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LEHRERHEFT

Ein Spiel von:

Gefördert durch: PLAYING HISTORY

Unterstützt von:


Inhaltsverzeichnis VORWORTE

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DAS SPIEL IM UNTERRICHT

SEITE 4

ERLÄUTERUNG ZUR SPIELANLEITUNG QUERSCHNITTSAUFGABEN THEMENBLÖCKE

SEITE 6

SEITE 8

SEITE 12

A Individuelle Biographie – Kollektive Geschichte SEITE 13

B Möglichkeiten – Grenze(n) SEITE 18

C Erinnern – Vergessen SEITE 26

D Bildung - Unbildung SEITE 32

E Arbeitsrecht – Arbeitspflicht SEITE 36

F Alltagskultur - Organisierte Freizeit SEITE 42

KOPIERVORLAGE 1: K ARTENÜBERSICHT

SEITE 48

WEITERFÜHRENDE LINKS UND LITER ATUR KOPIERVORLAGE 2: FR AGEBOGEN

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Geleitwort der Bundesstiftung Aufarbeitung

L

iebe Lehrerinnen und Lehrer, liebe Schülerinnen und Schüler,

rierechancen auch beim Ministerium für Staatssicherheit zu verfolgen?

die Überwindung der SED-Diktatur und der anschließende Prozess der Deutschen Einheit veränderte das Leben von allen Menschen in der DDR. Inwiefern dies auch für die Menschen im Westen galt, ist unter Experten und Beteiligten umstritten. In jedem Fall aber sind der Herbst 1989, der Mauerfall und die Friedliche Revolution heute vielen Menschen noch in Erinnerung.

Aus der Chance, sich auf spielerische Weise in den Alltag und das Leben in einer Diktatur hineinzuversetzen, erwächst freilich auch die Herausforderung, wie aus historischer Empathie mit den Akteuren historische Erkenntnis und Urteilskraft erwachsen kann. Hier haben die Autoren mit dem vorliegenden Lehrerheft eine Möglichkeit geschaffen, das eigene spielerische Verhalten zu reflektieren. Kontextualisierungen und Arbeitsanregungen laden dazu ein, sich etwa mit dem politischen System der DDR, herausragenden historischen Ereignissen des Jahres 1989 und so unterschiedlichen gesellschaftlichen Feldern wie Schule und Arbeit zu beschäftigen.

Bei heutigen Schülerinnen und Schülern sieht das anders aus. Nach dem Mauerfall im vereinigten Deutschland geboren, besitzen sie keine eigenen Erfahrungen mit der Teilung des Landes und der kommunistischen Diktatur. Sie können sich die damaligen Ereignisse nur über die Erinnerungen und Erfahrungen von anderen erschließen. Da die Auseinandersetzung mit der Geschichte von Demokratie und Diktatur nach 1945 im Unterricht nicht selten untergeht, ist es umso wichtiger, neue Zugänge anzubieten. Die Auseinandersetzung mit dem Spiel WENDEPUNKTE bietet neue Möglichkeiten für das historische Lernen: Die Spielerinnen und Spieler werden dazu aufgefordert, sich auf vielfältige Weise gleichermaßen individuell wie auch systembedingt entscheiden zu müssen, wie sie sich im Spannungsfeld von Anpassung und Opposition unter den Bedingungen einer Parteidiktatur verhalten. Nimmt man die Mitgliedschaft in der SED in Kauf, um studieren zu können? Wagt man Widerspruch im Betrieb? Ist man bereit, die eigenen Kar-

So entsteht die Möglichkeit, sich mit den jeweiligen Blickwinkeln der damaligen Zeitgenossen vertraut zu machen und sich darüber ein eigenes Urteil zu bilden. Auf diese Weise können aus Jahreszahlen historische Erzählungen entstehen, die eine Annäherung an das Geschehen vor nunmehr über 25 Jahren bieten. Ich wünsche dem Spiel, dass es viele Geschichtsinteressierte in die Hand nehmen, um sich auf eine faszinierende Reise in die Zeit vor, während und nach der revolutionären Umbrüche der Jahre 1989 und 1990 zu begeben. Dr. Jens Hüttmann, Leiter der schulischen Bildung der Bundesstiftung Aufarbeitung

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Das Spiel im Unterricht

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ieles ist bereits geschrieben und gesagt zur deutsch-deutschen Teilung und Geschichte der DDR, die gleichermaßen auch die Geschichte der Bundesrepublik ist. Viele (Bildungs-)Materialien, Webseiten und Projekte sind entwickelt worden und Bestandteil politisch-historischer Bildung. Warum braucht man dann noch ein Kartenspiel und begleitendes Bildungsmaterial? Das Kartenspiel WENDEPUNKTE zeigt verschiedene Aspekte individueller, politischer und gesellschaftlicher Umbrüche nach 1989 auf und gibt gleichzeitig einen vertieften Einblick in das politische System und das Leben der DDR-Bürger*innen. Dies macht seine Besonderheit für einen Einsatz im Unterricht aus: Anhand der erspielten Biografien und der einzelnen Ereigniskarten lassen sich durch den Einsatz kreativer Methoden komplexe geschichtliche Sachverhalte zugänglich thematisieren. Zudem können Analogien zu zeitgenössisch relevanten Fragen des Zusammenlebens und der politischen Mitgestaltung hergestellt werden. So ist es Anspruch der Handreichung, Impulse für eine kritische Auseinandersetzung mit DDR-Geschichte mit ihr zu geben. Besuch der EO

VIELFÄLTIGE INHALTE Es befinden sich zwei KOPIERVORLAGEN im Heft, die ergänzend zum Spielablauf eingesetzt werden: eine Übersicht mit allen Ereignissen des Kartenspiels, sowie ein Fragebogen für den Spielverlauf. Beide Kopien helfen den Schülerinnen und Schüler (SuS), die Inhalte des Spiels und ihre Entscheidungen für die weitere Auseinandersetzung zu reflektieren und festzuhalten. Auf der Kartenübersicht (siehe Seite 48) sollen die SuS ihre gespielten Karten ankreuzen. Eine vertiefte Beschäftigung kann entweder mithilfe von QUERSCHNITTSAUFGABEN (ab Seite 8), die sich inhaltlich am Fragebogen orientieren, erfolgen oder anhand von THEMENBLÖCKEN (siehe Seite 12): › Individuelle Biografie – Kollektive Geschichte › Möglichkeiten – Grenze(n) › Erinnern – Vergessen › Bildung – Unbildung Beitrit Bündnis 90/Die Grün

S

Mitglied d

er Jungen Ge meinde

en

Landtagsabgeordnete*r

Vaterländischer Verdienstorden

Mitglied der Volkska

-- ODER --

Parteisekretär*in

Oberschule (EOS). besuchst die Erweiterte ife Du hast gute Noten und kannst du so die Hochschulre Nach 12 erfolgreichen Jahren dazwischen kommt. erreichen – wenn nichts

Du wirst Mitglied der Jungen Gemeinde. Damit schaffst du dir einen Raum, in dem du mit Gleichgesinnten frei deine Gedanken über Gott, die Welt und den Staat austauschen kannst.

3+ / No- 5

gewählt. Du steigst in der SED auf und wirst als Parteisekretär*in Damit trägst du Verantwortung für die Parteiarbeit in deinem Umfeld.

5+ / No- 17

Glückwunsch! Für deine hervorragenden Leistungen wirst du feierlich mit dem Vaterländischen Verdienstorden ausgezeichnet.

Du willst nicht nur regieren lassen, sondern selbst mitreden und Politik mitgestalten – insbesondere in deinem nahen Umfeld. Darum gehst du in die Politik und ziehst schon bald in den Landtag ein.

3+ / No- 71

m mer

Du möchtest dich stärker politisch engagieren. Deine Werte findest du im neuen Zusammenschluss aus Bündnis 90 und den Grünen wieder. Du trittst ein und schon bald gelingt der Gruppe der Einzug in den Bundestag.

3+ / No- 68

Du hast es geschafft und wirst in die Volkskammer, das nominell höchste Verfassungsorgan der DDR, gewählt. Die Wahlbeteiligung und die Zustimmung lagen wie stets bei etwa 99%.

3+ / No- 47

5+ / No- 21

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3+ / No- 48


› Arbeitsrecht – Arbeitspflicht › Alltagskultur – Organisierte Freizeit. Die Wahl der Themenblöcke und die jeweils zugeordneten Übungen orientieren sich an den Inhalten des Spiels. Die Themenblöcke ähneln sich im Aufbau, sodass je nach Alter, Kenntnisstand und Unterrichtsgestaltung zwischen den Themen gewählt werden kann. Ergänzend wird in jeder Übung auf weiterführende Materialien und Quellen für das Thema und/oder die verwendete Methode verwiesen. Dabei lernen die SuS durch den Umgang mit unterschiedlichen Quellen und Wissensbeständen die Möglichkeiten eines multiperspektivistischen Geschichtslernens kennen. Die Beschreibungen der Übungen sind so gestaltet, dass ergänzend eigene Arbeitsblätter erstellt werden können.

BENÖTIGTE ZEIT

Inhalte vertieft werden. Eine Kombination von Übungen bzw. tiefer gehende Beschäftigung im Rahmen von Projekttagen ist möglich und erwünscht. Anregungen zur Umsetzung finden sich in einzelnen Übungen. Am Ende des Heftes finden sich weiterführende Links und Hinweise für zusätzliche Quellen und Literatur.

Z U S AT Z M AT E R I A L ONLINE Alle im Heft niedergelegten Aufgaben sind mit einer URL gekennzeichnet. Unter diesen Internetadressen finden Sie das jeweils angeführte Zusatzmaterial zu den Aufgaben. WWW.WENDEPUNKTE-SPIEL.DE

Die Querschnittsaufgaben und Themenbereiche ermöglichen je nach vorhandener Zeit und Lehrplan-Kontext eine unterschiedlich ausführliche Beschäftigung mit dem Spiel und den Inhalten.

Gruppengröße

LEGENDE

Das Spiel kann in einer Unterrichtsstunde (45 Min.) gespielt und anhand des Fragebogens besprochen werden. Für die Beantwortung der ersten Frage auf dem Fragebogen (vor dem Spiel) sind 10 Minuten vorgesehen, das Spielen und die Beantwortung der beiden anderen Fragen dauert insgesamt 25 Minuten. Die letzten 10 Minuten sind für die Nachbesprechung vorgesehen. Wir empfehlen mindestens eine Doppelstunde für die Beschäftigung mit WENDEPUNKTE. Neben dem eigentlichen Spielen können so durch ein bis zwei Übungen aus den Querschnittsaufgaben bzw. den Themenblöcken einzelne

Benötigte Zeit

Schlagworte Vertiefung Material Beispielkarten Onlinematerial

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Erläuterungen zur Spielanleitung Wie WENDEPUNKTE in Schulklassen oder anderen großen Gruppen erklärt werden kann.

NÜTZLICHE TIPPS › Spielregeln sind online als Video verfügbar: www.wendepunkte-spiel. de/spielanleitung › Machen Sie sich vorab mit den Regeln vertraut und spielen Sie möglichst schon eine Partie. › Geduld bewahren, geben Sie den Spieler*innen Zeit das Spiel und dessen Inhalt zu begreifen. Erklären Sie möglichst deutlich. › Lassen Sie die Spieler*innen die Spielanleitung als Hausaufgabe vorbereiten.

SPIELANLEITUNG

LOSSPIELANLEITUNG 1. Bilden Sie Spielgruppen von bis zu 8 Spieler*innen und legen Sie jeder Gruppe das Spiel auf den Tisch. 2. Stimmen Sie die Gruppe ein, indem Sie das Ziel (und ggf. den Kontext) des Spiels erklären. 3. Lassen Sie das Spiel auspacken und die Karten sortieren. Alternativ kann dies auch schon vorbereitet werden. 4. Erklären Sie das Spielmaterial: Karten der Runden 1-3, Übersichtskarten, Schlagzeilenkarten (kommen vorerst zur Seite). 5. Wenn die Gruppen kleiner als 7 Personen sind, müssen Karten aussortiert werden: Karten mit der Kennzeichnung 7+ und ggf. auch 5+ (siehe Spielanleitung S. 6). 6. Lassen Sie die Karten der Runde 1 mischen und an jede*n 4 Karten austeilen. 7. Jetzt wählen alle Spieler*innen eine ihrer Handkarten und spielen diese aus. Erklären Sie erst jetzt, wie die Karten aufgebaut sind und was es mit Sammelsymbolen und Ausspielbedingungen auf sich hat (Regeln S. 9-12) – so ist es gegenständlicher für die Spieler*innen. 8. Jede*r, die/der eine Karte mit Ausspielbedingung ausgelegt hat, muss diese zurück auf die Hand nehmen und sich für eine andere entscheiden. 9. Lassen Sie Runde 1 fertig spielen (insgesamt 3 Karten ausspielen, die 4. Karte kommt zur Seite) und erklären Sie, dass es insgesamt 3 Runden gibt. Punkte gibt es

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HÄUFIGE REAKTIONEN jeweils nach der 2. und 3. Runde. Hier wird oft die Frage gestellt, warum die Ereignisse zweimal und zum Teil unterschiedlich gewertet werden. 10. Lassen Sie Runde 2 spielen und erklären Sie, dass die Rundenkarten so ausgelegt werden sollen: Jugendweihe

Befürwortung des Mauerbaus

Du siehst es genau so, wie man es dir in der Schule erklärt hat: Die Mauer ist ein »antifaschistischer Schutzwall«, der die DDR vor feindlichen Elementen aus der imperialistischen BRD schützt.

FDJ-Sekretär*in der Schulklasse

Wie die meisten Jugendlichen der DDR nimmst du an der Jugendweihe – der staatlichen Alternative zur Konfirmation – teil.

3+ / No- 12

Hochzeit

3+ / No- 3

Verpflichtung als IM

Die Staatssicherheit steht vor deiner Tür und fordert, dass du ihnen in Zukunft Auskunft über dein Milieu gibst. Nachdem sie dir subtil drohen, gibst du klein bei und verpflichtest dich als Inoffizieller Mitarbeiter / Inoffizielle Mitarbeiterin.

3+ / No- 36

3+ / No- 41

IM-Tätigkeit kommt ans Licht

Du hast versucht es zu vertuschen, doch es kommt ans Licht: Du wirst als Spitzel der Stasi entlarvt und öffentlich angeprangert. Dein Ansehen und deine Glaubwürdigkeit sind damit schwer beschädigt.

Das ist alles nie passiert! Du lässt Unterlagen verschwinden und manchmal möchtest du dich einfach nicht an das Geschehene erinnern.

3+ / No 72 -

3+ / No- 16

Mitglied der Volkskammer

Ein Traum. Du heiratest. Ein schöner Tag. Obendrein unterstützt der Staat euer junges Glück in der Beschaffung von Wohnraum und Haushaltseinrichtung. Auch ein zinsloser Kredit von 5.000 Mark wird euch gewährt.

ng der Vergangenheit Verdrängu

Dein besonderes Engagement in der Schule sowie deine Beliebtheit bei Mitschüler*innen und Lehrer*innen lassen dir eine besondere Ehre zu Teil werden: Du wirst FDJ Sekretär*in deiner Klasse und vertrittst fortan ihre Interessen.

3+ / No- 74

Du hast es geschafft und wirst in die Volkskammer, das nominell höchste Verfassungsorgan der DDR, gewählt. Die Wahlbeteiligung und die Zustimmung lagen wie stets bei etwa 99%.

»KAPIERE ICH NICHT.« Viele Spieler*innen sind unsicher, weil sie zu Hause nie Kartenspiele spielen. Ermutigen Sie sie dazu Unklarheiten offen anzusprechen. »DAS HABE ICH ABER ANDERS VERSTANDEN.« Immer wieder werden Regeln ohne böse Absicht missachtet, obwohl sie erklärt wurden. Passiert! Einfach weiterspielen und ggf. die Spieler*innen selbst den Spielfehler ausbügeln lassen.

3+ / No- 48

Ausschluss aus der Partei

Im Zuge der Reform der Partei kommt es zu Meinungsverschiedenheiten und Zerwürfnissen mit den Genossinnen und Genossen, aufgrund derer du aus der Partei ausgeschlossen wirst.

5+ / No- 86

11. Lassen Sie die Punkte nach Runde 2 (linker Kreis auf den Spielkarten) notieren.

»UND WAS HAT DAS JETZT MIT GESCHICHTE ZU TUN?« Im Spiel vergessen die Schüler*innen gern, dass sie bereits lernen. Knüpfen Sie nun mithilfe des beiliegenden Materials an das Spiel an.

12. Anschließend wird Runde 3 gespielt. Am Ende von Runde 3 werden nochmals die Punkte von allen Karten (rechter Kreis auf den Spielkarten) notiert. 13. Nun ermittelt die Spielgruppe, wer gewonnen hat, indem beide Wertungen (nach Runde 2 und Runde 3) miteinander addiert werden.

ERRATA: Schlagzeilenkarte »Sternchen« › Auf der Rückseite der Karte müsste es »Star« heißen. Dennoch bringt die Karte, wie abgedruckt, in beiden Wertungsrunden 2 Punkte.

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Q

Querschnittsaufgaben

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Symbolkraft AUFGABE Q1 ZIEL: die SuS lernen die Bildsprache des Spiels kennen und entwerfen ein eigenes Symbol für ein von ihnen gewähltes Thema 30-45 Min. Gruppenarbeit (3-4 Personen) Papier, Stifte, Geschichtsbuch und/oder Internetzugang wendepunkte-spiel.de/Q1 ZUSATZMATERIAL › Wikipedia-Artikel: Sprachgebrauch in der DDR

In dieser Übung setzen sich die SuS mit den Symbolen auf den Spielkarten auseinander. Sie recherchieren die Bedeutung und Geschichte der zum Teil historischen Symbole: Schwerter zu Pflugscharen (Arbeiter), SED (Hände), Bundesadler, Buch, Stern. Es ist möglich, hier weitere Symbole aus anderen Kontexten (Peace-Zeichen der 68er Bewegung; Friedenstaube, Flagge der Bundesrepublik) hinzuzufügen. Leitende Fragen können dabei sein: Wofür steht das Symbol? Wer hat es entworfen? Was vermittelt es für euch? Im Anschluss überlegen sich die SuS in Kleingruppen jeweils ein Thema, welches für sie wichtig und momentan relevant ist und wofür sie eine Interessengruppe gründen wollen (z.B. Veränderungswünsche an Schule, Freizeitgestaltung). Sie entwerfen dafür ein eigenes Symbol. Zum Abschluss werden alle Symbole in der Klasse aufgehängt und in einem »Galerie-Rundgang« angeschaut und besprochen. Als alternative Variante können alle Kleingruppen zum gleichen, gemeinsam festgelegten, Thema ein Symbol entwerfen und ihre unterschiedlichen Ideen anschließend besprechen.

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Widerstand und Anpassung AUFGABE Q2 Im Vorwort des Buches »Wir Angepassten. Überleben in der DDR« (2016) beschreibt Roland Jahn das Bedürfnis vieler ehemaliger DDR-Bürger*innen, über ihr Leben und ihre Erfahrungen erzählen zu wollen, ohne in Schubladen gepresst zu werden. Auch in einer sozialistischen Diktatur waren menschliche Erlebnisse zu vielfältig und komplex, um sie in Kategorien wie »Opfer« oder »Täter«, »Mitläufer« oder »Widerständler« vollständig fassen zu können. Die Übung soll die SuS dazu anregen, sich über das Verhältnis von Widerstand und Anpassung und deren unterschiedlichen Ausprägungen Gedanken zu machen.

ZIEL: Ein differenzierteres Verständnis von Widerstand und Anpassung entwickeln

Ausgehend von den erspielten Biographien bzw. der Kartenübersicht und der zweiten Frage auf dem Fragebogen tauschen sie sich in Kleingruppen darüber aus, warum sie sich für bestimmte Ereignisse entschieden haben: Hatte ihre erspielte Biografie eher einen angepassten oder einen widerständigen Verlauf? An welchen Entscheidungen und Ereignissen machen sie das fest? Welche Handlungsmöglichkeiten und Gefahren brachte das eigene Handeln für sich und andere mit?

wendepunkte-spiel.de/Q2

30 Min. Gruppenarbeit (2-3 Pers.) Hausaufgabe: Textanalyse Kartenübersicht und Fragebogen (2. Frage) (Kopiervorlagen), Auszug aus der Biographie von Roland Jahn: Wir Angepassten. Überleben in der DDR, S. 13-18

Zur Vertiefung können Sie als Hausaufgabe den Auszug »Nachdenken« aus dem Buch von Roland Jahn lesen und anhand möglicher Leitfragen einen Aufsatz verfassen lassen: Warum löste der Buchtitel Diskussionen im Umfeld von Roland Jahn aus? Warum wählte er ihn trotzdem? Roland Jahn beschreibt den DDR-Alltag als ein »Leben zwischen Anpassung und Widerspruch«. Was meint er damit?

› Roland Jahn (unter Mitarbeit von Dagmar Hovestädt) (2016): Wir Angepassten. Überleben in der DDR. Bonn. Zu beziehen über die Bundeszentrale für politische Bildung. BENÖTIGTES MATERIAL

QUERSCHNITTSAUFG. Q

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Wendepunkte AUFGABE Q3 ZIEL: Kennenlernen der Entstehung und Funktion von Grenzen im Allgemeinen sowie der Mauer und innerdeutschen Grenze 10-15 Min. gesamte Klasse Zitat, Wissenssammlung, gesamte Klasse Zitat von Christa Wolf, Kartenübersicht und Fragebogen (3. Frage) 12. Befürwortung Mauerbau, 70. Wiedersehen mit der Familie wendepunkte-spiel.de/Q3

ZUSATZMATERIAL › Zeit-Online-Artikel von Annette Simon: Wende? Revolution! › Görtemaker, Manfred (2009): Zusammenbruch des SED-Regimes. Aus: Der Weg zur Einheit, Informationen zur politischen Bildung (Heft 250) › DVD: Karoline Kleinert: »Wendebilder – fünf Fotos und ihre Geschichten«. DVD mit Film und Begleitmaterial über fünf Bilder aus dem Herbst 1989; Bezug über www.stiftung-aufarbeitung. de unter »Publikationen« > »CDs, CD-ROMs, DVDs«

Die Schriftstellerin Christa Wolf hat in einer Rede auf dem Alexanderplatz in Berlin am 4. November 1989 folgendes zur Wende gesagt: »Mit dem Wort ›Wende‹ habe ich meine Schwierigkeiten. Ich sehe da ein Segelboot, der Kapitän ruft: ›Klar zur Wende!‹, weil sich der Wind gedreht hat, und die Mannschaft duckt sich, wenn der Segelbaum über das Boot fegt.«2 Der Klasse wird dieses Zitat zur Diskussion vorgelegt (Tafel/ PowerPoint). Die SuS sollen sich vor der Diskussion überlegen, was eine »Wende« für sie bedeutet und welche Begriffe und Ereignisse sie damit in Verbindung bringen. Sie sollen ein Gespür dafür entwickeln, dass politische Ereignisse teilweise folgenschwere Veränderungen bewirken und warum die Verwendung des Begriffs »Wende« in einer kritischen Geschichtsschreibung problematisiert und abgelehnt wird. Da der Sturz der Mauer und das Ende der DDR eine Folge der bürgerlichen Proteste und »friedlichen Revolution von unten« waren, schlägt Christa Wolf beispielsweise die Bezeichnung »revolutionäre Erneuerung« vor. Folgende Fragen können als Anregung zur Diskussion des Zitates genutzt werden: Was heißt es, das Ende der DDR und den Fall der Mauer im Alltagsgebrauch als »Wende« zu bezeichnen? Woher kommt der Begriff und warum ist er problematisch? Worin unterscheiden sich die beiden Begriffe? Welche Ereignisse sind dem Zusammenbruch der DDR voArbeitsplatz abgewickelt rangegangen? In einem abschließenden Schritt kann, in Anlehnung an den Fragebogen, besprochen werden, inwiefern die 3. Spielrunde eine Wende im Spielablauf darstellt und welche Konsequenzen dies im Spiel und für die erspielten Biografien hat: Einerseits bedeutete der Sturz der Mauer Freiheit für die Bürger*innen der DDR, andererseits wurde dadurch auch ihr gewohntes Leben beendet und stellte sie vor neue Herausforderungen (BEISPIELKARTE: »73. Arbeitsplatz abgewickelt«).

Jahrelang hast du dich in deiner Arbeit krumm gemacht und nu das. Wirtschaft, Industrie und Verwaltung werden umgekremp und auch dein Arbeitsplatz wird gestrichen. Wie viele andere bist auch du nun arbeitslos.

3+ / No-

zit. in: Reimann, Kerstin E. (2008) »Schreiben nach der Wende - Wende im Schreiben?: Literarische Reflexionen nach 1989/90«. Würzburg: Königshausen&Neumann. S.24.

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Das Leben ist kein Spiel!? Q-AUFGABE Q4 Im Spiel werden einzelne Lebensereignisse durch Punkte bewertet. Gleichzeitig wird in der öffentlichen Debatte häufig von »Wende-Gewinnern« und »Wende-Verlierern« gesprochen und diese Begriffe werden teilweise auch von »ehemaligen« DDR-Bürger*innen als Form der persönlichen Verarbeitung verwendet. Im Spiel wird diese Problematik durch die unterschiedliche Bewertung der Ereignisse der 1. und 2. Spielrunde (vor 1989) und der 3. Spielrunde (Ereignisse nach 1989) verdeutlicht. Die Aufgabe soll einen Übergang zwischen Spiellogik (Punktesystem) und Reflexion über die erspielte Biografie herstellen.

ZIEL: Reflexion darüber anregen, was es heißt, Lebensereignisse zu bewerten 30 Min. Gruppenarbeit (4-5 Pers.) Diskussion Kartenübersicht wendepunkte-spiel.de/Q4

Die SuS sollen sich in Kleingruppen kurz Zeit nehmen, ihre erspielte Biografie und die ihrer Mitspieler*innen anzuschauen. Im Anschluss diskutieren sie: Welche Biografien zählen zu den »Gewinnern«, welche zu den »Verlierern«? Woran machen sie das fest? Als Abschluss der Übung besprechen sie in der Klasse unter Anleitung der Lehrkraft die Frage was es bedeutet, Lebensereignisse mit einem Punktesystem zu bewerten.

Sprache und Gesellschaft Jede Zeit bringt ihre eigene Sprache und eigene Begriffe hervor. Diese unterliegen also immer auch dem gesellschaftlichen und historischen Wandel. Die SuS lernen in der Übung DDR-spezifische Begriffe und deren Bedeutung kennen. Im Spiel werden Begriffe verwendet, die nicht mehr in ihrer ursprünglichen Bedeutung oder auch überhaupt nicht mehr verwendet werden. Die SuS können ihre Notizen des Fragebogens zur Hand nehmen und sich über unbekannte Begriffe aus dem Spiel austauschen. Sie recherchieren zusätzlich in verschiedenen Materialien (Internet, Geschichtsbuch) und legen ein gemeinsames Wörterbuch der »Verschwundenen Begriffe« an. Leitende Fragen können dafür sein: Welche Begriffe sind heute nicht mehr aktuell? Welche werden noch benutzt? Was verbinden sie mit bestimmten Begriffen?

Q-AUFGABE Q5 ZIEL: »Wörterbuch der verschwundenen Begriffe« anlegen 45 Min. Gruppenarbeit (4-5 Pers.) Recherchearbeit Fragebogen (1. Frage), Internetzugang, Geschichtsbuch, Zettel und Stift wendepunkte-spiel.de/Q5 ZUSATZMATERIAL › Wikipedia-Artikel: Sprachgebrauch in der DDR

QUERSCHNITTSAUFG. Q

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Themenblรถcke

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Individuelle Biographie Kollektive Geschichte SEITE 13

B C D E F

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Mรถglichkeiten - Grenze(n) SEITE 18

Erinnern - Vergessen SEITE 26

Bildung- Unbildung SEITE 32

Arbeitsrecht - Arbeitspflicht SEITE 36

Alltagskultur - Organisierte Freizeit SEITE 42


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Individuelle Biographie Kollektive Geschichte

EINFÜHRUNG

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n diesem Themenbereich steht der Zusammenhang zwischen der individuell-erlebten Biografie und dem politischen und gesellschaftlichen Kontext im Mittelpunkt. Persönliche Lebenswege stehen im Zusammenhang mit politischen Entscheidungen. Sie geben Rahmenbedingungen vor, in denen Menschen ihre Lebenswege gestalten müssen. Gleichzeitig haben sie aber auch Einfluß auf diese. Ziel des Themenblocks ist es ein Verständnis für den Zusammenhang zwischen der individuellen und der strukturellen Ebene zu entwickeln. Die ersten zwei Übungen sollen den SuS ein Gefühl dafür vermitteln, dass das Erzählen der eigenen Geschichte ein Prozess des Ordnens, Sortierens und Neu-Zusammensetzens ist, der immer auch den politischen und gesellschaftlichen Kontext widerspiegelt (Biografie als Geschichte; persönliche und gesellschaftliche Wendepunkte). Die zwei folgenden Übungen greifen diesen Kontext auf und ermöglichen die Beschäftigung mit zwei zentralen Bereichen, die den DDR Alltag geprägt haben (das politische System der DDR, Kalter Krieg als »globaler« Kontext).

THEMEN › Zusammenhang zwischen individueller Biografie und politischen und gesellschaftlichen Strukturen › politisches System der DDR › »Kalter Krieg« und »Blockfreie Staaten«

THEMENBEREICH

A

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ÜBUNG A1 ZIEL: Förderung der narrativen Kompetenz 45 Min. Partnerarbeit Hausaufgabe oder Projekt, kreative Übung Kartenübersicht (Kopiervorlage), Comics, evt. PC-Zugang wendepunkte-spiel.de/A1 ZUSATZMATERIAL › COMICS • Berlin - Geteilte Stadt • Madgermanes • Kindheit und Jugend in der DDR › Programm zum Erstellen von Comis: www.pixton.com/de/ › Pandel, Hans-Jürgen (2009): Historisches Erzählen. Narrativität im Geschichtsunterricht. Wochenschau, Schwalbach/Ts.

Biografie als Geschichte Für das Fach Geschichte gehört die »narrative Kompetenz«, also die Fähigkeit historische Sachverhalte erzählen und reflektieren zu können, zu den Kernkompetenzen, die vermittelt werden sollen. Geschichten vernetzen, bringen Inhalte in eine sinnvolle Ordnung und liefern einen Kontext mit, der das Zuhören und das Begreifen von Fakten erleichtert. Mit Hilfe dieser Übung sollen die SuS ihre erspielten Biografien lebendig werden lassen und damit ihre narrativen Kompetenzen schulen. Zunächst erzählen sie sich gegenseitig die erspielten Biografien anhand folgender Beispielfragen: Welche Ereignisse und Entscheidungen haben das Leben der ausgespielten Person geprägt? Wo steht sie jetzt? Wie könnte ihr zukünftiger Lebensverlauf aussehen? Durch das Nacherzählen der Biografien müssen SuS konkrete Lebenswege mit dem politischen und sozialen Kontext in einen sinnhaften Zusammenhang bringen. Im Anschluss erfolgt eine gemeinsame Auswertung in der Klasse: Fiel es ihnen leicht, die Geschichte ihrer erspielten Biografie zu erzählen? Falls ja, warum? Falls nein, warum nicht? War das Zuhören einfach? Hinweis: Biografische Schreibübungen sind anspruchsvoll, da sie bei den SuS ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein voraussetzen. Dennoch bieten sie eine spannende Möglichkeit, kreatives Schreiben mit historischem Wissen zu verbinden. Je nach Alter und Vorwissen können die SuS entweder in Einzelarbeit als Hausaufgabe oder als Kleingruppe im Rahmen eines Projekttages oder Projektwoche die Geschichten ihrer erspielten Biografien weiter ausbauen. VARIANTE 1 – Tagebucheintrag (perspektivisches Schreiben): Die SuS verfassen einen Eintrag in ihr Tagebuch aus der Perspektive der ausgespielten Biografie: Was würde diese Person an Tag X/ nach Ereignis Y (z. B. kurz nach dem Mauerfall und 10 Jahre danach) in ihr*/sein* Tagebuch schreiben? Hinweis: Die Übung sollte eher mit höheren Klassen, oder wenn bereits eine intensivere Beschäftigung mit der DDR-Geschichte stattgefunden hat, durchgeführt werden. VARIANTE 2 – Comic selbst machen: Im Rahmen eines Projekttages oder einer Projektwoche lernen die SuS Comics kennen, die sich mit der DDR-Geschichte befassen, und erstellen einen eigenen. Je nach Interesse der SuS und vorhandener

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Zeit können sie entweder selbst zeichnen oder ein Programm benutzen. Geben Sie eine bestimmte Situation vor, die sie ausgehend von den gespielten Biografien mit Leben füllen müssen.

Persönliche und gesellschaftliche Wendepunkte" ÜBUNG A2 Im Spiel stehen gesellschaftlich und politisch signifikante Ereignisse als »Wendepunkte« im Fokus. In dieser Übung sollen die SuS eigene »Wendepunkte« in ihrem Leben identifizieren und diese in ihrem politischen und gesellschaftlichen Kontext reflektieren. Ausreiseantrag

Im Anschluss an das Spiel und im Idealfall nach der Übung »Wendepunkte« aus den Querschnittsaufgaben (Seite 10) überlegen sie sich in Einzelarbeit maximal 3 persönliche Ereignisse (z. B. Kindergarten, Umzug, Einschulung) und halten sie in ihrem Arbeitsheft fest. Als Haus-Recherche finden sie heraus, welche politischen Ereignisse an diesen Tagen stattfanden und wählen eins aus. Zur nächsten Stunde bringen Sie Fotos der eigenen biografischen Ereignisse mit, sowie Bilder, die das politische Ereignis symbolisieren, und stellen sie sich (z. B. mit der Think-Pair-Share-Methode) gegenseitig vor. Mögliche Fragestellungen sind dabei: Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es in den Erfahrungen? Warum haben sie sich für dieses politische Ereignis entschieden? Kennen sie jemanden, der*/die* einen Bezug zu dem gesellschaftlichen Ereignis hat? Falls ja, inwiefern? Zum Abschluss der Übung erstellen sie einen Zeitstrahl als Poster mit den mitgebrachten Bildern, das in der Klasse angebracht wird.

ZIEL: Annäherung an den Begriff »Wendepunkte«, Zusammenhang zwischen individueller Biografie und gesellschaftlichem Kontext verstehen 60 Min. Einzelarbeit Hausaufgabe/Projekt: Poster/Collage erstellen Kartenübersicht (Kopiervorlage), Bilder, Poster wendepunkte-spiel.de/A2

Um die DDR verlassen zu können, stellst du einen »Antrag zur ständigen Ausreise aus der DDR«. Du weißt, dass du dich damit langwierigen Schikanen aussetzt.

3+ / No- 14

ZUSATZMATERIAL › Hinweise zur ThinkPair-Share-Methode

THEMENBEREICH

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ÜBUNG A3 ZIEL: Kennenlernen des politischen Systems der DDR 45 Min. gesamte Klasse oder Partner*innenarbeit Diskussion, Gruppenarbeit, Hausaufgaben-Recherche Kartenübersicht (Kopiervorlage), Zugang zum Internet 1. Bausoldat, 4. Drei Jahre zur NVA, 21. Parteisekretär*in, 35. Karriere in der SED, 41. Verpflichtung als IM, 48. Mitglied der Volkskammer 51. SEDMitglied, 56. Mitglied des ZK, 59. Arbeit bei der Volkspolizei wendepunkte-spiel.de/A3

Das politische System der DDR Für diese Übung sollte bereits eine Beschäftigung mit der DDR-Geschichte im Unterricht stattgefunden haben und die wesentlichen Grundzüge und Organe des politischen Systems der DDR sollten bekannt sein (Stichwörter: »demokratischer Sozialismus«, SED-System, unfreie Wahlen, Stasi, Militarisierung der Gesellschaft). Mit Hilfe der Übung kann das bekannte Wissen wiederholt und vertieft werden. Dafür besprechen die SuS in Kleingruppen anhand der Kartenübersicht (siehe Kopiervorlage) die Karten aus dem Spiel und suchen diejenigen heraus, die, ihrer Meinung nach, einen Bezug zum Thema »Das politische System der DDR« haben. In einer abschließenden Diskussion in der Klasse stellen sie ihre Ergebnisse vor. Mögliche Leitfragen sind dabei: Wie sind sie bei der Auswahl vorgegangen? War eine Zuordnung schwierig? Falls ja, warum? ERWEITERUNG MIT ZEITZEUG*INNENBEZUG: Um einzelne Aspekte zu vertiefen und einen Zugang zum DDR-System anhand biographischer Erfahrungen zu erhalten, suchen sich die SuS eine Ereigniskarte (Rundenkarte) aus und recherchieren anhand von dazu passenden Stichwörtern in dem Internetportal »Zeitzeugenbüro« oder im Online-Archiv »Gedächtnis der Nation« jeweils zwei Personen, die einen Bezug zum Ereignis haben. Sie halten in ihrem Arbeitsheft fest: Wer ist die Person? Was hat sie im Hinblick auf das Ereignis gemacht oder erlebt? Wie bewertet sie ihre Erfahrungen? Die Recherche kann im Unterricht oder als Hausaufgabe erfolgen. › Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur - Zeitzeugenbüro › Online-Archiv - Gedächtnis der Nation

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BENÖTIGTES MATERIAL


Kalter Krieg als globaler" Kontext Die Geschichte der DDR ist nicht ohne ihre Einbindung in den Kalten Krieg, die Systemkonkurrenz und das ideologische sowie atomare Aufrüsten zu verstehen. Die Auswirkungen waren nicht nur zentral für die beiden deutschen Staaten und ihr Verhältnis zueinander, sondern hatten globale Dimensionen. Die SuS sollen in Kleingruppen ihr bereits vorhandenes Wissen zu dem Thema sammeln, sowie in ihrem Geschichtsbuch und im Internet weitere Informationen recherchieren. Die Ergebnisse werden in Form einer Mind Map aufbereitet. Zwei Gruppen beschäftigen sich mit dem Thema »Kalter Krieg«: Was war der »Kalte Krieg«? Welche Länder waren daran beteiligt? Welche politischen Akteur*innen waren wichtig? Zwei mit dem Thema »Blockfreie Staaten«: Wer waren die »Blockfreien Staaten«? Was waren ihre Forderungen? Wann war die Bandung Konferenz? Wer hat teilgenommen? Was wurde dort besprochen? Die jeweiligen Mind Maps werden zum Abschluss der Doppelstunde vorgestellt und können in weiteren Schulstunden, die thematisch anschließen, wiederverwendet werden.

ÜBUNG A4 ZIEL: Verstehen und Wiedergeben können, was der »Kalte Krieg« und die »Bewegung der Blockfreien Staaten« waren 60-90 Min. Kleingruppe (3-4 Pers.) Erstellen einer Mind Map Stifte, Papier/Flipchart, Schulbücher/Internet wendepunkte-spiel.de/A4 ZUSATZMATERIAL › Klett-Verlag – Informationsblatt zur Mind-Map Methode › Jürgen Dinkel (2015) : Die Bewegung Bündnisfreier Staaten. Genese, Organisation und Politik (1927–1992) Berlin/ München. › Vijay Prashad (2007): The Darker Nations. A People,s History of the Third World. New Press, New York/ London.

THEMENBEREICH

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B

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Möglichkeiten Grenze(n)

THEMEN › politisches System der DDR › Mauer, Flucht, Exil › Reise- und Bewegungsfreiheit › Meinungsfreiheit › Konsum › Rassismus und Ausgrenzung

EINFÜHRUNG

O

bwohl das Volk laut sozialistischer Ideologie im Zentrum der Politik stehen sollte, gab es in der DDR eine klare politische Strukturierung des Alltages, abweichendes oder klassenfeindliches Handeln wurde bestraft und, soweit möglich, unterdrückt. Auch war nicht immer geklärt, wer zu diesem »Volk« gehörte und wer nicht Teil des Kollektivs war. Die Beschränkungen betrafen alle Lebensbereiche, bezogen sich auf die Bewegungs- und Reisefreiheit, den Konsum, die Wahlen, den Kleidungs- und Musikgeschmack. Die Bürger*innen haben sich jedoch auch Freiräume geschaffen, in denen sie ihre eigenen Interessen und Ideen ausgelebt haben. Die DDR war einerseits ein in sich geschlossenes, andererseits ein zum globalen Sozialismus geöffnetes System. So wurden zum Beispiel unter dem Motto »Proletarier aller Länder vereinigt euch« mit Mozambik und Kuba Vereinbarungen geschlossen, um Arbeiter*innen anzuwerben. Durch den Umsturz und die Öffnung der innerdeutschen Grenze ergaben sich neue Räume und Möglichkeiten für die Menschen, das eigene Leben zu gestalten. Im Kartenspiel wird diese Veränderung unter anderem durch das System der Punktevergabe ausgedrückt. Die SuS beschäftigen sich in diesem Abschnitt mit den politischen Reglementierungen und Einschränkungen durch das DDR-System. Sie lernen die verschiedenen Strategien kennen, mit denen die DDR-Bürger*innen überwacht und bestraft wurden. Es soll auch vermittelt werden, dass Grenzen und Möglichkeiten relational sind und für verschiedene Personen eine unterschiedliche Bedeutung haben können – je nach der eigenen Position im System der DDR konnte ein systemtreues Leben auch Privilegien ermöglichen.

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Grenzziehungen

ÜBUNG B1

Die Schüler*innen sollen zur Vorbereitung (evtl. als Hausaufgabe) jeweils eine Grenze auf dem Globus suchen. Alternativ können auch Grenzen vorgegeben werden, z. B. Grenze zwischen den USA und Mexiko, EU-Außengrenze, Grenze zwischen Nord- und Südkorea. Für die Recherche dienen folgende Leitfragen: Wie wurden diese Grenzen gezogen? Seit wann gibt es sie? Wie werden diese Grenzen aufrecht erhalten und geschützt? Im Anschluss an diese Recherche beschäftigen sich die SuS mit der innerdeutschen Grenze und dem Mauerbau. Sie erstellen eine Karte mit dem Verlauf der Mauer und erarbeiten ein Poster, welches Auskunft gibt über die Auswirkungen der Mauer auf das Leben in den beiden deutschen Staaten. In der Reflexion kann außerdem besprochen werden, inwiefern sichtbare und unsichtbare Grenzen uns täglich beeinflussen. Eine Erweiterung des Themas auf andere Grenzen im Alltag lässt sich hier gut anschließen. Ebenso bietet sich eine Erkundung der ehemaligen innerdeutschen Grenze, der East Side Gallery in Berlin oder anderer Projekte zum Thema »Kunst an/ gegen Mauern« an.

ZIEL: Kennenlernen unterschiedlicher Grenzen, deren Entstehung und Funktion, sowie Berliner Mauer und innerdeutsche Grenze; Kenntnisse über die Mauer und innerdeutsche Grenze 45-90 Min. Recherchearbeit in Kleingruppen (3-4 Pers.) evtl. Hausaufgabe Plakat erstellen Weltatlas, Deutschlandkarte, Internet 12. Befürwortung Mauerbau, 70. Wiedersehen mit der Familie wendepunkte-spiel.de/B1 ZUSATZMATERIAL › Webseite – Chronik der Mauer

Befürwortung des Mauerbaus Wiedersehen mit der Familie

Du siehst es genau so, wie man es dir in der Schule erklärt hat: Die Mauer ist ein »antifaschistischer Schutzwall«, der die DDR vor feindlichen Elementen aus der imperialistischen BRD schützt. Endlich ist es soweit: Du kannst deine Tante aus dem Westen wiedersehen. Jahrelang konntet ihr nur auf dem Postweg Kontakt halten – sie schickte dir immer Westpakete zu. Nach dem Mauerfall kommt die ganze Familie wieder zusammen. 3+ / No 12 -

3+ / No- 70

THEMENBEREICH

B

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(Un)Erlaubte Bewegungen Flucht, Exil, Reisen ÜBUNG B2 ZIEL: Kennenlernen von Fluchtursachen sowie Beschäftigung mit verschiedenen Formen der Reise- und Bewegungsfreiheit 45-90 Min. Kleingruppe verschiedene Zeitungsartikel verfassen, Recherchearbeit Weltkarte, Internet, Material zu Fluchtbewegungen (z. B. vom Mediendienst Integration) 43. Fluchtgedanken, 66. Flucht ins Exil, 14. Ausreiseantrag, 88. Weltreise wendepunkte-spiel.de/B2 ZUSATZMATERIAL › Dossier zu Flucht & Asyl von Mediendienst Integration: › Webseite – Ausreise aus der DDR: › MDR-Dossier »Isla Ernesto Thälmann« › Webseite Reimagine Belonging › aktueller Bezug (Migration und Tourismus): Tom Holert/ Mark Terkessidis: »Fliehkraft. Gesellschaft in Bewegung - von Migranten und Touristen«. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2006. 256

In dieser Übung beschäftigen sich die SuS mit den Themen Flucht, Exil und Reisefreiheit. Sie lernen die machtvollen Beschränkungen der Reisefreiheit durch das DDR-Regime und damalige Fluchtursachen kennen, sowie aktuelle Gründe für globale Flucht- und Migrationsbewegungen. Die DDR hat ihre Bürger*innen zwanghaft »festgehalten« und so Zugehörigkeit gewaltvoll herstellen wollen. Für viele Bürger*innen, die aus der DDR fliehen wollten, hat dies teils tödliche Folgen gehabt. Gleichzeitig bot die DDR Zuflucht für Exilanten und Geflüchtete aus Chile oder dem griechischen Bürgerkrieg. Mögliche Fragestellungen können sein: Was heißt es, aus einem Land nicht ausreisen zu dürfen oder fliehen zu müssen, da Krieg und Verfolgung drohen? Die SuS recherchieren historische und aktuelle Fluchtursachen und -bewegungen. In Kleingruppen verfassen sie jeweils einen Zeitungsartikel, der die unterschiedlichen Formen thematisiert und beschreibt. Auf einer Weltkarte können die SuS alle sozialistischen Partnerländer der DDR eintragen, in die theoretisch eine Reise für DDR-Bürger*innen möglich war. Außerdem können sie in einem zusätzlichen Schritt aktuelle, weltweite Fluchtbewegungen Weltreise nachzeichnen. In der Auswertung wird besprochen, inwiefern sich Flucht und Exil unterscheiden, und welche Zusammenhänge es zwischen Tourismus und Migration gibt.

Flucht ins Exil

Fluchtgedanken

Einmal das weite Meer sehen, die höchsten Berge erklimmen, den aufregenden Dschungel durchqueren – du willst nun endlich den Planeten und seine Menschen kennenlernen. Du startest eine Weltreise.

weg und O je, dir droht erhebliche Strafverfolgung! Du musst und reist zwar schnell! Du packst das Nötigste zusammen vielleicht Chile oder aus – nachImmer Manche Gedanken lassen sich nicht verdrängen. wieder stößt Kuba.5+ / No- 88 unbemerkt du an die Grenzen, die dir das System steckt. Die härteste von ihnen: Die Staatsgrenze zum Westen. Eine Flucht könnte dein Ausweg sein. Bloß wie? o 66 3+ / N -

3+ / No- 43

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Konsum als Freiheit?! ÜBUNG B3 Der Konsum in der DDR war in vielen Bereichen von Mangel gekennzeichnet. Es gab weder die Produkte des »Westens«, noch gab es eine ausreichende Anzahl an besonderen, für uns heute alltäglichen, Gütern zu kaufen (Kaffee, Südfrüchte, Ersatzteile für Maschinen, besondere Kleidung), was u.a. ein Horten und Tauschen von Waren zur Folge hatte. In dieser Übung setzen sich die SuS mit ihrem eigenen Konsumverhalten auseinander. Als Einstieg für die Übung bietet sich ein Inputreferat oder kurzes Video zum Konsum in der DDR an. In einer anschließenden Einzelarbeit, die sich als Hausaufgaben-Recherche eignet, reflektieren die SuS den eigenen Tagesablauf auf Grundlage folgender Fragen: Was kaufe ich? Wieso kaufe ich es? Was kann ich nicht kaufen? Was sind die Gründe dafür? Haben sie Erfahrungen mit dem Tauschen von Waren und Dingen gemacht? (Es ist auch möglich, erst über den eigenen Konsum zu reflektieren und dann die Informationen zur DDR hinzuzuziehen.) Im anschließenden Austausch in der Klasse wird besprochen, wie selbstverständlich unser tägliches Konsumverhalten ist und welchen Einfluss es auf unser Leben hat. Die SuS setzen sich damit auseinander, welche Dinge sie besitzen und täglich konsumieren, woher diese kommen und was es bedeuten würde, wenn der Zugang dazu plötzlich nicht mehr wie gewohnt möglich ist. Bei diesem Thema können auch Einkommensunterschiede in den Familien eine Rolle spielen. Es bietet sich daher an, in einem geschützten Rahmen auch darüber zu sprechen, welche Möglichkeiten durch Konsum in einer Gesellschaft geschaffen werden und inwiefern durch den Zugang zu Produkten und Gütern des täglichen Bedarfs (Nicht-)Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen und gesellschaftliche Unterschiede deutlich werden.

Hauptgewi

ZIEL: Auseinandersetzung mit dem eigenen Konsumverhalten ausgehend vom »Konsum in der DDR« 30-45 Min. Einzelarbeit Hausaufgabe Ggf. Video zum Konsum in der DDR 31. Wartburg ohne Warten, 85. Kauf eines neuen Autos, 89. Hauptgewinn in einer Spielshow wendepunkte-spiel.de/B3 ZUSATZMATERIAL › Salheiser, Axel (2010): Konsum. Bundeszentrale für politische Bildung › Zeitklicks: Konsum in der DDR

nn in einer Spielshow

Herzlichen Glückwunsch zu 10.000 DM und dieser nigelnagelneuen Trockenhaube! Das Glück ist jetzt auf deiner Seite. In einer Fernsehshow sahnst du den Hauptgewinn ab.

7+ / No- 89

THEMENBEREICH

B

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Wer darf was (nicht)? ÜBUNG B4 ZIEL: Kennenlernen von Privilegien und Einschränkungen in der DDR an konkreten biografischen Stationen 30 Min. Gruppenarbeit (3 Pers.) mit anschließender Austausch Zettel, Stift, Kartenübersicht (Kopiervorlage) wendepunkte-spiel.de/B4

ZUSATZMATERIAL › Placemat-Methode (lernen-vielfalt.de)

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Die SuS finden sich in Dreiergruppen zusammen. Jede*r sucht sich anhand der Kartenübersicht (siehe Kopiervorlage) eine Spielkarte aus und überlegt, welche Grenzen und Möglichkeiten für die jeweilige Person in dieser biographischen Situation stecken. Mit Hilfe der Placemat-Methode werden die Möglichkeiten und Beschränkungen zunächst individuell reflektiert und in der Gruppe besprochen: Welche macht- und gewaltvollen Einschränkungen erlebten die Menschen durch das DDR Regime? Im Anschluss werden die Ergebnisse in der Klasse zusammengetragen und diskutiert. Ausgehend davon kann ein Bezug zum Punktesystem und der Veränderung der Punkte im Spielverlauf hergestellt werden: Was heißt es, unterschiedliche Lebensereignisse in ein Punktesystem zu bringen und somit zu bewerten? (Siehe auch Ausgabe Q4 »Das Leben ist kein Spiel!?«, S. 11)


Sagen, was man will Sagen, was man soll ÜBUNG B5 Die SuS lesen verschiedene Pressetexte aus der DDR, der Bundesrepublik und dem Ausland- und interpretieren deren inhaltliche Ausrichtung (siehe Material). Folgende Fragen können die Auswertung anregen: Was fällt euch auf? Wie sind die Texte formuliert? Welche politische Haltung wird im Artikel deutlich? In einer vertiefenden Variante dieser Übung verfassen die SuS selbstständig einen Pressetext aus den verschiedenen Perspektiven (DDR-Presse, Presse der Bundesrepublik, Internationale Presse), der den Mauerbau oder ein anderes ikonisches Ereignis der DDR-Geschichte thematisiert (z.B. Montagsdemonstrationen). Dies setzt eine tiefere Kenntnis des DDR-Systems und der politischen Positionen westlicher Presse voraus. Die kreative Schreibübung eignet sich gut für die Übernahme verschiedener Standpunkte und Einblicke in journalistische Berichterstattung. › Zugänge zur DDR-Geschichte. Anregungen zu projektorientiertem Lernen (drei Artikel aus der Presse zum Mauerbau 1961 (S. 13), eignen sich gut als Quelle) BENÖTIGTES MATERIAL

ZIEL: AAuseinandersetzung mit Pressefreiheit, Recht auf freie Meinungsäußerung und dem Umgang der DDR mit diesen Grundrechten 60-90 Min. Einzelarbeit evtl. Hausaufgabe Presseschau erstellen, Variante: eigenen Zeitungsartikel verfassen Zeitungsarchiv, Internet, Zettel/ Stift 44. Öffentliche Systemkritik, 49. Teilnahme an Montagsdemo, , 64. Kontakt zu Westjournalist*innen, 81. Arbeit als Journalist*in wendepunkte-spiel.de/B5 ZUSATZMATERIAL › Verbotene Bücher - Die Gründung und Arbeit der Umwelt-Bibliothek

Öfentliche Systemkritik Kontakt zu Westjournalist*innen

Teilnahm

e an Montagsdemo

Du missbilligst den real existierenden Sozialismus und machst keinen Hehl mehr daraus. Öffentlich prangerst du Verletzungen der Menschenrechte an und forderst die Abrüstung. Du weißt, dass du nun mit Nachteilen rechnen musst.

Westjournalist*innen sind in der DDR nicht gern gesehen. Doch du hast Kontakt zu einigen von ihnen aufgebaut und informierst sie über Vorgänge in der DDR. t*innen Demonstran tausenden mit »Wir sind das Volk« skandierst du / No- 44 en Montagsdemonstration. Ihr fordert eine zur3+regelmäßig demokratische Neuordnung, Reisefreiheit 7+ / No- 64 und das Ende der SED-Herrschaft.

5+ / No- 49

THEMENBEREICH

B

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Ausgrenzung und Rassismus ÜBUNG B6 ZIEL: Sensibilisierung und Sichtbarmachung der ungleichen Zugehörigkeit und Ausgrenzung verschiedener Minderheiten in der DDR, sowie im aktuellen Deutschland 120 Min. Gruppenarbeit evt. Hausaufgabe Steckbriefe/Fotosammlungen mit biografischen Geschichten erstellen Auszüge aus Biographien, Filmausschnitte wendepunkte-spiel.de/B5

Die DDR wurde gegründet mit dem Anspruch, ein antifaschistischer Staat zu sein. Solidarischer Kontakt zum sozialistischen Ausland wurde immer als wünschenswert betont. Im sozialen Miteinander hat der Staat jedoch keine Bemühungen gezeigt, die Idee einer internationalen Gemeinschaft innerhalb der eigenen Grenze zu fördern. Es lebten z. B. rund 20.000 Mosambikaner*innen in der DDR, die als Vertragsarbeiter*innen weitergebildet werden sollten, um dann - besser qualifiziert - nach Mosambik zurückzukehren. Sie waren jedoch in der DDR- Gesellschaft vielfältigen Formen der Ausgrenzung und Diskriminierung ausgesetzt. Kontakt zur DDR Bevölkerung sollten sie nicht aufbauen. Die SuS recherchieren in den angegebenen Quellen (siehe Kasten), welche Bevölkerungsgruppen, temporär und dauerhaft, in der DDR gelebt haben (z. B. Minderheiten, Vertragsarbeiter*innen, Exilant*innen) und unter welchen Bedingungen die Menschen Teil des Systems waren. Auf Basis der Recherchen verfassen sie kurze, biografische Geschichten und Steck Auswahl möglicher Biografien: › Alberto, Ibraimo (2014): Ich wollte leben wie die Götter. Was in Deutschland aus meinen afrikanischen Träumen wurde. kiwi Verlag. › Aukongo, Stefanie-Lahya (2009): Kalungas Kind. Wie die DDR mein Leben rettete.Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek. › Cala Fuentes, Leonel R. (2007): Kubaner im realen Paradies: Ausländer-Alltag in der DDR. › Engombe, Lucia/Peter Hilliges (2004): Kind Nr. 95. Meine deutsch-afrikanische Odyssee. Ullstein, Berlin. › Projekt der Amadeo-Antonio-Stiftung: Ein neues Leben in der DDR: Ehemalige Vertragsarbeiter erzählen ihre Geschichte Rassismus nach der Wiedervereinigung (Filmanalyse): › Film »Bruderland ist abgebrannt« von Angelika Ngyen (youtube) › Webdoku Hoyerswerda (hoyerswerder.de) › Film »Walls« von Can Candan (onlinefilm.org) › Film 93/13 | 20 Jahre nach Solingen von Mirza Odabasi (youtube) BENÖTIGTES MATERIAL

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ZUSATZMATERIAL

briefe zu einzelnen Personen und deren Schicksalen. Wenn möglich, werden diese mit gefundenen Fotos in einem Album oder dem Klassenraum ausgestellt. MÖGLICHE ERWEITERUNG: Ausgehend vom Motto der Montagsdemonstrationen »Wir sind das Volk!« lässt sich aufbauend auf diese Übung auch besprechen, wer »das Volk« war, wer darin ein- und wer ausgeschlossen war und wie die Wende von unterschiedlichen Personengruppen wahrgenommen wurde (siehe Filmbeispiele). Mit Blick auf das aktuelle Erstarken nationalistischer Gruppen und Bewegungen in Deutschland und Europa (AfD, PEGIDA, die »Identitäre Bewegung«) kann in einer anschließenden Diskussion ein notwendiger Bezug zu gegenwärtigen gesellschaftlich relevanten Fragen hergestellt werden: Wie und wo wird Rassismus heute sichtbar? Wer ist davon betroffen? Und was kann man als Einzelner, als Klasse und in der Schule dagegen tun?

› Filmbeitrag im Mitteldeutschen Rundfunk › Webseite Zwischentöne - Unterrichtsmaterialien »Wächst zusammen was zusammengehört? › Comic zu »Vertragsarbeitern« aus Mosambik: Weye, Birgit. (2016) Madgermanes. Berlin: avant Verlag. › Behrends, Jan C.; Lindenberger, Thomas; Poutrus, Patrice G. (Hrsg.) (2003): Fremde und Fremd-Sein in der DDR. Zu historischen Ursachen der Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland. Berlin: Metropol Verlag.

THEMENBEREICH

B

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C

C

Erinnern Vergessen

THEMEN › individuelle und kollektive Erinnerung › Erinnerungsorte und -symbole › Erinnerungskultur im wiedervereinigten Deutschland

EINFÜHRUNG

W

ir alle haben unsere eigene Art und Weise, wie wir die Geschehnisse unseres Lebens wahrnehmen, verarbeiten und darüber erzählen. Beim Erinnern werden bestimmte Aspekte ausgewählt, andere weggelassen. Erinnerungen können sich mit der Zeit verändern oder andere Schwerpunkte erhalten. So ist der Vorgang des Erinnerns eng mit der Gegenwart verknüpft. Ereignisse und historische Daten werden nicht einfach abgerufen, sondern mit der aktuellen persönlichen Lebenssituation und gegenwärtigen Einstellungen verknüpft. Erinnerung ist somit grundlegend für die Herausbildung einer Identität, gleichzeitig aber auch für die Vermittlung eines Zugehörigkeitsgefühls. Etwas gemeinsam erlebt oder durch Erzählungen von Familienmitgliedern und Freunden miterlebt zu haben das Gefühl zu haben eine Geschichte zu teilen, vermittelt ein starkes Wir-Gefühl. Auf nationaler Ebene dient Erinnerung immer auch der kollektiven Identitätsstiftung. Nationale Geschichte wird als die Zusammenfassung vergangener kollektiver Ereignisse betrachtet, die aufgrund verschiedener, machtvoller Faktoren archiviert und für eine Gruppe von Menschen als relevant befunden werden. Mythen, Denkmäler, Feiertage, Ikonen und Lieder sind dazu da an diese kollektive Geschichte zu erinnern. Die Erinnerung an vergangene Ereignisse ist häufig umstritten und von ungleichen Zugangsmöglichkeiten für unterschiedliche Gruppen bestimmt. Der folgende Themenbaustein beschäftigt sich vor diesem Hintergrund mit folgenden Fragen: Was ist der Unterschied zwischen individueller und kollektiver Erinnerung? Wie wird aktuell an die DDR-Vergangenheit erinnert? Warum ist Erinnern erinnern wichtig, aber häufig auch schwierig? LITERATUREMPFEHLUNG: › Seyfert, Robert/Giesen, Bernhard (2013): Kollektive Identität. Aus Politik und Zeitgeschichte; 63 (2013), 13-14, S. 39-43. wendepunkte-spiel.de/links

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Erzählte Geschichte Archivierte Geschichte ÜBUNG C1 Gespräche mit Zeitzeug*innen sind eine wichtige Möglichkeit für SuS, einen unmittelbaren Eindruck historischer Gegebenheiten zu bekommen. Es braucht »die« Geschichte, damit Menschen ihre Geschichten erzählen können. Umgekehrt braucht es die Geschichten der Menschen, damit »die« Geschichte greifbar, glaubhaft und vermittelbar wird. Biografien sind somit immer zugleich Vorder- und Hintergrund von Geschichtsvermittlung. Den SuS soll durch eine intensive Vor- und Nachbereitung deutlich werden, dass jede Erzählung eine eigene, subjektive Sicht auf die Dinge ist und je nach gesellschaftlicher Position und gemachten Erfahrungen variieren kann. Wenn die Zeitzeug*innen dazu bereit sind, können offizielle Dokumente (Akten, Beurteilungen etc.) in das Gespräch eingebunden werden. Das Zeitzeug*innengespräch ist in diesem Fall auch eine Möglichkeit unterschiedliche Quellen zueinander in Verbindung zu setzen und zu analysieren. Behördliche Unterlagen müssen oft »gegen den Strich« gelesen werden. Was z. B. in den Akten als Auffälligkeit oder Querulantentum dargestellt wird kann ein widerständiges Moment in einem Unrechtssystem sein. Die SuS lernen so unterschiedliche Quellen zu interpretieren und einzuordnen. Zur Vorbereitung auf das Gespräch sollten die SuS über mögliche Interviewpartner*innen recherchieren und sich geeignete Fragen überlegen. Sie können im Vorfeld zur Übung ein biografisches Interview mit jemandem aus der Familie, Freund*innen oder Mitschüler*innen führen.

ZIEL: Zeitzeugengespräche angemessen führen und zwischen unterschiedlichen Quellen unterscheiden können 45-90 Min Zeitzeugengespräch, Projekttag Interviewfragen 91. Verfassen einer Autobiographie, 96. Zeitzeug*in im Fernsehen wendepunkte-spiel.de/C1 ZUSATZMATERIAL › Leitfaden für Lehrkräfte zur Durchführung von Zeitzeugen-Gesprächen von der Bundesstiftung Aufarbeitung › Arbeitsblatt für das Erstellen und Führen von Interviews (szenarien-in-schulen.net) › Erbar, Ralph/Ostendorf, Werner (2006): Zeugen der Zeit. Anregungen für Zeitzeugengespräche im Unterricht. Bad Kreuznach (PZ-Information 2/2006).

Ist es nicht möglich, eine*n Zeitzeugen*in einzuladen, können die SuS auch online nach Interviews recherchieren und diese in Kleingruppen besprechen. › Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur - Zeitzeugenbüro BENÖTIGTES MATERIAL

THEMENBEREICH

C

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Orts-Spuren ÜBUNG C2 ZIEL: Kennenlernen der eigenen Umgebung als »Ort der Erinnerung« und Erinnerungsorte der DDR, Verständnis und Neugier für den Zusammenhang von Erinnerungen und Orten wecken 50 Min. Partnerarbeit ggf. Hausaufgaben-Recherche Fotoprojekt, Internet, Exkursion Artikel zu Sarah Schönfeld, Kamera oder Smartphone, Portfolio-Mappe 92. Gründung des DDR Museums wendepunkte-spiel.de/C2

ZUSATZMATERIAL › Verbotene Bücher - Die Gründung und Arbeit der Umwelt-Bibliothek

Individuelle sowie kollektive Erinnerungen bündeln sich häufig an Orten. Sie sind mit bestimmten Emotionen und Erlebnissen verbunden. Auf nationaler Ebene können sie symbolischen Charakter haben, wie das Brandenburger Tor als Ikone der Wiedervereinigung oder »authentische« historische Orte sein, die an Verfolgung, Opposition und Widerstand erinnern, wie die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Die SuS lesen den Artikel über Sarah Schönfeld (siehe Zusatzmaterial) und besprechen in Partnerarbeit: Wer ist Sarah Schönfeld? Warum hat sie die Serie »Wendegelände« erstellt? Welche Orte sind den SuS heute wichtig oder waren ihnen wichtig als sie jünger waren? Bei einem Projekttag oder als Hausaufgabe gehen die SuS mit einer Kamera oder ihrem Smartphone ausgestattet auf die Suche nach diesen Orten und fotografieren sie. Sie erstellen ein Plakat mit den Bildern und halten schriftlich fest: Warum ist/war dieser Ort wichtig für mich? Hat sich etwas an ihm verändert? Die Plakate werden im Klassenzimmer vorgestellt und aufgehangen. Alternativ kann auch ein Instagram-Account der Klasse angelegt werden, auf den die Bilder (nach vorheriger Festlegung gemeinsamer Kriterien) hochgeladen werden können. In einem zweiten Schritt sollen diese Erfahrungen in Hinblick auf öffentliche Erinnerungsorte reflektiert und als Ergebnis eine Portfolio-Mappe erstellt werden. In Zweierteams begeben sich die SuS auf die Suche nach möglichen Spuren von DDR -Geschichte/der Wiedervereinigung in ihrem Wohnort (z.B. Straßennamen, Plätze, Denkmäler, Museen). Sie fragen Familie und Freunde, recherchieren im Internet, in der örtlichen Bibliothek, etc.: Seit wann gibt es sie/heißen sie so? Warum wurden sie errichtet/so benannt? Wer hat das entschieden? Hatten sie vorher noch andere Namen? Als Anregung kann der Artikel zu »Einheitsreise« dienen (siehe Zusatzmaterialien). Ergänzend bzw. falls sie sich keine Spuren finden lassen, können sie auch Straßennamen, Plätze oder Denkmäler, die keinen DDR-Bezug haben, jedoch auf andere Epochen in der

› Spiegel-Artikel: Sarah Schönfeld und ihre Fotoserie »Wendegelände« › Morgenpost-Artikel »Einheitsreise«

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BENÖTIGTES MATERIAL


deutschen Geschichte (z. B. deutscher Kolonialismus) verweisen, recherchieren und ihren Entstehungskontext reflektieren. Mit höheren Klassen kann als Abschluss der Einheit der Besuch einer Gedenkstätte erfolgen. Dort kann thematisiert werden, warum es offizielle »Orte des Erinnerns« gibt, welche Funktion sie erfüllen und wie sie mit individuellen Erinnerungen zusammenhängen.

THEMENBEREICH

C

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Gedenk-Spuren ÜBUNG C3 ZIEL: Kennenlernen von Feiertagen der DDR, Vergänglichkeit von Erinnerungen sichtbar machen, Kalender erstellen 45 Min. Partnerarbeit Geschichtsbuch, Internet, Plakate, Stifte wendepunkte-spiel.de/C3

ZUSATZMATERIAL › Wikipedia-Artikel Feiertage in der DDR: › Zeitklicks - Freizeit in der DDR

Neben Orten sind symbolische Jahrestage Träger von Erinnerungen. In der DDR war das Jahr durchsetzt von Ehren-, Gedenk- und Feiertagen. So wurde z. B. im Januar der Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg gedacht. Im Mai folgte der 1. Mai, der »Internationale Kampf- und Feiertag der Werktätigen für Frieden und Sozialismus«, am 8. Mai, der Tag der Befreiung. Die Gedenkveranstaltungen bestanden aus streng festgelegten Ritualen und waren größtenteils verpflichtend. Dazu kamen Geburts- und Todestage von Schriftsteller*innen, bildenden Künstler*innen und Komponist*innen. Ziel war es, durch die öffentliche Inszenierung die Gesellschaft zu einen und den eigenen Führungsanspruch der SED zu legimitieren. In dieser Übung machen sich die SuS Gedanken darüber, welche Funktion Feiertage erfüllen und wie sie mit den aktuellen politischen Gegebenheiten zusammenhängen. Dazu recherchieren die SuS im Internet und in ihrem Geschichtsbuch in Partnerarbeit: Welche Ehren-, Gedenk- und Feiertage gab es in der DDR und zeitgleich in der Bundesrepublik? Woran soll(t)en sie erinnern? Welche gibt es noch heute, welche nicht? Welche Rolle haben Feier-, Ehren- und Gedenktage? Wer legt sie fest? Sie erstellen einen Kalender mit verschwundenen und existierenden Feiertagen und besprechen die Ergebnisse in der Klasse. Optional und nur wenn die SuS die Möglichkeit haben, freiwillig darauf zu antworten, kann besprochen werden, welche Feier-, Ehren- und Gedenktage sie im Familien- und/oder Freundeskreis begehen, die aber nicht in der Schule bzw. öffentlich erinnert werden.

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Umstrittene Erinnerungen ÜBUNG C4 Die Erinnerung an die DDR-Vergangenheit speist sich aus Alltagserzählungen in Familien, von Freund*innen und Kolleg*innen, aus literarischen und filmischen Quellen, der Vermittlung in Schulen, wissenschaftlicher Forschung in Universitäten, sowie einer öffentlich verankerten Erinnerungskultur in Form von Gedenkstätten und Museen. Das Bild von der DDR, das aus dieser Vielzahl von Erfahrungen und Wissensbeständen hervortritt, ist zerklüftet und ibefindet sich in kontinuierlicher Verhandlung. Die DDR-Vergangenheit selbst, sowie der Umgang mit ihr, ist denkbar umstritten. Die SuS nähern sich dem Themenfeld durch die Beschäftigung mit konträren Bewertungen der DDR-Vergangenheit an (methodische Anregungen, siehe Zusatzmaterial). Zur Vertiefung beschäftigten sie sich in der nächsten Stunde mit einem zentralen Aspekt der DDR-Vergangenheit und Aufarbeitung: Stellen Sie ausgehend von der Spielkarte Nr. 77 die Funktion und Arbeitsbereiche der Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen vor. Im Anschluss sieht sich die Klasse das Interview (siehe Zusatzmaterial) mit dem Historiker und Direktor der Gedenkstätte in Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, an. Ggf. mithilfe eines extra erstellten Arbeitsblattes überlegen sich die SuS: Welche Probleme bei der Aufarbeitung von und der Beschäftigung mit der Stasi-Vergangenheit benennt Hubertus Knabe in dem Interview? Wie sah die juristische Verfolgung ehemaliger Stasi-Mitarbeiter aus? Was versteht Knabe unter Versöhnung?

ZIEL: Kritischen Umgang mit unterschiedlichen Bewertungen historischer Zusammenhänge kennenlernen 90 Min. Einzelarbeit, Klassendiskussion Unterrichtseinheit »Ostalgie«, Internetzugang, ggf. Arbeitsblatt 67. Besetzung des MfS, 72. Verdrängung der Vergangenheit, 74. IM-Tätigkeit kommt ans Licht , 77. Beauftragte*r für Stasiunterlagen, 82. Referent*in im Stasigefängnis, 83. Gründung einer Stiftung, 84. Gefängnisstrafe, 90. Öffentliche Reue wendepunkte-spiel.de/C4

ZUSATZMATERIAL › Thomas Wagner (2009): Erinnerungskultur und Verdrängung. Deutschlandfunk

Nach einer Auswertung und zum Abschluss der Aufgabe diskutieren die SuS in der Klasse über die Frage, was »Lernen aus der Geschichte« für sie bedeutet.

› Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg - DDR im Unterricht - Unterrichtseinheit »Ostalgie« › Interview mit Hubertus Knabe auf Youtube

BENÖTIGTES MATERIAL

THEMENBEREICH

C

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D

D

Bildung Unbildung

THEMEN › Bildungswege in der DDR › Anerkennung und Bedeutung von Abschlüssen › Definition von Bildung, Bedeutung für den Lebensweg

EINFÜHRUNG

I

n jedem politischen System ist Bildung ein wesentliches Medium, um die Bürger*innen mit den geltenden Normen, Werten und gesellschaftlichen Vorstellungen vertraut zu machen und sie, je nach politischem Idealbild, in den Staat zu integrieren oder ideologisch gefügig zu machen. In der DDR spielten die Bildungsinstitutionen aus diesem Grund eine wesentliche Rolle für die ideologische Indoktrination – alle sollten das Gleiche lernen und an das Gleiche glauben. Im sogenannten Arbeiter- und Bauernstaat wurden Qualifizierung und Ausbildung vor allem dann unterstützt, wenn sie dem sozialistischen Ideal der Planerfüllung dienten. Die Übungen streifen folgende Fragen: Wie beeinflusste das politische System die Bildung der Menschen? Inwiefern hängt die (Aus)-Bildung mit den Möglichkeiten in einer Gesellschaft zusammen? Was bedeutet es, bestimmte Arbeit nur mit bestimmten Qualifikationen ausüben zu dürfen oder den Zugang durch politische Zwänge verwehrt zu bekommen?

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Bildungswege Bildungsbarrieren ÜBUNG D1 Die SuS suchen alle Karten, die sich mit der (formalen) Ausbildung in der DDR beschäftigen und eine exemplarische Bildungslaufbahn beschreiben. Jede Gruppe beschäftigt sich mit einer Karte und recherchiert im Geschichtsbuch und Internet (ggf. als Hausaufgabe), die Aufgaben und Rahmenbedingungen der Bildungsinstitution (EOS, POS, etc.). Als Frage kann gemeinsam diskutiert werden, wie über (Aus-) Bildung Macht ausgeübt wurde. Beispielkarten hierfür sind: 10. Exmatrikulation, 61. Verbot Studium. Mögliche Diskussionsfragen sind: Welchen Einfluss hatten diese Entscheidungen für den weiteren Lebensweg der Personen? Wie sieht ihr Leben heute aus? Was wäre anders, wenn sie hätten studieren können? Welche Bildungsbarrieren erleben die SuS in ihrem eigenen Leben? Welche Bildungswege haben ihre Eltern und Großeltern durchlaufen? Die SuS können sich passend zum Thema Ausbildung auch exemplarische Biografien aus dem Zeitzeugenbüro heraussuchen.

ZIEL: Kennenlernen der Ausbildungswege und -barrieren der DDR 30 Min. Kleingruppen (2-3 Pers.) Bildungsbiografie mit den Spielkarten erstellen, Kartenübersicht (Kopiervorlage), Geschichtsbuch, Internet 5. Besuch der EOS, 6. Besuch der POS, 15. Studium in Moskau, 19. Lehre in der HO, 24. Studium, 30. Besuch eines Internats, 50. Dissertation wendepunkte-spiel.de/D1

› Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur - Zeitzeugenbüro BENÖTIGTES MATERIAL

Besuch der POS Lehre in der HO

Studium

Besuch eines Internats

Du durchläufst eine zehnjährige Schulausbildung im einheitlichen Schulsystem der Polytechnischen Oberschule (POS).

3+ / No- 6

Du bekommst einen Studienplatz. Nicht nur deine ordentlichen Schulnoten, sondern auch deine positive Haltung zum Arbeiter- und Bauernstaat ermöglichen dir das Studium.

einen Beruf »Alle Jugendlichen haben das Recht und die Pflicht, du eine zu erlernen.« – Nach deinem Schulabschluss beginnst anisation. Du bist Teil der Elitenförderung der DDR und genießt deine zweijährige Berufsausbildung in der Handelsorg erstklassige Ausbildung trotz der sozialen Exklusivität, denn Eltern und Freunde von zu Hause siehst du leider nur selten. 5+ / No- 19

5+ / No- 24 7+ / No- 30

THEMENBEREICH

D

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Eigene (Aus-)Bildung ÜBUNG D2 ZIEL: Auseinandersetzung mit eigenen Zukunftswünschen 30 Min. Einzelarbeit Zukunftsvision, Brief an mich selbst Briefpapier, Umschlag wendepunkte-spiel.de/D2 Hinweis: Diese Übung eignet sich besonders, wenn Ausbildungswege und Studienfächer besprochen werden.

In einem Brief an sich selbst beschreiben die SuS ihre eigenen Zukunftswünsche: Wie möchten sie ihr Leben gerne gestalten und was wollen sie dafür erreichen? Welche Rolle spielen dabei die verschiedenen möglichen Ausbildungswege?

Dissertation -- ODER --

Der Brief kann verschlossen eingesammelt und am Ende des Schuljahres an jede*n wieder verteilt werden. Hinweis: gesondert unter die Symbole stellen, nicht zu den Schlagworten setzen.

Du möchtest einen Doktortitel erlangen und arbeitest eifrig an deiner Dissertation.

Wer gilt als nützlich"? ÜBUNG D3 ZIEL: Beschäftigung mit Wertigkeit von Arbeit und Ausbildung in einer Gesellschaft 30-45 Min. Klassendiskussion Pro-Contra-Debatte, Klassendiskussion 58 Volkshochschule, 87. Umschulung, 93. Mangelnde EDV-Kenntnisse, 95. Ausbildung nicht anerkannt wendepunkte-spiel.de/D3 ZUSATZMATERIAL › Wikipedia-Artikel: Unterstufenlehrer › Susanne Vieth-Enthus (2016): DDR-Lehrer sollen Berlins Schulen unterstützen. Tagesspiegel 34

Der Sturz des DDR-Regimes bedeutete für viele Bürger*innen auch das Ende ihrer gewohnten Arbeit. Die Ausbildung und Abschlüsse der DDR wurden teilweise nicht anerkannt, die Menschen mussten sich weiterbilden und umschulen. Sie fanden Arbeit in einem neuen Bereich oder wurden häufig arbeitslos. Im Sommer 2016 stand in der Zeitung, dass aufgrund des Lehrer*innenmangels an Berliner Grundschulen sollen nun DDR-Lehrer*innen, die in der DDR für die 1.-4. Klasse ausgebildet waren (LuK: Lehrer für die unteren Klassen), aber bisher nur als Erzieher*innen arbeiten durften, ergänzend an den Schulen beschäftigt werden sollen (siehe Zusatzmaterial). In einer pro und contra Debatte diskutieren die SuS, ob und warum Abschlüsse für die Beschäftigung von Menschen relevant sind. Für die Diskussion kann die Klasse in eine Pro- und eine Contra-Gruppe geteilt werden, oder es werden verschiedene Rollen verteilt, die die SuS in der Diskussion einnehmen sollen: Eltern, Mitglieder des Schulrats, des Kultusministeriums, Schuldirektor*in, Schüler*innen, Lehrer*innen. Für diese Übung bietet es sich an, vorher den Aufbau eines Argumentes (These, Begründung, Beispiel) und den Unterschied zu einer Meinung zu klären.

5+ / No- 50


Schulfach entwerfen ÜBUNG D4 Die SuS entwerfen ein eigenes Schulfach. Sie entscheiden, wie das Fach heißen soll, sie legen die Lerninhalte und -ziele fest und besprechen genau, wie ein Schuljahr in diesem Fach gestaltet werden soll. An einem Projekttag im Laufe des Schuljahres besteht die Möglichkeit, einen Probeschultag in diesem Unterrichtsfach zu absolvieren. Zur Einführung der Bedeutung von Schulunterricht für die politische Ideologie der DDR kann der Wehrkundeunterricht als Beispiel betrachtet werden. Dieser wurde 1978 als Pflichtfach für Jungen (9. und 10. Klasse der POS) eingeführt, Mädchen besuchten stattdessen den »Lehrgang für Zivilverteidigung«. Den SuS werden die Unterrichtsinhalte dieser Fächer als Kopie zur Verfügung gestellt. Die SuS beschäftigen sich mit den Grundlagen dieser Fächer und deren Rolle in der DDR-Ideologie. Folgende Fragen können dabei leitend sein: Welchen Einfluss hat Schulbildung auf eine Gesellschaft? Worin unterscheiden sich Lehrinhalte in verschiedenen Epochen? Welche Fächer kennen ihre Eltern, die es heute nicht mehr gibt?

ZIEL: Reflexion über Bildungsinhalte und deren Bedeutung für das eigene Leben und die jeweilige Gesellschaft 60-90 Min. Gruppenarbeit Klassenprojekt, Schulfach entwerfen nach Bedarf wendepunkte-spiel.de/D4

ZUSATZMATERIAL › Wikipedia-Artikel Wehrunterricht › Zeitklicks - Wehrunterricht

Wer bestimmt, was gelernt wird? ÜBUNG D5 Schulbücher sind zeitgeschichtliche Dokumente, sie geben einen interessanten Einblick in eine Gesellschaft. Die SuS beschäftigen sich mit Schulbüchern aus unterschiedlichen Zeiten (vor 1933, zwischen 1933-45, nach 1945 Bundesrepublik und DDR) und analysieren deren Inhalte. Sie schreiben für jedes Buch eine kurze Einschätzung: Welche Texte kommen darin vor, welche Bilder? Welche Sprache wird genutzt? Welche Normen und Werte werden deutlich, welches Menschenbild? Wer oder was kommt nicht im Buch vor? Als Ergänzung können sie eines ihrer eigenen Schulbücher auswählen und recherchieren, wer an der Erstellung ihrer Schulbücher beteiligt war. Sie besprechen in einer Klassendiskussion, welchen Einfluss dies auf die Inhalte der Bücher hat: Welche Normen und Werte werden in ihrem Buch deutlich? Welche Personen(-gruppen) kommen darin vor, welche nicht? Was wäre ihnen wichtig, wenn sie ein Schulbuch gestalten könnten?

ZIEL: Schulbücher und deren Inhalte kritisch reflektieren 45-60 Min. Gruppenarbeit Hausaufgabe Schulbücher aus verschiedenen Zeiten wendepunkte-spiel.de/D5

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Arbeitsrecht Arbeitspflicht

THEMEN › Wirtschaft in der DDR › Stellenwert von Arbeit in der DDR-Gesellschaft › Arbeitsalltag in der DDR › Geschlechterverhältnisse in der DDR › »Vertragsarbeiter*innen«

EINFÜHRUNG

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ie in allen sozialistischen Staaten galt auch in der DDR das Wirtschaftssystem der Planwirtschaft. Betriebe, Fabriken und Bauernhöfe wurden verstaatlicht. Sie sollten nicht einem Einzelnen gehören, sondern der Gemeinschaft, dem »Volk«. Die Regierung gab festgelegte Produktionsziele vor, die in einem bestimmten Zeitraum, meist drei oder fünf Jahre, von ihnen erfüllt werden mussten. Doch da die Produktionskapazitäten nicht ausreichten, um den Waren- und Dienstleistungsbedarf zu befriedigen, war die DDR-Wirtschaft zeit ihrer Existenz durch Mangel geprägt. Werktätige arbeiteten in Kollektiven, die Orte der Herausbildung sozialistischer Persönlichkeiten sein sollten und sich durch enge soziale Beziehungen zwischen den Mitarbeiter*innen auszeichneten. Die Gleichstellung der Frau war dabei ein zentrales Ziel der Staatsideologen. Doch zwischen propagierter Gleichberechtigung und der tatsächlichen Möglichkeit, Familie und Beruf besser zu vereinbaren, sah die individuelle Lebenswirklichkeit häufig anders aus. Eine Gruppe, auf die das ebenfalls zutrifft, ist die der sogenannten »Vertragsarbeiter«. Vordergründig zu Ausbildungs- und Arbeitszwecken im Rahmen der »sozialistischen Freundschaft« in die DDR gekommen, war die Realität in vielen Fällen anders als vorher erhofft. Die SuS lernen im Themenbereich »Arbeitsrecht – Arbeitspflicht« diese unterschiedlichen Aspekte des Wirtschafts- und Arbeitslebens der DDR kennen und reflektieren diese vor dem Hintergrund ihrer eigenen beruflichen Vorstellungen. Die Übungen beschäftigen sich dabei mit folgenden Fragen: Was ist eine »Planwirtschaft« und wie wird sie praktisch umgesetzt? Was bedeutet »Recht auf Arbeit« und »Pflicht zur Arbeit«? Wie sah der Arbeitsalltag in der DDR aus und wie unterschieden sich die Arbeitsverhältnisse für Männer und Frauen in der DDR? Aus welchen Ländern kamen die »Vertragsarbeiter*innen« und welche Lebens- und Arbeitsbedingungen hatten sie in der DDR?

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Ist ein Recht auf Arbeit wünschenswert? ÜBUNG E1 Die DDR verstand sich als Arbeiter- und Bauernstaat. Die Arbeiterklasse sollte gemeinsam mit den Bauern die Herrschaft übernehmen und eine eine klassenlose Gesellschaft errichten. Dementsprechend hoch war die Wertschätzung der Arbeiter*innen. Das Recht auf Arbeit wurde sogar in der Verfassung verankert. Die SuS sollen mit Hilfe der Placemat-Methode in Kleingruppen anhand des Artikels 24 der DDR-Verfassung diskutieren, was für und was gegen ein Recht auf Arbeit spricht und wie die Umsetzung in der Realität ausgesehen haben könnte. Nach der Vorstellung der Ergebnisse fasst die Lehrkraft diese in Form eines Tafelbildes zusammen. Falls nicht bereits passiert, sollte dabei der Paragraph 249 aus dem Strafgesetzbuch (Gefährdung der öffentlichen Ordnung durch asoziales Verhalten, Bezug zur Karte 22. Punker*in) Erwähnung finden.

ZIEL: Diskussion des Rechts auf Arbeit 40 Min. Kleingruppen (2-3 Pers.) Klassendiskussion Auszüge aus der DDR-Verfassung und dem Strafgesetzbuch, Papier (Placemat-Methode) 22. Punk wendepunkte-spiel.de/E1

ZUSATZMATERIAL › Placemat-Methode (lernen-vielfalt.de) › Film: Aufsässig oder arbeitsscheu? Verurteilt als Asozialer in der DDR

› Auszüge aus der DDR-Verfassung und dem Strafgesetzbuch auf Wikipedia BENÖTIGTES MATERIAL

THEMENBEREICH

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Arbeits- & Lebensbedingungen von Vertragsarbeitern" in der DDR ÜBUNG E2 ZIEL: Kennenlernen der Arbeits- und Lebenssituation von »Vertragsarbeitern« in der DDR 45-90 Min. Stationenlernen Siehe Materialbox wendepunkte-spiel.de/E2 ZUSATZMATERIAL › Informationen zur Methode Stationenlernen (sn.schule.de) › Almut Zwengel. Die »Gastarbeiter« der DDR. Politischer Kontext und Lebenswelt. Studien zur DDR-Gesellschaft. Band XIII. Berlin: LIT Verlag. › Krüger-Potratz, Marianne; Hansen, Georg, Jasper, Dirk (1991): Anderssein gab es nicht. Ausländer und Minderheiten in der DDR. › Müller, Christian Th./ Poutrus, Patrice G. (Hg.) (2005): Ankunft - Alltag - Ausreise. Migration und interkulturelle Begegnung in der DDR-Gesellschaft. Köln.

Die DDR schloss ab den 1960er Jahren Verträge mit anderen sozialistischen Ländern wie Ungarn, Polen, Algerien, Kuba, Mosambik und Vietnam, um Arbeitskräfte anzuwerben. Offiziell sollten sie in den DDR-Betrieben qualifiziert werden, tatsächlich verrichteten sie vorwiegend monotone und körperlich schwere Tätigkeiten. Die Dauer der Aufenthaltsgenehmigungen variierte je nach Herkunftsland zwischen zwei und sechs Jahren. Wer die Arbeitsnorm nicht erfüllte, gegen die »sozialistische Arbeitsdisziplin« verstieß oder schwanger wurde, musste früher zurückkehren. Die von der DDR-Führung als »Vertragsarbeiter« bezeichneten Menschen lebten getrennt von der einheimischen Bevölkerung in eigens eingerichteten Wohnheimen. Nach dem Zusammenbruch der DDR wurden »Vertragsarbeiter*innen« oft als Erste entlassen, lebten jahrelang in rechtlicher Unsicherheit und mussten sich gegen rassistische Übergriffe wehren. Durch Verwendung der Methode »Stationenlernen« erfahren die SuS mehr über die Geschichte von Arbeiter*innen, die von der DDR angeworben wurden. Erstellen Sie dazu Stationen mit Materialien (Artikel, Auszüge aus Filmen, Biographien etc.) › Ausdrucke aus der Zeitleiste - Reimagine Belonging reimaginebelonging.de (Ereignisse: Pendler*innenabkommen DDR und Polen, Arbeitsabkommen DDR und osteuropäische Staaten, Arbeitsabkommen DDR und außereuropäische Staaten ARTIKEL: › Zeug, Katrin (2009): Willkommen im Bruderland?. Fluter › Rother, Hand-Jürgen (2012): Strickmaschinen und Vertragsarbeiter. Unbeabsichtigte Nebeneffekte der Beschäftigung ungarischer Vertragsarbeiter in der DDR. Bundeszentrale für politische Bildung. › Rabenschlag, Ann-Judith (2016): Arbeiten im Bruderland. Arbeitsmigranten in der DDR und ihr Zusammenleben mit der deutschen Bevölkerung. Bundeszentrale für politische Bildung. › Auszüge aus Biographien: Ibraimo Alberto: Ich wollte leben wie die Götter. Was in Deutschland aus meinen afrikanischen Träumen wurde; Leonel R. Cala Fuentes: Kubaner im realen Paradies: Ausländer-Alltag in der DDR, Candido Mahoche. Der Freitag. › Film: »Bruderland ist abgebrannt« von Angelika Ngyen auf Youtube › Webdoku: Hoyerswerda 1991 auf hoyerswerder.de › Interview mit Mai-Phuong Kollath: Rostock-Lichtenhagen auf Youtube BENÖTIGTES MATERIAL

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und Arbeitsaufträgen, die die SuS nach und nach bearbeiten und anschließend in der Klasse vorstellen und zusammenfassen. Die Arbeitsaufträge können von folgenden Leitfragen ausgehen: Aus welchen Ländern kamen die Arbeiter*innen, die von der DDR angeworben wurden? Unter welchen Voraussetzungen konnten sie einreisen? Wie waren ihre Lebensbedingungen in der DDR? Wie verliefen die Lebensverläufe nach der Wiedervereinigung? HINWEIS: Als ein mögliches Thema für einen Projekttag zum Thema Migration bietet es sich an, die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Arbeiter*innen, die von der DDR und der Bundesrepublik in den 60er und 70er Jahren angeworben wurden, zu vergleichen.

Bewährung in einem VEB

Deine Schulzeit ist vorbei. Nun wartet der Ernst des Lebens auf dich. Du bekommst eine Anstellung in einem Volkseigenen Betrieb.

3+ / No- 34

Wirtschaft in der DDR Die Einführung in das Thema erfolgt durch Sie selbst oder als Input durch SuS nach einer Gruppenarbeit. Ausgehend von den Spielkarten »19. Lehre in der HO« und »34. Bewährung in einem VEB«, die zwei zentrale Organisationen der DDR-Planwirtschaft thematisieren, sollen die Grundzüge des Wirtschaftssystems sowie die zu Grunde liegenden ideologischen Annahmen vorgestellt und von den SuS nachvollzogen werden. Zur Veranschaulichung können Materialien (Interviews, Arbeitsblätter) der Lehr-DVD »Wirtschaft in der DDR« verwendet werden.

ÜBUNG E3 ZIEL: Verstehen des Funktionierens einer Planwirtschaft 45 Min. Input Lehrkraft, Arbeit mit der Lehr-DVD Lehr-DVD »Wirtschaft in der DDR« 19. Lehre in der HO, 34. Bewährung in einem VEB wendepunkte-spiel.de/E3

› Wirtschaft in der DDR: didaktische FWU-DVD, Berlin; Verlag: Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur; Datum: 2007 / Verleih durch Landes-, Kreis- und Stadtbildstellen, Medienzentren (enthält Arbeitsblätter und Aufgaben) BENÖTIGTES MATERIAL

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Arbeitsalltag in der DDR ÜBUNG E4 ZIEL: Kennenlernen des Arbeitsalltages in der DDR 45 Min. Partnerarbeit, Klassendiskussion Geschichtsbuch, Kartenübersicht (Kopiervorlage) 26. Verdienter Mitarbeiter, 39. Arbeit als Vertrauensperson wendepunkte-spiel.de/E4

ZUSATZMATERIAL › Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung: »Arbeit! Ostdeutsche Arbeitswelt im Wandel – 1945-2015«. DIK u. VBG, 2015. › Reichel, Thomas (2011): Sozialistisch arbeiten, lernen und leben-Die Brigadebewegung der DDR (1959-1989). Böhlau. › Thießen, Friedrich (Hrsg.) (2001): Zwischen Plan und Pleite. Erlebnisberichte aus der Arbeitswelt der DDR. Böhlau.

Die Betriebe in der DDR waren mehr als reine Arbeitsorte. Sie waren in Brigaden organisiert, in denen Kameradschaft und gegenseitige Unterstützung herrschen sollten. Unter dem Motto »sozialistisch arbeiten, sozialistisch lernen, sozialistisch leben« wurden gemeinsame Freizeitaktivitäten organisiert und Ehrentitel, wie z. B. »Kollektiv der sozialistischen Arbeit«, und die damit verbundenen Prämien gemeinschaftlich errungen (siehe Zusatzmaterial). Einzelne wurden durch Titel wie »Verdienter Mitarbeiter« dazu ermutigt, zum Ziel der Planerfüllung beizutragen. Da die Arbeitsplätze gesichert waren, gab es keine Konkurrenz um vorhandene Stellen, sondern die Betriebe versuchten, die Arbeitskräfte an sich zu binden. Anhand der Analyse der Kartenübersicht und ihrem Geschichtsbuch recherchieren die SuS verschiedene Arbeitsformen und den Arbeitsalltag in der DDR: Welche Arbeitsformen finden sie? Welche fehlen? Wie sah ein Arbeitsalltag für verschiedene Berufsgruppen und Individuen aus? Die Analyse kann auf Karikaturen oder Bilder erweitert werden. Zum Abschluss der Übung diskutieren die SuS in der Klasse, was für sie eine erfüllende Arbeit ist und wie sie sich ihren späteren idealen Arbeitsalltag vorstellen.

Verdienter Mitarbeiter

Arbeit als Vertrauensperson -- ODER --

Dir wird der Ehrentitel »Verdienter Mitarbeiter« verliehen und du erhältst eine Ehrenmedaille, die du dir stolz an die Brust heften kannst. Dein sozialistischer Eifer zahlt sich aus.

7+ / No- 26

Du wirst ehrenamtliche Vertrauensperson in deinem Betrieb. Worin deine Aufgabe besteht, weißt du selbst nicht so genau. Vom FDGB heißt es, dass du für Harmonie sorgen, die Schwachen im Betrieb schützen und sie ideologisch schulen sollst.

3+ / No- 39

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Geschlechterverhältnisse in der DDR ÜBUNG E5 Anhand der Analyse unterschiedlicher Quellen (siehe Zusatzmaterial) sollen die SuS in Kleingruppen diskutieren: Wie wurde die Stellung der Frau öffentlich propagiert und in den staatlichen Organen realisiert? Wie sah der Arbeitsalltag von Frauen und Männern aus (Bezahlung, Beschäftigung, Kinderbetreuung, etc.)?

ZIEL: Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen in der DDR kennenlernen 45-60 Min.

Als Hausaufgabe lesen sie den Artikel von Katrin Gottschalk und fassen die wichtigsten Diskussionspunkte in eigenen Worten schriftlich zusammen.

Kleingruppen

Im Rahmen eines Projekttages oder einer Projektwoche kann vergleichend die Situation der Frauen in der Bundesrepublik recherchiert und mit Plakaten im Klassenraum vorgestellt werden.

Analyse unterschiedlicher Quellen und Diskussion

› Plakat zum Internationalen Frauentag vom FDGB auf zeitklicks.de

Hausaufgabe

Plakat, Lied, Schilderung der Zeitzeugin Ulrike Quentel, Dokument und Artikel von Katrin Gottschalk wendepunkte-spiel.de/E5

› Lied - Wenn Mutti früh zur Arbeit geht auf Youtube › Schilderung einer Zeitzeugin: Ulrike Quentel: Trügerische Gleichstellung von Mann & Frau auf Youtube › Dokument: Vereinbarung über die Verfahrensweise bei Schwangerschaft vietnamesischer werktätiger Frauen in der DDR vom 27.07.1987 › Artikel: Gottschalk, Katrin (2016): Wir sind das andere Drittel. Welche Rolle spielt die DDR und deren Frauenbild noch heute? Eine Diskussionsrunde. Missy-Magazin. BENÖTIGTES MATERIAL

ZUSATZMATERIAL › Fannrich-Lautenschläger, Isabel (2014): Wenn Mutti früh zur Arbeit geht. Deutschlandfunk › Szepansky, Gerda (1995): Die stille Emanzipation. Frauen in der DDR, Frankfurt am Main 1995. › Lina Elter: Das sozialistische Frauenbild im DDRGegenwartsfilm (1971 - 1989).

THEMENBEREICH

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Alltagskultur Organisierte Freizeit

THEMEN › politischer Einfluss auf den Alltag im Sozialismus › Freizeitgestaltung, Wert und Bedeutung von Freizeit für politische Ideologie › Freiräume und Jugendkultur in DDR, Bedeutung von jugendlichem Aufbegehren für eine Gesellschaft

EINFÜHRUNG

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eben der formalen (Aus-)Bildung und der Arbeit in der Planwirtschaft war auch die Organisation insbesondere jugendkultureller Maßnahmen und Programme ein wesentlicher Teil der politischen Indoktrination. Die Freizeitaktivitäten dienten einerseits der sozialistischen Bildung und drückten andererseits auch die Ideologie der Angst des Staates vor der rebellischen Kraft der Jugend aus. Die FDJ (Freie Deutsche Jugend) war die einzige staatliche Jugendorganisation der DDR. Hier wurde die Freizeit der Jugendlichen organisiert und kontrolliert. Jugendkulturelle Aktivitäten standen unter staatlicher Überwachung, insbesondere wenn die DDR- Regierung Befürchtungen »nicht-staatskonformen« Verhaltens hegte. Doch dies bedeutete nicht, dass sich die Menschen der Kontrolle vollständig beugten, sie gestalteten ebenso Freiräume und entwickelten teilweise subtile Formen des Widerstandes gegen das politische System innerhalb der und durch die Alltagskultur.

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Du wirst F »Nicht j

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Jugendkulturen in der DDR ÜBUNG F1 In einer Gruppenarbeit erstellen die SuS jeweils ein Plakat zu den verschiedenen jugendkulturellen Strömungen in der DDR. Dies kann im Unterricht oder als Hausaufgaben-Projekt erfolgen. Sowohl der Einfluss des Staates (FDJ, Sportparaden) als auch die alternativen Bewegungen, die dem Staat ein Dorn im Auge waren (Punk, Hip Hop, etc.) sollen dabei abgedeckt werden.. Fragen für die Recherche können sein: Welche jugendkulturellen Strömungen gab es? Wie lief eine Jugendweihe ab? Was machten Punks, wenn sie sich trafen? Wie konnten Musiker*innen ihre Musik spielen, auch wenn bestimmte Lieder nicht auf SED-Linie waren? › MDR: Subkultur - Die andere Jugend in der DDR › MDR: Damals im Osten - Protest und Verweigerung: Die andere Jugend der DDR

ZIEL: Kennenlernen der Jugendkulturen der DDR 60-90 Min. Gruppenarbeit (3-4 Pers.) Materialsammlung, Plakate erstellen 22. Punker*in, 23. Sportliche Erfolge, 28. Fan des 1.FC Union, 17. Mitglied der Jungen Gemeinde, 18. FDJ-Mitglied, 8. Erfolg bei der Spartakiade, 7. Thälmann-Pionier, 3. Jugendweihe, 2. Konfirmation, 46. Leitung der Kirchentage wendepunkte-spiel.de/F1

› SWR: Punk und Hip Hop in der DDR › MDR: »Zeitreise2go«: Hiphop in der DDR | Geschichte Mitteldeutschlands - Das Magazin auf Youtube BENÖTIGTES MATERIAL

Punk

Fan des 1. FC Union

Mitglied der Jungen Gemeinde

Erfolg bei der Spartakiade

Du brichst mit den gesellschaftlichen Werten und lehnst dich gegen die Lebensentwürfe der DDR auf, färbst deine Haare und wirst Punk.

Fan des 1. FC Union Berlin, getreu dem Motto t jeder Union-Fan ist ein Klassenfeind, aber jeder Klassenfeind ist ein Union-Fan«.

5+ / No- 22

»Sport frei!« – Du hast Erfolg bei den Wettkämpfen der Spartakiade. 7+ / No- 28 Vielleicht wirst du als Leistungssportler*in entdeckt.

Du wirst Mitglied der Jungen Gemeinde. Damit schaffst du dir einen Raum, in dem du mit Gleichgesinnten frei deine Gedanken über Gott, die Welt und den Staat austauschen kannst.

5+ / No- 17

3+ / No- 8

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Kopie und Original ÜBUNG F2 ZIEL: Beschäftigung mit Beschränkungen im System 30 Min. Einzelarbeit Galerie-Rundgang wendepunkte-spiel.de/F2

Zahlreiche Konsumgüter waren aufgrund materieller Zwänge für die DDR-Bürger*innen nicht verfügbar. Man schaffte sich Abhilfe, indem man Dinge nachahmte und selbst herstellte. Die SuS erstellen jeweils einen Steckbrief mit den Informationen zu dem Produkt. Fragen können sein: Warum war das Original in der DDR verboten oder nur schwer erhältlich? Welche Gefahr befürchtete das Regime? Alle Steckbriefe werden im Klassenzimmer aufgehängt und in einem Galerie-Rundgang vorgestellt. Diese Übung kann auch als Hausaufgabe dienen: Die SuS können selbstständig recherchieren und ggf. Bilder oder Waren mit in die Klasse bringen. › Sydow, Christoph (2013): Tendkopierer DDR. Spiegel Online - Eines Tages › Bürokratopoly

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Widerstand durch Kultur ÜBUNG F3 ZIEL: Formen des politischen Widerstands kennenlernen 30 Min. Kleingruppen (3-4 Pers.) Internetzugang 13. Schwerter zu Pflugscharen, 38. Eröffnung einer Wohnungsgalerie, 45. Gründung Neues Forum, 25. Wilde Frisur, 33. Kontakt zur Umweltbibliothek, 32. Flugblätter verteilen wendepunkte-spiel.de/F3

Die SuS beschäftigen sich anhand einzelner Biografien mit der Geschichte des Aufnähers »Schwerter zu Pflugscharen«, der Gründung »Neues Forum« und der »Umweltbibliothek«. Zentrale Fragen hierfür sind: Was heißt Widerstand in der DDR? Wie war dieser möglich und welche Strafmaßnahmen mussten die Menschen fürchten, wenn sie sich gegen den Staat richteten? HINWEIS: Zum Thema Widerstand eignet sich auch ein Gedenkstättenbesuch oder eine Erkundungstour durch die eigene Stadt, um nach Orten und Symbolen des Widerstands zu suchen.

› Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur - Zeitzeugenbüro › Webseite Jugendopposition.de - Biografie Dorothea Fischer BENÖTIGTES MATERIAL

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Musik und Politik ÜBUNG F4 Musik ist machtvoll. Sie spielt eine große Rolle bei der Verbreitung politischer Propaganda und Ideologie. Die DDR-Führung nutzte Musik gezielt, um sozialistische Gedanken zu verbreiten. Gleichzeitig bot Musik auch einen Zufluchtsort für die Bürger*innen, sei es durch das Komponieren eigener Musik, wie am prominentesten Beispiel von Wolf Biermann deutlich wird, oder das Hören »klassenfeindlicher« Musik aus dem In- und Ausland (z. B. Beatles, The Rolling Stones, Michael Jackson). In dieser Übung sollen sich die SuS mit den verschiedenen Musikstilen beschäftigen und jeweils eine Playlist zusammenstellen. Mögliche Kategorien der Musiktitel sind: › Kinderlieder

ZIEL: Kennenlernen der Bedeutung von Musik für sowohl eine Gesellschaft als auch die Verbreitung politischer Ideologie 60-90 Min. Kleingruppen Youtube-Kanal erstellen oder Musik-Playlist Internet, Lautsprecher

› FDJ-Lieder

37. Solidarität mit Biermann; 52. Liedermacher*in

› zensierte Musik/Oppositionslieder.

wendepunkte-spiel.de/F4

Es kann zusätzlich (und je nach vorhandener Zeit) je ein exemplarischer Liedtext ausgesucht werden, anhand dessen die systemtreue Propaganda bzw. vermeintlich systemfeindlichen Inhalte analysiert werden.

ZUSATZMATERIAL › Webseite Radioooo › Kühnert, Kirsten (2015): DDR-Schlager - Trivial oder genial? Amiga Schallplatten. › Gunkel, Christoph (2010): Rock in der DDR. SPON: einestages › Dietrich Helms / Thomas Phleps (Hg.) (2014): Geschichte wird gemacht. Zur Historiographie populärer Musik. transcipt.

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Negativ-Dekadent ÜBUNG F5 ZIEL: Kennenlernen von gewaltvollen Erziehungsmaßnahmen in der DDR Dauer variiert Einzelarbeit/Kleingruppen, Klassenprojekt, evt. Hausaufgabe Auszüge aus der Biografie lesen; eignet sich für Deutschunterricht Zeitungsarchiv, Internet, Zettel/ Stift 9. Umerziehung im Jugendwerkhof, 91. Verfassen einer Autobiographie , 92. Gründung des DDR-Museums wendepunkte-spiel.de/F5

ZUSATZMATERIAL › Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur: Repression und Haft

Das Buch »Sonja: ›negativ-dekadent‹« ist eine Beispielbiografie für die machtvolle Verschränkung zwischen individuellem Lebensschicksal und der kollektiven Geschichte des DDR-Staates. Die biografische Geschichte eignet sich gut, um einen Einblick in den Einfluss des Staates auf das Leben der Bürger*innen zu bekommen. Das Buch kann als Ganzes oder in Auszügen in der Klasse gelesen und besprochen werden: Was ist »unangepasstes« Verhalten im Kontext der DDR-Geschichte? Was heißt es heute und hieß es damals, »anders« zu sein? INFORMATIONEN ZUM BUCH: »Sonja wächst als vernachlässigte Tochter einer linientreuen Karrieristin auf. Der Vater geht in den Westen, der Mutter ist sie im Weg. Im SED-Regime macht sie sich aufgrund ihres unangepassten Verhaltens rasch verdächtig. Im Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau wird versucht, Sonjas Persönlichkeit unter Anwendung psychischer und physischer Gewalt zu brechen. Silke Kettelhake porträtiert eine eigenwillige, mutige Jugendliche, die sich widersetzte. Das Buch spiegelt zugleich das Arsenal subtiler und offener Gewaltmaßnahmen eines Staates gegen seine eigenen Bürger – eines Staates, der Anderssein nicht ertrug.« › »Sonja: ›negativ-dekadent‹« Zu beziehen über die Bundeszentrale für politische Bildung. BENÖTIGTES MATERIAL

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KARTENÜBERSICHT 1 Bausoldat | Da du Waffengewalt ablehnst, verweigerst du den Dienst an der Waffe und wirst Bausoldat. Du entscheidest dich zu diesem Schritt, obwohl du weißt, dass es nachteilige Auswirkungen auf deinen Lebensweg haben wird.

18 FDJ-Mitglied | Du trittst in die Jugendorganisation FDJ ein. Die Massenorganisation bietet dir und deinen Freunden nicht nur ein breites Freizeitprogramm, sondern versucht dich auch zum »klassenbewussten Sozialisten« zu erziehen.

2 Konfirmation | Du bist christlich und lässt dich konfirmieren, auch wenn du weißt, dass dir dadurch Nachteile entstehen können.

19 Lehre in der HO | »Alle Jugendlichen haben das Recht und die Pflicht, einen Beruf zu erlernen.« – Nach deinem Schulabschluss beginnst du eine zweijährige Berufsausbildung in der Handelsorganisation.

3 Jugendweihe | Wie die meisten Jugendlichen der DDR nimmst du an der Jugendweihe – der sozialistischen Alternative zur Konfirmation - teil. 4 Drei Jahre zur NVA | Du entscheidest dich, länger bei der NVA zu dienen und wirst für drei Jahre Unteroffizier auf Zeit. Vielleicht schließt du noch weitere Jahre an und wirst Berufsunteroffizier oder sogar Offizier. 5 Besuch der EOS | Du hast gute Noten und besuchst die Erweiterte Oberschule (EOS). Nach 12 erfolgreichen Jahren kannst du so die Hochschulreife erreichen – wenn nichts dazwischen kommt.

35 Karriere in der SED | Du bringst dich hingebungsvoll in die Partei ein. Deine sozialistische Treue zahlt sich aus und du steigst weiter auf.

21 Parteisekretär*in | Du steigst in der SED auf und wirst als Parteisekretär*in gewählt. Damit trägst du Verantwortung für die Parteiarbeit in deinem Umfeld.

36 Hochzeit | Ein Traum. Du heiratest. Ein schöner Tag. Obendrein unterstützt der Staat euer junges Glück in der Beschaffung von Wohnraum und Haushaltseinrichtung. Auch ein zinsloser Kredit von 5.000 Mark wird euch gewährt.

22 Punk | Du brichst mit den gesellschaftlichen Werten und lehnst dich gegen die Lebensentwürfe der DDR auf, färbst deine Haare und wirst Punk. 23 Sportliche Erfolge | Nach der Losung Walter Ulbrichts: »Jedermann an jedem Ort – einmal in der Woche Sport«, sind Sportvereine meist kostenlos. In deinem Verein führen dich Talent und Eifer schnell zu überregionalen Erfolgen.

7 Thälmann-Pionier | »Für Frieden und Sozialismus immer bereit!« – Von der 5. bis zur 7. Klasse trägst du feierlich das rote Halstuch und legst das Gelöbnis auf dein Vorbild Ernst Thälmann ab.

24 Studium | Du bekommst einen Studienplatz. Nicht nur deine ordentlichen Schulnoten, sondern auch deine positive Haltung zum Arbeiter- und Bauernstaat ermöglichen dir das Studium.

8 Erfolg bei der Spartakiade | »Sport frei!« – Du hast Erfolg bei den Wettkämpfen der Spartakiade. Vielleicht wirst du als Leistungssportler*in entdeckt.

25 Wilde Frisur | Du trägst eine wilde Frisur. Aber Obacht: An verschiedenen Orten der DDR führen FDJ und Volkspolizei gewaltsame Haarschneideaktionen durch.

9 Umerziehung im Jugendwerkhof | Du giltst als schwer erziehbar und kommst in einen Jugendwerkhof. Dort wirst du zum »vollwertigen Mitglied der sozialistischen Gesellschaft« umerzogen.

26 Verdienter Mitarbeiter | Dir wird der Ehrentitel »Verdienter Mitarbeiter« verliehen und du erhältst eine Ehrenmedaille, die du dir stolz an die Brust heften kannst. Dein sozialistischer Eifer zahlt sich aus.

10 Exmatrikulation | Du forderst mehr Offenheit in den politischen Diskussionen an der Universität. Dafür musst du die Universität verlassen.

27 Brieffreundschaft nach Moskau | Deine Schule vermittelt dir eine Brieffreundin aus der Sowjetunion. Von nun an schreibst du regelmäßig an Galina und ihr tauscht euch über euren Alltag und das Leben im sozialistischen Bruderstaat aus.

12 Befürwortung des Mauerbaus | Du siehst es genau so, wie man es dir in der Schule erklärt hat: Die Mauer ist ein »antifaschistischer Schutzwall«, der die DDR vor feindlichen Elementen aus der imperialistischen BRD schützt. 13 Schwerter zu Pflugscharen | Du möchtest ein Zeichen für Frieden setzen: Du nähst das Symbol »Schwerter zu Pflugscharen« auf deine Jacke. Du weißt, dass du damit Erziehungsmaßnahmen der Schulleistung provozierst. 14 Ausreiseantrag | Um die DDR verlassen zu können, stellst du einen »Antrag zur ständigen Ausreise aus der DDR«. Du weißt, dass du dich damit langwierigen Schikanen aussetzt. 15 Studium in Moskau | Aufgrund deiner Leistungen im Studium und deines sozialistischen Eifers darfst du für einige Zeit in Moskau studieren. Dieses Privileg erhalten nur die Besten. 16 FDJ-Sekretär*in der Schulklasse | Dein besonderes Engagement in der Schule sowie deine Beliebtheit bei Mitschüler*innen und Lehrer*innen lassen dir eine besondere Ehre zu Teil werden: Du wirst FDJ Sekretär*in deiner Klasse und vertrittst fortan ihre Interessen. 17 Mitglied der Jungen Gemeinde | Du wirst Mitglied der Jungen Gemeinde. Damit schaffst du dir einen Raum, in dem du mit Gleichgesinnten frei deine Gedanken über Gott, die Welt und den Staat austauschen kannst.

34 Bewährung in einem VEB | Deine Schulzeit ist vorbei. Nun wartet der Ernst des Lebens auf dich. Du bekommst eine Anstellung in einem Volkseigenen Betrieb.

20 Bürokratopoly | Du entwickelst heimlich ein gesellschaftskritisches Brettspiel. Ohne dein Wissen verbreitet sich das Spiel in den studentischen Kreisen der gesamten DDR.

6 Besuch der POS | Du durchläufst eine zehnjährige Schulbildung im einheitlichen Schulsystem der Polytechnischen Oberschule.

11 Wehrkundeunterricht schwänzen | Du hast den Wehrkundeunterricht satt. Du möchtest keine Schieß- und Exerzierübungen mehr machen. Darum schwänzt du den verpflichtenden Unterricht, obwohl du weißt, dass es Ärger bringen wird.

33 Kontakt zur Umweltbibliothek | Ein Freund nimmt dich mit in die Zionskirchengemeinde in Berlin-Mitte. Du lernst die Mitglieder der Umweltbibliothek kennen und dir wird klar, dass du an einem bedeutenden Treffpunkt der oppositionellen Umwelt- und Friedensbewegung bist.

28 Fan des 1. FC Union | Du wirst Fan des 1. FC Union Berlin, getreu dem Motto »Nicht jeder Union-Fan ist ein Klassenfeind, aber jeder Klassenfeind ist ein Union-Fan.« 29 DEFA-Filmkind | Das volkseigene Filmunternehmen DEFA entdeckt dich und macht dich zum Kinderstar. Du bist nun landesweit bekannt, allerdings muss die Schule etwas unter deinem Engagement leiden. 30 Besuch eines Internats | Du bist Teil der Elitenförderung der DDR und genießt deine erstklassige Ausbildung trotz der sozialen Exklusivität, denn Eltern und Freunde von zu Hause siehst du leider nur selten. 31 Wartburg ohne Warten | Beziehungen machen es möglich, dass du dein neues Auto sofort erhältst. Im Unterschied zur normalen Bevölkerung bleibt dir jahrelange Wartezeiten damit erspart. 32 Flugblätter verteilen | Flugblätter, die mehr demokratische Debatte fordern, kleben an Litfaßsäulen und Telefonzellen, hängen an Bäumen und liegen in Hauseingängen. Du hast sie in der Nacht mit Freunden verteilt. Staatssicherheit und Volkspolizei sind alarmiert.

37 Solidarität mit Biermann | Nachdem du von der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann erfährst, platzt dir der Kragen. Du musst deinem Ärger Luft machen und nimmst an Protesten teil. 38 Eröffnung einer Wohnungsgalerie | Du eröffnest in deiner Wohnung eine kleine, private Galerie. Regelmäßig finden sich zu Ausstellungen und Lesungen einige Personen bei dir ein, darunter auch Künstler*innen und Oppositionelle. 39 Arbeit als Vertrauensperson | Du wirst ehrenamtliche Vertrauensperson in deinem Betrieb. Worin deine Aufgabe besteht, weißt du selbst nicht so genau. Vom FDGB heißt es, dass du für Harmonie sorgen, die Schwachen im Betrieb schützen und sie ideologisch schulen sollst. 40 Teilnahme am Subbotnik | »Schöner unsere Städte und Gemeinden« – Du möchtest dein Wohnumfeld und den nahegelegenen Spielplatz verschönern und meldest dich dafür zur freiwilligen, unentgeltlichen Arbeit. 41 Verpflichtung als IM | Die Staatssicherheit steht vor deiner Tür und fordert, dass du ihnen in Zukunft Auskunft über dein Milieu gibst. Nachdem sie dir subtil drohen, gibst du klein bei und verpflichtest dich als Inoffizieller Mitarbeiter / Inoffizielle Mitarbeiterin. 42 NVA-Karriere | Nach deinen drei Jahren Wehrdienst bei der Nationalen Volksarmee (NVA) entscheidest du dich für eine Offizierslaufbahn und bleibst weiterhin für die NVA tätig. 43 Fluchtgedanken | Manche Gedanken lassen sich nicht verdrängen. Immer wieder stößt du an die Grenzen, die dir das System steckt. Die härteste von ihnen: Die Staatsgrenze zum Westen. Eine Flucht könnte dein Ausweg sein. Bloß wie? 44 Öffentliche Systemkritik | Du missbilligst den real existierenden Sozialismus und machst keinen Hehl mehr daraus. Öffentlich prangerst du Verletzungen der Menschenrechte an und forderst die Abrüstung. Du weißt, dass du nun mit Nachteilen rechnen musst. 45 Gründung Neues Forum | »Die Zeit ist reif – Aufbruch 89« – Mit 29 Mitstreiter*innen gründest du das Neue Forum und kritisierst die Verhältnisse in der DDR. Ihr fordert einen demokratischen Dialog, bei dem alle Bürger*innen an der Umgestaltung der Gesellschaft mitarbeiten. 46 Leitung der Kirchentage | »Vertrauen wagen, damit wir leben können« – Nachdem du dich intensiv für die Kirche in der DDR engagierst, wirst du mit der Organisation der Kirchentage betraut. 47 Vaterländischer Verdienstorden | Glückwunsch! Für deine hervorragenden Leistungen wirst du feierlich mit dem Vaterländischen Verdienstorden ausgezeichnet.


48 Mitglied der Volkskammer | Du hast es geschafft und wirst in die Volkskammer, das nominell höchste Verfassungsorgan der DDR, gewählt. Die Wahlbeteiligung und die Zustimmung lagen wie stets bei etwa 99%.

65 Strafanzeige | Warst du mitverantwortlich für die tödlichen Schüsse an der Grenze der DDR? Die Bürger fordern Gerichtsverfahren und auch du musst nun deine Vergangenheit rechtfertigen.

81 Arbeit als Journalist*in | Pressefreiheit ist für dich ein wichtiger Grundsatz der Demokratie. Als Journalist*in möchtest du den relevanten Themen auf die Spur gehen, recherchieren und brandheiße Geschichten ans Tageslicht bringen.

49 Teilnahme an Montagsdemo | »Wir sind das Volk« skandierst du mit tausenden Demonstrant*innen zur regelmäßigen Montagsdemonstration. Ihr fordert eine demokratische Neuordnung, Reisefreiheit und das Ende der SED-Herrschaft.

66 Flucht ins Exil | O je, dir droht erhebliche Strafverfolgung! Du musst weg und zwar schnell! Du packst das Nötigste zusammen und reist unbemerkt aus – nach Chile oder vielleicht Kuba.

50 Dissertation | Du möchtest einen Doktortitel erlangen und arbeitest eifrig an deiner Dissertation.

67 Besetzung des MfS | Mit anderen Bürgerrechtler*innen besetzt du ein Gebäude der Stasi. Euer Anliegen ist, die Vernichtung der Stasi-Akten zu stoppen und für eine umfassende Aufarbeitung derselben zu sorgen.

82 Referent*in im Stasi-Gefängnis | Du bist der Meinung, dass nur eine sachliche Aufarbeitung die Verbrechen der SED-Diktatur differenziert beleuchten kann. Darum engagierst du dich in der historischen Forschung und bietest Führungen durch ein ehemaliges Stasi-Gefängnis an.

51 SED-Mitgliedschaft | Du trittst in die SED ein. Nicht nur weil dich zwei ältere SED-Genossen überzeugen und sich als Bürgen zur Verfügung stellen, sondern auch weil du dir dadurch bessere Karrierechancen versprichst. 52 Liedermacher*in | Gesungen hast du schon immer gern. Nun entschließt du dich, deinen Liedern noch mehr Bedeutung zu geben. Du möchtest Texte schreiben, welche sowohl die Menschen bewegen als auch Missstände aufzeigen. 53 Friedensrat der DDR | »Wer den Sozialismus stärkt, der stärkt den Frieden!« – Du trittst dem Friedensrat der DDR bei. Das Gremium ist von der SED dominiert. 54 Brieffreundschaft mit den USA | »…my name is Jake and I will be your pen-pal...« – Du baust eine Brieffreundschaft in den USA auf und möchtest einen Beitrag zur Völkerverständigung mit dem »imperialistischen Ausland« leisten. 55 Nachweis der Wahlfälschung | Gemeinsam mit weiteren Oppositionellen beobachtest du die Auszählung bei den Kommunalwahlen. Ihr stellt Manipulationen fest und prangert die Wahlfälschung öffentlich an. 56 Mitglied des ZK | Du hast dich in eine einflussreiche Partei- und Staatsfunktion hochgearbeitet und wirst ins oberste Gremium der Partei, das Zentralkomitee (ZK), gewählt. Du bist in der Machtzentrale des Staates angekommen. 57 Anwaltschaft für Oppositionelle | Du bist Vertrauensanwalt/ -anwältin der Evangelischen Kirche und setzt dich für zahlreiche bekannte Oppositionelle in der DDR ein. Du vertrittst Bürgerrechtler*innen und Wehrdienstverweigerer. 58 Volkshochschule | Du möchtest etwas für deine Allgemeinbildung tun und einen Schulabschluss nachholen. Neben deiner Berufstätigkeit besuchst du deshalb eine Volkshochschule. 59 Arbeit bei der Volkspolizei | »Die Polizei, dein Freund und Helfer!« – Du willst die öffentliche Ordnung und Sicherheit gewährleisten; Straftaten, Verfehlungen und Ordnungswidrigkeiten vorbeugen, diese aufdecken und aufklären. Du wirst Teil der Volkspolizei. 60 Großes Indianer*innentreffen | »Wir Roten müssen zusammenhalten« – Mit anderen Hobby-Indianer*innen organisierst du ein Zeltlager. Ihr seid fasziniert von den indigenen Völkern Amerikas und kommt eurer Sehnsucht nach der Ferne mit Kostümen und einem Fest nach. 61 Verbot des Studiums | Du darfst nicht studieren. Die Gründe hierfür können vielfältig sein. Möglicherweise sind du oder deine Familie bei den Verantwortlichen der SED durch politische Äußerungen oder Aktionen in Ungnade gefallen. 62 Nachbarn denunzieren | Dein Nachbar reißt einen Honecker-Witz. Das geht natürlich nicht, findest du, und schwärzt den Scherzkeks bei der Volkspolizei an. Ordnung muss sein. 63 Internationaler Erfolg | Du trittst für die DDR bei internationalen Wettbewerben an. Deine Erfolge machen dich bekannt. Du bist als gern gesehener Gast und Vorzeigeidol zu diversen Banketten geladen. 64 Kontakt zu Westjournalist*innen | Westjournalist*innen sind in der DDR nicht gern gesehen. Doch du hast Kontakt zu einigen von ihnen aufgebaut und informierst sie über Vorgänge in der DDR.

68 Beitritt Bündnis 90/Die Grünen | Du möchtest dich stärker politisch engagieren. Deine Werte findest du im neuen Zusammenschluss aus Bündnis 90 und den Grünen wieder. Du trittst ein und schon bald gelingt der Gruppe der Einzug in den Bundestag. 69 Beitritt PDS | Du möchtest deine Ideale mit der Wiedervereinigung nicht aufgeben und trittst in die PDS ein. Aus der SED hervorgegangen, vollzog sie einen personellen und inhaltlichen Wandel. Die PDS bekennt sich zum demokratischen Sozialismus. 70 Wiedersehen mit der Familie | Endlich ist es soweit: Du kannst deine Tante aus dem Westen wiedersehen. Jahrelang konntet ihr nur auf dem Postweg Kontakt halten – sie schickte dir immer Westpakete zu. Nach dem Mauerfall kommt die ganze Familie wieder zusammen. 71 Landtagsabgeordnete*r | Du willst nicht nur regieren lassen, sondern selbst mitreden und Politik mitgestalten – insbesondere in deinem nahen Umfeld. Darum gehst du in die Politik und ziehst schon bald in den Landtag ein. 72 Verdrängung der Vergangenheit | Das ist alles nie passiert! Du lässt Unterlagen verschwinden und manchmal möchtest du dich einfach nicht an das Geschehene erinnern. 73 Arbeitsplatz abgewickelt | Jahrelang hast du dich in deiner Arbeit krumm gemacht und nun das. Wirtschaft, Industrie und Verwaltung werden umgekrempelt und auch dein Arbeitsplatz wird gestrichen. Wie viele andere bist auch du nun arbeitslos. 74 IM-Tätigkeit kommt ans Licht | Du hast versucht es zu vertuschen, doch es kommt ans Licht: Du wirst als Spitzel der Stasi entlarvt und öffentlich angeprangert. Dein Ansehen und deine Glaubwürdigkeit sind damit schwer beschädigt. 75 Publizist*in | Du möchtest Anderen mit Tiefgründigkeit und Witz Geschichten aus deinem Leben erzählen. Du fängst an zu schreiben und veröffentlichst deine Texte. 76 Parteiaustritt | Du willst deine Laufbahn in der SED hinter dir lassen und zweifelst an der Reform der Partei. Um einen politischen Neuanfang zu starten, ist ein Austritt nur folgerichtig. 77 Beaufragte*r für Stasi-Unterlagen | Der Bundestag beschließt die Aufarbeitung der Stasi-Unterlagen und möchte Opfern der Staatssicherheit Zugang zu ihren Akten bieten. Aufgrund deiner Verdienste wirst du als Sonderbeauftragte*r der neuen Behörde ernannt. 78 Star im Showgeschäft | Du wirst als Gast in eine Fernsehshow eingeladen. Durch deinen originellen Auftritt wirst du schnell bekannt wie ein bunter Hund. Ein Auftritt jagt den nächsten – du bist ein Star. 79 Bundesverdienstkreuz | Für besondere Leistungen wird dir der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Damit gehörst du zu einem ausgesuchten Kreis von Personen. 80 Bundespräsident*in | Du wirst von der Bundesversammlung in das höchste politische Amt gewählt. Von nun an bist du Staatsoberhaupt der Bundesrepublik und hast zahlreiche formelle und repräsentative Aufgaben inne.

83 Gründung einer Stifung | Du bist bekannt, gut vernetzt, hast den Wunsch Gutes zu tun und du verfügst über die nötigen Mittel. Warum also nicht? Du gründest eine gemeinnützige Stiftung. 84 Gefängnisstrafe | Du wirst zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Als Parteifunktionär*in wirst du mitverantwortlich gemacht für systematische Wahlfälschung und für den Waffengebrauch der Grenztruppen gegen Flüchtlinge. 85 Kauf eines neuen Autos | Endlich kein ewiges Warten mehr. Du kratzt dein Geld zusammen und kaufst dir ein neues Auto, ganz nach den besten Standards des Westens. Die Nachbarschaft wird Augen machen. 86 Ausschluss aus der Partei | Im Zuge der Reform der Partei kommt es zu Meinungsverschiedenheiten und Zerwürfnissen mit den Genossinnen und Genossen, aufgrund derer du aus der Partei ausgeschlossen wirst. 87 Umschulung | Die plötzlichen Veränderungen des Arbeitsmarktes zwingen dich zu einer neuen Orientierung. Du schlägst noch einmal eine völlig neue berufliche Richtung ein. 88 Weltreise | Einmal das weite Meer sehen, die höchsten Berge erklimmen, den aufregenden Dschungel durchqueren – du willst nun endlich den Planeten und seine Menschen kennenlernen. Du startest eine Weltreise. 89 Hauptgewinn in einer Spielshow | Herzlichen Glückwunsch zu 10.000 DM und dieser nigelnagelneuen Trockenhaube! Das Glück ist jetzt auf deiner Seite. In einer Fernsehshow sahnst du den Hauptgewinn ab. 90 Öffentliche Reue | Du hast Fehler gemacht und du weißt es. Es hat keinen Sinn davor wegzulaufen. Du entscheidest dich Alles zuzugeben und öffentlich um Entschuldigung zu bitten. Vielleicht kannst du so deine Ehre retten. 91 Verfassen einer Autobiografie | Was hast du inzwischen nicht alles erlebt! Das muss doch jemand aufschreiben, am besten du selbst. In deiner Autobiografie kannst du die Geschichten ausschmücken und für die Nachwelt bewahren. 92 Gründung des DDR Museum | Zahlreiche Museen befassen sich mit der DDR, aber noch kein Museum zeigt die Alltagskultur von damals. Also versammelst du ein Team von jungen Leuten und erfahrene Historiker*innen und gründest ein interaktives Museum. 93 Mangelnde EDV-Kenntnisse | Du bist der Meinung, dass sich dieses ganze Computer-Zeug sowieso nie durchsetzen wird. Blöd nur, dass dir immer wieder mangelnde Kenntnisse in der Elektronischen Datenverarbeitung (EDV) unterstellt werden. Das schränkt deine Karriereoptionen ein. 94 Öffentliche Anerkennung | Du hast Widerstand geleistet und bist gegen Ungerechtigkeit aufgestanden in Zeiten, in denen das schwierig war. Was dir früher meist Unverständnis einbrachte, lässt dich nun Anerkennung ernten. 95 Ausbildung nicht anerkannt | Jahrelang wurdest du auf ein Leben vorbereitet, das nun gar nicht mehr stattfindet. Nach der Wiedervereinigung wird deine gute Ausbildung nicht anerkannt. 96 Zeitzeug*in im Fernsehen | Was einst Gegenwart war, ist nun Geschichte und du warst dabei. Nun wird die Vergangenheit in einem Dokumentarfi lm nacherzählt, wobei du als Zeitzeug*in aus deinem Leben berichtest.


Weiterführende Links & Literatur wendepunkte-spiel.de/links WEB › Bundeszentrale für politische Bildung www.bpb.de/izpb/48570/ literaturhinweise-und-internetadressen › Grenzenlos, Wege nach der Wende http://grenzenlos-wendewege. de/index.php?s=start › Zeitklicks, Geschichte online www.zeitklicks.de/ddr/zeitklicks/ zeit/131/4/aufwachsen-in-der-ddr › Anne Frank Portal www.annefrank.org/de/Bildungsarbeit/ Lehrerportal/Anne-Frank › Lernplattform lo-net2 www.lo-net2.de › Damals im Osten – MDR www.mdr.de/damals/archiv/ lexikon/index.html › Jugendopposition www.jugendopposition.de/index.php?id=1 › www.chronik-der-mauer.de › Educational Media Research www.edumeres.net/nc/ informationen/home.html › www.ddr-geschichte-vermitteln.de › www.lieder-aus-der-ddr.de › www.unterricht.wir-waren-so-frei.de › www.mdr.de/heute-im-osten/projekte/ eure-geschichte/index.html › www.reimaginebelonging.de › www.verwobenegeschichten.de › Methodische Anregungen: www.ddr-im-unterricht.de/fileadmin/ ddr-im-unterricht/pdf/Zugaenge.pdf › www.politikundunterricht.de/4_09/ddr.pdf LITERATUR

50

› Balogh, Julia / Murke, Birgit. (Hrsg.) (2015). Geteilte Ansichten: Jugendliche stellen Fragen zur Deutschen Einheit. Ueberreuther Verlag. › Barricelli, Michele (2005): Schüler erzählen Geschichte. Narrative Kompetenz im Geschichtsunterricht. Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag. › Bedürftig, Friedemann. (2007). Geschichte der DDR: 100 Bilder, 100 Fakten. Naumann & Göbel. › Bender, Peter. (2007). Deutschlands Wiederkehr. Eine ungeteilte Nachkriegsgeschichte 1945-1990 (bpb-Schriftenreihe Bd. 698), Stuttgart. › Behrens, Heidi / Ciupke, Paul / Reichling, Norbert (Hrsg.) (2009). Lernfeld DDR-Geschichte. Ein Handbuch für die politische Jugend- und Erwachsenenbildung. Schwalbach: Wochenschau-Verlag. › Behrends, Jan C.; Lindenberger, Thomas; Poutrus, Patrice G. (Hrsg.) (2003): Fremde und Fremd-Sein in der DDR. Zu historischen Ursachen der Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland. Berlin: Metropol Verlag. › Judt, Matthias. (1997). DDR. Geschichte in Dokumenten. Beschlüsse, Berichte, interne Materialien und Alltagszeugnisse. Berlin: Ch. Links Verlag. › Kaminsky, Annette. (2016). Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR. Berlin: Ch.Links Verlag. 3.Aufl. › Klötzer, Sylvia. (2006). Satire und Macht: Film, Zeitung und Kabarett in der DDR. Köln, Weimar: Böhlau Verlag. › Kretzschmar, Harald / Vonderwerth, Klaus. (Hrsg.) (). Spitzen, Cartoons und Karikaturen von 26 Zeichnungen aus der DDR. Berlin: Eulenspiegel Verlag.

› www.bpb.de/izpb/48570/ literaturhinweise-und-internetadressen

› Leo, Annette/Peter Reif-Spirek (Hrsg.) (2001): Vielstimmiges Schweigen. Neue Studien zum DDR-Antifaschismus. Metropol Berlin.

› Arp, Agnès / Leo, Annette. (Hg.)(2009). Mein Land verschwand so schnell ... 16 Lebensgeschichten und die Wende 1989/90 (bpb-Schriftenreihe Bd. 775), Weimar.

› Wenzel, Birgit. (2013). Kreative und innovative Methoden: Geschichtsunterricht. Schwalbach: Wochenschau Verlag.


WICHTIG: Lass alle Karten so liegen, wie du sie ausgespielt hast und nummeriere die Karten auf der ✘ Kartenübersicht in der ausgelegten Reihenfolge in den dafür vorgesehenen Kreisen.

5. Was hat sich in der dritten Spielrunde verändert?

4. Warum hast du dich für bestimmte Karten entschieden? Welche Spielstrategie hast du angewendet?

3. Welche der Begriffe und Ereignisse sind neu für dich?

N AC H D E M S P I E L

2. Woher kommen deine Informationen?

1. Was weißt du über die DDR?

VO R D E M S P I E L

Fragebogen für Spielverlauf


ERRATA Schlagzeilenkarte »Sternchen« › Auf der Rückseite der Karte müsste es »Star« heißen. Dennoch bringt die Karte, wie abgedruckt, in beiden Wertungsrunden 2 Punkte.

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IMPRESSUM HERAUSGEBER Playing History, Geithner & Thiele GbR

DANKSAGUNG Wir möchten uns bei all jenen bedanken, die uns in der Entwicklung und Ausarbeitung von WENDEPUNKTE unterstützt haben. Insbesondere bei:

GEFÖRDERT VON Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED Diktatur UNTERSTÜTZT VON DDR Museum SPIELEAUTOREN Martin Thiele-Schwez, Michael Geithner GRAFIK UND LAYOUT Simon Ritter

Dr. Peter Drechsel, Sandra Hintze, Dr. Jens Hüttmann, Johanna Koch, Wolf Marx, Felix Mertikat, Tatjana Moser, Sebastian Popovic, Marie Schmidt, Alex Sommerfeldt, Jasmin Srouji, Nicole Stepanek, Anna von Arnim, Dr. Stefan Wolle, Philippe Zwick-Eby ...und allen Schüler*innen, die WENDEPUNKTE mit uns getestet haben.

ILLUSTRATION Alex Wohlrab REDAKTION LEHRERHEFT Kerstin Meißner, Olga Gerstenberger, Martin Thiele-Schwez, Michael Geithner 1. Auflage – 2016

PLAYING HISTORY


WENDEPUNKTE Lehrerheft - Bildungsmaterial zum Kartenspiel WENDEPUNKTE