WIESBADENER - Ausgabe IV/2021

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Wiesbadener Ausgabe IV / 2021

Preis: 6,50 €

Magazin für Kunst, KulTouren und Lebensfreude

Keine Angst vor der Angst

EVOU und ihre erste Single

Unsere Erde 2030 Jubiläumsausstellung

Opelvillen

Kunst für Tiere

REMAKE

Frankfurter Frauen Film Tage

Café Maldaner

Ein Wohnzimmer für Wiesbaden

Loftwerk Wiesbaden Mit Kunst überleben

Es geht weiter!

Die Wiesbadener „Night of Music“

Atelier Mal_anders

Nie den Pausenknopf gedrückt

LitZell 2022

Worte, Wasser und Wein



Inhalt

...... Wir hatten schon ein wenig aufgeatmet, doch jetzt hat uns die Realität wieder eingeholt. Kultur in bewegten Zeiten und Corona als Härtetest – wie soll, wie kann man als Kulturschaffender damit umgehen? Erst einmal weitermachen, so wie das Atelier Mal_anders der EVIM Behindertenhilfe. Dort treffen sich weiterhin Künstler:inn:en zweimal die Woche, um unter Anleitung eines Profis zu malen. Und wie Geschäftsführer Björn Bätz sagt: „Wir haben nie den Pausenknopf gedrückt, die Kulturarbeit ging immer weiter…” (S. 12).

Olivia Williams, 12 Jahre, Unsere Erde 2030, Kinder- und Jugendgalerie Wiesbaden

MENSCHEN

& MEINUNGEN

GENDERN IM DÉJÀ VU KULTUR

& KREATIVES

„UNSERE ERDE 2030“ 40 JAHRE KÜNSTLERISCHES SCHAFFEN ATELIER MAL_ANDERS KULTURFONDS CROSSROADS NIGHT OF MUSIC KEINE ANGST VOR DER ANGST REMAKE FRANKFURT THEATERDONNER LOFTWERK LITZELL 2022 STAATSTHEATER SAABRÜCKEN NATIONALTHEATER MANNHEIM KUNST FÜR TIERE 100 JAHRE JAWLENSKY MAGAZIN

KULTOUREN

UNTERNEHMEN

SEG

HEILEN

S. 4 S. 5 S. 10 S. 12 S. 14 S. 15 S. 23 S. 24 S. 28 S. 31 S. 34 S. 37 S. 40 S. 42 S. 43 S. 44 S. 16

& MÄRKTE

& HELFEN

RICHTIGE ERNÄHRUNG HASHIMOTO BESSER SEHEN

ZUSAMMENLEBEN

CARNEVAL CLUB WIESBADEN

GAUMENKITZELEIEN GRAUES HAUS CAFÉ MALDANER

S. 26 S. 45 S. 46 S. 47 S. 48 S. 49 S. 50

Oder wie die Initiatoren der „Night of Music”, die Kultur wieder live erlebbar machen wollen. Am 17.12. und 18.12.2021 finden die Konzerte wieder unter dem Motto „POP MEETS KLASSIK” im Wiesbadener Kurhaus statt, natürlich unter Berücksichtigung aller Hygienemaßnahmen (S. 23). Auch EVOU alias Doro Idahor hat weitergemacht. Ihre Band Phimus hat die Pandemie leider nicht überstanden, doch zusammen mit David Crist hat die stimmgewaltige Sängerin mit Wahlheimat Wiesbaden gerade die erste Singleauskopplung ihres Albums „Anxious Bitch” veröffentlicht (S. 24). Oder Anja Roethele, die in ihrem LOFTWERK mit einem beeindruckenden Kunstobjekt die negativen geschäftlichen Auswirkungen des Lockdowns in den Griff bekommen hat. 1044 einzelne, nummerierte und handsignierte Quadrate fügten sich zu einem Kunstwerk aus verschiedenen Materialien, Emotionen und Worten zusammen – und wurden mit Erfolg verkauft (S. 34). Oder wie die Herausgeber des vorliegenden Magazins, die unbeirrt die 1. Literaturtage in Zell an der Mosel 2022 planen. Vom 26. bis 29. Mai nächsten Jahres werden dann 17 gestandene Autor:inn:en, manche davon preisgekrönt, aus ihren Werken lesen und neue sowie unveröffentlichte Texte präsentieren (S. 37). Nach dem chinesischen Kalender beginnt das neue Jahr am 1. Februar 2022 im Zeichen des Wasser-Tigers. Der Tiger zeichnet sich durch sein offenes und mutiges Wesen aus. Er hat einen starken Willen und hat er sich einmal etwas in den Kopf gesetzt, gibt er nicht so schnell auf. Das könnte ein Vorbild sein – für uns alle. Ansonsten wünschen wir Ihnen wir immer viel Vergnügen mit Kunst, Kultur und Kulinarik in dieser Ausgabe und eine hoffentlich entspannte Winterzeit.

IMPRESSUM: Herausgeberin, Gesamtkoordination & Gestaltung: media futura • Inh. Petra Esser • Mittelstraße 3 • 56856 Zell/Mosel • Tel. 06542.954.00.80 • Fax: 06542.954.00.79 • www.media–futura.de • mail@media–futura.de • Gestaltung: Petra Esser • Redaktion: Petra Esser, Tobias Mahlow, Gesine Werner, Konstantin Mahlow • Anzeigenleitung: Tobias Mahlow • Titelbild: Olivia Williams, 12 Jahre, Unsere Erde 2030, Kinder- und Jugendgalerie Wiesbaden • Vignetten: Bernd Schneider • Druck: Printgroup GmbH & Co. KG, 97526 Sennefeld • Redaktionsschluss für die Ausgabe I/2022: 20.02.2022 • Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages • alle Fotos und Logos wurden uns – wenn nicht anders dokumentiert – von den porträtierten Personen/Institutionen zur Verfügung gestellt. WIESBADENER

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MENSCHEN

&

MEINUNGEN

benennt er. Aufgabe sei es, „Debatten anzustoßen, ohne unsere Leser zu bevormunden – und unsere Leserinnen schon gar nicht.“ Sein Beitrag endet also mit einem Plädoyer FÜR das Gendern. „Sprache beeinflusst Vorstellungen und schafft Realität, die sich in der Sprache dann widerspiegelt“, weiß Professorin Luise F. Pusch. Die hochkarätige Linguistin erkennt Sprache als „grandiose kostenlose Werbemaschinerie für den Mann. Die Konkurrentin Frau ist durch Totschweigen aus dem Bewusstsein verbannt.“

„Frauenquote zu 100 % erfüllt! Die närrische Behauptung auf dem Motivwagen des Fassenachtszugs 2017 geht als Prophezeiung durch: Im Magistrat der Landeshauptstadt Wiesbaden sind Anno 2018 Frauen zu NULL Prozent vertreten.

Von Menschen und Frauen Kein Gendern in Absurdistan – „geschlechtsblind“ soll genügen

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ein Gendern in Absurdistan. Frühmorgens werde ich als „der liebe Hörer“ vom Radio geweckt, dann zum „König Kunden“ gekrönt. Als blaublütiger „Leser“ bin ich per Presse gebührend informiert. Eine „Frauenmannschaft“ war siegreich.. „Die Ärzte“ müssen „ihre Patienten“ über Diagnosen aufklären, „der Gesetzgeber“ hat das Wohl „aller Bürger“ im Auge und als „umweltbewusster Verbraucher“ kaufe ich ökologisch bedacht ein. Der „Fahrgast“ kommt als „Musikliebhaber“ zum Konzert: „Alle Menschen werden Brüder“ Von wegen. Die Botschaft hör ich wohl, allein – mir fehlt der Glaube. Elisabeth Schwarzhaupt wurde als erste Bundesministerin 1961 von Kanzler Adenauer angeblafft. „In diesem Kreis sind auch Sie ein Herr“. Und 60 Jahre später richten sich Formulare von Geldinstituten und Energieversorgern an Männer. Sparkassenkundin Marlis Krämer aus Sulzbach wehrt sich gegen das „Totschweigen“, klagte vor dem 4

BGH und unterlag. Die männliche Form könne „geschlechtsblind“ verwendet werden. „Wer in der Sprache nicht vorkommt, ist auch nicht im Bewusstsein“, war Sokrates klar. Das gilt noch immer. Beim Dublin Theatre Festival 2021 betonte Geschäftsführerin Maria Fleming: „Wenn Du nicht mit am Tisch sitzt, stehst Du auf der Speisekarte.“ Der Chefredakteur regionaler Presseerzeugnisse spricht Anno 2020 unter dem Titel „warum wir in unseren Zeitungen nicht gendern“ von einem nur „vermeintlich maskulinen Sprachgebrauch“, der „sichtbarer Ausdruck der Geschlechterungerechtigkeit sei“. Er bekommt aber „zuweilen“ doch „den Eindruck, wir seien bei diesem Thema im 19. Jahrhundert steckengeblieben.“ Aha. „Das traurige Geschlechterbild in den Vorstandsetagen deutscher Konzerne“ stellt er fest und das „nicht viel besser“ aussehende Bild in „Chefetagen namhafter Medien“

Frauen sind in der Wissenschaft „unsichtbar“, belegte eine Studie der University of Pennsylvania anhand von 5000 Forschungsarbeiten aus fünf hochrangigen MedizinFachjournalen (Spiegel 28/2021). Die Frau arbeitet - der Mann ist das Genie: Die exzellente Physikerin Milena Maric schloss als zweite Frau am Polytechnikum Zürich ihr Studium ab, heiratete Kommilitone Albert Einstein als seine Schattenarbeiterin, überlebte dreimal das Kindbett und wurde vom ungetreuen Ehemann abgeschoben. Geschieden zieht sie die zwei Söhne auf, pflegt den schizophrenen Sohn und stirbt in Armut. Genie Albert hatte ihr drastisches Redeverbot erteilt. Linguistik-Professorin Dr. Senta Trömel-Plötz benennt die Tragik exzellenter Frauen: „Dieses zum Schweigen gebrachte weibliche Genie ist kein Einzelfall“ und verweist auf Paula Modersohn-Becker und Marie-Louise Breslau. Laut Edgar Degas „gehört es sich nicht für eine Frau, so gut zu zeichnen. Ein Genie in Gestalt einer Frau ist so selten wie ein Mann, der Milch gibt. Aber es kam schon vor.“ Von Frauen befreit ist der Magistrat der hessischen Landeshauptstadt. Back to the Achtziger. „Hessen vorn!“ war gestern . Jetzt ist „Wiesbaden hinten“. Die kommunale Boygroup ist bundesdeutscher Rekord. Die katholische Jugend will Gott gendern, wie auf ihrem Bundesrat in Mannheim beschlossen wurde? Warum nicht. „Als Gott den Mann schuf, übte sie nur“ heißt es doch schon lange. Gesine Werner, geprüfter Mann und Diplompädagogin

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KULTUR

&

KREATIVES

„Unsere Erde 2030“ Jubiläumsausstellung – 15 Jahre Kinder- und Jugendgalerie Wiesbaden jetzt im Rathaus

B

is zum 22. November 2021 war die Jubiläumsausstellung zum Malwettbewerb „Unsere Erde 2030”, zu der es 115 Einsendungen von Kindern und Jugendlichen gab, in den Räumen der Kinder- und Jugendgalerie Wiesbaden am Loreleiring zu sehen. Der große Zuspruch bei Kindern und Besuchern sowie die eindringlichen und eindrucksvollen Werke erfahren nun eine besondere Würdigung, denn die Ausstellung wanderte ins Wiesbadener Rathaus und ist aktuell dort zu sehen. Die Malwettbewerbe und Aktionen der Kinder- und Jugendgalerie sind und waren immer besonders, aber in dieser Ausstellung werden die Ängste, Hoffnungen, Wünsche und Zukunftsvisionen der Kinder und Jugendlichen nochmals besonders WIESBADENER

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deutlich. Zwischen Hoffen und Bangen sind alle Themen vertreten. Die Kinder haben überlegt, wie sie die Erde retten können, denn dass die Erde der Rettung bedarf, ist in allen Exponaten zu sehen. So bekommt die Erde Medizin, um überleben zu können, ihre Bewohner:innen sammeln Müll oder vermeiden ihn; es wurde über technische Neuerungen nachgedacht, um der Erde zu helfen, oder um ein neues Miteinander oder andere Formen des Zusammenlebens – der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Während viele der jüngeren Kinder oft die aktuelle „kranke” Erde einer „gesunden” in 2030 gegenstellen, haben viele der Jugendlichen eine weniger positive Sichtweise auf die Erde in der Zukunft. Es ist eine sehr berührende Ausstellung, die Gänsehaut

macht und absolut sehenswert ist. Die 115 Einsendungen wurden übrigens nicht kuratiert, das heißt: ALLE Einsendungen werden gezeigt. Hier ist nichts gefiltert oder angepasst. Das soll auch eine Würdigung an alle Kinder sein, die sich Gedanken zu dem Thema gemacht haben, aber es zeigt auch sehr eindringlich, was die Kinder und Jugendlichen aktuell bewegt.

Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar (Paul Klee) Zu Beginn der 2000er Jahre wurden die ersten Schritte, Kunst von Kindern sichtbar zu machen, im Rahmen der Ferienprogramme getan. 5


KULTUR

&

KREATVES

Die in 2015 von Titus Grab (Kunstkoffer) initiierte und von Sare Nabil (Künstlerin aus Afghanistan) kuratierte Ausstellung „eine andere Deutschland” versinnbildlicht die künstlerische Auseinandersetzung und Verarbeitung der eigenen Fluchterfahrungen. Titus Grab hat den Kindern aus der Gemeinschaftsunterkunft Mainzer Landstraße über ein Jahr lang einmal wöchentlich Papier, Farbe und Ton aus seinem Kunstkoffer zum freien Gestalten zur Verfügung gestellt. Das Ergebnis ist eine Ausstellung, deren Bilder für sich selbst sprechen. Es folgten Ausstellungen zum Thema Kunst gegen Terror (Warum müssen Menschen sterben? 2016), eine Kunstausstellung von Schüler: innen der Sophie- und Hans-SchollSchule. Die Schüler:innen hatten das Thema selbst gewählt. Es handelte sich vor allem um ein Anliegen von Schüler:innen, die noch nicht lange in Deutschland lebten.

“Der zweite Versuch“, Selin Ciro, 16 Jahre

Alexandra Waldmann und Hildegunde Rech, beide vom Amt für Soziale Arbeit, gründeten dann in 2006 die KinderKunstGalerie, um Kunst von Kindern „in einem professionellen Rahmen sichtbar zu machen”, so die Gründerinnen. Neben der Bereitstellung von Räumlichkeiten und Materialen sollten von Anfang an bildende Künstler:innen und pädagogische Fachkräfte die Kinder begleiten und unterstützen. Das formulierte Ziel der Galerie war und ist „… das Verständnis von kultureller Bildung als SELBSTbildungsprozess mithilfe ästhetischer Gegenstände (Produktion und Reproduktion) zugrunde zu legen. Inmitten der Ausstellungsräume können die Teilnehmer:innen in offenen Werkstätten ihre eigenen künstlerischen Erfahrungen machen. Hier wird ein Möglichkeits- und Experimentierraum für eigene Gestaltung geschaffen, der ergebnisoffen und bewertungsfrei ist.” Inklusion und Migration Die gezielte Ansprache und Einbeziehung von geflüchteten Kindern und Jugendlichen aus dem Stadtteil ist ebenso Ziel wie die Inklusion. Der politische Aspekt war und ist auch unverkennbar. Die Kinder 6

und Jugendlichen bringen ihre Erfahrungen, ihren Alltag, ihre Geschichte und ihre Visionen mit ein. „Die Ausstellungen sind das Herzstück der Galerie” Bisher fanden 56 Ausstellungen statt, viele in Kooperation mit Schulen oder außerschulischen

Wissenswertes in Kürze: Von 2006 bis 2016 = KinderKunstGalerie Seit 2016 = Kinder- und Jugendgalerie. Das Alter der Teilnehmer:innen liegt von 3 – 18 Jahren. Die Zahl der Besucher:innen stieg stetig: von 286 in 2006 auf fast 4000 in 2019. In 2020 ging die Zahl leicht auf ca. 3500 zurück aufgrund der Pandemie. Teilnahme an der „Kurzen Nacht der Galerien” in 2007, 2008, 2016 und 2017. Bildungseinrichtungen und Kindertagesstätten. Durchschnittlich hängt eine Ausstellung ca. sechs Wochen. Sie wird stets mit einer Vernissage durch die Amtsleitung oder den Sozialdezernenten/die Sozialdezernentin eröffnet.

„Allein unterwegs, 2017” war eine Kunstaktion unbegleiteter Jugendlicher der Wohngemeinschaften des Jugendhilfeverbandes Antoniusheim. Gemeinsam mit Künstler: innen gestalteten sie die Flure und Gemeinschaftsräume. Höhepunkt war eine Fotoausstellung „Allein unterwegs” mit einem Fotografen, die 2017 in der Kinder- und Jugendgalerie ausgestellt wurde. „Wer sind die Anderen?” War ein Ausstellungsprojekt in Kooperation mit einem Wahlpflichtkurs der achten Klasse der Kleistschule – fast alle hatten Migrations- oder Fluchterfahrungen. Deutschlandweit gibt es sehr wenige vergleichbare Einrichtungen mit dieser umfangreichen Ausstellungstätigkeit. Malwettbewerbe Der erste Malwettbewerb 2008 wurde zum Thema „Meine Familie” ausgeschrieben. Die Einsendungen wurden prämiert, ausgestellt und die besten Ergebnisse auf das Plakat der Familienkarte gedruckt. Gemeinsam mit dem Verein „die Kunstwerker e.V.” wurde in 2020 der Malwettbewerb „In Zeiten von Corona” während des ersten Lockdown ausgeschrieben und war mit 80 Einsendungen bei den Kindern und Jugendlichen schon sehr erfolgreich. Die künstlerische Auseinandersetzung über die Malwettbewerbe ermöglicht den teilnehmenden Kinder und Jugendlichen eine WIESBADENER

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„Meine Hoffnung 2030“, Seohee Yun 8 Jahre

Ausdrucksform, die unabhängig von Sprache ist und somit mehr Kindern Ausdruck verleihen kann. Offene Werkstätten und Veranstaltungen Die Kinder- und Jugendgalerie soll ein Ort des Experimentierens sein – ergebnisoffen. Die Kinder und Jugendlichen können, müssen sich aber nicht mit Kunst auseinander setzen. Vielen kommen, um einen Raum für sich zu haben. Irgendwann beginnen sie, sich auszuprobieren, aber nicht immer ist das der Fall. Manche Kinder sind einfach nur da, aber alle genießen den Raum und die Zeit miteinander. „So wird die offene Werkstatt zu einem Ort des Experimentes und des kreativen Selbstausdruckes ohne pädagogischen Eingriff Erwachsener. Kein leichtes Unterfangen in einer Leistungsgesellschaft, die bereits in der Kita Vorgaben macht, wie ein Vogel auszusehen hat, und somit das spontane „Spuren hinterlassen” frühzeitig unterdrückt”, so Alexandra Waldmann. Aktuelle Angebote der Kinderund Jugendgalerie Coronabedingt ist es nicht mehr möglich, ohne Anmeldung die offenen Werkstätten oder Veranstaltungen zu besuchen. Telefonische Anmeldung ist erforderlich, denn die Teilnehmerzahl ist begrenzt – leider!

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Angebote bis Dezember 2021: Malen und Tonen: jeden Dienstag von 16-17 Uhr oder von 17-18 Uhr, jeweils eine Stunde für Kinder ab 5 Jahren. Graffiti und Street Art: jeden Freitag von 14.30 – 16.30 Uhr oder von 17 – 19 Uhr. Für Teenis ab 10 Jahren mit dem Wiesbadener Graffiti und Street Art-Künstler Yorkar. Anmeldung erforderlich: Tel.: 0611 – 313 598

Weitere Infos unter: www.wiesbaden.de/ kinderundjugendgalerie Alle Infos und aktuellen Angebote auch über den Newsletter, der hier abonniert werden kann: www.wiesbaden.de/newsletter Alexandra Waldmann vom Amt für Soziale Arbeit und Mitgründerin der Galerie stand uns für ein Interview zur Verfügung. Wie kam die Ausschreibungen zustande? Seit gut einem Jahr ist das Thema ökologische Nachhaltigkeit aktuell, und so wurde das Thema „Unsere Erde 2030” für die Jubiläums-Ausstellung ausgewählt. Das Thema ist aber offener gehalten, und die Kinder können ihrer Phantasie Lauf lassen. Neben den Einzeleinsendungen gibt es auch einige Gemeinschaftsarbeiten, die in Schulen oder Kinder- und Jugendbetreuungseinrichtungen entstanden sind. Alle Exponate werden auch

in einem Buch veröffentlicht, worauf die Kinder extrem stolz sind. Mit einer Ausstellung können sie oft nichts anfangen, wohl aber mit einem Buch. Es ist eine enorme Motivation, an einer Ausschreibung teilzunehmen. Der erste Malwettbewerb war zu Beginn der Coronazeit, als die ersten Beschränkungen griffen. Hier gab es bereits 80 Einsendungen, und dieses Mal sind es noch mehr. In der Ausstellung ist der Zusammenhang zwischen der Coronakrise und der Klimakrise sehr schön zu sehen. Ja, viele Medien haben diesen Zusammenhang hergestellt, und die Kinder, vor allem aber die Jugendlichen haben diesen Zusammenhang in ihren Arbeiten aufgegriffen. Die Jugendlichen hatten durch den Lockdown auch Zeit, sich mit dem Thema über die Medien beschäftigen. Entstanden sind Werke von oft besonderer Eindringlichkeit. Über welche Kanäle wird veröffentlicht? Die Ausschreibungen werden an die Schulen, Betreuungszentren, in der Presse, über Social Media Kanäle, wie Facebook und Instagram, aber auch über unseren Newsletter und unsere Homepage (www.wiesbaden.de/ kinderundjugendgalerie) sowie an diversen zentralen Orten veröffentlicht, zu denen Kinder und Jugend7


KULTUR

&

KREATVES

Welche Angebote sind aktuell in der Kinder- und Jugendgalerie möglich? Die Kreativ Werkstatt: Dienstags und Freitags Die offenen Werkstätten wurden durch die Kreativ Werkstatt abgelöst, da man sich – coronabedingt – vorher anmelden muss. Es gibt deutlich begrenzte Teilnehmerzahlen. Dienstags: Malen und Ton Freitags: Graffiti Wie sind die Angebote angelegt? Die Angebote sind total niederschwellig. Die Kinder müssen keine Kunst machen, es geht ums freie Gestalten, kein Kursangebot. Wenn die Kinder nichts machen wollen und einfach nur da sein möchten, können sie das auch tun. Eltern haben keinen Zutritt, die Kinder können sich ausprobieren und müssen nichts „Sichtbares” erstellen.

Luna Wang, 8 Jahre

liche Zugang haben. Und natürlich werden Schulen und pädagogische Fachkräfte mit eingebunden, die unser Netzwerk bereichern. Die Malwerkstatt hat auch offene Ateliers. Haben die während Corona stattfinden können? Wir hatten wenig geschlossen. Wir sind Teil der Kinder- und Jugendhilfe. Vier Kinder plus ein(e) Künstler:in konnten arbeiten. Es gab natürlich Beschränkungen. In 2021 mussten wir drei Monate schließen, in 2020 waren es ca. 10 Wochen, ansonsten haben wir, soweit es ging, weiter gemacht. Das Programm musste aber sehr eingeschränkt werden. Vor der Pandemie gab es drei offene Werkstätten und zwei

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Melek Elfachtali, 8 Jahre

Nachmittage mit Projekten, an denen die umliegenden Schulen beteiligt werden, die z.B. eine AG zu diversen Themen hatten. Die Schulprojekte sind meist langfristig angelegt. So wurde zum Beispiel an dem Schulprojekt „Wir sind die anderen” gut ein Jahr gearbeitet. Vier verschiedene Künstler:innen haben nacheinander das Projekt begleitet und ihre Fähigkeiten vermittelt. Die Projektarbeit mit Schulen wurde coronabedingt im ersten Halbjahr 2021 komplett eingestellt, durch die Coronavorgaben war ein sinnvolles Arbeiten nicht möglich. Die Organisation war zu aufwändig. Im zweiten Halbjahr gibt es – soweit und solange es möglich ist – wieder Projekte.

Gibt es finanzielle und ideelle Unterstützer? Finanziell ist die Galerie als städtische Einrichtung abgesichert. Wir freuen uns aber immer über Ausstellungsorte, die sich zur Verfügung stellen, wie z.B. Schulen und Jugendzentren, aber auch andere Ort sind willkommen. Casa e.V. ist aber einer der Hauptkooperationspartner. Dadurch können wir Kinder und Jugendliche aus dem umliegenden Viertel ansprechen, die sonst nicht so kommen würden. Wie hat sich die Kinder- und Jugendgalerie in den vergangen Jahren entwickelt? Vor 15 Jahren haben wir mit 250 Kindern im Jahr begonnen; vor Corona waren es dann 4000 Kinder. Wir haben erfolgreich mit Elternarbeit begonnen. Aber die Pandemie hat ihren Tribut gezollt. Derzeit haben wir sicher viele Kinder im Viertel vorerst verloren. Jetzt müssen die Eltern vorher anrufen und die Kinder anmelden. Viele Eltern machen das nicht, da sie andere Dinge im Alltag zu erledigen haben oder die Kinder ihre Anwesenheit selbst geregelt haben. Im offenen Betrieb konnten die Kinder einfach kommen, oft brachten sie die kleinen Geschwister mit. Früher wurde auch über die umliegenden Grundschulen Schnupperworkshops angeboten. Das alles ist aufgrund der Corona-Auflagen aktuell so nicht möglich, und wir werden hier wieder Aufbauarbeit leisten müssen. WIESBADENER

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KULTUR

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KREATVES

Cover Werkkatalog, Umschlaggestaltung: Petra von Breitenbach

Petra von Breitenbach – 40 Jahre künstlerisches Schaffen Der Werkkatalog der Wiesbadener Künstlerin ist erschienen

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00 Seiten umfasst das opulente Werk! Seiten, die das gesamte künstlerische Spektrum der Künstlerin zeigen. Petra v. Breitenbach blickt auf 40 Jahre künstlerisches Schaffen zurück, das sowohl von künstlerischen, musikalischen, wie privaten Strömungen und Empfindungen inspiriert war und ist, als auch von politischen und sozialen Ereignissen. Die Künstlerin gewährt uns aber auch einen Blick in ihr Privatleben, auf Menschen und Situationen, die sie in ihrem Leben und damit auch in ihrer künstlerischen Arbeit geprägt haben. Mit einem sehr treffenden Vorwort von Dr. Jörg Daur, stellvertretender Direktor des Landesmuseums Wiesbaden, ist ein spannendes und inspirierendes Lebenswerk entstanden. 10

„Paraphernalien” / embodied emptiness”, 2021, Foto: Iris Kaczmarczyk Wiesbaden

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KULTUR

Wir haben die Künstlerin zu ihrem Werk befragt. Wie und wann ist die Idee entstanden, Ihre Kunst in einem Buch zu veröffentlichen? Das war ein sehr fernes Ziel, auf das ich lange hingearbeitet habe, nachdem ich den Werkkatalog über Christa Moering herausgegeben hatte (Reichert Verlag 2015). Dabei habe ich festgestellt, wie wichtig es ist, zu Lebzeiten ein ordentlich geführtes Archiv anzulegen und kontinuierlich zu verwalten, die Grundvoraussetzung für ein Werkverzeichnis. Im Sommer 2020 habe ich dann einen Antrag für ein Katalogstipendium beim Ministerium für Wissenschaft und Kunst gestellt. Die Zeit war nun auch begünstigt durch die Tatsache, dass der Lockdown eine „Klausur” ermöglicht hat. Haben Sie kontinuierlich daran gearbeitet, oder gab es Schaffenspausen/ Kreativpausen? Nachdem ich in den vergangenen Jahren die Archivierung fast vollständig abgeschlossen hatte, konnte ich tatsächlich zügig an dem Buch arbeiten. Ich hatte auch einen gewissen Zeitdruck durch den Abgabetermin des Ministeriums. Ich habe also ein Jahr gebraucht für das Konzept, ergänzende Fotografien und Texte. Die notwendigen Pausen ergaben sich aus dem Arbeitsprozess und dadurch, dass ich mit einer Grafikerin zusammengearbeitet habe (Iris Kaczmarczyk), die mir (zum Glück) auch Pausen zugemutet hat. Pausen zur Reflexion, Vertiefung und Durcharbeitung von Krisen waren wichtig.

in denen die fertigen Resultate abgebildet sind. Das Prozesshafte, Studien, Skizzen, Texte musste ich leider fast ganz weglassen. Im Laufe des Entstehungsprozesses kamen noch Werke dazu, die ich ursprünglich nicht mit hineinnehmen wollte, aber sie waren für die Nachvollziehbarkeit der weiteren Entwicklung notwendig. Sind Werke ausschließlich für das Buch entstanden? Eine Serie aus dem Jahr wurde 2019 fertiggestellt (schwarze Blattformen, Positiv/Negativform 1994/2019, S. 145) Ich habe viele Werke und Serien in diesem Buch zum ersten Mal gezeigt und damit in den Gesamtzusammenhang gestellt, das war sehr spannend. Gab es den Blick von außen, d.h. hat Ihnen eine „unbeteiligte Person” am Ende oder zwischendurch bei der Auswahl geholfen? Die Zusammenarbeit mit dem Kunsthistoriker Dr. Peter Lodermeyer war hilfreich. Und wenn man mit einer professionellen Grafikerin zusammenarbeitet, hat man auch Kontrolle und den Blick von außen. Stand von Anfang an fest, welche Inhalte das Buch haben sollte? Das Buch umfasst 40 Jahre meiner künstlerischen Arbeit. Dabei war mir auch ein ausführlicher biographischer Teil mit vielen Fotografien wichtig.

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KREATIVES

Welche Erlebnisse, Menschen, Krisen haben mich überhaupt dazu geführt, mich so intensiv und lange auf die Kunst einzulassen, das exemplarisch aufzuzeigen war mir wichtig. Es stand außerdem fest, dass die autodidaktische Phase ein ganzes Kapitel im Buch bekommen sollte. Die Ausbildungen an der Hochschule Mainz und hier an der WFK spielen ebenfalls eine Rolle. Der Leiter der WFK, Dr. phil. Michael Becker erläutert darin die Tonalitätslehre, das Spezialgebiet dieser Schule. Ein Text von Christa Moering, aus dem Jahr 1993 leitet das erste Kapitel ein. Das Buch ist im Selbstverlag erschienen. Wie, wo und zu welchem Preis kann es erworben werden? Das Buch kostet € 49,90 und kann bei mir bestellt werden: info@petra-von-breitenbach.de Ein Ansichtsexemplar liegt in der Kunsthandlung Hermann Reichard in der Taunusstraße 18, 65183 Wiesbaden aus. Petra von Breitenbach Werkkatalog 1981 – 2021 arealeArtis 2021 ISBN: 978-3-00-068785-3 500 Seiten; 1600 Werksabbildungen Offsetdruck Hardcover; Hrsg. im Selbstverlag

Welche Schwierigkeiten/ Besonderheiten/schöne Momente haben Sie dabei erlebt? So eine Publikation ist ein Prozess. Ein künstlerisches Œvre lässt sich ja nicht aufaddieren wie eine Zahlenreihe, sondern hat z.B. auch reziproke Sequenzen. Bei der Reihenfolge der Werke gab es bis zum Schluss noch Veränderungen, das war z.T. sehr aufregend. Spannend war auch die 30-jährige Rückschau auf ein Tagebuch aus dem Jahr 1991, welches ich bei einem Aufenthalt in Civitella d ´Agliano geführt hatte. Damals habe ich mich zum ersten Mal mit der „Sozialen Plastik” (Beuys) auseinandergesetzt. Wie haben Sie die Auswahl getroffen? Ein Werkkatalog erhebt ja den Anspruch auf Vollständigkeit, im Gegensatz zu einem Katalog, der sich auf eine Ausstellung bezieht. Aus technischen Gründen musste ich mich auf 500 Seiten beschränken. Es gibt fünf Kapitel, WIESBADENER

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Petra von Breitenbach, 1986

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KULTUR

&

KREATVES

Der künstlerische Leiter von Mal_anders Artjom Chepovetskyy (Mitte) mit seinen Künstler:innen

„Wir haben nie den Pausenknopf gedrückt“ Das Atelier Mal_anders in bewegten Zeiten

H

ell erleuchtet ist das Malatelier in der Wiesbadener Johannes-Brahms-Straße an diesem trüben Novemberabend. Kunst braucht Licht. Nach und nach treffen die ArtBrut-Künstlerinnen und Künstler ein, die meisten nach ihrem Arbeitstag in den Werkstätten, setzen sich an ihre Arbeitsplätze und beginnen sofort zu malen. Derzeit passiert das zweimal die Woche. Seit über 20 Jahren besteht das Kunstatelier Mal_anders der EVIM Behindertenhilfe in Wiesbaden. Es ist eines von mehreren Kulturprojekten, die Menschen mit Beeinträchtigungen die Möglichkeit eröffnen, projektbezogen und unter Anleitung von Profis aktiv zu sein: tanzen, malen, gestalten, Theater spielen oder Musik machen. Heute Abend treffen wir im Atelier den Geschäftsführer der EVIM Behindertenhilf Björn Bätz, den 12

Prokuristen Eugen Krauter und den künstlerischen Leiter von Mal_anders Artjom Chepovetskyy, um mit ihnen über die EVIM Kulturarbeit im Allgemeinen und speziell in Zeiten von Corona zu sprechen. Sie alle sind stolz auf das, was hier in 20 Jahren entstanden ist. „Wir wollen eine Plattform schaffen, damit die Menschen Kultur erleben und leben können. Es geht darum, heraus zu finden, wo jemand seine kreativen Fähigkeiten hat. Im Atelier Mal_anders macht das Artjom Chepovetskyy seit einigen Jahren, und man merkt, wie er kreatives Potential zu wecken versteht – genial!” schwärmt Eugen Krauter, der vor sechs Jahren, als die damalige Leiterin Monika Niebergall aufhörte, einen Nachfolger suchte und bei einer Ausstellung den jungen Künstler aus der Ukraine fand. Artjom Chepovetskyy kam als 16jähriger nach Deutschland, stu-

dierte Kunst auf Lehramt an der Kunsthochschule Mainz, lebt und arbeitet heute in Frankfurt, wo er auch sein Atelier hat und im Programm der Galerie Heike Strelow vertreten ist. Der Job bei Mal_anders war komplettes Neuland für ihn, doch er konnte hier sein pädagogisches Instrumentarium einbringen – und es hat, zu seiner Überraschung, sofort geklappt. Nun kommt er zweimal die Woche nach Wiesbaden, um die Gruppe anzuleiten, doch diese Arbeit ist für ihn keine Arbeit – sondern ein Austausch. „Das ist mein Ansatz: Ich suche den Austausch nicht nur mit Ausstellungen, sondern auch in Form eines kreativen miteinander Arbeitens. Und das gelingt hier ausgezeichnet. Und es ist sehr spannend zu beobachten, wie sie auf ihre Ideen kommen und wie sie das umsetzen, ganz leicht und sehr schnell. Wenn ich in mein Atelier komme, setze ich mich erst mal vor ein Bild, trinke Kaffee und WIESBADENER

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KULTUR

&

KREATIVES

Björn Bätz, Geschäftsführer der EVIM Behindertenhilfe (li.) und Evim-Prokurist Eugen Krauter im Atelier

nach einer Stunde fange ich langsam an. Das ist hier völlig anders. Die Menschen kommen rein und legen sofort los.” Bei unserem Werkstattbesuch sind sechs Künstler:innen anwesend. Da sind Heidi und Fatou, zwei Porträtmalerinnen, die sich mit dem Thema Frauenbild beschäftigen. Stefan entwickelt abstrakte Kreisbilder. Ralf besitzt ein phantastisches Farbgefühl und malt Landschaftsbilder, die in die Abstraktion übergehen. Christian ist ein sehr begabter Zeichner mit eigener Zeichensprache; er beschäftigt sich seit langem mit afrikanischen Masken. Jenny hat während der Coronazeit pausiert und ist seit kurzem wieder eingestiegen. Sie hat mit Zeichnung angefangen und dann langsam in die Malerei gewechselt. Alle sind vertieft in ihre Werke, man spürt förmlich die kreative Energie, die den Raum erfüllt. Welche große Bedeutung Kulturarbeit bei EVIM hat, sagt uns Geschäftsführer Björn Bätz: ”Es hat sich in den letzten Monaten, ja Jahren gezeigt, wie wichtig Kulturarbeit ist, und was uns allen fehlt, wenn diese in unserer Gesellschaft und im sozialen Raum wegbricht. Und man sieht gerade an diesem Projekt Mal_anders, wie schön es ist, dass Menschen mit Beeinträchtigung Teil dieser Kulturarbeit sind. Das finde ich super.” WIESBADENER

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Doch wie ergeht es der Kulturarbeit in Coronazeiten? Der Lockdown hat auch bei EVIM Spuren hinterlassen. „Es gab leider gravierende Einschnitte,” erzählt uns Bätz, „Die einzelnen Projekte konnten nicht in ihrer gewohnten Form stattfinden, wir mussten Wege finden, wie sich Menschen mit Beeinträchtigungen mit diesen besonderen Herausforderungen in der digitalen Welt zurecht finden.” Dabei sind großartige Dinge gelungen. So konnte die Band „Ruhestörung” online proben, jeder bei sich zu hause haben sie in einer Videokonferenz gemeinsam Musik gemacht. Auch bei Mal_anders hat es mit kleineren Gruppen und individuellen Angeboten geklappt. „Aber es fehlt diesen Menschen doch sehr, in Erscheinung treten zu können und Teil der Kulturszene zu sein”, hat Bätz beobachtet. „Denn das ist ja nicht nur Beschäftigung oder Selbstzweck, man will auftreten und in der Kulturszene präsent sein. Natürlich haben wir die Nischen genutzt, uns z.B. im Sommer bei „Wiesbaden tanzt” beteiligt. Überall, wo die Türen auf waren, sind wir auch durchgegangen. Wenn wir wieder zurück kommen zur Normalität, sollen alle EVIM Kulturprojekte im Sozialraum, wieder im Miteinander erlebbar sein.

Wir haben nie den Pausenknopf gedrückt, die Kulturarbeit ging immer weiter… leider manchmal ohne Öffentlichkeit. Da wollen wir wieder zurück.” So sieht es auch Eugen Krauter, der sich angesichts der Krise klar positioniert: „Es gilt: nicht stoppen, nicht hängen lassen, Alternativen finden. Und gleichzeitig das Gewohnte wach halten.” Und was können wir dazu beitragen? Ganz einfach: spenden. Denn auch darauf ist Mal_anders angewiesen. Weitere Infos unter: www.evim-kulturarbeit.de/galerie

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KULTUR

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KREATIVES

Schulen“, die wir gemeinsam mit der Stiftung Kunst und Natur veranstalten“, liegt eine Publikation vor mit „‚Werkzeugen und Inspirationen zum Starten von nachhaltigen Kulturprojekten“. Ehre, wem Ehre gebührt: Heute einmal eine herzliche GratulArtion an die auf vielen Gebieten engagierte Chefin. Kulturfonds-Geschäftsführerin Karin Wolff ist eine Politikerin mit Herz für das Ehrenamt. Jetzt wurde die Christdemokratin mit der höchsten Auszeichnung der evangelischen Kirche, der Martin Niemöller-Medaille, gewürdigt. Die Auszeichnung ist nach dem ersten Kirchenpräsidenten der EKHN benannt. Der kompromisslose Friedenskämpfer und NSGegner lebte bis zu seinem Tod 1984 in Wiesbaden und fand weltweit Anerkennung.

Verdiente Trägerin der Niemöller-Medaille. Kulturfonds-Geschäftsführerin Karin Wolff ist eine Politikerin mit Herz für das Ehrenamt. Die frühere hessische Kultusministerin wurde mit der höchsten Auszeichnung der evangelischen Kirche gewürdigt.

„Isolation und ihre Auswirkungen, Diversität und Rassismus, Identität und Musik, Schriftkultur und digitale Vermittlung - dies sind einige der Themen, die unsere Kulturschaffenden in unterschiedlichen Formaten verarbeitet und umgesetzt haben.“ Und so ist es auch kein Wunder, dass der Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main allein in seinem sogenannten „Kleinen Verfahren“ eine Fördersumme von rund 240.000 Euro bewilligt hat. Im Oktober hat der Kulturfonds vier neuen Projekten eine Zusage mit einem Volumen von 108.000 Euro gegeben. Der Bogen wird gespannt vom Hessischen Jazzpodium & Hessischem Jazzpreis 2021 an den herausragenden Pianisten Christof Sänger über eine Veranstaltungsserie

des Main-Taunus-Kreises mit der Aufforderung „Erzähl!“ bis zur Herausforderung „Share !“ der Städtischen Bühnen Frankfurt, die Stadt-TheaterRäumen teilen und gestalten wollen. Auch die 12. Wiesbadener Fototage 2022 zum Thema „Unruhige Zeiten“ werden gefördert. Seit acht Jahren fördert das Programm KUNSTVOLL „spannende kulturelle Bildungsprojekte in Frankfurt RheinMain. Dadurch sind bereits zahlreiche Kooperationen zwischen Kulturinstitutionen, Kulturschaffenden und Bildungseinrichtungen entstanden, bei denen die teilnehmenden Jugendlichen mit ihrer Kreativität tolle Projekte auf die Beine stellen konnten.“ KUNSTVOLL hat Zuwachs bekommen: „Zur Fortbildungsreihe „Kreativ und organisiert“ Impulse für nachhaltige Kulturprojekte an

Die Geehrte zeigte sich von der Auszeichnung überrascht. Karin Wolff war von 1992 bis 2010 Mitglied im ehrenamtlichen Kirchenparlament, der Synode der EKHN. Ab 2006 gehörte sie dem Kuratorium der Ehrenamtsakademie der EKHN an und war von 2010 bis 2020 dessen Vorsitzende. Kuratoriumsmitglied der Evangelischen Hochschule Darmstadt ist sie weiterhin. Von 1999 bis 2008 war Karin Wolff hessische Kultusministerin sowie von 2003 bis 2008 Stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes Hessen. Bei der Verleihungsfeier in Worms attestierte Jörn Dulge als Beauftragter der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Karin Wolff „einen klaren Blick für die Geschichte, sie ist wach für die Herausforderungen der Gegenwart, erarbeitet sich einen klaren Standpunkt. strebt nach Wahrheit und bleibt immer offen für die Ansprache durch Gott und die Menschen.“ Als Kulturfonds-Geschäftsführerin wünscht Karin Wolff allen Interessierten „viel Inspirationen für einen leuchtenden Herbst!“ www.kulturfonds-frm.de Text und Fotos: Gesine Werner

Kultur als Hoffnungsschimmer in Zeiten der Pandemie Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main engagiert sich als Brückenbauer/Chefin Karin Wolff wurde mit der Niemöller-Medaille ausgezeichnet 14

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KULTUR

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rossroads – das sind sieben Künstler:innen aus Kfar Saba und je acht Künstler: innen aus den Partnerstädten Mühlheim/Ruhr und Wiesbaden, die insgesamt 70 Werke gemeinsam ausstellen. Entstanden ist eine interessante Ausstellung von 23 Künstler:innen aus zwei verschiedenen Kulturkreisen, die doch eine Sprache sprechen, nämlich die der Kunst. Alle Künstler:innen haben das Thema „Crossroads”/”Kreuzungen” in ihren Arbeiten aus ihrer eigenen Perspektive umgesetzt. Jede(r) hat ihre/seine „Lebenskreuzungen” einfließen lassen und doch ist ein erstaunlicher Konsens entstanden. Geht man durch die Ausstellung oder blättert im Katalog ohne auf die Namen der Künstler:innen zu achten, sind viele Gemeinsamkeiten zu erkennen und wer zu welchem Kulturkreis gehört verschwimmt durchaus. Crossroads – eine Thema, das in jeder Lebenslage aktuell ist, denn jede(r) kommt im Leben an mindestens eine Kreuzung, die seinem/ihrem Leben eine neue Richtung verleihen kann. Auf Initiative des Künstlers Prof. Heiner Schmitz, dem Künstler Amnon Tischler und Gad Reich, dem Berater des Bürgermeisters für die deutschen Partnerstädte, entstand 2013 die Idee, ein Programm für „Künstler der Partnerstädte” zu entwickeln. Bereits in 2015 und 2017 stellten Künstler:innen aus der Gruppe „AnDer” aus Mülheim/Ruhr in Kfar Saba aus. Es entstand die Idee, WIESBADENER

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KREATIVES

Crossroads – Ausstellung mit Hindernissen auch Wiesbaden als zweite Partnerstadt dazu zunehmen und eine städteübergreifende Ausstellungsreihe in allen Partnerstädten zu initiieren. Die Idee war geboren, die Umsetzung geplant und dann kam die Pandemie. Die für Anfang 2020 geplante Ausstellung in der Katholischen Akademie „Die Wolfsburg”

Die Künstler:innen Kfar Saba: Hadassa Gorohovski Niva Harsgor Hendin Amnon Tischler Bella Levin Zvi Reichverger Ezra Shuki Etti Sharony Mülheim/Ruhr: Uwe Dieter Bleil Alfred Dade Karin Dörre Jan Homeyer Joachim Poths

Ralf Raßloff Eberhard Ross Heiner Schmitz Wiesbaden: Angela Cremer Nicole Fehling Gabriele Hattesen Iris Kaczmarczyk Romana MenzeKuhn Roland MeyerPetzold Christiane Steitz Petra von Breitenbach

in Mülheim/Ruhr verschob sich auf den 15.11.2020 und wurde direkt nach dem Aufbau durch die Künstler:innen aufgrund der fortschreitenden Pandemie sofort wieder geschlossen. Dank der Fotos von Heiner Schmitz und Petra von Breitenbach, die während der Hängung gemacht wurden, konnte gemeinsam mit dem Kunsthistoriker Dr. Tobias Kaufhold, Heiner Schmitz, Jürgen Schardt und fokus-media ein Video zur Ausstellung gefertigt werden (https://bit.ly/3mEAdeX). So entstand das einzige Dokument über die Ausstellung, die obwohl

bis Ende Februar 2021 verlängert, nie einem auswärtigen Publikum gezeigt werden konnte. Tragischerweise verstarb Gad Reich (Förderer der Ausstellung) im Januar 2021 an den Folgen einer Coviderkrankung. Ursprünglich sollte die Ausstellung „crossroads” am 2. Februar 2021 nach Wiesbaden umziehen. Dieser Termin wurde pandemiebedingt gestrichen und auf den 11. Juli 2021 verschoben. Die Vernissage im Rathaus der Stadt Wiesbaden konnte dann unter den aktuellen Coronabedingungen (Getestet, Geimpft, Genesen) mit bis zu 50 Personen stattfinden. Sie wurde mit einer Rede von Dr. Jörg Daur (stellvertretender Direktor des Museum Wiesbaden) eröffnet. Künstler: innen aus Israel und Mülheim/Ruhr waren ebenso zur Vernissage angereist, wie Frau Dr. Karin Stempel, die Kuratorin der Mülheimer Ausstellung. Die Künster:innen aus Wiesbaden waren vollzählig anwesend sowie Dr. Regina Plaßwilm (Verein Jüdisches Leben in Deutschland) und die beiden Vorsitzenden des Freundeskreises Kfar Saba. Die Ausstellung im Rathaus (12.22.07.2021) war gut besucht und die Resonanz der Besucher:innen sehr positiv. Crossroads wird pandemiebedingt erst in 2022 in Kfar Saba gezeigt werden können. 15


KUL-

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Amnesty International feiert Jubiläum. Ute Hellwig, Seyfullah Ali Tezcan und ai-Sprecher Matthias Chalmovsky installieren die interaktive Freiluftschau auf dem Luisenplatz.

Ein Abend für die Menschenrechte Amnesty International Wiesbaden feiert die UNOErklärung Der 10. Dezember ist der Tag der Menschenrechte. Die Amnesty-Gruppen Wiesbaden laden an diesem bedeutenden Datum um 20 Uhr zu einem „Abend für die Menschenrechte“ ein in das Kesselhaus des Schlachthofs. Zum Jubiläum „60 Jahre Amnesty International“ werden die Menschenrechte gefeiert mit Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende, der früheren Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, dem Beethoven-Preisträger Aeham Ahmad aus Syrien, der als Pianist und Autor einige Jahre in Wiesbaden lebte, sowie Integrationspreisträger Armin Nufer. Seit Erscheinen des Artikels „The forgotten Prisoners“ des britischen Anwalts Peter Benenson vergingen 60 Jahre. Dieser Text legte den Grundstein für die größte unabhängige Menschenrechts-Organisation der Welt. „Amnesty International“ setzt sich mit rund zehn Millionen Unterstützerinnen und Unterstützern auf allen Kontinenten für die Erhaltung der Menschenrechte ein. „Angetrieben vom Motiv der Menschlichkeit arbeitet die Bewegung auf eine Welt hin, in der alle Menschen dieselben Rechte genießen. Grundlage der Arbeit von Amnesty International ist die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die 1948 von den Vereinigten Nationen verabschiedet wurde. Jeder Mitgliedsstaat der UNO verpflichtet sich, diese Erklärung einzuhalten. Amnesty International fordert somit von den Staaten ein, wozu sie sich selbst bekannt haben.“ Im September zeigten die Wiesbadener Gruppen die interaktive Freiluft-Jubiläumsschau „60 Jahre Amnesty - Menschlichkeit für die Menschenreche“. Bis November war die Theaterkolonnade, wie schon in den Jahren 2001 und 2008, eine „Straße der Menschenrechte“ geworden. Schirmherr war Oberbürgermeister Mende. AI-Sprecher Matthias Chalmovski betonte bei der Eröffnung: „Wir wollen das Bewusstsein für die Menschenrechte stärken.“ Info: www.amnesty-wiesbaden.de Text und Foto: Gesine Werner

„Und die Freiheit hat sich den Fuß verrenkt, kann nicht mehr springen und stürmen…” Theaterurgestein Stephan Bieker war mit seiner Heine-Version zu Gast bei der Theatergemeinde Wiesbaden in der Kulturbühne Marleen.

Poetische Feder & Freier Geist in Biberich Stephan Biekers außergewöhnliche Heine-Version mit der Theatergemeinde Wiesbaden zu Gast im Kulturzentrum Marleen „Ich bin des freien Rheines noch weit freierer Sohn“, bekannte Heinrich Heine, als der Pariser Emigrant „im traurigen Monat November“ nach 13 Jahren erstmals wieder durch sein Geburtsland reiste. 1844 tat der „brave Soldat im Befreiungskriege der Menschheit“ sein „Wintermärchen“ kund, das so zeitlos aktuell ist. Die Theatergemeinde Wiesbaden e.V., mit der Boygroup Dr. Thomas Weichel, Hans Kloos, Thomas Faas und Andreas Friede-Majewski als neuem Vorstand, bietet jetzt auch eigene Kulturveranstaltungen an. Im Einkaufszentrum „Lili“ neben der Rolltreppe in der Beletage nach links abbiegen und im „Marleen“ einchecken. „Deutschland. Ein Wintermärchen von Heinrich Heine, gelesen von Stephan Bieker“ stand im Programm. Von wegen „gelesen“ – das war exzellent gesprochen und halb szenisch gespielt. Sein „Wintermärchen“ hat Stephan Bieker, unter Intendant Leininger von Schauspieldirektorin Annegret Ritzel an den Wiesbadener Musentempel engagiert, nach eigenem Bekunden „immer dabei“. Der enorm wandlungsfähige Theater- und Film-Schau-Spieler rezitiert aus dem Stegreif, weiß augenzwinkernd auch das „Harfenmädchen, nicht Hafenmädchen!“ zu würdigen. Er lässt sich von Mitwölfen huldigen, trifft Barbarossa im Kyffhäuser und besucht Muttern in Hamburg. Nach mehr als 30 Minuten grinst der Erzkomödiant „ich hab noch gar nicht ins Buch geschaut“. Und weiter geht´s. „Ihr Toren, die Ihr im Koffer sucht! Hier werdet Ihr nichts entdecken! Die Contrebande, die mit mir reist, die hab ich im Kopfe stecken.“ Und ob, denn „Mein Kopf ist ein zwitscherndes Vogelnest von konfiszierlichen Büchern…“ Nach Wiesbaden kam der sprachmächtige Emigrant Heine auch, wo Vater Rhein klagt über die Nacht- und Nebelaktion, die als „Nebeljungenstreich“ in die Geschichte einging: „Zu Biberich hab ich Steine verschluckt, wahrhaftig, sie schmeckten nicht lecker! Doch schwerer liegen im Magen mir die Verse von Niklas Becker.“ Der in der Wolle gefärbte Vollblutmime ist angeblich angeschlagen. Echt jetzt? Stephan Bieker ist allererste Sahne, kassiert Szenenapplaus und lässt sich um eine Zugabe nicht lange bitten: „Ein neues Lied, ein besseres Lied, o Freunde, will ich euch dichten! Wir wollen hier auf Erden schon das Himmelreich errichten.“ Da capo, Stephan Bieker! www.Theatergemeinde-Wiesbaden.de Text und Foto: Gesine Werner

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KULTOUREN

Das Goldjubiläum von Elle & Lui wurde von Modeexpertin Ilka Guntrum zünftig Open Air mit einer großen Fashion-Show gefeiert.

In Sachen Fashion am Puls der Zeit Modehaus Elle & Lui zelebriert Goldjubiläum mit großer Openair-Show „We will rock you!“ Freddy Mercury rockt das Bowling Green und den vollbesetzten Kurhausplatz. Das Modehaus „Elle & Lui“ zelebriert sein Goldjubiläum mit großem Bahnhof und Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende unter den Gästen angemessen zünftig: Bei Kaiserwetter begeistert die FashionShow auf dem geräumigen Catwalk unter freiem Himmel. Chefin Ilka Guntrum und Filius Gregory waren auf dem Catwalk höchstselbst aktiv und Göttergatte Andreas Guntrum wurde partiell als Moderator eingespannt. Goldische 50 Jahre „rockt“ das Haus schon die Rue mit Mode für Sie & Ihn, wirkt an der Wilhelmstraße echt „anziehend“. Chapeau! Elle & Lui Moden überzeugen als Familienbetrieb mit Rundumservice. Am 1. Mai 1971 von Mutter Ingeborg Hottenbacher (begeisterte Hobbyschneiderin und Model) mit Unterstützung von Vater Wilhelm (Steuerberater) als „Elle Moden“ in der Wilhelmstraße 28 gegründet, stand 1991 der Umzug an. Seit 1996 gibt es „Elle & Lui“ in der Wilhelmstrasse 42.. Tochter Ilka, die Summericher Löwegeborene, verdiente sich als Teenager schon Taschengeld bei der Handinventur. Papas Tochter (Spitzname Mäxleinchen) „hatte mit Klamotten nix am Hut“, setzte das Selbstverdiente in ein Moped um und „lieh“ sich Papas Lederjacke aus. Nach Abi und Lehre im Einzelhandel wurde Ilka Fuchs zum Einzelhandelskauf-„Mann“, dann zur Textilbetriebswirtin und stieg nach dem Studium in München als Diplom-Kauf“Mann“ ins Familienunternehmen ein. Selbstflüsternd kennt die Expertin die Kleiderschränke ihrer Stammkundschaft, berät mit Passion und ist bei Modetrends am Puls der Zeit. Als Vorstandsmitglied der IG Wilhelmstraße (IGW) sorgte sie für neue Blumenkübel mit attraktiver Bepflanzung entlang der Rue. Im Vorstand der Wirtschaftsjunioren war sie zuvor engagiert und organisierte für deren Bundeskonferenz den Kurhaus-Ballabend. Seit September 2005 ist die sportliche Modeexpertin Vorsitzende der Wiesbadener Werbegemeinschaft und wurde gerade in diesem Amt wieder bestätigt. Text und Foto: Gesine Werner WIESBADENER

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Frauenbeauftragte Saskia Veit-Prang, Christa Leiffheidt/ Wiesbadener Burgfestspiele, AMnesty-Sprecher Mathias Chalmovsky, Kim Engels und Beatrixe Klein vom Frauenmuseum stellen das Aktionsbündnis vor.

Mit vereinten Kräften gegen Femizide Wiesbadener Aktionsbündnis rückt das Thema „Gewalt gegen Frauen“ in den Fokus Gewalt gegen Frauen ist auch Anno 2021 ein virulentes Problem. Im April 1976 schloss sich im Autonomen Frauenzentrum Wiesbaden die Aktionsgruppe „Gewalt gegen Frauen“ zusammen. Im Mai 1977 (!) gründeten Gesine Werner und andere engagierte Frauen den eingetragenen Verein „Frauen helfen Frauen“, standen misshandelten Frauen aktiv bei und richteten einen Notruf ein. Die Beratungsstelle „Frauen helfen Frauen“ ist heute mehr als 35 Jahre eine wichtige Anlaufstelle. Femizid in Deutschland ist real und die Gewalt nimmt zu. „Jeden Tag ist eine Frau von einem versuchten oder vollendeten Tötungsdelikt durch den eigenen Ehemann, Partner oder Ex-Partner betroffen“, betont der Deutsche Juristinnenbund in einer Stellungnahme. Jeden dritten Tag bezahlt eine Frau in Deutschland männliche Gewaltexzesse mit ihrem Leben. Von wegen „Ehren“-Mord , wenn in muslimischen Kreisen Frauen getötet werden. In christlichen Kulturkreisen ist das Phänomen als „Familiendrama“ bekannt - als wäre das patriarchale Herrschafts- und Besitzdenken von Männern unabwendbares Schicksal. Mit dem Spruch „selbst schuld“ werden Frauen stigmatisiert, Verbrechen und Morde verharmlost und bagatellisiert. Auffällig still ist es, wenn es um Gewalt gegen Frauen geht. Von Prävention ganz zu schweigen. Ein Wiesbadener Aktionsbündnis rückt den Femizid, gegen den anderen Ortes protestiert wird, mit Veranstaltungen in den Fokus Neben Amnesty International, Wiesbadener Burgfestspielen, Frauenbeauftragte Saskia Veit-Prang und Frauenmuseum Wiesbaden sind Wildwasser Wiesbaden, das Kommunale Frauenzentrum, das Bündnis „Demokratie leben“, der Trägerkreis „Wir in Wiesbaden“ und der Schlachthof an Bord. OB Gert-Uwe Mende machte das Thema zur „Chefsache“ und betraute die Kommunale Frauenbeauftragte in seinem Dezernat mit der Umsetzung der Istanbul-Konvention. Eine Bestandsaufnahme des Hilfssystems wurde erarbeitet. Doch eine Statistik zu Femiziden fehlt und Amnesty-Sprecher Matthias Chalmovsky forderte eine ergänzte Kriminalstatistik. In der Veranstaltungsreihe stellte Strafverteidigerin Christina Clemm, erschreckende Kapitel ihres Buches „AktenEinsicht“ vor. Autorin Judith Götz las aus ihrem Buch „Frauen*rechte und Frauen*hass: Antifeminismus und die Ethnisierung von Gewalt.“ Die Alternative Nobelpreisträgerin, Gründerin von „medica mondiale“, Dr. Monika Hauser, diskutierte auf einer Podiumsdiskussion. Text und Foto: Gesine Werner 17


KULTOUREN

Das also war des Pudels Kern…Als komplettes-Faust-Ensemble sind die zwei Erzkomödianten Jannick Müller & Uwe Hangen eine padendemiekonforme Besetzung.

Faust & Mephisto treffen Marleen Die Taunusbühne zu Gast im Kulturzentrum Marleen im Lili – links neben der Rolltreppe Langsam spricht es sich rum – die Kultur in Wiesbaden macht sich ein wenig breiter. Ob Theater, Kabarett, Musik oder Tanz – freien Gruppen ebenso wie kreativen Köpfen wird eine Auftrittsfläche und Spiel-Raum auf 435 Quadratmetern geboten. Im Einkaufszentrum „Lili“ am Hauptbahnhof hat das städtische Kulturamt einen mit Licht- und Tontechnik sowie rund 200 Sitzplätzen ausstaffierten Veranstaltungsraum plus Proberaum (für Kurse, Workshops, Seminare etc.) geschaffen. Manko: Im Einkaufszentrum drin- kein Schild, kein Hinweis, gar nix. Aber mutig rein ins Lili, die Rolltreppe hoch und zum Marleen nach links-abbiegen. Die Taunusbühne Bad Schwalbach e.V., die heuer 60 Jahre Burgspiele auf der Burg Hohenstein feiern kann, hat ihre pandemiekonforme Inszenierung „Fast Faust“ nach der Komödie von Albert Frank in der Regie von Marianne Thiel & Michael Klatte ins Marleen gebracht und wurde vom Publikum gefeiert. Das Bühnenbild von Christine & Markus Mair, Elke Gotschers Kostüme und Verena Scholz-Roskos Maske sind wichtige Bestandteile der temporeichen Inszenierung. „Ihr naht Euch wieder, schwankende Gestalten…“ Nun ja, ob der alte Geheimrat Goethe nun echt die zwei streitlustigen Erzkomödianten gemeint hat, die sich mit Verve in den Klassiker werfen, auch vor Kalauer, Gag & Co. nicht zurückschrecken? .Jedenfalls können Gründgens, Quadflieg & die Flickenschild bei André mit Heiner ohne Hannah einpacken. Köstlich. Die beiden tapferen Mannen Jannick Müller & Uwe Hangen richten es alleine nicht ohne Tarnkappe plus Reclamheft. Und es fehlt niemand aus der Personage. „Habe nun, ach...“Mephisto macht Faust ein Angebot, das er nicht ablehnen kann, die „Hexen“ sind da, die herzallerliebste Jungfer stellt die berühmte „Gretchen“-Frage und Frau Marthe waltet ihres Amtes: „Mein Leipzig lob` ich mir! Es ist ein klein Paris und bildet seine Leute.“ Das Publikum spielt mit und „Fast Faust“ – könnte „fast“ wie beinahe heißen oder auch „auf die Schnelle“ über die Bühne fetzen. Ein mephistohöllischer Spaß.mit Osterspaziergang und Kästchenszene. Das also war des Pudels Kern - oder so. Info über www.Theatergemeinde-Wiesbaden.de

Sopranistin Mary Lou Sullivan-Delcroix, Pianistin Sigrid JennesMüller und Schauspielerin Gabriele Regensburger schwelgten im Wiener Jugendstil...

Jugendstil in Wien zum Silberjubiläum Hinreißende Soiree wird im Hinterhof-Palazzo gefeiert Wenn der genügsame Liebhaber in der Sonnengasse zu Sankt Goar auf den Koberer trifft und im Volksgarten blaue Ballone emporsteigen, fragt die Marschallin „liebst du um Schönheit?“ Die laue Sommernacht animiert Leutnant Gustl zu seinem Bekenntnis: „Bei Dir ist es traut“. Ausnahmesopranistin Mary Lou Sullivan-Delcroix, als wichtige Zeitzeugin in das oral history-Projekt des Stadtarchiv-Fördervereins eingebunden, hatte coronakonform zu einem Sternstündlein in ihr stilvolles Westend-Domizil an der Walramstraße geladen. Die auch als Gesangspädagogin engagierte Hausherrin kann heuer mit dem HinterhofPalazzo ihr Silberjubiläum feiern. Zum Jugendstil-Jahr 2019/2020 auf Anfrage des Kulturamtes gemeinsam mit Konzertpianistin Sigrid Jennes-Müller und Schauspielerin Gabriele Regensburger entwickelt, hatte die ausgefeilte Weaner Melange „Jugendstil in Wien - Musik und Literatur“ pandemiebedingt erst im Herbst umjubelte Premiere. Bei drei Vorstellungen wurde das ambitionierte Programm des feinsinnig aufeinander eingespielten Trios vom Publikum begeistert gefeiert und wird nach Möglichkeit 2022 wieder aufgenommen. Die „stets erfreuliche“ Phase der Recherche und Kennenlernen von Dichtern wie Richard Dehmel und Maurice Maeterlinck oder Peter Altenbergs treffsicherer Ironie führte auch zu Arnold Schönberg. Dessen „Gurre-Lieder“ gelten als sein „Tristan & Isolde“, obwohl hier die Liebhaberin getötet wird. Sigrid Jennes-Müller, Gabriele Regensburger und Gastgeberin Sullivan-Delcroix hatten Wort & Klang, Text & Musik inhaltlich fein ziseliert verwoben. Alles rankt sich um Liebe, Erotik, Tod. „Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding.“ BrettlLieder treffen Alma Mahler, Hugo von Hoffmannsthal, Richard Strauss und Arthur Schnitzler. Im September hatte Mary Lou im Gemeindesaal der Elisabeth-Kirche „Vergessenen Romantikern“ einen ungewöhnlichen Liederabend gewidmet mit Veronika List, Ingrid Ujj-Conrad, Ute Hilgenberg und Ortwin Trapp. Pianistin Ute Körner begleitete souverän am Klavier. Das traditionsreich beliebte Christmas-Carol fällt flach, doch sind für Frühling und Herbst 2022 spannende Projekte geplant. info@hinterhof-palazzo.de Text und Foto: Gesine Werner

Text und Foto: Gesine Werner 18

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TEPPICH MICHEL

Teppich Michel Wilhelmstraße 12 65185 Wiesbaden www.teppich-michel.de

Ladenöffnungszeiten: Montags-Freitags: 10:00-18:00 Uhr Samstags: 10:00-16:00 Uhr Tel.: 0611 – 30 28 44


KULTOUREN

Es geht langsam aber sicher voran bei der AWO Wiesbaden. Es zeigt sich Licht am Ende des Tunnels.

Nicht ohne meinen Koffer: Vincent Doddema auf Zeitreise zu den 20er Jahren und einer „Geldbörse” im XXL-Format der Inflationszeit.

Obskure Sumpfblüten werden ausgetrocknet

Ein KakaDu mit FantaSie

Arbeiterwohlfahrt bleibt auf Sanierungskurs und kommt voran Die skandalgebeutelte Arbeiterwohlfahrt kommt in ruhigeres Fahrwasser und blickt einigermaßen zuversichtlich nach vorn. Es geht Schritt für Schritt voran. Die ehemalige AWO-Angestellte Melanie Roth, Immobilienmaklerin aus Frankfurt, reichte Kündigungsklage ein und scheiterte vor dem Arbeitsgericht auf ganzer Linie. Die Widerklage der Wiesbadener AWO hatte Erfolg. Rund 116.702 Euro sind von Melanie Roth zurückzuzahlen. „Ein wichtiger Schritt“ ist für AWO-Chef Wolfgang Hessenauer auch, dass der Insolvenzplan vom Amtsgericht Wiesbaden genehmigt wurde. Der Betrieb der neun Kitas und anderer Einrichtungen kann weitergehen und bis Ende des Jahres können in einem abgestuften Verfahren wieder die Sätze des Tarifvertrages öffentlicher Dienst gezahlt werden. Kopfschütteln in der Öffentlichkeit und entgeisterte Leserbriefe: Wolfgang Gores wurde mit der Bürgermedaille in Gold und mit der seltenen Ernennung zum Stadtältesten gehrt. Dem zurückgetretenen früheren CDU-Stadtverordneten wirft die Staatsanwaltschaft Frankfurt Anstiftung zur schweren Untreue zu Lasten der AWO vor. Seiner Tochter, die über Jahre in einem Scheinarbeitsverhältnis Geld ohne Leistung bezogen habe, wird Beihilfe vorgeworfen. Schaden 105.000 Euro. In Frankfurt klagt nach mehreren fruchtlosen Gesprächsrunden die Stadt gegen den Frankfurter Kreisverband der AWO vor dem Landgericht. Die Kommune fordert von der AWO 470.433 Euro zurück, die sie 2017 und 2018 an Personalkosten für zwei Flüchtlingseinrichtungen zu viel zahlte. Die AWO bestreitet das. Doch dem Ex-AWO-Chef, gegen den ein Ermittlungsverfahren läuft, hatte die AWO Frankfurt zu Recht fristlos gekündigt. Jürgen Richter ist vor dem Bundesarbeitsgericht in Erfurt krachend gescheitert. Seine Forderung, bis zur Rente ein Gehalt von rund einer Million Euro zu bekommen, hat sich auch erledigt. Die Gerechtigkeit siegt. Text und Foto: Gesine Werner

Neue Spielstätte des Mainzer Musentempels mausert sich zum Geheimtipp für große Kleinkunst „Schöne Welt, Du gehst in Fransen“ war das Motto zur facettenreich angeschrägten Premiere in der Kakadu-Bar. Die neue Spielstätte des Mainzer Musentempels in der Beletage des Restaurants „Zum Grünen Kakadu“ wird auf zwei Bühnen und quer durch den Salon bespielt, bietet Salonatmosphäre und mausert sich zum Geheimtipp mit Suchtfaktor. Die variationsreiche „Speisekarte“ mit Musik, Lesung, Cabaret, Familienlesung & Co. hat Programmchefin Sylvia Fritzinger angerichtet. Serviert wird erste Sahne. Unter penibel eingehaltenen Schutzregeln beginnt das „aneinander Gewöhnen“ mit Aplomb. Charlestonkleid und Perlenkette, ein Koffer als Portemonnaie und DokuFilmschnipsel nehmen mit in die 20erJahre einst und jetzt. Alt-Berlin trifft Mainz, wo Maria „Seppel“ Einsmann zu „Frau Vater“ wurde und in Hosen ihren berufstätigen Mann stand. Riesenapplaus für das furiose Quartett: Anika Baumann & Vincent Doddema vom Schauspiel sowie Maren Schwier & Jürgen Rust aus der Gesangssparte mit Pianör Christian Maggio sind Spitze. Dada war auch da. Maren Schwier verkörperte Kurt Schwitters „Ursonate“ mit Stimmbandakrobatik vom Feinsten. Da capo! Die Augen machten „gans“ große Ohren. Die schnalzendkieksende Sopranistin kam als Figurine aus Oskar Schlemmers „Triadischem Ballett“ daher. Jubel und Szenenapplaus. Draußen Fassenachtsauftakt und drinnen der „größtmögliche Kontrast“ einer Lesung von verkannten Essays der prägendsten Romanautorin des 20. Jahrhunderts: „Einen Vorhang vor die Welt ziehen“ nannte Moderatorin Fritzinger die eindrückliche Hommage an Virginia Woolf. Mit fein modulierender Stimme, lebendiger Mimik und sparsamer Gestik empfahl sich Schauspielerin Hannah von Peinen. Der scharfsinnige Woolf-Essay über Michel de Montaigne rezensierte ein Buch. Der Humanist sah den Essay als „Versuch, die Wahrheit über sich selbst zu sagen“. Mit ihrem „Stadtbummel“ und „einem Londoner Abenteuer“ am frühen Winterabend „zwischen Tee und Abendessen“ führt die Autorin in einen „narkotischen Traum“. Ein wahrer Reigen der Assoziationen. P.S. „Dada war da, bevor Dada da war“. Es gibt ein da Capo. Von Applaus umtost und einfach grandios: Der ach so „ungeordnete Abend mit Lady Dada“ Maren Schwier und Dada-Schauspieler Denis Larisch bittet zu „Fisches Nachtgesang“ am 14.12.in der Kakadu-Bar. Könnte ein Dauerbrenner werden. Text und Foto: Gesine Werner

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KULTOUREN

Das Theater im Pariser Hof kann jetzt “herzsicher” besucht werden.

Mit Herzsicherheit Kultur genießen Theater im Pariser Hof ist jetzt mit einem Defibrillator ausgestattet „Bühne frei für mehr Herzsicherheit!“ Das Theater im Pariser Hof geht in Sachen Gesundheit mit der Zeit und wurde von der Björn Steiger-Stiftung, die seit vielen Jahren dem Herztod in Deutschland den Kampf angesagt hat, mit einem AED-Defibrillator ausgestattet. Die Stiftung hat in den letzten 20 Jahren rund 27.000 AEDGeräte in den Verkehr gebracht und 2013 das Projekt „Herzsicher“ gestartet. Die Kleinkunstbühne in der Spiegelgasse 9 lehnt sich an den Slogan an: „Wir helfen Leben retten“. Vorsitzender Fabian Kuhl betont: „Am plötzlichen Herztod sterben Jahr für Jahr etwa 100.000 Menschen. Oft sterben sie, weil ihnen nicht rechtzeitig oder gar nicht geholfen wird. Doch Erste Hilfe und sogar lebensrettende Maßnahmen sind kinderleicht!“ Der Automatisierte Externe Defibrillator ist im Wandkasten vor dem Theatersaal im Foyer zugänglich zu den Öffnungszeiten des Theaters und des Restaurants im Hause. Die aktuelle Programmbroschüre gilt bis Dezember 2021 und richtet sich an „liebe Freunde des Theater im Pariser Hof“. Ob es für „liebe Freundinnen des Theaters im Pariser Hof „ ein eigenes Programmheft gibt, sie schlicht vergessen wurden oder sich gar „mitgemeint“ sehen sollen, ist nicht bekannt. Nachdem Andrea Volk in ihrem „Feier-Abend! Büro und Bekloppte“ mit „künstlicher Inkompetenz“ thematisiert hat, bittet Jazz- und Latin-Sängerin Claudia Carbo zu „Domingo Latino“. Aus der ZDF heute-show kommt Birte Schneider, alias Christine Prayon und macht auf ihrer „Abschiedstour“ Station. Die Leipziger Pfeffermühle mit Bernhard Paschke lässt den „letzten Schrei“ hören. Dann will „die Student“ Inka Meyer „zurück in die Zukunft“. Es geht um die unerträgliche Seichtigkeit des Scheins“. www.theaterimpariserhof.de Text und Foto: Gesine Werner

Beim 1. Kinderkonzert erlebte Schauspielerin Chris Pichler in zünftiger Ritterrüstung „die Abenteuer des Don Quichotte” und machte den Kindern samt Eltern tänzerisch Beine…

Ein Ritter von gar nicht so trauriger Gestalt Multitalent Chris Pichler begeistert mit den Abenteuern des Don Quichotte im Prunkfoyer Wenn das Känguru Filu im „1. Kammerkonzert für Kinder“ die „Abenteuer des Don Quichotte“ mit der Kammermusikvereinigung des Hessischen Staatsorchesters Wiesbaden präsentiert, dann kann das Publikum im gut besetzten Prunkfoyer des Staatstheaters schön was erleben. Mal quietschen Kinder vor Freude, mal tönen sie „Ooch!“, mal hüpfen und tanzen die lieben Kleinen auf Zuruf. Auch die Eltern haben unüberhörbar ihren Spaß und folgen brav der Bitte: „Können Sie mir mal mein Ohr vom Boden aufheben?“ Erst schnarcht die Schlafmütze, dann berappelt sich der Kauz und Don Quichotte reitet mit seinem „bebauerten Nachbarn“ Sancho Pansa los - auf einem Steckenpferd. Klar - die wahren Abenteuer sind im Kopf. Gouverneur oder Gouvernante, Tortillas oder „alte Kartoffolos“? Egal, Hauptsache, der Mann aus La Mancha muss nicht die Knie beugen und der Saal „reitet“ mit ihm. Auch Georg Friedrich Telemanns Klänge entführen in die südlichen Gefilde, die Anna Balzer-Tarnawska, Keiko Suginaka-Münchgesang, Agnese Menna, Eunseon Kim und Polina Grishaeva vor das innere Auge zaubern. Nicht nur auf feinste Flötentöne versteht sich Orchester-Musiker Thomas Richter, er kann auch „Kastellan“ und schlägt den Don zum Ritter. Im Sommer wurde sie als „Frau Schnaps“, treue Haushälterin des „heiteren Beethoven“ gefeiert. Jetzt gibt die enorm wandlungsfähige Schauspielerin und Regisseurin den Ritter von der gar nicht so „traurigen Gestalt“, der sich vor aller Augen in seine Rüstung hineinstolpert. Köstlicher Slapstick. Die Stiefelspitze kann auch Fernrohr „Olé!“ A bisserl deppert ist er schon, kämpft mit Schwert und Lanze gegen Windmühlenflügel und lässt sich huldigen. Sein klapperdürres „Pferd, das sich Rosi nannte“, bringt Don Durchgeknallt mit dem prächtigen Federhelm heil nach Hause. Und der Saal tanzt. Zum 2. Kinderkonzert wird am 4. Dezember (15 Uhr) und am 5. Dezember (11 Uhr) ins Foyer geladen: Bläsersolisten des Hessischen Staatsorchesters betören klangvoll und Chris Pichler bringt Pippi Langstrumpf sowie die Kinder aus Bullerbü mit. Devise: „Weihnachten mit Astrid Lindgren“. Text und Foto: Gesine Werner

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Beim Rundgang durch die „Tatorte Kunst” lohnte sich die Visite in der E 14-Werkstätte im Kunstraum bei Birgit Reimann (2. von links) und Uwe Kraus-Fu (rechts), die ihre Gäste Thomas Roth und Ruth Debusmann-Roth in die Mitte genommen haben.

Pastorin Bea Ackermann freut sich auf Spenden für die Zehnprozent-Aktion.

Maskenhafte Schmetterlinge, ein Kuss und tragbare Tagträume

Jeder einzelne Euro hilft

Werkstattgemeinschaft E14 ist bei den Tatorten Kunst eine attraktive Station

Gute Nachrichten von der bundesweit immer noch einzigartigen Hilfsaktion aus Wiesbaden. Seit über einem halben Jahrhundert hilft die „Zehnprozentaktion“ als ökumenisches Erfolgsmodell weltweit Menschen in Not.

Kunst ist Kommunikation: Während des Lockdowns hatten Schauspieler/Maler Uwe Kraus-Fu, Objektkünstlerin/ Malerin/Requisiteurin Rebekka Klaucke und Modedesignerin Birgit Reimann mit ihrem Format „Zukunftsmusik“ in ihrer Werkstattgemeinschaft E14 freien Kunstschaffenden ein virtuelles Podium geboten. Das Projektstipendium „Hessen kulturell neu eröffnen“ des Hessischen Kunstministeriums förderte die Videos des Wiesbadener Filmteams De-Da-Productions. So sind Sopranistin Sharon Kempton mit Pianistin Carla Schutte und die vom Staatsballett bekannte Tänzerin Ezra Houben (als Singer-Songwriterin)auf dem Youtube-Kanal E14 zu erleben. Bei der 13. Version der Tatorte Kunst waren Installationen, Malerei und Fotografie in der Eltviller Strasse 14 ein begehrtes Ziel des Rundgangs. Andrea Frank zeigte poetisch anmutende Ölmalerei wie die „Kinder des Lichts“, zwei „Kartenleser“ im Wald oder „Kein Mensch weit und breit“. Ein Motiv wird rückseitig - auf einem Kleid, Hoodie oder Mantel - getragen, ist auf einem Foto zu sehen, wo es sich (spontan oder arrangiert) perfekt in die Szene einfügt. Das Graffito „Black lives matter“ fand die tagtraum tragen-Designerin in Kapstadt, das Foto entstand bei einer Sitzwache auf dem Luisenplatz Wiesbaden. „Bruderkuss und Schwesternkuss“ verbindet das Heute mit dem Mauer-Motiv der Berliner Eastside-Gallery. Klimts „Kuss“ ziert ein Kleid, derweil der „Butterflykiss“ von Uwe Kraus-Fu zwei güldene Corona-Munasken in goldenem Rahmen zeigt. „Die Liebe zur Kunst begleitet mich schon ein Leben lang“, bekennt Schauspieler/Regisseur Kraus-Fu, dem weiße Leinwand „ein Greuel“ ist stattdessen mit Fundstücken arbeitet. Ob Brief oder Zahnbürste, Textbuch, Schublade oder Sperrmüllsessel - „jedes Teil hat schon ein Leben hinter sich.“ Der mit Goldbronze und Venusschwert dekorierte Barocksessel ist ein Sinnbild der Geborgenheit und zeigt „Mother stands for comfort“. Eine Menge „Butterflies“ aus alten FFP-2-Masken bevölkert eine überstrichene Schublade und entfleucht gen Himmel. „Loveletters“ stellen sich als kreativ übermalte Brieflandschaften. Heraus. Und von seinen „Müllwächtern“ und anderem „Zeuch“ aus kann sich das Publikum ab dem 4. Dezember überzeugen. Die Vernissage beginnt um 18 Uhr. Info: www.tagtraum-tragen.de

Zehnprozent-Aktion sucht mit neuem Mister Zehnprozent 400 Spendenwillige

Auch und gerade in Zeiten der Pandemie kommt es auf jeden Euro an. Im vergangenen Jahr haben 402 Personen ihren „Zehnten“ des Taschengeldes, Einkommens oder der Rente für fünf Hilfsprojekte lockergemacht. Mit der versprochenen Spende des unbekannten „Mister Zehnprozent“ - der statt einer Urlaubsreise seinen Anteil um 10.000 Euro aufgestockt hatte - kamen über 190.000 Euro zusammen. Die Hoffnungen von Pfarrerin Bea Ackermann wurden um 50.000 Euro übertroffen. Projekte in Bangladesh, Ghana, Burkina Faso und Haiti sowie die Wiesbadener Clown-Doktoren konnten sich über den Geldsegen freuen. Nach 40 Jahren zieht sich der anonyme Kaufmann zurück und übergibt sein selbstgewähltes „Amt“ an einen neuen, ebenfalls unbekannten Mister Zehnprozent. Die aktuelle Spendenrunde wird einmalig von Mister Zehnprozent und seinem Nachfolger begleitet, die gemeinsam 40.000 Euro aus eigener Schatulle zur Verfügung stellen wollen. Bis zum 31. März 2022 werden insgesamt 400 spendenwillige Personen gesucht und dann geben die beiden Großspender ihren Anteil frei. Es sollen diesmal Hilfsprojekte in Äthiopien, Sri Lanka und Indien sowie die Initiative „Gesundheit für Alle“ in Berlin gefördert werden. Als „Projekt vor der Haustür“ wird das Zwerg Nase-Haus in Wiesbaden unterstützt. Spendenkonto der Zehnprozent-Aktion: Konto 404 44 44, BLZ 520 604 10 Evangelische Kreditgenossenschaft Kassel IBAN DE 5206 0410 0004 044 44 BIC GENODEFIEKI Info: www.zehn-prozent-aktion.de Text und Foto: Gesine Werner

Text und Foto: Gesine Werner 22

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ie Planungen für die 9. „Night of Music” laufen auf Hochtouren! Die erste Probe ist absolviert und man kann jetzt schon sagen, dass die Night of Music 2021 wieder ein echtes Schmankerl wird. Daher freuen wir uns, dass wir sie dieses Jahr wieder an zwei Abenden in die Welt der Musik entführen dürfen. Am 17.12. und 18.12.2021 finden die Konzerte wieder unter dem Motto „POP MEETS KLASSIK” im Wiesbadener Kurhaus statt. Unter Berücksichtigung aller Maßnahmen, wird die Night of Music als 2G Veranstaltung stattfinden. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre Jahre benötigen aktuell einen gültigen Coronatest, der maximal 24 Stunden alt ist. Inzwischen schon etabliert im Wiesbadener WIESBADENER

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Die Wiesbadener Night of Music geht nach einem Jahr Pause in die 9. Runde Veranstaltungskalender, oder wie mancher sagt, bereits „Tradition”, kann die „Night of Music” zurecht als vorweihnachtliches Wiesbadener Kultevent bezeichnet werden. Nicht nur hervorragende Solisten aus Wiesbaden und der Region stehen auf der Bühne, sondern auch das 60köpfige Wiesbadener Sinfonieorchester unter der Leitung von Frank Segner, sowie ein stimmgewaltiger Chor und die Night of Music Band. Es wird außerdem einige Überraschungen geben. Auch 2021 wird Lothar Pohl das

außergewöhnliche Crossover – Programm aus Rock, Pop und Klassik mit viel Humor und Charme moderieren. Ein garantiert unvergesslicher Abend mit vollem Programm und vielen musikalischen wie optischen Highlights. Nutzen Sie jetzt noch den TicketVorverkauf an den bekannten Vorverkaufsstellen und online unter:

www.wiesbaden-nightofmusik.de 23


KULTUR

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KREATIVES

Stimmgewaltig: EVOU alias Doro Idahor

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ung und trotzdem schon einen Schritt weiter: EVOU hat ihre erste Single „Anxious Bitch” veröffentlicht. Wiesbaden ist wahrlich nicht dafür bekannt, große Musiker hervorgebracht zu haben. Geladen ja, häufig und gerne sogar, von Brahms bin Wanda sozusagen. Aber geboren oder ansässig in der Landeshauptstadt, die so viel Wert auf ihre Kultur liegt? Paul Kuhn fällt einem

war. Und natürlich Epidermis und ihr Sophisticated Rock, einer Form des Progressiv Rock, über die im WIESBADENER schon ausführlich berichtet wurde. Danach wird die Liste aber schon merklich dünner. Eine junge Musikerin ist womöglich gerade dabei, das zu ändern. EVOU nennt sich die 22jährige Singer-Songwriterin, die bürgerlich Doro Idahor heißt und aus Marburg stammt.

Keine Angst vor der Angst da ein, Jahrgang 1928 und mittlerweile verstorben, der die Welt mit unverzichtbaren Hits wie „Der Mann am Klavier" und „Es gibt kein Bier auf Hawaii" bereichert hat. Die Ska-Punk-Band Frau Doktor, die um die Jahrtausendwende unter Genrefans relativ bekannt 24

In ihre Wahlheimat Wiesbaden hat sie das Studium gezogen. Musik begleitet die stimmgewaltige Sängerin ihr gesamtes Leben, schon mit 13 sammelt sie ihre ersten Bühnenerfahrungen. 2016 gewinnt sie schließlich den Titel „Stimme der Region", ein erstes Ausrufezeichen

und womöglich auch eine Initialzündung. In den Jahren danach mach sich Idahor als Frontfrau der Band Phimus einen Namen. Die Gruppe, die eine Mischung aus Rock, Pop und, nicht zuletzt dank ihrer Sängerin, Soul präsentiert, veröffentlicht zwei Alben samt einiger kleinen Hits wie „Old Tree" und „Tumbler". Gesungen wird bereits auf Englisch. Mit in der Band: Gitarrist David Crist, mit dem sie später EVOU gründet. Der Name des Duos, den Idahor allerdings auch alleine benutzt, stammt aus dem Nigerianischen und bedeutet „Morgentau". Die Poplegende Cassandra Steen hat EVOU für das HR-Format „Bühnefrei" aus weit über tausend Kandidaten ausgewählt, das Konzert ist nach wie vor in der ARD-Mediathek zu finden. Kurz danach erscheint ein Video zu dem Song „Lass ma", in dem Idahor eindrucksvoll beweist, dass sie auch auf Deutsch singen kann. David Christ ist da noch am Bass zu sehen – in Zukunft überlässt er wohl die Bühne häufiger seiner Sängerin und arbeitet als Produzent an EVOU. Schneller Rock ist hier schon kaum mehr raus WIESBADENER

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zuhören, der Stil wird langsamer mit noch mehr Soul-Einlagen. Der Sängerin scheint das nur entgegen zu kommen. Wer EVOU vorher noch nie gehört hat, wird von der Stärke und klaren Intensität ihrer Stimme regelrecht umgehauen. Wie schon bei Phimus verarbeitet sie in ihren Texten, die sie für eine Songwriterin standesgemäß selbst schreibt, sowohl Persönliches als auch aktuelle Gesellschaftsthemen wie etwa Rassismus. Phimus hat die Pandemie leider nicht überstanden. Umso umtriebiger sind Idahor und Christ dafür nun mit ihrem neuen Projekt beschäftigt, mit dem vielleicht sogar der endgültige Durchbruch gelingen könnte. 2022 soll das Debütalbum von EVOU erscheinen. Angekündigt wird ein Sound, der „eingängig, groß und persönlich" sein soll, in dem „aus der Sicht einer schwarzen, deutschen Frau" über Diskriminierung, vergangenen Beziehungen und schwierigen Familienverhältnissen gesungen wird, kurzum: „Es geht um das echte Leben, darum was nach der Coming-of-Age Phase kommt." Zu den Soul- begeben sich nun auch Blues-Elemente über schweren 808-Bässen – alles ganz schön erwachsen. EVOU hat ihre Kinderstube und denn darin in Dauerschleife gespielten, unbeschwerten PopRock abgelegt, Musik, Text und Stimme sind gleichermaßen gereift. Am 29.10. gab es nun endlich die erste Kostprobe. „Anxious Bitch" (auf Deutsch etwas salopp als „Ängstliches Miststück" übersetzbar) heißt die erste Singleauskopplung und dürfte ihr bisher stärkstes Stück sein. Der Song startet mit einem treibenden Blues-Rock-Riff der alten Schule, so dass man meinen könnte, Peter Green würde gleich anfangen zu singen. Das übernimmt dann aber EVOU – und wie. „Anxious Bitch" ist perfekt abgestimmt, mit einem explosiven Chorus als Höhepunkt und einer Stimme, die einen wie schon zuvor sofort in den Bann zieht. Auch thematisch ist der Song stark: EVOU singt offen über ihre psychischen Probleme und möchte zeigen, dass man sich für das WIESBADENER

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vermeintliche Tabu-Thema nicht schämen muss. Das wirkt sowohl musikalisch als auch inhaltlich tatsächlich wie jemand, der die Coming-of-Age-Phase überwunden hat und sich als erwachsener Mensch seinen Dämonen stellt. Auf die für sie wohl best mögliche Art und Weise. Die Vorfreude auf das kommende Album wächst damit weiter, auch wenn sonst noch ziemlich viel im Dunkeln liegt und man höchstens erahnen kann, was da auf einen zukommt.

Wer auf dem Laufenden bleiben will, schaut am besten auf den bekannten Sozialen Netzwerken, vornehmlich Instagram (www.instagram.com/ evou.evou) oder facebook (www.facebook.com/ evou.evou.evou), vorbei oder schaut sich auf der Homepage (www.evou.evou.de) oder Youtube das durchaus gelungene Video zu „Anxious Bitch" an. Denn diese Stimme, diese Power sollte man möglichst nicht verpassen. Wiesbadens Musikszene ist dank EVOU auf jeden Fall jetzt schon interessanter geworden. Konstantin Mahlow

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Moderatorin Anke Seeling, GF Roland Stöcklin/SEG, Dr. Christian Gastl/IHK, GF Andreas Guntrum und OB Gert-Uwe Mende (von links) feiern beim SEG-Silberjubiläum. Foto: Gesine Werner

Mit langem Atem für mehr Gemeinschaft

Stadtentwicklungsgesellschaft SEG feiert Silberjubiläum und kommt mit über 100 Projekten voran „Wir entwickeln Wiesbaden!” Eine mehrdeutige Devise, auf vielen Ebenen von der SEG in über 100 Projekten tatkräftig umgesetzt. Die Spannweite reicht von der Machbarkeitsstudie über 1. Spatenstich bis zur Einweihung. Langer Atem ist Trumpf. Gegründet wurde die Stadtentwicklungsgesellschaft SEG nach dem Teilabzug von US-Militärkräften und „der daraus

folgenden Notwendigkeit, für die frei werdenden Areale neue Nutzungen zu entwickeln”, am 28. August 1996. „Der Architekt ist hochverehrlich (obschon die Kosten oft beschwerlich), weil er uns unsre Erdenkruste – die alte, rauhe und berußte – mit saubern Baulichkeiten schmückt, mit Türmen und Kasernen spickt.“ Wilhelm Buschs Maler Klecksel könnte auf die Silberjubilarin SEG gemünzt sein. Bei der Openair-Jubiläumsfeier auf dem Europaplatz - die Konversion vom Headquarter der US Air Force Europe Camp Lindsey in das Europaviertel war das erste Konversionsprojekt – meinte OB Gert-Uwe Mende: „Wenn es sie nicht gäbe, müsste sie erfunden werden.“ Das Stadtoberhaupt lobte „das tolle kompetente Team“ in dem so „wichtigen Treuhänder der Stadt“. Gewitzten Charme setzte Moderatorin Anke Seeling bei ihrem Plausch mit den beiden SEG-Geschäftsführern Andreas Guntrum (seit 17 Jahren SEG-Chef) und Roland Stöcklin ein. IHK-Präsident Dr. Christian Gastl übergab eine IHK-Urkunde.

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Der Abrissbagger knabbert am sternförmigen Bau und wird beim „ersten Biss” beobachtet, mit dem das letzte Stündlein des American Arms-Hotels geschlagen hat. Foto: Gesine Werner

Tage stand das Richtfest im Kaiserhof-Quartier an. Das American Arms-Hotel ist seit der symbolischen „Sprengung“ mit Funkenregen und „gefräßigem“ Abrissbagger im Frühjahr 2019 Geschichte. Die Umnutzung des zwei Hektar großen Baugeländes in das „Kaiserhof“-Areal klappt trotz Pandemie gut. Sechs Rohbauten der geplanten Wohnhäuser für 111 sozial geförderte Wohnungen WIESBADENER

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UNTERNEHMEN &

MÄRKTE

Erster Spatenstich zur Kita Süd im neuen Hainweg Nordenstadt mit Andreas Guntrum/SEG, Marcus Gaßner; OB Gert-Uwe Mende, Ortsvorsteher Rainer Pfeifer und Sozialdezernent Christoph Manjura (von links). Foto: Paul Müller

stehen. Die Inklusionsstiftung IfB mietet die 20 barrierefreien Wohnungen und vermietet sie weiter. Eine Tegut-Filiale zieht auch ins Quartier. Grundsteinlegung im Oktober 2020, Einleitung der letzten Bau-Etappe im September 2021 mit Stadtverordnetenvorsteher Dr. Gerhard Obermayr, Ortsvorsteher Alexander Scholz und Oberbürgermeister. Gert-Uwe Mende hob die Bedeutung des neuen Wohnheims für Pflegekräfte des benachbarten St. Josefs Hospitales hervor. SEG-Geschäftsführer Roland Stöcklin betonte die Freiflächen zwischen den Wohnflächen für hohe Aufenthaltsqualität im „lockeren und dicht begrünten Quartier“. Rasante Entwicklung auch in Nordenstadt, wo das neue Wohngebiet Hainweg mit seinen über 650 Wohneinheiten „ein grünes Herz für mehr Gemeinschaft“ bekommen hat, worauf SEG-Geschäftsführer Andreas Guntrum bei der Einweihung hinwies. Der Quartierspark auf dem 21 Hektar großen Areal ist eine attraktiv gestaltete Freifläche mit Spielplatz und vielfältigen Bewegungs- und Spielflächen. „Wir haben 21 Hektar für mehr Gemeinschaft versprochen und wir sind auf dem besten Weg.“ Der Hainpark ist auf 2,2 Hektar Fläche die Grüne Mitte im neuen Quartier von Wiesbaden-Nordenstadt und wird ein Ort der Begegnung. Von zwei Quartiersplätzen wird das „grüne Rückgrat“ eingerahmt. Als „Doppelereignis“ kam zur Einweihung der erste Spatenstich. Der galt gleich beiden geplanten Kitas und war der symbolisch bekundete Baubeginn.

wicklung mit fußläufigem Einzelhandel, zwei Kindertagesstätten, einem zentralen „Mobilitätshaus“ als Quartiersgarage und öffentlichem Park. Dichte Bebauung und trotzdem grün: „Ein Wohngebiet, bei dem Nachhaltigkeitsaspekte einen Schwerpunkt bilden“, kündigt Andreas Guntrum an und „den Mut zum Experiment“. Auf 8,6 Hektar-Bauland entstehen 750 Wohneinheiten mit Mehrfamilienhäusern und Reihenhäusern in einem „autoarmen Gebiet“. Das „Baugebiet südlich des Dankwardweges“ bekommt kleinteiligen Einzelhandel und Gastronomie. Rund 800 Quadratmeter nutzt ein Marktbetreiber, „lebhaftes Interesse“ gibt es schon. Bei der Vorstellung des Bebauungsplanes freute sich OB Mende als Stadtplanungsdezernent über bezahlbaren Wohnraum und „das neue Zuhause für 1700 Personen.“ Die SEG entwickelt Wiesbaden zukunftsfähig in Südost. www.seg-wiesbaden.de

Gesine Werner

In Innenstadtlage am Siegfriedring, gegenüber dem Südfriedhof, entsteht auf der Gemarkung Zweibörn ein neues großes Wohngebiet. „Der erweiterte Aufstellungsbeschluss soll bis Ende 2021 durch die Stadtverordnetenversammlung auf den Weg gebracht werden“, berichtet SEG-Geschäftsführer Guntrum über die Planung für seinen Heimatstadtteil Südost „Mit Herzblut“ verantwortet der eingeborene Wiesbadener die große WohnflächenentWIESBADENER

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Mal was anderes – Richtkranz war gestern. Über dem Rohbau im Kaiserhof-Quartier schwebt eine Richtpalme Foto: Gesine Werner

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KULTUR

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KREATIVES

Im Stillen Laut, Foto: © Salzgeber

REMAKE – im Stillen Laut „Remake. Frankfurter Frauen Film Tage” wird von der Kinothek Asta Nielsen e.V. veranstaltet, fand vom 23.-28.11.2021 zum dritten Mal statt und verschreibt sich der Wiederentdeckung und Neuaufführung von Filmen aus der Geschichte im Kontext aktueller Filme. Ausgehend von Themenschwerpunkten entfaltet sich Remake in einer Mischung aus Festival und Symposium. Im Fokus: Frauen, Geschlechterverhältnisse, Emanzipation, Aspekte des queer cinema und ein anderer Blick auf die Gesellschaft, auf Phänomene wie Migration, Kolonialismus, Rassismus. „, ...weil nur zählt, was Geld einbringt‘ – Frauen, Arbeit und Film” war das Schwerpunktthema der dritten Festivalausgabe. Die Remake On Location erweitert nun das Festival um Vorführungen nach den Festivaltagen an verschiedenen Orten. In den kommenden Monaten stehen u. a. folgende Filme an:

im Film macht schon den ganzen Unterschied. Die Grandhotels der deutschen Filme nach 45 haben nicht mehr Vorkriegsniveau, aber in Fritz Langs Dramaturgie immer noch deren Funktion. Das Luxor von 1960 entspricht dem Olympic in Spione von 1928. Aus den Detektivgeschichten sind Thriller geworden. Das Luxor ist die Operationszentrale des Verbrechens. Verfolger und Verfolgte wohnen

in einem Haus. Die Frauen, als Köder eingesetzt, erweisen sich als unberechenbar und pervertieren das System. Lang rechtfertigte den Film einem Freund gegenüber, der die dämonische Aura seiner Vorkriegsfilme vermisste: das ist die kalte Realität von heute. [...] 10.12.2021 um 20.15 Uhr im Kino des DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum: Im Stillen Laut Erika Stürmer-Alex und Christine Müller-Stosch, beide 81, sind seit 40 Jahren ein Paar. In der DDR haben sie sich zusammen auf einem Einödhof in der Uckermark einen Ort für ein größtmögliches freies, BE NATURAL, Foto: © Filmperlen

10.12.2021 um 18.00 Uhr im Kino des DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum: Die tausend Augen des Dr. Mabuse Der Name Luxor für das Hotel 28

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KULTUR

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KREATIVES

GENDERATION, Foto: © Salzgeber

künstlerisches Leben erschaffen. Hier, in der ländlichen Stille, sind sie noch heute zuhause Mit Archivmaterial von Performances, Workshops und Ausstellungen und mit ruhigen Bildern des heutigen Alltags von der Hofgemeinschaft, erzählt die Regisseurin Therese Koppe zwei starke Persönlichkeiten, die die Frage umtreibt: Welche Rolle kann die Kunst in einer restriktiven Gesellschaft und in politisch heiklen Zeiten wirklich haben? 11.12.2021 um 19.00 Uhr in der Zehntscheune Praunheim: First Cow Cookie arbeitet für eine Truppe von Pelztierjägern als Koch, im

wilden Oregon des frühen 19. Jahrhunderts. Das ist nicht so ganz seine Welt. Er schmückt lieber mit selbstgepflückten Blumen die Hütte eines Freundes. Faustschläge verteilt Cookie eher nicht. [...] Vor dem Hintergrund des unzivilisierten Landes mit seinen oft brutalen und nur auf den eigenen Vorteil bedachten Siedlern wirkt die Freundschaft von Cookie und King-Lu so unpassend wie die Kuh, die – als erste überhaupt – in die Gegend kommt. „Kühe gehören nicht hierher”, findet einer. „Weiße Männer auch nicht”, kontert ein anderer. [...]Neben der Freundschaftsgeschichte erzählt First Cow vom

Detective, Foto: © DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, Frankfurt/Main, Bildarchiv

Frühkapitalismus, den Gesetzen des Marktes, Angebot und Nachfrage, wie man Mehrwert erzielt – alles das lässt sich beim Krapfenverkauf leicht nachvollziehen. Mo, 10.1.2022 um 20.15 Uhr in der Pupille – Kino in der Uni: Filme von Thirza Cuthand Filmemacher*in, Performancekünstler*in und Autor*in Thirza Jean Cuthand, geboren in Regina, Saskatchewan, Kanada, aufgewachsen in Saskatoon, macht seit 1995 kurze experimentelle Videos und Filme über Sexualität, Wahnsinn, Queerness, Liebe und Indigenität, die bei zahlreichen internationalen Filmfestivals gezeigt wurden und werden, z.B. Tribeca, Mix Brasil Festival of Sexual Diversity Sao Paolo, ImagineNATIVE Festival Toronto, Frameline San Francisco, Outfest Los Angeles, Internationale Kurzfilmtage Oberhausen oder Berlinale. In dem von Thirza Cuthand kuratierten Programm weden neben ihrer jüngsten Arbeit, der NDN Survival Trilogy (2019), einige ausgewählte frühere Werke, die z.T. auf ihrer eigenen Website online, jedoch viel zu selten auf der großen Leinwand zu sehen sind, gezeigt. Alle Infos unter: www.remake-festival.de/ programm/remake-on-location/

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Bei „der Widerspenstigen Zähmung” in Mainz stülpt Obermatscho Petruchio sein Inneres nach außen. „Me too” -Alarm. Das fastnächtliche Kostüm entlarvt den misogynen Egomanen als vorsintflutlichen Dinosaurier

Der Freischütz mit Adriana & Victor*ia bei den Gespenstern TheaterDonner auf den Bühnen in Wiesbaden, Darmstadt und Mainz Der herausragende Mainzer „Freischütz” von Alexander Nerlich fesselt mit exzellentem Ensemble, plastischen Klangbildern und nachhallenden Szenen.

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enn Adriana Lecouvreur mit dem Freischütz auf Tristan und Isolde trifft, beendet Vicor*ia der Widerspenstigen Zähmung. Auf den Brettern der Region tut sich Spannendes & Entspannendes.

Blick nach Wiesbaden

Glamour satt. „Sunset Boulevard“ lässt grüßen. Pérelà-Kostümbildner Gianluca Falaschi (Regie, Bühne & Kostüm) zeigt Francesco Cileas alternde Diva „Adriana Lecouvreur“ mit der hervorragenden Nadja Stefanoff in hollywoodreifer Kulisse und Revuekostümen der Zwanziger Jahre. Sie ist ja nur „demütige Magd“ der Kunst á la Marlene. Zum bestens aufgelegten Ensemble zählen Sanja Anastasie, Vincenzo Constanza, Michael Dahmen und Stephan Bootz. Daniel Montané sorgt mit dem Staatsorchester für üppigen Breitwandsound. WIESBADENER

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androgyn (Ausstatter Christopher Kempf), um Henner Momanns „Kings Dilemma“ zu beglaubigen. Beatrice Reece ist ein erfreulich selbst-bewusstes Weibsbild. Michael Dahmens Toddy und Armin Dillenbergers Nachtclubchef sind kleine Kabinettstückchen.

Gefeiert für wunderbare Stimmen und berührend intensive Darstellung: „Tristan” Marco Jentzsch und seine „Isolde” Barbara Haveman.

Frau ist als Mann ganz Frau. Julie Andrews in Blake Edwards rasanter Gender-Verwirrkomödie „Victor/ Victoria“ ist ein Klassiker. Den 90erJahre-Musicalhit von Henri Mancini zeigt Erik Petersen beswingt und berührend. Sspielfreudig legt sich

das Staatsorchester unter Tjaard Kirsch als veritable Bigband mit Jazzpianist Paul-Johannes Kirschner ins Zeug. Choreografin Sabine Arthold setzt auf Revueglanz. Stimmwunder Zodwa Selele ist als Victoria brillant, als Victor zu wenig

Uwe Kraus ist ein anrührender Schreiner Engstrand in Johannes Leppers Wiesbadener Inszenierung von Ibsens „Gespenstern”.

Me too-Alarm! Regisseurin Stephanie van Batum knüpft sich mit Bühnenbildnerin Bettina Kirmair, Kostümbildnerin Janine Dollmann und einem höchst engagierten Ensemble Shakespeares Sexismus-Schinken „Der Widerspenstigen Zähmung“ vor. Das Testosteron trieft nur so bei der spätpubertären Boygroup mit Zoten aus Trumps Mottenkiste. Alphamännchen diverser Couleur sind Baptista (Rainer Frank), Lucentio (Mark Ortel), Hortensio (Simon Braunboeck) und Ulrich „Gremio“ Cyran, der zur „Witwe“ mutiert. Schauspielerin Gesa Geue lässt ihre „brave“ Bianca auch eigene Worte sprechen. Klaus Köhlers Psychopath „Aggro Alan“ Petruchio tobt häusliche Gewalt aus an Zwangsgemahlin Katharina (Lisa Eder) und entlarvt sich als Dino selbst. Die „Mädels“ sind final für eine Überraschung gut. Der Rest ist: „Ups!“ Die „Fülle des Wohllauts“ und fesselnde Bilder erstmals in großer Besetzung seit 20 Monaten, im Saal bleibt (freiwillig!) die Maske auf. Ein großer Wurf ist Alexander Nerlichs Sicht auf Carl Maria von Webers 200 Jahre alten „Freischütz“. Er zieht in den Bann, anrührend leise und spannende Bilder mit einer schauerlichen Wolfsschlucht im Zentrum. GMD Hermann Bäumer dirigiert in historischer Orchesteraufstellung, aus dem Graben tönen plastische Klangbilder. Das Ensemble ist bestechend: Titelheld Alexander Spemann, Derrick Ballard, Brett Carter, Stefan Stoll, Dennis Sörös, Nadja „Agathe“ Stefanoff und Julietta „Ännchen“ Aleksnyan. Samiel (Alessia Ruffolo) ist androgyn teuflisch immer dabei. Der Applaus hat Sturmstärke und will nicht enden. Unbedingt hingehen!

Blick nach Wiesbaden

Zwiespältigen Operngenuss bietet Wagners „Tristan und Isolde“ in der Sicht von Intendant Uwe-Eric Laufenberg. 32

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Verlass ist auf Rolf Glittenbergs treffsicher spartanisches Bühnenbild und ein exzellentes Ensemble mit Kammersänger Thomas de Vries als Kurvenal, Young Doo Park als König Marke, Khatuna Mikaberidzes als Brangäne und Erik Biegels als berührender Hirt. Hinreißende Gaststars: Marco Jentzsch als Titelheld Tristan mit tenoralem Wohlklang und Barbara Haveman als warm timbrierte Isolde. Doch manches Video von Gerard Naziri ist verzichtbar. Manch szenischer Einfall (tänzelnde Pärchen) wirkt peinlich. „Wagner braucht keine Mätzchen“, raunt es im Parkett. Ausdauernd herzlicher Beifall für Gesangsensemble und blendend spielendes Orchester. Michael Güttler ist ein zupackender Gastdirigent. GMD Patrick Lange geht ja vorzeitig nach „künstlerischen Differenzen“ mit dem Hausherrn. Das Publikum quittiert mit Buhrufen und Pfiffen. Ibsens wuchtiges Skandalstück „Gespenster, in seiner Analyse unverändert aktuell, bringt Johannes Lepper auf die Wiesbadener Bühne (Doreen Back). Die Familie als asozialer Hort der Willkür. Lebensläng-

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lich. „Mutter, gib mir die Sonne!“ Osvald (Tobias Lutze) und seine Mutter (Anne Lebinsky), Michael Birnbaums Pastor Mandners, Uwe Kraus als Schreiner Engstrand und Lina Habichts Regine gehen nahe. Spannung bis zum traurigen Ende. Erst nach einem Moment löst sich die Beklemmung in langem Beifall. „Willkommenskultur“ im Kit KatKlub Anno 1930 mit Tanz auf dem Vulkan, als wäre kein Nazi ante portas. Die grandiose Elissa Huber ist als lebenshungrige Sally Bowles eine Wucht mit Rockröhre. Gottfried Herbe als gutmütiger jüdischer Händler Schulz mit Gänsehaut-Gesang und Gemahlin Evelyn Faber als spät entflammte Vermieterin setzen berührende Akzente. Regisseur Tom Gerber als Einspringer für Iris Limbarth gelingt in ergänzender Fortführung ihrer Inszenierung ein temporeicher Coup mit plastischen Bildern, historischem Tiefsinn und gruseligem „Vaterland“-Getöse. Begeisterter Applaus für das Junge Staatsmusicals in Bestform.

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KREATIVES

Gesamtkunstwerk. Tanz, Licht, Stille, Wortgebilde. Musik (Max Richters Version der „Vier Jahreszeiten“) und atmosphärische Klangflächen. Eine eigene Rolle spielt das faszinierende „Luftobjekt“ von Frank Fierke. Atemlos folgt das Publikum den getanzten Szenen von „memento“ im Darmstädter Musentempel. Keine Handlung. Freiraum für Assoziationen „Stirb und werde“, Orpheus & Eurydike, Wandel & Verwandlung, Totentanz & leiser Humor. Computeranimationen (Frieder Weiss & Matthias Härtig) machen Tanzende zu faszinierenden LichtKörpern. Nähe und Distanz, Spiegelung, Trennung und Trauer. Gestalten in schwarz. Ein bewegliches Labyrinth aus Vorhängen (Andreas Auerbach) und austarierte Lichtstimmungen (Tanja Rühl) runden Tim Plegges packendes Konzept ab.Mehrfach verschoben, wird die Uraufführung anhaltend mit standing ovations bejubelt. Ein Tanzereignis für den FAUST. Text und Fotos: Gesine Werner

Blick nach Darmstadt

Mucksmäuschenstille. In den Bann zieht ein exzellentes

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KULTUR

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Das Werk entsteht in vielen aufwändigen Arbeitsschritten

Loftwerk – DAS KUNSTPROJEKT

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as LOFTWERK ist ein Erlebnisraum, der alle Sinne berührt – eine Symbiose von Goldschmiede, Genuss und Kunst. Seit 2017 bereichert Goldschmiedemeisterin und Inhaberin Anja Roethele mit diversen hochkaräti-

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gen Veranstaltungen das kulturelle Angebot der Landeshauptstadt, wie zum Beispiel mit monatlichen Gin-Lounges, Käse-Wein-Verkostungen, Schmuck-Workshops, Weihnachtsmarkt, Modenschauen, Kunstausstellungen und Lesungen.

Die 1044 goldenen Quadrate sind zu einem Kunstwerk geworden

Und die Kunst war es, die Anja Roethele half, die negativen geschäftlichen Auswirkungen des Lockdowns in den Griff zu kriegen. Höhen und sehr viele Tiefen haben sie in dieser Zeit stark herausgefordert.

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„Miss Loftwerk“ Anja Roethele

Da half nur eins: Neue Ideen entwickeln, neue Kundenkreise erreichen. Online. Ohne Kontakt. In der Goldschmiede konnte sie dank ihres langjährigen treuen Kundenkreises weiterhin Unikatschmuckstücke fertigen. Doch die Stille nahm immer mehr zu. Keine Events mehr. Stille auf 230 m², und das bei laufenden Kosten. Da wurde es existentiell: Wie kann das LOFTWERK erhalten bleiben? Und so entwickelte sie „Das Kunstprojekt! ZUSAMMEN für das LOFTWERK”. 1044 × 225 cm2 · 8,70 m × 2,70 m · 640 kg · 4250 Blatt echtes Blattgold · 1,5 cm Abstand · 4176 Schrauben – SPUREN DES CORONA-JAHRES! 1044 einzelne, nummerierte und handsignierte Quadrate fügen sich zu einem Kunstwerk aus verschiedenen Materialien, Emotionen und Worten zusammen. Vor jedes Quadrat wurde mit einem Abstand von 1,5 cm eine Plexiglasplatte geschraubt, die davor mit Gedanken und Assoziationen zum Corona-Jahr von Hand beschrieben wurden. Jedes Quadrat zeigt dabei nur ein Segment eines Buchstabens, eines Wortes, eines Gefühls. WIESBADENER

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Nach Fertigstellung wurde das Gesamt-Kunstwerk zwei Monate im LOFTWERK ausgestellt. Nun konnte jeder die Existenz des Loftwerks sichern und sein persönliches Quadrat erwerben. Der Preis pro Quadrat lag bei 50 Euro, doch wem das LOFTWERK mehr wert war, durfte gerne einen höheren Preis bezahlen.

eigenen Kompetenzen fokussiert und Lösungen erarbeitet ... und vor allem an sich glaubt. Weitere Infos sowie das aktuelle Veranstaltungsprogramm findet man unter: www.loftwerk-roethele.de

Nach zwei Monaten konnten die Käufer eines Quadrates es persönlich im LOFTWERK abholen und Teil eines neuen Kunstwerkes werden: Anja Roethele fotografierte sie mit Ihrem Quadrat, und dieses Foto fand dann Platz in der Lücke, wo sich das Quadrat befand. Somit entstand nach und nach ein neues Gesamt-Kunstwerk – Gesichter aus „Das Kunstprojekt! ZUSAMMEN für das LOFTWERK!”. Das Werk wurde mit Bürgermeister Herrn Dr. Franz am 27. Mai 2021 feierlich eröffnet. Happy end: Es hat funktioniert, die Rechnung ist aufgegangen, die Einnahmen überstiegen die Herstellungskosten bei weitem. Als Zeichen, dass ein stark betroffenes Unternehmen auch in einer Krise überleben kann, wenn kreativ umgedacht wird, man sich auf die 35


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KULTUR

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KREATIVES

Worte, Wasser und Wein 1. Literaturtage in Zell / Mosel in 2022

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erade mal eine Autostunde vom Rhein-MainGebiet entfernt, lesen drei Tage lang, vom 26 bis 29. Mai 2022, siebzehn gestandene Autor*innen, manche davon preisgekrönt, aus ihren Werken und präsentieren neue sowie unveröffentlichte Texte in der einzigartigen Atmosphäre dieser uralten Kulturlandschaft. Das Festivalticket für alle drei Tage (165,00 €) gilt für mehr als 30 Einzellesungen und für die lange Lesenacht am Samstag. Die Einzellesungen finden freitags, samstags und sonntags mehrmals täglich zu jeder vollen Stunde an mehreren ausgewählten Orten in Zell statt und dauern max. 40 Minuten, sodass zur nächste vollen Stunde genug Zeit bleibt, sich neu zu orientieren. Die Autor*innen werden zu verschiedenen Zeiten und Tagen lesen, so dass die Besucher:innen mal pausieren können und dennoch nicht verpassen müssen. Das detaillierte Programm sowie Infos zu Unterkünften gibt´s auf www.litzell.de. Dort können auch direkt sowohl das Festivalticket für alle Tage oder WIESBADENER

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Einzeltickets für die Sonderveranstaltungen gebucht werden. Wichtig: rechtzeitig Übernachtungen buchen, am besten über die Tourist-Info: www.zellerlande.de. Kontakt: LitZell media futura Mittelstraße 3 • 56856 Zell/Mosel mail@media-futura.de www.litzell.de Eintrittspreise: – Festivalticket* = € 165,-(26.-29.05.2022) – Weinlese = € 28,-(27.05.2022) – Leseabend € 35,-(28.05.2022) ermäßigt** € 25,--

Hygyienevorschriften, Leseorte, Wichtiges: Die aktuellen Hygienevorschriften entnehmen Sie der Webseite. Außerdem werden Sie vor Ort auf die dann gültigen Vorschriften aufmerksamt gemacht. Aktuell gilt die 2G-Regel in Rheinland-Pfalz, an die wir uns halten. Informationen zu den Leseorten sowie die aktuellen Orte finden Sie ebenfalls auf der Webseite. Vor Ort wird es dann zusätzlich einen aktuellen Lese- und Ortsplan geben. Alle weiteren wichtigen Angaben sind ebenfalls auf der Webseite zu finden. Vermissen Sie eine Information, schreiben Sie uns eine Mail (mail@media-futura.de).

* gültig für alle Lesungen, außer den Sonderlesungen (Weinlese) inkl. Leseaben ** Zeller Bürger:innen erhalten gegen Vorlage des Personalausweises den ermäßigten Preis Derzeit werden weitere Sonderveranstaltungen geplant. Einheiten zu den Lesungen sowie allle aktuellen Veranstaltungen sind auf der Webseite zu finden (www.litzell.de) 37


KULTUR

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KREATIVES

Es lesen*: Ute Bales – Autorin von Kurzgeschichten, Essays und von bisher acht Romanen, von denen „Bitten der Vögel im Winter” 2018 mit dem Martha-Saalfeld-Förderpreis des Landes Rheinland-Pfalz bedacht wurde. Jens Baumeister – Kunsthistoriker, Weindozent und Sachbuchautor mit Schwerpunkten Kunst, Archäologie und Weingeschichte sowie Karl Marx. 2017 wurde sein bislang erfolgreichstes Buch „Wie der Wein Karl Marx zum Kommunisten machte” veröffentlicht. Kathrin Baumeister – Autorin und unabhängige Kunsthistorikerin, veröffentlichte u. a. mit ihrem Mann drei Bücher über Karl Marx („Wie der Wein Karl Marx zum Kommunisten machte”, „Karl Marx zwischen Pfandhaus und Champagner” und „Weinfreunde Marx und Engels”).

Peter Friesenhahn – 1952 in Pünderich geboren, lebt und arbeitet als Autor, Musiker, Lieder – und Filmemacher an der Mosel. Tim Frühling – bekannt aus HR-Funk und Fernsehen, veröffentlichte 2021 seinen fünften und Deutschlands ersten Grillkrimi. Gina Greifenstein – erfolgreiche Kochbuch- und Krimiautorin, liebt Verkleidungen und Angriffe auf die Lachmuskulatur. Anne Grießer – war als Reisejournalistin, Wanderführerin, Redakteurin, Veranstalterin, Schauspielerin und Dozentin tätig und hat sich in den vergangenen Jahren hat sich als Krimiautorin und Herausgeberin einen Namen gemacht. Jürgen Heimbach – war als Regieassistent am Staatstheater Mainz tätig und arbeitet heuteals Redakteur für 3sat. Sein schriftstellerisches Werk umfasst inzwischen acht

Romane und eine Reihe kriminalistischer Kurzgeschichten. Für seinen 2019 erschienen Roman „Die Rote Hand” wurde er mit dem Friedrich-Glauser-Preis als bester deutschsprachiger Kriminalroman des Jahres ausgezeichnet. Judith Kauffmann – langjährige Radio- und Fernsehjournalistin, vielen RheinlandPälzer*innen noch bekannt aus Sendungen des SWR wie „Flutlicht”, „Himmel un Erd” an der Seite von Johann Lafer, veröffentlichte 2021 ihren ersten Roman „Nix Besseres wie was Gutes”. *Änderungen bei den teilnehmenden Autor:innen sind möglich.

Fotos: obeere Reihe von links: Antje Fries, Gina Greifenstein, Tim Frühling, Anne Grießer, unten von Mitte & rechts: Jürgen Heimbach, Judith Kauffmann (Foto: SWR Pressestelle)

Antje Fries – schreibt Kriminalromane, Kinderbücher, Lehrerbücher und liefert Beiträge zu Lyrik-, Mundart-, und Krimi-Anthologien Fotos: links von oben nach unten: Ute Bales, Jens Baumeister, Kathrin Baumeister 38

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KULTUR

Susanne Konrad – lebt und arbeitet in Frankfurt am Main. Schwerpunkte ihrer schriftstellerischen Arbeit sind Entwicklungsromane sowie Prosa zu den Themen Liebe und Älterwerden, Heimat und Migration, Diversität und Inklusion. Matthias Kreck – Algebraische Topologie und Differentialtopologie sind die Gebiete des 1947 geborenen Professors für Mathematik an der Universität Bonn, der in Mainz und Bonn lebt, schreibt und in seiner Freizeit Cello spielt. Verena Mahlow – Nach zahlreichen weiteren Veröffentlichungen, Kurzgeschichten, Essays, Sachbüchern und Übersetzungen wandte sie sich 2000 dem Drehbuchschreiben zu. Sie lebt in Mainz und seit längerer Zeit auch in den USA, wo in diesem Jahr ihr erster englischsprachiger Roman, „Island of Dead Gods”, erschien. Mischa Martini – Krimiautor, der in bisher 15 Episoden den Ermittler Waldemar Bock mit seinem skurrilen Team links und rechts der

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Mosel auf Verbrecherjagd gehen lässt. Seine Bühnenkomödie „Mörderische Auslese” wird auch in den Nachbarländern aufgeführt. Minas – im Lehrberuf Diplompsychologe, schreibt Belletristisches in kurzer oder langer Form seit frühester Jugend. Work in progress: „Brocante – Zwei Männer und ein Krieg”, eine deutsch-französische Freundschaftsgeschichte. Hasan Özdemir – der deutschsprachige Lyriker, Erzähler und Dramatiker lebt in Ludwigshafen und Freinsheim, wo er auch Initiator der „Literarischen Lese Freinsheim” ist. Seine Gedichte wurden ins Englische, Französische, Polnische, Russische und ins Italienische übersetzt. Mit seinem ersten Theaterstück „Der Proband” erhielt er 2010 den Theaterpreis im Rahmen des Dramenwettbewerbs im Pfalzbau Ludwigshafen.

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KREATIVES

Martin Schnick – lebt in Köln und ist als Werbetexter, Theaterregisseur und Autor tätig. Er hat u.a. eigene Bühnenstücke unter dem Pseudonym Martin Rubin verfasst. Sein Monolog „Störwerk” wurde an vielen Off-Bühnen gespielt und erhielt auf dem New Yorker Fringe Festival einen Kritikerpreis. Der WIESBADENER verlost 1x2 Festivaltickets. Bitte beantworten Sie folgende Frage: Wann erhielt Zell/Mosel die Stadtrechte? Einsendeschluss ist der 31.01.2022.Der Rechtsweg ist ausgeschlossen! Fotos: oben von links nach rechts: Susanne Konrad, Verena Mahlow, Matthias Kreck, Mischa Martini, Hasan Özdemir (Foto: Iris Kaczmarczyk) unten von links nach rechts: Minas, Peter Friesenhahn, Martin Schnick alle Fotos in Urheberschaft der Autoren, wenn nicht anders gekennzeichnet

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KULTUR

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KREATIVES

George Sand in Gesellschaft von Shakespeare Saarländisches Staatstheater Saarbrücken punktet mit grandiosen Inszenierungen

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orhang auf und Bühne frei – Gabriel*le trifft Macbeth Underworld. Sie spielen wieder und heimsen Preise ein am Saarländischen Staatstheater Saarbrücken – mit Sicherheit nach aktuellem Pandemie-Ritual. Hausherr Bodo Busse löst sein Versprechen ein:“ Trotz Abstandes. Wir kommen Ihnen ganz nah!“ Der

Generalintendant, in Wiesbaden aus seiner Zeit als beliebter Operndramaturg der Ära Beilhartz noch bestens erinnerlich, freut sich über viele Grüße aus seiner früheren Wirkungsstätte und beton: „„Wer sich sozial verhält, befindet sich nicht in Distanz. Wir wollen ein Echoraum für Fragen, Ängste und Hoffnungen sein.“ Denn gerade „in Krisenzeiten ist sich das Thea-

Generalintendant Bodo Busse im Orchester”graben”

ter seiner Verantwortung für einen offen humanen Diskurs bewusst. Wir brauchen in vielen neuen theatralischen Formen, auch im Corona-Modus, Ihre Nähe und wollen Sie mitten ins Herz treffen.“ Wie sich bei einem Besuch im schönen Saarland erweist, hat der Hausherr- der von seinem Wohnsitz in Frankreich pendelt, nicht zu viel versprochen. Alle Produktionen sind coronatauglich neu oder modifiziert. Schließlich ist Theater „ein Laboratorium für neue, kreative Ideen.“ Shakespeare grandios vertont, düsterste Schreckensbilder voll alttestamentarischer Wucht prägen sich in die Netzhaut ein. „ede Oper trägt ihren Schmerz, ihre Angst, ihr Unglück in sich“, sagt Pascal Dusapin. Seine Opern klingen nach Filmmusik und kurbeln das Kopfkino tüchtig an. Direkt nach der Uraufführung am Théatre Royal de la Monnaie – Du Munt wurde Dusapins überwältigendes Opus „Macbeth Underworld“ als Koproduktion mit Les Theatres de la Ville de Luxembourg in der assoziationsreichen Inszenierung von Lorenzo Fiorini (Libretto Frédéric Boyer) mit einem Opernpreis ausgezeichnet. In Saarbrücken empfiehlt sich der ungemein konzentrierte Bilderrausch mit einem un-endlichen Höllenritt als faszinierendes Mörderspektakel

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KULTUR

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KREATIVES

Bei “Macbeth Underworld” tobt der Wahn-Sinn und der hat mörderische Methode.

nachdrücklich für den FAUST. „Erfülle mich von Kopf bis Fuß mit der schlimmsten Grausamkeit!“ Gänsehautmomente am laufenden Meter. Der machtgeile Wahnsinn hat Methode. Mordopfer als Wiedergänger. „Macbeth hat den Schlaf gemordet“. Sigmund Freud trifft Hyronimus Bosch trifft Quentin Tarantino. Auf der Bühne mit Riesenbett, Sarg, Menschenkäfig tobt pausenlos das blutige Grauen, das bestens aufgelegte Saarländische Staatsorchester unter Justus Thorau ist partiell in das Gruselgeschehen involviert. Mit starken Stimmen und eindrücklicher Darstellung begeistern Dshamilja Kaiser & Peter Schöne als eiskaltes Mordspaar, Maria Carla Pino Cury (exzellent), Valda Wilson & Carmen Seibel als Hexen, Algirdas Drevinskas als „höllischer“ Portier. Das Publikum ruft Bravo! Und feiert die Oper ausgiebig mit standing ovations.Unbedingt sehenswert! Die Alte Feuerwache wird runde 125 und feiert als Spielstätte des Staatstheaters 40 Jahre kreatürlicher Nutzung und beherbergt eine Uraufführung: „Unsere Devise heißt Freiheit!“Wie im „Wiesbadener 3/2021“ angekündigt, hatte ein Geniestreich umjubelte Premiere. Hausherr Bodo Busse schreibt Theatergeschichte: Mit dem Übersetzungs- und Regieauftrag an den deutsch-französischen Regisseur/ Schauspieler Sébastien Jacob eines Romans der Französin George WIESBADENER

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Sand wurde ein Schatz gehoben: „Gabriel*le“. Die deutsche Erstaufführung, die vermutlich sogar eine Uraufführung ist, brachte ein 1839 verfasstes Werk der Aurore Dudevant von Nohant, Ururenkelin August des Starken und meist gelesene Autorin ihrer Zeit, auf die Bühne. „Ich nehme nicht einmal die Zeit, um aufzustehen. Ich bringe einen neuen Roman zur Welt, der eine Schwergeburt ist“, schrieb die Löwin vom Berry, die skandalträchtig Hosen trug und Zigarre rauchte, in einem Brief. Als Fortsetzungsroman in Nachtarbeit für die Revue des Deux Mondes verfasst und später von Verleger Buloz als Buch publiziert, ist die gesellschaftskritische Visionhoch aktuell. Von wegen Genderdebatte reloaded: „Die Seele hat kein Geschlecht.“ Bis zum Alter von 25 wächst die Titelheldin wegen einer Erbschaftsintrige als Mann auf und beschließt dann, sich als Frau und zeitweilig als Mann zu kleiden. „Freiheit vor allem!“ Mann ist ganz Frau und Geschlecht ist Macht (oder nicht). Als wär´s ein Stück von heute.

ne Motter als Giglio/LaFaustina/ Settimia, Gaby Pochert als Hauslehrer Marc begeistern auf ganzer Linie. Der Musiker HENRI ist auch Menrique und steuert mit Keyboard, Gitarre und Stimme eine betörende Sound- und Geräuschkulisse bei. Die längst überfällige Idee, eine Straße nach George Sand zu benennen, sollte weiter verfolgt werden. Das Publikum in der Alten Feuerwache ist aus dem Häuschen, der Beifall will nicht enden.Das Weihnachtskonzert findet im „Russischen Winter“ statt und wünscht „S`Novim Godom!“ www.staatstheater.saarland.de Text und Foto: Gesine Werner Musiker HENRI und Schauspielerin Christiane Motte in der deutschen Erstauffühung von George Sands Roman “Gabriel*le”

Regisseur Jacobi schuf ein Bühnenbild, das mit Überraschungen aufwartet, setzt in seiner einfallsreichen Inszenierung auch auf Videosequenzen und Livekameraund bietet ein exquisites Ensemble auf. Titelheldin Barbara Krzoska, Fabian Gröver in mehreren Rollen, Jan Hutter als Astolphe, Christia41


KULTUR

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KREATIVES

Der frühere Intendant des Hessischen Staatstheaters, Dr. Mannfred Beilharz war vom mozärtlichen Geniestreich seines damaligen Ballettdirektors Stephan Thoss begeistert.

Viele Stühle und doch kein Platz Tanzintendant Stephan Thoss präsentiert mit „Mozart“ faszinierenden Tanz am Nationaltheater Mannheim

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ozart und Mannheim – eine facettenreiche Geschichte. Ein imposantes Kunstwerk nimmt das Auge gefangen. Wie ein güldener Leuchter schweben iteinander verflochtene Stühle über der Bühne, animieren zu Assoziationen. Hängt der gewünschte Stuhl so unerreichbar hoch wie die sprichwörtlichen Trauben oder ist kein Platz frei, wie dem hoffnungsfrohen Genie aus Salzburg in Mannheim bedeutet wird? Es war halt „keine Vakatur da“, wurde dem hier verkannten Klaviervirtuosen und Komponisten von Kurfürst Carl Theodor beschieden. Doch Ausnahmemusiker Amadé dehnt seine erste Reise in die Residenzstadt ohne den gestrengen Vater Leopold ((Luis Tena Torres) aus. reift in der Konkurrenz mit Kollegen und der Freundschaft zur Familie Weber sowie der unerfüllten Liebe zu Tochter Aloysia. Das Eheglück mit deren Schwester Constanze (Silvia Cassata) stabilisiert den fleißigen Briefeschreiber mit dem deftigen Humor. Schlicht „Mozart“ nennt der vielfach ausgezeichnete Meisterchoreograph Stephan Thoss, der die minimalistische Bühne, Kostüme und Videopanorama samt fein austarierter Soundcollage 42

gleich mit verantwortet, sein berührendes Tanzstück mit ausgefeilten Szenen. Der Tanzintendant hat mit seinem exzellenten Ensemble einen Coup gelandet. Das gut aufgelegte NTM-Orchester in Kammerorchesterbesetzung unter souveräner Leitung von Janis Liepins und Mozart-Preisträger Kai Adomeit (an Cembalo und Flügel mit berührendem Tastenspiel) haben gebührenden Anteil. Mal verspielt und leicht, mal düster dramatisch, gehen die einfühlsam choreografierten Bilder mit dem doppelten Mozart unter die Haut. Das Wunderkind Amadeus (Lorenzo Angelini) tollt mit den Kumpels umher wie ein verspielter Welpe, wird später von den Freunden buchstäblich emporgehoben. Erwachsen geworden und zuweilen in vierfacher Präsenz, wird Mozart (Joseph Caldo) fortwährend von der dunkel gewandeten Mutter (Alexandra Chloe Samion) begleitet. In schwarzer Robe mit weißer RokokoPerücke wandelt Zoulfide Choniiazowa als „Schicksal“ gravitätisch durch das Geschehen. Die Kurfürstin (Emma Kate Tilson) ist dem herrschenden Gemahl Carl Theodor (Joris Bergmans) elegante Gefährtin. Die unter erschwerten Pandemie-Bedingungen entstandene Uraufführung

erntete im Opernhaus - unter streng eingehaltenen Regeln - ausdauernde standing ovations. Ein Genuss nicht nur für Mozartfans. Bis 2014 war Faust-Preisträger Thoss Ballettdirektor des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden. Dort heimste Tänzer Jeroen Verbrugge 2013 Szenenapplaus ein beim MaifestspielHighlight „Le Songe“ nach Shakespeare mit dem Ballets de Monte Carlo: Als Puck kurvte er im Puckomobil, eine Segwayblume mit Rüssel, über die Bühne und ließ tüchtig Zaubernebel tropfen. Im Frühjahr 2022 stellt sich der ausdruckstarke Tänzer als Choreograph vor, am NTM schließt sich ein Kreis. Auch zum Jahresende 2021 locken Schmankerl wie „das Floß der Medusa“ nach dem Roman von Franzobel als gemeinsamer Abend für Schauspiel & Tanz ins Mannheimer Opernhaus. „Rising“ als Silvester-Spezial-Premiere gibt der jungen Generation eine Chance, inklusive zweier PreisträgerInnen des Choreografie-Wettbewerbs Hannover, den NTM-Tanzdirektor Johannes Grube fachkompetent moderierte. Der tänzerische Silvester-Countdown zählt nicht runter, sondern steigert sich von Solo & Pas de Deux zu Trio, Quattro & Quintett bis zum rasanten Ensemblestück. Anat Oz, Roberto Tedesco, Michael OIsenrath, Sofia Nappi und „Mozart“-Stars Emma Kate Tilson sowie Luis Tena Torres zünden ein tänzerisches Feuerwerk www.nationaltheater-mannheim.de Text und Foto: Gesine Werner WIESBADENER

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KULTUR

William Wegman, letter a, aus der Serie „letters numbers punctuation“, 1993, courtesy the artists, DZ Bank, Kunstsammlung Frankfurt

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in wichtiger Teil unseres Lebens sind Tiere. Sie sind unsere ältesten Begleiter, unsere Ernährer, aber auch Spielgefährten. Aufkommende Tendenzen wie die Diskussion über eine weniger anthropozentrische ausgerichtete Welt führen dazu, dass auch in der Bildenden Kunst neue Wege zum Tier gesucht werden. Tiere werden von zeitgenössischen Künstler:inn:en als ästhetische WSesen begriffen, ernst genommen und neu gedacht. Die Hinterfragung der absoluten Trennung von Mensch und Tier könnte neue Perspektiven der Koexistenz der Arten aufzeigen. Das Führungsangebot der Ausstellung richtet sich deshalb nicht nur an Menschen, sondern auch an Hunde mit ihren Besitzern. Die Ausstellung „Kunst für Tiere. Ein Perspektivwechsel für Menschen” stellt Künstlerinnen und Künstler vor, die sich mit ihren Arbeiten dem Tier zuwenden, um sich näher mit den Beziehungen zwischen Mensch und Tier zu beschäftigen oder um einfach ihre Tierliebe auszudrücken. Das Duo Krõõt Juurak (*1981) und Alex Bailey (*1987) beispielsweise schafft mit seinen Performances for Pets wortwörtlich Kunst für Tiere. Das Künstlerpaar performt nicht für ein menschliches, sondern tierisches Publikum. WIESBADENER

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Bjoern Braun, ohne Titel, Zebrafinken-Nest, 2013

Kunst für Tiere Ein Perspektivwechsel für Menschen Die Auseinandersetzung mit dem Mensch-Tier-Verhältnis ist in der zeitgenössischen Kunst vielfältig und unterschiedlich. Künstlerinnen wie Sanna Kannisto (*1974) und Gabriele Muschel (*1941) werden zu visuellen Forscherinnen, die Tiere in entlegenen Gebieten aufspüren. Resultate sind neue Bildräume und Bildfindungen. Schafft Kannisto im Regenwald einzigartige Bühnengebilde für ihre Tierminiaturen, wandelt Muschel ihre Fotografien von Affen im heimischen Atelier zu Porträtzeichnungen voller Individualität. Jedes Porträt unterscheidet sich von dem anderen und zeigt Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Gesichtszügen und Merkmalen. Das ambivalente Verhältnis von Mensch und Tier spielt bereits in frühen Arbeiten von Rosemarie Trockel (*1952) eine besondere Rolle. »Jedes Tier ist eine Künstlerin«, lautet 1993 ihre Botschaft. Auch wenn sie damit dem berühmten Ausspruch »Jeder Mensch ist ein Künstler« von Joseph Beuys entgegentrat, ist eine Wertschätzung des Tieres impliziert. Im gleichnamigen Künstlerbuch veröffentlichte Trockel Porträts ihres

Hundes mit einer liebevollen Widmung. Die Ausstellung Kunst für Tiere. Ein Perspektivwechsel für Menschen wurde vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert. Gleichzeitig ist sie Teil der Kooperation ARTENTREFFEN entlang der S-Bahnlinie 8 mit dem Deutschen Ledermuseum in Offenbach am Main und dem Nassauischen Kunstverein Wiesbaden. ARTENTREFFEN wird gefördert durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain. Kunst für Tiere Bis 6. Februar 2022 Opelvillen Ludwig-Dörfler-Allee 9 65428 Rüsselsheim www.opelvillen.de

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KULTUR

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KREATIVES

„100 Jahre Jawlensky in Wiesbaden” feiert die Sammlungsgeschichte mit Gesamtschau

Wiesbaden hat einen JawlenskyFimmel!

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useum Wiesbaden würdigt „100 Jahre Jawlensky in Wiesbaden“ mit der Jubiläumsschau „Alles!“ und einem Pfad der Lebensstationen „In Wiesbaden man erwartet mich schon”, schrieb Alexej von Jawlensky an einen Freund, bevor er im Juni 1921 nach einem großen Ausstellungserfolg spontan seinen Wohnsitz in Wiesbaden nahm, wo der Maler bis zu seinem Tod 1941 heimisch war. Das Museum Wiesbaden verfügt über die weltweit bedeutendste Jawlensky-Sammlung. „Alles! 100 Jahre Jawlensky in Wiesbaden” ist als Titel der spektakulären Blockbusterschau, die bis zum 27. März 2022 das Schaffen von expressionistischen Köpfen bis zum

seriellen Werk des „Hausgottes” zeigt, wörtlich zu nehmen. Wie Museumsdirektor Dr. Andreas Hennig und Kurator Dr. Roman Zieglgänsberger betonen, werden in 16 Räumen erstmals alle 111 Werke des Bestandes in der Chronologie der Erwerbungen komplett präsentiert, um der Bevölkerung zu zeigen: „Das ist unser Jawlensky!” Zur Leiterin des Alexej von Jawlensky-Archivs im schweizerischen Muralto besteht ein vertrauensvoller Austausch. Künstlerenkelin Angelica Jawlensky Biancoli übergibt bis 2025 den Bestand nach Wiesbaden: „Wir werden ein Forschungsarchiv aufbauen.” Für Jawlensky-Experte Zieglgänsberger „ein bewegender Moment.” Kulturministerin Angela Dorn würdigte den Jubilar als „das Paradebeispiel eines Künstlers, der heute wie kaum eine andere Persönlichkeit für ein weltoffenes Wiesbaden im ZentrumEuropas steht.” Die berührende, kenntnisreich kuratierte Ausstellung tritt in Dialog mit Künstlerinnen und Künstlern aus Jawlenskys Leben. Rund 30 Geschichte(n) hinter den Bildern werden erzählt.

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Vom großherzigen Sammlermäzen Frank Brabant dem Haus als Schenkung vermacht, ist dem bedeutendsten Frühwerk (1901) „Helene im spanischen Kostüm”, das die 1886 Geborene ersichtlich schwanger zeigt, ein ganzer Raum gewidmet. Zu sehen ist auch das berühmte „Selbstbildnis”, dessen Ankauf 1973 heiß diskutiert wurde, das heute unbezahlbar wäre. „Wir gehen auch in die Stadt hinein”: Mit einem „Jawlensky-Pfad” können Interessierte auf den Spuren des russischen Wahlwiesbadeners wandeln und 27 Mal Station machen - in der Bahnhofstraße, in der Taunusstraße oder in der Beethovenstraße, wo er neben dem Mäzenpaar Tony & Heinrich Kirchhof wohnte. Im Kaffeehaus Maldaner lässt sich eine gehaltvolle Jawlensky-Schnitte genießen und in der Chocolateria Kunder lockt eine gefüllte Praline der Jawlensky-Sonderedition. Der Jubilar lädt als lebensgroßer „Pappkamerad” auch in den Nassauischen Kunstverein (wo der Erfolg seiner erste Schau den Grundstein für seine Übersiedlung nach Wiesbaden legte) und auf den Russischen Friedhof, wo der Jubilar seine letzte Ruhe fand. www.museum-wiesbaden.de Text und Fotos: Gesine Werner WIESBADENER

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er kennt ihn nicht, den schier unbändigen Appetit auf Süßigkeiten? Doch was hat es damit auf sich? Ist dieser Heißhunger nur eine Laune oder hat er einen tieferen Sinn? Welche Auswirkungen hat unsere Ernährung auf unseren Körper? Und was sollten wir unbedingt über unser Essen wissen? Diesen Fragen geht die Biologin und Wissenschaftsjournalistin Katrin Linke in ihrem neuen Sachbuch „So ernähren wir uns richtig – Das Einmaleins des Essens” auf den Grund. Kurze Kapitel mit vielen Fotos, Infokästen und lustigen Illustrationen bieten einen munteren Streifzug durch die aktuelle wissenschaftliche Forschung zur Ernährung. Dazu laden einfache Rezepte ein, das neu Gelernte direkt umzusetzen. Abgerundet wird es mit exklusiven Tipps von Bas Kast. Katrin Linke studierte Medizin und Biologie. Sie arbeitet als freie Fernsehjournalistin für Wissensformate der ARD, Arte und des Hessischen Rundfunks. Mit „Eine Liebe ohne Grenzen – Unsere Flucht aus der DDR”, das 2019 im Lübbe Verlag erschien, hatte sie ihr Debüt als Buchautorin. Essen ist schon für Kinder ein großes Thema – und es begleitet uns ein Leben lang! Dieses Sachbuch will nicht nur darüber aufklären, was gesunde Ernährung ist, was sie in unseren Körpern bewirkt und wo unsere Lebensmittel herkommen, sondern vor allem Spaß am gesunden Essen vermitteln. Neben Rezepten enthält das Sachbuch auch Anleitungen zu Experimenten und Selbstversuchen. Gleichzeitig werden die größeren Zusammenhänge vermittelt, denn bei der Ernährung geht es nicht nur um uns, sondern auch um unsere Umwelt. Liebevoll erklärt und ansprechend illustriert, richtet sich das Buch sowohl an Kinder als auch an Erwachsene. Es kann auch sehr gut im Unterricht oder im Kindergarten eingesetzt werden, um für das Thema Ernährung zu sensibilisieren. WIESBADENER

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An manchen Stellen richtet sich der Ratgeber etwas zu sehr nach den Empfehlungen der „Deutschen Gesellschaft für Ernährung”, beim Thema Milch zum Beispiel und bei den Themen vegane und vegetarische Ernährung – hier gibt es neuere und deutlich bessere Studien. Aber wer diese ergänzend hinzuzieht, hat ein ansprechendes und ansonsten gut aufgebautes und recherchiertes Werk, das sich gerade mit Kindern gut einsetzen lässt.

Das Buch ist im Loewe Verlag erschienen. www.loewe-verlag.de Petra Esser, Ernährungsberaterin TCM

Katrin Linke So ernähren wir uns richtig Das Einmaleins des Essens Mit Ernährungstipps von Bas Kast 192 Seiten, Hardcover mit Spotlack ISBN 978-3-7432-0954-1 16,95 € (D), 17,50 € (A) 45


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Rezept: Knochenbrühe

500g markhaltige Rinderknochen aus artgerechter Tierhaltung oder Bioqualität - 1-2 EL Apfelessig - 1 gr. Gemüsezwiebel - 2 Lorbeerblätter - 1⁄2 TL Pfefferkörner, schwarz - 4 Pimentkörner - 6 Wachholderbeeren - 1 daumengroßes Stück Ingwer - 2 Knoblauchzehen (angequetscht) - 2 Zweige Thymian - 1⁄2 -1 TL Meersalz - 5 L Wasser (oder mehr) - 2-3 Karotten - 2-3 Petersilienwurzeln - 3 Stangen Staudensellerie - 1⁄2 Knollensellerie - 1 gr. Stange Lauch - 1⁄2 Bund Blattpetersilie - Steinsalz Die Knochen waschen und mit einem Tuch abtrupfen. In einen großen Topf geben und die Knochen ohne Fett rösten, bis sie schön braun sind und sich Röstaromen entwickelt haben. Zu den Knochen den Essig und die Gewürze geben und alles zusammen für eine Stunde kalt ziehen lassen. Durch die Essigsäure werden Knochen einige Nährstoffe entzogen. Das Wasser zugeben, bis zum Siedepunkt erhitzen und die Knochen mehrere (mindestens 4-5) Stunden köcheln lassen. Das Gemüse klein schneiden. 2-3 Stunden vor dem Ende der Kochzeit das klein geschnittene Gemüse in den Topf geben. Die Brühe durch ein Passiertuch geben (nicht zwingend erforderlich). Mit Steinsalz abschmecken und servieren.

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er Ratgeber ist in der Tat ein Ratgeber. Die Autorin kennt sich aus und weiß, wovon sie schreibt. Die Krankheit wird gut beschrieben und Differenzialdiagnostisch abgegrenzt. Sehr gut und anschaulich ist auch das Kapitel, wie Schilddrüsenwerte richtig gelesen werden. Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Autoimmunerkrankung, mehr Claudia Ritter ist Heilpraktikerin, Dozentin sowie Mitglied der Kommission E, einer wissenschaftlichen Sachverständigenkommission für pflanzliche Arzneimittel. Zudem ist sie Autorin mehrerer naturheilkundlicher Bücher. Schwerpunkte ihrer Praxis sind neben hormonell bedingten Erkrankungen die zahlreichen Autoimmunerkrankungen. Die Hashimoto-Thyreoiditis nimmt dabei einen bedeutenden Platz ein. 46

als 10 % der Deutschen sind betroffen. Wer die Diagnose „Hashimoto-Thyreoiditis” erhält, leidet unter Umständen an verschiednen Veränderungen anderer Organe und Geweben des Körpers und nicht nur unter einer chronisch entzündeten Schilddrüse. Eine Therapie sollte deshalb mehr umfassen als die Medikamenteneinnahme. Claudia Ritter stellt daher einen ganzheitlichen Ansatz vor, um der Erkrankung zu begegnen. Ein komplexes Krankheitsbild wie Hashimoto lässt sich durch eine einzelne Maßnahme nicht in den Griff bekommen. Die Beseitigung oder das Weglassen der Auslöser ist ein wichtiges Kriterium. Auch eine Ernährungsumstellung ist ein wesentlicher Faktor, ebenso wie die Darmgesundheit als wichtiger Motor des Immunsystems. Alle natürlichen und ganzheitlichen Maßnahmen, die sich als wirkungsvoll erwiesen haben, erklärt die Autorin Claudia Ritter in ihrem Ratgeber.

Neben allem Wichtigem über die Ursachen, die von genetischen Einflüssen über Medikamente bis hin zu äußeren Einwirkungen wie Giftstoffen reichen können, informiert Claudia Ritter über die vielfältigen Ausprägungen eines Hashimoto von körperlichen bis hin zu psychischen Symptomen sowie Begleiterkrankungen. Sie erklärt, wie die Schilddrüse aufgebaut ist und wie sie arbeitet. Ein Überblick über die Verfahren der Schulmedizin, Hashimoto zu diagnostizieren und zu therapieren sowie darüber, wie man seine Schilddrüsenwerte richtig liest, finden sich ebenfalls im Buch. Leser:innen, die Symptome der Krankheit an sich feststellen oder vermuten, werden Informationen an die Hand gegeben, Haschimoto schulmedizinisch richtig abklären zu lassen und naturheilkundlich die Behandlung zu unterstützen. Claudia Ritter Hashimoto natürlich behandeln

Die ganzheitliche Therapie bei chronischer Schilddrüsenentzündung

144 Seiten, ca. 20 Abbildungen 15,5 x 21,0 cm, Softcover ISBN 978-3-8426-2999-8 € 19,99 [D] / € 20,60 [A] www.humboldt.de Petra Esser, Ernährungsberaterin TCM WIESBADENER

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rsachen, Vorbeugung und ganzheitliche Therapiemaßnahmen bei Makuladegeneration, Glaukom, Hornhauttrübung, diabetischer Schädigung, trockenen oder tränenden Augen, Allergien oder gereizten Augen, Hornhautverkrümmung, Kurz-, Weit- und Alterssichtigkeit sowie weiteren Augenerkrankungen und –beschwerden. Für alle, die sich vorausschauend um ihre Augen kümmern möchten, damit sie bis ins hohe Alter gut sehen können. Für eine gute Sehfähigkeit und zur Vorbeugung von Augenerkrankungen können wir viel tun. Welche schul-und alternativmedizinischen Behandlungsmöglichkeiten es gibt, zeigt die auf Augenheilkunde spezialisierte Heilpraktikerin Beate Rinderer in ihrem Ratgeber. Sie erBeate Rinderer arbeitete als Physikerin viele Jahre in der Entwicklung von Lasertechnologien und -verfahren. Aufgrund ihres Interesses an Medizin und Naturheilverfahren absolvierte sie berufsbegleitend eine Ausbildung als Heilpraktikerin und spezialisierte sich auf die Augenheilkunde mit Schwerpunkt Augenakupunktur. Seit 2006 ist sie in ihrer eigenen Augenspezialpraxis tätig und behandelt Menschen mit den unterschiedlichsten Augenproblemen und -erkrankungen. klärt, was man selbst tun kann, um die körpereigene Regenerationsfähigkeit der Augen bestmöglich zu aktivieren, die Sehkraft lange zu erhalten und eine augenärztliche Behandlung optimal zu unterstützen. Neben praktischen Tipps zu Ernährung, Bewegung und Entspannung enthält der Ratgeber effektive Übungen, Wissenswertes zu Akupressur-Punkten sowie zu den Ursachen von Augenerkrankungen und Fehlsichtigkeit. Die kompetente Autorin widmet sich dem Thema sehr anschaulich und ausführlich und dennoch – auch für Laien – sehr gut verständlich und umsetzbar. WIESBADENER

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Ob Augentraining mit den „acht Augenübungen” oder das Kapitel über den Zusammenhang von Sehkraft und Ernährung (die drei Säulen für einen augengesunden Lebensstil), Beate Rinderer beschreibt anschaulich und nachvollziehbar die Zusammenhänge und gibt Umsetzbares an die Leser:innen weiter. Wir erfahren, wie das Auge aufgebaut ist, um Zusammenhänge besser verstehen zu können und erfahren mehr über die häufigsten Augenkrankheiten und die Gründe für Sehhilfen.

Beate Rinderer Natürlich besser sehen Sehkraft ganzheitlich verbessern und erhalten 132 Seiten, ca. 30 Abbildungen 15,5 x 21,0 cm, Softcover ISBN 978-3-8426-2968-4 € 19,99 [D] / € 20,60 [A] humbold Ratgeber www.humboldt.de Petra Esser, Ernährungsberaterin TCM

Der ganzheitliche Ansatz zu mehr Sehkraft erklärt, welche Maßnahmen ggf. naturheilkundlich Abhilfe schaffen können.

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ZUSAMMENLEBEN

„Klavier zu drei Händen mit Ute & Christoph“: Musikkabarettist Christoph Reuter schoss den Vogel ab mit Verstärkung aus dem Parkett

„Fassenacht wird wieder schee – wir starten durch beim CCW!“ Das Kampagnenmotto setzte die Großfamilie des Carnevalclubs Wiesbaden munter um – á la Dinner-Theater mit korrektem 2G-Ritual, exquisitem Konzertprogramm und Lachtränenalarm. 111 Leute an luftig platzierten Bistro-Vierertischen im Thierschsaal der Gudd Stubb waren närrisch aufge-

Clubtenor und Komponisten Karlheinz Ohnhaus, 5 mal 11 Jahre im Club, gibt der Saal den Chor, der „unsere Nationalhymne“ sang: „Wir sind alle eine Familie!“ Clubpräsident Andreas Guntrum, 2 x 11 Jahre im Amt und vom Vorstandskollegium mit „konspirativ ausgedachter“ Überraschung bedacht, wandelte erfrischend „familiär“ moderierend durchs Parkett. Die „hohe politische Kaste“ wie

Gans schön viel „G” beim CCW Carnevalclub Wiesbaden startet mit furios-närrischem Dinner-Konzert-Empfang in die Session legt. Pianör Bernd Hans Gietz rollte souverän den gepflegten MusikTeppich aus. Chapeau für das rekordreif schnell gestemmte Vergnügen! In der Openair-Jahreshauptversammlung im Amt bestätigt, gab der Vorstand - Andreas Guntrum, Peter Dietz & Klaus Reese, Michael Wink, Ute Baudet, Max Fischer sowie Ralf Boxberger, Marco Seipel & Oliver Huhle, Jochen Thiemann & Marina Größl – pandemiebedingt sechs Wochen zuvor Grünes Licht. Das Komitee wurde zünftig vereidigt, Sitzungspräsident Michael Wink trägt Amtskette und die kürzlich wieder gefundene historische Amtskette wird als Schatz im Tresor gehütet. Mit dem hübsch rüstigen 48

Minister Professor Alexander Lorz feierte, die Ehren-Sitzungspräsidenten Mathias Budau & Klaus Groß auch. Wiesbadens Erster Bürger Dr. Gerhard Obermayr hat die Narrenkappe seines Vaters dabei, bekommt die CCW-Kappe aufs Haupt und proklamiert eine närrische „Doppelspitze“. Die Kampagne 2021/2022 zelebriert der Parlamentspräsident mit seiner Amtsvorgängerin Christa Gabriel gemeinsam. Eine charmante Idee! Aus Meenz kam Denis Wittberg mit den närrisch disponierten SchellackSolisten und einem „Frollein“ an der Violine. Me too huhu! Die Lady in Red machte auch mit Engelsflügeln Furore, derweil die 9

Mannen zu nikolausigen Rotkäppchen mutierten. Die Zugabe mit der „Story from se littel grüner Kaktus“ reißt vom Stuhl. Mit gekonntem Tanz ließen Alexandra Weinerth und Olivia Back als Zwei von der Narrenlust Waldstraße die Rostra erbeben, derweil die junge Mutter Sarah Weinerth als Dritte im Bunde mit Trainerin Nicki Strahl von der Seitenlinie aus unterstützte. „Alle sind musikalisch (außer manche)“ weiß Christoph Reuter, der mit seiner „C-Kralle“ den Vogel abschoss. Für den gewitzten Tastenlöwen aus Balin war die Premiere in Wiesbaden ein krachender Erfolg: Piano, mezzoforte & „Ekstase in „CCW-Forte“. Lachtränenalarm! Beethoven goes Jazz, Telefonnummern werden zur Komposition und west-asiatisch-arabische Tonleitern lassen „alle meine Entchen“ schwimmen. „Das Klavier zu drei Händen mit Ute & Christoph“ wird zum Knaller! Also: Der Knabe aus der Bauhausstadt Dessau ist die Wucht in Tüten. Junge, komm bald wieder! Vorschau: Die Auftaktsitzung „Von uns – für Euch“ steigt am 14. Januar 2022 beim TC Blau-Orange. Die Närrische Riesling-Gala & Wein bittet am 4. Februar 2022 in`s Kurhaus und die Große Kostümsitzung des CCW geht am 5. Februar 2022 in der Gudd Stubb über die Bühne. Info: www.ccw-info.de karten@ccw-info.de Text und Foto: Gesine Werner WIESBADENER

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Das Graue Haus wird wachgeküsst

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s war wohl Bestimmung – für das Graue Haus und für Dr. Manuel Stirn. Seit Jahren träumte der einst legendäre Tempel für Wein, Genuss und Lebensfreude vor sich hin. Ein massives Holztor versperrte zuletzt den Blick auf das älteste Steinhaus Deutschlands. Doch Dr. Manuel Stirn, Unternehmer aus Wiesbaden, hatte sich in das Haus verliebt und erwarb die geschichtsträchtige Immobilie. Gefragt nach seiner Motivation kommentierte er seine Entscheidung mit den Worten: „Vielleicht bin ich verrückt. Ja, wirklich, ich bin verrückt nach diesem wundervollen Ort. Ich möchte ihn wachküssen. Er soll mein Meisterstück werden, denn er verdient es, dass endlich wieder Leben einzieht in die alten Mauern, dass wieder Gläser klingen und Menschen sich hier treffen, um gemeinsam eine schöne, genussvolle Zeit zu verbringen”. Die Gäste wählen zwischen mehrere gastronomische Einheiten, die gekonnt zu einem stil- und stimmungsvollen Ganzen verschmelzen. Dreißig Plätze gibt es im Fine Dining Restaurant, dem Herzstück des Grauen Hauses. Im Bistro mit WIESBADENER

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22 Plätzen trifft man sich ganz entspannt auf ein Glas Wein und leckere kleine Gerichte. In angrenzenden Feinkost Shop, der zu den üblichen Geschäftszeiten geöffnet sein wird, gibt es feine Kost aus Deutschland, Frankreich und Italien zum Mitnehmen. In der kommenden Freiluft Saison soll auch der Garten wieder öffnen. Er wird im Stil einer Gutsschänke betrieben werden. Für kühlere Tage soll dazu noch ein verglaster Wintergarten in die Tat umgesetzt werden.

in Hotellerie, Gastronomie und der Lebensmittel-Branche mit. Zuletzt war das „Trüffel” in Wiesbaden sein Lebensmittelpunkt. Graues Haus – Trüffel im Rheingau Graugasse 10 65375 Oestrich-Winkel Weitere Informationen unter: Tel. 06723 885 39 11 www.graueshaus.com Alle Fotos: Dr. Manuel Stirn

Bei seiner Weinauswahl setzt Stirn auf die Verbindung zu den ChartaWinzern von heute. Und deshalb wird es im Grauen Haus künftig auch eine Extra-Charta-Weinkarte geben. Doch natürlich werden auch Weine aus Stirns Herzensheimat Italien angeboten. Der Mix entspricht dem Küchenkonzept – es soll für jeden Geschmack und für jeden Geldbeutel etwas zu finden sein. Immer in bester Qualität. Manuel Stirn freut sich auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ohne Winterpause, wie sie im Rheingau in vielen Betrieben üblich ist. „Das Jahr hat 12 Monate, die wir füllen werden” sagt er. Er selbst bringt viel Erfahrung aus der Praxis 49


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Café Maldaner: Die Bel Etage

Im Maldaner-Kaffeeshop gibt es die edlen Bohnen

Ein Wohnzimmer für Wiesbaden Café Maldaner: Das 1. Original Wiener Kaffeehaus ist ein El Dorado der Kaffeekultur für alle Generationen

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in Wohnzimmer für Wiesbaden: Das Café Maldaner ist einfach Kult. Die stilvolle Oase verzaubert Jung und Junggeblieben mit elegantem Charme. An der neuen Fassade prangt ein güldener Schriftzug. Seit 1859 ist das altehrwürdige Refugium ein El Dorado der gepflegten Kaffeekultur und steht für die hohe Kunst süßer Gaumenkitzel. Prädikat unwiderstehlich. Die klassische Maldaner-Schnitte mit Weinbrand-Pralinencreme, Schokobiskuit und Marzipan lockt jetzt auch als Jawlensky-Schnitte. Der russische Expressionist war Jahrzehnte in Wiesbaden heimisch und „begrüßt“ als lebensgroßer Pappkamerad die Gäste. Das Traditionshaus ist eine Station auf dem „Jawlensky-Pfad“ quer durch die Stadt, vom Museum Wiesbaden zur Jubiläumsschau „Alles! 100 Jahre Jawlensky in Wiesbaden“ erdacht. Wiener Kaffeehäuser zählen zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO und das Café Maldaner gehört dazu. 50

Seit über 160 Jahren lädt das Maldaner alle Generationen zum Genießen ein. Gratulation zum Zehnjährigen! Das „1. Original Wiener Kaffeehaus Deutschlands“ wurde am 5. November 2011 von Kommerzialrat Bernd Querfeldt als Obmann der Wiener Kaffeesieder persönlich in einem Festakt geadelt. Der einzigartige WohlfühlCharme lädt hinter der historischen Holzdrehtür zur Auszeit ein. Eintreten in eine andere Welt – die Augen gehen auf Seh-Reise und die Nase schnuppert verführerischen Kaffeduft. Viel Holz, bequeme Sessel und Stühle, warmes Licht aus Kandelabern und Wandleuchtern. Ach Augenblick, verweile doch… „Das Maldaner“ ist eine Institution mit historischem Flair, lädt auch in eine Kaffeebar ein mit Bistrotischen und Barhockern für das „Maldanern auf die Schnelle“. Gerne auch mit laktosefreier Hafermilch. Hingucker ist die handgefertigte Barista-Theke mit hochwertigen Siebträgermaschinen. Ein Hauch

von La dolce Vita im 1. Wiener Kaffeehaus Deutschlands. „Wir sind Europa!“ Die Wiesbadener Eigengewächse Renate Winkel und Michael Schulz sehen sich als gastgebendes Ehepaar. Herzblut ist Ehrensache. Qualität ist oberstes Gebot, regional Genießen die Devise. „Wir bringen ökologische Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung in Einklang und verarbeiten nur hochwertige Rohstoffe.“ Die imposante Kuchentheke bietet Köstlichkeiten für jeden Geschmack - Baumkuchenspitzen, Maldaner-Stollen und ein Weihnachtssortiment mit Petit Fours, Zimtsternen, Vanillekipferl & Co. an. Der Schoko-Nussknacker kommt in Weiß, Dunkel und pinkfarbenem Ruby (mit leichter Himbeernote) daher. Torten haben kleines Format, werden als Wunschtorte nach Gusto zusammengestellt. Für den kleinen Hunger zwischendurch ist gesorgt - mit belegten Brötchen, saisonaler Suppe oder einer Ofenkartoffel mit Sauerrahm, Kräutern & Grillgemüse. WIESBADENER

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zum Mitnehmen für den Genuss Zuhause

Wohlfühlen und Genießen – aber sicher! Das Maldaner war die erste Gastronomie in Wiesbaden mit Hygienespender. Aktuelle 2G-Regeln werden befolgt. In allen Räumen stehen Hochleistungs-Luftfilter, die sich automatisch dekontaminieren. „Wir wollen besonders in der Coronakrise liebevolle Gastgeber sein“, betont der Hausherr. „Es ist ja auch zum Schutz für unser Team.“ Während der Schließphase wurde in Backstube, Kühlhäusern und Küche alles auf den allerneuesten Stand gebracht, der Betrieb ist digitalisiert. Neue Errungenschaft ist die multifunktionale Showküche samt Ofen in Retrooptik, die saisonal bespielt wird. „Hier ist alles möglich – ob Waffel, frisch gebackener Apfelstrudel oder Suppenstation!“ Mokkastube Ein gemütliches Refugium für sich ist die Mokkastube im hinteren Areal. Mal zum Klönschnack mit ein paar Freundinnen oder den Stadtbummel ausklingen lassen? Die Tafel bietet Platz für ein rundes Dutzend Personen. Feiern in der Bel Etage Es gibt etwas zu Feiern? Geburtstag, Hochzeit, Taufe, Frühstück zu besonderem Anlass, Firmenevent oder Sektempfang? Der holzgetäfelte Salon der Beletage mit WIESBADENER

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Mokkastube im Café Maldaner

eleganten Leuchtern offeriert 20 bis 34 Plätze und exquisites Ambiente. Maldaner zum Mitnehmen. Im Kaffeeshop gibt es edle Bohnen zum Mitnehmen. Das erweiterte Sortiment der Marke „Maldaner Kaffeehauskaffee“ bietet Genuss pur im Dutzend. Auch Junior Sebastian Schulz pflegt mit seiner Maldaner Kaffeerösterei die Kultur des geruhsamen Genießens: „Fair, nachhaltig, transparent bis in die Tasse“. Sortenreine Spezialitäten. Die kleine Bohne kommt groß raus als „Maldaner Kaffee unverpackt“ im Braunglas und wird wie eine historische Milchflasche immer wieder frisch befüllt. „Gemeinsam Richtung Circular Economy“. Maldaner in Mainz In der Mainzer Augustinerstraße 19 bietet die Maldaner-Brühbar frisch gebrühten Kaffee mit charmantem Altstadt-Flair. Info: www.maldaner1859.de Kontakt: hello@maldanercoffee.com Text und Fotos: Gesine Werner

Maldaner-Konditormeisterin Isabel Weschke präsentiert mit dem berühmten Namensgeber die neue Jawlensky-Schnitte.

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