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TagesSatz

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TagesSatz

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EDITO R I A L Liebe Leserinnen und Leser, sicher kann man in unserem recht freien politischen System nicht alle Gesetze und Entscheidungen gut heißen oder finden. Das hat gerade Stuttgart 21 in aller Deutlichkeit gezeigt. Der Wert der Freiheiten zeigt sich aber im Vergleich mit autoritären Staaten wie etwa Saudi-Arabien oder dem Iran. Klar sollte allerdings sein, dass wir in unseren Betrachtungen von andersartigen Kulturen nicht auf dem Standpunkt verharren dürfen, dass nur die westlichen „Kultur-Nationen“ einen Anspruch auf Allgemeingültigkeit und absolute Wahrheiten haben. In einer Welt, die ohnehin durch drohende Auseinandersetzungen bedroht ist, sei es wegen absehbarer Ressourcen-Knappheit von Öl oder wahrscheinlich demnächst Wasser, ist es obsolet, auf eigenem hohen Ross zu sitzen und geringschätzig auf andere Kulturen oder Staatsformen herabzusehen. Insofern steht es uns gut zu Gesicht, auch die eigenen Positionen im Umgang mit vermeintlich Fremden kritisch zu prüfen. Wie sehr wir selbst, die sogenannte westliche freie Welt, widersprüchlich und an den eigenen Interessen orientiert handeln, zeigt zum Beispiel ein Text über Saudi-Arabien, das einerseits sicherheitspolitisch von den USA unterstützt, andererseits innenpolitisch streng islamisch und alles andere als freiheitlich demokratisch regiert wird. Ein Artikel über den Iran zeigt auf, inwiefern auch unsere Medienlandschaft mit dazu beiträgt, Vorurteile aufzubauen und zu verfestigen. Viele aktuelle Diskussionen sind auch einfach heuchlerisch, weil beispielsweise die Entwicklungen in den nordafrikanischen Staaten schon lange vorhersehbar waren. Die Göttinger Kollegen gehen das Thema allgemeiner an, indem sie verschiedene politische Systeme einander gegenüber stellen und vertiefend hierzu einen Experten befragen. Im Kasseler Lokalteil bezieht sich unser Verkäufer Thomas auf die aktuellen Vorkommnisse im Kernreaktor von Fukushima, während wir im zweiten Beitrag ein Kunstprojekt des Kasseler Künstlers Andrzej Dzierbicki vorstellen möchten, dass die anstehenden Jubiläumsfeiern von Kaufungen, Kassel und dem Stadtteil Wolfsanger in einem gemeinsamen Kunstprojekt zusammenfasst. Khoa Ly aus der Göttinger Redaktion beschäftigt sich mit den ungleichen Arbeitsbedingungen der Reinigungskräfte an Schulen. Ein Schmankerl möchte ich Ihnen am Schluss noch ans Herz legen: gemeint ist die bundesweite Kampagne der „Aktion Mensch“ namens „Übermut“. In Göttingen ist der Film „Die Kinder von Don Quijote“, der das Thema Obdachlosigkeit thematisiert, schon gelaufen, bei uns in Kassel kann man ihn am Samstag, den 07.05. im Bali-Kino im Kasseler Kulturbahnhof sehen. Er ist mit Untertiteln für Gehörlose sowie mit Audiodeskription versehen. Näheres hierzu finden Sie in der „Empfehlung Kassel“ im Kulturkalender. Viel Spaß bei der aktuellen Lektüre (vielleicht auch beim Film?) wünscht Ihnen

TagesSatz. Hilft sofort.

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Der TagesSatz wird von Menschen in sozialen Schwierigkeiten auf der Straße verkauft. Vom Verkaufspreis der Zeitung (2,00 Euro) behalten die VerkäuferInnen 1,00 Euro. Sie können damit ihre finanzielle Situation verbessern und sind nicht mehr auf Almosen angewiesen.

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Die Mitarbeit in Redaktion und Vertrieb des TagesSatz bietet arbeits- und wohnungslosen Menschen eine Aufgabe und die Möglichkeit, neue soziale Kontakte zu knüpfen und ermöglicht langfristig gesehen den Wiedereinstieg ins Berufsleben.

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Der TagesSatz finanziert sich ausschließlich durch Verkaufserlöse, Anzeigen und Spenden. Das Straßenmagazin erhält keine regelmäßigen Fördermittel.

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Wenn Sie den TagesSatz über den Kauf hinaus unterstützen wollen, können Sie auf folgendes Konto eine Spende überweisen: TagesSatz e.V. Kassler Sparkasse Kto.: 1183379 Blz.: 52050353 TagesSatz e.V. Sparkasse Göttingen Kto.: 50581511 Blz.: 26050001 Bitte geben Sie Ihre Adresse im Feld Verwendungszweck an, damit wir Ihnen eine Spendenbescheinigung zusenden können.

Der TagesSatz ist Mitglied von:

Harald Wörner (Redaktionsleitung Kassel)

TagesSatz

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Die Seele baumeln lassen “The Living Gospel Choir”, liebevoll auch TLGC genannt, begeistert seit 1997 sein Publikum. Die Verkäufer des TagesSatz nutzen die Gelegenheit und besuchten im Rahmen des Projektes Tellerrand ein Konzert in der Nikolaikirche.

* TAGESSATZ-VERKÄUFER UND OLIVER BARTH

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uf persönliche Einladung hin war schnell der Entschluss gefasst sich das Konzert des TLGC nicht entgehen zu lassen. Auf die Nachfrage von Werner und Olaf, was die Veranstaltung kosten würde, kam prompt die Antwort: „Gar nichts! Es wäre einfach toll, wenn Ihr auch kommt.“

nis! Ich kann bei solcher Musik die Seele baumeln lassen. Tolle Stimmen und eine Dynamik und Frische, die die Seele berührt. Ich wusste bislang gar nicht, dass es einen Gospelchor in Göttingen gibt. Und vor allem wusste ich nicht, dass der Eintritt kostenlos ist. Dann wäre ich vorher schon dort hingegangen. Ich mag zwar eigentlich nicht so viele fremde Menschen um mich herum, aber das war schnell vergessen. Ich habe es irgendwann einfach nur noch genossen.“

Mit seinem zweistündigen Programm begeisterte der Chor vor allem Bruno: „Ich liebe solche Musik! Mir haben sich bei diesen Stimmen die Nackenhaare aufgestellt. Ein tolles Erleb-

Ein Dank gilt an dieser Stelle dem Living Gospel Choir für die Einladung und das Ermöglichen eines tollen Abends.

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Detlef „Rocky“ Bernhard

Nachdem der Treffpunkt für Samstag, 19 Uhr, im Tagessatz-Büro in der Oberen Karspüle festgelegt worden war, ging es von dort schnurstracks auf zur Nikolaikirche. Der Slogan des Chores seit seiner Gründung: „Professionelle Gospelmusik zum Nulltarif für jedermann, schließlich hat Jesus für seine Bergpredigt auch keinen

Eintritt verlangt.“ Wer jedoch bislang gemäß der vielfach vertretenden Auffassung, „Kost nix, taugt nix“ gefolgt war, sollte schnell eines Besseren belehrt werden. An den Menschenströmen gemessen war spätestens bei Betreten der Nikolaikirche klar, dass der Gospelchor schon lange kein Geheimtipp mehr ist und vom Studenten über den Unternehmer bis zum Professor viele dem Ruf „der lebendigen Form des Evangelismus“ gefolgt waren.

Das Projekt Tellerand fördert Aktivitäten der Göttinger TagesSatz-Verkäufer, die deren Horizont erweitern. Die Tellerand-Aktion dieses Monats wurde unterstützt von Firmen der Region und Sponsoren des Straßenmagazins. 4

TagesSatz

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IN H A LT

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WER DIE WAHL HAT... 8 11 12 14

Der mühevolle Weg zur Demokratie von CHRISTOPHER PILTZ & JULIA WOLFFSON Eine Frage der Perspektive CHRISTOPHER PILTZ & JULIA WOLFFSON IM GESPRÄCH MIT DR. NELE NOESSELT

Iran – Aus einem anderen Blickwinkel von STEFAN GIEBEL Land des Wahabismus von fritz krogmann

tagesklatsch mit kaffeesatz

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Rubriken

mit INGRID STEEGER von Jörg Wilke und Harald wörner

Göttingen 18 Musikinstrumente zum Anfassen von Pia zojer 19 Staatliche Ungerechtigkeit von khoa ly 20 Alles ist im Fluss von jörg „yogi“ müller

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Kassel 22 3.300 Jahre in der Region – Schiff der Geschichte von christian bruno von klobuczynski 24 Was kommt auf die Menschen aus Japan zu? von thomas schwab

Kultur 28 Das Weltall am Straßenrand von andrea tiedemann 29 Stimmungsbilder Lyrik von sabine parsunka

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Editorial Projekt Tellerrand Der Stolperstein Paragraphenreiter Straßengeflüster Winkeladvokat Die Kochnische Kultur-Empfehlungen Hinter den Kulissen Zwischen den Zeilen In der Nahaufnahme Der Ticker Nächstes Mal Impressum Wohin, wenn

Bitte ausschneiden und zurücksenden an: TagesSatz e.V., Westring 69, 34127 Kassel

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Ort, Datum

Unterschrift

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TagesSatz Kassel

D A S G E S P R Ä CH

tagesklatsch mit kaffeesatz

Nicht überrascht, aber erfreut Zum Zeitpunkt des Kaffeeklatsches spielte Ingrid Steeger in der Kasseler „Komödie“ im Stück „Jackpot“ eine Hauptrolle. Der TagesSatz sprach mit ihr über das Theaterleben, ihre Eindrücke von Kassel und über die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.

* JÖRG WILKE UND HARALD WÖRNER IM GESPRÄCH MIT INGRID STEEGER

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rau Steeger, hat Sie die große Nachfrage nach `Jackpot` überrascht?

Nein, schon während der Proben, als wir anfingen, waren wir ausverkauft. Das ging stetig weiter. Am Ende war es dann so, dass wir halt im Voraus ausverkauft waren. Ich weiß zwar nicht, wie sonst das Theater läuft, aber normalerweise (ich spiele viel Theater) ist das Theater eigentlich immer voll. Auf Tournee fährt man ja quer übers Land. Bekannt bin ich überall in Deutschland, das ist nicht das Problem. Überrascht hat es mich nicht, es hat mich einfach erfreut. Haben Sie in Ihrer Karriere schon mal ähnliche Stücke gespielt? Nein, man spielt eigentlich immer andere.

Ich meinte eher die Menge von hundert, zweihundert Leuten.

ten, waren wir je zwei Monate fest in Hamburg, Köln, Düsseldorf, Berlin…

Tourneen sind meist größer, man verdient da auch mehr. Das sind Riesenhallen. Bei Theatern, so kleinen wie der „Komödie“, muss es im intimen Rahmen bleiben.

Bleibt Ihnen noch Zeit, um Sehenswürdigkeiten, wie etwa das Fridericianum anzusehen?

Wenn Sie nun von Kassel nach Bremen gehen, das hätte ich als Tournee gesehen. Nein, das ist keine Tournee. Da ist man meist nur einen Tag in der Stadt. Man geht weiter, weiter, weiter. Mit Proben sind wir hier seit 2. Januar und haben dann über zwei Monate gespielt. Das heißt fest spielen. Und so ein Festspiel, haben Sie das schon mal gemacht? Als wir vor Jahren „Die KlimbimFamilie lebt“ auf die Bühne brach-

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Gelegenheit dazu hätte ich schon, aber keine Lust. Ich habe keine Lust, allein durch die Gegend zu marschieren, um den Herkules anzusehen. Da steh ich dann allein und guck mir den an, das ist nicht komisch. Ich habe sehr nette Leute in Kassel kennen gelernt. Wir treffen uns auch regelmäßig, aber die eine hat ein Strickgeschäft, muss also den ganzen Tag drin sein und die andere arbeitet im Büro. Das ist das Problem. Die arbeiten alle und wenn ich abends spiele, dann haben die frei. Und wenn ich frei habe, dann arbeiten die. Ich wünschte ab und an, es würde mehr passieren. Natürlich sind Interviews, aber an freien Tagen bin ich auch mal in Stuttgart, München, TagesSatz

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DAS GESP R Ä C H Berlin. Wenn man das Stück erst mal drauf hat, hat man es drauf. Zwar ist man ab fünf Uhr auf das Spiel konzentriert, aber der Tag ist ja noch vorhanden. Das Theater schenkt mir jetzt einen kleinen Hund (ich wollte eigentlich keinen mehr), als „Dankeschön“. Ist natürlich eine kleine Sensation, dass wir schon alles ausverkauft haben. Sie bekommen bis 16. April keine Karten mehr. Und da ich am 01. April Geburtstag habe, machen sie das gleich im Doppelpack. Mit Hund gehe ich natürlich mehr raus. Den Hund bekommen sie aber nicht am Ende des Gastspiels? Den hole ich mir am 04. April ab. Ich würde ihn schon gerne an meinem Geburtstag abholen, aber wir haben am 02. April eine Doppelveranstaltung. …die Samstage! Ich kann ja den Hund nicht lange allein lassen. Denn ich bin von drei bis halb elf abends am Theater.

Das ist halt so. Da kann man nichts machen… Das ist ja okay. Man ist ja mit dem Kopf auch schon ein kleines bisschen…wir haben ja nun zwölf Tage frei…dann war ich ja drei Monate nicht zu Hause, ich habe viel zu erledigen. Das muss ich dann alles erledigen und dann geht’s ja schon wieder nach Lübeck. Bremen kommt erst im August. Frau Steeger, Sie hatten ja vorher „Klimbim“ angesprochen. Da sind die meisten Kollegen ja leider verstorben. Bestehen denn da überhaupt noch Kontakte? Ja wie denn, wenn sie tot sind? Es sind ja nicht mehr viele. Da ist der Peer Augustinski. Mit ihm habe ich noch telefonischen Kontakt. Mit dem Wichard von Roell, der den Opa gespielt hat, weniger, ganz selten, dass wir mal te-

lefonieren…Wir können uns sehr gut leiden. Ansonsten ist keiner mehr da.

Ja, ich habe dann zwar Leute, die passen auf, aber ich muss ja bei der Kleinen bleiben, damit sie mich kennenlernt.

Sie hatten ja auch mit Iris Berben zusammen gedreht: die „Himmlischen Töchter“.

Das ist erfreulich. Da würde ich gerne mit der nächsten Frage daran anschließen. Haben Sie denn zwischenzeitlich in Kassel gute Kontakte geknüpft, so dass Sie, wenn Sie wollen, mit entsprechenden Leuten etwas machen können? Ja, das sind sehr nette Leute. Einmal ein älteres Ehepaar und die Frau im Strickladen. Sie hat ganz nette Freundinnen. Da werde ich jetzt bald mit der Straßenbahn hinfahren. Ist ja nur fünf Stationen entfernt, in Kirchditmold. Die besuche ich dann im Laden, wenn sie am Tage keine Zeit hat. Nun sind sie alle gespannt auf den Hund. Da muss ich jetzt überall herumfahren und den Hund zeigen.

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Horst Janson kenn ich noch, wie hieß denn das noch mal? Der Bastian. Genau. Das kommt ihm auch schon zu den Ohren raus. Ist halt so, Frau Steeger. Das haben wir früher auch geschaut. Waren halt die Jugendsünden. Ich habe sehr viel mit ihm Theater gespielt. Aber das ist meist auch nur telefonisch. Wenn ich jetzt nach München komme, dann ist er nicht da.

„Meine Freunde sind im Grunde keine Schauspieler“

Der ist ja noch neu und muss sich eingewöhnen.

TagesSatz

bin ich befreundet und auch mit seiner Frau. Ansonsten eigentlich nicht. Mehr so mit Künstlern, Galeristen, Malern, Designern, die Schmuck entwerfen…aber aus der Branche eigentlich weniger.

Das ist schon lange her. Das war auch während der Zeit von „Klimbim“. Da haben wir mal ausgesetzt und dann die `Himmlischen Töchter` gedreht. Danach ging es dann wieder mit Klimbim weiter. Aber da besteht kein….? War noch nie….das hat nichts damit zu tun. Ich kenne so viele Schauspieler, da kann ich nicht mit jedem befreundet sein. Wir haben uns zwar während der Dreharbeiten hervorragend verstanden, aber sobald die Dreharbeiten beendet waren, ging jeder woanders hin. Es ist selten, dass man aneinander hängen bleibt. Meine Freunde sind im Grunde keine Schauspieler. Bis auf Horst Janson. Mit dem

Letztendlich haben Sie sich ja einen guten Stand erarbeitet, da sich die Kontakte im Lauf der Zeit entwickelt haben…

Die Menschen sprechen mich natürlich auf der Straße an, aber ich kann mich nicht mit jedem treffen. Ich weiß ja nicht, was das für Menschen sind. Der eine Kontakt in Kirchditmold hat sich halt entwickelt, weil ich ja in einem Appartement gewohnt habe. In der Teichstraße hatte ich ja noch während der Proben gewohnt, weil die Theaterwohnung noch nicht frei war. Das hat sich so ergeben. Ich bin da immer an einem Strickladen vorbei und habe mir dann einen Pullover für die Bühne machen lassen. Dann kamen immer mehr Frauen dazu. Und nun treffen wir uns halt manchmal. Wir haben gesehen, dass Sie eine Facebook-Seite haben. Nutzen Sie die regelmäßig? Davon habe ich keine Ahnung. Die Seite ist nicht von mir. Vielen Dank für das Gespräch, Frau Steeger.

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Jörg „Yogi“ Müller

T I T E LT H E M A

Der mühevolle Weg zur Demokratie Die letzten Monate wurden geprägt von bewegenden Bildern aus Nordafrika und der arabischen Welt; die Massen von Menschen, die auf dem Tahrir-Platz in Ägypten friedlich tagelang gegen Husein Mubarak und für mehr Freiheiten und bessere Lebensbedingungen für die Bevölkerung demonstriert hatten, werden noch jahrelang in Erinnerung bleiben. Es war nach dem überraschenden Machtwechsel in Tunesien im Januar diesen Jahres einer der Momente, die Geschichte geschrieben haben – und der Ausgang ist noch völlig offen.

* CHRISTOPHER PILTZ UND JULIA WOLFFSON

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uch wenn die Proteste in Tunesien begonnen haben, dienen eher die Demonstrationen am Nil als weltweites Vorbild für Millionen von Menschen in der arabischen Welt: Bis heute gehen unter anderem im Jemen, in Libyen, Bahrain, Marokko und Syrien Menschen auf die Straße, um gegen die aktuelle Regierung und die Missstände in den jeweiligen Ländern zu demonstrieren. Nicht immer ging und geht es dabei so friedlich zu wie in Ägypten: In Libyen hat sich in den letzten Wochen ein Bürgerkrieg entwickelt, in den auch die Internationale Staatengemeinschaft involviert ist. Ein Wort fiel nach dem Abgang von

TagesSatz

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Wikipedia

TITELTH E M A

Von Dunkelgrün nach Dunkelrot: Die Nationen zwischen Demokratie und Diktatur (Stand 2010) Mubarak schnell: Demokratie. Das autoritäre Regime Mubaraks sei jetzt am Ende, hieß es, nun könne die Grundlage für eine demokratische Ordnung geschaffen werden. Der Beginn dafür wurde am 19. März gelegt: Ein Großteil der ägyptischen Bevölkerung (77 Prozent) stimmte einer Verfassungsänderung zu, die der amtierende Militärrat, der übergangsweise die Macht innehat, ausgearbeitet hatte. Mit diesen Änderungen soll der Weg frei werden zu freien und fairen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen. Es soll der Beginn eines weitgehenden Demokratisierungsprozesses werden. Aber was zeichnet eine Demokratie

aus? Sind es nur freie Wahlen oder spielen weitere Faktoren eine wichtige Rolle? Eine anerkannte Studie, die versucht, Staaten nach ihrem politischen System einzuordnen, ist der Demokratieindex. Dieser Index wird alle zwei Jahre von der Economist Intelligence Unit veröffentlicht, einem Forschungsunternehmen, das zu der gleichnamigen britischen Wochenzeitung „The Economist“ gehört. Die Länder werden dabei in vier Regimetypen eingeteilt: Vollständige Demokratien (26 Staaten weltweit, Stand: 2010), fehlerhafte Demokratien (53), Hybridregime (33) und autoritäre Regime (55). Als Grundlage für das Ranking wählte der Economist fünf Kategorien aus, mit denen 165 Länder

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Nun stellt sich die Frage, was für Auswirkungen demokratische Strukturen auf das Leben der Bürger eines Landes haben. Oder anders herum ge-

Vollständige Demokratie

Fehlerhafte Demokratie

Norwegen (Platz 1)

Italien (Platz 29)

Als vollständige Demokratien dürfen sich alle skandinavischen Länder sehen, außerdem die anglophonen Länder, Deutschland (allerdings nur auf Platz 14), ebenso zum Beispiel Südkorea und Japan. Was macht Norwegen nun zu solch einer perfekten Demokratie? Das Land ist ein reiches Land, von natürlichen Ölvorkommen gesegnet, mit dem höchsten Lebensstandard der Welt, das Pro-Kopf-Einkommen ist eins der höchsten der Welt, ebenso das Kindergeld. Außerdem hat Norwegen als erstes Land der Welt eine Geschlechterquote von 40 Prozent eingeführt. Ob diese Erfolge allerdings Bedingung oder Folge für ein hohes Maß an Demokratie sind, ist unklar. TagesSatz

(Kleinststaaten wurden nicht beachtet) untersucht wurden: Wahlprozess und Vielfältigkeit, bürgerliche Freiheit, Funktionsweise der Regierungen, politische Partizipation der Bürger und die politische Kultur. So kann ansatzweise versucht werden, politische Strukturen vergleichbar zu machen. Dies ist jedoch auch einer der Hauptkritikpunkte: Da es nur eine vereinfachte Darstellung der Realität und Komplexität der bestehenden Ordnung sei, sei die Aussagekraft nicht überzubewerten.

In dieser Kategorie befinden sich Indien, Südafrika, die meisten osteuropäischen Länder, Israel, viele süd- und mittelamerikanische Länder, Indonesien und Thailand, Namibia und Ghana, aber auch zum Beispiel Frankreich und Italien. Italien rutschte im Demokratieindex von 2008 bis 2010 von der vollen zur fehlerhaften Demokratie ab. Als Silvio Berlusconi 2008 zum wiederholten Male an die Macht kam, verschlechterte sich die Situation der Freiheit der Medien extrem, so die Economist Intelligence Unit. Berlusconi besitzt drei nationale TV-Sender und übt außerdem indirekten Druck auf RAI, den staatlichen Rundfunk aus, so dass negative oder kritische Berichterstattung über den Politiker ignoriert oder zensiert wird.

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T I T E LT H E M A fragt: Was für Auswirkungen hat das Leben der Menschen auf die Demokratie? Der US-Politikwissenschaftler Seymour Martin Lipset stellte schon in den 60er Jahren die These auf, dass der Wohlstand eines Landes mit der Fähigkeit zur Aufrechterhaltung der Demokratie zusammenhängt. „The more well-to-do a nation, the greater the chances that it will sustain democracy” (Je wohlhabender eine Nation ist, desto größer ist die Chance, dass Demokratie bestehen kann). Daraufhin konnte empirisch nachgewiesen werden, dass wohlhabende Länder mit einer gro-

beitslosigkeit im Land. Dazu kommt erschwerend hinzu, dass weltweit die Lebensmittelpreise stiegen – von Wohlstand war die ägyptische Bevölkerung weit entfernt. Aber gerade für diesen rebellierten Millionen friedlich auf den Straßen und Plätzen, da sie wussten, dass das bestehende Regime nichts an der Situation ändern würde. Nun bleibt abzuwarten, wie und ob Ägypten das Experiment Demokratie umsetzen

Kann Ägypten das Experiment Demokratie umsetzen? ßen Wahrscheinlichkeit Demokratien sind. Doch muss man auch bei dieser Studie wieder Einschränkungen machen, sind es doch nur Tendenzen – wenn auch erhebliche, die nachgewiesen wurden – und keine deterministischen Zusammenhänge. Der Wohlstand eines Landes ist unter anderem mitentscheidend für den Erfolg einer Demokratie: Diese These überrascht, wenn man auf die Ursachen für die Proteste in Ägypten schaut. Zwei der Gründe, warum die Menschen gegen die Regierung Mubarak protestierten, waren die wachsende Armut und die steigende Ar-

kann. Innerhalb von sechs Monaten muss die Bevölkerung jetzt ein Parlament wählen, viel Zeit für die Entwicklung einer vielfältigen Parteienlandschaft bleibt da nicht. Im Anschluss an die Wahlen muss wiederum in nur wenigen Monaten eine Verfassung ausgearbeitet werden. Man kann nur hoffen, dass die Forderungen der Ägypter nach mehr politischer Mitbestimmung weitgehend beachtet werden – denn die Proteste waren nur der erste, kleine Schritt.

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Hybridform

Autoritäres Regime

Nicaragua (Platz 89)

Nordkorea (Platz 167, letzter Platz)

Eine Mischform zwischen Demokratie und autoritärem Regime stellen unter anderem Pakistan, viele afrikanische Länder, Hongkong und Bolivien, Russland und Bosnien Herzegowina dar. Außerdem Nicaragua. Das kleine zentralamerikanische Land ist ein sehr armes Entwicklungsland. Bis 2008 gehörte es der Riege der fehlerhaften Demokratien an, allerdings änderte sich dies mit der Präsidentenwahl 2007. Eigentlich verbietet die Verfassung eine Wiederwahl des Präsidenten. Daniel Ortega zwang den obersten Gerichtshof des Landes allerdings diese Regel aufzuheben. Damit löste sich eine wichtige Grundlage der Demokratie auf, nämlich die Gewaltentrennung zwischen der gesetzgebenden, der ausführenden und der rechtsprechenden Macht. Dies hat schwerwiegende Folgen für die „checks and balances“, Kontrolle und Ausgeglichenheit, einer Demokratie. 10

Ob die nordafrikanischen Länder wie Ägypten und Libyen diese Kategorie der undemokratischten Länder verlassen werden, ist noch fraglich. Im Jahr 2010 gehörten neben diesen Ländern auch Iran und Saudi-Arabien, Afghanistan, China und Vietnam, Äthiopien und Angola und viele andere zu dieser Kategorie. Den letzten Platz belegt im Demokratieindex Nordkorea. Das sozialistische Land schottet sich komplett von der Außenwelt ab, es legt auch wirtschaftlich großen Wert darauf, ein autarkes Land zu sein. Die zentralistische Planwirtschaft führt jedoch dazu, dass im Land großer Hunger herrscht, vor allem im Frühling, wenn die Vorräte durch den Winter aufgebraucht sind. Trotzdem wird nur sehr spärlich humanitäre Hilfe ins Land gelassen, mit Ausländern darf nicht geredet werden und internationale Kritik, zum Beispiel an Atomwaffentests Nordkoreas, wird abgeblockt. TagesSatz

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TITELTH E M A

Dr. Nele Noesselt, akademische Rätin am ostasiatischen Seminar der Uni Göttingen, ist Politikwissenschaftlerin und Sinologin. Studiert hat sie in Heidelberg, Wien und Peking. Mit dem TagesSatz sprach sie über die Volksrepublik (VR) China und wie man mit diesem Land umgehen kann.

Christopher Piltz

Eine Frage der Perspektive

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rau Noesselt, was macht das politisches System in China so besonders?

Ganz eindeutig die Struktur. Sie leitet sich einerseits vom System der Sowjetunion ab, andererseits aber wurde sie auf den chinesischen Fall übertragen. Dazu kommt die Gesellschaft, die nicht in Opposition zum Staat tritt, sondern die in das System gewissermaßen eingebunden wurde und dessen Grundprinzipien – mit denen die Wahrung der ökonomischen Prosperität und sozio-ökonomischen Stabilität verbunden ist – anerkennt. Das ist eine Vorstellung, die wir nicht kennen. Wir gehen immer davon aus, dass die Gesellschaft, wenn sie freier und liberaler wird, sich mit ihren eigenen Interessen gegen den Staat und die Regierung stellt. Das ist in China nicht der Fall. Eine Destabilisierung des Systems ist nicht im Interesse des chinesischen Volkes, denn die Erinnerung an die Kulturrevolution und andere Massenkampagnen der maoistischen Phase ist noch sehr präsent und soll nicht wiederholt werden. Ist die Demokratie eine Frage der Zeit? Und: Strebt jedes System zwangsläufig auf eine Demokratisierung hin?

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In China haben wir keine gesamtdemokratische Struktur, aber wir haben demokratische Experimente. Zum Beispiel gibt es Dorfwahlen und in einzelnen Städten die Direktwahl des Bürgermeisters. Schon lange wird argumentiert, dass China nicht schlagartig zu einer Demokratie werden könne, sondern als letzten Schritt einen langsamen Übergang zu demokratischen Strukturen vollzieht. Es wird durchaus darüber diskutiert, aber nicht über eine Kopie der westlichen Form von Demokratie, sondern über Demokratie aus einem chinesischen Kontext heraus.

PILTZ UND * CHRISTOPHER JULIA WOLFFSON

TagesSatz

IM GESPRÄCH MIT DR. NELE NOESSELT

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Ist die chinesische Tradition ein Grund, warum China für den Westen so schwer verständlich ist?

Tradition spielt sicherlich eine Rolle, aber auch die wiedererfundene Tradition. Was China für uns so schwierig macht, sind die Struktur und der Entwicklungsweg – wir haben da ein System, was sich unserer Vorstellung von Transformation eines Staates entzieht, denn trotz der Einbindung der VR China in die internationale Politik und den Handel ist eben kein Systemwandel nach westlichen Muster erfolgt – und dadurch wird China schwer einschätzbar für uns. Die Medien bezeichnen China gerne als „Ein-Parteien-Diktatur“ – da ist wieder dieses populärwissenschaftliche Schlagwort – und verbunden mit seiner eigenständigen Philosophie, die wir auch nur in Eckpunkten kennen, wird das Ganze fremdartig. Der Demokratieindex versucht die Staaten der Welt in eine Rangfolge der Demokratie einzuordnen. China steht auf Platz 137, zwei Plätze vor Ägypten unter Mubarak. Was sagen Sie dazu? Die Kriterien, die hier angewendet werden, sind Kriterien, die normativ sind. Sonderformen der Demokratie werden hier nicht berücksichtigt. Jetzt kann man sagen, dass diese Sonderformen eben keine Demokratien sind. Aber vielleicht muss man auch bedenken, dass es neben der Demokratie auch andere Kriterien gibt, um ein System zu beurteilen. Zum Beispiel der Faktor Stabilität: Es kann durchaus sein, dass ein System nicht demokratisch ist, aber trotzdem die nötige Stabilität besitzt, die der Bevölkerung eine gewisse materielle Grundversorgung gewährt. Und dann sieht man auch mit Blick auf China – wenn man bedenkt, dass hier Millionen von Menschen in den letzten Jahren aus der absoluten Armut befreit wurden –, dass man vielleicht nicht nur mit Demokratie argumentieren sollte. Frau Noesselt, vielen Dank für das Gespräch!

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Anja Banzhaf

T I T E LT H E M A

Iran Aus einem anderen Blickwinkel * STEFAN GIEBEL Anstatt andere Länder und Kulturen aus sich heraus zu verstehen, neigt der Westen immer noch dazu, aus dem Gefühl der Dominanz der eigenen Kultur, vernichtende Urteile über andere Länder zu fällen.

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der er versucht, rein aus der Vernunft des Kaufmanns heraus seine unternehmerischen Interessen durch eine unterschiedliche Bewertung der Länder durchzusetzen. Wie ein Junkie ist die Politik zunehmend durch ökonomische Interessen geprägt: Deutschland liegt auf Platz fünf des Energieverbrauchs pro Kopf. Der Glaube an stetiges Wachstum verringert nicht gerade den Hunger an Ressourcen. Wer wenig nachhaltige, billige fossile Brennstoffe braucht, um seine Industrien anzutreiben, kann nicht am Nahen Osten vorbeikommen. Der Iran rangiert bei den Erdölreserven auf Platz drei weltweit hinter SaudiArabien und Kanada und bei Erdgas sogar auf Platz zwei hinter Russland. Damit liegen unter iranischem Boden nahezu ein Zehntel aller bekannten Ressourcen von Erdöl und fast ein Fünftel des Erdgases.

schnittsalter in Deutschland um die 39 Jahre liegt bei dem anderthalbfachen des Irans mit 26 Jahren (Stand 2008). Deutschland hat einen jährlichen Bevölkerungsschwund von 0,06%, während die Bevölkerung des Irans 2005 noch um 1,39% wuchs. Im Falle des Irans ist festzustellen, dass die westliche Berichterstattung häufig einseitig negativ ausfällt. Meist wird der Iran mit drakonischen Strafen in Verbindung gebracht. Der Vergleich mit den Nachbarländern der Region wird gescheut: Ebenfalls Länder aus dem Mittleren Osten wie Kuwait,

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Bei der momentan diskutierten Verurteilung einer Ehebrecherin zur Todesstrafe ging es nicht nur um den Ehebruch, sondern auch um den mutmaßlichen Mord an ihrem Gatten. Ein Delikt, welches in den Vereinigten Staaten auch bei psychisch Erkrankten und geistig Behinderten mit dem Tode geahndet wird, wie Amnesty International 2006 feststellte. Nachweislich hat die Todesstrafe bisher in keinem Land der Welt zu einer Verringerung der Kriminalität geführt und entstammt mehr dem traditionellen Racheverständnis als einem modernen Rechtsstaat. Die Kriminalitätsrate im Iran liegt generell niedrig und nahm sogar noch von 2005 bis 2010 weiter ab. Einer der Gründe könnte durchaus in der Verwurzelung der Gesellschaft in der Religion zu sehen sein, denn die strafrechtliche Norm ist allein aufgrund der Religion und nicht erst durch die Strafverhängung gültig. Weitere Gründe könnten auch in der Bindung an die Familie liegen und im Alkoholverbot. Eine der größten Ursachen von Gewalttaten in der westlichen Gesellschaft ist der Alkoholrausch.

Der Westen und die Wirtschaft

Der Iran zählt darüber hinaus zu den größten Staaten der Welt: Die Bevölkerung entspricht der Deutschlands auf einer Fläche, die viermal so groß ist wie Deutschland. Das Durch12

Oman und Saudi-Arabien liegen bei der Anzahl an öffentlichen Hinrichtungen auf der Weltrangliste auf Platz sechs, sieben, elf und damit noch vor dem Iran. Die Scharia, das Gesetz des Islam, findet nicht nur im Iran, sondern in vielen Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas Anwendung. Ihre Anwendung ist vor allem in Bezug auf die Religion zu sehen und weniger in ihrer weltlichen Wirkung, ob zum Erhalt des Rechts oder zur Abschreckung.

TagesSatz

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TITELTH E M A Ehescheidungen im Iran sind durchaus erlaubt und die Scheidungsrate hat sich von 2000 bis 2010 verdreifacht. Gründe dafür sind zum einen das mittlerweile hohe Bildungsniveau von Frauen und zum anderen die damit verbundene Möglichkeit, wirtschaftlich unabhängig vom Mann zu sein. Ein weiterer Faktor könnte sein, dass Ehen sehr jung geschlossen werden und vielleicht eher der Neugier nach sexuellen Erfahrungen entstammen als dem Wunsch nach einer Partnerschaft. Eine ähnliche Entwicklung ist im Westen zu sehen, in der Partnerschaft auf Lebenszeit eine immer geringere Rolle spielt. Demokratische Grundregeln, die den westlichen Standards genügen, sind bei kaum einem Staat im Nahen Osten zu finden. Der Westen ist aber weniger an einer Demokratie interessiert, als vielmehr an ihm genehmen Regierungen, was sich in der Unterstützung der jeweiligen Herrscherfamilien in der Region und in dem Erstaunen über das Aufbegehren des jeweiligen Volkes in Libyen, Tunesien und Ägypten zeigt.

Besonders schwierig erscheint es für den Westen, die hohe Stellung der Religion in der Verfassung des Irans zu verstehen. Während in den westlichen Demokratien sich der Staat von der Religion mehr oder weniger gelöst hat, sind Staat und Religion im Iran offiziell eng miteinander verbunden. Der verborgene zwölfte Imam, übersetzt „Vorsteher“ oder „Anführer“, ist gemäß der Verfassung uneingeschränktes Staatsoberhaupt. Er ist der Mahdi, der bei seinem Wiedererscheinen den jüngsten Tag einläutet.

Dialog statt Isolation Der Bezug zu den zwölf Imamen und die Stellung des Mahdi ergibt sich aus der mehrheitlichen Zugehörigkeit der Iraner zur schiitischen Konfession, der zweitgrößten Gruppe des Islam. Die Schiiten betrachten nicht Abu Bakr, den ersten Kalifen nach dem Propheten, als den rechtmäßigen Nachfolger, sondern den Schwiegersohn und Vetter des Propheten Ali. Eine Nachfol-

ge des Propheten kann nur innerhalb der Nachfahren Alis beziehungsweise eines Imams erfolgen. Zusätzlich zum Bekenntnis zu „Allah“ und dem Propheten, bekennen die Schiiten, dass Ali der Freund Gottes ist. Der Iran zeigt, wie sehr bei aller Kritik an anderen Gesellschaften, wie wenig der Westen sich mit sich selbst beschäftigt und wie dringend dies für seine eigene Glaubwürdigkeit nötig wäre. Um einen Frieden in der Region zu schaffen, ist die Erkenntnis wichtig, dass die weitgehende Isolation des Irans nicht zu einem Dialog führt, sondern das Unverständnis füreinander weiter erhöht, sowie die „Falken“ auf allen Seiten bestärkt. Ein friedlicher Dialog auf allen Ebenen würde zur Stabilisierung der Region mehr beitragen. Dafür muss der Westen lernen, in seinen Verhandlungen den Anderen als Anderen in seinem Anderssein nicht nur zu tolerieren, sondern zu akzeptieren.

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Das iranische Volk setzte 1979 im Zuge der islamischen Revolution die damalige Herrscherfamilie ab, die die Ölressourcen des Landes an die British Petrol verscherbelte. Die Ursachen der islamischen Revolution sind zum einen in der seit den fünfziger Jahren begonnenen Landflucht und damit in der Konzentration großer Teile der Bevölkerung in den Städten und zum anderen in den gescheiterten Erwartungen auf wirtschaftliche Verbesserungen zu sehen. Mit der islamischen Revolution ging eine Ablehnung der westlichen Vorstellungen von „Modernisierung“ und „Entwicklung“ einher. Die Religion wurde Basis des heutigen Staatsverständnisses. Die Vereinigten Staaten reagierten militärisch bis hin zur Lieferung von Giftgas an den damaligen Verbündeten Irak für den achtjährigen Krieg gegen den Iran (1980-1988). Für die Vereinigten Staaten scheint dabei vor allem die Deckung des Dollars durch das Öl auf den Weltmärkten wichtig, gerade angesichts der mehr und mehr desolaten Haushaltslage. TagesSatz

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Ali Mansuri

T I T E LT H E M A

Land des Wahabismus Saudi-Arabien befindet sich in einem tiefen Widerspruch zwischen seiner wirtschafts- und sicherheitspolitischen Bindung an die USA und seiner streng islamischen Innenpolitik.

* FRITZ KROGMANN

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bn Abd al-Wahab war ein religiös-fundamentalistischer Gelehrter, der im 18. Jahrhundert in der Nähe von Mekka lebte. Da er den Islam in einem streng monotheistischen Sinn verstand und vor allem die in Arabien verbreitete Verehrung der Heiligen und ihrer Gräber bekämpfte, wurde er schließlich aus seiner Heimat vertrieben und fand Exil bei Muhammad ben Saud, dem Herrscher eines kleinen Stadtstaats in der Gegend von Riad. Durch das Bündnis mit dem Wahabismus fühlten sich Ben Saud und seine Nachfolger dazu legitimiert, eine offensive Expansionspolitik zu betreiben. Von 1765 bis 1803 eroberten die Wahabiten große Teile Arabiens und des Irak, wobei sie zahlreiche Heiligtümer der Schiiten verwüsteten. Als schließlich auch Mekka und Medina in ihre Hand fielen, griff das Osmanische Reich ein. Der Sultan entsandte den Vizekönig von Ägypten. Die Wahabiten hatten dessen modern ausgerüsteten Truppen nichts entgegenzusetzen. 1818 musste schließlich auch der Stammsitz der Familie Saud kapitulieren. Der damalige Herrscher, Abdallah ben Saud, und mehrere wahabitische Gelehrte wurden öffentlich hingerichtet. Das kleine Reich der Saudis versank in Bedeutungslosigkeit. TagesSatz

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TITELTH E M A Erst nach dem Auseinanderbröckeln des Osmanischen Reiches gelang Abd al-Aziz ibn Saud eine erneute siegreiche Expansion. Durch die Ansiedlung freier Beduinenstämme, die von wahabitischen Predigern indoktriniert wurden, schuf er sich eine schlagkräftige Armee, die 1925 das westliche Arabien eroberte. Als die wahabitischen Fundamentalisten damit begannen, die Heiligengräber in Mekka und Medina zu zerstören, kam es jedoch zu einem ersten Konflikt zwischen ihnen und dem saudischen Königshaus, dem die wirtschaftliche Bedeutung der Pilgerfahrt nach Mekka wichtig war. 1932 wurden alle okkupierten Gebiete zu dem neuen Staat Saudi-Arabien vereinigt. Vor der Ausbeutung der Ölvorkommen gehörte Saudi-Arabien zu den ärmsten Ländern der Welt. 1933 erteilte Abd al-Aziz der amerikanischen Firma Standard Oil of California eine Konzession zur Ölförderung, zu der die Araber selbst nicht die technischen Mittel besaßen. Bald darauf war das Land einer der reichsten Staaten der Region.

den. Auf den Iran-Irak-Krieg und die sowjetische Besetzung Afghanistans folgte der Überfall der Truppen Saddam Husseins auf Kuwait. Da König Fahd die militärische Überlegenheit des Iran und Irak fürchtete, ermöglichte er 1990 erstmals die Stationierung amerikanischer Truppen auf saudi-arabischem Gebiet, was die Entstehung einer starken islamistischen Oppositionsbewegung zur Folge hatte. Auch die amerikanische Reaktion nach dem Attentat vom 11. September 2001 stellte die saudische Regierung vor große innenpolitische Probleme. Präsident Bushs „Feldzug gegen den Terror“ wurde von einigen arabischen Presseorganen sogar als „Völkermord“ kritisiert. Das ausschließlich auf wirtschaftlichen und geostrategischen Interessen basierende Bündnis zwischen den USA und Saudi-Arabien überstand jedoch auch diese Belastungsprobe. Der seit 2005 regierende König Abdullah setzte die unter Fahd

schlossen, die mit Osama bin Laden und den Taliban sympathisiert. Seit den siebziger Jahren gab es in Saudi-Arabien immer wieder Terroranschläge, deren Ziel vor allem amerikanische Einrichtungen waren. Nach einer schweren Terrorwelle im Jahr 2003 ließ das Königshaus drei prominente Kleriker, die öffentlich Partei für die „Glaubenskämpfer“ ergriffen hatten, inhaftieren. Nach der Abschaffung der Sklaverei 1962 wurden nach und nach über sechs Millionen Fremdarbeiter aus afrikanischen und asiatischen Staaten wie Ägypten, Indien und Pakistan nach Saudi-Arabien geholt. Sie stellen heute über 60 Prozent der arbeitenden Bevölkerung und sind zahlreichen Benachteiligungen ausgesetzt. Üblicherweise müssen sie beim Arbeitgeber ihre Pässe abliefern und werden oft für andere Tätigkeiten eingesetzt und schlechter bezahlt, als ursprünglich vereinbart war.

Eine Mischung aus Öl und Religiosität

Nach dem Tod von König Abd al-Aziz im Jahr 1953 wurde die Krone nacheinander an fünf seiner ursprünglich 35 Söhne weitergegeben. König Faisal (1964-75), der nach der Absetzung seines unfähigen Bruders Saud (1953-64) an die Regierung gelangte, erwarb sich durch die erfolgreiche Bewältigung eines Konflikts mit Ägypten internationales Ansehen und konnte sogar ein kurzfristiges Ölembargo durchsetzen, um die USA zu einer ausgewogeneren Haltung gegenüber Israel zu zwingen. 1975 wurde Faisal von einem seiner Neffen ermordet. Die Regierungszeit der Könige Chalid (1975-82) und Fahd (19822005) war von innen- und außenpolitischen Krisen überschattet. 1979 besetzten militante Islamisten die Große Moschee in Mekka und nahmen für einige Wochen mehrere hundert Pilger als Geiseln. Auch unter den arabischen Schiiten brachen Unruhen aus, die von Ayatollah Khomeinis Regime in Teheran unterstützt wurTagesSatz

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begonnenen vorsichtigen innenpolitischen Reformen fort. Auf seine Initiative hin wurden 2006 erstmals sechs Frauen in den saudischen Ministerrat berufen. Der Reformprozess kommt jedoch, aus westlicher Sicht gesehen, nur schleppend voran, da beispielsweise der Begriff „Menschenrechte“ in Arabien aus eindeutigen Bestimmungen des Islam abgeleitet und damit völlig anders interpretiert wird als in Europa oder den USA. Die seit langem von internationalen Menschenrechtsorganisationen an Saudi-Arabien geübte Kritik zeigt Konfliktpunkte auf, die wohl kaum gelöst werden können, solange der wahabitische Islam das prägende Element des Landes bleibt. 15 der 19 Attentäter vom 11. September stammten aus Saudi-Arabien, das auch heute noch als Kernland des islamischen Terrors gilt. Während einige der religiösen Gelehrten die Interessen des Königshauses loyal unterstützen, haben sich andere zu einer starken und beim Volk einflussreichen Oppositionsbewegung zusammenge-

Frauen sind in Saudi-Arabien rechtlich stark eingeschränkt. Sie unterliegen einer gesetzlichen männlichen Vormundschaft, dürfen kein Kraftfahrzeug lenken und müssen in der Öffentlichkeit ihren Körper mit bodenlangen schwarzen Gewändern, die nur die Augen freilassen, verhüllen. Am Arbeitsplatz wird auf strikte Geschlechtertrennung geachtet. 2002 starben 14 Schülerinnen beim Brand einer Mädchenschule, weil die Religionspolizei sie wegen ihrer nicht vorschriftsmäßigen Bekleidung an der Flucht hinderte. Das saudische Rechtssystem wird von der Scharia dominiert. Die meisten Strafrichter sind wahabitische Gelehrte. Oft finden die Gerichtsverhandlungen im Geheimen statt, ohne dass die Angeklagten über den Prozessverlauf informiert werden. Auch auf polizeiliche Folter und erzwungene Geständnisse wird immer wieder von den Menschenrechtsorganisationen hingewiesen. Von 1993 bis 2009 wurden in Saudi-Arabien mehr als 1900 Todesurteile vollstreckt. Die übliche Hinrichtungsmethode ist die öffentliche Enthauptung durch das Schwert.

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D E R S T O L P ERSTEIN

Von der Materie keine Ahnung

sei. So machen wir einen Termin an einem Wochentag aus. Da ich das Gefühl habe, dass man mit der Frau am Telefon ganz gut reden kann, lasse ich mir von ihr den Weg von der Straßenbahnhaltestelle zu ihrer Einrichtung beschreiben: „Ganz einfach: Wenn Sie die Friedrich-Ebert-Straße langgehen, biegen Sie rechts in die Friedrich-Engels-Straße ein, und da sehen Sie es schon.“ „Eben nicht“, antworte ich, „denn ich bin blind.“ „Oh Entschuldigung, das wusste ich nicht. Dürfen wir Sie denn irgendwo abholen?“ Trotz des anfänglichen Schreckens gelingt es uns gut, uns zu einigen, dass man mich zu einer festen Uhrzeit auf der Straße in Empfang nehmen wird. Wir beide sind froh, dass wir die anfänglichen Probleme doch noch gemeinsam lösen konnten und legen beruhigt den Hörer auf.

Hilfen für Sie anbieten.“ Skeptisch gebe ich zu bedenken, dass ich doch erst Ende letzten Jahres an einer Coaching-Maßnahme teilgenommen habe. „Das stimmt“, antwortet er, „aber hier hilft man Menschen, die nicht nur aufgrund ihres Alters über fünfzig, sondern plus einem weiteren Grund, also bei Ihnen die Behinderung, erhöhte Probleme haben, Arbeit zu finden. Und da“, betont er voller Enthusiasmus, „ist das Programm 50 Plus für Sie doch genau das Richtige.“ Im März soll der erste Termin stattfinden. Ich warte also voller Neugier und Skepsis auf die Einladung durch das Coaching-Center.

Am nächsten Tag klingelt bei mir das Telefon. Am Apparat ist der Leiter des Coaching-Centers persönlich. Was verschafft mir die Ehre, frage ich mich mit großem Erstaunen. „Sie sind uns von der Arbeitsförderung Kassel (AFK) für eine Coaching-Maßnahme im Rahmen des Programms „50 Plus“ vermittelt worden“, beginnt er seine Ausführungen. „Doch leider mussten wir gestern zufällig bei einem Telefongespräch mit Ihnen erfahren, dass Sie blind sind. Von daher sind die Coaching-Maßnahmen, die von uns angeboten werden, für Sie natürlich nicht geeignet.“ Der gestern ausgemachte Termin würde also ausfallen. Er habe die AFK auch schon schriftlich davon in Kenntnis gesetzt. Ich solle mich dort in ein paar Tagen melden, um mit ihnen das weitere Vorgehen abzustimmen. Für meine Zukunft wünscht er mir alles Gute und beendet das Gespräch.

Andrea Tiedemann

* GLOSSE VON STROMBOLI

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m Januar muss ich mich mal wieder bei meinem Sachbearbeiter im Jobcenter persönlich rückmelden. Was wird das heute wieder geben, frage ich mich mit gemischten Gefühlen? Schließlich hat bisher noch keine der Maßnahmen, die ich durchlaufen musste, zum Erfolg, also zu einer Arbeitsstelle, geführt. Gelangweilt, aber auch unruhig setze ich mich ihm gegenüber auf einen Stuhl. Er blättert in seinen Unterlagen und meint dann: „Heute habe ich etwas ganz Besonderes für Sie: Sie sind doch über fünfzig Jahre und finden schon allein aufgrund Ihres Alters keine Arbeit mehr. Ich habe hier ein Programm, das sich genau an diese Menschen richtet und versucht, ihnen zu helfen. Die Maßnahme heißt „50 Plus“ und setzt sich aus regelmäßig stattfindenden Einzelgesprächen in einem Coaching-Center über mehrere Monate zusammen. In den Gesprächen kann man gezielt Ihre Wünsche und Bedürfnisse kennenlernen und spezielle

Im Februar laden sie mich schriftlich zum ersten Gesprächstermin in ihre Räumlichkeiten ein. Was ist denn das, frage ich mich besorgt? Ist das nicht ein Samstag? Um da sicherzugehen, rufe ich im Center an und frage, ob man bei ihnen auch am Samstag Termine anbieten würde. Die Dame am Telefon prüft das und meint dann, dass da wohl der Sekretärin ein Fehler unterlaufen 16

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TagesSatz

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misterQM (photocase.com)

PARAGRAPHENR E I T E R

Im Namen des Volkes

So funktioniert das „Bildungspaket“ HILFESTELLUNGEN ZUR NEUREGELUNG Es ist geschafft. Bundesministerin Ursula von der Leyen hat ihre neue Sozialgesetzgebung durchgesetzt. Am 01. April trat die Neuregelung, rückwirkend zum 01.01.2011, in Kraft.

* HANS PETER PUNG

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amit verbunden ist eine Erhöhung der Regelleistung von fünf Euro auf nunmehr 364 Euro. Das heißt also, Leistungsberechtigte haben rückwirkend Anspruch auf eine höhere Leistung. Die neuen Bewilligungsbescheide werden derzeit verschickt, die Nachzahlung erfolgt automatisch. Ab 01. April gilt auch das sogenannte „Bildungspaket“ für Kinder und Jugendliche. Hierbei ist zu beachten, dass diese Leistungen nur auf Antrag gewährt werden. Hierzu wendet man sich an seinen zuständigen Fallmanager (Sachbearbeiter), der auch über das Angebot informieren soll. Nach langer Zeit möchten wir diesmal wieder einen Blick auf die (aktuelle) Rechtsprechung werfen:

Kein Fernseher Ein Fernsehgerät gehört nicht zur Erstausstattung einer Wohnung. Dies geht aus einer Entscheidung des Bundessozialgerichtes (BSG) hervor. Zur Begründung führen die Richter an, dass zur Erstausstattung einer Wohnung wohnraumbezogene Gegenstände gehören würden, die für eine geordnete Haushaltsführung und ein an den herrschenden Lebensgewohnheiten orientiertes Wohnen erforderlich sind. Dazu gehöre ein FernsehgeTagesSatz

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rät nicht, da es weder Einrichtungsgegenstand noch Haushaltsgerät sei. Konsumgegenstände, wie zum Beispiel ein Fernsehgerät, die entsprechend verbreitet seien, könnten von daher, im Gegensatz zum Rechtszustand unter dem Bundessozialhilfegesetz, nur noch darlehensweise erbracht werden.

sem Zusammenhang darauf hin, den Bewilligungsbescheid sorgfältig und vollständig zu lesen. Dem Kläger wurde vorgeworfen, dass er den Hinweis auf den Folgeantrag nicht zur Kenntnis genommen habe. HSG, Urteil vom 18.12.09 – L 7 AS 413/09

Kinderzimmer BSG, Urteil vom 24.02.11 – B 14 AS 75/10 R

Hartz IV-Antrag begrenzt „haltbar“ Wer Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch bezieht, erhält diese Leistung nur für den Zeitraum, für den diese bewilligt wurde. Ein Folgeantrag muss rechtzeitig gestellt werden, da die Widergewährung bei weiterhin bestehendem Anspruch erst ab dem Tag erfolgt, an dem der Folgeantrag eingereicht wurde. Mit Ablauf des Bewilligungszeitraumes wird der alte Antrag wirkungslos. Weitere Leistungen sind erst aufgrund eines Folgeantrages zu gewähren. Mit dieser Entscheidung widersprachen die Richter des Hessischen Landessozialgerichtes (HSG) einem Urteil aus erster Instanz. Dies gelte jedenfalls dann, wenn der Leistungsberechtigte zuvor auf die Notwendigkeit des Folgeantrages rechtzeitig und zutreffend hingewiesen wurde. Die Richter wiesen in die-

Es gibt keinen generellen Grundsatz dahingehend, dass jedem Kind unabhängig vom Alter ein eigenes Zimmer zu Verfügung stehen muss. Einen Umzug aus diesem Grund als notwendig anzusehen, besteht weder im Sozialhilferecht noch im Recht der Grundsicherung nach dem SGB II (Hartz IV). Dies geht aus einer Entscheidung des Sächsischen Landessozialgerichtes (SSG) hervor. Auch die geringfügige Unterschreitung des Angemessenheitsstandards indiziert keine Wohnungsunterversorgung. Die Flächenwerte des Angemessenheitsstandards stellen einen Höchstwert und keinen Mindestwert dar. Ein Umzug ist nicht erforderlich, weil es in der Regel zumutbar ist, dass sich zwei Kinder im Vorschulalter ein Zimmer teilen. Eine Entscheidung muss jedoch auf den konkreten Umstand des Einzelfalles abgestellt werden. SSG, Urteil v. 04.03.11 – L 7 AS 753/10 B ER 17


GÖTTINGEN

Musikinstrumente zum Anfassen

* PIA ZOJER

Spätestens im Juni ist Göttingen wieder im Musikfieber. Dabei hat die Stadt auch außerhalb der Händel-Festspiele viel Musik zu bieten: Das Musikwissenschaftliche Seminar im Accouchierhaus ist nicht nur optisch eine Augenweide, im 2. Stockwerk befindet sich eine umfangreiche Sammlung an Musikinstrumenten. Und auch in der nahen Umgebung finden sich lohnenswerte Ausstellungen.

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Pia Zojer

erantwortlich für die Sammlung in der Kurzen-GeismarStraße 1 ist der Kustos KlausPeter Brenner, der uns gerne die Pforten öffnet und ungestört stöbern lässt. Nur die Taschen müssen draußen bleiben. Gleich im Eingangsbereich sind Klaviere und ihre Artverwandten aus mehreren Jahrhunderten aufgestellt, die einen guten Vergleich untereinander zulassen. Das kleine Nähtischklavier mit integrierter Nähtischvorrichtung etwa ähnelt tatsächlich einem kleinen Beistelltisch. Auch die folgenden Ausstellungskästen können häufig mit einer vergleichenden Aufstellung der Instrumente dienen. Die Räume selbst sind nach Regionen und Instrumentenarten aufgeteilt. Insgesamt 1788 Instrumente umfasst die Sammlung und ist damit rein zahlenmäßig auf Platz sieben in Deutschland. Auch wenn die Sammlung Exponate der ganzen Welt umfasst, sind mehr als die Hälfte europäischer Herkunft. Ein nennenswerter Teil entspringt der Privatsammlung des Musikverlegers und Instrumentenfabrikanten Hermann Moeck senior, mit deren Erwerb 1964 auch die Gründung der Instrumentensammlung eingeleitet wurde. Besonderheiten der Sammlung aufzuzählen fällt Dr. Klaus-Peter Brenner schwer, denn stolz ist man hier auf jedes einzelne Stück. Eine nennenswerte Rarität ist etwa die älteste Blockflöte Europas, die auf das 14. Jahrhundert datiert wird. Fundort war 1987 die Weender Straße in Göttingen. Dort lag sie jahrhundertelang in einer Kloake, was ihre gute Erhaltung gefördert hatte. Nach der Konservierung der Flöte mit Flüssigwachs wurde eine Rekonstruktion angefertigt, die sich ebenfalls in der Ausstellung befindet. Ebenso kann 18

unter den 128 ägyptischen Objekten eine Bogenharfe als die weltweit älteste noch existierende hervorgehoben werden. Ihr Alter wird auf circa 4500 Jahre geschätzt. Teil der Sammlung ist auch eine Naderman-Harfe, von denen heute nachweislich nur noch 43 Objekte erhalten sind. Jean-Henry Naderman baute im 18. Jahrhundert als königlicher Harfenbauer unter Ludwig XVI unter anderem Harfen für Marie-Antoinette. Da man als Laie in der Fülle der Ausstellungsobjekte leicht die Orientierung verlieren kann, sollte man vor Ort einen der zahlreichen Prospekte zur Hand nehmen und sich kurz einen Überblick verschaffen. Einen Pluspunkt bekommt die Sammlung durch ihre Offenheit, denn ein Großteil der Exponate ist nicht hinter Glas versteckt und lädt zum Anfassen ein. Weitere Sammlungen von Musikinstrumenten sind in der Völkerkundlichen Sammlung im Ethnologischen Institut Göttingen zu sehen. Im nahegelegenen Scheden entstand 2004 ebenfalls eine Ausstellung mit Musikbezug. Dort ist der im 18. Jahrhundert wirkende Johann Joachim Quantz geboren, der am preußischen Hof als Musiker, Komponist und Flötenlehrer tätig war. In der Ausstellung finden sich Exponate zu seinem Leben und Wirken. Außerdem finden in der Schedener St. Markuskirche regelmäßig Quantz-Konzerte statt.

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MEHR ZUM THEMA: Öffnungszeiten im Accouchierhaus: Mo 16 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung – Eintritt frei Öffnungszeiten der Johann Joachim Quantz Ausstellung in Scheden: April bis Oktober 15 bis 17 Uhr Eintritt 1,50 Euro www.quantz.info TagesSatz

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GÖTTI N G E N

Staatliche Ungerechtigkeit Die Göttinger Kommunalpolitiker streiten sich in den vergangenen Tagen im Rat der Stadt über die schlechten Zustände in Schultoiletten. Aber wer sind die Menschen, die sie täglich reinigen? Zwei Menschen arbeiten Seite an Seite, aber verdienen für ihre gemeinsame Arbeit unterschiedlich viel Geld.

* KHOA LY

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rdnung und Sauberkeit beginnt in den Klassenräumen. Marianne Rudolph weiß das und holt aus einem Abstellraum am Ende des Schulflures einen Wischmopp und eine blaue Tüte heraus. Die schmale Frau mit lockigen Haaren wedelt nun mit ihrem metergroßen Wischer unter den kleinen Schultischen. Sie holt kleine blaue Dreiecke aus Tonpapier aus den Ecken hervor und schiebt sie auf einen Haufen. Ihr Rücken schmerzt, wenn sie sich bückt und den Dreck auffegt. Die Vorstellung, noch zwölf Jahre bis zu ihrer Pensionierung Putzwasser durch die Räume schleppen zu müssen, kränkt sie seit längerer Zeit. In den 21 Jahren Dienst an der Grundschule Albanischule hat sich für sie im Alltag einiges verändert.

schuhe. „Wir sind jetzt weniger Menschen und haben einfach mehr Arbeit. Die Stadt spart!“, stellt die 55-Jährige fest. Damals hat sie noch mit zwei Kolleginnen gearbeitet. Jetzt ist sie alleine und nur eine Angestellte einer externen Reinigungsfirma unterstützt sie dabei. Etwas dreckiger ist es in den Jahren geworden, aber von verdreckten und versifften Toiletten, wie Rudolph in den letzten Wochen in der Zeitung gelesen hat, könne nicht gesprochen werden. Pia Voß arbeitet für die private Reinigungsfirma. Heute Morgen hatte sie bereits in einer Sporthalle sauber ge-

ben Euro die Stunde. „Die haben einen richtig verarscht. Richtige Halsabschneider!“, erinnert sie sich traurig zurück. Jetzt ist sie zufrieden. Die neue Reinigungsfirma zahlt ihr neun Euro, das sei „total in Ordnung“. Ihre Kollegin, die bei der Stadt angestellt ist, verdient für die gleiche Arbeit pro Stunde etwa 3,50 Euro mehr – etwa ein Drittel. Pia Voß saugt lieber den grauen Spielteppich in der Ecke des Klassenraumes, anstatt sich über den deutlichen Lohnunterschied große Gedanken zu machen. Meckern ist nicht ihre Art. Sie hat eben nur begrenzt Zeit, danach muss die Etage sauber und sie wieder woanders sein. Die Stadtangestellte Rudolph hat seit der Teilprivatisierung der Schulreinigung vor knapp fünf Jahren bereits mit mehr als zwanzig Kollegen von der Fremdfirma zusammen gearbeitet. Die Fleißigen und Flinken haben schnell aufgehört, zu wenig Lohn war oftmals ihre Begründung. Die Anderen waren unzuverlässig oder hielten den Stress nicht aus. Außer Pia Voß, sie wird so lange weiterarbeiten, wie man sie lässt. Aber wenn ihre Gelenke zu schmerzen beginnen und sie die schweren Drehstühle der Schüler nicht mehr auf den Schultisch stemmen kann, wie ihre Vorgängerin es nicht mehr konnte, kann man sie problemlos und leise durch eine jüngere Person ersetzen. Ein Anruf reicht. Marianne Rudolph wird dann bleiben und die Veränderungen wieder stillschweigend hinnehmen. Gerechtigkeit hört eben im Klassenraum auf.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit?

Früher wurden die Klassenräume täglich von ihr gefegt, jetzt nur noch jeden zweiten Tag. Als Ausgleich haben die Kinder dafür Fegedienst und tragen in ihren Klassenräumen Haus-

macht und hetzte danach direkt zur Albanischule. Sie hat es bisher am längsten hier ausgehalten. Neun Monate zählt sie an ihren rauen Fingern ab. Es gab bittere Zeiten in ihrem Leben. Vor fünf Jahren zum Beispiel, da verdiente Pia Voß als Raumpflegerin in einer anderen Firma nur sie-

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TagesSatz

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GÖTTINGEN

Jörg „Yogi“ Müller

GEDANKEN EINES TAGESSATZ-VERKÄUFERS

Alles ist im Fluss

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lles fließt, verändert sich ständig. Dieses Naturgesetz im buchstäblichen Sinne zu „begreifen“ ist meine tägliche Übung, der ich mich zwei Stunden am Tag widme. Wenn man am Morgen einen Fluss überquert und am Abend zurückkommt, ist es immer noch der gleiche Fluss? Das ganze Wasser hat sich geändert, ist fort, jeder Tropfen. Selbst wenn man ganz kurz in den Fluss eintaucht, ist es jedes Mal ein neuer Fluss, weil immer neues Wasser kommt. Aber wie soll man verstehen, dass der Mensch, der da eintaucht, immer wieder neu ist, immer wieder ein anderer Mensch ist? Wissenschaftlich ist es ja längst bewiesen, dass das, was wir für solide halten, in Wirklichkeit aus subatomaren Partikeln besteht, die ständig neu

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* JÖRG „YOGI“ MÜLLER entstehen und vergehen. Theoretisch kann man das ja noch einigermaßen verstehen. Aber um es im wörtlichen Sinne wirklich zu begreifen, übe ich mich in der Vipassana Aufmerksamkeitsmeditation. Aufmerksamkeit der Körperempfindungen im ganzen Körper, die immer und in meinen Körper überall vorhanden sind. Ich scanne meinen Körper von Kopf bis Fußzehen und beobachte als stiller Beobachter das Entstehen und Vergehen von Körperempfindungen – als wenn man an einem Fluss sitzt. Ich trage nichts zum Fließen des Flusses bei, sitze nur da und beobachte.

rekter Weise zu erfahren, ist man fähig ein friedliches, harmonisches und ausgeglichenes Leben zu führen. Gut für ein selbst und gut für andere.

Ständige Veränderungen. Dies hilft mir, eine ausgeglichene, ruhige und friedliche Geisteshaltung zu wahren. Wenn man übt, diesen ständigen Wandel auf Dauer langanhaltend auf di-

MEHR ZUM THEMA: Weitere Infos im Buch von William Hart und Heinz Bartsch: Die Kunst des Lebens: Vipassana Meditation nach S.N. Goenka und unter: www.dvara.dhamma.org

„Das menschliche Leben ist von begrenzter Dauer, mit beschränkten Möglichkeiten. Es ist wichtig, sein Leben für den besten Zweck zu nutzen. Und es gibt keinen höheren Zweck, als sich selbst in Dhamma zu verankern, auf dem Weg, der aus den Unreinheiten und aus der Illusion eines Selbst herausführt und uns zu dem letztendlichen Ziel der endgültigen Wahrheit hinleitet.“ ( S.N. Goenka)

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Jörg „Yogi“ Müller

GÖTTIN G E N

Straßengeflüster

Winkeladvokat

Das britische Straßenmagazin „The Big Issue“ organisiert am Freitag, 20. Mai, eine Nacht unter freiem Himmel unter dem Motto „The Big Sleep Out 2011“. 240 Leute werden zu diesem Zweck in Old Spitalfields Market zum Übernachten und Spendensammeln erwartet. Jeder kann dabei mitmachen, eine Vorabregistrierung - entweder als Einzelperson oder als Vierer-Team - ist jedoch notwendig. Alles, was man mitbringen muss, sind ein Schlafsack und warme Kleidung. Mit der Teilnahme ist ein konkretes Ziel verbunden: Jeder Einzelne soll ein Sponsoring von 400 Pfund erreichen, als Team 1500 Pfund (circa 450, beziehungsweise 1700 Euro). Um dieses

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Scheidungsopfer Hund Scheidungsgeschichten, die vor Gericht enden, sind meist tragisch. Oft leiden Kinder unter dem Rosenkrieg ihrer Eltern. Aber ob auch ein Vierbeiner ein Scheidungstrauma erleiden kann? Zumindest stand der achtjährige Pudel der frisch getrennten Beziehungswaisen mit im Gerichtssaal. Nach der Trennung hatte die Frau das Tier ungefragt zu sich genommen. Der einsame ExEhegatte fühlte sich übergangen. Immerhin hatte auch er eine Beziehung zu dem Pudel aufgebaut. Er klagte auf Herausgabe des Hundes; zumindest aber wollte er ein Umgangsrecht mit dem Pudel erwirken. Frauchen hingegen blieb hart und wandte ein, dass ein Wechsel der Bezugspersonen für das Tier belastend sei. Er solle sich nicht hin- und hergerissen vorkommen. Da das Gericht den Fall mit den üblichen juristischen Mitteln nicht lösen konnte, wurde ein Tierpsychologe für ein Gutachten angefordert. Letztlich durfte der Hund selber entscheiden: Nach-

* MELANIE SWIATLOCH Ziel einfacher zu gestalten, können die Teilnehmer eine eigene Homepage zur Mittelbeschaffung bekommen oder auf traditionelle Art auf der Straße Spenden sammeln. Gleichzeitig feiert „The Big Issue“ sein zwanzigjähriges Bestehen. Denn bereits seit 1991 existiert das Magazin in London. Die Veranstalter betonen, dass die Aktion keineswegs als Vergleich zu einem Leben als Obdachloser gesehen werden sollte. Vielmehr gehe es darum zusammenzukommen und zu feiern.

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MEHR ZUM THEMA: www.bigissue.com www.bigsleepout.com

* ANDREA TIEDEMANN dem er im Gerichtssaal von der Leine gelassen wurde, machte er dem skurrilen Treiben seiner „Eltern“ schnell ein Ende. Freudig sprang er seinem Herrchen auf den Schoß und schlabberte ihm das Gesicht ab. Die Zuneigungsbekundung war für das Amtsgericht in Bad Mergentheim das entscheidende Argument. Der Kläger erhielt ein Umgangsrecht für den vierbeinigen Freund. Er dürfe den Hund zweimal monatlich von 14 bis 17 Uhr zu sich nehmen und mit ihm spazieren gehen. Klar ist auch, dass es wie bei den meisten Sorgerechtsstreitigkeiten nicht um das Wohl des Hundes ging sondern um verletzte Gefühle des Paares. Man kann nur hoffen, dass das arme Tier den Stress gut überstanden hat.

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KASSEL

3.300 Jahre in der Region Schiff der Geschichte 3300 Jahre sind insgesamt vergangen, nimmt man die drei Jubiläen von Wolfsanger, Kassel und Kaufungen zusammen. Drei Jahre lang, von 2011 bis 2013, soll das „Schiff der Geschichte“ sichtbares Objekt eines dynamischen Prozesses des Erinnerns sein.

Christian BRUNO *VON KLobuczyNski

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in erster Schritt ist bereits getan. Aus Anlass des zwölfhundertsten Jahrestags der ersten urkundlichen Erwähnung haben Einwohner Wolfsangers mit dem im Kasseler Wesertor ansässigen Künstler Andrzej Dzierzbicki ein Weidenschiff gebaut. Auf die Namen aller Erbauer und Paten getauft, wurde es zum Symbol der Vernetzung der Menschen untereinander, aber auch mit der Kunst, sozusagen als lebendiges Kunstgewächs.

Wolfsangers anlegt und Gäste aus Kaufungen mitbringt, die 2011 das tausendste Jubiläum ihres Orts feiern. Wie das Schiff der Geschichte wird es symbolisch auf die Namen aller Anwesenden getauft. Am 5. Juni folgt dann die „Hessen“, am 3. Juli die „Deutschland“ und am 4. September schließlich auch die „Europa“. So wird Wolfsanger nach und nach als Teil eines größeren Ganzen begreifbar und durch die dazugehörenden Feste auch erlebbar.

Die Weide treibt abgeschnitten neue Wurzeln und lässt neue Triebe wachsen. Sie ist wie der Mensch, der seine Heimat verlässt und eine neue Heimat findet. Nach einer Reise auf dem Wasser wird der Mensch sesshaft, wenn er das Boot an Land gezogen hat, baut Felder an und wird zum Teil des Bodens und der Geschichte. So soll auch das „Schiff der Geschichte“ bei Wolfsanger Wurzeln schlagen und sich mit der Umgebung verbinden. Wenn dann 2013 zum elfhundertsten Jubiläum Kassels auch neue Triebe aus dem Schiff herauswachsen, wird es als Mutterschiff Ruten für ein Tochterschiff abgeben. Dieses zweite Schiff soll wiederum flussaufwärts einen neuen Platz finden und festwachsen. Am Ende einer 110 Meter langen Weidenallee (jeder Meter steht für zehn Jahre der Kasseler Geschichte) wird es zukünftig an die erste urkundliche Erwähnung Kassels vor 1100 Jahren erinnern.

2012 wird als Jahr der „documenta 13“ zum Bindeglied zwischen den großen Jubiläen Wolfsangers und Kassels. Mit dem Moto „Wasser & Demokratie – Leben am Fluss“ möchte Andrzej zum Nachdenken anregen und die Jubiläen mit der documenta in Beziehung bringen. Die Schiffe „Stadt Kassel“, „Hessen“, „Deutschland“ und „Europa“ werden dann bemalt zur bunten Kulisse, zum Ort der Kunst im Wasser.

Eingebunden in das Projekt werden auch die vier Kasseler Fahrgastschiffe sein. Den Anfang macht am 1. Mai die „Stadt Kassel“, wenn Sie am Ufer 22

So wächst nicht nur das eine aus dem anderen heraus, sondern es wird eine Verbindung zwischen Menschen, Kunst und Geschichte hergestellt. Es wird sehr spannend sein, die Arbeit Andrzejs zu verfolgen und zu erleben, wie Kunst wieder einmal den üblichen Rahmen des Denkens sprengen wird und Menschen über Raum und Zeit miteinander verbindet.

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MEHR ZUM THEMA: www.kunstvernetzung.eu

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KA S S E L

Stephanie Kommor (alle)

Weidenschiffe als Symbole vergangener Jahrtausende

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KASSEL

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eben den akuten Verstrahlungen, denen die Liquidatoren, die Arbeiter im Atomkraftwerk, ausgesetzt sind und deren Schicksal sich jeder ausmalen kann, gilt mein Augenmerk insbesondere jenen Hunderttausenden von Menschen, die der Niedrigstrahlung ausgesetzt sind. Bei all den schlimmen Bildern dieser Katastrophe und den Geschichten über jene Männer, auf die ein mehr oder weniger schneller Tod oder langes Siechtum wartet, vergessen wir zu schnell die Erkrankungen, die sich über Jahre in den Körpern der Niedrigverstrahlten ausbreiten.

Was kommt auf die Menschen in Japan zu? Thomas Schwab arbeitete als Vakuumphysiker und Systementwickler an einem bekannten Dresdener Institut. Er kennt die Vorgänge, die in einem Kernreaktor ablaufen sehr gut und beobachtete auch die Herstellung von Mischoxid-Brennelementen.

* THOMAS SCHWAB

Verlässliche Angaben über die atomare Verseuchung der Reaktoren von Fukushima gibt es kaum. Ganz zu Anfang der Reaktorunfälle erreichten uns Nachrichten, wonach Cäsium an die Umwelt abgegeben worden sei. Ein Beispiel: Das Cäsium ist dem Kalium biologisch ähnlich und der menschliche Körper kann nicht zwischen dem „guten“ Kalium und dem Cäsium unterscheiden. Der Körper nimmt es über Atmung und Nahrung auf. Man kann sich nicht davor schützen. Nach der Aufnahme baut sich das Cäsium selbstständig in Körperzellen ein und zerstört deren Energiehaushalt. Dabei ist es völlig unerheblich, ob es sich um Leber-, Nieren- oder Hirnzellen handelt. Die Zelle stirbt ab, nachdem sie vorher noch ihre Nachbarzellen in Mitleidenschaft zieht. Damit beginnt ein unheimlicher Kreislauf. Wie das Leben mit einer Zelle beginnt, beginnt in diesem Fall auch das Sterben. Nach dieser Nachricht stand für mich fest, daß der Super-Gau schon seinen Anfang genommen hat und in dieser Ansicht wurde ich von namhaften Experten bestätigt. Die Zeit von einer Cäsium-Aufnahme des Körpers bis zum Ausbruch der Krankheit hängt davon ab, wer das Cäsium aufnimmt. Kinder sind gefährdeter, weil sich ihre Zellen pausenlos teilen. Weil sie wachsen, benötigen sie laufend Energie und müssen mit der Schädigung ihrer Zellen zu24

rechtkommen. Erwachsene, die weniger Zellteilungen haben, weil ihre Organe schon ausgewachsen sind, sind zunächst nicht so sehr gefährdet. Bei Kindern treten die bösartigen Erkrankungen schneller auf - bereits nach einem bis vier Jahren - wie wir von Tschernobyl wissen. Bei Erwachsenen beträgt diese Zeit 20 bis 25 Jahre. Das heißt, die Erwachsenen haben 25 Jahre überlebt und werden jetzt krank. Wir sprechen vom leisen Sterben. Die Kinder sind schon viel früher erkrankt – oft mit tödlichem Ausgang.

Zur Kernschmelze ist es Ende März gekommen und auch Uran und Plutonium sind freigesetzt geworden, haben Boden und Grundwasser auf tausende Jahre verstrahlt. Dagegen hilft kein Kitten der Reaktorhülle mehr. Plutonium ist das stärkste Gift der Welt. Die Hälfte der Brennstäbe in diesen Reaktoren ist plutoniumhaltig. Auch wenn man nur wenig Plutonium aufnimmt, entwickelt sich ein Lungen-Karzinom. Dagegen kann sich der Körper nicht wehren. Es ist dann auch nicht mehr heilbar. Hunderttausende werden daran zu Grunde gehen.

Die Verantwortlichen in Japan hätten schon längst Frauen und Kinder in den Süden des Landes bringen müssen. Weshalb sie das nicht taten, ist mir völlig unverständlich. Allein die Cäsiumwolke ist schon eine Katastrophe für die Japaner.

Stand 13.04.2011

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MEHR ZUM THEMA: Diskutieren Sie mit Thomas Schwab unter der Nummer 0152-52623320 oder per Email unter thomas. schwab@redapples.de TagesSatz

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DIE KOCHNI S C H E

Kochen mit dem TagesSatz * HANS PETER PUNG & TEAM

Andre Günther (photocase.com)

Leckere Gerichte für Sie entdeckt

Alfreds Schmankerl Liebe Kochfreunde, heute wollen wir Ihnen Besonderes bieten. Die heutigen Rezepte stammen von unserem Verkäufer Alfred. Er stammt aus Österreich und ist Koch. Er hat seine Lieblingsgerichte aufgeschrieben und wünscht Ihnen viel Spaß beim Nachkochen.

Hascheeknödel (4 Portionen / 1,50 Euro pro Portion)

300 g Hackfleisch gemischt, 1Kilo Kloßteig (selbstgemacht oder gekauft), 1 große Zwiebel, 100 g Bauchspeck, 1 EL Petersilie gehackt, 1 EL Schnittlauch gehackt, 1 EL Bärlauch gehackt, 500 g Sauerkraut, 2 Lorbeerblätter Zwiebel schälen, in feine Würfel schneiden. Speck entschwarten, würfeln. Hackfleisch, Speck, Zwiebel und die gehackten Kräuter miteinander gründlich vermischen. Daraus 8 Knödel formen. Diese ins Gefrierfach legen und ca. 30 Min. gefrieren lassen. Aus dem Gefrierfach nehmen und mit dem Kloßteig ummanteln. In ausreichend kochendes Salzwasser geben, aufkochen lassen, Temperatur reduzieren und ca. 20 Min. köcheln lassen. Die Knödel sind fertig, wenn sie nach oben steigen. Das Sauerkraut mit der Speckschwarte und den Lorbeerblättern eine halbe Stunde köcheln lassen. TagesSatz

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Tipp: Alfred empfiehlt dazu eine Gulaschsoße, die es in Österreich fertig zu kaufen gibt. Sie können sich aber auch eine Zwiebelsoße dazu zubereiten.

Polenta Lasagne

weise wie eine Lasagne füllen. Mit einer Polentaschicht abschließen. Parmesan darüber streuen und im Backofen ca. 20 Minuten bei mittlerer Hitze (ca. 160° C) knusprig braun backen. Aus dem Ofen nehmen und mit frischem Basilikum dekorieren.

(4 Portionen / ca. 2,00 Euro pro Portion)

2 gr. Tassen Polenta, 1/4 l Milch, 1/4 l Gemüsebrühe, 200 g Rinderfaschiertes (Hack), 1 Zwiebel, 2 Knoblauchzehen, 2 Karotten, 1/4 Sellerieknolle, 1 Handvoll Kapern, 1 Dose passierte Tomaten, Parmesan zum darüber streuen, Basilikum, Salz, Pfeffer, Öl Zwiebel und Knoblauch schälen, würfeln. Karotten schälen, würfeln. Sellerie schälen, ebenfalls würfeln. Milch mit Gemüsebrühe aufkochen und Polenta einrühren. Wenn die Masse eindickt, vorsichtig auf ein mit Öl bestrichenes umgedrehtes Backblech streichen. Die Masse gleichmäßig und dünn verteilen, auskühlen lassen. Öl in einer Pfanne erhitzen, Zwiebel darin glasig dünsten. Faschiertes dazu geben, krümelig braten. Karotten, Sellerie sowie Knoblauch unterheben und ebenfalls glasig dünsten. Die passierten Tomaten einrühren, Kapern dazugeben, mit Salz und Pfeffer abschmecken, ca. 10 Minuten köcheln lassen. Polenta in Streifen schneiden, Auflaufform (gefettet) mit einer Schicht Polenta belegen, die Hackmasse darüber geben und schicht-

Tipp: Reichen Sie dazu Radicchiosalat mit Balsamicodressing Erdäpfelauflauf (4 Portionen / ca. 1,00 Euro pro Portion)

8 Erdäpfel (Pellkartoffeln) gekocht, 150g Champignons, 100g geräucherten Speck, 1 Zwiebel, Öl, grünes Pesto (Fertigprodukt), 50 g Gouda, Salz, Pfeffer, 1 EL Petersilie gehackt, Chili Erdäpfel schälen, in Scheiben schneiden. Champignons putzen und in Scheiben schneiden. Zwiebeln schälen, würfeln. Speck entschwarten, fein würfeln. In eine Pfanne geben und knusprig braten, Champignons und Zwiebel dazu geben und kurz mit anbraten. Mit Salz und Pfeffer würzen und mit dem Pesto abschmecken. Petersilie untermischen. Auflaufform einfetten, die Speckmischung darin verteilen. Kartoffelscheiben darüber schichten und mit dem Parmesan bestreuen. 15 Minuten im Backrohr bei mittlerer Hitze (ca. 160° C) backen. Tipp: Dazu passt Feldsalat.

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K U LT U RT I P PS

GÖTTINGEN

Agentur

Die Empfehlung

Das Mädchen mit der Gitarre Maike Rosa Vogel im APEX Anfang Februar auf einem Konzert von Element of Crime. Alle warten auf Sven Regener mit Trom-

* JULIA SCHOENEN

pete und schnarrender Stimme, da tritt Maike Rosa Vogel als Vorprogramm und im Grunde also unerwünscht vor das Riesenpublikum. Alleine, mit ihrer Gitarre und mit Liedern und Texten, die einen kurz vergessen lassen, weswegen man eigentlich gekommen ist. Mit ihrem am 8. Mai erschienenen DebütAlbum „Unvollkommen“ kommt Maike Rosa Vogel vollkommen unprätentiös daher und man will einfach nur, dass sie bleibt. Das tut sie im ganz und gar eigenen Konzert im Apex in Göttingen!

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MEHR ZUR EMPFEHLUNG: Maike Rosa Vogel APEX, Göttingen Di 17.05. / 20.30 Uhr Eintritt: 8,80 Euro; erm. 6,60 Euro

Mi 11.05. / 16.00-17.00 Uhr Staatstheater (Opernfoyer), Ks Einblicke: Führung für Kinder ab 6 Jahren Mi 11.05. / 19.00 Uhr Literarisches Zentrum, Gö Charlotte Kerner – Lesung aus „Die nächste GENeration“. Eintritt: 8,50 Euro, erm. 6,50 Euro Do 12.05. / 20.00 Uhr Altes Rathaus, Gö Feminismus reloaded – Diskussionsveranstaltung mit Bascha Mika, Autorin des Buches „Die Feigheit der Frauen“. Eintritt: 8,50 Euro, erm. 6,50 Euro Fr 13.03. / 21.30 Uhr Deutsches Theater, Gö Max Klezmer Band – Klezmer, Balkanmusik und Jazz. Konzert. Eintritt frei

bis 29.05.: Caricatura (KUBA), Ks

Do 05.05. / 19.30-20.30 Uhr Caricatura (KUBA), Ks

Sa 14.05. / 19.45 Uhr Deutsches Theater, Gö

Guido Sieber: Rock´n´Roll Fever (Do & Fr 10.00-20.00 Uhr, Sa & So 12.0020.00 Uhr)

Führung durch die Ausstellung „Rock´n´Roll Fever“ (ab 20.00 Uhr Konzerte mit „Steppin Out“)

Judyta/ Judith – Gastspiel des Theaters Stettin, in polnischer Sprache mit deutschen Übertiteln. Eintritt: ab 10,50 Euro

bis 26.05.: Kulturinitiative TRAFO, Ks

Do 05.05. / 19.45 Uhr Deutsches Theater, Gö

Kasseler Schule 2: Matze Schmidt (So. Di. Mi, Do 18.00-20.00 Uhr)

Dieter Hildebrandt: „Ich kann doch auch nichts dafür“ Eintritt: ab 23,60 Euro

So 01.05. / 11.00-18.00 Uhr Spohrmuseum (KUBA), Ks Mit Tasten und Klappen – 200 Jahre Instrumentenbau in Kassel (Sa bis Mo 10.00-16.00 Uhr, Di bis Fr n. V.) Mo, 02.05. / 20.15 Uhr Victor-Gollancz-Haus für Menschenrechte, Gö Offenes Singen Nr. 100 mit Wieland Ulrichs. Eintritt frei Di 03.05. / 19.30 Uhr Ev. Forum (Lutherplatz), Ks Ich möchte einzigartig sein – Tattoos und Piercing in der Welt von Jugendlichen (Referentin Ute Zöllner, Eintritt: 4 Euro) 26

Fr 06.05. / 20.00 Uhr Kulturhaus Dock 4, Ks Studiobühne Deck 1: Posh Extempore: Gesetze lieben und sie trotzdem links liegen lassen! Eintritt: 12 Euro, erm. 8 Euro

So 15.05. / 19.30 Uhr Junges Theater, Gö Wladimir Kaminer: „Meine kaukasische Schwiegermutter“. Lesung. Eintritt: VVK 14 Euro; AK 17 Euro Mo 16.05. / ab 10.00 Uhr Kulturfabrik Salzmann, Ks Jugend-Zukunfts-Konferenz: Initiative von Schülern des Jacob-Grimm-Gymnasiums

Sa 07.05. / 18.30 Uhr BALI-Kino (KUBA), Ks

Mo 16.05. / 19.00 Uhr Musa-Saal, Gö

ÜBERMUT – Die Kinder des Don Quichote (siehe Empfehlung!)

Dr. Karl Gebauer: „Wie Kinder lernen – Bedingungen für eine gelingende Entwicklung“. Lesung. Eintritt frei

Di 10.05. / 20.15 Uhr ThOP, Gö PREMIERE: Zum Parteitag Bananen – das zweite Stückvon Oliver Kluck. Eintritt: 9 Euro, erm. 6 Euro

Di 17.05. / 20.30 Uhr Apex, Gö Maike Rosa Vogel (siehe Empfehlung!) TagesSatz

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KULTURT I P P S

Halle: Aktionstheater Kassel: Verhüten und Verfärben (Stück über Lebensentwürfe, Missverständnisse und dem Lachen der Erleichterung; Eintritt 12 Euro, erm. 8 Euro; weitere Vorstellung am Sa., 21.05. um 20.00 Uhr) Do 19.05. / 21.00 Uhr Nörgelbuff, Gö Barbara Morgenstern – lyrischer Elektro-Pop mit Keyboard und herzerweichenden Texten! Konzert. Eintritt: VVK: 10 Euro; AK 12 Euro Fr 20.05. / 20.00-20.30 Uhr Caricatura (KUBA), Ks Führung durch die Ausstellung „Rock´n´Roll Fever“ (ab 20.30 Uhr Konzert mit Dylan´s Dream) Sa 21.05. / 18.00 Uhr Kulturinitiative TRAFO, Ks Kasseler Schule 2: Performance, Workshop, Ausstellung von Matze Schmidt (Berlin): Raubtiernamen von Panzern in Mischpulten ohne äußeren Eingang  Sa 21.05. / 19.45 Uhr Deutsches Theater, Gö PREMIERE: Der Besuch der alten Dame von Friedrich Dürrenmatt Eintritt: ab 15,50 Euro Sa 21.05. / 22.00-23.00 Uhr Johanniskirche, Gö Klassik für Nachtschwärmer – Werke für Klavier zu vier Händen von Mozart, Brahms und Schubert. Konzert. Eintritt frei

Die Empfehlung

* HARALD WÖRNER

Kassel

Aktion Mensch

Do 19.05. / 20.00 Uhr Kulturhaus Dock 4, Ks

Aufstand der Bürger „Die Kinder von Don Quijote“ im BALI-Kino 2006 errichteten Obdachlose im Pariser Zentrum eine Zeltstadt. Ins Leben gerufen wurde die Aktion von Engagierten, die sich „Die Kinder von Don Quijote“ nannten. Sie forderten ein Recht auf dauerhafte Unterkunft für alle französischen Einwohner. Damals fehlten ca. 150.000 Wohnungen. Quer durch alle Schich-

ten hindurch lebten ca. 100.000 auf der Straße. Der Weg in eine sichere Existenz zurück war ihnen verbaut. Ohne feste Adresse bekamen sie keine reguläre Arbeit. Politiker wie Sarkozy und Chirac kündigten vollmundig an, das Problem lösen zu wollen. Doch erst Anfang 2007 beschloss das Parlament ein Gesetz, wonach jeder Einwohner sein Recht auf Wohnraum einklagen kann. Im Anschluss an die Vorführung ist eine Diskussion geplant. Gesprächspartner sind angefragt, haben aber noch nicht verbindlich zugesagt.

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MEHR ZUR EMPFEHLUNG: Die Kinder von Don Quijote BALI-Kino (KUBA) Sa 07.05. / 18.30 Uhr www.filmladen.de

So 22.05. / 10.50-15.00 Uhr Naturkundemuseum (Steinweg), Ks

Mi 25.05. / 20.15-22.00 Uhr Staatstheater (TIF), Ks

Gewässerökologie: Wie sauber ist die Drusel? (Leitung Jochen Wulfhorst, Eintritt 3 Euro, Kinder und Jugendliche frei, Anmeldung erforderlich unter 787-4066 (Di-Fr 10.30-16.30 Uhr)

Robert Redfords Hände Selig

Mo 23.05. / 20.00 Uhr Junges Theater, Gö Steffen Möller: Expedition zu den Polen – Crashkurs für Auswanderer vom Autor von „Viva Polonia“. Eintritt: VVK: 15 Euro; AK 18 Euro

Sa 28.05. / 21.00 Uhr Musa-Saal, Gö Transsylvanians – mitreißende SpeedFolk-Musik der ungarisch-russischdeutschen Band. Konzert. Eintritt: VVK 10 Euro; AK 12 Euro Sa 28.05. / 22.00 Uhr Kulturfabrik Salzmann, Ks 80er-Party: von Depeche Mode bis Hubert Kah ..von Madonna bis Nena ANZEIGE

a ff e n W ir v e r s c h n z v o ll e I h n e n g la A u ft r it te

TagesSatz

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Color-Druck GmbH Lindenallee 19 · 37603 Holzminden Fon (0 5531) 93 20-0 · Fax 93 20-50 e-mail: info@color-druck.net

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K U LT U R G Ö TTINGEN

J

Bereits auf den ersten hundert Metern häufen sich viele Stationen des Planetenwegs. Wie ein Medizinball prangt die „Sonne“ über der ersten Informationstafel. Weiter geht es am Merkur und der Venus vorbei. Winzig klein sind die Planeten im Vergleich zur Sonne. In den eingelassenen Glasplatten der Tafeln sind sie kaum zu erkennen. Schaut man nun durch das Glasfenster zurück, sieht man die Sonne im Vergleich. Der Merkur steht der Sonne am nächsten und hat extreme Temperaturunterschiede (bis zu 600 Grad Differenz). Die Venus, die meist am Abend- oder Morgenhimmel gut sichtbar ist und als Symbol der Liebenden gilt, ist in Wirklichkeit „höllisch heiß“: bis zu 480 Grad heiß kann es dort werden. Auf der Mitte der Goetheallee trifft man dann die altbekannte Erde. Im Modell ist sie nur noch wenige Millimeter groß. Dennoch hat sie eine wichtige Besonderheit: Ihr Eisenkern in Verbin-

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Das Weltall am Straßenrand Wer vom Göttinger Bahnhof in die Innenstadt läuft, kommt automatisch an ihnen vorbei: In nur wenigen Gehminuten passiert man Sonne und diverse Planeten unseres Sonnensystems, die entlang der Goetheallee aufgereiht sind.

* ANDREA TIEDEMANN Andrea Tiedemann

eden Sonntag erklärt mein Vater mir unsere neun Planeten.“ Viele werden ihn noch kennen, diesen alten Merksatz für die neun Planeten: Jupiter, Saturn, Erde, Mars, Venus, Merkur, Uranus, Neptun und Pluto. Der Göttinger Planetenweg, der vom Förderkreis Planetarium Göttingen getragen wird, bietet die Möglichkeit, das Sonnensystem bei einem Spaziergang kennenzulernen. Auch Interessierte, die keine Vorkenntnisse haben, können so eine Vorstellung von den Dimensionen entwickeln. Denn die Planeten sind maßstabsgetreu verkleinert. Ein Kilometer entspricht zwei Milliarden Kilometern im Weltall.

dung mit der schnellen Rotationsbewegung hält das elektromagnetische Feld aufrecht, das uns vor der energiereichen Weltraumstrahlung schützt und unser Leben ermöglicht. Am Ende der Goethealle trifft man noch auf den Mars, auf dem immer wieder Spuren von Leben vermutet werden. Wer das vollständige Planetensystem mit allen Tafeln erkunden will, sollte mindestens eine Stunde einplanen. Der Weg führt über das Deutsche Theater (Saturn) und den Eichendorff-Platz (Uranus) über die Herzberger Landstraße (Neptun) bis zum Bismarckturm (Pluto). Pluto, der ursprünglich als „Vollplanet“ galt, wurde vor vier Jahren auf Grund einer Definitionsänderung zum Kleinplaneten herabgestuft. Der nach dem Gott der Unterwelt benannte Planet ist kleiner als der Erden-Mond und hat eine stark elliptische Bahn um die Sonne. Um den Pluto zu erreichen, muss man einiges an Gravitationskraft überwinden: Die Pluto-Tafel befindet sich auf dem 330 Meter hohen Kleperberg. Dieses Problem zumindest hätte man im Weltall nicht.

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MEHR ZUM THEMA: Unter www.planetarium-goettingen.de/planetenweg gibt es Informationsmaterial, das man sich vor dem Spaziergang ausdrucken sollte. Zu jedem Planeten gibt es dort kurze, leicht verständliche Texte, die jeweils mit einer Frage abschließen. Die Antwort bekommt man, wenn man die Planeten-Tafeln besucht. Und wer sich die Planeten gleich in die eigenen vier Wände holen möchte, kann sich auf der Internetseite ein Planetenposter herunterladen.

TagesSatz

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Jörg „Yogi“ Müller

KULTUR KA S S E L

Stimmungsbilder * LYRIK VON SABINE PARSUNKA Während eines Tages Heute morgen schrieb ich ein Gedicht über den Bürgerkrieg. Heute mittag erzählte mir ein Taxifahrer, es gab in letzter Zeit Bandenkriege. Heute abend erfuhr ich von einem Einwohner, dabei ist jemand umgekommen. Heute nacht scheinen die Sterne wie immer. Und morgen…

Man Orange ist kaum noch zu sehen. Ein Shop sagt nichts mehr aus. Wer trinkt Latte Macchiato? Man trägt Lila. Man sitzt in der Lounge. Man isst Sushi. Man führt Husky.

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Isabel Winarsch

H I N T E R D E N KULISSEN

Mordende Moral „Woyzeck“ im Jungen Theater Göttingen

* REZENSIERT VON MALTE SCHILLER

W

as ist der Mensch? – Dreck! Aus Staub erschaffen! In diesem Sinne beginnt der Premierenabend im Jungen Theater – recht biblisch, fast mystisch. Pappsäcke liegen verteilt auf der Bühne, in mattes gelbes Licht getaucht. Aus einigen von ihnen schälen sich langsam drei Figuren heraus, aus den restlichen Säcken wird grobsandiges bräunliches Granulat auf dem Boden verteilt: Drei in Fetzen gekleidete Menschen, inmitten von Schmutz. Ein Woyzeck-Kollektiv. Wer also ist dieser Woyzeck, der dem Publikum hier gleich dreifach präsentiert wird? Das erste Drittel der Woyzeck-Inszenierung bleibt zunächst abstrakt und nähert sich dem Dramenstoff nur langsam an. Zwei Spielparteien bilden sich heraus: Herrscher und Beherrschte? Oberschicht und Unterschicht? Bildungsbürgertum und Proletariat? Die Assoziationen bleiben dem Publikum freigestellt. Wortfetzen, eingespielte Songs und Clownsnasen werden benutzt, um die Unterdrückung Woyzecks in der modernen Arbeitswelt anzudeuten. Agnes Giese, Jan Reinartz, und Pascal Goffin übernehmen dabei das Spiel der Bestimmer. Sie sind Vertreter verschiedenster Ideologien und Herrschaftssysteme wie Religion, Militär, Staat und Wissenschaft. Sie nötigen die drei Woyzecks zu immer neuen Experimenten, scheuchen sie zur Arbeit und lehren sie die Moral. Das Woyzeck-Kollektiv, gespielt von Verena Saake, Dirk Böther und Felix Steinhardt, hetzt über die Bühne, kriecht durch den Staub und sagt Ja und Amen auf Kommando – ein Kampf zwischen Selbstbestimmung und Unterdrückung. Nun ist Platz für die Geschichte: Der von der Arbeit gebeutelte Woyzeck verdient sich als Versuchskaninchen ein Zubrot, um seine Familie über Wasser zu halten. Während er für seine Einfältigkeit offen ausgelacht wird, betrügt ihn seine Frau mit einem Soldaten. Woyzeck, als er darauf aufmerksam gemacht wird, weiß sich nicht anders zu helfen und bringt seine Frau Marie um.

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Alle Passagen, die Woyzeck als einen Verrückten erscheinen lassen könnten, werden erst im letzten Teil des Stückes komprimiert. Gerade dieser Wahnsinn ist es jedoch, der so manchem Regisseur schon als Freifahrtschein für wildes Regietheater gedient hat. Nicht hier: In der Inszenierung von Alexander Krebs ist Woyzeck das Urmaterial des Menschen. Erst langsam wird aus ihm ein Individuum, das eine eigene Sprache gewinnt. Doch noch bevor er über die Sprache verfügen kann, ist er im System der Gesellschaft gefangen und sucht krampfhaft nach Mitteln, sich Freiräume zu erkämpfen. Diese Interpretation des Stoffes hat die Kraft, etwas über das Heute und Jetzt zu erzählen. Außerdem steckt in ihr eine provokative Behauptung: Der Mensch kann seine Sozialisierung nicht überwinden, sich von der Ideologie nicht frei machen. Als Ausweg bleibt Woyzeck die Auslöschung, der Mord. Ein Mord, an dem die Gesellschaft Schuld trägt? Einzig Woyzecks Sohn Christian sucht die radikale Abkehr von seinen Mitmenschen. Doch um sich zu entziehen, muss er den Theatersaal verlassen. Er darf nicht mehr mitspielen. Ein Paradox also! Wer leichte Unterhaltung sucht, kommt hier nicht auf seine Kosten. Die Inszenierung regt zum Nachdenken, Mitdenken und Assoziieren an. Und genau das macht sie zu einem äußerst gelungenen Abend. Die Performance des ersten Drittels zieht sich durch Wiederholungen ein wenig in die Länge, die Teile sind nicht immer organisch miteinander verknüpft, das Tempo der Sequenzen könnte feiner abgestimmt sein. Dennoch liegt genau in diesem Teil des Stückes auch die Stärke des Abends. Geschichten zu erzählen, das ist eine Sache. Aber eine Geschichte so zu öffnen, dass der Zuschauer mitspielen darf, gelingt leider selten so wie hier. Das – für eine Premiere auffallend junge – Publikum bedankte sich allerdings mit einem eher braven Applaus.

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TERMINE IM MAI: 02.05., 04.05., 10.05. & 11.05. jeweils um 20 Uhr

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ZWISCHEN DEN ZE I L E N

Die Welt, wie sie uns gefällt!? In vielen Teilen der Welt wird derzeit ein Wechsel des politischen Systems erzwungen. Überall wächst der Wunsch nach Demokratie – auch hierzulande spiegeln hohe Wahlbeteiligungen bei den letzten Landtagswahlen den Wunsch nach mehr Mitbestimmung wider. Drei aktuelle Neuerscheinungen stellen die Ereignissen der vergangenen – und kommenden – Monate in einen größeren Zusammenhang.

* DANIELE PALU Weltherrschaft

Wähleranalyse

Atemberaubend

Die Vormachtstellung des Westens ist beispiellos in der Geschichte der Menschheit. Aber worauf beruht diese Dominanz? Und wie lange wird sie andauern? Der Historiker Ian Morris hat einen neuen Ansatz gefunden, diese Frage zu beantworten. Sein Streifzug durch die Geschichte menschlicher Zivilisation enthüllt bisher verborgene Muster der Weltgeschichte. Dabei nimmt er die teilweise sehr ungleichen Entwicklungen menschlicher Gesellschaften im Westen und in Asien in den Blick. Er beschreibt den ewigen Wettlauf zwischen gesellschaftlichem Fortschritt und eklatanten Rückschlägen, die, so seine Kernthese, untrennbar miteinander verbunden sind. Anschaulich zeichnet er die Entwicklung der Zivilisation nach und verbindet dabei die Fähigkeit des Historikers, Zusammenhänge herzustellen, mit den Kenntnissen des Archäologen und den Methoden der Sozialwissenschaften. Dies macht sein Buch so einzigartig.

Nach den aktuellen Wahlergebnissen des Superwahljahrs 2011 stehen mehr denn je nicht mehr nur Parteien, Politiker und Programme im Mittelpunkt der Medienberichterstattung. Mindestens genauso viel Aufmerksamkeit erhält der große „Unbekannte“, der letztlich alles entscheidet: der Wähler. Eine Statistik jagt die nächste, sodass – oft schon vor den ersten Hochrechnungen – eigentlich jedem Journalisten, Politiker und Bürger klar ist, warum wer wen gewählt hat. Dass diese Einschätzung häufig auf zweifelhaften Quellen und Umfragen aus der Fußgängerzone beruht, spielt keine Rolle. So entstehen moderne Mythen über den deutschen Wähler, die sich trotz erheblicher Veränderungen bei Wählerschaft, Medien und in der politischen Landschaft hartnäckig halten: Wählen Frauen wirklich anders? Läuft der Politik die Jugend weg? Gefährden Wechselwähler die Demokratie in Deutschland? Sind die Volksparteien am Ende? Die Autorinnen und Autoren des Bandes nehmen zahlreiche Mythen unter die Lupe. Ein umfangreicher Band, der wertvolles Hintergrundwissen zum Wahljahr 2011 bietet.

China träumt davon, die eine, die einzige Weltmacht zu werden. Die Wirtschaft des Landes boomt, und nun werden riesige Summen in eine gigantische Militärmaschinerie gesteckt: Das Land verfügt über 2,3 Millionen Vollzeit-Soldaten, dazu fast fünf Millionen Reservisten, insgesamt sieben Millionen einsatzbereite Kämpfer. Wie funktioniert dieses Land der Superlative? Wie groß ist die militärische Gefahr? Das Land steht vor den größten Herausforderungen seiner langen Geschichte – wie reagiert die politische Führung darauf? Und wie werden die 1,3 Milliarden Einwohner mit den gewaltigen Auswirkungen fertig? Das Buch, das am 12. Mai in die Buchhandlungen kommt, lässt kaum eine Frage unbeantwortet. Ein beeindruckender Beitrag zur China-Debatte, der den Weg eines zwischen Turbokapitalismus und Kommunismus zerrissenen Landes spannend nachzeichnet.

Ian Morris: Wer regiert die Welt? Campus, 24,90 Euro. Gebunden, 656 Seiten

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Evelyn Bytzek, Sigrid Roßteutscher (Hg.): Der unbekannte Wähler? Campus, 29,90 Euro. Broschiert, 319 Seiten

Petra Häring-Kuan, Yu-Chien Kuan: Pulverfass China. Scherz, 18,95 Euro. Gebunden, 320 Seiten. Ab 12. Mai 2011

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I N D E R N A H AUFNAHME Freundliche Aliens und heiße Girls in Fantasywelten: Diesen Monat werden Nerd-Träume wahr. Eine Geschichte aus dem wahren Leben erzählt hingegen unser Thementipp, eine Doku aus Deutschland.

DVD-Tipp

Filmagenturen

* CLIFFORD SPENCER

Paul – Ein Alien auf der Flucht

Sucker Punch

Herr Wichmann von der CDU

R.: Greg Mottola USA/GB 2011, FSK 12

R.: Zack Snyder CAN/USA 2011, FSK 16

R.: Andreas Dresen D 2003, FSK 0

Die britischen Science-Fiction Freaks Graeme (Simon Pegg) und Clive (Nick Frost) pilgern durch die USA, von einem UFO Kultobjekt zum nächsten. Unterwegs finden sie Paul (deutsche Stimme: Bela B.), ein kleines graues Alien auf der Flucht vor Bundesagenten. Paul stürzte 1947 mit seinem UFO ab und will endlich nach Hause. Doch die Regierung hat andere Pläne, denn Paul hat einige äußerst nützliche Fähigkeiten. Ob „Spaced“, „Shaun of the Dead“ oder „Hot Fuzz“: Das Komikerduo Pegg und Frost sind längst Kult. Bei „Paul“ fehlt diesmal Regisseur Edgar Wright und das merkt man. Der amüsante Road Trip verliert gelegentlich an Fahrt und die Inszenierung ist nett aber unspektakulär. Mehr noch als zuvor wird so ziemlich alles zitiert, was in der Popkultur Rang und Namen hat. Leider gehen viele dieser Zitate in einer etwas inkompetenten deutschen Dialogregie unter, die auch die ganz offensichtlichen Anspielungen nicht verstanden hat. Spaß macht „Paul“ trotzdem. Das Alien hat einen herrlich trockenen Humor und die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern stimmt immer noch.

Als sich Baby Doll (Emily Browning) vehement gegen ihren perversen Stiefvater wehrt, weist er sie in eine Psychiatrie ein. Damit sie still hält, schmiert er den fiesen Oberaufseher Blue (Oscar Isaac), der eine Lobotomie ansetzt. Baby Doll flüchtet sich in eine Fantasiewelt, in der sie einen Ausbruch plant. Dort sind alle Insassen supersexy Tänzerinnen, die unter der Fuchtel von Blue stehen. Immer wenn Baby Doll tanzt, versinkt sie in einer neuen Traumwelt und kämpft gegen das Böse. Diese „Tanzszenen“ sprühen über vor Ideen und sind ein audiovisueller Hochgenuss. Wenn heiße Frauen gegen Samuraigolems kämpfen, ist man(n) glücklich. Doch Snyder wollte scheinbar die Aussagekraft von „Einer flog über das Kuckucksnest“ mit der erzählerischen Verspieltheit von „Inception“ verbinden – und scheiterte kläglich. Die stupiden Dialoge können einen in den Wahnsinn treiben und die Auflösung zeugt von ausgeprägtem Schwachsinn. Wer zwischen der fabelhaften Action auf Durchzug stellen kann, mag „Sucker Punch“ etwas abgewinnen können. Ansonsten hilft wohl nur eine Lobotomie.

Es ist Wahlkampf in der Uckermark. Henryk Wichmann ist gerade 25 Jahre jung und mit Herzblut Politiker. Seine steile Karriere mündet in der Aufstellung als Bundestagskandidat für die CDU. Da gibt es nur ein Problem: Die CDU ist in Brandenburg nicht sehr beliebt und erreicht in der Wählergunst gerade 20 Prozent. Aber Wichmann lässt sich nicht beirren und kämpft Tag für jede einzelne Stimme, stets unter dem Motto „frischen Wind“ in die Politik zu bringen. Regisseur Dresen („Sommer vorm Balkon“) begleitete Henryk Wichmann einen Monat bei seinem Kampf gegen Windmühlen. Ohne jeglichen Kommentar und sehr pointiert beobachtet, filmt er Wichmann im Gespräch mit politikverdrossenen Bürgern, bei tragikomischen Wahlveranstaltungen vor leeren Tribünen und immer wieder beim Aufhängen seiner eigenen Plakate. Dresen hätte mit ein paar geschickten Schnitten seinen Hauptdarsteller zur Witzfigur verwandeln können. Glücklicherweise geht es ihm nicht um die Demontage einer Person, sondern um das humorvolle Aufzeigen eines Zustandes. Und der ist im Grunde genommen ziemlich traurig.

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DAS LE T Z T E

DER TiCKER NACHRICHTEN AUF DEN LETZTEN DRÜCKER Impressum Förderung für Sozialwissenschaften GÖTTINGEN – Mit rund 1,4 Millionen Euro soll die Sozialwissenschaftliche Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen vom Bund gefördert werden. Bereitgestellt wird das Geld aus Töpfen der Initiative „Freiraum für Geisteswissenschaften“. Nach Angaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sollen mit den Geldern Regionalstudien in Deutschland gestärkt werden. (jg)

Volkszählung in Göttingen GÖTTINGEN – Ab dem 9. Mai wird in der Stadt Göttingen der „Zensus 2011“ anlaufen. Ungefähr 150 Interviewer sind dabei im Einsatz, um die Volkszählung durchzuführen. Befragt werden rund 7.000 Personen in Haushalten und 7.000 Personen in Wohnheimen und Gemeinschaftsunterkünften mit einem bundeseinheitlichen Erhebungsbogen. Neben persönlichen Daten wie Alter, Wohnort oder Familienstand werden unter anderem Angaben über Zuwanderung und Berufstätigkeit erfragt. Die erhobenen Daten werden anonymisiert. (jg)

Sterben und Leben retten Kassel – Glück und Unglück, Überleben und Sterben, bei dem Thema Organspende gibt es immer diese beiden Seiten. Gerade die bei-

den Transplantations-Beauftragten des Klinikums Kassel, Dr. Petra Wegermann und Dr. Christian Roth, sehen bei ihrer Arbeit auf der Intensivstation häufig solche Schicksale. Einerseits warten Patienten dringend wegen eines Nierenversagens auf eine Spenderniere. Andererseits erleiden Patienten einen Hirntod und kämen so als Organspender in Frage. Zum Einen liegt das daran, dass das medizinische Personal vermehrt darauf achtet, ob Patienten eventuell als Organspender in Frage kommen. Aber auch daran, dass auch ältere Menschen nicht grundsätzlich als Organspender ausgeschlossen sind. Denn auch viel betagtere Mitbürger warten dringend auf eine neue Niere, Lunge, Leber, Herz oder eine Bauchspeicheldrüse. „Oft ist es für die Angehörigen eine schwierige Entscheidung“, bemerkt ein leitender Oberarzt. Auch für das Pflegepersonal und die Ärzte sei das keine leichte Situation. Hier verweist er darauf, dass die ganze Angelegenheit für alle Beteiligten leichter würde, wenn der Spender schon zu Lebzeiten einen OrganspenderAusweis besäße. Auch eine Patientenverfügung hat sich als sinnvoll erwiesen. Intensive, aufklärende und einfühlsame Gespräche verhelfen Angehörigen zu einer stabilen Entscheidung. In achtzig Prozent der Fälle stimmen die Angehörigen einer Organentnahme zu. Beide Ärzte haben häufig erlebt, dass die Entscheidung zu Gunsten einer Entnahme auch ein Trost für trauernde Angehörige war, weil auf diese Weise andere Leben gerettet werden konnten. Mehr Informationen unter www.klinikum-kassel.de.

Anja Banzhaf

Nächstes Mal JUNI-Ausgabe 2011

Schon wieder wird in Deutschland eine Fußballweltmeisterschaft veranstaltet – jedoch nicht die der Männer, sondern die Frauen-WM. Sport ist in unserem Alltag allgegenwärtig und so widmet sich der TagesSatz diesem Thema. Es wird um Schulsport, Parcour und auch um die Entwicklung im Frauenprofisport gehen. Und wir haben für den TagesKlatsch mit Rubert Neudeck, dem Gründer der Hilfsorganisation Cap Anamur, gesprochen.

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TagesSatz, das Straßenmagazin Herausgeber: TagesSatz e.V. 1. Vorsitzender: Hans Peter Pung Adresse der Redaktion Kassel: Westring 69, 34127 Kassel Telefon: 0561 / 861 58 43 Fax: 0561 / 861 58 61 E-Mail: kassel@tagessatz.de Mo, Di, Do: 10-12 Uhr Mi & Fr: 17-19 Uhr Adresse der Redaktion Göttingen: Obere Karspüle 18, 37073 Gö. Telefon: 0551 / 531 14 62 E-Mail: goettingen@tagessatz.de Mo, Di, Do, Fr: 10-13 Uhr Mi: 14-16 Uhr Homepage: www.tagessatz.de Bankverbindung: Kasseler Sparkasse Kto.: 11 833 79 Blz.: 520 503 53 Sparkasse Göttingen Kto.: 505 815 11 Blz.: 260 500 01 Redaktionsleitung: Katharina Kretschmer, Christopher Piltz (GÖ), Harald Wörner (hw) (KS) Pressesprecher: Christopher Piltz Vertriebsleitung: Kassel: Christian Piontek Tel.: 0561 / 861 58 18 Göttingen: Juliane Michael Tel./Fax: 0551 / 531 14 62 Anzeigenleitung: Ronald Naumann Tel.: 05605 / 911 88 E-Mail: rr.naumann@web.de Redaktion Kassel: Stefan Giebel, Trudi Kindl, Stephanie Kommor, Fritz Krogmann, Bianca Kuchenbrod, Nora Mey, Hans Peter Pung, Thomas Schwab Kultur KS: Fritz Krogmann Redaktion Göttingen: Oliver Barth, Khoa Ly, Jörg „Yogi“ Müller, Daniele Palu, Malte Schiller, Julia Schoenen, Clifford Spencer, Melanie Swiatloch, Andrea Tiedemann, Julia Wolffson, Pia Zojer News GÖ: Jascha Grewe (jg) Illustration GÖ: Pilar Garcia Fotografie: Anja Banzhaf, Detlef „Rocky“ Bernhard, Stephanie Kommor, Ali Mansouri, Jörg „Yogi“ Müller, Christopher Piltz, Jörg Sanders, Andrea Tiedemann, Pia Zojer, photocase.com Umschlag: Dirk Mederer Layout: Dirk Mederer PLAZEBO Werbeagentur www.plazebo.net Druck: COLOR-Druck GmbH ViSdP: Harald Wörner TagesSatz erscheint zwölfmal im Jahr im Straßenverkauf in Kassel und Göttingen. Auflage dieser Ausgabe: 3.500

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe in gekürzter Version zu veröffentlichen. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung der Redaktion.

Verkaufspreis: 2,00 EUR, davon geht 1,00 EUR direkt an den Verkäufer.

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W O H I N , W E NN Allgemeine Hilfen

EssenSAUSGABEN

Göttingen

Göttingen

Caritasverband Göttingen Allgemeine Lebens- und Sozialberatungsstelle Godehardstr. 18 37081 Göttingen 0551/999590

Die Göttinger Tafel Jakobikirchhof 1 37073 Göttingen Tel. 0551–51030

Opferhilfebüro Göttingen für Opfer von Straftaten Maschmühlenweg 11(Landger.) 37073 Göttingen 0551/5213883 Weißer Ring e.V. Hilfen für Opfer von Straftaten Ansprechpartner: Herr Bayer 0551/6338876 Sozialdienst für Migranten, RABaZ-Beratungs- & Vermittlungsstelle für ausländische Jugendliche Karspüle 16 37073 Göttingen 0551/57739 BONUS Freiwilligenzentrum Godehardstr. 18 37081 Göttingen 0551/9995917 Neue Arbeit Brockensammlung Levinstr.1 37079 Göttingen 0551/5067320 Pro Familia Rote Str.19 37073 Göttingen 0551/58627 Selbsthilfe Körperbehinderte Prinzenstr. 19 37073 Göttingen 0551/54733-0 Selbsthilfegruppe für Mobbing-geschädigte – Rainer Beutler 05602/1860 BürgerInnenberatung Stadt Göttingen Hiroshimaplatz 2 37083 Göttingen Kassel Kasseler Hilfe Opfer- und Zeugenhilfe e.V. Wilhelmshöher Allee 101 34121 Kassel 0561/282070 Weißer Ring e.V. Hilfen für Opfer von Straftaten Ansprechpartner: Hr. Holler 0561/6029458 Pro Familia Kassel Frankfurter Straße 133 a 34121 Kassel 0561/27413 Außenstelle Witzenhausen (Rathaus/EG/Raum 10) Am Mart 1/ Witzenhausen Arbeitslosenhilfe Göttingen Arbeiterwohlfahrt Hospitalstr. 10 37073 Göttingen 0551/50091-0 Mensch & Arbeit - Beratungsstelle für Arbeitnehmer und Arbeitslose Kurze Str. 13a 37073 Göttingen 0551/43373 Verein zur Erschließung neuer Beschäftigungsformen e.V. Lange Geismarstr. 2 37073 Göttingen 0551/485622 Kassel Beratungsstelle für Arbeitslose des DGB Kreis Kassel Spohrstraße 6-8 34117 Kassel 0561/7209536

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Mittagstisch St. Michael Turmstr. 5 37073 Göttingen 0551/5479540 Straßensozialarbeit Rosdorfer Weg 17 37073 Göttingen 0551/517980 Kassel Kasseler Tafel Holländische Straße 141 34127 Kassel 0561/23003 Suppentopf der Heilsarmee jeden Montag von 14-15 Uhr Martinsplatz Gesegnete Mahlzeit Diakonisches Werk Kassel Hermannstraße 6 34117 Kassel weitere Ausgabestellen: Neue Brüderkirche, Johanneskirche, Auferstehungskirche

Kassel Fahrende Ärzte Dr. Giesler/Dr. Moog Mo 14-15.30 Uhr auf dem Martinsplatz Do 20-24 Uhr in der Gießbergstraße

Deutsches Rotes Kreuz Zollstock 17 37081 Göttingen 0551/5096322 Ausgabe: Mo & Do 8.30-11 Uhr jeden 3. Mi im Monat 16-18 Uhr Kassel

Kabera e.V. Beratung bei Essstörungen Kurt - Schumacher Straße 2 34117 Kassel 0561/780505

Diakonisches Werk Kassel Sprungbrett & Sprungbrett spezial Steinweg 5 34117 Kassel 0561/572090

Gesundheitsamt Region Kassel Wilhelmshöher Allee 19-21 34117 Kassel 0561/10031920

Deutsches Rotes Kreuz Königstor 24 34117 Kassel 0561/7290441

Haftentlassene

Lebenskrisen

Göttingen

Telefonseelsorge für Jugendliche 0800/1110333

Anlaufstelle – Kontakt in Krisen e.V. Rosmarinweg 24 37081 Göttingen 0551/632977 Kassel Beratungsstelle für Haftentlassene Kölnische Straße 35 34117 Kassel 0561/787-5061 oder 0561/70738-00

Göttingen Telefonseelsorge 0800/1110111 & 0800/1110222 Kassel Telefonseelsorge 0800/1110111 PSKB Stadt & Landkreis Kassel 0561/1003-0 & 0561/787-5361

Hilfe & Selbsthilfe bei AIDS

Notschlafstellen

Frauen in Not

Göttingen

Göttingen

Göttingen

Göttinger AIDS-Hilfe Obere Karspüle 14 37073 Göttingen 0551/43735 werktags: 10-13 Uhr Beratung: 0551/19411

Heilsarmee Untere Maschstr. 13b 37073 Göttingen 0551/42484

AIDS-Beratungsstelle Theaterplatz 4 37073 Göttingen 0551/4004831

Soziale Hilfe e.V. / Panama (für alleinstehende Wohnungslose) Kölnische Straße 35 34117 Kassel 0561/70738-00

KORE e.V. - Sozialberat. f. Frauen Papendieck 24-26 (Hinterhof, EG) 37073 Göttingen 0551/57453 Frauen-Notruf e.V. Postfach 18 25 37008 Göttingen 0551/44684 Frauenhaus e.V. Göttingen Postfach1911 37009 Göttingen 0551/5211800 Kassel Übergangseinrichtung für wohnungslose Frauen Am Donarbrunnen 32 34132 Kassel 0561/43113 Karla 3 Aufenthalt und Beratung für wohnungslose Frauen Karlsplatz 3 34117 Kassel 0561/15532 Autonomes Frauenhaus 0561/898889 Frauen in Not 0561/9892929 Notruf für vergewaltigte Frauen Frauen gegen Vergewaltigung e.V. 0561/772244 Frauen informieren Frauen e.V. Beratung bei häuslicher Gewalt Westring 67 34127 Kassel 0561/ 89 31 36 Gesundheit Göttingen

Kassel Aids-Hilfe Kassel Motzstraße 1 34117 Kassel 0561/97975910

Café Nautilus (für Drogenabhängige) Erzberger Straße 45 34117 Kassel 0561/12115

Stadt Kassel – Gesundheitsamt AIDS-Beratungsstelle Obere Königsstraße 3 34117 Kassel 0561/787–5380

Rechtsberatung & Hilfe

Kinder & Jugendliche in Not Göttingen Deutscher Kinderschutzbund Nikolaistraße 11 37073 Göttingen 0551/7709844

Kassel Schuldnerberatung Gottschalkstraße 51 34127 Kassel 0561/893099 Verbraucherzentrale Hessen e.V. Bahnhofsplatz 1 34117 Kassel 0561/772934 Göttingen

Omnibus - Beratungsstelle für Jugendliche & junge Erwachsene Goßlarstr. 23 37073 Göttingen 0551/392690

AWO Schulden- & Insolvenzberatung, Kreisverband Göttingen e.V. Hospitalstraße 10 37073 Göttingen 0551/50091-0

Kassel

Verbraucherzentrale Niedersachen Papendiek 24 37073 Göttingen 0551/57094

Deutscher Kinderschutzbund Siemensstraße 1 34127 Kassel 0561/899852 Verein zur Förderung der Erziehungshilfen in Nordhessen e.V. Wilhelmshöher Allee 32a 0561/78449-0

Gesundheitsamt Sozialpsychiatrischer Dienst Am Reinsgraben 1 37085 Göttingen 0551/4004802

Stadt Kassel Sozialer Dienst des Jugendamtes Friedrich-Ebert-Straße 1 34117 Kassel 0561/787–5301

Frauengesundheitszentrum Göttingen e.V. Groner Straße 32/33 37073 Göttingen 0551/484530

Kleiderkammern

Gesundheitszentrum Albanikirchhof 4-5 37073 Göttingen 0551/486766

Kassel

Göttingen Ev.-ref. Gemeinde – Kleiderkammer Untere Karspüle 11 37073 Göttingen Kleiderladen Ausgabe: Do 9-12 Uhr 0551/5473717

Suchtberatung: Alkohol Kassel Anonyme Alkoholiker 0561/5108806 Blaues Kreuz Kassel Landgraf-Karl-Straße 22 34131 Kassel 0561/93545-0 Suchtberatung Diakonisches Werk Goethestraße 96 34119 Kassel 0561/938950 Suchtberatung: Drogen Göttingen DROBZ (Drogenberatungszentrum) Mauerstr.2 37073 Göttingen 0551/45033

Beratungsstelle für Suchtkranke – Diakonieverband Schillerstr 21 37083 Göttingen 0551/72051 Kassel Drogenhilfe Nordhessen e.V. Schillerstraße 2 34117 Kassel 0561/103641 Kontaktladen „Nautilus“ Erzberger Straße 45 34117 Kassel 0561/12115 SAM – Substitutionsfachambulanz Wilhelmshöher Allee 124 34119 Kassel 0561/711813 SAM 2 – Substitutionsfachambulanz Schillerstraße 2 34117 Kassel 0561/103878 WohnungslosenHilfe Göttingen Ambulante Hilfe für alleinstehende Wohnungslose Wiesenstr. 7 37073 Göttingen 0551/42300 Diakonische Heime in Kästorf e.V. – Außenstelle Göttingen Wienstraße 4f 37079 Göttingen 0551/5053302 Straßensozialarbeit (Kleiderkammer) Rosdorfer Weg 17 37073 Göttingen 0551/517980 Bahnhofsmission Bahnhof, Gleis 4-5 37073 Göttingen 0551/56190 Hann. Münden Ambulante Hilfe für alleinstehende Wohnungslose Lange Str. 35 34346 Hann. Münden 05541/71034 / Fax: 05541/903210 Kassel Die Heilsarmee / Sozial Center Ks Eisenacher Straße 18 34123 Kassel 0561/570359-0 Beratungsstelle für Nichtsesshafte Sozialamt der Stadt Kassel Kölnische Straße 35 34117 Kassel 0561/787-5061 Beratungsstelle für alleinstehende Wohnungslose – Soziale Hilfe e.V. Kölnische Straße 35 34117 Kassel 0561/70738–00 Betreutes Wohnen Diakonisches Werk Kassel Hermannstr. 6 34117 Kassel 0561/7128829 Wohnungsprobleme Kassel Zentrale Fachstelle Wohnen Wohnungsamt (Rathaus) Obere Königsstraße 8 34112 Kassel 0561/787-6252 oder -6255 Deutscher Mieterbund Mieterverein Kassel u. U. e.V. Königsplatz 59 34117 Kassel 0561/103861 Wenn Ihre Einrichtung hier nicht enthalten, oder wir eine Korrektur durchführen sollen, schicken Sie bitte eine E-Mail mit den Daten an goettingen@ tagessatz.de!

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DAS ALLERLETZTE

Straßenzeitungen wie der TagesSatz gründen ihre Existenz aus der Wohnungslosenhilfe. Mit unserem Projekt „Der TagesSatz bittet zu Tisch“ kehren wir nun zu unseren Wurzeln zurück und werden dabei noch zum Gastgeber. Unsere Verkäufer möchten Wohnungslosen, die in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe leben, einen schönen Tag bereiten. Sie bitten sie zu Tisch und servieren Leckeres vom Grill, frische Salate und kühle Getränke. Dabei können die Bewohner der jeweiligen Einrichtung den TagesSatz kennen lernen.

Werden Sie zum Co-Gastgeber! Helfen Sie, Menschen die am unteren Rand der Gesellschaft stehen, ein paar schöne Stunden zu bereiten! Ihre Spende können Sie unter dem Stichwort „Sommerfest“ auf folgendes Konto überweisen: TagesSatz, Kasseler Sparkasse, Kto.: 1183379, BLZ: 52050353

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8. Juli – 21. August 2011

w w w. k u l t u r z e l t - k a s s e l . d e

8. Juli Gabby Young & Other Animals (GB)

29. Juli Maceo Parker (USA)

9. Juli William Fitzsimmons (USA)

30. Juli Canned Heat Woodstock Reunite 2011 (USA)

10. Juli Balkan Brass Battle (Rumänien/Serbien)

3. August Juan de Marcos Afro-Cuban All Stars (Cuba)

12. Juli Hubert von Goisern (A)

4. August Stephanie Nilles (USA ) / Alexi Murdoch (GB)

13. Juli DIG – feat. Till Brönner (USA/D)

5. August Agnes Obel (DK)

14. Juli Trombone Shorty & Orleans Avenue (USA)

6. August Harold Lopez Nussa Trio & special guest

15. Juli Katzenjammer (NW) 16. Juli Suzanne Vega (USA)

10. August

17. Juli Joan As Police Woman (USA)

11. August

20. Juli Ravi Coltrane Quartet (USA)

12. August

21. Juli Beady Belle (NW)

13. August

22. Juli Silje Nergaard (NW)

14. August

23. Juli De Phazz (D) 24. Juli Curtis Stigers (USA)

17. & 18. August

27. Juli Abdullah Ibrahim & Ekaya (SA)

19. August

28. Juli Christina Lux & Reentko /

20. August

Anna Depenbusch (D)

21. August

Kartenvorverkauf: HNA Kartenservice und alle HNA Geschäftsstellen, Tel.: 0561-203 204, Gestochen Scharf, Dörnbergstraße, Tel.: 0561-788 060 Kartenbestellung per Internet: www.hna-kartenservice.de 36 www.gestochen-scharf.de

David Sanchez (Cuba/Puerto Rico) Hindi Zahra (Marocco) Nils Landgren Funk Unit (S/D) Vienna Teng (USA) Polarkreis 18 (D) Sharon Jones & The Dap Kings (USA) Earth Wind & Fire Experience feat. The Al McKay Allstars (USA) Asa (Nigeria/F) Edgar Knecht Quartett (D) 17 Hippies (D) präsentiert von: Kultureller Genuss mit

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