutzenden Farbschichten verloren. Während seinem Pragbesuch im Dezember 2003 besichtigte auch Lennons Frau Yoko Ono die Lennonmauer. Sie fügte

ihre Unterschrift und einen Auszug aus einem von Lennons Liedern hinzu: „War is over! If you want it.“

© Jiri Vaclavek / Shutterstock.com

Die buntbemalte Mauer, die das Grab John Lennons, Frontmann der legendären Beatles, symbolisiert, steht am Velkopřevorské náměstí in Kleinseite. Dieser Ort, eine Pflichtstation der meisten Touristen, die sich in dieses malerische Viertel aufmachen, ist symbolisch mit dem friedlichen Widerstand gegen Gewalt und Ungerechtigkeit auf der ganzen Welt verbunden.

John Lennon wurde am 8. Dezember 1980 Opfer eines Attentats in New York. Direkt danach begannen die Menschen Graffiti auf die Wand zu malen um an sein Leben und seine Gedanken zu erinnern. Zu dieser spontanen Schaffung eines Gedenkorts strömten bald hunderte Menschen um hier Blumen niederzulegen oder Kerzen anzuzünden. Das kommunistische Regime sah hierin unerwünscht Rebellion, deshalb wurden die Texte, die ein Verlangen nach Freiheit und Frieden ausdrückten oftmals übertüncht. Die Menschen haben sie aber sofort wieder auf die Wand geschrieben. Bis heute verändert sich dieser Ort Tag für Tag mit neuen Texten und Malereien. Dank den wohlwollenden Besitzern der Mauer, dem Orden der Malteserritter, kann hier jeder seine Nachricht hinterlassen, verständlicherweise zum Thema Liebe und Frieden. Die ursprüngliche Malerei mit dem Portrait John 73


1981 Kulturpalast

(Kongresszentrum Prag) Kongresszentrum Prag (Kongresové centrum Praha) q5 . května 1640/65, Prag 4 – Nusle w www.kcp.cz Für manche ist es ein Symbol der Totalität und des Größenwahns, für die anderen ein Gebäude, das jede Metropole hat. Einer der größten Bauten seiner Art in Europa entstand gleich neben der einstigen Klement-Gottwald-Brücke (heutige Nusle-Brücke, S. 66) auf Wunsch der kommunistischen Regierung. Das neofunktionalistische Gebäude mit dem Grundriss eines unregelmäßigen Siebenecks sollte das Schaufenster des Regimes sein und erfüllte diese Funktion bis zum Jahre 1989. Neben Partei- und sonstigen politischen Treffen fanden im Palast auch gewöhnliche Kulturveranstaltungen statt. Nach 1989 wechselten sich internationale Kulturveranstaltungen und Kongresse ab, zum Beispiel der NATO-Gipfel, Konzerte des Prager Frühlings oder der Sängerin Björk. Das Objekt, welches im Jahre 1995 in Kongresszentrum Prag umbenannt wurde, hat heutzutage 8 Säle mit einer Kapazität von 4 500 Personen. Der größte Kongresssaal kann fast 3 000 aufnehmen und verfügt über eine hervorragende Akustik. Das Gebäude hat ein eigenes Gesundheitszentrum, ein 74

Restaurant, eine Tiefgarage, ein zugebautes Hotel und sogar eine Feuerwehr. Neu wird der Palast um Ausstellungsräumlichkeiten erweitert und auch die weitläufigen Außenflächen werden adaptiert. Die Freiluftterrasse Richtung Nusle-Tal bietet einen

eindrucksvollen Panoramablick auf Prag, vom Hradschin und Vyšehrad über Karlov und Nusle bis nach Žižkov. Photos © Kongresszentrum Prag

1982 Aluminiumtafeln der Metro A

y Metrostationen Hradčanská, Malostranská, Staroměstská, Můstek, Muzeum, Náměstí Míru, Jiřího z Poděbrad, Flóra. Die ersten sieben Stationen der Linie A der Prager Metro gehören zu den schönsten und fotogensten in Europa. Hinter der geometrischen von Op Art inspirierten Verkleidung stecken der Architekt Jaroslav Otruba und der Grafiker Jiří Rathouský, der die einzigartige Färbung der einzelnen Stationen entwarf. Der Großteil von ihnen ist mit Aluminiumtafeln in Form von konvexen und konkaven Linsen (umgangssprachlicher Spitzname: Brust und Antibrust) verkleidet, deren Wechsel die Schallwellen dämpfen sollte, die die schweren Drehgestelle der ursprünglichen sowjetischen Zuggarnituren ausstießen Die Farben der Verkleidungen variieren zwischen den Stationen, je nach der Symbolik des gegebenen Orts. Vereinheitlicht werden sie nur durch eine in der Farbe Champagner ausgeführte Linie der Verkleidung, die im Mittelteil der Wand jeder Station von Farbstreifen in drei Nuancen der Grundfarbe ergänzt wird. Die Färbung der Stationen sollte die Reisenden daran erinnern, dass ein Teil der Linie A unter historisch bedeutenden Orten verläuft. Die goldene Farbe in der Station Hradčanská symbolisiert etwa die nahegelegene Prager Burg, Sitz der böhmischen Könige, grün in Malostranská erinnert an die Gärten, die sich in ihrer Umgebung befinden, braun in der Station Muzeum wiederum die Stadtmauer, die dort einst stand, etc.

© David Pereiras / Shutterstock.com

75


1981 Kulturpalast

(Kongresszentrum Prag) Kongresszentrum Prag (Kongresové centrum Praha) q5 . května 1640/65, Prag 4 – Nusle w www.kcp.cz Für manche ist es ein Symbol der Totalität und des Größenwahns, für die anderen ein Gebäude, das jede Metropole hat. Einer der größten Bauten seiner Art in Europa entstand gleich neben der einstigen Klement-Gottwald-Brücke (heutige Nusle-Brücke, S. 66) auf Wunsch der kommunistischen Regierung. Das neofunktionalistische Gebäude mit dem Grundriss eines unregelmäßigen Siebenecks sollte das Schaufenster des Regimes sein und erfüllte diese Funktion bis zum Jahre 1989. Neben Partei- und sonstigen politischen Treffen fanden im Palast auch gewöhnliche Kulturveranstaltungen statt. Nach 1989 wechselten sich internationale Kulturveranstaltungen und Kongresse ab, zum Beispiel der NATO-Gipfel, Konzerte des Prager Frühlings oder der Sängerin Björk. Das Objekt, welches im Jahre 1995 in Kongresszentrum Prag umbenannt wurde, hat heutzutage 8 Säle mit einer Kapazität von 4 500 Personen. Der größte Kongresssaal kann fast 3 000 aufnehmen und verfügt über eine hervorragende Akustik. Das Gebäude hat ein eigenes Gesundheitszentrum, ein 74

Restaurant, eine Tiefgarage, ein zugebautes Hotel und sogar eine Feuerwehr. Neu wird der Palast um Ausstellungsräumlichkeiten erweitert und auch die weitläufigen Außenflächen werden adaptiert. Die Freiluftterrasse Richtung Nusle-Tal bietet einen

eindrucksvollen Panoramablick auf Prag, vom Hradschin und Vyšehrad über Karlov und Nusle bis nach Žižkov. Photos © Kongresszentrum Prag

1982 Aluminiumtafeln der Metro A

y Metrostationen Hradčanská, Malostranská, Staroměstská, Můstek, Muzeum, Náměstí Míru, Jiřího z Poděbrad, Flóra. Die ersten sieben Stationen der Linie A der Prager Metro gehören zu den schönsten und fotogensten in Europa. Hinter der geometrischen von Op Art inspirierten Verkleidung stecken der Architekt Jaroslav Otruba und der Grafiker Jiří Rathouský, der die einzigartige Färbung der einzelnen Stationen entwarf. Der Großteil von ihnen ist mit Aluminiumtafeln in Form von konvexen und konkaven Linsen (umgangssprachlicher Spitzname: Brust und Antibrust) verkleidet, deren Wechsel die Schallwellen dämpfen sollte, die die schweren Drehgestelle der ursprünglichen sowjetischen Zuggarnituren ausstießen Die Farben der Verkleidungen variieren zwischen den Stationen, je nach der Symbolik des gegebenen Orts. Vereinheitlicht werden sie nur durch eine in der Farbe Champagner ausgeführte Linie der Verkleidung, die im Mittelteil der Wand jeder Station von Farbstreifen in drei Nuancen der Grundfarbe ergänzt wird. Die Färbung der Stationen sollte die Reisenden daran erinnern, dass ein Teil der Linie A unter historisch bedeutenden Orten verläuft. Die goldene Farbe in der Station Hradčanská symbolisiert etwa die nahegelegene Prager Burg, Sitz der böhmischen Könige, grün in Malostranská erinnert an die Gärten, die sich in ihrer Umgebung befinden, braun in der Station Muzeum wiederum die Stadtmauer, die dort einst stand, etc.

© David Pereiras / Shutterstock.com

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Foto © Nationaltheater

Neue Bühne des Nationaltheaters qN árodní 1393/4, Prag 1 – Neustadt w www.narodni-divadlo.cz Das brutalistische Gebäude der Neuen Bühne (Nová scéna) des Nationaltheaters stammt aus der Werkstatt des Architekten Karel Prager. Sie erinnert an einen Glaskristall und soll das historische Gebäude des Nationaltheaters nebenan kontrastieren. Zu seiner Zeit handelte es sich um das erste Objekt mit Glasfassade bei uns. Diese ist mit unglaublichen 4 306 handgeblasenen hohlen Glaselementen mit einem Gewicht von je 25 kg besetzt.

Treppenaufgang, Neue Bühne

w www.zemefilmu.cz Einer der erfolgreichsten, mit acht Oscars ausgezeichnete, Film des international anerkannten tschechischen Regisseurs Miloš Forman handelt vom fiktiven Zwist zwischen dem genialen Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart und seinem Rivalen Antonio Salieri. Forman, der seit 1968 in den USA lebt, drehte Amadeus nach dem Drehbuch des englischen Dramatikers Peter Shaffer. Alle Schlüsselszenen wurden von Januar bis Juli 1983 in Prag gedreht, wenn auch unter der strengen Aufsicht der Staatssicherheit und der kommunistischen Hauptmänner. An dem Film beteiligte sich eine Reihe tschechischer Künstler: Kameramann Miroslav Ondříček, Architekt Karel Černý und Kostümbildner Theodor Pištěk, der später auch die aktuellen Uniformen der Burgwachen der Prager Burg entwarf. Hinter dem bösen Filmplakat steckt der Künstler Petr Sís, der spätere Autor einer Reihe von geschätzten Kinderbüchern.

Das Gebäude, das souverän die Neorenaissancemündung der Národní třída unterbricht, hat die Form eines „U“ und teilt sich in zwei Teile. Die Mitte und der Flügel, der an das Barockkloster grenzt, mit einem transparenten, glatten Wärmeschutzglasgehäuse. Der zweite Flügel erhebt sich von der Straße auf massiven Pfeilern, zwischen denen sich der freie Durchgang zur Piazzeta des Theaters, dem heutigen Václav-Havel-Platz eröffnet. Seine abgeschrägten Wände sind mit Glassteinen nach dem Design des berühmten tschechischen Glasers Stanislav Libenský besetzt. Das Glas erfüllt nicht nur einen ästhetischen Zweck, sondern reduziert auch den Lärm der belebten Straße im Gebäude. 76

1984 Amadeus

Luster von Pavel Hlava in der Mitte der Treppe

Für den Film waren die im Ständetheater gedrehten Szenen grundlegend, wo Forman die Weltpremiere von Don Giovanni rekonstruierte, welche Mozart 1787 selbst dirigierte. Tom Hulce, der Mozart darstellte, widmete sich vor dem Dreh intensiv dem Klavierspiel, damit es glaubwürdig genug aussieht. Vor allem verkörperte er aber Mozarts zerstreute, spielerische und geniale Persönlichkeit bravurös vor der Kamera. Nicht zu vergessen ist die Rolle Salieris in der suggestiven Darbietung von F. Murray Abraham, der Mozarts größten Bewunderer und Widersacher in einem verkörperte.

77

Amadeus © 1984 The Saul Zaentz Company, All Rights Reserved

Glasmassiv

Nahaufnahme der Fassade © VitVit, CC BY-SA 4.0, Wikimedia

1983 Neue Bühne –

Die großzügige Aufteilung der Innenbereiche ermöglichte im dritten Stock die Platzierung des Theatercafés NONA, aus dem sich durch die Glaswände ein prächtiger Blick auf die Národní třída ergibt.


Foto © Nationaltheater

Neue Bühne des Nationaltheaters qN árodní 1393/4, Prag 1 – Neustadt w www.narodni-divadlo.cz Das brutalistische Gebäude der Neuen Bühne (Nová scéna) des Nationaltheaters stammt aus der Werkstatt des Architekten Karel Prager. Sie erinnert an einen Glaskristall und soll das historische Gebäude des Nationaltheaters nebenan kontrastieren. Zu seiner Zeit handelte es sich um das erste Objekt mit Glasfassade bei uns. Diese ist mit unglaublichen 4 306 handgeblasenen hohlen Glaselementen mit einem Gewicht von je 25 kg besetzt.

Treppenaufgang, Neue Bühne

w www.zemefilmu.cz Einer der erfolgreichsten, mit acht Oscars ausgezeichnete, Film des international anerkannten tschechischen Regisseurs Miloš Forman handelt vom fiktiven Zwist zwischen dem genialen Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart und seinem Rivalen Antonio Salieri. Forman, der seit 1968 in den USA lebt, drehte Amadeus nach dem Drehbuch des englischen Dramatikers Peter Shaffer. Alle Schlüsselszenen wurden von Januar bis Juli 1983 in Prag gedreht, wenn auch unter der strengen Aufsicht der Staatssicherheit und der kommunistischen Hauptmänner. An dem Film beteiligte sich eine Reihe tschechischer Künstler: Kameramann Miroslav Ondříček, Architekt Karel Černý und Kostümbildner Theodor Pištěk, der später auch die aktuellen Uniformen der Burgwachen der Prager Burg entwarf. Hinter dem bösen Filmplakat steckt der Künstler Petr Sís, der spätere Autor einer Reihe von geschätzten Kinderbüchern.

Das Gebäude, das souverän die Neorenaissancemündung der Národní třída unterbricht, hat die Form eines „U“ und teilt sich in zwei Teile. Die Mitte und der Flügel, der an das Barockkloster grenzt, mit einem transparenten, glatten Wärmeschutzglasgehäuse. Der zweite Flügel erhebt sich von der Straße auf massiven Pfeilern, zwischen denen sich der freie Durchgang zur Piazzeta des Theaters, dem heutigen Václav-Havel-Platz eröffnet. Seine abgeschrägten Wände sind mit Glassteinen nach dem Design des berühmten tschechischen Glasers Stanislav Libenský besetzt. Das Glas erfüllt nicht nur einen ästhetischen Zweck, sondern reduziert auch den Lärm der belebten Straße im Gebäude. 76

1984 Amadeus

Luster von Pavel Hlava in der Mitte der Treppe

Für den Film waren die im Ständetheater gedrehten Szenen grundlegend, wo Forman die Weltpremiere von Don Giovanni rekonstruierte, welche Mozart 1787 selbst dirigierte. Tom Hulce, der Mozart darstellte, widmete sich vor dem Dreh intensiv dem Klavierspiel, damit es glaubwürdig genug aussieht. Vor allem verkörperte er aber Mozarts zerstreute, spielerische und geniale Persönlichkeit bravurös vor der Kamera. Nicht zu vergessen ist die Rolle Salieris in der suggestiven Darbietung von F. Murray Abraham, der Mozarts größten Bewunderer und Widersacher in einem verkörperte.

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Amadeus © 1984 The Saul Zaentz Company, All Rights Reserved

Glasmassiv

Nahaufnahme der Fassade © VitVit, CC BY-SA 4.0, Wikimedia

1983 Neue Bühne –

Die großzügige Aufteilung der Innenbereiche ermöglichte im dritten Stock die Platzierung des Theatercafés NONA, aus dem sich durch die Glaswände ein prächtiger Blick auf die Národní třída ergibt.


1985 Wiederinbetriebnahme der Seilbahn auf den Petřín q5 0°4′56,76″ s. š., 14°24′1,15″ v. d. w www.dpp.cz Die Standseilbahn auf den Petřín-Hügel, der zusammen mit dem Aussichtsturm ein beliebtes Tourismusziel ist, nahm ihren Betrieb bereits 1891 auf. Ihr Betrieb wurde im Lauf ihrer Existenz zweimal unterbrochen, das erste Mal 1916 aufgrund des Ersten Weltkriegs, das zweite Mal 1965, als die Bahn durch einen großen Erdrutsch am Petřín zerstört wurde. Es dauerte dann ganze 20 Jahre, bis die Seilbahn wieder losfuhr.

Die Seilbahn verbindet die Kleinseite mit dem Petřín und wird sowohl von den Einheimischen wie auch ausländischen Besuchern gerne genutzt. Die Fahrt mit der Seilbahn auf der 510 m langen Strecke

1986 Jaroslav Seifert – der Újezd – Nebozízek – Petřín bietet nämlich einen schönen Ausblick auf die Stadt und die Prager Burg. Die Seilbahn überwindet einen Anstieg von 130 m und fährt mit einer Geschwindigkeit von 4m/s.

© Archiv der Verkehrsbetriebe der Hauptstadt Prag

Gedenktafel q in der Bořivojova Straße 104, Praha 3 – Žižkov Denkmal qb ei der Straßenbahnstation Lipanská (Seifertova Straße)

Der Charakter von Seiferts Poesie änderte sich schrittweise. Aus dem optimistischen, verspielten Lyriker verzaubert vom Leben (Auf den Wellen von TSF) und dem Schreiber von regelmäßigen Versen wurde ein Dichter tiefer Reflexion und freier Strophen, in denen Melancholie vorherrscht (Halleyscher Komet). Die Liebe zur Frau blieb aber ein Motiv, das sich durch sein ganzes Schaffen zog. Rechenschieber der Liebe, Auf den Wellen von TSF

Jaroslav Seifert (1901–1986), einer der beliebtesten tschechischen Dichter und Träger des Literaturnobelpreises, erreichte mit seiner Kunst eine Generation von Tschechen. Anerkennung bekam er aber auch für seine Haltung als Bürger, die zu einem Konflikt mit dem kommunistischen Regime führten.

Der ursprüngliche Antrieb auf Wasserballast, wo in den oberen Wagen der Seilbahn so viel Wasser getankt wurde, um den Wagen hinunterzuziehen, wurde 1932 auf einen elektrischen umgestellt. Dieser treibt die Seilbahn bis heute an. Zu ihrer Zeit war die Seilbahn die längste Österreich-Ungarns, sie konnte bis zu 32 Personen transportieren und die Fahrt dauerte 6 Minuten.

78

Dichter, der nicht aufgab

religiöse Zeremonie wurde dann unter dem wachsamen Auge der Staatssicherheit durchgeführt.

Aus dem Arbeiterviertel Žižkov stammend, begann er seine literarische Laufbahn als Autor von Proletarierpoesie. Aus der kommunistischen Partei wurde er bald ausgeschlossen und sein Bruch mit dem Kommunismus vertiefte sich in den 50er Jahren, als er die Inhaftierung unbequemer Autoren kritisierte. Er war einer der ersten Unterzeichner der Charta 77 (S. 70). Einige Jahre lang konnte er nicht publizieren. Als er im Jahre 1984 den Nobelpreis erhielt, wurde dieser Fakt von den offiziellen Medien nur knapp kommentiert. Nach Seiferts Tod im Jahre 1986 veranstaltete das Regime im Versuch, sich den beliebten Dichter einzuverleiben, ein pompöses Staatsbegräbnis, aber schloss die Familie des Dichters aus den Vorbereitungen aus. Eine private © Archiv der Hauptstadt Prag

Rechenschieber der Liebe „Deine Brust ist wie ein Apfel aus Australien, deine Brüste sind wie zwei Äpfel aus Australien, oh wie sehr ich diesen Rechenschieber der Liebe mag.“ Auf den Wellen von TSF.

Jaroslav Seifert, r. 1984 © ČTK

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1985 Wiederinbetriebnahme der Seilbahn auf den Petřín q5 0°4′56,76″ s. š., 14°24′1,15″ v. d. w www.dpp.cz Die Standseilbahn auf den Petřín-Hügel, der zusammen mit dem Aussichtsturm ein beliebtes Tourismusziel ist, nahm ihren Betrieb bereits 1891 auf. Ihr Betrieb wurde im Lauf ihrer Existenz zweimal unterbrochen, das erste Mal 1916 aufgrund des Ersten Weltkriegs, das zweite Mal 1965, als die Bahn durch einen großen Erdrutsch am Petřín zerstört wurde. Es dauerte dann ganze 20 Jahre, bis die Seilbahn wieder losfuhr.

Die Seilbahn verbindet die Kleinseite mit dem Petřín und wird sowohl von den Einheimischen wie auch ausländischen Besuchern gerne genutzt. Die Fahrt mit der Seilbahn auf der 510 m langen Strecke

1986 Jaroslav Seifert – der Újezd – Nebozízek – Petřín bietet nämlich einen schönen Ausblick auf die Stadt und die Prager Burg. Die Seilbahn überwindet einen Anstieg von 130 m und fährt mit einer Geschwindigkeit von 4m/s.

© Archiv der Verkehrsbetriebe der Hauptstadt Prag

Gedenktafel q in der Bořivojova Straße 104, Praha 3 – Žižkov Denkmal qb ei der Straßenbahnstation Lipanská (Seifertova Straße)

Der Charakter von Seiferts Poesie änderte sich schrittweise. Aus dem optimistischen, verspielten Lyriker verzaubert vom Leben (Auf den Wellen von TSF) und dem Schreiber von regelmäßigen Versen wurde ein Dichter tiefer Reflexion und freier Strophen, in denen Melancholie vorherrscht (Halleyscher Komet). Die Liebe zur Frau blieb aber ein Motiv, das sich durch sein ganzes Schaffen zog. Rechenschieber der Liebe, Auf den Wellen von TSF

Jaroslav Seifert (1901–1986), einer der beliebtesten tschechischen Dichter und Träger des Literaturnobelpreises, erreichte mit seiner Kunst eine Generation von Tschechen. Anerkennung bekam er aber auch für seine Haltung als Bürger, die zu einem Konflikt mit dem kommunistischen Regime führten.

Der ursprüngliche Antrieb auf Wasserballast, wo in den oberen Wagen der Seilbahn so viel Wasser getankt wurde, um den Wagen hinunterzuziehen, wurde 1932 auf einen elektrischen umgestellt. Dieser treibt die Seilbahn bis heute an. Zu ihrer Zeit war die Seilbahn die längste Österreich-Ungarns, sie konnte bis zu 32 Personen transportieren und die Fahrt dauerte 6 Minuten.

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Dichter, der nicht aufgab

religiöse Zeremonie wurde dann unter dem wachsamen Auge der Staatssicherheit durchgeführt.

Aus dem Arbeiterviertel Žižkov stammend, begann er seine literarische Laufbahn als Autor von Proletarierpoesie. Aus der kommunistischen Partei wurde er bald ausgeschlossen und sein Bruch mit dem Kommunismus vertiefte sich in den 50er Jahren, als er die Inhaftierung unbequemer Autoren kritisierte. Er war einer der ersten Unterzeichner der Charta 77 (S. 70). Einige Jahre lang konnte er nicht publizieren. Als er im Jahre 1984 den Nobelpreis erhielt, wurde dieser Fakt von den offiziellen Medien nur knapp kommentiert. Nach Seiferts Tod im Jahre 1986 veranstaltete das Regime im Versuch, sich den beliebten Dichter einzuverleiben, ein pompöses Staatsbegräbnis, aber schloss die Familie des Dichters aus den Vorbereitungen aus. Eine private © Archiv der Hauptstadt Prag

Rechenschieber der Liebe „Deine Brust ist wie ein Apfel aus Australien, deine Brüste sind wie zwei Äpfel aus Australien, oh wie sehr ich diesen Rechenschieber der Liebe mag.“ Auf den Wellen von TSF.

Jaroslav Seifert, r. 1984 © ČTK

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1987 Phänomen der

Gartenrestaurant U Pinkasů, Sommer 1967

tschechischen Gaststätten

Jahre 1990 unter dem Titel The Best of Garáž herauskommen. Heute tritt die Band unter dem Namen Garage and Tony Ducháček auf.

und die Band Garáž w www.garageband.cz

w www.prague.eu/pivo

Die 80er Jahre waren in der Tschechoslowakei die Zeit des sterbenden kommunistischen Regimes. Aus dem Meer des Graus, Mangels und Verdrusses ragten jedoch einige Inseln der Freude und der inneren Freiheit hervor. Eine davon trug den Namen Garáž.

Das Ende der 80er Jahre schleppte sich in der Tschechoslowakei in der bizarren Atmosphäre der spätkommunistischen Zeitlosigkeit. Die Gesellschaft hatte genug von dem Regime, an dessen Zukunft schon niemand mehr glaubte, aber die regierenden Genossen zeigten keine Bereitschaft, Platz zu machen oder jegliche Veränderungen zu ermöglichen. Der Großteil der tschechischen Nation lenkte sich also dort ab, wo es möglich war, in Ruhe und relativer Freiheit über die Situation zu diskutieren und auf eine Verbesserung der Situation zu warten – in den Gaststätten (tsch.: Hospoda).

Die Position von Rockbands in den 80er Jahren war keinesfalls rosig – die Programme der Musikclubs waren unter der Kontrolle der Beamten, die für ihre ideologische Unbedenklichkeit sorgten. Ein Berufsverbot konnte damals jeden treffen, vor allem, nachdem im Parteiblatt ein Pamphlet mit dem Titel Die Neue Welle mit altem Inhalt herauskam, in der der Autor die Kulturarbeiter zur Wachsamkeit gegenüber „Dekadenz und Nihilismus“ des westlichen Punks und der Neuen Welle anhielt.

Die Gaststättenszene ist der Initiator der Handlung des berühmtesten tschechischen Romans, Der brave Soldat Schwejk von Jaroslav Hašek. Ein Denkmal setzte ihr auch ein weiterer bedeutender Schriftsteller in seinem Werk, Bohumil Hrabal. In der verrauchten Luft der städtischen und ländlichen Gaststätten wurde Ende der 80er Jahre debattiert, ausgeteilt, geträumt und geschwiegen. Am Zapfhahn gab es gewöhnlich eine Biersorte, die Speisekarte bot neben Gulasch auch Utopenci (eingelegte Wurst mit Zwiebeln), Rollmöpse und eingelegten Camembert, Frauen wurden nur als Begleitung der Männer toleriert und am Fernseher an der Decke lief Eishockey. Die zwei Jahre bis zum November 1989 ließen sich hier aushalten. 80

1988 Tony Ducháček

1988 gab Garáž ihre erste offizielle Aufnahme auf Kassette heraus. Die erste LP, die ihr Schaffen aus den 80er Jahren zusammenfasste, konnte erst im

Der geradlinige, leichtfertige Rock von Garáž folgte aber keinen Trends. Seine Einzigartigkeit wurde vom charismatischen Frontmann Tony Ducháček personifiziert. Sein legerer, aber souveräner Gesang, das nonchalante Image des Žižkov Playboys und die eigenartigen Texte durchzogen von Anspielungen auf die amerikanische Popkultur bewirkten, dass Garáž unter den anderen tschechischen Bands ihrer Zeit herausragte wie eine Erscheinung von anderswo – aus einer freieren, bunteren, unendlich cooleren Welt. Die moderne Version der Gaststättenklassiker , foto Honza Zima © Lokál, Ambiente

Album The Best of Garáž, 1990 © Michal Cihlář.

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1987 Phänomen der

Gartenrestaurant U Pinkasů, Sommer 1967

tschechischen Gaststätten

Jahre 1990 unter dem Titel The Best of Garáž herauskommen. Heute tritt die Band unter dem Namen Garage and Tony Ducháček auf.

und die Band Garáž w www.garageband.cz

w www.prague.eu/pivo

Die 80er Jahre waren in der Tschechoslowakei die Zeit des sterbenden kommunistischen Regimes. Aus dem Meer des Graus, Mangels und Verdrusses ragten jedoch einige Inseln der Freude und der inneren Freiheit hervor. Eine davon trug den Namen Garáž.

Das Ende der 80er Jahre schleppte sich in der Tschechoslowakei in der bizarren Atmosphäre der spätkommunistischen Zeitlosigkeit. Die Gesellschaft hatte genug von dem Regime, an dessen Zukunft schon niemand mehr glaubte, aber die regierenden Genossen zeigten keine Bereitschaft, Platz zu machen oder jegliche Veränderungen zu ermöglichen. Der Großteil der tschechischen Nation lenkte sich also dort ab, wo es möglich war, in Ruhe und relativer Freiheit über die Situation zu diskutieren und auf eine Verbesserung der Situation zu warten – in den Gaststätten (tsch.: Hospoda).

Die Position von Rockbands in den 80er Jahren war keinesfalls rosig – die Programme der Musikclubs waren unter der Kontrolle der Beamten, die für ihre ideologische Unbedenklichkeit sorgten. Ein Berufsverbot konnte damals jeden treffen, vor allem, nachdem im Parteiblatt ein Pamphlet mit dem Titel Die Neue Welle mit altem Inhalt herauskam, in der der Autor die Kulturarbeiter zur Wachsamkeit gegenüber „Dekadenz und Nihilismus“ des westlichen Punks und der Neuen Welle anhielt.

Die Gaststättenszene ist der Initiator der Handlung des berühmtesten tschechischen Romans, Der brave Soldat Schwejk von Jaroslav Hašek. Ein Denkmal setzte ihr auch ein weiterer bedeutender Schriftsteller in seinem Werk, Bohumil Hrabal. In der verrauchten Luft der städtischen und ländlichen Gaststätten wurde Ende der 80er Jahre debattiert, ausgeteilt, geträumt und geschwiegen. Am Zapfhahn gab es gewöhnlich eine Biersorte, die Speisekarte bot neben Gulasch auch Utopenci (eingelegte Wurst mit Zwiebeln), Rollmöpse und eingelegten Camembert, Frauen wurden nur als Begleitung der Männer toleriert und am Fernseher an der Decke lief Eishockey. Die zwei Jahre bis zum November 1989 ließen sich hier aushalten. 80

1988 Tony Ducháček

1988 gab Garáž ihre erste offizielle Aufnahme auf Kassette heraus. Die erste LP, die ihr Schaffen aus den 80er Jahren zusammenfasste, konnte erst im

Der geradlinige, leichtfertige Rock von Garáž folgte aber keinen Trends. Seine Einzigartigkeit wurde vom charismatischen Frontmann Tony Ducháček personifiziert. Sein legerer, aber souveräner Gesang, das nonchalante Image des Žižkov Playboys und die eigenartigen Texte durchzogen von Anspielungen auf die amerikanische Popkultur bewirkten, dass Garáž unter den anderen tschechischen Bands ihrer Zeit herausragte wie eine Erscheinung von anderswo – aus einer freieren, bunteren, unendlich cooleren Welt. Die moderne Version der Gaststättenklassiker , foto Honza Zima © Lokál, Ambiente

Album The Best of Garáž, 1990 © Michal Cihlář.

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1989 17. November 1989 –

Beginn der Samtenen Revolution Gedenkstätte des 17. Novembers qN árodní 16, Prag 1 – Neustadt

ein Generalstreik – für die Studenten erhob sich schrittweise die gesamte Nation. Es entstand das Bürgerforum als nichtkommunistische politische Plattform. Resolut wurden rein kosmetische Adjustierungen des kommunistischen Regimes abgewiesen. Das Unglaubliche wurde wahr – am 29. Dezember 1989 wurde Václav Havel als beste Garantie für demokratische Veränderungen zum Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik gewählt. Bessere Zeiten erschienen am Horizont.

Auf der belebten Straße Národní třída entgeht der Aufmerksamkeit der Vorbeigehenden nicht die an einer barocken Fassade platzierte Gedenktafel. Erhobene Hände und das Datum 17. 11. 1989 erinnern an die Ereignisse, die als Beginn der sogenannten Samtenen Revolution bezeichnet werden. Auch wenn im Jahre 1989 die von Michail Gorbatschow proklamierte Perestrojka die Beziehungen in der Sowjetunion lockerte und die Berliner Mauer fiel, versuchten die konservativen Kommunisten in der Tschechoslowakei, sich um jeden Preis an der Macht zu halten. Der Ausdruck von Unzufriedenheit unter den Bürgern wurde hart bestraft und jegliche Diskussion abgelehnt. Die Demonstration der Studierenden am Freitag, den 17. November sollte ursprünglich an die gewaltvolle Schließung der tschechischen Universitäten in der Zeit der Nazibesatzung erinnern, ungeplant wurde sie aber zu einer Gelegenheit, friedlich gegen den Machtapparat aufzutreten. In den Abendstunden wurden die Demonstranten allerdings mitten auf der Národní třída von bewaffneten Spezialeinheiten der Polizei eingekreist und brutal geschlagen. Der Geduldsfaden war gerissen. Es folgte ein Streik der Studenten, Massendemonstrationen und 82

17. 11. 1989, © Tomki Němec

Václav Havel gibt den Rücktritt der Führung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei bekannt © ČTK © ČTK/Krumphanzl Michal

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1989 17. November 1989 –

Beginn der Samtenen Revolution Gedenkstätte des 17. Novembers qN árodní 16, Prag 1 – Neustadt

ein Generalstreik – für die Studenten erhob sich schrittweise die gesamte Nation. Es entstand das Bürgerforum als nichtkommunistische politische Plattform. Resolut wurden rein kosmetische Adjustierungen des kommunistischen Regimes abgewiesen. Das Unglaubliche wurde wahr – am 29. Dezember 1989 wurde Václav Havel als beste Garantie für demokratische Veränderungen zum Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik gewählt. Bessere Zeiten erschienen am Horizont.

Auf der belebten Straße Národní třída entgeht der Aufmerksamkeit der Vorbeigehenden nicht die an einer barocken Fassade platzierte Gedenktafel. Erhobene Hände und das Datum 17. 11. 1989 erinnern an die Ereignisse, die als Beginn der sogenannten Samtenen Revolution bezeichnet werden. Auch wenn im Jahre 1989 die von Michail Gorbatschow proklamierte Perestrojka die Beziehungen in der Sowjetunion lockerte und die Berliner Mauer fiel, versuchten die konservativen Kommunisten in der Tschechoslowakei, sich um jeden Preis an der Macht zu halten. Der Ausdruck von Unzufriedenheit unter den Bürgern wurde hart bestraft und jegliche Diskussion abgelehnt. Die Demonstration der Studierenden am Freitag, den 17. November sollte ursprünglich an die gewaltvolle Schließung der tschechischen Universitäten in der Zeit der Nazibesatzung erinnern, ungeplant wurde sie aber zu einer Gelegenheit, friedlich gegen den Machtapparat aufzutreten. In den Abendstunden wurden die Demonstranten allerdings mitten auf der Národní třída von bewaffneten Spezialeinheiten der Polizei eingekreist und brutal geschlagen. Der Geduldsfaden war gerissen. Es folgte ein Streik der Studenten, Massendemonstrationen und 82

17. 11. 1989, © Tomki Němec

Václav Havel gibt den Rücktritt der Führung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei bekannt © ČTK © ČTK/Krumphanzl Michal

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1990 Quo vadis – schreitender Trabant

1991 Zeitmaschine – Metronom

Botschaft der Bundesrepublik Deutschland qV lašská 19, Prag 1 – Kleinseite

Zeitmaschine q Quai Edvard Beneš, Prag 7 – Holešovice

David Černý (geb. 1967) ist einer der bekanntesten zeitgenössischen tschechischen Künstler und seit langem das Enfant terrible der hiesigen Kunstszene. Er schafft vor allem figurative Skulpturen, in denen er aktuelle gesellschaftliche und politische Probleme der Welt reflektiert. Černýs Werk ruft auf der einen Seite Empörung, auf der anderen Begeisterung, aber immer Diskussionen hervor. Die erste größere öffentliche Reaktion brachte Černý die Skulptur des schreitenden Trabants mit dem Titel Quo vadis, welche den Massenexodus der Bewohner der DDR nach Westdeutschland über die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Prag im Sommer und Herbst 1989 symbolisierte. Im Jahre 1990 wurde die Plastik am Altstädter Ring ausgestellt. Ihr Bronzeabguss wurde im Jahre 2001 dauerhaft im Garten der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Kleinseite platziert. Černý ist der Urheber weiterer provokanter Werke. Seine Babys sind seit 2001 Teil des Žižkover Fernsehturms (S. 86), zwei sind auch im Park beim Museum Kampa zu sehen. In der Jilská Straße hängt sein Hängender (1996), in der Passage Lucerna zur Abwechslung ein Pferd (1999), genau genommen sitzt der Hl. Wenzel am Bauch seines toten Pferdes. Die Hergetova Cihelna ziert der bewegliche Brunnen Pinkelnde Figuren, 84

am Platz hinter dem Einkaufszentrum Quadrio wiederum zieht der kinetische Kopf Franz Kafkas Aufmerksamkeit auf sich.

© David Černý

Das kinetische Objekt des tschechischen Bildhauers Vratislav Karel Novák aus dem Jahre 1991 steht an der Stelle des ehemaligen Stalindenkmals in Letná (siehe S. 54) und ist eines der neuzeitlichen Symbole der Stadt. Sein ursprünglicher Titel war Zeitmaschine, aber allgemein ist es als „Metronom“ bekannt. Es symbolisiert den unaufhaltsamen Fluss der Zeit, mit seiner Positionierung warnt es vor einer Wiederholung der Tragödien der Vergangenheit, erinnert an den Fall der Idole und auf seine Art stellt es ein neuzeitliches Gegenstück zur Altstädter Aposteluhr dar. Die Fläche am Südende des Letná Parks, auf der das Metronom platziert ist, ist heute ein beliebtes Ziel der Einheimischen und der Besucher Prags, die sich hierher vor allem aufgrund des Ausblicks auf das historische Zentrum Prags und den Fluss Moldau mit seinen Brücken aufmachen. Das Metronom ist auch unter Skateboardern beliebt, die auf dem glatten Pflaster gerne ihre Tricks üben.

Deutsche Flüchtlinge, Botschaft BRD in Prag, November 1989 © ČTK/PICTURE ALLIANCE/SVEN SIMON

Der Letná Park und vor allem die angrenzende Letná Ebene waren immer ein wichtiger Versammlungs-, Unterhaltungs- und Erholungsort, an dem einige bedeutende historische Ereignisse stattfanden, z.B. die größte Demonstration gegen die kommunistische Diktatur Ende 1989. Heute finden in Letná oft Veranstaltungen statt, z.B, das Festival des neuen Zirkus Letní Letná. Der Bereich im Sockel unter dem Metronom beherbergt jeden Sommer das saisonale Kulturzentrum Containall Stalin.

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1990 Quo vadis – schreitender Trabant

1991 Zeitmaschine – Metronom

Botschaft der Bundesrepublik Deutschland qV lašská 19, Prag 1 – Kleinseite

Zeitmaschine q Quai Edvard Beneš, Prag 7 – Holešovice

David Černý (geb. 1967) ist einer der bekanntesten zeitgenössischen tschechischen Künstler und seit langem das Enfant terrible der hiesigen Kunstszene. Er schafft vor allem figurative Skulpturen, in denen er aktuelle gesellschaftliche und politische Probleme der Welt reflektiert. Černýs Werk ruft auf der einen Seite Empörung, auf der anderen Begeisterung, aber immer Diskussionen hervor. Die erste größere öffentliche Reaktion brachte Černý die Skulptur des schreitenden Trabants mit dem Titel Quo vadis, welche den Massenexodus der Bewohner der DDR nach Westdeutschland über die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Prag im Sommer und Herbst 1989 symbolisierte. Im Jahre 1990 wurde die Plastik am Altstädter Ring ausgestellt. Ihr Bronzeabguss wurde im Jahre 2001 dauerhaft im Garten der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Kleinseite platziert. Černý ist der Urheber weiterer provokanter Werke. Seine Babys sind seit 2001 Teil des Žižkover Fernsehturms (S. 86), zwei sind auch im Park beim Museum Kampa zu sehen. In der Jilská Straße hängt sein Hängender (1996), in der Passage Lucerna zur Abwechslung ein Pferd (1999), genau genommen sitzt der Hl. Wenzel am Bauch seines toten Pferdes. Die Hergetova Cihelna ziert der bewegliche Brunnen Pinkelnde Figuren, 84

am Platz hinter dem Einkaufszentrum Quadrio wiederum zieht der kinetische Kopf Franz Kafkas Aufmerksamkeit auf sich.

© David Černý

Das kinetische Objekt des tschechischen Bildhauers Vratislav Karel Novák aus dem Jahre 1991 steht an der Stelle des ehemaligen Stalindenkmals in Letná (siehe S. 54) und ist eines der neuzeitlichen Symbole der Stadt. Sein ursprünglicher Titel war Zeitmaschine, aber allgemein ist es als „Metronom“ bekannt. Es symbolisiert den unaufhaltsamen Fluss der Zeit, mit seiner Positionierung warnt es vor einer Wiederholung der Tragödien der Vergangenheit, erinnert an den Fall der Idole und auf seine Art stellt es ein neuzeitliches Gegenstück zur Altstädter Aposteluhr dar. Die Fläche am Südende des Letná Parks, auf der das Metronom platziert ist, ist heute ein beliebtes Ziel der Einheimischen und der Besucher Prags, die sich hierher vor allem aufgrund des Ausblicks auf das historische Zentrum Prags und den Fluss Moldau mit seinen Brücken aufmachen. Das Metronom ist auch unter Skateboardern beliebt, die auf dem glatten Pflaster gerne ihre Tricks üben.

Deutsche Flüchtlinge, Botschaft BRD in Prag, November 1989 © ČTK/PICTURE ALLIANCE/SVEN SIMON

Der Letná Park und vor allem die angrenzende Letná Ebene waren immer ein wichtiger Versammlungs-, Unterhaltungs- und Erholungsort, an dem einige bedeutende historische Ereignisse stattfanden, z.B. die größte Demonstration gegen die kommunistische Diktatur Ende 1989. Heute finden in Letná oft Veranstaltungen statt, z.B, das Festival des neuen Zirkus Letní Letná. Der Bereich im Sockel unter dem Metronom beherbergt jeden Sommer das saisonale Kulturzentrum Containall Stalin.

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1992 Žižkover Fernsehturm – die Rakete mit Babys startet

bildhauerische Verzierung aus der Werkstatt des Künstlers David Černý (auch S. 84), die im Jahr 2000 am Turm befestigt wurde. Riesige Laminatbabys, die ohne Rücksicht auf die Gravitation die Röhren des Turms hinauf und hinunter klettern, verweigern sich einer eindeutigen Interpretation, umso mehr faszinieren sie beim Blick auf den Turm.

Inhaltsverzeichnis

1918 Tomáš Garrigue Masaryk, erster tschechoslowakischer Präsident

1919 František Kupka: Kosmischer Frühling – Schöpfung

1933 Barrandov Studio

1947 Denkmal Verbrüderung

1934 Zdenek Rykr

1948 Denkmal für die Opfer des Kommunismus

1935 Gebäude der Prager Elektrobetriebe

1949 Bethlehemskapelle

Tower Park qM ahlerovy sady 1, Prag 3 – Žižkov w www.towerpark.cz

1920 Jože Plečnik – Südgärten der Prager Burg

1936 Zdeněk Pešánek: Liegender Torso

1950 Prager Dieseltriebwagen „Motoráček“

1921 Palais Lucerna 1922 Spielzeug Ladislav Sutnars

1937 Tschechischer Surrealismus – Jindřich Štyrský, Aus meinem Tagebuch

1951 Fahrrad Favorit

Der Žižkover Fernsehturm ist eine neuzeitliche Dominante Prags. Der Bau begann an der Neige des kommunistischen Regimes, vollendet wurde er aber bereits in der Demokratie. Eine eigene Ästhetik, ein etwas rücksichtslos durchgesetzter und umgesetzter Bau, bei dem die Grabmäler des hiesigen jüdischen Friedhofs beschädigt wurden, auch die unübersehbare Platzierung im Prager Panorama macht den Žižkover Turm zu einem der kontroversesten Prager Bauten, der seine leidenschaftlichen Gegner hat, aber auch seine Fans. Die Drei-Säulen-Konstruktion, die an eine startende Rakete erinnert, ist das Werk des Architekten Václav Aulický. Die Gesamthöhe des Turms beträgt mit Antennenaufsatz 216 m. Auf den drei Röhren sind dann insgesamt drei Kabinen mit dreiarmigem Grundriss befestigt. Darin befinden sich (von unten gerechnet) ein Restaurant, eine Aussichtsplattform und der Öffentlichkeit nicht zugängliche Räumlichkeiten mit Sendetechnik. Direkt über dem Restaurant befindet sich seit 2012 das Apartment des exklusiven „Ein-Zimmer-Hotels“. Kultiger Teil des Aussehens des Senders ist die 86

1923 Legiobanka

1938 Nationaldenkmal am Vítkov

1952 Josef Sudek 1953 Brauerei Staropramen

1924 Palais Adria

1939 Statue von Nicholas Winton und Denkmal Abschied

1925 Das befreite Theater

1940 Bio Oko

1955 Reise in die Urzeit und Karel Zeman

1926 Edison-Umspannwerk

1941 Technisches Nationalmuseum

1956 Hotel International

1927 Praga Alfa 6

1942 Krypta der Kirche St. Cyrill und Method

1957 Wie der Maulwurf zu seinen Hosen kam

1928 Messepalast, Nationalgalerie in Prag

1943 Kamil Lhoták und die Gruppe 42

1958 Expo 1958

1929 Kirche des Hl. Erzengels Michael am Petřín

1959 Laterna Magika

1930 Villa Müller

1944 Film Theresienstadt. Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet und das Denkmal der Schoah in der PinkasSynagoge

1931 Zoologischer Garten der Hauptstadt Prag

1945 Kampf um Prag

1932 Kirche des heiligsten Herzens des Herrn

1946 Prager Frühling

1954 Hotel Jalta

1960 Kofola 1961 Wichterles Linsenapparatur 1962 Stalin-Denkmal

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1992 Žižkover Fernsehturm – die Rakete mit Babys startet

bildhauerische Verzierung aus der Werkstatt des Künstlers David Černý (auch S. 84), die im Jahr 2000 am Turm befestigt wurde. Riesige Laminatbabys, die ohne Rücksicht auf die Gravitation die Röhren des Turms hinauf und hinunter klettern, verweigern sich einer eindeutigen Interpretation, umso mehr faszinieren sie beim Blick auf den Turm.

Inhaltsverzeichnis

1918 Tomáš Garrigue Masaryk, erster tschechoslowakischer Präsident

1919 František Kupka: Kosmischer Frühling – Schöpfung

1933 Barrandov Studio

1947 Denkmal Verbrüderung

1934 Zdenek Rykr

1948 Denkmal für die Opfer des Kommunismus

1935 Gebäude der Prager Elektrobetriebe

1949 Bethlehemskapelle

Tower Park qM ahlerovy sady 1, Prag 3 – Žižkov w www.towerpark.cz

1920 Jože Plečnik – Südgärten der Prager Burg

1936 Zdeněk Pešánek: Liegender Torso

1950 Prager Dieseltriebwagen „Motoráček“

1921 Palais Lucerna 1922 Spielzeug Ladislav Sutnars

1937 Tschechischer Surrealismus – Jindřich Štyrský, Aus meinem Tagebuch

1951 Fahrrad Favorit

Der Žižkover Fernsehturm ist eine neuzeitliche Dominante Prags. Der Bau begann an der Neige des kommunistischen Regimes, vollendet wurde er aber bereits in der Demokratie. Eine eigene Ästhetik, ein etwas rücksichtslos durchgesetzter und umgesetzter Bau, bei dem die Grabmäler des hiesigen jüdischen Friedhofs beschädigt wurden, auch die unübersehbare Platzierung im Prager Panorama macht den Žižkover Turm zu einem der kontroversesten Prager Bauten, der seine leidenschaftlichen Gegner hat, aber auch seine Fans. Die Drei-Säulen-Konstruktion, die an eine startende Rakete erinnert, ist das Werk des Architekten Václav Aulický. Die Gesamthöhe des Turms beträgt mit Antennenaufsatz 216 m. Auf den drei Röhren sind dann insgesamt drei Kabinen mit dreiarmigem Grundriss befestigt. Darin befinden sich (von unten gerechnet) ein Restaurant, eine Aussichtsplattform und der Öffentlichkeit nicht zugängliche Räumlichkeiten mit Sendetechnik. Direkt über dem Restaurant befindet sich seit 2012 das Apartment des exklusiven „Ein-Zimmer-Hotels“. Kultiger Teil des Aussehens des Senders ist die 86

1923 Legiobanka

1938 Nationaldenkmal am Vítkov

1952 Josef Sudek 1953 Brauerei Staropramen

1924 Palais Adria

1939 Statue von Nicholas Winton und Denkmal Abschied

1925 Das befreite Theater

1940 Bio Oko

1955 Reise in die Urzeit und Karel Zeman

1926 Edison-Umspannwerk

1941 Technisches Nationalmuseum

1956 Hotel International

1927 Praga Alfa 6

1942 Krypta der Kirche St. Cyrill und Method

1957 Wie der Maulwurf zu seinen Hosen kam

1928 Messepalast, Nationalgalerie in Prag

1943 Kamil Lhoták und die Gruppe 42

1958 Expo 1958

1929 Kirche des Hl. Erzengels Michael am Petřín

1959 Laterna Magika

1930 Villa Müller

1944 Film Theresienstadt. Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet und das Denkmal der Schoah in der PinkasSynagoge

1931 Zoologischer Garten der Hauptstadt Prag

1945 Kampf um Prag

1932 Kirche des heiligsten Herzens des Herrn

1946 Prager Frühling

1954 Hotel Jalta

1960 Kofola 1961 Wichterles Linsenapparatur 1962 Stalin-Denkmal

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Inhaltsverzeichnis 1963 Straßenbahn Tatra T3

1978 Metro A

1964 Limonaden-Joe

1979 ČKD-Gebäude

1965 Schwimmstadion Podolí

1980 Lennonmauer

1966 Botas Classic

1981 Kulturpalast (Kongresszentrum Prag)

1967 Theater von Jára Cimrman

1982 Aluminiumtafeln der Metro A

1968 Prager Frühling 1968 und Kampf um den Rundfunk

1983 Neue Bühne

1969 Memento des Opfers von Jan Palach 1970 Kája Saudek (*1935 – †2015) und Jan Saudek (*1935) 1971 Siedlung Südstadt 1972 Spielzeug von Libuše Niklová 1973 Nusle-Brücke

1984 Amadeus 1985 Wiederinbetriebnahme der Seilbahn auf den Petřín 1986 Jaroslav Seifert 1987 Phänomen der tschechischen Gaststätten 1988 Tony Ducháček und die Band Garáž

1974 Hotel InterContinental

1989 17. November 1989 – Beginn der Samtenen Revolution

1975 Kaufhäuser Kotva und Máj

1990 Quo vadis – schreitender Trabant

1976 Oldřich Hlavsa: Typographia 1

1991 Zeitmaschine – Metronom

1977 Charta 77

1992 Žižkover Fernsehturm

Titel: Prag:1918–1992 Text: Prague City Tourism Foto: Prague City Tourism, Angeführte Institutionen, private Subjekte, Autoren, Shutterstock Design und Satz: Touch Branding Druck: ALL365 a.s. Prag 1/2018, Erstausgabe, unverkäuflich Änderungen vorbehalten © Prague City Tourism Arbesovo nám. 70/4, Prag 5, 150 00, CZ Prague.eu

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Inhaltsverzeichnis 1963 Straßenbahn Tatra T3

1978 Metro A

1964 Limonaden-Joe

1979 ČKD-Gebäude

1965 Schwimmstadion Podolí

1980 Lennonmauer

1966 Botas Classic

1981 Kulturpalast (Kongresszentrum Prag)

1967 Theater von Jára Cimrman

1982 Aluminiumtafeln der Metro A

1968 Prager Frühling 1968 und Kampf um den Rundfunk

1983 Neue Bühne

1969 Memento des Opfers von Jan Palach 1970 Kája Saudek (*1935 – †2015) und Jan Saudek (*1935) 1971 Siedlung Südstadt 1972 Spielzeug von Libuše Niklová 1973 Nusle-Brücke

1984 Amadeus 1985 Wiederinbetriebnahme der Seilbahn auf den Petřín 1986 Jaroslav Seifert 1987 Phänomen der tschechischen Gaststätten 1988 Tony Ducháček und die Band Garáž

1974 Hotel InterContinental

1989 17. November 1989 – Beginn der Samtenen Revolution

1975 Kaufhäuser Kotva und Máj

1990 Quo vadis – schreitender Trabant

1976 Oldřich Hlavsa: Typographia 1

1991 Zeitmaschine – Metronom

1977 Charta 77

1992 Žižkover Fernsehturm

Titel: Prag:1918–1992 Text: Prague City Tourism Foto: Prague City Tourism, Angeführte Institutionen, private Subjekte, Autoren, Shutterstock Design und Satz: Touch Branding Druck: ALL365 a.s. Prag 1/2018, Erstausgabe, unverkäuflich Änderungen vorbehalten © Prague City Tourism Arbesovo nám. 70/4, Prag 5, 150 00, CZ Prague.eu

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