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Akzente Das Magazin der Pädagogischen Hochschule Zürich

Medienbildung – unterrichten mit iPhone, Kamera und Computer Seite 10

Quereinsteigerin Sabrina Eberhart: Wie sie Studium und Familie unter einen Hut bringt Seite 24

Praxislehrperson: eine vielseitige und anspruchsvolle Aufgabe Seite 29 blog.phzh.ch/akzente


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Inhalt 2/2014

18 Anspruchsvoll: Erste Erfahrungen einer 3. Klasse im Internet

16 Philosoph Oliver Bendel über die Schule der Zukunft

4 Vermischtes Die PH Zürich als Forschungslabor 7 Eine Frage, drei Antworten Wie führen Sie Ihre Klasse?

Fotos: Reto Klink (Cover), Niklaus Spoerri, Nelly Rodriguez

9 Seitenblick Ting bu dong – ich höre, verstehe aber nichts

10 Schwerpunkt Medienbildung

Die Welt der Medien Schritt für Schritt in die Schule holen Interview: Philosoph und Informationswissenschaftler Oliver Bendel Reportage: Studentin Katherine Waldvogel unternimmt mit einer 3. Klasse erste Gehversuche im Internet

24 Sabrina Eberhart: Spagat zwischen Quereinstieg und Familie

27 PH Zürich Weiterbildung: Good Practice macht Schule

Ausbildung: Praxislehrpersonen – Vermittler zwischen Praxis und Theorie Forschung: Projekt «Bloggen im Praktikum» Sek II: Masterstudiengang Schulsprache Deutsch 32 Blick in eine andere Berufswelt Lehrerin Judith König im Warenhaus Manor 34 Medientipps 37 Aus dem Leben eines Lehrers Zwischen Pestalozzi und Ottmar Hitzfeld 38 Fundstück

24 Studierendenseite Porträt, Bachelorarbeit, Kolumne AKZENTE 2/2014

38 Impressum

Fachleute sind sich einig: Medien haben heute gesellschaftlich eine derart wichtige Bedeutung, dass sie auch in der Schule thematisiert und eingesetzt werden müssen. Dass diese Forderung mehr ist als ein frommer Wunsch, zeigt der Blick in die Praxis. Hier ist diese Integration einer Reihe von Schulen bereits gelungen. Flächendeckend haben Medien im Unterricht trotzdem noch nicht Einzug gehalten. Über die Gründe lässt sich spekulieren: Sind es fehlende Ressourcen oder schlicht die Angst vor technischer Inkompetenz? Wie solche Hürden abgebaut werden können, ist Thema dieses Heftes. Eine zentrale Botschaft vorweg: Ein breites technisches Knowhow ist keine Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz von Medien. Wichtiger sind Strategien, um das technologische Wissen der Schülerinnen und Schüler zu nutzen. Mehr dazu erfahren Sie ab Seite 10 – inklusive konkreter Unterrichtsideen. Über die digitale Zukunft der Schule äussert sich der Informationswissenschaftler Oliver Bendel (S. 16). Er sagt: «Wenn die Technologien in unseren Körper wandern, kann dies den Unterricht grundlegend verändern.» Welche Erfahrungen eine Newcomerin mit digitalen Medien macht, beschreibt unsere Reportage (S. 18): Studentin Katherine Waldvogel unternimmt im Praktikum mit ihren 3.-Klässern erste Gehversuche im Internet. Keine einfache Aufgabe – für beide Seiten. – Christoph Hotz

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In haltsverzeich nis

Das Wissen der Klasse nutzen


Die PH Zürich als Forschungslabor

«Aus der Praxis für die Praxis». So lautete das Motto des 5. Innovationstages Naturwissenschaftlich-technischer Unterricht von Swiss Science Education (SWiSE) Ende März an der PH Zürich. Der Campus glich an diesem Tag einem grossen Forschungslabor. Eingebettet in ein Rahmenprogramm mit Vorträgen und Referaten hatten die rund 400 teilnehmenden Lehrpersonen Gelegenheit, anhand von Experimenten Ideen für den Unterricht zu sammeln. In rund 20 Workshops gaben Dozierende aus der ganzen Schweiz ihr Wissen weiter. Dabei legten sie Wert darauf, auch didaktische Impulse zu vermitteln. Judith Egloff von der PH Zürich beispielsweise empfahl in ihrem Workshop «Kinder forschen – Lernen mit stufengerechten Experimenten», Experimente immer in Bezug zu bringen zum Alltag der Kinder, sie in ein Themenfeld einzubetten und jeweils eine ganze Versuchsreihe durchzuführen, um verschiedene Aspekte zu beleuchten oder Vergleiche herstellen zu können. Auch lohne es sich, Versuche gemeinsam zu entwickeln. Neben dem Vermitteln von Praxistipps war der Austausch unter den Teilnehmenden ein weiteres Ziel des Innovationstages. Dieser fand rege statt, wie der Augenschein in den Workshops und während der Pausen bestätigte. Zwei SWiSE-Lehrpersonen aus der Innerschweiz wiesen auf die besondere Herausforderung hin, auch Lehrkräfte mit gewissen

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Berührungsängsten für naturwissenschaftlich-technische Themen begeistern zu können. Als SWiSE-Lehrpersonen sind sie in einer jener rund 60 Schulen tätig, die 2012 13. Juni Berufseinstieg in das Programm «SWiSE-Schulen» gestarvon Lehrpersonen tet sind mit dem Ziel, die naturwissenIm Zentrum der schaftliche Bildung weiterzuentwickeln. Der Tagung steht u.a. die Frage, welche Innovationstag sei eine gute Möglichkeit, Faktoren zu einem Hemmschwellen abzubauen und von den erfolgreichen Erfahrungen anderer zu profitieren, so die Berufseinstieg Innerschweizer Lehrpersonen. beitragen. Campus PH Zürich Ebenso schwungvoll wie die Workshops fielen der Einstieg in die Tagung sowie 24. Juni der Abschluss aus. Claudia von Aufschnaiter Berufliche Nachqualifizierung für von der Justus-Liebig-Universität Giessen Erwachsene wies in ihrem Vortrag auf die Bedingungen Der dritte Abend hin, wie kompetenzförderndes Experimender Vortragsreihe tieren im naturwissenschaftlich-technischen zeigt die Sicht der Sozialbehörde Unterricht gelingen kann. «Können ist ohne auf das Thema. Wissen nicht möglich und Wissen sollte imCampus PH Zürich mer mit sinnvollem Können verknüpft sein», lautete eine ihrer Aussagen. 29. August KompetenzorienZum Abschluss der Tagung ermögtierter Sportunlichte Thorsten-D. Künnemann, Direktor terricht des Swiss Science Center Technorama, in An der Fachtagung werden Veränderun- seinem Beitrag anhand diverser (Selbst-) gen, UmsetzungsVersuche unter Einbezug des Publikums vorschläge sowie eine verblüffende Begegnung mit NaturphäInstrumente vornomenen. – Christoph Hotz gestellt.

Weitere Veranstaltungen:

Campus PH Zürich Weitere Informationen: swise.ch

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Foto: Frederic Meyer

Ver mischtes

Experimentieren im Workshop «Zaubertricks zu Aggregatzuständen».


Aktuelles

Festanstellungen der Berufseinsteigenden* mit Abschluss 2013 in den Bezirken im Kanton Zürich. (Total 177 Personen)

Weiterhin grosses Interesse am Studium zur Lehrperson An der Pädagogischen Hochschule Zürich haben sich auf Beginn des kommenden Semesters 679 Personen für das Studium zur Lehrperson angemeldet. Dies entspricht einem leichten Anstieg von 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2013 hatten sich 662 Personen für die Regelstudiengänge Kindergarten, Kindergarten/ Unterstufe, Primarstufe und Sekundarstufe I eingeschrieben. 2012 waren es 628 Personen.

Foto: Reto Klink

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Dielsdorf

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Zürich

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Hinwil

19

Bülach

16

Uster

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Winterthur

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Horgen

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Meilen

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Pfäffikon

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Dietikon

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Affoltern Andelfingen

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* Regelstudierende, Stichtag 1. Januar 2014, Quelle: VSA

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Musikalische Angebote in der Ganztagesbildung Vertreter der Musikschule MKZ und der Hochschulen PH Zürich,

ZHAW und ZHdK haben in einem Grundsatzpapier Vorschläge zur Verbesserung der musikalischen Bildung in der Ganztagesbildung gemacht. Ursprung des Beitrages war eine Studie zur Nutzung von Tagesschulen. Daraus ging hervor, dass sich Eltern mehr Angebote musisch-kultureller Art wünschen. Weitere Informationen: tiny.phzh.ch/grundsatzpapier

Neue PHZH-Prorektorin Frau Barbara Fäh wird neue Prorektorin Ausbildung an der PH Zürich. Sie tritt ihr Amt auf Beginn des Herbstsemesters 2014/2015 an. Barbara Fäh ist promovierte Erziehungswissenschaftlerin der Universität Zürich.

Die Forschungsbibliothek Pestalozzianum im SRF-Fokus.

SRF-Team in der Forschungsbibliothek Pestalozzianum Die Forschungsbibliothek Pestalozzianum, Teil des Zentrums für Schulgeschichte an der PH Zürich, kann auf einen in der Schweiz einzigartigen Bestand von Schulbüchern und Lehrmitteln blicken. Dazu zählen rund 250 Medien zum Sprachunterricht. Für einen Beitrag zum Thema «Sprachenstreit in der Schweiz» der SRF-Sendung «Kulturplatz» erwies sich die bildungshistorische Sammlung als Glücksfall. Aktuelle bildungspoli-

tische Debatten, wie etwa jene zum «Sprachenstreit», lassen sich am besten in ihren geschichtlichen Kontexten darstellen. Deshalb wählten die Redaktoren sowohl ältere Sprachlehrmittel der 1940erals auch neuere der 1980er-Jahre aus. Im Fokus standen dabei in der deutschsprachigen Schweiz verwendete Französisch- und EnglischSchulbücher sowie Lehrmittel für den Deutschunterricht aus der Romandie. SRF-Beitrag: tiny.phzh.ch/sprachenstreit

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Ver mischtes

PHZH in Zahlen


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Eine Frage, drei Antworten: Wie führen Sie Ihre Klasse?

Vielleicht stimmt die Geschichte – wahrscheinlich nicht, aber erzählt wird sie immer wieder. Sorgen um allfällige Konsequenzen muss man sich nicht machen, denn eventuelle Protagonisten wären längst von der Bildfläche verschwunden. Eine sehr schwierige Klasse, ein Lehrer (!) nach dem anderen wirft das Handtuch – wohlgemerkt ohne mediale Orchestrierung, die gab es vor Jahrzehnten noch nicht. Bis zum Tag X. Ein neuer Lehrer betritt das Klassenzimmer, stellt seine Mappe auf das Pult und fixiert die Klasse. Unvermittelt geht er auf einen Schüler zu und verpasst ihm links und rechts eine Ohrfeige. Anschliessend öffnet er seine Mappe, schlägt ein Buch auf und beginnt mit der Lektion. Nach kurzer Konsternation konzentriert sich die Klasse auf den Unterricht und vergisst gänzlich, dass sie auch diesen Lehrer schnellstmöglich loswerden wollte. Fortan war die unführbare Klasse eine normale Schulklasse. Die auch heute noch gültige Moral der Geschichte: Es gibt Klassen, die sozial so unglücklich zusammengesetzt sind, dass Störungen überwiegen und eigentlicher Unterricht nicht möglich ist. Der Schlüssel für die Lösung liegt in der Klassenführung. Die Kunst besteht darin, so schnell wie möglich die Hierarchien zu AKZENTE 2/2014

bin ich mir meiner Vorbildrolle bewusst. Im Unterricht dürfen Humor und Freude nicht fehlen!

Benedikt Rüttimann, 48, Quereinstieg-Student, Primarstufe.

Die Aussage findet sich in jedem Ratgeber: Classroom Management ist die Voraussetzung für guten Unterricht. Bevor ich im letzten August meine erste Klasse übernahm, las ich also ein paar Bücher. Ich beschloss, mich beim Führen meiner Schülerinnen und Schüler vom Common Sense leiten zu lassen. Vernunft war noch nie Aziz Topyürek, 33, Sekundarlehrer, Schule Letzi in Zürich. eine schlechte Wahl. Das Resultat war ernüchternd – für beide Seiten. Die intensive Arbeit Ich rang mit dem Stoff und dem als Lehrperson begeistert mich, täglichen Chaos. Die Kinder rangen fordert mich heraus und zeigt mir mit sich selber und auch mit dem die schönsten Seiten des Berufs. Stoff. Es dauerte lange, bis ich mir Das Wohlbefinden der Schülerinnen eingestand, dass Dialog und und Schüler ist mir ein Anliegen. Selbstdisziplin allein wenig bewirkDeshalb lege ich Wert auf eine ten. Ich beschloss, mein Verhalten positive Atmosphäre, die angenehzu ändern. Ich setzte auf einfache mes, förderndes und kooperatives Regeln, klare Grenzen und rasche Arbeiten zulässt. Ich achte darauf, Sanktionen. Das Resultat war dass die Lernzeit optimal ausgenutzt verblüffend. Nach zwei Wochen ist. Es ist elementar, dass wir in meinte eine Gruppe von Kindern: der Klasse sinnvolle Umgangsregeln «Toll, das neue Klima, endlich bestimmen, an die sich alle halten. können wir arbeiten.» Das GeheimRegeln geben Sicherheit und stärken nis des Erfolgs? Hartnäckiges den Selbstwert. Dabei ist mir Trans- und konsequentes Handeln. Und parenz wichtig, im Klassenrat reGespräche, die eine Vertrauensflektieren wir Regeln und passen sie basis schufen. Kinder brauchen an. Respekt, Wertschätzung und Vertrauen, um Grenzen zu Toleranz sind unabdingbar, dabei akzeptieren. 7

Meinu ngen

Lilo Lätzsch, 62, ZLV-Präsidentin, Sekundarlehrerin.

erkennen und adäquat zu handeln. Der Superlehrer aus der Geschichte hat (ausser den der Vergangenheit angehörenden Ohrfeigen) alles richtig gemacht: Er tritt selbstbewusst auf, nimmt zielsicher den Rädelsführer ins Visier und präsentiert anschliessend eine spannende Lektion. Unter anderem um solche Situationen zu meistern, absolvieren Lehrpersonen eine Ausbildung an der PHZH, die sie mit einem Bachelor oder Master of Arts in Education abschliessen; Klassenführung ist eine Kunst.


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AKZENTE 2/2014


Christine Bieri Buschor – Seitenblick

Illustration: Raffinerie AG

Ting bu dong – ich höre, verstehe aber nichts

AKZENTE 2/2014

Schokolade. Damit schaffte ich den einfachen Alltag, war aber immer noch nicht fähig, ein Menu auszuwählen, wenn die Speisekarte keine Bilder enthielt. Mit grossem Respekt wagte ich mich schliesslich an die Schrift. Je nach Quelle existieren bis zu 107 000 Zeichen, 3 500 bis 6000 reichen, um die Zeitung zu lesen. Meine erste Lehrerin, Lizzy, plagte mich mit Diktaten. Wenn ich mich nicht mehr an die Wörter und ihre Schreibweise erinnerte, meinte sie dann kopfschüttelnd: «bu hao» («nicht gut»). Unter diesem Druck versuchte ich, mir die Zeichen als Gestalten einzuprägen. Nach drei Monaten machten sich erste Zeichen einer Gedächtnisüberlastung bemerkbar. Ich versuchte es mit verschiedenen Lernstrategien. Aber Modelle des selbstständigen Lernens zu kennen und tatsächlich lernen zu müssen, sind zwei verschiedene Dinge. Meine gewählte Lernstrategie mag altmodisch klingen: üben, üben, üben und sich über jeden kleinen Fortschritt freuen, etwa wenn ich mir «Handy» («shou ji») besser einprägen konnte, weil ich es mit den entsprechenden Zeichen ( Hand – Maschine) verband. Nach einem halben Jahr hatte ich

mein ursprüngliches Ziel übertroffen: Ich konnte 1 800 Zeichen lesen und schreiben. Sprache ist bekanntlich das Tor zur Welt. Und so habe auch ich eine neue Welt entdeckt, aber auch erfahren, wie anstrengend Lernen sein kann. Seit meiner Rückkehr aus dem Sabbatical kämpfe ich gegen das Vergessen. Plötzlich kann ich einem Wort keine Bedeutung mehr zuschreiben, obwohl ich es kenne. Eine Sprache von Grund auf zu lernen, habe ich als grosse Bereicherung erlebt. Ich hatte längst vergessen, wie viel Kinder lernen müssen auf dem Weg ins Erwachsenenleben. Nun verstehe ich, welche Hürden insbesondere Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund beim Erwerb einer Zweitsprache überwinden müssen. Die hohe Bedeutung des Übens und der Lernziele hatte übrigens bereits der berühmteste chinesische Lehrer, Konfuzius, betont. Ich übe also weiter und behalte das Ziel vor Augen: bis zu meiner Pensionierung kann ich lesen.

Kolu m ne – Seitenblick

So sprachlos hatte ich mich noch nie gefühlt. Eben hatte ich – es war anfangs 2013 – in Shenzen die Grenze zu China überschritten. Nach der Passkontrolle suchte ich vergeblich den Bus nach Guangzhou, der drittgrössten Stadt Chinas, in der ich ein halbes Jahr während meines Sabbaticals leben, forschen und Kontakte zu einer unserer Partneruniversitäten knüpfen wollte. Alles kam mir chinesisch vor, niemand sprach Englisch. «Ting bu dong», sagen die Chinesen dazu: «Ich höre, verstehe aber nichts.» Den richtigen Bus fand ich schliesslich doch noch: Ich rief einen meiner Englisch sprechenden chinesischen Kollegen an und erklärte ihm, wohin ich wollte. Anschliessend hielt ich einem Beamten mein Handy ans Ohr. Die beiden sprachen kurz miteinander und der Beamte wies mir den Weg zum Bus. Auf dem Weg nach Guangzhou fällte ich eine folgenreiche Entscheidung: Ich musste Mandarin lernen, die meistgesprochene Sprache der Welt. Schnell beherrschte ich die wichtigsten Sätze für den Alltag: Wie viel kostet das? Bitte biegen Sie links ab! Wo ist die nächste U-Bahnstation? Ich mag Tee! Ich bin nicht Amerikanerin. Ich bin aus der Schweiz, dem Land der Uhren und

Christine Bieri Buschor ist Forschungsgruppenleiterin in der Abteilung «Forschung und Entwicklung» an der PH Zürich.

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Schwer pu nkt Medienbildu ng

Studierende der Sekundarstufe I produzieren in einem Medienbildungsmodul eigene TrickďŹ lme.


Schwer pu nkt Medienbildu ng

Die Welt der Medien in die Schule bringen Medien und neue Technologien entwickeln sich in rasantem Tempo. Davon betroffen ist auch die Schule. Um den Wandel als Chance zu nutzen, m端ssen Medien im Unterricht zum Thema werden. Text: Melanie Keim, Fotos: Reto Klink


Schwer pu nkt Medienbildu ng

Im Grunde gehörte die Vermittlung von Kompetenzen für einen reflektierten Umgang mit Medien schon immer zu einem guten Schulunterricht. Seit ihren Anfängen ist die Schule auf Medien angewiesen, um Wissen weiterzugeben und Wirklichkeiten zu vermitteln. Und spätestens seit McLuhans «The Medium is the Message» ist klar, dass Medien Inhalte nicht einfach transportieren, sondern selbst formgebend, rezeptions- und damit wirklichkeitsbestimmend sind. Trotzdem wurden deren Mechanismen, Wirkungen und Hintergründe lange Zeit höchstens am Rande des Unterrichts behandelt. Durch die grundlegend neuen Bedingungen von Wissensvermittlung und Informationsbeschaffung, die Omnipräsenz der Medien und ihrer Inhalte im Alltag, aber auch die möglichen Schattenseiten und Risiken neuer Technologien wie Cybermobbing oder Sexting, hat das Thema heute die Aufmerksamkeit erlangt, die es schon längst verdient hätte. «Nun ist die Zeit reif, um die Medienbildung als festes Bildungsziel in Schule und Gesellschaft zu verankern», sagt Friederike Tilemann, Leiterin des Fachbereichs Medienbildung der PH Zürich. «Da Informations- und Kommunikationstechnologien heute ein grosses gesellschaftliches Thema sind, tritt die Medienbildung immer stärker in den Fokus einer breiten Öffentlichkeit.» Tilemann betont, dass diese einen wichtigen Beitrag zur Chancengleichheit leistet: «Nur die Schule hat die Möglichkeit, allen Kindern systematisch Medienkompetenz zu vermitteln.» Doch weiss man auch, woran sich medienbildnerischer Unterricht orientieren soll, wenn sich technologische Innovationen und Nutzungsmöglichkeiten immer schneller entwickeln? «Medienbildung stellt nicht Geräte und spezifische Technologien, sondern den Menschen und dessen Mediennutzung in den Mittelpunkt», macht Tilemann klar. So lässt sich eine grundsätzlich kritische Reflexionshaltung auf ganz verschiedene Formate anwenden – auch solche, die künftige Technologien mit sich bringen werden. Egal, ob man im Unterricht klassische Printmedien, Instant-Messaging-Anbieter oder Social Media zum Thema macht, sie sollen stets durch die kritische Brille betrachtet werden. Denn die Fragen nach Wirklichkeit und Fiktion, den Mechanismen und kommerziellen Hintergründen von Medien bleiben die gleichen, nur werden sie stets unter neuen Bedingungen gestellt. Medienkompetenz beinhaltet daher die Fähigkeit, neue Technologien und Mediensysteme einzuordnen und einzuschätzen. Weg zur Medienbildung «Wir müssen unsere Studierenden nicht davon überzeugen, dass Medienbildung wichtig ist. Für diese Generation, die Medien als grossen Teil des Alltags erlebt, ist es selbstverständlich, dass Chancen und Risiken unserer Mediengesellschaft in der Schule thematisiert werden

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müssen», erklärt Flurin Senn. Er ist als Dozent für Medienbildung tätig und leitet den Bereich Bildung und Erziehung auf der Sekundarstufe I der PH Zürich. «Wir möchten unseren Studierenden einen reflektierten, kritischen, aber auch lustvollen Umgang mit Medien vermitteln», fügt Senn hinzu. Dazu gehört, dass man diese im Unterricht kreativ und produktiv einzusetzen weiss. Medienbildung beinhaltet sowohl das Lernen über Medien (Medien als Thema) als auch das Lernen mit Medien (Medien als Lernwerkzeug). In der Ausbildung an der PH Zürich kommen beide Seiten von Medienbildung zum Tragen. Den Studierenden wird grundlegendes medienbildnerisches Wissen vermittelt. Dazu gehören Fakten zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen, zu Medienwirkung ebenso wie Hintergrundwissen über ökonomische Zusammenhänge und

Zur Entwicklung medienbezogener Fähigkeiten sind Ausprobieren und eigene Erfahrungen essenziell.

Konzepte kreativer Medienarbeit. Sowohl auf Schülerwie auf Lehrerseite sind Ausprobieren und eigenes Erfahren essenziell, um nachhaltige und tiefgreifende medienbezogene Fähigkeiten auszubilden. In der Ausbildung an der PH Zürich lernen die Studierenden daher zahlreiche Beispiele kennen, wie sie Medien gewinnbringend im Unterricht einsetzen und thematisieren können, um Medienkompetenzen zu fördern. Dabei zeigt sich, dass das Lernen mit Medien und das Lernen über Medien zwei Seiten einer Medaille bilden und nur theoretisch voneinander getrennt werden können. Werden Medien als Recherchewerkzeug bei geAKZENTE 2/2014


sellschaftspolitischen Themen genutzt (Lernen mit Medien), gehören immer auch Fragen zum Wissen über Produktionsbedingungen und Mediensysteme (Lernen über Medien) dazu. Medienkritische Fragen sind hier

nen Fragen zur technischen Ausstattung der Schule und zur Mediennutzung im Unterricht, aber auch zu internen und externen Kommunikationsformen geregelt werden. Sollen Eltern die Lehrpersonen per Mail oder gar per SMS kontaktieren dürfen? Wie kann unter den Lehrpersonen effizient kommuniziert werden und schulinternes Wissen clever gespeichert und gehandhabt werden? Im Auftrag des Bildungsrates stellt der Kanton Zürich für die Volksschule einen Leitfaden zur Ausarbeitung eines schuleigenen Medien- und ICT-Konzeptes zur Verfügung (ICT-Guide). Dieses zeigt Themen und mögliche Formen einer Ausgestaltung auf. «Wie überall gibt es auch hier kein Patentrezept», sagt Flurin Senn. «Jede Schule muss selbst entscheiden, welches Konzept am besten zu ihr passt.» Zahlreiche Faktoren wie Finanzen, politische Träger, Zusammensetzung der Lehrerschaft müssen darelevant: In welcher Weise beeinflussen Medienberichte bei berücksichtigt werden, im Idealfall entsteht ein Konunsere Meinungsbildung? Worin unterscheidet sich ein zept unter Einbezug von Behörden, Lehrpersonen, Kinvon einer Fachredaktion erarbeiteter Artikel von einer dern und Eltern. aktuellen Twittermeldung zu demselben Thema? Nach welchen Kriterien wählt die «Tagesschau»-Redaktion ihre Mit dem iPad zur Schule Meldungen aus? Mediennutzung muss also heissen, ihre Fredi Augustin musste mit seiner Klasse klare Regeln zur Nutzung eines bestimmten Mediums ausmachen. Der Bedingungen reflektieren zu können. «Gemeinsam mit den Studierenden suchen wir Sekundarlehrer der Oberstufe Wädenswil startete im nach Möglichkeiten, wie sie Medienbildung fächerüber- August 2013 ein iPad-Pilotprojekt mit einer ersten Segreifend in den Unterricht integrieren können», sagt Flu- kundarklasse. Jede Schülerin, jeder Schüler erhielt ein rin Senn. Neben der fachdidaktischen Auseinander- Tablet, das im Unterricht und zu Hause zu Lernzwecken setzung lassen sich oft Bezüge zur Lebenswelt der Her- benutzt werden darf. Zuvor musste allerdings ein sechsanwachsenden machen. Aktuelle Themen und Interessen seitiger Vertrag unterschrieben werden, in dem Fragen zu aus der Medienwelt der Schülerinnen und Schüler sollen Nutzungsbereich, Privatsphäre und Haftung geregelt im Unterricht aufgegriffen werden, Selfies und Whats- sind. Augustins Klasse bewegt sich generell etwas abseits App-Chats dürfen ohne Weiteres zum Thema oder gar vom traditionellen Schulalltag. Sie ist Teil des Projekts zur Erzählform gemacht werden, wenn dabei Raum für Lilo (Lernen in Lernlandschaften an der OSW), für welkritische Denkanstösse geschaffen wird. ches die Oberstufe Wädenswil letztes Jahr mit dem erstmals vergebenen Schweizer Schulpreis prämiert wurde. Klare Regeln schaffen Raum Inputzimmer, persönlicher Arbeitsplatz und mobile Im Lehrplan des Kantons Zürich ist Medienbildung seit Lernstationen ersetzen das Klassenzimmer, Arbeit im dem Jahr 2000 verankert. Als fächerübergreifendes Un- individuellen Lerntempo am Wochenplan fixe Stundenterrichtselement kommt sie in der Praxis allerdings un- pläne. «Da ist es sehr praktisch, wenn man Lehrmittel terschiedlich zum Tragen. Während bei manchen Lehr- und Arbeitsutensil immer dabei hat», sagt Fredi Auguspersonen die Angst vor technologischer Inkompetenz tin. Er ist begeistert von den zahlreichen Möglichkeiten, oder der Mangel an Praxisideen Grund für ein eher stief- die das Tablet für den Unterricht bietet. Neben Sprachmütterliches Behandeln von Medienbildung sein kön- lernprogrammen oder Anatomie-Apps sind auf den iPads nen, starten die Abgängerinnen und Abgänger der PH seiner Schülerinnen und Schüler Mindmap-Skizzen, Zürich mit einem medienpädagogisch gut bestückten selbst produzierte Fotoromane oder mündliche ZusamRucksack. Und doch gelingt die Umsetzung in der Praxis menfassungen eines Zeitungsberichts als Videodatei zu auch ihnen nicht immer. Trotz der praxisnahen Vorberei- finden. Gemeinsam mit seiner Klasse tastet sich Augustin tung kann Medienbildung beim Berufseinstieg zwischen an eine sinnvolle Nutzung von Tablets und anderen digiStuhl und Bank fallen, weil die Lehrpersonen mit der talen Medien heran. «Das iPad muss Mittel zum Zweck Unterrichtsgestaltung sowie zahlreichen Aufgaben wie bleiben», sagt Augustin bestimmt und fügt hinzu, dass Elterngesprächen oder Teamsitzungen jenseits des regu- das Warum der jeweiligen Anwendung stets mitgedacht werden müsse. Fordert er seine Klasse im Vorfeld einer lären Unterrichts bereits stark ausgelastet sind. Dem kann eine Schule mit einem klar definierten Inputlektion zu einer Internetrecherche auf, so schickt er Medien- und ICT-Konzept entgegenwirken. Darin kön- dieser Fragen zu Objektivität und Glaubwürdigkeit von AKZENTE 2/2014

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Schwer pu nkt Medienbildu ng

Wichtiger als eigene technische Kompetenzen sind Strategien, um das Wissen der Schülerinnen und Schüler zu nutzen.


Schwer pu nkt Medienbildu ng

Im Zentrum der Ausbildung an der PH Zürich steht der reflektierte, kritische und lustvolle Umgang mit Medien.

Informationen sowie Tipps zu Recherchetechniken und -portalen voran. Die selbstverständliche Einbindung von medienbildnerischen Themen in den Unterricht hat einerseits mit den Interessen und dem Engagement des technologieaffinen Lehrers zu tun, andererseits mit dem Besuch eines Moduls der Weiterbildung zum pädagogischen ICTSupporter (PICTS), das Augustin an der PH Zürich besuchte. «Die Weiterbildung hilft mir, das Schulfeld in unserer Mediengesellschaft einzuordnen und zu verstehen.» Besonders hilfreich für Augustin ist das Netzwerk von interessierten Lehrpersonen, mit denen er Erfahrungen mit digitalen Medien, aber auch Lernmaterialien austauschen kann – digital versteht sich. Multimedial nutzbare Lehrmittel sind nach wie vor Mangelware, daher gestaltet sich die Vorbereitung für den iPad-Unterricht heute bei manchen Projekten noch um einiges aufwendiger als der Unterricht mit klassischen Lehrmitteln. Wenn Augustin beim Durchstöbern des App-Stores auf interessante Apps trifft oder in Fachzeitschriften neue digitale Lehrmittel findet, gibt er dieses Wissen auch beim Kaffee im Lehrerzimmer weiter. Künftig wird dieser Austausch gezielter stattfinden, wenn Augustin seine Kolleginnen und Kollegen als ausgebildeter pädagogischer ICT-Supporter in medienbildnerischen, mediendidaktischen und technologischen Fragen weiterbilden wird.

können auch Lehrpersonen sensibilisiert werden, die um medienbildnerische Fragen und den Einsatz neuer Technologien einen grossen Bogen machen.» Oft liegen dieser Abwehrhaltung unbegründete Ängste zugrunde, denn für die Vermittlung von Medienkompetenzen muss man kein Mediencrack sein. «Eine Lehrperson muss der Klasse keineswegs mit ausgereiften Anwenderkompetenzen gegenübertreten», sagt Stierli. Schliesslich sitzen im Schulzimmer heute lauter kleine Technikexperten. Wichtiger als eigene technische Kompetenzen sind daher Strategien, wie Lehrpersonen das technologische Praxiswissen der Digital Natives nutzen und durch den eigenen kritischen Blick und die Lebenserfahrung ergänzen können. Kennt sich eine Schülerin beispielsweise besonders gut mit Videoschnitttechniken aus, so kann ein Lehrer, der davon wenig versteht, trotzdem ein Filmprojekt mit seiner Klasse starten. Dafür muss er lediglich einen Weg finden, um das Know-how der Schülerin zu fördern und im Unterricht einzusetzen. Im Kursangebot der PH Zürich sind auch niederschwellige Angebote wie iPad-Schnupperkurse oder die Kursreihe «Mit der Maus im Kindergarten» zu finden. «Wir holen die Lehrpersonen dort ab, wo sie stehen, und arbeiten lieber an kleinen Projekten, die umsetzbar sind», sagt Stierli. Realistisch und nachhaltig heissen die Stichworte des Weiterbildungsangebots. Diese gelten generell für den Umgang mit Medienbildung. Denn für die Ausbildung von Medienkompetenzen ist kein technologisch Kleine, aber nachhaltige Schritte top ausgerüstetes Schulzimmer nötig, aber eines, in dem «Den pädagogischen ICT-Supportern kommt ein Stück die Chancen und Risiken der aktuellen Medienwelt anweit die Rolle einer Aussenstelle der PH Zürich zu», sagt gesprochen werden – Schritt für Schritt. Thomas Stierli, Bereichsleiter Medienbildung in der Ab- Weitere Informationen: teilung Weiterbildung an der PH Zürich. «Dank ihnen www.phzh.ch/medienbildung

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Unterrichtsideen für Kindergarten, Primarschule und Sekundarstufe Der Einbezug von Medien in den Unterricht ist auf sämtlichen Schulstufen und in allen Fächern möglich. Je nach Alter der Kinder eignen sich unterschiedliche Inhalte und Methoden.

Kindergarten: Medien als Werkzeug erleben Schon Kindergartenkinder können Geräuschrätsel aufnehmen und kleine Hörspiele produzieren, dabei schulen sie ihre Wahrnehmung und Kreativität. Wenn sie kleine Geschichten erfinden und daraus mit Knete und Figuren Trickfilme erstellen, lernen sie in Grundzügen zwischen Wirklichkeit und Fiktion zu unterscheiden. Auch der Einsatz der Fotografie ist möglich. Wenn Kinder fotografieren, entscheiden sie, was ihnen wichtig ist, und erzählen so etwas von ihrer Sicht der Dinge. Sie erleben die Medien als Werkzeug, um sich auszudrücken und nicht lediglich als Rezeptionsmittel. Kindergartenkinder nutzen bereits häufig Filme oder Apps, um sich Wissen zu erschliessen und etwas über die Welt zu lernen. Kindergartenlehrpersonen können die vielfältigen Medien für fachspezifische Lernprozesse einsetzen. So bringt beispielsweise der Auftrag, Gegenstände zu fotografieren, die in bestimmten Mengen vorkommen, den Kindern die Bedeutung der Zahlen näher. Die Medien mit ihren Inhalten können auch selbst zum Thema werden, beispielsweise, indem die Kinder von Medienerlebnissen erzählen. Ideen für den Unterricht: Neuss, Norbert (2012): Kinder & Medien. Was Erwachsene wissen sollten. Klett/Kallmeyer.

Primarstufe: Umgang mit Informationen schulen Die Nutzung von digitalen Medien gehört bei vielen Primarschulkindern zum Alltag. Bereits in der Unterstufe nutzen viele das Internet, um etwas über Themen zu erfahren, die sie interessieren. Dafür müssen sie Suchstrategien erlernen und Kriterien erarbeiten, nach denen sie die gefundene Information einordnen können. Dazu eignen sich Rechercheaufgaben, bei welchen verschiedene Suchbegriffe und -maschinen ausprobiert und die Ergebnisse verglichen werden: Weshalb kommen nicht alle auf das gleiche Resultat? Welchen Informationen vertrauen wir und warum? Auch der spielerische Umgang mit Fotomontagen und die Produktion von medialen Beiträgen stellen wirksame Lerneinheiten dar. So lernen die Kinder zum Beispiel beim Herstellen einer Klassenzeitung die AKZENTE 2/2014

verschiedenen Schritte im Entstehungsprozess einer Zeitung kennen und machen die Erfahrung, dass Medienprodukte nicht objektiv sein können. Zunehmend wichtig ist die Erkenntnis des sorgsamen Umgangs mit Fotos und Kommentaren und damit die Prävention von Cybermobbing und Datenmissbrauch. Es empfiehlt sich, diese Aspekte bereits auf der Primarstufe zu thematisieren. Als Einstieg kann ein Spiel zur Passwortsuche gemacht werden: Wer erfindet ein Passwort, das man sich gut merken kann und das sicher ist? Die Sicherheit können die Kinder auf einer entsprechenden Internetseite prüfen. Sekundarstufe: Arbeit mit kooperativen Online-Tools Jugendliche auf der Sekundarstufe zeichnen sich oft durch erstaunliche Anwenderkenntnisse aus. Jedoch gehen sie häufig unbedarft mit persönlichen Daten um (z.B. auf Facebook) oder glauben, alles im Internet sei seriös. Deshalb benötigen sie pädagogische Unterstützung (siehe auch Abschnitt «Primarstufe»). Um Lernprozesse auf verschiedenen Ebenen anzustossen, eignen sich z.B. kooperative Online-Tools. So können die Schülerinnen und Schüler in einer Biologie-Projektarbeit ein Waldstück erforschen und ihre Erkenntnisse in einem Wiki darstellen. Dabei erwerben sie nicht nur Fachwissen zum Lebensraum Wald, sondern werden auch mit dem Prinzip des Hypertextes vertraut. Durch die Beschaffung und die Verarbeitung von Informationen wird zudem ihre Informationskompetenz gefördert. Darüber hinaus können durch die Arbeit in der Gruppe die Ausdrucksfähigkeit und Sprachkompetenz erweitert werden. Generell gilt es, die Jugendlichen für den sinnvollen, überlegten Umgang mit Medien fit zu machen, sie zu ermächtigen, sich mithilfe von Medien an gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen und sich eine begründete Meinung zu bilden. Ideen für den Unterricht (Primar und Sekundar): medienkompass.ch stadt-zuerich.ch/dossier-medienkompetenz Friederike Tilemann, Fachbereichsleiterin, und Stefanie Schild, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Medienbildung an der PH Zürich.

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Text: Friederike Tilemann und Stefanie Schild


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«Die Schule darf nicht von neuen Technologien gesteuert werden» Der Informationswissenschaftler und Philosoph Oliver Bendel wagt einen Blick in die Zukunft der Schule. Der Schulbetrieb könnte im Jahr 2030 futuristisch, im Idealfall aber ähnlich wie heute aussehen. Text: Melanie Keim, Foto: Nelly Rodriguez

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Was bedeuten diese Erkenntnisse für die Schule? Die Frage ist nicht, wie Schulen künftig technisch ausgestattet sein werden, sondern wie die Schule mit neuen Technologien umgeht. Nehmen wir das Beispiel Datenbrille: Wenn Schüler und Schülerinnen solche tragen, können sie ständig Wissen und Informationen abrufen. Natürlich wird man solche Brillen in Prüfungssituationen verbieten, doch es gibt auch Möglichkeiten, Kontaktlinsen als Displays zu verwenden. Da wird es schwierig, zu kontrollieren, wer normale und wer intelligente Linsen trägt. Wenn die Technologien an oder in unseren Körper wandern, kann dies den Unterricht grundlegend verändern. Wird die Hauptaufgabe der Schule 2030 also gezwungenermassen in der Vermittlung von Techniken zur effizienten Wissensbeschaffung und Informationsselektion liegen? Dass die Lehrperson durch die technologischen Entwicklungen zum Companion wird, der nur noch zeigt, wie man möglichst schnell an Informationen kommt und sich Wissen einverleibt, ist durchaus ein mögliches, aber nicht unbedingt ein wünschenswertes Szenario für die Zukunft. Es ist falsch zu glauben, dass es kein Wissen mehr über die Dinge der Welt braucht, weil man alles ad hoc nachschlagen kann. Gerade für die Beurteilung und Einschätzung von Daten ist eine breite Allgemeinbildung sehr wichtig. Und dafür braucht es nach wie vor kompetente, charismatische AKZENTE 2/2014

Über Oliver Bendel Von Haus aus Philosoph und Literaturwissenschaftler, gelangte Oliver Bendel, Jahrgang 1968, über ein Zweitstudium der Informationswissenschaft zu den digitalen Medien. Dabei beschäftigte er sich vorerst mit Fragen der klassischen Wirtschaftsinformatik, unter anderem mit Wissensmanagement und E-Learning. Fasziniert von neuen Technologien, promovierte er über anthropomorphe Agenten und entwickelte später eigene intelligent agierende, virtuelle Wesen. Dabei rückten ethische Fragen zunehmend in den Vordergrund, und so trieb es Bendel zurück zu seinen philosophischen Wurzeln, in die Informationsund Maschinenethik. Aktuelles Beispiel von Bendels Forschungsarbeit ist die Konzeption von «Ladybird», einem Staubsaugerroboter, der aufgrund seiner Wahrnehmung und mit Hilfe einfacher Regeln moralische Entscheidungen trifft. Zum Beispiel hört er auf zu saugen, sobald er einen Marienkäfer vor sich hat. Aktuell ist Oliver Bendel als Professor für Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW tätig sowie als freier Schriftsteller. Er lebt mitten in der Altstadt von Zürich.

Lehrpersonen und traditionelle Vermittlungs- und Unterrichtsformen. Was genau meinen Sie damit? Lesen, lesen, lesen. Kinder müssen wie früher erst lange lineare Texte lesen, verstehen und selbst schreiben können, bevor sie mit kompakten Informationen und vorstrukturierten Hypertexten konfrontiert werden. Gesellschaft und Wirtschaft verlangen nach schnellen Lösungen. Digitale Medien sind das ideale Mittel, um effizient zu arbeiten. Bereits Primarschüler haben das verinnerlicht. Wie kann ein sinnvoller Umgang mit Medien vermittelt werden? Eine grosse Verantwortung liegt bei den Eltern. Sie entscheiden, mit welchen Technologien sie ihre Kinder «ausstatten», und können deren Medienverhalten stark beeinf lussen. Zudem muss die Schule die Medienbildung stärken und eine kritische Haltung gegenüber schnellen Informationstechnologien fördern. Wie können Lehrerinnen und Lehrer in der Zukunft neue Technologien im Unterricht optimal einsetzen? In Praxisprojekten können digitale Medien ideal genutzt werden. Man kann etwa gemeinsam E-Books produzieren oder mit speziellen Programmen seltene Pflanzen identifizieren. Auch können über digitale Medien Grenzen überschritten und virtuelle Partnerschaften zwischen Schulen gegründet werden, etwa um Sprachen über Skype zu lernen. Auch soziale Medien bieten viel Platz für produktive Prozesse. Es gibt zahlreiche Lösungen für eine interne, gut geschützte Infrastruktur. Welche Haltung soll die Schule technologischen Neuheiten gegenüber einnehmen? Informationstechnologien machen erst einmal Spass, daher können sie auch zu einem guten, glücklichen Leben, wie es die alten Philosophen lehrten, gehören. Die Schule darf aber nicht von neuen Technologien gesteuert und bestimmt werden, sondern muss diese weiterhin gezielt als Tools einsetzen. 17

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Akzente: Bringt die Zukunft überhaupt noch Neuheiten im Bereich der digitalen Medien? Bendel: Auf jeden Fall. Wir werden uns später wundern, dass wir vor klobigen Notebooks sassen und Smartphones benutzten. Diese Geräte sind nur Übergangslösungen, früher oder später werden digitale Medien in natürliche Situationen übergehen. Für die Zukunft gibt es zwei klare Trends: Virtuelle Agenten und Augmented Reality. Wir werden in Welten leben, in denen wir uns mit weiblich oder männlich aussehenden Projektionen im Raum unterhalten und uns über eingeblendete Ebenen permanent mit Zusatzinformationen zur Aussenwelt versorgen.


Googeln will gelernt sein Primarschul-Studentin Katherine Waldvogel von der PH Zürich greift das Thema Internetsuche in ihrem Quartalspraktikum auf – und macht dabei eine unerwartete Erfahrung: Was wir Erwachsenen für selbstverständlich halten, ist für eine 3. Primarklasse kein Kinderspiel. Eindrücke einer Schulstunde im World Wide Web.

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Text: Isabel Plana, Fotos: Niklaus Spoerri

«Wir werden heute mit dem Computer arbeiten», kündigt Katherine Waldvogel an. Ein freudiges Raunen geht durch die Pultreihen. Unterricht am Rechner ist für die 3. Klasse des Schulhauses Dorf in Dübendorf nicht an der Tagesordnung. «Bevor wir die Laptops holen, wollen wir aber erst die Aufgabe dieser Stunde besprechen», bremst Waldvogel die Vorfreude und lässt jedes Kind blind einen Zettel aus ihrer Hand ziehen. Darauf stehen die Namen verschiedener Brücken – Brooklyn Bridge, Kappelbrücke oder Ponte dei Salti etwa. «Über eure Brücke werdet ihr später einen Text schreiben», erklärt die junge Lehrerin, «und in dieser Stunde sucht ihr im Internet die Informationen, die ihr dazu benötigt.» – «Sie, Brücken sind langweilig», murrt ein Schüler, «können wir nicht ein anderes Thema nehmen?» An den Brücken gibt es nichts zu rütteln. Die Klassenlehrerin Käthi Rauber nimmt an einem Programm teil, mit dem die Naturwissenschafts-Kenntnisse in der Primarschule gefördert werden sollen. Darin eingebettet ist ein Unterrichtsblock mit Experimenten zum Ingenieurwesen am Beispiel Brücken. Das Thema war Katherine Waldvogel und ihrer Mitstudentin Stephanie Gygax für das gemeinsame Quartalspraktikum (siehe Box am Ende des Artikels) daher vorgegeben. Freigestellt war den beiden Studentinnen hingegen, wie sie es mit der Klasse erarbeiten würden.

binden. «Ich wollte Schule mal anders machen», sagt sie. Die Kinder ausschliesslich in Sachbüchern und Nachschlagewerken recherchieren zu lassen, sei heutzutage nicht mehr zeitgemäss. «Die PH Zürich legt grossen Wert auf Medienbildung und ermutigt uns Studierende, Medien im Unterricht vermehrt zu thematisieren und als Hilfsmittel einzusetzen», erzählt die Studentin. Das sei auch richtig so, schliesslich seien Medien, insbesondere die digitalen, nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Umso mehr erstaunt es, dass die Primarschule trotz digitaler Wende weitgehend analog funktioniert. Sie habe sich die meisten Computeranwendungen noch selber beibringen müssen, erinnert sich die 22-Jährige. «Zu meiner Schulzeit hatten wir erstmals im Gymnasium Informatikunterricht.» Daran hat sich bis heute nur wenig geändert, weiss die Studentin. «Was wir an der PH Zürich bezüglich Medienbildung lernen, ist in der Praxis noch immer nicht sehr verbreitet.» Die Digitalisierung hält nur schleichend Einzug im Klassenzimmer. Es sind die jungen Lehrpersonen wie Katherine Waldvogel, die Generation der Digital Natives, die diese Entwicklung langsam, aber sicher vorantreiben. «Ich finde es wichtig, den Schülerinnen und Schülern zu zeigen, dass das Internet ein sehr hilfreiches Werkzeug sein kann, wenn man es richtig zu benutzen weiss.» Das wissen allerdings die wenigsten. Zwar scheinen die Dübendorfer 3.-Klässlerinnen und 3.-Klässler im Umgang mit dem Rechner schon geübt zu sein – Computerprogramme wie die Lesewerkstatt haben sie bei Käthi Rauber mehrfach benutzt –, sich im World Wide Web zurechtzufinden ist für sie jedoch eine neue Herausforderung.

Suchbegriffe sind der Schlüssel Bei Praktikantin Waldvogel hat die Klasse in der Woche zuvor zum ersten Mal mit dem Internet gearbeitet. «Wir haben uns angeschaut, was eine Internetrecherche überhaupt ist. Also wie sie funktioniert, welche Suchmaschinen es gibt und welche Rolle Suchbegriffe spielen», erzählt die angehende Lehrerin. Das sei nicht so einfach gewesen, wie sie es sich vorgestellt hätte. «Die Kinder tun sich ziemlich schwer mit den theoretischen Aspekten. Sie haben Mühe, Ausdrücke wie ‹Suchbegriff› zu fassen und Beispiele dafür zu finden.» Damit dies in dieser Stunde besser klappt, schreibt Waldvogel Suchwörter als Orientierungshilfe für die bevorstehende Brücken-Recherche an die Wandtafel: Standort, Länge, Baujahr, Material, Nutzung usw. Auf einem Arbeitsblatt hat sie entsprechende Leitfragen zusammengestellt. Unterdessen haben sich die Schülerinnen und Schüler Laptops aus dem Lehrerzimmer geholt. Nach Analoge Schule im digitalen Zeitalter den letzten Instruktionen von Frau Waldvogel – «Wer auf Katherine Waldvogel entschied sich, im Deutschunter- YouTube surft oder auf einer anderen Seite, die nichts mit richt das Thema Brücken mit einer Internetsuche zu ver- unseren Thema zu tun hat, geht raus!» – kann es losgehen.

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Anspruchsvolle Aufgabe: Die Kinder sollen im Internet Informationen über bestimmte Brücken sammeln.

Katherine Waldvogel steht mit Rat zur Seite: «Mit 20 Kindern am Computer zu arbeiten, ist anstrengend.»


Nicht alle Kinder haben gleich viel Übung. Katherine Waldvogel: «Man merkt, wer zuhause einen Computer hat.»

Unterwegs in den Unterricht. Die Laptops holen die Schülerinnen und Schüler aus dem Lehrerzimmer der Schule.


Immer wieder schnellen im Unterricht Hände in die Höhe. Viele Schülerinnen und Schüler sind mit dem Computer geübt, sich im Internet zurechtzufinden ist jedoch eine neue Herausforderung.


Schwer pu nkt Medienbildu ng

In null Komma nichts fährt Sergio* seinen Computer hoch, loggt sich ein, startet den Browser und lässt sich von Google die ersten Suchresultate zur Henderson Wave Bridge anzeigen. «Ich bin jeden Tag am Compi», erklärt er stolz und wählt die Bildersuche aus. «Wow», er stupst seinen Banknachbarn an, «schau mal, wie cool meine Brücke aussieht!» Dann klickt er auf «Maps», wirft einen kurzen Blick auf die Karte und notiert auf dem Arbeitsblatt bei der Frage nach dem Standort: Singapur. Das World Wide Web macht, was es will Nicht alle sind so schnell wie Sergio. «Man merkt natürlich, wer zuhause Zugang zu einem Computer hat», sagt Katherine Waldvogel und hilft einer Schülerin, die Probleme beim Einloggen hat. Auch bei anderen drückt der Schuh. «Frau Waldvogel, wo steht denn hier, wie lange meine Brücke ist?» – «Sie, was heisst das?» – «Wieso lande ich immer auf diesen blöden Hotelseiten?» – «Ich habe zwei verschiedene Baujahre gefunden. Welches ist denn jetzt das richtige?» Fragen über Fragen. Immer wieder schnellen die Hände in die Höhe, und hilfesuchende Blicke sind auf Katherine Waldvogel gerichtet. Zum Glück sind auch Stephanie Gygax und Käthi Rauber mit Rat und Tat zur Stelle. «Mit einer 20-köpfigen Klasse am Computer zu arbeiten, ist ganz schön anstrengend», sagt Waldvogel, «aber der Aufwand lohnt sich.» Den Schülerinnen und Schülern macht es sichtlich Spass, den Wissensschatz des World Wide Web zu entdecken. Natürlich ist sich die angehende Lehrerin auch der Schattenseiten des Internets bewusst. «Umso wichtiger ist es deshalb, die Kinder im Unterricht eng zu begleiten und ihnen frühzeitig den kritischen Umgang mit diesem Medium beizubringen.»

Das Quartalspraktikum Im Rahmen ihrer Ausbildung absolvieren Studierende an der PH Zürich ein so genanntes Quartalspraktikum mit dem Ziel, die Anforderungen der Berufsrealität kennen zu lernen. Es findet jeweils im vierten (Kindergarten, Kindergarten-Unterstufe, Primarstufe) bzw. im sechsten (Sekundarstufe I) Semester statt und dauert sieben Wochen. Das Praktikum ist in zwei Lernphasen unterteilt: in eine vierwöchige vor den Frühlingsferien und eine dreiwöchige nach den Ferien. In der Regel übernehmen jeweils zwei Studierende gemäss ihrem Fächerprofil während dieser Zeit den gesamten Unterricht auf ihrer Zielstufe. Vorgängig bereiten sich die Studierenden vier Wochen lang spezifisch in den entsprechenden Unterrichtsfächern sowie in Medienbildung, Kommunikation und Konfliktbewältigung vor.

ganz weit oben erschien. Die Überschrift «Paul Whiteman and Orchestra» weckt in ihm keinen Verdacht. Und dass im Text von «CDRelease», «Jazz» und einem gewissen Fletcher Henderson die Rede ist, fällt ihm auch nicht weiter auf. Katherine Waldvogel schmunzelt. Für Kinder sei die Informationsflut eben nicht so einfach zu bewältigen. «Wir Erwachsenen können einen Text schnell überfliegen, selektiv lesen und wichtige Wörter herausfiltern. Diese Fähigkeit haben Kinder in der 3. Klasse noch nicht.» Auch dass sich hinter blauen oder anderswie ausgezeichneten Wörtern Schlüsselbegriffe und weiterführende Links verbergen, sei für die Kleinen nicht so intuitiv, wie wir Erwachsenen glaubten. «Wenn die Schülerinnen und Schüler auf einer Seite wie Wikipedia landen, müssten sie den Artikel von A bis Z durchlesen, um den Inhalt zu erfassen. Das ist mühsam und kostet viel Zeit.» Empfehlenswert sei deshalb der Einsatz von Kindersuchmaschinen. Diese speziell an die Bedürfnisse der kleinen Nutzer angepassten Programme schützen nicht nur vor unseriösen und kommerziellen Seiten, sie suchen das Netz auch nach kindergerecht aufbereiteten Beiträgen ab. Mithilfe der Website Blindekuh.de stösst eine Schülerin beispielsweise auf einen Steckbrief ihrer Brücke, der einfach geschrieben ist und ihr auf einen Blick die wichtigen Informationen vermittelt. Ein Glückstreffer.

Fazit: Schwierig! Nicht über jede Brücke lässt sich so einfach so viel in Erfahrung bringen. Auf manchen Arbeitsblättern stehen denn auch nur ein paar wenige Antworten, als Katherine Waldvogel die Klasse auffordert, die Übung abzuschliesDie Studentinnen sen und die Laptops herunterzufahren. «Es und Studenten werden während des geht mir nicht darum, dass die Schülerinnen Praktikums intenNamensvetter und andere Fallen und Schüler alle Informationen perfekt zusiv betreut und Dass nicht alle Inhalte, die eine Google-Suche unterstützt durch sammentragen. Sie sollen einfach ausprobieausspuckt, auch brauchbar sind, ist vielen Mentorinnen und ren und sich mit der Internetsuche vertraut Schülerinnen und Schülern noch nicht be- Mentoren und Fach- machen», sagt die Studentin, während sie die didaktikerinnen wusst. «13 Kilometer? Schau dir mal die Bil- und Fachdidaktiker Blätter einsammelt. «Und, wie war es für der an. Bist du dir sicher, dass deine Brücke so der PH Zürich sowie euch?», will sie von der Klasse zum Abschluss lang ist?», fragt Katherine Waldvogel eine durch die Lehrper- der Stunde wissen. «Schwierig!», folgt einhelsonen der SchulSchülerin. «Das steht hier», verteidigt die sich. klasse, in der lig die Antwort. Es ist eben noch kein Digital Derweil notiert Sergio beim Baujahr seiner die Studierenden Native vom Himmel gefallen – auch googeln futuristischen Henderson Wave Bridge unbe- unterrichten will gelernt sein. (Praxislehrpersoirrt «1929». Schliesslich hat er diese Zahl auf nen). * Name geändert der Seite gefunden, die bei seiner Suchanfrage

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ADEFA 2014/15 Lehrgang für Kursleitende Deutsch als Zweitsprache SVEB Modul 1 Durchführung von DaZ-Lehrveranstaltungen mit Erwachsenen 23. Oktober 2014 bis 11. Juni 2015, Donnerstag, 13:15 – 17:45 27 Nachmittage und 2 Samstage (120 Lektionen Netto – Präsenzzeit plus ca. 150 h Selbststudium und Abschlussarbeit) Inhalte Sprachdidaktik / Erwachsenenbildung / Migration Ziele

Die Teilnehmenden können DaZ – Lehrveranstaltungen auf der Basis eines handlungsorientierten Lernverständnisses vorbereiten, durchführen und auswerten. Berufsbegleitend erweitern und vertiefen sie ihr Fachwissen sowie ihre interkulturelle Kompetenz.

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www.ecap.ch AKZENTE 2/2014

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Studierendenporträt

«Als Lehrerin bin ich mitten im Leben, nah bei meinen Schülerinnen und Schülern und ihren Familien. Ich teile ganz unmittelbar Freude und Begeisterung, aber auch Probleme und Schwierigkeiten. Das gefällt mir», sagt Sabrina Eberhart. Sie begann im Herbst 2011 als Quereinsteigerin an der PH Zürich. Damals waren der Lehrpersonenmangel und die entsprechenden Gegenmassnahmen ein viel beachtetes Thema. Der QuereinstiegStudiengang der PH Zürich war für Sabrina Eberhart eine gute Option. Denn genau zu dieser Zeit suchte sie eine berufliche Neuorientierung. Sie meldete sich für einen Studienplatz für die Primarstufe an und bestand das Auswahlverfahren. Ursprünglich studierte die 33-Jährige Landschaftsarchitektur,

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davon ist sie auch heute noch begeistert. Das Studium sei sehr vielfältig gewesen: «Es verband Natur, Technik und Gestaltung.» Als sie nach ein paar Jahren eine Familie gründete, musste sie feststellen, dass es nicht einfach war, als Landschaftsarchitektin Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Im Lehrberuf hingegen ist Teilzeitarbeit weit verbreitet, und für Sabrina Eberhart war dies eine wichtige Voraussetzung, sie wollte Zeit mit ihren zwei kleinen Söhnen verbringen.

Das Zweitstudium fordert sie in vielerlei Hinsicht, insbesondere auch finanziell: «Uns kommt entgegen, dass wir einen sehr einfachen Lebensstil führen, kein Auto und keine teure Wohnung haben.» Im zweiten Studienjahr

verbesserte sich die finanzielle Situation etwas, als sie 40 Prozent als Lehrerin arbeitete. Studium, Familie und Arbeit zeitlich aneinander vorbeizubringen und das über drei Jahre hinweg, ist eine Herausforderung: «Ich komme hin und wieder an meine Grenzen», sagt sie, «mein Leben gleicht im Moment einem komplizierten Räderwerk.» Sobald das kleinste Rad nicht mehr funktioniere, gehe alles drunter und drüber. Ohne die Unterstützung ihres Lebenspartners, ihrer Eltern, der Stellenpartnerin und der Schulleitung wäre sie nie so weit gekommen. Ende Juni schliesst sie das Studium ab. Sie freut sich auf ihren Beruf und darauf, auch wieder mehr zuhause und bei ihrer Familie zu sein. – Vera Honegger

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Foto: Nelly Rodriguez

Studierendenseite

Sabrina Eberhart, 33, studiert Primarlehrerin im Quereinstieg an der PH Zürich.


Die Bachelorarbeit

Ausstudiert – die Studierendenkolumne

Mathematik im Kindergarten? Ja unbedingt – davon

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Die Extrarunde des Busfahrers Letzthin sass ich im Bus und bekam mit, wie eine Frau sich beim Chauffeur beschwerte. Wobei «beschweren» wohl der falsche Ausdruck dafür ist. Sie hat den Busfahrer so richtig zusammengeschissen. Weil es doch nicht anginge, dass ein Bus zu früh abfahre und der nächste dann ausfalle. Wir seien hier doch gopfertelli nicht in Afrika. Sie sei ja kein Bünzli, aber was zu weit geht ... und überhaupt, diese ZVV sei doch eine Ansammlung von Schlufis. Beamte halt. Jahrelang habe sie nun ein Abonnement und das sei dann nicht gerade billig, gälletsi. Aber damit subventioniere man auch wieder nur die vom Amt. Die Bürogummis. Die Sesselfurzer. Keinen Finger krümmen und dann mit dem grossen Portmonee in die Karibik fliegen. Säb dänn scho, wowoll. Wie damals, als sie am Automaten ein Ticket kaufen wollte und dieser nütige Kasten ihr Nötli nicht gefressen hat. Nur Münz wollte der, auch noch wählerisch sein, die Öffentlichen, jaja. Und da wundern sich die Grünen noch, warum alle ein Auto haben, aber von denen in Bern oben fange sie besser gar nicht erst an. Der Busfahrer nickte der Frau kurz zu und fuhr los. Ich war baff. So eine heldenhaft gleichmütige und entwaffnende Reaktion hätte ich nicht erwartet. Ich stellte mir vor, wie der Chauffeur am Abend ins Depot fuhr, in die nächste Beiz ging und eine Runde bezahlte – in Gedanken schon in der Karibik.

Marcel Flütsch, Student auf der Sekundarstufe I.

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Studierendenseite

wollten aufzeigen, dass mit einer offenen Aufgabe zu einem mathewaren die Kindergartenlehrermatischen Inhalt mit einem gemeininnen Pia Bechtiger und Dominique samen Thema wie beispielsweise Ebnöther damals überzeugt, als sie «Jahreszeiten» genau das erreicht ihre Bachelorarbeit mit dem Titel werden kann. Eine offene Aufgabe «Lernumgebungen für den Mathegibt den Kindern die Möglichkeit, matikunterricht im Kindergarten – diese auf unterschiedliche Art und Natürliche Differenzierung für eine Weise und mit verschiedenen Strateheterogene Klasse» in Angriff gien zu lösen. «Solche Aufgaben in nahmen. Form von Lernumgebungen, die auf «Dabei half uns unser persönliches den Grundlagen der KindergartenInteresse am Fachbereich Mathema- didaktik und den daraus resultierentik. Wir arbeiten beide seit unserer den Prinzipien aufgebaut sind, Schulzeit gerne in diesem Fach und aktivieren die Kinder und bringen sind von der Mathematik fasziniert», eine Vielfalt an Produkten hervor, erläutern Bechtiger und Ebnöther. hinter denen ein nachhaltiger Die Arbeit haben sie als Team verLernprozess steht», fassen Ebnöther fasst, im Sinne eines ko-konstruktiund Bechtiger eines der wichtigen vistischen Lehr-Lernverständnisses. Ergebnisse aus ihrer Bachelorarbeit Dies brachte ihnen viele Vorteile: zusammen. Kinder sind sehr aktiv, Sie konnten Erfahrungen in der wenn sie den gemeinsamen LernTeamarbeit sammeln und bei der gegenstand selbständig entdecken Weiterentwicklung von Ideen und erfahren. Diese Lernform und Herangehensweisen von ihren wird einer weiteren Grundlage verschiedenen Blickwinkeln der Kindergartendidaktik gerecht, profitieren. nämlich dem Lernen mit allen Sinnen. «Die unterschiedliche AufDas Ergebnis ihrer gabenstellung in Verbindung mit Arbeit sollte möglichst nah an einem gemeinsamen Gegenstand der Praxis und an den Bedürfnissen hat sich in unserer Bachelorarbeit der Kinder sein. Dafür mussten sie als Erfolgsrezept erwiesen», sagen jedoch Gelegenheit erhalten, ihre die beiden Autorinnen. entwickelten Lernumgebungen zu Die Bachelorarbeit erproben. Diese Möglichkeit ergab umfasst den praktischen Teil – sich mit dem sogenannten verfrühein Handbuch mit zehn erprobten ten Praxiseinstieg. So konnten sie Lernumgebungen im Kindergarten ihre Lernumgebungen während – sowie den theoretischen Teil in eines ganzen Jahres in zwei Klassen Form eines Begleitkommentars, in erproben. Ihr Ziel war es, Lernumdem Grundlagen erläutert und gebungen zu gestalten, die Kinder die Resultate diskutiert werden. Pia in ihren verschieden entwickelten Bechtiger und Dominique Ebnöther mathematischen Kompetenzen absolvierten ihr Studium am Institut entsprechend fördern können. Ein Unterstrass, einem eigenständigen weiteres Anliegen war es, dass die Institut an der PH Zürich. Kinder trotz unterschiedlicher Auf– Vera Honegger gabenstellungen an einem gemeinsamen Lerngegenstand arbeiten und Die Bachelorarbeit von Pia Bechtiger die Klasse nicht in Leistungsgruppen und Dominique Ebnöther ist online zerfällt. Ebnöther und Bechtiger publiziert:blog.phzh.ch/akzente


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Good Practice macht Schule Gute Schulpraxis kann ansteckend sein. Unter diesem Motto macht die Fachstelle für Schulbeurteilung auf besonders gelungene Beispiele im Kanton Zürich aufmerksam. Im Rahmen einer neuen Themenreihe der PH Zürich stellen einige der ausgewählten Schulen ihr Modell vor.

vorgestellt, anschliessend führt eine Fachperson der PH Zürich mit den Verantwortlichen ein Interview. Danach steht Zeit für Fragen zur Verfügung. Eine Veranstaltung dauert jeweils zwei Stunden. Es ist möglich, sich für sämtliche oder für einzelne Abende anzumelden. Positive Auswirkung auf Leistungen Eine der teilnehmenden Good-Practice-Schulen ist die Primarschule Aesch. Sie stellt am zweiten Abend ihr Beispiel zu «Schülerzentriertem Unterricht» vor. An der Schule Aesch wird der Unterricht konsequent auf Lernziele ausgerichtet. Die Lehrpersonen unterstützen dabei

Wollen sich Schulen in einem bestimmten Bereich spezialisieren oder einen Schwerpunkt in ihrem Schulprogramm setzen, ist dies für die Beteiligten mit grossem Aufwand, aber auch mit vielen wertvollen Erkenntnissen verbunden. Um diese Erfahrungen anderen zugänglich zu machen, stellt die Fachstelle für Schulbeurteilung des Kantons Zürich auf ihrer Website unter dem Titel «Good Practice» ausgewählte und für andere Schulen interessante Ansätze vor. «Im Rahmen unserer Evaluationen treffen wir immer wieder gute Praxisbeispiele an. Wollen Schulteams ihre Schule weiterentwickeln, sollen sie das Rad nicht jedes Mal neu erfinden müssen», sagt Edith Portenier, Projektleiterin «Good Practice» der Fachstelle für Schulbeurteilung. «Die Aufnahme in die Liste der Good-Practice-Beispiele ist für die Schulen auch ein Zeichen der Wertschätzung.» Mit wenig Aufwand Fragen klären Mit der neuen Themenreihe «Ansteckungsgefahr! Good Practice von Zürcher Schulen» möchte die PH Zürich die Beispiele möglichst allen Interessierten zugänglich machen. An insgesamt sieben Abenden stellen Good-Practice-Schulen ihre Praxisansätze vor. «Wir stellen mit der Themenreihe eine Plattform zur Verfügung, um niederschwellig Erfahrungen auszutauschen», sagt Denise Da Rin, Bereichsleiterin «Unterricht und Lernen» an der PH Zürich. Arbeitet beispielsweise eine Schulleitung an einem Programm zum Thema individualisierter Unterricht, kann sie in der entsprechenden Veranstaltung Unklarheiten thematisieren oder mögliche Stolpersteine und Lösungsansätze besprechen. Start der Themenreihe ist im Oktober. Die Schulen werden jeweils einleitend AKZENTE 2/2014

Die Schule Aesch hat ihren Unterricht konsequent auf Lernziele ausgerichtet.

die Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen Instrumenten, wie beispielsweise Merkheften oder individuellen Projektarbeiten in altersdurchmischten Gruppen. «Wir erarbeiten mit den Kindern individuelle Lernziele, welche immer wieder angepasst werden», sagt die stellvertretende Schulleiterin Eveline Balmer. «Unsere Erfahrungen sind sehr gut. Das Projekt wirkt sich positiv auf die Leistungen der Schülerinnen und Schüler aus.» Dass sie als Good-Practice-Schule ausgezeichnet wurden, hat sämtliche Beteiligten gefreut. «Es war schön, für unsere Arbeit eine Bestätigung zu erhalten.» Zu ihrer Teilnahme an der Themenreihe sagt Eveline Balmer: «Wir sind von unserem Projekt überzeugt und geben unsere Erkenntnisse gerne weiter.» Das Format der Veranstaltung erachtet sie als eine gute Möglichkeit dazu. «Der Rahmen ist klar definiert. Folglich hält sich auch der zeitliche Aufwand in Grenzen.» Anmeldung: phzh.ch/weiterbildung/kurse/themenreihe Fragen zur Themenreihe: susanne.leibundgut@phzh.ch Weitere Informationen: fsb.zh.ch > Good Practice

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PH Zürich – Weiterbildu ng

Text: Christoph Hotz, Foto: Eveline Balmer


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Praxislehrpersonen vermitteln zwischen Praxis und Theorie Praxislehrpersonen begleiten und unterstützen Studierende der PH Zürich in der berufspraktischen Ausbildung. Die Aufgabe, Wissen und Können zu verbinden, ist vielseitig und anspruchsvoll. Text: Kathrin Futter

Praxislehrpersonen sind matchentscheidend In der Ausbildung von Lehrpersonen wird dem Praktikum eine Schlüsselrolle zugeschrieben und die berufspraktische Ausbildung als Kernbereich der Lehrerinnenund Lehrerbildung verstanden. Bruno Kaufmann, viele Jahre selbst Sekundar-Praxislehrer und heute Bereichsleiter der Berufspraktischen Ausbildung Sekundarstufe I an der PH Zürich, sagt, dass dabei die Praxislehrpersonen absolut «matchentscheidend» seien. Je besser die Studierenden begleitet werden, desto eher gelingen der Kompetenzaufbau und die zentrale Verknüpfung von Theorie und Praxis. Praxislehrpersonen werden aufgrund eines Bewerbungsverfahrens sorgfältig ausgesucht. Sobald sie ihre Tätigkeit aufgenommen haben, besuchen sie an der PH Zürich ein zweieinhalbtägiges Einführungsmodul. Aufgrund der hohen Studierendenzahlen besteht zurzeit ein grosser Bedarf an Praxislehrpersonen. Es ist jedoch nicht ganz einfach, ausreichend erfahrene und versierte Lehrpersonen zu finden, die bereit sind, Studierende während mehrerer Wochen zu begleiten und zu betreuen. Dies, obwohl die Aufgabe einige Vorteile mit sich bringt, wie Regula Franz, Co-Bereichsleiterin der Berufspraktischen Ausbildung Primarstufe an der PH Zürich, sagt: «Es ist möglich, stufenspezifische Weiterbildungen zu besuchen, während die Studierenden an der eigenen Klasse unterrichten. So erhalten die Praxislehrpersonen neue didaktische Impulse.» Auch der Austausch mit anderen AKZENTE 2 /2014

Praxislehrpersonen und PHZH-Dozierenden an den Weiterbildungstagen ist anregend. Zudem stellt der intensive Dialog mit den Studierenden während der Praktika mit den entsprechenden Vor- und Nachbesprechungen des Unterrichts oft eine Bereicherung dar. Verschiedene Formen von Berufspraktika In der Schweiz hat die berufspraktische Ausbildung eine lange Tradition. Die Vorgaben der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) für die Anerkennung von Hochschuldiplomen verlangen, dass für Lehrkräfte der Sekundarstufe I mindestens 15 Prozent der gesamten Ausbildungszeit für die berufspraktische Ausbildung aufgewendet werden sollen, für die Primar- und Eingangsstufe sind es mindestens 20 Prozent. Als berufspraktische Studien gelten sowohl einzelne Unterrichtsbesuche als auch Tages- oder Wochenpraktika. An der PH Zürich werden beide Formen angeboten. Tagespraktika finden während des 1. Studienjahres in knapp zwei Dutzend Kooperationsschulen mit über 100 Schulhäusern statt, in welchen gut 350 Praxislehrpersonen aller Stufen die rund 600 Studierenden der PH Zürich betreuen. Das erste mehrwöchige Praktikum findet nach dem ersten Semester statt und wird als Zweierpraktikum an einer Kooperationsschule absolviert, wobei die Kooperationsschulleitenden wichtige Bindeglieder zwischen der PH Zürich und den Praxislehrpersonen sind. Ab dem zweiten Studienjahr werden die Praktika in der jeweilig gewählten Stufe (Kindergarten, Primar- oder Sekundarstufe) absolviert, und die konkrete Ausgestaltung der Wochenpraktika ist je nach Stufe verschieden, damit die stufenspezifischen Lernprozesse der Studierenden bestmöglich unterstützt werden können. Kathrin Futter ist Dozentin und Leiterin Stabsstelle Konzeption und Koordination Berufspraktische Ausbildung an der PH Zürich. Weitere Informationen: phzh.ch/berufspraxis

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PH Zürich – Ausbildu ng

Lernprozesse von Studierenden werden sowohl an den Pädagogischen Hochschulen als auch in Praktika an Schulen initiiert. Dabei müssen Studierende ihr erworbenes theoretisches Wissen mit ihren praktischen Lernerfahrungen in Einklang bringen, was sowohl für die Studierenden als auch für die Praxislehrpersonen keine einfache Aufgabe ist. Praxislehrpersonen betreuen und unterstützen Studierende in den Praktika, beurteilen aber auch ihren Kompetenzzuwachs als Lehrpersonen.


«Bloggen im Praktikum» – Vernetzung an der PH Zürich Anwendungsorientierte Forschung verlangt die Mitwirkung von Praxis und Forschung. Beide können voneinander lernen. Wie dies funktionieren kann, zeigt ein Forschungsprojekt, das die Möglichkeiten des Bloggens während der berufspraktischen Ausbildung untersucht.

PH Zürich – Forschu ng

Text: Thomas Hermann, Alexandra Totter, Simon Baumgartner Foto: Reto Klink

Eine Anfrage zur Kooperation in einem Forschungsprojekt ist immer mit offenen Fragen behaftet: Kommt die Zusammenarbeit zustande? Lassen sich Drittmittel einwerben? Kurz, es braucht Interesse und Goodwill von verschiedenen Seiten und ein Quäntchen Glück obendrauf. Von der Projektidee über die Formulierung eines Antrags an den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) bis zu dessen allfälliger Bewilligung dauert es im besten Fall ein Jahr. So war das auch beim hier vorgestellten Projekt. Auf Initiative der PH Schwyz wurde 2012 gemeinsam mit der PH Zürich und dem Institut für Medizinische Lehre (IML) der Universität Bern entschieden, ein Projekt beim SNF einzureichen, welches das Potenzial des Bloggens während der Praktika angehender Lehrpersonen und Ärztinnen und Ärzte untersucht. Beide Berufsgruppen durchlaufen während ihres Studiums Praktika in Schulen bzw. Spitälern. Dabei sind die Studierenden örtlich verstreut, was eine andere Art der Betreuung nötig macht. Zudem sind sie einer Vielzahl von Belastungen ausgesetzt. Um herauszufinden, wie Studierende damit umgehen, wird in jüngerer Zeit das Potenzial des tagebuchartigen Schreibens in Weblogs weltweit erforscht. Allerdings sind grössere hochschulübergreifende Studien oder solche, die einen längeren Zeitraum mit 30

einbeziehen, bisher kaum bekannt. Hier will das vorgestellte Projekt neue Erkenntnisse liefern. Bloggen als Stressbewältigung bei Studierenden Da bei Einreichung des Gesuchs beim SNF nur bedingt mit der Bewilligung gerechnet werden kann, hat die PH Zürich entschieden, die Zeit bis zum Entscheid des SNF nicht ungenutzt verstreichen zu lassen und Vorarbeiten in ein internes Projekt fliessen zu lassen. Das Ziel ist, Studierende während ihres Studiums in mehreren Praktika bloggen zu lassen und so verschiedene Möglichkeiten dieser Kommunikationsform zu testen: als Austauschplattform für Lektionspräparationen, als E-Portfolio zur Dokumentation der eigenen Praxis oder als Möglichkeit, um Ärger abzulassen oder Freude auszudrücken. Ausserdem soll festgestellt werden, ob kontinuierliches Bloggen die Schreibpraxis der Studierenden verändert. Damit teilt sich das Projekt an der PH Zürich in zwei Teilprojekte auf: dem PH-internen und dem vom SNF finanzierten Projekt mit der PH Schwyz, die als federführende Institution wirkt, und der Uni Bern. Beim SNF-Teilprojekt sind die Vorgaben für die Teilnehmenden aller Partnerhochschulen gleich – es geht um den Einsatz des Bloggens zur Stressbewältigung während eines Praktikumseinsatzes. Im PH-internen Projekt kann dagegen mit den Mentorinnen und Mentoren ausgehandelt werden, welche Funktionen der Praktikumsblog erfüllen soll – z.B. Fernbetreuung, Peerfeedback, Selbstreflexion, Tagebuch. Die Aufgabenstellungen sollen in einem direkten Bezug zu den Anforderungen des Praktikums stehen. Das Digital Learning Center ( DLC ) der PH Zürich sorgt dafür, dass das «Blogging-Tool» rasch und unkompliziert bedient werden kann. Das DLC selbst ist interessiert an den Resultaten der Studie, um seine

Erste Resultate zeigen: Studierende schätzen es, wenn sie auf Blogeinträge Rückmeldungen erhalten.

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Aus Erkenntnissen neue Angebote entwickelt Inzwischen liegen erste Resultate vor. 45 Studierende haben unter Anleitung ihrer Mentoren während ihres ersten dreiwöchigen Praktikums gebloggt. Die Studierenden aller Gruppen haben Verlaufsplanungen auf dem Blog veröffentlicht, zu dem ihre Mitstudierenden aus der Gruppe sowie der Mentor Zugang hatten. Eine anschliessende Befragung ergab, dass Studierende es schätzen, wenn sie im Blog entweder vom Mentor oder von den Peers Rückmeldungen zu ihren Beiträgen erhalten. Eher zurückhaltend sind die Studierenden, wenn sie selber

Fernbetreuung, Peerfeedback oder Selbstreflexion: der Praktikumsblog bietet vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Kommentare schreiben sollen. Technisch bekunden sie keine Schwierigkeiten, kritisch beurteilen sie dagegen die Häufigkeit des Bloggens: Tägliches Bloggen ist mit zu viel Aufwand verbunden. Gut genutzt wird die Möglichkeit, «Lust und Frust» zu platzieren. Ein interessanter Befund ergab sich aus der inhaltlichen Analyse der Blogbeiträge: Geht es um die schriftliche Reflexion von Lektionen, deuten die Texte darauf hin, dass Reflexion vorwiegend als beschreibender und nur sehr bedingt als analytischer Prozess verstanden wird. Dieses Ergebnis löste eine fruchtbare Diskussion zwischen allen Beteiligten aus und führte unter anderem dazu, dass in Zusammenarbeit mit dem Schreibzentrum der PH Zürich kurzfristig Angebote zum «reflexiven Schreiben» entwickelt wurden. Forschung wird so als ein offener Prozess praktiziert, an dem alle Seiten teilhaben und ihre spezifischen Kompetenzen einbringen. Dadurch können Ergebnisse breit abgestützt und umgesetzt werden. Das erfordert Zeit, gegenseitiges Interesse und Vertrauen. Das Projekt «Bloggen im Praktikum» dauert noch bis Mitte 2015. Thomas Hermann und Alexandra Totter sind Dozierende in der Abteilung Forschung und Entwicklung an der PH Zürich; Simon Baumgartner ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Digital Learning Center an der PH Zürich. Weitere Informationen zu den Projekt-Teilnehmenden: blog.phzh.ch/akzente

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«Guter Unterricht passt sich dem Lernstand der Kinder an»

Peter Sieber, Dozent im Fachbereich Deutsch und DaZ an der PH Zürich. PHZH: Seit letztem Herbst läuft an der PH Zürich der erste Master-Studiengang «Fachdidaktik Schulsprache Deutsch». Was waren die Gründe für die Entwicklung dieses Studiengangs? Sieber: Das fachdidaktische Wissen hat heute einen hohen Stellenwert. Die Gestaltung eines Deutschunterrichts, der die Sprachkompetenzen aller Kinder fördert, ist eine grosse Herausforderung. Um diese Anforderungen zu erfüllen, brauchen Lehrpersonen und Dozierende an Pädagogischen Hochschulen eine gute Ausbildung. PHZH: Was macht einen guten fachdidaktischen Deutschunterricht aus? Sieber: Ein guter Unterricht ist angepasst an den Lernstand der Schülerinnen und Schüler. PHZH: Was heisst das konkret? Sieber: Es macht z.B. keinen Sinn, sich mit Satzkonstruktionen auseinanderzusetzen, wenn grundsätzliche Wortschatzdefizite bestehen. Wichtig ist zudem, wie das Wissen vermittelt wird. Darüber weiss man heute aufgrund verschiedener Forschungen sehr viel mehr als noch vor einigen Jahren. PHZH: Wen sprechen Sie mit dem Studiengang an? Sieber: Wir möchten Personen erreichen mit einem Interesse an der Schulsprache Deutsch, insbesondere auch Lehrpersonen. PHZH: Wie profitieren Absolventinnen und Absolventen von der Ausbildung? Sieber: Der Studiengang ist primär eine Massnahme zur Förderung des Nachwuchses an Pädagogischen Hochschulen (PH). Das Hauptberufsfeld ist dementsprechend der fachdidaktische Unterricht und die Forschung an PHs. PHZH: Wie gelangt das Wissen in die Schule? Sieber: Die Absolventinnen und Absolventen transferieren das Wissen über die Studierenden und die Lehrpersonen in Weiterbildungen in die Volksschule. Das Hauptaugenmerk der Fachdidaktik liegt auf dem Unterricht in der Schule. Primäres Ziel ist, dass die Kinder profitieren. Weitere Infos und ausführliches Interview: blog.phzh.ch/akzente

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PH Zürich – Sek II / Ber ufsbildu ng

mediendidaktische Beratung datenbasiert und kundengerecht weiterentwickeln zu können.


Eine Lehrerin als Verkäuferin im Warenhaus

Text: Christoph Hotz, Fotos: Mike Krishnatreya

Judith König kennt noch nicht von allen Waren den Bestimmungsort. In den meisten Fällen aber versorgt sie die Badezimmer-Accessoires, Pfannen und Elektrogeräte routiniert am richtigen Platz. «Das Auspacken mag etwas eintönig wirken. Ich mache es jedoch gerne. In der Schule muss ich immer gleichzeitig an mehrere Dinge denken. Hier kann ich mich auf eine Sache konzentrieren. Die Belastung in den Beinen ist gross, dafür erhält der Kopf eine Pause.» Auch dass sie für eine gewisse Zeit weniger Verantwortung übernehmen muss als in der Schule, tue ihr gut: «Einmal ohne Druck arbeiten zu können, geniesse ich sehr.» In zwei Wochen ist ihr Praktikum beendet, dann geht sie zurück in die Schule. «Ich würde gerne länger hier bleiben, freue mich aber auch wieder auf meine Schülerinnen und Schüler», sagt sie.

«Heute werden am Morgen nur wenige Leute den Weg in den Laden finden», sagt Judith König und öffnet die Türe des unscheinbaren Hintereingangs zum ManorGebäude. Es ist ein nasskalter Freitagmorgen. Die Handarbeitslehrerin steht in der fünften Woche ihres Praktikums und kennt die Vorlieben der Kundschaft bereits sehr gut: «Wenn es regnet, ist die Einkaufslust nicht sehr gross», sagt sie, während sie die Treppe hinuntergeht zu den Garderoben für die Mitarbeitenden. Die Uhr zeigt inzwischen acht Uhr. In einer halben Stunde öffnet der Laden. Bis es soweit ist, gibt es viel zu tun. In den Gängen stapeln sich die Kisten mit den Waren zum Auspacken und Einräumen in die Regale. «Wir helfen uns unter den Mitarbeitenden gegenseitig aus. Anders funktioniert der Betrieb hier nicht.» Die Zusammenarbeit im Team schätzt Judith König besonders an ihrer Arbeit im Manor. Gleichzeitig bezeichnet sie dies als einen der grossen Unterschiede zu ihrer Tätigkeit in der Schule. «Als Lehrerin ist man oft auf sich alleine gestellt.»

Besondere Form von Wertschätzung Kurze Zeit später treffen vereinzelt die ersten Kundinnen und Kunden ein. Judith König wirft immer wieder ein Auge auf die Kasse. Wollen viele Leute gleichzeitig bezahlen, springt sie sofort ein und unterstützt ihre Kollegin. Das Auspacken dauert in der Regel bis zum Mittag. «Danach sind wir ausschliesslich für die Anliegen der Kundschaft da.» Diesen Kontakt schätzt Judith König besonders. «Ich berate die Leute sehr gerne, das liegt mir. Sind sie zufrieden, bin ich es auch.» Just in diesem Moment spricht sie ein Kunde an, der einen bestimmten schwarzen Faden sucht. Problemlos findet sie das Gesuchte. Der Mann bedankt sich und geht zufrieden zur Kasse. «Diese Form von Wertschätzung fehlt mir in der Schule manchmal.» Judith König geht in ihrer Freizeit selber gerne einkaufen. Sie mag es, in Läden zu stöbern und nach schönen Dingen Ausschau zu halten – insbesondere nach speziellen Stoffen oder Wolle. Schnell kam sie deshalb auf die Idee, sich für ihr IWB-Praktikum bei Manor zu bewerben. Suchen Kundinnen nach einer bestimmten Wolle, kann sie ihr ganzes Know-how einbringen. «Das sind tolle Momente, wenn ich auf Leute mit gleichen Interessen treffe.» Auf dem Weg ins Lager, wo Judith König für eine Kundin einen Artikel holt, kommt sie auf das Thema Mitarbeiterführung zu sprechen. «In der Schule bin ich selbständig und habe viele Freiräume. Das schätze ich an meinem Beruf. Hier hingegen wird mir genau gesagt, was ich zu tun habe.» Auch wenn die Schule zurzeit weit weg ist, denkt sie hin und wieder an ihre Klassen im Schulhaus Langwiesen in Wülflingen. Sie macht sich auch Gedanken darüber, wie es der Vikarin ergeht, die ihre Schülerinnen und Schüler während ihrer Abwesenheit unterrichtet. Einmal hat sie im Manor eine Lehrerin aus ihrem Team getroffen. «Das war ein spezieller Moment. Wir waren beide sehr überrascht.»

Serie – Blick in eine a ndere Ber ufswelt

Judith König mag schöne Waren. So lag es auf der Hand, dass sie das Praktikum im Rahmen ihrer Intensivweiterbildung (IWB) im Warenhaus Manor absolvierte. Dabei konnte sie auch von ihrem Know-how als Handarbeitslehrerin profitieren.

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AKZENTE 2/2014


AKZENTE 2/2014

Intensivweiterbildung (IWB) für Lehrpersonen Lehrpersonen der Volksschule im Kanton Zürich haben nach mindestens zehn vollendeten Dienstjahren Anrecht auf eine Auszeit in ihrem beruflichen Alltag in Form einer so genannten Intensivweiterbildung (IWB) an der PH Zürich. Im Profil «Ausserschulisches Lernen» beinhaltet diese u.a. ein siebenwöchiges Praktikum in einem Betrieb. In der kommenden Ausgabe «Akzente» besuchen wir im Rahmen der Serie «Blick in eine andere Berufswelt» eine Lehrerin in ihrem Praktikum in der Gärtnerei «Stiftung Brunegg». Weitere Informationen zur IWB: phzh.ch/intensivweiterbildung

Serie – Blick in eine a ndere Ber ufswelt

Im Lager fällt als Erstes das emsige Treiben auf. Ein Teil der Mitarbeitenden ist mit Auspacken beschäftigt, andere holen eine bestimmte Ware ab, wieder andere bauen Regale auf. «Hier kommt man als Kundin nie hin. Es ist eine schöne Erfahrung, den Betrieb hinter den Kulissen zu erleben und ein Teil des Teams zu sein.» In der anschliessenden Kaffeepause denkt Judith König an die erste Phase nach dem Praktikum. «Ich werde sicher etwas Zeit brauchen, bis ich mich wieder an den Schulalltag gewöhnt habe.» Sie nimmt sich dabei etwas ganz Bestimmtes vor: «Ich werde versuchen, künftig am Abend und am Wochenende keine Arbeiten zu Hause zu erledigen. So erhalte ich eine gewisse Distanz zum Arbeitsplatz. Das ist mir im Manor sehr gut gelungen.»

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Medientipps FACHARBEITEN BEGLEITEN

Schreibprofis sind nicht von Natur aus besser. Sie schreiben häufiger, verwenden mehr Zeit auf ihre Texte und achten auf Aspekte, mit denen ungeübte Schreiberinnen und Schreiber oft überfordert sind. Damit bei der Betreuung schriftlicher Arbeiten etwas von den Experten an die Novizen übergehen kann, müssen Irritationen benannt und Lösungswege skizziert werden. Das von den Autorinnen entwickelte «BietschhornModell» liefert ein wirksames Instrument, mit dem sich entstehende Texte Schicht für Schicht abklopfen und optimieren lassen. Was funktioniert schon? Dient die Leseführung der thematischen Entfaltung? Passen Informationsdichte und Stil zur Textsorte? Ausgehend von typischen Stolpersteinen beim Denken und Schreiben zeigen die Verfasserinnen, wie Texte inhaltlich und sprachlich in Form kommen. Ergänzende Ausführungen zum wissenschaftlichen Schreiben und zur Beratungspraxis machen den Titel für Fachdozierende zum nützlichen Hand- und Arbeitsbuch. – Daniel Ammann M. Ulmi, G. Bürki, A. Verhein, M. Marti. Textdiagnose und Schreibberatung. Opladen: Barbara Budrich, 2014. 275 Seiten.

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SHOA UND DIE SCHWEIZ

Am Anfang stand ein überraschender Fund im Nachlass der Grosstante: Schulhefte mit Aufzeichnungen über die unvorstellbaren Schrecken der Shoa, niedergeschrieben im Jahre 1945 von Marton Stark, einem in Rumänien geborenen sechzehnjährigen Juden, der diese Hölle überlebt hatte. Heinz Bachmann, Dozent an der PH Zürich, liess sich

davon berühren und begab sich auf die Suche. Wer war dieser Marton Stark? Was ist aus ihm geworden? Wie ist dessen Schicksal mit demjenigen der eigenen Familie verstrickt? Erwächst aus dem Fund eine Verpflichtung? Und wie könnte ihr entsprochen werden? Entstanden ist ein persönlich gefärbtes Bändchen, das zentrale Fragen rund um die Shoa aufwirft und bearbeitet, Fragen, die immer

und immer wieder zu stellen sind. Heinz Bachmann hatte bei der Niederschrift stets auch seine Söhne im Teenageralter vor Augen. Das Buch ist deshalb leicht verständlich verfasst und als Lektüre für Jugendliche bestens geeignet. – Stephan Hediger

H. Bachmann, M. Stark. Von Auschwitz nach Beverly Hills. Zürich: Edition 381/ BoD, 2013. 204 Seiten.

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Foto: Raffinerie AG

Medientipps

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LIEBE UND SEXUALITÄT

Ivan liebt Männer, Occéanne liebt es, sich selbst zu lieben, Katarynas Freund ist extrem eifersüchtig und Alba wurde ungewollt schwanger. In neun Porträtund drei Themenfilmen teilen elf junge Männer und Frauen im Alter von 16 bis 19 Jahren authentisch und unverblümt ihre Erfahrungen in Sachen Beziehung und Sexualität. Die feinfühlig gestalteten Kurzfilme bieten Anknüpfungspunkte für vertiefende Gespräche und Überlegungen in der Gruppe und werden durch fundiert aufbereitete Lektionsvorschläge und Fachkommentare ergänzt und begleitet. Dabei gelingt es dem Autorenteam, facettenreich und tabulos Fragen zu bearbeiten, die sich nicht nur Heranwachsenden auf dem Weg zu einem selbstbestimmten, verantwortungsbewussten und genussvollen Umgang mit Sexualität stellen. Ein sorgsam aufbereitetes Medienpaket, das für die sexualpädagogische Arbeit mit Jugendlichen absolut zu empfehlen ist. – Mareike Düssel

L. Geiser, A. Voss (Hrsg.). Erste Liebe – Beziehung und Sexualität. Bern: hep verlag, 2013. 127 Seiten, 2 DVDs.

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FERNSEHEN MIT KINDERAUGEN

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IM TRETRAD NEOLIBERALEN DENKENS

Welche Sendungen im Fernsehen eignen sich für Kinder? Mit welchen Inhalten sind diese allenfalls überfordert? Wann läuft die nächste Folge von «Pippi Langstrumpf »? Mit der Flimmo-App lassen sich solche Fragen mit einem Fingertipp beantworten. Aufgelistet und besprochen werden nicht nur Kinder- und Familienprogramme von elf deutschsprachigen Sendern, sondern auch Sendungen für Erwachsene, bei denen Kinder regelmässig mitschauen. Das umfangreiche Sendungsarchiv ermöglicht einen Blick in die Besprechungen der vergangenen Jahre. Zusätzlich können Broschüren zu früheren Flimmo-Themenschwerpunkten in der App heruntergeladen und im Original-Layout gelesen werden. Für Erziehende liefert das Fachportal Medienerziehung (www.flimmofachportal.de) weiterführende Informationen zur Medienarbeit mit Kindern und bietet Tipps für die medienpädagogische Elternarbeit.

In einer Zeit, in der Gott tot ist, Politiker Futter für Satiresendungen und alle Menschen Künstlerinnen und Künstler sind, liefert die Wirtschaft mit ihrem Leistungsdenken die einzige Erzählung, die unhinterfragt bleibt. Von dieser Prämisse geht der Psychologe Paul Verhaeghe in seiner Analyse der durchökonomisierten Gesellschaft aus. Leistung gilt per se als gut. Wie gut sie ist, kann nur definiert werden, wenn sie messbar wird. Verhaeghe beschreibt die Nebenwirkungen dieses scheinbar einleuchtenden Denkens in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen. Ausgeklügelte Tarifsysteme, detaillierte Lehrpläne, umfangreiche Prüfungsverordnungen und Reglemente von Ethikkommissionen fordern Aufmerksamkeit und halten von der eigentlichen Arbeit ab. Wie dies Einzelne belastet, erlebt er als Psychoanalytiker täglich. Ein Paradigmenwechsel ist fällig ... bevor die Gesellschaft je zur Hälfte aus Therapeuten und Therapierten besteht.

– Silvie Spiess

– Thomas Hermann

Flimmo: Programmratgeber für Eltern. Kostenlose App für iPhone, iPad und iPod touch. www.flimmo.de/ flimmo-app.

P. Verhaeghe. Und ich? Identität in einer durchökonomisierten Gesellschaft. München: Verlag Antje Kunstmann, 2013. 252 Seiten.

Wortdiebe Ein junger Mann entdeckt ein Manuskript, das von einer tragischen Liebesgeschichte erzählt. Wort für Wort tippt er den Text in den Computer, und um seine Liebste in ihrer Begeisterung nicht zu enttäuschen, lässt er sie und die Welt im Glauben, es handle sich um sein Werk. Der Held wird zum literarischen Shootingstar. Doch dann meldet sich ein alter Mann, der sich als der wahre Autor zu erkennen gibt ... Was nach Martin Suters «Lila, lila» klingt, ist auch die Geschichte des Films «The Words – Der Dieb der Worte» (USA 2012). Rory Jansen (Bradley Cooper) findet für seinen Roman keinen Verlag, schafft aber den Durchbruch mit dem hemingwayesken Text eines Fremden. Allerdings ist Rory selber Figur in einem Bestseller, dessen Autor (Dennis Quaid) womöglich ein eigenes Vergehen überspielt. In seinem hellsichtigen Essay «Literarisches Eigentum» (Kröner 2012) fragt Plagiatsexperte Philip Theisohn, wie es im medientechnischen Zeitalter um die Ethik geistiger Arbeit und das Urheberrecht bestellt ist. Wer Ideen und Wörter nicht nur borgt und durch Quellenangabe wieder zurückgibt, begeht eine Untat. Aber, wie Theisohn zeigt, führt die Plagiatshysterie auch dazu, dass Texte auf messbare Daten reduziert und Schreiben zur variativen Verwertung vorhandener Werke degradiert wird. Wo bei der Nutzung des Internets die Grenzen zwischen regulärem Gemeingut und räuberischer Gemeinheit liegen, lotet die Schulfernsehsendung «Piraterie, Copyright & Co.» aus. Videostreams und Unterrichtsmaterialien gibt es unter srf.ch/sendungen/myschool/piraterie -copyright-co. – Daniel Ammann

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Medientipps

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Talk Business mit Nadja Schildknecht 4. Juni 2014, 18.00–19.30, der Eintritt ist frei Nadja Schildknecht ist Co-Founder und Managing Director des Zurich Film Festival und fÜrdert junge, innovative Talente: Das Zurich Film Festival ZFF gilt heute als eines der wichtigsten Nachwuchsfestivals in Europa, das auch PersÜnlichkeiten wie Richard Gere, Sean Penn und Hugh Jackman zu Gast hatte. In diesem Jahr feiert das Zurich Film Festival sein zehnjähriges Jubiläum. Nadja Schildknecht gibt exklusive Einblicke in die Entwicklung, Organisation und Fßhrung vor und hinter den Kulissen. Informationen und Anmeldung:

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AKZENTE 2/2014


Mario Bernet – aus dem Leben eines Lehrers

Illustration: Raffinerie AG

Feierabend. Ich bin mit dem Tag einigermassen im Reinen, als ich gegen 18.30 Uhr das Schulhaus verlasse. Der eine oder andere Vorfall des vergangenen Schultags beschäftigt mich noch ein wenig, aber auch das verraucht allmählich, als ich in Richtung Bahnhof Hardbrücke schlendere. «Grüezi Herr Bernet!» Der junge Mann, der mich herzlich grüsst, ist einen halben Kopf grösser als ich. Namen sind meine Schwäche, ich brauche immer Wochen, bis ich die Vornamen einer Schulklasse beherrsche, und mögen sie noch so wohlklingend sein. Aber wenn ich sie eingeprägt habe, dann bleiben sie. «Guten Abend Amidou (alle Namen geändert)!», grüsse ich ohne Zögern zurück. Es folgt ein kurzes, herzliches Gespräch. Er berichtet von seinem Beruf, den er dank seines Körperbaus gelassen meistert: Strassenbauer, ein Spezialist für Kreisel sei er geworden. Er erklärt mir, was ein guter Strassenkreisel ist. Und ich freue mich, dass vor mir ein Experte steht. Ein Berufsmann, der am Abend eine freundliche Müdigkeit und Zufriedenheit ausstrahlt. Ich erinnere mich an jenen Amidou, der früher nach der Pause oft eskortiert von der Aufsicht ins Klassenzimmer zurückkehrte, weil ihm seine Kraft und Ungeduld in die Quere AKZENTE 2/2014

gekommen waren. Schwamm drüber. Dann unvermittelt: «Machen Sie sich keine Sorgen, vielleicht hätte ich damals auch so gehandelt an Ihrer Stelle.» Beiden ist sofort klar, welche Begebenheit er anspricht. Damals, Anfang Juli, waren wir in der Finalrunde des Fussballturniers der Stadtzürcher Schulen angelangt. Es war ein Festtag. Die Sportanlage Hardhof vibrierte, alle hatten sich mit Hingabe vorbereitet. Der Bratwurstduft verzückte die Nasen, die Jugend hatte sich mit sauren Zungen, türkisfarbigen Getränken und bunten Fussballschuhen für die Spiele gerüstet. Das Team unserer sechsten Klasse hatte das Halbfinale erreicht, das sich nun dem Ende zuneigte. Wir führten ungefährdet 2:0. Ich stand als Lehrer und Coach an der Seitenlinie und genoss, wie sich die sonst unsteten Jungs als Einheit zeigten. Drei Minuten vor dem Abpfiff wagte ich den Schritt: Ich wechselte Ben und Branislav ein. Ich wollte die beiden unerfahrenen Spieler am Erfolg teilhaben lassen, schliesslich hatten sie immer mittrainiert. Prompt geriet unser Spiel aus dem Gleichgewicht und endete 2:2. Das anschliessende Penaltyschiessen ging verloren, Endstation. Amidou war unser Unglücksschütze, er fiel hin und

grub sein weinendes Gesicht in den Rasen. Damit das Turnier fortgesetzt werden konnte, mussten wir ihn vom Platz tragen. Selten sah ich meine Autorität so in Frage gestellt wie an jenem Samstag, an dem ich mich freiwillig von der Lehrer- in die Trainerrolle begeben hatte und diese im entscheidenden Moment vermischte. Wieder ist Frühsommer, alle reden wieder vom FussballSchüeli und vom grossen Turnier in Brasilien. Beides drängt in die Schulstube. Keine Frage, unbelehrbar nehme ich die Herausforderung auch diesmal an: Wir gehen mit zwei Teams an das Turnier und setzen eine Sportlektion pro Woche zur Vorbereitung ein. Eifrig trainieren die Buben und Mädchen Flachpass, Freilaufen und Kondition. Und wie immer zeigt sich, dass Spiel und Wettstreit heftige Gefühle wecken. Also sprechen wir auch über Fairplay, über Respekt gegenüber dem Gegner und dem Schiedsrichter. Ob dieser Teil der Lektion verstanden wurde, wird sich Ende Juni weisen. Ich nehme mir vor, als richtiger Fussballlehrer aufzutreten: erfolgreich und gerecht. Gut möglich, dass ich erneut scheitere. Mario Bernet ist Primarlehrer im Schulhaus Sihlfeld und Praxisdozent an der PH Zürich.

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Kolu m ne – aus dem Leben eines Lehrers

Zwischen Pestalozzi und Ottmar Hitzfeld


Fu ndstück

Fundstück

Webcams dienen der Sicherheit, Kontrolle und Informationsvermittlung. Sie besitzen keine teure Optik und liefern oft unscharfe Bilder. Das verleiht ihnen Authentizität und manchmal malerische Qualität. Der Zufall spielt beim Entstehen eine grössere Rolle als sonst in der Fotografie. Die Bilder werden aus ungewohnten Perspektiven automatisch und unbemerkt aufgenommen. Das öffnet ungewohnte und ungewollte Sehweisen auf Vertrautes und Unvertrautes. Aus dem endlosen Bilderstrom, der

durch Abertausende von Webseiten fliesst, fischt der Fotokünstler Kurt Caviezel überraschende Sujets und stellt die besten davon in Museen und Galerien aus. In seinem Archiv von weit über drei Millionen Bildern gibt es fast nichts, was es nicht gibt, so auch ein paar Schulszenen, vorwiegend aus Japan. Der Einblick in ein Klassenzimmer aus Hokkaido wirft Fragen auf: Ist das eine Szene zwischen Lektionen? Ersetzt die Kamera die Lehr- oder Aufsichtsperson? Können Eltern ihre Kinder im Schulzimmer beobachten? Es

ist ein rätselhaftes und ein starkes Bild. Kindliches Verhalten wird unverstellt sichtbar: im Hintergrund das abgewandt lesende Kind als ruhender Pol, im Vordergrund die herumalbernden Mädchen als Gegenpol, dazwischen die sich im Raum positionierenden Kinder. Die sechs Schülerinnen und Schüler sind – zufällig – zu einem Dreieck formiert. Das eindringende Tageslicht haucht dem Augenblick Leben ein und versperrt zugleich den Blick ins Freie. – Thomas Hermann Weitere Informationen zu Kurt Caviezel: www.kurtcaviezel.ch

«Akzente» (vormals ph|akzente) erscheint viermal jährlich, 21.Jahrgang, Nr.2, Mai 2014, ISSN 2296-7281 (Print), 2296-732X (Online). Herausgeberin: Pädagogische Hochschule Zürich. Redaktion: Christoph Hotz (Redaktionsleitung), Redaktor Kommunikation; Daniel Ammann, Dozent für Medienbildung; Bettina Diethelm, wissenschaftliche Mitarbeiterin; Thomas Hermann, Dozent für Medienbildung; Vera Honegger, Redaktorin Kommunikation; Rudolf Isler, Dozent für Pädagogik; Reto Klink, Leiter Kommunikation; Michael Prusse, Abteilungsleiter Sek II Berufsbildung. Redaktionelle Mitarbeit: Melanie Keim, Isabel Plana. Adresse: Pädagogische Hochschule Zürich, Redaktion «Akzente», Christoph Hotz,Lagerstrasse 2, 8090 Zürich, akzente@phzh.ch, www.phzh.ch/akzente. Grafisches Konzept: Raffinerie AG für Gestaltung, Zürich. Layout: Regi Müller, Typografische Gestalterin PH Zürich. Druck: FO-Fotorotar, Egg ZH. Inserate: IEB AG, Industriestrasse 6, 8627 Grüningen, Tel. 043 833 80 40, Fax 043 833 80 44, info@ieb.ch, www.ieb.ch. Abonnemente: Jahresabonnement CHF 20.- inkl. Porto, Pädagogische Hochschule Zürich, Vera Honegger, Lagerstrasse 2, 8090 Zürich, vera.honegger@phzh.ch. Gedruckt auf FSC-zertifiziertem Papier.

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AKZENTE 2/2014

Foto: Kurt Caviezel

Impressum


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