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Familienmagazin

BABYTRAGEN

Herbst 2020

Magazin für die Familie

MOSAIKSCHULE

Wie Schulgründung gelingen kann – ein Erfahrungsbericht

Forza Famiglia!

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Eine Familie voller Tatendrang

Am Pferderücken

Ready for Red?

Eva Rossmann

Zu Besuch im Reitkindergarten

Die erste Menstruation

Geschichte einer Kindheit

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herbst 2020 tipi 36 eur 2,90

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kunsthauswien.com mozarthausvienna.at

jmw.at hausdermusik.com

w llkommen zurĂźck!

Wir freuen uns auf Ihren Besuch in unseren Museen, jetzt wieder geĂśffnet. www.wienholding.at Fotocredits: Alec Soth/Magnum Photos, JMW, David Peters, Hanna Pribitzer

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Editorial

© Mariusz Gasinski

Liebe Leserin, lieber Leser, einmal kurz still sitzen – das ist Familie Grieb aus Steyr in Oberösterreich beim TipiCovershooting gar nicht so leichtgefallen. Kein Wunder: Die sympathischen Vier sprühen nur so vor Energie und Lebensfreude. Ab Seite 14 gewähren sie uns einen Einblick in ihr buntes Zuhause – in dem auch Hund Bruno einen fixen Platz hat. Ebenso aus Oberösterreich kommen Simone, Stefan und ihre drei Kinder. Sie leben mittlerweile jedoch in Kuwait und erzählen ab Seite 24 über die internationale Schule, das Leben mit Hausangestellten und Homeschooling im Corona-Lockdown, das im Land am Persischen Golf übrigens auch im Herbst noch fortgesetzt wird. Bei uns herrscht in den Schulen mittlerweile wieder emsiger Betrieb – auch in der neu gegründeten Mosaik.Schule in Katsberg (die Gründungsgeschichte ist ab S. 28 zu lesen) – dennoch: Ein „normaler“ Schulalltag wird sich dank Verdachtsfall-Warnung und -Entwarnung, Maskenpflicht und provisorischem Turnunterricht wohl länger nicht einstellen. Also machen wir das Beste draus: Begleiten wir unsere Kinder in dieser herausfordernden Zeit, geben wir ihnen Halt und Sicherheit! Bis uns das nächste Homeschooling wieder aus der Bahn wirft ;-) Im Namen der Redaktion wünsche ich einen bunten Herbst, starke Nerven im CoronaAuf-und-Ab, viel Freude mit der neuen Tipi-Ausgabe – und vor allem: Gesundheit!

Kim Sztrakati, Chefredakteurin chefredaktion@tipimagazin.at Tipi kommt viermal jährlich gratis zu allen McDonald’s Family Club-Mitgliedern direkt nach Hause, zur freien Entnahme findet man Tipi in allen teilnehmenden McDonald’s Restaurants, in 35 ausgewählten Kinderhotels, in 300 Trafiken in Wien und Umgebung, bei 785 Frauen- und Kinderärzt(inn)en in ganz Österreich und in 200 Wiener Kindergärten. Anmeldung zum McDonald’s Family Club ganz einfach online hier: www.mcdonalds.at/familyclub

Die Tipi-Coverfamilie Wer wir sind: Bettina (37), Sebastian (43), Mia (8), Mateo (7) und Hund Bruno (13) Woher wir kommen: Steyr (OÖ) Was wir mögen: Sport, gemeinsames Kochen und Essen, Besuch von Freund(inn)en, Sport und Verreisen

Lust auf

ein Cover-

Fotoshooting mit der

ganzen Familie?

Wir suchen die nächste Tipi-Coverfamilie. Wenn ihr das sein wollt, schickt einfach ein Mail mit Kurzbeschreibung und Familienfoto an: cover@tipimagazin.at

Foto: Celia Ritzberger, www.wau-effekt.at

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Inhalt

chste Das nä Tipi:

em N ov

ber 2020

© Simone Porteder (Illustration), Celia Ritzberger, Jörg Lutz, Freepik (4), Heidrun Henke, Dieter Brasch, Cornelia Krebs

38

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Herausgeber & Geschäftsführer: Lorin Polak Chefredaktion: Kim Sztrakati Art-Direktion: Simone Porteder Text-Redaktion: Inez Ardelt, Stefan Bonnet, Peter Draxl, Manuela Fischer, Tanja Haiden, Heidrun Henke, Markus Höller, Tanja Holz, Sandra Prinz, Susanne Sonnleitner, Michaela Titz, Dagmar Weidinger, Eva Maria Wagner, Peter Zirbs Assistentin der Redaktion: Natascha Holba Produktion: Hofeneder & Partner GmbH Fotos: Celia Ritzberger, Michaela Titz, Verlage, Hersteller, Verleiher & weitere Fotografen Illustrationen: Artur Bodenstein, Simone Porteder Lektorat: Gudrun Likar Marketing und Mediaberatung: Michael Martinek Redaktion- und Mediaberatung: Natascha Holba, Daniela Ruff, Georg Peter, Simone Schnak Verlagsleitung & Vertrieb: Georg Peter Medieninhaber, Eigentümer und Verleger: PPH Media Verlag GmbH, Otto-Bauer-Gasse 6, 1060 Wien Tel.: +43/(0)1/235 13 66-800, Fax: +43/(0)1/235 13 66999, E-Mail: office@pph-media.at Offenlegung nach § 24 bzw. § 25 MedienG sowie Angaben gem. § 5 ECG: Medieninhaber: PPH Media Verlag GmbH, Sitz in Wien. Unternehmensgegenstand: Redaktion, Herstellung und Distribution von Magazinen, Zeitschriften, Kalendern und anderen Drucksorten, insbesondere des Familienmagazins „TIPI“ und des Film- und Musik-Magazins „DOT.magazine“. Geschäftsführung: Lorin Polak. PPH Media Verlag GmbH steht im Eigentum von Lorin Polak (100 %) mit Sitz in Wien. Tätigkeitsbereich PPH Media Verlag GmbH: Gegenstand des Unternehmens ist jedwede geschäftliche Tätigkeit im Zusammenhang mit Print- und digitalen Medien im Bereich zielgruppenorientiertem Jugend- und Familienformat, der Geschäftsbereich Business to Business, jedwede Tätigkeit einschließlich Marketing und Consulting im Bereich Medien und Werbewirtschaft. Die Gesellschaft ist zu allen Geschäften und Maßnahmen berechtigt, die zur Erreichung des Gesellschaftszwecks notwendig oder nützlich erscheinen. Blattlinie: Familienmagazin, Berichterstattung über familienorientierte Themen wie Gesellschaft, Psychologie, Mode, Wohnen, Essen, Gesundheit, Freizeit und Reisen.

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Eine Familie mit Tatendrang: Bei Bettina, Sebastian, Mia, Mateo und Hund Bruno ist immer etwas los. 3 6 8 10 18 41 78 80 87 96 98

Editorial Mein Lieblings... Where Children Sleep Familienplauderei Urpeinlich, Papa! Wie sag ich's meinem Kind Schauen, Spielen, Lesen ... Film-Highlights Basteltipp Abenteuerland Pro und Kontra

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Leben und wir

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Forza Famiglia! Ein Besuch bei Familie Grieb und Hund Bruno in ihrem bunten Zuhause Geschichte einer Kindheit Eva Rossmann im großen TipiInterview Leben mit Kindern in ... Kuwait Familienleben am Persischen Golf

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24

Wir gründen dann mal eine Schule Von der Vision Schulgründung zum Start ins erste Schuljahr Handschrift als Handicap Schreibschrift lernen im Homeschooling – ein Erfahrungsbericht Rassismus geht uns alle an Wie österreichische Eltern mit sichtbarem Migrationshintergrund mit Rassismus umgehen Ready for Red? Wie wir unsere Töchter bei der ersten Menstruation unterstützen können

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Mama & Baby

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Kinderwunsch – Wunschkinder – Kinder nach Wunsch? Der Wunsch nach eigenen Kindern aus rechtlicher und philosophischer Sicht Ins Leben getragen Warum Babytragen nicht nur dem Baby guttut

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Krimiautorin Eva Rossman im Gespräch über ihre Kindheit

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Mode & Pflege

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Essen und Gesundheit

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Wir sind weg

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Der Schuh von der Crew Kingsley Crew macht Sneakers für die ganze Familie – ein Interview Eine Jacke für alle Fälle Neue Regenjacken für die Kids Ordentliche Kopfwäsche Haare waschen ganz natürlich

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Der Stich der Weisen Impfen ist so aktuell wie schon lange nicht Bitte ganz tief einatmen! Atemtechnik bei Kindern Herbstliche Familienküche Rezepte mit Apfel und Kürbis

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Das Herz des Südens Zu Besuch in München Der Himmel ist mein Plafond Was es beim Campingurlaub zu beachten gilt

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74 Lösung:

77 84 mini Tipi Die Kinder-Besonder-Seiten zum Heraustrennen

Freie Zeit Pimp my Box Die Pickerln von Badala hauchen alten Kartons neues Leben ein Stapeln, Rollen, Bauen Die bunte Welt des Spielzeugdesigns Nur Geduld! Erfinder Ernő Rubik über seinen Zauberwürfel Der Reitkindergarten Spielen auf dem Pferd

92

& schick

mach mit

ein!

Überall, wo du diesen Button siehst, kannst du Tipi aktiv mitgestalten. Als Dankeschön für jede Veröffentlichung gibt es kunterbunte Geschenke.

Noch mehr Tipi gibt es auf www.facebook.com/TIPI.Familienmagazin oder bei Instagram: @tipimagazin

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Mein Lieblings... KINDER STELLEN VOR

Philipp

4 Jahre * Ni * ederösterreich 1/2

& schick

mach mit

ein!

© Privat

-sport, spiel, blings ie te an: L it r b e fo t eu mit In t to Was is o .a F in etc.? agaz -essen lings @ tipim b e meinli

Mein Lieblings… Griller

» ... steht bei uns auf der Terrasse – gleich neben Papa und dem „echten“ Griller. Von Papa schau ich mir auch ab, wie man Würstel und Steaks richtig grillt. Am liebsten ess ich Nürnberger – mhmm! Auf meinem Griller landet aber alles, was ich so finde. « 6 | h er bst 2020

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Das GefĂźhl, wenn sich die Familie beim Essen mal einig ist:

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Where Children Sleep

Shameela, 5 Jahre, Thailand Aus dem Fotoprojekt „Where Children Sleep“ von James Mollison

Die fünfjährige Shameela lebt mit ihrer Mutter und drei älteren Geschwistern in Mae Sot, Thailand. Ihr Zuhause ist eine kleine Hütte, mitten in einem Sumpf im Dschungel. Sie teilen sich eine Toilette mit ungefähr hundert anderen Leuten im Dorf. Shameelas Mutter war aus Myanmar vor dem Militär geflohen. Da sie keine Arbeitserlaubnis in Thailand bekommt, hält sie sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Fleisch kann

sie sich nicht leisten, aber zweimal pro Woche gibt es Fisch. Shameela ist „staatenlos“: Sie wurde zwar in Thailand geboren, gilt aber nicht als thailändische Staatsbürgerin; ebenso wenig hat sie die birmanische Staatsbürgerschaft, weil sie dort nicht geboren wurde. Dennoch hat sie Hoffnung: Shameela geht als Einzige in ihrer Familie zur Schule und möchte später gerne Krankenschwester werden.

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© James Mollison

Where Children Sleep

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Familien

Familienplauderei

PLAUDE R 1. 2.

Manuel (28) Sandra (31) Luis (fast 3) Lena (5 Monate) aus Niederösterreich

Katharina (39) Andreas (51) Pauline (10) Ronja (7) aus Wien Uschi (39) Daniel (38) Mia (6) aus Wien

Familie W ie singer

− Familie Rainerer in a Trawöger/R

Familie Ti cala− Peter mann/Ticala

Darüber wird gerade diskutiert

Ausflüge in den Familypark, den Tiergarten Schönbrunn oder bei Schlechtwetter auch mal auf einen Indoorspielplatz

Mit Luis derzeit über alles und jeden – Trotzund Autonomiephase on fleek; und Lena schimpft gerne mit uns, wenn ihr Unterhaltung fehlt

Baden gehen mit Arschbombe und Taucherbrille

Kindergeburtstag in Corona-Zeiten

Kitschig, aber: kuscheln .... und dazu – ja, erwischt – einen Familienfilm schauen ;)

Lisa (32) Alex (31) Klara (9 Monate) aus der Steiermark Familie Weidinger

Carina (35) Christoph (36) Sophie (9) Lena (7) aus der Steiermark

Das machen wir am liebsten gemeinsam

Ob wir zu dem noch nicht vorhandenen zukünftigen Hund auch einen Hamster nehmen

Zeit in der Natur in Österreich verbringen, denn unsere Kleinfamilie besteht aus einer Wienerin, einem Kärntner und einem Steirermadl.

gerade damit, Wir kämpfen inken beizuTr s da a Klar überlegen, d un n bringe ernbecher kl in welchen Tr t versucht ch ni ch no r wi haben.

Wir chillen gerne im Garten oder springen in den Pool.

Schulbeginn: gemischte Gefühle, aber überwiegend Freude, einfach die Freunde wiederzusehen

Familie Grem sl

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& schic

mach mit

Die neueste Erkenntnis

Verbringe viel Zeit mit deinen Liebsten und verschiebe keine Treffen „auf morgen“, wenn es nicht unbedingt notwendig ist.

Das Highlight des bisherigen Jahres

Die Geburt von Lena

5. Da haben wir herzlich gelacht

ein!

k

udern? Wollt ihr mit uns pla : an o Fot t mi E-Mail .at plauderei@tipimagazin

6. Das wollen die Kinder einmal werden

seine Als Luis sten u r z m er Schweste n hat und he Mal gese hau! Die Sc „ : e sagt !“ mag mich e i d , lacht

Luis würde gerne Polizist oder Superheld werden – jedenfalls Teil der „Justice League“.

Ronja: ChemieProfessorin Pauline: ein guter, großer Mensch

Schlicht und ergreifend: Ballerina

Influenza = Grippe Influencer = jemand, der beeinflusst

Alpenverein-Familien Mutmach-Camp mit Rafting und Klettern

Wie Papa heute morgen mit Kaninchen Luna raufen musste und dabei in die Wasserschüssel gestiegen ist: 1:0 für Luna

Vanillemilch ist noch viiiiel besser als Milch!

Eine kleine E-Bike-Tour mit Mia (Tandem) in Leibnitz

Bei Mia’s Playback-Show

Klara kommt auch mal ohne Mama zurecht, dafür aber mit Papa oder Mamas Freundin :-)

Klara hat das erste Mal durchgeschlafen!

Als Klara die Räder des Kinderwagens mit einem Lolly verwechselt hat und einen schwarzen Streifen im Gesicht hatte (orale Phase lässt grüßen!)

Lena hat Spaß am Fußballspielen. Sophie ist auf einmal zu groß für eine Attraktion im Familypark.

Kurzurlaub in Lutzmannsburg – da hatten wir jede Menge Spaß miteinander.

Als unser Kater Simba ganz frech durch die Terrassentür huschen wollte und dabei das Insektengitter übersehen hat ...

Momentan s tehen Pilotin od er Gourmet ho ch im Kurs.

Sophie: Tierärztin für Kleintiere Lena: Friseurin oder Stylistin

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© Privat (5)

E REI 3. 4.

Reden, erzählen, sich besser verstehen und gemeinsam lachen.

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Leben und wir Forza Famiglia! • Urpeinlich, Papa! • Eva Rossmann • Leben in Kuwait • Wir gründen eine Schule • Handschrift als Handicap • Rassismus geht uns alle an • Ready for Red? • Wie sag ich’s meinem Kind

Von Natur aus gut

Wachstumshilfe Kinder wachsen über Nacht. Umso wichtiger, dass der Schlaf möglichst lange und erholsam ist. Einen Beitrag dazu leistet die Kindermatratze Iraklis von Coco-Mat. Sie besteht aus Naturlatex und Kokosnussfaser und bietet besten Komfort beim Größerwerden. Besonders praktisch: eine feste und eine elastische Seite. www.coco-mat.com

© Hersteller (8), APA Fotoservice / Franz Neumayr (1), Ronald McDonald Kinderhilfe (1)

Eine kleine Verschnaufpause können gerade Eltern gut brauchen. Hier kommen die Looops Kerzen gerade recht: Hergestellt in einer Manufaktur in Salzburg, bestehen sie aus feinstem pflanzlichem Wachs und natürlichen ätherischen Ölen und duften nach Bergluft, Sonnenstunden, Tannenwald oder Wohlfühlzeit. Ab € 20,–. Neu: Duftspray ab € 15,–. looopskerzen.at

Bestens geplant Im turbulenten Familienleben ist Organisation die halbe Miete. Unterstützung gibt’s vom Familienplaner der Illustratorin Helga Bansch, der mit unverwechselbarem Stil gut durch das neue Jahr führt. Erschienen im Tyrolia Verlag um € 12,95. www.tyroliaverlag.at Wir verlosen 5 Familienplaner: Schick ein Mail an gewinn@tipimagazin.at (Einsendeschluss: 26.10.2020)

&

mach mit

gewi nn!

Nähe hilft heilen An fünf Standorten in Wien, Salzburg, Graz und Innsbruck bietet die Ronald McDonald Kinderhilfe ein „Zuhause auf Zeit“ in Kliniknähe an – damit die Familien den kleinen Patientinnen und Patienten auch räumlich nahe sein können. Im November 2021 soll ein neues dazukommen: Der Neubau in Salzburg bietet auf sechs Stockwerken Platz zum Wohnen – mit 12 Doppelzimmern, drei Familien-Appartements und einer Mitarbeiterwohnung. 12 | h er bst 2020

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Helfen Sie mit und spenden Sie jetzt! Infos auf www.kinderhilfe.at

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Mama & Baby

Alltagshilfe

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Am Tag X entscheide ich, wie es mit uns weitergeht. Bei den Wiener Gemeinderats- und Bezirksvertretungswahlen am 11. Oktober entscheidest du nicht nur über die Zukunft der Stadt Wien, sondern auch über die Zukunft deiner Kinder. Also nutze deine Stimme und mache dein X! Per Briefwahl geht das übrigens auch ganz einfach von zuhause aus. Jetzt Wahlkarte anfordern!

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Leben und wir Lustig, tierlieb, sportlich und vielseitig: Das ist Familie Grieb mit Hundeliebling Bruno, der einen besonderen Platz im Herzen der Vier hat.

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Leben und wir

Forza Famiglia! Familie Grieb aus Steyr lebt mit Hund Bruno in einer gemütlichen Gartenwohnung. Gemeinsam mit den beiden Kindern Mia (8) und Mateo (7) ist in ihrem bunten Zuhause immer was los. Der Tatendrang scheint in der Familie zu liegen. Fürs Foto sind sie dann aber kurz einmal stillgesessen. von inez ardelt

Vielbeschäftigt Wie eine Patchworkdecke schaut auch der Familienkalender der Griebs aus: Chorsingen und Klavierspielen bei Mia, Fußballtraining und -turniere bei Mateo, Arbeit im Friseursalon, Abendschule, Sport und Kindertaxi bei Bettina, Arbeit im Außendienst, Fußball-Coach und Grillen auf Weltmeister-Niveau bei Sebastian. Doch da ist noch jemand, der das Geschehen ruhig und entspannt von seinem Körbchen aus erlebt: Hund Bruno. Der 13-jährige Labrador-Rüde ist blind und hört schon sehr schlecht, aber seine Streicheleinheiten holt er sich immer noch aktiv ab. Und wenn unbekannter Besuch hereinschneit, wird er schnell zum emsigen Wachhund, der den Kindern nicht von der Seite weicht. „Wollt ihr noch Kekse?“, fragt Bettina ihre zwei Sprösslinge. „Nein!“, „Ja!“ tönt es im Chor. Die Eltern grinsen einander vielsagend an. „Unsere Interessen und Wünsche liegen manchmal ziemlich weit auseinander, aber wir versuchen immer einen Konsens zu finden“, erklärt Papa Sebastian. Das sei schon fast ein bisschen das Familienmotto,

© Celia Ritzberger (2)

Das Schicksal und der Zufall drehen nicht selten an den Schrauben des Lebens. Im Fall von Sebastian Grieb (43) hätte alles ganz anders laufen können, und er würde vermutlich heute in Buenos Aires leben. Doch sein Vater, ein in Argentinien geborener Sohn österreichischer Einwanderer, und dessen argentinische Frau entschieden sich in den 1970er-Jahren der Militärdiktatur den Rücken zu kehren und zogen mit ihren zwei kleinen Kindern nach Steyr. Don’t cry for me Argentina! So sang es schon Evita im gleichnamigen Musical, und so sieht es auch Sebastian. Er hält die Hand seiner Frau Bettina (37) fest. Seit zwölf Jahren sind die beiden ein Paar, vor zehn Jahren haben sie geheiratet. „Ich habe Hund Bruno mitgebracht“, lacht die zierliche Friseurin. „Und ich meine Tochter aus einer früheren Beziehung“, sagt Sebastian. Die beinahe neunjährige Mia und ihr siebenjähriger Bruder Mateo machten die Patchworkfamily komplett.

» Unsere Interessen liegen manchmal weit auseinander, aber wir versuchen immer einen Konsens zu finden. Das vereint uns auch. « dass alle sehr unterschiedlich seien. „Aber das vereint uns auch.“ „Im Sommer wollte ich gerne mal Stand Up Paddling ausprobieren, und Sebastian war zuerst nicht dafür“, bringt Mama Bettina ein Beispiel. „Ja, noch ein Gerät, das herumsteht“, so Sebastian überbetont abschätzig. Nachdem Frau und Kinder begeistert den Almsee rauf und runter gepaddelt waren, überwand sich Sebastian und probierte es auch. „Das geht ja nicht, dass ich nicht mitmache, wenn das nun der neue Familiensport wird.“ Sportliche Naturen Mateo spielt als jüngster Spieler der U-9 für den Fußballclub „Garsten“. Sebastian war früher Profi-Kicker bei „Vorwärts Steyr“

und ist heute Co-Trainer in der Mannschaft seines Sohnes. „Mateo ist die Sportskanone bei uns. Alles mit Bällen ist sein Metier“, so Bettina. Das gilt auch fürs Fußballschauen im Fernsehen, wo er laut seinen Eltern gern zu den Siegern hält. Das Wichtigste ist jedenfalls, dass Schwester Mia bei den Spielen dabei ist und Mateo anfeuert. Zu Hause spielen die Geschwister gerne zusammen und bauen Häuser für Mateos „Cars“. Das gelte aber nicht nur für das gemeinsame Spielen: „Wir halten immer zusammen und sind füreinander da“, so Bettina. „Sich gegenseitig zu helfen und zu unterstützen, das sind Werte, die wir unseren Kindern vermitteln wollen.“ Das Lieblingsbrettspiel „Kangaroo“ hat Mia für h er bst 2020 |

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Leben und wir

Mein Leben ohne Vater von peter zirbs

die Familie von ihrem eigenen Taschengeld bezahlt. Außerdem teilen sie die Liebe zu den Schildkröten Lightning McQueen und Poppy und natürlich Bruno. Ansonsten gehen Mias Interessen in eine andere Richtung. Sie hat ein Faible für die schönen Künste. „Mia spielt Klavier und singt im Chor. Das Musische hat sie wohl von mir“, sagt Bettina, die früher gerne und viel gesungen hat und Kunst auch auf dem eigenen Körper in Form von Tattoos gut findet. Eines der wichtigsten und persönlichsten Peckerl sind die Hundepfoten von Bruno, die ihr Bein zieren. Ihren Ehrgeiz lebt die 37-Jährige seit drei Jahren anderweitig aus. „Ich mache die Matura in der Abendschule nach. Jetzt fehlt nur noch Mathematik.“ Vier Stunden in der Woche paukt Bettina neben Job und Familie. „Wenn ich es jetzt nicht mache, dann tu ich es wohl nie. Ich habe noch ein langes Arbeitsleben vor mir und will auch meinen Kindern

Liebe geht durch die Nadel: Brunos Hundepfoten zieren Bettinas Bein in Form eines Tattoos.

zeigen, dass man sich immer weiterentwickeln kann.“ Im Alltag bedeutet das für sie: Jonglieren, jonglieren, jonglieren! „Nach der Karenz bin ich in Elternteilzeit in meinen Job zurückgekehrt und arbeite nun 20 Stunden im Salon.“ Zwei Vormittage und ein langer Tag sind das. Wenn beide Eltern am Nachmittag arbeiten müssen, sind die Kinder im Hort. Neben Beruf und Familie die Zeit zum Lernen zu finden, ist denkbar schwierig. „Aber die Abendschule ist auch ein Ausgleich, und man hat wieder etwas anderes im Kopf“, sagt Bettina. Zudem genieße sie es, unter jungen Leuten zu sein. „Es ist sehr spannend, wie die die Welt sehen.“ Für richtige Hobbys fehle ihr aber momentan die Zeit. Stattdessen setzt sie ihre kreativen Energien beim Bauen und Konstruieren verschiedenster Projekte vom Schildkrötengehege bis zur Pool-Umzäunung ein. Was alle vier gleichermaßen lieben, ist das Verreisen. In Argentinien, dem Geburts-

© Celia Ritzberger (6), Günther Angerer (1)

Habe ich hier schon über meine Kindheitserfahrungen mit Tieren geschrieben? Nein? Das könnte unter anderem daran liegen, dass ich so gut wie keine Erfahrungen mit Tieren machte. Na gut, ganz so stimmt das natürlich auch nicht. Aber echte Haustiere gab es in unserem Familienhaushalt mehr oder weniger keine. Während Mitschülerinnen von mir bereits ihre eigenen Pferde, Windhunde oder exotischen Reptilien hatten, durfte ich mich mit halb verschimmelten Kaulquappen, fiesen Kreuzspinnen aus der Senkgrube und den zugegebenermaßen wunderschönen und leider immer seltener auftauchenden Feuersalamandern beschäftigen. Dabei hatte mein Großvater, wenn mich meine Erinnerung nicht vollends trügt, auf der Linzer Straße ein Zoogeschäft. Und ich glaube, mich dunkel daran erinnern zu können, dass ein Äffchen für kurze Zeit Teil unserer Familie war. Ach ja, und die doofen Zierfische. Nichts gegen „echte“ Fische und Amphibien, aber so winzige Dinger, mit denen man kaum etwas anfangen konnte, waren einfach nie meins. Ein Hund; ja, das wäre es gewesen! Schließlich kamen auch in vielen meiner Lieblingsbücher Hunde vor, wie etwa Timmy, der Hund. Genau, er war einer der „Fünf Freunde“ von Enid Blyton. Aber einen Hund spielte es nicht, und auch keine Katzen, denn ab meinem ungefähr achten Lebensjahr wurde klar, dass ich allergisch gegen ziemlich viele Tiere mit Fell bin. Da bliebe dann noch immer beispielsweise eine Schildkröte als Spielgefährte, aber die waren mir einfach zu langsam. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob sich die Geschichte tatsächlich so zugetragen hat, aber das erste Mal fiel mein allergisches Verhalten auf, als wir für kurze Zeit – dieses eine Mal! – ein Haustier hatten. Nämlich ein Streifenhörnchen. Ein kleines, neurotisches und fürchterlich stinkendes Streifenhörnchen. Nun gehe ich davon aus, dass diese an sich possierlichen Tierchen in der freien Natur mit Sicherheit herzig sind. Unser Florian hingegen war die Pest in Nagergestalt – und sein viel zu kleiner Käfig stand in meinem Zimmer. Und stank vor sich hin. Bis meine Allergie ausbrach. Das Tier musste weg! Und ich beschloss, stattdessen lieber zu lesen. Seitdem geht es mir besser.

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Leben und wir

land von Sebastian, waren die Kinder zwar noch nie, weil die Eltern warten wollen, bis Mia und Mateo in einem Alter sind, in dem man mit ihnen über Gesellschaftspolitik sprechen kann. „Die Armenviertel in Buenos Aires würden sie zu sehr mitnehmen“, erklärt Sebastian, was ihn bisher von einem gemeinsamen Besuch abgehalten hat. Aber vor drei Jahren sind die Griebs zusammen über den Großen Teich nach Orlando, Florida gereist. „Ich wollte unbedingt meinen

40. Geburtstag dort feiern.“ Mit Disneyland wurde der perfekte Kompromiss für alle gefunden, und „Schneewittchen“ sang für Sebastian sogar „Happy Birthday“. Plötzlich steht Bruno aus seinem Hundkörbchen auf und möchte auf die Terrasse. Der alte Hundeherr tut sich etwas schwer. Bettina und Sebastian legen ihm Teppiche und Matten auf den Holzboden, damit er nicht ausrutscht. Sie kümmern sich aufopfernd um ihren Schatz. „Ich war nie ein

großer Hunde- oder Tierfan“, offenbart Sebastian. „Aber ich hab ihn kürzlich zu Bruno sagen gehört: ,Bruno, ich hab dich schon lieb‘“, plaudert Bettina aus dem Nähkästchen. „Er tut mir einfach schon so leid“, so Sebastian traurig. „Aber ich sehe noch seine Lebensenergie“, hält Bettina optimistisch dagegen. Da sind sie wieder, die vielbeschworenen Unterschiede, doch jetzt ist es klar: Es sind gar keine Unterschiede; die beiden ergänzen sich einfach nur sehr gut.

Fotos mit „Wau-Effekt!“ Celia Ritzberger (28) ist Tier- und Kinderfotografin. Bei Familie Grieb hat sie sich gleich mit Bruno angefreundet und nicht nur super Fotos gemacht, sondern auch ein paar besonders nasse Hundebussis bekommen. „Tierärztin oder Journalistin. Mehr als diese beiden Berufsoptionen kamen für mich schon als Kind nicht infrage“, erinnert sich Celia Ritzberger. Nach einem Studium der Germanistik und Theaterwissenschaft sowie verschiedenen Joberfahrungen im Journalismus, Marketing und der PR-Arbeit war klar, dass sie ihre ausgesprochene Liebe zum Lesen und Schreiben zum Beruf machen wollte. Ihre große Tierliebe konnte sie allerdings geschäftlich noch nicht ganz unterbringen. Durch einige Fotokurse bei Fotografen, dem Intensiv-Sommerkurs der Prager Fotoschule und jeder Menge Foto-Spaziergängen mit ihrem Lieblings-Fotomotiv, dem Beagle Charlie, wuchs ihre Leidenschaft für Fotografie. Insbesondere die Tierfotografie hatte es ihr angetan. 2017 fusionierte sie unter dem prägnanten Namen „Wau-Effekt!“ das Fotografieren und die Tierliebe zu einem gelungenen Business. Was anfangs nur als Ausgleich zum stressigen Alltag als PR-Managerin gedacht war, ist mittlerweile zu ihrer Profession geworden. Auf Augenhöhe Celias Fotos zeichnet eine bestechende Natürlichkeit aus. Wenn sie Tiere und Kinder fotografiert, begibt sie sich auf deren Höhe.

Da kommt es auch öfter mal vor, dass sie am Boden herumrobbt, um den perfekten „Schnappschuss“ zu erwischen. Dass sie zu Tieren einen ganz besonderen Draht hat, merkt man übrigens sofort. Beim Fotoshooting mit Familie Grieb war Hundeopa Bruno umgehend von ihr begeistert und schleckte Celia die Füße ab. „Bruno, du Lieber, jetzt krieg ich sogar Bussis“, bedankte sich die Fotografin und Tierflüsterin bei ihrem vierbeinigen Charmeur.

www.wau-effekt.at

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© Unsplash

Leben und wir

Urpeinlich, Papa!

Der Alte spinnt Es gibt keine Midlife-Crisis. Das ist eine Erfindung von Gail Sheehy, einer Autorin, die Mitte der Siebziger ein fragwürdiges Buch schrieb. Erfindung! Aus, basta. Wenn man den Vierziger mal souverän überschritten, die zweite Metabolic-Diät hinter sich hat und zu joggen beginnt, dann ist was faul im Staate Dänemark. Shakespeare, Hamlet. Meint man. Stimmt aber nicht. Ab einem gewissen Alter erkennt man eigentlich nur, dass das, was man sich mit zwanzig als Leben vorgestellt hat, die letzten zwanzig Jahre eigentlich nur noch ein Herumgefahre in unsinnigen Klamotten und teurem Auto von einem Hamsterrad zum andern war. Karriere. Geld. Macht. Einfluss. Wie schaffen es andere, sich Netflix-Serien anzusehen? Bücher zu lesen? Lifestylechange in 5 – 4 – 3 – 2 … Ich erfülle mir also einen Jugendtraum und forsche den besten Tätowierer der Stadt aus. Sagt man ihm nach. Dort einen Termin zu bekommen, ist schwieriger, als den Papst zu einer Sonntagsgrillage nach Hause einzuladen. Ich finde einen „Fürsprecher“, ja, so was braucht man, um in die heiligen Hallen (einen finsteren Keller ohne Licht und Luft) vorgelassen zu werden. Nach dem Lokalaugenschein meiner Person, ein paar prüfenden Fragen, die meiner ernsthaften Absicht und Zurechnungsfähigkeit gelten, gestattet mir der Künstler, eine Handvoll Termine mit ihm auszumachen. Gnädigsten Dank, Euer Durchlaucht. Endlich kann ich meinen verwelkenden Körper mit Kunst verzieren. Der erste Termin verläuft erstaunlich entspannt. Ich bin vorbereitet wie Robbie Williams vor einer Stadiontour. Weiß ganz genau, was ich will, habe ein Konzept, einen Plan, Ideen, ich habe gegoogelt,

gepinterestet, gefacebookt, geinstagramt, alles ausgedruckt, alles mit, eine Mappe voller Ideen. Der Meistertätowierer findet zwar 99,8 % meiner Mappe zum Schmeißen, aber meine Ansätze super und zeichnet mir mit Lippenstift grob, aber elegant eine Skizze auf die Schulter. Mit der Selbstverständlichkeit und Zielsicherheit eines Michelangelo. Beeindruckt unterwerfe ich mich dem genialen Geist. Obgleich das Werk ganz anders aussieht als geplant, fühle ich mich verstanden wie selten zuvor. Die Naglerei dauert Stunden, in der Halbzeit stellt sich so was wie eine Schmerztrance ein – vielleicht liegt’s auch am Luftmangel, an den Rauchschwaden, die nicht von Trafikwaren kommen –, ich bin auf jeden Fall nur noch halb anwesend und durchlebe derweil die Oberstufe Realgymnasium noch einmal. Lustig war’s, bis auf den einen Vollspacko, dem ich nach ewigem Getrieze leider einen Vorderzahn ausschlagen musste. Der just in meiner Faust stecken blieb. „So!“, meint der Meister nach Ich-weißnicht-wie-langer-Zeit, wischt mir das Blut und den Lippenstift von der Schulter und stützt mich, als ich etwas knieweich zu einem Spiegel stolpere. Herr im Himmel, ist das schön! Das hätte ich mir selber nie vorstellen können! Ich zahle, was immer er verlangt, werde foliert und eingecremt und trolle mich Richtung Heimat. Stolz. Erfreut. Blutend. Schmerzerfüllt. Das ist das Leben! Ein Jugendtraum wird wahr. Und jetzt bitte noch das beeindruckte Gesicht einer Pubertierenden, die mich als coolste Vatersocke aller Zeiten bewundert. Glück, ich komme.

Daheim angekommen, dringe ich ins Kinderzimmer vor, packe mich aus, rupfe mir Folie samt Klebestreifen vom Schulterstück und präsentiere stolz die Sixtinische Kapelle des ungarischen Michelangelo auf meiner linken Schulter. Nach kurzem Interesse zerfällt das kleine Gesicht meines Kindes in seine Einzelteile, die Gesichtszüge entgleisen ihr schlagartig, und anstatt Lob und Anerkennung als Ausdruck wiederzufinden, erspähe ich blankes Entsetzen. „Ist das ein echtes Tattoooo ...?“, werde ich mit leicht genervter Stimme gefragt. Na no na ned. Das ist ein Abziehtattoo aus dem Bravo, das ich mir mit Spucke auf die Schulter geklatscht hab. „Klar!“, antworte ich etwas verunsichert vorsichtig. „Voll echt. Und das ist erst der Anfang, die andere Schulter wird noch besser!“ Aus dem Entsetzen wird unheilvolle Ablehnung. Ich höre mir an, was ein veganer Jungmensch, der zu Umweltrettungsdemos pilgert, von echten Tätowierungen, Piercings, generell von Alkohol- und Nikotinkonsum und lautem Musikhören eigentlich hält. „... und das in DEINEM Alter!“ In MEINEM Alter? Wie bitte? Mein Leben fängt doch grad erst an, du Halbling, Hobbit, du Spießer aus einer besseren Schule mit deinen Hummusaufstrichen. Was soll eigentlich mal aus DIR werden, wenn du groß bist? Jetzt nicht nachdenken. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und nach der zweiten Schulter kommt der Rücken auch noch dran. Ende der Diskussion!

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Leben und wir

Die Geschichte einer Kindheit

Interview

Eva Rossmann Eva Rossmann ist nicht nur eine der bekanntesten Krimiautorinnen Österreichs, sondern auch eine begnadete Kommunikatorin. Dementsprechend entspannt und unterhaltsam war unser Gespräch über ihre Kindheit, die sie in Graz verbracht hat. von peter zirbs Tipi: Was ist das Erste, an das du dich erinnern kannst? Eva Rossmann: Es ist eigentlich banal: Ich glaube mich zu erinnern, dass das Erste, was ich gesehen habe, der Ossi war. Oft spielt einem die Erinnerung ja einen Streich, und es war alles ganz anders – aber ich erinnere mich daran, dass der Ossi, ein Nachbarsbub aus dem vierstöckigen Haus, in dem wir gewohnt haben, gerade frisch nach der Geburt im Kinderwagen heimgekommen ist. Ich war so ungefähr drei Jahre alt; ich hab in den Kinderwagen hineingeschaut und gesagt: „Das gibt’s ja nicht, dass so etwas Kleines schon lebendig sein kann!“ Ich hab mich wirklich darüber gewundert und hab den kleinen Ossi mit meinem Zeigefinger öfters angestupst. Der Ossi war also das erste mich faszinierende Wesen, an das ich mich erinnern kann.

Wiese, deshalb durften auch schon Dreijährige dort spielen. Die Älteren haben auf die Jüngeren aufgepasst, und diese Mischung aus Jung und Alt war total super. Kannst du dich an eine konkrete Anekdote erinnern? Der Älteste, der Karli, war bereits ein Teenager, während ich ungefähr fünf Jahre alt war. Er hat eine Blindschleiche mitgebracht, die er grün angemalt hatte und erklärte uns, dass das eine Grüne Mamba sei. Ich hab gesagt: „Das glaub ich nicht, die tropft

ja und verliert die Farbe!“ Dann war er ein bisserl beleidigt, der Karli. Obwohl wir mitten in Graz waren, haben wir dennoch fast wie am Land gelebt. Die nächsten paar Häuser waren mit einem Feldweg verbunden – dort hat mich einmal fast der Blitz getroffen. Er hat dann aber doch nur ins Feld eingeschlagen. Ein anderes Mal wollten wir dort im Kukuruzfeld Erdäpfel grillen. Wir haben eh kaum gewusst, wie das funktioniert – jedenfalls hat jemand die Polizei gerufen, und in der Kleinen Zeitung ist dann gestanden, dass

Wo bist du denn aufgewachsen? In einer der ersten Stadtrandsiedlungen von Graz, die damals gerade in St. Peter entstanden ist. Da waren vier vierstöckige Siedlungshäuser, natürlich ohne Lift, und wir hatten eine Zentralheizung mit einem Kohlenofen in der Mitte. Meine Eltern mussten also immer die Kohlen in den vierten Stock hinauftragen. Und wir hatten einen Balkon. Eigentlich war es toll: In der Mitte zwischen diesen vier Häusern war eine riesige Wiese, auf der alle Kinder spielen konnten. Von den Häusern hatte man einen guten Blick auf die

© Cornelia Krebs (1), Privat (3)

Gab’s noch so ein prägendes frühes Erlebnis? Ja, ich habe bei der Mondlandung zusehen dürfen. Wir haben knapp davor einen Fernseher bekommen – das war cool! Da habe ich dieses Bild vor mir; dieser uralte Schwarz-Weiß-Fernseher, auf den wir draufgestarrt haben, und ich habe mir vorgestellt: Bist du narrisch, das gibt’s ja nicht! Der Mond ist doch da oben und ganz weit weg! Da war ich aber schon sieben Jahre alt. Die ganze Familie war gebannt; das war so ein Gemeinschaftsgefühl. Ein Mensch am Mond!

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jugendliche Randalierer versucht hätten, das Feld anzuzünden. Einerseits haben wir uns gefreut, dass wir in der Zeitung waren; andererseits war es wirklich absurd, weil wir sogar einen Kübel Wasser mithatten, damit auch ja nichts passiert. Die Natur war also dein Spiel- und Abenteuerplatz ... Genau. Hinter der großen Wiese, wo später ein Hochhaus entstanden ist, war der sogenannte Pammer-Dschungel – eigentlich eine Wildnis. Und dort sind unsere Bandenfights ausgefochten worden. Heute würde man wohl von „gewaltbereiten Kindern“ sprechen, die „diszipliniert“ gehören. Damals war das noch nicht so. Ich durfte als Mädchen zwar nicht Bandenanführerin werden – das ging absolut gar nicht! –, aber ich war immerhin Stellvertreterin. Unser Bandenanführer wurde jedenfalls von der gegnerischen Bande an einen Baum gefesselt, und wir haben es geschafft, ihn dann nach Sonnenuntergang zu befreien. Keine leichte Aufgabe und sehr aufregend! Kannst du dich noch an den Kindergarten erinnern? Ja, da gab’s die Tante Anni und die Tante Betti. Tante Anni hab ich groß und massiv in Erinnerung, Tante Betti war klein und dürr. Ich bin dann mit meiner zwei Jahre jüngeren Schwester in den Kindergarten gegangen – und ich war eigentlich gerne dort. Anni und Betti hab ich ein bisserl als eigenartig und skurril empfunden, aber sie waren durchaus nett. Die anderen Kinder habe ich gern um mich gehabt, und scheu war ich auch nicht. Ich war relativ robust. Wie war deine Zeit in der Volksschule? An meinen ersten Schultag kann ich mich zwar nicht erinnern, aber an das, was mir ältere Schülerinnen vorher eingeschärft hatten: Ich solle mir anfangs beim Schulweg extra viel Zeit lassen, damit die Eltern glauben, der Weg dauere eben so lang. So hat man dann in Zukunft mehr Zeit für sich, ohne dass es jemandem auffällt. Also hab ich taktisch ordentlich getrödelt – und tatsächlich, der Plan hat geklappt. Die Lehrerinnen in der Schule waren mir

V.l.n.r.: Eva und ihre Schwester zur Kindergartenzeit. Eva bei der Erstkommunion: Sie war total stolz auf das Kleid mit dem kurzen Rock. GAK Basketball: Eva mit Zöpfen, ihre Schwester ist die Zweite von rechts in der ersten Reihe.

eigentlich relativ egal. Denn das Einzige, was ich wollte, war Lesen lernen. Schreiben auch, aber vor allem Lesen. Meine Eltern wollten mir das partout nicht vorher beibringen und haben mich immer auf die Schule vertröstet. Ich war total sauer, weil ich so gern schon früher Bücher gelesen hätte. Ich wollte diese Zeichen verstehen! Ein bisserl was hab ich mir vorher schon beigebracht, indem ich meine Umgebung dauernd genervt hab, bis ich endlich ein Wort entziffern konnte. Daher war mir mein Umfeld in der Volksschule ziemlich wurscht; ich lernte zügig Lesen und war sehr fokussiert dabei. Gibt’s auch negative Erinnerungen an diese Zeit? Wir waren eine große Klasse, und alles lief gut. Was ich aber nicht so gern mochte, war Religion – und das, obwohl meine Familie sehr katholisch war. Ich war der Religionslehrerin einfach zu munter. Die hat mir wirklich mit dem großen, schweren Katechismus ab und zu auf den Schädel gehaut! Meistens, weil ich nicht ruhig war oder etwas Witziges gefragt hab. Ich hab auch angemerkt, dass man die Geschichten sicher nicht 1:1 umlegen kann. Und wusch! – hatte ich wieder den Katechismus am Kopf. Ansonsten gab es natürlich noch den Schulkakao, der furchtbar war, aber mit dem man sehr gut werfen und experimentieren konnte. Wie etwa hinter die Heizung legen – bis man von den Experten darauf aufmerksam gemacht wurde, dass das mit altem Käse noch besser funktioniert. Eine wirklich blöde Aktion haben wir in der vierten Klasse geliefert. Der Plan war, die Klassenzimmertür auszuhängen, damit sie auf die Lehrerin fällt, wenn sie reinkommt. Eine wirklich blöde Idee, denn sie hat funktioniert: Die Tür ist auf sie draufgefallen, und sie war halb bewusstlos. Das haben wir dann nicht mehr so lustig gefunden. Wir haben natürlich einen Anpfiff bekommen, aber es war uns allen klar, dass wir den auch wirklich verdient hatten.

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© Edith Walzl (1), Folio Verlag (1)

» Die Religionslehrerin hat mir mit dem großen, schweren Katechismus ab und zu auf den Schädel gehaut! «

In welche Schule bist du danach gegangen? Ich bin dann in das Wirtschaftskundliche Bundesrealgymnasium für Mädchen in Graz/ St. Peter gegangen. Das hatte für mich das große Problem, dass es eben für Mädchen war. Das hat mich wirklich genervt. Natürlich hatte ich ein paar gute Freundinnen, aber beim Rest hatte ich das Gefühl, es seien Gänse. Das ganze Klima habe ich nicht so toll gefunden. Ich habe immer leicht gelernt, aber ich war nie eine Streberin. Es gab also immer Mitschülerinnen, die besser waren als ich – die haben dafür aber auch wirklich gelernt wie verrückt. Ich habe für mich immer gefiltert, was mich tatsächlich interessiert. Viel habe ich dadurch gewonnen, dass ich schon immer gut reden konnte. Ich hab mich durchwurschteln können, wenn ich mich nicht so gut ausgekannt hab. Ich habe immer auch Lehrerinnen gehabt, die ich wirklich gern mochte, wie etwa die Lateinlehrerin. Eine super Frau! Leider konnte ich Latein nicht ausstehen. Ich hab’s wirklich gehasst. Eigentlich wollte ich Italienisch lernen, was sogar möglich gewesen wäre, doch meine Eltern bestanden darauf, dass ich Latein lernen sollte. Dabei war auch mein Vater echt schlecht in Latein. Es gab natürlich auch ein paar Lehrerinnen, die mit mir einfach überfordert waren. Ich dürfte eine ziemliche Herausforderung gewesen sein. Du bist ja nicht auf den Mund gefallen. Ich habe viel und gern diskutiert, wenn mir etwas nicht gepasst hat. Ich bin auch gleich zur Klassensprecherin gewählt worden – weil ich aber so viel diskutiert habe, wurde ich auch bald wieder abgewählt, und an meiner Stelle kam eine Klassensprecherin, die immer brav den Mund gehalten hat.

In Betragen hatte ich immer einen Dreier, aber ich hab genau gewusst, dass man nicht durchfliegen kann in Betragen. Ich dachte mir: Was soll denn das? Gewisse Sachen habe ich mir wirklich nicht gegeben. Ich war natürlich auch schrecklich; Lehrerinnen können da verunsichert sein. Oft habe ich in meinem Lieblingsfach Geografie vorgelernt und vorab gelesen; wenn dann die Geo-Lehrerin ein bisserl gestresst war und sich selbst nicht so gut ausgekannt hat, bin ich dagesessen und hab den

EVA RO SSM ANN • ist 1962 in Graz geboren; sie lebt im Weinviertel und ist Verfassungsjuristin, Journalistin, Autorin, Köchin und ORFModeratorin. Davon abgesehen schreibt sie Sach- und Drehbücher. In ihrem aktuellen Erzählungsband Vom schönen Schein blickt die Bestsellerautorin voll Ironie und Suspense hinter die Hochglanzfassaden von Sportlerehen und Strahlemännern, Urlaubsidyllen und vielversprechenden Seniorenresidenzen mit äußerst munteren Bewohnerinnen. Heldin Mira Valensky und Figuren ihres Umfelds erzählen aus unterschiedlichen Perspektiven Fälle, die eines gemeinsam haben: Das Leben kann mörderisch sein. Erschienen im Folio Verlag.

Kopf geschüttelt. Ich war unmöglich. Dafür musste ich dann auch öfters als Strafe vor der Klasse sitzen. Also eigentlich stehen, aber ich hab mich auf den Boden gesetzt. Als dann jemand vorbeikam und fragte, ob es mir nicht gut ginge, sagte ich: „Mir schon, aber der Frau Lehrerin nicht.“ Und wieder setzte es einen Dreier in Betragen. War Sport ein Thema für dich? Wir waren zwar keine Sportschule, aber nahe dran, eine zu sein. Ich habe viel Sport gemacht; auch, um mich von den öden Fächern zu befreien. Wir hatten einige Leistungsgruppen, und so habe ich mit dem Schwimmen angefangen, hab dann eine Zeit lang Leichtathletik und Mehrkampf gemacht, auch bei steirischen Wettbewerben. Dann kam ich zu Basketball und bin dort auch geblieben – über die Schulmannschaft bin ich zum Verein gekommen. Von der Jugendmannschaft des GAK bin ich quasi gleichzeitig in die Damenmannschaft aufgenommen worden, und gegen Ende der Schule hab ich wirklich viel Basketball gespielt. Da hab ich vier-, fünfmal in der Woche trainiert und konnte auch mit den Männern mittrainieren, weil ich dann schon im Kader der Juniorennationalmannschaft war. So hab ich rasch besser Englisch gelernt, weil es da einige amerikanische Legionäre gab. Meiner Englischlehrerin hat das gar nicht gefallen, die unterrichtete nämlich in sauberem Oxford-Englisch, während ich in breitestem amerikanischen Slang dagegenhielt. Und zum Abschluss: Wie war das mit der ersten Liebe? Meine ganze Familie war wie erwähnt sehr katholisch – aber es gab die Pfarre als Kommunikationspunkt. Da hat man natürlich über alles Mögliche geredet; zum Beispiel, wie weit man gehen würde oder wer mit wem vielleicht schon etwas gehabt hat – obwohl da von Sex klarerweise noch keine Rede war. Im Keller der Pfarre gab es gelegentlich Tanzveranstaltungen; meine Eltern haben mir die anfangs zwar noch untersagt, aber wir haben natürlich trotzdem überlegt, wer uns gefallen würde und wer nicht. Im Verhältnis zu heute war das alles aber sehr verhalten. Der ersten Kuss war weniger romantisch und eher ein Ausprobieren. Als ich mich dann so richtig verliebt habe, hat mir der Typ gesagt, dass er auf meine Freundin steht. Da hatte ich echt Liebeskummer ... Doch wenn es mir nicht so gut ging, hab ich geschrieben – das hat mir immer sehr geholfen.

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Leben und wir

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Leben mit Kindern in …

Kuwait

Weit gereist ist Simone, die aus einem Dorf in Oberösterreich kommt. Nach einem siebenjährigen Aufenthalt in Schottland lebt die 42-Jährige nun mit ihrer Familie in Kuwait am Persischen Golf. Zwei Länder, die sich – nicht nur klimatisch – stark unterscheiden. Tipi hat die studierte Kommunikationswissenschaftlerin erzählt, wie sie das Ankommen in dem „fremden“ Land erlebt hat. von susanne sonnleitner

Es war wie ein Ankommen in einer „anderen Welt“, als Simone, ihr Mann Stefan und ihre drei Kinder im Jänner 2019 aus dem Flieger stiegen und arabischen Boden betraten. Kuwait sollte künftig ihre neue Heimat sein, ein Land mit so gut wie keiner Vegetation und bis zu 50 Grad Celsius in den Sommermonaten. Viel Neues strömte auf die fünfköpfige Familie ein, fremdartige Gerüche, ungewohnte Strukturen und eine Religion, die Ausdruck im Alltäglichen findet. Sie erinnere sich an die erste Autofahrt zur Schule, so Simone. Sie und die Kinder waren damals, vor rund eineinhalb Jahren, mit dem Taxi unterwegs. Sengende Hitze, ein Verkehrschaos, in dem sich Autos dicht an dicht reihten, und der mantraartige Gebetsruf des Muezzins, der lautstark aus dem Radio des Taxifahrers zu vernehmen war. Die Stimmung war aufgeheitzt, die Kinder unruhig. Es begann auf der Skipiste ... Dass Simone einmal zur Weltenbummlerin werden würde, stand für die dreifache Mutter nicht immer auf dem Plan. Sie lacht auf, als sie von der Wende erzählt, die ihr Leben nahm: „Ich arbeitete als Bankangestellte in meiner Heimatgemeinde, ehe ich mich mit 25 dazu entschloss, studieren zu gehen.“ Mit 29 Jahren lernte sie beim Skifahren ihren jetzigen Ehemann Stefan kennen. Und mit ihm ein neues Leben, das von Flexibilität und Weltoffenheit geprägt sein sollte. Der Oberösterreicher war Erdölingenieur und

Kuwait City mit imposanter Skyline. Einen schönen Ausblick gibt’s von einem der drei Wassertürme, die mit ihren glänzenden Spitzen und Kugeln zu den Wahrzeichen der Stadt gehören.

zu dem Zeitpunkt in Nordafrika berufstätig. Seine Berufswahl ermöglichte es ihm, für eine vertraglich festgelegte Zeit ins Ausland zu gehen. Nach einer gemeinsamen Zwischenstation in Wien ergab sich für Stefan die Gelegenheit, in Schottland zu arbeiten. Und Simone kam mit, zusammen mit ihrer kleinen Tochter Rosemarie, heute neun Jahre alt. Auf das Mädchen folgten Elisabeth, sechs, und Arthur, drei Jahre. Alle Kinder sind in Schottland aufgewachsen. Über die Rollenverteilung waren sich Simone und Stefan von Beginn an einig: „Es war unser beider Wunsch, dass Stefan Vollzeit arbeitet und ich zu Hause bei den Kindern bleibe.“ Für die Familie hat sich dieses traditionelle Modell bewährt; sie leben es noch heute so. In Kuwait besuchen die zwei größeren Kinder eine internationale Schule, die nach

dem britischen System geführt wird. Hier lernen Kinder unterschiedlicher Nationalitäten gemeinsam, auch Kuwaities sind unter ihnen. Hiesige Traditionen werden dennoch gepflegt, so beginnt der Unterricht morgens um halb acht mit der kuwaitischen Hymne. Beim Schulwechsel half den Kindern, dass die Unterrichtssprache Englisch blieb, doch neue Gegenstände und wechselnde Lehrer

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Die Familie in ihrer neuen Heimat. Dass Simone, ihr Mann Stefan und die Kinder sich Österreich sehr verbunden fühlen, zeigt sich nicht zuletzt im Outfit des kleinen Arthur.

verunsicherten die damals siebeneinhalbjährige Rosemarie. Im Unterricht kam sie gut mit, doch musste sie erst lernen, an sich selbst zu glauben. ... und dann kam Corona Ein Jahr später kam es ohnehin ganz anders, denn mit Eintritt der Coronakrise änderte sich der Schulalltag auch in Kuwait

radikal. Die Kinder sind seit Ende Februar im Homeschooling-Modus; das Lernen auf Distanz wird auch im Herbst fortgesetzt. Wie lange das so gehen wird, weiß niemand, erzählt Simone: „Der Lockdown war damals quasi über Nacht verhängt worden. Wir haben es übers Internet erfahren, und natürlich war die Nervosität groß. Keiner konnte uns sagen, ob wir am nächsten

Tag noch zum Arzt hätten gehen können.“ Hinzu kam die große Unsicherheit über die Versorgung, nachdem Kuwait so gut wie alle Lebensmittel importieren muss. Simone empfand diese Situation als fordernd, besonders mit den Kindern. Viele Familien wurden unfreiwillig getrennt, da zu dieser Zeit – aufgrund der Feiertage – Familienmitglieder außer Landes waren und keine h er bst 2020 |

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» Der Corona-Lockdown war über Nacht verhängt worden. Wir waren sehr nervös. Keiner konnte uns sagen, ob wir am nächsten Tag noch zum Arzt gehen dürfen. «

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Die Familie bevorzugt Outdoor-Aktivitäten, sofern es die Temperaturen zulassen. Während viele Kuwaities sich in Spieltempeln tummeln, stehen bei Rosemarie und ihren Geschwistern Reiten oder Rollerfahren hoch im Kurs.

Möglichkeit mehr hatten, einzureisen. „Ich kenne Familien, die heute noch getrennt sind“, erzählt die Oberösterreicherin. Die ersten Monate nach ihrem Ankommen in Kuwait war die Familie damit beschäftigt, den Alltag zu organisieren. Da wurden selbst die einfachsten Dinge wie Essen und Gesundheitsversorgung zur Herausforderung. Doch mindestens genauso wichtig war Simone, die Ängste und Bedürfnisse der einzelnen Familienmitglieder ernst zu nehmen und diesen Raum und Zeit zu geben. Auch wenn sich die Familie langsam einlebte, vermissten die Kinder ihre Freunde aus dem vorigen Land. Und sie wussten: Irgendwann müssen wir uns auch hier verabschieden. Trampolinhallen, Playparks & Co. Wie sieht der Alltag der fünfköpfigen Familie heute aus? Stefan kommt zwischen 16 und 17 Uhr von der Arbeit nach Hause. Es gehöre zur arabischen Mentalität, nicht bis zum Umfallen zu arbeiten, so Simone. Ihr Aufenthalt in Kuwait ist als Angehörige mit Kindern betitelt, es ist ihr daher nicht erlaubt, offiziell zu arbeiten. Privat gibt sie aber Jugendlichen Deutschstunden. Am Wochenende trifft sich die Familie gern mit Freunden. Wenn es das Wetter zulässt, geht man schwimmen oder flaniert auf der Strandpromenade. Viele Freizeitangebote in Kuwait sprechen ausdrücklich Kinder an. Sie spielen sich großteils – aufgrund der Hitze – klimatisiert und indoor ab. Museen beispielsweise haben spezielle Schwerpunkte wie Evolution oder Raumfahrt. Dann gibt es noch bestens ausgestattete Spielhallen, die keine Wünsche offen lassen: Von Trampolinlandschaften über Playparks

wird Familien viel geboten. Für sie und ihre Familie sei diese Form der aufgebauschten Unterhaltung nichts, meint Simone, die sich in Österreich tief verwurzelt fühlt und lieber auf dem Boden bleiben möchte. Ihre Kinder nehmen stattdessen Reitstunden im Freien. In Kuwait City lebt Simone mit ihrer Familie in einem großen Haus zur Miete. Es besteht aus zwei Wohneinheiten; eine davon wird von den Hauseigentümern selbst – Kuwaities – bewohnt. Den Alltag erleichtert ihnen ein Fahrer, der die Kinder zur Schule bringt, und Anna aus Sri Lanka, die im Haushalt mithilft. Das Arbeitsverhältnis ist von gegenseitigem Respekt geprägt. Simone ist wichtig, dass es ihrer Hausangestellten gut geht und sie ein Gefühl von Sicherheit hat. Dennoch fühlt sie sich in einem inneren Zwiespalt, wenn sie die Situation betrachtet: „Auf der einen Seite gibst du jemandem Arbeit und einen fairen Lohn, auf der anderen Seite unterstützt du damit ein fragwürdiges System“ (siehe auch Kasten „Nachgefragt“ auf Seite 27). Rückkehr nach Österreich? Kuwait gilt als sicheres Land. Selbst kleinere Delikte werden hier hart bestraft. Im Alltag kann sich Simone frei bewegen, ohne sich ängstigen zu müssen. Im Gegenteil, manchmal geht es ihr sogar zu locker zu, wie sie einräumt: „Ich beobachte immer wieder, wie Leute ihre Handtaschen unbeaufsichtigt im Einkaufswagen stehen lassen oder etwa in Arztpraxen. Das würde ich nicht mal in Österreich machen.“ Auch als westliche Frau kommt Simone in Kuwait gut durch. In dem muslimisch geprägten Land sind Frauen besser gestellt als in benachbarten Staaten wie Saudi-Arabien. „Die Frauen hier

Rosemarie und Elisabeth in Schuluniform. In der internationalen Schule, die nach dem britischen System geführt wird, kommen Kinder bereits mit fünf Jahren in die erste Klasse.

arbeiten, fahren Auto und benutzen dieselben Ein- und Ausgänge in öffentlichen Einrichtungen“, erzählt Simone. Sie habe lediglich Knie und Schultern zu bedecken, wenngleich viele Muslima hierzulande ihre Religion strenger ausleben. Verschleierte Frauen sind im Stadtbild keine Seltenheit. Was Simone an ihrem neuen Lebensmittelpunkt schätzt, ist, dass das Land mit all seinen Herausforderungen, Möglichkeiten und Einschränkungen sie fordert. Immer wieder reflektiert sie ihre eigene Position und Haltung, um Entscheidungen zu treffen und einen Weg für sich und die Familie zu finden. Das Andere, Neuartige, nimmt sie dabei intensiv wahr, hat sich aber angewöhnt, nicht zu werten. So wie es ist, ist es gut. An Österreich, das sie als ihre Heimat betrachtet, vermisst sie – neben Familie und Freunden – die Natur und die Jahreszeiten und all die Stimmungen, die diese mit sich bringen. Dem gegenüber steht die Vorfreude auf die Rückkehr in die Heimat. Dazu gehört so viel, wie auch das Feiern von Festen im Jahreskreis. Durch die lange Zeit im Ausland ist Simone bewusst geworden, wie wertvoll die christliche Glaubens- und Wertevermittlung ist, die in Österreich in Gemeinschaften wie Pfarren, Schulen und Kindergärten gepflegt wird. Offen ist, wann Simone mit ihrer Familie nach Österreich zurückkehren wird. Wünsche und Ideen gibt es, doch ob diese in Erfüllung gehen werden, steht auf einem anderen Blatt.

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Bei Temperaturen bis zu 50 Grad Celsius freuen sich die Kinder über den Sprung in den hauseigenen Pool.

In der Moschee Bilal bin Rabah im Stadtteil Al-Siddeeq erschallt der Ruf des Muezzins fünf Mal täglich.

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NACHGEFRAGT: UNTER WELCHEN BEDINGUNGEN LEBEN ARBEITSMIGRANT(INN)EN IN KUWAIT? Ausländische Arbeitskräfte und ihre Angehörigen machen rund zwei Drittel der rund vier Millionen Einwohner/-innen in Kuwait aus. Ein Großteil von ihnen kommt aus Asien und ist Niedriglohnbezieher. Bezeichnend ist, dass ausländische Arbeitskräfte jene Arbeit erledigen, die für das Funktionieren einer Gesellschaft notwendig ist. Sie halten die Infrastruktur aufrecht. Kuwaities selbst arbeiten fast ausschließlich in staatlichen Betrieben oder Ministerien. Familien werden vom Staat in einem Ausmaß finanziell unterstützt, das das Ausüben eines Berufes obsolet macht. In vielen Familien arbeiten daher weder Mutter noch Vater. Diesen Luxus ermöglichen die reichen Ölvorkommen des Landes. Unabhängig von Status oder persönlicher finanzieller Situation sind Angestellte in kuwaitischen Haushalten eine Selbstverständlichkeit. Reinigungskräfte, Köche und Kindermädchen wohnen meist im selben Haus. Problematisch ist, dass es für diese Arbeitsmigrant(inn)en kaum gesetzliche Grundlagen gibt, die entsprechende Rechte für sie gewährleisten würden. Zwar zählt Kuwait – neben den anderen Golfstaaten Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Oman und Katar – zu den reichsten und modernsten Staaten der Welt, gleichzeitig ist der GolfKooperationsrat (GCC) aber für den systematischen Missbrauch und die Ausbeutung von Arbeitsmigrant(inn)en berüchtigt. Unbezahlte

Löhne, gefährliche Arbeitsbedingungen, unhygienische und überfüllte Unterkünfte, Zwangsarbeit und sexuelle Übergriffe stehen an der Tagesordnung. Schuld an dem prekären Rechtsstatus von Arbeitsmigrant(inn)en ist das sog. „Kafala“-Sponsorensystem, das in allen sechs GCC-Staaten Anwendung findet. Es knüpft das Recht der Arbeitnehmer/ -innen, sich im Land aufzuhalten, an Verträge. Werden Gastarbeiter/-innen gekündigt, müssen sie das Land verlassen. Verlassen sie wiederum ohne Erlaubnis des Arbeitgebers den Arbeitsplatz, laufen sie Gefahr, inhaftiert oder abgeschoben zu werden. Das

„Kafala“-System verleiht Arbeitgebern Macht und Drohpotenzial, um ihre Angestellten zu erpressen. Human Rights Watch und Amnesty International veröffentlichten in der Vergangenheit immer wieder Berichte insbesondere von philippinischen Haushaltshilfen, die in Kuwait von ihren Arbeitgebern geschlagen, gedemütigt oder Opfer sexueller Gewalt wurden. Im Kuwait Report 2019 berichtet Amnesty sogar von vereinzelten Mordfällen an philippinischen Gastarbeiterinnen. Im Sommer 2018 sorgte ein InstagramVideo für Aufregung in dieser Sache. Sondos Alqattan, eine junge Frau, die in Kuwait geboren und aufgewachsen ist, beschwerte sich öffentlich darüber, dass Dienstmädchen von den Philippinen nach einer Gesetzesänderung in Kuwait künftig mehr Rechte zugesprochen werden sollten. Etwa, dass sie einen Tag in der Woche freibekommen. In dem Video ereiferte sich Alqattan mit den Worten: „Ich würde mir kein philippinisches Hausmädchen mehr holen. Sie würde nur sechs Tage die Woche arbeiten und bekäme vier Tage im Monat frei“ und „Unsere Rechte als Arbeitgeber müssen geschützt werden“. Als Influencerin hat Alqattan über 2,6 Millionen Follower auf Instagram, auf ihrem Account zeigt sie Make-up-Tutorials und Modetipps. In Wahrheit brachte die Gesetzesänderung nur wenige Vorteile für die Gastarbeiterinnen, denn das „Kafala“-System behält weiterhin seine Gültigkeit.

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Das Leben in und mit der Natur spielt in der Mosaik.Schule eine große Rolle. In regelmäßigen Wald- und Wiesenerkundungstouren sollen die Kinder natürliche Lebensräume und die dort stattfindenden Abläufe bewusst und mit allen Sinnen begreifen und verstehen lernen.

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Wir gründen dann mal eine Schule Von der Vision Schulgründung zum Start ins erste Schuljahr Den Gedanken, eine Schule zu gründen, hatten vermutlich schon viele. Die wenigsten setzen ihre Vision aber tatsächlich in die Tat um. Wie Schulgründung gelingen kann? Hier ein Erfahrungsbericht. von sandra prinz Seit ich in der Ausbildung verschiedene reformpädagogische Schulen kennenlernen durfte und mich mit den dahinterliegenden pädagogischen Konzepten auseinandergesetzt habe, hege ich den Wunsch, das Schulleben dementsprechend zu verändern und umzugestalten. Besonders die Freinet- und die Montessoripädagogik haben es mir angetan. Beim Konzept von Maria Montessori fasziniert mich, dass Schule ein Ort ist, wo Kinder in einer ansprechenden, vorbereiteten Lernumgebung ihre Arbeiten frei wählen dürfen. Der Begriff der Freiheit darf hier aber nicht missverstanden werden. Es geht nicht um die Freiheit, tun zu können, was man will, oder um die Freiheit, gar nichts zu tun. Es geht darum, dass die Kinder aus den sorgfältig von den Pädagog(inn)en ausgewählten Lernmaterialien etwas auswählen und im selbsttätigen Tun ihre Potenziale zur Entfaltung bringen können. An der Freinetpädagogik begeistert mich vor allem das Einüben von demokratischen Prozessen. Den Kindern wird zugetraut mitzubestimmen, selbst zu entscheiden und eigenverantwortlich Probleme zu erkennen, zu diskutieren, Lösungen zu suchen. Eigene Ideen können eingebracht werden, und Wege zur Umsetzung werden

Im Hauptlernraum versammeln wir uns täglich, um im Morgenkreis gemeinsam zu singen, zu philosophieren und unseren gemeinsamen Tag zu planen.

gemeinsam geplant. Ein weiteres Element der Freinetpädagogik, der freie Text, untermauert diese Demokratieprozesse. In der Schuldruckerei, einer Presse mit Bleilettern, wird der Text gesetzt und dann gedruckt. Die Kinder können so ihre Ideen und Interessengebiete verschriftlichen und den Text vervielfältigen und an Interessierte weitergeben. Das Argument, dass dieser Prozess mit dem Computer viel schneller und einfacher gelingen würde, kann man so nicht gelten lassen. Die bewusste, haptisch äußerst spannende und kreative Auseinandersetzung mit Schrift beim Drucken in der Schuldruckerei kann kein Computer ersetzen. Neben den reformpädagogischen Ansätzen wurde im Laufe meines Berufslebens dieses Bild von der idealen Schule noch um andere Schwerpunkte ergänzt. So spielt das Philosophieren mit Kindern, das unter anderem den Erwerb von Reflexions- und Argumentationskompetenz sowie von logischem Denken unterstützt, eine wesentliche Rolle. Auch das Leben in und mit der Natur sollte im Schulalltag von Volksschulkindern einen bedeutenden, wenn nicht sogar zentralen Stellenwert haben. Zum Lernen ist es nicht notwendig, stundenlang die Schulbank zu drücken.

Lernen kann auch im Wald, auf der Wiese oder beim Erkunden und Entdecken am Bachlauf stattfinden. Die Wertschätzung gegenüber Tieren und Pflanzen und das bewusste, sinnliche Begreifen und Verstehen Lernen natürlicher Lebensräume und dort stattfindender Abläufe halte ich für essenziell, damit Kinder in ihrer Entwicklung bestmöglich unterstützt werden. Darüber hinaus ist diese Bewusstseinsbildung ein wichtiger Beitrag dazu, den Kindern mit auf den Weg zu geben, wie wichtig es ist, mit unserem schönen blauen Planeten Erde sorgsam umzugehen. Natürlich müssen auch aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Neurobiologie in einer Schule von heute in die Gestaltung von Lernprozessen einfließen. Die Projektidee „Schulgründung“ nimmt Formen an Mit dieser aufkeimenden und sich weiterentwickelnden Vision im Kopf bin ich im Regelschulsystem immer wieder an meine Grenzen gestoßen. Vor rund drei Jahren traf ich meine Freundin Eva-Maria Ganhör wieder – wir hatten uns für ein paar Jahre aus den Augen verloren –, und während wir bei Kaffee und Keksen unseren kleinen Kindern beim Entdecken und Erforschen

Kurz vor Schulstart: Fynn träumt von der Mosaik.Schule. Bald geht es los!

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Leben und wir der Welt zusahen, stellte sich heraus, dass wir beide den gleichen Traum verfolgten. Vor etwas mehr als einem Jahr machte dann Karl Maria Panhofer das Trio komplett, und ab dann ging es im Eiltempo unserem Ziel entgegen: Gründung einer konfessionellen Privatschule. Auf die Frage, warum Karl Panhofer das Projekt Schulgründung in Angriff genommen hat, meint er: „Motivation und Begeisterung für die Idee Schulgründung und die richtigen Menschen im Gründungsteam waren essenziell für die Umsetzung der Projektidee.“ Nach der Gründung des Vereins BildungNeuDenken und einigen Monaten intensiver Recherche- und Vorbereitungsarbeit stellte sich heraus, dass wir Verstärkung im Team benötigten. Die Resonanz, die unser Aufruf zu Folge hatte, war beeindruckend, und so konnten wir mit einem großen Netzwerk bestehend aus Expert(inn)en aus den unterschiedlichsten Bereichen weiter unserem Ziel entgegengehen. Für den Erfolg des Projektes war auch die Vergrößerung unseres Kernteams maßgeblich: Die engagierte Volksschullehrerin Theresa Kloibhofer, die ihre Expertise im Bereich neuromotorische Entwicklungsförderung auch im Schulalltag einbringen wird, die Radioreporterin und Soziologin Marita Koppensteiner, die im Sommer 2020 mit vollem Erfolg unsere Crowdfunding-Kampagne organisiert hat, und der Tischlermeister und Raumgestalter Leopold

Hintersteiner, der unsere Räumlichkeiten unter anderem mit gemütlichen Lernwaben ausgestattet hat, verstärken seitdem unser Team. Die Mosaik.Schule wird aus der Taufe gehoben Neben organisatorischen, pädagogischen und behördlichen Aufgaben machten wir uns nun auch auf die Suche nach einem geeigneten Namen für unsere Schule. Der Name Mosaik.Schule war schnell gefunden, da unsere Schule, so wie ein Mosaik

Die Lernwaben sind der ideale Rückzugsort für konzentriertes Arbeiten. Die Mosaik.Schüler/ -innen sind regelmäßig als Forscher/-innen in der Natur unterwegs. Im Radiostudio werden Sendungen produziert, die dann beim Freien Radio Freistadt on Air gehen.

auch, für Vielfalt, Individualität und Buntheit stehen sollte. Mit einem rund 300 m² großen Areal auf dem Biobauernhof Diwold in Katsdorf fanden wir im Februar 2020 schließlich unseren Traumstandort. „Es freut uns besonders, dass ab Herbst die Mosaik.Schule bei uns am Hof einzieht.

Mosaik.Schule Private Volksschule des Evangelischen Diakoniewerks Selbstbestimmt lernen, Zeit und Raum, die eigenen Potenziale zu entfalten und die Natur als Lebens- und Arbeitsraum zu erfahren – all das soll in der Mosaik.Schule möglich sein. Die Mosaik.Schule ist eine konfessionelle Privatschule für den Pflichtschulbereich (Vor- und Volksschule), die vom Verein BildungNeuDenken und vom Diakoniewerk als Träger initiiert wird. Infos und Kontakt: Greinsberg 15; 4223 Katsdorf mosaikschule@diakoniewerk.at (Leitung: Mag. Sandra Prinz, MA, Bakk.Komm, BA) www.mosaikschule.at instagram.com/mosaik.schule facebook.com/MosaikSchule-106481737655178 Das Gründungsteam der Mosaik.Schule (v.l.n.r.): Eva-Maria Ganhör, Karl Maria Panhofer, Sandra Prinz

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Leben und wir Neben den Räumlichkeiten kann die Natur ringsum gern mitgenutzt werden“, so Simone Diwold, unsere Vermieterin. Auf der Suche nach einem konfessionellen Träger haben wir schließlich im Diakoniewerk den perfekten Partner gefunden. Auf die Frage, warum sich das Diakoniewerk entschieden hat, das Projekt Mosaik.Schule umzusetzen, antwortet Geschäftsführer Gerhard Breitenberger: „Wir vom Evangelischen Gerhard Breitenberger, Diakoniewerk glauben daran, dass Geschäftsführer jeder Mensch mit speziellen Gaben auf des Evangelischen Diakoniewerkes die Welt kommt. Und wenn das Umfeld förderlich ist, dann kann er/sie, seine/ ihre Gaben voll zur Entfaltung bringen. Wir freuen uns, wenn sich die Kinder der Mosaik.Schule an diesem besonderen Standort für das Lernen begeistern können.“

© Verein Bildung Neu Denken (3), Lisa Martetschläger (1), Biohof Diwold (2), Diakoniewerk/Enzlmüller (1)

Los geht’s! Ab Schulstart lernen, forschen, entdecken und erleben 20 Mosaik.Schüler/-innen das erste Schuljahr in unserer Schule. Begleitet werden sie dabei von erfahrenen, gut ausgebildeten Lehrerinnen, engagierten Lernbegleiterinnen und freiwilligen Helfer(inne)n, die ihre Arbeit den Bedürfnissen des jeweiligen Kindes entsprechend ausrichten. Marita Koppensteiner, Vereinsmitglied von BildungNeuDenken und Mama von Fynn, der ab Herbst eines dieser Schulkinder sein darf, überlegt, warum sie für ihr Kind die Mosaik. Schule gewählt hat: „Für mich war es wichtig, für mein Kind eine Schule zu finden, in der es sich seine Begeisterung am Lernen und seinen Entdeckerdrang behalten kann. Mir ist es wichtig, dass mein Sohn selbstbestimmt und selbstorganisiert lernen kann und auch Themengebiete und Projektideen, die für ihn momentan gerade spannend sind, im Schulalltag Platz haben.“ All diese Aspekte und noch mehr hat Marita Koppensteiner im Konzept der Mosaik.Schule wiedergefunden und sie so als idealen Bildungs- und Entwicklungsort für ihren Sohn gewählt. Die Anmeldezahlen, auch schon für die kommenden sechs Jahre, sprechen für sich. Es scheint, als hätten wir mit der Gründung dieser Schule etwas richtig gemacht. Nachahmung gerne erwünscht!

Wunderschöne, helle Räumlichkeiten und eine tolle Lernküche bieten in der Mosaik.Schule am Standort des Biohofs Diwold Raum für individuelle Entwicklung und Entfaltung.

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Handschrift als Handicap

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Seit Corona bin ich nicht nur Teilzeit-Volksschullehrerin für meinen 8-jährigen Sohn, ich beschäftige mich auch mit schulpolitischen Themen. Wie erlernen Tafelklassler heutzutage zum Beispiel die Schreibschrift ... offenbar im Alleingang. Ein nicht ganz unpolitischer Erfahrungsbericht aus drei Monaten „Homeschooling“. von dagmar weidinger

Der erste Buchstabe sieht aus wie eine Mischung aus Tsunami-Welle und Schlumpfhaus. Eigentlich sollte es ein „A“ sein, ein großes, das mein Sohn mit verkrampfter Hand da aufs Papier gebracht hat. Ich sage nichts. Schließlich bin ich nicht Volksschullehrerin von Beruf. Meine mir von seinem Lehrer zugeteilte Aufgabe ist es bloß, ihn bei den zugewiesenen Schreibaufgaben zu „überwachen“. Es vergehen einige Tage, die erste Corona-Woche, in der ich immer wieder wie gebannt auf das Papier vor meinem Sohn starren muss. Was er dort Zeile für Zeile aufschreibt, erinnert zuweilen mehr an fremde Schriftzeichen denn an die hierzulande gängige Schreibschrift.

Druck- und Schreibschriftbuchstaben werden vermischt, die Verbindungen der einzelnen Buchstaben wirken eher zufällig. Zu allem Überfluss bedeutet für meinen Sohn jeder Satz eine große Anstrengung. Wo ist der Bewegungsfluss, der für mich so selbstverständlich ist beim Schreiben? Von Freude am Schreiben kann sowieso keine Rede sein. Nach einer weiteren Woche halte ich es nicht mehr aus: Ich kann nicht glauben, dass es im „Homeschooling“ nur darum gehen soll, die eigenen idiosynkratischen Schriftzeichen zu perfektionieren. An einem „schulfreien“ Nachmittag beginne ich mich also selbst schlauzumachen. „Erwerb der Schreibschrift“ google ich und hoffe inständig, rasch ein YouTube-Video zu finden, das mir alles zum Thema erklärt. Ich lande auf der Website der deutschen Schriftexpertin Maria-Anna SchulzeBrüning, Lehrerin für die Fächer Französisch und Kunst an der Sophie-Scholl-Gesamtschule in Hamm. Als Lehrerin an einer weiterführenden Schule sei sie ständig mit Handschriftproble-

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men konfrontiert, steht da zu lesen. Dies sei für sie vor einigen Jahren zum Auslöser geworden, sich dem Thema praktisch und theoretisch intensiv zu widmen. Jedes Jahr wertet Schulze-Brüning die Handschriften der 165 bis 180 Fünftklässler ihrer Schule aus und verfolgt ihre Entwicklung. Ein beträchtlicher Erfahrungsschatz ist so zusammengekommen – und offensichtlich auch eine große Bereitschaft, sich für den Erhalt der Handschrift zu engagieren. Zweifelhafter Freiraum Auf ihrer Seite finden sich nicht nur Details zu den exakten Bewegungsabläufen bei einzelnen Buchstaben, sondern auch zahlreiche Statements der „Allianz für die Handschrift“ und anderer, die mir vor Augen führen, dass die Probleme, mit denen mein Sohn Corona-bedingt zu Hause kämpft, kein Einzelfall sind. Seit einigen Jahren lernen die meisten Schüler und Schülerinnen der Volksschulen in Österreich und Deutschland zuerst die Druckschrift und erst danach die Schreibschrift. Diese wird quasi aus der Druckschrift entwickelt. Wie bei meinem Sohn wird den Tafelklässlern dabei viel Freiraum bei der Erarbeitung der eigenen Handschrift gelassen. Diese Freiheit ist nicht zuletzt im gängigen Volksschul-Lehrplan verankert, der besagt, dass „die Schüler bis zum Ende der 2. Schulstufe Buchstaben, Ziffern und Zeichen in einer der österreichischen Schulschrift angenäherten Form aus der Vorstellung schreiben können sollten“. Dabei ist den einzelnen Lehrern freigestellt, welche Ausgangsschrift (Blockschrift, Gemischtantiqua, Schulschrift) für den Erstschreibunterricht herangezogen wird. Das Ende einer Kulturtechnik? Schulze-Brüning findet dieses Vorgehen problematisch: „Die Druckschrift als Erstschrift ist eine vermeintliche Schreiberleichterung, denn sie bereitet nicht auf die Schreibschrift vor, sondern ist vor allem für Jungen oft ganz verhängnisvoll. Freude an der Schreibschrift kann nur aufkommen, wenn das Bewegungselement spürbar wird. In den Schulen bleibt es jedoch häufig bei einer ‚Übersetzung‘ Druckbuchstabe zu Schreibschriftbuchstabe und folglich beim abgehackten Schreiben. Schreibschrift führt dann oft eher zum Handicap als zur Erleichterung. Zum Zeitpunkt des Eintritts in eine höhere Schule weisen viele Schüler eine hoffnungslos verkorkste Schrift auf.“ Schuld an den späteren Schwierigkeiten vieler Schüler sei nicht zuletzt das „selbstverantwortete Erarbeiten der Buchstaben“, so Schulze-Brüning. „Selbstverantwortet“ ist die didaktische Marschrichtung und meiner Einschätzung nach völlig absurd“, bringt die Expertin eine Einstellung auf den Punkt, die sich haargenau mit meinen Erfahrungen des Corona-Lernens deckt. Die Lehrerin aus Deutschland kann der Freiheit, die Kindern heutzutage beim Erwerb ihrer eigenen Schrift eingeräumt wird, wenig abgewinnen. Für sie ist klar: „Die Handschrift ist wie vieles andere eine Kulturtechnik, die nur durch angeleitetes Üben erlernt werden kann. In der modernen selbstbestimmten Erleichterungspädagogik verirren sich viele Kinder beim ‚Basteln‘.“ Selbst gebastelte Schrift Das „Basteln“ hat bei uns vorerst ein Ende. In den kommenden Wochen bin ich nicht mehr die „Aufsichtsperson“ neben meinem Sohn, sondern die Schreibschrifttrainerin. Zurück an den Start, lautet unser Motto. Anstatt schwer leserlicher Druck- und

Die Schulschrift von 1995: nur eine von vielen Möglichkeiten, wie Tafelklassler die Schreibschrift erlernen können.

Schreibschriftbuchstaben-Mischungen übt mein Sohn nun täglich einen oder mehrere Schreibschriftbuchstaben in der Variante der Schulschrift von 1995. Auch das mehrfach eng linierte Papier, auf dem Ober- und Unterlängen deutlich ersichtlich sind, kommt wieder zum Einsatz. Statt 10 Sätzen pro Tag sind es oft nur drei, manchmal auch nur einzelne Worte. Das Training ist bei meinem Sohn nicht sehr beliebt – aber welches Kind liebt schon das tägliche Üben eines Instruments? Am Ende kann dennoch nur der extemporieren, der sich die Grundlagen mühsam erarbeitet hat. Was bald auf dem Papier vor meinem Sohn steht, sind keine unerkennbaren Schriftzeichen mehr, sondern eine (noch immer nicht ganz ordentliche, aber doch entzifferbare) VolksschülerSchreibschrift. Aus den stockenden Bewegungen wird zunehmend ein Fluss, ein „Wegstarten in Bewegungsrichtung“. Mein Sohn hat verstanden, dass der Bewegungsfluss von Druck- und Schreibschrift nicht derselbe ist. Der beste Freund meines Sohnes hat übrigens auch geübt in Corona-Zeiten – viele Sätze pro Tag, ohne Aufsicht, individuell geschrieben, wie er es sich selbst erarbeiten konnte. Kein Mensch kann lesen, was er schreibt. h er bst 2020 |

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Rassismus geht uns alle an (Alltags-)Rassismus und struktureller Rassismus sind traurige Realität. Seit George Floyd als Opfer von Polizeigewalt gestorben ist, gibt es eine Bewegung, die sich lautstark gegen Diskriminierung aufgrund von Herkunft und Hautfarbe einsetzt. Wie gehen österreichische Eltern mit sichtbarem Migrationshintergrund hierzulande mit dem Thema Rassismus um? Und (wie) bereiten sie ihre Kinder auf etwaige Übergriffe vor? von inez ardelt

„Ich bin schwarz, und das darf auch bemerkt werden.“ Mireille Ngosso (40): Die Wiener Ärztin und SPÖ-Politikerin mit Wurzeln im Kongo kam mit drei Jahren nach Österreich. In ihrer Kindheit und Jugend hat sie viele Erfahrungen mit Rassismus gemacht und ging deshalb auch von der Schule ab. Heute

Denn diese gibt es seit sehr langer Zeit. Beginnend mit Angelo Soliman im 18. Jahrhundert. Österreich hatte zwar keine Kolonien, aber in Adelskreisen war es sehr populär, einen „Mohren“ zu haben. Dann gibt es natürlich die erste Generation schwarzer Menschen nach dem II. Weltkrieg, wo Frauen von US-Soldaten Kinder bekommen haben. Es sind auch schwarze Menschen im Holocaust ermordet worden, und es waren welche in Mauthausen inhaftiert. Das sind wichtige Punkte, die man erzählen muss, um die Gesellschaft zu sensibilisieren. Es gibt in Österreich eine viel ältere schwarze Geschichte, als man denkt.

tritt sie lautstark gegen Rassismus auf und hat die #blacklivesmatter-Demonstration in Wien mitorganisiert, um eine andere Welt zu ermöglichen – auch für ihren kleinen Sohn. Sie haben die #blacklivesmatter-Demonstration in Wien mitorganisiert. Was ist davon geblieben? Mireille Ngosso: Wir sind dabei, Podiumsdiskussionen und einen Black History Month zu organisieren, wo wir verstärkt über die Geschichte der schwarzen Menschen in Österreich berichten.

Nun muss man gar kein/-e Rassist/-in sein, um rassistisch zu handeln, denken oder reden. Alltagsrassismen passieren häufig auch Menschen, die das „nicht so meinen“. Wenn es passiert und man darauf aufmerksam gemacht wird, ist es wichtig, dass man anfängt zu reflektieren. Das mache ich auch! Ich denke nicht, dass Leute, denen Alltagsrassismus „rausrutscht“, das böse meinen. Allerdings werden dadurch so viele Dinge weitergegeben, ohne darüber nachzudenken, was man da eigentlich sagt oder macht. Etwa, wenn ein schwarzes Kind im Turnunterricht den schwarzen Mann spielen muss, weil es eben eine dunkle Hautfarbe hat. Das ist mir in der Volksschu-

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Boris Becker ist wütend! So wütend, dass er mit vielen anderen wütenden Menschen in London auf die Straße geht und dafür in Kauf nimmt, von manchen seiner Fans beschimpft zu werden. Aber das ist ihm egal. Er nahm in London an einer Demonstration gegen Rassismus teil. Dieses Thema betreffe ihn persönlich sehr stark, erklärte er in einem Interview. „Meine vier Kinder sind alle mixed race.“ Wenn er rassistische Sprüche höre, werde er selbst laut und fordere, dass man eingreift. Es sei „höchste Zeit, dem Alltagsrassismus ein Ende zu bereiten“. Immerhin lebe der Mensch nicht mehr auf dem Baum und habe sich längst vom Affen weiterentwickelt – „Wir sollten unseresgleichen auch mit dem gleichen Respekt begegnen.“ Beckers Wut wie auch seine Forderungen sind mehr als nur verständlich. Denn Rassismus hat eine lange Geschichte und ist tief im System verankert. Wenn nicht alle mitmachen, wird sich langfristig nichts ändern. Es reicht nicht, dass People of Color auf die Straße gehen und für ihre Rechte und gegen Diskriminierung demonstrieren. Wir alle müssen aufstehen, laut sein und Missstände zum Thema machen. Rassismus ansprechen, wo er vorkommt – auch wenn wir dazu die Komfortzone verlassen müssen.

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Leben und wir le passiert, und alle Mitschüler/-innen haben sich vor mir gefürchtet. Beim strukturellen Rassismus darf man auch nicht vergessen, dass dieser von der weißen Mehrheitsgesellschaft erzeugt worden ist. Man muss sich einfach immer bewusst sein, wie privilegiert man mit weißer Hautfarbe ist. Der andere Teil der Menschen ist das eben nicht. Mir sagen manche Weiße, dass ihnen auch Rassismus passiert. Aber nein! Ich bin davon überzeugt, dass eine weiße Person nicht den Job nicht bekommt wegen der Hautfarbe. Oder in der Schule nicht weiterkommt wegen der Hautfarbe. Was kann die #blacklivesmatter-Bewegung tun? Bei der #blacklivesmatter-Bewegung ist es wichtig, dass wir das gemeinsam als Gesellschaft machen und nicht nur schwarze Menschen unter sich. Wir leben in einer Gesellschaft, in der die meisten Menschen weiß sind, aber wir müssen diese Bewegung gemeinsam tragen! Es ist wichtig, dass die weiße Mehrheitsgesellschaft weiß, dass es Menschen und Gruppen gibt, die hier leben und unter Diskriminierung leiden. Den strukturellen Rassismus, der hier vorherrscht, müssen wir gemeinsam verändern. Der Blick, den man oft auf schwarze Menschen hat, ist sehr diskriminierend. Es ist ganz wichtig, diesen Blick zu verändern, denn er stimmt nicht. Das fängt damit an, dass man die Geschichte schwarzer Menschen in Österreich nicht erzählt und vom Kontinent Afrika stets dieselben stereotypen Bilder zeigt: arme schwarze Kinder, die hungern, keinen Strom haben und in Strohhütten leben. Es gibt auch ein anderes Bild! Sie selbst haben sichtbaren Migrationshintergrund, sind im Kongo geboren und in Wien aufgewachsen. Können Sie sich erinnern, wann Sie das erste Mal mit Rassismus konfrontiert waren? Wirklich begonnen hat es in der Unterstufe und zwar vorrangig durch die Lehrerinnen und Lehrer. Das hat sich dann wie ein roter Faden durch meine ganze Schulzeit gezogen. Deshalb habe ich auch mit 16 die Schule abgebrochen, weil ich nicht mehr weitergekommen bin. Ich habe einfach gedacht, ich bin dumm und werde es nicht schaffen. Das war das Feedback, das ich größtenteils bekommen habe.

Interview

Wie haben Ihre Eltern reagiert? Die Generation meiner Eltern war anders. Sie waren glücklich, dass sie einen Job hatten und wollten, dass wir schnell Deutsch lernen und hier ankommen. Ich nenne sie immer die Generation der „Stummen“, weil sie sehr darauf bedacht waren, dass wir nicht anecken – wir fallen ja sowieso schon mit der Hautfarbe genug auf. Wenn ich meinen Eltern erzählt habe, dass jemand etwas Rassistisches zu mir gesagt hat, war ihre Reaktion immer gleich: Ja nix sagen, wir schlucken das jetzt und machen weiter. Ich verstehe das auch, weil sie einfach Angst gehabt haben. Sie wollten, dass wir hier ein gutes Leben haben. Aber ich bin jetzt die nächste Generation. Ich bin hier großgeworden, meine Geschwister sind hier geboren. Ich bin Teil dieser Gesellschaft. Ich sehe mich nicht als Ausländerin, ich bin Wienerin. Ich habe hier studiert, meine Ausbildung fertig gemacht. Ich bin Ärztin und arbeite im Krankenhaus. Als Teil dieser Gesellschaft muss ich nicht ruhig sein und muss diese Dinge nicht mehr aushalten. Ich bin hier kein Gast! Jedem anderen gesteht man zu, dass er sich in der Pubertät danebenbenimmt und rebelliert. Limitiert einen das? Voll, das war auch in der Schule so. Natürlich war ich eine Rebellin. Aber es wurde mir nicht zugestanden. Mir wurde zu verstehen gegeben, dass ich hier zu Gast sei und mich auch so zu benehmen hätte. Das ist auch der Tenor in Hassmails, die ich bekomme ... dass ich die „Goschn“ halten soll und wieder in das Land zurückgehen soll, wo ich herkomme. Ich denke mir dann, mein Land ist aber nicht der Kongo. Sicher, da sind meine Wurzeln, aber mein Land ist Österreich. Und ich kann genauso gut etwas kritisieren und sagen, wenn etwas nicht richtig läuft!

Ihr Kind geht in den Kindergarten. Bereiten Sie es auf Rassismus vor? Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich da selbst noch im Wiegel-Wagel bin. Ich versuche jedenfalls, meine eigenen Erfahrungen nicht auf mein Kind zu projizieren. Diese Dinge habe ich für mich bearbeitet, es sind meine Erfahrungen und nicht die meines Sohnes. Es ist wichtig, dass man diesen Kreislauf nicht weitergibt, wenn man einfach so starke Angst davor hat, dass sein Kind mit Rassismus in Berührung kommt. Aber meine Erfahrungen waren meine Erfahrungen, und es sind nicht die meines Sohnes. Bis jetzt war es außerdem noch nie Thema. Trotzdem bin ich natürlich aufmerksam. Sollte mein Sohn mal mit Rassismus konfrontiert werden, würde ich ganz anders reagieren als meine Eltern. Ich würde ihn sicher nicht mit dieser Situation alleine lassen. Sie haben die Sensibilisierung erwähnt. Die beginnt schon bei der Sprache. Deutsch hinkt da hinterher und hat eigentlich keine passenden Begriffe. Am Ende landet man immer bei: schwarz und weiß. Wie sehen Sie das? Ich persönlich finde schwarz und weiß nicht schlimm. Ich habe aber schon Diskussionen mit schwarzen Menschen gehabt, die das ganz schlimm finden. Wir sollten vielleicht einfach zum Begriff Afro-Österreicherin bzw. -Österreicher finden. Wir sind zwar schwarz, aber wir sind Österreicher und Österreicherinnen. Ich finde das am schönsten. Bei den Kindern kommt schwarz und weiß noch gar nicht so richtig vor. Da wird über ganz andere Sachen debattiert. Dann erst später schnappen sie was von Erwachsenen auf. Was wünschen Sie sich von weißen Eltern? Mehr Sensibilität und dass sie ihre Kinder auch dafür sensibilisieren. Ein Beispiel: Ich bin in einem Geschäft, und ein Kind sagt: „Mama, da ist eine Schwarze!“, und die Eltern deuten dem Kind urpanisch, sofort still zu sein. Dabei war das ja nicht mal böse gemeint. Da könnte man einfach sagen, ja stimmt, das ist eine schwarze Person, eine ganz liebe Dame ist das. Ich bin davon überzeugt, dass man viel offener mit Kindern umgehen sollte. In dem Moment, wo man Kindern den Mund verbietet und sie zum Schweigen bringt, vermittelt man ihnen doch, dass da etwas nicht stimmt. h er bst 2020 |

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„Es muss ein anderes gesellschaftliches Bewusstsein her.“ Daniel Khan (43): Der Vater des SoftwareEngineers aus Bad Hall (OÖ) reiste in den 70ern aus Pakistan mit dem VW-Bus nach Österreich. Er selbst fühlt sich als Enkelsohn einer katholischen Mesnerfamilie „urösterreichisch“, musste aber nicht selten erst beweisen, dass er „eh ein Dasiger“ ist. Sein 15-jähriger Sohn wird heute häufig Opfer von Racial-Profiling, das eigentlich verboten ist.

Waren Sie als Kind mit Rassismus konfrontiert? Ich würde nicht sagen, dass ich große Nachteile erlebt hätte. Ich habe mit den Leuten extra in sehr breitem Dialekt gesprochen, um zu signalisieren, ich bin eh ein „Dasiger“. Sonst reden sie durchaus so mit dir: „Du können, du machen ...“ Wenn du so ein kleiner Bub bist, so ein brauner, wird wohl automatisch angenommen, dass du nicht Deutsch kannst. Das ist aber bis heute so. Wenn ich auf ein Amt komme, versuche ich mir im ersten Satz ein Standing zu erarbeiten, so nach dem Motto, ihr könnt eh normal mit mir reden. In meiner Kindheit in Bad Hall habe ich einmal erlebt, dass ein Mann im Vorbeigehen zu mir „Hundsknochen“ oder etwas

Ähnliches gesagt hat. Ich hab dann nachgefragt, was er gesagt hat, und er meinte, schleich dich in die Türkei, wo du her bist. Wie sind Ihre Eltern damit umgegangen? Das habe ich ihnen nicht gesagt. Und auch mein 15-jähriger Sohn erzählt mir so etwas eigentlich nicht. Ihm ist das eher peinlich. Aber dann kamen zwei Anzeigen hereingeflattert, und so musste er darüber sprechen. Bei der einen Anzeige ging es um eine „Abstandsverletzung“ in Sachen Corona mit einer anschließenden Leibesvisitation, wo man eigentlich nicht weiß, warum diese überhaupt durchgeführt wurde. Dann hat er mir erzählt, dass das sehr häufig passiert und er ohne Angabe von Gründen angeschaut wird – obwohl er als Österreicher nicht ausweispflichtig ist. Die Polizistin hat es mir dann so geschildert: Khan ist halt kein typisch österreichischer Name, da muss man sich darauf einstellen, dass da genauer geschaut wird. Mein Sohn ist öfter mit einem Schulfreund unterwegs, der aus Afghanistan kommt. Da sind also zwei so Burschen, auf die die Polizei, aufgrund ihres Aussehens, aufmerksam wird, und dann wird die Identität festgestellt. Mein Sohn hat mir gesagt, dass eine Taschenkontrolle schon fast normal ist, weil er halt in ein Täterschema passt. Ich habe den Fall auch bei Zara gemeldet. Mein Sohn ist kein Engerl oder eine besondere Schneeflocke, aber ich weiß, dass er kein Drogenkrimineller ist. Er ist ein ganz normaler 15-Jähriger! Der raucht einmal eine und rennt mit Freunden in der Stadt herum, so wie andere auch. Er ist derzeit mehr mit Ausländern unterwegs, aber das ist auch normal, wenn du gesellschaftlich segregiert wirst. Dann fühlt man sich halt eher denen zugehörig, denen das auch passiert. Haben Sie Ihre Kinder darauf vorbereitet, dass Sie mit Rassismus konfrontiert werden könnten? Eigentlich nicht, weil das für uns nicht so präsent war. Die Familie meiner Mutter war die Mesnerfamilie im Ort. Ich war Ministrant in meiner Kindheit. Wir sind eigentlich so urösterreichisch, dass nur das Aussehen bleibt. Gibt es etwas, das Sie sich wünschen würden? Man sollte sich auf politischer Ebene um eine vernünftige Integration kümmern. Die geflüchteten Menschen sind nur geduldet, und man macht nichts mit ihnen. Man weiß ja nicht, ob so ein Youngster im Volksgarten mit einer Chance nicht das Zeug zum Nobelpreisträger hätte. Das ist verschenktes Potenzial! Man muss die Grundannahme los-

werden, dass diese Leute alle dumm sind. Es muss ein anderes gesellschaftliches Bewusstsein her. Wenn ich hierher komme, mit „Daham statt Islam“ aufwachse und mir ständig aufs Aug gedrückt wird, wie anders ich bin und dass ich hier nicht hingehöre, werde ich mich als Jugendlicher wahrscheinlich von dieser Gesellschaft abwenden. Wenn ich früher mit meinen drei dunklen Kindern und selbst nicht rasiert im Einkaufszentrum war, haben uns die Leute auch abwertend angesehen und sich vermutlich gedacht: Und drei Kinder hat er auch noch! Man darf nicht vom Äußeren auf etwas schließen – aber leider passiert das halt ständig. „Als dunkle Frau mit Kindern bist du noch mehr Feindbild.“ Meral Güzel (37): Die Linzer Logopädin, deren Großeltern aus der Türkei nach Österreich gekommen sind, lässt sich nicht mehr beschimpfen. Wenn sie Rassismus erlebt – ob am eigenen Leib oder als Augenzeugin – steht sie dagegen auf. Seit sie eigene Kinder hat, bemerkt sie öfter taxierende, negative Blicke. Sie hofft, dass ihre Kinder diese Erfahrungen nicht machen werden.

© Dynatrace / Ines Thomsen (1), Privat (1)

Oft fehlen den Erwachsenen die Worte. Sie wollen nicht, dass jemand anderer sich angegriffen oder verletzt fühlt. Aber das Kind wird es sonst nicht lernen ... Man kann es ihnen ja erklären: Es gibt solche und solche Menschen. Falsch ist, wenn man dem Kind das Gefühl gibt, etwas Schlechtes gesagt zu haben und es dann, wenn es wieder einen schwarzen Menschen sieht, ein komisches Gefühl kriegt. Deshalb gehe ich dann oft hin und rede mit dem Kind. Sage: „Hallo, ich bin die Mireille.“ Die Eltern lächeln dann dankbar, weil ich diese unangenehme Situation aufgelöst habe. Ich bin schwarz, das passt so, und das darf man auch bemerken.

Sind Sie als Kind mit Rassismus konfrontiert gewesen? Mein jüngerer Bruder hat das öfter abgekriegt als ich. Er war sehr faul, und in der 4. Klasse Hauptschule war er besonders schlecht. Meine Mutter war aber immer sehr dahinter, dass was aus uns wird und wir eine gute Ausbildung machen. Sie ist also zum Direktor gegangen wegen meines Bruders. Der Mathelehrer war auch dabei, und meine Mama hat gebeten, ob er noch eine Prüfung machen kann, weil es doch sein letztes Jahr ist. Daraufhin haben sie gesagt: „Wir sind ja nicht auf dem türkischen Basar!“ Ich bin damals so wütend geworden. Meine Mama wollte keine Probleme, sie wollte sich nicht

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Leben und wir aufregen, damit die Lehrer es dann nicht an meinem Bruder auslassen. In der Kindheit habe ich es auch gespürt. Vor allem in der Volksschule, da war ich ein Unikat. Sei es in der Klasse oder beim Turnunterricht, wo man in Gruppen gewählt wurde und ich übrig blieb, obwohl ich eine gute Ballspielerin war. Das war schon traumatisch. Nur die Lehrerin war sehr lieb, die hat mir immer Stärke gegeben. War das auch in der weiteren Schulzeit so? In der Schule hat mich eine Freundin im Englischunterricht immer um Hilfe gebeten, und ich hab ihr geholfen. Eine Strafaufgabe dafür habe natürlich nur ich bekommen. „Meral, du Waschweib“, hat es dann geheißen. Die Freundin wurde nie getadelt, sie war ja auch blond. Meine Lehrerin hat immer zu mir gesagt, dass aus mir nichts wird. Ich glaube, viele wollen gar nicht, dass aus uns etwas wird. Das merkt man auch ganz oft, wenn sie über die ausländischen Kinder sagen, sie sollen nicht ins Gymnasium, weil das viel zu schwer ist.

mus – dass jemand etwa sagt: „Du sprichst aber gut Deutsch!“ Für mich ist das normal – das ist das Arge. Für mich ist es auch normal, dass ich so rede, wie ich rede. Aber natürlich passen meine dunklen Locken, meine dunklen Augen und Augenbrauen mit dem Dialekt nicht zusammen. Wenn die Leute dann auch noch hören, dass ich Logopädin bin, dann ist es ganz aus. Die ist Türkin und hat eine Ausbildung machen dürfen? Die Leute leben in einer begrenzten Welt. Ich sehe mich als Austro-Türkin. Ich bin nicht 100 % türkisch und nicht 100 % österreichisch. Das werde ich nie sein, weil die anderen mich nicht so sehen, obwohl das meine Heimat ist. Seitdem ich Kinder habe, ist es noch schlimmer. Als dunkle Frau mit Kindern bist du noch mehr Feindbild. Unlängst war ich mit meiner Tochter einkaufen, und ein älteres Ehepaar ging an mir vorbei. „Scheiß Ausländer!“, sagte der Mann. Das machen die Leute nur, weil sie glauben, ich verstehe sie nicht! Als ich ihn darauf angesprochen habe, schaute er perplex und meinte, dass ich mir das bloß einbilde.

Welche Erfahrungen machen Sie heute? Was mir oft passiert, ist der positive Rassis-

Bereiten Sie Ihre Kinder darauf vor, dass es rassistische Menschen gibt?

Eigentlich nicht. Weil ich hoffe, dass meine Kinder nicht so aufwachsen müssen. Meine Töchter haben definitionsmäßig ja auch gar keinen Migrationshintergrund mehr, weil ihre Eltern beide in Österreich geboren sind. Ich finde schon, dass sich die Zeiten geändert haben. Im Kindergarten sind derzeit anteilsmäßig mehr Kinder mit Migrationshintergrund als Österreicher. Und in der Schule steht und fällt dann sowieso alles mit der Lehrerin. Wir machen unseren Kindern immer klar: Wir mögen alle Menschen, und wir spielen mit allen. Die Große weiß schon, dass ihre Wurzeln in der Türkei sind, aber sie spürt das nicht. Bei mir war das ähnlich. Ich habe mich nie der Türkei zugehörig gefühlt. Wenn wir nach dem Türkei-Urlaub wieder heimgekommen sind, habe ich mich so gefreut, zu Hause zu sein. Das war Heimkommen. Aber Leute, die einen als Ausländer beschimpfen, vertun einem das. Da wird man automatisch immer mehr türkisch. Und geht immer mehr zurück zu seinen Wurzeln, weil man sich fragt, was ist denn eigentlich falsch daran? Das ist total schade, denn man selbst fühlt sich ja hier zu Hause und wohl in Österreich.

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Leben und wir

Ready for Red? Die erste Menstruation ist ein ganz besonderer Moment im Leben einer jungen Frau. Wie wir dabei unsere Töchter unterstützen können, die Blutung als etwas Wunderbares zu betrachten und wie wir uns selbst besser kennenlernen, wenn wir im Rhythmus des weiblichen Zyklus leben. von heidrun henke Sie kann nerven, sie kann stolz machen, Schmerzen bereiten oder launisch stimmen. Doch die Regel bleibt uns Frauen nicht erspart. Irgendwann ist sie da, die erste Periode. Heutzutage kommt sie sogar schon etwas früher, durchschnittlich im Alter von 12,5 Jahren, was laut Frauenärzt(inn)en mit der besseren und gesünderen Ernährung zu tun hat. Einige Mädchen sehnen sich die Regel schon lange herbei – vor allem, wenn die Freundinnen darüber tuscheln, für manche kommt sie viel zu plötzlich und ohne Vorwarnung. Doch hier geht es nicht um irgendeine Bluterei, die vorbeigeht, es ist regelmäßig dasselbe Mysterium und Mirakel: wozu unser weiblicher Körper eigentlich fähig ist. Damit können wir neues Leben erschaffen! So gesehen ist das doch ein Grund zum Jubeln, wenn unsere Töchter erstmals bluten. Periode, kein Problem Das Thema ist intim, peinlich, schambehaftet und oft einfacher mit Freundinnen zu bequatschen. Dennoch sind wir als Mütter die primäre Anlaufstelle, wenn das Blut zum ersten Mal rinnt – und: Wir haben auch eine wichtige Vorbildwirkung. Denn die erste Konnotation mit der Regel erleben die Töchter durch ihre eigene Mutter. Und wenn diese positiv besetzt ist, wird auch das ganze Thema Menstruation von Anfang an positiv bewertet. Das Ziel ist, dass wir lernen, möglichst locker, natürlich und selbstverständlich mit unserer Periode umzugehen, ohne dass es uns gleich die Schamesröte ins Gesicht treibt, wenn uns mal vor dem Matheprofessor ein Tampon aus der Tasche rollt. Frauenärztin Dr. Frühwirth-Pinnisch empfiehlt die erste Untersuchung erst mit 15, 16 Jahren, sofern es keine Probleme gibt. „Die Periode zu bekommen, ist etwas ganz Natürliches und kein Grund, eine Ärztin aufzusuchen. Zu frühe Untersuchungen können im Gegenteil sogar bei manchen Mädchen traumatisierend sein.“ Als sehr wichtig hingegen empfindet sie die HPVImpfung für zehn-, elfjährige Mädchen, die heutzutage auch manchmal im Rahmen der Schule angeboten wird.

Weg mit den Tabus „Babushka, gehen wir heute in die Kirche?“ – „Nein, Solnishko, du bist doch unrein!“ Aussagen wie diese waren früher tief in der Gesellschaft verankert und werden in dem Buch „Rot ist doch schön“ mit viel Witz und Ironie behandelt, sowie viele weitere Klischees, Tabus und Ungereimtheiten zu diesem Thema. Gott sei Dank sind jene Einstellungen wie die der russischen Oma längst überholt. Trotzdem – die Periode scheint noch immer ein gesellschaftliches Tabu zu sein. „Und genau daran müssen wir arbeiten: unseren Töchtern einen bewussten und natürlichen Umgang mit ihrer Regel beizubringen“, meint Zyklusexpertin Anna Nussbaumer, die sich seit Jahren dem Thema widmet und in Form von Workshops und Coachings Aufklärungsarbeit leistet, entweder im Live-Gruppensetting oder auch online, was den jüngeren Mädchen sowohl vom Format als auch von der Anonymität her eher entspricht. Wir treffen die Zyklusexpertin zu einem Interviewtermin, den sie nicht nach ihrem Kalender vereinbart, sondern mit ihrem Zyklus abstimmt. Zur Begrüßung bei ihr zu Hause gibt’s natürlich einen Frauentee mit Schafgarbenkraut, Rotklee und Frauenmantel. „Auch die Senkung der Luxussteuer auf Damenhygieneprodukte hat viel zur gesellschaftlichen Akzeptanz beigetragen. Begonnen hat Frankreich, dann Deutschland und 2020 ist auch

Österreich an der Reihe, die „pink tax“ – so wird die Steuer auf Monatshygiene genannt – zu reduzieren“, verrät uns Anna. Außerdem würde sie gern die Schulen mehr in die Verantwortung nehmen, was Menstruation betrifft und sie noch stärker im Biologieunterricht verankern: „Wenn wir das Ganze rein sachlich und biologisch runterbrechen, schaffen wir es vielleicht, die gesellschaftlichen Tabus zu brechen. Allein die Sache mit den Hormonen ist wahnsinnig faszinierend. Alle bislang erforschten Hormone wurden sowohl bei Frauen als auch bei Männern nachgewiesen, nur in anderer Dosis.“ Anna Nussbaumer ist es auch ein besonderes Anliegen, dass Mädchen sich

Online & App Ready for Red Die digitale Lernplattform wurde von der erdbeerwoche, dem ersten auf Mens truation spezialisierten Social Business aus Wien , in Kooperation mit über 500 Jugendlich en, (Sexual-)Pädagog(inn)en, Frauenärzt(in n)en und weiteren Expert(inn)en entw ickelt. Sie vermittelt allen von 10 bis 16 Jahre n wichtige Fakten zum Thema Menstruation, Zyklus und Monatshygiene. Ziel: das Tabu der Menstruation brechen und einen selbstbestimmten, freien Umgang dam it ermöglichen. www.ready-for-red.at Zyklus-App „Clue“ Der Perioden-Kalender am Handy hält alles übersichtlich fest: den ersten Tag der Blutung, durchschnittliche Zyklusda uer, prämenstruelle Symptome, Stärke der Blutung ... Mittels Remindern kann man sich an Menstruationsbeginn, Einnahme von Verhütungsmittel u.v.m. erinnern lasse n. Kostenlos für iOs und Android.

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Leben und wir

nicht nur möglichst früh mit ihrem Zyklus auseinandersetzen, sondern auch anfreunden. „Denn wir Frauen sollten lernen, mit ihm zu leben, die Wellen zu reiten, statt dagegen anzukämpfen. Damit kann man nicht früh genug beginnen.“ Deshalb empfiehlt sie jungen Mädchen, auch immer ein Zyklustagebuch zu führen, in dem sie ihre Gedanken und Gemütszustände aufschreiben, um mit der Zeit ihr eigenes, individuelles Muster zu erkennen. Der weibliche Zyklus ist genau genommen nicht nur in „vor und nach dem Eisprung“ unterteilt, sondern es gibt vier Phasen: die schwarze, weiße, rote und violette. „In welcher Zyklusphase befindest du dich derzeit?“, ist Annas Eingangsfrage. Wer die Antwort weiß, hat schon viel über sich herausgefunden und kann dadurch mit den Herausforderungen der jeweiligen Phase besser umgehen – oder eben auch Chancen und Potenziale darin entdecken.

Klare Sache Das Thema Menstruation wird nicht zuletzt dank erfrischend neuer und frecher Literatur, die seit Kurzem am Büchermarkt kursiert, gesellschaftsfähig. Die Periode wird hier auf eine coole und witzige Art präsentiert und holt die Girls genau dort ab, wo sie sich gerade mit all ihrer Neugier und Unsicherheit befinden. Es sind vorwiegend junge Autorinnen, die eine Botschaft haben und sowohl von der Sprache als auch von der Aufmachung und Grafik her sehr nah an der Zielgruppe dran sind. Ganz im Gegensatz zu all den verstaubten Aufklärungsbüchern unserer Generation, die schulmeisterlich und uncharmant daherkommen. Wenn unsere Mädchen zur Frau werden, dann gibt es keinen Grund, „rotzusehen“. Mit Verständnis, guten Gesprächen, gemeinsamen Ritualen und coolen

Erste Hilfe bei der ersten Menstruation Wie wir unseren Töchtern konkret helfen können. • Den Zeitpunkt früh genug erkennen! Die erste Blutung kommt mit Vorboten daher. Krämpfe, Pickel oder spürbar erhöhte Emotionalität, Veränderungen des Körpers, zum Beispiel, wenn sich die Hüften und Brüste weiblicher formen, Härchen unter den Achseln und im Schambereich zu sprießen beginnen. • Dann ist die Zeit gekommen für Aufklärung und offene Gespräche. Mach deiner Tochter Mut und beruhige sie, indem du sie mit allen Infos zu dem Thema versorgst, die sie braucht. Das gibt Sicherheit und nimmt die Angst.

FAKTEN & ZAHLEN • Eine Frau menstruiert rund 500 Mal und verbringt damit 3000 Tage ihres Lebens. • Sie verbraucht im Schnitt zwischen 10.000 und 17.000 Binden bzw. Tampons. • Jährlich werden rund 45 Milliarden Tampons bzw. Binden weltweit verbraucht. Der Großteil davon landet im Müll, wo er aufgrund der Plastikbestandteile über 500 Jahre braucht, um zu verrotten. • Frauen ohne Zugang zu Monatshygiene verlieren pro Jahr rund 50 Tage in der Schule oder Arbeit und haben damit bis zu 5 Jahre weniger Schulbildung. Quelle: erdbeerwoche.com

• Erkläre ihr die gesamte Palette an Hygiene-Artikeln, deren Unterschiede und Verwendung und geht zusammen einkaufen. Gemeinsame Shoppingzeit! • Und falls es gewünscht ist (bitte keine Überraschungspartys!), gerne auch im familiären Rahmen das Wunder Menstruation feiern.

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© Freepik (2), Illustrationen: Freepik

• Erfahrungen teilen. Auch das schafft Vertrauen. Schön ist es, wenn du von deiner eigenen, ersten Periode erzählst. Das zeigt der Tochter, dass sie mit ihren Gefühlen und Ängsten nicht alleine ist.

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Leben und wir

Die vier Zyklusphasen Laut Zyklusexpertin Anna Nussbaumer lässt sich der Zyklus in vier Phasen einteilen:

BUCHTIPPS Lucia Zamolo: Rot ist doch schön; Bohem Press, € 15,40 Hübsch illustrierte Mischung aus Tagebuch, ärztlich geprüftem Fachwissen und Ankedoten – aber vor allem voller Humor. Räumt mit Vorurteilen auf und macht Mut, offen und ungeniert mit der Periode umzugehen. Luisa Stömer & Eva Wünsch: Ebbe & Blut. Alles über die Gezeiten des weiblichen Zyklus; Gräfe und Unzer, € 24,70 Wunderschöne Studie über die Faszination des weiblichen Körpers. Außerdem: natürliche Helfer bei Regelschmerzen, Nahrungsmittel, die den Uterus glücklich machen, Bloody Details über die Menstruation im Weltall u.v.m. Nina Brochmann & Ellen Støkken Dahl: Schamlos schön; Dressler, € 17,50 Was passiert eigentlich, wenn ein Mädchen zur Frau wird? Wozu gibt es die Menstruation? Was sind Hormone? Die beiden norwegischen Ärztinnen geben Antworten – unverblümt, einfühlsam und humorvoll. Nicole Schäufler: In der Regel wunderbar; Edition Riedenburg, € 14,90 Treuer Begleiter auf dem Weg vom Mädchen zur Frau. Im Menstruationskalender ist Platz für Gedanken, Gefühle und Erfahrungen rund um die ersten Monatsblutungen.

Die weiße Phase? Sie gilt als die produktivste Zeit, vergleichbar mit dem Frühling, wo in den Trieben und Knospen die geballte Ladung Energie steckt. Die Frau erwacht aus ihrem Winterschlaf und verlässt ihr Schneckenhaus. Ihre Kraft kehrt wieder, sie wird aktiver, gewinnt an Zuversicht und möchte all die Dinge auf einmal anpacken, die während der Tage liegengeblieben sind. Dies ist der ideale Zeitpunkt, sich für neue Kurse anzumelden, die Urlaubsplanung voranzutreiben und die Wohnung umzustellen. Der Kopf ist visionär, der Körper tatkräftig und unsere Kommunikation läuft auf Hochtouren.

Die rote Phase Die Frau ist in ihrer vollen Kraft und Blütezeit und strahlt! Die Zeit rund um den Eisprung. Hier haben wir Frauen ein unglaubliches Körpergefühl und eine sexy Ausstrahlung, die Pheromone sind nicht zu übersehen. Frau fühlt sich sinnlich und selbstbewusst, denn die Urkraft der Liebe und Selbstliebe kommt hier zum Tragen und man kann aus dem Vollen Schöpfen. Ein perfekter Zeitpunkt für Gehaltsverhandlungen, Fototermine und Dates. Die violette Phase Hier wird man manchmal zum prämenstruellen Monster. Für die meisten Frauen ist das die herausforderndste Phase. Innere Unausgeglichenheit, emotionales Chaos, man stellt sich und seine Beziehungen in Zweifel und geht in Rebellion. Von hypersensibel, anlehnungsbedürftig über gereizt, aggressiv und depressiv, hier ist alles drin oder wie Anna treffend sagt: „Es ist wie beim April-Wetterbericht, heute sonnig bis Hagel.“ Jetzt ist es wichtig ein Ventil zu haben für die starken, hochkommenden Gefühle, wie beispielsweise Kreativität oder Spiritualität. So lässt sich auch das wunderbare Potenzial dieser schwierigen Phase entdecken. In dieser Zeit ist die Frau wie eine Kriegerin, die den Mut hat, Themen aus der Tiefe hervorzuholen und sich anzuschauen. Sie gilt als die kraftvollste Phase, denn sie ist von Offenheit und purer Handlungsenergie gelenkt.

Anna Nussbaumer bietet Zyklusworkshops (Fem. power Online Kurs oder Fem.power Live Workshop), Frauenmentoring, 1:1-Coachings für Männer, Frauen und Mädchen an. Aktuelle Termine, Workshops und Retreats auf: www.apur.at

© Marie Bleyer (1), Verlage (4), Freepik (1), Illustration: Freepik

Aufklärungsbüchern kann man viel Nähe und Vertrauen schaffen, was in Zeiten der Pubertät und Ablösung wichtiger ist denn je. Und vielleicht wird für unsere nächsten Generationen die Menstruation sogar zu einer ganz normalen Angelegenheit, über die man ohne falsche Scham spricht und die für alle Anlass zum Feiern ist.

Die schwarze Phase Der Zyklus beginnt mit dem ersten Tag der Blutung, die schwarze Phase beginnt. Sie steht für Tod und Neubeginn und passt so gar nicht in unseren getakteten Alltag mit all seinen Todo-Listen. Jetzt ist es an der Zeit, mal stehen zu bleiben und inne zu halten. Wer hier zur Ruhe kommt, legt die Basis für die nächste Phase. Das Element Erde ist dieser Zeit zugeordnet und genau darum geht es: ums Erden, ums Neu-Ausrichten, Reinigen, Heilen und Loslassen. Wie das Blut, das wir jeden Monat loslassen. Wenn wir hier gelassener werden und nicht mit dem Kopf durch die Wand rennen, kommen wir besser durch unsere Tage. Die beste Zeit, sich was Gutes zu tun: einigeln, kuscheln, meditieren, Yoga machen, ...

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Wie sag ich’s meinem Kind:

© Privat, Illustration: Julia Marschat

Interview

Depression Schwierige Themen – kinderleicht gemacht. Oder so leicht wie möglich. Diesmal in der Tipi-Serie: Depression – eine weit verbreitete, oft übersehene Erkrankung. Wie man das Kindern am besten erklärt, weiß Psychologin Jasmin Mandler. von markus höller Wie und ab welchem Alter kann man einem Kind den Unterschied zwischen Traurigkeit und Depression erklären? Jasmin Mandler: Mit etwa vier Jahren können Kinder in der Regel die Grundemotionen – Freude, Trauer, Ekel und Wut – bei sich und anderen verlässlich erkennen und benennen. Sie verstehen auch schon, ob etwas „mehr“ oder „weniger“ ist. Trotzdem können sie mit allzu abstrakten Begriffen noch wenig anfangen, weswegen es Sinn macht, bei jüngeren Kindern auf Fachwörter und Diagnosebegriffe wie „Depression“ zu verzichten, sondern stattdessen einen bildhaften Vergleich zu finden, der Bezug auf die kindliche Welt nimmt. So könnte man etwa erklären, dass manche Menschen etwas traurig sind (meist aus einem bestimmten Grund und dies meist auch nicht zu lange andauert) und manche Menschen besonders stark traurig sind. Das kann sich dann anfühlen, als trage man den ganzen Tag einen schweren Rucksack vollbepackt mit Steinen mit sich herum und könne ihn nicht abstellen. Man kann sich nicht aussuchen, wann diese starke Traurigkeit kommt und wie lange sie bleibt. Manchmal wird die Trauer auch so stark, dass man für Dinge, die man sonst gut schaff t, sehr viel Kraft braucht. Auch ist es wichtig zu betonen, dass niemand selbst Schuld daran hat, an Depressionen zu erkranken. Soll man Kinder mit depressiven Menschen alleine lassen? Prinzipiell ist es Kindern zumutbar, Kontakt zu Menschen mit psychischen Erkrankungen zu haben. Dies hilft, die Erkrankung zu normalisieren. Wichtig ist allerdings zu beachten, dass Kinder

darüber Bescheid wissen, dass sich ihr Gegenüber womöglich anders als die meisten Menschen, die es kennt, verhält (z.B. besonders müde ist, wenig Energie hat, rasch an seine Belastungsgrenzen kommt etc.). Zudem sollte klar abgesprochen sein, unter welchen Rahmenbedingungen das Kind Kontakt mit der Person hat und was getan werden kann, wenn sich der depressive Mensch nicht mehr in der Lage fühlt, sich mit dem Kind zu beschäftigen. Da Kinder sich häufig dafür verantwortlich fühlen, den betroffenen Menschen aufzuheitern und ihm helfen wollen, ist ausreichend „Ausgleichszeit“, in der das Kind einfach nur Kind sein darf, besonders wichtig. Wie soll ein depressiver Elternteil mit den Kindern umgehen?

Mag.a Jasmin Mandler ist klinische und Gesundheitspsychologin für Kinder, Jugendliche und ihre Eltern. PÄPSY, Gumpendorfer Str. 139/Top 1.04, 1060 Wien, www.paepsy.at

Zunächst sollte das Kind darüber informiert werden, dass ein Elternteil an einer Depression erkrankt ist. Das Kind aus Sorge, es damit zu belasten, nicht über die Diagnose aufzuklären, bedeutet, es mit seinen Eindrücken, Gedanken und womöglich Sorgen, was denn mit Mama oder Papa los ist, alleine zu lassen. Es erlebt, dass es mit seinen Versuchen, den Elternteil aufzuheitern, wenig erfolgreich ist, was großen emotionalen Stress auslösen kann. Der betroffene Elternteil sollte – in kindgerechter Sprache – erklären, wie sich die Depression für sie/ihn anfühlt, damit das Kind einen besseren Eindruck davon hat und auch im täglichen Zusammenleben besser erkennen kann, wie es dem Elternteil geht. Die Depression kann da auch wie ein „ungebetener Gast“ angesprochen werden, in dem Sinne, dass man es sich nicht ausgesucht hat, dass sie gerade da ist, aber man jetzt damit umgehen wird. Dem Kind sollte vermittelt werden, dass der Elternteil in dieser Zeit bestimmte Dinge nicht so ausüben kann wie in Zeiten, wenn die Depression nicht da ist, und in besonderer Form auf sich achtgeben muss (mehr Ruhezeiten, achtsames Umgehen mit Ressourcen, Medikamente einnehmen etc.). Ist es sinnvoll, Kinder in eine Therapie einzubinden? Es kann sinnvoll sein, Kinder in eine Therapie miteinzubeziehen, wobei der Fokus dabei klar beim „Nutzen“ für das Kind liegen sollte. Auf keinen Fall sollten Kinder zur „Stabilisation“ von Elternteilen herangezogen werden, da dies eine große Belastung und Überforderung für das Kind ist. h er bst 2020 |

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Mama & Baby

Kinderwunsch – Wunschkinder – Kinder nach Wunsch? Der Wunsch nach eigenen Kindern ist eine der intimsten Angelegenheiten im Leben von Erwachsenen. Und dennoch ist kaum eine private Angelegenheit mehr in den gesellschaftlichen und kulturellen Kontext eingebunden als diese. Ein neues Buch betrachtet den Kinderwunsch von rechtlicher und philosophischer Seite. von eva maria wagner

Neue Fragen durch medizinischen Fortschritt Diese immer größer werdenden Freiheiten und die neuen Möglichkeiten der Fortpflanzungsmedizin fordern heute zur persönlichen Auseinandersetzung mit einigen Fragen auf. Wollen wir Mutter oder Vater werden? Wenn nein, wie wollen wir eine Schwangerschaft verhindern? Wenn ja, wann? Und was, wenn es auf natürlichem Weg nicht klappt? Welche Möglichkeiten wollen und können wir nutzen und wie weit wollen wir dafür gehen? Eigentlich intime Fragen, die allerdings, geradezu zwingend, neue gesellschaft-

eine gespendete Eizelle in Anspruch zu nehmen, um den Kinderwunsch in einer späten Phase des Lebens zu realisieren?“, stellt Autorin Andrea Büchler im Interview zur Diskussion.

liche Diskurse aufwerfen. So formulieren Barbara Bleisch und Andrea Büchler, dass etwa die Möglichkeit der In-vitro-Fertilisation eine große ethische, rechtliche und rechtsphilosophische Dimension hat. Nicht die Möglichkeit selbst wird in der Diskussion infrage gestellt, sondern die theoretischen weiteren Möglichkeiten, die sich dadurch eröffnet haben. Eizellenspende, Leihmutterschaft, das Konservieren von Embryos und nicht zuletzt der Einbezug genetischer Diagnosen in die Reproduktionsmedizin. Werden wir uns in Zukunft Kinder „aussuchen“ können? Wird es einen Trend zu noch mehr Planbarkeit geben, einen Trend hin zu einem „bestimmten“ Kind? Und welche moralischen und ethischen Grenzen müssen trotz all dem Fortschritt gewahrt werden? Es sind heikle Themen, die die Autorinnen aufgreifen. Dabei werten sie keinesfalls, sondern geben verschiedenen Ansichten Raum und stellen sie zur Diskussion. Grundthema ist dabei immer die sogenannte „reproduktive Autonomie“. „Es besteht ein weitgehender Konsens, dass es zur geschützten persönlichen Freiheit gehört, einen Kinderwunsch zu verwirklichen. Doch wie weit reicht unsere reproduktive Autonomie? Umfasst sie auch die Möglichkeit, Embryonen zu untersuchen und zu selektionieren, um sicherzustellen, dass potenzielle Kinder eine gewisse Krankheit nicht haben werden? Oder

Social Egg Freezing Ein weiterer Fortschritt der modernen Fortpflanzungsmedizin ist das sogenannte Social Egg Freezing, das vorsorgliche Einfrieren von Eizellen. So können sich Frauen, die ihren Kinderwunsch verschieben wollen, auch im fortgeschrittenen Alter für ein eigenes Kind entscheiden. Die Kosten für dieses Verfahren sind nicht unerheblich. Neben dem Grundpreis fallen jedes Jahr zusätzlich Einlagerungskosten an. Aber warum entscheiden sich immer mehr Frauen für diese vorsorgliche Methode? Die Gründe können vielfältig sein und reichen von einer fehlenden Partnerschaft bis zu dem Wunsch, die berufliche Karriere vorerst ohne Unterbrechung zu verwirklichen. „Gerade in der Zeit zwischen Mitte zwanzig bis Mitte dreißig müssen, oft gleichzeitig, viele wegweisende Entscheidungen getroffen werden hinsichtlich Berufseinstieg, Karriereplanung, Beziehungsleben und Familiengründung“, so Barbara Bleisch und Andrea Büchler. Ist Social Egg Freezing somit die Antwort auf ein Anliegen im sozialen Kontext? Ist es ein Mittel der Gleichstellung zwischen Mann und Frau? Ein moderner Weg der Selbstbestimmung? Oder ist das Gegenteil der Fall? Ist es die Reaktion auf institutionelle Sachzwänge? Auf die nach wie vor schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie, vor allem für Frauen? Sollte nicht eine Gesellschaft, für die Gleichberechtigung kein Lippenbekenntnis bleiben soll, strukturelle Rahmenbedingungen schaffen, die eine Eltern-, eine Mutterschaft innerhalb biologischer Grenzen möglich macht?

© Freepik

Bis vor einigen Jahrzehnten war es die Natur und damit in gewisser Weise auch das Schicksal, das über den Wunsch nach Kindern entschieden hat. Kinder sind eben gekommen, wann sie gekommen sind. Als sichere Verhütungsoption gab es nur die Keuschheit. Wer Sex hatte, musste eine mögliche Schwangerschaft in Betracht ziehen. Oder aber Kinder blieben ungewollt aus und stellten Paare vor unveränderbare Tatsachen. „Heute können wir nicht nur planend, sondern auch korrigierend und gestaltend eingreifen“, sagen Barbara Bleisch und Andrea Büchler, die Autorinnen des Buches „Kinder wollen“. Verantwortlich dafür seien zwei wesentliche Entwicklungen. Die erste Zäsur war die Entwicklung der Pille. Diese machte es möglich, dass Schwangerschaften verhindert oder geplant werden konnten. Sex war nicht mehr zwangsläufig mit dem Thema Kinder bekommen verbunden. Der Kinderwunsch wurde immer mehr zur freien und planbaren Entscheidung. Die zweite Zäsur ist, laut den Autorinnen, die Entwicklung der In-vitro-Fertilisation. Die Möglichkeit der künstlichen Befruchtung machte den Kinderwunsch für Paare möglich, wo er früher unerfüllt blieb.

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Mama & Baby

Feministische Fragestellungen Andrea Büchler spricht im Interview an, dass „Debatten über das Kinderwollen zumindest implizit immer auch solche über die Rolle von Frauen in der Gesellschaft, über ihre Körper und ihre Autonomie“ sind. So gesehen sind diese Fragen immer auch feministische Fragen. Mit dem Trend von der Großfamilie zur Kleinfamilie wandelte sich auch das Mutterbild. Früher war die Erziehung von Kindern oft Gemeinschaftsaufgabe, die in eine großfamiliäre Struktur eingebunden war. Die biologische Rolle der Mutter wurde weniger entschieden betont. Heute werden Frauen Begriffe wie Mutterliebe oder Mutterinstinkt zugeschrieben. Man erwartet förmlich, dass Frauen Kinder bekommen wollen. Oder dass sie, sollte sich der Kinderwunsch nicht erfüllen, darüber sehr unglücklich sind. Die Autorinnen zitieren eine Romanfigur der Schriftstellerin Sheila Heti: „Als Frau kannst du nicht einfach sagen, du willst kein Kind. Du musst schon einen

ausführlichen Plan oder eine Vorstellung davon haben, was du stattdessen machen willst.“ Und dieser Plan sollte „lieber etwas Großartiges sein“. Generell können soziale Erwartungen und bedeutungsschwangere Begriffe wie das Bild der perfekten Mutter oder der Karrieremutter Druck auf Frauen erzeugen. Sowohl auf Frauen, die berufstätig sind, als auch auf Frauen, die in der Mutterschaft aufgehen. Und nicht zuletzt auf Frauen, die keine Kinder haben wollen. Diese werden in unserem Sprachgebrauch gerne als kinderlos bezeichnet. Doch immer mehr Frauen und Paare, die sich für ein Leben ohne Kinder entschieden haben, bezeichnen sich lieber als kinderfrei. Denn dieser Begriff unterstellt dem Leben ohne Kinder nicht implizit eine Unvollständigkeit oder ein Manko, wie es gesellschaftlich oft suggeriert wird.

Vielfältiger Diskurs Wer sich dem Thema Kinderwunsch von verschiedenen Seiten nähern möchte, dem sei dieses Buch empfohlen. Es nimmt Stellung zu hochaktuellen gesellschaftlichen Themen, sammelt Sichtweisen und Argumente, ohne dabei die Moralkeule zu schwingen. Neben den genannten Themenbereichen werden unter anderem auch Fragen nach Schwangerschaftsabbruch, Kinderwunsch und Klimakrise, gleichgeschlechtliche Paare mit Kinderwunsch oder pränatale Diagnostik unter die Lupe genommen. Es ist eine spannende Reise durch Philosophie und Rechtswissenschaft, ein Plädoyer für die kritische Auseinandersetzung mit persönlichen und gesellschaftlichen Fragen und nicht zuletzt für die Anerkennung verschiedener Lebenskonzepte. h er bst 2020 |

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Vier Fragen an die Autorinnen Barbara Bleisch und Andrea Büchler

„Reproduktive Autonomie ist eine anspruchsvolle Aufgabe“ Barbara Bleisch lebt in Zürich und ist Mitglied des EthikZentrums der Universität Zürich. Seit 2010 moderiert sie die Sendung „Sternstunde Philosophie“ beim Schweizer Radio und Fernsehen SRF.

Warum genau jetzt ein Buch, das nach Autonomie und Verantwortung beim Kinderwollen fragt? Andrea Büchler: Ob wir Kinder bekommen, ist schon längst keine Frage des Schicksals mehr, sondern meist eine Entscheidung. Kinder zu bekommen ist oft auch ein inniger Wunsch. Doch welche Entscheidungen im Zusammenhang mit dem Kinderwollen kann und soll ich treffen, und was bedeutet es, im gegenwärtigen technischen und gesellschaftlichen Umfeld autonom zu entscheiden? Reproduktive Autonomie ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Autonome Entscheidungen vollziehen sich meist in Beziehungen und berühren die Interessen möglicher Kinder, der Partnerin oder des Partners.

Interview

Auch gesellschaftliche Diskurse und Erwartungen haben einen Einfluss auf unsere Entscheidungen. Barbara Bleisch: Mit dem Kinderwunsch geht eine große Verantwortung einher, und zwar sowohl für unser Tun als auch für unser Unterlassen. Eine Diskussion der reproduktiven Autonomie thematisiert nicht nur, welche Diagnosen und Therapien potenzielle Eltern auf dem Weg zum Wunschkind nutzen, sondern ebenso, was sie unterlassen dürfen. Die neuen Möglichkeiten können zweifelsohne vielen Paaren helfen, die sich sehnlichst ein Kind wünschen. Befürchtet wird aber auch, dass wir zunehmend unter Druck stehen könnten, nur noch zum „optimalen“ Zeitpunkt „perfekte“ Kinder zu bekommen. Was beschäftigt die Rechtswissenschaften an der Art, in der Kinder zur Welt gebracht werden? Andrea Büchler: Die Rechtswissenschaften befassen sich heute insbesondere mit der Frage, ob und wem die neuen Optionen der Reproduktionsmedizin und Humangenetik zur Verfügung stehen sollen. Es besteht ein weitgehender Konsens, dass es zur persönlichen Freiheit gehört, einen Kinderwunsch zu verwirklichen. Doch wie weit reicht unsere reproduktive Autonomie? Umfasst sie auch die Möglichkeit, Embryonen zu untersuchen und zu selektionieren, um sicherzustellen, dass potenzielle Kinder eine gewisse Krankheit nicht haben werden? Gibt es moralisch gute, verallgemeinerbare Gründe, die persönliche Freiheit zu beschränken? Dass es solche gibt, ist unbestritten; umstritten ist aber, was sie genau bedeuten und welches Gewicht ihnen zukommt. Solche Gründe sind die Menschenwürde, die Interessen zukünftiger Kinder oder Gerechtigkeitserwägungen. Die Rechtswissenschaften nehmen aber auch gesellschaftliche Veränderungen in den Blick, etwa die Pluralisierung von Familienformen. Gibt es etwa Gründe, gleichgeschlechtliche Paare vom Zugang zur Fortpflanzungsmedizin auszuschließen? Wir meinen klar: nein. Zwar fehlt in diesen Fragen meist ein gesellschaftlicher Konsens, doch reproduktive Entscheidungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie persönlich, ja geradezu intim sind; die damit verbundenen Vorstellungen von Elternschaft und Familie sind kulturell,

© Ayse Yavas (1), Hanser Verlag (1), Unsplash (1)

Andrea Büchler lebt ebenfalls in Zürich und ist Professorin an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich. Sie forscht und lehrt zu Familien- und Medizinrecht und ist Präsidentin der Nationalen Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin der Schweiz.

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Mama & Baby weltanschaulich, religiös und sozial geprägt – und damit vielfältig. Als freiheitliche, pluralistische Gesellschaft müssen wir mit verschiedenen Werthaltungen umgehen, solange sie als das ausgewiesen werden können, was John Rawls als „vernünftige Meinungsverschiedenheiten“ bezeichnet hat. Und vor welchen Grundfragen steht die Philosophie? Barbara Bleisch: Die Frage nach eigenen Kindern ist vermutlich eine der existenziellsten überhaupt: Wer Kinder bekommt, wird unumkehrbar verantwortlich für einen Menschen, der für lange Zeit und in manchen Fällen für immer auf seine oder ihre Fürsorge angewiesen ist. Die Entscheidung für Kinder führt überdies auf unbekanntes Terrain: Wir wissen weder, welches Kind zu uns stößt, noch wie wir als Eltern sein werden. Vielmehr verändert die Mutter- oder Vaterschaft auch einen selbst. Eine philosophische Betrachtung des Kinderwunschs problematisiert auch den Freiheitsraum, den das Recht dem Individuum zugesteht. Denn auch wenn wir wissen, was rechtlich erlaubt ist, stellt

sich uns nach wie vor die Frage, wie wir unsere Freiheit in Verantwortung nutzen können. Was heißt es zum Beispiel, als Paar verantwortungsvoll mit einem Kinderwunsch umzugehen, wenn die Beteiligten im fortgeschrittenen Alter sind oder die Umsetzung des Wunsches besondere Risiken birgt? Die Entscheidungen berühren tiefsitzende Wertvorstellungen, zwischen denen wir uns hin- und hergerissen fühlen. Philosophie kann dabei helfen, in systematischer Weise über solch fundamentale Fragen nachzudenken. Ist Ihr Blick auf das Kinderwollen feministisch? Andrea Büchler: Wenn es um einen Blick geht, der für die Bedeutung der Frage des Kinderwollens und der reproduktiven Autonomie für Frauen sensibilisiert ist: dann ja, selbstverständlich! Der Kampf um reproduktive Rechte war (und ist) ein feministischer Kampf für Gleichberechtigung. Es ging

bei den reproduktiven Rechten um nichts weniger als um Souveränität über den eigenen Körper und das eigene Leben. An vielen Orten der Welt sind reproduktive Rechte noch nicht gewährleistet, man denke an die Diskussionen um den Schwangerschaftsabbruch in Polen oder den USA. Auch die neuen Möglichkeiten, die auf dem Weg zum Kind in Erwägung gezogen werden können, etwa das Social Egg Freezing oder die Pränataldiagnostik, betreffen Frauen in besonderer Weise, allein schon aus dem Grund, dass es dabei immer auch um ihren Körper geht. Schließlich sind die Debatten um das Kinderwollen, zumindest implizit, immer auch solche über die Rolle von Frauen in der Gesellschaft, über ihre Körper und ihre Autonomie. Kinder wollen von Barbara Bleisch und Andrea Büchler ist im Verlag Hanser erschienen. Um € 22,70. Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Autorinnen

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h er bst 2020 | 47 Impressum: Medieninhaber: Raiffeisen-Landeswerbung Niederösterreich-Wien, F.-W.-Raiffeisen-Platz 1, 1020 Wien.

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Mama & Baby

Die Anhock-Spreiz-Haltung, bei der sich die Knie des Babys auf Höhe des Bauchnabels befinden, unterstützt die natürliche Entwicklung der noch unreifen Hüfte.

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Ins Leben getragen Ein Kuss auf die Stirn, ein sanfter Atemzug auf nackter Haut, ein Lächeln von Angesicht zu Angesicht – Tragen oder getragen werden ist Seelennahrung für Groß und Klein. von manuela fischer Menschenkinder sind Traglinge Während sogenannte Nestflüchter, wie beispielsweise Pferde oder Kühe, unmittelbar nach der Geburt aufstehen und loslaufen, um mit der Herde Schritt zu halten, und die sprichwörtlichen Nesthocker, zumeist alle möglichen Vogelarten, alleine im Nest ausharren, bis Mama oder Papa wiederkommt, um ihnen Nahrung und Wärme zu geben, klammern sich unsere Menschenkinder von Geburt an an uns, um ihr Überleben zu sichern. Ähnlich wie unsere Verwandten, die Affen, suchen sich unsere Babys dafür die Person aus, die ihnen das höchste Maß an Sicherheit, Schutz und Nahrung gibt. Solange das Wohlergehen eines Kindes noch größtenteils von einer versorgenden Person abhängt, sucht es immer wieder die Nähe dieser ersten Bindungsperson. Zumeist ist dies die Mutter. Nach und nach klammern sich Menschenkinder bei Unwohlsein, Gefahr oder Hunger in Folge auch an ihren Vater oder andere nahe Bezugspersonen. Aus diesem Grund lautet die Frage, die sich frischgebackene Eltern stellen sollten, nicht: „Wollen wir unser Baby tragen?“, denn dies werden sie unweigerlich tun, sondern eher: „ Wie wollen wir unser Baby tragen?“ Eine Fülle an Möglichkeiten Immer mehr Eltern entscheiden sich dazu, ihr Baby in ein Tragetuch oder eine Tragehilfe einzubinden und sich so das Tragen zu erleichtern. Möglichkeiten gibt es dabei viele und teils vollkommen unterschiedliche. Tragetücher gibt es in unterschiedlichen Längen, Breiten und Materialien. Tragehilfen findet man am Markt unter anderem zum Binden, mit Schnallen, gefächert oder gepolstert. Kein Wunder, dass das Angebot an Tragevarianten Trageneulinge oftmals überfordert. Um sich einen Überblick zu verschaffen und Fehlkäufe zu vermeiden, bietet es sich an, eine Beratung mit einem/einer unabhängigen Trageberater/-in in Anspruch zu nehmen. Dabei sollten die Gesundheit des Babys und der Trage-

komfort der Eltern und des Kindes ganz klar im Vordergrund stehen. Mit ein wenig Übung gelingt das Einbinden des Babys dann relativ schnell und unkompliziert. Ist erst einmal die für die eigenen Lebensbedingungen ideale Tragevariante gefunden, erleichtert sie den meisten Eltern den Alltag mit Kind ungemein. Kommunikation durch Nähe Mütter und Väter genießen es, ihrem Baby beim Tragen ganz nah zu sein und stets zu sehen und zu spüren, wie es ihrem Nachwuchs geht. Die Babys wiederum genießen das vertraute Gefühl von Körperwärme und sanftem Hin- und hergeschaukelt Werden, das sie aus der Zeit der Schwangerschaft nur zu gut kennen. Es entsteht eine Atmosphäre von Entspannung, Zuversicht und Vertrautheit, wenn sich zwei Menschen nahekommen. Ganz genauso fühlt es sich auch für die meisten tragenden Erwachsenen und getragenen Kinder an. Dies gilt vor allem für das neugeborene oder noch sehr junge Kind. Doch auch ältere Kinder genießen immer wieder, meist wenn es ihnen gerade nicht so gut geht, den intensiven Körperkontakt. Bedürfnisse frühzeitig erkennen Verbringen Eltern von Anfang an viel Zeit im Nahkontakt mit ihrem Nachwuchs, lernen sie dessen Zeichen und Körpersprache schon sehr früh korrekt zu deuten. So können sie umgehend darauf reagieren. Schreit ein Säugling, zeigt er dadurch zumeist an, dass er sich bereits in einem Zustand höchster Not befindet. Ausgelöst durch Hunger, Kälte, Hitze oder andere Unwohlzustände, wünscht er sich sofortige Hilfe seiner Mitmenschen. Schreien kostet ein Neugeborenes sehr viel Energie. Wenn dieser Zustand länger andauert, können in ihm Gefühle von Verzweiflung oder sogar Resignation entstehen. Reagieren Eltern jedoch frühzeitig auf die Bedürfnisse ihres Babys, tragen sie zu einer sicheren Basis für das weitere Leben ihres Babys bei. Ihr Kind macht die

Erfahrung, dass es Hilfe bekommt, wenn es diese benötigt. Häufiger Nahkontakt, wie er beim Tragen gelebt wird, kann Eltern und Kind Entlastung im Alltag bescheren und dem Baby vermitteln, dass seine Bedürfnisse stets wahr- und ernst genommen werden. Dadurch, dass Trageltern die Bedürfnisse ihres Babys frühzeitig erkennen, schreien diese in der Regel weniger als andere. Vorteile des Tragens Abgesehen von der Schaffung einer vertrauten und liebevollen Atmosphäre durch den Nahkontakt beim Tragen gibt es noch eine Fülle weiterer Vorteile für Eltern und Kind, wenn sie sich dazu entschließen, im Alltag ein Tragetuch oder eine Tragehilfe zu verwenden. Die Körpertemperatur des/ der Tragenden und des Babys passen sich automatisch aneinander an, somit wissen die Eltern immer, ob ihrem Kind gerade warm oder kalt ist und können durch die zusätzliche Wärme getrost auf eine Schicht Kleidung verzichten. Tragen kann außerdem akut gegen Schmerzen und allgemeines Unwohlsein helfen. Wenn ein Baby beispielsweise Blähungen hat, kann sich die Körpertemperatur des/der Tragenden positiv darauf auswirken, da sie wie ein natürlicher Thermophor auf Babys Bäuchlein wirkt. Die Sinne eines Babys, das alle natürlichen Bewegungen seiner Mama oder seines Papas direkt miterlebt, werden angeregt. Vor allem der Gleichgewichtssinn wird bei Traglingen ganz nebenbei durch die passive Bewegung beim Tragen geschult. Darüber hinaus begünstigt das gesunde Babytragen die optimale Hüftentwicklung. Durch die Unterstützung der Anhock-Spreiz-Haltung beim gesunden Babytragen kann sich das Hüftgelenk ganz wunderbar entwickeln, und Fehlstellungen wird automatisch vorgebeugt. Entlastung im Alltag Ein Baby liebevoll zu begleiten, ist ein Fulltimejob. Der Haushalt, die Freizeitgestaltung und die Selbstfürsorge leiden h er bst 2020 |

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in den ersten Monaten nach der Geburt bei den meisten Eltern enorm unter der Rundumbetreuung des neuen Familienmitglieds. Wer sich nach etwas Normalität sehnt und das Bedürfnis hat, den Alltag trotz Säugling wieder in den Griff zu bekommen, erfährt durch eine geeignete Tragehilfe oder Bindetechnik enorme Entlastung. Denn auch wenn es echte Qualitytime niemals ersetzen kann und sollte: Stillen, Kuscheln und in den Schlaf Wiegen gelingen mit der richtigen Unterstützung durch ein Tragetuch oder eine

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Mama & Baby Tragen ist eine wunderbare Möglichkeit für Väter, die Bindung zu ihrem Kind zu stärken. Positiver Nebeneffekt: Auch die Partnern kann so entlastet werden.

Bei steigendem Gewicht des Babys steigen viele Eltern beispielsweise vom Tragen vor dem Bauch auf eine Hüft- oder Rückentrageweise um.

© Cybex

Babytrage oftmals ganz nebenbei. Trageeltern haben stets die Arme frei, um anderen Tätigkeiten nachzugehen. Vor allem bei der Hausarbeit ist eine praktische Tragehilfe ein echter Gewinn, aber auch beim Besuch einer Arztpraxis, in den öffentlichen Verkehrsmitteln oder im Urlaub kann es sehr hilfreich sein, platzsparend unterwegs und nicht immer auf einen Aufzug angewiesen zu sein. Ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Vorteil des Babytragens ist es, dass die Privatsphäre neugeborener Babys oftmals eher geschützt wird, wenn diese weitgehend abgeschottet von ihrer Umwelt nah an Mama oder Papa gekuschelt sind. Babys werden nur zu gerne bewundert und leider auch oftmals ungefragt berührt. Teilweise machen nicht einmal Fremde vor einer unerwünschten Berührung halt. Das Tragen verschafft frischgebackenen Familien mehr Privatsphäre und erspart ihnen so viel Ärger, unangenehme Ausweichmanöver und befremdliche Situationen. Auch praktisch: Wer sein Kind häufig trägt, hat sein tägliches Workout ganz nebenbei erledigt. Denn beim Tragen werden viele verschiedene Muskelpartien gekräftigt und gestärkt. Durch das

steigende Gewicht des Kindes wird auch das Training sukzessive intensiviert. Der vermeintlichen Kehrseite des häufigen Tragens, nämlich Verspannungen und Schmerzen, kann durch die Auswahl der richtigen Tragehilfe bzw. der optimalen Bindeweise des Tragetuchs vorgebeugt werden. Auch die Abwandlung und Veränderung der Trageweise kann Abhilfe bei Verspannungen und Schmerzen schaffen.

Einfach nur wow!

Tragen von Geburt an!? Ist die Geburt weitgehend normal verlaufen, spricht grundsätzlich nichts gegen das Tragen vom ersten Tag an. Wenn eine frischgebackene Mutter Probleme mit dem Beckenboden hat oder sie immer wieder körperliche Folgen der Schwangerschaft oder Geburt plagen, sollte sie unbedingt Rücksprache mit ihrem/ihrer Gynäkologen/-in halten. In der Regel ist das körpernahe Heben und Tragen mit Unterstützung die geeignetste Form, sein Baby von Geburt an von A nach B zu transportieren. Ein zusätzliches, unterstützendes Beckenbodentraining sowie ein geeigneter Rückbildungskurs sind in jedem Fall zu empfehlen.

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mach mit

gewin n!

Schnuller, Flascherl, Stillprodukte ... und ein cooler Beutel mit Message – so erleichtert euch MAM die erste Zeit mit Baby! Man kann es drehen und wenden, wie man mag: Mama bleibt einfach immer nur Wow! Und damit das auch wirklich niemand vergisst, liefert der österreichische Babyartikel-Hersteller MAM die passende Baumwolltasche als kleine Gedächtnisstütze. Der lässige Beutel ist nicht nur von außen „Wow!“, sondern steckt voller Überraschungen, die die erste Zeit mit Baby erleichtern. Aus dem MAM Schnuller-Sortiment sorgen der MAM Comfort sowie der MAM Start aus extra weichem Silikon für Beruhigung und Zufriedenheit. Genuckelt werden kann auch am MAM Easy Start AntiColic-Fläschen, aus der Neugeborene Muttermilch oder Pre-Milch ganz entspannt in ihrer eigenen Geschwindigkeit trinken

können. Spezielle Ventilationslöcher im Boden sorgen für einen optimalen Druckausgleich. Dadurch fließt die Nahrung gleichmäßig ohne Luftblasen und ohne Aufschäumen, und Babys schlucken beim Trinken weniger Luft. Für stillende Mamas gibt’s MAM Stillhütchen für eine kurzfristige Unterstützung beim Stillen sowie weiche MAM Stilleinlagen für ein anhaltend trockenes Gefühl unterm T-Shirt.

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Mode & Pflege Der Schuh von der Crew • Eine Jacke für alle Fälle • Ordentliche Kopfwäsche

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Ganz entspannt bleiben

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Mode & Pflege

Der Schuh von der Crew Schuhe für die ganze Familie, designed in Österreich, hergestellt in Europa – und gut aussehen tun sie auch noch? Das finden wir spannend. Deshalb haben wir Lauren Alonzo, in Wien lebende CEO von Kingsley Crew, zum Gespräch eingeladen. von peter zirbs Wie ist denn die Idee zu Kingsley Crew entstanden? Lauren Alonzo: Ich habe mich bei einer langen Autofahrt, als mein Mann Gerd und ich über Geschäftsideen gesprochen haben, über die vielen Stunden, die ich für das Back-to-Kindergarten-Shopping gebraucht habe, beschwert: Wie mühsam es ist, dieselben Dinge für meine Kinder suchen zu müssen – in der Hoffnung, mit einem Einkauf alles zu finden. Nämlich etwa Hausschuhe und Sneaker, die die Kinder selber an- und ausziehen können, die sie gerne tragen wollen und die den Forderungen der Kindergärten und Schulen entsprechen. Es war immer ein Kampf: Entweder waren die Schuhe Fast-Fashion, nicht sehr schön oder nicht gut verarbeitet, haben nach Plastik gerochen, oder sie waren verrückt teuer und überlebten den harten

Gang eines Klein- und Kindergartenkindes nicht. Ich war alle paar Monate auf der Suche – sowohl online als auch in „echten“ Shops und wurde ständig mit derselben Problematik konfrontiert. Und wie kam dann die Idee zur eigenen Schuhmarke? Mein Mann hat mich in meinem Frust sofort unterstützt, als ich gemeint habe: Ich bin als Mutter Expertin in Sachen Kinder- und Familienprodukte, und es wäre am besten, wenn ich mich selber damit befassen und eine eigene Marke gründen würde. Ich meinte es in dem Moment gar nicht richtig ernst – aber aus diesem Gespräch wurden viele. Die Idee, eine „Capsule Collection“* für Familien zu kreieren, war geboren. Wieso gerade Schuhe? Wir haben mit Schuhen als Produkt begonnen, weil es in der Entwicklungsphase für mich als Mutter von drei Kindern, die damals sehr jung waren (4 Jahre, 2 Jahre, 6 Monate), leichter zu bewerkstelligen war, mich auf ein Produkt zu konzentrie-

Lauren Alonzo

© Tom Griffiths (3), Fabio Eppensteiner (1)

Die in Wien lebende CEO von Kingsley Crew! kingsleycrew.com

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Mode & Pflege

Interview

ren. Was mit einer 10-teiligen Kollektion begann, haben wir dann mit einem Modell in sieben Ausführungen getestet, um zu sehen, ob das Konzept von Kingsley Crew bei der Zielgruppe überhaupt ankommt. Für die Produktion einer ganzen Kollektion hätte ich regelmäßig reisen müssen, da ich die Produkte nicht zu Hause produziere. Und nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne haben wir Ende 2018 festgestellt, dass unsere außergewöhnliche Größenskala sowie die Qualität der Materialien und das Design von unserem ersten Produkt sehr gut ankommen. Wie würdest du Kingsley Crew definieren? Kingsley Crew ist eine Familienmarke, die nur durchdachte, stilvolle und nachhaltige Produkte produziert – die Produkte müssen in das Leben moderner Familien hineinpassen. Wir bieten eine Balance zwischen Funktion im Alltag und schönem Design. Aber im Endeffekt wollte ich das Leben von Eltern vereinfachen, indem ich eine Marke kreiere, bei der man darauf vertrauen kann, dass die Produkte immer aus hochwertigen und sinnvollen Materialien gemacht sind, die fair in Europa erworben und verarbeitet werden. Wir folgen keinen Trends, sondern schwimmen gegen Fast-Fashion-Trends. *Eine Capsule Collection (eigentlich für Damen und Herren) ist sozusagen das Fundament eines Kleiderschranks – nämlich die zehn bis 20 wichtigsten Teile im Kleiderschrank, die man möglichst vielseitig modisch einsetzen kann. Für Kinder macht man das eher nicht, weil sie ständig wachsen und man daher viel öfters die Capsule Collection wechseln müsste. Das würde aber dem Sinn und Zweck einer Capsule Collection widersprechen. Wenn man allerdings die richtigen Größen auswählt, passen Kleider und Schuhe länger – und sie können an jüngere Geschwister weitergegeben werden, sofern die Qualität es zulässt.

Wie entstehen die Modelle von Kingsley Crew? Auf was legst du besonderes Augenmerk? Was inspiriert zum Design eines neuen Schuhs? Die Modelle entstehen bei mir im Kopf! Wenn ich merke, dass die Kinder, mein Mann oder ich wieder etwas benötigen, dann überlege ich, wie die Dinge aussehen könnten –vor allem in Relation zu den Funktionen, die ich von dem Produkt im Alltag verlange. Zum Beispiel Kappen! Es gibt so viele Kappen, trotzdem habe ich keine gefunden, die alle Funktionen, die ich gerne hätte, aufweist: einen Verschluss, der nicht nur verstellbar ist und dem Kopf angepasst werden kann, sondern auch ganz aufgemacht werden kann, um die Kappe am Rucksack meines Kindes anzuhängen. Cool soll sie auch sein, atmungsaktiv, und jucken soll sie auch nicht. Und natürlich soll sie fair produziert sein, aus hyperallergenen, recyclebaren Materialien, die auch vegan sind ... Mit diesen Infos fange ich an zu designen und bespreche alles mit der Managerin meiner Prototypenwerkstatt, die auch Ideen und Expertise mitbringt. Sie versteht meinen Zugang; vor allem, weil sie ebenfalls Mutter ist – das hilft immens bei der Produktentwicklung und Auswahl der Lieferanten. Beim Schuhdesign konzentriere ich mich auf die Funktionen, die der Schuh h er bst 2020 |

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Wer steckt eigentlich hinter Kingsley Crew? Kingsley Crew bin ich, Lauren Alonzo, geborene Kalifornierin, in Graz aufgewachsen – ich komme aus der Wirtschaft. Meinen MBA habe ich in meiner ersten Schwangerschaft begonnen und einen Monat nach der Geburt vom Jüngsten fertiggemacht. Sechs Monate später – das war 2016 – haben wir Kingsley Crew gegründet. Ich bin Designerin, Creative Director, Geschäftsführerin, Social-MediaManagerin, Produktfotografin, Stylistin, Verkäuferin, Event-Planerin, Buchhalterin und mache auch sonst alles, was es in einem Start-up zu tun gibt. Mein Mann Gerd Wipplinger, ein stolzer Niederösterreicher, ist CFO eines Unternehmens für Batterietechnologie. Aber am Wochenende ist er CFO für Kingsley Crew und unterstützt mich als Sound Board für Strategien. Ein paar externe Experten gibt es auch noch, wie etwa unseren Grafiker. Oder meine Schwester, die Illustratorin und Künstlerin ist und das Kingsley-CrewComic gezeichnet hat. Nicht zu vergessen unsere Prototypenwerkstatt in Wien, ohne die es nicht möglich gewesen wäre, KC aufzubauen. Und natürlich die Fotografen, Models, Lager, Logistik und Mitarbeiter der Quality Control, die mich bei Bedarf

unterstützen – dazu zählen auch Verkaufshilfen bei Pop-ups, Kinderbetreuerinnen und Babysitter. Denn ohne sie würde ich es auch nicht schaffen! Was war zu Beginn des Unternehmens die größte Herausforderung? Ich habe nicht damit gerechnet, dass bei der ersten Produktion schon so viel schiefgehen würde! Wir haben unseren Brand Launch verschieben müssen, weil die erste große Lieferung leider so mangelhaft war, dass wir die Vienna High Tops so nicht verkaufen konnten. Eigentlich wäre das ein klassischer MBACase-Study-Fall gewesen – ich war in der Schuhindustrie unerfahren und hatte auch noch Pech. Obwohl ich mit Hindernissen und Herausforderungen gerechnet habe – ich bin nicht naiv! –, hatte ich nicht erwartet, dass es so viele Mängel geben könnte und dass ich Ware lagern müsste, die nicht verkauft werden konnte, weil es unseren Ruf geschädigt hätte.

© Tom Griffiths (7)

haben muss: rutschfest mit einer weichen Sohle, fest am Fuß, aber dennoch leicht zum selber An- und Ausziehen. Dann fange ich mit dem Designen an. Manchmal bin ich aber inspiriert und möchte einfach was Cooles designen; dann baue ich die Funktionalität im Nachhinein ein.

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Mode & Pflege Wie hast du das Problem gelöst? Ich habe so schnell wie möglich eine neue Produktionsstätte finden müssen, die Kinder- und Erwachsenenschuhe produzieren konnte und auch wollte. Ich habe in Portugal gesucht – in der althergebrachten Schuhindustrie, wo vieles noch nach OldSchool-Regeln unter Männern abläuft. Als klitzekleiner Fisch im großen Modeozean hat es für mich eine Weile gedauert, ernst genommen zu werden und gute Partner zu finden. Partner, die bereit waren, das Risiko mit mir als Jungdesignerin aka „Unerfahrene“ einzugehen. Aber ich habe es geschafft und die aktuellen Modelle innerhalb von sechs Monaten produziert – gerade noch rechtzeitig für unser erstes Pop-up beim Mini Markt im März 2019. Und im Gegensatz dazu: Was war dein bisher schönstes Erlebnis mit KC? Mein schönstes Erlebnis kann ich gar nicht sagen, denn da gibt es viele. Aber ein wirklich besonderer Moment war, als ich mit der Eigentümerin von Le Petit Chou in Wien einen Termin hatte, wo ich ihr und ihrem Team Kingsley Crew und die Vienna High Tops-Sneaker vorstellen dürfte. Ich war total aufgeregt, weil es von Anfang an mein Ziel war, die Vienna High Tops bei Le Petit Chou verkaufen zu können. Es war ein echt schönes Erlebnis – vor allem nachdem sie gleich eine Bestellung abgegeben haben! Das war noch kurz vor Covid-19 und der Quarantäne. Aber seit Ende August 2020 kann man die Vienna High Tops nun bei Le Petit Chou anprobieren und erwerben.

zu erfahren, dass ich auf dem richtigen Weg bin – aber wenn das nicht so ist, ist es umso wichtiger, Kundenfeedback zu bekommen, um es ändern zu können. Ich möchte auf keinen Fall Produkte machen, die man nicht braucht oder nicht kaufen möchte. Und was sagen die Kids? Über Feedback von den Kids-Kunden freue ich mich am meisten, weil ich weiß, welchen Herausforderungen sie gegenüberstehen – aber auch wie ehrlich sie mit Feedback sind. Sie schauen bei Schuhen und Mode auf andere Dinge als Erwachsene: Sie wollen selber Schuhe anziehen können, es soll schnell gehen, die Materialien sollen weich sein, Etiketten sollen nicht kratzen etc. Deswegen habe ich auch das Comic für Kingsley Crew kreiert: um Kinder auch als eigene Zielgruppe anzusprechen. Oft werden bei Schuhen entweder die Geschmäcker der Eltern oder ausschließlich die Vorlieben der Kids berücksichtigt. Unser Ziel ist es, Eltern und Kindern gleichermaßen zu gefallen.

Und was sagen die Kundinnen und Kunden? Das Feedback von Kund(inn)en ermutigt mich immer wieder. Weil das, was sie mir mitteilen, entweder mein Konzept bestätigt oder ich dadurch Neues dazulerne und das Feedback künftig bei der Produktentwicklung berücksichtigen kann. Es ist immer schön

kingsleycrew.com

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Mode & Plege

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Oft gehört – trotzdem wahr: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung! Diese Jacken machen jeden Spaß mit und halten bei Regen gut trocken.

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Mode & Pflege

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Essen und Gesundheit Der Stich der Weisen • Bitte ganz tief einatmen! • Herbstliche Familienküche

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Essen und Gesundheit

Der Stich der Weisen

© Illustrationen: Freepik (2), Privat (1)

Impfungen gegen Infektionskrankheiten sind aus der modernen Medizin nicht mehr wegzudenken. Sie haben Erkrankungen erheblich verringert, ja zum Teil ausgerottet. Soweit die Fakten. Dennoch scheiden sich am Impfen die Geister, und das Thema wird kontrovers und äußerst emotional diskutiert. Mit der Suche nach einem Corona-Impfstoff ist es aktuell wie lange nicht. von inez ardelt

Seit Monaten wird von Wissenschaftler(inne)n weltweit auf Hochtouren geforscht und in Labors getestet, um einen Impfstoff gegen Covid-19 zu finden. Es ist ungefähr so spannend und relevant wie damals, als die ersten Astronauten zum Mond fliegen sollten. Welche Nation wird die Flagge hissen? Angesichts der Tatsache, dass die kalte Jahreszeit im Anmarsch ist und damit möglicherweise eine zweite Corona-Welle, die parallel mit der jährlichen Grippewelle unser Gesundheitssystem sehr stark belasten könnte, ist das „Wer?“ allerdings weniger wichtig als das „Wann?“. Früher als erwartet hat nun Russland bereits einen Impfstoff zugelassen. Aber Hand aufs Herz: Würde man sich damit impfen lassen? Eine Studie des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Marketagent zeigt, dass sich 49 % der Österreicher/ -innen mit dem Impfstoff der 1. Generation

impfen lassen würden. Als Argumente dafür nannten die Befragten mehrheitlich, den Schutz vor Corona, die Herdenimmunität sowie gesellschaftliche Verpflichtung und Schutz der Risikogruppen. Die Hauptgründe gegen eine Impfung waren: kein Vertrauen in einen schnell entwickelten Impfstoff und die Angst vor Nebenwirkungen. Impfdebatte Und schon sind wir mitten drin in einer Impfdebatte, die bei Covid-19 auch nicht anders geführt werden wird als bei Masern, Tetanus und Co. In zig Studien wurde bereits belegt, dass die Wirksamkeit von Schutzimpfungen das Risiko von Nebenwirkungen bei Weitem übersteigt. Warum ist Impfen dennoch ein derart kontroversiell diskutiertes Thema? „Das liegt vor allem daran, dass viele Infekti-

onskrankheiten ihren Schrecken verloren haben. Noch vor Hunderten Jahren hätte jeder sich und seine Kinder gegen Pocken, Masern, Wundstarrkrampf, Kinderlähmung oder bakterielle Infektionen geschützt, wenn es eine Möglichkeit dazu gegeben hätte. Fast jeder kannte jemanden, der an Infektionen verstorben war oder mit Behinderungen nach Infektionen weiterleben musste“, weiß die praktische Ärztin und Reisemedizinerin Dr.in Christina Jamnig aus Innsbruck. Heute seien sehr viele Menschen geimpft, weswegen diese Erkrankungen – in Industrienationen, wohlgemerkt – nur noch selten vorkämen. Zusätzlich helfe die moderne Medizin mit Antibiotika und anderen immunologischen und intensivmedizinischen Methoden, viele Todesfälle zu verhindern. So schwinde das Bewusstsein für die Gefährlichkeit von gewissen Infektionen.

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Essen und Gesundheit des Immunsystems mit dem „Stattdessen wächst Impferreger zu werten und aber die Angst vor haben keinen KrankheitsNebenwirkungen. wert.“ Impfkomplikationen, Aus evidenzbasierdie über die üblichen Impfter Sicht gibt es reaktionen hinausgehen allerdings kaum einen (z.B. allergischer Schock, 1:1 Grund, der gegen Million) und einer ärztlichen eine Impfung spricht“, Behandlung bedürfen, sind erläutert die Medizihingegen sehr selten. nerin. So ein Grund Mögliche Nebenwirkunkönnte etwa sein, n i ig gen gibt es nicht nur n dass man Nebenwirm Ja na i st i r D r. C h bei Impfungen, sondern kungen befürchtet. und in Ärzt e tisch prak ist bei jedem Medikament. Spricht man von Reisemedizinerin aus Innsbruck. Dazu muss man nur den Risiken im ZusammenBeipackzettel eines Kopfhang mit Vakzinatioschmerzmittels lesen. Aber die rasenden nen, ist gleich zu Beginn eine wichtige Schmerzen zugunsten einer eventuellen Unterscheidung zu treffen: Eine ImpfreakFolge, die die flache, weiße Pille haben tion ist nicht dasselbe wie eine Impfkomkönnte, aushalten? Das macht wohl kaum plikation. Zu Ersterer erklärt Jamnig: „In jemand. Immerhin sind die Fälle, in denen den meisten Fällen sind die zugelassenen nach der Einnahme einer Kopfwehtablette Impfungen sehr gut verträglich. Es kann eine nennenswerte Komplikation auftrat, zu lokalen Impfreaktionen wie Schwelverschwindend gering. Geht es darum, lung, Rötung oder Schmerzen an der potenzielle Gefahren eines Medikaments Einstichstelle, zu Fieber, Müdigkeit, Gemit der jeweiligen Erkrankung zu vergleilenkschmerzen oder Lymphknotenschwelchen, können Zahlen und Statistiken sehr lung für ein bis drei Tage kommen. Diese hilfreich sein. Das gilt natürlich auch für Symptome sind als Auseinandersetzung

Impfungen. So kommt es etwa bei der Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln, die hierzulande bei Babys ab neun Monaten verabreicht wird, in einem Fall von einer Million zu einer Entzündung des Gehirns. Steckt man sich hingegen mit Masern an, kommt dies bei einem von 1.000 Infizierten vor, von denen zudem 250 versterben. Röteln verursachen bei einem Viertel aller schwangeren Frauen, die sich damit anstecken, Fehlgeburten oder schwere Missbildungen des Ungeborenen. Mumps führt bei vier Prozent der Erkrankten zu temporärer und bei einem von 20.000 zu fortdauernder Taubheit. Bei Männern kommen außerdem eine mögliche Hodenentzündung sowie daraus resultierende Unfruchtbarkeit hinzu. Impfen hilft, aber wie? Die Zahlen belegen es: Impfen wirkt! Aber wie funktioniert das und was passiert dabei im menschlichen Körper? Christina Jamnig: „Mittels Impfungen soll das Immunsystem zur Bildung einer

FEHLT IHREM KIND EINE MENINGOKOKKENSCHUTZIMPFUNG?  Die bakterielle Infektion kann eine Gehirnhautentzündung oder Blutvergiftung verursachen.1  Säuglinge und Kleinkinder haben das höchste Erkrankungsrisiko.2  In Österreich verursachen Meningokokken B mit 63% die meisten Erkrankungen, gefolgt von den Gruppen C, W und Y.2 Meningokokken-Erkrankungen sind selten, aber gefährlich. Bis zu 20% der Überlebenden erleiden dauerhafte Folgeschäden wie großflächige Vernarbungen oder Amputationen.3 Da es verschiedene Gruppen von Meningokokken gibt (A, B, C, W, Y), kann es sein, dass Ihr Kind nicht ausreichend geschützt ist.*

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Fragen Sie Ihren Arzt, ob bei Ihrem Kind eine Schutzimpfung fehlt. NP-AT-MNX-ADVT-190002, 12/19

www.meningokokken-erkrankung.at * Von 2008-2017 wurden in Österreich 594 invasive Meningokokken-Erkrankungen gemeldet, darunter 67 Todesfälle. Der Österreichische Impfplan empfiehlt altersabhängig Impfungen gegen Meningokokken B, C und ACWY. Quellen: 1) BMASGK, Österreichischer Impfplan 2019 (01/2019, Wien). 2) BMASGK, Nationale Referenzzentrale für Meningokokken, Jahresbericht 2018 (03/2019, Wien). 3) WHO, Meningococcal meningitis fact sheet (02/2018), www.who.int/en/news-room/fact-sheets/detail/ meningococcal-meningitis.

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spezifischen Immunantwort angeregt werden. Es werden dabei abgetötete oder abgeschwächte Erreger, sogenannte Antigene, verabreicht und vom Immunsystem erkannt. In weiterer Folge werden Antikörper gebildet sowie zelluläre Abwehrmechanismen in Gang gesetzt. Durch das entstehende immunologische Gedächtnis kann bei einem Kontakt mit den ‚echten’ Erregern (z.B. Wildvirus) eine Erkrankung verhindert werden.“ Heutzutage werden zwar deutlich mehr Impfungen als noch vor 50 Jahren verabreicht, aber die Zahl der Antigene hat deutlich abgenommen. „Früher waren allein im alten Keuchhusten-Impfstoff ca. 3.000 Antigene enthalten. Moderne Impfungen sind hochgereinigt, und so enthalten heute alle Impfungen im Kleinkindalter insgesamt nur 150 Antigene“, schildert die Ärztin. Für das Immunsystem bedeute dies weniger Arbeit. Ein weiterer Unterschied zu den ersten Impfungen ist, dass es heute die Möglichkeit gibt, Kombinationsimpfungen durchzuführen (z.B. 6-fach-Impfung bei Säuglingen), sodass sich die Anzahl der benötigten Spritzen verringert. Schnellverfahren Was die Covid-19 Impfung betrifft, hoffen die meisten, dass der Impfstoff bald

© Illustration: Freepik (1), Freepik (1)

Essen und Gesundheit

erhältlich sein wird; am liebsten hätte man allerdings, dass sich die anderen impfen lassen und man selbst im Zuge des Herdenschutzes ohne den Pieks unter dem „Rettungsschirm“ steht. Ein Grund für die Skepsis den Corona-Impfstoff betreffend ist die Tatsache, dass das Zulassungsverfahren für Impfungen üblicherweise 10 bis 15 Jahre dauert. Von Covid-19 wissen wir seit Dezember 2019. Da stellt sich die Frage, wie es sein kann, dass bereits für diesen Winter eine Impfung angekündigt ist? „Im Normalfall durchläuft der Zulassungsprozess eines Impfstoffs zuerst das Forschungslabor, dann die präklinische Phase (Tierversuche) und anschließend

mehrere klinische Phasen. Das sind Untersuchungen am Menschen, bei denen Sicherheit und Verträglichkeit getestet werden.“ Das dauere viele Jahre. Da die Covid-19-Pandemie die gesamte Weltbevölkerung gleichermaßen betreffe und nicht nur ein Land oder einen Kontinent, würden sehr viel Geld und Ressourcen weltweit in die schnelle Entwicklung eines Impfstoffs gesteckt. „Auch neue Technologien oder Erfahrungen mit Impfstoffen gegen ähnliche Viren (z.B. MERS-CoV) könnten hier die Impfstoffentwicklung beschleunigen. Wann ein sicherer und wirksamer Impfstoff gegen Covid-19 vorhanden sein wird, bleibt abzuwarten.“

Sind die Österreicher/-innen Impfmuffel? Nach steigendenden Fallzahlen von Maserninfektionen und der Einführung der MasernImpfpflicht in unserem Nachbarland Deutschland im Frühling 2020 ist auch hierzulande wieder heiß über das Impfen und eine mögliche Impfpflicht debattiert worden. In einer Marketagent-Umfrage vom August 2020 sprachen sich 24,2 % der Befragten für eine Impfpflicht aus; gar 53,3 % waren für eine Impfpflicht für gefährliche Krankheiten. 22,6 % sprachen sich gegen eine Impfpflicht aus. Generell sind die Impfbefürworter/-innen in Österreich eindeutig in der Überzahl. 74 % der Befragten würden sich dieser Gruppe zuordnen. 26 % der heimischen Bevölkerung positionieren sich dagegen als Impfgegner/-in: Frauen stärker als Männer. In der Umfrage kamen auch Fragen rund um Ängste, die mit dem Impfen verbunden sind, vor: Ein Fünftel der Österreicher/ -innen ist der Meinung, dass ungeimpfte Kinder gesünder seien und ein stärkeres Immunsystem hätten (20 %). Gut jeder Vierte

befürchtet gefährlichere Nebenwirkungen durch den Impfstoff als durch die Krankheit selbst (27 %) oder eine mögliche krebserregende Wirkung der Inhaltsstoffe (26 %). Auch der Mythos, dass Impfungen zu Autismus führen könnten, hält sich wacker in den Köpfen von mehr als einem Zehntel der heimischen Bevölkerung (14 %). Der überwiegende Teil der Befragten (78 %) stimmt zu, dass die Entwicklung von Impfstoffen einen Durchbruch in der Bekämpfung bzw. teilweisen Ausrottung gefährlicher Krankheiten bedeutet. Sieben von zehn Österreicher(inne)n sorgen sich, dass eine zu geringe Durchimpfungsrate zu einem erneuten bzw. verstärkten Auftreten dieser Erkrankungen führen könnte. 70 % sehen Impfungen als wichtig an, um Risikogruppen vor einer möglichen Ansteckung zu schützen. Sieben von zehn Befragten sind für bestimmte verpflichtende Impfungen für den Kindergarten (73 %) und Schulbesuch (72 %). 94 % gaben an, ihre Kinder zumindest gegen das „Wichtigste“ impfen zu lassen.

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Essen und Gesundheit

Bitte ganz tief einatmen! Hört sich doch babyleicht an. Aber dahinter steckt eine komplexe Technik: Atemtechnik kann, bewusst angewandt, kleine Wunder bei unseren Kindern bewirken. Die Atmung hat Einfluss auf Gemütszustände, körperliche Leistungsfähigkeit und kann sogar Schmerzen lindern. Wie das genau funktioniert, erfahren wir von einem Atemcoach. von heidrun henke

Atemcoach Scott Macdonald kann man für einzelne Sessions buchen, außerdem hält er Workshops und Seminare ab. Weitere Infos auf seiner Website: www.flow2.life

„Where the focus goes, the energy flows!“ Im Sommer wurde unser Sohn Henri mit einer Platzwunde am Kopf ins Krankenhaus gebracht. Trotz bester und liebevoller Versorgung brannte es höllisch. Der einfühlsame Arzt versuchte ihn während der Behandlung in ein Gespräch über Fußball zu verwickeln und so abzulenken. Doch Henri, im Gegensatz zu den meisten 7-jährigen Burschen, interessiert sich leider nicht für Fußball. Neuer Versuch. Der Arzt probiert, den kleinen Patienten mittels Konzentration auf seine Atmung abzulenken: „Atme mal tief ein und laaange aus ...“ Das funktionierte! So entdeckte der kleine Henri mit der Atmung ein Tool, mit dem er den Schmerz irgendwie regulieren konnte – indem er den Fokus einfach auf etwas anderes lenkte. Das Tolle daran: Den Atem haben wir immer dabei, in jeder Situation. Und so kam es, dass Henri zum persönlichen Helden des Arztes wurde: „Für mich bist du

der tapferste Bub des heurigen Sommers in unserem Krankenhaus!“ Auch dieser Satz tat sein Übriges, die Schmerzen schneller zu vergessen und wirkte wie Balsam auf Seele und Wunde unseres Sohnes. Wir aber wollten das mit der Atmung genauer wissen und trafen Scott Macdonald. Der ausgebildete Atemcoach zeigt Menschen, wie sie ihr Leben durch die richtige Atmung verbessern können. Jawohl, ihr Leben! „Atme besser, lebe besser“ steht groß auf seiner Website. Er selbst hat durch Atemtechnik sein Leben zum Besseren gewandt und konnte damit nicht nur seine chronischen Schmerzen loswerden, sondern auch einen geplanten chirurgischen Eingriff abwenden. Heute ist er zertifizierter Wim-Hof-Instruktor, gibt Workshops zum Thema Atem- und Kältetraining, Oxygen Advantage und wird von Firmen und Sportlern gebucht. In letzter Zeit kommen auch immer häufiger Kinder zu ihm. Begonnen hat er mit Teenager-Sportlern, die ihre

Leistungsfähigkeit verbessern wollten, mittlerweile wird er auch von Kindergärten und Schulen gebucht, wo er den Kindern zeigt, wie sie wieder in Verbindung mit ihrem Atem kommen können und was dieser alles bewirken kann. Die richtige Atemtechnik hilft nämlich nicht nur bei Schmerzen, sondern auch beim Einschlafen, bei Ängsten, Stress, Überreizung, Hyperaktivität oder Traurigkeit. Aber auch ganze Gruppen können mithilfe der kollektiven Atmung auf die gleiche Frequenz eingependelt werden, sozusagen als Teambuilding-Maßnahme zur Vorbereitung auf das bevorstehende Match. Einatmen: Ich bin ein Superheld! Ausatmen: Ich helfe dir! „So wie unser körperlicher und geistiger Zustand die Atmung beeinflussen, beeinflusst auch umgekehrt der Atem unseren Körper und Geist“, erzählt Scott. Mit Kindergartenkindern arbeitet er vor allem in

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Essen und Gesundheit

Atemtechniken für Kinder zum Üben S U P E R H E L D E N -AT M U N G : M AC H T M U T I G ! Stell dir vor, du bist ein Superheld und atme seine Superpower ein. Stell dir vor, du musst jemandem zu Hilfe eilen und atme aus. DA N K B A R K E I T S -AT M U N G : B R I N G T F R E U D E ! Denke an jemanden, den du besonders gern hast und atme währenddessen tief ein. Nun schenke demjenigen ein Lächeln und atme dabei aus.

Bildern, zum Beispiel mit dieser Übung: Die Kinder legen sich auf den Rücken, dabei ist eine Hand am Bauch, die andere auf der Brust. „Hört mal nur eurem Atem zu. Was hört ihr? Spürt ihr was? Stellt euch nun vor, eure Hände sind wie Boote auf offenem Meer und euer Atem die Wellen.“ Bei dieser Übung werden die Kinder sehr schnell ruhig und driften geistig mit ihren Booten ab. Auch die Superhelden-Atmung kommt sehr gut an bei dieser Altersgruppe. „Wer ist dein Lieblingssuperheld? Wie sieht er aus, welche Kräfte besitzt er?“, fragt Scott in die Runde. „Meiner hat einen roten Umhang und kann fliegen“, antwortet Felix. „Und meiner hat ganz starke Muskeln und ist unsichtbar“, erzählt Tim. „Okay, dann stellt euch jetzt vor, ihr seid dieser Superheld! Atmet ganz tief ein und saugt die Superheldenkräfte fest in euch hinein. Dann stellt euch vor, ihr müsst jemandem helfen, der in Not geraten ist und atmet laaange aus“, leitet Scott die Übung an. Dieses Atemspiel ist gut für Kinder, die Mut brauchen. Wenn man sich ganz intensiv vorstellt, dass man ein Superheld ist und jemandem helfen muss, vergisst man schnell seine eigene Angst. Bei traurigen Kindern kann die Dankbarkeitsatmung Wunder wirken. „Denke fest an jemanden, den du ganz lieb hast

und atme dabei tief ein. Beim Ausatmen schenke dieser Person ein Lächeln“, bringt der Atemtrainer die Kinder wieder in die Freude. Auch bei ganz schlimmem, beinahe hysterischem Geschluchze kann man Kinder durch Atemtechnik wieder rasch beruhigen. „Wenn man sehr intensiv weint, ist man in einem Stresszustand und atmet zu viel CO2 aus. Die Gefäße verengen sich, und man klammert sich richtig fest an den mentalen Schmerz. Wichtig ist, jetzt die Atmung wieder in Gleichklang zu bringen, indem man lange ausatmet und die CO2-Konzentration im Blut erhöht. Die Gefäße weiten sich, das Herz schlägt langsamer, der Blutdruck sinkt.“ Jeden Morgen acht Minuten meditieren Ältere Kinder können beispielsweise bei großer Aufregung vor Prüfungen Folgendes üben: 6 Sekunden lang einatmen, 6 Sekunden lang ausatmen. Dies führt zu einem tiefen Entspannungszustand. Auch Scotts Kinder haben das Atemtraining für sich entdeckt, für sportliche Wettkämpfe oder beim Einschlafen. „Schafe zählen mochten sie noch nie. Gemeinsame Atemübungen als Ritual im Bett haben da viel besser funktioniert.“ Sein jüngster Sohn, 6 Jahre, meditiert fast täglich. „Einmal mussten wir für die Fahrt in den Urlaub ganz zeitig den Wecker stellen. Er hat mich besorgt angesehen und gefragt: ,Papa, hab ich dann in der Früh eh noch acht Minuten Zeit zum Meditieren?‘“, erinnert sich der Papa lachend. Und auch ein bisschen stolz, dass seine Kinder die Atemtechnik freiwillig übernommen haben. Wie schön, dass Kinder auch manchmal die guten Gewohnheiten der Eltern annehmen!

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Herbstliche Familienküche Der Herbst ist da und zaubert uns wieder jede Menge Comfort Food auf unseren Tisch. Und was passt besser zu bunten Blättern und Strickjacken als herrliche Lasagne mit Kürbis, cremige Suppe und warmer Apfelkuchen. von michaela titz / www.littlebee.at

Kürbis-Karotten-Suppe ZUTATEN: 400 g Kürbis, 2 große Karotten, 1 mittelgroße Zwiebel, 1,5 TL Suppengewürz, 1 EL Öl für den Topf, 60 ml Schlagobers, etwas Abrieb einer Bio-Zitrone, geröstete Kürbiskerne ZUBEREITUNG: Zwiebel fein schneiden, Kürbis schälen und grob würfeln, Karotten ebenfalls schälen und in Stücke schneiden. Zwiebel in Öl anbraten. Kürbis und Karotten dazugeben und leicht anrösten. Suppengewürz zugeben und alles gut miteinander vermengen. Zu 2/3 mit Wasser bedecken und auf mittlerer Stufe weich dünsten. Ist das Gemüse bissfest, mit einem Pürierstab fein pürieren. Ist die Suppe zu dick, kann sie mit Wasser noch etwas verdünnt werden. Zum Schluss mit 50 ml Schlagobers und Zitronenabrieb verfeinern. Nach Geschmack würzen und heiß servieren.

Apple Pie ZUTATEN Für den Teig: 300 g glattes Mehl, 180 g kalte Butter, 90 ml Eiswasser, Prise Salz, 3 EL brauner Zucker Für die Füllung: 1 kg Äpfel ganz nach Geschmack (am besten eine leicht säuerliche Sorte), 1/2 TL Zimt, 2 EL braunen Zucker, Saft 1/2 Zitrone, 2 EL Rosinen (optional), außerdem: Staubzucker zum Bestreuen ZUBEREITUNG: Alle Zutaten rasch zu einem geschmeidigen Teig verarbeiten, ihn anschließend in Folie wickeln und für ca. 30 Minuten in den Kühlschrank geben. In der Zwischenzeit die Äpfel vorbereiten: Äpfel vierteln und in dünne Scheiben schneiden. Die klein geschnittenen Äpfel in einer Schüssel mit den restlichen Zutaten mischen. Den Teig halbieren und auf einer bemehlten Arbeitsfläche zu 2 Kreisen ausrollen. Den ersten Teig in eine Tarteform legen, die Ränder gut andrücken und den Überstand abschneiden. Die Apfelfüllung darauf verteilen. Den zweiten Teig oben auf legen und den Überstand ebenfalls abschneiden. Mit einem scharfen Messer mehrmals einschneiden. Aus den Teigresten kann man nun Verzierungen ausstechen und auf den Apple Pie auflegen. Apple Pie im vorgeheizten Backofen bei 180° C ca. 25 Minuten backen, bis er schön goldbraun ist. Mit Staubzucker bestreuen und anschließend – gerne noch warm – genießen.

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Essen und Gesundheit

Trifft Huhn auf Apfel ...

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Die steirische Apfelernte hat Ende August begonnen. So auch bei Ja! Natürlich-Bauer Fritz Prem. In seinen Apfelgärten kümmern sich Hühner um eine ganz natürliche Schädlingsbekämpfung.

Kürbis-Lasagne

© Michaela Titz/www.littlebee.at

ZUTATEN: 1 Hokkaido-Kürbis, Lasagneblätter, 1 rote Zwiebel, 1 EL Olivenöl, 150 g geriebener Mozzarella, 400 ml Milch, 1 EL Butter, 1,5 EL Mehl, 1,5 TL Suppengewürz ZUBEREITUNG: Kürbis waschen, halbieren und entkernen. Die Schale des Hokkaido-Kürbis ist essbar, deswegen muss er nicht geschält werden. Die eine Hälfte des Kürbis in gröbere Würfel schneiden, die andere Hälfte in dünne Scheiben. Kürbisscheiben auf ein Backblech legen und für ca. 15 bis 20 Minuten bei 200° C in den Backofen geben. In der Zwischenzeit die Zwiebel in feine Würfel schneiden und in Olivenöl anbraten. Kürbiswürfel dazugeben und mit Salz würzen. Mit 100 ml Milch aufgießen, aufkochen und anschließend pürieren und abschmecken. In einem zweiten Topf die Béchamelsauce zubereiten. Erst wird eine Mehlschwitze gemacht: Dafür 1 EL Butter erhitzen und 1,5 EL glattes Mehl mit einem Schneebesen glatt einrühren, mit 300 ml Mich aufgießen und unter Rühren aufkochen lassen. Wenn die Milch kocht, den Topf von der Kochstelle ziehen und 1,5 TL Suppengewürz einrühren. Auf kleiner Stufe 5 Minuten weiterköcheln lassen und ab und zu umrühren. In eine kleine Auflaufform nun abwechselnd Kürbispürree und Lasagneblätter schichten, mit Püree beginnen. Auf die oberste Schicht Lasagneblätter die Kürbisspalten auflegen, mit der Béchamelsauce bedecken und mit geriebenem Käse bestreuen. Im vorgeheizten Backofen bei 200° C ca. 30 Minuten garen lassen. Mit einer Gabel eine Stichprobe durchführen, um festzustellen, ob die Lasagneblätter wirklich weich geworden sind. Ist die Lasagne fertig, aus dem Ofen holen und vor dem Anschneiden 10 Minuten rasten lassen. In Stücke schneiden und servieren.

Wenn Hühner im Apfelgarten leben, haben alle was davon: Die Hühner werden artgerecht gehalten, gleichzeitig sorgen sie für Düngung und Schädlingsvermeidung und somit für besseres Obst. Im zweijährigen Praxisprojekt „Apfelhuhn“ wird mit wissenschaftlicher Begleitung des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) die Haltung von Bio-Legehennen in mobilen Geflügelställen in den Obstanlagen untersucht. Die Haltung von Bio-Hühnern in solchen Anlagen bringt qualitativ und hygienisch einwandfreie Bio-Äpfel – und gleichzeitig auch Bio-Eier. Natürlich gegen Schädlinge Aber um die geht es vorrangig nicht. Vielmehr stehen der Tierwohlgedanke sowie Düngung und Schädlingsvermeidung im natürlichsten Sinne im Vordergrund. Denn durch das angeborene Fressverhalten der Hühner werden unerwünschte Schädlinge beseitigt und gleichzeitig den Hühnern ein glückliches und tiergerechtes Leben ermöglicht. Selbst nach dem hormonbedingten Wechsel des Federkleides dürfen Althennen artgerecht im Obstgarten weiterleben.

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Pimp my Box • Stapeln, Rollen, Bauen • Nur Geduld! • Schauen, Spielen, Lesen, Hören • Film-Highlights • Der Reitkindergarten • Basteltipp

Duell der Giganten Zwischen Jackson Storm und Lightning McQueen geht es heiß her. Auf der 6,2 Meter langen Autorennbahn warten viele Herausforderungen auf die Cars-Helden: Highspeed-Geraden, Looping, FlyOver, Steilkurve, Engstelle und Kreuzung bringen Spannung ins Rennen der Giganten. Carrera GO!!! Disney·Pixar Cars – Let’s Race! um € 89,95. www.carrera-toys.com Wir verlosen ein Carrera GO!!!: Mail bis 26.10.2020 an gewinn@tipimagazin.at

Charmante Ideensammlung

Spitz die Ohren!

Über Leben und Tod

Wenn Fuchs, Hase, Panda und Krabbe Musik hören, sind die Kinderkopfhörer von Kidywolf im Spiel. Die tierischen Lauscher schützen das kindliche Gehör mit einer Lautstärke von maximal 85 dB. Praktisch: Die magnetischen Ohren können abgenommen werden. Um € 24,– bei www.smallbut.at

Das neue Hörbuch mit Musik von Hörschiff: Die kleine Sensenfrau hat es nicht leicht, ihren Platz im Leben der Menschen zu finden. Als kleines Mädchen macht sie sich auf den Weg, um erwachsen zu werden. So wie der Tod in gewisser Weise immer Teil unseres Lebens ist, kann sie in vielen Bereichen einen positiven Beitrag leisten. Auf ihrem Weg erkundet sie ihre eigenen Fähigkeiten – um schließlich jene Aufgabe zu übernehmen, die außer ihr niemand bewältigen kann. www.hoerschiff.at

© Freepik (1), Hersteller (5), Hörschiff (1), Luftschaft Verlag (1)

und Von Überlebenskünsten wie Schnitzen wie lem ituel Spir zu hin Feuermachen bis e, die Waldbaden und Meditation: 100 Ding on irati Insp du im Wald machen kannst ist r. Natu der in ten vitä und Anleitung für Akti e häft Gesc e klein und e groß Sogar wie man rt ... im Wald richtig verrichtet, wird erklä ienen ersch Ab 8 Jahren. Von Jennifer Davis, . 22,– E um im Laurence King Verlag

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Bunter Herbst auf der Insel Nur weil der Sommer im realen Leben endet, heißt das nicht, dass man sich vom Urlaubsfeeling verabschieden muss! Bei Animal Crossing: New Horizons geht der entspannende Spielspaß nämlich nahtlos weiter. Gärten gestalten, sich als Interior Designer betätigen, tierische und menschliche Freunde treffen – all das wird jetzt in einen prächtigen, herbstlichen Farbenrausch getaucht. Möglich wird das durch ein Jahreszeiten-System, das sich in Echtzeit an das reale Vorbild anpasst. Der Erfolg von Animal Crossing: New Horizons kam zwar nicht überraschend, für Verblüffung sorgt er aber dennoch: Quer durch alle Altersgruppen treten Menschen die virtuelle Reise auf die ehemals verlassene Insel an, um sie nach ihren Vorstellungen zu gestalten und dabei mit Unterstützung des mittlerweile schon legendären Concierge Tom Nook ein Haus zu erhalten, das auf kreative Spieler/-innen nur zu warten scheint. Die

Promotion; © Nintendo 2020

Der Kult um Animal Crossing: New Horizons ist um eine herbstliche Erfahrung reicher: Dank Echtzeit-Jahreszeiten können Spielerinnen und Spieler einen wunderschönen Herbst auf der Insel erleben

Insel und ihre Bewohner können frei und auf beliebige Art erkundet werden – und so wird jeder Aufenthalt zu einem kleinen, aber erholsamen Urlaub.

nintendo.at

Halloween im Familypark

Filippos verfluchte Zauberwelt Hexen und Magier aus aller Welt fliegen pünktlich zu Halloween in den Familypark, um dort ihr Unwesen zu treiben. Die Besucher erwartet von 23. Oktober bis 1. November ein abwechslungsreiches Halloweenspektakel mit Pop-up-Akrobatik, Stelzengehern, Zauberei und vielen magischen Überraschungen. Tickets: € 27,– (Kinder unter 3 Jahren gratis)

Schaurige Kürbiskunst Ein Meisterschnitzer wird heuer live schaurige Kürbisgesichter zum Leben erwecken, die sogar im Zuge einer Ausstellung ergattert werden können. Du willst gleich selber einen Kürbis schnitzen? Dann schau beim Schnitzworkshop vorbei!

Haunted House: Täglich ab 16 Uhr, Ticketpreis: € 3,– Online-Kauf: Aufgrund von Covid-19 kann der Park derzeit nur nach OnlineTicketkauf bzw. Online-Reservierung besucht werden.

www.familypark.at/halloween

Weitere Ausflugsziele im Herbst für die ganze Familie unter: family.burgenland.info

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Promotion

Das Haus der Schwarzen Magie Für aufreibenden Nervenkitzel mit Gänsehautgarantie sorgen hingegen die dunklen Magier, die euch im Haunted House heimsuchen werden. Achtung: Nur etwas für mutige Besucher ab 14 Jahren!

Halloween im Familypark: 23.10.–1.11., täglich ab 11 Uhr

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PIMP MY BOX

Badala-Stickers verwandeln alte Kartons im Handumdrehen in aufregende Spielobjekte. Mit ihrem Start-up macht Barbara Höller nicht nur Kindern eine große Freude, sie tut auch der Umwelt was zuliebe. Denn die Pickerl sind plastikfrei und helfen beim Upcyclen von Verpackungsmaterial. von inez ardelt renden Pickerln die vormals für den Altpapiercontainer bestimmte Verpackung in großartiges, individuelles Spielzeug.

Barbara Höller

An alle alten Schachteln: Ihr müsst euch nicht mehr vor dem drohenden Gang zum Altpapier fürchten. Jetzt dürft ihr länger in den gemütlichen Wohnungen und Häusern bleiben, ohne gleich im Müll zu landen. Mittels Badala-Stickers erleben Kartonverpackungen nämlich einen zweiten Frühling und werden vom schnöden Verpackungsmaterial zu Rennautos, Küchen, Raketen, Piratenschiffen und mehr. Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt! Mithilfe der beigelegten Bastelanleitung verwandeln die selbstklebenden und selbsterklä-

Verwandlungskünstler Die ebenso simple wie geniale Idee kam der Grafikdesignerin Barbara Höller, als ihre Tochter und ihr Sohn noch kleiner waren und sie bei der Suche nach umweltschonendem, pädagogisch wertvollem und gleichzeitig kostengünstigem Spielzeug für die beiden nicht fündig wurde. „Es gibt so wenige Momente, in denen die Kinder wirklich in ein Rollenspiel eintauchen. Wenn, dann brauchen sie dazu nur einfache Dinge.“ Als Expertin auf dem Gebiet schritt Höller gleich zur Tat und machte sogenannte Templates zum Ausdrucken. Erstmal alles ausschließlich

für den eigenen Gebrauch. Als sich das begeisterte Feedback von Kindern, die zu Besuch bei den Höllers waren, mehrte, begann die Unternehmerin, im Internet zu recherchieren. „Es stellte sich heraus, dass es so etwas weltweit nicht gibt.“ Somit war die Marktfrage schon einmal geklärt. Höller stellte anschließend einen Businessplan auf, reichte eine Förderung ein und bereitete alles so perfekt wie eben möglich – neben ihrem Grafikunternehmen – vor. Beim Entwickeln und Verbessern des Produkts half vor allem ihr eigener Nachwuchs. „Irgendwann war klar, jetzt muss ich starten, sonst wird das nichts mehr“, erinnert sich die kreative Macherin zurück. Der Name „Badala“, Panjabi für „verwandeln“, war von Anfang an Programm. Das war 2017. Mittlerweile kann man die Badala-Stickersets online, aber auch in ausgewählten Shops kaufen. Ein wichtiger Gedanke, der Barbara Höller seit der Gründungsphase begleitet und angeleitet hat, ist dabei die Kreislaufwirtschaft. Das Wiener Start-up hat es sich zum Ziel gesetzt, plastikfreie Sticker zu produzieren, damit die alten Kartonboxen kostengünstig und vor allem umweltschonend umgestaltet werden können. Damit schließt Badala eine internationale Marktlücke und ist das erste Stickerunternehmen, das sich auf „Box Recycling“ und die Produktion von nachhaltigen Stickern, mit der Möglichkeit zur Umwandlung in ein Spielzeug, fokussiert hat. Die 43-Jährige hat sich bewusst

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dafür entschieden, vinylfreies Stickerpapier aus Holz, dessen Erzeugung aus sozial- und umweltfreundlicher Waldwirtschaft gewonnen wird, zu verwenden. Das ist ideal auch für den Fall, dass der Karton schließlich doch irgendwann seine letzte Reise antritt. Dann kann er inklusive Sticker problemlos entsorgt werden.

Pädagogisch wertvoll, nachhaltig, therapiefördernd Neben dem Umweltgedanken und dem daraus resultierenden Nutzen für die nächste Generation ist der StickerSchachtel-Spaß auch pädagogisch wertvoll. Das bestätigt indirekt sogar der Hirnforscher Gerald Hüther: Denn Rollenspiele

fördern die Fantasie, die Kreativität sowie die Intelligenz der Kinder. „Das Spielen mit den Schachteln kann helfen, den Medienkonsum zu reduzieren, und die Wertigkeit ist auch eine andere, wenn man etwas selbst baut und gestaltet“, weiß die Firmengründerin, die aus Haslach in Oberösterreich stammt. Außerdem verschafft Badala Eltern endlich wieder Zeit für sich, was ganz klar auch eine Vision von Höller war. „Als Mutter zweier Kinder kann ich bestätigen: Kinder lieben Schachteln und Sticker. Ich habe im Laufe der Jahre beobachtet, dass Rollenspiele mit Kartonboxen sehr lang anhaltende und vertiefende Spielphasen ermöglichen.“ Und sogar im medizinischen Bereich kommen die Aufkleber immer häufiger zum Einsatz. So hat zum Beispiel eine Logopädin aus dem Wiener AKH schon bei Badala eingekauft, weil sie die Pickerln in der Therapie verwendet. „Kinder, die vorher nicht viel geredet haben, werden anscheinend dadurch zum Reden gebracht“, freut sich die Mompreneur. Also nichts wie ran an die Schachteln!

© Catherine Ebser (1), Dieter Brasch (2), Badala (1)

Neuer Glanz für alte Schachteln Alleine in Wien fallen im Jahr rund 120.000 Tonnen Altpapier an. Einen großen Teil davon machen Verpackungen wie etwa Kartonboxen aus, die durch den Online-Handel in die Haushalte kommen und anschließend direttissima in der Tonne landen. Mit den Stickern kann das Verpackungsmaterial in kurzer Zeit transformiert und so noch einmal zu einem zweiten Verwendungszweck herangezogen werden. Spiel und Spaß kombiniert mit Umweltschutz? Diesen nachhaltigen Einfall fand auch die Jury am „Game Changer Festival“ preisverdächtig, und

so erhielt Badala den Rewe-Start-up-Preis und landete bei Bipa Online. „Wir sind online dort erhältlich, aber die Sticker sollen auch als Beileger funktionieren.“ Das heißt, wann immer Bipa Online ein Produkt in Kartonverpackung verschickt, liegen die Badala-Stickerbögen automatisch bei. „Ein großer Vorteil, weil dann die Schachtel gleich bespielt werden kann“, so Höller. Nach erfolgreichen Kooperationen mit der Drogeriemarkt-Kette, dem Maschinenhändler Holzmann, dem Küchengerätehersteller Vorwerk und dem Kinderschuhgeschäft Le Petit Chou arbeitet Badala nun erstmalig mit einem deutschen Unternehmen, der Online-Vinothek Weinfreunde.de, zusammen. Das hat sich unter anderem durch die Corona-Pandemie und das damit verbundene Arbeiten im Homeoffice für das Marketingteam der Vinothek ergeben. Denn als Eltern kleiner Kinder konnten sie sich dort selbst von den Vorzügen der Badala-Aufkleber überzeugen: Die Eltern konnten konzentriert ihrer Arbeit nachgehen, und die Kinder widmeten sich begeistert dem Aufmöbeln alter Schachteln.

Mit den bunten BadalaAufklebern werden alte Schachteln und Kartons im Nu zum spannenden Spielobjekt umgestylt.

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Stapeln, Rollen, Bauen Die bunte Welt des Spielzeugdesigns Die einzige Universität in Deutschland, an der man Spielzeugdesign studieren kann, ist die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Produktdesignerin Karin Schmidt-Ruhland leitet dort die Studienrichtung Spiel- und Lerndesign und verrät im Tipi-Interview, was gutes Spielzeug ausmacht, wer Spielzeug designt und wie man damit beginnt. von karoline jirikowski

Mit Alltagsgegenständen, nur in der Fantasie oder doch mit Würfel, Baustein oder Puppe … so vielfältig wie Kinder, so vielfältig sind auch ihre Spielarten. Doch eins ist ihnen gemeinsam: Im Spiel lernen und entwickeln sie kulturelle und soziale, kommunikative wie motorische Fähigkeiten, entdecken sich selber und können die Welt der „Großen“ nachahmen, erkunden und verstehen lernen. Spielen ist also Leben lernen. Forschungen zu kindlichem Spielverhalten zeigen, dass Kinder bis zum Alter von sechs Jahren zwischen sieben und acht Stunden täglich spielen sollten. Nicht nur, weil Spielen Spaß macht und die Zeit vertreibt, sondern weil es die kindliche Entwicklung auf vielfältige Weise vorantreibt. „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“, wusste schon Friedrich Schiller – denn Spielen und spielendes Lernen begleiten uns in allen Lebensphasen. Was lernen Studierende der Studienrichtung Spiel- und Lerndesign?

Womit beginnt man, wenn man Spielzeug designt? Mit Beobachtung! Als Designerinnen und Designer müssen wir die Zielgruppe im Blick haben. Geht’s um Spielzeug für Kinder, beziehen wir Kinder von Anfang an mit ein und beobachten sie beim Spielen: Womit spielen sie? Wie spielen sie? Was wollen sie? Was wollen sie nicht? Außerdem möchte ich meinen Studierenden beibringen, Dinge noch mal ganz neu zu sehen, aus einer

anderen Perspektive. Unsere CampusKita ist ein wichtiges Ideenlabor für uns, um Inspirationen und Praxiseinblicke zu bekommen. Auch später, um etwa zu sehen, wie Kinder mit unseren Prototypen umgehen und spielen. Was macht gutes Spielzeug aus? Gutes Spielzeug ist vielfältig nutzbar, spricht alle Sinne an, der/die Spielende wird aktiv damit. Wichtig ist auch, dass das Spielzeug in seiner Herstellung Qualität hat und aus gutem Material ist. Ein beliebtes Semesterprojekt bei uns ist die Auseinandersetzung mit Spielzeugklassikern, die unsere Studierenden dann unter die Lupe nehmen, neu denken und interpretieren. Welche Bedeutung hat Material bei der Gestaltung von Spielzeug? Eine sehr große! Die Materialauswahl ist die Antwort auf sehr viele Fragen im Gestaltungsprozess: Für wen und für welchen Anlass soll ein Spielzeug gestaltet werden? Wie wird damit gespielt? Holz

Der Kreisel ist ein Spielzeugklassiker. Seine Formen- und Bewegungsvielfalt begeistern immer wieder aufs Neue.

© Michel Klehm (3), Petra Stockhausen (1), Bioblo Spielwaren GmbH (3)

Interview

Karin Schmidt-Ruhland: Wir beschäftigen uns mit der Bedeutung des Spiels in Prozessen der Wissensvermittlung und -aneignung und schließlich mit der Rolle des Spielerischen in sozialen und kreativen Prozessen allgemein und gestalten in diesem Kontext Räume, Objekte und Aktionen. In unseren Projekten geht es daher nicht nur um das Spiel der Kinder, wir beschäftigen uns auch mit dem Spiel von Erwachsenen. Wichtig ist natürlich immer auch der Fokus auf „lebenslanges Lernen“.

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Freie Zeit etwa ist ein sehr vielfältiges Material: hat eine besondere visuelle Anmutung, eine angenehme Haptik und kann vielfältig bearbeitet werden. Zudem ist es ein natürliches und nachhaltiges Material. Objekte lassen sich auch so gestalten, dass sie aus hygienischer Sicht hohen Ansprüchen genügen. Der Umgang mit unterschiedlichsten Materialien ist in unserem Studiengang sehr wichtig – ebenso der Einsatz vielfältigster Arbeitstechniken. An der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle haben wir viele Werkstätten. Studierende lernen daher viel über Arbeitstechniken, Handwerk und den Umgang mit verschiedensten Maschinen. Was halten Sie von Moden in der Spielzeugindustrie? Ich finde, ein weiteres Kriterium für gutes Spielzeug ist Zeitlosigkeit. Sicher können Gestaltung und Ästhetik variieren und bestimmten Zeitströmungen unterliegen. Doch die Merkmale von gutem Spielzeug sind eigentlich zu allen Zeiten gleich.

Blätterschaufeln oder kunterbunte Mobilität mit tollen Formen: Bei Projektarbeiten haben Studierende die Gelegenheit, Spielzeugklassiker neu zu denken.

Wo arbeiten Absolventinnen und Absolventen Ihres Studiengangs? Viele arbeiten nach dem Studium als Spielzeugdesigner/-innen in großen Unternehmen, manche sind auch freiberuflich tätig.

Bioblo: Baustein, neu gedacht! Geniale Neuinterpretation des Bauklotzes, made in Austria, ist der quietschbunte Bioblo: Von Kunststofftechniker Hannes Frech, Marketingmanager Stefan Friedrich und Designer Dietmar Kreil, gemeinsam mit Pädagog(inn)en

entwickelt, wird Bioblo aus Bio-Fasal, einer Materialmischung aus RecyclingKunststoff und Naturstoffen, darunter Holzspäne, hergestellt. Produziert wird in Tulln und Zagreb. Aufgrund seines Mini-Gewichts ist der längliche Baustein

mit markanter Wabenstruktur Topmaterial für hohe Konstruktionen oder kunstvolle Mosaike. Gerade während des Corona-Lockdowns ist bei vielen Kids das Baufieber ausgebrochen, wissen die drei Bioblo-Chefs. www.bioblo.com

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International gut vernetzt, ist afilli eine Web-Plattform für qualitätsvolle Spielsachen, Kindermöbel und Wohnaccessoires. 2013 von der Berliner Journalistin und PR-Managerin Katja Runge gegründet, fördert afilii als kulturübergreifendes Netzwerk insbesondere junge Labels und Designer/-innen und macht diese sichtbar: „Kreativität und Fantasie sind in unserer konsumgesteuerten Welt unbedingte Voraussetzung, um ein gestaltbares, sinnstiftendes und zufriedenes Leben zu führen. Wem dies

als Kind jedoch verwehrt bleibt, hat es im Leben schwerer, unabhängige Entscheidungen zu treffen“, ist Katja überzeugt. Zahlreiche Kriterien, darunter Herstellungsqualität- und bedingungen, Design, Materialauswahl sowie vorhandene Gütesiegel, sind für afilii wichtig. Eine Prototypen-Börse gibt unter anderem Überblick über aktuelle Ideen und Projekte und bietet Designerinnen und Designern die Möglichkeit, sich mit Investorinnen und Investoren zu vernetzen. www.afilii.com

© Malina Ebert (1)

afilii – Hub für kindgerechte Gestaltung

Spielerisches aus Papier und Karton: Geschwister Löwenstein & Pappka

Anne und Ruth Löwenstein

Geschwister Löwenstein, das sind die Schwestern Anne und Ruth Löwenstein, gestalten seit ihrer Kindheit am liebsten mit Papier. Für sie ermöglicht gutes Spielzeug eine Vielfalt an Spielvariationen, außerdem weckt es Lust, selber kreativ zu werden. Die Schwestern sind davon überzeugt, dass neben hochwertigen und interessanten Materialien weniger oft mehr ist. Mit ihrem während des Corona-Lockdowns spontan initiierten und mittlerweile mit mehreren Preisen prämierten Blog-Projekt „Quarantäne Kids“ lieferten Anne und Ruth jeden Tag eine Spielidee, bei der man mit wenig Material Spielwelten entstehen lassen konnte: Vom Schuhkarton-Theater bis hin zur selbst gemachten Kugel- oder Sesselkegelbahn. Mit der Familien-Papeterie „Löwenstein“ starten die Schwestern nun ihr nächstes gemeinsames Projekt. Natürlich mit Papier. www.geschwisterloewenstein.de Ausgefuchst, das ist das Leipziger Spielzeug-Label Pappka mit Sicherheit! Antje Stumpe und Martina Musek lassen zwischen zwei Buchdeckeln Pop-up-Welten entstehen, die mal Puppenhaus, mal Lokschuppen, mal Autogarage, Bauernhof oder Einhornschule sind. Ist das Spiel fertig, wird das Pappka-Haus einfach wieder zugeklappt. Entstanden aus einem Uni-Projekt, haben Antje und Martina ihre Idee bis zur Marktreife weiterentwickelt. Seit 1,5 Jahren ist Pappka nun am Markt und etwa auch mit dem „Spiel gut“-Siegel ausge-

Antje Stumpe und Martina Musek

zeichnet. „Mit Pappka möchten wir ein Zeichen setzen, denn viele Spielsachen am Markt sind vorgefertigt und bieten nur wenige Gestaltungsräume. Pappka lädt Kids ein, selber kreativ zu werden, individuell zu gestalten und beim Spiel in unendlich viele Welten einzutauchen.“ www.pappka.de

© Antje Stumpe (3), Geschwister Löwenstein (1)

Geschwister Löwenstein & Pappka sind Projekte von Absolventinnen bzw. Studierenden der Uni auf Burg Giebichenstein, bei beiden steht Papier im Fokus.

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Nur Geduld! Seit vier Jahrzehnten tüftelt die ganze Welt am Rubik’s Cube. Mit über 450 Millionen verkauften Exemplaren ist der Zauberwürfel die Nummer eins der meistverkauften Spielzeuge aller Zeiten. Ein Interview mit seinem Erfinder Ernő Rubik. Wie lange haben Sie gebraucht, um den Würfel zu erfinden? Ernő Rubik: Die Arbeit an dem Würfel war selbstverständlich kein fester Job, sodass es keine klare Zeitlinie gab. Ich habe im Frühjahr 1974 mit der Arbeit daran begonnen, und der erste Prototyp war im Sommer 1974 fertig. Im Jänner 1975 meldete ich schließlich ein Patent an.

© Rubik’s Brand Ltd. (1), Ravensburger Verlag/Günter Meier (1), ThinkFun Inc.(2)

Wie hat die Erfindung des Würfels Ihr Leben verändert? Auf zu viele Arten, als dass ich sie aufzählen könnte. Viele dieser Veränderungen waren äußerlich: Der Würfel hat mich mehrmals um die Welt gebracht. Ich bin vielen interessanten Menschen begegnet. Der Würfel hat mir die Freiheit gegeben, meinen Interessen ohne allzu viele Zwänge und Sorgen nachzugehen. Aber die wichtigsten Veränderungen waren immer innerlich: Er gab mir das Gefühl, etwas Besonderes geschaffen zu haben, und einen bestimmten Blickwinkel, von dem aus ich die Welt um mich herum beobachten konnte.

Interview

visuell usw. Der Würfel verkörpert etwas aus dem Kern der menschlichen Natur: die Freude am Erforschen und die Neugierde des Verstands. Warum ist der Würfel so beliebt, auch wenn die meisten Menschen ihn nicht lösen können? Der Würfel ist so viel mehr als nur ein Geduldsspiel. Die „Lösung“ ist nur ein Aspekt der Faszination. Vielmehr entfesselt der Würfel kreatives Denken. Was ist das Geheimnis eines großartigen Spielzeugs im Allgemeinen? Um dies richtig zu beantworten, müsste man die Geheimnisse des menschlichen Geistes kennen.

Was ist das Geheimnis der bleibenden Relevanz des Würfels – auch heute noch in unserem digitalen Zeitalter? Der Würfel wurde etwa zur gleichen Zeit geboren wie das Internet. Als Geduldspiel hat er einen digitalen Reiz, er folgt Algorithmen. Aber er ist auch sehr physisch: taktil,

Für viele Menschen ist die soziale Interaktion ein wichtiger Teil des Spielens. Und Aufgaben in Teams zu lösen, ist heute in Schulen und Unternehmen wichtiger als in den 80er-Jahren. Welche Bedeutung hat der Würfel heute als Aktivität, bei der der Spieler allein ist? Der Würfel ist in der Tat eine Herausforderung an den Einzelnen. Es gibt keinen Gegner – nur die gnadenlosen Regeln der Natur. Das Erstaunlichste am Würfel ist für mich jedoch seine ungeheure Kraft, Menschen unabhängig von sozialen, kulturellen oder sprachlichen Unterschieden zusammenzubringen. Tausende von „Cubern“ kommen für Wettbewerbe zusammen, um Mosaike zu kreieren oder Kunstprojekte. Der Würfel spielt eine Rolle in der hochmodernen Forschung zu Robotik oder zu künstlicher Intelligenz. Am wichtigsten ist, dass der Rubik’s Cube in Tausenden und Abertausenden von Schulen auf der ganzen Welt zu finden ist, wo er seine ganz eigene Mission als Lehrmittel findet, Kinder inspiriert, Neugierde fördert und beim spielerischen Lernen hilft. Ernő Rubik mit seinem „Zauberwürfel“ bei einer Spielwarenmesse in den 80ern. Der aktuelle Weltrekord aus dem Jahr 2018 für das Lösen eines Würfels liegt bei 3,47 Sekunden.

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Seit vier Jahrzehnten begeistert der Rubik’s Cube 3x3x3-„Zauberwürfel“ Menschen auf der ganzen Welt. Beim Verdrehen gibt es 43 Trillionen Möglichkeiten. Jede davon ist in 20 Zügen lösbar – theoretisch ... Rubik’s Cube Original, ab 8 Jahren um ca. € 17,99.

Der Rubik’s Cage funktioniert wie ein dreidimensionales Tic-Tac-Toe-Spiel: Wer zuerst drei Steinchen in einer Reihe platziert hat, gewinnt. Für 2–4 Spieler ab 8 Jahren. Um ca. € 21,99.

Wir verlosen 3 Rubik’s-Pakete inkl. Rubik’s Cube & Rubik’s Cage: Mail bis 26.10.2020 an gewinn@tipimagazin.at – viel Glück!

www.thinkfun.de

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Schauen, Spielen, Lesen, Hören Eine kunterbunte Mischung aus Büchern, CDs, Filmen und Spielen hat sich für den Herbst angesagt – wärmste Empfehlung aus der Tipi-Redaktion!

0 – 3 Jahre

Meins, meins, meins Das Eichhörnchen hält gar nichts davon, seinen Baum mit anderen zu teilen – und baut eine Mauer darum. Pointierte Geschichte um Neid und Egoismus – tiefsinnig und komisch. Das ist mein Baum von Olivier Tallec, Gerstenberg. Ab 3. Um € 13,40.

Kniffliges Logikspiel Markierungen auf den Karten geben vor, wo die bunten Autos platziert werden müssen. Dann bahnt sich der Spieler mit dem kleinen roten Auto einen Weg durch das so entstandene Labyrinth. My First Rush Hour von ThinkFun. Ab 3. Um € 19,99.

Virenabwehr Bleib gesund! erklärt den Kleinsten einfache Hygieneregeln und macht gleichzeitig die unsichtbaren Viren durch einen Relieflack erfahrbar – man kann sie nicht sehen, aber sie sind trotzdem da! Von Sandra Grimm & Tessa Rath, cbj. Ab 2. Um € 10,30.

Noch mal! Warum nicht noch mal rutschen, wenn es grad so lustig ist? Und noch einmal im Liegen, und noch einmal mit Kopf voraus und Noch einmal mit Heinz ... Fröhliches Bilderbuchvergnügen von Jutta Bücker, Klett Kinderbuch. Ab 2. Um € 10,30.

4 – 6 Jahre

Urkomisch! Bob der Berg ist traurig: Weil er ganz weich ist, kann ihn niemand erklimmen. Als er auf Eisverkäuferin Aurora und Schwalbe Emma trifft, wird sein Leben auf den Kopf gestellt. Ganz schön schräge Geschichte über einen Berg, der Freunde und eine neue Bestimmung findet. Das Ei von Aua von Rike Drust, Kunstanstifter. Ab 5. Um € 22,70.

Comic-Farbspiel Ein verwinkeltes Haus voller Rätsel, eine Hexe in Pension und ein zwielichtiger Nachbar: Kiste-Autor Patrick Wirbeleit und Zeichner Sascha Wüstefeld werfen ihren gewitzten Helden Tim Hals über Kopf in ein fantastisches Abenteuer mit Gruselfaktor! Haus Nr. 8 – Eine farblose Familie, Kibitz. Ab 6. Um € 15,50.

Sprachspielerei Wenn ein Sägefisch den Tisch zersägt oder ein Lehrer zum Apfelbaum wird, haben Kinder Spaß. Und wir ebenso! Herrliche Nonsens-Gedichte voller Sprachwitz – wunderschön illustriert. Gute Reise, Eierspeise! von Christian Futscher & Raffaela Schöbitz, Picus. Ab 4. Um € 15,–.

Poetisch Jaguar, Zebra, Nerz – inspiriert von Christian Morgensterns Gedicht nimmt uns Wortkünstler Heinz Janisch Monat für Monat auf eine Reise durchs Jahr mit. Zum Schmunzeln, Fantasieren und Weiterdichten. Großartig bebildert von Michael Roher. Tyrolia Verlag, ab 5. Um € 16,95..

Ganz schön anziehend Neue Aufgabe für die bekannten MAGFORMERS®-Magnete: Die auf den Karten dargestellten Konstrukte sollen möglichst schnell nachgebaut werden. Magnefix von Amigo. Für 2–4 Spieler ab 6. Um € 34,99.

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Freie Zeit

7 – 9 Jahre

Kinderkrimi Die alte Dame Teetee wird von den Kindern geliebt – sie hört zu und weiß immer, was gerade gebraucht wird. Als sie plötzlich verschwindet, ist detektivisches Gespür gefragt. Spannende Geschichte über Freundschaft und Zusammenhalt. Parole Teetee von Antje Herden & Maja Bohn, Tulipan. Ab 9. Um € 13,40.

Verdrehte Welt Alles anders als gewohnt: Um abzukassieren, müssen Spieler erst haushoch verlieren, sonst ärgerliche Spielzüge werden hier belohnt – kurz: Mit der üblichen Taktik kommt man bei Monopoly für schlechte Verlierer nicht weiter. So macht Loser sein Spaß! Von Hasbro. Ab 8. Um ca. € 30,–.

Gute Laune Am „Wettkampftag“ treten Fanny und Mama gegeneinander an – und jede will in Disziplinen wie Turmbauen oder Stillsein gewinnen. Unbeschwertes Erstleserbuch mit Witz und Oma als Schiedsrichterin. Fanny ist die Beste von Sara Ohlsson & Jutta Bauer, Moritz. Ab 7. Um € 11,30.

Geht ans Herz Louisiana muss mit ihrer Granny ihr Zuhause in einer Nacht-und-Nebel-Aktion verlassen. Wohin es geht, weiß sie nicht. Doch eines Tages ist Granny weg. Turbulente Geschichte um Abschied, Freundschaften und Zuhause. Louisianas Weg nach Hause von Kate DiCamillo, dtv junior. Ab 9. Um € 13,40.

Berührend Live-Action-Verfilmung des preisgekrönten Kinderbuchs über einen Gorilla, der sich um ein Elefantenbaby kümmert. Mit „Breaking Bad“-Star Bryan Cranston als Zirkusdirektor Mack. Der einzig wahre Ivan, im Streaming-Angebot von Disney+. www.disneyplus.com

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© Hersteller, Verlage, Verleiher, Simone Porteder (Illustration)

Auf den Hund gekommen Im New Yorker Stadtteil Queens toben erbitterte Revierkämpfe. Es geht um die Aufteilung der sechs Hundereviere. Durch geschicktes Ablegen der Karten versuchen 2–4 Spieler, die Mehrheit an Stimmen des Hunderats in jedem Revier zu erhalten. Kleines Spiel, das großen Spaß macht! Kleine Kläffer von Piatnik. Ab 10. Um ca. € 9,–.

Schräger Grusel Als der 13-jährige Halbvampir Markus sein Gedächtnis verliert, setzt Freundin Tallulah alles daran, den Grund für seine Amnesie zu finden. Vierter Band aus der lustigen Kinderbuchreihe von Pete Johnson: Wie man 13 wird und zum Superhelden mutiert, arsEdition. Ab 10. Um € 12,40.

Emotional Für Piper und ihren Bruder Dylan ändert sich das Leben schlagartig, als beide Eltern ihre Jobs verlieren und sie in einer Notunterkunft landen. Trost spendet ein kleiner Straßenhund und sein obdachloses Frauchen. Gefühlvolle Story mit Blick auf soziale Missstände in den USA. Solange wir zusammen sind von Bobbie Pyron, Thienemann. Ab 10. Um € 15,50.

Wohlfühl-Hörspaß Martha, Mikkel und Mats sind endlich wieder bei Oma Inge zu Besuch. Die Idylle wird getrübt, als der gemeine Makler mit fiesen Mitteln Omas Haus kaufen möchte. Aber das werden die drei Kinder nicht zulassen! Zurück in Sommerby von Kirsten Boie. Hörbuch ab 10 von Jumbo, melodiös gesprochen von Julia Nachtmann. Um € 15,50. som h erm bst er 2020 2016 |

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Freie Zeit

Film-Highlights Der Kinoherbst bringt gleich einige Romanhelden und ihre Geschichten von den Bücherseiten auf die große Leinwand. Außerdem: tierische Abenteuer, verwunschene Häuser und Gärten und eine Welt, in der die Technik die Macht übernimmt. Film ab!

Drachenreiter

Starttermin: 01.10.2020

Der junge Silberdrache Lung hat es satt, sich ständig in einem bewaldeten Tal verstecken zu müssen. Er möchte der älteren Generation beweisen, dass er ein richtiger Drache ist. Als sein Rückzugsort in Gefahr gerät, macht sich Lung zusammen mit dem Koboldmädchen Schwefelfell und dem Waisenjungen Ben auf die Suche nach dem „Saum des Himmels“, wo die ursprüngliche Heimat der Drachen liegen soll. Das ungleiche Trio muss lernen, an einem Strang zu ziehen, denn sie werden von Nesselbrand verfolgt. Das bösartige, drachenfressende Monster wurde von einem Alchemisten erschaffen mit dem Ziel, alle Drachen der Erde aufzuspüren und zu vernichten ... Aufwendig animierte Abenteuerreise, inspiriert vom Bestseller von Cornelia Funke – mit den Stimmen der YouTubeStars Julien Bam, Dagi Bee & Mike Singer.

Yakari hat einen Traum: Er möchte eines Tages auf Kleiner Donner reiten, dem Wildpferd, das noch von niemandem gezähmt werden konnte. Als sich das junge Wildpferd seinen Huf unter einem Felsen einklemmt, ist Yakari zur Stelle und befreit es. Für diese mutige Tat verleiht ihm Großer Adler, Yakaris Totemtier, die Gabe, mit Tieren zu sprechen. Schon bald kann sich Kleiner Donner revanchieren, indem er Yakari aus einem reißenden Fluss rettet. Gemeinsam machen sie sich auf den weiten und abenteuerlichen Rückweg durchs Gebirge. Dabei treffen sie nicht nur viele verschiedene Tiere, es machen ihnen auch Kälte, Hunger und ein feindlicher Stamm zu schaffen. Erstes Kinoabenteuer von Yakari rund um Freundschaft, Mut und die magische Verbindung mit der Natur.

Starttermin: 23.10.2020

© Warner Bros. (1), Constantin Film (3)

Yakari – Der Kinofilm

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Starttermin: 02.10.2020

Jim Knopf und die Wilde 13 Nachdem Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer den Drachen Frau Mahlzahn besiegt haben, sinnt „Die Wilde 13“, eine Bande von dreizehn Piraten-Brüdern, auf Rache. Mit ihren Dampflokomotiven Emma und Molly begeben sich die Freunde aus Lummerland auf eine gefährliche Reise, auf der auch Jims

sehnlichster Wunsch in Erfüllung gehen könnte: Er will endlich die Wahrheit über seine mysteriöse Herkunft ans Licht bringen. Abenteuerliche Fortsetzung zum 2018 erschienenen Kinofilm „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer”, der auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Michael Ende basiert.

Ooops! 2 Nach Wochen auf hoher See wird das Essen auf der Arche knapp. Das Chaos wird komplett, als Finny und Leah bei einem Sturm über Bord gehen. Doch die beiden Freunde und ein angeschwemmter Passagier – das geschwätzige Quallenmädchen Jelly – retten sich auf ein provisorisches Floß,

setzen ihr Segel und folgen der Arche, auch in der Hoffnung, auf Land zu stoßen und Futter für die anderen Tiere zu finden. Plötzlich trennt ein heftiger Sturm das Trio. Während Finny unter Wasser eine ganze Nestrier-Kolonie entdeckt, die ihn rettet, werden Leah und Jelly auf eine abgelegene Insel

Starttermin: 24.09.2020

gespült. Im Wettlauf mit der Zeit, den Gezeiten und einem rülpsenden Vulkan müssen die Freunde nun wieder zueinanderfinden. Temporeiche Fortsetzung des Animationshits von 2015 mit einer bunten, chaotischen Tierschar rund um Nestrier Finny und den Grymp Leah.

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Freie Zeit

Benjamin Blümchen – Seine schönsten Abenteuer In seinem ersten Leinwandabenteuer aus dem Jahr 1997 rettet Benjamin Blümchen ein süßes Mammutbaby vor dem Kochtopf, hilft der kleinen Hexe Bibi Blocksberg, ihr Hexenbuch wiederzufinden und nimmt obendrein mit seinem besten Freund Otto an einem Ballonwettbewerb gegen den hochnäsigen Baron von Zwiebelschreck teil. Töröööö! Starttermin: 25.09.2020

Starttermin: 19.11.2020

Abenteuer im Zaubereulenwald Da Eias Eltern zu Weihnachten keine Zeit für sie haben, muss die 10-Jährige die Ferien auf dem winterlichen Bauernhof eines Bekannten ihrer Eltern verbringen. Zunächst ist Eia enttäuscht, aber schon bald überwiegt die Neugier, denn hier erwartet sie der magische Zaubereulenwald mit wunderschöner Natur und zahlreichen

Tieren. Als der gierige Verwalter Ravio plant, den uralten Wald abzuholzen, lässt Eia zusammen mit ihren neuen Freunden nichts unversucht, um den Zaubereulenwald zu schützen. Dabei deckt sie zufällig noch ein gut gehütetes Geheimnis ihrer Familie auf… Liebevoll inszenierter und warmherziger Familienfilm aus Estland.

Das schaurige Haus Starttermin: 23.10.2020

Connected – Familie verbindet Die kreative Außenseiterin Katie wurde an der Filmschule ihrer Träume angenommen. Jetzt begleitet sie die ganze Familie auf dem Weg ins College: ihr naturverbundener Vater Rick, ihre dauer-gutgelaunte Mutter Linda, ihr schräger kleiner Bruder Aaron und der entzückend-pummelige Mops Monchi.

Der Familien-Roadtrip wird jedoch schnell zu einem unerbittlichen Kampf gegen die Technik. Denn sämtliche elektronische Geräte – von Handys bis hin zu Robotern, erheben sich gegen ihre menschlichen Besitzer. Witziger Animationsfilm um die Macht der Technik, Familie und Zusammenhalt.

Der 16-jährige Hendrik ist wenig begeistert, als er mit seiner Mutter Sabine und dem kleinen Bruder Eddi aus Hannover in ein Kärntner Dorf zieht. Und dann scheint es im neuen Haus auch noch zu spuken! Vor vierzig Jahren soll die darin lebende Amalia Polzmann ihre beiden Söhne mit Pilzen vergiftet und dann Selbstmord begangen haben. Gemeinsam mit neuen Freunden versuchen die Brüder, das dunkle Geheimnis zu lüften. Jugend-Mystery-Film aus Österreich nach dem gleichnamigen Roman von Martina Wildner.

© Constantin Film (1), Einhorn Film (2), Sony Pictures (1), Filmladen (1)

Starttermin: 30.10.2020

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Freie Zeit

Starttermin: 15.10.2020

Der geheime Garten Nach dem plötzlichen Tod ihrer Eltern wird die in Indien lebende 10-jährige Britin Mary Lennox auf das tief in den Yorkshire Moors gelegene Landgut ihres Onkels Archibald (Colin Firth) geschickt. Weder der Onkel noch die Haushälterin (Julie Walters) interessieren sich für das Mädchen. Die Geheimnisse in dem

großen Haus mit den hundert verschlossenen Zimmern wecken schnell Marys Neugier. Sie erfährt von einem geheimen Garten, den seit zehn Jahren niemand betreten hat, und macht sich auf die Suche. Aber was sie findet, ist weitaus mehr als irgendein Garten! Gemeinsam mit ihrem kränklichen Cou-

sin Colin und ihrem neugewonnenen Freund Dickon entdeckt sie eine Welt für sich, die nicht nur ihr eigenes Leben von Grund auf verändert. Magische Verfilmung des gleichnamigen Romans von Frances Hodgson Burnett – von den Machern von „Harry Potter‘‘ und „Paddington“.

Zeit.Gemeinsam.Erleben.

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Freie Zeit

Der Reitkindergarten Spielen ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Wie das auf und mit dem Pferd funktionieren kann, zeigt die ganzheitliche Reitpädagogik. Wir waren zu Gast im Reitkindergarten und haben uns angeschaut, wie sich Vierjährige erstmals auf den Pferderücken schwingen. Und was sie nebenbei über Nahrungsmittel lernen. von susanne sonnleitner

© Susanne Sonnleitner (4)

Auf geht‘s zur Reitstunde! Die kleinen Reiter/-innen sind schon gespannt, wer als erstes auf Lilly reiten darf. Und welche Spiele sie am Boden erwarten.

Lilly ist 16 Jahre alt, gutmütig und mag Kinder. Dennoch ist im Umgang mit dem Haflinger Achtsamkeit geboten – so wie mit allen Pferden und Lebewesen. Auf die Frage „Worauf müssen wir aufpassen, wenn wir gleich zu Lilly gehen?“, antwortet der fünfjährige Maximilian: „Auf den Popo“. Recht hat er. Es ist ein spätsommerlicher Nachmittag im Stall von Gabi Winterleitner am Linzer Stadtrand. Die ausgebildete Kindergartenpädagogin hat soeben „ihre“ Kinder begrüßt. Seit neun Jahren bietet Winterleitner ganzheitliche reitpädagogische Einheiten nach Dell’mour an. Diese hier ist für die ganz Kleinen. Die reitpädagogische Betreuung, auch FEBS (Abk. für Fantasie, Erlebnis, Bewegung, Spiel) genannt, richtet sich an Kinder von etwa drei bis sieben Jahren. Typischerweise findet eine FEBS-Einheit mit

vier Kindern und einem Pferd statt. Heute machen neben Maximilian noch Lena, 3 Jahre, Benedikt, 4, und Clara, 5 Jahre mit. Zur Begrüßung wird die Haflingerstute mit der langen Blesse und dem buschigen Schweif ausgiebig gestreichelt und gestriegelt. Die ausgebildete Reitpädagogin hält dabei den Kopf des Tieres. Die kleine Lena kommt mit der Bürste nicht bis zum Pferderücken, sie darf sich auf ein Stockerl stellen. Auch beim Hufauskratzen dürfen die Kinder – mit Unterstützung der Pädagogin – mithelfen. Dabei hat Gabi Winterleitner die Augen scheinbar überall, beim Pferd, aber auch bei den Kindern. Legt die Stute die Ohren an, ist Vorsicht geboten. Legt sie ihr Maul in Falten, ebenso. Gleichzeitig achtet die Pädagogin darauf, dass alle Kinder an ihrer Seite bleiben.

Das Pferd als Partner Die ganzheitliche Reitpädagogik ist neu in Österreich. „Vor zwanzig Jahren gab es gar kein Reitangebot für Kleinkinder, schon gar keines, das auf die kleinkindliche Entwicklung spezialisiert gewesen wäre“, sagt Sabine Dell’mour, Begründerin des FEBS-Konzeptes. Die reitpädagogische Betreuung ist nicht von einer eindimensionalen, sondern von einer umfassenden Denkweisem gekennzeichnet. Körper, Geist und Seele werden in den Blick genommen. Das äußert sich in der Praxis etwa durch die einfache Frage nach dem Wohlbefinden der Kinder oder durch das Miteinbeziehen von individuellen Bedürfnissen. In der FEBSEinheit können Kinder spielerisch die Welt des Pferdes erobern, wobei die Beziehung im Vordergrund steht. Nebenbei lernen

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Freie Zeit die Kinder Grundkompetenzen fürs Reiten wie Putzen und Pflege, Grundlagen des Balancesitzes und das Wissen um verschiedene Verhaltensweisen des Pferdes. „Beim FEBSen profitieren Kinder hinsichtlich ihrer seelischen, motorischen und sozialen Entwicklung“, ist Dell’mour überzeugt. Sicherheit als oberstes Gebot „Tschu tschu tschu, die Eisenbahn …“, singen die Kinder, die mit ihrer reitpädagogischen Betreuerin eine Kette gebildet haben. Im Gleichschritt führen sie Haflingerstute Lilly ins Roundpen. Der Longierzirkel ist optimal für eine FEBS-Einheit. Räumlich begrenzt, vermittelt er den Kindern ein Gefühl von Sicherheit, bietet aber genug Platz für das Spiel. Ringe, Bilder, Stangen und Spielfigurpferde sind schon auf dem Boden aufgelegt. Zuerst darf Lena auf Lilly reiten. Mithilfe der Betreuerin nimmt das Mädchen fröhlich auf dem breiten, bequemen Pferderücken Platz. Beim FEBS-Training sitzen die Kinder nicht im Sattel, sondern auf einer Decke. Den nötigen Halt gibt der Voltigiergurt mit den stabilen, großen Griffen. Während Lena ihre Runden auf Lilly dreht, haben die anderen – sie werden „Bodenkinder“ genannt – allerhand zu tun. Sie galoppieren mit ihren Steckenpferden, lösen verschiedene Aufgaben, legen Karten bis zum Kreismittelpunkt auf. Bis das nächste Kind auf Lillys Rücken darf. Vier Kinder, aber nur ein Pferd … Sind die Kleinen immer so geduldig wie an diesem Tag? „Nicht immer“, lacht Gabi Winterleitner, „natürlich will jeder sofort aufs Pferd. Doch die Kinder lernen so auch, mal zu warten.“ Entspannt trottet die Haflingerstute im Kreis. Der Sand knirscht unter ihren Hufen. Es scheint Lilly nichts auszumachen, dass

sich Maximilian auf ihrem Rücken dreht und plötzlich verkehrt herum auf der Stute sitzt. Während die Reitpädagogin mit den „Bodenkindern“ interagiert, muss sie auch auf das Reitkind und das Pferd achten. Beim Führen ist immer eine Hand beim Kind. Im FEBS nennt man diese Technik „beschützendes Dreieck“. Sicherheit ist ein wichtiger Aspekt beim Umgang mit (Klein-)Kindern und Pferden. Daher ist es wichtig, dass die Kinder zuerst das Pferd kennenlernen. Nicht jedes Pferd oder Pony ist für die Reitpädagogik geeignet. Dazu bedarf es einer intensiven Erziehung und Ausbildung. Doch in der ganzheitlichen Reitpädagogik achtet man auch darauf, dass es dem Tier gut geht, wie Sabine Dell’mour betont: „Eine pferdegerechte Haltung und Aufmerksamkeit auf das Wohlbefinden des Pferdes sind immens wichtig.“ Pommes fürs Pferd? Bloß nicht! Für die heutige Einheit hat sich Gabi Winterleitner das Thema „Pferdefutter“ ausgesucht. Auf den Bildern, die am Boden aufgelegt sind, sind Zuckerl, Heu und Leberkässemmel zu sehen. Nun geht es darum herauszufinden, welche Nahrungsmittel für Menschen und welche für Pferde bestimmt sind. Den Kindern gefällt das Spiel, sie beziehen auch

gleich das Pferd mit ein. „Mag die Lilly Pommes?“, „Nein, die darf sie gar nicht fressen!“, so der einstimmige Tenor. Auch Lilly schüttelt den Kopf. Alle lachen. Die Kinder sind an diesem Tag zurückhaltender als sonst. Vielleicht liegt es daran, dass sie mit der Kamera begleitet werden? „Oft sprudeln die Kinder über vor eigenen Ideen, die ich in der Reitstunde aufgreife“, erzählt Gabi Winterleitner. So entstehen eigens kreierte Spiele oder wunderbare Bauwerke. Dass die Kinder die Reitstunde mitgestalten können, ist übrigens nicht nur ein Charakteristikum von FEBS, sondern auch des weiterführenden Reitunterrichts GRIPS, den die Pädagogin seit Kurzem ebenfalls anbietet. GRIPS richtet sich an ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die im Sinne einer ganzheitlichen Reitpädagogik das Pferd fühlen, spüren und verstehen und ihre so gewonnenen Erkenntnisse anwenden wollen. Sowohl bei FEBS als auch GRIPS handelt es sich um bundeszertifizierte Ausbildungskonzepte, die in Österreich in Lehrgängen des Landwirtschaftlichen Fortbildungsinstituts LFI vermittelt werden. Gut fürs Selbstvertrauen Die Stunde neigt sich dem Ende zu. Benjamin gleitet über die „Pferderutsche“ von Lillys Rücken in den weichen Sand. Er bedankt sich bei der Stute. Per „Eisenbahn“ geht es wieder zurück zum Stall. Alle helfen mit, Lilly zu versorgen. In dieser Gruppe traut sich schon jedes Kind, Lilly ein Leckerli

Pferdepflege gehört zum Reiten dazu. Lena fühlt sich wohl und sicher auf der gepolsterten Pferdedecke. Die Reitpädagogin ist stets an ihrer Seite.

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Freie Zeit aus der Hand zu füttern. Gabi Winterleitner ist überzeugt, dass der Umgang mit dem Pferd die Persönlichkeit der Kinder festigen und mitunter positive Auswirkungen auf Ausdauer und Konzentration haben kann. So erfahren die Kinder durch ihre Körperhaltung beim Führen des Pferdes viel über ihre Selbstwirksamkeit. Darüber hinaus kann das Pferd zu einem echten Partner für das Kind werden. Pferde gelten als feinfühlige Tiere, die die Gefühle von Menschen spiegeln, wie Gabi Winterleitner fast täglich miterlebt. „Ich erinnere mich an einen Buben, der zu mir in die FEBS-Einheit kam. Er litt an einer Autoimmunerkrankung, und es ging ihm nicht gut. Als er erblindete, war es sein größter

Wunsch, noch einmal meine Haflingerstute Lilly zu besuchen. Als ob Lilly um die Situation gewusst hätte, hat sie ganz ruhig ihren Kopf in seinen Schoß gelegt und ist in dieser Position verharrt. Als der Junge dann eine Runde auf ihr geritten ist, war es Lilly, die mir signalisiert hat, als es genug für ihn war. Kurz darauf wurde der Bub tatsächlich unruhig

und laut, sodass es an der Zeit war, abzusteigen“, so die Reitpädagogin über diese Begebenheit, die sie nach vielen Jahren noch immer berührt. Gabi Winterleitner verabschiedet die Kinder vom Hof. Welches Programm die Pädagogin wohl für das nächste Mal vorbereiten wird? Vielleicht eine Schatzsuche im Obstgarten oder einen Ritt zum geheimnisvollen Zauberbaum? Doch zunächst wird Lilly eine Pause gegönnt. Zeit zum Durchschnaufen brauchen nun nicht nur die Kinder, sondern auch das Pferd, das den Kindern so viel an Emotionen abgenommen hat. Aber auch zurückgibt, wie das zufriedene Lächeln in den Gesichtern der Kinder zeigt.

Mädchen und Pferde – eine besondere Beziehung

Wenn die achtjährige Tochter plötzlich nur mehr Pferdecomics liest, das Zimmer mit Ponypostern austapeziert und am liebsten im Stall schlafen möchte, können Eltern nur mehr ungläubig den Kopf schütteln. Woher kommt die „Pferdevernarrtheit“ ihres Mädchens? Und wieso zuckt der Sohn nur gelangweilt die Schultern beim Anblick von „Black Beauty“? Aufschluss darüber gibt eine Studie von Helga Adolph und Harald A. Euler von der Universität Kassel aus dem Jahr 1994. Die Sportwissenschaftlerin und der Psychologe untersuchten das Phänomen, dass sich besonders das weibliche Geschlecht zu Pferden hingezogen fühlt und erforschten dazu die Psyche pferdevernarrter Mädchen und Frauen. Die wesentliche Erkenntnis war, dass nicht das Interesse am Reiten die Mädchen in die Ställe zog, sondern vielmehr die Liebe zum Pferd. Mädchen wollen ein Pferd umsorgen, es füttern, putzen, ausführen, dessen Stall ausmisten und mit ihm reden. Euler spricht von der Bindungsmotivation als Motiv: Für Mädchen ist das Pferd ein Partner, der Sicherheit, Geborgenheit und Trost vermittelt. Dabei ist das Pferd das letzte „Kuscheltier“ des Mäd86 | h er bst 2020

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Doch es gibt noch weitere Motive, die die Mädchenherzen für Pferde höherschlagen lassen. Zum einen suchen Mädchen Naturerlebnisse, die besonders Ausritte bieten. Auf dem Rücken des Pferdes lassen sich Abenteuer erleben. Es ist ein bisschen wie das Eintauchen in eine andere Welt. Zum anderen erfordert der Umgang mit dem Pferd Kompetenzen und Stärke. Junge Reiterinnen trainieren durch Stimm-, Zügelund Schenkelhilfen ihre Durchsetzungsfähigkeit und Selbstwirksamkeit. Das Interesse von Buben an Pferden ist

anders motiviert. Buben lieben Wettkämpfe und wollen reiten wie Ritter, Cowboys oder Indianer. An Pferdepflege sind sie wenig interessiert. Sie sehen im Pferd nicht den Partner, sondern eher das Sportgerät, so Eulers Beobachtung. Das sei evolutionär und kulturgeschichtlich bedingt, da Männer und Frauen seit der Steinzeit eine differenzierte Beziehung zum Thema Mobilität und später zu Pferden gepflegt hätten. Dennoch darf bei der Frage nach der Ausprägung von kindlichen Interessen heute der soziale Einfluss nicht außer Acht gelassen werden. Dass es Buben mehrheitlich auf das Fußballfeld und Mädchen eher in den Stall zieht, ist nicht nur unseren Vorfahren geschuldet. Familie, Freunde und nicht zuletzt der Druck innerhalb von Peergroups spielen hierbei eine wesentliche Rolle.

Mädchen sehen im Reiten mehr als nur eine Sportart. Das Pferd ist für sie Partner. Pflege und Fürsorge stehen im Vordergrund.

© Susanne Sonnleitner (3)

chens, denn es markiert den Übergang von der Herkunftsfamilie mit der Bindung an die Mutter zur eigenen Familie mit der Bindung an einen Mann. Eltern beobachten oft, dass die Schwärmerei für das Pferd schwindet, sobald die erste echte Liebe im Leben der Tochter auftaucht.

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Freie Zeit

Natur-Murmelbahn Eicheln, Stöcke, Steine, kleine Zapfen: Mit der Ausbeute eines kleinen Waldspazierganges lässt sich ganz einfach ein tolles Murmelspiel basteln.

Anleitung: 1. Für diese lustige Natur-Murmelbahn sind eurer Fantasie keine Grenzen gesetzt. Alle Schätze aus der Natur dürfen mitspielen. Mit kleinen, geraden Ästen baut ihr zunächst das Grundgerüst der Murmelbahn in der Kartonschachtel. 2. Einige Zapfen, Eicheln, Eichelhütchen, Muscheln und Holzstücke bemalt ihr mit Acrylfarbe und Filzstiften. Ihr könnt den Eicheln und den Holzstücken auch Gesichter aufmalen. 3. Entscheidet, wo der Start und wo das Ziel sein sollen. Legt dann alle Äste und Naturhindernisse zunächst zu einem Murmelparcours in die Schachtel. Achtet darauf, dass der Abstand zwischen zwei Gegenständen immer groß genug ist, sodass eine Murmel hindurchrollen kann.

Und so geht’s: Es kann losgehen! Wenn ihr gegeneinander antreten möchtet, stoppt die Zeit, die ihr dafür benötigt, die Holzkugel von der Start- bis über die Ziellinie zu rollen. TIPP: Auch bei einem Spaziergang am Meer oder durch die Stadt lassen sich passende Schätze für eine ungewöhnliche Murmelbahn finden. Ihr werdet erstaunt sein, was ihr gemeinsam alles findet, wenn ihr erst einmal gezielt danach sucht!

Pia Deges: Das Oma und Opa Bastelbuch. Kreative Ideen für die tollsten Großeltern der Welt; TOPP im frechverlag, € 16,50 Hier finden nicht nur Großeltern eine schöne Sammlung an kreativen Bastelideen für Kinder ab 5 Jahren: Ein Getränkekarton wird zur Pinguinsparbüchse, Tannenzapfen zu Igeln oder Kleiderbügel zu Pfeil und Bogen. Dazu gibt es Tipps und Tricks, wie die Kleinen bei Laune gehalten werden sowie witzige Informationen rund um Großeltern und Enkel.

4. Klebt nun alle Teile der Reihe nach mit Bastelkleber in die Schachtel und lasst den Kleber gut trocknen. Start und Ziel mit kleinen Zetteln versehen. Ihr könnt Glasmurmeln verwenden oder die Holzkugeln bunt anmalen.

Material

Äste, 4–10 cm lang Naturmaterial, z.B. Eicheln, Muscheln, Zapfen, Nussschalen, Holzstücke  Kartonschachtel, ca. 20 x 30 cm  Acrylfarbe in euren Lieblingsfarben  Filzstifte  Bastelkleber  Holzkugeln, ø 10 mm



© TOPP im frechverlag (2)



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Wir sind weg

Coole Reise

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Das Herz des Südens • Der Himmel ist mein Plafond • Wunschlos glücklich • Abenteuerland

laufen Pinguine und Eisbären ls über ma sich in freier Natur nie höchssich den Weg – sie treffen ne gui Pin nn De tens im Zoo! rund um leben in der Antarktis der den Südpol, Eisbären in den bei Zu ol. Arktis am Nordp ilh-B Sac e neu das s entführt un s und pei Kle cia Ali von h derbuc er Menge Grace Helmer – mit jed under ei zw Fakten rund um Erde. der en ion Reg n berührteste bei 0 202 10. 13. am int Ersche 20,50. Kleine Gestalten. Um E

Spielwelt to go

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Nix wie weg! Die nächste große Reise ist zwar in weiter Ferne, zum Sparen kann man aber nicht früh genug beginnen. Die FernwehReisekasse ist die perfekte Motivation, das nötige Kleingeld für die Traumreise zusammenzukriegen – und macht sich auch als einfache Sparbüchse gut. Von Moses Verlag um € 6,95. www.moses-verlag.de

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Mit Sicherheit Familienspaß

Schaurig-schöne Halloweenzeit Gruseln, zittern und staunen im Europa-Park

Klapprige Skelette, unheimliche Gestalten und dämonische Nachtgespenster treiben während der mystischen Jahreszeit ihr Unwesen und ziehen Klein und Groß in ihren Bann. Die Attraktionen, das Showprogramm und die Gastronomie stehen ebenfalls im Zeichen der bunten Jahreszeit. Zum ersten Mal in seiner Geschichte ist der Europa-Park auch zwischen der Halloween- und der Wintersaison geöffnet. Von 9. bis 27. November 2020 bietet „HALLOWinter“ den perfekten Mix aus schaurig-schöner Gruselzeit und traumhaftschönen Winterwochen. Hexen tragen rote Zipfelmützen, und direkt neben liebevoll dekorierten Kürbisfiguren locken gebrannte Mandeln und Glühwein. Die Kombi aus zwei Jahreszeiten ist weltweit einzigartig. Weitere aufregende Exkursionen locken die Besucher in die nahegelegene Indoor-

Wasserwelt Rulantica. Bei 17 Rutschen, einem großen Wellenbecken und zahlreichen weiteren Highlights in neun liebevoll thematisierten Bereichen ist bestimmt für jeden das Richtige dabei. Der OutdoorBereich mit seinem beheizten Außenpool und dem nordischen Wildbach „Vildstrøm“ verspricht ebenfalls Wasserspaß zu jeder Jahreszeit. Außerdem erwartet die Gäste ab diesem Herbst der exklusive Ruhebereich „Hyggedal“, um im Anschluss an eine grandiose Rutschpartie herrlich zu relaxen. Auch im benachbarten Hotel „Krønasår“ dürfen sich die Besucher mit der Eröffnung des Sauna- und Fitnessbereichs im Herbst auf eine neue Oase der Entspannung freuen. Was könnte es Schöneres geben, als nach einem erlebnisreichen Tag im Europa-Park oder in der Wasserwelt Rulantica in gemüt-

lichem Ambiente die Beine hochzulegen? Die sechs 4-Sterne (Superior)-Hotels sowie das Camp Resort des Europa-Park lassen dabei keine Wünsche offen. Ob mediterran oder nordisch, maritim oder rustikal, die parkeigenen Erlebnishotels mit ihrer individuellen Thematisierung bieten Abwechslung und Erholung für die ganze Familie.

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Promotion; © Europa-Park (1)

Die Zeit der Geister und Hexen macht auch in diesem Jahr vor Deutschlands größtem Freizeitpark nicht halt: Von 26. September bis 8. November 2020 verwandelt sich der Europa-Park in eine geheimnisvolle Herbstlandschaft.

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Wir sind weg

Reise ohne

© Jörg Lutz (1), Unsplash (1), Christian Kasper (1), Werner Böhm (1), URKERN2020 (1), Pixabay (1)

Das Herz des Südens

Kirchen gehören zu den höchsten Gebäuden in München, Hochhäuser sucht man vergeblich.

München ist nicht nur die Hauptstadt Bayerns, sondern auch die drittgrößte Stadt der Bundesrepublik und Wirtschaftsmotor Süddeutschlands. Das schlägt sich in der Kaufkraft und somit den hohen Lebenshaltungskosten nieder – als Tourist kann man davon aber nur profitieren. Vor allem, weil München so nahe liegt. von markus höller Selbst aus dem Osten Österreichs gestaltet sich die Anreise, egal ob per Bahn, Bus oder Auto, äußerst kompakt. Nicht mal fünf Stunden sind im längsten Fall erforderlich, um direkt im Herzen der Isarmetropole zu landen. Apropos landen: Die Anreise per Flugzeug aus Österreich lohnt sich nicht, denn der Flughafen liegt so weit außerhalb, dass die Taxifahrt bis ins Zentrum bei starkem Verkehr genauso lange dauert wie die Flugzeit von Wien. Einmal in München angekommen, fällt einem sofort eines auf: Hier geht man in die Fläche, es wird nicht sehr hoch gebaut. Der Grund dafür ist eine für weite Teile der Stadt gültige Bauordnung, die Gebäudehöhen von mehr als 99 Metern untersagt. Was übrigens der Höhe der Frauenkirche entspricht, dem weithin sichtbaren Wahrzeichen der Stadt. Die spätgotische Kirche mit einem Fassungsvermögen von 20.000 Menschen beeindruckt jedoch in erster Linie durch Größe, nicht durch Eleganz. Wer einen wirklich außergewöhnlich schönen Sakralbau besichtigen

Architektur und Kunst werden in der Hauptstadt Bayerns schon seit Jahrhunderten sorgsam gepflegt. Das Museum Brandhorst widmet sich der zeitgenössischen Kunst.

will, dem sei die barocke Theatinerkirche ans Herz gelegt! Alt und neu Neben den Kirchen gibt es natürlich jede Menge andere klassische Sehenswürdigkeiten zu sehen: Marienplatz, Viktualienmarkt, das alte Stadttor mit dem Karl-Valentin-Museum oder das Kunstareal München,

das in den drei Pinakotheken ein paar der bedeutendsten Werke der internationalen Kunstgeschichte beherbergt. Als idealen und erfrischenden Kontrapunkt zu den „typischen“ Münchner Attraktionen, zu denen auch das Hofbräuhaus und die zahlreichen Biergärten gehören, ist aktuell das Neue Werksviertel sehr zu empfehlen. Dieses 40 Hektar große ehemalige Firmenareal des Kartoffelgiganten Pfanni wurde in den frühen 90ern geräumt und gut 20 Jahre mannigfach genutzt. Nun entsteht hier ein neuer Stadtteil, in dem die Ausgewogenheit von Wohnen, Arbeit und Freizeit völlig neu gelebt wird: Nachhaltigkeit, am anschaulichsten umgesetzt durch das begrünte Gebäudedach mit Schafen („Stadtalm“); Inklusion, wie im sympathischen Kochprojekt „Kunst Werk Küche“; und nicht zuletzt Kreativität und Kunst unter der Schirmherrschaft von Streetart-Legende Loomis. Für Touristen, die mit München bisher in erster Linie Dirndl, Gamsbart und Dackel verbanden, ein durchaus unerwartetes Stück

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EMPFIEHLT MÜNCHEN: UNTERKUNFT: Direkt im Herzen des neuen Werksviertels liegt das brandneue Boutiquehotel Gambino. Nur einen Steinwurf vom Knotenpunkt Ostbahnhof entfernt und direkt neben dem 78 Meter hohen Riesenrad Hi-Sky, bietet das Hotel saubere Zimmer, eine günstige Tiefgarage und schnelles WLAN zu einem konkurrenzlos günstigen Preis. Zahlreiche Lokale und Freizeit-Locations laden rund ums Hotel zum Flanieren ein. www.gambinohotelwerksviertel.com DIE PERFEKTE CITYRUNDE: München lässt sich zwar aufgrund der Topografie und der gut ausgebauten Verkehrsmittel sehr problemlos per pedes und mit Öffis erkunden, aber noch bequemer – und interessanter – ist eine individuelle Tour mit der Fahrrad-Rikscha. Einfach die Stadt auf sich wirken lassen, während der kompetente Guide mit Elektrounterstützung strampelt und viele Hintergrundinfos und Geheimtipps gibt. Besser geht’s nicht! www.rikschaguide.com ESSEN UND TRINKEN: Bier und Weißwurst jetzt mal beiseite gelassen, bietet München Gastronomie auf höchstem Niveau. Während beim Essen der Münchner neben der typischen fleischlastigen Hausmannskost vor allem auf gehobene italienische Küche setzt, gibt es punkto Bars einige Juwele zu entdecken. Allen voran der winzige Barroom von Mixer-Koryphäe Emanuele Ingusci. Unbedingt reservieren! Viele weitere Tipps findet man im Barguide von Amadeus Danesitz. www.barguide-muenchen.com

urbane Entwicklung, das den Vergleich mit oft etwas zu sehr über den grünen Klee gelobten Städten wie Berlin oder London nicht zu scheuen braucht! Natur pur Was der Müncher und die Münchnerin (neben gut essen und trinken) aber am meisten lieben, ist das Verweilen im Grünen. Sei es entlang der Isar oder unter

den schattigen Kastanienbäumen der Biergärten – draußen sein ist vor allem im Sommer seit jeher schwer angesagt. Einen besonderen Stellenwert nimmt der liebste Naherholungsbereich der Münchner, der 375 Hektar große Englische Garten, ein. Er gilt als eine der größten und schönsten Parkanlagen der Welt, und das völlig zu Recht. Nicht nur, dass es keine Sperren gibt und die weitläufigen und gepflegten Grünanlagen 24/7 zugänglich sind, hier findet sich vom kühlen Gewässer über den natürlich obligaten Biergarten bis hin zum weitläufigen FKK-Bereich alles, was das Outdoor-Herz begehrt. It’s the economy Freilich wäre das alles nicht ohne die brummende Wirtschaft möglich. Giganten wie Allianz, BMW, Siemens und selbstverständlich auch der 1. FC Bayern München bieten Zehntausende Arbeitsplätze und sorgen für Wohlstand – allerdings auch für immer wieder kritisierte, horrende Lebenshaltungs-

München ist eine Stadt der Tradition, aber auch der Moderne. Ob im Biergarten, im neuen Werksviertel oder im Englischen Garten – Geselligkeit und Naturverbundenheit stehen im Vordergrund. Mittendrin: die gotische Domund Stadtpfarrkirche „Zu Unserer Lieben Frau“, auch Frauenkirche genannt, das unverwechselbare Wahrzeichen der Stadt.

kosten. Dennoch überwiegen die Vorteile: München ist eine sehr sichere, saubere und infrastrukturell hervorragend aufgestellte Stadt mit hoher Lebensqualität und eine der wenigen deutschsprachigen Metropolen, die auf der ganzen Welt bekannt ist. Im Normalfall ist Monaco di Baviera, wie die Stadt auf Italienisch heißt, daher auch immer gut von Touristen besucht, vor allem während dem alljährlich stattfindenden Oktoberfest. Da die „Wiesn“ dieses Jahr Covid-19-bedingt ausfällt (übrigens erst zum 25. Mal in der 210-jährigen Geschichte), bietet sich die Stadt gerade jetzt für ein schönes Wochenende an. Dirndl und Lederhose kann man ja trotzdem tragen.

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Wir sind weg

Der Himmel ist mein Plafond

© Heidrun Henke

Immer mehr finden es reizvoll, Kinder lieben es sowieso: Camping, der Urlaub auf eigenen Rädern. Was gilt es zu beachten? von stefan bonnet

Die Camping-Branche boomt, und das nicht erst seit Corona. Schon seit einigen Jahren legen die Hersteller der multifunktionalen Fahrzeuge in allen Formaten und Größen beständig zu. Oftmals am Rande ihrer Kapazitäten, sodass derzeit viele Modelle nicht prompt lieferbar sind – sie sind ausverkauft, teilweise auf zwei, drei Jahre hinaus. Die Kapazitäten wurden spürbar auch auf den Campingplätzen knapp. Während man früher auf gut Glück aufbrach, in der Zuversicht, schon einen Platz zum Aufbau der mobilen Wohnstatt zu finden, ist es mittlerweile üblich, den Stellplatz zu reservieren – teilweise Monate im Voraus. Das

Keine Sorge – die Position im fließenden Gebirgsbach wurde nur für ein Foto gewählt. Wo man seine Zelte aufschlagen darf, ist in Österreich durch die „Kampierverordnung“ streng geregelt.

trifft nicht auf alle Plätze zu (die – allerdings raren – Geheimtipps sowieso ausgenommen), sicherlich aber auf jene in touristischen Hotspots wie den allseits bekannten österreichischen Badeseen. Bett im Schlepptau Man muss aber auch wissen, dass die hohe Nachfrage nach Campern und

Wohnmobilen nicht nur von klassischen Urlaubern befeuert wird. Im Rahmen des großen, seit Jahren anhaltenden OutdoorBooms haben viele erkannt, dass sich ein sportliches Hobby an der frischen Luft – sei es Golfen, Mountainbiken, Wandern oder Fischen – viel besser mit dem eigenen Bett im Schlepptau ausüben lässt, statt sich von Hotels und Unterkünften abhängig zu machen. Auch das benötigte Equipment ist so leicht untergebacht. Diese Nutzer haben es primär auf Camper auf Kastenwagen-Basis abgesehen. Diese Autos sind bestens zum Übernachten geeignet und lassen sich aufgrund ihrer nicht ausufernden Größe

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Wir sind weg

Reise mit

auf einem normalen Garagenparkplatz abstellen. Seit aber die Pandemie ein neues Biedermeier ausgerufen hat, seitdem große Urlaubsreisepläne in exotische Gefilde zurückgestutzt wurden, oft auf die eigenen Landesgrenzen, träumen noch mehr als je zuvor vom mobilen Refugium. Und Campen ist ja auch eine reizvolle Angelegenheit. Das Naturerlebnis vor der Tür, Lagerfeuerromantik, Do-it-yourself-Spirit und Unabhängigkeit – wen würde das nicht locken? Die Kids sind jedenfalls schon mit Freude an Bord. Sie lieben Abwechslung und das kleine Abenteuer, einmal in einem Zelt oder im Hochdach eines Autos zu übernachten. Ein Urlaub am Campingplatz ist fast immer ein Volltreffer: Jede Menge Kids unterwegs, ein sicheres Umfeld und kein entnervter Hotelmanager, der dem Toben Einhalt gebieten muss. Für Kinder ist der Campingplatz ein Spielplatz. Kein Sparprogramm Neulinge auf dem Gebiet haben aber oft etwas verklärte Vorstellungen von der Camperei. Mit der größten Fehleinschätzung wollen wir gleich aufräumen – dass der Urlaub im Wohnmobil ein Kostensparprogramm wäre. Das gilt nur für das Kampieren

Im Wohnmobil schlafen ist eine herrliche Abwechslung zum Bett zu Hause oder im Hotel. Und Kinder lieben Abwechslung!

nach alter Schule: Übernachten im Zelt, das man im Pkw mitführt, Pfadfinder-Komfort inklusive. Wer sich hingegen schon im schicken Wohnmobil heranbrausen sieht, sollte einmal die Anschaffungspreise prüfen – die liegen ganz schnell im Bereich von Luxussportwagen. Kein Wunder, dass nicht Jungfamilien, sondern meist vergnügte Oldies an Bord sind, die sich in der Pension diesen Traum erfüllen. Selbst gebraucht sind die Vehikel teuer – dank der übergroßen Nachfrage braucht man als Verkäufer derzeit preislich kaum Abstriche zu machen, wenn man ein vier, fünf Jahre altes Gefährt auf den Markt wirft. Selbst ist die Frau/der Mann? Nicht jedem ist es gegeben, den Umbau eines günstig erstandenen, abgetakelten Transporters in einen coolen Camper selbst in die Hand zu nehmen. Und beim Spezialisten sind diese Arbeiten teuer. Das haben Hotels nur selten zu bieten: Näher als im Camper oder Wohnmobil kommt man dem Naturerlebnis nur schwer.

Es lohnt sich daher, die eigenen Bedürfnisse zuerst genau zu ergründen, bevor man das Ersparte in die Schlacht wirft. Auskenner raten dazu, zuvor unbedingt die Praxis in einem gemieteten Wohnmobil zu testen. Erst dann könne man wissen, was man wirklich braucht. Und was nicht. Am besten hält man sich an das uralte Camping-Motto: Keep it simple. Die tolle Küche an Bord, das WC und die Dusche auf Rädern – das sieht im Prospekt toll und verlockend aus. Im Camping-Alltag hat derlei Einrichtung neben den hohen Kosten aber auch viel Arbeit zur Folge. Gasvorräte, leistungsstarke Zusatzbatte-

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Wir sind weg rien, Frisch- und Abwassertanks müssen gemanagt werden, das kann einem den erhofften sorgenfreien Erholurlaub auch verleiden. Kochen im Freien Österreichs Campingplätze sind heute im groben Schnitt sauber und gut ausge-

stattet, Sanitäranlagen und Duschen können ohne Ekelerlebnisse, wie man sie vielleicht aus früheren Tragen oder der Kindheit in Erinnerung hat, benutzt werden. Außerdem zahlt man für diese Einrichtungen ohnehin. Speziell das Kochen im Auto bringt in der Praxis selten die erhoffte Gemütlich-

keit, wie es Werbeborschüren suggerieren. Besser, man stellt die Gerätschaft – im Wesentlichen ein Camping-Kocher, wie es ihn in jedem Baumarkt zu kaufen gibt – im Freien auf und braucht sich um Essensgerüche, Hoppalas und Verunreinigungen nicht zu sorgen. Dass man dabei den Elementen ausgesetzt ist – that’s Camping!

CAMPING-BÜCHER Sonja Stötzel: Die FamilienCampingküche; GU, € 17,50 Damit es nicht immer nur Nudeln mit Paradeissauce gibt ... Die Kochbibel für große und kleine OutdoorFans vereint kindgerechte Rezepte: One-Pots, Burger, Salate, Süßes u.v.m. Alle Gerichte sind outdoorerprobt und können leicht an den Urlaubsort angepasst werden. Simon Hecht & Thomas Riegler: Yes we camp! Die schönsten Campingplätze für Familien in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz; ADAC Reiseführer, € 15,40 Das Family-Barometer hilft beider Auswahl des Campingplatzes. Und weil niemand seinen ganzen Urlaub auf dem Campingplatz verbringt, werden die schönsten Ausflugsziele rund um jeden Platz vorgestellt, praktisch sortiert nach dem verfügbaren Reisezeit-Budget. Yes we camp! Mein CampingFreundebuch; ADAC Reiseführer, € 10,30 Eine Erinnerung an neue Freunde und den gemeinsamen Campingurlaub: Hier finden die aufregendsten Abenteuer und die lustigsten Geschichten Platz.

© Verlage (4), Heidrun Henke (3), Camping Grubhof (1)

Für die Kids ist ein Campingplatz ein großer Spielplatz. Seine temporären Anrainer sind allfälligen Kinderlärm gewöhnt – er gehört dazu.

Jessica Lerchenmüller: Van Life Kitchen – Die Abenteuer-Outdoor-Küche, EMF, € 25,70 60 Rezepte für minimalistisches Kochen in freier Natur. Gerichte wie One-Pot-Pasta, Porridge und Chili-ConChocolat können bequem vorbereitet und mit wenig Equipment schnell zubereitet werden. Plus: praktische Tipps für die Outdoor-Küche von der Lagerung bis hin zum idealen Equipment.

TOP 5 CAMPINGPLÄTZE IN EUROPA

· Camping Grubhof / Österreich / St. Martin bei Lofer · Naturisten FamilienSport- und NaturCamp Sonnensee / Deutschland / Hannover · Campingpark Kühlungsborn / Deutschland / Kühlungsborn · Rosenfelder Strand Ostsee Camping / Deutschland / Rosenfelde-Grube · Luxury Camping Schlosshof Resort / Italien / Lana Quelle: camping.info Award 2020

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Camping Grubhof

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Wunschlos glücklich Der nächste Winter kommt bestimmt – höchste Zeit, sich um den Familienurlaub zu kümmern. In diesen Kinderhotels werden dank familiengerechter Ausstattung, coolen Spielbereichen, entspannten Wellnessoasen, liebevoller Kinderbetreuung und Verpflegung all-inclusive garantiert alle glücklich.

Familienresort Ellmauhof ****S | Hinterglemm, Salzbur

© Atelier Wolkersdorfer (1), Familienresort Ellmauhof (1)

Mitten im Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn liegt das Familienhotel Ellmauhof direkt an der Piste des Bergfriedliftes. Während sich die einen auf den Skiern vergnügen, können sich die anderen im

1.500 m² großen Spa-Bereich mit herrlicher Aussicht auf die Bergwelt verwöhnen lassen oder einen zauberhaften Austritt in der glitzernden Winterwelt von Saalbach-Hinterglemm erleben. Im wetterfesten Reitstall kann unabhängig von Wind und Wetter jederzeit geritten werden. Highlight für die Kleinen: Drei Mal pro Woche dürfen sie am überdachten Karussell gratis Ponyreiten. Draußen sorgen außerdem ein Rodelhang am Haus mit Rutschtellern und Schlitten sowie der Winterspielplatz und der Minibauernhof für Spaß und Action. Auch drinnen kommt keine Langeweile auf: Im 150 m² großen Funpark geht’s

auf spannende Entdeckungsreise durch Netztunnel, Krabbelrohr und MobilitätsSpielstationen. Und im Erlebnishallenbad kommen dank 52 Meter langer Tunnelrutsche, Wildwasserkanal, Massageliegen und 4 verschiedener Ruhezonen wirklich alle auf ihre Kosten. www.ellmauhof.at

© 2020 Hotel Kröller (2)

Was vor 450 Jahren noch ein einfacher Zillertaler Bauernhof war, ist mittlerweile ein tolles Familienhotel mit 60 Suiten und viel Platz für Kinder und Erwachsene. Wasserratten kommen in der Kröller Wasserwelt auf ihre Kosten: Neben

dem Indoorpool mit Massagebänken und Gegenstromanlage ist der AquaPark mit 100-Meter-Doppelreifenrutsche, 40-Meter-Bodyrutsche, Aquatube Speed Slide und Free-Fall-Rutsche das ungeschlagene Highlight. Die Kleinsten haben am „Babybeach“ ihren Spaß – mit Wasserspielgeräten, sprechenden Tieren, Kleinkindrutschen und Babyriver mit kleinkindgerechten Booten. Während drinnen 500m² IndoorSpielfläche mit Softplayanlage, Kletterwand, Kino, Zauberschule, Mini Club, Basteln, Malen u.v.m. lockt, wartet draußen die Zillertaler Bergwelt

mit 165 Pistenkilometer von 1.300 m bis 2.505 m Höhe. Unmittelbar neben dem Kinderhotel Kröller liegt das Kinderskiparadies mit Zauberteppichen, Wellenbahnen, Reifenkarrussel und Schleppliften; Kinderskikurse gibt’s schon ab dem zweiten Lebensjahr. www.kroeller.at

Promotion

Hotel Kröller **** | Gerlos, Tirol

Leading Family Hotel & Resort Alpenrose ****S | Lermoos, Tirol

© www.360perspektiven.at / Sven Posch (2)

Eines der bestbewerteten Familienhotels in Österreich hat seit letztem Sommer noch mehr zu bieten: zehn neue Familiensuiten, eine vergrößerte Badelandschaft, ein lichtdurchfluteter Kinderclub und ein Panorama-Fitnesscenter mit Blick auf

die Zugspitze. In einem eigenen KinderSchwimmbereich gibt es zusätzlich zur bereits vorhandenen 90-Meter-Reifenwasserrutsche auf 500 Quadratmetern den neuen Kidspool mit Piratenschiff, einer Triple-Rutsche, einer Röhrenrutsche „Kamikaze“, einer weiteren, 60 Meter langen Röhrenrutsche, einem Lazy River und einer Grotte. Die Babys planschen im separaten „Unterwasserwelt“-Babybecken! Ebenfalls neu ist das Atelier für kleine und große Künstler, ein spannender Virtual Reality Room und eine Kletterwand. Draußen warten 148 Pistenkilometer – mehrheitlich familienfreundliche Abfahrten

der blauen und roten Kategorie – auf kleine und große Wintersportfans. Direkt am Hotelgelände können die Allerkleinsten in der „Windelskischule” erste Skiversuche starten – dank kompletter Kühlung und optimaler Schneebeschaffenheit von Dezember bis April. www.hotelalpenrose.at

Mehr Infos unter www.kinderhotels.com 092_CAMPING.indd 95

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Wir sind weg

Abenteuerland

Tipps

Bunte Blätter, kürzere Tage und kühle Temperaturen – Der Herbst steht vor der Tür und wartet mit jeder Menge spannender Freizeitunternehmungen für drinnen und draußen auf. Hier eine Auswahl der besten Aktivitäten für große und kleine Abenteurer ... von tanja holz VORARLBERG 1) Schattenburg Feldkirch Bei den speziellen Familienführungen im Museum Schattenburg tauchen Groß und Klein in die spannende Geschichte Feldkirchs ein und verbringen angenehme Stunden in mittelalterlicher Atmosphäre. Wo: Schattenburg Museum, Burggasse 1, 6800 Feldkirch Wann: 4.10. 10–17 Uhr, 25.10. 17–18 Uhr (Online-Anmeldung erforderlich) Wie viel: Erw. € 8,–, Jugendliche (12–17) € 6,–, Kinder (6–11) € 4,– www.schattenburg.at 2) Alpine-Coaster Mit dem Alpine-Coaster Golm flitzen Kids und Eltern den Berg in Vandans hinunter. 44 aufregende Jumps und ein spektakulärer 360°-Kreisel sorgen für Adrenalinschübe und jede Menge Spaß! Wo: Erlebnisberg Golm, Seilbahnstraße 1, 6773 Vandans Wann: bis 18.10. tägl. 9:30–17 Uhr, ab 18.10 verkürzte Öffnungszeiten Wie viel: Erw. € 11,50, Kinder € 8,50 www.golm.at TIROL 3) Theaterfestival Steudltenn: Frederick In der 700 Jahre alten Tenne in Uderns geht’s hoch her. Die kleine Maus Frederick sammelt Sonnenstrahlen und Farben ein, um die grauen Tage bunter zu machen und zeigt ein Musiktheater nach Leo Lionni. Wo: Steudltenn, Kirchweg 22, 6271 Uderns/ Zillertal Wann: 6.10.–9.10. jeweils um 9, 11 und 16 Uhr (Tickets: office@steudltenn.com) Wie viel: Erw. € 9,–, Kinder € 6,– www.steudltenn.com 4) Schaubergwerk Thierbach-Lehenlahn Helm auf und los geht’s: Mit der originalen Grubenbahn fahren Wagemutige einige hundert Meter in den alten Silberstollen des Schaubergwerks Lehenlahn. Untertage tauchen sie in die Welt der jahrhundertealten Tiroler Bergbaugeschichte ein. Wo: Wildschönauer Schaubergwerk, Auffach 310, 6313 Wildschönau Wann: Sep.–Okt. Fr–So 13–16:30 Uhr

Wie viel: Erw. € 9,–, Kinder (6–15) € 4,–, Kinder (bis 6) gratis www.wildschoenau.com SALZBURG 5) Eisriesenwelt Werfen Auf mehr als 42 km Länge erstreckt sich die unter Denkmalschutz stehende Eisriesenwelt Werfen. Ausgestattet mit Grubenlampen kann man die verwinkelten Gassen der größten Eishöhle der Welt erkunden. Wo: Eishöhlenstraße, 5450 Werfen Wann: Sep.–Okt 8:15–15:45 Uhr Wie viel: Erw. € 29,–, Jugendliche (15–18) € 20,–, Kinder (5–14) € 16,– www.eisriesenwelt.at 6) Rock & Pop Schnupperworkshop Kids zwischen 6 und 10 können beim Rock & Pop Workshop im Rockhouse Salzburg Instrumente wie Gitarre und Schlagzeug kennenlernen, ihren ganz persönlichen Lieblingssong einüben und bei einem kleinen Konzert performen. Keine Vorkenntnisse nötig. Wo: Rockhouse Salzburg, Schallmooser Hauptstraße 46, 5020 Salzburg Wann: 10.10 & 28.11. 15 Uhr Wie viel: gratis www.rockhouse.at

OBERÖSTERREICH 7) Aquapulco – die Piratenwelt Ahoi, Wasserratten! Im Aquapulco – dem actionreichen Abenteuer-Wasserpark in Bad Schallerbach – wartet die lustige Piratenwelt mit vielen Wasserspiel-Attraktionen, einem schwindelerregenden Abenteuerpfad und einem 5-D-Kino auf Nachwuchs-Piraten. Wo: Promenade 1, 4701 Bad Schallerbach Wann: So–Fr 9–22 Uhr, Sa 9–24 Uhr Wie viel: Erw. € 27,50, Kinder (6–15) € 23,–, Kinder (1–5) € 9,– www.piratenwelt.at 8) Kletterhalle Wels Wagemutige können in der Kletterhalle Wels auf 1.200 m² 250 Kletterrouten und 80 Boulderrouten erkunden und Höhenluft schnuppern. Kurse für Kids ab 5 mit oder ohne Eltern verfügbar. Wo: Volksgartenstraße 17, 4600 Wels Wann: Kurse ab 28.9., Anmeldung: www.kletterhallewels.at/kurse-termine Wie viel: ab € 56,– www.kletterhallewels.at STEIERMARK 9) Erlebniszentrum Weidendom Auf verschiedenen Themen- und Erlebnis-

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© Artur Bodenstein

wegen kann man hier das größte lebendige Bau(m)werk der Alpen erkunden. Am Erlebnisweg „Der wilde John“ finden Kids zahlreiche interaktive Erlebnisstationen, die von der Sage des Wilden John erzählen. Wo: Nationalpark Gesäuse GmbH, Krumau 62, 8911 Admont Wann: bis Ende Sep. 10–18 Uhr Wie viel: gratis www.nationalpark.co.at KÄRNTEN 10) Schatzsuche in der Donnerschlucht Tief in der Donnerschlucht liegt der Schatz der Nockzwerge und wartet darauf, von kleinen Entdecker(inne)n gefunden zu werden. In Drachen-, Zwergen-, Elfen- und Schlangenwelt müssen Rätsel gelöst werden, um den geheimen Code zu knacken. Wo: Schatz der Nockzwerge, Innerkrems 7, 9862 Innerkrems Wann: Mo–So 10–17 Uhr Wie viel: pro Schatzkarte € 13,– www.donnerschlucht.at

BURGENLAND 11) Haustier-Safari am Entdeckerpfad Bei der Haustier-Safari rund um St. Martins kann man mit Schafen, Barockeseln und Co. auf Tuchfühlung gehen und spannende und lehrreiche Geschichten rund um die Tiere erfahren. Wo: St. Martins Therme & Lodge, Im Seewinkel 1, 7132 Frauenkirchen Wann: Wochenplan auf www.stmartins.at Wie viel: Erw. € 24,–, Kinder (4–14) € 18,– www.stmartins.at NIEDERÖSTERREICH 12) Bärenwaldexpress Mit der Waldviertelbahn geht’s am 11.10. in den Bärenwald Asbesbach. Dort leben derzeit sechs Braunbären aus einem Bärenschutzprojekt der Tierschutzstiftung Vier Pfoten in einem naturbelassenen 14.000 m² großen Gehege. Wo: Bahnhof Gmünd, Bahnhofsplatz, 3950 Gemeinde Gmünd Wann: 11.10. 9–17:30 Uhr (Anmeldung: www. waldviertelbahn.at/baerenwald-express) Wie viel: € 23,– waldviertelbahn.at/baerenwald-express

13) Halloween Schloss Ulmerfeld Gruselspaß pur bietet das große Halloweenfest auf Schloss Ulmerfeld. Kids von 6 bis 15 erleben zwei Nächte mit Gruseldinner, Bewegungsspielen, Kürbisschnitzen, Halloweenparty, Gruselrallye und vielem mehr. Wo: Jugendherberge Schloss Ulmerfeld, Burgweg 1, 3363 Amstetten Wann: 30.10. 14:30 Uhr – 1.11. 15 Uhr (Anmeldung: www.noe.kinderfreunde.at/ferienzeit) Wie viel: € 165,– (inkl. Übernachtung, Verpflegung, Betreuung und Programm) www.kittenberger.at WIEN 14) Halloween in Schönbrunn Rund um Halloween verwandelt sich das Kindermuseum in ein Spukschloss! Wer ist mutig genug für die Gruselgeistertour? Jedes Jahr, wenn Halloween naht, entsteigen die ehemaligen Bewohner des Schlosses ihren Grüften und Gräbern und wandeln durch das Kindermuseum. Inkl. Gruselparcours, Schmink- und Bastelstation. Wo: Kindermuseum Schloss Schönbrunn, Schlossallee, 1130 Wien Wann: 24.10. & 25.10. 10–17 Uhr Wie viel: Erw. € 9,50, Kinder (3–18) € 7,50 www.kaiserkinder.at h er bst 2020 |

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© Everett

Pro und Kontra

Kinderfreie Restaurants

PRO Von Peter Draxl

Ja, aber natürlich! Herzlich gerne. Ich wäre sogar für kinderfreie Cafés und Urlaubshotels. Adults only. Nicht falsch verstehen, Kinder sind was Wunderbares, das Beste überhaupt, das man in dieser Welt hervorbringen kann – aber wünscht man sich als Erwachsener nicht auch mal Orte, an denen kein Geschrei, kein Gewurl, kein Chaos von lustigen kleinen, grenzenlosen Bälgern verbreitet wird? Mit der ach so liberalen Erziehung geht doch heutzutage auch einher, dass die Jungmenschen alles dürfen in jeder Lokalität. Sich über das Essen lautstark beklagen, damit spielen, Interesse für andere Kinder zeigen und in der Sekunde eine Gang bilden, die nichts anderes im Schilde führt, als jegliches friedvolles Beisammensein von erwachsenen Menschen mit Jux und Tollerei zu stören. Sollen sie ja! Aber erstens nicht immer und zweitens am Spielplatz oder sonst wo. Es darf doch auch Plätze geben, an denen sich Adults in Ruhe unterhalten können, ein Essen genießen oder einen gemeinsamen Urlaub verbringen können. Ohne dass einem Spaghettinudeln um die Ohren fliegen, ohrenbetäubender Krach eine Unterhaltung unmöglich macht oder eine Horde ausgelassener Halblinge das Poolwasser leersäuft, in das sie zuvor reingeludelt haben. Ich weiß, dass nicht alles, was hinkt, ein Vergleich ist, aber es gibt doch auch hundefreie Zonen. Wieso nicht die eine oder andere kinderfreie Zone, in der eben nicht eine Schneise der Verwüstung gezogen wird, sondern in der erwachsene Menschen ein friedvolles Miteinander kultivieren dürfen. Also ich wär da schwer dafür. Speziell im Urlaub, wo der ruhebedürftige Mensch nach Ruhe und Frieden lechzt und kein Kinderpipi im Pool haben möchte.

KONTRA Von Tanja Haiden

Warum Kinder aussperren? Sie sind ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft – unsere Zukunft! Viel zu oft werden sie schon als Störfaktor oder als Einschränkung des Lebens gesehen. Dort dürfen sie nicht spielen, da müssen sie leise sein und auf jeden Fall ein Benehmen wie ein Erwachsener an den Tag legen. Wie sollen Kinder lernen, ein Teil des Ganzen zu sein, wenn sie nicht ihre Erfahrungen machen und daraus lernen dürfen? In welcher Welt leben wir eigentlich, wenn ich als Elternteil ebenso ausgeschlossen werde, nur weil ich ein Kind oder Kinder habe? Es mag schon sein, dass Kinder jetzt nicht förderlich für ein ausgedehntes siebengängiges Haubenmenü sind, aber diesem Erlebnis würden sich Eltern ohnehin nicht stellen. Für Kinder ist es sehr wohl wichtig, die Tischmanieren in der Öffentlichkeit anzuwenden. In meiner Kindheit waren Kinder immer gern gesehene Gäste. Es gab mit einer Selbstverständlichkeit Kinderportionen, Kellner, die noch extra viele Bierdeckel für die Bierdeckelhäuser herankarrten und automatisch Strohhalme für die Getränke. Für mich gab es dann ausnahmsweise eine besondere Limonade, und ich fühlte mich ziemlich erwachsen, weil ich mir selber etwas aus der seitenlangen Menükarte aussuchen und bestellten durfte. Nicht selten hatte ich das Einverständnis von meinem Vater, mit seiner Geldbörse zu bezahlen und war richtig stolz, wenn ich mit meinen Rechenkünsten die richtigen Banknoten zückte und angemessenes Trinkgeld gab. Wenn ich heute mit meinen drei Kindern unter vier Jahren essen gehe, kann es passieren, dass wir im letzten Winkel des Lokales landen, Tischnachbarn Augen verdrehen, ungefragt „wertvolle“ Kommentare zu Kindern und deren Erziehung abgeben sowie Kellner genervt sind, wenn wir um weitere Servietten bitten. Mir kommt vor, dass allgemein verlernt wird, dass Kinder zum Leben gehören. Kinder sind keine Störfaktoren!

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Hast du jemals köstliche Chips aus Grünkohlblättern gekostet? Nein? Dann wird es höchste Zeit!

Verteile die Blätter lose auf einem Backblech (sie sollen nicht überlappen) und lasse sie bei 90° C im Backofen trocknen, bis sie knusprig sind (ca. 30 Minuten).

Wasche einige Grünkohlblätter, trockne sie gut ab und reiße sie in Stücke. Wende die Blätter in einer Mischung aus Sesamöl und Sesamsamen und bestreue sie mit Salz.

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Trick or Treat In welcher Halloween-Verkleidung wirst du heuer auf Süßigkeitenjagd gehen? Zeichne sie auf.

Kleiner Tipp: Nur die Eicheln der obersten und untersten Reihe werden bewegt. Auflösung auf Seite 5.

So eine Fackel ist flink gemacht und brennt hervorragend!

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Gib die Wachsreste in ein Marmeladenglas und lasse sie im Wasserbad schmelzen.

Schneide die Stoffreste in 5–10 cm dicke Bahnen. Tränke diese im geschmolzenen Wachs.

Wickle abschließend die Bänder um den oberen Teil des Stockes (ca. 15 cm) und fixiere sie mit einer Schnur.

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Tipi – Magazin für die Familie Herbst/2020  

Tipi – Magazin für die Familie Herbst/2020  

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