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Familienmagazin

wande r touren -

Herbst 201

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Magazin für die Familie

Familie an bord

Rock ’n’ Roll, Baby Familienleben mit Punkrock

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Probefahrt mit den neuen Familienautos

Rotraut Schöberl

Spieglein, Spieglein

Saudi-Arabien

Geschichte einer Kindheit

Faszination Märchen

Leben im Wüstenstaat

Herbst 2019 tipi 32 eur 2,90


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Editorial

© Jakob Mussil

Liebe Leserin, lieber Leser, als wir Maria, Robert und Theo besuchten, wollten wir gar nicht mehr weg. Ihr Zuhause ist eine alte Seidenfabrik der 1920er-Jahre – mit hohen Räumen, ausladenden Metallfenstern und efeubewachsener Fassade –, der Maria über die letzten Jahre mit viel Liebe und Zeit neues Leben eingehaucht hat. Darüber und wie es ist, wenn der Papa Gitarrist in einer erfolgreichen Punkrockband ist, erzählen sie in der Coverstory „Rock ’n’ Roll, Baby“ ab Seite 14. Ebenso eine schöne Kulisse für ein Coverfotoshooting hätte wohl die derzeitige Heimat von Anna, Peter, Marie und David hergegeben – die Familie aus Wien lebt seit mittlerweile acht Jahren in Saudi-Arabien. Was sie an Österreich vermissen und wie sich das Leben an der King Abdullah University of Science & Technology am Roten Meer gestaltet, erzählen sie ab Seite 28. Eine besonders berührende Geschichte gibt es ab Seite 50 zu lesen: „Das erste und das letzte Bild“ berichtet von der Arbeit einer Sternenkind-Fotografin, die mit ihren Fotos greifbare Erinnerungen an kurz vor, während oder nach der Geburt gestorbene Kinder schafft – und damit Eltern beim Abschiednehmen hilft. Im Namen der Redaktion wünsche ich einen bunten Herbst, gutes Einleben in Kindergarten und Schule und viel Freude mit der neuen Tipi-Ausgabe.

Kim Sztrakati, Chefredakteurin chefredaktion@tipimagazin.at Tipi kommt viermal jährlich gratis zu allen McDonald’s Family Club-Mitgliedern direkt nach Hause, zur freien Entnahme findet man Tipi in allen teilnehmenden McDonald’s Restaurants, in 35 ausgewählten Kinderhotels, in 300 Trafiken in Wien und Umgebung, bei 785 Frauen- und Kinderärzt(inn)en in ganz Österreich und in 200 Wiener Kindergärten. Anmeldung zum McDonald’s Family Club ganz einfach online hier: www.mcdonalds.at/familyclub

Die Tipi-Coverfamilie Wer wir sind: Robert (35), María (38) & Theodor (2) Woher wir kommen: Königsbrunn am Wagram und Wien Was wir mögen: Almwiesen um uns, Sand zwischen den Zehen und Schnee unter den Brettern

Lust auf

ein Cover-

Fotoshooting mit der

ganzen Familie?

Wir suchen die nächste Tipi-Coverfamilie. Wenn ihr das sein wollt, schickt einfach ein Mail mit Kurzbeschreibung und Familienfoto an: cover@tipimagazin.at

Foto: Anna Stöcher, www.schauen.at

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chste Das nä Tipi:

Inhalt

© Simone Porteder (Illustration), Michaela Titz/www.littlebee.at, Steiermark Tourismus/Harry Schiffer, Babybjörn, Freepik, hodyreva.com, Anna Stöcher, Sandra Trauner, Heidrun Henke, PxHere (2)

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em N ov

ber 2 0 1 9

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Rock ’n’ Roll, Baby! Zu Besuch bei Maria, Robert und dem zweijährigen Theo Herausgeber & Geschäftsführer: Lorin Polak Chefredaktion: Kim Sztrakati Art-Direktion: Simone Porteder Text-Redaktion: Stefan Bonnet, Peter Draxl, Julia Fleiß, Heidrun Henke, Markus Höller, Tanja Holz, Susanne Holzer, Karoline Jirikowski-Winter, Alexander Kords, Sandra Prinz, Susanne Sonnleitner, Michaela Titz, Eva Maria Wagner, Tanja Werdan, Peter Zirbs Assistentin der Redaktion: Natascha Holba Produktion: Hofeneder & Partner GmbH Fotos: Anna Stöcher, Heidrun Henke, Michaela Titz, Verlage, Hersteller, Verleiher & weitere Fotografen Illustrationen: Artur Bodenstein, Simone Porteder Lektorat: Gudrun Likar Marketing und Mediaberatung: Michael Martinek Redaktion- und Mediaberatung: Natascha Holba, Daniela Ruff, Georg Peter, Simone Schnak Verlagsleitung & Vertrieb: Georg Peter Medieninhaber, Eigentümer und Verleger: PPH Media Verlag GmbH, Otto-Bauer-Gasse 6, 1060 Wien Tel.: +43/(0)1/235 13 66-800, Fax: +43/(0)1/235 13 66999, E-Mail: office@pph-media.at Offenlegung nach § 24 bzw. § 25 MedienG sowie Angaben gem. § 5 ECG: Medieninhaber: PPH Media Verlag GmbH, Sitz in Wien. Unternehmensgegenstand: Redaktion, Herstellung und Distribution von Magazinen, Zeitschriften, Kalendern und anderen Drucksorten, insbesondere des Familienmagazins „TIPI“ und des Film- und Musik-Magazins „DOT.magazine“. Geschäftsführung: Lorin Polak. PPH Media Verlag GmbH steht im Eigentum von Lorin Polak (100 %) mit Sitz in Wien. Tätigkeitsbereich PPH Media Verlag GmbH: Gegenstand des Unternehmens ist jedwede geschäftliche Tätigkeit im Zusammenhang mit Print- und digitalen Medien im Bereich zielgruppenorientiertem Jugend- und Familienformat, der Geschäftsbereich Business to Business, jedwede Tätigkeit einschließlich Marketing und Consulting im Bereich Medien und Werbewirtschaft. Die Gesellschaft ist zu allen Geschäften und Maßnahmen berechtigt, die zur Erreichung des Gesellschaftszwecks notwendig oder nützlich erscheinen. Blattlinie: Familienmagazin, Berichterstattung über familienorientierte Themen wie Gesellschaft, Psychologie, Mode, Wohnen, Essen, Gesundheit, Freizeit und Reisen.

3 6 8 10 22 53 80 83 92 112 114

Editorial Mein Lieblings... Where Children Sleep Familienplauderei Urpeinlich, Papa! Wie sag ich’s meinem Kind Basteltipp Film-Highlights Schauen, Spielen, Lesen ... Abenteuerland Pro und Kontra

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Leben und wir

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Rock ’n’ Roll, Baby Die Tipi-Coverfamily zwischen Bühne, Baby und Beziehung Geschichte einer Kindheit Rotraut Schöberl erinnert sich im Tipi-Interview an ihre Kindheit Tinte, Tafel oder Tablet Warum Schreiben nie aus der Mode kommt

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Leben mit Kindern in ... Saudi-Arabien Die Schimpf-Diät Garantiert ohne Jo-Jo-Effekt Wenn Kinder das System sprengen Regisseurin Nora Fingscheidt im Interview über ihren Film „Systemsprenger“

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Mama & Baby

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Fördern ohne zu überfordern Wie Eltern Babys in ihrer Entwicklung unterstützen können Nur keine Wickel! Schöne Ausstattung für den Wickeltisch Mobile aus Fimo Basteln fürs Baby Das erste und das letzte Bild Die berührende Arbeit einer Sternenkind-Fotografin

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Inhalt

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Rotraut Schöberl im TipiGespräch über ihre Kindheit

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100

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Mode & Pflege

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Essen und Gesundheit

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Was in Pflegeprodukten alles drin ist Inhaltsstoffen auf der Spur Weniger ist mehr Pflegeprodukte für Babys und Kinder Ein buntes Einkaufsparadies Stocksale Kindersachen-Gründerin Felicitas Kruse im Interview Nicht ohne meinen Pulli! Die schönsten Herbst-Begleiter

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Mach mal Pause! Rezepte für die Jause Gesund mit Aloe vera Gesundheitselixir für die Familie Die erste Zahnspange Wie man schiefe Zähne in den Griff bekommt Der Zettel Ein Wiedersehen mit dem Kindergarten und DEM Zettel

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70 72 76

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Freie Zeit

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Spieglein, Spieglein an der Wand Warum uns Märchen faszinieren Hier wird ganz viel Blau gemacht! Zu Besuch im Jolly-Werk in Graz

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98 mini Tipi Die Kinder-Besonder-Seite zum Heraustrennen

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Wir sind weg

100 Familie an Bord Probefahrt mit drei neuen Familienautos

104 Mirror on the wall Spiegel vs. Realität: die Urlaubsfotos 106 Wandern durch die Heimat Wanderungen für Familien 110 Gigantisch schön Reise nach Sankt Petersburg

& schick

mach mit

ein!

Überall, wo du diesen Button siehst, kannst du Tipi aktiv mitgestalten. Als Dankeschön für jede Veröffentlichung gibt es kunterbunte Geschenke.

Noch mehr Tipi gibt es auf www.facebook.com/TIPI.Familienmagazin oder bei Instagram: @tipimagazin

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Meine Lieblings...

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KINDER STELLEN VOR

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Marie

© Privat

4 Jahre * Ni * ederösterreich

Meine Lieblings… Jahreszeit

» ... ist der Herbst. Dann spiel ich mit meinen Cousins und Cousinen in den Getreidefeldern Verstecken – obwohl wir das eigentlich nicht dürfen ... Manchmal nehm ich eine Ähre mit nach Hause – die sind super zum Kitzeln :-). « 6 | h er bst 2019

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Kinderbetreuung Besuchen Sie jetzt unsere Kurse und Ausbildungen im Bereich „Kinderbetreuung“: „„ geprüfte/r

KindergartenassistentIn

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Medien als Herausforderung im pädagogischen Kontext

„„ Entwicklungspsychologie „„ Grundlagen

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Where Children Sleep

Lehlohonolo, 6 Jahre, Lesotho Aus dem Fotoprojekt „Where Children Sleep“ von James Mollison

Lehlohonolo ist sechs Jahre alt. Er und seine drei Brüder leben in Lesotho im südlichen Afrika. Die Buben sind Waisen – ihr Vater ist vor einigen Jahren an AIDS gestorben; von ihrer Mutter haben sie lange nichts mehr gehört, möglicherweise ist auch sie verstorben. Rund ein Viertel der 15- bis 49-Jährigen in Lesotho ist HIV-positiv – das ist die zweithöchste Rate weltweit.

Lehlohonolo und seine Brüder leben in einer Lehmhütte, wo sie zusammen auf dem Boden schlafen und sich in den eiskalten Nächten aneinanderkuscheln und gegenseitig wärmen. Zwei seiner Brüder gehen in eine acht Kilometer entfernte Schule, in der sie neben Unterricht auch monatliche Lebensmittelrationen bekommen: Getreide, Hülsenfrüchte und Öl.

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© James Mollison

Where Children Sleep

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Familien

Familienplauderei

PLAUDE R 1. 2.

Silke (42) Dieter (42) Elisa (6) aus dem Burgenland

Das ist typisch für uns

Familie Stangl

Jacqueline (30) David (33) Johannes (21/2) aus Wien

Sandra (38) Jochen (49) Jessica (17) Mia (11/2) aus Tirol

Marlene (30) David (30) Paulina (1) aus Oberösterreich

Isabella (35) Christoph (29) Annika (1 1/2) aus Niederösterreich

Familie Sehnal

Familie Krassni tzer

Das kreative Chaos ;-)

Der Schulbeginn unserer Tochter – für uns alle neu und aufregend!

Wir sind täglich am Spielplatz oder im Zoo.

Als wir den Bescheid für den Kindergartenplatz bekommen haben

Gut organisiertes und strukturiertes Chaos

Mias erste Schritte

Wir sind kleine Schokotiger.

stag Der 1. Geburt und von Paulina den ihre leuchten n ge au Kinder

Musik

Gleich zwei: die Hochzeiten von Tante Julia (mit ihrem Alex) und Tante Katharina (mit Onkel Lukas)

Familie Striegl Familie Hofs tä tter

Das Highlight des bisherigen Jahres

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& schic

mach mit

E REI 3. 4.

Reden, erzählen, sich besser verstehen und gemeinsam lachen.

5.

udern? Wollt ihr mit uns pla : an o Fot t mi E-Mail .at plauderei@tipimagazin

6.

Das nehmen wir uns vor

Da haben wir herzlich gelacht

Unsere Zeit noch besser und intensiver gemeinsam nützen

Bei unserer letzten Grillparty mit Freunden: Die Kids haben eine Show mit Musik und Tanz für uns vorbereitet, sich lustig verkleidet und grässlich geschminkt.

Wir sind auf Haussuche ...

Johannes lernt gerade, aufs WC zu gehen. Er sitzt auf der Schüssel, springt plötzlich auf und macht die Wurst daneben. Jedes Mal, wenn wir am Klo sind, deutet er auf die Stelle und sagt „Gacki!“.

Zuckerkonsum

Weniger streiten

Als Mia wieder mal alles nass gemacht hat ...

Jessis Führerschein

Jessica: Physiotherapeutin

Jedes Mal, wenn Paulina Tierstimmen imitiert

Wie wir Paulina am besten baden bzw. duschen – ohne Schreikonzert für unsere Nachbarn

Das steht noch in den Ste rnen. Jedenfalls keine Bademeiste rin ;-)

Wo wir unser Häuschen bauen könnten ...

Gesund, glücklich und zufrieden uralt

Aus allem das Beste zu machen & jeden Tag zu genießen

Oma sagt zu Anni ka: „Bist du ein klei ner Chef?“ Annika so fort darauf: „Jaja“!

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Das wollen die Kinder einmal werden

Tierärztin

Feuerwehrm a

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© Privat (5)

Im ganzen Familientrubel auch noch Zeit für die Zweisamkeit zu finden

Darüber wird gerade diskutiert

ein!

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Leben und wir Rock ’n’ Roll, Baby • Rotraut Schöberl • Urpeinlich, Papa! • Tinte, Tafel oder Tablet • Leben mit Kindern in … Saudi-Arabien Die Schimpf-Diät • Wenn Kinder das System sprengen

Morgenmuffel oder Frühaufsteher? Während die einen schon nach fünf Stunden Schlaf topfit in den Tag starten, wälzen sich andere noch stundenlang im Bett. Dabei ist es vor allem genetisch bedingt, ob wir nun viel oder wenig Schlaf brauchen. Und keine Sorge: In beiden Fällen ist man in bester Gesellschaft – Thomas Alva Edison etwa soll mit vier Stunden Schlaf ausgekommen sein, Albert Einstein hingegen brauchte mehr als zwölf Stunden Schlaf.

© Hersteller (11), Freepik (1)

Mor-gäääähn!

&

mach mit

gewi nn!

Wohlriechend Der erste Schultag, das abendliche Einschlafritual oder der Gang zum Kindergarten – ein Kinderalltag steckt voller herausfordernder Situationen. Perfekt dafür: die kleinen Dufthelden von Primavera, die mit 100 % naturreinen ätherischen Ölen beruhigend, konzentrationsfördernd oder ermutigend wirken. Für Kinder ab 3. Ab € 8,90. www.primaveralife.com

Ein Bär, der hilft EMIL, der Leuchtbär ist viel mehr als ein kuscheliges Nachtlicht. Bei jedem Kauf gehen € 3,– an die Kinderhilfe – zur Unterstützung von Familien mit schwer kranken Kindern sowie für den Bau neuer Kinderhilfe Häuser in Österreich. Erhältlich in allen McDonald’s Restaurants um € 6,90. www.kinderhilfe.at Wir verlosen 4 Leuchtbären: Mail an gewinn@tipimagazin.at (Einsendeschluss: 27.10.2019).

Gut gebrüllt, Löwe! Klar, die Kinder könnten sich auch selbst hinter den Webrahmen setzen, um einen Wandteppich zu kreieren. Für Ungeduldige übernimmt das dänische Interior-Label Sebra und schickt ein niedliches Löwengesicht ins Rennen: Wandteppich mit fransiger Mähne (ca. 31x35 cm) um € 29,95. www.sebra.dk

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&

mach mit

gewi nn!

Komfort am stillen Örtchen Endlich in Griffweite: Dank dem Toicube muss man die feuchten Toilettentücher nicht erst mühsam hinter sich ertasten – die praktische Innovation aus Österreich ist Klopapierhalter und Feuchttuchbox in einem. Letztere lässt sich ganz ohne Berührung mithilfe eines Sensors öffnen – hygienisch, schnell und unkompliziert. Erhältlich in verschiedenen Designs aus Kunststoff, Edelstahl und Holz ab € 109,–. www.toicube.at Wir verlosen einen Toicube aus Kunststoff im Set mit einem Bürstenhalter (Wert: € 129,–): Mail an gewinn@tipimagazin.at (Einsendeschluss: 27.10.2019) – viel Glück!

Gute Tage

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Denkanstoß „Haben Eltern ihre Kinder immer lieb?“, „Wirst du einmal mutig sein?“ oder „Ist es besser, dick oder dünn zu sein?“ – inspiriert von ihrer Tochter stellt Leonora Leitl in Einmal wirst du ... 30 Fragen, die junge Menschen beschäftigen. Zum Nachdenken, Reden, Philosophieren und Lachen. Erschienen im Tyrolia Verlag um € 16,95.

AB 20. SEPTEMBER IM KINO EXECUTIVE DESIGNER PETE OSWALD PRODUCERS DAVID MAISEL CATHERINE WINDER DREHBUCH PETER ACKERMAN UND EYAL PODELL & JONATHON STEWART PRODUZENT JOHN COHEN REGIE THUROP VAN ORMAN SONY PICTURES ANIMATION PRÄSENTIERT IN ZUSAMMENARBEIT MIT ROVIO ENTERTAIwww.sonypictures.at NMENT EINE JOHN COHEN PRODUKTION “ANGRY BIRDS 2 - DER FILM” MUSIK HEITOR PEREIRA PRODUKTIONS-

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Maria (38), Robert (35) und Theo (2) sind unsere Rock ’n’ Roll-Coverfamilie: Wenn Robert nicht gerade auf Tour ist, dann baut Maria die ganze Seidenfabrik um. Jetzt ist der Familiensitz fertig!

© Anna Stöcher/www.schauen.at (2)

Leben und wir

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Leben und wir

Rock ’n’ Roll, Baby Was, wenn der Papa in einer erfolgreichen Punkrockband Gitarre spielt? Wie schaut’s dann aus mit Zeit für die Familie, aufdringlichen weiblichen Fans und der Mithilfe im Haushalt? Überraschende Erkenntnis: Eine Familie voller Rock ’n’ Roll ist nicht nur möglich, sondern auch erfüllend! von peter zirbs Es ist ja nicht so, dass es Maria, Robert und Theo langweilig werden könnte. Denn dazu hat Papa Robert einen viel zu spannenden Beruf – und Maria hatte sich vor zwei Jahren ein zusätzliches Projekt gesucht, damit ihr mit dem damals noch recht frisch geschlüpften Theo ebenfalls nicht fad wird: nämlich die Renovierung der wunderschönen alten backsteinernen Seidenfabrik im sechsten Wiener Gemeindebezirk, in der nun auch das Zuhause der drei beheimatet ist. Ein kleines bisschen könnte einen da der Neid anknabbern: Große, helle Räume mit ausladenden Fabrikfenstern aus Metall im Industriedesign der 1920er-Jahre; darüber rankt sich dunkelgrüner Efeu entlang der mehrstöckigen Fassade. Geräumig, friedlich und entspannt wirkt die adaptierte Fabrik. Platz für Ateliers ist ebenfalls vorhanden, und somit kommt auch die Kreativität nicht zu kurz. Klar, so eine Fabrik kauft man sich nicht einfach so. In diesem Falle ist sie ein wunderschönes Andenken für Maria und ihre Schwester an den bereits verstorbenen Vater, der das Gebäude vor ein paar Jahrzehnten aufgekauft hatte – und damit wohl einen guten Riecher gehabt hat. Denn nach der Renovierung der Seidenfabrik leben Maria, Robert und Theo nun in einem ausgesprochenen Schmuckkästchen. Das gemeinsame Projekt Wie Maria es geschafft hat, so knapp nach der Geburt von Theo ein derartiges Unterfangen zu managen? „Der Mann meiner Schwester hat mir sehr geholfen. Es war schon schwierig, all die Handwerker zu koordinieren“, meint Maria. „Man bedenkt das davor ja nicht, aber da braucht es Installateur, Schlosser, Tischler, Maurer – und Zeit!“ Zeit, die man mit einem kleinen Baby eher nicht hat. Doch hier kommt Robert ins Spiel. Robert ist Gitarrist bei einer sehr bekannten heimischen Punkrockband. Die Band ist aber nicht nur bekannt, sondern auch

» Ich bin Maria sehr dankbar, dass ich meinen Traum von der Musik ausleben und damit um die Welt reisen kann. « äußerst erfolgreich; soll heißen, dass ständig Gigs und Touren am Programm stehen. Und zwar vom gesamten deutschsprachigen Raum bis rüber nach Japan. Wenn er dauernd unterwegs ist – wie kann er dann seiner Frau helfen? „Es ist zum Teil natürlich schon anstrengend: Wenn du von einer Tour oder einem langen Konzertwochenende heimkommst, dann wünschst du dir instinktiv einfach mal Ruhe. So richtig Ruhe, am besten mit ein, zwei Tagen auf der Couch knotzen und Nichtstun. Das geht natürlich nicht mit einem Baby, und schon gar nicht, wenn währenddessen ein Projekt wie die Renovierung der Fabrik ansteht“, erzählt Robert. Also heißt es Zähne zusammenbeißen und Teamplayer sein. „Statt der Couchlümmelei bekam ich also quasi das Baby in die Hand gedrückt; in dieser Zeit konnte Maria sich um das Bauvorhaben kümmern“, führt er weiter aus. Ohne Teamwork wäre das auf keinen Fall möglich gewesen. Und dazu gehörte auch eine strikte Planung und Aufgabenteilung. Im Gespräch wirken Maria und Robert jedenfalls wie ein perfekt eingespieltes Team. Darauf angesprochen, meinen die beiden, sie würden sich einfach gut ergänzen: „Robert ist mehr ein geerdeter, ruhiger Typ – das harmoniert perfekt mit mir“, erklärt Maria. Beim Konzert kennengelernt Kennengelernt haben sich die beiden

übrigens ganz stilecht bei einem Rockkonzert, genauer gesagt bei einem Gig der Eagles of Death Metal in der Open Air-Arena im Sommer 2012. „Am 20. Juni“, verrät Maria wie aus der Pistole geschossen den exakten Termin. Im Arena-Beisl wurde zuerst geplaudert und dann sogar schon ein bisschen geschmust, und irgendwie war beiden klar, dass es ein Wiedersehen geben würde. Das fand kurz darauf auch tatsächlich statt, nämlich auf dem Donauinselfest – und beinahe wäre nichts daraus geworden, weil man sich über den Treffpunkt nicht ganz im Klaren war und die mobile Kommunikation aufgrund des Besucherandrangs zusammenbrach. Aber die Liebe findet immer einen Weg, und den beiden wurde rasch bewusst, dass das wohl „was Ernstes“ werden könnte, auch wenn es sich so stressfrei und wie von selbst ergeben hat. Robert gesteht, „er habe gar nicht so viel nachgedacht“. Und offenbar war das genau richtig. Um die tatsächlich romantische Geschichte abzukürzen: Im Jahr 2015 wurde geheiratet; nicht über die Maßen exaltiert, aber in einer evangelischen Kirche mit Star Wars-Soundtrack, feschem Styling und einer anschließenden Party für alle Beteiligten. Es war ein h er bst 2019 |

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Leben und wir

Mein Leben ohne Vater von peter zirbs

Tja, Rock ’n’ Roll – den gab es auch in unserer Familie, und zwar in mannigfaltiger Weise. Da wäre zum Beispiel die bis heute legendäre Plattensammlung meiner Mutter, die von ganz frühen Rolling Stones über Neil Diamond bis hin zur Rocky Horror Picture Show eine Menge Rock beinhaltete. Allerdings fand ich das alles damals bereits ziemlich altmodisch. Das änderte sich schlagartig, als ich von einem Freund der Familie das Queen-Album A Night At The Opera geschenkt bekam. Das hat mein Leben nachhaltig in eine andere Richtung gelenkt. Diese harten Gitarrenriffs! Freddies unglaubliche Stimme! Roger Taylors knackiges Schlagzeugspiel! Ich war mit meinen 12 Jahren ziemlich aufgeregt – aber es sollte noch besser kommen. Denn besagter Freund der Familie lud mich in die Wiener Stadthalle zum Queen-Konzert ein. Mein erstes Rockkonzert! Ich war davor aufgeregt; ich war währenddessen aufgeregt – völlig zu Recht, denn es war der absolute Wahnsinn. Ich wusste sofort: Genau das will ich auch mal machen. Ich war zwar drei Tage fast taub, aber das hatte meinem Enthusiasmus keinerlei Abbruch getan. Ich musste wie Freddie & Co. auf die Bühnen dieser Welt. Nun, ganz ist dieser Plan nicht aufgegangen – zumindest denke ich mir das, während ich vor dem Rechner sitze und diese Kolumne schreibe. Irgendwo dürfte ich wohl die falsche Abzweigung genommen haben. Denn Bücher im Besonderen und Lesestoff im Allgemeinen hatte ich immer genug, um nicht zu sagen im Überfluss. Mit dem Rock ’n’ Roll sieht es allerdings anders aus, da hätte es daheim dann vielleicht ruhig noch ein bisschen mehr davon geben können. Vielleicht hätte das meiner Karriere als Ersatzfreddie aus Wien-Neubau die notwendigen Flügel verliehen. Andererseits begann ich schon früh eigene Geschichten zu schreiben; das ist ja wiederum unter Umständen etwas, auf das Freddie neidig gewesen wäre. Denn so wie er chinesische Vasen, Liebhaber und Klaviere sammelte, konnte ich eben eine äußerst gut bestückte Bibliothek vorweisen. Gut, das mag vielleicht nicht so extrem Rock ’n’ Roll sein, aber ich musste mich da nach der Decke strecken. Ich hätte Freddie allerdings jederzeit eines meiner Lieblingsbücher geborgt.

Tag, an den sich alle positiv erinnern – auch wenn Robert einräumt, dass er durchaus nervös war. Vom Zusammenleben mit einem Rockmusiker Wie geht Maria mit den weiblichen Fans um? Ist das überhaupt ein Thema? Oder gehören die Geschichten von libidinös übermotivierten jungen Frauen im Rockbiz ohnehin ins Reich der Fantasie? „Na ja, das Thema Groupies fällt eher in die Rubrik Legende“, erzählt Maria. „Ich habe ziemlich schnell gesehen und gespürt, dass ich mir da überhaupt keine Sorgen machen muss – und somit war die Geschichte mit der Eifersucht dann auch vom Tisch.“ Ein weiter Knackpunkt sind natürlich die Tourneen und die damit verbundenen Abwesenheiten von Robert. Aber auch hier streut Maria ihrem Mann Rosen – und auch in diesem Punkt ist das Zauberwort „Teamarbeit“. Denn Robert ist im Ausland und bei Konzerten für seine Frau erreichbar. Dass sie tagelang nichts von ihm hört, kommt also nicht vor – und genau das macht seine Absenz erträglich. „Ich brauche ihn zur Unterstützung oder wenn irgendwas mit unserem Theo ist“, stellt Maria klar. „Auch wenn er aus der Ferne nichts tun kann, aber als Partner ist er trotzdem verfügbar.“ Und Robert führt weiter aus: „Klar gibt es Momente, in denen ich einfach nicht telefonieren kann – zum Beispiel, wenn wir gerade Soundcheck haben. Aber eine freie Minute davor oder danach findet sich mit Sicherheit immer.“ Keine Frau von Traurigkeit Maria legt jedenfalls großen Wert darauf, festzuhalten, dass sie keineswegs die traurige Frau ist, die daheim auf ihren rockenden Mann wartet. Und diesen Eindruck hin-

terlässt die fröhlich und motiviert wirkende Mama von Theo auch ganz und gar nicht. „Ich fahre ja tatsächlich selten mit, das ginge auch gar nicht. Und helfen kann ich den Jungs dort ohnehin nicht“, sieht es Maria realistisch. Wenn sie hingegen daheim Hilfe benötigt und Robert gerade unterwegs ist, springt ihre Mama ein – und dann gibt es auch noch ein Kindermädchen. Was Maria allerdings ein bisschen bedauert, ist der Umstand, dass gelegentlich wenig Zeit für gemeinsame Besuche bei Freundinnen und Freunden überbleibt. Denn Geburtstagsfeiern und Partys sind nun mal tendenziell eher am Wochenende. Und das sind naturgemäß genau die Tage, an denen die meisten Konzerte stattfinden. „Da komme ich mir dann schon manchmal ein bisschen vor wie die alleinerziehende Mutter“, meint Maria, allerdings ohne jeden Anflug von Verbitterung. „Vor allem, wenn das mal zufällig an drei Wochenenden hintereinander ist. Dafür haben wir dann eine sehr intensive gemeinsame Zeit, wenn Robert wieder zurück ist.“ Anfänglich hatte Robert sogar fast ein bisschen Angst, Maria zu fragen, wenn wieder eine längere Konzertreise anstand – wie etwa drei Wochen Japan. „Natürlich war ich dafür, dass er fährt; das ist ja gar keine Frage“, sagt Maria. Und Robert ist froh darüber, dass sie kein Problem mit seinen Tourneen hat: „Ich bin ihr dafür wirklich sehr, sehr dankbar!“ Erfolgreiche Zeiten Denn oft gilt das Motto: Ist mal das Baby da, ist es aus mit dem Künstlerdasein. Wir haben aber in den vergangenen Jahren genau das Gegenteil beobachten können – und das bestätigt sich auch bei dieser Familie. Denn natürlich ist es nicht vorbei mit kreativen Zukunftsplänen und deren Umsetzung: Durch die viel striktere Struk-

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Leben und wir turierung des Tagesablaufs und der nicht mehr grenzenlos verfügbaren Ressource Zeit gelingt es manchen, mehr als je zuvor ihr Ding zu machen und auf die Reihe zu bekommen. Statt wie früher quasi endlos im Proberaum abzuhängen, müssen sich rockende Familienmitglieder mehr konzentrieren und fokussieren. Und das ist selten ein Fehler. „Dave Grohl hat diesbezüglich in einem Interview etwas sehr Nettes gesagt“, erzählt Maria. „Er meinte, erst seitdem er seine drei Kinder hatte, war er richtig produktiv, und es ist bei ihm unglaublich viel weitergegangen.“ Dave scheint also unsere These zu bestätigen. Bei Robert war es aber dennoch ein wenig anders, denn er gilt schon längere Zeit als jemand, der bei der Sache ist und gerne konzentriert arbeitet. Trotzdem: „Ja, es hat sich definitiv etwas verändert. Man muss nach und mit dem Kind planen und leben. Ich stehe auch deutlich früher auf; dadurch wird der Tag länger, und man bringt daher auch mehr weiter“, ist sich Robert sicher.

auch seine zukünftige Berufung liegen. Und es ist interessant: So authentisch Robert in seiner Rolle als Punkrockgitarrist wirkt, so glaubwürdig kann man ihn sich auch als sozialpädagogischen Betreuer vorstellen. Das mag vielleicht an seiner ruhigen, unaufgeregten Art liegen. Aber auch Maria hat schon einen Traum, oder besser gesagt eine ganz konkrete Idee. Zufälligerweise hat sie einen Tag vor unserem Gespräch diese Idee bereits zum Teil in die Tat umgesetzt: Mit Souvenir for the Soul (souvenirforthesoul.com) möchte Maria ihre Lieblingsorte, Erlebnisse und Inspirationen teilen, damit diese wiederum Erinnerungsstücke für andere Menschen werden können. Und vermutlich wird auch

der Rock ’n’ Roll eine nicht ganz unwesentliche Rolle dabei spielen. Details sind noch zu klären, aber man sieht Maria schon an, dass sie vor lauter Ideen und Motivation nahezu sprüht. Aber wie wird all das unter einen Hut zu bringen sein? Tourneen mit der Band, ein sozialpädagogischer Beruf und das Betreiben eines Blogs? Und wie sie mir verraten haben, können sie sich außerdem gut vorstellen, noch ein weiteres Kind zu bekommen – wie soll sich denn das alles ausgehen? Tja, vermutlich so, wie es sich bisher auch ausgegangen ist – mit Teamwork, Vertrauen, intelligenter Planung und nicht zu vergessen: einer großen Portion Rock ’n’ Roll.

© Adrian Batty (1), Anna Stöcher/www.schauen.at (4)

Vorsorgen für die Post-Rock-Zeit Und als wäre all das nicht ohnehin schon genug an Action und Rock ’n’ Roll, haben Maria und Robert noch jeweils ein Ziel, an dem sie arbeiten. Bei Robert ist das sogar schon sehr weit vorgeschritten: Er hat die Studienberechtigungsprüfung abgelegt, Sozialpädagogik studiert und wird nebenbei in die entsprechende Berufswelt eintauchen. „Ich werde ganz klassisch in einer betreuten Wohngemeinschaft beginnen, um Erfahrungen zu sammeln“, erzählt er. Während des Studiums hat er bereits ein Fachprojekt mit einer Songwriting-Werkstatt für Kinder und Jugendliche mit Lernschwächen oder Migrationshintergrund auf die Beine gestellt; in dieser Richtung wird

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Leben und wir

Die Geschichte einer Kindheit

Interview

Rotraut Schöberl

Rotraut Schöberl ist so etwas wie die Buchhändlerin der Nation. Über ihre Kindheit und Jugend ist allerdings erstaunlich wenig bekannt. Tipi wollte diesen Umstand ändern und schickte Peter Zirbs zum Gespräch mit seiner Mutter. von peter zirbs

Rotraut, wo bist du geboren und was ist das Erste, an das du dich erinnern kannst? Rotraut Schöberl: Geboren bin ich im schönen Reichenau an der Rax in Niederösterreich; in einem Schloss, und zwar im Zimmer direkt neben dem Turm – in einer sehr wildromantischen Landschaft, die vermutlich auch meine immerwährende Liebe zur Natur begründet hat. Die ersten Erinnerungen, die ich habe, sind die an das Rauschen der Bäume. Und es tauchen auch immer wieder Erinnerungsfetzen auf: an Erde, an die Natur und auch an das Rauschen der Schwarza.

Wie kam es dazu, dass du in einem Schloss geboren bist? Das hat zeitgeschichtliche Ursachen: Knapp nach dem Krieg gab es wenig Wohnungen. Meine Großeltern wurden, weil ihr Haus zerstört war, ins Schloss übersiedelt. Das Schloss war in Wohnungen unterteilt, und sie bekamen mit ihren Kindern eine der Größeren. Und so bin ich als Hausgeburt im Turmzimmer auf die Welt gekommen. Deine Großmutter hieß Wilhelmine. Mit ihr hat dich viel verbunden, oder? Sie war eine der wichtigsten Bezugsperso-

nen in meinem Leben, mit der ich viel Zeit verbracht habe. Ich habe sie auch später in den Ferien sehr oft besucht. Sie ermöglichte mir schon früh, dass ich ein eigenes Gemüse- und Kräuterbeet im Garten bekam. Neben ihrem Beet hatte ich mein eigenes kleines Beet links von der Buche. So konnte ich mir einiges abschauen, ohne dass ich lang darüber nachdenken musste. Wo bist du in die Schule gegangen? Meine Mutter ist mit mir nach Wiener Neustadt übersiedelt, als ich fünf Jahre alt war. Ich habe dort mit der Schule begonnen,

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Leben und wir was mir unheimlich viel Spaß gemacht hat. Ich habe mich irrsinnig gefreut, als ich lesen gelernt habe – ich habe den Eindruck, ich habe von der ersten Woche an Bücher verschlungen. Was ist dir da in Erinnerung geblieben? Der rund 30-minütige Schulweg mit seinen Wiesen und Feldern, den ich ab der ersten Klasse täglich allein bewältigte. Und natürlich die ersten Bücher, die ich gelesen habe: Der kleine Peter in der Katzenstadt, Puckerl und Muckerl sowie Kribbel Krabbel Kugelrund. Mitten in der zweiten Klasse bin ich dann nach Wien übersiedelt, ich kam natürlich in eine Wiener Schule, und das war irgendwie traumatisch: Der Lehrplan war sehr unterschiedlich und außerdem war man, aus Niederösterreich kommend, immer die „G’scherte“. Auch das Schreiben war eine ziemliche Umstellung, denn in Wr. Neustadt haben wir noch mit Federkiel geschrieben – in Wien hingegen bereits mit Füllfeder. Mit meinem Vornamen hatte ich in der Schule auch Probleme, denn es lässt sich sehr leicht „Rotkraut“ daraus machen. Und dann kam deine Internatszeit. Genau, die begann in Purkersdorf, im evangelischen Jungmädchenheim, das dann recht bald nach Wien Währing in die Schopenhauerstraße übersiedelt ist. Dort war ich lange; meine Heimzeit war eine sehr schöne Zeit – im Unterschied zu dem, was sonst viele zu berichten haben. Aber ich habe das große Glück gehabt, dass alle Erzieherinnen wirklich Kinder geliebt haben. Das Internat ging in die Richtung Summerhill (Summerhill School nach A. S. Neil, einem Verfechter selbstverwalteter Schulen; Anm. d. Red.); wir hatten ein Heimparlament und wir haben selbst bestimmt, was verboten ist. Heute würde man selbstverwaltet dazu sagen. Erst später habe ich das Prinzip Summerhill kennengelernt und noch lange zu diesem Thema Bücher verkauft. Wir waren 28 Heimbewohner – 27 Mädels und ein Bub. Im Mädchenheim! Die Altersklassen waren von 4 bis 18 Jahren durchgemischt, dadurch gab es unterschiedliche Bedürfnisse. Das wurde von uns allen geregelt; da durften die Kleinsten genauso mitreden wie die Großen.

Schon in ganz jungen Jahren entwickelte Rotraut Schöberl ihren berühmten strengen Blick, den sie bis heute erfolgreich anwendet. Rechtes Bild: Der erste Schultag!

Lesestoff habe. Da war ich dann das erste Mal total mit Wien versöhnt: Ich dachte mir, was für eine tolle Stadt! Ich kann hier alle Bücher lesen, die es gibt! Und dann habe ich mir natürlich jede Woche einen Stapel geholt. Außerdem hatte Schwester Hildegard eine großartige Plattensammlung; ich durfte am Abend oft bei ihr am Teppich herumkugeln und mir Platten anhören. Ich habe dort die ganze Klassik für mich entdeckt – Mozart, Beethoven und Chopin. Schwester Ruth wiederum hat mich alle paar Wochen in die Volksoper mitgenommen: Meine erste Oper, die ich gesehen habe, war die „Zauberflöte“, und ich war hin und weg. Wie lange warst du im Jungmädchenheim? Ich war dort im Alter von 10 bis 14 Jahren und wollte dann in meiner Begeisterung unbedingt Diakonisse werden. Das hatte damit zu tun gehabt, dass ich im Heim so viele Möglichkeiten hatte, mich zu enga-

gieren; ich half auch in den Sommermonaten im Heim ein paar Wochen mit – in der Ferienzeit war das Heim nämlich das Quartier für Missionare. Da waren also einen Sommer lang total spannende Leute aus Afrika untergebracht. Ich habe dann auch Vorträge gesehen und wollte unbedingt nach Kamerun gehen. Du wärst also fast nicht Buchhändlerin geworden? Genau, ich wollte Missionarin oder Missionarshelferin in Kamerun werden. Nachdem daraus zu dem Zeitpunkt aber noch nichts geworden ist, wollte ich zumindest Diakonisse werden. Denn was ich dort an Fürsorge erfahren habe, war so schön, dass ich es unbedingt weitergeben wollte. Ich wollte sofort auf die Diakonissenschule, was aber nicht ging, da man dazu erst das Maturaalter erreichen musste. Ersatzweise schlug man mir vor, die Haushaltungsschule in den evangelischen Anstalten in Waiern, Kärnten, zu machen – also bin ich hingegangen. Für diese Lernmöglichkeiten bin ich heute noch dankbar. Die evangelischen Anstalten waren jedenfalls ein Verbund von Kinderheim, Krankenhaus, Bauernhof und eben

Das Schloss Waissnix in Reichenau/Rax. Auf diesem Bild nicht zu sehen ist das Turmzimmer, in dem Rotraut Schöberl geboren ist – es befindet sich auf der Rückseite.

© Privat (2, 3), Peter Draxl (1),

Du kannst dich da sicher noch an das pädagogische Personal erinnern, oder? Ja, vor allem an die Heimleiterin, die wunderbare Schwester Hildegard. Sie hatte ein schönes Wohnzimmer im Haus, und als sie bemerkte, dass ich so kulturinteressiert bin, bekam ich gleich meinen Ausweis für die Städtische Bücherei, damit ich immer genug h er bst 2019 |

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Leben und wir

© Privat (3)

gespielt hat. Nebenbei habe ich übrigens auch wertvolle Informationen zum Leben der Komponisten oder Pianisten vermittelt bekommen.

der Haushaltungsschule. Da war es so, dass man nicht nur die Grundbegriffe des Haushaltens lernte, sondern auch ein eigenes Beet hatte, das quasi auch Prüfungsmaterial war. Und man hat stundenweise im Kinderheim und im Krankenhaus – vor allem auf der Pflegestation, wo jeder gebraucht wurde – mitgeholfen. Da lernt man viel über das Leben; ein breites Spektrum an Menschlichkeit. Du wurdest aber nicht Diakonisse – was also ist passiert? Tja, dann kam Schwester Brunhilde, eine meiner alten Erzieherinnen aus Wien, nach Kärnten angefahren und sagte, dass sie mit mir reden müsse. Sie erklärte mir, dass ich überhaupt nicht geeignet wäre, Diakonisse zu werden. Sie meinte, ich sei der personifizierte Widerspruch; ich könne den Mund nicht halten und müsse mich unterordnen. Das hat mich sehr getroffen. Aber sie hatte bereits einen Ersatzplan für mich: Ich solle Lehrerin werden. Da hab ich erst mal geschluckt, aber sie erklärte mir, dass ich da auch mit Kindern zu tun hätte – und deswegen hat sie mich bereits zur Aufnahmsprüfung für die Lehrerbildungsanstalt im Oberstufengymnasium zur Lehrerausbildung angemeldet. Mit der Heimleitung in Waiern hatte sie ebenfalls schon gesprochen, also packte ich mich zusammen und fuhr los, um die Prüfung zu machen. Du hast diese Prüfung tatsächlich gemacht? Ja, die habe ich gemacht, und zwar bei den evangelischen Anstalten in Oberschützen. Das hat mich alles sehr fasziniert – auch, dass da am Gang zu meinem Zimmer ein Klavier stand. Die Schule hat mir wahnsinnig viel Vergnügen bereitet; an vorderster Stelle Deutsch, aber auch Geschichte und Geografie. Ich war sichtlich ganz begierig, die Welt in ihrer Gesamtheit zu verstehen. Warum bist du nicht Lehrerin geworden? Das wurde nach zwei Jahren aus familiären

Links: Rotraut und ihr Kampfkater Pucki, der nur ein Ohr, ein Aug und einen halben Schwanz besaß – er galt als Legende. Mittleres Bild: Mit Großmutter Wilhelmine anlässlich Rotrauts abgeschnittener Fingerkuppe.

und auch finanziellen Gründen beendet. Es war dann so, dass ich in den Viktoria Plastikwerken zu arbeiten beginnen hätte sollen, aber das fand ich schrecklich. Ich wusste, ich wollte etwas mit Büchern machen. Meine Mutter hat organisiert, dass ich die Prüfung bei den Städtischen Büchereien machen durfte – die habe ich auch gut gemeistert, doch leider sind die erst nach der Prüfung draufgekommen, dass ich noch zu jung bin. Sie haben mir aber den guten Rat gegeben, die Buchhandelslehre zu absolvieren, weil das dann später ein großer Vorteil für die Bibliothekarsprüfung gewesen wäre. Und das war dann mein nächstes großes Glück: Ich fand eine Buchhandelslehrstelle beim Prachner auf der Kärntner Straße, eine der führenden Buchhandlungen. Da war ich bereits 16 Jahre alt. Das war ein Paradies: So viele Bücher! Dort lernte ich auch die wunderbare Erfindung der Leseexemplare kennen. Sie begeistern mich bis heute – man kann neue Bücher vor allen anderen lesen! Um noch mal kurz beim Thema „Missionarin“ einzuhaken: Kann es sein, dass du eine Missionarin zumindest in Bezug auf Bücher geworden bist? Ja, da ist etwas Wahres dran. Das, was sich herauskristallisiert hat, ist: dass ich die ganze Welt an dem Positiven, das ich sehe und entdecke, teilhaben lassen will. Da ich das zu einem sehr großen Teil in Büchern finde, sind es eben die Bücher, die ich mit den Menschen teilen will. Was waren neben dem Lesen deine liebsten Jugendbeschäftigungen? Wie erwähnt auf jeden Fall die Musik, wobei ich mich eben ganz besonders gern an die Abende erinnere, die ich auf Schwester Hildegards hochflorigem Teppich Klassik hörend verbracht habe. Das Schöne war, dass Lautstärke dort überhaupt keine Rolle

Thema Sport: Du wanderst gerne? Na ja, gehen ist für mich kein Sport. Das brauche ich zum Denken. Oder zum Auslüften, wenn ich etwas gelesen habe. Das brauche ich, wenn ich Probleme habe – dann gehe ich lange, weil ich das Gefühl habe, dass ich dann besser denken kann. Mit dem Sport an sich war es schwierig; ich hab ab der ersten Klasse eine Brille getragen. Außerdem hatte ich aufgrund meiner verbogenen Wirbelsäule nur eine eingeschränkte Turnerlaubnis. Und dann kam noch dazu, dass mich das Turnen null, aber wirklich null interessiert hat. Beim Ballspielen war ich immer die, die man als Letzte ins Team gewählt hat. Ich hab dann immer versucht, unauffällig am Rand zu bleiben. Ich bin auch nie Schifahren gegangen. Also Sport gehört offenbar nicht zu deinen Leidenschaften? Nein, das liegt auch daran, dass ich immer viele Sterne gerissen habe – so auch beim Eislaufen, das ich ein paar Mal probiert habe. Aber Unfälle hatte ich generell viele; ich wurde schon im Alter von acht Jahren „die Narbenreiche“ genannt. Ich glaube, das hat damit zu tun, dass ich immer mit beiden Beinen gerne fest am Boden stehe. Am besten barfuß. Was mir aber immer schon Spaß gemacht hat: Ich habe im Höllental in der Schwarza schwimmen gelernt, bin also auf kaltes Wasser geeicht. Und das Reichenauer Schwimmbad war ebenfalls großartig mit seiner eindrucksvollen Bergkulisse. Und Radfahren habe ich natürlich auch geliebt – ich bin ja auch in Wien dann noch lange mit dem Fahrrad in die Buchhandlung gefahren. Und natürlich gab’s auch dabei legendäre Unfälle von mir; ich denke da etwa an meinen weißen Hosenanzug auf der Lerchenfelder Straße. Du warst Teenager in den 1960er-Jahren. Wie hast du den Rock ’n’ Roll erlebt? Also zuerst einmal wieder über die Bücher; junge amerikanische Literatur etwa, für damalige Zeiten moderne Sachen. Meine Pubertät hat ganz sicher auch meine Leseauswahl verändert. Aber natürlich auch die Musikauswahl, denn die Rolling Stones und die Beatles waren schon toll – und wilde Feste gab’s natürlich auch schon! Fällt dir dazu vielleicht eine bestimmte Erinnerung ein? Keine, die ich gedruckt sehen will!

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DU GLAUBST, DU KENNST DIE GANZE GESCHICHTE?

A N G E L I N A

J O L I E

AB 17. OKTOBER IM KINO


Leben und wir

Urpeinlich, Papa!

Bretter, die nur Geld bedeuten Kinder brauchen Hobbys. Entweder Sport oder ein Instrument. Die sogenannten Eislaufmütter wählen oft beides und wundern sich, wenn ihr Spross mit zwölf beim Schulpsychologen eincheckt, sich die Unterarme aufritzt und mit vierzehn Gras zu rauchen beginnt. Ob der permanenten Überforderung. So ein Schulalltag ist auch nicht ohne, der frisst locker 40 Stunden die Woche, dann noch Klavier und Eislaufprinzessin üben, und fertig ist der kleine Mensch. Fix und fertig. Mein kleiner Intelligenzcaterpillar ist für solche Späße nicht zu haben und hat sich dereinst im zarten Alter von fünf für das Tanzen entschieden. Bewegung ist gut, gruppendynamische Prozesse erst recht, und wenn mit dreißig dann die Gelenke im Eimer sind, ist Google Robotics hoffentlich schon weiter als jetzt. Dann ist ein Gelenktausch wie ein Zahnarztbesuch. Darf’s eine neue Leber auch gleich sein? Nein, danke, die alte ist noch gut. Dystopische Zukunftsvision eines Technikfreaks. Die erste echte Tanzaufführung in einem namhaften Theater steht an. Ich bin nervöser als der gesamte Zwergenhaufen zusammen. Ich bin nervöser als beim ersten Nirvana-Konzert in Wien. Im U4. Vor 300 Menschen. Fragt man heute, wer damals aller dort war, waren es locker 25.000 Menschen. Nein, es waren 300. Ich war nämlich wirklich dort. Mit einer Ladung Baldrianperlen im Körper und meiner Kameraausrüstung checke ich im Theater ein. Schlechter Sitzplatz, schlechte Sicht, Nervosität triff t auf miese Laune. Ein pflichtbesessener Mensch macht mich darauf aufmerksam, dass Fotografieren und Filmen verboten sei, man habe einen Fotografen und ein Videoteam engagiert, und jeder könne im Anschluss eine CD kaufen. Um dezente 45 Euro. Die miese Laune überholt souverän meine Nervosität. Videoteam? Der eine Knecht mit Stativ und einer draufgeschraubten Canon ist das Videoteam?

© Privat

Wenn Töchterlein ihre erste öffentliche Tanzaufführung hat, muss man das filmisch festhalten. Und Kollateralschäden in Kauf nehmen. von peter draxl

Der da seitlich am Rand steht und einfach stur auf die Bühne draufhält? Für den Müll soll ich dann 45 Euro zahlen? Wie geht’s euch denn eigentlich allen, und wofür schleppe ich bitte mein Zeug mit? Die Aufführung beginnt. Ich bereue es bitterlich, meinen Flachmann nicht eingesteckt zu haben. Es ist unerträglich, ich weiß genau, wann Goldlöckchen drankommt, wann sie ihren Solopart hat, aber die Warterei zerfrisst mich. Nervosität, Zorn, Ungeduld und Erwartungsfreude liefern sich Schlachten in meinem Großhirn. Es ist so weit, nach Wochen der Warterei endlich – die dritte Nummer. Ein Stück aus „König der Löwen“, getanzt und gesungen. Das Videoteam lehnt teilnahmslos an der Wand, Kamera läuft. Kein Schwenk, kein Zoom, schläft der Mann schon? Leute, ich pfeif auf eurer Verbot, ihr könnt mich aber so was von … schnappe mein Zeug, lege den Schalter auf on und dränge mich durch die Reihe hinaus auf den Gang. Rücksichtslos, schonungslos. Ich trete auf Füße, mein Ellbogen rammt Körperteile, ich muss hier raus, filmen, zumindest den Solopart! Die Nikon fest in der Hand, der Tragegurt baumelt. Ich passiere das mittlerweile tatsächlich eingeschlafene Videoteam und

trample wie ein Elefant am Stativ vorbei. Jetzt geht’s um alles. Der Tragegurt bleibt irgendwo hängen, egal, ich reiße die Kamera kurz an, höre ein Getöse hinter mir, kurzes, aggressives Gestöhne und Gemurmel. Egal. Ich habe ein Ziel, eine Mission, die Schneise der Verwüstung hinter mir nehme ich gerne in Kauf. Kamera, anvisiert, rec, und los geht’s. Ich bin in Bühnennähe und erfasse rechtzeitig den Solopart meiner Tanzprinzessin. Erleichterung macht sich breit. Glück. Friede. Stolz. Die kann das wirklich. Sehr souverän. Unfassbarer Stolz. Und ich hab’s gefilmt. Am Ende der Vorstellung warte ich geduldig am Backstage-Eingang, bis die Künstler das Theater verlassen. Oh, da kommt sie, meine kleine Heldin. Aber warum der finstere Gesichtsausdruck. „Was ist los? Du warst großartig! Ganz toll, sei stolz auf dich!“ Die ernste Miene erklärt mir, dass die Aufführung zwar super gelaufen sei, aber irgendein Vollidiot den Videofilmer niedergerannt hätte, seinen Aufbau zu Fall gebracht und somit fehle im Videomitschnitt genau die Nummer, in der sie ihren Solopart hatte. Nun gut, ich heuchle Verständnis, das ist doch wirklich ärgerlich, aber die gute Nachricht ist, Superdad hat selber mitgefilmt, und genau deine Nummer ist safe auf meiner SD-Karte. Das überschminkte Gesicht erhellt sich kurz und wird wieder dunkel. „Warst DU das vielleicht? Zuzutrauen wär’s dir ...“ Was?! ICH? Warum ist mir so was zuzutrauen? Räusper. Ich vergehe in einem Redeschwall aus Ablenkungsmanövern. Glücklicherweise strömt jetzt der Rest ihrer Tanzgang aus dem Theater, und das Thema geht in einem Glückliche-Kinderumarmen-sich-Reigen unter. Verdammt, ist mir das peinlich. Ich kann mich nie wieder bei einer Tanzprobe blicken lassen. Die killen mich. Aber, ich hab einen Film. Könnt’s mir ja abkaufen. Um 44 Euro. Ha!

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Leben und wir

Tinte, Tafel oder Tablet Schreiben kommt nie aus der Mode

Schreiben Lernen war und ist etwas Besonderes. Man wird in die Bedeutung der Zeichen eingeweiht, die allgegen− wärtig sind. Erst dann kann man Schilder entziffern und Nachrichten lesen und ist damit Teil der Gesellschaft. Schreiben und Lesen gehören zum Alltag – egal ob analog oder digital. von Julia Fleiß

„Mimi ist im Haus. Mimi geht zur Schule.“ An solche oder ähnliche erste Schreibund Leseabenteuer kann ich mich aus meiner Volksschulzeit erinnern. Mimi begleitete mich und meine Klassenkameraden quer durchs Alphabet. Mit dem nötigen Rüstzeug wurden Geschichten in der Spatzenpost gelesen, die es übrigens immer noch gibt: „Bringt Lesefreude und fördert die Sprach- und Lesekompetenz durch altersgerechte Textangebote“, liest man auf einem Lehrerserviceportal darüber. Kann ich bestätigen, die Spatzenpost ist mir sehr positiv im Gedächtnis geblieben. Auch auf eine Mimi bin ich in meiner Schulbuchrecherche gestoßen, aber sie ist jetzt eine Lesemaus und hat wohl nichts mehr mit meiner Mimi aus den 1980er-Jahren zu tun. Im Volksschulunterricht hat sich einiges verändert, wenn es um Schreiben und Lesen geht. Kein Wunder, immerhin hat die Handschrift seit ihrer Entstehung schon so manche Entwicklung hinter sich. Die letzte Reform der Schulvorlage, nach der Kinder das Schreiben lernen, hat in Österreich 1995 stattgefunden. Deshalb sieht der eine

oder andere Buchstabe, den unsere Kinder heute in der Volksschule lernen, etwas anders aus als das, was uns Eltern damals beigebracht wurde (siehe Seite 27). Von persönlicher Handschrift zu Emojis Hinzu kommt, dass Volksschulkinder heute Handys und Tablets besitzen und viel digital kommunizieren. Etwas per Hand Geschriebenes hat immer eine persönliche Note, transportiert Empfindungen und Ähnliches mit. Laut Grafologin Elisabeth Charkow kann die Handschrift über den Verfasser vieles verraten: Temperament, Gefühlsaspekte, soziale und persönliche Kompetenzen. Geht das nun mit E-Mails, Textmessages & Co. verloren? Immerhin wurden Lebensläufe bis vor 20 Jahren noch gerne mit der Hand geschrieben, um so dem potenziellen Arbeitgeber mehr Interpretationsmöglichkeiten über die Persönlichkeit des Bewerbers zu geben. Alles längst Geschichte. Während jene, die ihre Kindheit ohne Computer und Handy verbracht haben, eventuell noch per Hand

ihre Einkaufsliste oder sonstige Notizen schreiben, läuft bei den Digital Natives kaum mehr etwas mit Stift und Papier. Empfindungen und Persönlichkeit werden stattdessen mit Emojis ausgedrückt. Lichtblick Handlettering-Trend Der Stellenwert des Schönschreibens wird in der Schule wohl durch rasches Tippen ersetzt. Dennoch oder gerade deshalb widmen sich immer mehr Interessierte einer Gegenbewegung: Handlettering, dem künstlerischen Zeichnen von Buchstaben. Man besinnt sich zurück auf die Besonderheit des Handgeschriebenen und illustriert die Bedeutung eines Wortes im Gestalten der einzelnen Buchstaben. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. In fernöstlichen Ländern hat die Kalligrafie seit jeher auch einen meditativen Aspekt. Nicht umsonst nennt Grafikerin Julia Weithaler Handlettering das „Yoga des Grafikers“. In Workshops zeigen allerdings Menschen aus den verschiedensten Bereichen Begeisterung dafür.

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Leben und wir

Schreiben als Gehirntraining Fest steht, dass Schreiben eine Meisterleistung des Gehirns ist, ein Training, das wir uns nicht vorenthalten sollten: Wir wandeln beim Schreiben einen Laut oder ein Wort in eine feine, sehr präzise Handbewegung um. Wer schreibt, aktiviert verschiedenste Areale des Gehirns. Grafologin Elisabeth Charkow hält sowohl digitales als auch analoges Schreiben für wichtig: „Reich ist, wer die Vielfalt zu nutzen weiß und beides beherrscht: das Schreiben mit der Hand und mit dem Computer. Auch wenn der Umgang mit Tablets angeblich die Feinmotorik begünstigen soll, sollten Buntstifte, Feder, Kreide, Tafel und viel Papier in keinem Kinderzimmer fehlen.“

„Eine hoch automatisierte Leistung des Gehirns“ Welchen Einfluss hatte folgende Bereiche zu: allgemeines Verhalten, und hat der Einzug von Vitalität und TemperaComputern in Büros und ment, Wille, geistige Schulen auf die HandFähigkeiten, Gefühlsschrift? Gibt es die Geaspekte, soziale und fahr, dass die Handschrift persönliche Kompetenganz „ausstirbt“? zen sowie LeistungseiElisabeth Charkow: genschaften. Im Grund Natürlich ist durch den bringt jedes Kind schon Einsatz technischer Mittel in den ersten Kritzeleidie Handschrift zurückgeen seinen persönlichen gangen, die Einstellung zum Schreiben hat sich Stil ein. Je mehr die w immer wieder verändert. Es Buchstaben beko ar Ch th Elisabe ist durchaus möglich, dass herrscht werden, desin, log ist Dipl. Grafo eines Tages die Handschrift to mehr kann sich der Präsidentin der Öster völlig zurückgedrängt wird. persönliche Stil durchft ha lsc sel reichischen Ge Allerdings hat die Handsetzen. Die Hand& ie log cho psy rift für Sch schrift bis dato die Einfühschrift einer Person e. dig tän Schriftsachvers rung des Buchdrucks und verändert sich bis ins .at gin olo diegraph der Schreibmaschine gut hohe Alter, sie passt überlebt. Die Unterschrift als sich der persönlichen individuelle Ausdrucksform Entwicklung an. wird wohl noch längere Zeit erhalten bleiben, es sei denn, der Fingerprint setzt Hat „Schönschreiben“ noch die gleiche sich durch. Bedeutung in der Schule wie früher? Ich denke nicht, es gibt auch keine Was sagt die Handschrift über die Schönschreibnoten mehr. Allerdings Persönlichkeit aus? Wann beginnen ist es wichtig, den Schreibvorgang gut Kinder, ihren eigenen Schreibstil zu einzuüben, was nicht mit Schönschreientwickeln? ben verwechselt werden darf. Wenn Die Handschrift lässt Aussagen über die Schreibbewegung automatisiert ist

Interview

und das Kind nicht überlegen muss, wie es die einzelnen Buchstaben formen muss, kann es sich besser auf den Inhalt konzentrieren. Es ist daher wichtig, dass Schreiben gründlich eingeübt wird – jedoch ohne Drill, sondern mit Freude. Wie verschiebt sich die Bedeutung der Handschrift heutzutage, wenn Kinder schon früh Handys und Tablets haben? Es wird hier sicher zu einer Änderung kommen, die Vor- und Nachteile hat. Ich habe von einer Studie gehört, bei der festgestellt wurde, dass Kinder, die früh beginnen mit Tablets zu spielen, eine bessere Feinmotorik haben. Allerdings sollte das Einüben der Schreibbewegung nicht vernachlässigt werden. Schreiben ist eine hoch automatisierte Leistung des Gehirns, die sich aus motorischen, visuellen, kognitiven und emotionalen Fähigkeiten zusammensetzt. Schreiben spielt eine wichtige Rolle beim Lernen, es fördert das Denken, das Gedächtnis, die Kreativität und wirkt sich auf die Ausbildung neuronaler Netzwerke aus. Es ist bekannt, dass das Training von Bewegungsabläufen die Verbindung zwischen Nervenzellen und die Bildung neuer Nervenzellen fördert. Reich ist, wer beides beherrscht: das Schreiben mit der Hand und mit dem Computer. h er bst 2019 |

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Julia Weithaler ist Grafikdesignerin und HandletteringExpertin. Infos und Termine zu Handlettering-Workshops unter www.dschuleia.com

„Handlettering ist mein Yoga.“ Wie sind Sie zum Handlettering gekommen? Julia Weithaler: Meine ersten Berührungspunkte mit Handlettering und Kalligrafie hatte ich auf der Uni. Die Begeisterung meines Typografielehrers, Giovanni di Faccio, hat mich schon damals angesteckt. Vor etwa vier Jahren hat mich die Lettering-Trendwelle dann mitgerissen, und ich habe öfter zu Stift und Papier gegriffen. Wörter schön zu schreiben macht mir großen Spaß, und es ist ein guter Ausgleich zu den alltäglichen Jobs mit Kunden. Ich sage immer „Handlettering ist das Yoga des Grafikers“. Aus welchen Bereichen kommen die Leute, die Ihre Workshops besuchen? Was lernt man? Die jüngsten Teilnehmer waren 13, die ältesten an die 50. Meistens gibt es mehr weibliche Teilnehmer. Da ich meine Workshops aber gern thematisch gestalte (z.B. „Lettering auf Wienerisch“ oder „Schimpfworte schön schreiben“), gibt es hier auch Unterschiede. Ich biete einen Grundlagen-Workshop an, bei dem die Teilnehmer ein Script Brushpen-Alphabet lernen. Nach einer kurzen

Worin unterscheiden sich „normales schönes Schreiben“ und Handlettering? Beim Handlettering werden Buchstaben weniger geschrieben, sondern mehr gezeichnet. Das Schöne am Handlettering ist, dass man schon im „Schreiben“ versucht, den Inhalt des Geschriebenen zu erfassen und diesen durch die Buchstaben fast schon illustrativ darzustellen. Dabei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt, und man kann mit ganz unterschiedlichen Schriftarten und illustrativen Elementen experimentieren. Woher kommt der Trend? Mir ist bei einer New York-Reise vor einigen Jahren aufgefallen, dass sehr viele Gastro-betriebe auf Handlettering im Design setzen. Kurze Zeit darauf war’s dann auch in Österreich überall zu sehen. Nachdem die Kunst des Handlettering aber eigentlich schon alt ist, da man ja vor Photoshop & Co. alles mit der Hand gemalt bzw. geschrieben hat (Schilder, Fassaden, Plakate, Zeitungen …), würde ich diesen Trend fast als ein Revival bezeichnen. Lettering fügt sich in die allgemeine Tendenz, wieder mehr mit der Hand zu machen, gut ein. Wie ergänzen sich Handlettering und moderne Computer-Grafikprogramme? Computer-Programme helfen dabei, am Papier geschriebene Letterings schnell zu digitalisieren und sie sehr unkompliziert für unterschiedlichste Anwendungen weiterzuverarbeiten oder auch noch mal nachzubessern. Ich bin mittlerweile auch ein großer iPad- & ProCreate-Fan. Da kann man gleich digital schreiben und hat die Möglichkeit, viele Sachen auszuprobieren, ohne immer ganz von Neuem beginnen zu müssen. Was kann man mit dem per Hand geschriebenen Buchstaben transportieren, was per Computer nicht möglich ist? Ich finde, ein von Hand geschriebenes bzw. illustriertes Wort hat immer mehr Charakter und ist ausdrucksstärker als eine Computergrafik. Ich persönlich mag es sehr, wenn man kleine Imperfektionen sieht und nachvollziehbar ist, dass das jeweilige Werk von Hand erschaffen wurde.

Eine kulturelle Errungenschaft Mit der Erfindung der Schrift ist es gelungen, Wissen über Zeit und Raum zu transportieren. In frühester Zeit setzten sich Schriften aus Bildsymbolen zusammen. Schriftzeichen kennen wir seit 5.000 bis 6.000 Jahren: Damals entwickelten die Sumerer im heutigen Irak die sumerische Keilschrift, eine Bilderschrift mit knapp 2.000 Zeichen, die dazu diente, den Handel zu verwalten. Die Sumerer ritzten sie mit Holzstäbchen in Lehmplatten. Über die Jahrhunderte entwickelte sich aus dieser Schrift unser heutiges Alphabet. Aufgrund der Masse der benötigten Zeichen wurden an unterschiedlichen Orten der Welt gleichzeitig Wort- und Silbenschriften erfunden, wie wir sie heute noch verwenden. Die älteste noch bis heute gebräuchliche Schrift ist die chinesische, die bereits im zweiten Jahrtausend vor Christus eingesetzt wurde. War früher die Handschrift nur Geistlichen vorbehalten, wurde sie mit der Einführung der Schulpflicht zum Allgemeingut. Weltweit gibt es dennoch mehr als 750 Millionen Analphabeten. In Österreich sind es immerhin etwa 300.000 Menschen, die nicht richtig lesen und schreiben können.

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© Eyup Kus (1), Pixabay (1), Bundesministerium für Unterricht und Kunst (2)

Erklärung der Technik arbeiten wir zusammen ein Arbeitsbuch durch und üben anschließend, Wörter und Phrasen mit unterschiedlichen Stiften zu schreiben. Am Ende dürfen die Teilnehmer sich an Grußkärtchen versuchen. Jeder Workshopbesucher bekommt ein eigenes Goodiebag mit Stiften, damit er das Gelernte zu Hause gleich weiterüben kann.

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Leben mit Kindern in …

Saudi-Arabien

Turnen geht auch in der Wüste. David, Anna und Marie zeigen es vor.

Wer an Saudi-Arabien denkt, hat ein Bild vor Augen: viel Wüste, reiche Ölvorkommen, Frauen in Burkas. Die Geschichte von Anna und Peter zeigt aber, dass der Wüstenstaat viel mehr zu bieten hat. Vor acht Jahren ist das Paar aus Wien ans Rote Meer gekommen. Und geblieben. Denn die heute vierköpfige Familie hat nicht nur die Wärme der Sonne, sondern vor allem die der Menschen schätzen und lieben gelernt. von susanne sonnleitner

Eineinhalb Jahre war Marie, als ihre Eltern Anna, heute 36, und Peter, 40 Jahre, das Abenteuer ihres Lebens wagten. Der junge Vater bekam ein Jobangebot an der King Abdullah University of Science & Technology (KAUST) am Roten Meer in Saudi-Arabien. Das war vor neun Jahren. Bleiben wollten die drei für ein befristetes Projekt von zwei Monaten. Anna, die zu dieser Zeit in Karenz war, erinnert sich gut: „Damals dachte ich, Saudi-Arabien klingt so verrückt, dass es schon wieder interessant ist.“ Zuerst mussten Anna und Peter heiraten, denn ohne Trauschein gab es kein Visum für Anna. Als dann die kleine Familie im Oktober 2011 in die Campusstadt übersiedelte, offenbarte sich für sie eine Welt, die von Multikulturalität, Weltoffenheit und Herzlichkeit geprägt war. „An der KAUST traf ich auf Jungmütter aus der ganzen Welt. Sie waren – wie ich – mit ihrem Partner an die neu eröffnete Uni gekommen und suchten ebenfalls Kontakt“, berichtet Anna. Nach nur einer Woche hatte sie einen vollen Terminkalender und fühlte sich in der Gruppe der „verrückten Auswanderer“ pudelwohl. Die KAUST stand für Fortschritt in einem Land, in dem es mit Menschenrechten nicht weit her ist und nicht nur Frauen systematisch benachteiligt werden. So ist die Einrichtung die bisher einzige saudische Universität, an der Männer und Frauen gemeinsam

studieren dürfen. Alle anderen Unis sind geschlechtergetrennt. Zudem müssen Frauen sich hier nicht verschleiern und durften immer schon Autofahren. Von Beginn an herrschten hier andere Gesetze, und Anna und Peter spürten bald, dass ihnen ein viel größeres Abenteuer noch bevorstand: Nämlich diese spannende, westlich orientierte Campusstadt mit aufzubauen. Ein Paradies für Jungfamilien Der Entschluss, zu bleiben, stand. Vielleicht für zwei, drei weitere Jahre? Wer wusste das schon genau … Als Marie zwei war, kam Sohn David in Österreich zur Welt. Kurz darauf kehrten sie in die Wüste zurück. Während Peter in seinem Job als Informatiker an der Uni voll aufgegangen ist, hat sich Anna in einer zweijährigen Karenz ganz ihren beiden Kindern gewidmet. Es war alles da. Vom Spital über den Supermarkt bis zur Feuerwehr verfügte die KAUST über eine hinreichend urbane Infrastruktur. Und präsentierte sich als El Dorado für Jungfamilien: Fanden sich doch immerhin 2.000 Kinder unter den insgesamt 7.000 Bewohnern. In einem „netten Haus mit Garten“, 200 Meter vom Strand entfernt, ließ es sich auch gut wohnen. Als David zwei war, bewarb sich Anna an der Uni und bekam einen Job in der Buchhaltung. Dort ist sie für Finanzierungen von Großbaustellen wie

Spielplätzen oder Schulen verantwortlich. Schon bald entschied sich das Paar dazu, ein Au-pair-Mädchen aufzunehmen. Denn mit dem Kindergarten, der nur bis 12 Uhr

Eingang zur größten von insgesamt fünf Moscheen an der Uni.

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Das authentische saudische Leben lernen die Kinder auf ihren Ausflügen kennen, wie hier nach Mada in Saleh, acht Autostunden nördlich von der KAUST.

mittags geöffnet hatte, ließ sich die Kinderbetreuung mit dem Beruf schwer verbinden. Es dauerte nicht lange, und Dearlyn aus den Philippinen zog bei der Familie ein. Das „echte“ saudische Leben bietet die KAUST allerdings nicht. „Der Uni-Campus ist eine gated community mit einem großen Zaun rundherum und Securities. Die lassen niemanden ohne offizielle Einladung herein“, beschreibt Anna ihr Zuhause, das sie als sehr sicher empfindet. Doch natürlich gibt es ein Leben außerhalb der „Mauern“. Dort, wo die saudische Kultur unverfälscht erlebbar wird. Per Fahrrad durch die Wüste Etwa dann, wenn Anna mit ihren Freundinnen einen Shopping-Trip in die nahe gelegene Stadt Jeddah unternimmt und dazu die obligatorische Abaya (= schwarzes Kleid) überwirft. Oder wenn sie per Fahrrad ursprüngliche Dörfer durchquert und staunende Blicke freundlicher Saudis einheimst. Natürlich ist es zunächst ein Kulturschock, wenn man von einer Demokratie wie Österreich in eine absolute Monarchie kommt.

„Auch wenn wir offen waren für diese neue Kultur, war es anfangs mühsam, dass die Geschäfte hier im Land zu den Gebetszeiten fünfmal täglich schließen. Oder dass ich mit dem Auto den Campus nicht verlassen durfte“, räumt Anna ein. Doch man arrangiert sich. Dann nahm sie halt den Unibus, um hinauszukommen. Oder das Fahrrad, das ihr überhaupt ein treuer Begleiter geworden ist. „Erst im letzten Jahr habe ich mit dem Rennradfahren begonnen“, erzählt die zweifache Mutter, „und den Ironman in Bahrein bestritten.“ An sportlichen Möglichkeiten

Glückliche Familie am „Edge of the World“, einem beeindruckenden Steinplateau, das sich über 700 Kilometer durch die Wüste erstreckt.

mangelt es an der KAUST generell nicht. Erschwerend hinzu kommen hier allerdings die drückenden Temperaturen, wie Anna beschreibt: „Als ich für den Ironman trainierte, musste ich richtig früh aufstehen. Wenn die Sonne bereits um 7 Uhr morgens mit 40° C auf einen runterbrennt, ist es gut, das Training bereits beendet zu haben.“ Auch der Rest der Familie fährt Rad, wenn auch gemüth er bst 2019 |

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Meet & Greet mit dem Kameltreiber. Auf ihren Radtouren lernt Anna Land und Leute kennen.

Der Osterhase scheut keine Mühen ... und kam sogar in die Wüste auf Besuch.

licher. Peter in circa fünf Minuten zur Arbeit und die Kinder zu allen Freizeitaktivitäten wie Fußball, Taekwondo oder Schnorcheln. An der KAUST besuchen David und Marie die International School, an die auch ein Kindergarten angeschlossen ist. So können Kinder ab drei Jahren bis zur Matura an der gleichen Schule bleiben. Der Unterricht, der bis 15 Uhr geht, kommt der Vollzeit arbeitenden Anna entgegen. Bis sie um 17 Uhr von der Arbeit kommt, ist Dearlyn für die Kinder da. Mit ihr und in der Schule sprechen David und Marie Englisch. Mittlerweile so gut, dass Anna oft schon von ihnen ausgebessert wird. So gestaltet sich das Leben von Anna und ihrer Familie als recht angenehm und stressfrei. Dazu trägt auch bei, dass die Familie in der saudischen Gesellschaft einen hohen Stellenwert genießt. Im Restaurant würde sich nie jemand über lärmende Kinder beschweren. „Und sogar in der Arbeit wird die Geburt jedes Kindes gefeiert“, zeigt sich Anna begeistert. Skeptisch ist die 36-Jährige hingegen, wenn sie an die Zukunft denkt. „Das Leben mit Teenagern ist hier sicher schwieriger. Zwar gibt es offizielle Feste, aber ohne Tanz. Und es herrscht striktes Alkoholverbot“, berichtet sie. Die Studenten feiern vermehrt privat, in den eigenen vier Wänden. Richtig brenzlig wird es beim Thema Liebe und Sex, selbst hier an der weltoffenen KAUST. „Einmal hat sich ein Junge in ein saudisches Mädel verliebt. Als die heimliche Beziehung rauskam, wurden die Eltern sofort gekündigt, und die ganze Familie wurde des Landes verwiesen“, so Anna.

Heimweh nach dem Christkind Manche Strukturen sind eben unverändert veraltet, auch wenn eine Tendenz zur Öffnung zu spüren ist. Für so westlich orientierte Pop-Bands wie die Backstreet Boys, zum Beispiel. Für das Konzert im Frühjahr wurden erstmals Touristenvisa ausgestellt. Ein Fortschritt, wenn man bedenkt, dass normalerweise nur Familienangehörige ins Land einreisen dürfen. Bei „Backstreet’s back, alright“ waren übrigens Männer und Frauen zusammen anwesend, und das ganz offiziell. Immer wieder haben Anna und Peter ihren Aufenthalt in Saudi-Arabien verlängert, aber irgendwann wollen sie zurück nach Öster-

reich. Anna vermisst den guten Schinken und das gemütliche Achterl beim Heurigen. Und Weihnachten. Dazu gehört eben doch mehr als die Lichterkette im Haus. „Wenn du Weihnachten nicht in den Kalender einträgst, würdest du es hier glatt vergessen“, meint Anna mit einem Augenzwinkern. Den heimatlichen Bezug hat ihre Familie ohnehin nicht verloren. Bei ihren Skiurlauben in Österreich düsen die Kinder mittlerweile schneller die Piste runter als Anna und Peter. Und das, obwohl sie fast „echte“ Wüstenkinder sind. Familie und Freunde beim traditionellen Abendessen in Abha.

Ein traditionelles Haus in der Altstadt Jeddahs, die zum UNESCO Weltkulturerbe zählt.

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Hier lässt es sich wohnen. Am Harborwalk sind viele Studentenwohnheime angesiedelt. Hier kommen Anna und Peter täglich auf dem Weg zur Arbeit vorbei.

Sport wird in der ganzen Familie großgeschrieben. Hier sind David und Marie beim KAUST Kids Triathlon 2018 zu sehen.

Nachgefragt: Wie steht es um die Rolle der Frau in Saudi-Arabien? ihren Verbleib ist nichts bekannt. Eine Lockerung der strikten Geschlechtertrennung ist auch im öffentlichen Leben zu beobachten. So darf sich die saudische Frau seit Kurzem mit einem Mann, der nicht zu ihrer Verwandtschaft gehört, etwa im Café treffen. Und auch in der Berufswelt geht es vorwärts. Von 2009 bis 2018 stieg der Anteil erwerbstätiger Frauen in SaudiArabien von 17 auf 23 Prozent. Wo Frauen früher vorwiegend als Lehrerinnen, Journalistinnen und im öffentlichen Dienst tätig waren, öffnet sich ihnen nun ein breiteres Spektrum in der Berufswahl: Immer mehr Frauen arbeiten als Kellnerinnen und Verkäuferinnen. Zudem dürfen Frauen mittlerweile ohne Zustimmung des männlichen Vormunds ein Geschäft eröffnen. Gerade im Beruf kommt der modernen saudischen Frau der Pkw-Führerschein gelegen. Mit dem eigenen Auto ist sie mobiler und nicht (mehr) auf einen Chauffeur angewiesen. Dennoch, von einem Ideologiewandel zu sprechen, wäre weit gefehlt. Es ist offensichtlich, dass das Königshaus mit den Reformen durchaus wirtschaftliche Interessen verfolgt. So könne das Land das Potenzial der vielen gut ausgebildeten Frauen (70 % von ihnen verfügen über einen Hochschulabschluss) nicht brachliegen lassen.

Die gesellschaftliche Öffnung in Saudi-Arabien findet statt, aber mit Bedacht und mit dem Königshaus als oberste Kontrollinstanz. Widerstand von unten ist unerwünscht und wird mit Verhaftungen sanktioniert. Dies betrifft in besonderem Maße Frauenrechtlerinnen, die sich oft durch Aktionen etwa wegen „Ungehorsam gegenüber den Eltern“ oder „Rufschädigung des saudischen Königshauses“ schuldig machen.

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In vielen Lebensbereichen wird die saudische Frau vom Mann kontrolliert und bevormundet. So sieht es das Gesetz vor. Als Grundlage dafür dient der in SaudiArabien vorherrschende Wahhabismus, eine besonders strenge Form des Islams. So gelten für Frauen, wenn sie außer Haus gehen, strenge Kleidervorschriften, die eine Vollverschleierung vorsehen. Bei der Wahl eines Partners ist die Frau auf die Zustimmung eines „Beschützers“ angewiesen. Und auch bei einer gewünschten Scheidung hat die Frau nur eingeschränkten Handlungsspielraum. Dieser Tradition gegenüber stehen jüngste Reformen der saudischen Regierung unter der Führung des Kronprinzen Mohammed bin Salman. Dazu gehört das 2018 aufgehobene Fahrverbot für Frauen. Seit August 2019 dürfen Frauen zudem ohne Zustimmung eines Mannes ins Ausland reisen. In diesem Zusammenhang berichteten Medien in den letzten Jahren immer wieder über Fluchtversuche saudischer Frauen, die mitunter gewaltsam endeten. Wie bei der 24-jährigen Dina Lasloom, die im April 2017 nach Australien flüchten wollte. Am Flughafen von Manila wurde die junge Frau von philippinischen Behörden festgehalten, bis sie zwei Onkel mit Gewalt in ein Flugzeug setzten und zurück in die Heimat brachten. Über

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Garantiert ohne Jo-Jo-Effekt: Die Schimpf-Diät

© Fotolia (1), Beltz Verlag (1), Bianca Kübler (1)

T-Shirt trotz Regenwetter? Klötzchen-Stapeln im Aufbruchsstress? Geschwisterstreit, obwohl man über den schwierigen Arbeitstag nachgrübelt… Oft braucht’s dann nicht viel und man rastet völlig aus. Nach der Tirade: ein ungutes Gefühl. Schimpfen macht niemanden glücklich: Nicht die Eltern, am wenigsten die Kinder. Das kennen Bloggerin Daniela Gaigg und Familiencoach Linda Syllaba nur zu gut und laden mit ihrem neuen Buch „Die Schimpf-Diät“ ein, dem Schimpfen auf den Grund zu gehen. von karoline jirikowski-winter

„Es fühlt sich an wie ein Stich in die Mitte meines Körpers“: Kinder nach ihren Gefühlen beim Schimpfen befragt, beschreiben verschiedenste Emotionen von Angst über Schmerz bis Scham. Als mögliche Gründe für elterliches Poltern orten sie ihr Fehlverhalten, nicht selten aber auch ihre Unzulänglichkeit oder gar Inkompetenz.

Das sitzt. Dabei sollten wir in Sachen Schimpfen eigentlich bei uns ansetzen: „Je mehr wir uns selbst fremdgesteuert erleben, umso höher ist die Gefahr auszubrennen – und vorher noch mal kurz auszuflippen“, wissen Daniela Gaigg und Linda Syllaba. Auch Mangelzustände, also wenn man selber müde, hungrig oder ausgepowert ist, bringen das Fass rasch zum Überlaufen. Das Kind ist dann vielfach nur Symptomträger und Spiegel unserer Verhaltens- und Denkmuster. Dabei ist es gar nicht so leicht, dem

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lesetipp Daniela Gaigg und Linda Syllaba: Die Schimpf-Diät: In 7 Schritten zu einer gelassenen Eltern-KindBeziehung; Beltz, € 17,50 Weniger Schimpfen gelingt leichter, wenn man die Trigger für bestimmte Situationen im Blick hat. Eine liebevolle Auseinandersetzung mit uns selbst hilft, eigene Grenzen besser wahrzunehmen und zu spüren.

Autorinnen-Lesung „Die Schimpf-Diät“ Mo, 7. Oktober 2019, 18:30 Uhr Katholisches Bildungswerk, Stephansplatz 3/2. Stock, 1010 Wien

Daniela Gaigg

Linda Syllaba

ist mit ihrer 2012 gegründeten „Kleinen Botin“ eine Pionierin der österreichischen Familien-Blogger/-innen-Szene. Die „Nein“-Phase ihrer älteren Tochter mit 2,5 Jahren hat sie in die Praxis von Familiencoach Linda Syllaba gebracht. Gemeinsame Projekte folgten, wie „SchimpfDiät“-Vorläufer „Kindheit bewusst gestalten“ (Hörbuch) oder das Workbook „Die Schimpf-Diät“. Gemeinsam mit Linda bietet die zweifache Mutter Workshops und Mama-Coachings an. diekleinebotin.at

ist Dipl. systemischer Coach und Dipl. psychologische Beraterin. „Zwischendurch“ hat sie geheiratet und ist 2006 Mutter eines Sohnes geworden. Auf die neuen Herausforderungen als Mama folgten eine Ausbildung bei Jesper Juul zur familylab Elternberaterin, Weiterbildung in Familienberatung sowie die Gründung der eigenen Praxis „Beziehungshaus/AT“, in der sie sich für bewusste Lebens- und Beziehungsgestaltung engagiert. Seit 2010 ist Linda zweifache Bubenmutter. www.beziehungshaus.at

alltäglichen Druck zu entgehen: Als Eltern sind wir sowieso in permanenter Geber/ -innen-Rolle. Dann sind da noch Arbeit und Schule, und auch das Abendessen soll auf den Tisch. Nach Möglichkeit gesund und frisch gekocht. Zu den AlltagsTasks kommen noch unsere eigenen Vorstellungen von Erziehung und Familie. All dem genügen zu wollen, bringt uns rasch in eine Haltung, die nicht mehr beziehungsorientiert ist. Doch genau darum sollte es eigentlich gehen: Um Achtsamkeit und das Bemühen, mit unseren Kindern in Beziehung bleiben. Gleichwürdigkeit und persönliche Vielfalt Jesper Juul prägte den Begriff der „Gleichwürdigkeit“, was bedeutet, dass jeder Mensch von klein an die gleiche Würde hat und in persönlicher Vielfalt angenommen werden möchte. Gepaart mit dem Vertrauen, dass Kinder grundsätzlich neugierig, sozial und – auf ihre Art – kooperationsbereit sind, wäre das schon der Schlüssel zu mehr Gelassenheit. „Doch so einfach ist das nicht“, weiß Linda, „das gemeinsame und aneinander Wachsen ist ein Prozess, der lebenslang andauert – und es gibt ja wirklich viel zu tun.“ Der Weg zu mehr Achtsamkeit In sieben Schritten gibt die „SchimpfDiät“ Impulse zu mehr Achtsamkeit und Selbstreflexion. Zentral dabei ist immer ein authentischer und ganzheitlicher Zugang sowie der nötige Blick über den Tellerrand: Was bewirkt mein Schimpfen? Wie geht es Eltern und Kindern dabei? Was sind mögliche Gründe? Ein großer Teil des Buches widmet sich mit gezielten Inputs

» Was wir zu unseren Kindern sagen, hat Einfluss auf ihre innere Stimme und ihren Selbstwert. Achtsamkeit ist daher wichtig. « den persönlichen Rahmenbedingungen und der ganz individuellen Situation. Denn Patentrezepte gibt es einfach nicht. Wie steht es mit den eigenen Vorstellungen? Welche Erwartungen habe ich? Welche Mutter, welcher Vater will ich sein? Wie habe ich in meiner Kindheit Eltern und Bezugspersonen erlebt? Lindas Hintergrundwissen aus Coaching und Familienforschung bietet wichtige Infos, die gemeinsam mit Danielas persönlichen Schilderungen aus ihrem Mama-Alltag interessante Einblicke ergeben: Man erfährt etwa, dass nicht selten die Bereiche Ordnung, Schule, Schlafen oder der Umgang der Geschwister untereinander familiäre Brennpunkte sind. Oder Situationen sehr viel h er bst 2019 |

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Leben und wir entspannter sein könnten, wenn man sich ins Bewusstsein ruft, dass die eigenen Erwartungen oftmals nicht mit jenen der Kinder übereinstimmen: Plant man etwa in Aufbruchssituationen entsprechende Zeitpuffer ein, lassen sich Eskalationen leichter vermeiden, da Kinder ihr Spiel, oder einen Teil davon noch fertigmachen können. Die Kleinen sind überhaupt Weltmeister darin, voll im Hier und Jetzt zu versinken, komplett im Spiel aufzugehen und alles um sich herum zu vergessen. Wie man da dann zu ihnen durchdringt? Mit klaren Ansagen etwa: „Bad“ statt „Gehen wir Zähneputzen“, oder „Anziehen“ anstatt „Wir brechen jetzt auf“.

Was tun, wenn…

Liebevolle Auseinandersetzung mit uns selbst Die wohl wesentlichste Station am Weg zu mehr Gelassenheit und Achtsamkeit in Leben und Familie ist aber definitiv die liebevolle Auseinandersetzung mit sich selbst, dem eigenen Selbstwert und der persönlichen Integrität. Davon sind Daniela und Linda überzeugt: Was gehört zu mir als Individuum? Wie ist mein Körper, mein Geist, meine Psyche beschaffen? Was brauchen sie? Wie ticken sie und wie belastbar sind sie? „Erst wenn dir klar ist, wie ,du‘ beschaffen bist, kannst du ganz bei dir sein, dich beschützen, abgrenzen und deinen Werten treu bleiben. Damit bist du authentisch, ganz in deinem Element, und genau das spüren auch die anderen.“ Wichtig an dieser Stelle, gerade für Eltern, das Thema der Selbstfürsorge: „Geht’s den Eltern gut, geht’s den Kindern gut!“ ist da ein guter Leitsatz. Und nicht umsonst lautet ein altes schamanisches Sprichwort: „Nähre dich dreimal selbst, bevor du anderen Menschen etwas gibst!“ In Alltagssprache: „Sei dir bewusst, dass dein persönlicher Tank regelmäßig befüllt werden muss.“

© Archiv

In einer Toolbox geben Linda und Daniela Handlungsideen für verschied enste Alltagssituationen von Geschwisterstreit bis Langeweile. Allen gemeinsa m immer der Versuch, dem Kind gelas sen und auf Augenhöhe zu begegnen. Was manchmal nicht so leicht geht, gera de wenn es sich um wiederkehrende Konfliktthemen handelt, wird vielle icht durch sachliche Herangehensweise leichter? Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert! Interessant zu lesen allemal.

Das Vertiefen in einzelne Dinge könnte aber wiederum etwas sein, das wir uns vom Nachwuchs abschauen. Denn oft ist die Vielzahl unserer „Alltags-Baustellen“ Grund dafür, dass wir überfordert sind und überreizt reagieren. Besonders berührend an dieser Stelle ist Danielas Schilderung von der Reaktion ihrer Kinder, als sie mit ihnen in einem ruhigen Moment über ihr Schimpfen sprach: „Beide haben mich umarmt, waren kurz ganz still und sind dann mit einem Lächeln im Gesicht dazu übergegangen, zu spielen.“

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Früh übt sich, wer ein Sparmeister werden will. Den richtigen Umgang mit Geld sollte man rechtzeitig lernen. Doch oft bleibt die Welt des Geldes und der Finanzen für Kinder ein abstraktes Erwachsenenphänomen, das man auf „magische“ Weise verstehen wird, „wenn man groß ist“. Dabei können auch schon kleinere Kinder spielerisch an den richtigen Umgang mit Geld herangeführt werden.

Das erste Einkommen Taschengeld hat eine wichtige Bedeutung für den Umgang mit Geld und wird von Pädagogen für Kinder ab sechs Jahren empfohlen. Es ist das erste „Einkommen“: Kinder entwickeln ein Gefühl dafür, welche Summe für welchen Zeitraum reicht und wie verantwortungsvolles Konsumverhalten aussehen kann. Wenn sogar etwas übrig bleibt, kommt das Sparen ins Spiel. So können sich Kinder früher oder später einen Wunsch selbst erfüllen und Erfolgserlebnisse sammeln. Größte Sicherheit Spätestens aber, wenn das erste Mal „cool“ im Wortschatz auftaucht und Poster an den Wänden kleben, hat Sumsi ausgedient. Ein neues Konto muss her. Für Kinder ab zehn Jahren empfiehlt Raiffeisen das Taschengeldkonto. Für Schüler und Lehrlinge ab 14 Jahren ist das Jugendkonto das Mittel der Wahl. Beide bieten größtmögliche Sicherheit und können nicht überzogen werden. Die Kontoführung ist auch hier kostenlos, der Raiffeisen Club bietet für alle Geschmäcker und Lebensphasen attraktive Vorteile: von

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Interview

Wenn Kinder das System sprengen Laut, wild, unberechenbar: Benni! Die Neunjährige treibt ihre Mitmenschen zur Verzweiflung. Sie ist das, was man im Jugendamt einen „Systemsprenger“ nennt. Nora Fingscheidt legt mit dem gleichnamigen Film ein überwältigendes Debüt vor. Ein Interview mit der Regisseurin. von andreas körner

Benni, die Heldin aus „Systemsprenger“, ist neun Jahre alt. Wie ist es Ihnen mit neun ergangen? Nora Fingscheidt: Eigentlich ganz gut. Ich war auch ein wildes Kind, hatte aber das Glück, in einem familiären Umfeld aufzuwachsen, das meine Energie aufgefangen hat. Das ist Benni nicht vergönnt. Sie muss als sogenannter „Problemfall“ ständig die Bezugspersonen wechseln und Entscheidungen aushalten, die andere für sie treffen. Ist dieses Thema zu Ihnen gekommen, oder haben Sie es gesucht? Es ist zu mir gekommen, ja, das kann man so sagen. Ich wollte schon lange Zeit eine Geschichte über ein wütendes, extrem energetisches Mädchen machen. Die Idee hat mich verfolgt, nur fehlte mir immer der

Aufhänger. Als ich vor sechs Jahren einen Dokumentarfilm über ein Heim für wohnungslose Frauen in Stuttgart drehte, war dieser Moment gekommen. Beschreiben Sie bitte diesen Moment. Dort zog eines Tages ein 14-jähriges Mädchen ein. Das hat mich schockiert. Ich fragte nach und hörte zum ersten Mal den Begriff „Systemsprenger“. So werden Kinder wie Benni, die überall rausfliegen, inoffiziell bezeichnet. „Systemsprenger“ ist ein faszinierendes Wort … Ja, ungemein kraftvoll und radikal. Mir ist aber bewusst, dass er als Filmtitel polarisieren wird. Denn es geht weder um Hacker noch Anti-G20-Demonstranten. Selbst in der Fachwelt ist er sehr umstritten, weil er

den Kern der Sache nicht recht trifft. Diese Kinder und Jugendlichen zerstören kein funktionierendes System, es sind gescheiterte Systemprozesse, die dazu führen, dass sie nirgendwo ausgehalten und immer wieder neu aus ihrer Bahn geworfen werden. Man versucht also, „Systemsprenger“ als Begriff zu vermeiden. Trotzdem gibt es wenig wirklich gute Alternativen. Warum ist Benni gerade neun? Es war eine bewusste Entscheidung, genau wie jene, ein Mädchen zu zeigen und keinen Jungen, die als „Systemsprenger“ in der Überzahl sind. Mit neun Lebensjahren können Kinder in gewissem Maße bewusst handeln und auch manipulieren. Trotzdem sollte man um Benni fürchten. Wir wollten sie von Klischees und vorschnellen Kategorisierungen fernhalten, etwa, dass man ihr

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© Filmladen (2), Philip Leutert (1)

SYSTEMSPRENGER KINOSTART 27.09., D 2019, REGIE Nora Fingscheidt, MIT Helena Zengel, Albrecht Schuch, Gabriele Maria Schmeide, Lisa Hagmeister, FILMLÄNGE 120 Min., © Filmladen

Nora Fingscheidt Mit „Systemsprenger“ liefert Nora Fingscheidt ein beeindruckendes Langspielfilmdebüt. Das Drehbuch schrieb sie nach langer Recherche über einen Zeitraum von fünf Jahren und wurde dafür mit dem Emder Drehbuchpreis 2016, dem Berlinale Kompagnon-Förderpreis und dem Thomas-Strittmatter-Drehbuchpreis 2017 ausgezeichnet.

pubertäre Rebellion unterstellt, nur weil sie vielleicht 14 ist. Auch sollte Benni nicht in einer rauen Großstadt leben, um sie nicht in die nächste Schublade zu stecken und die Thematik dadurch zu vereinfachen. Diese Figur steht und fällt mit ihrer Darstellerin. Wie haben Sie die faszinierende Helena Zengel gefunden? Ich dachte beim Schreiben des Drehbuchs jahrelang, dass ich niemals ein Mädchen finden werde, das Benni spielen kann. Und wenn doch, werden die Eltern niemals zustimmen, dass sie dieses Mädchen spielen darf. Trotzdem habe ich weitergeschrieben, denn ich musste es tun. Ich habe dann natürlich Wert darauf gelegt, zeitig genug mit der Suche beginnen zu können – in Agenturen, auf Straßen, in Schulen und Sportvereinen. Helena war in der ersten Auswahl von zehn Mädchen die siebente. Es war sofort zu sehen, dass sie etwas extrem Besonderes hat. Ich dachte aber,

dass es nicht sein kann, dass wir schon in der Nummer sieben die Richtige gefunden haben. Die Dardenne-Brüder haben 700 Jungs für „Der Junge mit dem Fahrrad“ gecastet! Also sind wir weitergezogen, haben uns etwa 150 Mädchen angesehen und sind trotzdem immer wieder bei Helena gelandet.

Wie wurde mit Helena geprobt? Jeweils am Tag vor dem eigentlichen Drehtag haben wir den Stoff angeprobt, Texte und Situationen erforscht, auch um zu merken, was daran vielleicht nicht stimmt. Dann haben wir darüber geschlafen. Wir wussten also immer, was auf uns zukommen würde.

Was war das Besondere an ihr? Sie war die Einzige, die Aggression zusammen mit Not spielen konnte. Da war nie etwas rein Verzogenes oder Freches zu sehen, es war immer mit Fragilität und Verletzlichkeit verknüpft.

Der Fokus von „Systemsprenger“ bleibt klar auf Benni gerichtet. Trotzdem fällt die gelungene Balance zu den Erwachsenen auf, die mit ihr umgehen oder umzugehen versuchen. Weil das ganze System eben aus Menschen besteht, die in Strukturen feststecken, die sie größtenteils selbst nicht geschaffen haben.

Wie haben Sie dann mit Helena gearbeitet? Zunächst hat Helenas Mutter das Drehbuch mit ihr allein gelesen. Sie besitzt großes Verständnis für unser Erzählanliegen, hat aber sofort gefragt, wie wir das Extreme inhaltlich auffangen werden. Ich bin selbst Mutter eines jetzt achtjährigen Sohnes, deshalb war es mir besonders wichtig, dass wir in der Vorbereitung ganz behutsam vorgehen. Es kam darauf an, Stück für Stück in Benni hineinzurutschen und ihre Welt zu erfassen. Sechs Monate vor dem Dreh haben wir begonnen, uns kennenzulernen und miteinander zu arbeiten. Das bedeutete auch, dass Helena bei der Auswahl der Schauspielerinnen und Schauspieler, bis hinein in die kleinste Nebenrolle, integriert war. Alle mussten also an ihr vorbei. Und sie hat wirklich eine enorme Präsenz, der man als Partner am Set erst mal standhalten muss.

Geht es auch um einen gesellschaftlichen Diskurs? Ja, um einen Diskurs über Gewalt und Aggression, die ja vor allem bei Kindern oft aus Angst entstehen, und unseren Umgang damit. Darum, was hinter den auch nachvollziehbaren Impulsen steckt, diese Kinder wegsperren zu wollen, weil andere zu schützen sind. Wer von uns hat auf dem Schirm, dass es noch immer Kinderheime gibt und Kinderpsychiatrien, die überall übervoll sind und lange Wartelisten haben? Es ist eher ein gesellschaftliches Randthema in Deutschland. Es geht aber auch darum, über all die Betreuerinnen und Betreuer nachzudenken, die in ihrem harten und nicht im nötigen Maß geschätzten Beruf oft extrem überlastet sind. h er bst 2019 |

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Hatten Sie trotzdem das Gefühl, dass immer wieder noch ein Baustein fehlt, die Recherche also Gefahr läuft, nie zu enden? Ich musste die Recherche aus anderen Gründen unterbrechen, denn an einem gewissen Zeitpunkt ist mir das, was ich gesehen und gehört habe, zu nahe gegangen. Mein Weltbild hatte sich zu sehr verdunkelt. All diese heftigen Fälle von Kindesmisshandlung und Verwahrlosung haben sich überlagert. Mehr Recherche hätte ich nicht ausgehalten. Sind Kinder wie Benni Verlorene? Ich glaube, dass sie es besonders schwer haben, dabei aber oftmals so beeindruckend sind und trotzdem einfach unsichtbar. Das ändert sich erst, wenn sie vielleicht 16 oder 18 sind und Situationen mit ihnen eskalieren. Die wirklich krassen Geschichten, die diese Jugendlichen als Kinder hinter sich haben, als sie wirklich bedürftig waren, liegen im Schatten. Es gibt aber auch immer wieder Einzelfälle, in denen Kinder die Kurve kriegen. Sie arbeiten auch als Dokumentarfilmerin. Warum ist „Systemsprenger“ ein Spielfilm geworden? Ein Dokumentarfilm stand für mich nie zur Debatte. Ich wollte ein wildes, energie-

geladenes audiovisuelles Kinoerlebnis erschaffen, das keinen Anspruch auf Realitätswiedergabe erhebt. Denn die Realität ist viel schlimmer. Ich hätte nicht ins Leben von echten Menschen eindringen können, die es eh schon schwer haben. Es wäre in der Rezeption auch zu hart. Kaum zu ertragen sogar. Wer will sich das ansehen? Ich wollte einen wilden fiktionalen Film machen mit krasser Energie, die den Zuschauer mitreißt und im positiven Sinne erschüttert. Es geht ja auch um die Schönheit von Menschen, die einfach nicht ins System passen. Bennis Mutter bekommt wenige, aber intensive und schmerzvolle Szenen. Waren sie in der Umsetzung besonders heikel? Sie glichen einem Grenzgang. Denn wir erzählen eine Mutter, die ihr Kind liebt und ihm gleichzeitig schadet, die hilflos ist und überfordert, sanft, schwach und gleichzeitig hart. So etwas habe ich in der Recherche oft erlebt: Mütter mit fünf Kindern, die man ihnen weggenommen hat, und trotzdem bekommen sie noch ein sechstes, siebentes, achtes. Man muss sehr genau auf diese Frauen blicken, um zu verstehen, was hinter ihren Entscheidungen steckt. Es geht darum, sie nicht zu verraten, sondern ihnen ihre Würde zu lassen. Als Kind ist man seinen Eltern ausgeliefert, unabhängig davon, in welches Elternhaus man hineingeboren wird. Nahezu alle Kinder wie Benni wollen zu Mama und Papa zurück, selbst wenn sie dort Missbrauch und krasse Gewalt erlebt haben. Das macht uns Erwachsene oft sprachlos, aber es ist ein Fakt. „Systemsprenger“ wird trotz einiger Kunstgriffe von einer eigenen authentischen Atmosphäre getragen. Der Film enthält viele abstrahierte Szenen, die die Realität spiegeln. Szenen, die man mir erzählt hat oder die ich erlebt und dann

weitergesponnen habe. Sie sind jetzt zum Teil geschönt, verkürzt, überhöht, einfach der Filmdramaturgie geschuldet und der Tatsache, dass es sehbar bleiben muss. Und doch ging es mir in erster Linie um die Übersetzung von Bennis Gefühlswelten, ihrer Traumata und ihres Körperempfindens. „Systemsprenger“ steht für das, was ich mir im Kino wünsche. Ich mag Antihelden, die aus Verzweiflung schreckliche Dinge tun und jene Menschen, die sie besonders lieben, am meisten verletzen.

Zum Film

Pflegefamilie, Wohngruppe, Sonderschule: Egal, wo Benni hinkommt, sie fliegt sofort wieder raus. Die wilde Neunjährige ist das, was man im Jugendamt einen „Systemsprenger“ nennt. Dabei will sie nur eines: Liebe, Geborgenheit und wieder bei ihrer Mutter wohnen! Doch Bianca hat Angst vor ihrer unberechenbaren Tochter. Als es keinen Platz mehr für Benni zu geben scheint und keine Lösung mehr in Sicht ist, versucht der Anti-Gewalttrainer Micha, sie aus der Spirale von Wut und Aggression zu befreien. Ein mitreißender, erschüttender Film, der unter die Haut geht. – mit einem großartigen Ensemble, allen voran Helena Zengel, die mit körperlicher Wucht Bennis expressiver Wut ein zartes Gesicht verleiht. „Systemsprenger“ lief bei zahlreichen Festivals, wurde mehrfach ausgezeichnet und ist nun auch im Rennen um eine Oscar-Nominierung als bester fremdsprachiger Film. Kinostart: 27.09.2019

© Filmladen (3)

Stichwort Recherche. Sie muss zwangsläufig langwierig und intensiv gewesen sein. Das war sie! Es ging insgesamt über mehrere Jahre. Ich habe in einer Wohngruppe gelebt, in einer Schule für Erziehungshilfe, einer Inobhutnahmestelle und einer Kinderpsychiatrie mitgearbeitet. Hinzu kamen unzählige Gespräche mit Mitarbeitern von Institutionen oder Ämtern sowie Kinder- und Jugendpsychologen. Es war ein Kaleidoskop von Menschen und Orten, die mich sehr bewegt haben.

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Leben und wir

Sicher ins neue Schuljahr Gerade für Erstklässler stellt der Schulweg eine besondere Herausforderung dar. Damit Kinder möglichst sicher in die Schule und wieder nach Hause kommen, gilt es als Elternteil einiges zu beachten. von tanja holz sie gestresst. Sie blicken wenig umher, hasten drüber, wollen die Querung rasch hinter sich bringen und erhöhen somit die Stolpergefahr“, so Seidenberger. Kommt dann noch eine laute Geräuschkulisse hinzu, fällt die Konzentration auf gezielte Blickbewegungen noch schwerer.

TIPPS & TRICKS, UM DEN SCHULWEG SICHER ZU MEISTERN • Schau genau: Da Kinder sich stark auf die Gefahrenerkennung der Begleitperson verlassen, sollten Eltern ihren Kindern erklären, dass sie immer auch selbst schauen müssen. • Besser alleine als zu zweit: Sobald zwei Kinder gemeinsam die Fahrbahn überqueren, übernimmt eines die Führung und das andere schaut nicht mehr, zeigt die Untersuchung. • Vorsicht bei Rollern: Wird der Schulweg mit dem Tretroller bewältigt, verlangt das sehr viel Aufmerksamkeit für die Gerätebeherrschung. Beim Überqueren der Fahrbahn den Roller daher besser schieben. • Übung macht den Meister: Damit das Kind sich das richtige Verhalten gut einprägt, sollte dieses oft geübt und wiederholt werden. Beim Üben außerdem darauf achten, dass das Verkehrsaufkommen in etwa so ist wie am täglichen Schulweg. Weitere hilfreiche Tipps für einen sicheren Schulweg gibt’s unter www.oeamtc.at/schulweg.

ÖAMTC-Mitglieder, aufgepasst! Ab 8. Oktober liegt an den ÖAMTCStützpunkten der kostenlose ÖAMTCFamilienkalender auf, der für Übersicht und Ordnung im Familienalltag sorgt. Für die Kids bieten die Kalenderrückseiten zudem jede Menge Spiel und Spaß! Übrigens: Für Kids von ÖAMTCMitgliedern gibt es den passenden Schutz für jede Altersstufe – und zwar kostenlos! Von der Rechtshilfe bis zur Soforthilfe in Notfällen sind Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre somit bestens geschützt. Außerdem profitieren sie von Ermäßigungen bei zahlreichen Vorteilspartnern rund um Freizeit, Kultur, Sport & Action. Mehr Infos unter www.oeamtc.at/mitgliedschaft

© Wald & Schwert, ÖAMTC (1)

Promotion

Tausende Volksschüler starten diesen Herbst ins neue Schuljahr. Der Schulweg stellt dabei eine der größten Herausforderungen dar, auf die Eltern gezielt reagieren müssen. Vor allem Kinder zwischen 5 und 6 Jahren sind noch nicht in der Lage, einen kontrollierenden Pendelblick nach beiden Seiten anzuwenden, wie eine aktuelle Untersuchung des Mobilitätsclubs mithilfe von Eye-Tracking-Aufnahmen zeigt. Laut ÖAMTCPsychologin Marion Seidenberger gelingt das Kindern zwischen 8 und 9 Jahren zwar besser, aber immer noch nicht sicher. „Dieser Blick nach links und rechts ermöglicht, überblicksmäßig mehrere mögliche Gefahrenquellen zu erfassen und muss erst gelernt werden“, warnt die Expertin. Da Taferlklassler zudem schwer abschätzen können, wie schnell das herannahende Auto fährt, wie groß der Abstand ist und ob es vor dem Zebrastreifen stehen bleiben wird, sollten Kinder in diesem Alter zur Schule begleitet werden. „Erst im Alter zwischen 7 und 8 Jahren lernen Kinder langsam, Gefahren vorauszusehen. Sie können aber noch nicht beurteilen, was ein Lenker tun wird“, erklärt die ÖAMTC-Verkehrspsychologin. Laut der Studie sind Kinder zudem unabhängig vom Alter überfordert, auf mehrere Dinge zu achten. „Wenn Kinder eine Fahrbahn überqueren müssen, sind

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Mama & Baby Walk with me

© Hersteller

Fördern ohne zu überfordern • Nur keine Wickel! • Mobile aus Fimo • Das erste und das letzte Bild

Gut und warm eingepackt macht so ein Ausflug bei Wind und Wetter gleich viel mehr Spaß. Der Bio-Walksack von hessnatur hüllt Babys von 0 bis 6 Monaten in die einzigartige Wärme des Bio-Wollwalks – das Baby einfach auf die aufgeklappte Fläche legen und mit wenigen Handgriffen wohlig warm einwickeln. Einmal geschlossen, schenkt der Walksack dabei die vom Pucken bekannte Begrenzung und eignet sich mit den eingearbeiteten Gurtschlitzen ideal für Transportschale und Kinderwagen. Erhältlich in 3 Farben um je E 129,–. www.hessnatur.com

Lass dich umarmen! Bei der Babytrage Embrace ist der Name Programm. Denn in dem Neuling von Ergobaby fühlt sich das Baby wie in einer großen, langen Umarmung besonders geborgen. Aus anschmiegsamem, leicht elastischem Jerseymaterial gefertigt, kuschelt sie das Neugeborene ganz dicht an Mama oder Papa und ist mit wenigen Handgriffen an- und abgelegt. Erhältlich in vier Farben um € 79,90. www.ergobaby.de

Weißt du noch ...? So schnell kann man gar nicht schauen, machen die Kleinen schon die Matura. Damit all die einzigartigen Momente davor nicht in Vergessenheit geraten, halten wir sie mit den Meilensteinkarten von Frau Ottilie fest. Wann hat das Baby das erste Mal gegessen, die ersten Schritte gemacht, das erste Mal gelächelt oder gar durchgeschlafen? Die Rückseiten der 30 liebevoll illustrierten Karten bieten Platz für das Datum, Erinnerungen und Geschichten. Um € 19,90 bei mina-lola.com

Nigelnagelneu Wenn sich Babys erste Zähnchen bemerkbar machen, kommen Nigi, Nagi und Nogi ins Spiel. Die pastelligen, multisensoriellen Greif- und Beißringe von Moluk sind aus weichem, 100 % lebensmittelechtem Silikon hergestellt und beruhigen das beanspruchte Zahnfleisch. Die lustig geformten Ringe passen perfekt in kleine Hände und machen auch beim Spielen, Greifen und Tasten Spaß. Um € 16,– bei www.smallbut.at

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Mama & Baby

Schlaf gut! Wer schon mal „La Le Lu“ in Dauerschleife gesungen hat, um das Baby zum Schlafen zu motivieren, ist über jegliche Unterstützung dankbar. Wenn die auch noch in so hübscher Form wie die Spieluhr von Ted and Tone daherkommt, umso besser. Das holzige Kätzchen begleitet sanft in den Schlaf und gibt eine entzückende Wanddekoration ab. Um € 49,50. tedandtone.com

Fläschchenpost

Wer werdende Mamas mit einer kleinen Aufmerksamkeit überraschen mag, ist bei der MAM Fläschchenpost-Aktion goldrichtig. Einfach ein Mail an mambaby@ himmelhoch.at senden – mit persönlicher Grußbotschaft an eine Mami in spe sowie ihrer Postanschrift. In der MAM Geschenkewerkstatt wird der Gruß dann handschriftlich notiert, persönlich verpackt und an 100 Schwangere, die unter allen Einsendungend ausgelost wurden, verschickt. Aber schnell sein: Die Aktion endet am 30. September 2019. www.mambaby.com

Wisch dir was Über kaum etwas wird während der Schwangerschaft so heiß diskutiert wie über den passenden Namen fürs Baby. Die LILLYDOO Babynamen App macht die Suche nun zum spielerischen Erlebnis. Über 12.000 Namen stehen zur Auswahl; sobald die Partner miteinander in der App verbunden sind, werden die gemeinsamen Favoriten als Match angezeigt. Gratis erhältlich im Google Playstore und iOS App Store. www.LILLYDOO.com

Zu zweit durch den Herbst Tragen fördert die körperliche und kognitive Entwicklung des Babys, gibt ihm Sicherheit und Geborgenheit – hat aber auch für die Eltern viele Vorteile: Sie sind flexibler und mobiler – etwa auf unbefestigten Wegen, Treppen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln – und haben beide Hände frei, sei es für Geschwisterkinder, den Hund oder auch mal den Haushalt. Sobald es allerdings bei Herbstwetter mit dem Tragebaby vor die Tür geht, stellt sich die Frage nach der passenden Kleidung. Schließlich lässt sich die normale Jacke nicht mehr richtig schließen, sodass es ungemütlich und zugig wird und bitte auf keinen Fall regnen sollte. Die einfachste Lösung: eine wind- und wetterfeste Tragejacke, etwa von mamalila, bei der das getragene Baby einfach mit unter die Jacke genommen werden kann. Diese Tragejacken lassen sich dank der mitgelieferten Einsätze im Handumdrehen erweitern: Der Trageeinsatz wird einfach vorne oder hinten in den vorhandenen Reißverschluss eingezippt und kann

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Promotion

Babys und kleinen Kindern tut es gut, getragen zu werden – auch bei Wind und Wetter.

individuell angepasst werden – je nach Tragehöhe und Größe des Babys. Wichtiges Detail: Auch für den Schwangerschaftsbauch gibt es einen passenden Einsatz, gleichzeitig sieht man der Jacke ohne die Einsätze ihre Zusatzfunktion nicht an. Die Investition lohnt sich daher für junge Eltern besonders, weil sie die Jacke nach Umstands- und Tragezeit weiterhin als normale, hochwertige Funktionsjacke tragen können. www.mamalila.de

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Mama & Baby

Interview

Fördern ohne zu überfordern

Eltern sollten ihre Babys bestmöglich in ihrer Entwicklung unterstützen. Aber wie können sie das tun? Und wann ist es zu viel des Guten? Die Psychologinnen Yvonne Laminger und Patricia Zaccarini erklären im Tipi-Interview, worauf man in den ersten Wochen und Monaten achten sollte. von alexander kords

Wie können Eltern die Entwicklung ihres Babys in den ersten Wochen und Monaten unterstützen? In den ersten Wochen nach der Geburt stehen das Kennenlernen des Neugeborenen, Kuscheln, liebevolle Zuwendungen und die Erholung im Vordergrund. Bereits wenige Wochen nach der Geburt können Eltern die Signale des Kindes an Körperbewegungen, Tonlage des Weinens und unterschiedlicher Mimik erkennen. Daher ist es ratsam, sich viel Zeit mit dem Neugeborenen zu gönnen. Je mehr auf die Bedürfnisse des Babys nach Zärtlichkeit und Geborgenheit eingegangen wird, desto tiefer ist das Vertrauen, das aufgebaut werden kann. Dies ist eine wesentliche Grundlage für die weitere Entwicklung des Kindes. Je älter das Baby wird, desto länger sind auch die Wachphasen, und das Interesse am eigenen Körper und der Umwelt wächst von Tag zu Tag. Um diese neu gewonnenen Eindrücke verarbeiten zu können, ist eine feinfühlige, auf die Bedürfnisse des Kindes eingehende Bezugsperson notwendig. Erst wenn Eltern und Kind eine stabile Beziehung aufgebaut haben

und das Kind beginnt, sich mit der Umwelt auseinanderzusetzen, ist der Einsatz von Babyspielzeug wie z.B. Rassel, Spieluhr, Schmusetuch sinnvoll. Begleitende, liebevolle Worte, zärtliche Berührungen und das gemeinsame Entdecken stehen in dieser Lebensphase im Vordergrund. Welche praktischen Methoden empfehlen Sie für die Förderung der Sehfähigkeiten? Von den menschlichen Sinnessystemen (Seh-, Hör-, Geruchs-, Geschmacks- und Tastsinn) ist der Sehsinn nach der Geburt am wenigsten ausgereift. In den ersten Wochen sieht das Neugeborene daher nur sehr verschwommen, und es dauert ungefähr acht Monate, bis sich die Sehfähigkeit entwickelt. Gesichter erkennen Babys anfangs an den individuellen Licht- und Schattenverläufen. Intuitiv nehmen wir einen Abstand von ca. 30 cm ein, wenn wir ein Kind im Arm wiegen. Dies ist die optimale Distanz für Babys, um den mimischen Ausdruck zu beobachten. Kontrastreiche Objekte können anfangs besser wahrgenommen werden, beispielsweise Schwarz-Weiß-Muster und Formen in Hell-Dunkel-Kontrasten. Spielmaterialien sollten daher sehr vereinfacht und an den Reifestand des Sehsinns angepasst sein. Auch die Farbwahrnehmung von Babys entwickelt sich erst allmählich. Mit ca. fünf Monaten können Babys die meisten Farben sehen. Kinder erhalten mit zunehmender Sehfähigkeit auch immer mehr Anreize, sich mit ihrer Umgebung auseinanderzusetzen. Das Baby lernt sich und seinen Körper dadurch besser zu koordinieren und beginnt allmählich, nach Dingen zu greifen und diese genau unter die Lupe zu nehmen.

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© Babybjörn (1), Fotolia (1), Privat (1)

Mama & Baby

M ag . a Y vo n n e L a m i n g e r ( l i n k s ) u n d M ag . a Pat r i c i a Z ac c a r i n i ( r e c h t s ) sind klinische und Gesundheitspsychologinnen für Kinder, Jugendliche und Eltern im pädagogisch-psychologischen Zentrum PÄPSY. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in der Diagnostik, Beratung und Behandlung von Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen, AD(H)S, Wahrnehmungs- und Entwicklungsauffälligkeiten sowie sozial-emotionalen Herausforderungen in schwierigen Lebenssituationen. www.paepsy.at

Und wie sieht es mit der frühkindlichen Sprachentwicklung aus? Sprachentwicklung beginnt bereits im Mutterleib. Etwa im letzten Drittel der Schwangerschaft kann der Fötus erste Sprachlaute unterscheiden. Neugeborene wirken meist irritiert, wenn der Inhalt des Gesprochenen und die Sprachmelodie nicht zusammenpassen. Babys lernen bereits in den ersten Lebensmonaten wichtige Vorläuferfertigkeiten für den Spracherwerb, wie z.B. die Fähigkeit, gemeinsam etwas anzuschauen und durch den Blickkontakt und durch Zeigegesten zu kommunizieren. Nachahmung spielt in der Kommunikation eine ebenso große Rolle. Je mehr im Familienalltag kommuniziert wird, desto besser sind die sprachlichen Fertigkeiten des Kindes ausgebildet. Das Erzählen von Alltagserlebnissen, das Betrachten von Bilderbüchern und gemeinsames Singen fördern nicht nur die Sprach-, sondern auch die Beziehungsebene mit dem Kind. Wichtig ist dabei von Anfang an, verständlich, ruhig, einfach und fließend zu sprechen. Auch Pflegesituationen wie z.B. Wickeln und Füttern eignen sich hervorragend, um die Handlungen auch sprachlich zu begleiten. Durch die immer wiederkehrenden Rituale lernen Kinder Worte und Handlungen zu verknüpfen. Dies bietet Sicherheit und ein Umfeld, in dem das Experimentieren mit Sprache lustvoll möglich wird. Welche Fehler können Eltern bei der Förderung der Entwicklung ihres Nachwuchses machen? Generell gehen wir eher weg vom Begriff der „Förderung“ und hin zur „Begleitung von Kindern“. Ein bedürfnisorientiertes, kind-

zentriertes und entwicklungsanregendes Umfeld bietet vor allem die Möglichkeit zum freien, lustbetonten Spiel mit sinnesanregenden Materialien. Dies ist die ideale Lernform. Dadurch können Kinder ihren Erfahrungshorizont erweitern sowie ihre Interessen und Begabungen ausschöpfen. Oft ist es notwendig, sich als Erwachsener etwas zurückzunehmen und eher eine Beobachterrolle einzunehmen. Auch ist es wichtig, den Kindern genügend Zeit zum Spielen, ohne Druck und Stress, einzuräumen. Vielleicht ist es auch notwendig, sich von Erwartungshaltungen zu lösen, was aus dem Kind einmal werden sollte. Vielmehr dürfen wir den Augenblick genießen und darauf vertrauen, dass die Kinder zur richtigen Zeit den nächsten Entwicklungsschritt machen. Dies ist vielleicht die größte Herausforderung. Wie zeigt sich, dass ein Baby von der Begleitung überfordert ist? Überforderung zeigen Babys, indem sie sich abwenden, quengelig werden, zu weinen beginnen oder schlecht schlafen. Die Welt um Babys herum ist total h er bst 2019 |

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Mama & Baby aufregend. Ständig entdecken sie etwas Neues, ob am eigenen Körper oder in der Umwelt. Es braucht Zeit und eine liebevolle Begleitung, um die vielen Reize zu verarbeiten. Dies passiert übrigens zumeist im Schlaf, weshalb ausreichende Ruhephasen notwendig sind. Unterschiedliche Entwicklungsstände bei Gleichaltrigen können gerade bei jungen Kindern immer wieder beobachtet werden. Hier empfiehlt es sich, von Vergleichen mit anderen Abstand zu nehmen und stattdessen auf die Bedürfnisse und Interessen des eigenen Kindes zu achten. Babys sind übrigens zumeist dann zufrieden, wenn sie ausgeglichene und zufriedene Eltern haben – in diesem Sinne gilt es auch, darauf zu achten, die eigenen Bedürfnisse nicht zu vernachlässigen, um Überforderung zu vermeiden!

B A BYS 5 S I N N E SEHEN Zuerst sehen Babys alles verschwommen wie durch ein Milchglas und das nur auf eine Distanz bis ca. 30 Zentimeter. Sie erkennen den Unterschied zwischen dunkel und hell, nehmen aber noch keine Farben wahr. Diese kommen schrittweise dazu, wobei Rot die erste Farbe ist, die Babys sehen. RIECHEN Die rund 30 Millionen Riechzellen werden bereits in Mamas Bauch angelegt; schon mit 6 Monaten kann ein Fötus riechen. Neugeborene können angenehme von unangenehmen Gerüchen unterscheiden – und Mamas Brust erschnuppern sie sofort. SCHMECKEN Babys lieben alles, was süß ist – die Muttermilch trifft also genau ihren Geschmack. Sauer, salzig und bitter sind allerdings weniger beliebt. HÖREN Bereits im Mutterleib können Babys hören. Mamas Stimme erkennen sie daher auf Anhieb – sie sind damit ja bereits eine Weile vertraut –, genauso wie die Stimmen anderer Familienmitglieder. TA S T E N Bereits ab der 5. Schwangerschaftswoche spürt der Embryo Berührungen an den Lippen. Nach der Geburt haben Babys weiterhin einen besonders guten Tastsinn im Lippen-Zungen-Bereich – daher erforschen sie ihre Umgebung hauptsächlich mit dem Mund.

Mit Kontrasten entwickeln

Dagmara Wnuk bietet unter der Marke HANNIline sogenannte Kontrastkarten an, die die Entwicklung von Kleinkindern unterstützen. Wir wollten wissen, was es damit auf sich hat.

Was sind die Kontrastkarten? Dagmara Wnuk: Das sind circa 14 Zentimeter große Karten aus Karton, die beidseitig mit kontrastreichen Motiven versehen sind. Sie sind erhältlich für drei Altersgruppen: ab null, drei und sechs Monaten. Je jünger das Kind ist, desto mehr Schwarz-Weiß ist drinnen – allerdings auch kräftige Farben. Die Abbildungen sind recht simpel – je kleiner das Baby, desto weniger Details, je größer, desto komplexer jedoch das Bild.

Wie können die Karten bei der Beschäftigung mit Kindern eingesetzt werden? Wir haben die Karten mit dem Team von PÄPSY entwickelt und dabei auf wissenschaftlichen Erkenntnissen der Seh- und der Sprachentwicklung aufgebaut. Da Babys anfangs nur verschwommen sehen können, nehmen sie nur kontrastreiche Bilder und Gegenstände wahr. Alles andere verschwimmt einfach und ist uninteressant. Dementsprechend wecken unsere Karten das Interesse des Kindes. Viele Mamas sagen uns, dass ihr Baby nie länger auf irgendetwas geschaut hat, was sich aber mit den Karten geändert hat – die nimmt es wahr. Die Bilder liefern Reize für das Gehirn, damit sich dieses entwickeln kann. Dabei geht es weniger um die Entwicklung der Sehfähigkeit, sondern vielmehr um die neurobiologische Entwicklung. Und welche Rolle spielen die Karten für die Sprache? Der Aspekt ist fast der wichtigere für uns. Es gibt zahlreiche Studien, die belegen: Je mehr man mit dem Baby von Geburt an redet, desto besser erkennt es die Sprachmuster und desto leichter tut es sich später mit dem Spracherwerb. Kinder, die am Anfang nur wenig Sprache hören, können das später nicht mehr aufholen. Eltern fällt es aber oft schwer, mit dem Baby zu sprechen, weil es ja nicht antworten kann. Die Motive auf unseren Karten bieten dafür einen Anhaltspunkt. Der Erwachsene

Mit den HANNIline Kontrastkarten wecken Eltern die Neugier des Babys, legen den Grundstein für die künftige Sprachentwicklung und stärken dabei spielerisch die Eltern-Baby-Bindung. Erhältlich für 3 Altersgruppen um je € 14,95. www.hanniline.at

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Interview

kann beschreiben, was zu sehen ist, und auf Basis dessen Geschichten erzählen. Zur weiteren Unterstützung enthalten die Boxen für Babys ab drei und sechs Monaten separate Karten mit QR-Codes. Über diese können Geräusche und Kurzgeschichten abgerufen werden.

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Mama & Baby

Nur keine Wickel! Ausziehen, anziehen, wickeln – am Wickeltisch verbringen Eltern und Babys viel Zeit. Warum diese Zeit also nicht so schön wie möglich machen ...?

Waschspaß mal 3 Tierische Waschlappen aus GOTS-zertifizierter Biobaumwolle von Konges Sløjd, um € 26,50 bei www.haselundgretel.at

Alles hat seinen Platz Sorgen für Ordnung am Wickelplatz: „Nöjsam“ Box und Korb, von Ikea um € 9,99. www.ikea.at

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Geschüttelt, nicht gerührt Die Hasen-Rassel von oyoy sorgt für Ablenkung bei der Wickel-Action. Um € 22,50 bei meinkleinesich.at

Wechselspiel Die Wickelauflage „Matty“ von Leander ist rutschfest, lässt sich leicht reinigen und ist angenehm weich. Um € 99,–. leander.com Perfekte Organisation Hübsches Zuhause für Cremen, Waschlappen & Co.: Wandorganizer, von Søstrene Grene um € 10,98. sostrenegrene.com

Weiche Alleskönner Auch am Wickeltisch dürfen Mullwindeln nicht fehlen: 2erSet von Liewood aus GOTSBiobaumwolle, um € 14,– bei www.small-heroes.eu

Warmhalter Verkürzt den Weg von der Badewanne zum Wickeltisch: Personalisierbarer BabyBademantel, von Koeka um € 39,95 (Gr. 62/68–74/80). www.koeka.com

Gute Unterlage Mit wasserdichtem Futter: Wickelkissenbezug „Calma“ von Nobodinoz aus GOTS-zertifizierter Baumwolle, um € 29,95 bei www.herrundfrauklein.com

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Schöne Hülle Hier sind die Feuchttücher hübsch verpackt: Aufbewahrungsbox aus GOTS-Biobaumwolle von Cam Cam Copenhagen, um € 11,– bei kyddo.shop

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Mama & Baby

Mobile aus Fimo Wenn über dem Wickeltisch ein süßes Mobile baumelt, läuft das Windelwechseln gleich viel entspannter ab. 1. Die Modelliermasse ausrollen, mit dem Cuttermesser Formen wie z.B. einen Bärenkopf, einen Berg und einen Fuchs ausschneiden. Mit dem Zahnstocher oben jeweils ein Loch hineinstechen. 2. Die Formen mit einem schwarzen Filzstift bemalen. Anschließend im Backofen 20 Minuten lang bei 110 Grad backen.

6. Fäden unterschiedlicher Länge an den Fimo-Formen befestigen, danach eine Perle aufziehen. 7. Auf separate Fadenstücke Perlen auffädeln. Jetzt die Fimo-Formen und Perlengirlanden abwechselnd am Mobile befestigen.

3. Den Holzrahmen an zwei genau gegenüberliegenden Stellen markieren.

Material & Werkzeug

Weiße Fimo-Modelliermasse 1 runder Holzwebrahmen mit Löchern  1 rundes Messingschmuckstück hen  Naturholzperlen in unterschiedlic en Größ Formen und  Festes Baumwollgarn  Papiermesse (Cutter)  Bleistift  Säge  Wasserfester schwarzer Filzstift  1 Zahnstocher  Schere





4. An den Markierungen durchsägen, sodass zwei Halbkreise entstehen.

Émilie Guelpa: Das große Buch des DIY für mein Baby; AT Verlag, € 26,–. ISBN: 978-3-03902-031-7 Seit Kurzem selbst Mutter einer Tochter, zeigt die französische Bastel- und Styling-Queen Émilie Guelpa hier über 50 entzückende DIY-Projekte rund ums Baby: individuell gestaltete Lätzchen, Knuddeltiere, Beißringe, Kleidungsstücke, hübsche Objekte fürs Kinderzimmer und andere dekorative Gegenstände fürs Haus. Dank der detaillierten Schritt-für-Schritt-Anleitungen auch für Bastel-Anfänger/-innen bestens geeignet!

© Émilie Guelpa, AT Verlag / www.at-verlag.ch

5. Das Messingplättchen an einem langen Faden befestigen. Drei Holzperlen darüberfädeln, anschließend die Halbkreise (mittiges Loch) und wieder eine Perle.

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Das erste und das letzte Bild Wenn ein Baby vor, während oder kurz nach der Geburt stirbt, haben die Eltern nur sehr wenige greifbare Andenken an ihr geliebtes Kind. Sternenkind-Fotografen schaffen mit ihren einfühlsamen Bildern kostbare Erinnerungen, die für das Abschiednehmen von unendlichem Wert sind. von eva maria wagner

Birgit ist nervös. Ihre Hände zittern leicht. Gewöhnen wird sie sich an diese Momente wohl nie. Bevor sie die Türschnalle nach unten drückt, atmet sie noch einmal tief durch. In dem Raum, den Birgit betritt, befinden sich eine Mutter und ein Vater. In ihrer Mitte liegt ihr kleines Baby. Ihr Sternenkind. Es wurde vor einer Stunde tot geboren. Die Mutter und der Vater lassen Birgit, eine Fremde, in die intimste Situation, die man sich vorstellen kann: Es sind die ersten und die letzten Stunden mit ihrem Kind. Birgit begrüßt zuerst die Eltern und dann das Kind. Sie nennt es beim Namen und erklärt ihm, warum sie da ist. Sie ist

da, weil seine Eltern Erinnerungen schaffen wollen. Birgit wird auf Bildern festhalten, was bald so schmerzlich loszulassen ist. Sie ist Sternenkind-Fotografin und wurde von den Eltern angefragt. Die Bilder, die Birgit machen wird, werden ein Zeugnis für die Existenz und den Tod ihres Kindes sein. Sie werden eine Hilfe sein, wenn irgendwann die optische Erinnerung verblasst. Sie werden die Bestätigung dafür sein, dass die Frau und der Mann Eltern sind und dass dieses Kind zur Familie gehört, obwohl es nicht unter ihnen ist. Liebe und Frieden. Mit diesen zwei Worten beschreibt Birgit später die Atmosphäre, die den Raum erfüllt. Langsam packt sie ihre Kamera aus. Sie hat handgenähte Sternenkinderkleidung mitgebracht. Kleine Einschlagdecken und winzige Mützchen. Es ist ein Zeichen von Würde, dass auch ein frühverstorbenes Kind bekleidet wird. Die Eltern ziehen das Kind gemeinsam an. Sie

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Mama & Baby

» Die Dankbarkeit der Eltern ist mein größter Lohn. « Birgit Gantze

betrachten es. Tränen fließen. Manchmal auch bei Birgit. Dann macht sie die ersten Bilder. Sie fotografiert die kleinen Füßchen des Kindes. Zehn Zehen, alle dran. Die Mutter legt ein Händchen des Kindes in die ihre, und auch der Vater legt seine Hand dazu. Die Mutter nimmt das Kind an sich und drückt es an ihre Brust. Die Eltern betrachten sein Gesicht. Es ist einfach perfekt. Vorsichtig legt der Vater seine Wange an die Wange des Kindes. Dann hebt er seinen Kopf und küsst die Stirn seiner Frau. Sie ist müde. Sie hat eine Geburt hinter sich.

Trauerarbeit. Das Ansehen der Bilder gehört zur Trauerarbeit dazu. Vielleicht geben die Eltern eines davon in einen besonderen Rahmen. Oder sie gestalten ein kleines Album zum Herzeigen. Vielleicht aber sind die Fotos nur für sie, ganz persönlich, bestimmt. Möglicherweise können sie sie jetzt noch nicht betrachten, aber das Wissen darum, dass es die Bilder gibt, ist tröstend. Bilder von einem totgeborenen Kind? Vor nicht allzu langer Zeit undenkbar. Oft war es nicht einmal möglich, mit einem Ritual Abschied zu nehmen. Allzu oft wurde erwartet, dass die

© Birgit Gantze

Momentaufnahmen. Erstaunlich, wie viele Momente im Leben einfach so verstreichen und wie bedeutsam plötzlich Sekunden werden können. Jedes Bild, das Birgit schießt, hält Berührungen und Augenblicke fest, die nie wiederkehren werden. Die Speicherkarte in Birgits Kamera füllt sich. Am Ende sind es Hunderte Fotos.

Dann lässt Birgit die Kamera sinken. Ihr Auftrag ist erfüllt. Sie verabschiedet sich bei den Eltern und dem Kind. Die letzte Zeit des Abschiednehmens gehört nun wieder der Familie allein. Birgit fährt nach Hause. In ihr eigenes kleines Reich. Sie duscht, wechselt ihre Kleidung und dreht eine große Runde mit ihrem Hund. Es ist ein Ritual, das ihr hilft, sich zu distanzieren. Es ist nicht ihre eigene Geschichte. Am nächsten Tag setzt sich Birgit an den Computer und bearbeitet die Bilder. Die meisten sind in Schwarz-Weiß gehalten. Die Reduktion auf Graustufen wirkt kunstvoller, das Monochrome beruhigend. Nichts lenkt vom Wesentlichen ab. Ungefähr zehn Bilder lässt Birgit ausarbeiten und gibt sie in ein Album. Die anderen Fotos lädt sie auf einen USB-Stick. Beides zusammen packt sie in ein kleines Paket. Meist legt sie eine kleine Kerze oder einen anderen symbolischen Gegenstand dazu, den sie mit dem Kind fotografiert hat: Engelchen, Herzen, Blumen – so haben die Eltern etwas, was ihr Kind in Händen hielt. Wenn es möglich ist, übergibt Birgit die Bilder den Eltern persönlich. Man ist sich längst nicht mehr fremd. Es ist ein berührendes Wiedersehen. Die Kosten für das Paket trägt Birgit selbst. Die gesamte Arbeit ist ehrenamtlich. Der Dank der Eltern ist der größte Lohn, sagt Birgit.

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Mama & Baby Eltern das Kind so schnell wie möglich vergessen sollten. Weitermachen. Nicht darüber reden. Vor allem dann, wenn es sich um eine frühe Schwangerschaftswoche gehandelt hatte. Auf einer Messe zum Thema Tod und Sterben stellt Birgit die Organisation www.dein-sternenkind.eu Webseite der Organisation. Mit vielen Informationen für betroffene Eltern und mit berührenden Einsatzberichten von Eltern und Fotografen. www.verein-pusteblume.at Der Verein Pusteblume bietet betroffenen Eltern in Österreich Unterstützung an. Er stellt unter anderem handgenähte Sternenkinderkleidung zur Verfügung.

„Dein Sternenkind“ vor. Einige ältere Frauen gehen an ihrem Stand vorbei. Dann bleiben sie stehen und drehen sich um. Sie kehren zurück und beginnen Fragen zu stellen. Birgit erklärt ihnen ihre Arbeit. Die Frauen sind mehr als nur gerührt. Sie weinen. Birgit erahnt, welche Geschichten der Grund für diese Tränen sind. Die Frauen beginnen zu erzählen. Es geht um versäumte Abschiede und um das Fehlen von Worten. Es geht darum, was passiert, wenn die Trauer zu wenig Platz bekommt. Dein Sternenkind. Über 600 Fotografen in Deutschland, Österreich und der Schweiz stellen ihre Zeit und ihr Können den Eltern von Sternenkindern zur Verfügung. Eines ihrer Ziele ist die Enttabuisierung des Themas. Vor allem aber schaffen sie Bilder, die ein Leben lang halten. Sie geben den Eltern Zeugnisse an die Hand, die geteilt werden können. Miteinander, mit den Geschwistern des Kindes, mit nahestehenden Personen, mit Freunden. So wird der Verlust auch für andere greifbar. So können Gespräche entstehen, die immens wichtig für den Trauerprozess sind. Und die Eltern haben die Möglichkeit, anderen zu zeigen, dass das Baby da war, im Herzen immer da sein wird und als geliebter Mensch für immer zur Familie gehört.

„Wir wollen das Thema enttabuisieren.“ 4 Fragen an Fotografin Birgit Gantze

© Birgit Gantze

Interview

Birgit Gantze ist Fotografin, Trainerin für Biografiearbeit, zertifizierte Tanzpädagogin und führt eine Praxis für Schmerz- und Stressreduktion. Seit 2017 ist sie ehrenamtliche Sternenkind-Fotografin. www.bildermitgefuehl.jimdo.com

Wie kam es dazu, dass Sie SternenkindFotografin wurden? Birgit Gantze: Eigentlich bin ich per Zufall über einen Facebook-Eintrag von „Dein Sternenkind“ gestolpert. Ich habe das zunächst weggedrückt, weil ich mir das nicht vorstellen konnte. Es hat mir aber keine Ruhe mehr gelassen. Also bin ich auf die Website und habe dort die Einsatzberichte gelesen. Die haben mich sehr berührt und ich habe mir immer öfter die Frage gestellt, ob ich das schaffen würde. Bis zu dem Tag, an dem ich mir sagte, dass ich das erst wissen kann, wenn ich es probiert habe.

informiert, wenn im Umkreis von maximal 150 km unser Einsatz angefragt wurde. Via App erfahren wir auch den Ort und die wichtigsten Infos, zum Beispiel um welche Schwangerschaftswoche es sich handelt. Dann kann man den Einsatz entweder annehmen oder ablehnen. Nimmt man an, schaut man in das interne Forum und macht sich mit anderen startklaren Fotografen aus, wer dann tatsächlich hinfährt. Ab diesem Zeitpunkt ist der Fotograf der Ansprechpartner für die Eltern. Nun heißt es warten, bis das Baby da ist, oder man begibt sich gleich auf den Weg – je nach Situation.

Wie war dann Ihr erster Einsatz? Ich war sehr nervös. Aber die Mitarbeiter von „Dein Sternenkind“ konnten mir mit ihrer Erfahrung viele Tipps geben und mich beruhigen. Generell ist die Kommunikation innerhalb der Organisation und mit den anderen Fotografen sehr wertschätzend, und die Zusammenarbeit ist großartig. Vor meinem ersten Einsatz haben mir regelrecht die Knie geschlottert. Ich habe die Augen zugemacht, tief durchgeatmet und das Weitere auf mich zukommen lassen. Als ich die Türe öffnete, war ich sofort berührt. Die Liebe und der Friede, die den Raum erfüllten, waren unbeschreiblich.

Was können Sie für einen Beitrag leisten? Abgesehen von dem großen Wert, den solche Bilder für die Eltern haben, möchte ich dazu beitragen, dass das Thema enttabuisiert wird. Der Tod eines Kindes vor oder kurz nach der Geburt ist in einigen Fällen immer noch ein Tabuthema. Immer noch wird über diese Verluste viel zu viel geschwiegen. Das kleinste Sternenkind, das ich fotografiert habe, war aus der 12. Schwangerschaftswoche. Manchmal wird davon ausgegangen, dass ein fehlgeborenes Kind als Mensch noch nicht fertig ist. Es ist aber fertig – und mehr noch: Es wird bereits geliebt. Und deshalb muss dieser Verlust betrauert werden. Dabei unterstützen wir die Eltern.

Wie kommt ein Einsatz zustande? Wir Fotografen werden über eine App 52 | h er bst 2019

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Wie sag ich’s meinem Kind:

Interview

Schwere Operation Schwierige Themen – kinderleicht gemacht. Oder so leicht wie möglich. Diesmal in der Tipi-Serie: Eine schwere Operation steht bevor. Wie man das Kindern am besten erklärt, weiß Psychologin Jasmin Mandler. von markus höller dern, ist der reale und erlebte Kontrollverlust besonders groß. Es ist wichtig, das Kind ausführlich über den Ablauf der Operation zu informieren. Dass es beispielsweise eine Narkose bekommt, dass es müde werden und „wie einschlafen“ wird (aber auch wieder aufwachen wird!), damit es keine Schmerzen hat. In manchen Krankenhäusern ist es Standard, dass Psycholog(inn)en Kinder auf bevorstehende Eingriffe und medizinische Maßnahmen vorbereiten, indem sie mit den Kindern beispielsweise die CT-Geräte oder Operationssäle vorab besichtigen oder Kinder auch mal „probeliegen“ dürfen. Unbedingt sollten Kinder auch darüber aufgeklärt werden, was sie nach der Operation zu erwarten haben (Intubation, Schmerzen, Narben, Gips etc.). Auch über mögliche Risiken sollten Kinder aufgeklärt werden. Gleichzeitig ist es wichtig, auch zu betonen, dass Ärzte/-innen viel Wissen und Erfahrung haben und auch die Eltern prinzipiell davon ausgehen, dass alles gut verlaufen wird.

Wenn dem Kind eine schwere OP bevorsteht – soll man es auch über mögliche Risiken informieren? Eine Operation stellt in der Regel ein außergewöhnliches und damit potenziell verunsicherndes Ereignis im Leben eines Kindes dar. Vor allem bei schweren Operationen, die womöglich auch eine Narkose erfor-

Soll man beim Arztgespräch immer dabei sein oder dem Kind auch das vertrauliche Vieraugengespräch ermöglichen? Abhängig vom Alter des Kindes kann es vor allem bei älteren Kindern wichtig sein, vertrauliche Vieraugengespräche zu ermöglichen. Mit beginnender Pubertät ist es Kindern zunehmend unangenehm, bestimmte

© Privat, Illustration: Julia Marschat

Ab welchem Alter verstehen Kinder den Vorgang einer Operation, Narkose etc.? Jasmin Mandler: Prinzipiell sind schon Kleinkinder in der Lage, medizinische Eingriffe wie z.B. eine Spritze, die Versorgung einer Wunde mit einem Pflaster o.Ä. zu verstehen. Die Art der Vermittlung spielt dabei jedoch eine wesentliche Rolle. Notwendige medizinische Maßnahmen können etwa gut im Spiel dargestellt werden. Da kann dem Lieblingsstofftier eine Spritze verpasst oder eine Wunde mit einem Pflaster versorgt werden. Generell gilt: Je jünger das Kind, desto einfacher und kürzer sollten Erklärungen gehalten werden. Doch selbst wenn Kinder sprachlich noch nicht alles verstehen können, erlaubt ihnen die Beobachtung des Spiels, den Ablauf kennenzulernen; sie sehen, wie ihre Eltern beruhigend auf das Stofftier einreden, es trösten und versorgen. Diese Erfahrungen helfen ihnen, sich bei eigenen bevorstehenden Eingriffen daran zu erinnern und dadurch zuversichtlicher und weniger irritiert zu sein.

Mag.a Jasmin Mandler ist Klinische und Gesundheitspsychologin für Kinder, Jugendliche und ihre Eltern. PÄPSY, Gumpendorfer Str. 139/Top 1.04, 1060 Wien, www.paepsy.at

Fragen oder Themen im Beisein ihrer Eltern zu besprechen. Da jüngere Kinder oftmals noch nicht vollinhaltlich nachvollziehen können, was der Arzt/die Ärztin ihnen erklärt, sie womöglich auch noch aufgeregt sind – was die Verarbeitung des Gesagten noch zusätzlich erschweren kann –, ist es wichtig, dass ein Elternteil anwesend ist. Das muss jedoch nicht bedeuten, dass nicht mit dem Kind gesprochen werden kann (anstatt über es mit dem Elternteil in dritter Person zu sprechen). So kann sich das Kind ernst genommen und auf Augenhöhe begegnet fühlen. Wenn nicht das Kind, sondern Geschwister oder Eltern von einer schweren OP betroffen sind: Wie weit in die Tiefe soll man informieren? Hier gilt Ähnliches, wie wenn das Kind selbst von einer Operation betroffen ist: Information und Aufklärung sind wichtig, um Ängsten und Unsicherheiten vorzubeugen. Kinder merken in der Regel ganz genau, wenn „etwas in der Luft liegt“. Ohne entsprechende Erklärungen und Begleitung nimmt die kindliche Fantasie freien Lauf – was mitunter zu Vorstellungen führen kann, die die Tragweite der Operation bei Weitem übersteigen. Viele Kinder berichten, dass sie bei bevorstehenden Operationen von Familienmitgliedern große Angst haben, dass diese sterben oder „nicht mehr aufwachen“ könnten. Je jünger das Kind, desto kürzer und knapper sollten die Informationen sein. Gerade für jüngere Kinder ist es zudem wichtig zu hören, welche Auswirkungen eine Operation auch für sie konkret haben wird. So kann die „dringendste“ Frage für ein Vierjähriges sein, wer ihm dann die Gute-Nacht-Geschichte vorlesen wird, wenn Mama oder Papa die Nacht im Krankenhaus verbringt. Dies entspricht der egozentrischen Wahrnehmung des Kindes in diesem Alter und sollte nicht als „unwichtig“ oder „egoistisch“ abgetan werden. h er bst 2019 |

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Mode & Pflege © Hersteller

Was in Pflegeprodukten alles drin ist • Weniger ist mehr • Ein buntes Einkaufsparadies • Nicht ohne meinen Pulli!

Verspielte Hingucker Kindermode soll vor allem eines: Spaß machen – darin sind sich Louise and Mia vom dänischen Label Wauw Capow einig. Falls euch die witzigen Designs bekannt vorkommen: Bis 2018 machten sie unter dem Namen BangBang Copenhagen von sich reden. Flausche-Body um € 47,–, Flamingo-Kleid um € 68,–, Dino-Sweater ab € 54,–. wauwcapow.com

Saubere Sache

Ganz zauberhaft

der Magie liegt in der Luft – denn mit geht n Bode Mini von ktion Kolle n neue es direkt nach Hogwarts. Die 81 Teile sind inspiriert von Harry Potter und n, seinen Gefährten – mit Blitzen, Eule ausund rn Fede oder pen Wap en, Brill en, gefallenen Details wie Wendepaillett en. ation pplik 3D-A Kunstfedern und Die gelbe Cord-Latzhose ist ganz le Harrys treuer Begleiterin, Schneeeu atfl mit iert Hedwig, gewidmet – verz en ternden Applikationen und glitzernd tteCulo n eme bequ im und Pailletten at Stil. Ab € 52,–. www.bodendirect.

Abends bleibt oft nur wenig Zeit für ausgedehnte Badewannen-Abenteuer. Egal: Duschen ist sowieso wassersparender, und mit dem Nivea Kids 2in1 Shower & Shampoo mit Bio Aloe vera und Kamille geht’s besonders schnell. Stellt sich nur noch die Frage: Apfeloder Beerenduft? Um € 3,99. www.nivea.at

Höchste Zeit Seit über 30 Jahren sorgt die Schweizer Kinderuhrenmarke Flik Flak dafür, dass Kinder spielerisch die Uhrzeit erlernen – und pünktlich in die Schule kommen. Die bunten, fröhlichen Modelle sind mit dem Lernuhren-Konzept ausgestattet, wasserdicht

und stoßfest. Und ist die Lieblings-Flik Flak einmal schmutzig, kommt sie einfach bei 40° C in die Waschmaschine! Neu ist das Modell Balltime für kleine Sportfans, erhältlich um € 35,– in allen österreichischen Swatch Stores sowie versandkostenfrei online unter www.shop.swatch.com

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We all live in a ... ... Yellow Submarine! Dass Stella McCartney trotz familiärer Vorbelastung immer noch nicht genug von dem Beatles-Klassiker hat, beweist sie mit ihrer aktuellen Kollektion. Gelbe U-Boote und „Lucy in the Sky“ tummeln sich da ebenso wie Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band-Uniformen und Sneakers mit Flügeln. Tüllkleid aus ECONYL-Nylon aus Meeresabfall um € 90,–, Cape um € 135,–, Denimrock um € 70,–. www.stellamccartney.com

Einfach tierisch!

„Fluffig“ – so lautet die Übersetzung des Namens des niederländischen Labels Donsje. Und damit sind wir der Sache auch schon ziemlich nahe – die Rucksäcke und Taschen sind nämlich allesamt mehr als niedlich, dank zurückhaltender Farben und dezenter Formen aber trotzdem nicht kitschig. Die praktischen Dschungel- und Waldbewohner werden per Hand und fair aus weichem Leder hergestellt: Tiger-Umhängetasche um €45,–, Buffalo- und Tigerrucksack um je € 79,–, Bären-Schulrucksack um € 149,–. www.donsje.com

Eine bunte Liaison Die französische Marke Bonton steht für farbenfrohe Kindermode, Veja – ebenso aus Frankreich – hat sich der umweltfreundlichen, fairen Herstellung von Sneakers verschrieben. Gemeinsam haben sie nun eine Kollektion für Kinder entworfen, inspiriert vom KultModell V-10 und Retro-Farben, hergestellt aus Leder und Naturkautschuk aus dem Amazonas sowie Biobaumwolle an Klettverschluss oder Schuhbändern. Ab € 80,– (Gr. 22–39). veja-store.com

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AB 10. OKTOBER IM KINO

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Mode & Pflege

Was in Pflegeprodukten alles drin ist Parabene, Silikone, Paraffine – wer die Liste der Inhaltsstoffe mancher Pflegeprodukte liest, kann sich leicht an Figuren aus einer Fantasy-Welt erinnert fühlen. Aber was hat es mit diesen Stoffen auf sich, und vor allem: Sind sie schädlich? von alexander kords Sei es Shampoo, Duschbad oder Zahnpasta: Der menschliche Körper kommt schon in jungen Jahren mit einer Menge Hygiene- und Pflegeprodukten in Kontakt. Während diese Haut, Haare und Zähne reinigen, sind manche von ihnen nicht gerade sanft zum Körper – vor allem nicht zu dem von Kindern. Ihre Inhaltsstoffe können nämlich sogar zu gesundheitlichen Problemen führen. Parabene Damit sie bei längerer Verwendungszeit nicht von Bakterien oder Pilzen befallen werden, sind in zahlreichen Pflegemitteln Parabene enthalten. Sie sorgen etwa dafür, dass Shampoos und Zahnpasten auf Dauer ihren Geruch und ihre Konsistenz behalten. So weit eine gute Sache, hätten Parabene nicht eine unangenehme Eigenschaft: Sie wirken wie das weibliche Sexualhormon Östrogen und bringen deshalb den Hormonhaushalt der Nutzer durcheinander – sowohl von Frauen als

auch von Männern. Eine Studie, die die Europäische Kommission 2012 hat durchführen lassen, zeigt, wozu dies führen kann. Mädchen können früher in die Pubertät kommen, weibliche wie männliche Geschlechtsorgane können erkranken. Zwei Arten, nämlich Propylparaben und Butylparaben, können außerdem dafür sorgen, dass Männer unfruchtbar werden. Deshalb wurden diese beiden Parabene im April 2015 von der Europäischen Union verboten – jedoch nur in Babyprodukten. Doch trotz der erwiesenen Gesundheitsgefahr hält es die EU nicht für nötig, sämtliche Parabene aus dem Verkehr zu ziehen. Gut, dass immer mehr Hersteller reagieren und stattdessen etwa ätherische Öle oder Bio-Alkohol als Konservierungsstoff verwenden. Silikone Zum Abdichten von Fenstern, bei Schönheitsoperationen, als Backform und als Inhaltsstoff

von Shampoos und Cremes: Silikon ist wirklich vielseitig einsetzbar. Interessant für die Kosmetikindustrie ist der Kunststoff, weil er sich wie ein schützender Film auf Haut bzw. Haare legt. Das sorgt für glatte Haut und glänzende Haare. Gesundheitsschädigend ist der Silikonfilm nicht, auch weil der Stoff keine Allergien auslöst. Allerdings versiegelt er die Haut derart, dass keine Pflegestoffe mehr herankommen und weder Talg noch Schweiß von ihr abtransportiert werden können. Das führt letztlich zu Pickeln und Unreinheiten – also zum Gegenteil von dem, wozu das Pflegemittel überhaupt benutzt wird. Nicht zu unterschätzen ist auch die Umweltbelastung, die Silikone verursachen. Zwar ist der Kunststoff nicht giftig, er braucht aber ewig, bis er abgebaut ist und belastet solange den Wasserkreislauf. Wer auf Produkte mit Silikonen verzichten will, der muss die Liste der Inhaltsstoffe genau studieren. Silikone sind

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Mode & Pflege nämlich daran zu erkennen, dass ihre Namen auf „-cone“ oder „-xane“ enden, wie etwa Dimethicone oder Polysiloxane. Die Naturkosmetik bietet mittlerweile wirksame Alternativen. Paraffine Einen ähnlichen Effekt wie Silikone haben Paraffine in Cremes, Lotionen und Lippenpflegeprodukten: Sie legen sich wie ein Film auf die Haut und lassen sie glatt und glänzend erscheinen. Der Eindruck trügt jedoch, da die Haut unter der Paraffinschicht langsam austrocknet, schuppig und faltig wird. Dazu kommt, dass es sich bei den gesättigten Kohlenwasserstoffen um destilliertes Erdöl handelt, das für die Verwendung in Kosmetika gereinigt wird. Im Jahr 2015 wies die deutsche Stiftung Warentest krebserregende Stoffe in Kosmetika nach, die Mineralöl beinhalten – darunter auch Paraffine. Eine sowohl gesunde als auch umweltfreundliche Alternative sind Produkte mit Pflanzenfetten wie Kokosöl.

© Freepik (1), Fotolia (1), Illustrationen: Freepik

Mikroplastik Das ist mal ein richtiger Bösewicht, der in jüngster Zeit zunehmend in die Schlagzeilen geraten ist. Als Mikroplastik werden winzige Teile aus Kunststoff bezeichnet, deren Durchmesser weniger als fünf Millimeter beträgt. Trotz ihrer geringen Größe belasten sie die Umwelt extrem. Sie gelangen in die Ozeane, verursachen dort den massenhaften Tod von Meerestieren und erreichen über Speisefische letztlich sogar unsere

Mägen. Etwa zwei Prozent des Mikroplastiks in den weltweiten Gewässern stammt aus Pflegeprodukten. In Duschgels, Peelings und Shampoos hat es vor allem die Aufgabe, abgestorbene Hautzellen zu entfernen, außerdem sorgt es für ein effektvolles Schäumen und Glänzen des Produkts in der Flasche. Direkte gesundheitliche Bedenken gibt es nicht; nur bei Pflegemitteln, die am Mund oder auf den Lippen angewendet werden, besteht die Gefahr, dass Mikroplastik direkt in den Körper gelangt – und nicht indirekt über den Wasserkreislauf. In der Inhaltsliste von Kosmetikprodukten ist Mikroplastik nur für Menschen ersichtlich, die sich mit der Materie beschäftigt haben, kommt es doch mit so kryptischen Namen wie Polyethylen (PE), Polypropylen (PP) und Polyethylenterephthalat (PET) daher. Listen mit allen Bezeichnungen für Mikroplastik in Kosmetika sind im Internet zu finden. Tenside Shampoos und Duschgels haben eine vorrangige Aufgabe: Sie sollen saubermachen. Das tun sie unter anderem deshalb so gut, weil sie Emulgatoren enthalten. Das sind Tenside, also Substanzen, die die Oberflächenspannung eines Stoffes verringern. In Pflegeprodukten sorgen sie dafür, dass sich Wasser und Öl überhaupt verbinden können, um Haut und Haare von Schmutz und Fett zu befreien. Die Reinigungskraft wird dabei durch die chemische Zusammensetzung der

Emulsion bestimmt. Das Problem: Einige Hersteller benutzen besonders starke Tenside, damit Shampoo und Duschbad noch ein bisschen schöner schäumen. Die gehen dann aber so aggressiv vor, dass sie sogar die schützende Talgschicht von der Haut abtragen, die Schadstoffe fernhalten soll. Das kann unter anderem zu Allergien führen. Angriffslustige Tenside in Pflegeprodukten sind an der Endung „-sulfat“ zu erkennen oder haben die Abkürzung PEG. Mild zur Haut sind dagegen Tenside, die „Glucoside“ (auf Basis von Zucker) oder „Betain“ (auf pflanzlicher Basis) heißen. Duftstoffe Wer mag es nicht, wenn es beim Waschen und Cremen angenehm riecht? Deshalb enthält nahezu jedes Pflegeprodukt Duftstoffe. Bei konventionellen Herstellern sind die selten natürlichen Ursprungs, stattdessen werden im Labor künstliche Aromastoffe hergestellt und dem Produkt beigegeben. So groß die Vielfalt an Düften dadurch auch ist, so problematisch ist sie für nicht wenige Nutzer. Da es nämlich mehr als 3.000 verschiedene Duftstoffe gibt, findet sich immer jemand, dessen Immunsystem Probleme mit einem Duft bekommt. Die Folge sind Rötungen der Haut, Schwellungen und Bläschenbildungen. Immerhin bei zwölf Prozent aller Menschen kommt es zu solchen Reaktionen. Leider wird nicht jeder Bestandteil des Duftstoffs in der Inhaltsliste aufgeführt, sondern nur diejenigen, die mit einer Konzentration von 0,01 Prozent in Shampoo oder Duschbad und mit einer Konzentration von 0,001 Prozent in Cremes oder Deos enthalten sind. Bei geringeren Mengen reicht es aus, einfach „Aroma“ oder Ähnliches auf die Verpackung zu schreiben – es sei denn, es handelt sich um einen von 26 Duftstoffen, die nachweislich Allergien auslösen können, darunter etwa Farnesol, Geraniol und Citronellol. Acht von ihnen können ausschließlich synthetisch hergestellt werden, die restlichen 18 kommen auch in ätherischen Ölen vor. Und die sorgen in Naturkosmetik für frische Düfte. Wer also denkt, mit Produkten auf natürlicher Basis den bösen Inhaltsstoffen aus dem Weg gehen zu können, der irrt. Zumindest auf die ätherischen Öle, die allergische Reaktionen auslösen können, gilt es zu achten. h er bst 2019 |

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Mode & Pflege

Weniger ist mehr Die Haut der Kleinsten ist besonders sensibel. Bei ihrer Pflege können wir daher getrost auf kritische Inhaltsstoffe verzichten. Diese Waschgels, Cremen und Öle sind frei von Parabenen, Mineralölen und Silikonen.

Zur Ruhe kommen Beruhigt trockene, raue und gereizte Kinder- und Babyhaut mit Jojoba-, Mandel- und Pflaumenkernöl: „Eubos Haut Ruhe Plegeöl“ um ca. € 12,–. www.eubos.de

Pump it up! Der fluffige Schaum ist leicht aufzutragen und spendet Feuchtigkeit mit Bio-Mandelöl: „Hipp Babysanft Pflege-Schaum“ um € 3,79. www.hipp.at

Von Anfang an Die zertifizierte Naturkosmetik von Töpfer Babycare pflegt bereits Neugeborene mit so wenig Inhaltsstoffen wie möglich: „Mein erstes Ölbad“ mit 95 % Bio-Olivenöl um € 5,45. www.toepfer-babywelt.de

Nette Limette Perfekt für die tägliche Reinigung von Kindern ab 3: „2in1 Shower & Shampoo“ mit dem Natrue-Naturkosmetik-Siegel, von Weleda um € 4,99. www.weleda.at

Ecocert-zertifiziert Spendet Feuchtigkeit und Schutz mit biologischen Inhaltsstoffen wie Moltebeeren-Extrakt und Hafermilch: „Cloudberry & Oat Hydration Lotion“, von Mádara um € 13,20. madaracosmetics.com

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Babyweich Versorgt Gesicht und Körper mit Vitamin E & körperverwandten Lipiden: „Baby Streichelzart Pflegecreme“, von bellybutton um € 2,99. www.bellybutton.de

© Getty Images (1), Hersteller (8)

Von Kopf bis Fuß Vegan und Natrue-zertifiziert mit fruchtig-frischem Apfelduft: „Kinder Shampoo & Duschgel 2in1“ von bi good, bei Bipa um € 2,79. www.bipa.at

Natürlicher Ursprung Reinigt sanft mit Bio-Mandelextrakt und Bio-Aloe vera & ganz ohne Parfüm: Ecocert-zertifizierter „Milder Waschschaum“ von Lillydoo, um € 9,45 bei dm, www.meindm.at

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Spielen, schäumen, cremen.

All unsere Sorgfalt für sensible Haut.

Frei von allem, was sensible Haut nicht mag. Und entwickelt, um Allergierisiken zu minimieren. ✓ Frei von allergieverdächtigen Duftstoffen* ✓ Frei von PEG-Emulgatoren und Parabenen ✓ Frei von Paraffinöl und ätherischen Ölen Dafür stehe ich mit meinem Namen.

*gemäß KVO

hipp.at/pflege


Mode & Pflege

Ein buntes Einkaufsparadies

Interview

Bereits zum 14. Mal geht Anfang Oktober der Stocksale Kindersachen über die Bühne – bunte Kinderklamotten von diversen bekannten und unbekannten Labels werden hier um einen Bruchteil des Originalpreises verkauft. Felicitas Kruse ist die Frau hinter dem Abverkauf. von kim sztrakati Du hast vor 6 Jahren den Stocksale Kindersachen ins Leben gerufen. Was war die Idee hinter? Felicitas Kruse: Durch mein eigenes Label FEE IM GLÜCK kannte ich die Idee aus Belgien, wo eine Frau immer am Wochenende in einer Garage Kindermode abverkauft hat. Ich habe ihr immer meine Teile aus den vergangenen Kollektionen geschickt, und sie hat sie für mich verkauft. Das wollte ich auch in Wien ausprobieren und so den Kund(inn)en die Möglichkeit geben, individuelle und auch qualitativ sehr hochwertige Kindermode zu einem super Preis zu erwerben. Die Idee ist sehr gut angekommen, und wir sind von Mal zu Mal stark gewachsen. Was ist das Prinzip des Stocksale? Wie können so günstige Preise zustande kommen? Wir bekommen von mehr als 80 Labels und auch von Geschäften Ware aus den vergangenen Saisonen, die sie selbst nicht verkauft haben. Warum etwas übrig bleibt, hat die verschiedensten Gründe und so gut wie nie etwas mit mangelnder Qualität zu tun. Es wurde zu viel bestellt, der letzte Winter war weniger kalt als gedacht, ein Lieferant hat die Bestellung wieder storniert oder ist in Konkurs gegangen – es bleibt auf alle Fälle immer etwas übrig. Wir bekommen diese Ware günstiger, da sie eben aus dem vergangenen Jahr ist und geben diesen Rabatt an unsere Kund(inn)en weiter. Wir versprechen – und halten das auch: einen Rabatt von mindestens -30% bis zu -70%. Der Stocksale Kindersachen ist also eine Win-Win-Geschichte für alle: Er ist ein Gewinn für die Kund(inn)en, die stark vergünstigt super Anziehsachen für ihre Kinder kaufen und er ist ein Gewinn für die Labels und Geschäfte, die über uns abverkaufen lassen – denn sie machen aus ihren Lagerbeständen wieder Geld.

Kannst du dich noch an den ersten Stocksale erinnern? Was hat sich seitdem verändert? Den ersten Stocksale habe ich ganz alleine gemacht: Ich habe einen minikleinen Raum mit vielleicht 50 m² angemietet, zur Bewerbung habe ich nur einen selbst gebastelten Flyer im Kopiergeschäft auf rotem Papier kopiert und dann händisch in vier Teile geschnitten. In der Nacht davor habe ich aufgebaut, und plötzlich gesehen, dass ich hier alleine nicht fertig werde. Eine Freundin ist dann mit einem Freund gekommen, und wir haben die ganze Nacht aufgebaut und hergerichtet. Mit kleinem Kind war das eine der ersten Nächte, die ich wieder durchgemacht hatte … Es hat alles so super funktioniert und es kamen so viele Menschen, dass ich wusste, dass das klappen kann. Seither sind wir rasant größer geworden. Mittlerweile lassen wir 75.000 Flyer drucken und brauchen 800 m²-Fläche. Am Anfang hatte ich Anziehsachen bis 6 Jahre, seit vier Jahren bieten wir alles bis 12 Jahre an. Die ersten beiden Jahre habe ich den Stocksale alleine gemacht, und mein Mann Erich hat immer parallel zu seiner Arbeit mitgeholfen, aber dann haben wir bei einer Bergtour beschlossen, dass wir die Stocksales ab nun gemeinsam angehen und sind seither ein Familienbetrieb. Wir leben gemeinsam und wir arbeiten gemeinsam – wir sind sozusagen 24 Stunden zusammen. Wie sind die Aufgaben zwischen Erich und dir verteilt? Da sind wir sehr flexibel – wir sind nicht zwei verschiedene Abteilungen –, oftmals ist auch eine Aufgabe zwischen uns aufgeteilt. Zum Beispiel schreibe ich alle Labels an, die wir gerne dabeihaben wollen, Erich aquiriert dann weiter, und sobald sie fix dabei sind, übernehme ich wieder die Kommunikation.

Beim Stocksale selbst ist Erich der Chef des Kassabereiches und ich die Chefin vom restlichen Raum und jede/-r ist zuständig, dass sein/ihr Bereich funktioniert. Dein Highlight aus sechs Jahren Stocksale? Für mich ist es immer ein Highlight, wenn ich erfahre, dass zum Beispiel eine Kundin

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© Moritz Gromek (1), www.stocksale.at (1), Cheeky Apple (1), Finkid (1)

Mode & Pflege

STO CKSALE KINDERSACHEN Her bst /Winter 2019 Wann: Freitag, 4.10.2019: 10–21 Uhr Samstag, 5.10.2019: 10–18 Uhr Sonntag, 6.10.2019: 10–18 Uhr Wo: Weyringergasse 31 1040 Wien (U1 Hauptbahnhof)

Du hast einen 13-jährigen Sohn. Was ist dir persönlich bei Kindermode wichtig? Zum ersten Mal ist unser Sohn nun für den Stocksale Kindersachen zu groß geworden. Das ist schon schade … aber zum Glück machen wir ja auch den Stocksale Fashion, und da kaufen wir dann für uns selbst und nun auch für unseren Sohn ein ... Bei Kindermode war mir immer die Individualität wichtig – dass man auch Kleidungsstücke hat, die nicht jedes Kind schon fast wie eine Uniform an jeder Ecke trägt. Du hast als „Fee im Glück“ selbst Kindermode produziert – die Nickilatzhose sieht man nach wie vor in Kindergärten – was sind die Herausforderungen, wenn man Mode für Kinder entwirft? Das ist urschön, wenn du sagst, dass man meine Nickilatzhosen heute noch sieht! Genau das war die Herausforderung: Ich wollte Mode machen, die kein Wegwerfprodukt ist, sondern mehrere Kinder überlebt und weitervererbt werden kann. Mit der Nickilatzhose wollte ich ein zeitloses Stück entwerfen, das immer gerne getragen wird und superchic aussieht.

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Und das ist dir damit definitiv gelungen! Worauf legst du denn bei der Auswahl der Labels für den Stocksale Kindersachen Wert?

extra vom Mondsee zu jedem Stocksale anreist. Oder eine Kundin kommt und sagt, dass sie dieses Teil beim ersten Stocksale gekauft hat, und mittlerweile trägt es ihr drittes Kind! Und wenn am Freitag – wenn wir öffnen – eine Menschenschlange ansteht, um zum Stocksale reinzukommen: Dann weiß ich, dass wir richtig vorbereitet haben!

Felicitas veranstaltet seit sechs Jahren den Stocksale Kindersachen – mittlerweile gemeinsam mit Mann Erich. Zweimal im Jahr – am ersten März- und am ersten Oktoberwochenende – gibt es für jeweils drei Tage Kindermode von über 100 Labels zu stark vergünstigten Preisen. www.stocksale.at

Wir möchten gerne eine breite Auswahl anbieten. Die Geschmäcker der Menschen sind zum Glück (!) so verschieden – und da ist der Stocksale super: Es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Wir persönlich legen bei der Auswahl Wert auf Biomode und lieben die skandinavisch bunte Mode sehr – daher ist dieser Teil bei uns immer auch stark vertreten. Wir haben nicht alles in Bio, aber sehr viel, und gerade die skandinavischen Länder sind hier viel weiter als wir und produzieren standardmäßig in Bioqualität. Wir haben auch immer Labels, die es in Wien ausschließlich bei uns gibt. Und das ist mir bei der Auswahl auch immer ganz wichtig, dass unsere Kund(inn)en immer auch Neues entdecken können. Außerdem schauen wir darauf, dass es genauso viele Bubensachen wie Mädchensachen gibt und dass es in allen Größen eine schöne Auswahl gibt. Auf welche Marken kann man sich beim kommenden Stocksale Kindersachen freuen – welche sind deine Favoriten? Heiß begehrt sind natürlich die Outdoorsachen von FINKID, und wir haben dieses Mal wieder Hauben von Geggamoja. Wir haben zum ersten Mal auch Designerlabels wie Ralph Lauren und KENZO dabei – das wird sicher spannend, wie das angenommen wird. Ich liebe ja die Shirts und Bodys von Småfolk aus Dänemark! Aus Österreich liebe ich das Label Cheeky Apple – Nadescha entwirft so schöne bunte Kleidung, die einfach Freude macht!

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Mode & Pflege

Nicht ohne meinen Pulli!

Style

Drüberziehen, reinkuscheln, wohlfühlen – diese Strickpullover halten die Kleinen warm und sind die perfekten Begleiter durch den Herbst.

Color Block Dicker Pulli aus Alpakawolle, Wolle und Polyamid, von Bobo Choses um € 92,– (2–11 J.). www.bobochoses.com

Oranger Strickmix Babypulli aus Biobaumwolle, von Sense Organics um € 32,90 (Gr. 50–86). www.sense-organics.com

Mit Struktur Pullover aus Biobaumwolle und Schurwolle, von Matona um € 69,– (6 Mon.–6 J.) www.matona.at

Abstrakt Weicher Pulli aus Woll-MohairAcryl-Gemisch, von Bellerose um € 105,– (4–18 J.). www.bellerose.be

Was auf den Rippen Retropulli aus Baumwolle-WolleNylon-Mix, von Repose AMS um € 89,– (2–14 J.). www.repose-ams.com

In the Mix Pulli aus Alpaka, Wolle & Acryl von Buho, um € 75,– (3–12 J.) bei www.smallable.com

Tricolore Pullover aus Baumwolle, Wolle und Viskose, von Soft Gallery um € 73,–, (2–14 J.). www.softgallery.dk

Aus Alt mach Neu Streifenpulli aus recycelter Wolle, von Manitober um € 49,90 (Gr. 74–140). www.manitober.de

Gut eingelocht Pulli mit Lochmuster aus Biobaumwolle, von name it um € 18,99 (Gr. 50–80). www.nameit.com

Warmhalter Grobstrickpulli aus Acryl, von Sproet & Sprout um € 65,– (1–10 J.). www.sproet-sprout.com

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© Hersteller

So flauschig Perfekt für einen Ausflug in die Berge: Kuscheliger Pullover, von Rylee & Cru um € 75,– (0 Mon.–9 J.) www.ryleeandcru.com

Handgestrickt Baumwoll-Pullover mit Taschen, von Donsje um € 59,– (6 Mon.–6 J.). www.donsje.com

Voller Hoffnung Grüner Rolli aus Biobaumwolle und Acryl, von Carlijnq um € 55,– (Gr. 74–140). www.carlijnq.nl

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Tipi-Premiere und

präsentieren

UGLYDOLLS Kino

Ihr wollt dabei sein, mit eurer ganzen Familie? Dann sendet uns ein E-Mail mit der benötigten Ticketanzahl an kino@tipimagazin.at und erlebt den Animations-Hit UGLYDOLLS im Kino. Die Ticketvergabe erfolgt nach Verfügbarkeit. Wer exklusiv dabei ist, bekommt bis spätestens Montag, 23. September 2019 eine Bestätigung per E-Mail. Wer beim Gewinnspiel diesmal keine Karten ergattern konnte, aber auf jeden Fall dabei sein möchte, hat als Mastercard-Kunde noch die Möglichkeit, unter priceless.com weitere Premieren-Packages zu einem tollen Preis zu erwerben – inklusive Blick hinter die Kulissen, Moderation auf der Bühne und toller Goodie-Bags.

Wann: Samstag, 28. Septem ber 2019 Kar tenabholung: 10 Uhr Filmbeg inn: 11 Uhr Wo: Apollo – Das Kino, Gumpendor fer Straße 63, 1060 Wie

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Essen und Gesundheit Promotion

© Hersteller (9), Nadadelazos (1)

Mach mal Pause! • Gesund mit Aloe Vera • Die erste Zahnspange • Der Zettel

Extra mild und extra frisch Ab sofort gibt es das beliebte Kinder Em-eukal in zwei neuen Sorten: Als Hustenzuckerl Walderdbeere-Honig und als Gummidrops Coole Walderdbeere. Beide verwöhnen mit fünf sorgfältig ausgewählten Vitaminen und Extrakten aus bewährten Kräutern. Schmeckt gut, tut gut! Erhältlich in der Apotheke um € 2,30 (AVP). www.kinder-em-eukal.at

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Die Bewohner von Haus Nummer 10 gewähren Einblicke in ihre Kochtöpfe: Baba Ganoush, Fleischbällchen, Erdnussbutterkekse, Dhal, Brokkoli mit Sesam sind nur einige der wunderbar illustrierten 16 Rezepte aus aller Welt. Grüner Reis und Blaubeerbrot von Felicita Sala, erschienen im Prestel Verlag um € 14,40.

Einsendeschluss ist der 20.10.2019

Jedes Jahr werden in Österreich rund 577.000 Tonnen genießbares Essen weggeworfen. Mit der App Too Good To Go soll das weniger werden: Partnerbetriebe können darüber ihr überschüssiges Essen zu einem vergünstigten Preis an Selbstabholer verkaufen. Gute Sache! toogoodtogo. at

Globale Speisekarte

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Mode von Nadadelazos, www.nadadelazos.com

Obst und Gemüse schnippeln wie die Großen – mit dem eigenen Messer macht’s noch mehr Spaß. Der Klingenschutz fungiert beim Schneiden als Fingerschutz und bringt kleine Chefkoch-Hände aus der Gefahrenzone. Kinder-Chefmesser von Tchibo um ca. € 7,–. www.tchibo.at

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Lebensmittelrettung

Kleiner Küchenhelfer

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Promotion

Promotion

© Artner (2), Richard Tanzer

Essen und Gesundheit

Guten Appetit!

Natürliches Knuspererlebnis

Egal, ob das Dinner am kinderfreien Tag ansteht oder ein feierliches Mittagessen mit der Oma ... das Restaurant Artner am Franziskanerplatz liefert für sämtliche Anlässe das passende Ambiente. Küchenchef Markus Nagl, der hier seit Ende 2018 werkt, setzt auf moderne österreichische Küche mit ausgewählten Zutaten von heimischen Produzenten – wenn immer möglich: bio, saisonal und regional. Unsere Empfehlung: die Rostbraten aus bestem Rindfleisch aus Niederösterreich in allen erdenklichen Variationen. Artner am Franziskanerplatz, Franziskanerplatz 5, 1010 Wien. www.artner.co.at

Zum Frühstück, in der Pause, am Spielplatz oder unterwegs: Die Kotányi NATURAL SNACK Apfelchips sind der ideale, natürliche Snack für die ganze Familie. In jeder Packung stecken ungefähr drei schonend getrocknete Äpfel – aber keine Zusatzstoffe, Farbstoffe und Konservierungsmittel. Erhältlich bei Merkur in den Sorten „Apfel-Zimt Chips“ mit feiner Zimtnote und „Apfel & Paprika Chips“ mit roten Paprikachips. www.kotanyi.at

Einsendeschluss ist der 20.10.2019

> Brotmonster < Mach mit und gewinn!

käse, Das brauchst du: 4 Radieschen, 1/4 Salatgurke, 1/2 Becher Hütten

Kresse, 1/2 Vollkornbaguette, 1 Scheibe Schinken, Kürbiskerne oder Balsamico-Creme

So geht’s:

„Genug für vier Monster oder eine kleine Familie!“

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Zwei Radieschen und zwei Scheiben Gurke beiseitelegen. dem Hüttenkäse und der Die restlichen Radieschen und die Gurke klein würfeln und mit und die Hälfte davon den schnei en Kresse vermengen. Das Baguette in acht Scheib Doppeldecker die en mit dem Aufstrich bestreichen. Mit den restlichen Scheib ifen, die Radieschen n-Stre zusammenbauen. Das Monster erwacht: Den Schinken in Zunge am Wie Bild gezeigt in Augen-Scheiben und die Gurken in Fuß-Viertel schneiden. geben die Pupillen ab. zusammenfügen. Kürbiskerne oder Tupfen aus Balsamico Creme

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Lebensmittel retten hat viele Facetten. Schick uns deinen Tipp oder dein Rezept, mach am besten gleich ein Foto davon und schon kannst du gewinnen:

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„Einfach hier hochladen. Und die besten Mitmach-Tipps teilen wir!“ h er bst 2019 |

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Essen und Gesundheit

Mach mal Pause!

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... denn da gibt’s Jause. Und die soll den Kindern schmecken, Spaß machen – und möglichst gesund, biologisch und ausgewogen sein. Diese Rezepte für die Jausenbox sind einfach gezaubert, können gut vorbereitet werden und werden auch von den Großen gerne aufgegessen. von michaela titz / www.littlebee.at

Bio-Müsliriegel Zutaten 100 g Bio-Dinkelflocken, 100 g Bio-Dinkelkleie, 3 EL Bio-Reis-Sirup, 2 EL Bio-Rosinen, 2 reife Bio-Bananen Zubereitung 1B  ananen mit einer Gabel zerdrücken und mit den restlichen Zutaten gut vermischen. 2E  ine kleine Auflaufform mit Backpapier auslegen und die Masse darin verteilen. Sie sollte ca. fingerdick hoch sein und gut angedrückt werden. 3 Im vorgeheizten Backrohr bei 160 °C Grad ca. 20–25 Minuten backen, bis sie Farbe bekommen hat. 4 Nach dem Auskühlen lassen sich die Müsliriegel in Form schneiden und halten sich im Kühlschrank ca. 3–4 Tage. 66 | h er bst 2019

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Essen und Gesundheit

Bio-Müslikugeln ZUTATEN 5 getrocknete Bio-Softfeigen 1 EL getrocknete Bio-Cranberries 2 EL Bio-Amaranth-Pops Rohes Bio-Kakaopulver zum Wälzen ZUBEREITUNG 1 Feigen zu einer feinen Masse pürieren. 2 Amaranth-Pops und Cranberries unter die Masse mischen. 3 Kleine Bällchen formen und in etwas Kakaopulver wälzen. Die Müslikugeln können je nach Geschmack auch in Kokosraspeln oder Cornflakes gewälzt werden. Extra Zucker oder Honig sind nicht notwendig. Die Softfeigen geben ihnen ausreichend Süße.

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Wraps ZUTATEN 1 Pkg. Tortilla Wraps, 1 Dose Bio-Mais, Bio-Salat, Bio-Frischkäse, Bio-Schinken, kleine Holzspieße ZUBEREITUNG 1 Wraps mit Frischkäse bestreichen und mit Salat, Schinken und Mais belegen. 2 Vorsichtig einrollen, halbieren und auf kleine Holzspieße stecken, damit sie nicht auseinander fallen können. Die Wraps lassen sich bereits am Vorabend gut vorbereiten und in vielen Geschmacksrichtungen immer wieder anders befüllen.

Kluge Köpfe trinken hohes C Lernfit Das neue hohes C Lernfit wurde speziell für Schüler und deren Bedürfnisse entwickelt. Der köstliche100% Saft deckt den Tagesbedarf an Vitamin C und rund 40% des täglichen Bedarfs an Eisen & Vitamin D.

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Essen und Gesundheit

Waffel Bites Zutaten 2 Bio-Eier, 5 EL Bio-Rohrzucker, 250 g Bio-Dinkelmehl, 2 TL Backpulver, 150 ml Bio-Buttermilch Zubereitung 1A  lle Zutaten miteinander vermengen und den Teig 10–15 Minuten zugedeckt ruhen lassen. Das Waffeleisen gut mit Butter einfetten, damit der Teig nicht kleben bleibt. 2W  affeln backen und anschließend mit einem runden (Keks-)Ausstecher die großen Frühstückswaffeln zu kleinen Waffel Bites verarbeiten. Nicht verarbeiteter Teig hält sich auch über Nacht im Kühlschrank.

Muffins mit Bio-Birnen Zutaten für ca. 10 Stück 260 g Bio-Dinkelmehl, 270 g Bio-Rohrzucker, 4 Bio-Eier, 2 TL Backpulver, 100 g weiche Bio-Butter, 1 Prise Salz, 125 ml Bio-Milch, 1–2 Bio-Birnen

© Michaela Titz/www.littlebee.at

Zubereitung 1 Butter mit Zucker und Eiern schaumig rühren, danach alle weiteren Zutaten gut unterrühren. 2M  uffinblech mit Förmchen auslegen und diese zur Hälfte mit Teig füllen. 3 Birnen in kleine Würfel schneiden und auf den Muffinförmchen verteilen. 4 Den restlichen Teig auf die Förmchen aufteilen, und zwar so, dass die Birnen bedeckt sind. 5Z  um Schluss oben auf die Muffins 3–4 Birnenstücke verteilen. 6 Im vorgeheizten Backrohr bei 180° C Umluft ca. 20 Minuten backen lassen.

Brotsterne mit Bio-Topfenaufstrich Zutaten 100 g Bio-Topfen, 100 g Bio-Sauerrahm, 1 Bund Schnittlauch, Salz und Kräuter zum Würzen, frisches Bio-Brot Zubereitung 1 Schnittlauch fein hacken und mit Topfen und Sauerrahm gut vermischen. 2 Mit Salz und Kräutern abschmecken. 3 Auf Brote streichen und nach Lust und Laune verpacken oder mit großen Keksausstechern Sterne und Co. ausstechen.

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Es gibt natürlich keine zwei identischen Äpfel. Die Natur wiederholt sich nicht. Sie variiert. Form, Farbe, Beschaffenheit, einfach alles.

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Wer „Bio“ sagt, sagt immer auch „Vielfalt“. Die natürliche Vielfalt mit ausgeprägten Charakter­ eigenschaften – optisch, aber auch geschmacklich. Die Vielfalt von Nützlingen, wie Zehrwespen, Florfliegen und Marienkäfer, die es überhaupt erst ermöglichen, komplett auf chemisch-synthetische Pflanzen­ schutzmittel zu verzichten. So wächst jeder Apfel wie er will, aber unter strenger Aufsicht.

Das ist Bio. Kontrollierte Qualität. Garantiert mit dem EU-Biologo und dem AMA-Biosiegel. bioinfo.at

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Der Inhalt dieser Veröffentlichung gibt allein die Meinung des Autors wieder, der allein für den Inhalt verantwortlich ist. Die Europäische Kommission haftet nicht für die etwaige Verwendung der darin enthaltenen Informationen.

DIE EUROPÄISCHE UNION UNTERSTÜTZT KAMPAGNEN ZUR FÖRDERUNG DES ABSATZES LANDWIRTSCHAFTLICHER QUALITÄTSERZEUGNISSE.

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Essen und Gesundheit

Gesund mit Aloe vera Sie ist eine der vielfältigsten Pflanzen in der Naturmedizin. Gerade für die kommende Erkältungssaison ist Aloe vera mit ihrer entzündungshemmenden und beruhigenden Wirkung wärmstens zu empfehlen – als Gesundheitselixier für die ganze Familie. von julia fleiß ursprüngliche Heimat des Wundergemüses ist umstritten, heute werden Aloe-veraPlantagen aufgrund der großen Nachfrage in den verschiedensten Regionen der Welt kultiviert.

Schon Kleopatra und Nofretete im alten Ägypten schworen angeblich auf Aloevera-Extrakt als verjüngendes Schönheitselixier. Heute ist Aloe vera in Kosmetik und Naturmedizin als Heilpflanze kaum mehr wegzudenken. Wenn man im Allgemeinen von Aloe vera spricht, ist von den insgesamt rund 400 Aloe-Arten die Aloe vera barbadensis Miller gemeint. Die bis zu 50 Zentimeter langen und sieben Zentimeter breiten Pflanzenblätter, die in dichten Rosetten rund um einen Stamm angeordnet sind, enthalten bis zu 270 lebenswichtige Inhaltsstoffe. Ihre Mineralstoffe, Vitamine, Enzyme, ätherischen Öle und Polysaccharide wirken sich überaus positiv auf unseren Körper aus – sei es für die Haut, den Darm oder das Immunsystem.

Die richtigen Inhaltsstoffe Seriöse Hersteller achten darauf, dass die Aloe vera mindestens 1.000 Tage an der Sonne gereift ist, da die vollen Inhaltsstoffe erst ab dem vierten Lebensjahr der Pflanze vorhanden sind. Selbstverständlich sollte auf Pestizide und Herbizide verzichtet werden und Stabilisationsverfahren angewendet werden, die die gesamten Inhaltsstoffe erhalten. Wichtig ist, dass nur das Blattmark weiterverarbeitet wird. Zur Gewinnung des Marks werden die Blätter geschält und nicht gepresst, da sonst Aloine – Bitterstoffe aus der Schale – freigesetzt werden, die unter anderem Beschwerden im Magen-DarmTrakt auslösen können. Auch die sofortige Verarbeitung der geernteten Blätter ist ein Qualitätskriterium. „Wenn diese Regeln eingehalten werden, hilft die Aloe vera überall, wo Haut ist – sei es Bindehaut, Knochenhaut oder Nasen- und Mundschleimhaut“, sagt Expertin Alexandra Angenbauer.

Supersubstanz Acemannan Wichtigster Bestandteil der Aloe-veraPflanze ist das sogenannte Acemannan. Es handelt sich dabei um ein Polysaccharid, das der menschliche Körper nur bis zum 18. Lebensjahr selbst produziert. Danach kann zum Beispiel Aloe vera den Acemannan-Speicher im Körper positiv ausgleichen. Alexandra Angenbauer, Vitalstoffberaterin und Aloe-vera-Expertin, erklärt die Wirkungsweise des Zuckermoleküls: „Es stärkt das Immunsystem, schützt den Verdauungstrakt und ist entzündungshemmend.“ Damit ist Aloe vera der perfekte Begleiter für die kommende Erkältungssaison. Denn Aloe vera ist auch für Kinder gut verträglich. „Aloe vera ist ein Gemüse, daher können die Pflanzenwirkstoffe ab dem Zeitpunkt, ab dem Gemüse vertragen wird, gegeben werden“, versichert Alexandra Angenbauer. Die

Den Körper von innen schützen Die Aloe vera barbadensis Miller ist vielseitig einsetzbar, mancher würde sie sogar als Alleskönner bezeichnen. Egal, ob sich ein Herpesbläschen auf der Lippe ankündigt, der Magen rebelliert, die Nase kitzelt oder die Haut zu viel Sonne erwischt hat – Aloe-vera-Produkte sind für all das die erste natürliche Anlaufstelle. Bei Kindern mit Neurodermitis oder Hautirritationen während der Pubertät kann die Aloe vera durch ihre entzündungshemmende und feuchtigkeitsspendende Wirkung ebenfalls Wunder wirken. Im Handel gibt es Cremes und Trinkshakes ebenso wie Gesichtsmasken oder Schminkprodukte. Auch Aloe-Tee, Nahrungsergänzungsmittel oder Shampoo gibt es mit Aloe vera – Letzteres übrigens auch für das glänzende Fell unserer vierbeinigen Freunde.

Interview

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Alexandra Angenbau

und ist Vitalstoffberaterin . tin Aloe-vera-Exper gesundealoe.flp.at

„Diese Pflanze hat mein Leben verändert.“ Welche Wirkungsweise haben die einzelnen Bestandteile der Aloe vera? Alexandra Angenbauer: Die Aloe vera Barbadensis Miller ist ein Liliengewächs und mit dem Knoblauch verwandt. In der Aloe vera sind über 270 nachgewiesene lebenswichtige Inhaltsstoffe enthalten. Darunter viele Enzyme, sehr viele Vitamine, unter anderem alle B-Vitamine, Mineralstoffe, Mono- und Polysaccharide und Aminosäuren. Die Aloe vera versorgt unseren Körper mit allen wichtigen Vitalstoffen und wirkt unterstützend auf das Immunsystem und die Haut.

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Essen und Gesundheit ERKÄLTUNG? HUSTEN? SCHNUPFEN? HEISERKEIT?

Aloe vera stärkt die Abwehrkräfte. Mit welchen Aloe-Produkten ist man für die nächste Erkältungssaison gewappnet? Mit dem puren Aloe-vera-Gel zum Trinken, dadurch wird man mit allen wichtigen Vitalstoffen und Vitamin C versorgt. Es gibt unterschiedliche Geschmacksrichtungen, die man mit verschiedenen Fruchtsäften kombinieren kann. Welche Wirkung hat Aloe vera auf den Darm? Die Aloe vera wirkt ausgleichend, daher hat sie in flüssiger Form eine größere Wirkung auf die Abwehrkräfte und den Darm, von dem Hautirritationen ausgehen. Wenn der Darm nicht funktioniert, wird auch die Haut nicht funktionieren. Die Wirkung von Aloe vera auf den Darm ist sehr positiv, sie reinigt die Darmwände, gleicht aus, befeuchtet und hilft dem Darm wieder auf den richtigen Weg. Gerade bei Darmproblemen gibt es allerdings sehr viele Faktoren (Bewegung, ausgewogene Ernährung, viel Flüssigkeit), die zusammenspielen.

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Der Erkältung huste ich was!

Was unterscheidet die Pflanze von anderen Heilpflanzen? Die Aloe vera ist schon seit über 5.000 Jahren bekannt, es gibt Tausende Bücher, in denen man die Wirkung und die Anwendung herauslesen kann. Sie ist eine Synergie von allen wichtigen Nährstoffen und erzielt dadurch eine verbesserte Wirkung bei Neurodermitis, Sonnenbrand, Insektenstichen oder Juckreiz und unterstützt unseren Körper. Was hat es mit dem Aloe-vera-Bestandteil Acemannan auf sich? Acemannan wird im menschlichen Körper nur bis zum 18. Lebensjahr gebildet. Es ist in sehr wenigen Lebensmitteln enthalten, unter anderem in der Aloe vera. Acemannan stärkt das Immunsystem, schützt den Verdauungstrakt, ist entzündungshemmend und verhindert das Eindringen von ungewollten Substanzen. Meine persönliche Beschreibung lautet: Acemannan ist die Polizei der Zelle. Gerade Kinder haben oft empfindliche Haut. Wie kann hier Aloe vera helfen? Speziell bei Kindern sollte man auf die genauen Inhaltsstoffe achten. Die Aloe vera befeuchtet die zarte Babyhaut, schützt sie vor Umwelteinflüssen, unterstützt die empfindliche Kinderhaut bei Neurodermitis, Ausschlag und dadurch entstandenem Juckreiz. Wie sind Sie auf Aloe vera gekommen? Was macht Aloe vera für Sie einzigartig? Wir haben vor vier Jahren einen Welpen gekauft, der nach kurzer Zeit gesundheitliche Probleme bekam. Der Arzt gab uns den Rat, den Hund mit alternativen Mitteln zu unterstützen und kein Spezialfutter oder Medikament zu geben. Deshalb war ich auf der Suche nach einer anderen Möglichkeit, bei der mich Qualität und Verarbeitung überzeugten. Da bin ich auf die Aloe vera gestoßen – sie musste ohne Pestizide, Herbizide, Kinderarbeit und Tierversuche verarbeitet werden. Seither trinkt meine gesamte Familie inklusive meiner zwei Hunde die Aloe vera, und ich beschäftige mich intensiv mit der Pflanze. Mein Wissen gebe ich in Vorträgen und Beratungen weiter.

Wirkt rein pflanzlich mit der natürlichen Kraft der Aloe: Stärkt das Immunsystem und stimuliert die körper­ eigenen Abwehrkräfte. Speziell für Kinder ab 3 Jahren. Ohne Alkohol. Aber mit Vitamin C. www.osanit-osa.at www.facebook.com/alleswirdgut.osanitosa/ www.instagram.com/alleswirdgut.osanitosa/ Die Anwendung dieses traditionellen pflanzlichen Arzneimittels im genannten An­ wendungsgebiet beruht ausschließlich auf langjähriger Verwendung. Über Wirkung und mögliche unerwünschte Wirkungen informieren Gebrauchsinformation, Arzt oder Apotheker. Erhältlich in Ihrer Apotheke. Dr. A. & L. Schmidgall GmbH & Co KG, 1121 Wien · AT/Osa Grippalsirup2019001

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Essen und Gesundheit

Die erste Zahnspange

© Stefan Gergely (1), Stocksy (1)

Ob blau, pink, mit Glitzer oder sogar unsichtbar – Zahnspangen gibt es mittlerweile in allen Farben und Formen. Um schiefe Zähne in den Griff zu bekommen, ist es von Vorteil, Zahnfehlstellungen bereits im Kindesalter den Kampf anzusagen. von tanja holz

In Österreich benötigen ca. 30 Prozent aller Kinder eine Zahnspange. Das bedeutet, dass fast jedes dritte Kind aufgrund von schiefen Zähnen einen kieferorthopädische Eingriff in Form einer Zahnregulierung braucht. Welche Arten von Zahnspangen es gibt, wieso eine Zahnregulierung so wichtig ist und welche Voraussetzungen für die Kostenübernahme durch die Krankenkassa erfüllt werden müssen, hat uns Kieferorthopädin Frau DDr. Reistenhofer im Interview beantwortet.

Interview

DDr. Bärbel Reistenhofer ist Expertin für ästhetische Kieferorthopädie mit Spezialisierung auf Zahnfehlstellungen bei Kindern, Jugendlichen & Erwachsenen und Autorin zahlreicher Publikationen. www.reistenhofer.at

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Essen und Gesundheit

Tipi: Ab welchem Alter ist eine Zahnspange sinnvoll? Bärbel Reistenhofer: Das ist ganz von der Fehlstellung abhängig. Bei manchen Fehlstellungen, wie etwa bei einem Kreuzbiss oder wenn der Unterkiefer zu stark nach vorne wächst, beginnt man unter Umständen schon im Kindergartenalter mit einer Behandlung. Die Kinder, die wir in unserer Ordination behandeln, sind größtenteils etwa zwischen 8 und 16 Jahren alt. Zahnspangen werden bei uns durchaus schon im Milchgebiss gemacht, es kommt dabei aber ganz auf die Art und den Umfang der Fehlstellung an. Einen Unterbiss – wenn der Unterkiefer vor dem Oberkiefer liegt, sprich, die unteren Schneidezähne vor den oberen liegen – behandeln wir schon im Milchgebiss. Gleiches gilt für den Kreuzbiss. Wenn der Oberkiefer vor dem Unterkiefer liegt, beginnen wir mit der Behandlung im Wechselgebiss. Und den Kreuzbiss – wenn die bukkalen Höcker der Unterkieferseitenzähne seitlich an den bukkalen Höckern der Oberkieferseitenzähne

vorbeibeißen – ebenso. Wird der Kreuzbiss nicht behandelt, kann es langfristig zum Beispiel sogar zu einer Schiefstellung des Beckens kommen. Fehlstellungen wie ein offener Biss, bei dem die Frontzähne beim Zusammenbiss nicht aufeinandertreffen, gehen oft auch mit sprachlichen Störungen wie Lispeln einher. Deshalb empfehlen wir neben einer zahnmedizinischen Behandlung auch immer die logopädische Therapie. Kann ich als Elternteil verhindern, dass mein Kind eine Zahnspange braucht und welches Verhalten begünstigt Zahnfehlstellungen? Viele Fehlstellungen sind genetisch bedingt. Verhindern können Eltern jedoch den sogenannten „Lutschoffenen Biss“, der durch zu langen Gebrauch des falschen Schnullers oder durch Daumenlutschen entsteht. Weiters sollten Eltern darauf achten, ob ihr Kind auch gut Luft durch die Nase bekommt. Eine schlechte Nasenatmung wie zum Beispiel durch eine Hausstaubmilbenallergie bewirkt eine Mundatmung und diese kann sich unter Umständen auch negativ auf die Entwicklung des Kiefers auswirken. Wieso ist eine Zahnregulierung bei einer Zahnfehlstellung so wichtig? Die Korrektur mancher Fehlstellungen – wie zum Beispiel des Kreuzbisses – ist schon im Kindesalter wichtig, damit sich der Kiefer gut entwickeln kann und sich keine Gesichtsasymmetrie entwickelt.

Wund im Mund

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Neu eingesetzte oder schlecht sitzende Zahnspangen können kleine Verletzungen im Mund verursachen – und Schmerzen. Mundisal Gel hilft dagegen. Da ist sie nun endlich – die neue Zahnspange. Doch wie das bei Fremdkörpern so ist: Man muss sich erst mal an sie gewöhnen. Wunde, strapazierte Mundschleimhaut, Druckstellen und Entzündungen sind in dieser anfänglichen Gewöhnungsphase keine Seltenheit. Sie entstehen durch abstehende Drähte oder das Scheuern von Metall- und Kunststoffteilen. In der Regel sind diese kleinen Verletzungen nicht gefährlich – schmerzhaft sind sie aber allemal. Und da sie immer wieder mit der Zahnspange in Berührung kommen und mechanisch gereizt werden, heilen sie in der Regel nur langsam ab.

Schneller geht’s mit der Unterstützung von Mundisal Gel mit dem Wirkstoff Cholinsalicylat: Es wirkt entzündungshemmend, schmerzstillend und beschleunigt die Wundheilung im Mund- und Rachenraum; bereits nach zwei bis drei Minuten macht sich eine deutliche Schmerzlinderung bemerkbar, die bis zu fünf Stunden anhält. Mundisal ist zuckerfrei, gut verträglich, einfach aufzutragen, führt zu keinerlei Verfärbungen der Zähne und schmeckt angenehm nach Anis – ist damit also auch bestens für kleine Zahnspangen-Anfänger geeignet.

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Über Wirkung und mögliche unerwünschte Wirkungen informieren Gebrauchsinformation, Arzt oder Apotheker.

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Essen und Gesundheit

Welche Arten von Zahnregulierungen gibt es? Grundsätzlich unterscheidet man zwischen abnehmbaren und festsitzenden Zahnspangen. Unter festsitzenden Zahnspangen versteht man die sogenannten Brackets. Diese gibt es aus Metall oder auch in Weiß aus Kunststoff oder Keramik. Abnehmbar sind die klassischen bunten Spangen, die meist aus Kunststoff und Draht bestehen und vorwiegend zur Korrektur von Fehlstellungen des Kiefers und weniger der Feineinstellung der Zähne dient. Sie werden hauptsächlich im Wechselgebiss verwendet. Abnehmbar sind auch Aligner, die es nun auch für Kinder und Jugendliche gibt. Diese werden aber nur zum Zähneputzen und Essen aus dem Mund genommen. Welche Vorteile und Nachteile hat die lose Klammer gegenüber der festen Zahnspange? Die lose Spange hat gegenüber der festsitzenden den Vorteil, dass man damit besser essen und die Zähne besser putzen kann. Bei der festsitzenden Spange ist man dafür aber eben nicht so sehr von der Mitarbeit der Kinder abhängig.

Die klassische Brackets-Zahnspange gehört zu den häufigsten Zahnspangenarten in Österreich.

© Unsplash

Wie bereite ich mein Kind auf eine Zahnspange vor? Heutzutage kennen viele Kinder Zahnspangen bereits aus ihrem Umfeld. Viele freuen sich sogar auf die Spange, da ihre Freunde oft schon welche in schönen bunten Farben tragen. Die meisten Kinder wissen bereits, dass nichts wehtut und dass sie keine Angst vor dem Kieferorthopäden zu haben brauchen.

ohne dass Brackets abbrechen. Manche Kassen übernehmen teilweise Kosten für unsichtbare Aligner. Was sind die häufigsten Zahnfehlstellungen? Sehr häufig finden wir Kreuzbisse und Rücklagen des Unterkiefers vor. In letzter Zeit kommen aber vermehrt Kinder mit einer Unterzahl von Zähnen in meine Ordination. Als UnterkieferRücklage bezeichnet man eine Zahnfehlstellung, bei der der Oberkiefer zu weit über dem Unterkiefer liegt. Die Rücklage hat sehr oft funktionelle Folgen und ist mit kosmetischen Problemen vergesellschaftet. Den Kreuzbiss nennt man auch Okklusionsstörung. Er zeichnet sich dadurch aus, dass einzelne oder mehrere Zähne des Unterkiefers außerhalb des oberen Kieferzahnbogens stehen. Sprich, die obere und die untere Zahnreihe treffen nicht ordentlich zusammen.

Welche Voraussetzungen müssen für die Gratis-Zahnspange erfüllt werden? Die Gratis-Spange erhält jemand, der die Kriterien für den sogenannten IOTNSchweregrad 4 oder 5 erfüllt. Dies wird direkt vor Ort vom Kieferorthopäden festgestellt.

Was kann man tun, um die Schmerzen durch die Zahnregulierung zu lindern und woher kommen die Schmerzen überhaupt? Gerade nach dem Anbringen einer fixen Spange kann es ein paar Tage zu geringen Schmerzen kommen. Bei einer fixen Spange kann man Wachs auf die scharfkantigen Teile der Spange geben. Lose Spangen verursachen höchstens bei Wackelzähnen Schmerzen. Aligner haben manchmal scharfe Kanten, die scheuern können, dies kann aber leicht mit einer Glasnagelfeile behoben werden.

Wie funktioniert die Variante mit durchsichtigen Schienen und übernimmt die Krankenkassa auch hier etwas von den Kosten? Aligner, wie die durchsichtigen Schienen genannt werden, bringen die Zähne durch Wechsel auf immer neue Aligner in die gewünschte Position. Aligner werden rund um die Uhr getragen und nur zum Essen und zum Zähneputzen herausgenommen. Der große Vorteil ist, dass man damit auch ganz normal – wie ohne Spange – essen und Zähneputzen kann,

Welche Hygienemaßnahmen müssen beim Tragen einer Zahnspange getroffen werden? Das Reinigen der Zahnspange wird nach dem Übergeben jedem Kind genau erklärt. Es gibt für unterschiedliche Spangen je nach Material Reinigungskristalle oder Tabs. Aber am wichtigsten bleibt die richtige Reinigung der Zähne selbst. Es ist vermutlich illusorisch, zu erwarten, dass sich die Kinder auch in der Schule die Zähne putzen, aber zu Hause muss auf jeden Fall sehr gründlich geputzt werden. Wird das nicht gemacht, können sich Essensreste zwischen den Drähten verfangen und dies kann wiederum zu Karies und sogenannten White Spots führen. Natürlich geben wir immer Putz-Instruktionen, wobei die tägliche Erinnerung durch die Eltern aber die größte Rolle spielt.

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Essen und Gesundheit

Kürbiszeit bei Ja! Natürlich Was viele nicht wissen: Der Kürbis ist rein botanisch gesehen eine Beere – genauso wie der Paradeiser, die Melone oder die Gurke. Kürbisgewächse sind eine sehr artenreiche Familie – rund 800 Arten sind bekannt – und werden in vielen verschiedenen Farben, Formen und Größen angebaut, auch in Österreich. Bunte Bio-Kürbisse Ja! Natürlich bringt eine große Vielfalt an Bio-Kürbissen in die Regale: Hokkaido-, Blue Ballet-, Delicata-, Butternuss-, Baby Bear-, Spaghetti-, Eichelkürbis und Co. werden ohne den Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln angebaut – so wird mancher (Bio-Butternusskürbis, Bio-Hokkaido & Bio-Blue-Ballet) sogar samt Schale zum Genuss! Am häufigsten wird er zu Suppe verarbeitet, aber auch als Pürree, Curry, Risotto, Auflauf, roh für Salate oder in Mehlspeisen wie Muffins findet der Kürbis

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Warum wir keineswegs traurig sein müssen, dass der Sommer vorbei ist: Endlich ist wieder Kürbiszeit!

seine Fans. Dabei überzeugt er nicht nur geschmacklich, auch seine Inhaltsstoffe haben’s drauf. Das Kürbisfruchtfleisch ist nahezu fettfrei und kalorienarm (ca. 30 kcal pro 100 g). Kürbisse mit orangem Fruchtfleisch haben einen hohen Gehalt an verschiedenen Carotinoiden (Provitamin A) – mehr noch als Karotten. Damit unterstützen sie das Immunsystem, die Zellspezialisierung sowie die Sehkraft.

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Gut sein zum Boden heißt gut sein zu allem, was dort lebt. Dem Boden nicht mit Gewalt mehr abringen, als er bereit ist zu geben. Ihm zurückgeben, was er braucht, um immer wieder etwas Gutes her-

vorzubringen. Aber nur ja keinen Kunstdünger. Lieber Kompost samt Regenwürmern. Und ganz sicher keine chemisch-synthetischen chemisch-synthetischen

Spritzmittel, wo es doch gegen jeje den Schädling Schädling einen Nützling gibt. Danke, sagt der Boden. Im Namen der Zukunft all seiner Bewohner.

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Essen und Gesundheit

Der Zettel

Nix mehr Urlaub und Ausflug zum See, stattdessen back to reality. Und vor allem: Back to Kindergarten. Brotdose, Trinkflasche, Matschgewand, Rucksack, Gummistiefel, Kuscheleckenpolster und was so ein kleines Kind halt noch so alles braucht, wenn es circa drei Stunden am Stück außer Haus ist, liegen schon im Vorraum bereit, und ich weiß nicht, ob ich mich freuen oder ob es mir grauen soll. Auf der einen Seite ist es ja so, dass ich nicht gerade untröstlich bin, wenn mein geliebtes Kind und ich jetzt dann nicht mehr 24 Stunden am Tag zusammen verbringen müssen, äh dürfen. Jaja, Mutterliebe, Trennungsschmerz, pipapo, aber jetzt mal ehrlich: Man kann auch nur so oft in den Zoo/ins Kindermuseum/ins Bällebad/auf den Spielplatz gehen, bevor man als Mama schlicht und einfach den Verstand verliert. Drei Wochen KinderVollbespaßungsprogramm sind für meinen Geschmack wirklich genug, danke, da dürfen ab jetzt dann gern wieder die Frauen Pädagoginnen mitspielen und mit meinem Kind 500 Papier-Dinosaurier am Tag basteln. Aber so sehr ich mich auch darauf freue, wieder mal einen halben Tag ohne Lego, Playdoh & Co. verbringen zu dürfen, sehe ich ihn unweigerlich bereits vor meinem inneren Auge: den Zettel. Und im Vergleich zum Zettel spiele ich lieber die nächsten sechs Monate in Endlosschleife Kinder-Uno. Und sagt mir jetzt nicht, ihr kennt den Zettel nicht. Den Zettel gibt es nämlich meines Wissens nach in jedem Kindergarten zwischen hier und Bad Kleinkirchheim. Bereits von Weitem sieht man ihn spätestens zwei Wochen nach Kindergartenstart in der Garderobe hängen, getarnt in einer lustigen, kindgerechten

Farbe, damit Mama nicht schon bei der Haustür wieder umdreht und nach Hause fährt. Nachdem es ja eh nichts nützt, nähere ich mich resigniert dem Zettel und schließe mit mir selbst eine Wette ab, was es diesmal ist. Sollte ich die Wette verlieren, muss ich mich heute endlich in die Buffet-Mitbring-Liste für das Laternenfest eintragen, für die mir nie etwas einfällt, das kindgerecht/gesund/stylish genug zur allgemeinen Präsentation wäre. „Liebe Eltern! In unserer Gruppe ist ein Fall von XXX aufgetreten. Bitte achten Sie bei Ihrem Kind auf Anzeichen wie blablabla …“ Die XXX werden dann im Wochentakt bunt durchgewechselt. Mal steht da „Scharlach“, mal „Windpocken“, mal

© Freepik (1), Grafik: Jakob Vogel /The Noun Project (1)

Gerade eben habe ich noch das Planschbecken aus dem Keller geholt und – schwupps! – knappe 3.500 Mal Schwimmflügel aufblasen später ist er schon wieder vorbei, der Sommer. Das bedeutet: Ein Wiedersehen mit dem Alltag, dem Kindergarten – und dem Zettel ... von susanne holzer

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Läuse? Nissen?

Essen und Gesundheit

Susanne Holzer ist freie Autorin aus Salzburg. Gemeinsam mit Sybille Maier-Ginther schreibt sie im ehrlichen Mama-Blog und Buch „Hand aufs Herz“ darüber, wie das Leben mit Kind wirklich ist. Mehr von den beiden gibt’s auf www.facebook.com/ handaufsherzblog.

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„Magen-Darm-Grippe“, mal „Hand-Mund-Fuß“ (im Ernst, hat irgendjemand von dieser Krankheit gehört, bevor er Kinder hatte?! Für mich klingt das heute noch wie Maul-und-KlauenSeuche …) – und ganz besonders oft und beliebt: „Läuse“. Mittlerweile bin ich dem Thema Läuse gegenüber aufgrund des inflationären Auftretens des dazugehörigen Zettels abgestumpft. Ob es im Supermarkt nun 25 Prozent auf Frischfleisch in Bedienung oder im Kindergarten Läuse gibt, ist für mich auch schon wurscht. Das erste Mal, als ich den Läuse-Zettel im Kindergarten sah, bekam ich aber auf der Stelle einen mittelschweren hysterischen Anfall und raste auf direktem Weg in die Apotheke, um mich dort mit einem Rundum-sorglos-Paket an Anti-Lausmitteln einzudecken. Sofort wurden beide Kinder präventiv mit Weidenrinden-Shampoo grundgereinigt und bei jedem Kratzen in Kopfnähe wurde der Lauskamm in Habtachtstellung gebracht. Seltsamerweise sind wir (bis jetzt) von den ekligen Viechern verschont geblieben, und das wundert mich wirklich sehr. Denn wenn ich eines in den ersten Jahren als Mama eines Kindergartenkindes gelernt habe, dann, dass Kinder gnadenlose Bazillenschleudern sind. Hat einer eine Erkältung, haben unweigerlich alle eine Erkältung. Den letzten Kindergeburtstag meines Großen verbrachte ich so zum Beispiel mit meinem ganz eigenen Partyspiel „Fang den Rotz“, bei dem es galt, sechs kleinen Buben im Kreis die triefende Nase zu putzen. Fängt erst einer mit der ersten Schnupfennase an, ist das Rad ins Rollen gebracht – und lässt sich zumindest bei uns den ganzen Herbst und Winter nicht mehr stoppen. Schnupfen, Halsweh, Husten – ja, hier, wir machen mit! Dass die eigene kleine Bazillenschleuder die schönsten Andenken aus dem Kindergarten natürlich auch noch nach Hause bringt, ist ein weiteres beliebtes Extra, damit auch Mama und Papa was davon haben. Im Prinzip kann ich jetzt meine nächsten Treffen mit irgendjemandem schon wieder erst für April 2020 ansetzen, denn davor wird unweigerlich immer einer von uns krank sein. Im Ernst, so ein Kindergarten kommt mir oft schlimmer vor als die Seuchenstation eines Krankenhauses in Burundi. Wo haben die Kleinen diese ganzen Sachen nur her?? Sollten sie nicht eigentlich noch vor Gesundheit strotzen bei den ganzen sorgfältig ausgewählten Dinkelcrackern, selbst gezogenen Bio-Karotten und mühevoll noch vor der Arbeit gesteckten Obst-Spießchen, die man ihnen in die Feuerwehrmann-Sam-Jausenbox packt?! Sei’s wie’s sei, immerhin weiß ich dieses Jahr schon, was auf mich zukommen wird. Ich weiß, dass ich keinen Winterurlaub mehr zu buchen brauche, weil sowieso mindestens einer von uns wegen eitriger Angina nicht fahren kann. Ich weiß, dass auch der bestellte Nikolaus in letzter Sekunde aus Krankheitsgründen wieder abgesagt werden muss. Ich kenne die Symptome jeglicher Kinderkrankheiten, weiß, wie lang die Inkubationszeit von Windpocken ist (Spoiler: genauso lange, bis man in der Früh aufsteht, um eigentlich in den Winterurlaub zu fahren) und kann eine Nureflex-Spritze mittlerweile blind mit der richtigen Füllmenge aufziehen. Also lieber Zettel, bring it on – mir jagst du so schnell keine Angst mehr ein – selbst vor Läusen nicht!

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Freie Zeit

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Rauf auf den Berg! Nach zwei Jahren Herumtüftelei bekommt die Fahrrad-Flotte von woom nun geländetauglichen Zuwachs. Das „woom OFF“ ist ein ultraleichtes und robustes Mountainbike, mit dem es sich über Wald- und Feldwege ebenso gut cruisen lässt wie auf den Straßen der Stadt. Erhältlich in drei Größen für Kinder von ca. 6 bis 14 Jahren. Ab € 699,–. www.woombikes.com

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Tempelhüpfen, Völkerball, Gummitwist, Blinde Kuh – insgesamt 50 Spiele der 70er bis 90er werden auf den Karten der Geht raus, spielen!-Box Schritt für Schritt erklärt. Nostalgiefaktor hoch 10! Erschienen im Boje Verlag um € 20,50.

Im Wunderland Teetassen mit Igeln zerbrechen, mit überdimensional großen Bleistiften zeichnen, Flamingos mit Süßigkeiten füttern – in der interaktiven Multimedia-Welt The Alice fairytale werden die Grenzen des Möglichen gesprengt. WIEN MITTE The Mall (Erdgeschoß), Landstraßer Hauptstraße 1b, 1030 Wien. goodplayshow.com

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© SKB/Foto: Bildagentur Zolles/Markus Wache (1)

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Ein Tag als Kaiserkind

Bio-Genuss für die ganze Familie

Was wohl ein Prinz oder eine Prinzessin im Schloss Schönbrunn den ganzen langen Tag machte ...? Schöne Gewänder anziehen, hübschen Schmuck aussuchen, mit dem Schwert herumfuchteln oder die Diener ärgern? Kann ein Vierjähriger wirklich Oberst eines Regiments sein und eine Stunde später Menuett tanzen? Die Antwort auf diese Fragen und viele Details aus dem Leben der Kinder von Kaiserin Maria Theresia liefert die Führung Ein Tag als Kaiserkind im Kindermuseum Schloss Schönbrunn. Termine: bis 16.11.2019, Sa, So & Ftg & am 15.11. um 10:30, 13:30 & 15 Uhr. www.kaiserkinder.at

Ein entspannter Restaurantbesuch mit den Kindern macht den Familienausflug in den Prater erst perfekt. Idealer Ort dafür: Kolariks Luftburg. Mitten im Prater und direkt an die Luftburgen und Attraktionen der Kolariks Kinderwelt angrenzend, vertreiben sich die Kleinen die Wartezeit mit jeder Menge Spielspaß. Nach dem Austoben sehnen sich die hungrigen Abenteurer schon nach einer willkommenen Stärkung. Die Bio-Kinderspeisekarte wird mit Lieblingsgerichten wie Schnitzel, Spaghetti und mehr selbst wählerischen Feinspitzen gerecht. Kindgerecht portioniert, werden nur frische und rein biologische Zutaten verarbeitet – mit viel Liebe, die man schmeckt. www.kolarik.at

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Freie Zeit

Höher, schneller, weiter! Keine Idee, was ihr spielen könnt? Dann macht euch das Spielzeug doch selber – schnell, unkompliziert und mit Alltagsgegenständen.

Turmhoch – Quietschbunter Kneteturm 1. Gib Mehl, Salz, Wasser, Natron und Backöl in eine Rührschüssel und verarbeite alles mit dem Handmixer zu einem Teig. Lass ihn einen Moment ruhen, dann knete ihn mit den Händen durch.

Material & Werkzeug 4 Tassen Mehl 1 Tasse Salz  2 Tassen heißes Wasser  2 EL Natron  ein Röhrchen Backöl Zitrone, alternativ 1–2 TL Öl  Rührschüssel  Handmixer mit Knethaken  Lebensmittelfarben  optional: Glitter  25 bunte Papiertrinkhalme



2. Teile den Teig in 5 Stücke und färbe 4 davon mit Lebensmittelfarben ein. Wenn du magst, knete noch etwas Glitter hinein, damit es schön funkelt!



3. Schneide die Papiertrinkhalme in der Mitte durch. Schon kann gebaut werden: Verbinde die Halme mit Knete und baue bunte Türme. TIPP: Luftdicht verpackt ist die Knete einige Zeit haltbar.



Schere

Achtung, hier ist Geschicklichkeit gefragt! Wer schafft den höchsten Turm? Katja Enseling & Ruth Niehoff: Das Rekord-Bastelbuch. 60 Kreativ-Ideen für deine Olympiade; Coppenrath, € 17,50. Ab 8. ISBN: 9783649628347 www.100-prozent-kreativ.de Unter den Kategorien Höher, Schneller, Weiter, Lauter, Ekliger und Cooler versammeln sich hier 60 actionreiche Bastelideen, u.a. für eine Seifenkiste, Pfeil und Bogen, Jonglierkeulen, eine Gartenschlauch-Trompete oder Kackwurst-Kekse.

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Pusteblume! – Pompon-Puster 1. Schneide mit dem Cutter die obere Hälfte der Flasche ab. Lass dir dabei von einem Erwachsenen helfen. Dann schneide den Flaschenrand in gleichmäßigen Abständen ein, sodass 5–6 Streifen entstehen. Die Streifen sollten gleich lang sein.

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Lege einen kleinen Pompon in die Blume und blase kräftig in den Halm. Hoppla – schon hüpft der Pompon in die Luft. Schnell, fang ihn wieder ein! 1

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4. Während die Blüte trocknet, bohrst du mit einer spitzen Schere vorsichtig ein Loch in den Deckel. Es sollte nur so groß sein, dass der Trinkhalm gerade hineinpasst. Kürze den Trinkhalm an beiden Seiten etwas und stecke das kürzere Ende in den Deckel. Dann schraube den Deckel unten an deine Blüte.

t Deckel

kleine Plastikflasche mi  Cutter  Schere  Acrylfarben  Pinsel k  Trinkhalm mit Gelen  Pompons



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2. Jetzt knicke die Streifen nach außen um und schneide sie zu runden Blütenblättern. 3. Schraube den Deckel ab und lege ihn zur Seite. Dann male deinen Blütenkelch kunterbunt an.

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Freie Zeit

Zischt ganz schön ab! – Buntstift-Armbrust Zum Einlegen des Pfeils hakst du das Trinkhalmstück mit dem Gummiband aus und legst es quer über die Armbrust. Schiebe einen Pfeil in den Trinkhalm auf der Armbrust, bis er hinten 1 cm weit herausragt. Halte die Armbrust unterhalb der Kreuzung mit einer Hand fest. Mit Daumen und Zeigefinger der anderen Hand ziehst du das kleine Trinkhalmstück mit dem Gummi hinter den Pfeil und lässt los – zisch!

1. Lege zwei Buntstifte quer übereinander, sodass eine Spitze nach rechts und die andere nach links zeigt. Umwickle sie auf beiden Seiten mit Washi-Tape. Dann klebe die beiden anderen Buntstifte unterhalb der Spitzen zusammen. Lege sie senkrecht über die quer liegenden Stifte. 2. Verbinde die gekreuzten Stifte mit einem Gummiring. Wickle auch einen Gummiring um die Mitte des oberen Stiftpaars. 3. Schneide ein 9 cm langes Stück vom Plastiktrinkhalm ab. Befestige es mit Washi-Tape oben auf der Vorderseite der senkrechten Stifte.

Material & Werkzeug

4. Schneide 2,5 cm von einem Papiertrinkhalm ab. Fädle den letzten Gummiring hindurch und hake ihn außen an den quer liegenden Stiften ein. Schiebe das Trinkhalmstück in die Mitte und klemme es hinter den Plastiktrinkhalm. 5. Bastle aus dem gekürzten Papiertrinkhalm und den beiden übrigen Halmen die Pfeile: Schneide aus Moosgummi für jeden Pfeil zwei gleiche Dreiecke als Pfeilspitze zu. Drücke die Halme an einem Ende platt und klebe sie je auf ein Dreieck. Klebe die anderen Dreiecke darüber.

4 Buntstifte Washi-Tape  Bastelkleber  3 Gummiringe  Lineal 8 mm Ø  1 Plastiktrinkhalm,  Schere  3 Papiertrinkhalme  Moosgummireste





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TIPP: Du kannst die Armbrust auch drinnen benutzen. Aber niemals auf Menschen, Tiere oder zerbrechliche Gegenstände schießen!

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Film-Highlights Kennen wir doch: Mit Maleficent, Angry Birds, Shaun das Schaf und der Eiskönigin locken uns im Kinoherbst gleich vier Fortsetzungen beliebter Filme vor die große Leinwand. Und auch sonst gibt’s einiges zu sehen ... Starttermin: 17.10.2019

© Disney (1)

Maleficent: Mächte der Finsternis

AUCH

Das lang erwartete Fantasy-Abenteuer spielt mehrere Jahre nach den Ereignissen von „Maleficent: Die dunkle Fee“. Als Prinz Philipp um Auroras Hand anhält, wird die komplexe Beziehung zwischen Maleficent und der erwachsenen Aurora auf eine harte Probe gestellt. Als dann noch eine neue, finstere Macht auftaucht, finden sich Maleficent und Aurora plötzlich auf verschiedenen Seiten eines großen Konfliktes wieder. Schon bald drohen die zart geknüpften Familienbande zu zerreißen… Unsere Disney-Lieblingsschurkin ist zurück – Angelina Jolie schlüpft erneut in ihre Rolle als gehörnte Fee Maleficent, während Elle Fanning als Prinzessin Aurora zurückkehrt – zwei Figuren aus dem Zeichentrickklassiker „Dornröschen“. Bildgewaltiges, düsteres Abenteuer mit Star-Besetzung!

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Freie Zeit

Bayala – Das magische Elfenabenteuer

Starttermin: 25.10.2019

Krönung fällt in eine schwere Zeit: Das „Welken“ der wundersamen Pflanzen breitet sich unaufhaltsam aus. Auch die magischen Drachen sind nahezu ausgestorben. Als ein Drachenei gefunden wird, kommt Hoffnung auf. Wenn die verfeindeten Elfenstämme ihre Kräfte bündeln und die magischen Drachen

Angry Birds 2 Als eine neue Bedrohung auftaucht, die sowohl die Insel der Vögel als auch die Insel der Schweine in Gefahr bringt, rekrutieren Red, Chuck, Bombe und Mächtiger Adler Chucks Schwester Silver und tun sich mit den Schweinen Leonard, seiner Assistentin Courtney und dem Technik-Nerd Garry zusammen. Gemeinsam schmieden sie einen

wackeligen Waffenstillstand und bilden ein ungewöhnliches Superteam, um ihre Heimat zu retten. Mit einer urkomischen Starbesetzung aus bekannten und neuen Charakteren geht der Streit zwischen den flugunfähigen Vögeln und den hinterlistigen grünen Schweinen in die nächste Runde – schräg und witzig. Auch in 3D!

wieder heimisch werden, kann die Rettung von bayala doch noch möglich sein. Prinzessin Surah und ihre Begleiter müssen eine abenteuerliche Reise antreten, die sie nicht nur in die fernen Drachenberge, sondern auch zu Ophira, der Schattenkönigin, führt. Magisches Animationsabenteuer – auch in 3D!

Starttermin: 17.10.2019

Lino – Ein voll verkatertes Abenteuer

Starttermin: 20.09.2019

Als bei Lino wieder mal alles schiefläuft, sucht er Hilfe bei dem Magier Don León. Doch dessen Elixier verwandelt ihn stattdessen in einen Kater! Nicht nur, dass er nun als vermeintlicher Einbrecher von der Polizei gejagt wird, fällt ihm auch noch ein Waisenmädchen buchstäblich in die Arme, das sich in die große Kuschelkatze verliebt. Gemeinsam beginnt eine abenteuerliche Flucht, auf der viele Überraschungen auf das Trio warten. Lustiger Animationsspaß für die ganze Familie!

© Constantin Film (2), Einhorn Film (1), Sony Pictures (1), Universal Pictures (1), TOBIS Film (1)

Die Elfenwelt bayala ist ein Land der Magie, bevölkert von Elfenstämmen, die im Einklang mit der Natur leben. Riesige Blüten und zauberhafte Pflanzen bieten ihnen Unterkunft und Nahrung. Im Blütenpalast der Sonnenelfen herrscht anlässlich der Krönungszeremonie von Prinzessin Eyela Hochbetrieb. Doch die

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Freie Zeit

Starttermin: 04.10.2019

Dora und die goldene Stadt Starttermin: 10.10.2019

Dora, die den Großteil ihres Lebens mit ihren Eltern im Dschungel verbracht hat, erwartet ein neues Abenteuer: die Highschool. Als wäre das nicht schon genug, verschwinden plötzlich auch noch ihre Eltern spurlos. Als die Entdeckerin, die Dora nun mal ist, führt sie den Affen Boots, ihren Cousin Diego, einen mysteriösen Dschungelbewohner und eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Teenagern in ein waghalsiges Abenteuer – es gilt, ihre Eltern zu retten und das unmögliche Rätsel um eine verlorene Stadt aus Gold zu lösen. Filmadaption der beliebten Zeichentrickserie mit viel Witz und Action.

UglyDolls Egal, wie unperfekt die Kuscheltiere UglyDolls auch aussehen – an Spaß und Lebensfreude fehlt es ihnen in Uglyville nicht. Doch Moxy fragt sich schon lange, was wohl auf der anderen Seite des Berges liegt. Mit ihren Freunden Lucky Bat, Wage, Babo und Ugly Dog verlässt sie das vertraute Tal und gelangt schließlich ins „Institut für Perfektion“, wo makellose Puppen für den Einsatz in Kinderzimmern trainiert werden. Und auch Moxy versucht, ihren Traum zu verwirklichen, eines Tages von einem echten Kind geliebt zu werden ... Kunterbunter Film zum Spielzeugtrend mit der Botschaft: Sei einfach du selbst!

Everest – Ein Yeti will hoch hinaus

Starttermin: 26.09.2019

Ein kleiner Yeti ist aus einem Versuchslabor in Shanghai entkommen und sucht Zuflucht auf den Dächern der Millionenstadt. Dort begegnet er dem neugierigen TeenagerMädchen Yi und ihren Freunden Jin und Peng. Schnell wird klar, dass das Trio den Yeti, den sie auf den Namen „Everest“ taufen, nur dann vor dem finsteren Laborleiter Burnish und der Zoologin Dr. Zara

retten können, wenn sie ihn zurück in seine Heimat bringen. Gemeinsam begeben sie sich auf eine faszinierende Reise durch sagenhafte Landschaften, wunderliche Ereignisse und magische Momente, um Everest am höchsten Punkt der Erde wieder mit seiner Familie zu vereinen. Epische Abenteuerreise von den Machern von „Drachenzähmen leicht gemacht“ – auch in 3D!

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Freie Zeit

Shaun das Schaf – Der Film Seltsame Lichter über dem Städtchen Mossingham kündigen die Ankunft eines geheimnisvollen Besuchers aus einer fernen Galaxie an ... Aber auf der Mossy Bottom Farm hat Shaun ganz andere Dinge im Kopf, denn ständig werden seine verrückten Streiche von einem entnervten Bitzer vereitelt. Doch als plötzlich ein ebenso lustiges wie bezauberndes Außerirdi-

schen-Mädchen mit erstaunlichen Kräften in der Nähe der Farm bruchlandet, erkennt Shaun die einmalige Chance: Mit Hilfe der Außerirdischen kann er jede Menge neue Späße und Abenteuer anstellen! Gleichzeitig ist es aber auch der Beginn einer Mission, die Außerirdische wieder sicher nach Hause zu bringen… Zweiter Kinofilm mit dem frechen Knetschaf Shaun.

Die Eiskönigin 2 Pünktlich zur Weihnachtssaison wird der 2013 mit dem Oscar ausgezeichnete Animationsfilm endlich fortgesetzt. Vor rund sechs Jahren verzauberte „Die Eiskönigin – völlig unverfroren“ mit atemberaubend schön animierten Landschaften, wunderbaren Melodien und großen Gefühlen kleine und große Fans. In der Fortsetzung begeben sich Anna, Elsa, Kristoff und Olaf in die

Starttermin: 26.09.2019

Starttermin: 31.10.2019

Tiefen des Waldes, um ein Geheimnis ihres magischen Königreiches Arendelle zu lüften. Ein funkelndes Wiedersehen mit dem liebenswerten Schneemann Olaf, dem mutigen Kristoff und seinem anhänglichen Rentier Sven und den Schwestern Anna und Elsa. Sehnlichst erwarteter zweiter Teil des erfolgreichsten Animationsfilms aller Zeiten – auch in 3D!

Starttermin: 21.11.2019

Der neue Film der Regisseure Conrad Vernon und Greg Tiernan erzählt, wie Morticia und Gomez Addams ihr gruseliges Zuhause fanden. Und natürlich auch von den wahnwitzigen Herausforderungen, wie sie nur pubertierende Kinder wie Wednesday und Pugsley heraufbeschwören können – insbesondere, weil sie eben ein bisschen anders sind als vermeintlich „normale“ Familien. Die animierte Version der ikonischen „Addams Family“ bringt den verrückten, unterhaltsamen, aber auch gruseligen Clan zurück auf die große Leinwand.

© Universal Pictures (1), Disney (1), Constantin Film (1)

Die Addams Family

Die konkreten Altersfreigaben werden kurz vor Filmstart bekannt gegeben.

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Family-Highlights bei Magenta On Demand Mit Magenta On Demand bestimmt ihr, was und wann ihr schaut. Wie wäre es zum Beispiel mit diesen aktuellen Film-Highlights für die ganze Familie?

© 2019 Relevant Film Produktion GmbH / Rocca UG (haftungsbeschränkt) / Warner Bros. Entertainment GmbH

Spannender Animations-Abenteuerfilm mit witzigen Slapstickmomenten – von den Machern von Filmen wie „Bigfoot Junior“, „Robinson Crusoe“ und „Sammys Abenteuer“.

Als die Spiegelbilder der besten Freunde Emil und Frido in einem Spiegelkabinett zum Leben erweckt werden, glauben die Jungs, das große Los gezogen zu haben: Die Doppelgänger können nämlich all das, was sie selbst nicht so gut können, ihre Eltern aber von ihnen erwarten. Doch als ihre Abbilder plötzlich beginnen, eigene Ziele zu verfolgen, müssen die beiden Freunde einen Weg finden, die unheimlichen Geister, die sie riefen, wieder loszuwerden ...

Rex, der Lieblings-Corgi der Queen, treibt im Buckingham Palace mit seinen Allüren alle in den Wahnsinn. Doch sein bequemes Leben ist vorbei, als er während des Staatsbanketts zu Ehren des US-Präsidenten mit auffallend orangen Haaren in Ungnade fällt. Rex landet auf den Straßen Londons, als einer unter zahllosen Streunern, die ums Überleben kämpfen. Doch so schnell gibt der Vierbeiner nicht auf. Er will beweisen, dass er verdientermaßen der Lieblingshund der Queen war.

Rocca verändert die Welt

Ostwind: Aris Ankunft

Moderne Pippi-Langstrumpf-Geschichte um das mutige Mädchen Rocca, das alles auf den Kopf stellt und beweist, dass auch ein Kind die Kraft hat, die Welt zu verändern.

Viertes Filmabenteuer rund um den schwarzen Hengst Ostwind mit der neuen Hauptfigur Ari. Nach den gleichnamigen Bestsellern von Autorin Lea Schmidbauer.

Mutig, witzig, unverwechselbar – das ist Rocca. Die 11-Jährige lebt bei ihrer Großmutter Dodo in Hamburg, die davon allerdings gar nicht begeistert ist. Als Oma wegen einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus landet, muss Rocca alleine klarkommen. Angstfrei und voller Neugierde geht sie durch die Welt, schließt Freundschaft mit dem Obdachlosen Caspar und stellt sich in ihrer neuen Schule den Mobbern der Klasse. Am wichtigsten ist für Rocca jedoch, Omas Herz zu gewinnen.

Auf dem Gut Kaltenbach gibt es Ärger: Mika liegt im Krankenhaus, was Ostwind so verstört, dass er nicht mehr frisst. Als es so aussieht, als würde das Gestüt bald in fremde Hände fallen, ändert die Ankunft der impulsiven und kratzbürstigen Ari alles. Die 12-Jährige fühlt sich sofort von Ostwind angezogen und hat eine besondere Wirkung auf den Hengst. Gemeinsam mit Mika kann sie es vielleicht doch noch schaffen, Ostwind vor dem skrupellosen Pferdetrainer Thordur Thorvaldson zu retten.

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Bunt, bunter,

© 2019 Universum Film GmbH

© 2019 capelight pictures

Unterhaltsame Komödie mit Botschaft: Jeder Mensch ist perfekt, genau so, wie er ist. Entstanden im Rahmen der Initiative „Der besondere Kinderfilm“.

Royal Corgi – Der Liebling der Queen

© Constantin Film Verleih GmbH

Unheimlich perfekte Freunde

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Freie Zeit

Spieglein, Spieglein an der Wand Warum uns Märchen faszinieren Märchen begeistern Menschen aller Altersgruppen. Nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene lesen und hören sie gerne und tauchen mit ihnen in eine fantastische Welt ein. Doch was macht die Faszination von Märchen aus? Warum wollen Kinder manche Märchen immer und immer wieder hören? Und welchen Wert haben Märchen für die kindliche Entwicklung? Ein Blick hinter die Kulissen. von sandra prinz

Märchen stellen einen wahren Schatz für die kindliche Entwicklung dar. Sie führen auf einfache Art und Weise vor Augen, wie man das Leben in bestimmten Situationen meistern kann. Sie bieten Anregungen und Anleitungen dafür, wie das Leben gelingen kann, sie fördern kreatives Denken, stärken die kindliche Widerstandskraft – und das sind nur einige der positiven Aspekte. Helmut Wittmann hat seine Faszination für Märchen vor fast 30 Jahren zum Beruf gemacht. Seither begeistert der Märchenerzähler Jung und Alt im Inund Ausland mit seinen Geschichten: „Natürlich sind Märchen unterhaltsam, aber mit dem, was sie schildern, sprechen sie eigentlich immer ganz wesentliche Dinge an. Und das ist für Kinder natürlich eine unglaubliche geistige Kraftnahrung“, bringt Wittmann den Wert von Märchen auf den Punkt.

© Pixabay

Märchen als Orientierungshilfe und Richtschnur „Es war einmal…“ – dieser Satzanfang stellt das Tor zur Märchenwelt dar. Kinder treten damit eine Fantasie-

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reise an, auf der sie ihren Held(inn)en hautnah begegnen und bei all den Prüfungen, die sie zu bestehen haben, mitfiebern. Sie identifizieren sich mit ihren Held(inn)en und nehmen sie sich zum Vorbild. Psychotherapeutin Nina Petz meint dazu: „Märchen sprechen Themen an, denen alle Kinder im Laufe ihrer Entwicklung begegnen. Das Bedürfnis nach Liebe, die Angst vor dem Verlassenwerden, sich Bewähren oder auch der Ablösungsprozess von den Eltern. Das alles sind Themen, die Kinder, wenn auch unbewusst, beschäftigen. Ebenso unbewusst helfen Märchen Kindern, mit diesen Themen fertig zu werden.“ Märchen bieten Kindern also eine Orientierungshilfe, um Situationen, die im realen Leben auf sie zukommen können, in der Fantasie zu durchleben und gedanklich auszuprobieren. Und was, wenn ein Kind ein Märchen immer und immer wieder hören möchte? „Dann will es damit wachsen!“, so Helmut Wittmann. Die Symbole und Bilder, die das Märchen enthält, decken sich mit den aktuellen Bedürfnissen des Kindes. Und so kommt es, dass Mama oder Papa, Oma oder Opa eine Geschichte x-Mal erzählen dürfen. Intelligenz und kreatives Denken Albert Einstein wird nachgesagt, er hätte auf die Frage von Eltern, was sie tun könnten, um die Intelligenz ihrer Kinder zu fördern, geantwortet: „Lesen Sie ihnen Märchen vor!“ Und auf die Rückfrage, was darüber hinaus unterstützend sein könnte: „Lesen Sie ihnen noch mehr Märchen vor!“ Auf welche Form von Intelligenz Einstein Bezug nahm, ist nicht bekannt. Jedenfalls wird, wenn Kinder Märchen hören, ihre Fantasie beflügelt, und es werden kreative Denkprozesse in Gang gesetzt. Fantasie und schöpferisches Denken sind wertvolle Kompetenzen, die ein Leben lang ihren Wert behalten. „Im heutigen Wirtschaftsleben brauchst du Fantasie, schöpferisches Denken, damit du wirklich beruflich und auch persönlich weiterkommst und damit sich deine Persönlichkeit entwickeln und entfalten kann“, merkt

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Helmut Wittmann an und verdeutlicht auch häufig furchteinflößende Inhalte – man denke nur an die damit, dass sich regelmäßiges Hören Gefangenschaft von Hänsel und Gretel im Haus der Hexe oder von Märchen im Kindesalter auch auf das an Schneewittchen, die von der bösen Stiefmutter vergiftet Erwachsenenalter auswirkt. wird – jedoch wird es dem Kind in der märchenhaften Traumwelt Nicht nur kreatives Denken wird durch ermöglicht, sich sein eigenes Bild zu machen: „In der FantaMärchen geschult, sondern auch die sie habe ich die Bilder, die mir entsprechen. Ich kann mir eine Konzentrationsfähigkeit. Kinder hören Geschichte auch weniger schlimm vorstellen“, gibt der Märchenaufmerksam zu, denken mit und formen experte Helmut Wittmann zu bedenken. Außerdem werden in sich ihre eigenen Bilder im Kopf. Bei Märchen, im Gegensatz zur medialen Berichterstattung, immer wiederholtem Erzählen oder Vorlesen auch Problemlösungsstrategien präsentiert. „Bei Märchen sind eines Märchens wird auch klar, dass die die Dinge immer in einem Sinnzusammenhang. Das ist ganz Merkfähigkeit der Kinder gefordert ist. wesentlich, denn so können schwierige Inhalte besser verarbei„Nein – so geht die Geschichte nicht! Das tet werden. Probleme werden angesprochen, und meist werden war ganz anders!“ So oder so ähnlich verschiedene Lösungsmodelle gezeigt,“ erklärt Wittmann weiter. lautet der kindliche Protest, wenn Eltern Märchen können somit, ob bewusst oder unbewusst, dazu verdie Geschichte nicht genauso erzählen helfen, Ängste zu bewältigen und Problemlösungskompetenz wie beim letzten Mal. Und da kann es zu entwickeln. Die Tatsache, dass fast jedes Märchen mit einem dann schon vorkommen, dass das Kind selber die Initiative ergreift und weitererzählt. Womit wir beim Thema Sprachentwicklung angekommen Ab welchem Alter eignen sich Märchen? wären. Beim Vorlesen, aber auch InterNina Petz: Wann man seinen Kindern das beim Erzählen wird den Kindern ein view erste Mal Märchen erzählt, sollte jede Faunbezahlbarer Sprachwortschatz milie selbst einschätzen, denn alle Eltern mitgegeben. „Das ist ein Mairegen für sollten Experten für das eigene Kind sein. die persönliche Entwicklung“, formuliert Grundsätzlich kann man aber ab etwa Helmut Wittmann treffend. Und wenn die vier Jahren beginnen, seinen Kindern Kinder dann selber weitererzählen, mitMärchen zu erzählen. Wichtig ist hierbei diskutieren, philosophieren und Fragen auch, dass die Märchen kurz erzählt und stellen, bauen sie damit ihre sprachlichist Psychotherapeutin in Ausbildung immer nachbesprochen werden. Märchen kommunikativen Kompetenzen jedes Mal unter Supervision, schwerpunktmäßig sollten nie abgebrochen und erst am ein Stück weiter aus. für Kinder und Jugendliche. Als „Elnächsten Tag zu Ende erzählt werden, tern- und Kidscoach“ sieht sie sich mit sondern immer fertig erzählt werden. Alle Problemlösungskompetenz und den vielfältigsten Anliegen rund um Märchen haben eine fixe Grundstruktur. Resilienz Erziehung und Bildung konfrontiert. Die In der Mitte sind sie sehr spannend, Selbst wenn Eltern bemüht sind, ihre Mutter von zwei Kindern ist außerdem und am Ende gehen sie immer gut aus. Sprösslinge vor negativen Schlagzeilen Reittherapeutin und -pädagogin und Dieses positive Ende ist sehr wichtig für aus den Medien zu bewahren, so werden bietet pferdegestützte Therapie für Kinder, Kinder, gerade, wenn der Mittelteil sehr sie doch manchmal mit schrecklichen Jugendliche und Erwachsene an. spannend ist. Nachrichten und dem entsprechenden www.ninapetz.at Bildmaterial dazu konfrontiert. Märchen haben zwar auf den ersten Blick

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Lesetipp Ursula, Heidemarie & Helmut Wittmann und Agnes Ofner: Das Geschenk der 12 Monate. Märchen, Bräuche und Rezepte im Jahreskreis. Tyrolia, € 29,95 Ein wunderbares Familienbuch, das eine Fülle von Anregungen und Informationen über die Feste und Zeiten im Jahreskreis bietet. Neben Rezepten und spannenden Hintergrundinformationen findet man ein buntes Potpourri von Märchen, Mythen und Sagen im Jahreskreis – erzählt von Helmut Wittmann.

Happy End und dem Sieg des Guten über das Böse endet, lehrt die Kinder eine optimistische Lebenseinstellung. Darüber hinaus kann das regelmäßige Hören von Märchen Kinder widerstandsfähiger machen. Expertin Nina Petz erklärt: „Märchen können Kinder stärken und sie dabei unterstützen, ein positives Selbstbild zu entwickeln. Dies wiederum kann die Resilienz, die Widerstandskraft von Kindern, begünstigen.“ Vorlesen und Erzählen im Wechselspiel Ein Märchenbuch ist schnell zur Hand, doch vielfach sind die darin enthaltenen Geschichten nicht zum bloßen Vorle-

Warum sind Kinder von Märchen fasziniert? Kinder lieben Märchen, weil das Böse immer bestraft wird und das Gute immer gewinnt. Märchen vermitteln Kindern Mut, Hoffnung und das Gefühl, dass es immer eine Lösung für ein Problem geben wird. Sie lernen: Auch andere Menschen haben Probleme wie ich. Aber mit allen Problemen kann man fertig werden, und oft kommt sogar eine ganz überraschende, märchenhafte Wendung oder Lösung herbei, von der man nicht einmal zu träumen gewagt hatte. Doch Märchen lehren uns: Man kann und darf träumen! Welchen entwicklungsfördernden Wert haben Märchen? Jedes Kind begegnet in seiner natür-

Helmut Wittmann ist seit fast 30 Jahren hauptberuflich als Märchenerzähler tätig. Auf seinen Antrag nahm Die UNESCO 2010 das Märchenerzählen in Österreich in die nationale Liste des immateriellen Kulturerbes auf. Weitere Infos sowie Termine zu Märchenwanderungen, Seminaren und Lesungen: www.maerchenerzaehler.at

sen geeignet. „Ganz wichtig ist es, dass Eltern ihren Kindern die Märchen in eigenen Worten selbst erzählen und nicht nur einfach vorlesen“, erklärt Nina Petz. Zwar ist reines Vorlesen auch wertvolle Beziehungspflege, aber besonders bei Märchen sollten Eltern darauf achten, den Text gegebenenfalls erzählend so umzuformulieren, dass er dem kindlichen Entwicklungsstand entspricht. „Kontraproduktiv wäre es auch, seinen Kindern ein Hörbuch vorzuspielen oder sie bei einer Märchenverfilmung alleine vor dem Fernseher sich selbst zu überlassen“, ergänzt die Expertin. Allen Eltern, die eine Scheu vor dem freien Erzählen haben, macht Helmut Wittmann Mut: „Vorlesen ist schon wunderbar, aber liebe Eltern: Traut euch, erzählt selber! Probiert es einfach, und ihr werdet erleben, wie schön das ist!“

lichen Entwicklung auch negativen Gefühlen und Aggressionen. Oft werden Kindern diese Gefühle allerdings verboten, und es wird ihnen auch kein Weg aufgezeigt, wie man damit umgehen kann. Hier können Märchen helfen. Indem man zuhört, kann man dieses Gefühl auch ausleben und miterleben. Außerdem steht jedes Kind täglich vor Herausforderungen – schwierige Hausaufgaben, ein Stück Schulweg alleine gehen, alleine im Kindergarten bleiben ... Märchen sprechen auf unbewusster Ebene genau diese Ängste und Bilder in Kindern an und helfen ihnen so ganz unmerklich, damit umzugehen. Welchen Wert haben Märchen für das Familienleben?

Auch wenn sie bereits lesen können, ist es für Kinder natürlich nach wie vor wunderschön, von Mama und Papa etwas vorgelesen zu bekommen. Leider sinkt das Interesse an Büchern bei jungen Lesern gerade deshalb, weil viele Eltern von ihrem Nachwuchs zu früh zu viel erwarten. Dabei wird oft vergessen, dass die Vorlesezeit viel mehr als „nur“ reine Lesezeit ist: Vorlesen ist ElternKind-Zeit! Groß und Klein fiebern aneinandergekuschelt mit den Helden der Geschichten mit; Emotionen wie Freude, Traurigkeit oder Spannung werden intensiv Seite an Seite erlebt. Gerade diese Momente sind auch die beste Basis für das spätere Lernen, denn alles, was wir in Verbindung mit Gefühlen erlernen, prägt sich nachhaltig ein.

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Schauen, Spielen, Lesen, Hören Kein Draußenwetter! Na dann bleibt doch drinnen – und vertreibt euch die Zeit mit diesen Neuheiten aus dem Spiele-, Film- und Buchsektor.

0 – 3 Jahre

Voller Überraschungen Alle sind auf das Flattervogelfest eingeladen – nur Flapps, die Fledermaus, nicht. Doch so schnell lässt sie sich nicht abwimmeln. Schräge Geschichte über wahre Freundschaft. Flattervogelfest von Alice Lima de Faria, Mixtvision. Ab 3. Um € 17,50.

Autonomiephase Der kleinen Maus gehen alle auf die Nerven – und so beschließt sie, auszuziehen. Aber im neuen Zuhause fehlt was ... Gut, dass Freunde und Familie nicht weit sind. Vom trotzig Sein und ersten Freiräumen – süß illustriert! Maus zieht aus von Daniela Kulot, Thienemann. Ab 2. Um € 10,30.

Originell Welches Tier macht wohl den beschriebenen Laut? Einfach die farbenfrohen Dreiecksseiten aufklappen, und dahinter wird das Tier lebendig. Ein besonderes & farbenprächtiges Pappbilderbuch. Wilde Tierstimmen von Elsa Mroziewicz, minedition. Ab 1. Um € 12,40.

Hase in Balance Dem wackligen Häschen werden der Reihe nach Gemüsestückchen auf die Pfoten gelegt – je nach Würfelergebnis. Ein ganz schön wackliges Vergnügen! Bunny’s Garden von Goula. Ab 2. Um ca. € 17,99.

4 – 6 Jahre

Loblied auf die Fantasie Ist es der Hut eines Seepferdchens? Der Helm eines Feuerwehrmanns? Jeder, der das rote Ding entdeckt, sieht etwas anderes darin und verrät dadurch viel über sich selbst. Das rote Ding von H. Herold & E. Naumann, Aladin. Ab 4. Um € 15,50.

Zauberhaft Das Struppige haust in der Finsternis; das Zarte in einer Welt voller Licht. Beide wagen den Blick auf die jeweils andere Seite – und freunden sich an. Poetische Geschichte von einer Freundschaft, die Grenzen überwindet. Das Dunkle und das Helle von K. Hau & J. Völk, NordSüd. Ab 4. Um € 15,50.

Ausdrucksstark Ein Kind wird beim Schulausflug zum Mond vergessen. Aber dank bunter Stifte, Fantasie und Mut findet es in den Mondkreaturen neue Freunde. Textfreies Buch mit eindrucksvollen Bildern. Ausflug zum Mond von John Hare, Moritz. Ab 4. Um € 14,40.

Berührend schön Als Hund Rufus stirbt, ist Adam am Boden zerstört. Auf der anderen Seite des Meeres begeben sich indes Sonia und Katze Mietzi auf eine abenteuerliche Reise. Emotionale Geschichte über Verlust, Trauer und Neubeginn. Der lange Weg zu dir von M. Widmark & E. Dziuba, arsEdition. Ab 5. Um € 15,50.

Mitreißend Familie Grizzly hat Bärenhunger und braucht Unterstützung beim Lachse Fangen. Doch die Wasserplättchen sind beweglich; und wer nicht schnell genug ist oder zu nah am Wasserfall fischt, hat schon mal das Nachsehen oder rutscht gar herunter. Wer die meisten Lachse gesammelt hat, gewinnt. Flottes Familienspiel mit außergewöhnlichem 3-D-Spielpan. Grizzly von Amigo. Ab 6. Um € 29,99.

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7 – 9 Jahre

Humorvoll Als Filomena mit ihrer Familie auf einen Bauernhof zieht, kann sie dem Landleben gar nichts abgewinnen. Sie vermisst Stadt, Freunde & Schule. Doch dann macht Filo im Wald eine Entdeckung, die so einiges verändert ... Filomena Grau von S. M. Orlovský & M. Roher, Picus. Ab 8. Um € 14,–.

Im Bus durch London Die Spieler rasen durch das London der 70er, um die wichtigsten Buslinien zu erwischen. So erfüllen sie ihre Zielkarten und verbinden die Orte einzelner Stadtteile. Neue Version der beliebten Spielreihe. Zug um Zug London von Asmodee. Ab 8. Um ca. € 20,–.

Comic mit Charme Seit ihre Eltern ums Leben gekommen sind, hat die älteste von fünf Schwestern die Mutterrolle übernommen. Ein einfühlsamer Blick auf heranwachsende Mädchen und deren kleine und große Probleme. Die vier Schwestern von M. Ferdjoukh & L. Durbiano, Reprodukt. Ab 8. Um € 20,60.

Großstadtabenteuer Als sein Vater plötzlich wieder auftaucht, gerät Ich-Erzähler Mattis Leben durcheinander. Auch bei Freund Otto gibt’s Familienstress. Und dann ist da noch Mina, die Neue ... Temporeiche Geschichte über verliebte Buben, planlose Eltern und toughe Mädchen. Mein Freund Otto, das große Geheimnis und ich von S. Lambeck, Gerstenberg. Ab 9. Um € 13,40.

Magische Realverfilmung Gelegenheitsdieb Aladdin stiehlt eine Wunderlampe. Aus dieser steigt Dschinni (Will Smith), der ihm mit Magie und guter Laune hilft, das Herz von Prinzessin Jasmin zu erobern. LiveAction-Verfilmung des Disney-ZeichentrickKlassikers Aladdin. DVD inkl. exklusiven ca. 47-minütigem Bonusmaterial um ca. € 15,–.

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Taktik im Mittelalter Bis zu vier Spieler entscheiden mit ihren Spielkarten, welche Berufsgruppen zu ihren Dörfern am besten passen. Nur wer die richtigen Leute rekrutiert, lässt eine erfolgreiche Gemeinschaft entstehen. Schön illustriertes Strategiespiel. Villagers von Kosmos. Ab 10. Um ca. € 20,–.

Warmherzig Bett und Avery, die jeweiligen 12-jährigen Töchter eines schwulen Männerpaars, lernen sich via EMail-Verkehr nach und nach kennen. Ein unterhaltsamer Familienroman, der ans Herz geht. An Nachteule von Sternhai von H. Goldberg Sloan & M. Wolitzer, Hanser. Ab 10. Um € 17,50.

Macht Mut Die schüchterne Juli muss sich um den neu hergezogenen Nachbarsbub August kümmern. Gemeinsam fassen sie einen Plan: Cool werden! Witzige Story um Selbstvertrauen, Anderssein und Freundschaft. Cool in 10 Tagen von Katja Reider, Rowohlt. Ab 10. Um € 10,30.

Hörvergnügen Finn und Jola verbringen die Sommerferien in Polen. Dort müssen sie rausfinden, ob Jolas Onkel wirklich eine Leiche im Schuppen versteckt hat und wie man einen Stier mit einem Cabrio fängt. Großartig gelesen von Stefan Kaminski. Kannawoniwasein 2 von M. Muser, Silberfisch. Hörbuch ab 10. Um € 12,99.

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Henri wirkt schwer beeindruckt von den Vorgängen der Maschine: Die Minen kommen hier in die Brettchen, Leim kommt in die Nuten, und das zweite Holzbrettchen wird auf das untere gelegt und verpresst. Wow! Hoffentlich ist’s in der Schule auch so spannend!

Hier wird ganz viel Blau gemacht! Das Jolly-Werk in Graz stellt in Hochzeiten, also kurz vor Schulbeginn, bis zu 200.000 Farbstifte pro Tag her. Ein paar davon wanderten direkt ins Federpennal von Schulanfänger Henri, der sich genau anschauen durfte, wie die Stifte produziert werden. von heidrun henke Auch unsere Kleinsten werden irgendwann groß und kommen in die Schule. So schwer das für manche Eltern sein mag, so freudig fiebern die Kids diesem ersten Tag entgegen. Dazu gehören natürlich eine ordentliche Schultasche, eine Riesen-Schultüte und viele bunte Stifte. Bestens ausgerüstet schreitet der Erstklässler sodann mit stolzgeschwellter Brust über die Türschwelle der 1. Klasse und somit in den Ernst des Lebens. Vor allem bei den Farbkästen gilt: Je mehr, desto besser. „Wie viele Farben hast du im Kasten?“ oder auch: „Hast du ein 12er-, 24er-, 36er-, oder 48er Blech?“ Der legendäre Jolly-Farbkasten – Klassiker, Statussymbol und bunter Traum aller Tafelklässler. Für die Eltern zählt freilich die Qualität, denn die Stifte müssen was aushalten, vor

allem bei den Schreibanfängern, die noch nicht mal den Stift gerade halten können. Die österreichische Traditionsmarke Jolly ist seit über 50 Jahren auf die Herstellung von hochwertigen und stabilen Farbstiften spezialisiert. Sie sind bruchsicher, ungiftig, ohne schädliche Inhaltsstoffe sowie kinder- und altersgerecht. Seit 2001 ist die Marke auch mit dem Siegel für verantwortungsvolle Waldwirtschaft zertifiziert. Male dir die Welt, wie sie dir gefällt Mit meinem sechsjährigen Sohn Henri erkunde ich das Jolly-Werk in Graz. Ein zweites Werk des Unternehmens Brevillier-Urban & Sachs befindet sich im Burgenland und ist ausschließlich auf Künstlerbedarf ausgerichtet. Als Schulanfänger und angehender Stiftehalter interessieren meinen Sohn natürlich viel mehr die bunten Jolly-Stifte in Graz Gösting. An die 40 Millionen Stifte und Wassermaltöpfchen rollen hier pro Jahr übers Fließband. Das ist eine Menge, doch nur 36 Mitarbeiter arbeiten in diesem österreichischen Betrieb. Früher waren es weit über hundert Angestellte; die Maschinen haben mit

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Freie Zeit der Zeit viel an Arbeit übernommen. Doch ganz ohne Menschen geht es natürlich auch nicht – die Stifte werden strengen Kontrollen unterzogen, ständig weiterentwickelt, und alle Stationen müssen einwandfrei durchlaufen werden. Nur so kann die Qualität gewährleistet werden.

1959 war ein geburtenstarker Jahrgang in Österreich, genau sechs Jahre später kam dann die große Einschulung, und alle brauchten Stifte. Seit 1965 ist die österreichische Traditionsmarke in den Köpfen von Schülern, Lehrern und Eltern so richtig präsent – und bis heute hat Jolly nichts an seiner Beliebtheit eingebüßt. Auch der lustige Hofnarr Jolly – Logo und Maskottchen der Marke – ist bis heute geblieben. Seriös hingegen ist die Qualität. So führt sogar das anspruchsvolle Einrichtungshaus Manufaktum („Es gibt sie noch, die guten Dinge“) die Jolly-Stifte in seinem Sortiment.

Feiern wie die Kaiser

Feiern

Die perfekte Rezeptur Henri ist begeistert. Hier geht es zu wie in Omas Backstube. Es wird gerührt, gemischt, geknetet. Die Rezepte für jede Farbe hängen (natürlich mit ordentlichen Farbpatzern versehen) in der Fabrikshalle

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Geburtstagsangebote für Kinder In Schönbrunn im Schloss, im Kindermuseum und im Irrgarten. In der Hofburg und im Hofmobiliendepot • Möbel Museum Wien.

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Freie Zeit als Gedächtnisstütze. Ein bisschen Bindemittel, Wachs, Füllstoffe, Pigmente – und fertig ist der Kuchenteig bzw. die Minenmasse. Jahrelanges Herumtüfteln und Empirie führten zur perfekten Rezeptur. Denn eine Farbe muss Kontinuität haben und immer in dem exakt gleichen Farbton reproduzierbar sein. Das ist die große Kunst. Nun geht’s ab ins Backrohr! Nach dem bis zu vierwöchigen Trocknungsprozess werden die Minen auf die gleiche Länge geschnitten und wandern weiter zur nächsten Station, wo sie eine Holzummantelung aus Kiefer oder Linde bekommen. (Früher wurde gern duftendes Zedernholz verwendet, was heute leider zu kostspielig wäre.) Das Finish: Bis zu fünfoder achtmal wird ein Jolly-Stift lackiert, bevor er geprägt und gespitzt wird.

Das ist MEIN Stift Man kann sich seine „Bleche“ auch individuell zusammenstellen, je nach Lieblingsfarben, und auch die einzelnen Stifte personalisieren lassen. Perfekt für Schulanfänger, um Verwechslungen vorzubeugen, denn in der Klasse werden dann Hunderte Jolly-Stifte im Umlauf sein. Die Führung durch die Stiftefabrik weckt bei Henri nicht nur Neugierde auf die Schule, sondern macht auch mir Freude und erinnert mich an meine eigene Schulzeit, als ich versunken am Teppich saß und die einzelnen Stifte nach den Farben des Regenbogens geordnet habe. Bis man die Farbnuancen in einer zufriedenstellenden Reihenfolge sortiert hat, sind oft Stunden vergangen. Zum Abschluss bekommt Henri einen Malerkittel umgehängt und die Chance, mit Farbpulver und Wasser zu experimentieren, um sein künstlerisches Talent unter Beweis zu stellen. Sein gemaltes Meisterwerk überlässt er großzügig der Jolly-Fabrik. Dafür geht er überglücklich mit einem 48er-Blech (!) Jollystifte nach Hause. Auf jedem einzelnen Stift steht sein Name. Hurra, die Schule kann kommen! Schade nur, dass nicht alle Stifte ins Federpennal passen ...

Das Wort Jolly weckt bei uns Eltern schöne Kindheitserinnerungen. Sei es das legendäre Eis oder die bunten Stifte, beide begleiten unseren Alltag bis heute und auch den unserer Kinder. Ein gutes Gefühl, wenn Dinge beständig sind, nicht nur bruchsicher.

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Rot, Rot, Rot ist meine Lieblingsfarbe Die Qual der Wahl. An die 90 Schattierungen werden hier im Werk hergestellt. Jolly Nummer 14 (Dunkelblau) ist eine der meistproduzierten Farben, Nummer 6 (Kirschrot) ist die beliebteste. Für Henri stehen Gold und Silber an erster Stelle. Die Farbpalette ist enorm: Sepia, Purpur, Fleischfarbe, Zyklamen, Kobaltblau, Meerblau, Lichtblau, Helltürkis, Zinnoberrot, Kaminrot, Smaragdgrün, Tannengrün – um nur einige zu nen-

nen. Natürlich sind die Farben auch bestimmten Trends unterworfen, manchmal sind pastellige Töne en vogue, dann wieder sind Metallicoder Neonfarben der volle Renner. Auch die Produktpalette kann sich sehen lassen: Es gibt Stifte speziell für die Kleinsten, bei denen das Greifen und Halten im Vordergrund steht. Die extradicken Stifte erleichtern das Erlernen der Schreibhaltung und fördern so die motorischen Fähigkeiten der Kinder. Speziell für die Schulanfänger gibt es ergonomisch geformte Deltastifte in Dreikantform, Silbenstifte, Schreiblernstifte, Schulstifte in unterschiedlichsten Härtegraden mit Radierkopf oder für die Kreativen wasservermalbare Stifte, vier Farben in einer Spitze vereint und noch viel mehr ...

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Tipi-Premiere und

präsentieren

DORA UND DIE GOLDENE STADT

Kino

Ihr wollt dabei sein, mit eurer ganzen Familie? Dann sendet uns ein E-Mail mit der benötigten Ticketanzahl an kino@tipimagazin.at und erlebt DORA UND DIE GOLDENE STADT im Kino. Die Ticketvergabe erfolgt nach Verfügbarkeit. Wer exklusiv dabei ist, bekommt bis spätestens Montag, 23.09.2019 eine Bestätigung per E-Mail.

Wann: Sonntag, 29. Septem ber 2019 Kar tenabholung: 12 Uhr Filmbeg inn: 13 Uhr Wo: Apollo – Das Kino, Gumpendor fer Straße 63, 1060 Wie

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Familie an Bord • Mirror on the wall • Wandern durch die Heimat • Sankt Petersburg • Abenteuerland

Spaß auf der Rückbank Damit „Wann sind wir endlich daaaa?“-Fragen gar nicht erst aufkommen, sorgt das Reisespiel Korallenriff von SmartGames. Auf den vier Spielfeldern sind verschiedene Korallenbewohner angeordnet. Die magnetischen Korallenteile sollen nun so auf den Feldern platziert werden, dass nur diejenigen Tiere, die in der Aufgabe abgebildet sind, auf dem Spielbrett sichtbar bleiben. Die Aufgaben reichen von einfach bis sehr knifflig und können von Kindern ab vier Jahren gelöst werden. Um € 9,99. www.smartgames.eu

Der muss mit!

Die Lieblings-Urlaubsländer der Österreicher/-innen . . . . . . 24,7 % Österreich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15,5 % . . . . . . . . . . Italien . . . . . . . . . . . . 15,3 % Kroatien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9,2 % Griechenland . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5,2 % . . . . . Spanien . . . . . . . . . . . . . . . . . 4,5 % . . . . . . . . . . Türkei . . . . . . . . . . . . . . .3 % Ägypten . . . . . . . . . . . . . . el Report Quelle: Marketagent.com/Hot

Die Kinderwagenflotte von Bugaboo begrüßt ein neues Familienmitglied: Der Bugaboo Ant ist ein kompakter Reisekinderwagen und steckt voller smarter Funktionen, die das Verreisen mit Kindern entspannter machen – vom höhenverstellbaren Schiebebügel über die Allradfederung bis hin zum wendbaren Sitz. Nicht zuletzt ist der Ant dank seiner Maße (zusammengeklappt 55x38x23 cm) extrem transportfreundlich – ob im Kofferraum oder im Handgepäcksfach im Flugzeug. Um € 499,–. www.bugaboo.com

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Treuer Begleiter Garantiert eines der Bücher, in dem man Jahre später immer noch gerne schmökert. Mein Reiseabenteuer-Tagebuch steckt voller Anregungen und Informationen zum Thema Reise und bietet jede Menge Platz für eigene Einträge und Zeichnungen. Erschienen bei Usborne um € 9,95. 98 | h er bst 2019

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Mama & Baby

Gute Reise Wer schon mal nur mit Handgepäck gereist ist, weiß: Oft schaffen es die Lieblings-Pflegeprodukte nicht durch die Sicherheitskontrolle. Mit dem ALMA Travel Kit kann das nicht passieren: Bio-zertifiziertes Babyöl, Body- & Pillowspray sowie Baby Shampoo & Bodywash kommen in 30 ml-Flaschen locker mit, der Lippenpflegestift komplettiert das Reiseset im Stoffbeutel. Um € 58,–. www.almababycare.com

Nix wie weg!

Achtung, akute Fernwehgefahr! Die freche Maus mit dem Wanderrucksack nimmt Kinder ab 3 auf eine abenteuerliche musikalische Reise mit – über blaue Berge, auf lustige Seefahrt, zum wandernden Müller, zu Seeräuber Opa Fabian oder in Paule Puhmanns Paddelboot. Die Hörfigur für die beliebte Toniebox enthält 30 Reiselieder mit einer Laufzeit von ca. 70 Minuten und ist damit der perfekte Begleiter für den Urlaub. Um € 14,99. www.tonies.de

Alles anschnallen! Die Gabel beim Essen selbst halten, die Zähne allein putzen und ohne Hilfe von Mama und Papa die Schuhe binden – der Weg zur Selbstständigkeit ist voller Herausforderungen. Da kommt das einzigartige Feature des neuen Maxi-Cosi Kore Pro i-Size gerade recht: Das smarte ClickAssist-Licht erkennt, wenn ein Kind im Kindersitz sitzt und erhellt die Schnalle. Und dank des offenen Designs können kleine Mitfahrer ganz leicht in den Sitz und wieder hinaus klettern. Geeignet für Kinder mit einer Größe von 100 bis 150 cm (ca. 3 bis 12 Jahre), um € 249,90. www.maxi-cosi.de

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Wir sind weg

Familie an Bord Fahrbares für die kleine Truppe: Platz brauchen wir, Spaß wollen wir haben, und leisten müssen wir’s uns können. Schauen wir, was wir in der Hinsicht von den Dreien hier bekommen – bitte einsteigen zur Probefahrt! von stefan bonnet

Skoda Scala, nie gehört? Ist auch ganz neu. Und interessant für Familien: Er ist zehn Zentimeter länger als der Golf und hat drei Zentimeter mehr Radstand, was nach nicht viel klingt, für die Besatzung im Fond aber den Unterschied ausmachen kann. Und auch tut: Die Beinfreiheit im Scala ist tatsächlich auf Limousinen-Niveau. Dass er deutlich kürzer ist als der bestens bekannte Octavia, ohne aber dramatisch weniger Platz innen zu bieten, steht ebenso auf der Habenseite des Scala. Das sind die Trümpfe des Baukastenprinzips im VW-Konzern, dessen allerneueste Ausführung Skoda erstmals mit dem Scala ausführen darf. Es schafft eine gute Raumausnutzung und eine spontane Vertrautheit bei Ergonomie und Fahrdynamik, mit anderen Worten:

Große Überraschungen am Lenkrad sind nicht zu erwarten, wenn einem das VW-Universum kein komplettes Fremdland ist. Das Auto lenkt sauber um die Kurve, wurscht, ob gemächlich oder flott, schiebt im Zweifelsfall sicher über die Vorderachse, und die Handgriffe des täglichen Bedarfs gehen im Cockpit blind vonstatten (mit einer Ausnahme: Alles Fummeln an den zwei USB-Ports bleibt erfolglos, weil dort nur der kleine Typ C Eingang findet – sind da nur wir hintennach?). Nett sind die typischen Marken-Gadgets wie Regenschirm in der Tür oder Eiskratzer im Tankdeckel. Wer vor allem die Kosten im Auge hat, wird sich am Einstiegs-Benziner ab 18.980 Euro orientieren – ein kleines Motoröchen mit nur einem Liter Hubraum, was sich dank Turbo aber als ausrei-

SKODA SCALA STYLE TSI DSG Maße: L/B/H: 4362/1793/1471 mm, Radstand: 2649 mm, Leergewicht: bis 1432 kg, Kofferraumvolumen: 467–1410 l Motor: R4-Zylinder-Otto-Turbo, 1498 cm³, Leistung: max. 110 kW (150 PS) bei 5000–6000/min, Drehmoment: max. 250 Nm bei 1500–3500/min 0–100 km/h in 8,2 sec, Vmax: 220 km/h Testverbrauch: 6,5 l/100 km Tankinhalt: 50 Liter Frontantrieb: Automatikgetriebe (Siebengang-DSG) Preis: ab 26.180 Euro

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Wir sind weg chend für den Scala erweist. Wer statt selber schalten allerdings lieber eine Automatik walten lässt, trifft im Scala auf eine geschrumpfte Auswahl an Motorisierungen: Es bleiben nur ein Diesel mit 115 PS oder gleich 150 PS, mit denen der 1,5 TSI aufwartet. Der Importeur rechnet sicherheitshalber mit 90 Prozent Handschaltern, also mit den durchwegs günstigeren Tarifen, deshalb werden später auch noch 90 PS nachgeschoben. Als Alternative mag man Erdgas, also die CNG-Variante andenken, die in Form des 90 PS starken G-TEC zu haben ist: unschlagbar günstiger Erdgasantrieb mit 410 km reiner CNG-Reichweite. Familienurlaube wollen trotz einiger CNG-Tankstellen im Land jedoch gut geplant sein.

VW T-CROSS 1.0 TSI STYLE Maße: L/B/H 4108/1760/1584 mm, Radstand: 2551 mm, Leergewicht: 1270 kg, Kofferraumvolumen: 385 l Motor: R3-Zylinder-Otto-Turbo, 999 cm³, Leistung: max. 85 kW (115 PS) bei 5000/min, Drehmoment: max. 200 Nm bei 2000/min 0–100 km/h in 10,2 sec, Vmax: 193 km/h, Testverbrauch: 7,0 l/100 km Frontantrieb: Siebengang-DSG Preis: ab 19.290 Euro

der Motorisierung statt zum DreizylinderBenziner (115 PS) zum Diesel (95 PS) greift: plus 120 kg Unterschied! Die höher aufbauende Karosserie des T-Cross zieht zweifellos etwas mehr Verbrauch nach sich, dies aber praktisch nur auf der Langstrecke, kaum das logische Revier des Autos. Der Dreizylinder mit einem Liter Hubraum, Turbo, Direkteinspritzung und Partikelfilter – exakt der gleiche Motor wie soeben im Scala besprochen – ist die beste Wahl, vor allem, weil man ihm den Dreizylinder kaum anmerkt. Er ist leise, kultiviert, dennoch spritzig bis druckvoll und auf Wunsch unverkrampft ausdrehend, bis das superb abgestimmte Doppelkupplungsgetriebe in gewohnter Geschmeidigkeit den Gang nachlegt. Am guten Eindruck des Motors hat das automatische Getriebe hohen Anteil, man sollte diese Ausgabe nicht scheuen. Wie ein Polo auf Stelzen fühlt sich der T-Cross nicht an – eher so, wie er schon rein äußerlich wirkt: nach mehr und einer anderen Art von Auto. Das liegt unter anderem an der höheren Sitzposition und dem Quäntchen mehr Kopfraum. An den Materialien des Innenraums weniger, die sind sehr schlicht gehalten, was VW mit

© Heidrun Henke (2)

Täuscht es, oder wird es wieder bunter auf den Straßen? Autos wie der T-Cross versprechen jedenfalls eine Trendwende, denn lebensbejahende Farben entsprechen ihrem Charakter. Das „Makena-Türkis“ unseres Testexemplars – auf einem Golf oder Tiguan würde es wohl verstörend wirken. Es ist freilich Geschmacksfrage, aber diesen gewissen Pfiff im Auftritt, das hat

VW mit dem T-Cross gut hinbekommen. Er basiert zwar technisch auf dem Polo, ist aber länger und breiter bei nahezu gleichem Radstand – und ragt vor allem deutlich höher auf. Der T-Cross verspricht damit Spaß und Abwechslung, hohes Sitzen sowieso, ohne dass seinem Format viel Tribut zu zollen wäre: Was VW als SUV führt, ist bestenfalls ein SUVchen. Das Mehrgewicht von knapp 60 kg zum Polo – das macht deutlich weniger Unterschied, als wenn man bei

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Wir sind weg allerlei zum Teil konfigurierbaren Blenden und vor allem dem großen, zentralen Display und dessen ansehnlicher Grafik als Blickfang gut zu tarnen vermag. Noch mehr „eye candy“? Für knapp 400 Euro Aufpreis empfiehlt sich das „Active Info Display“, die digitale Instrumententafel für die Generation Smartphone. Ein Blender ist der T-Cross trotzdem nicht. Lenkverhalten sowie Federungs- und Dämpfungskomfort sind ein Glücksfall. Schwer hat das Fahrwerk, wie eingangs erwähnt, auch nicht zu tragen. In allen Lagen, ob Stadt oder Autobahn oder dazwischen, auch einmal auf dem Feldweg, fühlt es sich richtig an. Wer keine ausufernden Platzbedürfnisse hat, kleine Familien inkludiert, für den ist der ab 19.290 Euro teure T-Cross im Rennen. Golf und Polo – die schauen im Schatten des SUVchens jedenfalls recht alt aus.

Maße: L/B/H: 4195/1800/1605 mm, Radstand: 2600 mm, Leergewicht: 1833 kg, Kofferraumvolumen: 315 l Antrieb: elektrisch. Leistung: max. 150 kW (204 PS), Drehmoment: max. 395 Nm Lithium-Ionen-Akku, Kapazität: 64 kWh Frontantrieb: Einganggetriebe plus Retourgang 0–100 km/h in 7,9 sec, Vmax: 167 km/h Testverbrauch: 15,7 kWh/100 km Preis: ab 34.990 Euro

fungspreis je nach beruflicher Möglichkeit etwas relativieren kann. Der e-Soul kostet ab 34.990 Euro und ist Kia-typisch schon in Grundversion gut ausgestattet, bietet Cross-over-Luftigkeit und einen ordentlichen Kofferraum, was ihn als elektrisches Familienauto qualifiziert – davon gibt es nicht viele auf dem Markt. Von einem solchen wollen wir

© Heidrun Henke

Warum nicht einmal elektrisch? E-Autos sind vor allem als Firmenfahrzeuge attraktiv, weil man sich eine Menge Abgaben spart (etwa Dienstwagensteuer), was den hohen Anschaf-

KIA E-SOUL LONG RANGE

auch Reichweiten sehen, die Omabesuche und Urlaubsfahrten ohne großen Ladeaufwand ermöglichen: Während die allgemeine Ladesituation wohl noch länger spannend und unberechenbar bleibt, verblüfft der Kia mit 452 km nomineller Reichweite. Mag man sie im Alltag auch verfehlen, vor allem, wenn eine Autobahn dabei ist, so weiß man trotzdem um eine lange Leine, die mit etwas Vorausschau für reiseähnliche Ausfahrten reicht. Hat man etwas zum Laden gefunden, geht es ja schnell wieder weiter – mit dem Idealfall eines 100-kW-Anschlusses in 56 Minuten von null auf 80 Prozent. In der Realität fährt man ein E-Auto aber eh nie leer, man nutzt alle sich bietenden Gelegenheiten, um den Ladestand im grünen Bereich zu halten. Feines Feature ist die Anzeige der tatsächlichen Ladeleistung im Cockpitdisplay. Wer die vielen Hindernisse, die es bei der E-Mobilität gibt, auf sich nimmt, wird mit einem ungemein spritzigen und doch leisen und geschmeidigen Antrieb belohnt – das kommt auch auf den hinteren Rängen gut an.

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Wir sind weg

Traumhafte Pistenabenteuer I N D E N FA LK E N S TE I N E R S K I - H OTE L S A M K AT S C H B E R G U N D N A S S F E L D

Unzählige Pistenkilometer direkt vor der Tür, bequemer Skiverleih im Hotel und exzellenter Service garantieren perfektes Skivergnügen für die ganze Familie. Klare Sicht. Freie Fahrt. Die Skier im Schnee. Die Sonne im Gesicht. Und dann spürt man es: Das Gefühl von Freiheit, die Freude an Bewegung und der traumhaften Natur. Doch da geht noch mehr. Ergänzt durch perfekten Rundum-Service, familienfreundliche Infrastruktur und exzellente Kulinarik wird aus dem Winterurlaub ein unvergessliches Erlebnis für die ganze Familie – das ist Skivergnügen bei Falkensteiner! Die mehrmals prämierten Top-Skigebiete Katschberg und Nassfeld in Kärnten bestechen nicht nur mit bestens präparierten Abfahrten aller Schwierigkeitsstufen, sondern bieten außerdem Kinder-Skiwelten, urige Hütten zum Verweilen, Pferdeschlittenfahrten für romantische Erkundungstouren und für Feierlaunige zahlreiche Après-Ski-Möglichkeiten. Die Falkensteiner Ski-Hotels Club Funimation Katschberg und Cristallo sowie das

Hotel & Spa Carinzia und das Hotel Sonnenalpe am Nassfeld überzeugen durch die direkte Lage an den Pisten, bequemen Verleih der Skiausrüstung direkt im Hotel und Skikurse für jedes Alter. Und auch abseits der Pisten gibt es in den vier Falkensteiner SkiHotels zahlreiche Highlights für wintersportbegeisterte Familien. Kulinarisch verwöhnt werden die Gäste mit regionalen Schmankerln und besonders bei Kindern beliebten Gerichten; die familienfreundlichen Zimmer mit Kinderwaschbecken und weiteren Annehmlichkeiten sorgen für genügend Platz und Komfort. Im Acquapura bzw. Falky SPA können große wie kleine Gäste entspannen oder sich in der Wasserwelt so richtig austoben. Speziell auf Kinder abgestimmte Anwendungen lassen auch die Kids Wellness-Luft schnuppern. Herzstück der Falkensteiner Family Hotels ist das Falky-Land. Hier warten Spiel, Spaß und Action und natürlich Falky, das plüschige, überlebensgroße Falkensteiner Maskottchen auf die Kinder. Ein professionelles Team kümmert sich liebevoll um die Kids und bietet ein abwechslungsreiches Unterhaltungs- und Freizeitproramm in entsprechenden Altersgruppen. In den Falkensteiner Ski-Hotels wird der Familien-Winterurlaub zum unvergesslichen Erlebnis für Groß und Klein!

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Wir sind weg

Mirror on the wall Mirror. Ist ein Song von Lil Wayne featuring (also einer singt mit einem anderen mit) Bruno Mars. Der Song ist eigentlich nicht jugendfrei; worum es in Wahrheit geht, weiß Lil allein – auf jeden Fall um das Spiegelbild. Versus Realität. Und da waren sie wieder. Unsere Urlaubsfotos. von peter draxl Herbst. Der Sommer ist vorbei, der Urlaub ist vorbei, die harte, gnadenlose Realität hat uns wieder, der Alltag, Hometown, Arbeit, und am Fotografiegerät türmen sich Fantastilliarden an Urlaubspics. Gegend, Landschaft, Meer, Berg, Architektur, Sehenswürdigkeiten und – oh Schreck – man selbst. Vom Partner, von Freunden, in den unmöglichsten Situationen abgelichtet. Die Fotos wollen sortiert werden, ausgemistet und archiviert, doch relativ rasch taucht beim Betrachten der Portraits die Frage auf, viele Fragen: Das bin ich? Das soll ich sein? Warum zur Hölle schau ich so verdammt sch… aus? Ich bin alt, fett, hässlich, mein Gesicht ist doch voll asymmetrisch. Wirklich wahr? Hab ich mir in wenigen Wochen so eine Wampe angefressen? Nein. Und meine Beine und die Arme und überhaupt. So sehen mich also alle anderen? Hallo? Ich bin ein Zombie – ich kann doch nie mehr unter Leute gehen! Was ist das für ein Dreckshandy oder Dreckskamera, die solche Fotos von mir macht, bitte sehr? Was heißt da Leica-Linsen, was heißt da „Du siehst eh supergut aus ...“? Im Spiegelbild, DA sehe ich gut aus. Zum Niederknien. Aber hier auf diesen Fotos. Nein. Das geht nicht. Zum Worseg, bitte. Oder nein, ich grab mich einfach ein. Heul, flenn, jammer, lamentier, zusammenbrech. Was ist denn nun tatsächlich des Rätsels Lösung? Wieso sehen wir auf Urlaubsfotos aus wie fossile Quallenfüßler und im Spiegelbild wie eine griechische Gottheit? 1968 hat Robert Zanjonc den simplen Effekt formuliert, dass wir Dinge, die wir öfter sehen, einfach positiv bewerten. Positiver und positiver, je öfter wir sie sehen. Diesen „Mere-Exposure“Effekt nutzen auch Werbepsychologen heftigst, indem sie uns immer dieselben Layouts um die Ohren knallen, Markenführung heißt das dann. In Wahrheit wird

man mit einer Wortbildmarke über einen lang genugen (ich weiß, das ist jetzt nicht deutsch) Zeitraum so oft zugepflastert, bis man sie positiv bewertet. Coca-Cola ist ein wunderschönes Beispiel. Radiomacher benutzen diese Methode natürlich auch, wir kennen das. Je öfter man einen Song hört, desto mehr gewöhnt man sich dran, und irgendwann findet man selbst den größten Schrott richtig gut. Die permanente Wiederholung erschafft uns ein positives Bild. Was vertraut ist, ist auch schön. Und gut. Wie unser Spiegelbild. Im Schnitt sieht sich ein halbwegs normaler und nicht zu sehr selbstverliebter Mensch 20mal am Tag in den Spiegel – und nutzt dafür jede sich bietende Gelegenheit. Vom Fahrstuhl bis zum Schaufenster. Rechnen wir mal nach: Ich sehe mich im Monat 600-mal im Spiegel, und jetzt sitze ich vor meinen Urlaubsfotos, die ich mir dreimal ansehe. Logisch, wer hier gewinnt. Das vertraute, gelernte, abgespeicherte Spiegelbild ist ... einfach nur schön. Zumindest wollen wir das hoffen, denn hier greift der nächste psychologische Effekt – die wunderbare Welt der „Wahrnehmungsfilter“. Das jetzt auszuführen dauert Wochen, machen wir es kurz: Unser Hirn empfängt pro Sekunde circa 11 Millionen Bits an Informationen. Davon können wir neurologisch etwa 200 Bits gleichzeitig verarbeiten, alle anderen sind entweder außerhalb der menschlichen Wahrnehmungsfähigkeit oder bleiben in unseren sozialen, kulturellen, oder individuellen Filtersystemen und Bewertungen hängen. Beispiel: Sieht sich ein ostafrikanischer Masai mit Ohrläppchen, die ihm bis zu den Schultern hängen, in den Spiegel, findet er sich megageil. Steht er hingehen einem Inuit gegenüber, findet der ihn potthässlich. Kultureller Wahrnehmungsfilter. Bei den individuellen Wahrnehmungsfiltern wird’s umfangreicher: Was denke ich über mich eigentlich? Wie nehme ich mich und die Welt wahr? Denke ich, dass ich alt bin? Oder fett? Dann werde ich einen Alten oder Fetten sehen. Grob vereinfacht. Mag ich mich eigentlich so, wie ich bin? Dann werde ich auch mein Spiegelbild mögen. Dieser Wahrnehmungsfilter gilt natürlich auch für alle, die mich ansehen; die sehen mich durch all ihre sozialen, kulturellen (und das unendliche Meer an individuellen) Filter. Dieser Cocktail ist bei jedem Menschen ANDERS. Bei jedem? Yep. Jeder sieht dich anders. Diese Filter sind by the way lebensnotwendig, Menschen mit autistischer Störung oder dem Asperger Syndrom haben etliche Filterschichten nicht, auf die prasseln Millionen an Bits in jedem Augenblick herein, die sie nicht verarbeiten können. Deswegen neigen sie auch zu zwanghaft immer denselben Handlungen, um auch nur annähernd das positive Gefühl von Vertrautheit herstellen zu können. Es fehlen Filter und Referenzmodelle. Klar, soweit? Wenn ich etwa beschlossen habe, ich sehe einfach gut aus, und blicke nach

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© Pexels (1)

Wir sind weg

durchzechter Nacht in den Spiegel, sehe ich immer noch gut aus. Mein Referenzmodell, meine Selbstwahrnehmung und mein aufgebautes Selbstbild, meine Filter funktionieren wunderbar. Ein anderer würde wahrscheinlich sagen: „Oh Gott, der Mann ist seit zwei Wochen schon tot. Zumindest wirkt er optisch so.“ Wir nähern uns langsam der Wahrheit. Kommen wir zu den zwei nächsten Effekten eines Spiegelbildes. Es ist nicht starr, eingefroren, zweidimensional. Wir erleben uns jedes Mal in sanfter Bewegung und nehmen uns selbst dreidimensional wahr. Die sanfte Bewegung führt dazu, dass sie uns von kleinen Fehlern ablenkt, wie einem fetten Pickel auf der Nase. Der Spiegel zeigt weiters – also jetzt rein physikalisch – ein virtuelles Bild von uns. Wir erleben uns im selben Abstand, also in Wahrheit hinter dem Spiegel, auf Basis des Reflexionsgesetzes. Licht wird im selben Winkel zurückgeworfen, in dem es einfällt. ABER, wieder das Reflexionsgesetz – vertikal um 180 Grad gespiegelt, bei einem Foto ist das nicht der Fall. Den Effekt kann man mit seiner Handykamera bei einem Selfie testen, viele Smartphones haben eine „Mirror ein/aus“-Funktion. Mirror ein – wow, Mirror aus – uiuiui. Hier scheißt uns auch noch rein, dass kein Gesicht symmetrisch ist, das fällt uns am gewohnten Spiegelbild natürlich nicht

mehr auf, bei einem nicht gespiegelten Bild allerdings schon. Das eine Auge ist größer als das andere, die Nase ist schief, die Ohren sind nicht auf gleicher Höhe, mein Mund hängt in Wahrheit wie ein schlappes Paar Frankfurter schräg im Gesicht herum, da passt einfach gar nichts mehr und man erschrickt. WTF! Der Glöckner von Notre-Dame! (Ex-Glöckner …) Wie schrecklich! Man darf aber nicht vergessen, es gibt einfach keine symmetrischen Gesichter auf diesem Planeten, gestrichen, unmöglich, nicht vorhanden, eine Illusion. Was ist nun das Fazit? Was ist wahr und was ist nicht wahr? Wer hat recht – Urlaubsfoto oder Spiegel? Es gibt keine Antwort! Beide und keiner. Es geht hier lediglich um einen schlichten Gewöhnungseffekt. Zehn Tage vor seinem Tod hat Stephen Hawking seine letzte Arbeit über die Existenz eines Multiversums veröffentlicht, bzw. über die Existenz von unbekannt vielen Paralleluniversen, mathematisch berechenbar, Naturwissenschaft und Quantenphysik Hand in Hand als Freunde vereint. Was wir als unser Universum erleben, ist nur ein einzelner Strang aus bisher unzählbar vorhandenen, gleichzeitig existierenden Realitätssträngen. Leider verstarb der gute Mann und hinterließ dem Rest seiner Wissenschaftskollegen diesen Riesenknochen zum Kauen. Wobei er ja rein mathematisch doch noch lebt. In einer anderen Realität eben. Ist es angesichts des Großen, Ganzen, Undurchschaubaren nicht piepegal, was nun Foto oder Spiegel anbelangt? Solange wir uns selber gut finden, ist doch der Rest völlig wurscht, und wie uns andere sehen, was sie über uns denken (was sie ohnehin kaum machen, wir glauben nur, dass sie es machen), doch in Wahrheit auch. Urlaubsfotos kann man löschen, ganz einfach, klick und weg. Lösung: täglich 20 Selfies machen zum Ansehen und Üben. Damit der „Mere-Exposure“-Effekt umgekehrt zu greifen beginnt. Donald Trump macht das sicher so. Da gehe ich jede Wette ein. h er bst 2019 |

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Wir sind weg

Reise mit

Wandern durch die Heimat Österreich hat so viele zauberhafte Landschaften zu bieten, die entdeckt werden wollen – am besten im Rahmen einer entspannten Wanderung. Auf manchen Themenwegen gibt es unterwegs sogar einiges zu erfahren und zu lernen. So macht das Wandern auch den Kleinen Spaß. von alexander kords

SalzburgerLand

© Kovacs (1), Naturpark Raab (1)

Jost Mühle

Burgenland Der Naturpark Raab hat einige Wanderwege zu bieten, die unterschiedlichen Themen gewidmet sind und sich daher bestens für eine Wanderung mit Kindern eignen. Da wäre zum Beispiel der vier Kilometer lange Friedensweg in Mogersdorf, der anhand des Türkenkrieges von 1663/64 daran erinnert, wie wichtig Toleranz und ein friedliches Miteinander sind. Auch der gut 2,5 Kilometer lange Römerweg in St. Martin an der Raab lässt die Wanderer auf historischem Grund spazieren. Auf dem ebenfalls 2,5 Kilometer langen Lebensweg in Mühlgraben steht das Wasser im Mittelpunkt. Dank des Mühlgrabenbachs wird ersichtlich, was für eine enorme Bedeutung Wasser für die Natur hat. Der Kornweg in Minihof-Liebau schließlich beschäftigt sich damit, wie der Ackerbau in der Jungsteinzeit seinen Anfang nahm und sich bis heute entwickelt hat. Es können landwirtschaftliche Geräte ausprobiert und Mühlen besichtigt werden, als weiteres Highlight ist ein Picknick in einem Bett am Wegesrand möglich. Sämtliche Wege können auch im Rahmen einer geführten Wanderung entdeckt werden. www.naturpark-raab.at

Flori’s Erlebnispfad

eben ist, kann er sogar mit Kinderwagen bewältigt werden. Nach aufregenden zwei Stunden kommen die Wanderer wieder am Waldgasthof an. Wer dort seinen Rätselplan mit dem richtigen Lösungswort abgibt, bekommt dafür eine Belohnung. www.flachau.com/de/sport/wandernbiken/wandertouren.html

Twenger Almsee

© SalzburgerLand Tourismus / Michael Groessinger (1), bergermarkus.com (1)

Römische Hügelgräber

Überall im SalzburgerLand gibt es Routen für Familien, bei denen es nicht um Gipfelsiege oder zurückgelegte Höhenmeter geht – hier ist der Weg das Ziel! Der Berg wird zum Abenteuerspielplatz, Gebirgsbäche werden neugierig erkundet und unbekannte Tiere mit großen Augen beobachtet. Jede Menge zu entdecken gibt es auf Flori’s Erlebnispfad in Flachau. Ausgerüstet mit dem Rätselplan, den es bei der Tourismusinfo Flachau und am Startpunkt, dem Waldgasthof an der Bergstation Starjet 1, gibt, begeben sich die großen und kleinen Wanderer auf eine rund zwei Kilometer lange Strecke. Unterwegs lösen sie verschiedene Aufgaben, die auf Rätseltafeln stehen, und werden durch zahlreiche Attraktionen unterhalten. Dazu gehören etwa ein Fabelwald, eine Kletterwand und ein Naturkino. Während sich die Kleinen dort austoben, genießen ihre Eltern den Blick in die umliegende Natur. Weil der Weg recht

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Wir sind weg

Kärnten

Mithilfe der Tafeln und der dazugehörigen interaktiven Stationen lernen die Wanderer einiges über die Wunder der Natur – etwa über die Leistungen, die ein Baum in seinem langen Leben vollbringt. Zwischendurch sind die wissensdurstigen Besucher mit dem Drachen-Express unterwegs. Die großen Füße des Drachen sind übrigens

Sinnbild eines ernsten Themas, auf den die Abschnitte des Wegs aufmerksam machen wollen: die riesigen Fußabdrücke, die wir alle in der Natur hinterlassen und mit denen wir sie immer weiter zerstören. Gut zwei Stunden dauert die rund zwei Kilometer lange Runde auf dem Energie-Erlebnisweg. www.energie-erlebnisweg.at

© Energie-Erlebnisweg (2)

Ein kleiner Drache mit viel zu großen Füßen ist der Held des Energie-Erlebniswegs in Trebesing. Ihm begegnen die Besucher erstmals in Form des Drachensitzes, der sich am Startpunkt der Tour befindet. Auch auf den Informationstafeln entlang des Weges ist der grüne Geselle stets präsent.

© Niederösterreich-Werbung / Andreas Jakwerth (2)

Niederösterreich Das Klettern ist eine beliebte Freizeitbeschäftigung im Wienerwald. Darüber können sich Wanderer auf dem Erlebnisweg Peilstein sehr anschaulich informieren, ohne dabei selbst zu Seilen und Karabinern zu greifen. Die rund sechs Kilometer lange Route ist speziell für Familien mit Kindern ausgelegt. Start- und Zielpunkt der Wanderung ist der Mostheurige Karner in Nöstach, von dem aus insgesamt 16 Stationen abgelaufen werden. Das sind beispielsweise Infotafeln, auf denen es nicht nur um die vielen Formen menschlichen Kletterns geht, sondern auch um Tiere und Pflanzen, die große Höhenunterschiede bewältigen. Andere Stationen laden zum Bewegen oder zum Mitmachen ein, damit es keinem Wanderer langweilig wird. Noch dazu wartet am Peilsteinhaus auf dem Gipfel des Berges ein Spielplatz. Zudem sind beim Start Stempelpässe erhältlich, die unterwegs gefüllt werden wollen. Wer seinen nach beendeter Wanderung bei Karner abgibt, bekommt eine kleine Überraschung. www.erlebnisweg-peilstein.at

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Wir sind weg

Steiermark Mit einem Esel auf einer Staatsgrenze wandern – das ist in der Steiermark möglich. Der Grenzpanoramaweg 560/03 führt entlang der Grenze zwischen Österreich und Slowenien, vorbei an wunderschöner Natur. Doch die kleinen Wanderer werden wohl maximal mit einem Auge auf die saftigen Wiesen und dichten Wälder schauen. Denn ihre Aufmerksamkeit gehört eindeutig den grauen Vierbeinern, die sie auf dem Weg begleiten. Fünf Esel hält Familie Winkler auf ihrem Hof in

Oberhaag, die sie für Touren zur Verfügung stellt. Zu Beginn gibt es eine kurze Erklärung, wie das mit dem Eselwandern funktioniert, dann werden Zwei- und Vierbeiner auf den Wanderweg geschickt. Wie weit sie diesem folgen, können sie selbst entscheiden – Hauptsache, sie sind vor Anbruch der Dunkelheit wieder zurück bei den Winklers. Praktischerweise bekommt der Esel einen Tragsattel, auf dem er das Gepäck der Wanderer tragen kann. www.eselwandern.at

© TVB/Sulzbacher (1)

Dr.-Vogelgesang-Klamm in Spital am Pyhrn

Mit etwa 1,5 Kilometern ist die Dr.Vogelgesang-Klamm die längste Felsklamm Oberösterreichs und die zweitlängste der gesamten Republik. Begehbar ist sie über zahlreiche Holzbrücken und rund 500 Stufen, von denen die Besucher einen faszinierenden Blick auf den hinabstürzenden Bach genießen. Der rund 5,4 Kilometer lange Wanderweg startet am Parkplatz Dr.-VogelgesangKlamm in Spital am Pyhrn und führt über 350 Höhenmeter hinauf zur Bosruckhütte. Von dort aus geht es dann den gleichen Weg wieder hinab. Trotz des großen Höhenunterschieds ist die Wanderung alles andere als gefährlich und auch für Kinder geeignet, unter anderem weil die Brücken und Treppen vor Saisonstart geprüft und regelmäßig im Auge behalten werden. Wer eine Pyhrn-Priel AktivCard oder eine Pyhrn-Priel SaisonCard sein Eigen nennt, spart übrigens die Klammerhaltungsgebühr. www.urlaubsregion-pyhrn-priel.at/ oesterreich/tour/430000994/ dr-vogelgesang-klamm.html

© Steiermark Tourismus/Harry Schiffer (1)

Oberösterreich

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Auf die Skier, fertig, los! Kaum können Kinder laufen, stehen sie auch schon auf Skiern. Diese Kinderhotels locken mit attraktiven Familienpauschalen und Winterspaß für Groß und Klein. Familienresort Ellmauhof ****S | Hinterglemm, SalzburgerLand

© Atelier Wolkersdorfer (1), saalbach.com, Mirja Geh (1)

Eingebettet in den Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn liegt das 4-Sterne-Superior-Familienhotel Ellmauhof in sonniger Hanglage direkt neben den verschneiten Skiabfahrten. Vor der Haus-

tür werden die Skier angeschnallt, und ab geht es auf die Piste. Wer lieber drinnen bleibt, verbringt seine Zeit etwa im Relaxund Erlebnishallenbad samt 52 Meter langer Tunnelrutsche, Wildwasserkanal, Massageliegen und 4 verschiedenen Ruhezonen – oder im großzügigen Wellnessbereich mit finnischer Sauna, Dampfbad-Oase, Kräuter-Gesundheits-Sanarium, Kaltwasserbecken, Infrarot-Kabine, Aroma-Whirlwanne und vielem mehr. Die „Familien-Vitalskiwochen“ beinhalten 7 Übernachtungen in Studio, Appartement oder Suite, Gourmet-Vollpension, Babybetreuung ab 4 Monaten, Mini-, Kids-

und Teenies-Programm, gratis Ponyreiten am Karussell u.v.m. Zusätzlich gibt’s 10 % Ermäßigung auf alle Massagen, Beautyanwendungen und Wohlfühlbäder. Ab € 2.422,– (Reisezeitraum: 11.–18.01.2020, 25.01.–01.02.2020). www.ellmauhof.at

Moar Gut ***** | Großarl, SalzburgerLand gerl-Skischule lernen Kids ab 2 Jahren ihre ersten Skischwünge. Und wenn es mal ein wenig mehr Schneespaß sein soll: Auf dem Winterspielplatz mit eigenem Karussell, Rodeln und vielen anderen Attraktionen leuchten die Gesichter von Jung und Alt. Auch Indoor gibt es viel zu entdecken: Im Kinderspielhaus warten eine Riesenrutsche und eine Softplayanlage; in der hauseigenen Kinderwerkstatt und im Kreativ- und Bastelraum wird gebacken, Tassen und T-Shirts bemalt oder Heupuppen gebunden. Entspannung für die ganze Familie wartet in der Sauna-Landschaft

und im Panorama-Hallenbad. Die „Zwergerl Skiwoche“ umfasst 7 Übernachtungen in den gemütlichen Moar-Gut-Suiten inkl. Genuss-Vollpension, 84 Stunden Kinder- und Babybetreuung, einen Wellnessgutschein im Wert von 50 Euro u.v.m. Ab € 2.699,90 (Reisezeitraum zw. 11.01. & 31.01.2020). www.moargut.com

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© Moar Gut (2)

Mitten im Großarltal, Teil von Österreichs größtem Skigebiet Ski amadé, liegt das 5-Sterne-Familienskihotel Moar Gut. Highlight für kleine Skizwerge ist die hoteleigene Skiwiese samt Förderband, Seillift und Co. In der Zwer-

Kinderhotel Zell am See **** | Zell am See, SalzburgerLand Am Fuße des Kitzsteinhorngletschers fügt sich das Kinderhotel Zell am See harmonisch in die verschneite Naturkulisse zwischen Zeller See und den umgebenden Dreitausendern ein. Der malerische Alpensee und das Skigebiet Schmittenhöhe sind nur

wenige Gehminuten entfernt. Wem das dennoch zu weit ist, den bringt der hoteleigene Skishuttle-Bus den ganzen Tag zur Talstation AreitXpress und wieder zurück. Nach dem Spaß auf der Piste geht’s Indoor vergnügt weiter: Der Indoor-Funpark begeistert mit Rutschen, Klettertürmen, Höhlen, Krabbelrohren und Bällebad; das Family-Spa ist mit kindgerechter Sauna, Hallenbad und Tepidarium beliebter Treffpunkt für Groß und Klein. Nur für die Großen ist das MAVIDA Spa – auf 1.400 m² können Eltern hier ungestört entspannen. Das Pauschalangebot „Mein erster Skikurs“ beinhaltet 7 Übernachtungen inkl.

„Schlaraffenland-Pension“, 84 Stunden Kinderbetreuung für Minis (3 Monaten bis 3 Jahre), Kiddys (3 bis 10 Jahre) und Teenies (10 bis 14), einmaligem kostenlosen Skiservice u.v.m. Ab € 1.960,– (Reisezeitraum zw. 12.01 & 31.01.2020). www.kinderhotelzellamsee.at

© Kinderhotel Zell am See (1), Schmittenhöhebahn AG /Felsch (1)

Mehr Infos unter www.kinderhotels.com 109_Kinderhotels PR 2019He_d.indd 109

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Wir sind weg

Gigantisch schön

Reise ohne

Sankt Petersburg, die nördlichste Millionenmetropole der Welt, ist eine Stadt der Superlative. Reich an Geschichte, Ausdehnung, Einwohnern und vor allem Sehenswürdigkeiten, ist die ehemalige Zarenstadt eine der lohnendsten StädteDestinationen Europas, wenn nicht der Welt. von markus höller

Der Winterpalast – einst Hauptsitz der Zarenfamilie – beherbergt heute die Eremitage, eine der größten Kunstsammlungen der Welt.

Die Auferstehungskirche steht ihrem Vorbild, der Moskauer Basilius-Kathedrale, an Opulenz um nichts nach.

Gutes, bequemes Schuhwerk ist das Um und Auf, will man die berühmte, ehemalige russische Hauptstadt an der Mündung der mächtigen Newa zum finnischen Meerbusen erkunden. Mit einer Fläche von über 1.400 Quadratkilometern ist Sankt Petersburg fast doppelt so groß wie Berlin – die außerhalb der Stadt liegenden Pflichtdestinationen Peterhof und Puschkin noch gar nicht mitgerechnet. Wiewohl sich die meisten Sehenswürdigkeiten im Stadtzentrum und entlang der Newa befinden, ist alleine die Überquerung des an manchen Stellen bis zu 600 Meter breiten Stromes eine Aufgabe für sich. Das sind Dimensionen, die man sonst nur in amerikanischen Metropolen (oder auch in Moskau) findet. Globaler Player Bei jedem Schritt in der 1703 von Zar Peter dem Großen gegründeten Stadt kann man die immense Bedeutung nicht nur für die russische, sondern auch für die globale Geschichte förmlich spüren. Alleine der Anblick des Kreuzers Aurora, der mit einem Schuss aus der Kanone am 25. Oktober

1917 die Oktoberrevolution und damit den Beginn der Sowjetunion einläutete, lässt einen beim Gedanken an die weltweiten Auswirkungen erstarren. Die Stadt, die zwischenzeitlich auch Petrograd und Leningrad hieß und seit 1991 wieder ihren ursprünglichen Namen trägt, ist heute der wichtigste russische Ostseehafen und vor allem Touristenmagnet Nummer 1. Kein Wunder: Die mit ca. 2.300 Palästen, Prunkbauten und Schlössern seit 1991 als UNESCO-Weltkulturerbe geschützte Innenstadt spielt kulturell und architektonisch in einer Liga, in der gerade mal Venedig und weit abgeschlagen Paris, Rom oder Wien mithalten können. Angesichts der Vielzahl an Must-sees kann man fast den Überblick verlieren; Jegliche Beschreibung fällt auf jeden Fall zu kurz aus. Die Romanows Das gewaltige russische Reich wurde schon zuvor jahrhundertelang von diversen Fürsten regiert. Aber erst mit Peter dem Großen, der sich als Erster zum Kaiser von Russland krönen ließ, begann die 200-jährige Geschichte der Romanows, deren Macht, Protz, Dramatik, Ende und Mysterien kein anderes Adelsgeschlecht der Welt das Wasser reichen kann. Peter I. war es auch, der die Stadt gründete, unzählige monumentale

Paläste und Peterhof errichten ließ und den Grundstein für die geopolitische Macht Russlands legte. Mit Katharina der Großen erreichte das Zarenreich seine größte Macht und beispiellosen Prunk, was letztlich zu großer Not, Unmut und letztlich der Gründung der bolschewistischen Bewegung durch Lenin führte. Die Parallelen zur Französischen Revolution sind unübersehbar – die Ereignisse bis hin zur Ermordung der letzten Zarenfamilie aber weit dramatischer. Beim Betreten der kleinen, aber opulenten Peter-und-Paul-Kathedrale in der gleichnamigen Festung auf der sogenannten Haseninsel fallen einem die mächtigen Steinsärge sofort ins Auge – hier ruhen die Überreste dieser Dynastie, die über 200 Jahre lang die Weltgeschichte beeinflusst hat. Paläste, Kirchen, Attraktionen Der Winterpalast als Dreh- und Angelpunkt der russischen Zarengeschichte ist an sich schon ein beeindruckendes und wunderschönes Gebäude. Während am großen Platz davor die Alexandersäule mit ihren 600 Tonnen aus einem Stück Marmor ein Höchstmaß an russischer Ingenieurskunst repräsentiert, logiert im Inneren die Eremitage, das zweitgrößte Museum der Welt (siehe Box). Besonders in den Morgenstunden oder während der berühmten weißen

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Sankt Petersburg

Die ausschließlich durch natürliches Gefälle gespeisten Wasserspiele in Peterhof sind vor allem im Sommer spektakulär.

Visum: Sofern nicht im Zuge einer Kreuzfahrt mit geführter Tour unterwegs, benötigt man für die Einreise nach Russland ein Visum, dessen Abwicklung relativ aufwendig ist und je nach geplantem Aufenthalt einiges an Zeit und Kosten in Anspruch nimmt. Daher rechtzeitig um neuen Pass kümmern, planen und sich über die unterschiedlichen Optionen informieren. www.vhs-austria.com Ausflugstipp: Für einen Besuch der unvergleichlichen Parkanlagen des gut 30 km außerhalb von Sankt Petersburg liegenden Schloss Peterhof empfiehlt sich bei Schönwetter der Transfer per Tragflügelboot. Das ist wesentlich schneller und angenehmer als der Landweg mit dem Bus oder Taxi, vor allem ist die Zufahrt von der Meerseite auch viel pittoresker. Die Boote legen an der Newa in der Nähe vom Winterpalast ab. Museum: Die Eremitage im ehemaligen Winterpalast erfordert viel Zeit – Minimum einen ganzen Tag. Alleine die größte Gemäldesammlung weltweit, von da Vinci über Rembrandt bis Monet, ist für Kunstbegeisterte ein Muss. Es lohnt sich, vor dem Besuch die Website zu besuchen, da Öffnungszeiten variieren und mitunter Tage mit Gratiseintritt unheimliche Menschenmengen auf den Plan rufen. www.hermitagemuseum.org

© PxHere (1), Pixabay (3), Florstein/Wikimedia (1), Kora27/Wikimedia (1), Freepik (1), Unsplash (1)

Nächte – der Zeit um die Sommersonnenwende, wenn es durch die nördliche Lage nie wirklich dunkel wird – ein erhebender Anblick. Aber auch die zahlreichen Kanäle und Wasserwege, die sich durch die Stadt ziehen und viele Gebäude spiegeln, haben einen besonderen Zauber. Zum Beispiel die Kasaner Kathedrale und die Auferstehungs-

kirche; Letztere wurde der Basilius-Kathedrale in Moskau nachempfunden und gehört zu den schönsten russisch-orthodoxen Kirchen der Welt. Ebenfalls zählen die Admiralität, die Isaakskathedrale und der eherne Reiter zu den absoluten Highlights von Sankt Petersburg. Der eherne Reiter ist ein Denkmal zu Ehren Peter des Großen, mit etwas Glück kann man beobachten, wie ein frisch vermähltes Paar dort den massiven Felsblock anfasst und für Fotos posiert. Eine uralte russische Tradition, die Glück in der Ehe bringen soll. Raus aus der Stadt Zwei weitere beeindruckende Ziele liegen etwas außerhalb der Stadt: Schloss Peterhof und der Katharinenpark. Peterhof ist eine von Peter dem Großen errichtete und von seinen Nachfolgern ausgebaute Parkanlage, die als das russische Versailles gilt und

Prachtbauten, Zeitgeschichte und eine Vielzahl an Kanälen erstrecken sich über eine riesige Fläche in und um Sankt Petersburg. Das zu besichtigen braucht Zeit, Fitness und gutes Schuhwerk!

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ebenfalls zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Die weitläufige Parkanlage direkt am Meer verfügt nebst prunkvollen Palästen über 176 unterschiedlich gestaltete Fontänen, deren Wasserspiele aus einer 25 km langen Zuleitung gespeist werden und nur durch natürliches Gefälle, gänzlich ohne Pumpen, funktionieren. Vor allem die Große Kaskade direkt beim Schloss mit Blick aufs Meer ist unbeschreiblich imposant. In Puschkin, gut 25 km von Sankt Petersburg entfernt, liegt der Katharinenpark. Die weitläufige Parkanlage beherbergt mehrere, oftmals in unterschiedlichen Stilen errichtete Pavillons und Lustschlösschen, die den Überfluss des europäischen Hochadels vor 200 Jahren geradezu grotesk widerspiegeln. Herzstück des gewaltigen Palastes ist aber ganz klar das sagenumwobene Bernsteinzimmer. Das komplett mit geschnitztem Bernstein verkleidete Zimmern, fiel dem Kunstraub der Nazis zum Opfer und gilt seit den Kriegswirren von 1945 als verschollen. Es gehört seither zu den größten Mythen der jüngeren Geschichte. Heute kann man ein detailgetreues, ebenfalls aus echtem Bernstein nachgebildetes Zimmer bewundern – selbst im irren Protz der ganzen Anlage noch mal eine Größenordnung erstaunlicher. Fazit: Sankt Petersburg kann sich immer wieder nur noch selbst toppen.

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Wir sind weg

Abenteuerland

Tipps

Am 23. September ist es so weit: Der Herbst beginnt und wartet neben Abkühlung und kunterbunten Blättern mit jeder Menge spannender Freizeit-Aktivitäten für Drinnen und Draußen auf. von tanja holz

VORARLBERG 1) Familienlesezeit: Psst! Ich lese! Piratenfans, aufgepasst! Bei der MitmachLesung in der Stadtbücherei Dornbirn muss Heldin Bella es mit Kapitän Kugelbauch und seiner Meute auf der Teufelsinsel aufnehmen und benötigt dabei dringend Hilfe von kleinen Abenteurern ab 3 Jahren. Wo: Stadtbücherei, Schulgasse 44, 6850 Dornbirn Wann: 19.10. 10 Uhr Wie viel: Eintritt frei www.stadtbibliothek.dornbirn.at 2) Lokfahrt mit dem Rheinbähnle Nicht nur Kids kommen bei der Fahrt mit einer der nostalgischen Dampflokomotiven von 1910 und 1920 voll auf ihre Kosten. Die Strecke führt entlang des Rheins ins Naturschutzgebiet „Neue Rheinmündung“ und beinhaltet einen 45-minütigen Aufenthalt, bei dem die ganze Family die Landschaft am Bodensee erkunden kann. Wo: Höchster Straße 4, 6890 Lustenau Wann: 21.9., 22.9., 5.10., 12.10., 27.10. 15– 17 Uhr (Online-Anmeldung erforderlich) Wie viel: Erw. € 16,90, Kinder (6–15) € 8,50 www.rheinschauen.at TIROL 3) Märchenfestival Das Tiroler Sagen- und Märchenfestival lädt mit einer Neuinterpretation des Grimm’schen Märchens „Tischlein deck dich“ zum Open-Air-Marionettentheater. Wagemutige Kids können davor und danach den interaktiven Piepmatzweg erkunden. Wo: Gasthaus Vögelsberg Wattens, Vögelsberg 4, 6112 Wattens Wann: 21.9. 14 & 15:30 Uhr (Voranmeldung unter 05224/574 31) Wie viel: € 3,– www.maerchenfestival.at 4) Tierische Kinderführung Wieso muss man einen Baum umsägen, um einen Elefanten zu fangen und was hat es mit dem geflügelten Pferd auf sich? Bei der Führung „Echt tierisch“ auf Schloss Ambras gehen Kids ab 7 auf die Suche nach exoti-

schen Tieren in Erzherzog Ferdinands II. Kunst- und Wunderkammer und lauschen dabei fantastischen Geschichten. Wo: Schloss Ambras, Schlossstraße 20, 6020 Innsbruck Wann: 28.9. 14:30–15:30 Uhr Wie viel: € 3,– www.schlossambras-innsbruck.at SALZBURG 5) Tiertreffpunkt im Zoo Salzburg Bei den „Schon gewusst …?“-Tiertreffpunkten im Salzburger Zoo erfahren kleine und große Besucher Spannendes über die tierischen Zoobewohner, können den Profis Fragen stellen und die Tiere bei der Futtersuche erleben. Wo: Hellbrunner Straße 60, 5020 Salzburg Wann: 29.9. 13–14:30 Uhr Wie viel: Erw. € 11,50, Jugendliche (ab 15) € 7,50, Kinder (4–14) € 5,– www.salzburg-zoo.at 6) Führung auf den Glockenspielturm Über 190 Stufen hinauf geht’s bei der Führung zum berühmten Glockenspielturm Salzburgs, bei der Groß und Klein Interessantes über das technische Wunderwerk des Glockenspiels erfahren. Gratis obendrauf: ein einzigartiger Rundblick über die Stadt.

Wo: Salzburger Glockenspiel, Mozartplatz 1, 5020 Salzburg Wann: bis Ende Okt. jeden Do. 17:30– 18:30 Uhr & Fr. 10:30–11:30 Uhr Wie viel: Erw. € 4,50, Jugendliche € 2,50, Kinder € 2,– www.salzburgmuseum.at OBERÖSTERREICH 7) Bootssafari durch die Wildnis Kleine und große Matrosen erleben bei der abenteuerlichen Flusswanderung mit dem Boot spannende Abenteuer. Bei der Fahrt werden die verborgenen Rückzugsgebiete vieler Vogelarten erforscht und seltene Wasserbewohner gesichtet. Tipp: Wetterfeste Kleidung, Sonnenschutz, Verpflegung und Getränke mitnehmen! Wo: Treffpunkt Parkplatz Perg, Dr.-SchoberStraße 24, 4320 Perg Wann: 28.9. 10–14 Uhr (Anmeldung unter +43/(0)665/65 59 35 87 erforderlich) Wie viel: Erw. € 25,–, Kinder (bis 14) € 10,– www.naturschauspiel.at 8) Ponyführen im Hausruckhof Am Reitzentrum Hauruckhof lernen pferdebegeisterte Kids die Tiere mit allen Sinnen kennen. Das Programm reicht von der richtigen Pferdepflege über das Wahrnehmen der Körpersprache der Tiere bis hin zum sicheren Führen und der Vermittlung der reiterlichen Grundkenntnisse.

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© Artur Bodenstein

tur kennen und verbringen spannende Stunden im Wald. Wo: Wildpark Ernstbrunn, Dörfles 1, 2115 Ernstbrunn Wann: 12.10., 9.11. 10–14 Uhr (Anmeldung unter maiingan@wildnisleben.at) Wie viel: € 20,– www.wildpark-ernstbrunn.at

Wo: Hausruckstraße 6, 4843 Ampflwang Wann: jeden Sa 14 Uhr (Anmeldung unter +43(0)7675/24 21) Wie viel: Kinder (ab 3) € 15,– www.reitzentrumhausruckhof.at/ STEIERMARK 9) Workshop „Spielplatz Musik“ Musikalische Kids von 2 bis 5 Jahren können am „Spielplatz Musik“ erste Opernluft schnuppern und gemeinsam mit der ganzen Family singen, tanzen und musizieren. Wo: Malersaal Oper Graz, Kaiser-JosefPlatz 10, 8010 Graz Wann: 27.9., 6.12. 15–16:30 Uhr (Anmeldung unter lisa-christina.fellner@opergraz.com) Wie viel: € 5,– www.oper-graz.com KÄRNTEN 10) „Expedition ins DIGI_TAL“ Der kleine Roboter Digi lädt ein auf eine

spannende Reise durch die Welt der Robotik und Digitalisierung und zeigt an Mitmach-Stationen, wie Computer funktionieren und wie Roboter in Industriebetrieben eingesetzt werden. Wo: wissens.wert.welt – blue cube & kidsmobil, Primoschgasse 3, 9020 Klagenfurt Wann: Mo–Do 8:30–16 Uhr, Fr, Sa 10–18 Uhr Wie viel: Erw. & Kinder (ab 4) € 7,–, Kinder (bis 4) gratis www.wissenswertwelt.at BURGENLAND 11) Lego-Workshop im E_Cub Eisenstadt Kreative Kids von 6 bis 12 Jahren sind eingeladen, beim großen Lego-Workshop einen Blick in die Zukunft zu werfen, ihre Ideen einzubringen und gemeinsam aus Legosteinen ihre Stadt der Zukunft zu bauen. Wo: Zielgerade 1, 7000 Eisenstadt Wann: 28.9. 15–17:30 Uhr (Anmeldung unter www.ecube.at) Wie viel: freier Eintritt www.ecube.at NIEDERÖSTERREICH 12) Wolfsbande im Naturpark Leiser Berge Ob Laubhütten bauen, Tierspuren lesen oder Feuer ganz ohne Feuerzeug und Streichhölzer machen: Beim Abenteuertag im Wildpark Ernstbrunn lernen Kids die Na-

13) Herbstfest Ein Wochenende voll bunter Herbstfarben, Floristik aus Naturmaterialien und köstlichem Obst und Gemüse gibt’s beim Herbstfest in den Kittenberger Erlebnisgärten. Für die Kleinen stehen außerdem ein Besuch bei den Kängurus, Alpakas und ein Tiertraining im Bauerngarten am Programm. Wo: Kittenberger Erlebnisgärten, Laabergstraße 15, 3553 Schiltern bei Langenlois Wann: 12.10. 9–18 Uhr, 13.10 10–17 Uhr Wie viel: Erw. € 9,90, Kinder (4–14) € 6,–, Kinder (0–4) gratis www.kittenberger.at WIEN 14) Wir pflanzen einen Wald-Familienfest In Wien wird ein neuer Wald gepflanzt, und die ganze Family darf mitmachen! Einfach Bäumchen aussuchen, einpflanzen und das bunte Rahmenprogramm beim herbstlichen Familienfest genießen. Mit dabei: wienXtraspielebox, Strohpyramide, Leinentaschen bemalen, Tiere filzen, Kürbis schnitzen u.v.m. Gummistiefel einpacken und los geht’s! Wo: zwischen Gernotgasse und NiklasEslarn-Straße, 1220 Wien Wann: 19.10. 10–16 Uhr Wie viel: gratis www.wienxtra.at h er bst 2019 |

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Pro und Kontra

PRO

Von Tanja Werdan Anschwindeln? Kinder? Ja, sicherlich! Auch mit Vorsatz und nicht nur, um sie vor größerem Schaden zu bewahren. Ich bin keine Übermutter, sondern auch nur ein Mensch. Mein Zweijähriger schafft es mitunter, mich in einen ganz fragilen, weinerlichen Zustand zu versetzen. Manchmal sogar instant. Und was soll überhaupt das ganze Theater um das Lügen? Man schätzt, dass der Mensch bis zu 200 Mal am Tag lügt und schwindelt. Nur logisch, dass die eine oder andere Schwindelei sich im Erziehungsalltag wiederfindet. Klar verdienen Kinder Ehrlichkeit – sie vertrauen uns ja uneingeschränkt, aber wer einen trotzigen Zweijährigen kennt, der weder offen für Erklärungen noch sachliche Diskussionen ist, darf schon mal zur Notlüge greifen. Mein Sohn ist nämlich kein Wunderkind! Er lebt sein Trotzalter uneingeschränkt wo und wann er will aus; Kommunikation auf Augenhöhe ist ihm in diesem Zustand piepegal. Neuerdings besteht er darauf, sämtliche elektronische Geräte sofort zu seinem Gefallen zu benutzen und beim mütterlichen „Nein“ eine oscarreife Darbietung à la Jack Nicholson beim Ausflippen darzubringen. Seit meiner Notlüge „ist kaputt“ wird akzeptiert, dass es nicht geht. Wobei ich ja eher der Meinung bin, dass es sich hier um eine „Schutzlüge“ handelt, damit wir zum Wohl aller die akute Situation überstehen. Also noch mal: Ja, ich schwindle mein Kind an – auch in anderen Situationen. Stichwort „Loblügen“. Ich glaube kaum, dass es Eltern gibt, die beim stolzen Präsentieren des unkoordinierten Gekritzels immer die Wahrheit sagen. Man denkt sich still die Kritik, während akustisch nur ein „schön, toll“ oder „super gemacht“ zu vernehmen ist. Auch der Osterhase und das Christkind finden bei uns Platz und ebenso so manche fröhliche abenteuerliche Erzählung, um die kindliche Fantasie zu beflügeln. Nein, ich fühle mich damit nicht schlecht, denn ich packe weder die moralische Keule aus, noch schüre ich abstrakte Ängste. Das wäre auf jeden Fall ein absolutes No-go, weil die Auswirkungen der Lügen jahrzehntelang im Leben herumspuken können, manchmal auch mit weitreichenden Folgen. Wer möchte schon als Kind hören, dass er alleingelassen wird oder – noch schlimmer – von fremden Menschen mitgenommen wird, wenn die Eltern glauben, dass man nicht alltagskompatibel ist. Die flexible Auslegung der Wahrheit sollte wirklich nur begrenzt eingesetzt werden. Manche Lügen werden so und so mit wachsendem Alter aufgedeckt ... Später habe ich auch verstanden, dass man Wassermelonenkerne ohne Folgen mitessen kann. Oder habt ihr schon mal eine Ranke aus einem Menschen wachsen sehen?

KONTRA

© Ed Westcott

Kinder anschwindeln

Von Peter Draxl

Ach kommt. Aus dem Alter sind wir doch längst raus. Wofür soll denn das gut sein – wo fängt das an und wo hört das auf? „Wenn du nicht aufisst, scheint morgen nicht die Sonne!“ Ernsthaft? Wollen wir unsere Kinder für blöd verkaufen, ihnen Glaubenssätze ins Unterbewusstsein eintrichtern, die sie dann mühsamst 30 Jahre später von einem Psychiater auf der Couch rausmontieren lassen? Nein. Das wollen wir nicht. Gut, im zarten Kleinkindalter darf man die Mär vom Weihnachtsmann, Osterhasen, Nikolausi und Co. gerne aufrechterhalten. Weil es spannend ist. Später – weil der Spross ist nämlich nicht ganz deppert – fliegen die Geschichten ohnehin auf. Kind sozialisiert sich in der Schule, tauscht sich aus und deckt die Freveleien der Eltern relativ rasch auf. Von wegen Osterhasi. Und später dann: Wozu sollte Schwindeln und Lügen eigentlich gut sein? Um das Kind vor der Wahrheit zu bewahren? Um sich selbst vor der Wahrheit zu bewahren? Um ein Abbild der Gesellschaft, des Seins, des Menschwerdens herzustellen, das nicht der Realität entspricht? Das bringt nichts. „Die Oma ist jetzt im Himmel, und alles wird wieder gut.“ Hm. Denken wir mal nach. Dass die Oma im Himmel ist, lasse ich noch gelten, dem Kind vorzuzeichnen, dass es nach dem Ableben eines geliebten Menschen noch was anderes gibt, erzeugt Hoffnung, spendet Trost. Aber dass dann bald alles wieder gut ist? Nein. Die Oma ist nicht mehr da. Sie kommt auch nie mehr. Es ist nichts so wie es vorher war. Wird es auch nie mehr. Das klingt jetzt ziemlich harsch, die Realitätsklatsche schnalzt einem ins Gesicht – aber es ist doch wahr. Oder dem Kind zu sagen: „Hey, Mama und Papa haben sich voll lieb! Was du gestern gehört hast, war der Fernseher. Wir streiten NIE.“ Ähem. Vergessen wir doch bitte nicht, dass wir vor einer neuen Generation an Menschen, an Menschenkindern stehen. Die – sagen wir mal – etwas anders gestrickt sind als wir Erwachsenen heute. Die mit einem anderen Mindset gesegnet auf der Erde wandeln, den wir uns heute selbst gerne wünschten. Also was wollen wir denen bitte vormachen? Nichts wird geschwindelt! Die Kids spüren doch die Wahrheit ohnehin, also sag ich sie ihnen auch. Egal welche. In welches Wortgewand ich sie verpacke, ist dann eine andere Geschichte. Natürlich wohlig, warm und weich. Diplomatisch. Aber korrekt. Ich selbst habe vor langer, langer Zeit beschlossen, mit jeglicher Schwindelei aufzuhören. Egal wem gegenüber. Warum? Aus purer Faulheit. Weil ich mir wirklich nicht merken kann und auch nicht aufschreiben will, wem ich welches „Gschichtl“ erzählt hab. Das ist mir einfach zu mühsam.

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Was hat die Mondlandung mit der Heilung von Krebs zu tun?

A M A N FA N G S TA N D E I N E V I S I O N . Unsere Vision: Im Jahr 2050 soll in Österreich kein Mensch mehr an Krebs sterben. In vielen Ländern der Welt ist Krebs inzwischen zur häufigsten Todesursache ­geworden. Doch die österreichische Krebsforschung erzielt bereits jetzt internationale Spitzen­leistungen, um dagegen anzukämpfen. Gemeinsam mit Ihrer Unterstützung ­können wir das Unmögliche möglich machen.

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MONDLANDUNG 2019 Vor 50 Jahren ist der erste Mensch am Mond gelandet. Nun ist es Zeit, dass auch du abhebst!

Bastle ein Weltraum-Mobile! 1) Schreibe deinen Namen in das Namensfeld deines Raumanzugs. 2) Schneide dich, Hündin Laika, Mond und Sterne aus. 3) Klebe die passenden Vorder- und Rückseiten aneinander. (Die Sterne haben keine Rückseite.) 4) Binde an den roten Punkten einen Faden an jedes Mobile-Teil. 5) Nun kannst du kreativ werden! Lasse die Teile in unterschiedlichen Höhen von der Decke oder einem kleinen Zweig baumeln.

Sternenhimmel über deinem Bett Schneide Sterne aus weißem Karton aus. Bemale diese mit fluoreszierender Farbe. (Das ist Farbe, die im Dunkeln leuchtet.) Klebe alle Sterne mit Klebeknete an die Zimmerdecke über deinem Bett. Flugs ist dein leuchtender Nachthimmel fertig!

Wusstest du, dass … … Sterne glühend heiße, leuchtende Bälle aus Gas sind? … Sterne geboren werden und auch sterben? … die Sonne ein Stern ist und schon seit ca. 4 ½ Milliarden Jahren scheint? … man das kurzzeitige, helle Aufleuchten eines explodierenden Sterns am Ende seines Lebens Supernova nennt? 1 | j u l i 2011

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Weit draußen im Meer liegt die Insel Kururu. Dort hat eine Forscherin unbekannte Tierarten entdeckt und in ihrem Arbeitsheft beschrieben. Lies die Beschreibung und male das Tier!

Name:

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Herbstzeit ist Erntezeit. Doch zwei der hier gezeigten Obst- bzw. Gemüsesorten werden in Österreich nur im Sommer geerntet. Weißt du, welche es sind?

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Tipi – Magazin für die Familie Herbst/2019  

Tipi – Magazin für die Familie Herbst/2019