Patient Wald

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

„Warum sind wir so autonarrisch?“ Nicht nur Töller und Rablander wollen mehr Bewegung in den Köpfen und weniger auf der Straße. PARTSCHINS - Die Neue Bürgerliste Partschins Rabland Töll suchte neue Sichtweisen auf die unendliche Geschichte „Umfahrung Rabland“. Dazu wurde in der Lido-Bar ein Stammtisch dem Thema „Verkehr“ gewidmet. Der Auftakt war dramatisch: Es blitze und donnerte. In seiner Funktion als Mesner eilte Bürgermeister Luis Forcher zum Wetterläuten. Unbeirrt begrüßte Monika Pföstl, Bürgerliste (BL), als Referenten den Landtagsabgeordneten der Grünen, Hanspeter Staffler, und den Gemeindereferenten Hartmut Nischler. Dem Publikum empfahl sie, sich nicht in die Haare zu geraten. Staffler kam nach kurzer Einleitung auf das Umfahrungsprojekt der Gemeinden Algund, Marling, Partschins zu sprechen und landete beim berühmten Sager von Professor Knoflacher (um 1990): Wer Straßen baut, wird Verkehr ernten. Da in Südtirol „jeder Führerschein ein Auto habe“, sollte man sich fragen, „warum wir so autonarrisch sind und warum wir es im Vinschgau weiterhin so haben wollen“. Staffler nannte 15.000 Autos – festgestellt im Jahre 2002 – und 17.000 im Jahr 2018 an der Zählstelle auf der Töll. Und das Problem verschiebe sich. Mit jeder Umfahrung werde der Verkehr zur nächsten Engstelle weitergeschoben. „Die Lösung des einen ist das Problem des anderen.“ Ganz zu schweigen vom unglaublichen Ressourcenverbrauch durch das Auto. „Man stelle sich vor: Es brauche zwei Tonnen, um eine Person mit 70 kg zu bewegen. „Wir müssen eine Mobilitätswende herbeiführen und keine Antriebswende.“ Hartmut Nischler hatte die undankbare Aufgabe, auf die unzähligen Besprechungen, die vielen Sitzungen, Bürgerversammlungen mit Vorstellung der gerade aktuellsten Variante, auf die Klausurtagung und auf die Gründung einer Bürgerinitiative

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DER VINSCHGER 14/22

Stammtisch der Neuen Bürgerliste mit den Referenten Hartmann Nischler und Hanspeter Staffler, den Besuchern: Ex-Bürgermeister Albert Gögele, Frau Sonja, Johannes Tappeiner, Max Sparber, Monika Pföstl, Jutta Pedri, Heinz Tappeiner; (in Rückenansicht von ganz links) Erich Pedri, Benjamin Schupfer, Johanna Laimer, Sigmund Kripp, Erika Schönweger; Tobias Nischler, Christian Leiter und Mathias Fleischmann; (letzte Reihe v.l.) Barbara Ganterer, Christine Schönweger und Waltraud Nardelli, beide Bildungsausschuss.

einzugehen und trotzdem von den Bürgern hören zu müssen „Ihr habt nichts getan“ oder von Politikern und Beamten „Ihr in Partschins wisst nicht, was ihr wollt.“ Die Diskussion eröffnete Benjamin Schupfer mit der Frage an Staffler, wie ähnliche Regionen mit ähnlichen Problemen umgehen.

fromme Wünsche. Wir müssen eine Umfahrung erreichen, die uns Rablandern gut tut. Wie liegen an der Staatsstraße und nicht in einem Gadertaler Seitental.“ Applaus und kurzes Wortgeplänkel zwischen Erich Pedri, Hartmut Nischler und Hanspeter Staffler. Dass man Mobilität fälschlich mit Verkehr gleichsetze, sei fatal, meinte Sigmund Kripp. Wir sind es, die Verkehr machen. Daher Das Problem der letzten Meile sei der Satz von Knoflacher zu Staffler brach eine Lanze für ergänzen: „Strukturen schaffen den gut ausgebauten öffentlichen Verkehr. Wenn ich statt Straßen Verkehr in Südtirol und sprach und Brücken Busse und Bahnen von der „fehlenden letzten Meile“. schaffe, schaffe ich Bus- und BahnMan brauche das Auto, um in die fahrer.“ Es sei skandalös, dass der Dörfer zu kommen. Es sei eben Zug die Töll nicht passieren könne viel Geld in den Straßenbau ge- und die Landesregierung sich für flossen. Es folgte die Wortmeldung ohnmächtig erklärt. Unvorstellbar, von Erich Pedri: „Das sind alles wenn die Straße für ein Jahr an der

Hartmut Nischler

Hanspeter Staffler

Töll geschlossen wäre. Das mit dem Zug nehme man so hin. „Aber bei der Straße… Da möchte ich den Moriggl (Hans) oben hören.“. Kripps letztes Argument brachte die 22 Besucher zum Nachdenken. Gnädig habe die Regierung einen Nachlass von 30 Cent pro Liter Treibstoff gewährt. Jährlich würden in Südtirol 400 Millionen Liter getankt. Mal 30 Cent wären es 120 Millionen Euro. „Könnten wir das nicht in die Bahn investieren?“, fragte sich der ehemalige, „grüne“ Gemeinderat. „Wir unterstützen die Autofahrer und wir leiden durch die Autofahrer. Wir investieren falsch.“ Jutta Pedri, Bürgerliste, fragte, was man tun könnte, damit die Politiker zuhören. Es hörte sich an wie der Aufruf zu einem Marsch nach Bozen. Staffler warnte: „Bis die Umfahrung gebaut ist, ist das Mobilitätsverhalten ein anderes. Die Umfahrung wäre eine Kathedrale in der Wüste. Christian Leiter, Freiheitliche, machte sich keine Illusionen: Ohne Tourismus keine Mittel, eine Umfahrung zu bauen. Auch die Bahn sei in einigen Jahrzehnten überholt und zu teuer. Max Sparber, BL, erinnerte an kleinere Maßnahmen.


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