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Wiesbadener Ausgabe III / 2020

Preis: 6,50 €

Magazin für Kunst, KulTouren und Lebensfreude

exground filmfest 33

Paradies! Paradies?

Kunst live erleben

Zum 70jährigen Bestehen:

Filme gehören auf die große Leinwand!

ARTe Wiesbaden

August Macke im Museum Wiesbaden

Künstergruppe50 stellt aus

The show must go on Das Wiesbaden Performing Arts Center

22. InterWhisky in Frankfurt

pure Spannung in neuen Zeiten

Trickfilmfestival 2020 El Dorado der Animationskunst

Tatorte Kunst: Der große Kunstrundgang


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„Ein Herz fĂźr Kinder“ beim 22. Internationalen Trickfilmfestival in Wiesbaden: The snail and the whale

MENSCHEN

& MEINUNGEN

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GAUMENLITZELEIEN

22. interWhiskY FrankFurt caFÉ malDaner KULTUR

& KREATIVES

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kultouren UNTERNEHMEN

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& MĂ„RKTE

seg: heimat schaFFen

s. 20

Einst schrieb der groĂ&#x;artige Gabriel GarcĂ­a MĂĄrquez Ăźber „Die Liebe in den Zeiten der Choleraâ€?. Mit welchem Titel er die heutigen Verhältnisse versehen wĂźrde, werden wir leider nicht mehr erfahren... Neben den vielen schlechten gibt es auch eine gute Nachricht: Die Kulturschaffenden geben nicht auf, bespielen weiter trotz einengender Regelungen BĂźhnen, Leinwände und Hallen. Die KĂźnstlergruppe50 beispielsweise hat sich fĂźr ihr 70jährigen Bestehen das SAMs ausgesucht und stellt ab 3. September aus (S. 12). Die Kunstmesse ARTe wird vom 25. - 27. September als eine der ersten Kunstmessen nach dem Corona-Shutdown dem Publikum die Tore fĂźr eine neue Live-Begegnung mit zeitgenĂśssischer Kunst im RMCC Ăśffnen (S. 26). Die 12. Tatorte Kunst werden erstmals an zwei Tagen stattfinden, um die Sicherheit des Publikums und der Mitwirkenden gewährleisten zu kĂśnnen (S. 16). Das Wiesbaden Performing Arts Center (WPAC) lädt trotz aller Widerstände in seine neue Residenz im Westend ein. Kein Virus kann echte Spielfreude aufhalten (S. 24). Auch das Internationale TrickfilmFestival Wiesbaden trotzt Corona. Die 22. Version wird diesmal eine kurze: Mit einem Tag weniger. Freitag im Schloss, Samstag und Sonntag im Caligari (S. 14). Das 33. exground Filmfest findet vom 13. - 22 November 2020 statt (S. 28). Die Veranstalter der InterWhisky, die vom 20. - 22. November stattfinden wird, freuen sich einfach nur noch auf „pure Spannung in neuen Zeitenâ€? (S. 8). So viel Optimismus wirkt ansteckend! Wir wĂźnschen wie immer viel VergnĂźgen mit Kunst, Kultur und Kulinarik in dieser Ausgabe.

IMPRESSUM: Herausgeberin, Gesamtkoordination & Gestaltung: media futura • Inh. Petra Esser • BalduinstraĂ&#x;e 28 • 56856 Zell/Mosel • Tel. 06542.954.00.80 • Fax: 06542.954.00.79 • www.media–futura.de • mail@media–futura.de • Gestaltung: Petra Esser • Redaktion: Petra Esser, Tobias Mahlow, Gesine Werner, Konstantin Mahlow • Anzeigenleitung: Tobias Mahlow • Titelbild: Alexandra Deutsch, ohne Titel, 2015, geschĂśpftes Papier, Pigmente, Beize, 68 x 55 x 24 cm • Vignetten: Bernd Schneider • Druck: Printgroup GmbH & Co. KG, 97526 Sennefeld • Redaktionsschluss fĂźr die Ausgabe IV/2020: 20.11.2020 • Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages • alle Fotos und Logos wurden uns – wenn nicht anders dokumentiert – von den porträtierten Personen/Institutionen zur VerfĂźgung gestellt. wiesbadener

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&ZLZXY2FHPJ8JNQY¨S_JW )JYFNQ0ZSXYRZXJZR'TSS Foto: Kunstmuseum Bonn / Reni Hansen

Inhalt

August Macke.

Paradies! Paradies? 30. Oktober 2020 - 14. Februar 2021

Der Kulturfonds Frankfurt RheinMain fĂśrdert die Ausstellung August Macke. Paradies! Paradies? im Museum Wiesbaden.

Getragen wird der gemeinnĂźtzige Fonds vom Land Hessen, von Frankfurt am Main, dem Hochtaunuskreis und dem Main-Taunus-Kreis, Darmstadt, Wiesbaden, 3 Hanau, Bad Vilbel, Offenbach am Main und Oestrich-Winkel. Weitere herausWFLJSIJ0ZSXYZSI0ZQYZWUWTOJPYJĆťSIJS8NJZSYJWwww.kulturfonds-frm.de / Facebook / Instagram / Newsletter


menschen

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meinungen

Alexandra Deutsch: Performance mit Pailettenobjekt in der Cité Internationale des Arts, Paris

Alexandra im Wunderland

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“BioConnect” Performance an der Cité Internationale des Arts, Paris, 2019, Alexandra Deutsch mit Hiie Saumaa (Foto: Hura Mirshekari) 

achdem die in Wiesbaden lebende Künstlerin Alexandra Deutsch 2014 den Christa Moering Preis der hessischen Landeshaupstadt erhielt, zeigte sie ein Jahr später in einer Ausstellung im Kunsthaus Wiesbaden unter dem programmatischen Titel „second nature” Objekte aus geschöpften Papier und Textil und bereicherte die Vernissage mit einer Performance mit zwei Tänzern, dem Klangkünstler Axel Schweppe und der Sängerin Christine Wörl.

Formen und Farbigkeit der fragilen Papierobjekte von Alexandra Deutsch entstammen organischen und anorganischen Welten, erinnern an exotische Pflanzen, Meerestiere, Fossilien oder Gesteinsformationen. Und doch sind sie abstrakt, sprechen eine eigene Formensprache. Ihre Oberflächen sind durch Lamellen oder Faltungen strukturiert, Tentakeln und Linien dehnen sich in den Raum aus. Der Kontrast von geschlossenen und offenen Formen, Volumen und Leere, Hell und Dunkel ist charakteristisch für ihre Arbeiten.

Im Kommentar zur Ausstellung hieß es: „Wer sich durch Ausstellungen von Alexandra Deutsch bewegt, kann sich ein bisschen fühlen wie Alice, die ins Wunderland eintaucht: Die plastischen Objekte, die die Künstlerin schafft, wirken höchst lebendig, ihre Farben und Formen sind organisch und man würde sich nicht wundern, wenn sie im nächsten Augenblick anfängen, sich zu bewegen. Sie hängen, stehen und liegen auf dem Boden, im Raum und an der Wand. Gerne gesellen sie sich zu Gruppen. Sie erscheinen wie Bewohner einer anderen, gänzlich fremden Welt, die verführerisch und rätselhaft zugleich und vielleicht auch ein wenig unheimlich den Betrachter einlädt, sich tief „in das Innere des Kaninchenbaus” zu begeben.” (Stefanie Blumenbecker).

Ursprünglich kam die Objektkünstlerin Alexandra Deutsch von der Malerei: Unzufrieden mit der vorgegebenen Form des Formates der industriellen Hersteller, begann sie noch während ihres Studiums damit, ihr Papier selbst herzustellen. Das Handwerk des Papierschöpfens hat sie ihren Bedürfnissen entsprechend weiterentwickelt und produziert für ihre Arbeiten Büttenpapiere, geschöpft aus Baumwollfasern. Die Materialität und das Handwerk des Materials sind in ihren Objekten stets spürbar. Das Organische unterstützt den Eindruck der Lebendigkeit, ihre Oberflächen sind ist uneben und jenseits jeder Norm. Nach und nach sind die Papiere dann regelrecht in die dritte Dimension gewachsen. Sie wurden vom Bild zum Objekt. Bald folgten den Objekten aus Papier wiesbadener

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meinungen

welche aus den farbigen und bunten Stoffen der Länder die sie bereiste. Diese sind häufig durchbrochen, weisen netzartige Strukturen auf und sind von einer grellen Farbigkeit. Vor allem Reisen nach Südamerika (Brasilien, Peru, Kolumbien) haben Alexandra Deutsch inspiriert und ihren farbigen und formalen Horizont erweitert. Im Jahr der 1. Brasilienreise 2005 entdeckte sie das neue Textilmaterial, das Anstoß gab für die Werkgruppe der leichten und beweglichen Stoffobjekte. Farbe hatte schon immer eine zentrale Bedeutung für ihr Werk, ihre Leuchtkraft und Kontraste sind bestechend. Mittlerweile ist die Palette vielschichtiger geworden, neben Rot, Orange, Gelb werden Blau und Grün wichtig sowie differenzierte Zwischentöne von Grau, Braun, Rost bis Schwarz.

ohne Titel, 2020, geschöpftes Papier, Pigmente, Beize, 61 x 64 x 12 cm

Zudem arbeitet Alexandra Deutsch seit über 10 Jahren mit Tänzerinnen und Tänzern und entwickelt Choreographien für ihre Stoffobjekte. Auch dies führte sie während ihres sechsmonatigen Aufenthaltes in Paris intensiv fort, wo sie von Januar bis Ende Juni 2019 ein Atelierstipendium des Landes Rheinland-Pfalz in der Cité Internationale des Artes verbrachte. Die Cité bot ihr den richtigen Ort, dort traf sie Menschen unterschiedlichster künstlerischer Disziplinen, die sie als Kooperationspartner*innen für ihre Performances gewinnen konnte. Seit 22 Jahren lebt Alexandra Deutsch in Wiesbaden, fünf Jahre hatte sie ein Atelier im Kunsthaus. Sie engagierte sich im Vorstand des Kunstvereins Bellevue-Saal (1997 bis 2018 und wird heute von verschiedenen Galerien in Deutschland und Österreich vertreten, in Wiesbaden durch die Galerie Rother Winter. Dort nahm sie an der Gruppenausstellung „Sonnige Zeiten” teil, die bis Ende August lief.

ohne Titel, 2020, geschöpftes Papier, Pigmente, Beize, 58 x 60 x 16 cm

In diesem Jahr sind im September Werke von ihr in der Ausstellung “Sculptures & Paintings” in der Galerie Kovacek und Zetter in Wien (www.kobcek-zetter.at) zu sehen. Während der Biennale des Blacs Manteaux in Paris vom 20. Oktober bis 1. November performed sie wieder gemeinsam mit Hiie Saumaa (Foto unten links). Mehr zu Alexandra Deutsch unter: www.alexandra-deutsch.de wiesbadener

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Alexandra Deutsch vor ihrem Atelier (Foto: Caroline Stegeman)




menschen

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meinungen

Teeladen Stuttgart, NoBLå – Raumkonzepte & Gestaltung

Nah dran – fotografieren, wo Menschen leben und arbeiten „Immer nah dran” will die gelernte Fotografin Sandra Hauer sein, die in Wiesbaden lebt und als Selbstständige ihrer Leidenschaft nachgeht. Nah dran – das bedeutet für sie ohne Studio, stattdessen immer

“on location” zu arbeiten, also dort die Menschen zu fotografieren, wo sie leben und arbeiten. Für Sandra Hauer haben Menschen wie Räume unterschiedliche „Gesichter” und Erfordernisse, denen sie mit offener sowie pro-

fessioneller Unvoreingenommenheit begegnet. Sie gehört zu den Fotografinnen, die sich hervorragend auf Menschen einstellen können und einen Blick dafür haben, wie man an jedem Ort Menschen und Objekte in Szene setzen kann. Manchmal geht dieses „Einfühlen”

Einfamilienhaus, NEUGEBAUER ARCHITEKTEN BDA



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menschen

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meinungen

Claudia Häntschel - Dipl. System Coach

recht schnell, manchmal braucht es eine gewisse Zeit um Geschichten zu erspüren, die die Räume erzählen. Durch ihre Fotografie bringt sie Räume zum Leuchten, lässt sich ganz auf Ihr Gegenüber ein und schafft eine Amtosphäre bei der die Technik zweitrangig wird. Ihre Auftraggeber sind unter anderem Architekten, Bauherren, Makler und Bauträger. Im CUBE Magazin für Architektur wurden bereits zahlreiche Fotografien von Sandra Hauer veröffentlicht.

Beispiele ihrer Arbeiten finden sich auf ihrer Website sowie in dem 2016 mit Tina Humburg veröffentlichten Buch „so wohnt wiesbaden”. In aufwendig fotografierten Farbfotos mit viel Liebe zum Detail erfährt man, wie Bewohner Wiesbadens nach ihrem ganz persönlichen Geschmack und Vorlieben ihre Räume eingerichtet haben. Von stadtbekannten Prominenten, Personen des öffentlichen Lebens über Geschäftsleute, Künstler, Gastronomen, den Singles,

kinderreichen Familien oder ausländischen Mitbürgern und der Studenten-WG zeigen Wiesbadener ihre kleinen und großen Refugien. nah dran photografie Sandra Hauer Kettingsacker 7 65199 Wiesbaden Tel.: 0611 –33 49 260 mobil 0177 – 40 65 532 sandra.hauer@nahdran.com www.nahdran.com SIMONE JÜSCHKE INNEN | ARCHITEKTUR

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gaumenkitzeleien

Der Festsaal im Frankfurter Palmengarten bildet auch 2020 wieder den festlichen Rahmen für Deutschlands wichtigste Whiskymesse unter dieses Mal spezielleren Bedingungn.

22. InterWhisky in Frankfurt am Main

Pure Spannung in neuen Zeiten

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s gibt eine gute Nachricht. Nein, sie ist sogar wunderbar: Denn ja, die InterWhisky soll auch in diesem so schwierigen Jahr stattfinden. Natürlich wird das ein oder andere nicht so sein können wie gewohnt. Es braucht ein Hygienekonzept. Auch der Besuch unterliegt Reglementierungen. Doch davon abgesehen, darf man sich endlich wieder auf den Treff und Austausch mit Whiskygrößen aus aller Welt freuen. Und das löst schon jetzt pure Spannung und Vorfreude aus. Wie gern würde man jetzt den hier schon oft gelesenen Jubel darüber 

formulieren, dass die neue InterWhisky wieder vor der Tür steht und dass man sich damit wieder auf ein Riesenspektakel an Whisky probieren und erleben einstellen darf, wenn das Ende des Novembers naht. Diese Arie muss dieses Mal leider etwas verhaltener angestimmt werden. In dem großen Stil, wie die InterWhisky nun bald über 2½ Jahrzehnte zelebriert wurde, kann sie aufgrund der aktuell vorherrschenden Beschränkungen nicht durchgeführt werden. Es ist also nicht nur die Zusammenkunft mit den Whiskymachern und ihren edlen Tröpfchen aus aller Welt, was so aufs Neue ins spät-

herbstliche Frankfurt lockt. Nein, es soll auch wieder Whiskyforen, Seminare und Master Classes geben. Sie werden teils etwas anders ablaufen müssen, leider mit stärkeren Begrenzungen in der Zahl der Teilnehmer. Ja, etwas Nachsicht wird es da schon brauchen. Doch es werden sich auch neue Formen der Präsentationen Bahn brechen mit digitalen Lösungen, und auf die darf man umso mehr gespannt sein, denn da kann es gut und gern passieren, dass man sich im wahrsten übertragenen Sinn plötzlich mit einem Großen der Zunft direkt im Warehouse seiner Lieblingsbrennerei wiederfindet. Wenn das nicht pure Spannung verspricht! wiesbadener

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gaumenkitzeleien

Die Suche nach den besonderen Abfüllungen im direkten Austausch mit ihren Machern oder Markenbotschaftern lässt auch dieses Jahr die Herzen der Gäste höher schlagen.

Spannung liegt jedoch ebenso schon ab dem frühen Freitag in der versammelten nationalen Whiskywelt in der Luft. Denn wie gewohnt stehen die Verleihung der fünf „Germany’s Best Whisky Awards“ an, die jährlich an die besten Adressen, Akteure und nationalen wie internationalen Whiskys verliehen werden. Es ist ein Highlight für sich, geprägt von der Würdigung der Besten der Besten und getragen von dem schönen Miteinander in der Szene. Doch was anders will man auch erwarten. Die Whiskywelt ist per se wie eine große Familie, und das will man auch in diesem Jahr wieder in Frankfurt so gut wie möglich genießen. Kurzum: Stände und renommierte Aussteller sowie das vielschichtige Rahmenprogramm summieren sich zu einem erlebenswerten Festival für die wahren Genießer. Frankfurt wird auch zum 22. Mal eine Reise wert sein! Fotos: muck* Photografie wiesbadener

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22. INTERWHISKY VOM 20. BIS 22. NOVEMBER 2020 Veranstaltungsort Gesellschaftshaus Palmengarten Palmengartenstr. 11 60325 Frankfurt am Main

Öffnungszeiten* Freitag: 14 – 21 Uhr Samstag: 12 – 21 Uhr Sonntag: 12 – 18 Uhr * Änderungen der Öffnungszeiten vorbehalten

Aktuellste Infos/ Tickets, Tipps & mehr: www.interwhisky.com www.facebook.com/InterWhisky 


gaumenkitzeleien

Das Café Maldaner ist einfach Kult. Seit 1859 ist das altehrwürdige Refugium ein El Dorado der gepflegten Kaffeekultur. Jetzt lädt das 1. Wiener Kaffeehaus mit seinem stilvollen WohlfühlCharme hinter der historischen Holzdrehtür auch in eine neue Kaffeebar ein. Das Café wirkt luftiger mit den neuen Bistrotischen und Barhockern und dem lockeren Stehbereich mit der eleganten Kaffee-Bar. Hingucker ist die Barista-Theke. Ein Hauch von La dolce Vita im 1. Wiener Kaffeehaus Deutschlands. „Wir sind Europa!“ Das waschechte Wiesbaden-Paar Renate Winkel und Michael Schulz ist mit Elan und viel Herzblut bei der Sache. Qualität ist oberstes Gebot.

Die neue Kaffeebar bringt die Leichtigkeit undeinen Hauch La dolce Vit ins Wiener Kaffeehaus Maldaner

„Es ist uns ein Bedürfnis, besonders in der Coronakrise liebevolle Gastgeber zu sein. Alle freuen sich, wieder Gäste bedienen zu dürfen.“ Die Hausherrin verweist darauf, dass „das Thema Kaffeebar mit Stehbereich“ ihnen „schon lange im Kopf“ schwebte. „Wir wollten hin zu den Siebträgermaschinen. Das unterstreicht auch unsere Liebe zum Handwerk.“ Die kam auch bei der handgefertigten Kaffee-Theke von Lutz Ewest zum Tragen. Der „Hausschreiner unseres Vertrauens“ griff den Stil der von ihm gebauten Kuchentheke wieder auf. Während der Schließphase wurde in Backstube und Küche alles technisch auf den neuesten Stand gebracht, von Grund auf gereinigt und desinfiziert. Das Maldaner war die erste Gastronomie mit Hygienespender und befolgt die Coronaregeln mit Akribie. „Der Zauber soll nicht leiden“

Italienische Leichtigkeit im Wiener Kaffeehaus Café Maldaner, das El Dorado der Kaffeekultur, jetzt mit Kaffeebar und Kaffee-Shop 10

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gaumenkitzeleien

Regional genießen ist die Devise „Wir kooperieren nur mit Partnern aus der Region, die unsere Qualitätsansprüche erfüllen. Wir beziehen Wein vom Weingut Egert in Hattenheim. Unsere Vision ist es, Qualität, ökologische Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung in Einklang zu bringen. Wir verarbeiten in der Küche und unserer hauseigenen Konditorei nur hochwertige Rohstoffe.“

Maldanern auf die Schnelle Mal eben rein ins Maldaner auf einen Espresso, einen Capucchino oder Latte Macchiato. An der neuen Kaffeebar ist Verwöhnen auf die Schnelle angesagt. Ob Barista Gashi Istraf oder Restaurantleiter Oliver Strauch die La MarzottoMaschine unter Dampf setzen – der Genuss für zwischendurch wird „pronto“ serviert.

Für Zwei, die sich mögen ist das üppige Champagnerfrühstück im stilvollen Maldaner-Ambiente ein genussvolles Vergnügen.

Ganz neu ist das üppige Champagnerfrühstück mit Laurent Perrier im Kühler für Zwei, die sich mögen. Auch zu „feierlichem“ Anlass eine hübsche Geschenk-Idee. Laktosefreie Hafermilch steht jetzt auch auf der Speisekarte. Das neue Maldaner Eistörtchen ist ein üppiger Gaumenkitzel.

Maldaner zum Mitnehmen Im neuen Kaffeeshop gibt es edle Bohnen zum Mitnehmen. Unter der Markenbezeichnung „Der Maldaner Kaffeehauskaffee“ gibt es Genuss pur. „Für guten Kaffee nehmen wir uns gerne Zeit“ pflegt auch Junior Sebastian Schulz die Kultur des geruhsamen Genießens. Ob „Guda Maria“ oder „Wilhelm“ - benannt nach dem Gründer des Hauses sowie nach Opa Winkel und Opa Schulz - es sind sortenreine Spezialitäten. Auf Wunsch wird vor Ort schonend geröstet.

oben: Das Maldaner-Eistörtchen offeriert eine Rieseneiskugel auf hausgemachter Mürbeteig-Tartelette unten: Im neuen Maldaner-Kaffeeshop gibt es die edlen Bohnen zum Mitnehmen für den Genuss Zuhause

www.maldaner1859.de

Text und Fotos: Gesine Werner

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kultur

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kreatves

ie Künstlergruppe50 Wiesbaden feiert in diesem Jahr ihr 70-jähriges Jubiläum mit einer Ausstellung im „sam – Stadtmuseum am Markt“ vom 4. bis 27. September 2020

Die Ehrenbürgerschaft für Christa Moering 1996 und die Schaffung des Christa Moering Stipendiums 2009 zeigen beispielhaft, wie das Engagement mit der und für die Künstlergruppe50 Wiesbaden im kulturellen Leben Wiesbadens Wirkung entfaltete.” Dr. Peter Lodermeyer

Die Öffnungszeiten sind Dienstags bis Sonntags 11 - 17 Uhr und Donnerstags von 11 - 20 Uhr, der Eintritt ist frei

An der Ausstellung zum 70. Jubiläum sind Werke von 18 Künstlerinnen und Künstlern vertreten, davon werden zwei posthum geehrt: 1950 bis 2020 Künstlergruppe50 Wiesbaden –Lebendig in der Stadt und in Wiesbadens Partnerstädten Die Gründung dieser Künstlergruppe im Jahr 1950 war eine folgerichtige und konstruktive Reaktion auf die ideologisch gesteuerte Zensur von Kunst und kulturellem Leben im Dritten Reich. Obwohl sich 70 Jahre später ein Großteil der heutigen Mitglieder mit dieser Grundidentität nicht mehr direkt in Verbindung bringen läßt, bleibt dennoch der Kern dieser Prägung erhalten: die Gruppe ist richtungsweisend nicht gebunden. Dies beinhaltet allerdings nicht die Beliebigkeit in der Auswahl der Mitglieder und ihrer Werke.

Christa Moering: Zitronen in Wiesbaden, 1990 Roman R. Eichhorn: Russische Kapelle, 2012

Dass sich die Künstlergruppe50 Wiesbaden bis heute lebendig weiterentwickelt hat, liegt auch daran, dass sie abgesehen von grundlegenden Anforderungen an Qualität und Authentizität, ein hohes Maß an künstlerischer Individualität und vielfältigen Ausdrucksformen zuläßt. Gründungsmitglieder waren Christa Moering (1916 bis 2013) und der Maler Heinz-Rudi Müller (1919 bis 1992), die beide von Vincent Weber, dem langjährigen Direktor der Wiesbadener Werkkunstschule, ausgebildet wurden. Der Künstlergruppe geht es um Interessenvertretung und Repräsentanz in Ausstellungsprojekten, die zunächst nur in Wiesbaden, bald aber auch darüber hinaus, besonders in den europäischen Partnerstädten Wiesbadens stattfinden: BerlinKreuzberg, Gent, Istanbul-Fatih, Breslau, San Sebastian, Görlitz, Klagenfurt, aber auch St. Petersburg kann sie zu ihren Gastgebern zählen. „Die Verankerung in Stadt und Region machte die Gruppe über die Jahre zu einer festen Größe im kulturellen Leben Wiesbadens.

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Begleitprogramm zur Ausstellung Stephan Wiesehöfer, ehemals Redakteur beim ZDF, spricht mit der Künstlergruppe50 Wiesbaden über ihre Kunst, ihre Gruppe und ihre Stadt. Es erwarten Sie spannende Einblicke und Rückblicke in eine der ältesten, höchst lebendigen Künstlergruppen der Republik. Um 18 Uhr ist Einlass in die Ausstellung, um 18.30 Uhr beginnt das Gespräch und dauert circa eine Stunde. Auf Grund der CoronaBestimmungen wird dringend um Anmeldung gebeten unter info@stiftung-stadtmuseumwiesbaden.de oder 0611 / 44750060. Programm: 8. September 2020, 18 Uhr – Stadtgespräch im sam mit Ricarda Peters und Roman R. Eichhorn 15. September 2020, 18 Uhr – Stadtgespräch im sam mit Horst Reichard und Titus Grab 22. September 2020, 18 Uhr – Stadtgespräch im sam mit Petra von Breitenbach und Tom Sommerlatte Christa Moering wird mit dem Ölbild: Zitronen in Wiesbaden vertreten sein (siehe Abbildung oben links). Bettina Flössner, verstorben 65jährig im Jahr 2015 wird mit ihren Arbeiten: Zeichenbild aus der Serie „Hommage an Andy Warhol”, und Grenzbäume des bürgerlichen Gesetzbuches in Erinnerung gebracht. wiesbadener

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kultur

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kreatives

Die Auswahl aller Arbeiten, die die Kuratorin Susanne Kiessling vorgenommen hat, richtet den Fokus möglichst auf Bezüge zu Wiesbaden und Umgebung, sofern sie fassbar sind. Einen guten Ansatz dazu bietet der Film von Stella Tinbergen über die Künstlergruppe50, der den Begriff der Heimat in den Mittelpunkt stellt: Filmvorschau „Künstlergruppe50 Wiesbaden”

Johannes Ludwig: Grau und Gelb, 2011 Joan Draxler: Hochwasser am Main, 2017

Tom Sommerlatte: Relief, Thema Mut

Zur Ausstellung präsentieren wir den Trailer zum Film von Stella Tinbergen. Die mehrfach ausgezeichnete Regisseurin hat die Künstergruppe50 mehrere Jahre lang filmisch begleitet und das künstlerische Schaffen einzelner Mitglieder dokumentiert. Der Film wird voraussichtlich noch in diesem Jahr auf der Filmbühne Caligari uraufgeführt. Ausstellende Künstlerinnen und Künstler: Swantje von Bismarck Petra von Breitenbach Frank Deubel Ellianne Dinnendahl Joan Draxler Roman R. Eichhorn Dr. Alois Ewen Bettina Flössner Bettina Gelhard-Reeh Arnold Gorski Titus Grab Iris Kaczmarczyk Prof. Johannes Ludwig Christa Moering Isanna von Perbandt Ricarda Peters Horst Reichard Prof. Dr. Tom Sommerlatte wiesbadener

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Zur Ausstellung erscheint ein Katalog Die Künstlergruppe50 Wiesbaden bedankt sich bei ihren Förderern: Kulturamt Wiesbaden, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Ortsbeiräte: Wiesbaden-Mitte und Wiesbaden-Südost Thomas Flössner

Nähere Infos unter: www.kuenstlergruppe50wiesbaden.de

Petra von Breitenbach

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kultur

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kreatives

Die Schwalben von Kabul

El Dorado der Animationskunst trotz(t) Corona 22. Internationales Trickfilm-Festival vom 6. bis 8. November 2020 im Filmschloß Biebrich und in der Caligari FilmBühne

A

lle Jahre wieder zeigt sich Wiesbaden als El Dorado der flimmernden Preziosen. In Zeiten der Pandemie ist alles anders. Doch das Internationale Trickfilm-Festival Wiesbaden trotz(t) Corona. Die Fans dürfen mit den Hufen scharren in Vorfreude auf „trickreich” animierte Hochkaräter. Eine digitale Version stand für Joachim Kreck nie zur Debatte. Detelina GrigorovaKreck berichtet: „Alle unsere Vorbereitungen für die Filme im Schloss und das Trickfilmfestival wurden durch den Lockdown unterbrochen Wir sind total froh über Hilfsangebote von verschiedenen Seiten wie vom MurnauFilmtheater und dass es weitergehen kann.” Die 22. Version wird eine kurze: „Wir haben diesmal einen Tag weniger. Freitag im Schloss, Samstag und Sonntag im Caligari = besondere Corona-Umstände.”Als kulturpreisgekrönte „Freunde der Filme 14

im Schloss“ zeigen Joachim Kreck & Detelina Grigorova-Kreck im Trio mit dem unverzichtbaren „Dritten Mann“ Michael Fechner rund 90 innovative Werke. „Alle waren begeistert, als wir sagen konnten: Wir machen unser Festival und wir wollen Eure Filme. Alle sind heilfroh, ihre Filme schicken zu können.“ Aus Kanada kommt „The Physics of Sorrow“ des Exil-Bulgaren Theodore Ushev, eine Innovation mit hot-wax-painting und der Stimme von Donald Sutherland.. Aus Großbritannien, Frankreich, China, Japan, USA und Estland sind weitere Schmankerl eingeladen. Aus Taiwan kommen „Movements“. Aus Indien wurde die „äußerst witzige“ 3D-Computeranimation „09:09 F“ von Avinash Medhe ausgewählt. Aus Russland kommt „He Can `t Live Without Cosmos“. von Konstantin Bronzit, aus der Ukraine kommt „Kohannia/Deep Love“ von Mykyta Lyskov. Zum ersten Mal

zeigt mit „Yes, People“ das Festival einen Film aus Island. „Wir sind optimistisch, dass wir Gäste einladen können“, freut sich das Duo auf Izabel Plucinska, die ihr vielfach preisgekröntes „Portrait of Suzanne“ als Polen-Frankreich-Deutschland-Coproduktion vorstellen will. Thomas Reinoldner aus Österreich ist eingeladen, seinen in Annecy ausgezeichneten, „völlig ausgefallenen, lustigen Experimentalfilm“ zu zeigen: „Don`t know what“ lässt Joachim Kreck schmunzeln: „Noch nie gesehen, sowas!“ Wenn das der Initiator des Festivals sagt, der jetzt 85 Lenze schultert… GratulARTIon dem Gründervater zum Wiegenfest-Jubiläum ! Das GründerInnnen-Paar ist eingebunden in das Oral history-Projekt „Erlebte Geschichte & Geschichten“ des Fördervereins Stadtarchiv Wiesbaden. wiesbadener

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Auch unter erschwerten Bedingungen soll ein exzellentes Programm geboten werden in den Sektionen „Best of international Animation“ und nach einjähriger Pause wieder „Best of German Animation 2019/ 2020“, in „New Generations 2019/ 2020“ und den „Tricks for Kids“. Zwei großartige Langfilme mit Brisanz sind auch an Bord: Als deutsche Erstaufführung blickt der sozialkritische Film „True North“ von Eiji Han Shimizu in ein Arbeitslager in Nordkorea. Für Cannes und Annecy ausgewählt, ist als Rarität dank des Schweizer Filmverleihs Filmcoopy die Romanverfilmung „Die Schwalben von Kabul“ der Regisseurinnen Zabou Breitman und Èléa Gobbé-Mévellec zu sehen. Bei „Best of German Animation“ ist, auf Realität basierend, die Produktion „Hier oben, bei den weißen Göttern“ von Alexander Lahl/Max Mönch ein Favorit des Festivalgründers. „Just a guy“ von Shoko Hara, die drei Frauen von ihrer bizarren Verliebtheit in einen Serienmörder und Vergewaltiger erzählen lässt, sieht Joachim Kreck als „Film des Jahres“ an. In der Sektion „Best of New Generations“ kommt Wiesbadens Partnerstadt Gent zu Ehren: Capucine Muller wird ihren Diplomfilm der Königlichen Akademie „Dutchgaria“, bester Studentenfilm beim KROK-Filmfestival, persönlich vorstellen. Das international etablierte Festival basiert auf Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Landeshauptstadt Wiesbaden, der FBW, der Omnimago GmbH und der Caligari FilmBühne. wiesbadener

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True North

Der Etat von rund 40.000 Euro wird vom Kulturamt Wiesbaden und HessenFilm gestemmt.

Anmeldungen unter: info@filme-im-schloss.de Telefon: 0611 – 84 07 66.

Der mit 1000 Euro dotierte Preis des Kulturamtes der LH Wiesbaden geht an Steve Cutts. Der Jugend eine Gasse: Der 25 jährige Animator aus London, ein brillanter Illustrator einer neuen Künstler-Generation. „Sein Stil ist von den Cartoons der 1920er Jahre inspiriert, von Comics und Grafic Novels.“ Der Preisträger zeigt „Happiness“ und „The Turning Point“.

Infos: www.filme-im-schloss.de

Gesine Werner

Das Trickfilm-Festival trotz(t) Corona. Detelina GrigorovaKreck und Joachim Kreck mit Fachzeitschriften zu „The physics of Sorrow” und „Genius Loci”. Das T-Shirt macht Werbung für Les Blanks Film „A Poem is a naked Person”, der 2015 in Wiesbaden lief. Foto: Gesine Werner

Tradition trotz(t) Corona: Das Publikum ist wieder die Jury. Die Preise „Best of International Animation (1000 Euro der „Filmsortiment GmbH Hamburg“), „Best of German Animation“ (1000 Euro Ortsbeirat Biebrich) und „Best of New Generations“ (500 Euro der Sparkassen-Versicherung) werden vergeben. Ein Herz für Kinder Detelina Grigorova-Kreck hat „ein tolles Programm an „Tricks for Kids“ zusammengestellt. In der Sonntagsmatinée läuft die brandaktuelle deutsche Fassung des Weihnachtsspecials im ZDF in Erstaufführung „Die Schnecke und der Buckelwal“ von Magic Light Pictures gehen auf Reisen. Trudes Tier ist ein „Klickhit“, denn Influencerin Trude mischt als Gesundheits-Guru mit.Abstand und Sicherheit Mit ausgeklügeltem Hygienekonzept (Lüftung zwischen den Vorstellungen, verminderte Sitzplatzzahl, Desinfektion, Munaskenpflicht, Anmeldung) sollen die neun Vorstellungen laufen. 15


Z

um 12. Mal öffnen die Ateliers und Galerien in Wiesbaden-Mitte und Rheingauviertel-Hollerborn ihre Türen zum großen Kunstrundgang. Für die Sicherheit des Publikums und der Mitwirkenden wird die Veranstaltung erstmals an zwei Tagen - am Samstag und am Sonntag - stattfinden. Dem Publikum wird damit mehr Zeit und mehr Raum gegeben. Tatorte Kunst ermöglicht Kunstinteressierten, Nachbarn und Spaziergängern mit der Kunst ihrer Viertel in Kontakt zu treten. Die Solidargemeinschaft der offenen Ateliers bereichert Wiesbaden, zeigt die enorme Vielfalt in der Kunstszene und sorgt für Bewegung in den Vierteln. Anfang März: Beim großen Planungstreffen mit vielen an der Teilnahme interessierten Künstler*innen war noch einiges anders angedacht. Dann kamen Corona und der Lockdown. Schwierig, in so einer Situation eine Veranstaltung für den Herbst zu planen. Für einige Ausstellende war schnell klar, dass sie nicht in ihren Ateliers mit engen Treppenhäusern und Zugängen teilnehmen konnten. Deshalb hat das Orga-Team von Tatorte Kunst zusätzlich große Räume gesucht und fand sie mit Unterstützung der engagierten Gemeinde in der Ringkirche. Fotoristisch: Erika Glanzer + Tina Bender, Nadelkissen Protea

Tatorte Kunst

24. + 25. Oktober 2020 Gisela Schmidt, Waschtag

Sieben Künstler konnten dort untergebracht werden: Zu sehen sind in der Ringkirche neue Malereien, Zeichnung und Fotografien von Andrea Frank, Christian Hain, Richard Seelbach und Bruno Zaid. Dieter Knobloch widmet sich den Zahlen und „kann sich keine Telefonummern merken”. Emad Korkis nimmt gesellschaftliche Klänge intensiv wahr und Nora Katthöfer verwebt Erlebtes mit inneren Prozessen. Der BBK Wiesbaden, Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler ist in die Marcobrunnerstraße umgezogen. Mitglieder des BBK zeigen ihre Arbeiten in den neuen Räumen, unter anderen Petra von Breitenbach, Doris Bardong, Antje Dienstbir, Uta Grün, Naehoon Huh, Mireille Jautz, Eunu Lee, Iris Kaczmaczyk, Krista Kadel, Tine Kaiser, Renate Reifert, Ernst Jürgen Schütz, Christiane Steitz, Reiner Strasser und Elli Weishaupt. Eva Heinelt verschmilzt Sand, Gips, Pappe, Wachs Acryl und mehr zu Bildern und Objekten. Frank Bielefeld, Lotte Günther und die Berliner Gastkünstlerin Tina Hopp öffnen die Türen des hofdreiundzwanzig, eines ehemaligen Handwerkerhäuschen mit südländischem Flair. Die Galerie Pokusa zeigt Werke von Studierenden der Kunstakademie Posen. Die Galerie H22 stellt Bilder von Reinhard Berg, Peter Bernhard, Frank Deubel und Susan Geel aus. Tina Bender und Erika Glanzer von Fotoristisch sind Objekten der Natur auf der Spur, ihre Fine Art Prints drucken sie auch für Künstler*innen und Museen. Die Fotografin Iris Kaczmarczyk verwandelt reale Motive in abstrakte Bilder. Das Frauenmuseum Wiesbaden ist gleich mit zwei Ausstellungen beteiligt: „Women on View” thematisiert die Eroti-

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sierung des weiblichen Körpers in der Werbefotografie und „Leningradski Feminism 1979” ist den Frauen gewidmet, die in Leningrad die erste illegale feministische Zeitschrift der Sowjetunion herausbrachten. Anna Bieler, Bernd Schneider und die Tanz- und Performancekünstlerin Mareike Buchmann stellen in ihrem gemeinsamen Atelier in der Jahnstraße aus. Neben vielen weiteren Exponaten äußern sich tanzende und sitzende Figuren über das Publikum. Ihr diesjähriger Gast Jochen Schnepf zeigt eine Retrospektive 2010 bis 2020. Roman R. Eichhorn zeigt, wie Erfahrungen durch Erinnerung und Imagination möglich werden, Dr. Tatjana Eichhorn präsentiert die Serie „Ein schwarzer Kugelschreiber auf der

Roman R. Eichhorn, Himmels Damen

Tatorte Kunst 2020 wurde ermöglicht durch die finanzielle Förderung durch das Kulturamt Wiesbaden, der SV SparkassenVersicherung und Naspa sowie den Ortbeiräten von Wiesbaden-Mitte und Rheingauviertel Hollerborn. Die Kunstschaffenden werden vom Tatorte-Team um Heidi Wörner (Web), Mireille Jautz (Interne Kommunikation), Bernd Schneider (Anzeigen und Drucksachen), Jochen Schnepf (Organisation und Finanzen) sowie Andrea Frank (Öffentlichkeitsarbeit) unterstützt. Für angenehme Pausen auf dem Kunstrundgang sorgen das Kunst-Café Crema Catalana in der Herderstraße, der Dorfladen in der Albrechtstraße und Tillys Café Walz am Kaiser-Friedrich-Ring. Sonntags verstärkt durch den Hofladen im Rheingauviertel. Tatorte Kunst – Offene Ateliers Samstag 24. und Sonntag 25. Oktober 2020 von 12:00 bis 18:00 Uhr. www.tatorte-kunst.de Suche nach Grün”. Uta Weil geht es um die Klärung von Gedanklichem, Udo W. Gottfried geht es um die reine Lust an den Bildern und Roman Mikos zeigt Farbinseln von bizarrer Schönheit.

Birgit Reimann - Ohne Titel

Gisela Schmidt zerlegt gebrauchte Textilien, die Bilder von Christa Göppert bestimmen undefinierbare Formen, die Landschaften oder Körper assimilieren. Die Kunstwerker präsentieren dieses Jahr eigene Arbeiten: Ulrike Lange arbeitet mit Keramik, Papier und Wachs, Julia Isterling ist fasziniert von der Ästhetik des Schattens. Die Exponate von Birgit Reimann, Christa Göppert, Eva Heinelt und Benjamin Semm sind weitere Kunstperlen, die auf dem Rundgang zu finden sind. Mireille Jautz „über den Dächern” in der Marcobrunnerstraße hat sich einen Jugendtraum erfüllt: Bis zum Eintreffen wissen weder Schenkende noch Beschenkte, was ihre Kunstpakete enthalten und Katja Rosenberg in der Wörthstraße schließlich hat sich angesichts Corona für eine Schaufensterausstellung der Kunstwerkstatt Wiesbaden entschieden.

Jochen Schnepf

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Benjamin Semm - Ohne Titel


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Der Schweinehund ist individuell und manchmal sind es mehrere, die uns im Weg stehen.“ „Mit Freude zum Ziel“: Der Schweinehund-Führerschein hat als STORY fünf Phasen Situation: Hebe Deine verborgenen Schätze. Transformation: Vergegenwärtige Dir Deine Vision. Entdecke mit dem Schweinehund das Bild einer Zukunft, die Euch beiden gefällt. Du fühlst Dich inspiriert und motiviert. Organisation: Entwickle Strukturen und Strategien. Wo ist die aktuelle Herausforderung?

Welche Farbe hat Ihr Schweinehund? Vielfach qualifiziert, hat die lösungsfokussierte Kommnikationsberaterin Susanne Hake den „Schweinehund-Führerschein“ entwickelt.

Mit dem inneren Schweinehund Gassi gehen! Die lösungsfokussierte Kommunikationsberaterin Susanne Hake und ihr „Schweinehund-Führerschein“

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Rekreation: Entspanne, um zu optimieren. Probiere mit dem Schweinehund, was Euch Freude macht. Energie auflädt und die Resilienz, die seelische Widerstandskraft stärkt. Yippieh! Feiere Happy Ends und neue Starts. Hier wählst Du aus, wer was wie ab jetzt mit Dir in Deine Zukunft darf. Du fühlst Dich sicherer, selbstbewusster und erfolgreicher.

etzt ist sie auch noch „Fahrlehrerin“. Susanne Hake, die Maestra of Fine Arts, exzellente TV-Regisseurin & Drehbuchautorin, die mit ihrem Sachbuch „Selbstmarketing für Schüchterne“ Furore machte, als Enkelin eines Kriegsgefangenen in Bando/Japan ihren Ahnen nachspürte und als einzige Nachfahrin aus Deutschland am historischen Ort Beethovens „Ode an die Freude“ im 1000stimmigen Chor sang, offeriert einen „Schweinehund-Führerschein“.

Und den hat die ganzheitliche Kommunikationsberaterin und lösungsfokussierter Trainerin auf wissenschaftlicher Basis konzipiert. In diversen Kursen an Universitäten und für Führungskräfte in Unternehmen sowie Einzelcoachings hat sich das Konzept der „STORY“ schon bestens bewährt.

„Der Schweinehund-Führerschein ist seit Mai 2018 eine beim Deutschen Patent- und Markenamt eingetragene Wortmarke in allen Schreibweisen „ stellt Susanne Hake klar. Absicherung in Zeiten von past and copy ist das Gebot der Stunde.

Susanne Hake arbeitet „gerne mit Leuten, die was wollen – sich aber genau dort selbst im Weg stehen. Es ist schwierig, in die Nähe der eigenen Träume und wahren Ziele zu gehen.“ Genau darum geht es.

Mal probehalber „internett“ sein und sich dem inneren Schweinehund nähern? Der Produktiv-MiniKurs hilft, in die Gänge zu kommen und kostet nix. Der Newsletter hält dieses Geschenk bereit.

Das ausgefeilte Konzept stellt die Synergie der vielfachen Qualifikationen der gebürtigen Wiesbadenerin dar inklusive ihres Wissens aus Osteopathie und Körper-Psychotherapie.

„Je wichtiger der Ruf oder die Handlung für unsere seelische Entwicklung ist, desto größer der Widerstand, den wir bezüglich der Verfolgung davon fühlen“, fand Steven Pressfield heraus. Der innere Widerstand ist ein existentielles Thema.

„Welche Farbe hat Ihr Schweinehund?“

Für Mastiff und Pitbull ist der Hundeführerschein Pflicht. Doch wer denkt an den gefährlichen Schweinehund in sich? „Volkswirtschaftlich kostet er Milliarden, psychologisch die Lebensfreude“, meint de gebürtige Wiesbadenerin. „Für den Schweinehund brauchen wir einen Schweinehund-Führerschein.“ 18

Er fühlt sich wie ein Gegenspieler an, ist es aber nicht, sondern ein Anteil in uns mit einer Funktion. „Der innere Schweinehund stammt oft aus früheren Entwicklungsphasen und / oder wurde uns von außen eingetrichtert.

contact@storydynamics.de www.storydynamics.de

Text und Fotos: Gesine Werner

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„Thank you, Beethoven!“ Im englischsprachigen Gottesdienst von Pastorin Rosalind Gnatt, der in der Bergkirche durch familiäre Atmosphäre für sich einnimmt, spielt Musik eine große Rolle. Die „Ode an die Freude“, von Organist Dirk Putzek und Sopranistin Sabine Meerwein auf der Orgelempore dargeboten, macht genau wie Bachs Fuge G-Dur das Kirchenschiff zum Klangraum. „Wer singt, betet zweimal“ wird als Ausspruch dem heiligen Augustinus zugeschrieben. Das mit dem Singen ist wegen der Virusübertragungen durch Aerosole eine riskante Sache, also hört die Gemeinde mit Abstand zu. Rosalind Gnatt, die ausgebildete Sopranistin, hat das English Community Outreach Project in der Bergkirche eingerichtet und ist immer für kreative Ideen gut, wie das Sternstündlein mit Lieblingssongs von Bernstein und das oekumenische Kol Nidre-Konzert zu Jom Kippur zeigten. Bach trifft Beatles, Sting trifft Cat Stevens. Im Gottesdienst sorgen pfiffige Musikwahl und Maori-Gebet für Wohlfühl-Atmosphäre. Hygienemaßnahmen wie Einbahnregelung, verringerte Sitzplätze, Mundnaseschutz und Namenslisten sind obligatorisch. Wie gehabt, wird bei mangelnden Englischkenntnissen die Predigt, die Denkanstöße gibt (Fairness, Balken im Auge), auf Deutsch mitgelesen. „Gerade jetzt braucht diese Welt Heilung. Werden die Werke Gottes in uns sichtbar, wenn wir versuchen, diese Pandemie zu überstehen?“ Klartext war in ihrer Predigt „Wer ist schuld?“ auch zum Thema Alltagsrassismus zu hören: „Wir wissen nicht,

„A black theology of liberation” von James H.Cone ist für Pastorin Rosalind Gnatt im Gemeindebüro der Bergkirche ein wichtiges Buch.

Mit der Ode an die Freude, den Beatles und Cat Stevens Pastorin Rosalind Gnatt und ihr English Community Outreach Project in der Bergkirche wie Jesus aussah. Aber die Wahrscheinlichkeit. , dass er „weiß“ war, ist gering. Und was hat Hautfarbe überhaupt mit den Werken, mit dem Bild Gottes, zu tun?“ Die beliebte „Dinner-Church“ im Gemeindehaus fiel dem Virus zum Opfer. Doch Gottesdienst wird seit 21. März als „Worship on Zoom“ gefeiert - den Link gibt es bei

r-gnatt@bergkirche.de. In der garantiert virusfreien Kirche wirkt der preisgekrönte Pianist und Leiter des „Bergkirche Sometimes Angels PickUp-Chores“ Rhodri Britton in seinem Heimstudio mit. Das Bergkirchen-Gastspiel von Bob Dylans Cousine Sonia fiel coronabedingt aus. Doch im August hat Singer-Songwriterin Sonia im ZoomGottesdienst gesungen. In New Jersey, wo sie „auf gepackten Koffern“ sitzt und mit ihrer Familie auf die Ausreise nach Wiesbaden wartet, nahm Pastorin Hannah Cranbury am Zoom-Worship teil. Die designierte Nachfolgerin von Rosalind Gnatt hatte sich am 1. März in der Bergkirche vorgestellt, Fragen der interessierten Gemeinde freimütig beantwortet und erntete positive Resonanz. Derweil macht Rosalind Gnatt am 6. September (11 Uhr) in der Bergkirche und sonntags on Zoom mit Esprit und Leidenschaft weiter.„Ich liebe die Bergkirche, die Gemeinde und Wiesbaden.“r-gnatt@bergkirche.de

Pastorin Rosalind Gnatt und ihre designierte Nachfolgerin Pastorin Hannah Cranbury in der Bergkirche. wiesbadener

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Text und Fotos: Gesine Werner 19


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Tagesstätte Süd im Hainerpark sowie Wohnungen

Heimat schaffen und soziales Miteinander

Stadtentwicklungsgesellschaft SEG lebt den Slogan „Suchet der Stadt Bestes“

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m Neubaugebiet „Hainweg“ in Wiesbaden-Nordenstadt tut sich was. Schon im April sind die ersten Familien in den Quittenweg eingezogen.

„SEG schafft Heimat“ ist der ausgefeilte Slogan der Stadtentwicklungsgesellschaft SEG. Der kommunale Dienstleister setzt bei der „Daseinsfürsorge“ immer auf das soziale Miteinander. „Die SEG entwickelt immer wieder neue Wohngebiete und legt Wert auf eine gut ausbalancierte soziale Infrastruktur“, betont Andreas Guntrum. Die letzten großen Wohnbaugebiete mit mehreren 100 Wohneinheiten waren Europaviertel und das Künstlerinnenviertel. An das nicht ganz so große Projekt „Wohnen westlich des Schlossparks (Parkfeld) darf in diesem Zusammenhang auch erinnert werden. Dem versierten SEG- Geschäftsführer ist klar. „Auf absehbare Zeit wird der Zuzug ungebrochen sein und wir in der Zukunftsregion müssen uns darauf einstellen. Es ist nicht die Frage, ob wir weiter wachsen wollen. Die Nachfrage ist faktisch da. Es ist die Aufgabe, Alle zu halbwegs erschwinglichen Preisen mit Wohnungen zu versorgen.“ Für Andreas Guntrum sind „die Ausweitung von Wohnbauflächen und der darauf erfolgende Wohnungsbau 20

die beste Sozialpolitik“. Der Experte verwies schon beim SEG-Neujahrsempfang auf den „engen Zusammenhang zwischen der Bereitstellung von Flächen für den Wohnungsbau und Sozialpolitik.“ Auf dem 21 Hektar großen Areal in Nordenstadt werden über 650 Wohneinheiten für etwa 2.000 Personen aus dem Boden gestampft. Rekordreifes Tempo: Im Februar 2018 begann die Erschließung, im April 2019 ging es mit dem Hochbau der Einzel-, Doppel- und Reihenhäuser los. Der rund vier Meter hohe Lärmschutzwall zieht sich 450 Meter entlang der Konrad Zuse-Straße, Kanalisation und der sieben Meter tiefe Stauraumkanal sind unktionsbereit. Das Areal wird als „lebendiges und lebenswertes Quartier“ gestaltet. Die Bauarbeiten am Hainpark und den beiden Grünzügen Süd und Nord, die Neubaugebiet und alten Ortsteil miteinander verknüpfen, sind in vollem Gange. Der Hainpark mit zwei Quartiersplätzen steht allen Bewohnerinnen und Bewohnern Nordenstadts offen. Ein gut ausgestatteter Spielplatz, Spiel- und Liegewiesen sowie Aufenthaltsbereiche und Ruhezonen werden Jung und Alt zum Verweilen einladen. wiesbadener

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Hainerpark Spielplatz

Der Quartiersplatz Nord bildet die neue Quartiersmitte und wird vom geplanten Pflegeheim, Gastronomie, Kiosk und Läden sowie der neuen Bushaltestelle im Baugebiet umgrenzt. Der von Bäumen umstandene Quartiersplatz Süd bildet den südlichen Hainpark-Abschluss und offeriert ruhige Erholung. Die Grünzüge mit barrierefreien Fuß- und Radwegen offerieren Sitzbänke mit Armlehnen und angepasster Sitzhöhe sowie sogenannte „Aktivpunkte“ mit Landschaftsschaukel und Surfsimulatoren. SEG und Stadt Wiesbaden wollen „möglichst rasch ein angenehmes Wohnumfeld bieten.“ Mit dem neuen Wohngebiet entstehen auch zwei Einrichtungen für die lieben Kleinen. Die „DRK-Kita Hainweg“ auf dem städtischen Grundstück Heerstraße Ecke Am Hainpark bietet in Trägerschaft des DRK-Kreisverbandes Wiesbaden e.V. 110 Kitaplätze an. Drei Krippengruppen und 4 Elementargruppen sind auf zwei Etagen untergebracht.

Angeschlossen wird betreutes Wohnen in etwa 35 Wohnungen, davon 17 Wohnungen im geförderten Mietwohnungsbau. Eigenständige Gastronomieflächen und Kleinläden/ Kiosk im selben Gebäudekomplex am Hainplatz sind ebenfalls vorgesehen. „Am Horizont zeigt sich eine große städtebauliche Entwicklungsmaßnahme der Stadtteil „Ostfeld“, der sich in der politischen Diskussion befindet.“ Die SEG als Institution, die auf ihr Silberjubiläum zusteuert, hält sich jedenfalls auch in Zeiten der Pandemie an das Motto: „Suchet der Stadt Bestes“ www.seg-wiesbaden.de Text: Gesine Werner Fotos: Christ + Christ

Die Kindertagesstätte Süd, vom Amt für Soziale Arbeit getragen, wird zwei Krippengruppen und vier Elementargruppen für insgesamt 100 Kinder Platz bieten am Hainweg / Kiebitzweg / Rotkehlchenweg. Der Clou: Auf dem Grundstück im Besitz der SEG mbH (3.678 Quadratmeter) wird ein Wohngebäude mit 31 geförderten Mietwohnungen errichtet, dessen gesamtes Erdgeschoss die Kita einnehmen wird. Diese Besonderheit macht bei sinkendem Bedarf (veränderte Altersstruktur) flexible Quartiersentwicklung möglich. „In diesem Fall werden die Flächen in eine Wohnnutzung überführt.“ Auch an ein Seniorenheim ist am Hainweg gedacht. Der DRK Kreisverband Wiesbaden errichtet ein Pflegeheim mit etwa 70 vollstationären Pflegeplätzen, Kurzzeitpflege und ambulanten Pflegeangeboten. wiesbadener

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SEG-Geschäftsführer Andreas Guntrum kann zufrieden sein mit dem Baufortschritt am Hainweg.in Nordenstadt. Foto: Gesine Werner 21


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„Future World”: Das Tanzfestival Saar brachte den Saarbrücker Staats-Musentempel zum Leuchten.

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ühne frei! Sie spielen wieder am Saarländischen Staatstheater Saarbrücken, mit Sicherheit. Hausherr Bodo Busse verspricht: „Trotz Abstand: Wir kommen Ihnen ganz nah!“

Der Generalintendant, in Wiesbaden aus seiner Zeit als Operndramaturg der Ära Beilharz prägnant in Erinnerung, betont: „Wer sich sozial verhält, befindet sich nicht in Distanz.“

Zwei „Generäle”, die in Wiesbaden noch prägnant in Erinnerung sind: Generalintendant Bodo Busse und Generalmusikdirektor Sébastien Rouland.

Der Soziologe Heinz Bude analysierte die gesellschaftliche Dimension schon vor der Covid-19Pandemie: „In Begriffen der Angst fühlt sich die Gesellschaft selbst den Puls.“ Bodo Busse betont: „Wir wollen ein Echo-Raum für Fragen, Ängste und Hoffnungen sein.“ Denn gerade „in Krisenzeiten ist sich das Theater seiner Verantwortung für einen offen humanen Diskurs bewusst.“ Auf allen Ebenen wird der dynamischen Entwicklung aller Hygiene- und Sicherheitsregeln gefolgt. „Wir suchen in vielen neuen theatralischen Formen, auch im CoronaModus, Ihre Nähe und wollen Sie mitten ins Herz treffen“, verspricht der Hausherr. Und so sind alle Produktionen neu erfunden oder modifiziert. „Das Theater ist immer ein Laboratorium für neue, kreative Ideen.“ Und so wird Peter Shaffers „Amadeus“ jetzt ungeahnte Einblicke in das Seelenleben von Mozart

Es geht wieder los! Saarländisches Staatstheater Saarbrücken kommt mit Sicherheit ganz nah - trotz Abstand 22

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„Es geht wieder los!” Generalintendant Bodo Busse verspricht dem Publikum: „Trotz Abstand: Wir kommen Ihnen ganz nah!”

& Salieri offerieren. Die deutsche Erstaufführung des französischen Komponisten Pascal Dusapin („Pérela“), der Shakespeares düsteren Klassiker grandios vertonte, ist für Februar 2021 als „Macbeth Underworld“ geplant. „Trotz Distanz: Musik verbindet“, sagt der international gefragte Generalmusikdirektor Sébastien Rouland. Der GMD ist in Wiesbaden mit Erfolgen wie Cavallis „La Calisto“ noch gut in Erinnerung. An Verdis „Il Trovatore“ in kammermusikalischer „Saarbrücker Fassung“ hält er fest. Richard Wagners „Ring“ soll geschmiedet werden, der dann mit dem „1.Tag“ der Tetralogie beginnt. „Was für ein Abenteuer!“ freut sich Schauspieldirektorin Bettina Bruinier auf der Saarland-Saga zweiten Teil „Weh dem, der aus der Reihe tanzt“ und wagt sich als Regisseurin in der sogenannten „neuen Normalität“ spartenverbindend an das Projekt „Glück“. Die europäische Erstaufführung von Pat To Yans „Eine kurze Chronik des künftigen China“ ist hochaktuell, kam aber schon vor Corona auf den Spielplan.

Blick zurück in Sehnsucht: Da schien die Welt noch in Ordnung: Bei der dritten Auflage des kleinen, feinen „Tanzfestival Saar“ riss schon der eröffnende Zweiteiler „Future World“ das Publikum von den Stühlen. Ballettdirektor Stijn Celis ließ in seiner spannenden Choreografie „Clara“ nach E.T.A. Hoffmanns „Sandmann“ beseelte Androiden bravourös tanzen und sorgte für Gänsehautmomente. Richard Siegals ironisch funkelndes „Liedgut“, mit Schattentanz unter schwebender Flackerlichtleiste, „Rauschrausch“ und tektonischer Körper-Sprache bescherte dem Besuch aus Wiesbaden ein hinreißendes Wieder-Sehen mit der Choreo-

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Spielstätte Alte Feuerwache Saarbrücken

grafie, die 2014 als Uraufführung in Wiesbaden und Darmstadt gefeiert wurde. Aktuell macht der Allroundkünstler Gaetano Franzese Mut mit seiner Bilderserie: „Ars et Amor vincunt Virus – Kunst und Liebe besiegen das Virus.“ www.staatstheater.saarland.de Text und Fotos: Gesine Werner

Da war die Future World noch in Ordnung: Choreograf Richard Siegal (Liedgut) mit Ausnahmetänzerin Alexandra Christian (Clara), Hope Dougherty und Conner Bormann (von links)

Luca Pauer leitet das Junge Staatstheater und lässt Schirin Khodadian Ibsens „Nora_Spielen!“ in der Alten Feuerwache. Hier geht auch das „Festival Primeurs“ als Festival für frankophone Gegenwartsdramatik über die Bühne.

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Boing Boing Cast

The show must go on

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ein Virus oder Präsident kann echte Spielfreude aufhalten: Das Wiesbaden Performing Arts Center (WPAC) lädt trotz aller Widerstände in seine neue Residenz im Westend ein. Der WIESBADENER hat sich mit Managing Director Keith D Greenleaf über das englischsprachige Theater und Kultur in schwierigen Zeiten unterhalten.

konnte die neue Location nach jahrelanger Suche bezogen werden, womit für Greenleaf ein kleiner Traum in Erfüllung ging. Da kann auch so eine lästige Kleinigkeit wie Covid-19 nichts gegen anrichten: „Ja, wir spielen! Natürlich mit sicherem Abstand, woran sich auch die Schauspieler halten müssen. Aber wir gehen in keine verlängerte Sommerpause."

„Lass uns rein gehen, gerade ist niemand da." Tatsächlich, kein Mensch ist im Saal in der Hellmundstraße zu sehen, als Keith D Greenleaf die neuen Räumlichkeiten seines Herzensprojektes präsentiert. Doch dass die Kultur hier noch nicht den leisen Tod der Pandemie gestorben ist, erkennt man bei genauerem Hinsehen sofort: Leere Limoflaschen und voll gekritzelte Notizbücher liegen auf den Tischen, der Kühlschrank ist prall gefüllt und die Fenster weit aufgerissen. Die Bühne lebt noch im „Wiesbaden Performing Arts Center", kurz WPAC (ausgesprochen: wiepack), das ist deutlich zu sehen. Erst Anfang des Jahres

Greenleaf ist in Detroit, Michigan aufgewachsen und seit nunmehr 35 Jahren in Deutschland. Ab 1994 betrieb er das Frankfurt Play House, nach dessen Schließung zog es ihn in die Landeshauptstadt. Dort finanzierte die Armee ein englischsprachiges Theater mit offenem Einlass. Als 2011 der damalige Direktor und seine Assistentin in den Ruhestand gingen, hatte sich unter einigen der Schauspieler, darunter Greenleaf, schon längst die Idee eines selbstständigen Theaters in der Innenstadt etabliert. Die Zeit war reif: Mit Mitstreitern gründete Greenleaf die „Wiesbaden English Language Theaters" (WELT), ein Zusammenschluss englischsprachi-

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ger Schauspieler. Im Georg-BuchHaus, gerade um die Ecke vom jetzigen Standort, organisierte die Gruppe zahlreiche Auftritte, bis der Platz in dem Gemeinschaftszentrum langsam knapp wurde. Die einst von den Zeugen Jehovas genutzten Räume in der Hellmundstraße waren auf der Suche nach einem langfristigen Zuhause eher Liebe auf den zweiten Blick: „Wir hatten uns diese Facility schon 2012 angesehen. Damals dachten wir aber noch: Wir sind neu und wissen nicht, ob wir wirklich jeden Monat die Miete zahlen können - also haben wir lieber die Finger von gelassen. Fünf Jahre später standen wir dann wieder hier und hatten Glück, dass es noch zu haben war." Wie viel Glück sie mit dem ausgewählten Domizil des neu eröffneten WPAC wirklich hatten, zeigte sich erst in der Corona-Krise. „Am Anfang wollten wir alles neu gestalten und eine feste Bühne installieren. Jetzt bin ich sehr froh darüber, dass alles so geblieben ist, weil wir dadurch viel flexibler den Raum gestalten und dem jeweiligen Stück anpassen können." Dank dieser unverhofften Flexibilität ist es außerdem keine allzu große Herausforderung, die aktuellen Sicherheitsmaßnahmen zu erfüllen: wiesbadener

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„Wir können zwar momentan nur 25 Besucher rein lassen, wo wir sonst um die hundert hatten. Aber immerhin können wir überhaupt spielen." In Zukunft soll das nicht nur die WELT-Gruppe, mit der Greenleaf auch selbst auf der Bühne steht, sondern auch andere internationale Schauspielgruppen dürfen, sobald wieder halbwegs Normalität im Kulturbetrieb herrscht. Solange heißt es „immer an die beiden M's denken: move and wear a mask." Doch nicht nur im Publikum lichteten sich im Zuge der Pandemie die Reihen, sondern gezwungenermaßen auch in der engagierten Gruppe freiwilliger Helfer, die Greenleaf als „kleine Familie" bezeichnet. „Viele von unseren Volunteers arbeiten auf der Air Base. Und seit es mit der Corona-Krise losging, dürfen sie in Wiesbaden keine Restaurants oder kulturelle Einrichtungen mehr besuchen. Von dem einen auf den anderen Tag konnten sie nicht mehr mithelfen." Immer wieder betont Greenleaf die außerordentliche Leistung seines Teams, ohne das ein Weitermachen in diesen Zeiten undenkbar gewesen wäre: „Es liegt an zwei Gründen, warum wir wieder spielen können: Einmal die Lockerungen, und zum anderen die Tatsache, dass unsere Schauspieler von WELT und all unsere Helfer umsonst arbeiten." Das WPAC finanziert sich aktuell vor allem dank großzügiger Spender, die Wert auf den kulturellen Beitrag des Hauses legen.

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Und dem Angebot verschiedener workshops, die zum Teil speziell für Schülergruppen und Pensionäre konzipiert sind. Ob er die Hoffnung nach einem passenden Ort für das WPAC schon aufgegeben hatte? „Nein, auf keinen Fall. Mir war immer bewusst, dass es solche Räume in Wiesbaden gibt, du musst sie nur finden. Und mit ein bisschen Mut, die Sache auch durchzuziehen, ist alles möglich." Geplant sind jährlich bis zu sieben Bühnenstücke im neuen Zentrum des englischsprachigen Theaters in Wiesbaden. Wie viele es noch in dieser Saison werden, ist aufgrund der besonderen Umstände nicht ganz absehbar, doch ein paar Termine stehen schon fest: Am 28.August startet die Komödie „The Typographer's Dream", fünf weitere Vorstellungen werden folgen. Und Ende September läuft das Drama „Unseen" an, bei dem Greenleaf als Director mitwirken wird. Bleibt zu hoffen, dass das Projekt in Zukunft von weiteren mittelschweren Katastrophen verschont bleibt. Immerhin sitzt in Greenleafs Heimatland ein Präsident am Steuer, der mit einem weiteren Abzug amerikanischer Truppen auch aus Wiesbaden droht. Dadurch würden nicht nur ein Teil der Zuschauer, sondern auch der Volunteers wegbleiben, womöglich sogar langfristig. Doch soweit ist es noch lange nicht. Und mit dem richtigen Engagement – sowie der richti-

WPAC, Now and Then

gen Unterstützung – lässt sich mit Sicherheit noch viel Schlimmeres überstehen. Wer ein Ticket erwerben oder das Wiesbaden Performing Arts Center unterstützen möchte, findet auf www.wiesbadenperforming-arts-center.org alle wichtigen Information. Anstehende Termine für „The Typographer's Dream": 28.8.20, 19:30 Uhr 29.8.20, 19:30 Uhr 30.8.20, 15:00 Uhr 04.9.20, 19:30 Uhr 05.9.20, 19:30 Uhr 06.9.20, 15:00 Uhr Text: Konstantin Mahlow Fotos: Bruno Hohmann

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ARTe Wiesbaden 2019, Foto: © Hyp Yerlikaya Andreas Kerstan und Ralph Hohenstein, ARTe, Foto: © Hyp Yerlikaya

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chon im vergangenen Jahr gab die junge, quirlige Kunstmesse ARTe in Wiesbaden ihr erfolgreiches Debüt. Jetzt darf die hessische Landeshauptstadt diese schillernde Offerte vom 25. bis 27. September wieder aufs Neue erleben: Als eine der ersten Kunstmessen nach dem CoronaShutdown öffnet die ARTe dem Publikum die Tore für eine lang ersehnte neue Live-Begegnung mit zeitgenössischer Kunst und den Dialog mit Kunstschaffenden und Kunstfreunden. Auf 5.000 qm werden rund 100 Aussteller – ausgewählte Galerien und Künstler – in der Nordhalle des RheinMain CongressCenter wieder ihre Arbeiten zeigen – von der

Malerei über Grafik und Zeichnung, Skulptur und Collage bis hin zu Fotokunst. Auch in diesem Jahr bildet die Besetzung wieder einen bewusst zusammengestellten geografischen Mix aus regionalen, nationalen und internationalen Künstlern und Galerien: So werden z.B. neben der renommierten Galerie Kunst-Schaefer, dem Polykünstler Enno-Ilka Uhde und der Malerin Katja Grandpierre aus Wiesbaden auch Künstler wie Christopher Cocks aus BadenWürttemberg und die Galerie ART4You aus Paris vertreten sein. Mannigfaltig sind auch die Biografien der ARTe-Künstler: Vom fest im Markt verankerten Kunstmaler

Kunst endlich wieder live erleben – auf der ARTe Wiesbaden 26

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Christopher Cocks: Lonesome Flight

bis hin zum rotzfrechen Newcomer der Szene vereint sich auf der ARTe eine faszinierend inhomogene „Meisterszene” – inzwischen die spezifische DNA der jungen Kunstmesse. Die ARTe Wiesbaden – ein inspirierender Boulevard der zeitgenössischen Kunst in der RheinMain-Region und darüber hinaus. Die ARTe 2020 in Wiesbaden findet vom 25. bis 27. September 2020 im RheinMain CongressCenter Wiesbaden statt. Am Freitag ist die Messe von 17 bis 21 Uhr geöffnet, am Samstag von 11 bis 20 Uhr, am Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene 15 €, ermäßigt 10 €. Für Kinder unter 16 Jahren in Begleitung Erwachsener ist der Eintritt frei. Änderungen vorbehalten. Infos zum Kauf von Tickets, aktuellen Abstands- und Hygieneregeln sowie zu weiteren coronabedingten Pflichten und Maßnahmen erhalten Sie unter www.arte-messe.de und unter der Telefonnummer +49 (0) 7031 791 118.

Plamen Bibeschkov: ohne Titel

Weitere Informationen: www.arte-messe.de ARTe 2020 Wiesbaden RheinMainCongressCenter Friedrich-Ebert-Allee 1 65185 Wiesbaden

Bitte entsprechend vorab informieren! wiesbadener

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„Simple Women“, Vivo-Film © microFILM

„Ein Filmfest ist ein Ort der Begegnung“ exground filmfest 33 vom 13. bis 22. November 2020 in Wiesbaden

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om 13. bis 22. November 2020 präsentiert exground filmfest in seiner 33. Ausgabe unabhängiges Weltkino in Wiesbaden. Der diesjährige Länderschwerpunkt ist dem vielfältigen Filmschaffen in Italien gewidmet. Obwohl das Festival sein ursprünglich geplantes Datum einhalten kann, sind die Folgen der Covid-19-Pandemie auch hier deutlich zu spüren. Andrea Wink vom Organisationsteam spricht über die Folgen und Herausforderungen für das Festival. Wie sieht die hybride Form genau aus? Wir planen, unser Filmprogramm in der Caligari FilmBühne, dem Murnau-Filmtheater und der Krypta der Marktkirche vor Publikum stattfinden zu lassen, natürlich un28

ter Einhaltung der aktuellen Verordnung. Es dürfen zum Beispiel im Caligari ca. 60 (Stand: Mitte August) Plätze besetzt werden. Für die übrigen freien Plätze möchten wir Tickets für eine Onlinesichtung anbieten. Mit diesem On-DemandModell sollen die Filme dann mittels Geoblocking nur in Deutschland und für einen begrenzten Zeitraum verfügbar sein. Was sprach gegen die Ausrichtung als reines Onlinefestival? Gegen eine reine Onlinevariante spricht für uns ganz klar, dass wir ein Filmfestival als Ort der Begegnung begreifen. Für uns gehören Filme auf die große Leinwand. Darüber hinaus sind Filmfestivals dazu da, die Filmkultur und Filmschaffenden zu fördern und die bestmögliche Projektion zu ge-

währleisten. Das ist online einfach nicht möglich. Wird das Programm von exground filmfest in gewohntem Umfang stattfinden? Beim Filmprogramm wird es eventuell ein paar weniger Slots geben, aber die youth days, der Länderschwerpunkt Italien sowie die Lang- und Kurzfilmwettbewerbe sind dabei. Darüber hinaus werden wir auch das Wettbewerbsprogramm von goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films zeigen. Einschnitte gibt es ganz klar im Rahmenprogramm, so können wir leider keine Partys oder Konzerte veranstalten, selbst wenn dies bis zum November wieder erlaubt sein sollte. Das können wir einfach nicht guten Gewissens verantworten. Dafür übertragen wir aber erstmals die Eröffnung und Preisverleihung live und zeichnen Panels und Filmgespräche für unseren YouTube-Kanal auf. Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf die Organisation von exground filmfest? Unser Team arbeitet weitgehend im Homeoffice, was nicht weiter problematisch ist. Eine große Herausforderung ist, dass die Kinos als wiesbadener

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KoKon © Salzgeber

Ort des Austauschs von Filmschaffenden mit Besucher/-innen, aber natürlich auch untereinander wegfallen, daher sind wir auf der Suche nach Ausweichmöglichkeiten. Dann müssen natürlich auch neue Hygienekonzepte entwickelt werden, was einen deutlichen Mehraufwand bedeutet. Die größte Belastung ist aber die Unsicherheit, wie sich die Lage bis November entwickeln wird. Im Grunde können wir von doppelter Arbeit sprechen. Ein Festival lebt ja auch von den Gästen, die exground immer aus aller Welt begrüßt hat ... Das ist in diesem Jahr natürlich anders. Wir sprechen zwar Einladungen aus, aber wir müssen erst einmal abwarten, wer überhaupt reisen möchte und darf. Aber wir hoffen natürlich, dass wieder einige Gäste zu uns kommen können. Ein Programmpunkt stand schon früh fest: exground filmfest zeigt alle Wettbewerbsfilme von goEast … Damit wenigstens ein Teil der Filme von goEast, das ja komplett online stattfinden musste, auf der großen Leinwand laufen kann, haben wir angeboten, die Wettbewerbsfilme bei uns zu zeigen. wiesbadener

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Wir können uns unter anderem freuen auf den absurd-komischen IVANA DIE SCHRECKLICHE von Ivana Mladenović, NEGATIVE NUMBERS von Uta Beria, der in einer georgischen Jugendstrafanstalt spielt, sowie den beeindruckenden Neo-Noir-Thriller SERVANTS von Ivan Ostrochovský.

Alle Informationen auf www.exground.com

Welche weiteren Filme wurden bereits ausgewählt? Aus unserem Schwerpunktland Italien haben wir BAD TALES von Damiano und Fabio D’Innocenzo eingeladen. Das Drama über die Abgründe in einem Vorort von Rom wird unser Festival eröffnen. Daneben zeigen wir aus Italien noch das Spielfilmdebüt SIMPLE WOMEN von Chiara Malta, in dem eine Regisseurin einen Film über ihr Jugendidol, die Schauspielerin Elina Löwensohn, machen will, was anders läuft, als geplant. Auch die youth days sind wieder Teil des Programms, was können die Zuschauer/-innen hier erwarten? Hier haben wir zum Beispiel Leonie Krippendorfs Coming-of-Age-Film KOKON über Jugendliche in Berlin ausgewählt. Er ist für die Schulvorstellung geplant, die dann hoffentlich wieder möglich ist. 29


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Richard Schönherz und Angelica Fleer

DAS RILKE PROJEKT akustisch „GANZ am Anfang sind wir, siehst du. Wie vor Allem. Mit Tausend und einem Traum hinter uns und ohne Tat” Rainer Maria Rilke Lesung und Musik: Am 15. September präsentiert die Wiesbadener „Loftwerkerin” Anja Roethele eines der spannendsten und erfolgreichsten Lyrikprojekte der letzten Jahre in ihren Räumen in der Langgasse 20: DAS RILKE PROJEKT akustisch. Exklusiv für den Wiesbadener Salon haben Angelica Fleer und Richard Schönherz, die Erfinder des Rilke Projekts, ein akustisches

„Best Of” aus verschiedenen Programmen zusammengestellt. Es wird im LOFTWERK vorgestellt von Nina Hoger (Schauspielerin, u.a. Deutscher Filmpreis), Ali Neander (Gitarrist, u.a. Rodgau Monotones) und Richard Schönherz (Komponist des Rilke Projektes, Piano). Richard Schönherz und Angelica Fleer sind ein Komponisten- und Produzententeam. Ihre musikalische Zusammenarbeit zeichnet sich vor allem durch ihre gemeinsam entwickelten Lyrikprojekte aus, in denen ausgewählte Texte verschiedener Dichter mit eigens dafür komponierter Musik untermalt und von bekannten Persönlichkeiten

interpretiert werden. Die beiden Komponisten sind Initiatoren und Schöpfer des erfolgreichsten deutschsprachigen Lyrikprojekts, dem „Schönherz & Fleer Rilke Projekt”. Aus dieser Hörbuchreihe wurden vier CDs veröffentlicht, von denen drei bereits Goldstatus erreicht haben. Das Projekt tourt seit vielen Jahren mit großem Erfolg durch Deutschland. Renommierte Schauspieler und Musiker interpretieren live unter der Regie der beiden Produzenten ausgewählte Texte Rilkes im Zusammenspiel der Musik aus den Rilke Projekt-CDs. Termin: Dienstag, 15. September 2020 Einlass: ab 19:00 Uhr Beginn: 19:30 Uhr Preis: 24 € pro Person Im Preis enthalten: Weinempfang, kleine Häppchen, Lesung und Gespräch Begrenzte Teilnehmerzahl – Anmeldung erforderlich! LOFTWERK Langgasse 20, 1.OG 65183 Wiesbaden Telefon: +49 611 – 18 17 11 45 E-Mail: contact@loftwerk-roethele.de www.loftwerk-roethele.de

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MESSE FÜR ZEITGENÖSSISCHE KUNST Zeitgenössische Kunst 19. - 22. März 2020 Messe Sindelfingen

Wiesbaden 25. - 27. September 2020 RheinMain CongressCenter Fr. 17 -21 Uhr, Sa. 11-20 Uhr, So. 11-18 Uhr

arte-messe.de

Veranstalter: Messe Sindelfingen GmbH & Co. KG • Marie-Curie-Straße 11 • 71083 Herrenberg

Foto: © Christopher Cocks, Backnang

Donnerstag I 17 - 21 Uhr Freitag und Samstag I 11www.arte-messe.de - 20 Uhr Sonntag I 11 - 18 Uhr

EINE VERANSTALTUNG DER


KulTouren

Der Arbeiterwohlfahrt-Kreisverband Wiesbaden residiert in zwei Etagen der geschichtsträchtigen Villa über der Kleinkunstbühne „thalhaus” im idyllischen Nerotal.

Die vom Stamme Nimm Der mühselige Kampf an vielen Fronten gegen unsozialdemokratische Umtriebe Ausmisten im Augiasstall der Arbeiterwohlfahrt Teil Zwo.

„Die Armut rund um den Erdball geht weiter.” Pastorin Bea Ackermann sucht Spendenwillige für die „Zehnprozent-Aktion”.

Mit aufgestocktem Spendenanteil Mister „Zehn-Prozent“ hat seinen Anteil auf 40.000 Euro erhöht

Anfang Juni (!) zeigte sich der im Dezember zurückgetretene, frühere Awo-Vorsitzende Wolfgang Stasche als reuiger Sünder: Seine Frau war 15 Jahre lang als 450Euro-Schreibkraft von der Awo Wiesbaden entlohnt worden – ohne Gegenleistung.

Der Virus grassiert rund um den Globus, machte viele Pläne und Reisen zunichte. Auch der unbekannte Wohltäter, der die ökumenische „Zehnprozent-Aktion“ in Nachfolge des Gründers viele Jahre maßgeblich unterstützt, trat einen Kurzurlaub im April und eine größere Reise im Juni wegen der Pandemie nicht an. Stattdessen spendet „Mister Zehnprozent“ das Geld an seine Aktion und stockte seinen Spendenanteil um satte 10.000 Euro auf. Die „Aktion Zehnprozent“ als bundesweit einzigartiges ökumenisches Erfolgsmodell aus Wiesbaden hilft seit über einem halben Jahrhundert. Getreu der Devise „Es kommt auf jede einzelne Person an“ ist bis zum 31. März 2021 buchstäblich für jeden Tag eine spendenwillige Person gefragt. Ob Taschengeld, Honorar, Rente oder Urlaubsgeld, es kommt nicht auf die Höhe des Spendenbetrages an, sondern auf die Anzahl der Spendenwilligen. Sind 381 Spenden von Kindern und Erwachsenen eingegangen, gibt der anonyme Großspender seinen Anteil von 40.000 Euro frei. Der „Mister“ betont, „durch das Teilen entscheiden sich Menschen, bewußter und entschiedener zu leben.“ Das gilt in Zeiten der Pandemie erst recht. Von den Spenden werden weltweit Hilfsprojekte unterstützt in Bangladesh (60.000 Euro), in Haiti (7500 Euro), in Ghana (28.000 Euro) und in Burkina Faso (28.000Euro). Als „Projekt vor der Haustür“ werden die Clowndoktoren mit 6500 Euro gefördert. Mister Zehnprozent ist Pensionär und sucht aus Altersgründen einen Nachfolger - oder eine Nachfolgerin und bietet umfassende Hilfe beim Einstieg an. Pastorin Bea Ackermann als Vorsitzende der Zehnprozentaktion, ist mit dem großzügigen Mister Zehnprozent“ klar: „Die Armut rund um den Erdball geht ja trotz Corona weiter, sie wird sogar noch schlimmer.“

Positiver Ausblick. Diplom-Betriebswirtin Dr. Andrea Piro ist seit Mai übergangsweise als Awo-Geschäftsführerin an Bord. Mit der erfahrenen Expertin seien „alle Voraussetzungen geschaffen, die Wiesbadener Awo in ruhige Fahrwasser zu führen.“

Spendenkonto der Zehnprozent-Aktion: Konto 404 44 44, BLZ 520 604 10 Evangelische Kreditgenossenschaft Kassel IBAN DE 5206 0410 0004 0444 44 BIC GENODEFIEKI

Fortsetzung folgt....

Info www.zehn-prozent-aktion.de

„Ein Sozialdemokrat hat sich dadurch auszuzeichnen, dass er vom Stamme Gib ist und nicht vom Stamme Nimm”, dekretierte der frühere Wiesbadener SPDOberbürgermeister und Landtagspräsident Georg „Schorsch” Buch. Der dürfte sich im Grabe drehen angesichts der unglaublich dreisten Machenschaften im Selbstbedienungsladen Awo Wiesbaden und Awo Frankfurt. Familienbande tobte sich jahrelang unverfroren in Günstlingswirtschaft aus. Seit Januar kämpfen Wolfgang Hessenauer und Franz Betz (früher Sozialdezernent und Amtsleiter) als Vorsitzende an vielen Fronten Diverse Untersuchungs-Baustellen, Scheinarbeitsverhältnisse, „Überraschungen”. Vier arbeitsrechtliche Verfahren laufen gegen die geschassten Hannelore Richter, Gereon Richter, Murat Burcu und Melanie Roth.Mehr als 30 Gehälter wurden abgesenkt, Zulagen gestrichen, Tankkarten eingezogen. Die Summe von 1,35 Millionen Euro wird zur Steuernachzahlung wohl dringend benötigt. Ende April kam eine anonyme Strafanzeige gegen den CDU- Stadtverordneten Wolfgang Gores und dessen Tochter heraus. Die in Brandenburg lebende Ethnologiestudentin soll, vermittelt durch ihren Vater, mehrere Jahre bei der Flüchtlingshilfe der Awo Frankfurt Vollzeit gearbeitet haben. Das Gehalt kam von der Awo Wiesbaden. Vater Gores erstattete Anzeige gegen Unbekannt und trat von Parteifunktionen zurück.

Text und Foto: Gesine Werner

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Text und Foto: Gesine Werner

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KulTouren

„Leinwand frei!” Jochim Kreck und Detelina Grigorova-Kreck zeigen wieder „Filme im Schloss” und laden zu den erfinderischen „Hustlers” ein.

„Musik trotz(t) Corona!” Und wie. In der einfallsreichen BenefizKonzertreihe der Wiesbadener Burgfestspiele sorgte Samtstimme Jill Gaylord mit der Kantishne Roadhouse Band für Furore.

Neustart mit Jennifer Lopez

Musik trotz(t) Corona!

Filme im Schloss laden wieder ein

Jill Gaylord mit der Kantishna Roadhouse-Band zum Benefizkonzert Wiesbadener Burgfestspiele in Sonnenberg

„Leinwand frei!“ Bei den kultigen „Filmen im Schloss“ geht es nach der Corona-Zwangspause wieder los. Am 11. September wird um 20 Uhr das Comedydrama „Hustlers“ mit Jennifer Lopez und Constance Wu als Erstaufführung der Originalversion mit Untertiteln gezeigt.

Am 23. September sind „Filme im Schloss“ zu Gast im Caligari. Um 20 Uhr wird Clint Eastwoods 90. Geburtstag gewürdigt: „Der Fall Richard Jewell“ (OmU) illustriert, wie ein Wachmann ein Attentat verhindert.

Die Sonnenberger Eigengewächse machen mobil und haben im Juni eine kreatürliche Benefizidee im weitläufigen Burghof Sonnenberg gestartet: „Musik trotz(t) Corona!“ ist die hilfreiche Devise der kostenlosen Konzerte, bei denen um „großzügige Spenden“ für die Musikschaffenden gebeten wird. „Der Wiesbadener Burgfestspiele e. V. möchte gerne freischaffenden Musiker*innen helfen, die seit mehreren Monaten aufgrund der Corona-Pandemie keine Einnahmen hatten und deshalb existenzell gefährdet sind.“ Reservierungen sind nicht drin.„Sie dürfen aber gerne einen Picknick-Korb für sich und die im selben Haushalt lebenden Personen mitbringen.“ Abstands- und Hygieneregeln werden von den ehrenamtlich engagierten Kulturprofis geradezu vorbildlich exerziert - mit kleinen Sitzinseln der Klappstühle und einer entsprechenden Durchsage bei laufendem Konzert! Funktionsgerecht sitzende MuNaske und frisch desinfizierter Stift für jeden Meldebogens sind obligatorisch. Flötistin Olga Reiser aus Jekaterinburg war da, Regisseur Benjamin Hille gab den mürrischen Kontrabassisten. Ein Highlight, das auch dem früheren Bürgermeister Arno Goßmann mit Gemahlin Jenny gefiel, war das Gastspiel der klassisch geschulten Jazzröhre Jill Gaylord, die auch samtig kann und mit charismatischem Ausdruck betört. Die vielsaitige Ausnahme-Sängerin, die auch als veritable Pianistin überraschte, wurde von der Kantishna Roadhouse Band flankiert. Gitarrero Wolfgang Diefenbach war auch gut bei Stimme, Mario Harlos ließ in der Schießbude die Schlägel tanzen. Thomas Keggenhoff zupfte am E-Bass einen flotten Darm .Steve Winwood, JJ Cale.& Eric Clapton ließen grüßen, als „Another Man“ den Blues fort he Lost Days“ bekam. „Cocaine!“ Am 5. September (17 Uhr) kommt die Mehr-Oktavenstimme wieder.und hat die „Five Generations & Friends im Schlepptau. Special Guest ist der renommierte Jazz-Tastenlöwe Jo Flinner aus Frankfurt. Auch die „Groove Jazz Fanatics“ auf mit Andreas Hertel, Joey Becker & Jasper Hanel treten auf. Am 13. September (16 Uhr) ist The Ultimate Duo mit Michael Makarov und Vokhtang Kharebav zu Gast. Am 19. September (18 Uhr) sind MOS CREEK MOUNTAINEERS mit Michael Stein & Günter Steppich da. Am 20. September (16 Uhr) kommt ein KammermusikEnsemble von Arco musicale Wiesbaden.

www.filme-im-schloss.de

www.wiesbadener-burgfestspiele.de

Akrobatisch elegant anmutenden Poledance als ganz große Show mit strassbesetztem String-Body, ultrahohen „High“-Heels und perfektem Makeup zelebriert Ramona (Jennifer Lopez) und wird vom betrunkenselbstgefälligen Männer-Publikum mit Geldscheinen überschüttet. Den aufgegeilten Mannen wird die Illusion von Macht verkauft. Wie klarsichtig es backstage zugeht bei den gewitzten Frauen, die nach dem Börsencrash 2007 höchst erfolgreich ihr „Geschäftsmodell“ auslebten, wird lustvoll ausgespielt. Das Drehbuch von Regisseurin Lorene Scafaria basiert auf einer Reportage von Jessica Pressler, die eine Gruppe „kreativer“ New Yorker Ex-Stripperin interviewte. Sind die Zocker von der Wall Street als Börsenhändler gut bei Kasse, tragen die Stripperinnen Pelz. Jedenfalls ist ihr Verdienst der ehrlichere. Ende März wollten Joachim Kreck und Detelina Grigorova-Kreck, als GründerInnnen-Paar eingebunden in das Oral history-Projekt „Erlebte Geschichte(n)“ des Stadtarchiv-Fördervereins, das feministische Leinwandvergnügen zeigen. Unter ausgefeilten Hygienebedingungen – Aufzugnutzung für 1 Peron, abgesperrter Flur, 20 Sitzplätze im FBW-Saal, Mundnasenmaskenpflicht, abgesperrter Treppenaufgang, Desinfektionsspender und zwingende Anmeldung – wird der Spielbetrieb wieder möglich. „Wir passen uns an und machen das Beste aus der Situation. Uns ist wichtig, unseren Kulturauftrag wieder zu erfüllen und qualitativ hochwertige Filme zu zeigen. Nach Möglichkeit holen wir verschobene Vorstellungen wie „For Sama“ nach.“

Text und Foto: Gesine Werner

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KulTouren

Der russische Bajan-Virtuose Victor Pribylov machte mit seinem Sonntagskonzert den Bellevue-Saal zum Klangraum.

Klingende Reise nach Paris, Russland und Armenien Bajan-Virtuose Vicktor Pribylov macht den Bellevuesaal zum Klangraum GratulARTion zur Idee, den sympathisch bodenständigen Ausnahmemusiker Viktor Pribylov zum Sontags-Konzert einzuladen. Der russische Bajan-Virtuose aus Kasachstan lebt seit 2015 in der Region und hatte im Herbst dieses Jahres mit seinem seelenvollen Spiel den englischsprachigen Gottesdienst von US-Pastorin Rosalind Gnatt, Pfarrerin der United Church of Christ und Partnerkirche der EKHN, bereichert. Die Orgel der Bergkirche war damals wegen Restaurierung außer Funktion, was nicht weiter störte. Der vielfach preisgekrönte Meister (u.a.2013 Cittá di Lanciano, Italien) hatte mit seinem betörenden Spiel auf dem russischen Knopfakkordeon das Kirchenschiff zum Klangraum gemacht. In Wiesbaden, Mainz, Darmstadt und der Region ist Victor Pribylov oft Open Air auf Achse und vielen Musikfans ein Begriff. Nach pandemiebedingt langer Zwangspause hatte der Bellevuesaalverein zu einigen „kleinen Sonntagskonzerten” eingeladen, bei denen Abstands- und Hygieneregeln ausdrücklich befolgt wurden. Das Trio Franz-Josef Wahle (Oboe), Dörte Sehrer (Klarinette) und Chih-Ti WaNg (Fagott) vom Hessischen Staatsorchester hatte mit mozärtlichen Klängen sowie Stücken von Benjamin Britten, Manuel de Falla und Erwin Schulhoff im stuckverzierten Ausstellungsraum erfolgreich den Anfang gemacht. Ein besonderes Highlight war das Gastspiel des leidenschaftlichen Bajan-Virtuosen Pribylov, der über ein außergewöhnlich breites Repertoire von Klassik über Tango und Chanson bis Folklore verfügt. Mit bestechender Präzision und höchstem Einfühlungsvermögen kurbelt der begnadete Musiker das Kopfkino an und sorgt für Gänsehautmomente. Bachs Toccata und Fuge d-Moll trifft auf Rachmaninows italienische Polka und Tony Murenas Indifference Musette. Bei Albert Vossens rasantem „Flic Flac” ist diese Artistik vor dem inneren Auge zu „sehen”. Beim furiosen „Säbeltanz” tanzt Lilo Pulver als deutsche Marilyn in Billy Wilders „Eins-Zwei-Drei” ein paar angeschickerte Russen in Grund und Boden. RimskiKorsakov „Hummelflug” ist ein klingendes Juwel. Das applausfreudige Publikum zeigte sich begeistert über sein sensibel bravouröses Spiel, das der brillante Diplom-Musiker mit kenntnisreichen Anmerkungen zu den ausgewählten Kompositionen ergänzte. Da capo! www.victorpribylov.com

Willkommen bei den Katzen der Rocky Horror Pictures Show! Ein „Treppenkonzert” im Hinterhof-Palazzo für die Kulturtage Westend „Willkommen, Benvenue, Welcome!“ Es ist „Summertime“ und dem heimtückischen Virus wird von MaryLou Sullivan-Delcroix „kreatief“ begegnet. Die Ausnahme-Sopranistin bedauert, dass ihr traditionsreiches Sommerfest im Hinterhof-Palazzo heuer nicht steigen kann. „Dieses Fest war immer eine Gelegenheit, „Gelerntes“ zu präsentieren, es war immer auch ein „Fest der Begegnung“. Umso mehr freut es mich, dass wir im Rahmen der „Kulturtage Westend“ ein Treppenkonzert im Hof veranstalten werden.“ Die Hausherrin, immer für pfiffige Ideen gut und in das oral history-Projekt des Stadtarchiv-Fördervereins eingebunden, hat sich (amtlich abgesichert) etwas einfallen lassen: Da die Sitzplätze pandemiebedingt limitiert sind, wird das Musical-Programm mehrfach gespielt: Am 12. September und am 13. September jeweils um 17 und um 19 Uhr macht das ungewöhnliche Vergnügen die Treppenstufen zu den „Brettern“. Peter Brooks lässt grüßen - die ganze Welt ist eine Bühne. Es singt das Musical-Trio Ute Hilgenberg (Moderation), Rosalie Müller und Nina Vohs. Aus der Musical-Klasse ist Markus Brieger dabei, aus der Opern-Klasse wirkt Ingrid Ujj–Conrath mit. Christine Brieger führt Regie. Mit dem renommierten Konzertpianisten Wolfgang Stifter am Flügel ist das „Treppenkonzert“ unter künstlerischer Leitung von Hausherrin Mara-Lou hochkarätig besetzt. Eine Palette von Ohrwurm-Schmankerln: „Cabaret“ trifft auf „Porgy and Bess“, Webbers Samtpfoten widmen sich „Memories“ in einer „Chorus Line“. Der lauschige Hof wird mit zum Zirkuszelt der Rocky Horror Picture Show. Und Zarah Leander fragt: „Kann denn Liebe Sünde sein?“ Der Eintritt ist frei, es gibt Wein und Wasser. Devise: „Gläser bitte mitbringen!“ Die Anmeldung ist zwingend erforderlich unter info@hinterhof-palazzo.de oder per Telefon unter 0611 – 40 34 64. Gastgeberin Mary-Lou wünscht von Herzen „eine erholsame Sommerzeit und dass alles ein wenig leichter wird!“ www.hinterhof-palazzo.de

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Hausherrin Mary-Lou Sullivan-Delcroix (oben rechts) und das Ensemble ihres „Treppenkonzerts” im Hinterhof-Palazzo: Markus Brieger (mit Hut), Rosalie Müller, Nina Vohs, Christine Brieger und Konzertpianist Wolfgang Stifter.

Text und Foto: Gesine Werner wiesbadener

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eit 12 Jahren bereichert die Veranstaltungsreihe „Tarbut – Zeit für jüdische Kultur” das kulturelle Leben der hessischen Landeshauptstadt. Das diesjährige Programm ist wieder gespickt mit spannenden Aufführungen, Künstlern und Themen, von denen hier einige nennen möchten. Anlässlich des 100. Bauhaus-Jubiläums wird im Wiesbadener Rathaus die Ausstellung des Bauhaus Centers Tel Aviv gezeigt. In Tel Aviv wurden in den 1930er und 40er Jahren mehr als 4.000 Häuser überwiegend im Internationalen Stil, hier auch Bauhaus-Stil genannt, errichtet. Viele der Architekten waren deutschstämmige Juden unter ihnen einige Absolventen des Bauhauses, die nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 Deutschland verlassen haben. Am 3. November wird Arthur Millers Theaterstück „Zwischenfall in Vichy” aufgeführt. Arthur Miller schreibt 1964 unter den Eindrücken des Auschwitz-Prozesses in Frankfurt/M. dieses Stück, bei dem er das Problem der mittelbaren Schuld und die unbewusste Teilhabe jedes Einzelnen am unaufhörlichen Unrecht dieser Welt thematisiert. Am 11. November wirbeln die „Jewish Monkeys” im Schlachthof. Die acht Herren aus der endlos quirligen Kulturmetropole Tel Aviv haben bisher so ziemlich jeden Saal zum Toben gebracht. Und zwischen Klezmer-Punk, Balkan-Swing und überhaupt mediterraner Tanzparty lassen sie eh kein Auge trocken, und das garniert mit einem Humor, dass es eine Art hat. Am 17.November entführt das Trio Canelle in die „Goldenen zwanziger Jahre”. Es geht in die drei Welt- und Musikmetropolen, die auch Zentren des jüdischen Lebens und der jüdischen Kultur in den 1920er Jahren waren. Die Kunst dieser Zeit prägte nachhaltig viele nachfolgende Generationen und jüdische Künstler*innen aus wiesbadener

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dieser Zeit, die bis heute verehrte Vorbilder sind. Am 1. Dezember heißt es dann „Youkalí – Seiltänzerin ohne Netz”. Vier Dresdner Musikerinnen tauchen mit ihren heitermelancholischen Kompositionen ein in die Poesie einer anderen Zeit. Dazu verführte sie die Lyrikerin Mascha Kaléko, deren Gedichte mit rettender Ironie von Alltag, Sehnsucht und dem Wahnsinn der Welt erzählen. Mit nur 22 Jahren schreibt sich die jüdische Autorin im Berlin der Weimarer Republik in die Herzen ihrer Zeit. Diese stets aktuellen Zeilen erwecken Youkalí mit eigenen Klängen zu neuem Leben. Cineastisch wurde ein großes Paket mit sechs Filmen geschnürt, das im Septem-

ber in der Caligari FilmBühne u.a. mit Komödie, Doku und Drama auf Sie wartet. Infos unter: www.jg-wi.de

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alle halten, damit wir gemeinsam Theater machen können.“

Blick nach Wiesbaden

Das Wiesbadener Haus ging nach der Zwangspause mit der Beckett-Trilogie unter Regisseur/Intendant Uwe-Eric Laufenberg unter AHA-Regeln in den Endphase der Internationalen Maifestspiele als erstes Theater in Deutschland wieder an den Start. Ende August war mit Chris Pichlers köstlicher Beethoven-Haushälterin Frau Schnaps und dem „heiterem Beethoven – zum Jubiläumsjahr“, mit Erika LeRoux, Sänger Benjamin Russell und Flötist Thomas Richter die neue Spielzeit begonnen worden. Mit dem „Barbier von Sevilla“ und der „Hochzeit des Figaro“ und der Küste Utopias“ von Tom Stoppard“ sowie Bergmans „Szenen einer Ehe“ geht es weiter. Bühne trifft Film und TV: Mit seiner überbordend einfallsreichen Inszenierung „Beethoven – Ein Geisterspiel“ als Uraufführung in SAT3 macht Regisseur Jan-Christoph Gockel mit GMD Herrmann Bäumer aus der Corona-Not eine multimediale Tugend: Rüdiger Hauffe, Schauspieler/Puppenbauer Michael Pietsch, Anika Baumann (Bettine von Brentano), Vincent Doddema und Sänger Michael Dahmen sorgen für Gänsehautmomente.

Komm ins´s Offene TheaterDonner auf den Bühnen in Wiesbaden, Darmstadt und Mainz „Wenn Meinungsfindung ausschließlich im Netz und in den Medien stattfindet, fehlt eine wichtige Dimension“, stellt der Mainzer Intendant Markus Müller mit Blick auf die Pandemie und ihre Auswirkungen fest. Schließlich ist „seit der antiken Agora die Kraft der Versammlung integraler Bestandteil der Demokratie… Und wir brauchen Theater, brauchen eine andere als die rein faktische Ebene.“

gen. Die Sofas im Kleinen Haus stehen bereit, die Lüftung im Kleinen und Großen Haus läuft weiter mit 100 % Außenluft und es gelten die nötigen Vorsichtsmaßnahmen, an die wir uns

Blick nach Darmstadt

In Darmstadt bildet die Devise „Komm in´s Offene!“ den Roten Faden der geplanten Spielzeit 2020/2021. In den letzten Wochen bekam das Motto ungeahnte Dimensionen und wird sich fortsetzen in den geplanten Formaten und Projekten. Die Reiseroute wird angezeigt. „Natürlich kann es sein, dass die Umstände Umwege erfordern, andere Einzelrouten, Planänderungen. Wo auch immer diese nächste Reise entlang und hinführt, sie möge den Horizont erweitern und ins Offene führen“, wünscht Intendant Karsten Wiegand. Text und Fotos: Gesine Werner

Theater ist gut geeignet, davon zu erzählen, „dass wir die Unschuld der Selbstverständlichkeiten verloren haben.“ Das neue Halbjahresheft des Mainzer Musentempels trägt den Titel: „Spielplan-VORAUSSICHT,,,lich“ und zeigt Produktionen an wie „Elektra/ Iphigenie“ von „Hexenjagd“-Regisseur Alexander Nerlich, die Opern „Cantabile“, „The Garden (No 50)“, und „Pimpinone oderDie ungleiche Heirat“ sowie „Hänsel und Gretel“. Für Schüler*innen und Familien spielen „die Bremer Stadtmusikanten“ auf. „Es bleibt alles anders – wir spielen weiter unter besonderen Bedingun36

In dem Hügel, der wie ein Reifrock anmutet, und socially distanced bis zum Hals festgezurrt im Bett erlebt Winnie (grandios: Evelyn Faber) in Anwesenheit ihres Gatten Willie (herrlich: Gottfried Herbe) erstaunlich „Glückliche Tage”. wiesbadener

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ugust Macke, einer der bedeutendsten deutschen Expressionisten am Beginn des 20. Jahrhunderts, war einer der ersten Maler, der im Ersten Weltkrieg mit gerade einmal 27 Jahren schon Ende September 1914 gefallen ist. Nach dem Krieg wurde von seiner Frau Elisabeth aus dem Nachlass des Künstlers eine „August Macke Gedächtnis-Ausstellung” mit über 160 Werken organisiert, die im Herbst 1920 auch im Museum Wiesbaden gastierte. Anlässlich dieser vor exakt 100 Jahren durchgeführten umfassenden Retrospektive präsentiert das Museum Wiesbaden vom 30. Oktober 2020 bis 14. Februar 2021 in enger Kooperation mit dem Kunstmuseum Bonn August Macke in all seiner Vielfältigkeit. In der Ausstellung wird Mackes stilistische Entwicklung nachvollziehbar: Ausgehend vom impulsiven Impressionismus eines Lovis Corinth, der kurzzeitig in Berlin sein Lehrer war, trug er durch seine Begegnung mit dem Fauvismus und Futurismus in Paris (Henri Matisse, Robert Delaunay) und die Zugehörigkeit zur 1911 in München gegründeten Künstlergruppe „Der Blaue Reiter” um Wassily Kandinsky und Franz Marc einen entscheidenden Beitrag zum künstlerischen Aufbruch nach der Jahrhundertwende bei. 1910 kehrt er vom Tegernsee, wo er im Umland Münchens lebte, zurück nach Bonn. Dort entfaltete er aufgrund seiner mannigfaltigen Erfahrungen und seinem intuitiven Gespür für Farben große Wirkung auf die hiesige Kunstszene, etwa als Initiator der „Ausstellung Rheinischer Expressionismus” im Jahr 1913. Nur ein Jahr zuvor hatte ihm die für die Entwicklung der Avantgarde bedeutende Galerie Thannhauser in München die erste Einzelausstellung ausgerichtet. Die Wiesbadener Ausstellung beleuchtet anhand sorgfältig ausgewählter Beispiele alle Schaffensphasen August Mackes. Darüber hinaus werden zudem die Medien vorgestellt, in welchen der Künstler tätig war — vom Gemälde über die Zeichnung zur Druckgrafik bis hin zu den atmosphärischen Aquarellen, die vom Thuner See in der Schweiz stammen oder während der berühmten Reise mit Paul Klee und Louis Moilliet im afrikanischwiesbadener

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August Macke, Seiltänzer, 1914, Kunstmuseum Bonn. Foto: Reni Hansen, Kunstmuseum Bonn

Paradies! Paradies? orientalischen Tunis (April 1914) entstanden waren. Seine bildkünstlerischen Gattungen waren durch und durch klassischer Natur: Landschaft, Stillleben und Porträt. Ein besonderes Augenmerk der Werkschau liegt auf dem positivistischen Menschenbild des Künstlers, das sich nicht nur in seiner Aktkunst offenbart, sondern auch und gerade in seinen vielen Darstellungen des Menschen in der Natur oder dem modischen Flaneur, der sich in den Schaufenstern der Großstadt prismatisch gebrochen schillernd spiegelt. Beschlossen wird die 80 Werke umfassende Retrospektive mit Beispielen seiner abstrakten Kunst und angewandten Entwürfen sowie Arbeiten der Maler, die er von Bonn aus im Rheinland inspirierte.

August Macke: Paradies! Paradies? 30.10.2020 bis 14.2.2021 Museum Wiesbaden Friedrich-Ebert-Allee 2 65185 Wiesbaden Die aktuellen Öffnungszeiten finden sich unter: www.museum-wiesbaden.de

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„Leichtes in dieser Zeit”: Titus Grab animierte „als freudige Überraschung am Wegesrand” Kulturschaffende zu Kreationen auf und hängte diese Mobile vor sein Fenster.

„Panta Rhei – es strudelt und strömt teilweise mehr, als uns lieb ist.“ Neues von Integrationspreisträger Titus Grab, Gründervater der inzwischen bundesweit vertretenen „Kunst-Koffer“ und Erfinder der Freiluft-Galerie Kunst-Galerie im Westend.

Stechpaddel verkünden „Wir sind es und wir sind es nicht.“

Mit Bildhauerin Antje Dienstbir ließ Titus Grab kürzlich Interessierte „Kleinode im Westend entdecken“. Von wegen „nicht systemrelevant“: Vom Fiddle & Feet Stepdance bis zur Goldschmiedin Inge Reiner zeigten Kulturschaffende, dass diese Stadt ohne sie „sehr viel ärmer“ wäre.

„Ihnen droht Gefahr!!“ bedeutet die gewaltige rot-weiße Signalflagge, auf der „Covid-19“ und „VerzICHt“ und „Weiter so?“ zu lesen ist. Die in sich spiralförmige Erlenwurzel aus dem Rabengrund bezeugt: Wasser fließt niemals linear, ist immer in sich bewegt.

„Die Verortung der Kunst im Sozialen, im Zwischenmenschlichen“ ist BBK-Mitglied Grab wichtig, siehe die „Skulptur für die Steingasse“.

Die raumhohe Mäander-Stele aus Buchenholz steht in einem Fundament mit „Migrantinnen“ - die grobgerippten asiatischen Körbchenmuscheln kamen am Rheinufer an Land.

Auch der renommierte Psychiatriereformer Dr. Klaus Dörner und Kollegin Dr. Ursula Plog („Irren ist menschlich“) kommen zu Wort: „Nicht der gerade Weg, sondern

Panta Rhei – Alles ist in Fluss Integrationspreisträger Titus Grab krönt sein Stipendium des Kunstvereins Bellevuesaal mit einer sinnlichen Ausstellung

„Die Richtung klar, der Weg offen”. Titus Grab plädiert „für neue Perspektiven” und animiert zum Mäandern. Das Stop-Schild des Lockdowns kann die Basis für den neuen START sein.

Im Bellevuesaal lädt bis zum 20. September seine tiefgründige Schau als eine sinnliche Art von Denk-Mal zum mäandernden SehGang ein. Komponist und Musiker Cornelius Hummel steuerte die Sound-Installation „Celloklang & Wassertöne“ als integralen Bestandteil der Ausstellung bei. Auch die pfiffige Einhaltung der „Corona-Regeln“ sind Teil des Konzepts. „Das Stipendium lief exakt zum Lockdown an“ und sein Thema wurde mit ungeplanter Wucht aktuell. Panta Rhei – Alles ist in Fluss.“

„Der ursprüngliche Rhein”: Das Holzobjekt zeigt den Rhein vor der Begradigung á la J. G. Tulla zwischen Strasbourg und Kehl –Altenheim. 38

der Umweg ist normal, anthropologisch für uns Menschen vorgesehen.“ Titus Grab sieht in dem Virus „eine Chance, wieder neu nachzudenken über alte Fragen“. Er schrieb „Über das Mäandern als gestaltende Kraft“, basierend auf Illustrationen für den Sammelband „Solidarität und Armut in Zeiten von Corona“. Am 20. September (16 Uhr) liest der Künstler vorab aus dem Buch. Ehrensache: Dem Thema Mäandern bleibt Titus Grab weiter treu. www.kunstzurzeit.de Text und Fotos: Gesine Werner

Der Stipendiat, schon lange mit dem Rhein, seiner unnatürlichen Begradigung gemäß Johann Gottfried Tulla und dem Phänomen Mäandern befasst, weiß mit Heraklit:„Das, was ist, zerstreut sich und tritt zusammen und geht heran und geht fort. Alles ist in Fluss“. wiesbadener

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er Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main, das bundesweit exzellente Unikat der „Kultur für Alle“ ist in Zeiten der Pandemie besonders gefragt. Der Dauerbrenner mit Breitenwirkung fördert quer über alle Sparten und hat auch die Freie Szene im Auge. „Wir freuen uns, dass es momentan so zahlreiche Projektanträge gibt, und es ist schön, zu sehen, dass die Lust, etwas auf die Beine zu stellen und Ideen Leben einzuhauchen, ungebrochen ist. So können wir vermelden, dass im „Kleinen Verfahren“ weitere 12 Projekte mit einer Fördersumme von 453.410 Euro bewilligt wurden.“ Kulturfonds-Geschäftsführerin Karin Wolff wünscht viel Erfolg und „Freude beim Pläneschmieden.“ Die Produktion „Wellritzstraße 183“ des Wiesbadener Staatstheaters wird mit 30.000 Euro gefördert. Das Wiesbadener Kinofestival „exground 2020: Fokus Italien“ erhält als Fördersumme 35.000 Euro. „Paradies! Paradies?“ heißt die Ausstellung des Museums Wiesbaden, die vom 30. Oktober 2020 bis 14. Februar 2021 den Maler August Macke zeigt und mit 60.000 Euro unterstützt wird. Das Barockfest Darmstadt 2021, vom Staatstheater Darmstadt

Kulturfonds-Geschäftsführerin Karin Wolff freut sich über zahlreiche Projekte.

Der Rheingau ist jetzt mit an Bord Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main hat mit der Stadt Oestrich-Winkel eine neue Gesellschafterin ausgerichtet, wird mit 65.000 Euro gefördert. „Eigentlich braucht es gar nicht viel Worte, außer: Wir freuen uns so sehr mit den Museen und Ausstellungshäusern, dass sie nun endlich ihre Ausstellungen zeigen bzw. wieder zeigen können“, hatte Karin Wolff im Mai betont. „Da befolgen wir doch gerne die Hygiene- und Schutzmaßnahmen.“ Die Kulturfonds-Chefin animierte: „Schauen Sie sich wieder so richtig satt!“ Das gilt in speziellem Maße für die exzellente Ausstellung „homecoming“ im Landesmuseum Wiesbaden, die den großen Genremaler Ludwig Knaus erstmals wieder in seine Heimatstadt bringt und mit wiesbadener

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170.000 Euro ermöglicht wurde. Das Landesmuseum hat seit dem 12. Mai wieder geöffnet und kann 350 Personen zeitgleich im Haus auf 7000 Quadratmetern mit Abstand und Sicherheit weiträumig flanieren lassen, ist der neue Direktor Dr. Andreas Henning erfreut über rege Resonanz. Dank der Kulanz der Leihgeberinnen und Leihgeber in Amerika, über die Kurator Dr. Peter Forster begeistert ist, wurde die Laufzeit verlängert. Das Knaus`sche „homecoming“ mit der berühmten „Goldenen Hochzeit“ als Schlüsselwerk des 19. Jahrhunderts lädt bis zum 15. November zum Seh-Gang ein. Auch der Rheingau ist jetzt im

Kulturfonds vertreten. Große Freude bescherte die Stadt OestrichWinkel, die nach dreijähriger Kooperationsphase mit „spannenden Veranstaltungen und kulturellen Highlights“ die positive Zusammenarbeit als Mitglied fortsetzen will. Mit dem Gesellschaftervertrag wurde die Mitgliedschaft besiegelt. Für die Gesellschafterin OestrichWinkel unterzeichnete Bürgermeister Kay Tege und für den Kulturfonds Geschäftsführerin Karin Wolff am 19. August 2020 die Urkunde in feierlicher Zeremonie. www.kulturfonds-frm.de Text und Foto: Gesine Werner 39


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WIESBADENER, Ausgabe III / 2020  

Das Magazin für Kunst, KulTouren und Lebensfreude für das westliche Rhein-Main-Gebiet

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