Zum Nachahmen empfohlen

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

CHRIS-Studie im Vinschgau SCHLANDERS - So langsam kehrt nach einer pandemiebedingten Studienunterbrechung - wieder Leben in die Räume des CHRISZentrums im Krankenhaus Schlanders ein. Für über 13.000 Vinschgerinnen und Vinschger, die von 2011 bis 2018 an der CHRIS-Studie teilgenommen haben, ist es wieder Zeit, die Untersuchungen zu wiederholen. Mit dieser zweiten Phase wird die Bevölkerungsstudie von Eurac Research und Südtiroler Sanitätsbetrieb zu einer prospektiven Langzeitstudie: Sie wird weiterhin Daten zur Gesundheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sammeln und sie der internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaft und dem lokalen Sanitätsbetrieb zur Verfügung stellen. Am 2. Dezember traf die Arbeitsgruppe des Instituts für Biomedizin von Eurac Research mit der Spitze des Sanitätsbetriebs zusammen, um die ersten zehn Jahre der Studie Revue passieren zu lassen, ihre Wiederaufnahme zu feiern und Zukunftsperspektiven zu diskutieren.

Foto: Eurac Research - Annelie Bortolotti

Die zweite Phase startet, 13.000 nehmen teil.

Florian Zerzer, Roland Psenner, Rebecca Lundin, Peter Pramstaller, Thomas Widmann, Vera Amon und Dieter Pinggera

nitätsbetriebs hinter dem Projekt. Gemeinsam mit dem CHRISTeam des Instituts für Biomedizin von Eurac Research spornten sie dazu an, teilzunehmen an diesem wichtigen Forschungsvorhaben. Und die Vinschgauer Bevölkerung folgte dem Aufruf. Ihre breite Beteiligung ist einer der Erfolgsfaktoren des Projekts. Die beteiligten Menschen erkannten CHRIS als ein wertvolles Instrument zur Beobachtung ihrer Gesundheit an. Dank des kostenlosen Screenings im Rahmen der Studie erhielten sie InBreite Beteiligung der Bevölkerung formationen über ihren Gesundheitszustand und konnten sich Schlanders war die erste Ge- auf Anraten ihres Hausarztes bei meinde, deren Bevölkerung an Eigenheiten untersuchen lassen, der Studie teilnahm. Es folgten die zwar asymptomatisch waren, Laas, Martell und die weite- aber dennoch auf ein potentielles ren Gemeinden bis Graun. Die Risiko oder auf bestimmte KrankCHRIS-Studie läuft im Vinschgau heiten hinwiesen. seit mehr als zehn Jahren und hat es geschafft, mehr als 13.000 er- Forschung im Land stärken wachsene Teilnehmerinnen und „Die CHRIS-Studie ist zu einem Teilnehmer - fast die Hälfte der Bevölkerung des Tals - klinisch, wichtigen Modell für uns geworepidemiologisch, labordiagnos- den, auf das wir mit Interesse tisch und genetisch zu charak- schauen, um die Forschung im terisieren. In diesen Jahren hat Land zu stärken, denn dadurch das CHRIS-Team Informationen können wir nicht zuletzt die über den Lebensstil und den Ge- Qualität der Patientenversorgung sundheitszustand der einzelnen weiter ausbauen und uns am neuPersonen sowie Blut-, Urin- und esten Stand der Wissenschaft DNA-Proben gesammelt. Von orientieren. Es liegt uns daher Anfang an standen die Bürger- sehr daran, die Synergie zwischen meister, die Hausärztinnen und Eurac Research und SanitätsHausärzte sowie die Spitze des Sa- betrieb noch weiter auszubauen 30

DER VINSCHGER 41/21

mit dem Ziel, das Gesundheitswesen im Land kontinuierlich zu optimieren“, unterstrich Gesundheitslandesrat Thomas Widmann während des Treffens zwischen Eurac Research und Sanitätsbetrieb. In die gleiche Kerbe schlug auch der Generaldirektor des Sanitätsbetriebs, Florian Zerzer: „Auf der Grundlage dieses Beispiels und in Zusammenarbeit mit Eurac Research könnten weitere Studien mit der Bevölkerung in den verschiedenen Landesteilen durchgeführt werden.“ Die CHRIS-Studie hat auch einen engen Bezug zur internationalen Forschung. Die Zusammenarbeit mit dem lokalen Sanitätsbetrieb und die Beteiligung an der internationalen Forschung sind die beiden Ebenen, die das Forscherteam auch in Zukunft weiterverfolgt. „Beide Ebenen sind miteinander verknüpft: Dank der Daten, die wir hier auf lokaler Ebene sammeln, können wir uns an internationalen wissenschaftlichen Konsortien beteiligen – und die Ergebnisse dieser umfangreichen Studien kommen als neue Erkenntnisse zu uns zurück“, erklärte Peter Pramstaller, Leiter des Instituts für Biomedizin von Eurac Research. „Italienweit ist die CHRIS-Studie eine einzigartige Studie, weil sie uns die Möglichkeit gibt, die Wechselwirkungen zwischen Genetik, Umwelt und Lebensstil besser zu

verstehen und ihre Auswirkungen auf unsere Gesundheit zu untersuchen. Diese Informationen ermöglichen uns einen Einblick in die Biologie des Menschen und die Mechanismen, die den Ausbruch oder das Fortschreiten häufiger chronischer Krankheiten beeinflussen“, schloss Pramstaller. Was die CHRIS-Studie so besonders macht Die CHRIS-Studie ist eine Kohortenstudie: Sie untersucht den Gesundheitszustand einer bestimmten Anzahl von Personen über einen längeren Zeitraum hinweg. Die 13.393 Menschen, die teilnehmen, sind repräsentativ für die Allgemeinbevölkerung. Dies ist besonders, da viele Studien darauf basieren, dass sie eine bestimmte Krankheit untersuchen und sich demnach auf Menschen beschränken, die an ihr leiden. An der CHRISStudie nehmen zudem viele Familien teil, die dauerhaft im Tal wohnen. Dadurch können die Forschungsteams genealogische Informationen rekonstruieren und den Gesundheitszustand mehrerer Generationen derselben Familie beobachten. Von jeder Person, die teilnimmt, werden Daten gesammelt: Informationen zur Krankengeschichte und zum Lebensstil, klinische Parameter, Biomarker aus Blut- und Urin-