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Wiesbadener Ausgabe II / 2020

Magazin für Kunst, KulTouren und Lebensfreude

COVID 19

Menschen & Meinungen zur Pandemie

Enter the Void Die Lückensucher

Scheue Flieger

Schmetterlingen auf der Spur

Resistance & Sensibility Fotografie aus weiblicher Sicht

HEIMAT EUROPA

Filmfestspiele im Autokino

Ahnung vom Paradies Der Whisky-Vikar im Podcast

Echt und Falsch

Sommertriennale in Bingen

Epidermis

Es war einmal im Juni 1975…

Preis: 6,50 €


Inhalt

......

Collaborazione, 1999, © Bruna Esposito

MENSCHEN

COVID 19 KULTUR

& MEINUNGEN

& KREATIVES

ENTER THE VOID SCHMETTERLINGE RESTISTANCE & SENSIBILITY COMEBACK DES AUTOKINOS HEIMAT EUROPA BBK SCHAUSTELLE SPIRIT MEETS SPIRITUALITY ECHT UND FALSCH EPIDERMIS

Johann Brandstetter, Seidenspinner

S. 4 S. 22 S. 23 S. 24 S. 25 S. 26 S. 28 S. 29 S. 30 S. 31

Letztes Jahr, in unserer Sommerausgabe, konnten Sie an dieser Stelle unter anderem lesen: „Die nächsten Wochen und Monate stehen in unserer Region ganz im Zeichen hochkarätiger, international besetzter Festivitäten. Ob Theatrium in Wiesbaden, Mainzer „Summer in the City”, Nibelungenfestspiel in Worms, Jazzfestival in Idstein oder Darmstädter Sommerperlen – in diesem riesigen Kulturangebot findet jede/r für sich das passende. Garantiert.” Gerne hätten wir diese und andere Kulturveranstaltungen auch in der vorliegenden Ausgabe angekündigt. Doch es kam anders. Zuerst war es weit weg, dann mitten unter uns. Ein Virus noch unbekannter Herkunft hat das gesellschaftliche Leben in unserer Republik (fast) lahm gelegt. Insbesondere Kulturveranstalter litten und leiden immer noch, neben Gastronomie und Hotellerie, unter den massiven Einschränkungen, die wohl notwendig waren, und die erst langsam wieder Stück für Stück aufgehoben werden. Wie sie den Lockdown erlebt haben, wo sie Nachteile aber auch neue Chancen gesehen haben – das haben wir bei einigen Menschen, die uns nahe stehen, nachgefragt. Entstanden sind aufschlußreiche und wirklich lesenswerte Interviews (ab S. 4). Doch es gilt trotz allem, in Abwandlung eines alten Neil Young-Titels: „Art never sleeps”. So in der sehr politischen Ausstellung in der Kunsthalle Mainz (S. 22), bei den Schmetterlingen im Museum Wiesbaden (S. 23), bei der Fotografie aus weiblicher Sicht im Forum Frankfurt (S. 24) und bei den Skulpturen am Binger Rheinufer (S. 30). Vor einem die Leinwand und über einem die Sterne – das Autokino feiert sein Comeback, am eindrucksvollsten vielleicht bei den HEIMAT EUROPA Filmfestspielen im August in Simmern (S. 26), für die der „Heimatler” Edgar Reitz die Schirmherrschaft übernommen hat. Wie angesagt 70er Sound heute sein kann, das beweist das erste Album der Wiesbadener Gruppe „Epidermis”, das 1975 eingespielt , aber erst jetzt veröffentlicht wurde – frisch und aufregend, wie unser Rezensent meint (S. 31). Das und einiges mehr bietet das vorliegende Magazin. Da wünschen wir Ihnen wir immer viel Vergnügen mit Kunst, Kultur und Kulinarik in dieser Ausgabe in diesen ungewöhnlichen Zeiten.

IMPRESSUM: Herausgeberin, Gesamtkoordination & Gestaltung: media futura • Inh. Petra Esser • Balduinstraße 28 • 56856 Zell/Mosel • Tel. 06542.954.00.80 • Fax: 06542.954.00.79 • www.media–futura.de • mail@media–futura.de • Gestaltung: Petra Esser • Redaktion: Petra Esser, Tobias Mahlow, Gesine Werner, Konstantin Mahlow • Anzeigenleitung: Tobias Mahlow • Titelbild: „Schmetterlingen auf der Spur, Johann Brandstetter, Arctiidae, Museum Wiesbaden • Vignetten: Bernd Schneider • Druck: Printgroup GmbH & Co. KG, 97526 Sennefeld • Redaktionsschluss für die Ausgabe III/2020: 20.08.2020 • Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages • alle Fotos und Logos wurden uns – wenn nicht anders dokumentiert – von den porträtierten Personen/Institutionen zur Verfügung gestellt. WIESBADENER

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Gemeinsam allem gewachsen.

gemeinsamallemgewachsen.de

Gemeinschaft kommt nicht von allein. Gemeinschaft kommt von schaffen. Darum unterstützen wir Sportler, Künstler, Unternehmer vor Ort und all die anderen, die sich für andere stark machen.

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MENSCHEN

&

MEINUNGEN

Foto: © fabian19, www.fotosearch.de, Stock Photography

COVID 19

Menschen & Meinungen zur Pandemie Wer hätte das zu Beginn des Jahres 2020 gedacht? Ein Virus – COVID 19 – Corona – hält die ganze Welt an. Eigentlich haben doch zu Beginn der Meldungen aus China noch (fast) alle gedacht: „China ist weit weg“; vielleicht wurde noch mit Empathie der armen betroffenen Menschen gedacht und mit leichtem Entsetzen die rasche Ausbreitung in China verfolgt. Aber, dass das Virus alle Grenzen überwinden würde, lag so fern, wie China. Und dann war es da! Von jetzt auf gleich wurde unsere kleine Welt angehalten. Unser Leben wurde auf Eis gelegt, die Wirtschaft stand still und das in einem Tempo, das wir uns vorher nie hätten vorstellen können. Plötzlich gab es Homeschooling und Home-Office; Lebensmittel 4

wurden knapp, Existenzen über Nacht (zunächst) stillgelegt. Wir blieben zuhause! Seither gibt es „systemrelevante“ Berufe, die in unseren Fokus gerückt sind. Und niemand kannte und kennt die Auswirkungen des Virus – weder gesundheitlich noch gesellschaftlich. Die wirtschaftlichen Auswirkungen waren sofort zu spüren – Hilfspakete wurden geschnürt, und es gab – wenn auch eher kläglich – den Versuch, die gesundheitlichen Folgen der Pandemie für die sogenannten Risikogruppen (Alte und Vorerkrankte) gering zu halten. Verschwörungstheorien breiteten sich aus. Nun leben wir seit Monaten mit der Pandemie, erleben Beschränkungen, Lockerungen, setzen uns mit neuen Ängsten und vielleicht auch Freiheiten auseinander.

Wir haben Menschen aus Wiesbaden und Mainz zu ihren Erlebnissen und Eindrücken zum Leben mit COVID 19 befragt. Herausgekommen sind sehr persönliche und offene Aussagen zur Pandemie. Jede(r) hat eigene Beobachtungen, Gedanken in den Interviews einfließen lassen – und wer weiß, vielleicht erkennen Sie sich in der einen oder anderen Aussage wieder. Wir bedanken uns bei allen Menschen, die den Mut hatten, uns mit ihren Antworten zu bereichern und uns dadruch einen Einblick in ihr Leben gestattet haben. Vielen Dank an die Interviewpartner und viel Spaß den Leserinnen und Lesern beim Lesen! WIESBADENER

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MENSCHEN

&

MEINUNGEN

Foto: © matoommi www.fotosearch.de

Petra Bermes

Selbständige Friseurmeisterin aus Wiesbaden Was war der erster Gedanke, als der sogenannte „Lockdown“ beschlossen und umgesetzt wurde? Das ist eine gute Idee! Wie hat dich die Krise getroffen? Ich hatte zwei Monate lang kein Einkommen. Wie bist du damit umgegangen, welche Möglichkeiten hattest du, selbst mit den Beschränkungen umzugehen? Habe freiwillig, schon eineinhalb Wochen vor dem Verbot Haare zu schneiden, aufgehört, um meine Kunden und mich zu schützen. Haben sich die Beschränkungen auf deine Arbeit / auf dein Leben ausgewirkt, wenn ja, wie? Ich hatte keinen Verdienst und als Soloselbstständige auch keine staatliche Unterstützung. Ist/war deine Existenz bedroht? Wenn es länger gedauert hätte, WIESBADENER

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oder ein erneuter „Lockdown“ verhängt würde, definitv JA. Hast du durch die Krise etwas Neues in deinem Leben entdeckt, was nun in den Mittelpunkt gerückt ist? Ich habe für mich die Sicherheit entdeckt, immer irgendwie durch zu kommen. Haare schneiden = Handwerk sichert mir das wirtschaftliche Überleben. Kannst du für dich „positive Aspekte“ feststellen, die die Krise erst hervorgebracht hat? Dass es möglich ist mit weniger Konsum auszukommen; eine Erkenntnis, die ich schon früher hatte und mir nun wieder mehr ins Bewusstsein gerückt ist. Kannst du für dich „negative Aspekte“ feststellen, die die Krise erst hervorgebracht hat? Nein.

Was wünschst du dir für die Zukunft? Gibt es etwas, das du aus dieser Situation gerne mitnehmen möchtest oder auf das du auf jeden Fall verzichten möchtest? Die kleinen Dinge im Leben zu schättzen; sich Zeit und Muße für sich und seine Familie/Freunde/ Tiere zu nehmen. Petra Bermes, selbständige Friseurmeisterin teilt sich mit der Schmuckdesignerin Cornelia Heyner (Schmuckladen SAXSIN) einen Laden im Wiesbadener Nerotal. Petra im Nerotal Nerotal 16 65193 Wiesbaden Termine nach Vereinbarung: 0160-9-958-3115 5


MENSCHEN

&

MEINUNGEN

Was war dein erster Gedanke, als der sogenannte „Lockdown” beschlossen und umgesetzt wurde? Zu diesem Zeitpunkt war ich in Portugal. Dort wurde der „Lockdown" früher und strenger eingeführt als hier. Ich fand es anfangs merkwürdig, habe es aber als notwendig sofort akzeptiert. Die Situation hat etwas Surreales, weil das Virus nicht sichtbar ist, vor allen Dingen, wenn man keinen Kontakt zu Infizierten hat. Ansonsten war ich in Portugal auf dem Land. Dort war alles wie immer: wunderschön.

Der Verlust, 30x30 cm

Anna Bieler

Malerin aus Wiesbaden Anna Bieler beim Arbeiten in Portugal

Wie hat dich die Krise getroffen? Zunächst wurden zwei verschiedene Flüge zurück nach Deutschland gecancelt. Mit dem dritten, zu einem anderen Flughafen, hat es dann geklappt. Hier lebe ich mit meiner Familie in einem Wohnprojekt. Deswegen ist es nie einsam um mich herum. Bei dem meistens guten Wetter können wir auch gut raus: in den Garten oder spazieren gehen. Unsere Kinder sind inzwischen so groß, dass sie ohne unsere Hilfe Online-Schule und OnlineUni machen können.

Anna Bieler wurde 1968 in Thessaloniki (Griechenland) geboren; hier verbrachte sie die ersten fünf Jahre ihrer Kindheit.Nach einem Aufenthalt in Deutschland lebte sie von 1977 bis 1982 in Lissabon. Später studierte sie Kunst zunächst für ein Jahr am Waldorf-Institut in Witten/Annen und danach Kunsterziehung an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Dort wechselte sie an die Freie Kunstakademie, an der sie ihr Studium im Jahre 1997 mit einem Diplom abschloss. Heute arbeitet sie als freischaffende Künstlerin in Wiesbaden und Südportugal und lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in einem Wohnprojekt in Wiesbaden. www.annabieler.de Wie bist du damit umgegangen, welche Möglichkeiten hattest du, selbst mit den Beschränkungen umzugehen? Ich teile mir mit zwei anderen ein wunderschönes Atelier. Es ist so groß, dass ich zum Arbeiten in der Regel alleine in einem Raum bin. Das ist ein großes Glück. Ausstellungen haben sich ins Internet verlagert. Ich bin an zwei OnlineAusstellungen beteiligt. Bei einer

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anderen, vom BBK Wiesbaden in dessen neuen Räumen geplanten Ausstellung, die ebenfalls abgesagt bzw. verschoben werden musste, zeigen die Beteiligten abwechselnd ein Werk im Schaufenster. Dieses wiederum wird laufend online bei einer Zeitung veröffentlicht. Ansonsten sitze ich auch viel zu Hause am Computer. Dort bereite ich u.a. kommende Ausstellungen vor und pflege meine Webseite.

Ausstellungen: – Laufende Online-Ausstellungen bei GEDOK (www.gedokwi-mz.de/kuenstler) und WIESBADENER/KULTIPP (wiesbadenerkultipp.jimdofree.com/ ausstellungen/anna-bieler/). – Gemeinschaftsausstellung in der Galerie Sonia Monti in Paris im September 2020. – ARTe in Wiesbaden vom 25. bis 27.September 2020 – “Ich ziehe an mein weißes Kleid – Gedanken zum Frieden” vom 9. bis 22. November 2020 in der Citykirche Koblenz. Die von der Gedok organisierte Ausstellung ist in die neu initiierten „Koblenzer Friedenstage“ integriert. Dazu wird es ein umfassendes Programm geben. Änderungen durch Corona oder zusätzliche Ausstellungen unter: www.annabieler.de Haben sich die Beschränkungen auf deine Arbeit / auf dein Leben ausgewirkt, wenn ja, wie? Wie oben beschrieben kann ich sehr gut arbeiten. Das verstärkte Zurückgeworfensein auf sich selber unterstützt mich in dem künstlerischen Anliegen, mich an das Wesen des Menschsein, sein Leben und auch Sterben, heranzutasten. Durch den Lockdown fallen etliche Termine aus, wir sind abends Zuhause. In meinem Fall ist dadurch eine gewisse Entspannung und Ruhe eingetreten. Die Familie hat mehr Kontakt zueinander als sonst. Ich genieße es auch sehr, dass die Straßen leerer, stiller und sauberer geworden sind. Ist/war deine Existenz bedroht? Da ich keine Kurse anbiete, die jetzt ausfallen, befinde ich mich mehr oder weniger in der gleichen finanziellen Situation wie sonst: Entweder ich verkaufe etwas oder WIESBADENER

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MEINUNGEN

nicht, was auch ohne Ausstellungen möglich ist. D.h., dass ich finanziell sowieso abgesichert sein muss, unabhängig von Verkäufen oder Corona. Hast du durch die Krise etwas Neues in deinem Leben entdeckt, was nun in den Mittelpunkt gerückt ist? Es ist nichts Neues in den Mittelpunkt meines Lebens gerückt. Kannst du für dich „positive Aspekte" feststellen, die die Krise erst hervorgebracht hat? Ich habe den Eindruck, dass die Menschen etwas aufmerksamer miteinander umgehen. Und dass bei manchen ein neues Bewusstsein entsteht für die Ressourcen, die wir auf der Erde haben. Dass sie die Erfahrung machen, dass wir auch anders leben können. Kannst du für dich „negative Aspekte" feststellen, die die Krise erst hervorgebracht hat? Schlimm finde ich es, wenn manche Sündenböcke suchen, Verschwörungstheorien entwickeln und verbreiten, wenn die extreme Rechte Zulauf bekommt. Schlimm finde ich, wenn Grenzen dicht gemacht werden, besonders gegenüber Geflüchteten. Schlimm finde ich auch, wenn ich sehe, wie manche an ihre finanzielle oder emotionale Belastungsgrenze stoßen und andere psychisch durchdrehen, weil sie die Situation nicht verkraften. Und unseren Kindern fällt die Decke auf den Kopf….. besonders die schulpflichtige Tochter freut sich sehr, wenn der Unterricht wieder losgeht! Was wünschst du dir für die Zukunft? Gibt es etwas, das du aus dieser Situation gerne mitnehmen möchtest oder auf das du auf jeden Fall verzichten möchtest? Ich wünsche mir für die Zukunft, dass die Menschen sensibler im Umgang miteinander bleiben und ich wünsche mir, dass die Erfahrung, dass wir gut oder vielleicht sogar besser leben können, wenn wir auf manchen Luxus verzichten, dazu führt, dass wir umweltfreundlicher leben und mehr auf soziale Gerechtigkeit achten.

Priesterin, 180x80 cm

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MENSCHEN

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MEINUNGEN

„Die Feder der Solidarität“

Susanne Geiger

feilgold – Goldschmiedemeisterin aus Wiesbaden

Was war dein erster Gedanke, als der sogenannte „Lockdown” beschlossen und umgesetzt wurde? Da kommt was auf uns zu und hoffentlich kann ich wenigstens noch zu meiner Werkstatt kommen. Wie hat dich die Krise getroffen? Auf meinem sonntäglichen Spaziergang im Wald, den ich auch am 15. März machte, kam mir der Gedanke der „Feder der Solidarität“, die ich dann ins Leben gerufen habe, und da ich dann 3 Wochen lang diese Federchen angefertigt (was ich übrigens immer noch mache, nur nicht mehr so zeitintensiv) und verschickt habe, gab es gar nicht so viel Zeit zum Nachdenken. So ist mir erst ein paar Wochen später klar geworden, dass es ab dem „Lockdown“ erst mal überhaupt keine Anfragen gab, was sich glücklicherweise schon längst wieder verändert hat. Wie bist du damit umgegangen, welche Möglichkeiten hattest du, 8

selbst mit den Beschränkungen umzugehen? Arbeiten kann ich immer, Ideen sind ja in Massen vorhanden. Ich hatte die Vorstellung, jetzt mit der neuen Ausstellungsvorbereitung anzufangen und Schmuckstücke für die Vitrine anzufertigen, was ja durch mein Tagesgeschäft immer hinterherhinkt. Also Angst vor dem Nichtstun gibt es bei mir nicht. Haben sich die Beschränkungen auf deine Arbeit / auf dein Leben ausgewirkt, wenn ja, wie? Auf meine tatsächliche Arbeit gab es keine Auswirkungen. Meine Arbeit ist ja eine sehr zurückgezogene Tätigkeit, bei der ich überwiegend alleine mit mir bin. Natürlich dürfen Menschen zu mir in die Werkstatt, um mein Handwerk zu sehen, um Aufträge zu bringen, zum Schauen, zum Kaufen usw.. Aber die Arbeit selbst ist einsam im positiven Sinne - man muss also sowieso mit sich selbst gut auskommen und das Alleinsein lieben, WIESBADENER

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MEINUNGEN

Susanne Geiger Am 17. März 2020 startete Susanne Geiger mit einer großartigen Aktion, um auch in der Pandemie ein Zeichen der Solidarität und Kreativität zu setzen! Die Goldschmiedemeisterin kreiierte “Die Feder der Soliarität”, eine Goldschmiedearbeit mit Signalwirkung! Zum einen musste sich rasch überlegt werden, wie in den kommenden Wochen, ggf. sogar Monaten finanziell überlebt werden konnte, zum anderen sollte natürlich etwas an uns alle zurückgegeben werden. Mehr zu dieser Aktion, die erfolgreich weiter läuft direkt bei Susanne Geiger oder unter: wiesbadenerkultipp.jimdofree.com feilgold me. Susanne Geiger Am Schlosspark 103 65203 Wiesbaden 0171-3134456 0611-4503286 info@feilgold.de www.feilgold.de sonst ist diese Arbeit nicht möglich. Damit komme ich nicht nur gut klar, je älter ich werde, desto mehr brauche ich das auch. Ist/war deine Existenz bedroht? Momentan ist das kein Thema, auch wenn ich natürlich immer dran bleiben muss. Schließlich ernähre ich meine Familie und mich nur mit meiner Arbeit. Mittelfristig wird das sicher ein spannendes Thema für uns alle. Dennoch denke ich, dass gerade für Arbeiten wie meine immer Menschen brennen, schließlich heiratet man bekanntlich zu allen Zeiten, und gerade in solchen vielleicht nicht so verschwenderischen Zeiten möchten die Menschen Qualtität und Wert. Und die Seele braucht immer Nahrung durch Schöneit, durch Kunst. Hast du durch die Krise etwas Neues in deinem Leben entdeckt, was nun in den Mittelpunkt gerückt ist? Es ist nichts Neues in den Mittelpunkt meines Lebens gerückt. WIESBADENER

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Kannst du für dich „positive Aspekte" feststellen, die die Krise erst hervorgebracht hat? Noch wichtiger ist für mich der Umgang mit Ernährung und Bewegung geworden. Ich habe mir endlich die Zeit genommen, dies noch intensiver in meinen Alltag zu rücken – es scheint zu funktionieren und ich fühle mich immer wohler. Und ich bin noch glücklicher, als sonst darüber, auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen.

Kannst du für dich „negative Aspekte" feststellen, die die Krise erst hervorgebracht hat? Nein, nicht wirklich.

Ausstellungen/ Workshops: Über Workshops und Ausstellungen informieren Sie sich am besten auf der Webseite der Goldschmiedemeisterin: www.feilgold.de Natürlich ist die Goldschmiede nach Absprache auch für Sie weiterhin geöffnet. Aufträge werden gerne entgegen genommen. Änderungen durch Corona vorbehalten. 9


MENSCHEN

&

MEINUNGEN

ders gefährdeten Risikogruppe. Wir waren und sind sehr vorsichtig. Haben sich die Beschränkungen auf deine Arbeit / auf dein Leben ausgewirkt, wenn ja, wie? Meine künstlerische Arbeit war und ist erstaunlich wenig betroffen. Geplante Ausstellungen im Klingspor Museum und im Kunstverein Aschaffenburg sollen unter Beachtung der neuen Hygiene- und Vorsichtsregeln stattfinden. Zwar ohne die übliche Eröffnungsfeier, aber da überlegen die Veranstalter auch schon alternative Konzepte. Ich finde es sehr gut, dass gerade jetzt, wo das kulturelle Leben stark eingeschränkt ist, eine Ausstellung besucht und nicht nur online erlebt werden kann. Da in den meisten Museen weniger Besucher als im Supermarkt oder im Baumarkt sind, sehe ich da keine Gefahr, wenn alle sich an die Sicherheitsregeln halten.

Ausstellungen:

Sandra Heinz beim Hängen der Grafikserie „von B“, 2019

Sandra Heinz Künstlerin aus Mainz Was war dein erster Gedanke, als der sogenannte „Lockdown” beschlossen und umgesetzt wurde? Wie hat dich die Krise getroffen? Es kam für mich sehr plötzlich. Lange hatte ich gedacht, dass wir hier nicht so direkt betroffen sein würden. Am 10. März hatten wir noch in großer Runde und ohne Sicherheitsabstand im Haus Burgund die Ausstellung Rencontre / Begegnung_eine Synopse eröffnet. Ein Projekt, das ich während meines Stipendiums in der Saline Royale in Frankreich realisiert habe und zu dem ich die Künstlerinnen Christiane Schauder und Ana Sladetic eingeladen hatte. Es basiert auf einer Verbindung der Partnerstädte Mainz, Dijon und Zagreb. Ana Sladetic war zur Eröffnung eigens aus Zagreb angereist. Mit dem ‚Lockdown‘ war die Bedrohung 10

dann greifbar. Einerseits fand ich es für alle Beteiligten sehr schön, dass die Eröffnung in der Form hatte stattfinden können. Andererseits habe ich mir Sorgen gemacht, ob sich jemand infiziert haben könnte. Zum Glück habe ich von keinem Fall gehört. Wie bist du damit umgegangen, welche Möglichkeiten hattest du, selbst mit den Beschränkungen umzugehen? Das kulturelle Leben, Treffen mit Freunden sind auf null runter gefahren. Man hat über das Telefon versucht, Kontakt zu halten. Wir haben uns an alle Kontaktbeschränkungen gehalten. Ist/war deine Existenz bedroht? Mein Mann gehört zu einer beson-

– Klingspor Museum Offenbach 27. Juni – 13.September 2020 Bedeckt und unbedeckt. Körper und Identität Virtueller Rundgang: www.youtube.com/channel/ UC1fIEwvvzqn2Qfvy-ZYf-5Q – Kunstverein Aschaffenburg 26. Juli – 13. September 2020 2-gather – Kunstarche / Stadtarchiv Wiesbaden 21.Oktober – 4. Dezember 2020 Hiob – immer wieder Hiobsbotschaften Änderungen durch Corona oder zusätzliche Ausstellungen unter: sandraheinzblog.wordpress.com Hast du durch die Krise etwas Neues in deinem Leben entdeckt, was nun in den Mittelpunkt gerückt ist? Die Fragilität unserer ‚Normalität‘. Wie verletzlich unser System ist – ich hätte nie gedacht, dass sich so schnell, so viele Dinge ändern können. Dinge, die bis dahin selbstverständlich waren, sind von jetzt auf gleich nicht mehr möglich oder können eine Gefährdung darstellen. Kannst du für dich „positive Aspekte” feststellen, die die Krise erst hervorgebracht hat? Weniger unterwegs zu sein, war nicht nur schlecht. Es hat auch zu WIESBADENER

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MEINUNGEN

Sandra Heinz Erinnern, Sammeln, Bewahren und Archivieren – das sind die Bezugspunkte in den Arbeiten der Mainzer Künstlerin Sandra Heinz. Alltägliche Materialien erfahren einen Transformationsprozess und werden zu Kunst. Bei den Zeitungsarchiven wurden Informationen der Printmedien durch Weißen und Wachsen konserviert und transformiert, und Kleidungsstücke werden in den Händen von Sandra Heinz durch Bearbeitung mit verschiedenen Materialien zu neuem Leben erweckt. Das sind nur zwei von zahlreichen Projekten der Künstlerin, die stellvertretend genannt werden. Auffallend ist auch ihre Vorliebe für Serien. Atelier: Schießgartenstraße 10 (Eingang: Stiftsstraße 1) 55116 Mainz sandraheinzblog.wordpress.com mail@sandra-heinz.com einer Entschleunigung des Alltags beigetragen. Und ohne die vielen Flieger ist es sehr viel ruhiger ! Kannst du für dich „negative Aspekte” feststellen, die die Krise erst hervorgebracht hat? Sehr negativ und auch bedrohlich empfinde ich die Tendenz zu Irrationalem, dass es Menschen gibt, die an Verschwörungstheorien glauben, die Ausnutzung der Situation, um andere zu manipulieren.

Sandra Heinz, Unantastbar, 2020

Was wünschst du dir für die Zukunft? Gibt es etwas, dass du aus dieser Situation gerne mitnehmen würdest? Ich würde mir wünschen, dass das erzwungene Innehalten zum Umdenken genutzt wird. Zum Beispiel in Bezug auf die Organisation des Gesundheitswesens, eine gerechtere Bezahlung der Menschen in den systemrelevanten Berufen, Investitionen in klimafreundliche, nachhaltige Wirtschaftsprojekte… Ein Umdenken, im Hinblick auf das, was man wirklich braucht.

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Sandra Heinz, Verschmelzung 2020

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MENSCHEN

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MEINUNGEN

Was war dein erster Gedanke, als der so genannte „Lockdown” beschlossen und umgesetzt wurde? Ich dachte erst, das ist alles „Panikmache”. Wie hat dich die Krise getroffen? Erst mal mit Unverständnis, vor allem, wie sich manche Leute verhalten haben.

Iris Kaczmarczyk – Ausbildung zur Fotografin 1984 – Abschluss im Fachbereich Gestaltung 1985 – Fachseminar für Bildjournalismus 1995 – Gründung der ersten digitalen Bildagentur in Deutschland, 1996

Iris Kaczmarczyk

Künstlerin und Fotografin aus Wiesbaden

– Workshop zum Thema “Reportagefotografie“, Italien, 2001 – Gründung der ersten Bildagentur mit Abosystem, Wiesbaden, 2003 – Mitbegründerin + Organisatorin der Wiesbadener Fototage 2002. Erstellung der Flyer, Plakate + Kataloge bis 2017 – Fotoprojekt, “Wiesbaden zeigt Gesicht”, ein Kunstprojekt im Rahmen der Wiesbadener Fototage 2007 – Mitorganisatorin der TatorteKunst, Wiesbaden 2012. Erstellung der Flyer, Plakate + Kataloge bis 2018 – Kunstprojekt “Wer sind die anderen” mit Schülern im Bereich Fotografie, 2019 Wie bist du damit umgegangen, welche Möglichkeiten hattest du, selbst mit den Beschränkungen umzugehen? Da ich sonst viel von zu Hause arbeite, betrafen mich die Änderungen gefühlt erst mal gar nicht. Erst später merkte man, wie einschränkend die Beschränkungen sind. Haben sich die Beschränkungen auf deine Arbeit / auf dein Leben ausgewirkt, wenn ja, wie? Ja klar! Alles brach sofort weg. Keine Aufträge mehr. Alle Ausstellungen wurden abgesagt. Die angekündigten Aufträge wurden auf das Minimum reduziert oder

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MENSCHEN

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MEINUNGEN

verschoben. Ich drehte erst mal Däumchen und war wie gelähmt. Ich wartete ab, was passierte. Ist/war deine Existenz bedroht? Ja, keine Einnahmen seit März. Doch mit dem Zuschuss der Regierung konnte ich zumindest die ersten 3 Monate meine Kosten decken. Und somit konnte ich mich beruhigter zurück lehnen und mich auf Dinge konzentrieren, die immer schon anstanden und die nun umgesetzt werden konnten. Hast du durch die Krise etwas Neues in deinem Leben entdeckt, was nun in den Mittelpunkt gerückt ist? Auf mich bezogen hat sich nichts geändert, aber ich beobachte die Menschen und merke, wie sich die Gesellschaft noch mehr durch die Krise gespalten hat. Man geht sich noch mehr aus dem Weg als zuvor. Vorsicht und kein Vertrauen. Kannst du für dich „positive Aspekte” feststellen, die die Krise erst hervorgebracht hat? Es fliegen wenige Flugzeuge, kaum Kreuzfahrtschiffe sind auf dem Meer, und die Natur erholt sich. Was ich wirklich gut finde ist, dass es keine Sportveranstaltungen gibt, keine Formel 1, kein Fußball, keine Olympiade. Auch Großveranstaltungen vermisse ich nicht. Es fühlt sich alles ruhiger an, und man hört die Vögel wieder zwitschern!

Margarite

Was wünschst du dir für die Zukunft? Gibt es etwas, dass du aus dieser Situation gerne mitnehmen möchtest oder auf das du auf jeden Fall verzichten möchtest?

Ich wünsche mir das bedingungslose Grundeinkommen. Für die Natur finde ich es weiterhin gut, wenn sie sich erholen könnte und man auf Dinge, die Co2 ausstoßen, mehr verzichten würde.

Kannst du für dich „negative Aspekte” feststellen, die die Krise erst hervorgebracht hat? Ja, keine Jobs, keine sozialen Kontakte, keine Kunst und Kultur und kein Urlaub.

Was passiert für dich in Zukunft, gibt es Neuigkeiten? Eigentlich erst Mal nicht viel, aber die Künstlergruppe50 bereitet ihre Ausstellung im Stadtmuseum am Markt vor. Sie findet vom 04.09. bis 27.09.2020 zu den Öffnungszeiten des SAM statt. Ich stelle mit aus und gestalte den dazugehörigen Katalog und den Flyer sowie das Plakat. WIESBADENER

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Erdbeeren

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MEINUNGEN

Christiane Schauder

Christiane Schauder Künstlerin aus Mainz Was war dein erster Gedanke, als der sogenannte „Lockdown” beschlossen und umgesetzt wurde? Mein 1.Gedanke war, na dann kommst Du endlich mal zu den Sachen, die Du schon lange machen wolltest... Und dann habe ich mich auch gleich freiwillig in Quarantäne begeben, da ich vorher ziemlich viele Kontakte zu Leuten hatte.

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Wie hat dich die Krise getroffen? Erst mal dachte ich, so 2-3 Monate Vorsicht und Zurückhaltung sind wohl nicht so schlimm, und jetzt geht es eben nicht anders. Wie sich gezeigt hat, ging´s uns in Deutschland im Vergleich zu vielen anderen Ländern ziemlich gut. Ziemlich betroffen haben mich die Bilder aus New York gemacht, wo wir früher oft waren und viele Freunde haben.

Ausstellungen/ Konzerte/Neuigkeiten

Wie bist du damit umgegangen, welche Möglichkeiten hattest du, selbst mit den Beschränkungen umzugehen? Ich habe sofort alle Veranstaltungen (Konzerte und Lesungen) in meinem Atelier abgesagt, und mein Terminkalender hat sich schlagartig geleert. Nach meiner Quarantäne bin ich aber wieder in mein Atelier zur Arbeit gegangen, wo ich ja ohnehin alleine arbeite;

Freut euch auf unsere BAL/KON/ ZERTE in Mainz (Termine auf der Webseite: www.ChristianeSchauder.de) und auf Events und Ausstellungen am zusätzlichen neuen Standort in Mainz (Infos auch hier auf der Webseite).

– „Rencontre”, Gemeinschafts ausstellung, imHaus Burgund Große Bleiche 29, 55116 Mainz, um Anmeldung wird gebeten unter info@haus-burgund.de. – Designhaus Jungpunkt, Fischtorstraße 2, 55116 Mainz – Initiative Kultur-Akut-Mainz www.kultur-akut-mainz.de

Alle Infos zu aktuellen und zukünftigen Ausstellungen & Veranstaltungen sind ebenfalls auf der Webseite zu finden. WIESBADENER

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MEINUNGEN

Christiane Schauder geboren 1955 in Simmern/ Hunsrück, studierte an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz und als Gaststudentin an der Städelschule, Frankfurt. Seit 1984 lebt sie als freischaffende Künstlerin in Mainz, mit gelegentlichen Lehraufträgen im In- und Ausland, u.a. zwischen 2002 und 2007 an verschiedenen Akademien in der VR China. Stipendien führten sie 1990 zu einem internationalen Künstlersymposion nach Baku, Aserbaidschan, 1991/92 für ein Jahr nach Soest, 2001 als Stipendiatin des Landes Rheinland-Pfalz für 3 Monate nach Beaune, Frankreich, sowie 2011 und 2012 für mehrere Monate in die Künstlerresidenz “La Turbine” in Burgund. Trägerin der Landesverdienstmedaille Rheinland-Pfalz und der Gutenbergplakette der Stadt Mainz. Atelier: Schießgartenstraße 10 (Eingang: Stiftsstraße 1) 55116 Mainz Galerie ZWEITSTELLE Fuststraße 2, 55116 Mainz Öffnungszeiten immer freitags von 16-20 Uhr und nach Vereinbarung (0172-6120766 www.Christiane-Schauder.de zum Einkaufen bin ich nur raus, wenn´s unbedingt nötig war. Haben sich die Beschränkungen auf deine Arbeit / auf dein Leben ausgewirkt, wenn ja, wie? Auf die Arbeit direkt eigentlich nicht, aber zwei Ausstellungen, die gerade eröffnet waren, wurden gleich wieder geschlossen; und auch eine Reise in die USA musste (hoffentlich nur!) verschoben werden. Am meisten haben mir die Kulturveranstaltungen am Abend gefehlt! Jeden Abend zuhause zu sein, bin ich einfach nicht gewöhnt, und Kultur online ist einfach kein Ersatz. Ist/war deine Existenz bedroht? Zum Glück hatte ich ein paar Rücklagen, die zwar für einen längst fälligen, neuen Werkkatalog geplant waren, dennoch Glück im Unglück, denn in anderen Jahren hätte das ganz anders aussehen können. Als freischaffende Künstlerin ist meine Existenz ja nie sicher, aber da ich seit mehr als 30 Jahren von meiner Arbeit leben konnte, dann wird es WIESBADENER

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Christiane Schauder – Installation bei Jungpunkt, Mainz

auch jetzt irgendwie gehen. Notfalls lerne ich halt Spargelstechen oder Obst ernten... Hast du durch die Krise etwas Neues in deinem Leben entdeckt, was nun in den Mittelpunkt gerückt ist? Ja, mir ist ein leerstehender Laden mitten in Mainz kostenlos (außer Nebenkosten) angeboten worden, den ich als Galerie und für kleine Events nutzen werde. Ich bin gerade mit Begeisterung dabei, den Raum einzurichten und Pläne für kleinere Veranstaltungen zu machen, je nachdem, was man wieder darf. Und dafür habe ich sogar eines der Projektstipendien des Landes erhalten. Und, statt meiner Atelierkonzerte, machen wir bei uns zuhause von unserem Balkon im 1.Stock seit Anfang Juni BAL/KON/ZERTE, für die Nachbarn an deren Fenstern und Balkons und für Gäste in unserem Garten. Das soll auch den Sommer über so weiter gehen. Kannst du für dich „positive Aspekte” feststellen, die die Krise erst hervorgebracht hat? Ja, die Entschleunigung in vielen Lebenslagen. Die Freude an scheinbar selbstverständlichen Dingen des Alltags. Lange Telefonate mit Freunden. Die Ruhe draußen und die positiven Aspekte für die Umwelt durch die weggefallenden Verkehrsströme. Außer für Lebensmittel und gelegentlich eine CD oder ein Buch keine Lust mehr auf Konsum. Die Hilfsbereitschaft anderer Leute untereinander, die ich u.a. bei unserer Künstlersoforthilfe

www.kultur-akut-mainz.de spontan erlebt habe, womit wir durch Spenden notleidenden Kulturschaffenden unbürokratisch helfen können. Kannst du für dich „negative Aspekte” feststellen, die die Krise erst hervorgebracht hat? Ich kann überhaupt nicht verstehen, dass manche Leute durch ihr fahrlässiges Verhalten und Rücksichtslosigkeit andere Menschen gefährden. Die entsprechenden Demos der letzten Zeit finde ich geradezu grotesk. Und was die Hamstermentalität der Deutschen betrifft, da weiss ich nicht, ob ich heulen oder lachen soll... Was wünschst du dir für die Zukunft? Gibt es etwas, dass du aus dieser Situation gerne mitnehmen möchtest oder auf das du auf jeden Fall verzichten möchtest? Ich wünsche mir ein ganz neues Konzept für unser dringendstes weltweites Problem, die Klimaveränderung. Corona hat gezeigt, dass es auch anders geht, und man nicht ständig zu irgendwelchen Konferenzen oder Urlaubszielen jetten muss. Und auch wenn Telcos und Videokonferenzen manchmal anstrengend sind: Vieles lässt sich doch online erledigen, nur die Kunst nicht! Und vielleicht behalten wir ja das Erleben bei, wie schön es ist, andere Menschen bewußt zu treffen und zu kommunizieren. Ich habe auch festgestellt, dass einige Leute kreativ mit der Not umgehen, die sie eben erfinderisch macht. Das macht doch 1000mal mehr Freude als Konsum. 15


MENSCHEN

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MEINUNGEN

Bernd Schneider

Was war dein erster Gedanke, als der sogenannte „Lockdown” beschlossen und umgesetzt wurde? „Hoffentlich kann ich noch problemlos ins Atelier gehen”. Wie hat dich die Krise getroffen? Die Auswirkung für mich persönlich war eher gering, da sie nicht meine Existenz betrifft. Anders als bei viele andere, die ich kenne. Wie bist du damit umgegangen, welche Möglichkeiten hattest du, selbst mit den Beschränkungen umzugehen? Glücklicherweise war die Beschränkung in Hessen nicht so streng wie in anderen Bundesländern (Bayern). Ich konnte also jederzeit ins Atelier gehen und immer kleine Ausflüge mit dem Rad machen. Da ich den ganzen Februar nach einer Operation nicht fahrradfahren konnte, war der Fahrradsport für mich sehr wichtig, um meine Kondition wieder zu erlangen. Das Wetter im März und April war trocken und es wurde zunehmend wärmer und die Strecken im Taunus immer länger. Das hat meine Kondition verbessert. Das wichtigste … ich hatte nie das Gefühl, dass mir

Sorry, schon wieder keine Serie

Ausstellungen Die nächste Ausstellung mit Aktion ist am 3. September 2020 im “halbNeun Theater” Darmstadt geplant. halbNeun Theater Sandstraße 32 64283 Darmstadt halbneuntheater.de Änderungen durch Corona vorbehalten.

Bernd Schneider Künstler aus Wiesbaden 16

die Decke auf den Kopf fällt. Haben sich die Beschränkungen auf deine Arbeit / auf dein Leben ausgewirkt, wenn ja, wie? Die Kommunikation war schwieriger. Z.B. hatten wir (Tatorte Kunst) Telefonkonferenzen, die für mich sehr anstrengend waren (ich bin hörbehindert) und bei denen ich mehr Probleme hatte als sonst, mich einzubringen. Ist/war deine Existenz bedroht? Nein, als Rentner hat sich für mich finanziell nichts geändert. Außer, dass ich weniger Geld ausgeben konnte. Hast du durch die Krise etwas Neues in deinem Leben entdeckt, was nun in den Mittelpunkt gerückt ist? Nein WIESBADENER

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MENSCHEN

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MEINUNGEN

Lauter

Bernd Schneider – 1972 bis 1975 Studium der Visuelle Kommunikation (Graphik Design) – 1977 Veröffentlichung des Buches „Zum Teufel“ (Kurzgeschichten) – 1979 bis 1986 Mitverleger des Newlit Verlages Glatteis, EXIT und Autor sowie Spiele: Endspiel, Demorakel und Schwarzmarkt, – 1988 Aufführung des Theater stücks „Nach mir jede Sinnflut die ihr wollt“ bei dem 8. Tatatjaja Festival in Mainz. – Seit 1989 verschiedene Einzelund Gruppenausstellungen sowie Kunstaktionen. – Mitglied im Orga-Team der „Tatorte Kunst“ Wiesbaden bernd.zeichnet@web.de Kannst du für dich „positive Aspekte” feststellen, die die Krise erst hervorgebracht hat? Nein Kannst du für dich „negative Aspekte” feststellen, die die Krise erst hervorgebracht hat? Das Zusammensitzen mit Freunden und Verwandten hat mir schon gefehlt. Ansonsten nichts… Außerdem ist es noch offen, ob meine nächste Ausstellung im September stattfinden kann, und selbst bei „Tatorte Kunst” Ende Oktober ist noch die Frage, ob und wie es stattfinden kann. Wir suchen noch mehrere größere Räume, wo größere Abstände möglich sind, als in manchen kleinen Ateliers. Ob ich im Juli mit meiner Radwanderung am Neckar trotzt Coronaeinschränkung gut durchkomme, ist auch noch offen... WIESBADENER

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Rache eines Pfannenkuchens am passenden Wein cira 1m x 2m

Was wünschst du dir für die Zukunft? Gibt es etwas, dass du aus dieser Situation gerne mitnehmen möchtest oder auf das du auf jeden Fall verzichten möchtest.

Schön wäre es, weiterhin so gute Luft zu bekommen, wenn ich mein Fenster öffne… Leider ist das schon vorbei. Die Stinker stehen wieder vor meinem Fenster im Stau.

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MENSCHEN

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MEINUNGEN

Katja Sümenicht, Shiatsu-Therapeutin

Katja Sümenicht

Alleva – Gesundheit in Balance aus Wiesbaden Was war dein erster Gedanke, als der sogenannte „Lockdown” beschlossen und umgesetzt wurde? Ich war erstaunt, dass mein Beruf von heute auf morgen nicht relevant schien.

Haben sich die Beschränkungen auf deine Arbeit / auf dein Leben ausgewirkt, wenn ja, wie? Ich habe meine Räume aufgegeben, da sie durch die Abstandsregelungen zu klein geworden sind.

Wie hat dich die Krise getroffen? Ich musste meine Praxis schließen, und durfte dort keine Shiatsu Behandlungen machen und auch kein Yoga oder Qigong unterrichten.

Hast du durch die Krise etwas Neues in deinem Leben entdeckt, was nun in den Mittelpunkt gerückt ist? Dass man auch in meiner Branche vieles online machen kann, das vorher Präsenz erfordert hat.

Wie bist du damit umgegangen, welche Möglichkeiten hattest du, selbst mit den Beschränkungen umzugehen? Gesunder Pragmatismus. Nach dem ersten Schock habe ich direkt begonnen, meine Yoga Stunden über Zoom anzubieten. Ich habe kleine Gruppen, so sehe ich meine Teilnehmer im Netz und kann wie gewohnt die Haltungen korrigieren. Gerade in der Zeit des Shutdows empfanden sie es regelrecht als einen Lichtblick der Woche.

Kannst du für dich „positive Aspekte” feststellen, die die Krise erst hervorgebracht hat? Ich habe gemerkt, dass es den Bedarf und das Bedürfnis gibt, online zu agieren. Selbst live durch online Stunden kann der persönliche Kontakt aufrecht erhalten werden. Auch mit meinem Angebot der Sommerfrische helfe ich den Teilnehmern, die Bremse in Ihrem System zu lösen, und unterstütze sie dabei, trotz der äußeren Umstände entspannt und gleichzeitig vitalisiert zu sein.

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Kannst du für dich „negative Aspekte” feststellen, die die Krise erst hervorgebracht hat?

Katja Sümenicht Inhaberin von Alleva – Gesundheit in Balance. Sie bietet Angebote zu Entspannung, Bewegung, Massage und Beratung für Privatpersonen und Unternehmen. Die asiatischen Techniken zur Gesundheitserhaltung haben sich mittlerweile auch im westlichen Alltag und damit in unserer Kultur bewährt. Es gilt Ruhe und Gelassenheit der Asiaten und deren Erfahrung nicht nur zu kopieren, sondern zu nutzen um gesund, vital und gelassen zu sein. Unser Angebot: Shiatsu, Yoga, Lu-Jong, Qigong, psychologische Handanalyse, Meditation, Stressprävention, Business Coaching WIESBADENER

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MENSCHEN

Entspannung durch Shiatsu

Die Arbeit in meiner Praxis war mir immer sehr wichtig. Was wünschst du dir für die Zukunft? Gibt es etwas, dass du aus dieser Situation gerne mitnehmen möchtest oder auf das du auf jeden Fall verzichten möchtest? Die Akzeptanz der digitalen Medien in meinem Metier und dass ich wieder Präsenzunterricht ohne Einschränkungen machen kann. Persönliches Fazit: Gerade in solchen Zeiten ist es wichtig, gesund und in energetischer Balance zu bleiben. Ziemlich schnell war mir klar, dass die einzige Möglichkeit, mit meinen Teilnehmern in Kontakt zu bleiben, das Internet ist. Ich habe mich informiert und nach einer Woche Pause meinen Yoga- und QigongUnterricht online angeboten. Meine Teilnehmer waren alle erfreut und offen für das Angebot, eine Online-Session auszuprobieren. Es hat sich als eine gute Alternative zum Präsenzunterricht etabliert. Die Wege fallen weg, und manch eine(r) macht nun mehrmals die Woche Yoga, da die Anfahrt und Parkplatzsuche wegfallen. Trotzdem bleibt der Wunsch auf beiden Seiten nach Präsenz Unterricht. WIESBADENER

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MEINUNGEN

Yoga unter der Sonne

Als um mich herum alle im Homeoffice waren, bekam ich mit, wie anstrengend das sein kann.

Aktuelle Angebote Qigong: Montag 9:45 – 10:45 Uhr Yoga: Dienstag 19:15 – 20:15 Uhr Mittwoch 10:30 – 11:30 Uhr Donnerstag: 18:15 – 19:15 Uhr Derzeitig finden die meisten Kurse online über Zoom statt. Homeoffice Moves ein 20 minütiges Übungsprogramm buchbar für Ihre Mitarbeiter. Es sind Übungen, die nicht nur das Wohlbefinden stärken, sondern auch gut aussehen, ganz egal, ob mit oder ohne Vorerfahrung. Durch die Verbindung von Körperübungen, Atemführung, Konzentration sowie Entspannung wird der Körper gestärkt und die Elastizität nimmt zu. Shiatsu-Massagen und Coaching nach Vereinbarung. Alleva – Gesundheit in Balance Katja Sümenicht Steingasse 11 65183 Wiesbaden Tel. 0611 / 89 057 78 www.alleva-gesundheit.de

Da die Rücken mangels guter Bürostühle und wegfallender Bewegung unbeweglicher wurden, habe ich ein kurzes Übungsprogramm „Homeoffice Moves” entwickelt. Eine 20-minütige bewegte Pause zur Stärkung von Rücken und Schulter/Nacken für Schreibtischtätige, die Körper und Geist balanciert und motiviert. Es wurde zum festen Bestandteil meines Angebots. In Zeiten dieser Krise nehmen das Angebot auch Mitarbeiter eines international agierenden Konzerns regelmäßig wahr. Neben Körperarbeit ist Business Coaching ein essentieller Bestandteil meines Portfolios geworden. Die persönliche Beratung wird durch die Krise kaum beeinträchtigt. Einzelberatung ist weiterhin möglich, da auch über digitale Medien eine persönliche Beziehung hergestellt und aufrecht erhalten werden kann. Ich sehe Coaching als einen wichtigen, Faktor, um Menschen in ihrem Wirken und ihrer persönlichen Weiterentwicklung zu begleiten.

Alle Fotos: © Sandra Hauer, nah dran photografie

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MENSCHEN

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MEINUNGEN

eine Woche später war Schicht, sehr ärgerlich, ich hatte eine Menge Geld investiert. Nun ist sie deshalb bis Ende September verlängert worden, und inzwischen hat die Schwalbe 6 wieder geöffnet. Ein großes Projekt: the three cities project – ein geplanter Austausch mit israelischen Künstlern/-innen, beginnt im November mit einer Gruppenausstellung in Mühlheim/Ruhr, läuft dann über Wiesbaden,ob im April 2021 die Ausstellung in Israel in Anwesenheit der deutschen Künstler stattfinden kann , steht noch in den Sternen.“ Wie bist du damit umgegangen, welche Möglichkeiten hattest du, selbst mit den Beschränkungen umzugehen? Was ich als Beschränkung wahrgenommen habe, war, dass viele Leute die Abstandsregel nicht ernstgenommen haben. Zum Einkaufen habe ich bestimmte Zeiten und Läden gewählt, wo es ruhig und geräumig ist. Social distance war erträglich durch Spazierengehen, das war ja erlaubt, und das Wetter war so herrlich. Ansonsten arbeite ich sowieso viel allein zu Hause, so anders war mein Alltag gar nicht. Ich konnte mich jetzt viel besser konzentrieren, weil keine weitere Ablenkung da war. Diese Einschränkungen kann man vorübergehend mit etwas Positivem verbinden und muss es auch.

Zeichnung aus dem Corona-Tagebuch, 15.03.2020

Petra von Breitenbach Künstlerin aus Wiesbaden Was war dein erster Gedanke, als der sogenannte „Lockdown” beschlossen und umgesetzt wurde? Anfangs war das ja noch gar nicht klar, wie das konkret aussehen würde. Mein erster Gedanke war, ob man dem kleinen Hinterhof am Haus einen gewissen Charme abgewinnen könnte, wenn man ein paar Pflanzen hinstellt, quasi als Ersatz für die freie Natur. Ich befürchtete einen Lockdown, wie er in Frankreich umgesetzt wurde. Jeden Morgen beim Aufwachen mußte ich mich erstmal in den Arm kneifen, ob das alles wahr ist. Was ich wirklich mehr fürchtete als das Virus, waren die „Freiheitsberaubung” und Lebensmittelknappheit. Außerdem führten die fake news zu Panikkäufen. 20

Wie hat dich die Krise getroffen? Das Jahr hatte sehr vielversprechend angefangen, mit einigen Ausstellungsprojekten, die haben sich nun erstmal verschoben. Eigentlich hat mich persönlich Corona bisher nicht weiter betroffen. Man reift ja mit den Jahren, das ist jetzt nicht zynisch gemeint, aber im Vergleich zu dem Supergau im Atomkraftwerk Tschernobyl im Jahr 1986 hat mich diese Katastrophe psychisch nicht so aus der Bahn geworfen. Ich habe aber ringsherum unter meinen Künstlerkollegen/-innen das Entsetzen wahrgenommen und viele Gespräche geführt. Ich hatte noch am 5. März meine Ausstellungseröffnung im Kirchenfenster Schwalbe 6,

Haben sich die Beschränkungen auf deine Arbeit / auf dein Leben ausgewirkt, wenn ja, wie? Ich konnte meine Arbeit als Grundschulpatin nicht wahrnehmen, und Vertretungskurse mit Erwachsenen fielen auch aus. Außerdem fiel die Vernissage in den neuen BBK Räumen in der Marcobrunnerstraße 3 aus. Ich beteiligte mich dann aber dort an den einwöchigen Fensterausstellungen, „NEUE ADRESSE”, das war schön und hat den Kontakt zu Kollegen/-innen gehalten. Außerdem gerieten die Vorbereitungen auf das 70-jährige Jubiläum der Künstlergruppe50 Wiesbaden ins Stocken. Mein Geburtstag fiel auch in diese Zeit, und natürlich vermisse ich die Besuche und Umarmungen mit Neffen und Nichten. Ist/war deine Existenz bedroht? Nein, das war zum Glück nicht der Fall. Hast du durch die Krise etwas Neues in deinem Leben entdeckt, was nun in den Mittelpunkt gerückt ist? In den ersten Tagen sah man Kinder WIESBADENER

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MENSCHEN

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MEINUNGEN

auf der Straße spielen, wie in meiner Kindheit, sie spielten die gleichen Spiele, sie improvisierten, hatten kreative Einfälle. Dabei ist mir aufgefallen, dass ja im Alltag die Kinder praktisch aus dem Straßenbild verbannt sind, und ich habe mir die Frage gestellt, was man den Kindern da eigentlich alles raubt, wenn sie den ganzen Tag in „Quarantäne” in Schulgebäuden oder Kitas sind, ständig unter der Aufsicht von Erwachsenen. Ich habe erlebt, dass Kinder in der Zeit zu Hause Gelegenheit hatten, zu zeigen, was noch in ihnen steckt: z.B. hat ein 11-jähriger Junge einen komplizierten Grill aufgebaut, fast ohne Hilfe der Erwachsenen. Ich habe aber auch erlebt, wie die Frauen an ihre Belastungsgrenze durch die Doppel-und Dreifachbelastung kamen. Was mich wirklich sehr besorgt und erschüttert hat, war und ist die Situation in den Alters- und Pflegeheimen. Ich erhoffe mir für die Zukunft, dass man psychosoziale Konzepte entwickelt, wie man dort mit Pandemien anders umgehen kann, denn es wird vermutlich nicht die letzte gewesen sein. Die alten Menschen wegzusperren, wie in Isolationshaft – das halte ich für unverantwortbar. Die Grundvoraussetzungen müssen geschaffen werden, damit sich das nicht wiederholen darf. Das hier war eine menschliche Tragödie. Kannst du für dich „positive Aspekte” feststellen, die die Krise erst hervorgebracht hat? Ich habe angefangen, Spaß am Kochen zu bekommen und am Erfinden von neuen eigenen Rezepten. Man wird dankbarer, dass man Familie und Freunde in der Nähe hat. Leider sind die positiven Auswirkun-

Petra von Breitenbach Dipl. Designerin, FH Mainz Arbeitsgebiete: Malerei, Zeichnung, Kleinskulptur, Illustrationen, Movies Vorträge, Kuratierungen Ausstellungen im In- und Ausland weitere Informationen: www.petra-von-breitenbach.de gen ja nicht nachhaltig, die saubere Luft, die Stille, weniger Hektik. Ich hoffe, dass man in Zukunft aus den Erkenntnissen lernt. Vielleicht ist die Krise der Anstoß für Projekte in der Ursachenforschung für Pandemien, die das Zusammenspiel der Wirkungen in den Blick nimmt und man sich WIESBADENER

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Zeichnung aus dem Corona-Tagebuch, 12.04.2020

der Wechselwirkung noch bewußter wird, wie alles mit allem zusammenhängt. Die negativen Erfahrungen in Bezug auf das outsourcing von Produktionen z.B. nach China waren schmerzhaft und folgenreich, und hoffentlich führen sie zum Umdenken. Die längst bekannten Mißstände in den Schlachthöfen wurden nun besonders brisant, und man guckte auf die katastrophalen Umstände, unter denen die Mitarbeiter dort leben müssen. Das Konzept, wie und wodurch ein Turbokapitalismus funktioniert, muss kritisch hinterfragt werden. Beeindruckend war ja, wie sich die Menschen dann doch als Schicksalsgemeinschaft verstanden haben. Der Herr hat Hirn regnen lassen… „wo aber die Gefahr ist, wächst das Rettende auch” (F. Hölderlin) Kannst du für dich „negative Aspekte” feststellen, die die Krise erst hervorgebracht hat?

Man muss sich ernsthaft Gedanken um die Menschen machen, die ihre Arbeit verloren haben. Besorgniserregend auch, wie schnell die Grundrechte ausgeschaltet werden können und wie mancher Politiker da auch bei den Maßnahmen gebremst werden mußte. Blockwartmentalität scheint auch weiter verbreitet, als man denkt. Was wünschst du dir für die Zukunft? Gibt es etwas, dass du aus dieser Situation gerne mitnehmen möchtest oder auf das du auf jeden Fall verzichten möchtest? Freiheit und Gesundheit, Demokratie, sind die höchsten Güter, dass sie keine Selbstverständlichkeiten sind, ist wieder einmal deutlich geworden. Vielleicht hat die Pandemie Bewegung in die Gesellschaft gebracht durch viel Schmerzerfahrung, vielleicht werde ich mich auf einem politischen Gebiet wieder engagieren. 21


KULTUR

&

KREATIVES

Es handelt sich demnach um eine Beweisführung ex negativo. So widmen sich Paulo Tavares und Ursula Biemann dem Ökosystem und der Frage nach der Welt als Lebewesen. Lawrence Abu Hamdan schließlich konzentriert sich insbesondere auf Aussagekraft und Wahrheitsgehalt von Ton und Stimme.

Forensic Architecture: Bombing of Rafah: This master drawing of Rafah, 1. August 2014

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ie Ausstellung „Enter the Void” widmet sich der Arbeitsweise und dem Schaffen von Lawrence Abu Hamdan, Ursula Biemann, Forensic Architecture und Paulo Tavares. Sie folgt deren Strategien, Lücken in der Übermittlung von Ereignissen, in Beweisketten, in der Rechtsprechung, ebenso wie in unserer sinnlichen und physischen Wahrnehmung aufzuspüren, hervorzuheben und zu untersuchen.

Enter the Void

beschreiben, der jenseits unseres Vorstellungshorizonts und sinnlichen Zugriffs liegt. Forensic Architecture kreist in ihren Fallbearbeitungen immer wieder um den Topos „negative evidence”. Dieser entstammt der Rechtswissenschaft und wird verwendet, wenn das Fehlen eines materiellen Zeugnisses – beispielsweise in Form der Verschleierung oder Zerstörung von Material – als eigener Beweis verstanden wird.

Ausstellung in der Kunsthalle Mainz Alle vier Positionen verbinden sich in dem englischen Wort „void”. Dieses bezeichnet ein Loch, eine Lücke, eine Leerstelle und damit einen unbesetzten Raum bzw. eine Stelle, an der Material abwesend ist. Es umschreibt in diesem Zusammenhang u.a. nachträgliche Verletzungen, die eine ehemals intakte Struktur oder Anwesenheit belegen. Ebenso legen Löcher, Lücken, Leerstellen Zeugnis über Eingriffe, Angriffe und Ereignisse ab.

Es ist der Aspekt der (vermeintlichen) Abwesenheit, der in der Ausstellung Enter the Void die Beiträge von Lawrence Abu Hamdan, Ursula Biemann, Forensic Architecture und Paulo Tavares verbindet. Ihre Arbeit leistet immer wieder Beiträge zur Neubewertung und Aufklärung von Verbrechen. Sie ist daher nicht nur in der Kunst, sondern auch gesellschaftlich von höchster Wichtigkeit. Enter the Void Kunsthalle Mainz Am Zollhafen 3-5 55118 Mainz 10. Juli – 1. November 2020 Geöffnet Di, Do, Fr 10-18 Uhr, Mi 10-21 Uhr, Sa/So und an Feiertagen 11-18 Uhr www.kunsthalle-mainz.de

Lawrence Abu Hamdan: Earwitness Inventory, 2018

Abgesehen von den physischen Qualitäten, können sie sich auch auf Wissens- oder Wahrnehmungslücken beziehen und Informationen schlucken, die wir nicht sehen, hören, verstehen oder einordnen können. Sie können einen Ort 22

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KULTUR

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chon seit März sind die ersten Schmetterlinge in der Natur unterwegs. Seit dem 17. Mai 2020 können diese scheuen Flieger und viele weitere Schmetterlinge in einer beeindruckenden Sonderausstellung im Museum Wiesbaden betrachtet werden.

nem 18-mal vergrößerten naturgetreuen Modell bestaunen. In den naturhistorischen Sammlungen des Museum befinden sich über 400 Jahre alte Schmetterlingsexemplare, welche die Naturforscherin Maria Sibylla Merian in ihren Büchern abgebildet

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KREATIVES

Schmetterlingen auf der Spur Bis 31. Januar 2021 Museum Wiesbaden Friedrich-Ebert-Allee 2 65185 Wiesbaden Geöffnet Di + Do 10 – 20 Uhr Mi + Fr 10 – 17 Uhr Sa/So 10 – 18 Uhr www.museum-wiesbaden.de

Schmetterlingen auf der Spur Sonderausstellung im Museum Wiesbaden Darüber hinaus präsentiert die Ausstellung 50 Schmetterlingsstudien und Aquarelle des preisgekrönten Naturillustrators und Künstlers Johann Brandstetter. Mit über 500 verschiedenen Schmetterlingen gibt die Ausstellung einen eindrucksvollen Einblick in die Artenvielfalt der tag- und nachtaktiven Tiere. Insbesondere die wichtigsten Falter vor den Türen Wiesbadens sind gut vertreten. In drei Räumen erfahren BesucherInnen Wissenswertes und Erstaunliches aus dem Lebend er Schmetterlinge. Ebenfalls ein Highlight der Ausstellung sind die lebenden Raupen. Sie sind beim Fressen und Verpuppen zu beobachten. Details können die BesucherInnen an eiWIESBADENER

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hat. Insgesamt umfasst die Schmetterlingssammlung weit mehr als 800.000 Exemplare! Die Ausstellung widmet sich auch der ökologischen Rolle der Schmetterlinge. So haben weit mehr als 100 einheimische Schmetterlingsarten ihre Leben in Eichenbäumen abgestellt, während ie Kiefer nur acht Arten Natur bietet. Der Mensch im Umgang mit der Natur trägt die Verantwortung für die Vielfalt der Lebewesen. Die Ausstellung zeigt auch am Beispiel des Wiesbadener Rabengrunds, mit welchen Naturschutzmaßnahmen Lebensräume für Schmetterlinge erhalten werden können.

Foto rechts: Johann Brandstetter: Monarch 23


KULTUR

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KREATIVES

Self Portrait with My Mother, 2011, © Anna Di Prospero

RESISTANCE & SENSIBILITY

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ünf Jahrzehnte Fotografie aus weiblicher Sicht: Mit RESISTANCE & SENSIBILITY zeigt das Fotografie Forum Frankfurt 150 Arbeiten von mehr als 60 italienischen Fotografinnen von 1965 bis heute. Zu sehen sind verschiedenste Facetten von Alltag, Gesellschafts- und Zeitgeschichte; dabei steht oft das Leben von Frauen im Fokus. Hoffnungen und Illusionen, Beziehungsbande, Kämpfe und Grenzüberschreitungen sind nur einige der thematisierten Aspekte.

Alle Arbeiten stammen aus der Collezione Donata Pizzi. Die 2014 von der italienischen Fotografin und Sammlerin Donata Pizzi begonnene Kollektion gehört zu den weltweit wenigen Sammlungen mit Werken ausschließlich von Fotografinnen. Derzeit umfasst sie mehr als 250 Arbeiten von 70 Künstlerinnen verschiedener Generationen und wird laufend erweitert. Ebenso wie die Sammlung präsentiert auch RESISTANCE & SENSIBILITY wichtige Phasen und Themen der jüngeren italienischen Fotografie. So stehen viele der frühen Arbeiten der Ausstellung in einer dokumentarisch-erzählerischen Tradition. Dazu gehören Letizia Battaglias mitunter schockierende Zeugnisse von Taten der sizilianischen Mafia, Paola Agostis anrührende Schwarz-Weiß-Beschreibungen der ländlichen Armut in Norditalien und Giovanna Borgeses journalistische Darstellung von Frauen der linksextremen Terrorgruppierung »Prima Linea«. Bisher selten gezeigt: Lisetta Carmis ab 1965 entstandene, einfühlsame Bilder der Transvestiten-Szene in Genua. Einen Schwerpunkt der Ausstellung bilden Positionen des Feminismus und die Befragung von Klischees des typisch Weiblichen. Gemeinsam ist den Arbeiten der Schau »der frische und engagierte Blick« der Fotografinnen, den Donata Pizzi als Klammer ihrer Sammlung ausmacht. So bietet RESISTANCE

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Le ragazze di Prima Linea. Torino, 1981, © Giovanna Borgese

Cosa ne pensi del movimento femminista?, 1974, © Paola Mattioli

& SENSIBILITY einen Schatz zeitgenössischer weiblicher Fotokunst – am Beispiel Italien. Und lädt ein zum Dialog darüber, was zur selben Zeit in anderen Ländern von Künstlerinnen geschaffen wurde. RESISTANCE & SENSIBILITY Bis 30.August 2020 Fotografie Forum Frankfurt e.V. Braubachstraße 30-32 60311 Frankfurt am Main www.fffrankfurt.org geöffnet Di 11–18 Uhr Mi 11–18 Uhr, Do–So 11–18 Uhr WIESBADENER

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KULTUR

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KREATIVES

Foto: © vectorpouch, www.fotosearch.de

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or einem die Leinwand und über einem die Sterne. Der Ton kommt aus dem Radio, den Film genießt man in seinem eigenen privaten Raum. So schön geht Autokino. Das erste Autokino wurde 1933 in den USA eröffnet, dort erreichte es weite Verbreitung und Kultstatus in den 1950er und 1960er Jahren. In den 1950er Jahren gab es in Deutschland sogar noch 6.000 bis 7.000 Kinos. Aktuell war die Zahl auf 1.734 gesunken – bis Corona kam. Durch die Pandemie-Maßnahmen mussten von heute auf morgen alle Säle in der Republik dicht machen. Die Folge: Vom Art-House-Kino bis hin zum großen Multiplex stehen viele Betreiber vor großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Doch wo es Verlierer gibt, da finden sich auch die Profiteure der Krise ein: Neben Streamingdiensten wie Netflix, Amazon Prime und Disney+ sind das vor allem die Autokinos. Lange Zeit galten sie als out, doch gerade in der Corona-Krise erleben Autokinos wieder eine Art Revival. So eröffnete in unserer Region am Donnerstag, den 7. Mai das Mainzer Autokino auf dem Messegelände in Hechtsheim für rund 400 Fahrzeuge. Hessens erstes Pop-upAutokino nahm auf dem Halberg WIESBADENER

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Comeback der Autokinos bei Taunusstein den Kampf gegen die Corona-Langeweile auf. In Alzey wurde unterhalb des Freibades Alzey (Kettenheimer Weg) eine große Leinwand aufgebaut, in Ingelheim eröffnet ebenfalls ein Autokino – auf dem Parkplatz des Freibads Im Blumengarten. Das passende Motto: „Autokino am Pool”. In Simmern /Hunsrück findet vom 9. August bis 6. September zum zweiten Mal die HEIMAT EUROPA Filmfestspiele unter der Schirmherrschaft von Edgar Reitz erstmals als Autokino (siehe unser Vorbericht auf Seite 26). Mittlerweile wurden die Hygieneregeln gelockert. Derzeit ist aber das Arkaden-Kino ist in Wiesbaden das einzige Filmtheater, das wieder geöffnet hat – mit reduziertem Platzangebot. Die Caligari-Filmbühne sowie das Murnau-Filmtheater haben bis zum Erscheinen dieser Ausgabe noch geschlossen gehabt.

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KULTUR

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KREATIVES

Die „Lola“ gemäß den Corona-Bestimmungen, © Salome Kammer

HEIMAT EUROPA im Autokino Simmern Edgar Reitz, © Edgar Reitz Filmproduktion scaled

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ie HEIMAT EUROPA Filmfestspiele trotzen der Corona-Krise und finden in diesem Jahr als erstes Filmfestival in Deutschland als Popup-Autokino real live und nicht online statt. Vom 9. August bis 6. September starten zum zweiten Mal die HEIMAT EUROPA Filmfestspiele unter der Schirmherrschaft von Edgar Reitz erstmals als Autokino in Simmern im Hunsrück mit einem außergewöhnlichen Programm in der Heimat der „Heimat”. Programm und Festivalstruktur mussten an die besondere Situation in diesem Jahr angepasst werden, jedoch bleiben die HEIMAT EUROPA Filmfestspiele ihrem Programmkonzept treu. So sind während der Filmfestspiele im Autokino auf dem großen Platz am Simmerner Rathaus 39 deutsche und internationale Produktionen zu sehen. Darüber hinaus gibt es jeweils als Einstimmung auf die Filmabende insgesamt 21 LiveGigs unterschiedlicher Bands aus Nah und Fern. Insgesamt acht Filme wetteifern um die begehrte

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KULTUR

Auszeichnung des „Edgar” in der Kategorie „Bester moderner Heimatfilm” aus Deutschland, der am 5. September von Schauspielerin Katja Riemann als Preispatin verliehen wird. Zudem gibt es zwei Kurzfilmwettbewerbe mit jeweils zehn Filmen aus der Region. Zahlreiche prominente Gäste werden während der Festspielwochen in Simmern erwartet, neben Katja Riemann u.a. Schauspielerin Luise Befort als Preis-Patin für den regionalen Kurzfilmwettbewerb der Jugendlichen sowie der durch seine Rolle als Bergdoktor bekannte Hans Sigl, Regisseur und Musiker Dietrich Brüggemann, Kultregisseur Wolfgang Büld und die Produzenten-Legende Dr. Alice Brauner. Die HEIMAT EUROPA Filmfestspiele präsentieren in diesem Jahr an 29 Tagen insgesamt 36 Langfilme, darunter 21 Langfilme aus Deutschland sowie 23 Kurzfilme, teilte Festspielleiter Urs Spörri auf der Pressekonferenz im Pro-Winzkino Simmern mit. Eröffnet werden die Festspiele am Sonntag, 9.August 2020 um 19:30 Uhr auf der Bühne im Autokino Simmern mit einem Konzert der Band „The Heimatdamisch”, die berühmte Popsongs auf bayerisch-oberkrainer Art neu interpretiert und damit im Internet große Hits mit mehreren Millionen Klicks gelandet hat. Im Anschluss ist als Eröffnungsfilm LIVE (D 2019) von Lisa Charlotte Friederich und Rike Huy zu sehen, der beim diesjährigen Max Ophüls Preis seine Premiere feierte und beim Frankfurter Lichter Filmfest mit dem Preis als bester regionaler Langspielfilm ausgezeichnet wurde. Die Filmemacherinnen werden für ein Filmgespräch vor Ort sein. Festspielleiter Urs Spörri stellte bei der Pressekonferenz zudem das Jury-Konzept der Ein-PersonenJury analog des „Hofer Modells” vor, das Edgar Reitz bereits bei den Internationalen Hofer Filmtagen ins Leben gerufen hat. Die Aufgabe als Ein-Personen-Jury wird Katja Riemann übernehmen. Die Schauspielerin wird über den mit 1.500 Euro dotierten Preis für den „Besten modernen Heimatfilm” aus WIESBADENER

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&

KREATIVES

Deutschland entscheiden und diesen am 5. September in Simmern überreichen, sofern nicht Corona ihre Dreharbeiten und Theaterproben auf dieses Datum verschiebt. Die Trophäe „Edgar” wird unmittelbar vor der Preisverleihung live von Rüdiger Kriese vor Publikum im Autokino geschmiedet. Rüdiger Kriese spielte in „Die andere Heimat” (von Edgar Reitz, 2013) den Schmied Johann Simon. Im Kurzfilmwettbewerb entscheidet eine fünfköpfige Jurybestehend aus Vertretern des Pro-Winzkino Simmern, des Kino Heimat Morbach, des KulturKino Kaimt, der Filmfreunde der Lichtspiele Wadern sowie der Vorjahresgewinnerin Melina Michel jeweils über das beste Filmprojekt in den Kategorien Erwachsene und Kinder & Jugendliche. Ausgezeichnet mit einem „Pro-Winzling” wird als Publikumspreis außerdem jeweils der Publikumsliebling des Abends. Zu den Höhepunkten der HEIMAT EUROPA Filmfestspiele gehören neben den Wettbewerbsfilmen und der Filmreihe „Oorlab dehääm - Mit dem Kino um die Welt”, die „Auto.Kult,Filme”-Reihe sowie eine Hommage für Edgar Reitz. Darüber hinaus freut sich das Team um Urs Spörri auf den Auftritt von „The Heimatdamisch” zur Eröffnung, auf die kubanischen Band „Conexion Cubana”, den Abba-Tribute „Sweden4ever”, auf das Konzert der im Hunsrück lebenden Band und vor allem in Russland populären „Juno 17”, auf „Ravi Gauly & BUTI” mit indischen Klängen aus der Pfalz, auf „Max Bousso & Friends” mit seinen afrikanischen Trommelsounds und auf diverse Bands aus dem gesamten Hunsrück -präsentiert von CulturiSIMmo. Tickets für die HEIMAT EUROPA Filmfestspiele sind ab 22. Juni im Vorverkauf erhältlich bei der Tourist-Info und beim Wochenspiegel in Simmern sowie online erhältlich unter: www.heimat-europa.com/ und www.pro-winzkino.de

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KULTUR

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KREATIVES

„NEUE ADRESSE”

SCHAUfensterausstellung des BBK Wiesbaden

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ufgrund der Ansteckungsgefahr durch die Corona Pandemie hat sich der BBK Wiesbaden Anfang April entschlossen, die geplante Ausstellung NEUE ADRESSE in der neuen BBK SCHAUstelle Marcobrunnerstr. 3, 65197 Wiesbaden nicht wie vorgesehen zu eröffnen.

Die Arbeiten NEUE ADRESSE beziehen sich auf die Geschichte und Lage der Räume, sie zeigen unterschiedliche Blicke auf „Neues“, verbunden mit Umbruch, neuen Sichtweisen, Erschrecken, Erwachen, Gemeinsamkeit, Bewegung Sie betonen verschiedene Aspekte des Neuanfangs und nutzen unterschiedliche künstlerische Techniken.

Dass die Krise kreative Kräfte wecken und zu neuen Ideen und Präsentationsformen führen kann, bewies der BBK, in dem er die Kunstwerke auf eine andere Art erfahrbar machte.

Bisher haben Reiner Strasser, Ulla Reis, Doris Bardong, Uta Grün, Petra von Breitenbach, Anna Bieler, Renate SchwarzKraft, Mireille Jautz, Tine Kaiser, Iris Kaczmarczyk, Petra Ehrnspergher, Marie Luise Gruhne, Regine Fürst und Renate Reifert ausgestellt.

So wurde ab dem 03.04.2020, dem eigentlichen Eröffnungstermin, fortlaufend jede Woche ein Werk zum Thema NEUE ADRESSE im SCHAUfenster der BBK SCHAUstelle und parallel auf der Website des BBK Wiesbaden www.bbk-wiesbaden.de gezeigt. 28

Vom 10. bis 16. Juli stellt Ernest Bisaev aus, zum Schluss zeigen vom 17. bis 23. Juli Veit und Carmen von Seckendorff ihre Werke.

Ansonsten hoffen alle mit den Mitgliedern des BBK darauf, dass das Kulturleben wieder mit persönlichen Begegnungen verbunden werden kann. Wir wünschen uns alle, dass das bald wieder möglich sein. „NEUE ADRESSE” SCHAUfensterausstellung des BBK Wiesbaden BBK SCHAUstelle Marcobrunnerstr. 3 65197 Wiesbaden

Foto: BBK SCHAUstelle, Ausstellung Reiner Strasser

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KULTUR

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KREATIVES

„Spirit meets Spirituality”. Der Whisky-Vikar im Podcast „Er gibt uns Menschen eine Ahnung vom Paradies” schwärmt Wolfgang F. Rothe und meint damit guten Whisky. Der gebürtige Marburger kennt sich mit beidem gut aus – sowohl mit dem hochprozentigen Kultgetränk, als auch mit dem Garten Eden. Wolfgang F. Rothe ist katholischer Priester und Kirchenrechtler. Bekannt ist er als „Whisky-Vikar”, Buchautor und anerkannter Experte für den goldenen Branntwein. Ab sofort teilt er sein Wissen jeden ersten Freitag im Monat im neuen Videopodcast der Katholischen Erwachsenenbildung Frankfurt (KEB): „Spirit meets Spirituality”. Link zum Video hier: www.youtube.com/ watch?v=zdsLxv_GYYw Und wie kommen Whisky und Spiritualität zusammen? Dazu der Vikar in einem Interview: „Was ich zur Spiritualität des Whiskys mache, ist weder der beste noch der einzige Weg. Es ist ein Versuch, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, WIESBADENER

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denen der Zugang zum Glauben und der Kirche etwas verstellt ist. Mit Whisky funktioniert das deswegen so gut, weil er von Mönchen erfunden worden ist. Er ist ein ureigenes Produkt von Kirche und Kloster. Man weiß nicht genau, wann und wo er erfunden wurde, das kann in Irland gewesen sein, das kann in Schottland gewesen sein, irgendwann im frühen oder hohen Mittelalter. Geschichtlich gesehen ist der Ursprung aber auf jeden Fall die christliche Nächstenliebe. In irischen und schottischen Klöstern gab es nämlich immer eine Krankenstation, es existierte ja keine andere medizinische Infrastruktur. Um den Menschen den christlichen Glauben ganzheitlich spürbar zu machen, haben die Mönche sich nicht nur um das seelische Wohl gekümmert, sondern auch um das körperliche. In den klösterlichen Krankenstationen brauchte man hochprozentigen Alkohol zur Herstellung medizinischer Tinkturen. Anfangs hatte man aus Frankreich oder Spanien Wein importiert und

destilliert. Das war aufwendig und teuer und ist auch nicht immer gelungen, weil der Wein oft verdorben war, wenn er dort oben ankam. Irgendwann ist dann ein findiger Mönch auf die Idee gekommen, dass das Ganze auch mit vergorener Getreidemaische geht. Getreide gab es dort aber in Hülle und Fülle, und so hatte man das Ausgangsprodukt für die Destillation vor der Haustür und konnte den kranken Menschen leichter helfen.” Dann also einfach reinklicken und am besten gleich den Kanal der KEB abonnieren: www.youtube.com/channel/UCR8 2XHYdQmUFV1Bx6iOGnng?view _as=subsciber Übrigens: Drei Bücher hat Rothe schon zu Whisky publiziert: Einen Reiseführer mit Whisky-Wallfahrten nach Schottland, eine “Einführung in die Spiritualität des Whiskys” und sein jüngste Buch, eine Sammlung von Whisky-Witzen. Die Bücher erschienen im Verlag eos der Erzabtei St. Ottilien. 29


KULTUR

&

KREATIVES

auseinandersetzen. Die Beiträge der Künstlerinnen und Künstler, von denen viele mit direktem Bezug zum Ausstellungsparcours geschaffen werden, widmen sich mit unterschiedlichen Ansätzen den Fragen nach Original und Fälschung, möglicher Desinformation und Irreführung des Betrachters oder dem Spiel von Erwartung zu Wirklichkeit: Wie echt kann falsch sein? Welche Risiken bergen die Vermischung des Unterschieds von Wahrheit und Lüge? Wer entscheidet darüber was echt und was falsch ist? Wie kann vor dem Hintergrund der Werke von beispielsweise Marcel Duchamp oder Joseph Beuys der Kunstbegriff des „Originals” heute noch bestehen? Dorothea Nold: Welterbe – Parkhaus

ECHT UND FALSCH 6. Juni – 4. Oktober 2020

D

iesen Sommer findet zum fünften Mal die Skulpturen-Triennale in Bingen am Rhein statt.

Sabine Gross: MonuMAX 30

Nach den Themen der vergangenen Ausstellungen MENSCH UND MASCHINE und NAH UND FERN werden zwölf Jahre nach der ersten Skulpturenausstellung, die anlässlich der Landesgartenschau 2008 durch das Stifterpaar Gerda und Kuno Pieroth initiiert wurde, in diesem Jahr erneut rund 20 künstlerische Positionen entlang des Rheinufers unter dem Titel ECHT UND FALSCH thematisch vereint. Auch für 2020 ist es den Kuratoren Lutz Driever und André Odier gelungen, eine große Vielfalt internationaler künstlerischer Positionen zusammenzubringen, die sich dem aktuellen Thema der Ausstellung auf äußerst unterschiedliche Weise nähern: Während Jenny Holzer, Jimmie Durham, Alicia Kwade oder Jeppe Hein seit mehreren Jahrzehnten eine prominente Rolle in der globalen Kunstwelt spielen, laden jüngere Positionen wie die der 1993 geborenen Charlie Stein, von Lukas Glinkowski oder Maruša Sagadin zu Neuentdeckungen ein. Die Arbeit der aus dem Irak stammenden Künstlerin Havin Al-Sindy wird sich mit der kulturspezifischen Bedeutung und architektonischen Tradition ihres Heimatlandes am „falschen” Ort, der Gartenlandschaft des Binger Rheinufers,

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog, der dieses Jahr aufgrund der besonderen Gegebenheiten auch kostenfrei von der Webseite heruntergeladen werden kann. ECHT UND FALSCH 5. Skulpturen-Triennale Bingen 2020 Rheinufer Bingen bis 4. Oktober 2020 www.skulpturen-binge.de

Marusa Sagadin: B–Girls, go! WIESBADENER

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KULTUR

&

KREATIVES

Rolf Lonz heute, mit Partnerin Angela Fischer

E

s war einmal im Juni, 1975, als ein neuartiger Gitarrensound die Wiesbadener Rockszene ins Staunen versetzte. 45 Jahre später klingen Epidermis immer noch frisch und aufregend. Das Label Garden Of Delights hat jetzt die Veröffentlichung ihres Debüt-Albums „June 1975" nachgeholt – inklusive hochwertigem Booklet. Gut Ding will Weile haben, und ein guter Sound kann auch schon mal viereinhalb Jahrzehnte brauchen: Solange mussten Fans der Progressiv-Rock-Band Epidermis warten, bis der Erstling „June 75" aus dem Titeljahr nun endlich auf Platte und CD erscheint. Damals fand die ursprünglich aus Idstein stammende Gruppe um Rolf Lonz (der heute durch das Duo AR Lonz bekannt ist) kein passendes Label. Neben Lead-Sänger Lonz an der Gitarre formierten sich die „Langhaarigen" aus Reiner Neeb an den Drums, Michael Kurz an den Keyboards und Wolfgang Wünsche am Bass, die allesamt auch in den Back Vocals zu hören sind. Den Durchbruch hatte Epidermis erst zwei Jahre später mit dem Meilenstein „Genius Of Original Force", das international auf positive Kritik stieß. Doch ihr Debüt ging mit der Zeit unter und war bis jetzt nur WIESBADENER

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Neuer Sound aus den 70ern als Download in mittelmäßiger Qualität verfügbar. Nun also die langersehnte Veröffentlichung für die heimische Plattensammlung, der ein liebevoll gestaltetes, 20-seitiges Booklet mit allen Songtexten und der Bandhistorie in deutscher wie englischer Sprache beigelegt ist. Unter Epidermis versteht man im Allgemeinen die oberste Zellschicht der Haut. Der energiegeladene Prog-Rock der Wiesbadener geht einem aber schon nach wenigen Takten deutlich darunter: Elektrisch, psychedelisch, raumfüllend, dazu immer wieder der Hang zur Experimentierfreudigkeit und Improvisation. Die ausdrucksstarke Stimme von Rolf Lonz und die verspielt-gekonnten Instrumentalparts runden das Bild ab. Nicht nur die alten Fans der Band dürften hier ihre Freude haben. Gerade auch auf junge Musiker könnte der spezielle Krautrock-Sound von Epidermis eine horizonterweiternde Wirkung haben. Laut eigener Aussage hat die Band in jenem Juni 1975 nur zwei Tage für die Aufnahmen gebraucht – allein schon diese

Produktivität im Studio scheint heute trotz aller Beschleunigung nicht mehr möglich. Doch in der kreativen Atmosphäre des Wiesbaden der 70er waren solche Leistungsexplosionen scheinbar noch möglich. Dass das Album jetzt überhaupt erscheint, ist einer Kooperation von Garden Of Delights mit der AR Lonz + Fischer musicedition zu verdanken. Die aufwendige Produktion wurde mit dem eigens für die LP kreierten Cover von Reinhold Skreba um einen echten Hingucker erweitert, das eine gute Portion 70er-Jahre-Flair ins Regal einbringt. Zu erwerben auf www.justforkicks.de/shop/ progressive/7935/june-1975-lpbooklet

Text: Konstantin Mahlow Fotos: AR Lonz

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WIESBADENER, Ausgabe II/2020  

Das Magazin für Kunst, Kultur und Lebensfreude

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