Page 1

Wiesbadener Ausgabe I / 2018

Preis: 6,50 €

Magazin für Kunst, KulTouren und Lebensfreude

Mörderischer März

Filmgeschichte im Zeitraffer:

Bernd Schneider:

Wo die Zitronen blühen -–

Wiesbaden und die Faszination des Verbrechens

Die wilden Affären von Bild und Text

RAY 2018 –

Die internationale Fotografie-Triennale

Aus kurz wird lang:

Wenn die Kunst die Nacht umarmt

The Future Is Female!

Das 7. Frankfurter W-Festival

Starke Früchte –

Die Internationale des Stöffche

goEast präsentiert mittel- und osteuropäisches Kino

“Ball des Weines” 2018 feiert “Dolce Vita”


Inhalt

...... Unsere wunderbare goldene Erde ist ein kostbares Gut und sollte entsprechend von uns behandelt werden – das ist Botschaft unseres Titels, der vom Taunussteiner Fotografen Ulrich HM Wolf kreiert wurde. Dahinter verbirgt sich übrigens Popstar Thomas Anders und sein Engagement für den Kinderschutzbund (S. 16).

Filmusikfestival Ingelheim: Ralph Turnheim, © Clemens Molinari SCHATZ

& SCHÄTZE

YUKAI – TRAGBARE KUNST GAUMENKITZELEIEN

EL DORADO DER EDLEN BOHNE FRANKFURTER STÖFFCHE KULTUR

& KREATIVES

MÖRDERISCHER MÄRZ GOEAST DIE WILDEN AFFÄREN LICHTER FILMFEST LOFTWERK DER WELTVERÄNDERER MICKEY, DONALD & FRIENDS THE FUTURE IS FEMALE! KURZE NACHT THEATERDONNER PERSPEKTIVEN KULTURFONDS FILMMUSIKFESTIVAL RAY 2018 FRANKFURT LEUCHTET DIE PURISTIN LASS UNS SPIELEN GERHARD RICHTTER MAGAZIN

KULTOUREN I KULTOUREN II UNTERNEHMEN

S. 4 S. 6 S. 7 S. 8 S. 10 S. 13 S. 14 S. 16 S. 22 S. 24 S. 25 S. 28 S. 29 S. 32 S. 39 S. 40 S. 41 S. 43 S. 45 S. 46 S. 47 S. 18 S. 34

& MÄRKTE

FINE LINVING HOTEL BALL DES WEINES 2018 SEG – ZEITENWENDE

S. 48 S. 50 S. 51

Spannend geht es beim diesjährigen „Wiesbadener Krimimärz” zu. Denn parallel zum alljährlichen Fernsehkrimifestival bietet das Literaturhaus Villa Clementine einen Monat lang hochkarätig besetzte Veranstaltungen (S. 8). Das LICHTER Filmfest beleuchtet in seiner elften Ausgabe vom 3. bis zum 8. April 2018 das Thema „Chaos” in den unterschiedlichsten Dimensionen in handverlesenen internationalen Filmen und interdisziplinären Gesprächen mit Philosophen, Wissenschaftlern und Künstlern. (S. 14). The Future Is Female! Vom 9. bis 11.Mai findet in Frankfurt das 7. W-Festival statt und verwandelt die Mainmetropole zum Epizentrum internationaler Frauenpower. Neben Weltstars wie Ute Lemper und Mariza richtet sich der diesjährige Fokus vor allem auf eine junge Debütantin. Es bleibt dabei: Starke Frauen braucht das Land (S. 25)! Dass Äpfel nicht nur, aber auch ins Glas gehören, beweist uns aufs Neue die internationale Apfelweinmesse am 14. April im Palmengarten Frankfurt. (S. 7).

Bernd Schneider: Mehr über den Rand der Welt 82x158

Noch mehr gefällig? Kein Problem. Wir wünschen Ihnen mit vorliegendem Heft viel Vergnügen mit Kunst, Kultur und Kulinarik.

IMPRESSUM: Herausgeberin, Gesamtkoordination & Gestaltung: media futura • Inh. Petra Esser • Postfach 4122 • 65031 Wiesbaden • Tel. 0611.504.53.11 • Fax: 0611.504.59.98 • www.media–futura.de • mail@media–futura.de • Firmensitz: Balduinstraße 28, 56856 Zell/Mosel • Redaktion: Petra Esser, Tobias Mahlow, Gesine Werner, Konstantin Mahlow • Gestaltung: Petra Esser • Anzeigenleitung: Tobias Mahlow • Titelbild: FACES „Golden Earth“ Thomas Anders, Foto: © Ulrich HM Wolf • Vignetten: Bernd Schneider • Druck: Printgroup GmbH & Co. KG, 97526 Sennefeld • Redaktionsschluss für die Ausgabe II/2018: 20.04.2018 • Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages • Fotos „Lass WIESBADENER I/2018 uns Spielen“, Seite , Andrea Esswein, © VG Bild Kunst • alle Fotos und Logos wurden uns – wenn nicht anders dokumentiert – von den porträtierten Personen/Institutionen zur Verfügung gestellt.

3


SCHATZ

4

&

SCHÄTZE

WIESBADENER

I/2018


SCHATZ

&

SCHÄTZE

Tragbare Kunst

D

ie mehr als 1000 Jahre alte Färbetechnik Shibori aus Japan wurde einst für Kimonos verwendet. Diese handwerkliche Technik wurde besonders im Raum Kyoto ständig weiterentwickelt. Dort gilt Katayama Bunnsaburo als führender Produzent dieser Stoffe; in seinem über ein Jahrhundert bestehenden Spezialgeschäft in Kyoto findet man wundervolle Mode-Produkte, die in Form und Stil einzigartig sind. Bunnsabaro selbst nennt die faszinierende Kombination aus Mode und Kunst „Wearable Art”. Bei Shibori entstehen durch Falten, Abbinden, Knoten und Nähen verschiedene Muster wie Kreise, Quadrate und Linien auf dem Stoff. Je nach Art der Faltung und Abbindung sowie der Stärke des Zusammendrückens gelangt die Farbe an diesen Stellen nicht in den Stoff. Indem man Murmeln, Holzplättchen, Knöpfe oder Erbsen in die Faltung einbindet, entstehen weitere Muster. Shibori, die traditionelle, japanische Textilgestaltungstechnik, eignet sich hervorragend, um damit Kleidung, Accessoires, Wohntextilien und Papeterie zu gestalten. Durch Abbinden, Stauchen, Quetschen, Falten oder Knoten und anschließendem Färben, zumeist mit Indigo (blau), entstehen auf Textilien verschiedene Muster, da die abgebunden Stellen das Eindringen von Farbe verhindern. So werden, je nach Wickeltechnik, Kreise, Zick-Zack-Muster oder Linien sichtbar – und das nicht nur auf Stoff, sondern auch auf Papier und anderen, saugfähigen Materialien. Doch braucht man nicht unbedingt nach Kyoto zu fliegen, um diese wunderbaren Objekte zu finden. Im Yukai Store am Michelsberg findet man eine exklusive Auswahl hochwertiger Kleidung und Accessoires, deren Faszination in der unauffälligen Schönheit liegt. YUKAI STORE Wiesbaden Michelsberg 11 65183 Wiesbaden Tel. (0611) 37 73 00 www.yukai.fashion/stores/ WIESBADENER

I/2018

5


GAUMENKITZELEIEN

EIN EL DORADO DER EDLEN BOHNE Sebastian Schulz eröffnet im Westend die MaldanerStadtrösterei Wiesbaden

J Röstereigründer Sebastian Schulz schneidet unter den wachsamen Augen von Rente Schulz-Winkel und Serviceleiter Oliver Strauch (im Hintergrund) die Torte der Maldaner-Belegschaft an.

etzt hat Wiesbaden eine Stadtrösterei. RöstereiGründer Sebastian Schulz aus dem Maldaner-Familienunternehmen hat sich der Kaffeekultur verschrieben und in der Hellmundstraße 37 ein El Dorado der edlen Bohne eingerichtet. „Weil es für uns ein Privileg ist, die Bohnen zu rösten, die wir lieben, von Bauern, die wir beim Namen kennen und bewundern, für die Menschen in unserer Stadt.“ Die Jungs von der „Kafeekommune“ in Mainz sorgten für Kaffeemaschine, Filteranlage und Mühlentechnik. Zur feierlichen Eröffnung waren neben dem 93jährigen Kaffeehaus-Stammgast Ernst Rößler auch Ernst-Ewald Roth aus dem Landtag, Stadtrat Detlef Bendel und TriWiConChef Martin Michel gekommen. SEG-Geschäftsführer Andreas Guntrum freute sich über die „Belebung des Westends.“ REWE-Expansionsmanager Axel Kittler, ein echter „Isterer“ aus Wiesbaden-Igstadt, plant in der Aarstraße und im LilienCarrée einen Exklusivvertrieb von Maldaner-Kaffee aus der Stadtrösterei. „Wir fördern mit unserem Landmarktkonzept ein Traditionsunternehmen.“ Gemeinsam mit Ehemann Michael Schulz bekennt Café Maldaner-Chefin Renate Schulz-Winkel ihren Stolz auf den unternehmungslustigen Filius: „Wir lieben das Handwerk!“ Ihre Zukunftsmusik einer „Maldaner-Kreislaufwirtschaft“ klingt vielversprechend.

Die Maldaner-Familie Michael Schulz, Sebastian Schulz und Renate Schulz-Winkel mit REWE-Manager Axel Kittler (von links).

Die einzigartige Kaffee-Kultur mitten im Herzen der Stadt begeistert schon seit 1859. „Wir wollen die Tradition des beliebten Filterkaffees wieder beleben.“ Es kommt nur hochwertig sortenreiner Kaffee in die Tüte, direkt vom Erzeuger, im handwerklichen Trommelröstverfahren schonend und langsam geröstet. „Wir wollen für ökologisches Bewusstsein eine Plattform schaffen, leben Nachhaltigkeit und legen Wert auf Transparenz.“ Qualität ist oberstes Gebot „Kaffe ist unser Handwerk, unsere Leidenschaft und unser Ritual.“ www.maldanercoffee.com Text und Fotos: Gesine Werner

Das Herzstück der neuen Maldaner-Stadtrösterei – die Trommelröstmaschine. 6

WIESBADENER

I/2018

Mit 93 Lenzen freut sich Maldaner-Stammgast Ernst Rößler über den neuen Ableger des Kaffeehauses.


GAUMENKITZELEIEN

D

ie „Frankfurter Apfelweinmesse”, jetzt „CiderWorld” hat sich zur größten Messe für Cider und Apfelwein entwickelt. Sie ist die internationale Plattform für Präsentation, Verkostung und Verkauf von Apfelwein, Cider, Cidre, Most & Sidra. Produzenten, Wiederverkäufer, Gastronomen, Sommeliers, die Fachpresse und viele interessierte Verbraucher besuchen jährlich den seit Jahren anerkannten und berühmten Treffpunkt im Gesellschaftshaus Palmengarten.

Dies zeigt die Aktualität des Themas „Cider”/Apfelwein” und die internationale Akzeptanz der Frankfurter Apfelweinmesse. Zurzeit erreicht im globalen Getränkemarkt wohl kein anderes Segment so hohe Wachstumsraten wie der Cider. Dieser Marktdynamik haben sich nun die Veranstalter und Organisatoren mit einer neuen Strategie gestellt. Der regionalen Tradition weiter verbunden, ist die Messe aber internationaler ausgerichtet und stärker auf die Bedürfnisse von Einkäufern aus Handel und Gastronomie zugeschnitten. Daher heißt die bekannte Apfelwein Internatio-

Die Internationale des Frankfurter Stöffche Gastland der CiderWorld’18 Frankfurter Apfelweinmesse ist Irland mit 11 Produzenten und deren besten irischen Cider-Spezialitäten sowie einem Kulturbeitrag auf der Apfelweinmesse. 2017 präsentierten 95 Aussteller aus 16 Nationen ihre besten Produkte den rund 2.000 Besuchern. Auch 2018 wird diese Anzahl wieder erwartet wobei über 24 neue Betriebe aus dem In- und Ausland dabei sein werden. Das erste Mal dabei ist Luxemburg. WIESBADENER

I/2018

nal ab sofort CiderWorld Frankfurter Apfelweinmesse. Klassische regionale Produkte und innovative Neuentwicklungen aus aller Welt werden wie gewohnt durch ihre Hersteller präsentiert und zur Verkostung dargeboten. Die Fachbesucherzeit am Sonntag, 15. April 2018 von 11.00 – 13.00 Uhr und die Verkostung für interessierte Endverbraucher von 13.00 – 18.00 Uhr haben sich bewährt.

Zum erstenmal wird dieses Jahr der „CiderWorld Award 2018” verliehen – eine neue Auszeichnung, die durch den Messeveranstalter, in Zusammenarbeit mit der staatlichen Hochschule Geisenheim, der Agentur „Wein & Rat” und einer Jury von weltweit anerkannten Wissenschaftlern und Fachleuten vergeben wird. Während der „CiderWeek Frankfurt” stehen an den sieben Tagen vor dem Messewochenende Apfelwein, Cider, Cidre, Most, Sidra & Co. im Fokus der Stadt. Es finden Verkostungen, Menüs und Präsentationen in Handel, Hotels, Restaurants, Straußwirtschaften, privaten Wohnungen und besonderen Orten statt. Die CiderWeek soll in den nächsten Jahren in Frankfurt „hineinwachsen” und sich idealerweise in Zukunft zu einer der Frankfurter Kultveranstaltungen entwickeln. Apfelwein, Cider, Cidre, Most, Sidra & Co. an besonderen Orten in Frankfurt erleben, ist das Motto dieser „Woche”. Geplant sind bisher unter anderem eine „Irish Cider Night” im Grand Hotel Hessischer Hof (6.4.18), ein Apfelweinabend mit Produzent Jörg Stier (8.4.18) und Craft Cider meets Craft Beer im Frankfurter „Naiv” (12.4.18). Das komplette Programm der Verkostungswochefindet sich auf www.ciderweek.de. Näheres unter: www.apfelweininternational.de 7


KULTUR

&

KREATIVES

„Keine zweite Chance, SAT 1“, Christiane Pausch

Melanie Raabe, Foto: © Christian Faustus

Mörderischer März Wiesbaden huldigt einen Monat lang der Fazination des Verbrechens

A

us über 60 Einreichungen von Sendern und Produzenten in Deutschland, Österreich und der Schweiz hat die Vorjury des Deutschen FernsehKrimi-Festivals die zehn Wettbewerbsfilme des 14. Deutschen FernsehKrimi-Festivals ausgewählt. „Dem Trend des Fernsehfilms im vergangenen Jahr entsprechend, blickt auch der Krimi der Jahre 2017/2018 vor allem auf das Private. Der Tod oder das Verschwinden von Kindern und die daraus entstehende Not der Eltern stehen im Mittelpunkt der Hälfte der Produktionen, die bei uns im Wettbewerb stehen,” so FestivalLeiterin Cathrin Ehrlich. Erfreulich sei, dass auch eine Serie im Wettbewerb sei, ergänzt sie. „Mit „Das Verschwinden” werden wir dem aktuellen Trend im deutschsprachigen Fernseh- und Onlinemarkt gerecht.” Die zehn Filme sind vom 6. bis 8. März 2018 in der Caligari FilmBühne in Wiesbaden zu sehen; Infos dazu finden sich unter 8

www.fernsehkrimifestival.de/ kategorie/wettbewerb-2018. Eröffnet wird das Festival am Dienstag, 6. März, 20.00 Uhr, mit der Premiere des Wettbewerbsbeitrags „Tatort – Unter Kriegern”. Unter der Regie von Hermine Huntgeburth ermitteln in der Produktion des Hessischen Rundfunks Margarita Broich und Wolfram Koch als Kommissare Anna Janneke und Paul Brix in einem Sportleistungszentrum. Zur Filmvorführung werden die DarstellerIn Margarita Broich, Golo Euler und Stefan Konarske, der Drehbuchautor Volker Einrauch, HR-Fernsehspielchefin Liane Jessen und HR-Redakteurin Lili Kobbe anwesend sein. Die Preisverleihung findet am 9. März 2018 um 20.00 Uhr in der Caligari FilmBühne statt. Beendet wird das Festival traditionell mit der Langen FernsehKrimi-Nacht vom 10. auf den 11. März. Wie bereits im vergangenen Jahr findet das Deutsche FernsehKrimi-Fes-

tival als Veranstaltung im Wiesbadener „KrimiMärz” statt. Der Wiesbadener KrimiMärz lädt vom 1. bis 25. März zu einem vielseitigen Programm mit rund 20 Lesungen, Filmen, Gesprächsrunden, einem literarischen Krimiquartett, Theaterabenden, einer Ausstellung und kulinarischen Lesungen ein. Dabei stehen mit dem Themenschwerpunkt „Rückblende” brisante gesellschaftspolitische Fragen zur Diskussion. Der gefeierte Autor Szczepan Twardoch bricht mit seinem Thriller „Der Boxer” das gängige Verständnis von Opfer- und Täterrollen im Polen während der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft auf (Lesung am 11. März im Literaturhaus). In seiner Heimat hat sein Roman viel Begeisterung und auch kontroverse Reaktionen ausgelöst, weil er das Selbstbild des Landes in Frage stellt und kritisch die Vergangenheit aufarbeitet. Auch „Babylon Berlin” – die kongeniale Serienadaption der Gereon-Rath-Romane Volker Kutschers durch die Regisseure Tom Tykwer, WIESBADENER

I/2018


Szczepan Twardoch – Foto: © Zuza Krajewska

Achim von Borries und Hendrik Handloegten – schlägt vom Berlin der Zwanziger Jahre indirekt einen Bogen in die Gegenwart. Buch wie Fernsehverfilmung beschreiben auf faszinierende Weise jene „Kultur der Angst”, mit der es den Demagogen der Weimarer Republik gelungen ist, Nationalismus und Rassismus heraufzubeschwören. Neben Twardoch, Kutscher und Tykwer spüren viele weitere renommierte Autorinnen und Autoren in einer „Rückblende” in historischen Krimis den Beweggründen für aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen nach. Ein Highlight des Festivals ist der Auftritt des international renommierten Filmemachers Tom Tykwer am 9. März um 18 Uhr im Museum Wiesbaden. Dort spricht er mit Volker Kutscher über ihre Zusammenarbeit und das Serienmachen in Zeiten von Sky, Netflix und Co. Ein literarisches Krimiquartett – bestehend aus den bekannten Kritikern Margarethe von Schwarzkopf, Thomas Wörtche und Ulrich Noller sowie dem Schauspieler Wanja Mues – diskutiert am 3. März um 19.30 Uhr im Literaturhaus mit über das Phänomen des zeithistorischen Krimis in der Weltliteratur. Sie stellen neue Stimmen ebenso vor wie aktuelle Werke von Alt-Meistern des Genres, wie John le Carré oder Robert Harris. WIESBADENER

I/2018

„Spuren des Bösen: Wut“, ZDF

Der als Privatdetektiv in der beliebten Serie „Ein Fall für zwei” bekannte Schauspieler Wanja Mues erweckt bei der Lesung spannender Passagen die Romane zum Leben. Die zeithistorische Reise beim diesjährigen KrimiMärz führt außerdem mit Robert Hültners Kommissar Lazare nach Frankreich, mit Sabine Hofmann und Rosa Ribas ins Spanien der Franco-Zeit sowie mit Szczepan Twardoch in die Warschauer Unterwelt. Die Autorengruppe „Dostojewskis Erben” erweckt in ihrer beliebten Ringlesung im Literaturhaus die regionale Historie zum Leben.

Philipp Felsch mit Klaus Wollscheid, dem Geschäftsführer des Fernsehkombinats in Leipzig, über Kriminalität in Diktaturen. Das Gespräch in der Murnau-Stiftung moderiert Bärbel Schäfer. Die Caligari Filmbühne widmet Tom Tykwer im März außerdem eine Krimi-Filmreihe. Das ausführliche Programm liegt ab Mitte Februar aus und kann unter: www.wiesbaden.de/krimimaerz heruntergeladen werden.

TomTykwer – Foto: © Joachim Gern

Abseits des Schwerpunktthemas laden in Wiesbaden die Volkshochschule, die Kulturstätte Montabaur, die Hochschul- und Landesbibliothek, Buchhandlungen, das kuenstlerhaus43 sowie das Literaturhaus zu spannenden Krimiabenden ein: Unter anderem mit der für ihr Debüt bereits international gefeierten jungen Autorin Melanie Raabe, dem beliebten Krimiautor Jan Costin Wagner, der historischen Krimiautorin Beate Sauer oder auch dem ehemaligen Wiesbadener Krimistipendiaten Michael Kibler. Im Rahmen einer „Doku-CrimeNight” des Deutschen FernsehKrimiFestivals und des Literaturhauses diskutiert außerdem der Historiker 9


KULTUR

&

KREATIVES

ARHYTHMIA

Filmgeschichte im Zeitraffer: goEast präsentiert mittel- und osteuropäisches Kino von gestern, heute und morgen

V

10

om 18.-24. April 2018 bietet goEast – Festival des mittelund osteuropäischen Films wieder eine bunte Mischung aus anspruchsvoller Kinokunst, angesagtem Mainstream und Klassikern. Das Festival feiert Regiedebüts ebenso wie die Werke großer Meister.

Premierenzwang, egal ob Mainstream oder Autorenkino – Abwechslung, Diversität und Originalität stehen hier im Vordergrund”, erklärt die niederländische Filmproduzentin und Kuratorin, die zuletzt das europäische Dokumentarfilmfestival dokumentART in Neubrandenburg leitete.

Seit vergangenem Herbst sitzt die neue Festivalleiterin Heleen Gerritsen auf dem Regiestuhl von goEast und hat auch gleich ein paar Änderungen mit ans Set gebracht. Zum Beispiel die Sektion goEast Bioskop. Die Namensgebung verweist auf die Wiege der europäischen Filmkultur, genauer auf den gleichnamigen von den Berliner Brüdern Skladanowsky entwickelten Filmprojektor. „Mit der neuen Sektion zeigen wir große Filmkunst jenseits vom

goEast erkundet in Bioskop aktuelle Impulse des osteuropäischen Films und bringt im Westen noch weitgehend Unentdecktes auf die große Leinwand. Dabei treffen die unterschiedlichsten Genres aufeinander – vom slowakischen Gangsterdrama DIE LINIE (2017) bis zum weißrussischen Festivalhit THE ROAD MOVIE (2016), der nur aus Dashboard-Kameramaterial besteht. Ein echtes Glanzlicht im Programm: Altmeister Jan Švankmajer feiert mit seinem surrealistischen

Neue Sektion goEast Bioskop

WIESBADENER

I/2018


KULTUR

&

KREATIVES

Spielfilm INSECT Deutschlandpremiere in Wiesbaden. Der Regisseur bestand darauf, mit seinem Film außer Konkurrenz zu laufen.

Das bittersüße Leben in der russischen Provinz Ebenso aktuell geht es im diesjährigen goEast Porträt zu, das dem russischen Filmemacher Boris Khlebnikov gewidmet ist. Den Regisseur und das Wiesbadener Filmfestival verbindet eine lange Geschichte: 2004 gewann er mit seinem Spielfilmdebüt KOKTEBEL die Goldene Lilie für den besten Film, im Jahr 2009 verlieh ihm die Jury für VERRÜCKTE RETTUNG den Preis der Stadt Wiesbaden für die beste Regiearbeit. Khlebnikovs Werk repräsentiert das Leben in der Putin-Ära. Dabei spielen seine Geschichten nicht vor der großen Kulisse Moskaus, sondern schildern das Leben in der Provinz jenseits des Großstadtgetümmels. Khlebnikovs Werke zeichnen sich durch leisen, manchmal schwarzen Humor aus, immer wieder wird er mit Aki Kaurismäki verglichen. In seinem letzten Werk ARHYTHMIA (2017) wirft sich ein alkoholsüchtiger Rettungssanitäter gegen alle Widerstände in den Beruf und OCCUPATION 1968 –The Last Mission (RUS)

gerät darüber hinaus in eine tiefe Krise mit seiner Frau. Neben Khlebnikov hat auch Stammschauspieler Aleksander Yatsenko seine Anwesenheit beim goEast Festival angekündigt.

Fotoausstellung: Junges, hippes Osteuropa trifft Wiesbadener Badekultur Eine spannende Verquickung aus Vergangenheit und Zukunft liefert das offizielle Motiv der 18. goEast-Ausgabe. Die slowakische Fotografin Mária Švarbová spielt in ihrer Serie „Swimming Pool” mit Gegensätzen, lichtet Menschen in knallbunter Badegarderobe vor kontrastarmen, geometrisch streng angeordnete Hintergründen ab – allesamt Schwimmbäder aus kommunistischer Zeit. WIESBADENER

I/2018

11


KULTUR

&

KREATIVES

DIE LINIE

Vom 16. bis 30. April werden in der AtriumGalerie der SV SparkassenVersicherung Teile aus Švarbovás bisher umfangreichster Serie ausgestellt. Für die 1988 geborene Švarbová ist es nach Veröffentlichungen in The Guardian, Vogue und Cosmopolitan, die erste Werkausstellung in Deutschland.

OCCUPATION 1968 (2017) eine Weltpremiere der besonderen Art: Fünf Regisseur*innen aus unterschiedlichen europäischen Staaten haben das Projekt realisiert. www.filmfestival-goEast.de

Eine Zeitreise unternimmt auch das diesjährige Symposium. 100 Jahre nach den ersten Unabhängigkeitserklärungen Estlands, Lettlands und Litauens schauen Filmwissens chaftler*innen und Filmschaffende unter dem Titel „Hybride Identitäten. Das Kino der baltischen Länder” auf Entwicklungen im Baltikum. Das dazu gehörende Filmprogramm im Murnau Filmtheater ist öffentlich, zu sehen sind Archivschätze, wie eine einzigartige restaurierte 35mm-Kopie von Uldis Brauns‘ 235.000.000 (1967) und ein umfangreiches Animationsfilmprogramm, unter anderm mit skurrilen Kurzfilmen aus dem weltweit ältesten Animationsfilmstudio Nukufilm. Vorträge bietet zudem das Spezial-Programm Prag 1968, das sich der filmischen Auseinandersetzung mit den Ereignissen des Prager Frühlings widmet. Auf das Wiesbadener Publikum wartet mit 12

WIESBADENER

I/2018


Die wilden Affären von Bild und Text

Zusammenarbeit ie Galerie Kunst-Schaefer zeigt in ab dem 23. mit der Galerie Christian Schindler älde des Gem die Februar erstmals in Darmstadt nd Ber ors Aut und Wiesbadener Künstlers, Grafikers Schneider.

D

der Künstler längst kein Den Lesern des WIESBADENER ist gabe berichteten wir Unbekannter mehr. In der letzten Aus norddeutschen ausführlich über seine Aktion bei dem Dabei ist er nicht al!” nkm Festival „DenkmalKunst!KunstDe ins Rollen bringt, er Bild die der nur der Performancekünstler, esbadener Fenstersturz” wie spektakulär geschehen beim „Wi im ehemaligen Gerichtsgebäude. r Zeichner, Grafiker und Bernd Schneider ist auch ein brillante e Werke bisher nicht in sein sind h nicht zuletzt Maler. Dennoc en, denn er arbeitete größeren Ausstellungen gezeigt word skreis. nur für sich und den engsten Freunde er auch eine ÜbersichtsDie Darmstädter Ausstellung ist dah zehn Jahre. So unteren letzt schau über sein Schaffen der en Werkphasen auch den chie vers schiedlich die Werke der kaligrafisch anmutende sind, finden sich in allen Bildern fast : “Zu meinen Arbeiten Texte. Bernd Schneider erklärt dazu und Text. gehört immer die Koexistenz von Bild t unterschiedliche WahrDarüber hinaus wird eine möglichs ittelbare Nähe angenehmung aus der Ferne bis in die unm von weitem und kleinstrebt. Idealerweise groß und plakativ kommt. Dabei erzählen sie teilig und spielerisch je näher man ten, sondern können hich nur scheinbar gradliniger Bildgesc und Texten sich hen Zeic h durc sich, beim näher kommen, auch widersprechen.” WIESBADENER

I/2018

Und das sagt der Künstler: die Koexistenz von Bild Zu meinen Arbeiten gehört immer möglichst unterschiedliche eine und Text. Darüber hinaus wird die unmittelbare Nähe Wahrnehmung aus der Ferne bis in plakativ von weitem und angestrebt. Idealerweise groß und man kommt. Dabei erzähkleinteilig und spielerisch je näher geschichten, sondern len sie nur scheinbar gradliniger Bild h Zeichen und Texten durc , men können sich, beim näher kom s durch entsprechenden sich auch widersprechen (Co wie Foto können). Meine Bilder Bildunterschriften zu Lügen werden n Motto ist: „Man kann lügen selbstverständlich nie, da mei h logisch denken” auch um unendlich vielen Ecken noc

ignung von Zeichen, Ein weiterer Aspekt ist die serielle Ane leichten Variationen z.B. wird eine gezeichnete Figur mit llt und auch mit Texten neben- und untereinander dargeste staktion entwickelt, wo ich versehen. Daraus hat sich eine Kun ete eine bestimmte Figur rtap live und vor Ort auf eine Raufase der Anderen aufzeichzu einer bestimmten Thema eine nach ehen. Themen waren unter net und mit einen Kommentar vers 2011”, „ Die einzig wahre anderen: „Gut sitzen in Wiesbaden, ein Bild, 2015”, „Ganz Spur in Wiesbaden, 2012”, „ Macht os´ Aufstieg, Einbeck yph Wiesbaden steht Kopf, 2016”, „Sis rben werden. erwo Ort 2017” Diese konnten dann vor e Infos unter: www.kunst-schaefer.d 13


KULTUR

&

KREATIVES

Das Autoscooter-Kino beim Filmfest

LICHTER Filmfest Internationale und hessische Film-Highlights am Main

D

as LICHTER Filmfest ist die zentrale Plattform des Filmschaffens der Rhein-Main-Region und mit seiner Auswahl von Filmen aus allen Regionen der Welt das einzige wirklich internationale Festival an einem wachsenden Standort der Filmbranche. LICHTER beleuchtet in seiner elften Ausgabe vom 03. bis zum 08. April 2018 das Thema „Chaos” in den unterschiedlichsten Dimensionen. LICHTER findet seit 2008 jedes Jahr im Frühling an verschiedenen Spielstätten in Frankfurt und in anderen Städten der Rhein-MainRegion statt. Ein Team aus rund 40 hauptsächlich ehrenamtlich engagierten Filmemachern, Medienexperten und Filmliebhabern richtet das Festival alljährlich aus. Die ersten Welt- und Deutschlandpremieren beim diesjährigen LICHTER Filmfest Frankfurt International 14

stehen fest. Für die elfte Ausgabe haben die Macher des Festivals bereits jede Menge internationale Filme und Highlights des regionalen Filmschaffens ausgewählt. Es herrscht „Alarmstufe Rot” – was UN-Generalsekretär António Guterres in seiner Neujahrsansprache resümierte, hat sich seit Jahren angekündigt: Autokraten und antidemokratische Bewegungen bedrohen vielerorts die Stabilität politischer Systeme. Das globale Finanzsystem bringt eine Blase nach der anderen hervor. Selbst das atomare Wettrüsten erlebt eine traurige Renaissance. „Heute mögen die Konsequenzen unseres Handelns noch nicht spürbar sein. Doch allein der Klimawandel zeigt uns, dass die Ignoranz gegenüber unserer Umwelt irgendwann bestraft wird”, sagt Festivaldirektor Gregor Maria Schubert.

„Beim 11. LICHTER Filmfest stellen wir uns deshalb die Frage, wieviel Chaos unsere Welt noch verträgt”, so Schubert. Die elfte Ausgabe des Festivals vom 03. bis 08. April 2018 widmet sich dem Schwerpunktthema in handverlesenen internationalen Filmen und interdisziplinären Gesprächen mit Philosophen, Wissenschaftlern und Künstlern. „In den Filmen steuern ganz unterschiedliche Menschen ins Chaos – pubertierende Jugendliche, ein Kosmonaut in der Raumstation Mir und Iggy Pop, der dem sinnsuchenden Nichts eine Stimme verleiht”, erläutert Johanna Süß, stellvertretende Festivaldirektorin. Mit All You Can Eat Buddha, Sergio & Sergei und In Praise Of Nothing laufen drei Filme als Deutschlandpremieren im internationalen Wettbewerb. Zudem zeigt LICHTER mit Blue My Mind und Home zwei Coming-of-Age-Dramen, die zurzeit WIESBADENER

I/2018


KULTUR

&

KREATIVES

© Wunder der Wirklichkeit

in aller Munde liegen: Für Home erhielt Fien Troch den Orizzonti Award als beste Regisseurin bei den Filmfestspielen von Venedig. Lisa Brühlmanns Spielfilmdebüt Blue My Mind wurde für die Beste Regie auf dem Filmfestival MaxOphüls-Preis geehrt und darf sich über sieben Nominierungen beim Schweizer Filmpreis freuen.

Dieter Reifarths dokumentarischer Filmessay Die Tortur läuft als Deutschlandpremiere bei LICHTER und erzählt von den Foltererlebnissen des Schriftstellers Jean Améry als NSGefangener in der belgischen Festung Breendonk.

Ein weiteres Film-Highlight blickt auf eines der größten Unglücke der deutschen Filmgeschichte zurück: Im Jahr 1991 starben 28 Menschen bei einem Flugzeugabsturz in der Nähe von Heidelberg. Unter den Opfern der Filmemacher Martin Kirchberger und sein Team.

Das regionale Programm

Die Spiel- und Dokumentarfilme im regionalen Lang- und Kurzfilmprogramm bringen die Vielfalt des hessischen Filmschaffens auf die Leinwand. Die Produktionen sind alle unter Beteiligung von Filmschaffenden und Förderern aus Hessen und der Rhein-Main-Region entstanden. Gleich fünf Langfilme feiern Weltpremiere bei LICHTER: Frauke Lodders Dokumentation Schattenkinder über die Bürde von Geschwistern schwerbehinderter Kinder; der Film Das stille Leuchten, in dem sich die Frankfurter Regisseurin Anja Krug-Metzinger auf die Suche nach der Schule der Zukunft macht; die Dokumentation Das schwarze Museum (Regie: Oliver Hardt) über das National Museum of African American History and Culture in Washington; das Familiendrama Halt!Los! (Regie: Moritz Becherer) um Existenzängste und Leistungsdruck; sowie Citizen Animal von Oliver Kyr, ein Dokumentarfilm über die „Bürgerrechte” von Tieren. WIESBADENER

I/2018

© Blue My Mind

Der aus Friedberg stammende Regisseur David Sieveking greift in seinem neuen Film Eingeimpft ein Thema auf, das die Gemüter in Deutschland erhitzt: das Impfen. Soll man es tun oder nicht? Ink of Yam ist der Abschlussfilm von Tom Fröhlich an der Hochschule Darmstadt und wurde beim Hessischen Film- und Kinopreis 2017 als bester Hochschulfilm ausgezeichnet. Der Regisseur besuchte für den Dokumentarfilm ein Tattoo-Studio in Jerusalem, in dem der NahostKonflikt scheinbar nicht existiert. Beide Werke zeigt das LICHTER Filmfest als Hessenpremiere.

In der Dokumentation Wunder der Wirklichkeit, das mit dem Hessischen Filmpreis 2017 in der Kategorie „Dokumentarfilm” ausgezeichnet wurde, lässt der damalige Wegbegleiter Thomas Frickel die legendäre Rüsselsheimer Künstlergruppe Cinema Concetta um Kirchberger wieder aufleben.

Weitere Infos unter: www.lichter-filmfest.de

15


KULTUR

&

KREATIVES

FACES, unten: FACES-Genetics and

Poison

Kunst-Bilder mit Kraft und Botschaft sstellung im „Faces” heißt die aktuelle Kunstau aber nicht um Kunst es der Wiesbadener LOFTWERK, bei Taunusstein lebenin Der t. geh im herkömmlichen Sinne entiert Kunstbilder, de Fotograph Ulrich HM Wolf präs um auf die schönen die eine Botschaft transportieren, stände in unserer Dinge des Lebens, aber auch auf Miss ei arbeitet er Dab . hen Gesellschaft aufmerksam zu mac uspiel, der Scha dem , wbiz Sho mit Prominenten aus dem et ihnen biet und en mm zusa chen Musik und anderen Bran en tlich n ehrenam auf diese Weise die Plattform, ihre oder, ten, chaf errs Tätigkeiten, in Vereinen, bei Schirmh ein sten Äng und ganz persönlich, auch ihren Freuden gromit rke stwe Kun n tehe Gesicht zu verleihen. So ents n Ban en sein in er acht Betr den die ßer Kraft und Wucht, ziehen.

16

es”- Bild “Golden Highlight der Ausstellung ist das “Fac sich gerade in Beder ers, Earth” von Popstar Thomas And hten ließ .Das ablic Serie es”– „Fac gleitung von RTL für die die Botschaft, tiert spor tran rk stwe Kun mit ihm entstandene ein kostbares Gut dass unsere wunderbare goldene Erde andelt werden sollte. ist und sie entsprechend von uns beh mas Anders seine Tho Als bodenständiger Koblenzer weiß mt 2008 die rnim übe und Prominenz richtig einzusetzen hutzbund. Die ersc Kind er lenz Kob den Schirmherrschaft für sehr viel Freude. ObArbeit mit und für Kinder macht ihm swerte Projekte bei wohl überall in der Welt unterstützung erschutzbund in der Kind ihm angefragt werden, liegt ihm der en. Herz am rs eigenen Heimat ganz besonde WIESBADENER

I/2018


KULTUR

&

KREATIVES

unten: FACES: Silence Blick in die Ausstellung

es , Genetics and Poison” Ein anderes Beispiel: das ArtObjekt “Fac igen Kunstform, die Missbeschreibt eindringlich in einer einzigart Umgang mit Pestiziden, stände in der Landwirtschaft und dem den Farben. Im Gegensatz in einem Bild mit Wucht und Kraft in “ eine ebenso große Ruhe hierzu strahlt das Bild “ Faces , Silence linigen oder durch Möbel grad gen aus ,welches einen ganzen stren gen kann. unruhigen Raum ins Gleichgewicht brin für den guten Zweck in die Ein Teil der Einnahmen geht als Spende ine, oder gemeinnützigen Hände der Prominenten und Ihre Vere r kleinen Auflage von 10 eine in Unternehmen. Da die Werke nur gerung gewiss, und für tstei Wer die Stücken angefertigt sind, ist nt, mit dem Gewissen auch Kunstliebhaber und Investoren interessa noch etwas Gutes getan zu haben. ahme sichtbar zu machen, Das Wesen des Menschen bei der Aufn Wolfs Eltern dem jungen Seit e.” grafi ist die höchste Kunst der Foto nkten, ist er inspiriert von Wilden mit 10 Jahren eine Kamera sche Auge bietet. Das Talent, sie der vielfältigen Schönheit, die sich dem Handwerk, sie auch im Bild zu erkennen, hat er mitgebracht, das Die Arbeit mit namhaften einzufangen, von der Pike auf gelernt. Otto Weißer und Thomas gel, Den Fashion-Fotografen wie Herbert Wolf für die besondere FotoHaderer haben ihn geprägt. So steht auslöst: Seit Anfang der 90er grafie, die in dem Betrachter Emotion e, Fashion und Beauty sowie hat sich Wolf als Fotodesigner auf Mod auf Advertising spezialisiert. Paris Hilton (for RICH ProDarüber hinaus standen unter anderem (US5), Natascha Wright (La secco), Londonbeat, Michael Johnson ens und Thomas Anders Bouche) Markus Möhrl (NDW) Udo Jürg en vor der Kamera – dort in seiner Modelvilla in Taunusstein/Hess liebsten. „Die besondere, am arbeitet er trotz seiner vielen Reisen in meinem Refugium ist äre osph Atm entschleunigt-konzentrierte n Moment, den es zu zeigen oft die Basis für den außergewöhnliche d ungewöhnlich zurückhaltengilt”, betont der für das Medienumfel erte Ulrich HM Wolf. Für seide Fotopsychologe und Menschenexp Option, der Sitz Taunusstein e ne Homebase ist eine Großstadt kein h fragen Models und türlic „Na en: mittlerweile sein Markenzeich WIESBADENER

I/2018

us...wo? Nach deren Anreise Auftraggeber regelmäßig nach Taun wird allen, die zum ersten Mal etc. and aus Berlin, London, NY, Mail osphäre ist einzigartig. kommen, schnell klar: Die herzliche Atm sstellung ist bis Mitte Mai Diese beeindruckende Fotokunst-Au 65183 Wiesbaden zuseG, bei LOFTWERK, Langgasse 20, 1.O hen; Anmeldung ist nicht erforderlich. le.de

Weiteres unter: www.loftwerk-roethe

17


KULTOUREN

Einheimischen ist das Modehaus Kopp Schwalbacher Straße Ecke Faulbrunnenstraße noch ein Begriff. Im Projektbüro neben der City-Passage im „Hinterland” stellt sich die Wiesbaden-Biennale 2018 vor.

Berührendes Wiedersehen in San Sebastian am Rande des „Dia de San Sebastian 2018 – Künstlersohn Ignacio Chillida trifft Ute Bleissner im Vorfeld der großen Chillida-Ausstellung im Museum Wiesbaden.

Bad News – Biennale im „Hinterland“ als „feindliche Übernahme“ der City-Passage

Brückenschläge: ChillidaKunstwerke in Wiesbaden und die „Stele der Toleranz” in San Sebastian/Donostia

Babylon zu Gast bei Freunden mit neuen Stücken aus Europa war vorgestern. Die Neue „WiesbadenBiennale“ des Staatstheaters Wiesbaden geht in die zweite Runde und verkündet vom 23. August bis zum 2. September 2018 „Bad News“. Eine „künstlerische Intervention” soll sie werden mit dem Schwerpunkt „Hinterland”, das vom kuratierenden Duo Maria Magdalena Ludewig und Martin Hammer im Herzen der Stadt verortet wird. Das Projektbüro ist in das frühere Kaufhaus Kopp an der Ecke Faulbrunnenstraße und Schwalbacher Straße eingezogen. Die Biennale versteht sich als eine „Achsenverschiebung” vom Musentempel an der Wilhelmstraße zum Stadtzentrum an der Schwalbacher Straße. Hauptschauplatz wird die leerstehende City-Passage sein, wo zu Zeiten des Kultur-Café Cicero schon Live-Kultur (Musik, Lesung, Performance, Film) über die Bühne ging. Auch die beiden oberen Etagen des City-Parkhauses nebenan sollen bespielt werden – von den Kooperationspartnern. Der Schlachthof bietet musikalisches Programm. Das Landesmuseum ist Kooperationspartner und Direktor Dr. Alexander Klar deutet einen „spannenden Ausstellungsparcours“ an, obwohl es hier an Sicherheitstechnik und Klimatisierung mangelt. Der Nassauische Kunstverein ist ebenfalls an Bord. Diese Biennale ist auch ein interdisziplinäres Pilotprojekt: Der Wiesbadener Kunstsommer wird durch die Kooperationspartner mit dem Festival verschränkt, wodurch sich ein Fokus auch auf die Kunst im öffentlichen Raum richtet. Auf der obersten Parkhausfläche wird das Festivalzelt aufgestellt. Doch, auch das Staatstheater selbst wird Spielort sein. Ob auch diesmal ein „Grand Hotel“ im Foyer zu Übernachten einlädt? Wohl nicht, aber „etwas ganz Ungewöhnliches“ soll es dort geben. Mehr wird nicht herausgerückt. Intendant Uwe Eric Laufenberg deutet „Reibungsflächen“ an „von Sachen, die nicht zusammen passen“ und bekundet erfrischend offenherzig: „Mir gefällt´s nicht.“ Santiago Serra (Spanien), Roger Ballen (Südafrika), Thomas Bo Nielsen und Vincent Glowinski (Belgien) wirken mit. Auch der Libanese Rabih Mroué (Riding on a cloud“) ist wieder dabei. Text und Foto: Gesine Werner

„Es ist ein besonderes Flair, die ganze Stadt feiert zwei Tage den „Dia de San Sebastian“ und vereint alle Generationen.“ Ute Bleissner besuchte wieder die Partnerstadt am Atlantik. Um Mitternacht bejubeln Tausende auf der Plaza de la Constitucion die Fahnenhissung von Alcalde Eneko Goia an der Stadtbibliothek. Tamborradas dröhnen, die „Sociedas“ tischen auf. Die frühere Präsidentin des „Partnerschaftsvereins Wiesbaden – San Sebastian e.V.“ trifft als gern gesehener Gast in Donostia traditionell wichtige Personen. Oberbürgermeister Eneko Goia – im Goldenen Buch der Stadt Wiesbaden verewigt (wir berichteten) - signalisierte Erfreuliches: „Alcalde Goia hat zugesichert, daß eine „Stele der Toleranz“ in Donostia aufgestellt wird.“ Der Standort der Toleranz-Stele wird noch bekannt gegeben. Rafael Aguirre Franco ist vielen Wiesbaden-Delegationen in bester Erinnerung – als engagierter Touristikchef des Rathauses von San Sebastian. Im Gespräch kündigte der bekannte Autor ein neues Buch mit Kurzgeschichten an. Ein besonderer Höhepunkt war das Wiedersehen mit Ignacio Chillida. Ehrenpräsidentin Bleissner hatte in ihrer Amtszeit Ignacio und Luis Chillida, Söhne des weltberühmten Bildhauers Eduardo Chillida, nach Wiesbaden geholt. Ignacio Chillida war im Museum Wiesbaden und im Presseclub mit Vorträgen zu Gast. Eduardo Chillida als Blockbuster in Wiesbaden: Ab Mitte November sind im Museum Wiesbaden ikonische Skulpturen, große Keramikwände und Papierarbeiten zu sehen. „Für die Familie Chillida geht der lang gehegte Wunsch in Erfüllung, die Werke des Vaters im Museum der Partnerstadt zu zeigen.“ Ute Bleissner, schon seit vielen Jahren mit der Idee befaßt, ist „begeistert, daß es jetzt unter Direktor Dr. Alexander Klar zur lang ersehnten Ausstellung kommt.“ In enger Kooperation und wechselseitigen Treffen vor Ort wird mit den Chillida-Söhnen die Schau vorbereitet. Noch eine gute Nachricht: Im Sommer wird das Museo Chillida Leku – Caserio Zabalaga in Hernani bei San Sebastian nach mehreren Jahren der Schließung wieder geöffnet. Für die großzügige Unterstützung ist Ignacio Chillida dem Ehepaar Iwan und Manuela Wirth mit der Galerie Hauser & Wirth Zürich/NewYork dankbar und betont: Gruppenführungen für Park und Caserio sind weiterhin auf Anfragen möglich. Text und Foto: Gesine Werner

18

WIESBADENER

I/2018


KULTOUREN

Konzertpianistin Erika LeRoux, Kammersänger Eike Wilm Schulte und Sopranistin Anne German (von links) wurden im Theaterfoyer mit standing ovations gefeiert, auch von den früheren Verwaltungsdirektoren Peter Janowski und Joachim Bauscher.

Weinseliges Sternstündlein mit einem weltweit rasierenden Barbier

„Frauenquote zu 100 % erfüllt! Die närrische Behauptung auf dem Motivwagen des Fassenachtszugs 2017 geht als Prophezeiung durch: Im Magistrat der Landeshauptstadt Wiesbaden sind Anno 2018 Frauen zu NULL Prozent vertreten.

Von Frauen befreit...ist eine moderne Stadtregierung Im Wiesbadener Magistrat sind die Herren der Schöpfung unter sich

Es war ein Sternstündlein mit hinreißend „familiärer Atmosphäre“ wie in alten Zeiten von Intendant Leininger, war trotz freigiebig gewährter Zugaben „zu kurz“ und sollte unbedingt im nächsten Jahr wiederholt werden – da war sich das bestens gelaunte Publikum im ausverkauften Prunkfoyer des Musentempels einig. Auch Peter Janowski, der frühere Verwaltungsdirektor des Staatstheaters, hatte sich unter die Schnudedunker gemischt. Zu „Dichtung, Musik, Gesang und Wein vom Rhein“ hatte der Ausnahmebariton Eike Wilm Schulte ins Prunkfoyer des Musentempels eingeladen. Der ewig jugendliche 78er ist nach wie vor ein weltweit „rasierender Barbier“. Der Hessische Kammersänger kann also auch „in vino veritas“, wie sich schnell herausstellte. „Es prüfen die kundigen Zungen den Wein...“ Selbstredend hatte sich der sympathisch bodenständige Zeitzeuge im Oral History-Projekt „Erlebte Geschichte/n“ des Stadtarchiv-Fördervereins ein exzellentes Ensemble gesichert. Konzertpianistin Erika Leroux war wie gehabt eine kongeniale Begleiterin, versetzte das Publikum auch mit Schuberts Impromptu in Ges-Dur und Sindings „Frühlingsrauschen“ in Entzücken, geizte später nicht mit Zugaben. Ob Lehar oder Chopin - die junge Koloratursopranistin Anne Germann brillierte mit warm timbrierter, voll tönender Stimme und war quer durch den Saal so gar nicht beschwipst... Auch der „Feuerstrom der Reben“ aus der „Fledermaus“ von Johann Strauß durfte im Programm nicht fehlen. „Die Majestät wird anerkannt!“ Das Ehrenmitglied des Staatstheaters erwies sich seinem „weinseligen Publikum“ als ausgewiesener Rebenkenner und stellte edle Tropfen von Grauem Burgunder über Weißherbst bis zur Huxelreben-Beerenauslese vor. Ein süffiger Brückenschlag vom Rheingau nach Rheinhessen war der genußvolle Abend auch... Eike Wilm Schulte traf auch mit seinen augezwinkernd ausgewählten Gedichten und Prosatexten von Hesse bis Heine („Es fließt der holde Rebensaft...“), Heinz Erhard und Willem Busch ins Schwarze. Der Frankfurter Schnudedunker aus dem Hause Goethe kam ebenfalls zu Wort. Als Schmankerl erwies sich, vom Publikum als Zugabe mit Applaus gefordert, das Trinklied aus Thomas Ambroises „Hamlet“ mit dem Wunsch: „Der Wein zerstreue unsere Sorgen.“

„Feminismus heute? Ja, bitte!“ Wenn das kein aktuelles Motto ist, das sich die kommunale Frauenbeauftragte Saskia Veit-Prang zum Internationalen Frauentag am 8. März 2018 ausgedacht hat. Ein Schelm, wer beim Kommunalen Frauenreferat an ein Feigenblatt denkt... Das Frauenwahlrecht in Deutschland wird 100 Jahre alt. Das Hessische Gleichstellungsgesetz schreibt eine Quote von 50 Prozent vor. In Wiesbaden regiert ein „Kenia-Bündnis“ aus SPD, CDU und Grünen und die Quote von 30 Prozent ist Beschlußlage der Stadtverordnetenversammlung. Doch keiner der sechs hauptamtlichen Magistratsposten ist weiblich besetzt. Stadträtin Sigrid Möricke war die letzte Mohikanerin. Neben OB Sven Gerich und Bürgermeister Dr. Oliver Franz leiten Axel Imholz, Andreas Kowol, Christoph Manjura, Detlev Bendel und Hans-Martin Kessler die wohldotierten Dezernate. Von Frauen befreit ist der Magistrat der hessischen Landeshauptstadt. O wie peinlich ist dies Armutszeugnis. Back to the Achtziger. Aus dem Slogan „Hessen vorn!” ist die Realität „Wiesbaden hinten!” geworden. Die „Frauenfreie Zone” sorgt nicht nur in den Medien für Spott. Die Parlamentsopposition legte den Finger in die Wunde. (Hartmut Bohrer (Linke&Piraten) monierte ironisch den „gewaltigen Schritt nach vorne – oder zurück”. Der Abgeordnete sieht dieses „ganz schlechte Zeichen” als Symbol einer „problematischen Politik”, die sich nicht um das selbst gesetzte Quotenziel von 30 Prozent schert. „Ein hauptamtlicher Magistrat ohne Frauen wäre eine Katastrophe für eine Landeshauptstadt” befürchtete die frauenpolitische CDU-Sprecherin Simone Koch im Februar 2017. Jetzt ist die kommunale Männerriege mit ihrer NullProzent-Frauenquote ein Rekord: Bundesweit wird eine einzige weitere Landeshauptstadt von Männern regiert - in Schwerin gibt es drei Dezernate. Prima, daß die „Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen in der SPD” – die sich die Gleichberechtigung auf die Fahne schrieb – kürzlich wiederbelebt wurde. Die neue Vorsitzende Susanne HoffmannFessner gab an, die ASF solle „für ein modernes und gerechtes Frauenbild” stehen. Ob für das Zukunftsprojekt „Wiesbaden 2030+” auch die Null-Prozent-Frauenquote gilt?

Text und Foto: Gesine Werner

Text und Foto: Gesine Werner

WIESBADENER

I/2018

19


KULTOUREN

Hip-Hop in den Heilgen Hallen bei der etwas anderen Kulturpreiszeremonie im Rathaus: Laudator Akim Walta (vorne) ist der Breakdancer, Kulturpreisträger Manuel Gerullis (Mitte) wird von Parlaments-Chefin Christa Gabriel und OB Sven Gerich flankiert.

Hohe Ehre für den weltweit vernetzten HipHop aus der Dose Kulturpreis Wiesbaden geht an Manuel Gerullis und sein „Meeting of Styles“ GratulARTion! Jetzt ist es amtlich: Der farbenfrohe HipHop aus der Sprüh-Dose ist aus der Schmuddelecke raus und preiswürdig. Manuel Gerullis hat 1995 das „Wall-Street-Meeting“ am Schlachthof begründet und bekam „gans offiziell“ den Ritterschlag. Der weltweite Netzwerker der Graffitikultur, der mit seinem Meeting of Styles in über 30 Ländern vertreten ist mit Ablegern von Asien bis Australien, ist der aktuelle Kulturpreisträger der Landeshauptstadt Wiesbaden. „HipHop ist mein Leben. Der Kulturpreis ist ne schöne Wertschätzung.“ Der bodenständige Gründervater gründete 2010 mit seiner „Aktion Farbenfroh“ den Verein „KONTEXT - Zentrum für urbane Kultur“ (dem sein Preisgeld von 5000 Euro zugute kommt) und bietet im Kontext an der Welfenstraße der Jugendkultur ein Asyl. Hip-Hop in den Heilgen Hallen kommt eher selten vor. Das Breakdancetrio „Dangerious Mainz“ gab der etwas anderen Zeremonie mit Parlaments-Chefin Christa Gabriel, OB Sven Gerich, Kulturdezernent Axel Imholz und vielen Kulturpreisgekrönten im Festsaal des Rathauses eine erfrischende Note. Eine Fotoshow auf großer Leinwand zeigte Characters, Styles und Tags auf Motiven der alten Schlachthofhallen und von Europas größter Open-Air-Galerie am Hochkreisel Kastel. Rapper Murez hielt „fast eine Rede“. OB Sven Gerich trug Amtskette und fand sich damit „fast ein wenig zu steif“. Mit Günther „Günni“ Beck, 1988 Jugendzentrumsleiter der Reduit Kastel, begrüßte Wiesbadens OB den Bürgermeister „aus der geliebten Nachbarstadt Mainz.“ Der Meenzer Bub Akim „Zebster“ Walta, in den Achtzigern als „Prime“ Sprayer in der Reduit, betreibt den Hip-Hop-Standort Berlin und offerierte als langjähriger Wegbegleiter in seiner Laudatio eine Zeitreise zu den Anfängen. Kulturdezernent Axel Imholz hätte sich die „Höhlenmalerei ohne Höhle“ nie als Preisträger träumen lassen. „Die Gruppe um Manuel Gerullis ist Kulturbotschafterin für das weltoffene Wiesbaden.“ www.meetingofstyle.com www.buntic-media.de Text und Foto: Gesine Werner 20

Propsteikantor Martin Lutz nach 45 Dienstjahren noch einmal in voller Aktion mit seiner Schiersteiner Kantorei und dem kompletten Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach in der prallvollen Marktkirche.

Musikalisches Finale und klangvolle Stabübergabe Kantor Martin Lutz nach 45 Jahren als Leiter der Schiersteiner Kantorei verabschiedet „Jauchzet, frohlocket!“ Ein berührendes Kirchenkonzert mit langem Nachhall in der prallvoll besetzten Marktkirche. Der Nassauische Landesdom war auch auf den zusätzlichen Bänken komplett gefüllt. Propsteikantor Martin Lutz verabschiedete sich nach 45 Jahren Leitung von „seiner“ Schiersteiner Kantorei in den 22. Wiesbadener Bach-Wochen mit Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium. Alle sechs Kantaten wurden vom Schiersteiner Kantor spürbar enthusiastisch mit vollem Körpereinsatz dirigiert, im Nassauischen Landesdom war es mucksmäuschenstill. Die Schiersteiner Kantorei bescherte ihrem scheidenden Gründer mit berückender Interpretation einen klangvollen Schwanengesang. Die hochkarätige Besetzung mit Sopranistin Kateryna Kaspar, Simone Grün (Soprano in eco), mit dem etwas verspätet eintreffenden Counter Andreas Scholl und dem spontan eingesprungenen Altus Judd Perry, mit Tenor Andreas Weller und Bassist Markus Flaig sowie dem Barockorchester Bach-Ensemble Wiesbaden stand für bewegende Darbietung. Erst nach einem intensiven Moment des Nachhallens erhob sich das Publikum. Der Applaus im Stehen und die Bravorufe wollten nicht enden. Der Dirigent verbeugte sich lächelnd und sagte schlicht „Danke“. Dekan Dr. Martin Mencke verabschiedete ihn im Gemeindehaus offiziell in den Ruhstand. Mit 22 Jahren hatte Martin Lutz das Amt angetreten, das er mit Herzblut und leidenschaftlicher Kompetenz ausfüllte und ihn zum Kulturpreisträger machte. Martin Lutz hat den Musikherbst 2018 schon konzipiert und leitet die 135. Bachvesper „Ich lasse Dich nicht“ am 4. März in der Christophorus-Kirche Schierstein. Die klangvolle „Stabübergabe“ an Nachfolger Clemens Bosselmann mit der 133. Bachvesper dirigierte der humorvolle Kirchenmusiker „als Rentner, der noch mal darf.“

Text und Foto: Gesine Werner WIESBADENER

I/2018


KULTOUREN

Das Landespolizei-Orchester Hessen sorgte mit seinem BenefizNeujahrskonzert für den Turnverein Biebrich 1846 im Lilien-Palais für Schwung.

Von Heimat und dem neuen Lilien-Palais in Biebrich In Biebrich, auch „Versailles am Rhein“ genannt, gibt es jetzt ein Lilien-Palais. Denkmalgeschützt firmiert das Gebäude des Turnvereins Biebrich gegr. 1846 j. P. unter dem neuen TVB-Pächter Harald Kauth als Lilien-Palais. In der großen (Turn-)Halle ging das zweite Neujahrskonzert des TVB überraschend gut besucht über die Bühne. „Unser Neujahrskonzert wird eine Tradition“, verkündete TVB-Vorsitzender Günter Noerpel. Als Schirmherr hatte Ingmar Jung, MdB Vergnügen an der Auszeit ohne Politik. Das schwungvoll aufgelegte Landespolizei-Orchester Hessen verzichtete auf Honorar. Unter der gekonnten Stabführung des ungarischen Dirigenten Laszlo Szabo hatte der Klangkörper sogar Filmmusik von Ennio Morricone im Gepäck. Balou der Bär blickte ins „Dschungelbuch“ und gab die Parole aus: „Versuchs mal mit Gemütlichkeit!“ Über den wieder in Mode gekommenen Begriff „Heimat“ machte sich TVB-Ehrenmitglied Dr. jur. Rolf Faber Gedanken. Der Biebricher Bub erinnerte an die alte Weisheit: „Wo es mir gut geht, da ist mein Vaterland, meine Heimat.“ Damit es der Bevölkerung im Herzen von Biebrich „gut geht“, legt sich seit Sommer 2017 Harald Kauth ins Zeug, natürlich in Absprache mit dem Denkmalschutz. Nach Monaten eigener Sanierung in Treppenhaus, Lilienstube und Gaststätte, neuem Biergarten mit Schankanlage und Sandkasten für die lieben Kleinen ist das Lilien-Palais barrierefrei erreichbar. Alles wirkt gediegen, hell und einladend. Teamplayer Kauth setzt mit seinem Koch Hans-Martin Kaiser auf gutbürgerliche Qualität, lädt zu Mittagstisch und Sonntags-Brunch. Zukunftsmusik: Die Empore der Turnhalle soll ertüchtigt und für das Publikum der Veranstaltungen bestuhlt werden. In der Kleinkunstbühne sind am 10. März Frederick & Friends zu Gast. Am 16. März kommt Ramon Chormann ins Lilien-Palais. www.lilien-palais.de

Text und Foto: Gesine Werner

Schloß Biebrich ist seit 1998 Schauplatz der Traditionsveranstaltung „Musikalischer Frühling”. Der Verschönerungsund Verkehrsverein Biebrich am Rhein e.V. 1870 lädt zum Jubiläumskonzert ein.

Musikalischer Frühling in der Schloßrotunde zu Biebrich Es lebe die Tradition! Wenn sie kontinuierlich und mit Passion gepflegt wird, kann ein Jubiläum zelebriert werden: Am 25. März wird um 16 Uhr zum „musikalischen Frühling“ auf Schloß Biebrich eingeladen. Bei der 20. Auflage der beliebten Veranstaltung gibt es ein Wiederhören und Wiedersehen mit Publikumslieblingen. Das von Herbert Sieber gegründete und geleitete Johann Strauß-Orchester Wiesbaden spielt auf unter Dirigent Sieber und wird mit Melodien von Johann Strauß, Franz Lehar, Carl Michael Ziehrer & Co. das Flair des Frühlings versprühen. Zur Stammbesetzung – „er ist immer dabei und das Publikum liebt seine Moderationen“ – gehört auch der frühere HörfunkModerator Bernd Peter Arnold, der mit kenntnisreicher Eleganz durch das Programm geleitet. „Das Konzert findet zwischen Rotunde und dem Westflügel statt“, erläutert Klaus Zengerle. „Wir legen immer viel Wert auf persönliche Atmosphäre und den einmaligen Rahmen und freuen uns über treues Stammpublikum“, betont der Vorsitzende des „Verschönerungs- und Verkehrsvereins Biebrich am Rhein 1870“ als Gastgeber. Klaus Zengerle ist wichtig, „diese 1998 begonnene Reihe auf hohem Niveau auch künftig fortzusetzen, um Kultur und Geschichte in Biebrich zu festigen.“ Als Stargast konnte wieder die preisgekrönte, international gefragte Sopranistin Anja Stader gewonnen werden. Mit einem gefeierten Auftritt in einem früheren VVB-Frühlingskonzert hatte das Goldkehlchen seine Karriere gestartet. Der Nachwuchs liegt Klaus Zengerle besonders am Herzen: „Wir wollen der Jugend eine Chance und eine Plattform bieten und ihre Entwicklung fördern.“ Beim Jubiläumskonzert des „musikalischen Frühlings“ tritt mit der achtjährigen Annabelle Bruer und ihrem vier Jahre älteren Bruder Nicolas Bruer ein vielversprechendes Geschwisterpaar auf. Getreu der eigenen Tradition wird in der Pause ein stilvoller Sektempfang geboten. Karten gibt es bei der Tourist Information am Markt, Restkarten nur an der Tageskasse. www.wiesbaden.de/tourismus/kartenvorverkauf-shop Text und Foto: Gesine Werner

WIESBADENER

I/2018

21


KULTUR

&

KREATIVES

ensWert Arbeit“

oben: aus der Ausstellung „Leb unten: Karl Marx

Der Weltveränderer

K

antiker, arl Marx: Revolutionär, Gelehrter, Rom Mann, der der Philosoph oder Journalist? Wer war der in aller rte, nde verä mit seinen Werken die Welt oder Wer ist? en tritt ums Welt so bekannt, aber auch so ere weit viele und e dies auf n was prägte ihn? Antworte X MAR L KAR g ellun usst essa Land e Fragen gibt die groß . 200 des h sslic die anlä 1818 – 1883. LEBEN. WERK. ZEIT., i zwe in 8 201 r obe Geburtstags vom 5. Mai bis 21. Okt Trierer Museen gezeigt wird. TV-Ranking-Show Im Jahr 2003 landete Karl Marx bei der en Platz, vor ihm nur “Die größten Deutschen” auf dem dritt igen Revolutionärs ist Adenauer und Luther. Das Bild des bärt und das „Kommuital” Kap so berühmt wie seine Werke „Das ndsten Denkern eute bed den zu nistische Manifest”. Er zählt Persönlichkeit aus eine Kaum x. Mar des 19. Jahrhunderts: Karl aber auch so umstritten dieser Zeit ist heute noch so bekannt, jährt sich der Geburtstag und missverstanden. Am 5. Mai 2018 zum 200. Mal. Aus närs des großen Gelehrten und Revolutio ber 2018 in dessen Okto 21. bis diesem Anlass wird vom 5. Mai Karl Marx llung sste esau Land e Geburtsstadt Trier die groß entiert. Erstmals über1818–1883. LEBEN. WERK. ZEIT. präs he Ausstellung Marx‘ haupt widmet sich eine kulturhistorisc und dem vielfältigen Leben, seinen bedeutenden Werken Wirken in seiner Zeit. beleuchtet unter dem Das Rheinische Landesmuseum Trier und sein Jahrhundert: Auf Titel „Leben. Werk. Zeit.” Karl Marx der intellektuelle wie rund 1.000 m² Ausstellungsfläche wird ichnet. Prägend für geze politische Werdegang von Marx nach ist dabei das 19. en nom Öko den Philosophen und späteren sozialen und en tlich chaf wirts Jahrhundert mit seinen

22

WIESBADENER

I/2018


KULTUR

Arthur Kampf: An den Hallen in

er

Paris, Stiftung Sammlung Volm

tiebestrebungen wie auch Umbrüchen: Freiheits- und Demokra sind Kennzeichen dieser Industrialisierung und Urbanisierung Die Ausstellung gewährt bewegten und spannungsreichen Zeit. zeigt dabei, was an und Einblicke in Marx‘ wichtigste Schriften seiner Zeit bis heute ers lytik Ana den Ideen des herausragenden aktuell ist. aus aller Welt haben LeihNamhafte Museen und Institutionen KARL MARX 1818 – 1883. gaben zur großen Landesausstellung sagt. So stellen etwa das zuge LEBEN. WERK. ZEIT. in Trier 2018 Albert Museum in Lon& ria Victo das Musée d’Orsay aus Paris, rsburg Ausstellungsstücke don und die Eremitage in Sankt Pete die anlässlich des 200. Gefür die Jubiläumsschau zur Verfügung, 21. Oktober 2018 gezeigt burtstags von Karl Marx vom 5. Mai bis darunter Frankreich, ern, Länd wird. Knapp 400 Exponate aus elf nen ein anschauzeich , USA die und England, Spanien, Russland Karl Marx und von seiner liches Bild vom Leben und Wirken von und Zeichnungen sowie Zeit. Zu sehen sind wertvolle Gemälde cke. Dokumente und persönliche Schriftstü ilie, die verschiedenen Den Menschen Karl Marx mit seiner Fam ns und wichtige WeggeAufenthaltsorte seines bewegten Lebe Ausstellung „Stationen fährten im In- und Ausland nimmt die onstift Trier in den Blick. eines Lebens” im Stadtmuseum Sime e, die erstmals in DeutschSie zeigt zahlreiche Ausstellungsstück vollsten Leihgaben geland zu sehen sein werden. Zu den wert t („Le Moulin de la Galette hören ein Gemälde von Camille Coro t et d’histoire Genf sowie à Montmartre”) aus dem Musée d’ar r aus dem Musée de la eine Ansicht von Brüssel von James Enso delphia aus den USA Phila ry Boverie in Lüttich. Aus der Free Libra englischen Portdes ir” Cha ty Emp kommt das Gemälde „The . Noch nie zuvor in der raitmalers Samuel Luke Fields nach Trier tiftzeichnung, die den junÖffentlichkeit zu sehen war eine Bleis Hand von Marx‘ Kommiligen Karl Marx zeigt. Das Blatt aus der eum aus Privatbesitz Mus tonen Heinrich Rosbach wurde dem von Karl Marx weltweit. nis Bild te geschenkt und gilt als das ältes WIESBADENER

I/2018

&

KREATIVES

zählt eine Ausgabe des Zu den ungewöhnlichsten Exponaten chrift. Kommunistischen Manifests in Braille-S ücherei in Nürnberg wird enb Blind Die Leihgabe der Bayerischen entiert. präs eum Mus m ebenfalls erstmals in eine ralen Begriff bei Karl Marx, Mit dem Thema „Arbeit”, einem zent Museum am Dom. Unter befasst sich die Partnerausstellung im der Mensch und sein en werd dem Titel „LebensWert Arbeit” tlichen Menschenbildes chris s eine t Bezug zur Arbeit aus der Sich den Bogen von der selbstthematisiert. Die Ausstellung spannt lichung dient, bis hin zu bestimmten Arbeit, die zur Selbstverwirk digitalisierten Arbeitswelt. den Folgen einer globalisierten und mmierter Künstler wird es Neben zeitgenössischen Werken reno en. auch interaktive Bereiche geb urtstag von Karl Marx Das Jubiläumsprogramm zum 200. Geb öffentlichen Veranstaltunführt mit einem breiten Spektrum von aus den Bereichen Kultur ure gen durch das Jahr. Zahlreiche Akte bei – darunter die amm rogr und Bildung tragen zum Begleitp Kultur- und Kommudas , Trier ter Thea Trierer Hochschulen, das ungs- und Medienzentrum nikationszentrum Tuchfabrik, das Bild Szene. Ein Wissenschaftsund Kulturschaffende aus der Freien Deutschen UNESCOSymposion unter Schirmherrschaft der ktionen, Vortragsreihen, rodu Kommission, Musik- und Theaterp nen beleuchten unterllatio Insta Führungen und künstlerische und Wirken, aber auch akschiedliche Aspekte von Marx’ Leben Gesellschaft und Arbeit. tuelle Fragestellungen aus den Feldern Jubiläumsprogramm sind Zwei wichtige Kooperationspartner im die neu gestaltete Dau2018 das Museum Karl-Marx-Haus, das fnet, sowie das Museum eröf aus erausstellung in Marx‘ Geburtsh ensWert Arbeit” Perspektiam Dom, das in der Ausstellung „Leb Thema Arbeit zeigt. Das ven der zeitgenössischen Kunst auf das Sie im Online-Kalender . gesamte Jubiläumsprogramm finden usstellung.de Alle Infos unter: www.karl-marx-a

23


KULTUR

&

KREATIVES

Tick, Trick und Track. Außerdem präsentiert das Landesmuseum einige wertvolle Zeichnungen von Carl Barks aus eigenem Bestand. Außerdem präsentiert das Landesmuseum erstmals einige wertvolle Tuschezeichnungen von Carl Barks aus eigenem Bestand. In dem zweiten Teil der Ausstellung werden den Altmeistern die heutigen Stars der Disney-Zeichner und Texter gegenübergestellt. Die Comic-Stars Don Rosa, Jan Gulbransson und Ulrich Schröder haben hierfür Arbeiten aus ihren Ateliers zur Verfügung gestellt, die in Mainz erstmals gezeigt werden. Comic-Fans und Disney-Liebhaber dürfen sich auf außergewöhnliche Exponate mit Seltenheitswert freuen: z.B. das erste Micky-MausBuch „The Adventures of Mickey Mouse” aus dem Jahr 1931, von dem es weltweit nur noch wenige Exemplare gibt.

Al Talieferro, 0496 Donald (2), © The Walt Disney Company lo

M

it der Veröffentlichung von Micky Maus, Donald Duck und ihren Freunden, schuf der amerikanische Filmproduzent, Oscar-Preisträger und visionäre Unternehmer, Walt Disney, Klassiker der ComicLiteratur und machte sie auf der Kinoleinwand zu Ikonen des 20. Jahrhunderts.

lung der weltbekannten Figuren, von der Skizze bis zum fertigen Comic sowie auf die Arbeitsweise ihrer berühmtesten Zeichner, von damals bis heute. Im Zentrum der Ausstellung stehen zunächst die drei Altmeister der Disney-Comics aus den 1930er Jahren: Floyd Gottfredson, der

Mickey, Donald & Friends: Die Comic-Figuren und ihre Zeichner Doch wer waren die Zeichner hinter den Figuren, wer waren die ComicZeichner, die die Charaktere erfanden, ihre Welten lebendig werden ließen und ihre Geschichten über Jahrzehnte weitererzählten? Dieser Frage widmet sich die Ausstellung „Walt Disney – Mickey, Donald & Friends”, die ab 14. März 2018 im Landesmuseum Mainz zu sehen sein wird. Rund 300 Exponate ermöglichen einen umfassenden Blick auf die Entwick24

Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet, das sich an alle großen und kleinen Comic-Fans richtet. Führungen, Workshops, Filme, Vorträge und viele Aktionen rund um den Kosmos Entenhausen laden ab Mitte März ins Landesmuseum Mainz ein. Das detaillierte Programm findet man unter: www.landesmuseum-mainz.de Mickey, Donald & Friends: Die Comic-Figuren und ihre Zeichner Vom 14. März bis 29.Juli 2018 Landesmuseum Mainz Große Bleiche 49-51 Öffnungszeiten: Mi – So 10–17 Uhr, Di 10–20 Uhr www.landesmuseum-mainz.de Mickey, © Disney Courtesy Sammlung Reichelt und Brockmann

Zeichner der Micky Maus, Al Taliaferro, der Zeichner Donald Ducks und Carl Barks, „Vater” zahlreicher Figuren wie Onkel Dagobert, Daniel Düsentrieb und den Panzerknackern. Ein Großteil der älteren Blätter stammt aus der Sammlung Ina Brockmann und Peter Reichelt z.B. die sämtlichen Vorzeichnungen der 1973 erschienenen Geschichte „New Zoo Brews Ado”, die frühen Bewegungsstudien von Micky Maus und der 1. Auftritt von WIESBADENER

I/2018


KULTUR

V

om 9. bis 11.Mai findet in Frankfurt das 7.W-Festival statt und verwandelt die Mainmetropole zum Epizentrum internationaler Frauenpower. Neben Weltstars wie Ute Lemper und Mariza richtet sich der diesjährige Fokus vor allem auf eine junge Debütantin. Starke Frauen braucht das Land! Äh, Moment…die gibt es ja schon! Bereits zum siebten Mal lädt das W-Festival, früher bekannt als ‚Woman of the World‘, nach Frankfurt rund um die Zeil ein, um den musikalischen Fokus auf das schöne und mindestens ebenso starke Geschlecht zu richten. Und trotzdem wird 2018 wohl ein besonderes Jahr in der Festivalhistorie: Ein Wind der Veränderung liegt in der Luft, die ‚me too‘- Bewegung zieht unaufhaltsam von Amerika kommend über Europa hinweg und ist drauf und dran, die bröckelnde Kruste des nach wie vor strukturell WIESBADENER

I/2018

fest verankerten Sexismus zu beseitigen. Das alleine dürfte aber bei weitem nicht der Grund dafür sein, dass das W-Festival dieses Jahr zum zweiten Mal in Folge die magische 10.000-Besuchermarke

&

KREATIVES

sich nicht vor großen Ausblicken: „Der Spirit des W-Festivals wird wachsen und sich in das breite öffentliche Bewusstsein bewegen: wir führen aktuell viele Gespräche und merken allenthalben:

The Future is Female! knacken dürfte und damit wohl noch nie so viel Interesse aus dem In- und Ausland auf sich ziehen wird wie je zuvor – in Frankfurt werfen sie immerhin schon seit 2012 ein besonderes Auge auf talentierte Frauen. Die W-Festivalinitiatoren Klaus Bönisch und Bernd Hoffmann sind stolz auf die positive Entwicklung ihres Herzensprojekts und scheuen

die Zukunft ist weiblich!” The future is female, na also. Und um das auch schon in möglichst naher Zukunft zu unterstreichen, haben die beiden für dieses Jahr ein Line-up zusammengestellt, das sich sehen lassen kann: Internationale Größen wie Lisa Stansfield und Morcheeba werden ebenso erwartet wie lokale Stars a lá Christina Stürmer, Anna Depenbusch, Alin Coen und Wallis Bird oder interessante Newcome25


KULTUR

&

KREATIVES

rinnen wie Dota und Kinga Glyk. Zu sehen sein werden sie in insgesamt acht Locations um die Frankfurter Zeil herum, vor allem aber in der ehrwürdigen Alten Oper. Darüber hinaus wird es wieder ein Nachwuchscasting geben, eine tagsüber bespielte Open Air-Bühne auf dem Friedrich-Stoltze-Platz, diverse Konstellationen mit Frauennetzwerken und, und, und – in Kürze soll dazu mehr bekannt gegeben werden. Zur Begeisterung vieler werden auch zwei echte Weltstars ihr Können auf dem Festival darbieten: Zum offiziellen Beginn am 9.Mai im Großen Saal der Alten Oper wird Portugals extravagante FadoQueen Mariza, Ikone des modernen Fado und bekannteste Vertreterin des Lissaboner Blues, ihr neues Album vorstellen. Doch schon ein paar Tage zuvor bietet das WFestival im Rahmen einer Sonderveranstaltung ein wahres Highlight. In Zusammenarbeit mit der Jüdischen Gemeinde Frankfurt wird niemand geringeres als Ute Lamper ein Konzert in dem Festsaal der Ignatz Bubis-Gemeindezentrums halten und ‚Songs for Eternity‘ präsentieren – und zwar bereits am 3.Mai und damit deutlich vor dem eigentlichen Festivalbeginn. Musik, Lieder und Texte, die die WahlNew Yorkerin begleitet von einem Quintett vortragen wird, entstanden unter unvorstellbaren Lebensbedingungen in den Ghettos und Konzentrationslager der Nazis und stellen einzigartige Zeitdokumente dar, die sowohl Trauer und Schmerz als auch Hoffnung, Zuversicht und Trost ausdrücken. Aber natürlich dreht sich nicht alles um die Vergangenheit, ganz im Gegenteil. Das diesjährige W-Festival steht auch im Zeichen eines ganz besonderen Debüts: Singer/ Songwriter FEE. konnte 2015 das Nachwuchscasting für sich entscheiden und wird seither von den Festivalmachern begleitet. „Eine Akustik-Gitarre, eine betörende Stimme, mal rauchig, mal sanft, leichtblütig und voller Leben” – so beschreibt sich die Musikerin auf ihrer Homepage ziemlich treffend selbst. Die junge Frau, die seit 2010 in Frankfurt lebt, überzeugt mit einer Kombination aus frischen Pop, gespielt meistens in Begleitung ihrer akustischen Gitarre, und intelligenten und ausnahmslos selbst geschriebenen Texte, in denen sie 26

WIESBADENER

I/2018


KULTUR

offen und ehrlich mit toller Stimme über ihre Gefühlswelt erzählt. Jetzt erscheint ihr mit Spannung erwartetes Debütalbum ‚EIN ZIMMER KÜCHE BAD‘, dass am 9. März veröffentlicht wird. Bis dahin kann man auf www.feemusik.de schon mal in die grandiose Single ‚Wie bei den Magneten‘ reinhören. Die 27jährige Felicitas ‚Fee‘ Mietz hat für ihr junges Alter bereits erstaunlich viel in der hiesigen Musikbranche erlebt. Als kleines Mädchen sang sie im Schulchor, später spielte sie Klavier und brachte sich selbst die Gitarre bei. Zwar studierte sie durchaus erfolgreich Sozialarbeit, aber hauptsächlich um mit dem Semesterticket kostenlos Bus fahren zu können, wie sie der Frankfurter Rundschau einmal verriet. 2012 war die gebürtige Magdeburgerin, die zwei Jahre zuvor nach Frankfurt zog, als Frontfrau der Gießener Band NEOH im Vorprogramm diverser nationaler Größen wie Wir sind Helden und Nena zu sehen und darüber hinaus äußerst gefragt bei den großen Plattenlabels. Die Band unterschrieb damals bei dem Branchenriesen Universal, doch Fee konnte sich nie mit der fremdbestimmten Welt der kommerziellen Musik arrangieren, in der einem tagtäglich Co-Writer zur Seite gestellt werden, und verlies schließlich Band und Label, um mit neuen Songs eine Solokarriere WIESBADENER

I/2018

&

KREATIVES

zu starten. Diese Entschlossenheit zur Selbstständigkeit spiegelt sich seitdem auch in ihrem Namen wieder, den sie selber FEE. schreibt: Fee und Punkt. Dass die Entscheidung zweifelsfrei richtige war, wird sie am 11. Mai in der Alten Oper unter Beweis stellen können. Es sind also auch dieses Jahr wieder alle Faktoren dafür gegeben, dass das W-Festival ein voller Erfolg werden wird. Dazu trägt auch ein über Jahre gewachsenes Netzwerk an Sponsoren und Partnern bei, die zum Teil schon seit Beginn das stetig wachsende Festival unterstützen. Und das ist auch gut so, ist das W-Festival in Frankfurt doch ein einzigartiges wie besuchenswertes Highlight im Kulturkalender, das man sich nach Möglichkeit nicht entgehen lassen sollte. Vor allem dann nicht, wenn man starke Frauen und gute Musik gleichermaßen zu schätzen weiß. Alle Infos unter www.w-festival.de

Konstantin Mahlow Fotos: Sela Sue (S. 25), Mariza (S. 26, oben, © João Portugal) FEE (S. 26, Mitte) Kinga (S. 26, unten) Ute Lemper (S. 27, oben) 27


KULTUR

&

KREATIVES

Ein- und Ausstieg ist nur an den 5 festgelegten Haltestellen möglich. Der weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte PopJazzChor Wiesbaden, der beim Hessischen Chorwettbewerb 2017 in der Kategorie Pop/Jazz mit Begleitung gewonnen hat und im Mai 2018 als Vertreter Hessens zum Deutschen Chorwettbewerb nach Freiburg fährt, wird in der Kurzen Nacht 2018 wieder aktiv mit wirken. Zur Eröffnung der KURZEN NACHT im sam-Stadtmuseum Wiesbaden tritt er gegen 18.15 Uhr auf und gegen 21:30 Uhr im Museum Wiesbaden. Zum krönenden Abschluss ist ab 23.30 Uhr bis Sonntagfrüh 2:00 Uhr der Kunstverein Bellevue Saal, Wilhelmstr. 32 Gastgeber des traditionellen Abschlussfests.

Teilnehmende Galerien und Museen:

A

m 14. April 2018 laden die Wiesbadener Galerien und Museen, der Nassauische Kunstverein und der Kunstverein Bellevue-Saal in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Wiesbaden zum kostenlosen Besuch in ihre Ausstellungen ein. Diese attraktive nächtliche Kulturveranstaltung mit ihrem immer wieder spannenden und facettenreichen Programm lockt jedes Jahr tausende von Besuchern aus nah und fern nach Wiesbaden Um 18.00 Uhr wird die “Kurze Nacht 2018” von dem Kulturde-

zernenten der Stadt Wiesbaden, Stadtrat Axel Imholz und dem Organisator der Veranstaltung, Erhard Witzel, im sam-Stadtmuseum Wiesbaden eröffnet. Von 19 bis 24 Uhr können die teilnehmenden 23 Galerien und Institutionen im Rundgang kostenlos besucht werden. Es geht aber auch mobil mit unserem kostenlosen OLDTIMERSHUTTLE-SERVICE, dem “ROLLENDEN MUSEUM”mit seinen 100 Oldtimern. Die besonders beliebte Attraktion lädt die Gäste zu einer Zeitreise ein.

Wenn die Kunst die Nacht umarmt 28

AIDS Hilfe Wiesbaden, KarlGlässing-Str. 5 | BellevueSaal, Wilhelmstr. 32 | BBK SCHAUstelle, Nerostr. 32 – Hinterhaus | frauen museum, Wörthstr. 5 | DavisKlemmGallery, Steinernkreuzweg 24 | GALERIE 21,Taunusstraße 19 | GALERIE H22: Intermezzo im Lumen Restaurant, Marktplatz | Galerie Hafemann, Oranienstr. 48 | Kinderund Jugendgalerie, Dotzheimerstr. 99 | Kunsthaus, Am Schulberg 10 | Lumas Editionsgalerie, Wilhelmstr. 14 | MI, Nettelbeckstr. 21 | NASPA Nassauische Sparkasse, Rheinstraße 42-46 | Nassauischer Kunstverein, Wilhelmstr. 15 | Photogalerie Wiesbaden, Nerostraße 46 | Pokusa, Albrechtstraße 40 | Galerie Rother-Winter, Taunusstr. 52 | sam – Stadtmuseum Marktkeller | Kunst-Schaefer, Faulbrunnenstr. 11 | Schloß Freudenberg, Freudenbergstr. 224-226 | Astronomische Gesellschaft URANIA – Volkssternwarte auf der Martin-Niemöller-Schule, Bierstadter Straße 47 | Kunstraum der IG, Faulbrunnenstr. 5.

Die Veranstaltung wird im Auftrag der Interessengemeinschaft der Wiesbadener Galerien organisiert und durchgeführt von Erhard Witzel.

WIESBADENER

I/2018


KULTUR

Als köstlich dekadenter Herodes ist er ein gnadenlos satirischer „Superstar“ im Musical „Jesus Christ Superstar“: Schauspieler Uwe Kraus wird vom stellvertretenden Chefmaskenbildner Stefan Salcher in Hugh-Trump Hefner verwandelt.

&

KREATIVES

Zwei sympathische Diven, die im Wiesbadener „Tannhäuser” ausdauernd gefeiert werden Jordanka Milkova ist als Venus (links) eine Wucht und Sabina Cvilag (rechts) betört als Elisabeth mit glockenheller Stimme.

Fledermaus Antigone im Käfig voller Narren mit den Comedian Harmonists Theaterdonner auf den Bühnen in Wiesbaden, Darmstadt und Mainz In Wiesbaden zeigen zwei Theaterlegenden ihre Sicht. Brecht-Veteran Manfred Karge bringt „Antigone“ von Sophokles in Brechts Version mit Satyrspiel á la Hamlet auf das antike Bühnenrund von Gisbert Jäkel. Königstochter Antigone (Llewellyn Reichmann) hat ihren Bruder Polyneikes gegen den Willen des kriegslüstern tyrannischen Vaters Kreon (Uwe Eric Laufenberg) begraben, leistet vergeblich Widerstand. Der Intendant und Schauspieler/Autor/Regisseur Karge sind alte Bekannte. Mit herzlichem Applaus beglaubigt das Publikum den intensiven Abend. „Zum Hassen nicht, zur Liebe leb ich.“ Bühnenbildner-KostümbildnerRegisseur Achim Freyer hat mit WIESBADENER

I/2018

Händels Barock-Oratorium „Jephtha“ unter Gastdirigent Konrad Junghänel dem komplett begeisterten Publikum mit Janusmasken-Ensemble buchstäblich „den Kopf verdreht“. Faust-Preisträgerin Goria Rehm, Titelheld Mirko Roschkowski, Counter Terry Wey, Wolf Matthias Friedrich, Ann Alas I Jove und der fabelhafte Chor unter Leitung von Albert Horne sind in Hochform. Das Publikum ist aus dem Häuschen, Achim Freyer tänzelt über die Bühne. Der eigenwillige Abend dürfte Furore machen. Wagners „Tannhäuser“ ist in Uwe Eric Laufenbergs Sicht mit Leinwandprojektionen (Päpste & Co.) und großem Kreuz ein getriebener Schmerzensmann-Pilger zwischen

den Welten. Jordanka Milkova ist mit dunkler Samtstimme als Venus eine Wucht, die ihre Erotik auch ohne Nackedei-Hofstaat entfalten würde. Als Heilige Elisabeth (die sich zum Schluß auch nackig macht und im Licht entschwindet) berührt Sabina Cvilag mit glockenhellem Sopran. Lance Ryans Tannhäuser dürfte stimmlich noch zulegen. Benjamin Russell (Wolfram), Kammersänger Thomas de Vries (Biterolf) und Young Doo Park als Landgraf Hermann begeistern. Die Tanzsparte punktet in Wiesbaden mit exzellenten Gastspielen. Ballettdirektor Tim Plegge und Ballettkurator Bruno Heyndericks holten die vielversprechenden Tanztalente des 29


Das prächtig kostümierte Ensemble mit „Frosch“ Walter Renneisen (in Uniform), David Pichlmaier (Gabriel von Eisenstein). Dr. Falke/Fledermaus (Christoph Filler/Thomas de Vries) und Michael Pegher (Advokat Dr. Blind, links) kredenzt am Darmstädter Staatstheater eine mitreißende „Fledermaus“.

Nederlands Dans Theater 2 mit Choreografien von John Inger, Marco Goecke, Edward Clug und der Haus-Choreografen Sol Leon & Paul Lightfoot mit ihrem preisgekrönten „SH-Boom“ von 1994 nach Wiesbaden. Hinreißende Leichtigkeit und tänzerischer Charme begeistern. Na denn Prost! Zwei alte Damen morden leise, wenn es um Kesselrings „Arsen und Spitzenhäubchen“ geht. Regisseurin Ulrike Arnold hat mit den „Mordsschwestern“ Monika Kroll und Evelyn Faber sowie Uwe Kraus, Michal Birnbaum, Maximilian Pulst, Rainer Kühn, Mira Benser und Karoline Reinke einen Mordsspaß angerichtet. Trampelapplaus. Verdacht auf Publikumsrenner.

Blick nach Darmstadt

Chapeau! Eine mitreißende Version des Johann Strauß-Dauerbrenners „Fledermaus“ wird vom hervorragend aufgelegten Ensemble in Darmstadt geboten. Der Spaß beginnt im Foyer, wo die „Fledermaus“ ihren Rausch ausschläft. Publikumsliebling Walter Renneisen liefert als Dadderich-Gerichtsdiener Frosch ein Kabinettstückchen, kriegt Szenenapplaus. Nicole Claudia Webers Regie wird von Michael Nündel (Musik-Leiter) kongenial unterstützt, Bühne & Kostüme Friedrich Eggert. David Pichlmaier, Michael Pegher, Katharina Persicke und „Zofe“ Katharina Ruckgaber sind zum Niederknien. Schauspieler Christoph Bornheim

bringt Schillers „Räuber“ nach Darmstadt und setzt mit Tempo auf grelle Effekte, Songs und running gags, zeigt die vulgäre Gewalt von Anarchie. Samuel Koch kurvt als ausdruckstarker „Roller“ umher. Brecht ist auch da. Als Ensemble überzeugen Jörg Zirnstein, Jannik Nowak, Jeanne Devos. die Mainzer „Leihgabe“ Nicolas Fethi Türksever, Maria Radomski und Musiker David Kirchner. Sehenswert.

Blick nach Mainz

Shakespeare im Zeitraffertempo auf die Essenz eingedampft – und nichts fehlt. Einen bildgewaltig rasanten „Hamlet“ hat K.D. Schmidt mit Hauptdarsteller Henner Momann, der als bravouröser

Antigone in Wiesbaden: Applaus für den Regisseur, Theater-Urgestein Manfred Karge (7.von links), König Kreon (Intendant Uwe Eric Laufenberg), Antigone Llewellyn Reichmann und sein Bühnenteam und das Ensemble.

30

WIESBADENER

I/2018


Ein Freund, ein guter Freund...In Mainz sind die stimmgewaltigen Comedian Harmonists los. Alin Deleanu, Johannes Mayer, Steven Ebel, Peter Felix Bauer und Stephan Bootz „lieben es, zu unterhalten” – auf hohem Nievau.

Grübelprinz unter die Haut geht, auf den Punkt gebracht. Auf einem schmalen Todesstreifen mit Neonkreuz und Monitorturm (Brudermord-Enthüllung als Computerspiel) nimmt das Drama seinen Lauf. Kabarettreifes Kalauern inklusive. Nicolas Fethi Türksever, Paulina Jolande Alpen, Anna Steffens, Martin Herrmann, Lorenz Klee, Julian von Hansemann und Totengräber Murat Yeginer werden mit

Beifall überschüttet. Nicht nur zur Fassenachtszeit geht es im Mainzer „Käfig voller Narren“ schräg bunt und gern mal tuntig zu. Mann ist ganz Frau. „Mein kleiner grüner Kaktus...“ Die „Comedian Harmonists“ sind los in Mainz. Hausregisseur K.D. Schmidt gelingt mit seinen exzellenten Sängern ein berührender Abend, erzählt die Geschichte des legendären Ensembles mit Chuzpe. Alin

Deleanu, Steven Ebel, Johannes Mayer, Peter Felix Bauer, Stephan Bootz, Leiter Paul-Johannes Kirschner und Johannes Schmidt sind brillant aufgelegt. Ohne drei Zugaben kommen die Mannen nicht davon. Text und Fotos: Gesine Werner

���������������������������������� ������������������������������������������������

���������������������������� �������������������������������������� ���������������������������������� �������������������������������������� ��������������������

WIESBADENER

I/2018

31

�����������������������������������������������

�������������������������������������������������������������������������������������������������


KULTUR

&

KREATIVES

BrigitteLustenberger, FLOWERS XIX

Perspektiven – Strategien fotografischen Handelns

V

om 20. bis 22. April 2018 finden die 10. Darmstädter Tage der Fotografie statt. Fotoausstellungen, Fachsymposium und Diskussionen geben der Auseinandersetzung über Fotografie eine einzigartige Dichte. Bereits zum 10. Mal finden vom 20. bis 22. April 2018 die Darmstädter Tage der Fotografie statt. Über 50 Künstler zeigen an 12 Orten in Darmstadt ihre fotografischen Arbeiten zum Thema „Perspektiven – Strategien fotografischen Handelns”. Vom Museum Künstlerkolonie über die Centralstation bis hin zur Kunsthalle wird Darmstadt an diesem Wochenende zum Festivalort für zeitgenössische Fotografie. Die Ausstellungen, die Verleihung des Merck-Preises, ein Symposium, Workshops, Führungen und das traditionelle Künstlerdinner im Saal der Centralstation laden zum Austausch mit Künstlern und Experten ein. 32

Die Fotografie hat sich in einem historisch kurzen Zeitraum viele Bereiche in der Berichterstattung, in der Dokumentation, in der Werbung und in der zeitgenössischen Kunst erobert. Dabei hat sie vielfach Grenzen überschritten und Vorgaben gesprengt. Gleichwohl bezieht sie sich im Kern immer noch auf fotografische Prozesse. Standpunkt, Ausschnitt, Moment – das Fotografische in der Fotografie. Gerade komplexe Konzepte brauchen lesbare Formen, um kommunizierbar zu bleiben und nachhaltig wirken zu können.

Neben bereits etablierten Fotografen in der Hauptausstellung bekommen auch Nachwuchskünstler, die noch nicht in internationalen Galerien vertreten sind, eine Chance, ihre Exponate zu zeigen. Die meist noch jungen Fotografen zeigen ihre ausgewählten Arbeiten innerhalb des Rahmenprogramms. Die Arbeiten sind von hoher künstlerischer Qualität. Die Begegnung der Etablierten mit dem künstlerischen Nachwuchs wird dadurch besonders gefördert. Zum Festival erscheint ein umfangreicher Katalog.

Die Darmstädter Tage der Fotografie wollen den Blick auf diesen Wesenskern der Fotografie lenken und suchen Bilder, die diese Qualitäten in einer eigenständigen, individuellen Form mit transportieren. Bilder, die sich der ursprünglichen Kraft der Fotografie wieder bewusst werden und auf zeitgenössische Art weiterentwickeln.

Das Jahresthema „Perspektiven – Strategien fotografischen Handelns” wird in einer Ausstellung im Designhaus Hessen fokussiert. Sowohl konzeptionelle Arbeiten als auch eindringliche dokumentarische Serien international renommierter Fotografen/Künstler wurden vom Kuratorenteam ausgewählt. WIESBADENER

I/2018


KULTUR

&

KREATIVES

Diese Ausstellung wird zur Jubiläumsausgabe erstmalig zwei Wochen lang bis zum 6. Mai 2018 geöffnet sein. Folgende Künstler nehmen teil: Mandy Barker, Norman Behrendt, Nancy Borowick, Daniel W. Coburn, Cortis & Sonderegger, Crey Crawford, Geert Goiris, Jiang Jian, Katrin Koenning, Nico Krebs & Taiyo Onorato, Akihiko Miyoshi, Barbara Probst, Frank Schinski, Alp Sime. Der Wettbewerb ist das zentrale Ausstellungsprogramm der Darmstädter Tage der Fotografie. Nach der öffentlichen Ausschreibung zum Jahresthema „Perspektiven – Strategien fotografischen Handelns” reichten rund 380 Fotografen und Fotografinnen ihr Portfolio ein. Der öffentliche Wettbewerb wurde im Sommer 2017 ausgeschrieben, die Jurysitzung fand im Dezember letzten Jahres statt. Hier wurden 37 Positionen zur Teilnahme an den Darmstädter Tagen der Fotografie ausgewählt. Die drei für den Merck-Preis nominierten Hanna Becker, Brigitte Lustenberger und Michael Schmid präsentieren ihre Arbeiten im Museum Künstlerkolonie. Hanna Becker: Jil

MichaelSchmid, Elektroherd 2012

Das Jahresthema wird traditionell auch immer im Rahmen eines Symposiums diskutiert. Am Samstag, den 21.4., von 10–18 Uhr werden internationale Fotografieexperten, renommierte Kuratoren und beteiligte Künstler ihre Perspektiven und Strategien fotografischen Handelns vorstellen. Wir freuen uns mit Urs Stahel (Zürich, Kurator), Sena Çakýrkaya (Istanbul/Frankfurt, Kuratorin), Fabian Knierim (Wien, Kurator), Simone Klein (Köln, Photographie-Expertin und Art Advisor), Frank Schinski (Hannover, Fotograf) und Katrin Koenning (Melbourne, Künstlerin) ein vielseitiges Vortragsprogramm bieten zu können.

Künstlerdinner am Samstagabend Das traditionelle Künstlerdinner im Saal der Centralstation ist ein weiterer Höhepunkt des Festivals. Für 35 Euro (3-Gänge-Buffet und Getränke, 19 bis 21 Uhr) können sich Besucher des Festivals eines der limitierten Tickets sichern und gemeinsam mit den teilnehmenden Festivalkünstlern und dem Team der DTDF speisen und anstoßen. Weitere Infos und Tickets unter: www.dtdf.de

Das Symposium findet in den Räumlichkeiten und in Kooperation mit dem Fachbereich Gestaltung der Hochschule Darmstadt statt. Die Deutsche Börse Photography Foundation unterstützt das Programm. Der Eintritt zum Symposium ist kostenpflichtig. Tickets (15 Euro, ermäßigt 10 Euro) kann man im Vorverkauf online erwerben. WIESBADENER

I/2018

33


KULTOUREN

Schnudedunke für Afrika - nicht ohne Nilpferd: Als Dankeschön für Moderator Professor Dr. Leo Gros (links) hatte Père Joseph Werner Bardenhewer (rechts) aus Burkina Faso ein Nilpferd mitgebracht. Co-Moderatorin Bärbel Frosch-Brunnenstein

Schnudedunke mit echt lecker Stöffsche für Afrika „Entscheidend sind die persönlichen Kontakte.“ Der Freundeskreis Wiesbaden der bundesweit aktiven „Africa action“ engagiert sich seit Jahrzehnten tatkräftig, hat fünf Augenzentren errichtet und will in den Ländern der Sahelzone ermutigen. Ende Januar war „Père Joseph“ Werner Bardenhewer, der Ritter des Nationalordens von Burkina Faso, ein weiteres Mal auf dem „Kontinent der Zukunft“. Kaum retour in Wiesbaden, ging ein ungewöhnlicher Benefizabend für de Finanzierung von Augenoperationen ärmster Menschen im Sahel im Roncallihaus über die Bühne, der rund 3000 Euro Reinerlös erzielte. Um kreative Ideen ist Père Joseph nie verlegen. „Schnudedunke für Afrika“ war die Devise, die ein engagiertes Team hinter den Kulissen und im Saal passioniert in die Tat umsetzte. Ein ökumenisches Duo, das sich bibelfest und trockenhumorig foppte, machte mit den Kredenzen vertraut. Als renommierter Weinexperte aus Geisenheim-Johannisberg war der Chemieprofessor Dr. Leo Gros der perfekte Moderator, dem die frühere Wiesbadener Weinkönigin Bärbel Frosch-Brunnenstein vom Weingut Frosch in Kostheim kompetent zur Seite stand. Liebevoll dekorierte Tische boten der hochkarätig bestückten deutsch-afrikanischen Weinprobe die adäquate Kulisse. Dr. Frank Hollingshaus sorgte mit wohl temperierten Klavierklängen für musikalisches Kolorit. Die Weingüter/Weinhandlungen Frosch in Kostheim, Procellar Wines/Wiesbaden, Carl Ehrhard/Rüdesheim, Udo Ott/Wiesbaden-Frauenstein, Trenz/Johannisberg, die Hessischen Staatsweingüter Kloster Eberbach, Michael Bott/Kostheim, das bischöfliche Weingut Rüdesheim, das Weingut der Hochschule Geisenheim, das Klosterweingut der Abtei St. Hildegard, das Weingut Keßler/ Eltville-Martinsthal und das Weingut Balthasar Ress/Hattenheim zeigten Herz und spendierten edle Kredenzen aus der Region und aus Afrika für den Guten Zweck. Am 24. Mai wird im Roncalli-Haus zugunsten der africa action „70 Jahre Abitur - Wahnsinn!“ gefeiert. Die „Männer-WG“ der Diltheyschule feiert im l der Comedian Harmonists mit. Am 21. Oktober lädt die africa action zum literarisch-musikalischen Benefizabend „Der irre Spielmann – Joseph v. Eichendorff, der letzte Romantiker“ mit Schauspieler Benjamin Krämer-Jenster und Pianistin Mirjana Petercol in den Roncalli-Saal ein. Info: www.wi-africa-action.de Text und Foto: Gesine Werner 34

Das Ensemble I Giocosi gastiert Anfang März im Vortragssaal des Museums Wiesbaden und schlägt die Brücke zwischen Orient und Tango. Foto: Privat

Musikalisch schwingendes Seidentuch als fliegender Teppich im Museum Wenn ein Seidentuch zum fliegenden Teppich wird, weht die Musik vom Balkan über den Orient bis nach Südamerika. „I Giocosi“ (giocoso: fröhlich, scherzhaft) nennt Ako Karim, vielsaitig engagierter Master of Music (Klarinette, Saxophon, Akkordeon) sein Ensemble. Mit Veronika Keber (Querföte), Jens Mackenthun (Gitarre), Susanne Klar (Piano), Harald Becher am Kontrabaß (oft mit Lulo Reinhardt auf Achse) und Schlagzeuger Gilbert Kuhn hat der Kurde aus Sulimany im Nord-Irak sich einen lang gehegten Traum erfüllt. Seine Debüt-CD verbindet Klassik mit Weltmusik, die den Namen verdient, und schmeichelt den Gehörgängen mit gekonnt präsentierten Klängen von Klezmer, Jazz, Folklore, Balkan, Tango und Latin. Das Publikum in der voll besetzten Thomaskirche war von „Dasmal Harir“, dem „Seidentuch“, schlicht begeistert. Ob bei der Kirchennacht in St. Birgid oder beim 30. Geburtstag des Eine Welt-Zentrums - als Solist und in diversen Formationen sorgt Ako Karim mit seiner Geschichten erzählenden Klarinette für Gänsehautmomente. Als Musikpädagoge war Ako Karim auch beim Schulprojekt „Klänge – Sounds – Geschichten“ für das hr2Hörfest gefragt. Mit Schulkindern der Pestalozzischule hatte Klangkünstler Ako ein „Dschungelkonzert“ einstudiert und den Luftballon als vielfältig verwendbares „Musikinstrument“ erprobt. Wenn der Elefant trötet und der Frosch quakt, kann auch mal Regen prasseln... Mit seinem Ensemble „I Giocosi“ kommt Ako Karim am 4. März 2018 in den Vortragssaal des Museums Wiesbaden und bringt „Orient und Tango“ zusammen. Präsentiert werden Kompositionen von Jaques Ibert, Raymond Scot, Eden Ahbez, Libby Larsen und Astor Piazzolla. Tango, der „traurige Gedanke, den man tanzen kann“ wird übrigens nicht nur instrumental geboten. Ein Tanzpaar macht dem Tango Beine. Noch ein Termin zum Vormerken: Bassist Harald Becher ist mit dem Lulo Reinhardt Latin Swing Project am 24. März 2018 in der Jazz Fabrik Rüsselsheim zu Gast. www.ako-karim.de Text: Gesine Werner WIESBADENER

I/2018


KULTOUREN

Gelebte Bilderleidenschaft – von Beckmann bis Jawlensky. Dem Sammler und Stifter Frank Brabant ist zum 80. Geburtstag in seiner Wahlheimatstadt Wiesbaden erstmals eine große Ausstellung im Landesmuseum gewidmet.

Mit der 19. närrischen Riesling-Gala und der großen Kostümsitzung setzte der CCW die vierfarbbunte Guddstubb ein Wochenende lang unter Strom. Wiesbadens First Lady Christa Gabriel feierte als neues CCW-Mitglied Premiere.

Großherzig gelebte Bilderleidenschaft von Beckmann bis Jawlensky

Saalfeuerwerk mit royalem Glanz im Kurhaus voller CCWNarren

Er ist die Bilderleidenschaft in Person, ein ewig junger Sammler von Expressionismus und Neusachlichkeit. Der hanseatische Wahlwiesbadener Frank Brabant, Zeitzeuge im oral-history-Projekt „Erlebte Geschichte/n“ des Wiesbadener Stadtarchiv-Fördervereins, hat für sein bedeutendes Portfolio von rund 600 Arbeiten eine Stiftung gegründet. Zu gleichen Teilen geht die Sammlung an das Museum seiner Geburtsstadt Schwerin und ans Landesmuseum Wiesbaden. Dem Haus hatte er 2014 Jawlenskys „Helene im roten Kostüm“ und Karl Hofers Selbstbildnis geschenkt.

„Beim Club is uns Gott Jocus hold, erstrahlt vom Neroberg das Gold!“ Mit der russischen Kapelle als Motiv des begehrten Kampagnen-Ordens steuerte die Großfamilie des Carneval Clubs Wiesbaden 1954 e. V. volle Kraft voraus durch die Fünfte Jahreszeit. Das närrische CCW-Wochenende setzte mit Fünfsterne-Budenzauber und mit Rheingauer Edel-Kredenzen das „Kurhaus voller Narren“ unter Strom. Die närrische CCW-Riesling-Gala als Unikat der Wissbadener Fassenacht zeigte als „humorvoller Abend mit Riesling & Co.“ zur 19. Seh-Fahrt die vierfarbbunte Flagge für das Narrenschiff auf hoher See. Royalen Glanz Charme als frühere Rheingauer und Wiesbadener Weinmajestät versprühte Stephanie Kopitz, die mit dem bestens aufgelegten CCW-Clubpräsidenten Andreas Guntrum – ab Mitternacht „Geburtstagskind“ – und Weinbauverbands-Präsident Peter Seyffardt als pfiffiges Dreigestirn moderierte. Wiesbadens First Lady Christa Gabriel feierte Premiere bei der Weingala. Die Weingüter Barth, Diefenhardt, Egert, Heinz Nikolai, Prinz und Speicher-Schuth schenkten edle Tropfen ein. Fassenacht aus der Region ist Devise der CCW-Kostümsitzung. Der CCW kann Brückenschlag nach Meenz – die „Füsiliergarde Gonsenheim“ machte lautstark RambaZamba und die Mainzer Hofsänger fragten bei Trump & Co. besorgt: „Fehlt es da etwa an Gehirn?“ Eine Klasse für sich sind die „Fidelen Sandhasen Oberlar“. Die dreifachen Deutschen Meister ließen mit artistischen Höchstleistungen, „Flug-Körpern“ und vierstöckigen Pyramiden die Planken erbeben. Publikumsliebling Andi Ost ist Wiesbaden-exklusiver Stammgast, heimste den ersten CCW-Grammy-Award ein und riet dem aufgekratzten Saal: „Geht doch als Publikum auf Tournee!“ Alles Circus: Mit Clowns, Patti Smith und hinreißendem Easy Rider-Flair versetzte das CCW-Hofballett TV Strinz Margarethä die Rostra in rasante Schwingungen. Die Anarchos Christian Schier & Martin Heininger kamen als „Ein-Satz-Kommando“ und schossen mit „FEG-News“ den Vogel ab. Der CCW-Gartenzwerge haben Zuwachs bekommen im XXL-Format. Die „Atzmann Tornados“ tobten als feurige Spanier über die Planken des Narrenschiffs. Die „Amanda“-Goldkehlchen“ rockten den Saal, auch Promis schwangen das Tanzbein.

Ab 13. April 2018 ist die Schau „Von Beckmann bis Jawlensky – Die Sammlung Frank Brabant“ im Landesmuseum Wiesbaden zu sehen. Zur Vernissage seiner Schau in Schwerin hatte ihn die Geburtsstadt mit der Eintragung ins Goldene Buch der Hansestadt gewürdigt – „gleich nach dem holländischen Königspaar und Bundespräsident Steinmeier. Mein Wunsch ist die enge Kooperation beider Häuser. Ich hab mich nicht eingemischt in die Auswahl der Kuratoren Dr. Roman Zieglgänsberger aus Wiesbaden und Mark Dahlen in Schwerin. Der gemeinsame Katalog erscheint mit zwei Titelbildern und zeigt farblich auf, wohin jedes Werk kommt.“ Sein Faible wurde dem Widdergeborenen, der im April runde 80 schultert und 20 Jahre in Schwerin lebte, nicht an der Wiege gesungen. Die Sache mit dem Sammeln hatte 1963 im Frankfurter „Kunstkabinett“ Hanna Bekker vom Rath mit Max Pechsteins Holzschnitt „Redner“ begonnen und er durfte den Preis von 350 Mark ein Jahr lang „abstottern“. Alo Altripp, den „kleinen Mann mit großer Ausstrahlung“, kannte er persönlich. Enkelinnen und Jawlenskys Schwiegertochter waren zu Besuch bei ihm. Leihgaben sind weltweit auf Achse. Der „Prophet“ Brabant galt wenig „im eigenen Lande“, seine zweite Heimat seit 60 Jahren. Unter der alten Leitung wurden 2010 erstmals 80 Werke im Wiesbadener Haus gezeigt - als Ergänzung der Schau über „das Geistige in der Kunst“. Gut, dass Wiesbaden endlich die Kurve kriegt und Frank Brabant gebührend anerkennt. Text und Foto: Gesine Werner

Text und Foto: Gesine Werner WIESBADENER

I/2018

35


KULTOUREN

Sopranistin Claudia Grundmann und Organist Klaus-Uwe Ludwig in der Bergkirche

O weiter, stiller Friede

Susanne Hake vor dem Geburtshaus von Urgroßvater August Kortheuer in der Nerostraße. Der letzte nassauische Landesbischof stand der Bekennenden Kirche nahe und war 1933 von den Nazis aus dem Amt gedrängt worden.

Spätromantik-Konzert in der Bergkirche mit Claudia Grundmann

Die Regisseurin und ihr „Jahr der Ahnen”

Die „Fülle des Wohllauts” in der Bergkirche war mit der Königin der Instrumente und mit einer glockenhellen Stimme zu erleben. Joseph von Eichendorffs Ausruf „O weiter, stiller Friede!” wurde zum Titel für das erlesene Konzert mit kenntnisreich ausgesuchten Werken der Spätromantik, zu dem Kantor Christian Pfeifer begrüßte. Das selten gespielte Zwischenspiel aus Franz Schmidts Oper „Notre Dame” (nach Victor Hugo) markierte den Einstieg in das intensive Hörerlebnis. „Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen...” Der „erste Psalm” ging in Sigfrid Karg-Elerts Vertonung unter die Haut. Koloraturensicher und mit warmem Timbre gesegnet, sorgte Sopranistin Claudia Grundmann für manchen Gänsehautmoment und wußte mit ausdruckstarker Interpretation zu begeistern. Auch Klaus Uwe Ludwig, noch als Kantor und Leiter des Bachchores der Lutherkirche in Erinnerung, zeigte sich an der frisch renovierten Orgel in Hochform und lotete das Klangspektrum in allen Registern aus. Ein unerwartetes Schmankerl: Auch die Nibelungen gaben in der Bergkirche ihre Visitenkarte ab. Kirchenmusiker Ludwig hatte Richard Wagners Kammerorchesterwerk „Siegfried-Idyll” für die Orgel bearbeitet und mit seiner Variante ein hörenswertes Klangerlebnis geschaffen. „In dämmrigen Grüften träumte ich lang von Deinen blauen Lüften...” Die „vier letzten Lieder” von Richard Strauss nach Gedichten von Hermann Hesse und Joseph von Eichendorff - ursprünglich nicht für großes Orchester und nicht als Zyklus komponiert - bildeten mit der Orgelfassung von K.U. Ludwig den finalen Schwerpunkt. Das Publikum lauschte in gebannter Stille. Erst nach einem Moment des Nachhalls löste sich die Versunkenheit, Claudia Grundmann und Klaus Uwe Ludwig konnten herzlichen Applaus im Stehen entgegennehmen. In der Passionszeit wird in diesem Jahr (17. März, 19.30 Uhr) zu Bachs Johannespassion eingeladen. Unter Leitung von Christian Pfeifer ist das Barockorchester capella montana mit historischem Instrumentarium zu hören. Zu „Nachtklängen” der Orgel lädt Kantor Pfeifer am 23. März um 21 Uhr in das Gotteshaus ein. Goldkehlchen Claudia Grundmann ist beim Frühlingskonzert mit Herbert Sieber und seinem Johann Strauß Orchester Wiesbaden am 21. März um 15 Uhr im Kaisersaal Sonnenberg als Sängerin und Moderatorin wieder zu erleben. www.bergkirche.de Text und Foto: Gesine Werner 36

Susanne Hake auf den Spuren von Landesbischof August Kortheuer und Hermann Hake „Für mich ist 2018 das Jahr der Ahnen.“ Susanne Hake, Maestra of Fine Arts, hervorragend qualifizierte TV-Regisseurin („Callboy“/„Der Dicke“) und Drehbuchautorin, die mit ihrem Sachbuch „Selbstmarketing für Schüchterne“ Furore macht und ein ganzheitliches Beratungs- und Coaching-Programm entwickelt hat, wandelt auf den Spuren ihrer Vorfahren. Susanne Hake ist die Urenkelin von August Kortheuer, dem letzten nassauischen Landesbischof. Am 3. Januar 1868 in der Nerostraße als Sohn eines Kolonialwarenhändlers geboren, kam er als Pfarrer an die Wiesbadener Lutherkirche und wurde im März 1925 zum Landesbischof gewählt. Der nassauische Landesbischof stand der Bekennenden Kirche nahe und sah sich 1933 von den Nazis aus dem Amt gedrängt. Sein Quasi-Schwiegersohn, Marktkirchenpfarrer Ernst-Ludwig Dietrich, spielte eine unrühmliche Rolle, was ihm der versöhnliche Geistliche später großherzig verzieh. Zum 150. Geburtstag des prominenten Ahnen nahmen rund 30 direkte Nachkommen seiner Töchter Anna, „Oma Else“ und Hilde am Familientreffen in Wiesbaden teil, waren auch aus Belgien angereist. Der Historie bewußt, fand das Mittagsmahl im Hotel Oranien - einstmals Christliches Hospiz - statt. In der Lutherkirche wurde den Nachfahren eine private Führung geboten. Der frühere Feldgeistliche Kortheuer war auch im Alter noch gut zu Fuß. „Uropa ist mit 94 beim Wandern im Schwarzwald gestorben“, weiß Susanne Hake. „Er ist jeden Tag von der Adelheidstraße zum Kochbrunnen gelaufen, um zwei Becher Kochbrunnenwasser zu trinken.“ Auch von den von Samstagswanderungen mit Amtskollegen war die Rede beim Familientreffen. „Wegen Opa nach Japan“. Ende Mai fährt Susanne Hake als Chorsängerin mit einer Gruppenreise aus Lüneburg, deutsche Partnerstadt von Naruto, nach Japan. Großvater Hermann Hake, Ehemann von Else Kortheuer, war 1914 im Kriegsgefangenlager Bando bei Naruto interniert. Vom liberalen Lagerkommandant Matsue Toyohisa erlaubt, konnte Opa Hake das Violaspielen erlernen. Am 1. Juni 1918 führte das Lagerorchester Beethovens Neunte erstmals in Japan auf. Zum 100. Jahrestag der Asienpremiere wird Beethovens Neunte von Nachfahren der Gefangenen und internationalen Chören noch einmal aufgeführt. Aber das ist eine andere Geschichte. Text und Foto: Gesine Werner WIESBADENER

I/2018


KULTOUREN

Die 122. Internationalen Maifestspiele Wiesbaden werden vorgestellt von Camerata Nuova-Chef Armin Kretschmar, Bernd Fülle, Intendant Uwe-Eric Laufenberg, Staatssekretär Patrick Burghardt und Kulturdezernent Axel Imholz (von links).

Malteser-Besucherin Friederike Wessel-Kernebeck und der stellvertretende Malteser-Landesbeauftragte Rolf Bescht suchen Freiwillige für den Malteser Besuchsdienst.

Ein Fest voll Lust und Freude

Mitmenschlichkeit leben, weil Nähe zählt...

122. Internationale Maifestspiele Wiesbaden mit neuer Oper, Schauspiel, Tanz, Lesung und Junger Woche Glückliche Tage mit der Götterdämmerung auf dem Maskenball: Politische Oper, Schauspiel, Tanz, Konzert, Lesung und Junge Woche. Das Angebot der 122. Internationalen Maifestspiele Wiesbaden vom 30. April bis zum 31. Mai ist breit gefächert, prunkt mit einem Gastspiel aus Moskau und richtet sich an alle Generationen. Unter dem Motto: „Ein Traum voll Lust und Freude“ präsentierten Intendant Uwe Eric Laufenberg, Staatssekretär Patrick Burghardt. Kulturdezernent Axel Imholz und Camerata Nuova-Chef Armin Kretschmar den rund 50 Produktionen bietenden Fahrplan der Festspiele. Gastspiele kommen aus Österreich, Dänemark, Schweden, Italien, Rußland, aus der Partnerstadt Ljubljana und Tango aus Argentinien. Das neue Festival-Café „No Exitus“ wird durchgehend geöffnet sein. Mit Verdis „Maskenball“ unter musikalischer Leitung von GMD Patrick Lange am 30. April startet der Wiesbadener Wonnemonat und endet am 31. Mai mit Musicalstar Nyassa Alberta & friends in concert. Die provokante Inszenierung „Who is happy in Russia?” von Kirill Serebrennikov ist als Gastspiel des Gogol Centers Moskau ein Coup der IMF 2018. Spannung verspricht die neue politische Oper „Vom Ende der Unschuld”, die in Kooperation mit der Camerata Nuova und dem Schlachthof in der Schlachthof-Halle gezeigt wird. Regie, Bühne und Kostüme verantwortet der renommierte Opernregiepreisträger Michiel Dijkema, dessen spektakulärer „Fliegender Holländers” hochkarätig besetzt auf dem Festspielplan steht. Schauspieler Uwe Kraus präsentiert mit Percussionist Edzard Locher „Stimmen” von Sam Shepard. Schauspielerin Chris Pichler geht mit dem Bläserensemble des Hessischen Staatsorchesters der Frage nach „Wie Shakespeare zu `Romeo und Julia´ kam”. Michael Quast besucht „Orpheus in der Unterwelt”. Kammersänger Thomas de Vries und sein Ensemble Mattiacis bringen Emilio de Cavalieris barockes „Spiel von Seele und Körper” ins Prunkfoyer. Zwei spektakuläre Abende bietet die Tanzsparte: Aus Schweden kommt die GöteborgsOperans Danskompani mit „S&S” von Sang Jijia & Sharon Eyal. Martin Schläpfers Ballett am Rhein bringt Rossinis „Petite Messe solenelle” auf die Bühne. Das Deutsche Theater kommt mit Ulrich Matthes in Millers „Tod eines Handlungsreisenden” und mit Dagmar Manzel in Becketts „glücklichen Tagen”. Text und Foto: Gesine Werner WIESBADENER

I/2018

„Es ist ein gutes Gefühl, etwas für Andere zu tun und einfach Freude zu schenken, die auch zurückkommt. Es ist gelebte Mitmenschlichkeit“, lächelt Friederike Wessel-Kernebeck. Sie ist eine Aktive der ersten Stunde des Besuchs- und Begleitungsdienstes der Malteser, die sich einer „entzückenden 99jährigen, einer besonderen Persönlichkeit“ widmet. Der Malteser Hilfsdienst sucht dringend Interessierte, die sich liebevoll engagieren. „Derzeit sind es 18 Frauen und sechs Männer im Alter zwischen 19 und 81 Jahren, die sich ehrenamtlich um alte Menschen kümmern, die allein in ihrer Wohnung hier in Wiesbaden leben“, erläutert Rolf Bescht. Der stellvertretende Landesbeauftragte Hessen ist Mitglied in der Arbeitsgruppe Sicherheit im Asylkonvent des Landes und betont: „Wir wollen der Gesellschaft etwas zurückgeben.“ Er spüre die Einsamkeit hinter der oftmals gehörten Äußerung: „Sie sind der erste Mensch seit drei Wochen, mit dem ich ein Wort reden kann.“ Der Bedarf wächst und es stehen schon einige Menschen auf der Warteliste, die nicht besucht werden können. Die Hilfsorganisation mit dem Slogan „...weil Nähe zählt“ hat ein ehrenamtliches Angebot eingerichtet, mit dem sich Freiwillige älteren, vereinsamten und kranken Personen widmen. Einmal wöchentlich wird für eine Stunde eine Person besucht. Es geht um menschliche Nähe. Die Palette des gemeinsamen Handelns ist breit gefächert - Zuhören und sich unterhalten, Vorlesen, Spazieren gehen. Das Ehepaar Renate Wolfram (74) und Dieter Wolfram (81), gestaltet jede Woche mit Bewohnerinnen und Bewohnern im Haus Angelica einen gemütlichen Nachmittag. Gas- und Wasserinstallateur Jassouf Mouzar, ein nach Wiesbaden geflüchteter Christ aus Syrien, ist seit dem Freiwilligen-Tag 2017 im Besuchdienst engagiert und betreut eine alte Dame. Freiwillige werden vor ihrem ersten Einsatz als Malteser-Mitglied geschult (Erste Hilfe, Malteser-Grundausbildung) und sind versichert. Interessierte melden sich bitte Besuchsdienst@malteser-wiesbaden.de Telefon: 0611 – 17 41 55 Text und Foto: Gesine Werner 37


KULTOUREN

Hausherrin Mary-Lou Sullivan-Delcroix und Konzertpianist Wolfgang Stifter im HinterhofPalazzo, dem Domizil der „Werkstatt für Gesang, Spiel und Sprache“ im Westend.

Mozärtlicher Gottfried von Einem mit Pucccini und Alma Mahler im HinterhofPalazzo Wenn ein mozärtlicher Puccini auf Verdi und Schubert und Alma Mahler trifft, wird eine spartenverbindende Serenade für Gottfried von Einem zum 100sten daraus. Am 17. und 18. März geht ein Sternstündlein mit Musik und Lesung über die Bühne des HinterhofPalazzos. Neben Hausherrin Mary-Lou Sullivan-Delcroix und Konzertpianistin Sigrid Jennes-Müller ist Publikumsliebling Gottfried Herbe zu erleben. Die beliebte Vielsaitigkeits-Sopranistin SullivanDelcroix feiert das nächste Jubiläum. Kaum zu glauben: Ihre 1983 gegründete „Werkstatt für Gesang, Spiel und Sprache” besteht Anno 2018 runde 35 Jahre. Das „Jubiläumsprogramm” beginnt mit der Serenade. Schauspieler Gottfried Herbe liest aus Gottfried von Einems Autobiographie „Ich habe viel erlebt”, Pianistin Sigrid Jennes-Müller und die Hausherrin präsentieren Lieder des Geburtstagskindes „und von Komponisten, die er schätzte. Alma Mahler schenkte ihm in New York die Partitur von Mahlers 10. Sinfonie“, weiß Mary-Lou Sullivan-Delcroix. Am 21. und 22. April bringt der schottische Pianist Alisdair Cameron, mit dem die Sopranistin schon in der Royal Festival Hall of London konzertierte, Chopin & Co. mit dem „romantischen Klavier, Teil II“ ins Westend. Um „Stimme und Biographie“ geht es im Intensivseminar mit Mary-Lou Sullivan-Delcroix und Michael Scheich. Anmeldung unter org-trialog-info.de.

Bühne frei! für „Klänge – Sounds – Geschichten” in der Wartburg. Jugendliche aus Afghanistan, Syrien, Rumänien, Bulgarien und Italien haben mit Priska Janssens an der Wilhelm-Leuschner-Schule ihre Soundcollage „Zuviel” selbst erarbeitet.

Soundcollage, Arche 2.2 und erfrischend „anderes” Theater Bühne frei! Beim hr2-Hörfest war die Deutsch-Intensivklasse 1 der Wilhelm Leuschner-Schule mit von der Partie und präsentierte im Programm „Klänge – Sounds – Geschichten“ ihr Hörtheaterstück „Zuviel“, das dem Publikum in der voll besetzten Wartburg unter die Haut ging. Theaterpädagogin Priska Janssens, Lehrkraft Jutta Schäfer und Schulsozialkraft Christina Petzolt hatten mit nach Wiesbaden geflüchteten Jugendlichen aus Nigeria, Afghanistan, Pakistan, Spanien, Syrien, Rumänien, Bulgarien und Italien in wenigen Monaten eine berührende Soundcollage über eigene Erlebnisse erarbeitet, die sehr viel Beifall bekam. Die Schultheatertage – von Kulturpreisträgerin Priska Janssens vor 16 Jahren als Festival der Vielfalt ohne Konkurrenz gegründet, entfalten ihre eigene Magie. Ehrensache, bei der 16. Version mischt das „Theater Anders“ wieder mit. Gleich am Eröffnungstag (Montag, 19. März, 17 und 18.30 Uhr) heißt es im Studio „Nix! Hochzeit in Herbarien“. Worum es geht, wird nicht verraten. Das interkulturelle Theaterprojekt „Arche“ ist als Projekt „für Menschen in Wiesbaden, mit und ohne Fluchterfahrung“ jetzt die „Arche 2.2“ und lebt weiter die Devise „aus Fremden werden Freunde und Freundinnen“.

Am Pfingstsamstag (19. Mai) wird „Romantisches, Skurriles & Heiteres“ im HinterhofPalazzo geboten. Erica Trimpe, Veronika List & Karsten Beck präsentieren mit Pianistin Ute Körner Werke von Schumann, Salmhofer & Lenny Bernstein. „Carmen geht zum Maskenball“ heißt es am 9. und 10 Juni, wenn in der Regie von Michael Delcroix die neue Produktion der Opernklasse Premiere hat. „Toscana im Taunus“ ist das Motto, unter dem Gesangspädagogin Mary-Lou Sullivan-Delcroix und Alasdair Cameron zum intensiven Wochenendkurs in punkto Interpretation, Ausdruck und Auftritt einladen (6. bis 8. Juli 2018).

Priska Janssens und andere Profis aus Musik, Zirkus, Tanz, und Film verraten in Workshops ihre Tricks und alle Interessierten gucken und probieren aus, wie ein gemeinsames Theaterstück entsteht. Am 16. und 17. März heißt die Devise „auf Klangfang!“. Mit Cellist und Komponist Cornelius Hummel werden eigene Musikinstrumente eigenhändig gebaut im Haus an der Marktkirche. Im Januar ist das neue Projekt „frau Arche“ gestartet als wöchentliches Angebot für Frauen, die in Deutschland neu angekommen sind, sich austauschen und kreativ sein wollen. Künstlerin Sara Nabil, eine Grafikerin und eine Bühnenbildnerin begleiten mit Priska Janssens das Projekt, in dem Plakate, Programmhefte, Kostüme und Kunstwerke für die Bühne der „Arche 2.2“ entstehen werden. Am 20. Juni ist dann Premiere.

www.hinterhof-palazzo.de

www.hotspot-theater.de Text und Foto: Gesine Werner

38

Text und Foto: Gesine Werner WIESBADENER

I/2018


KULTUR

I

&

KREATIVES

ntegration zum Hören. Der Kulturfonds Frankfurt RheinMain hat in Kooperation mit der Stiftung „Flughafen Frankfurt/ Main für die Region“ sein eigenes Projekt „Weltmusik in Hessen“ erfolgreich gestartet. „Neue Heimatklänge - Gipfeltreffen mit Musikschaffenden im Exil“. Das Doppelkonzert mit Benefiz-Effekt wurde in der Landeshauptstadt vom Publikum gefeiert. Bei freiem Eintritt war um Spenden gebeten worden für das Projekt „Café Fluchtpunkt“ von Kulturpreisträgerin Priska Janssens, das im Nassauischen Kunstverein („Curriculum Vitae“) Asyl fand. Beim exzellenten Auftakt der Weltmusikreihe begeisterte „Aramesk“ als Ensemble des „Bridges“-Projekts in der Alten Schmelze Wiesbaden. Mit der aramäischen Sängerin Maria Kaplan sorgten JohannaLeonore Dalhoff (Flöte), Mustafa Kakour (Oud) und Markus Wach am Kontrabaß für Gänsehautmomente. Das Quintett „Refugees for Refugees“ aus Brüssel lud mit berührenden Klängen zur musikalischen Reise. Am 22. März sind Xabier Diaz & Alvarez Brothers aus Galizien im Rüsselsheimer Stadt- und Industriemuseum zu Gast und am 24. März in der Stadtbibliothek Hanau. Kaukasische Polyphonien und Folk bringt das Ensemble Ananuri aus Georgien am 21. April in die Französisch-Reformierte Kirche Offenbach. Das krönende Finale lotst erstmals das „Modern Maori Quartett“ aus Aoteaoas nach Deutschland. Die vier Neuseeländer kommen am 23. Juni in das Landratsamt Hofheim. Ein „klingendes“ Kooperationsprojekt hat der Kulturfonds mit der Deutschen Bahn initiiert: „HyperMOODBox“ – von Komponistin Annesley Black, Künstler Marc Behrens und Performerin Julia Mihály konzipiert – bringt in einer begehbaren Box die vielfältige Soundkulisse eines

Weltmusik in Hessen: Auftakt in der Alten Schmelze Wiesbaden mit dem Bridges-Projekt „Aramesk”: Die aramäische Sängerin Maria Kaplan, Flötistin Johanna-Leonore Dalhoff, Oudspieler Mustafa Kakour und Markus Wach am Kontrabaß.

Bahnhofs als interaktive Klanginsel in den Hauptbahnhof von Darmstadt (25. April bis 4. Mai) und Wiesbaden (2. Juli bis 8. August). Das Bildungsprojekt KUNSTVOLL, mit dem bislang über kreative 80 Projekte gefördert wurden, geht in die sechste Runde. Allgemeinbildende Schulen bewerben sich bis zum 18. April. Schulen und Kulturschaffende stellen im Schuljahr 2018/19 gemeinsam ihre Kreativität unter Beweis. Zum 5. Mal geht „KulturMut“, die Crowdfundig-Aktion von Aventis Foundation, Startnext & dem Kulturfonds Rhein-Main, an den Start. Geschäftsführer Dr. Helmut Müller ist begeistert: von der „tollen Sache“, an der sich der Kulturfonds mit 100.000 Euro zum zweiten Mal beteiligt: „Es ist eine neue Säule der Kulturfinanzierung. Im vergangenen Jahr kamen von 27 Bewerbungen 25 Projekte in´s Verfahren und wurden gefördert. Insgesamt wurden 400.000 Euro bewegt.“

Was lange währt, wird endlich zur Blockbuster-Schau: Eduardo Chillida aus der Partnerstadt San Sebastian-Donostia im Landesmuseum Wiesbaden. „Es wird die größte Chillida-Schau, die es je in Deutschland gegeben hat und dürfte enorm viel Publikum anziehen. Über den Zuschuß von 220.000 Euro wurde keine fünf Minuten diskutiert“, berichtet Dr. Müller. „Die Idee, einen der größten Bildhauer der Nachkriegszeit in Wiesbaden zu zeigen, stand immer im Raum“, erinnert sich der frühere Stadtkämmerer und Oberbürgermeister an damalige Bestrebungen. „Ich freue mich schon richtig darauf.“ Gefördert wird vom Kulturfonds auch „Go East 2018“ und der „Wiesbadener KrimiMärz“ sowie das „Deutsche Fernsehkrimi-Festival“ und das Zirkusfestival in Wiesbaden. Der „Brückenschlag in die Region“ ist besonders förderungswürdig. www.kulturfonds-frm.de Text und Foto: Gesine Werner

Hörbare Integration, Blockbuster-Schau, laufende Bilder und Manegenluft

Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main punktet mit breit gefächerter Förderung quer über die Sparten WIESBADENER

I/2018

39


KULTUR

&

KREATIVES

Axel Prahl © Buschfunk

Bild & Ton – Musik & Film 2018 findet zum ersten Mal das FilmMusikFestival Ingelheim vom 30. Mai bis zum 3. Juni statt. Zahlreiche Künstler, Musiker und Filmschaffende werden in den fünf Festivaltagen in Ingelheim am Rhein sein, ihre Werke präsentieren und interaktiv das Thema FilmMusik bearbeiten. Darunter große Namen der Szene wie Schauspieler und Sänger Axel Prahl oder Produzent und Regisseur Hartmut Schoen. Die Vorpremiere des Festivals wird am 30. Mai um 20 Uhr im Hangar 5 auf dem Flugplatz in Mainz- Finthen zu sehen sein. die Freunde Ingelheimer Filmkultur e.V. zeigen dort den Film „Dunkirk” von US-Regisseur Christopher Nolan. Der Film handelt von der Evakuierung der französischen Hafenstadt Dünkirchen im zweiten Weltkrieg. Produzent Nolan und Komponist Hans Zimmer haben aus Story, Bildern und Sound ein einzigartiges Ganzes geschaffen. Das offizielle Opening findet einen Tag später, am 31. Mai um 18.30 Uhr im Foyer der kING Kultur und Kongresshalle statt. Im Anschluss wird um 20 Uhr Schauspieler und Sänger Axel Prahl, den meisten bekannt als Tatort-Ermittler aus Münster, gemein40

sam mit seinem Inselorchester im Großen Saal der kING sein Konzert spielen. Das Konzert verbindet durch Prahl Film und Musik auf fabelhafte Weise. Mal mit rauher Rockstimme, mal sanft-balladig – kurzum: Prahl singt Prahl. Echte Cineasten haben die Möglichkeit, sich vorab um 17 Uhr im Ingelheimer Kino (Saal: Casablanca) „Score – Eine Geschichte der Filmmusik” anzusehen. Der brandneue Dokumentarfilm vereint die Spitzenkomponisten Hollywoods vor der Kamera und gewährt einen umfassenden Einblick in die musikalischen Herausforderungen und die kreativen Geheimnisse des facettenreichsten Musikgenres der Welt: der Filmmusik. Am Freitag, 1. Juni kommt ein neuer Spielort hinzu: die Alte Markthalle in der Binger Straße. Um 20 Uhr wird hier der Stummfilm „Zorro” gezeigt. Vertont wird der Klassiker von 1920 von zwei Virtuosen der Stummfilmbegleitung: Ralph Turnheim gibt Stimme und Reime, flink und feinsinnig wie Zorros Klinge. Der gebürtige Wiener ist europaweit der einzige Kinoerzähler. Gerhard Gruber improvisiert am

Klavier heißblütige und einfühlsame Musik. Der weltweit gefragte Stummfilmpianist aus Österreich feiert dieses Jahr 30. Berufsjubiläum. Der Samstag, 2. Juni bringt im Kino Ingelheim Talk & Film mit Autor und Regisseur Hartmut Schoen, der Oscar-nominierten Cutterin (Filmschnitt) Vessela Martschewski und Matthias Frey (Komponist der Filmmusik). Im Anschluss wird der deutsche Film „Zuckerbrot” gezeigt, bei dem alle drei Talkgäste mitgearbeitet haben. Weiter geht es am 2. Juni um 20 Uhr mit „Metropolis”. Metropolis-Projekt ist ein künstlerisch anspruchsvolles Musik- und Filmprojekt. Das Ensemble aus Saxophon, Piano und Stimme hat sich auf das Hörbarmachen von Emotionen und Inhalten spezialisiert und setzt dies in stilistischer Vielfalt um. Der krönende Abschluss des FilmMusikFestivals Ingelheim 2018 findet am 3. Juni um 20 Uhr in der kING Kulturund Kongresshalle statt. „Goldrush”, die Komödie von und mit Charlie Chaplin aus dem Jahr 1925, die Musik dazu live und synchron gespielt von dem Sinfonieorchester der Opera Classica Europa. Ein echtes Film- und Musikhighlight, mit dem das FilmMusikFestival Ingelheim schließt. Weitere Informationen zum Festivalprogramm und zum Ticketvorverkauf sind erhältlich unter www.filmmusikfestival-ingelheim.de. WIESBADENER

I/2018


KULTUR

&

KREATIVES

Mosse incoming still, Ray 2018

V

om 24. Mai bis 9. September 2018 präsentiert die internationale Triennale RAY Fotografieprojekte Frankfurt/RheinMain zum dritten Mal herausragende Positionen der zeitgenössischen Fotografie und verwandter Medien an über zehn Standorten in Frankfurt und der Region. Eröffnet wird RAY 2018 erstmalig mit vier internationalen Festivaltagen. Vom 24. bis 27. Mai 2018 sind Fotobegeisterte, Fachbesucherinnen und -besucher sowie Künstlerinnen und Künstler eingeladen, sich zum Medium Fotografie und dem Triennale-Thema EXTREME auszutauschen. In Kooperation mit über 15 Partnerinstitutionen und Sammlungen und mit zahlreichen Events verspricht RAY zum Sommer 2018 wieder eine facettenreiche Auseinandersetzung mit der Fotografie. Das Bildliche bestimmt unseren Alltag und unsere Wirklichkeit. Mit dem Thema EXTREME werden die RAY Fotografieprojekte Frankfurt/ RheinMain 2018 diese Bildmächtigkeit anhand einer Vielfalt internationaler künstlerischer Strategien in den Mittelpunkt ihrer dritten Ausgabe stellen. Seit Jahrzehnten findet sich in den Institutionen und Sammlungen in Frankfurt und der Region Rhein-Main eine bemerkenswerte Dichte und Kompetenz WIESBADENER

I/2018

im Bereich der Fotografie. Nach den ersten beiden erfolgreichen Ausgaben RAY 2012 und RAY 2015 wird diese außerordentliche Qualität und Vielfalt erneut in einer einzigartigen Konstellation präsentiert: Über 40 Künstlerinnen und Künstler, 15 Partnerinstitutionen, 10 Ausstellungsorte und 6 Städte im Rhein-Main-Gebiet schließen sich zusammen und machen diesen Fokus international sichtbar. Mit Ausstellungen, zahlreichen Events und erstmals mit einem viertägigen Festival zum Triennale-Thema EX-

te, wir nutzen die gleichen Kommunikationskanäle und verwenden die gleiche Bildsprache in den sozialen Medien. Doch gleichzeitig verhärten sich die weltanschaulichen Positionen. Dichotomien wie Nord/Süd, lokal/global, wahr/falsch potenzieren sich, und aus Gegenüberstellungen werden Extreme. Unsere Welt polarisiert sich zwischen postfaktischer Informationspolitik und dem aufklärerischen Impetus von Wikileaks, zwischen einem differenziert kritischen Diskurs und Populismus, Liberalisierung und

RAY 2018 –

Die internationale FotografieTriennale widmet sich dem Thema EXTREME TREME bietet RAY zwischen dem 24. Mai und 9. September 2018 eine facettenreiche Auseinandersetzung mit der Fotografie. Geografische und kulturelle Grenzen verschwimmen im Zuge der fortschreitenden technischen Möglichkeiten und suggerieren ein neues weltweites Miteinander: Wir konsumieren die gleichen Produk-

Konservatismus, Handwerk und Technisierung, Religion und Säkularismus. In inhaltlich miteinander korrespondierenden Ausstellungen reflektieren die ausgewählten Künstlerinnen und Künstler mit ihrer fotografischen Praxis diese auseinanderklaffenden Gegensätze, gesellschaftliche Trans41


KULTUR

&

KREATIVES

aus unterschiedlichen Disziplinen sowie das RAY 2018 Kuratorenteam das Phänomen des Extremen aus verschiedenen Perspektiven. Gemeinsam diskutieren sie die Themen und künstlerischen Positionen der EXTREME Ausstellungen, um neue Impulse für Kunstschaffende, Kulturinstitutionen und die Öffentlichkeit zu generieren.

RAY MASTER CLASS und RAY JUNIOR Als weitere Premiere initiiert RAY 2018 eine MASTER CLASS in Kooperation mit der Hochschule für Gestaltung Offenbach, der Hochschule Darmstadt, der Kunsthochschule Mainz sowie der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste Städelschule. Die Ergebnisse werden im Festival-Zentrum MMK 3 während der Festivaltage ausgestellt. Darüber hinaus veranstaltet RAY 2018 die Workshopreihe RAY JUNIOR, die sich an Schulen in der Rhein-Main-Region richtet. Aus den Workshop-Ergebnissen entsteht mit der Unterstützung des Kulturfonds Frankfurt RheinMain eine Publikation. Infos unter: www.ray2018.de

Mikhaillov, Ray 2018

fkv foam talent, Ray2018, Damien from the series ngl 2015, © Namsa Leuba

formationen, Identitätskonzepte und ästhetische Tendenzen im 21. Jahrhundert. Der Reiz des Extremen ist seit jeher untrennbar mit der Fotografie verwoben. Was das Extreme heute besonders erfolgreich macht, ist das Übermaß und die grenzenlose Verfügbarkeit digital zirkulierender Informationen und Bilder, die nach einer Ökonomie der Aufmerksamkeit verlangen. Je außergewöhnlicher, unangepasster, randständiger das Motiv, desto größer die Beachtung, welche die Bilder erfahren. Das Extreme weckt die Begehrlichkeit, es festzuhalten und für die Nachwelt sichtbar zu machen. Die dabei entstehenden Bilder sind ebenso Beweismaterial wie fotografischer Ausdruck einer Faszination für das Außergewöhnliche. Der Punkt, an dem die Norm aufhört und die 42

Abweichung beginnt, ist jedoch einem steten Wandel unterworfen. So blickt RAY 2018 auf Formen des Extremen jenseits des Spektakels. Der Verweis auf das Extreme einer künstlerischen Position erschließt sich zum Teil erst in der Verbindung mit einer anderen, die in ihrer gegenläufigen Thematik, Bildsprache oder auch künstlerischen Strategie einen Antipol bildet. Der Begriff des Extremen steht im Kontext der Zeit und im Dialog mit dem Anderen.

RAY 2018 Festival-Kickoff Den Auftakt von RAY 2018 bildet vom 24. bis 27. Mai 2018 erstmalig ein viertägiges Festival-Kickoff. In Vorträgen und Paneldiskussionen beleuchten Künstlerinnen und Künstler, Expertinnen und Experten WIESBADENER

I/2018


KULTUR

&

KREATIVES

ALTE OPER FRANKFURT, © Karmachina, Ernst Ludwig Kirchner, Szene im Café Städel Museum, Frankfurt am Main

D

ie Luminale 2018 präsentiert internationale Lichtkunst, bezieht Position zu Aspekten der Stadtgestaltung und zeigt die größte PopcornMaschine der Welt Mit rund 200.000 Besuchern zählt die Luminale zu den größten Veranstaltungen in Frankfurt und der Region Rhein-Main. Zeitgleich zur internationalen Fachmesse Light + Building findet das Lichtfestival alle zwei Jahre statt. Begründet wurde die Luminale im Jahr 2002 durch die Messe Frankfurt. Vom 18. bis 23. März 2018 geht die Luminale mit einem neuen Konzept an den Start. Frankfurt und Offenbach werden nicht nur Bühne für die Lichtkunst, sondern selbst auch Gegenstand des Festivals sein. Die Luminale positioniert sich als BIENNALE FÜR LICHTKUNST UND STADTGESTALTUNG mit dem Ziel, an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Urbanität einen Impuls für die Positionierung der Stadt als attraktiver Zukunftsstandort und „creative hub” zu geben. 140 Projekte stehen in den fünf Festivalkategorien ART, COMMUNITY, STUDY, SOLUTIONS und BETTER CIY auf dem Programm. Allein die Kategorie ART, in der ein siebenköpfiges Experten-Kuratorium das Programmteam unterstützt, vereint WIESBADENER

I/2018

Frankfurt leuchtet! 30 herausragende LichtkunstProjekte und künstlerische Arbeiten im Spannungsfeld von Licht und Stadt. Darüber hinaus wird die Luminale aber auch wichtige Impulse für eine moderne und nachhaltige Stadtgestaltung setzen. Mit dem Römer, der Alten Oper, der Europäischen Zentralbank, der St. Katharinenkirche und dem Eisernen Steg werden gleich fünf der wichtigsten Frankfurter Sehenswürdigkeiten zum Ort künstlerischer Auseinandersetzung mit Licht und Stadt in vielfältiger Form. Philipp Geist inszeniert den Römer als begehbare Lichtinstallation, das italienische Künstlerkollektiv Karmachina beleuchtet in einer Videomapping-Show die Geschichte der Alten Oper, die erstmalig Spielstätte der Luminale ist. Das Bremer Künstlerkollektiv Urbanscreen wird mit dem Illustrator Andreas Preis die Fassade der Europäischen Zentralbank in eine animierte Street-Art-Galerie verwandeln. Die Wiener Künstlerin Victoria Coeln schafft in der St. Katharinenkirche einen polychromen Licht-

raum mit analogen Mitteln. Fabian Thiele nimmt den Baubeginn des Eisernen Stegs vor 150 Jahren zum Anlass für eine Typo-Installation mit einem Gedicht des Frankfurter Mundartdichters Friedrich Stoltze. Neu ist u.a. ein Light Walk, der 35 künstlerische Arbeiten aus allen Kategorien zu einer innerstädtischen Galerie zusammenfasst, und Wahrzeichen sowie Denkmäler mit unentdeckten und abseitigen Orten verbindet. Interessierte können den Light Walk in zahlreichen Führungen erkunden. Die kompakten Spaziergänge verbinden Stadtgeschichte mit aufregender Lichtkunst. Selbst alteingesessene Frankfurter erhalten so einen völlig neuen Blick auf ihre Stadt. Gäste aus dem In- und Ausland können Frankfurt abseits der üblichen Reiseführer-Tipps entdecken. Dem neuen inhaltlichen Konzept der Luminale als „Biennale für Lichtkunst und Stadtgestaltung” folgend, beziehen viele der eingereichten Arbeiten Position zu stadtgestalterischen Themen. Die Kategorie COMMUNITY bündelt das vielfältige Luminale-Programm 43


KULTUR

&

KREATIVES

ES WERDE LICHT, Liebfrauenkirche, Ingo Bracke, © Edda Dietrich

der Frankfurter und Offenbacher Stadtgesellschaft und lässt Raum für Innovationen, Experimente und Improvisationen. Museen, Ateliers, Szenetreffs, Stadtteilinitiativen, Religionsgemeinschaften und Vereine organisieren Ausstellungen, Veranstaltungen und Kunstprojekte. „Diese tiefe Verwurzelung der Luminale in der Stadtgesellschaft ist wirklich einzigartig”, sagt Luminale-Leiterin Isa Rekkab. Das beweisen nicht nur die 82 Projekte in diesem damit umfangreichsten Luminale-Segment. Allein im ATELIERFRANKFURT werden rund 1.000 Quadratmeter

Fläche mit neun Installationen, Performances, Lichtskulpturen und Videoarbeiten bespielt. Das Atelier- und Ausstellungshaus beherbergt rund 130 Ateliers und bietet flexible Freiräume für künstlerische Projekte, Veranstaltungen und (Denk-) Experimente. Eine interaktive Fassadenprojektion mit hohem Spaßfaktor ist das Projekt „Popcorn” des Designerkollektivs Meso: Die größte Popcornmaschine der Welt! Die Besucher klatschen in die Hände und produzieren damit Popcorn. Je mehr sie klatschen, umso mehr Popcorn wird auf der Fassade „produziert”.

Katharinen Passion, Katharinenkirche, ©Atelier Coeln

Viele Menschen bringen die Maschine zum Überkochen. Um Stadt und Zukunft geht es im SOLUTIONS-Programm im Luminale-Festivalzentrum im Instituto Cervantes. Schwerpunkte der fünf Themenabende sind Umwelt, Architektur, Sicherheit, Menschen und Licht. Der Spannungsbogen reicht vom Globalen zum Lokalen, von wissenschaftlicher Theorie zur Praxis des täglichen Lebens, von der Vergangenheit in die Zukunft. International anerkannte Wissenschaftler, Visionäre, Künstler und Regisseure treten mit Frankfurter Stadt-Engagierten in einen spannenden Diskurs zum jeweiligen Thema. Am Eröffnungsabend steht eine Deutschland-Premiere auf dem Programm. Im Rahmen der Kinoreihe MOVIE ART N EAT präsentiert das Kulturhaus Frankfurt die Dokumentation „NEON – FEEL THE GLOW”, eine Liebeserklärung an die schlanken, matten Leuchtstoffröhren. Die Kategorie SOLUTION wird maßgeblich von Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main unterstützt. Weitere Infos unter: www.luminale-frankfurt.de

44

WIESBADENER

I/2018


KULTUR

&

KREATIVES

J

il Sander gehört zu den einflussreichsten Modedesigner/innen ihrer Generation. In ihrer weltweit ersten Einzelausstellung in einem Museum präsentiert Jil Sander in raumgreifenden multimedialen Installationen und Tableaus die Auswirkungen ihrer Gestaltungshaltung auf Ästhetik, Material und Form von Mode-und Produktdesign, Architektur und Gartenkunst. Die Präsentation, die facettenreicher kaum sein könnte, macht den Erfindungsreichtum und die kreative Kraft einer Gestalterin sichtbar, der es darum geht, die Persönlichkeit eines Menschen hervorzuheben. Jil Sanders Bedeutung als Modedesignerin beruht auf der außerordentlichen Sensibilität, mit der sie Zeitströmungen und Veränderungen in der Gesellschaft erspürte und daraus neue, moderne Formen entwickelte. Ihr Purismus veränderte die Vorstellungen von Schönheit und Identität. Ihre Gestaltungsprinzipien –Harmonie der Proportionen, durchdachte Dreidimensionalität der Entwürfe, Understatement und dynamische Eleganz –blieben immer dieselben, und fanden doch in jeder Kollektion einen neuen Ausdruck. In der Vorbereitung der Ausstellung hat sich Jil Sander erstmals der Vergangenheit zugewendet. Das ist für sie, deren Interesse immer dem galt, was noch kommt, eine neue Erfahrung. Das Ergebnis von mehr als anderthalb Jahren intensiver Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten einer Ausstellung zeigt sich im Zusammenwirken von Architektur, Farbe, Licht, Film, Klang, Text, Fotografie, Mode und Kunst in dynamischen Raumkompositionen. Entstanden ist keine retrospektive Übersichtsausstellung, sondern ein neues, aktuelles Gesamtwerk, das durch Jil Sanders Präsenz zum ästhetischen Ereignis wird. Thematisch gliedert sich die von Matthias Wagner K in enger Zusammenarbeit mit Jil Sander kuratierte Ausstellung in die Bereiche Laufsteg, Backstage, Atelier, Modekollektionen, Accessoires, Kosmetik, Modefotografie und Kampagnen, Mode und Kunst, Architektur und Gartenkunst. Sie bespielt das gesamte Museumsgebäude auf WIESBADENER

I/2018

Jil Sander, Campaign aw 2013/14, Edie Campbell, David Sims

DIE PURISTIN rund 3.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Jil Sander beruft sich, durchaus in Spannung zu Paris, auf ihre eigene, deutsche Kultur. Nicht nur die Bauhaus-Philosophie der aufgeklärten Serialität und PrototypKunst, der Transparenz, der schnell begreiflichen Struktur, der avantgardistischen Handwerkskunst und Teamarbeit fließt in ihr Œuvre ein. Auch frühere, dem protestantischen Norden abgewonnene Tugenden reflektieren sich darin. Was Goethe in Unterscheidung von einfacher Nachahmung und Manierismus als „Stil” bezeichnete, kehrt in Jil Sanders Konzept des

Purismus zurück. In ihrer Kampagnenfotografie ist sie von der Modernität der Neuen Sachlichkeit inspiriert.

Jil Sanders: Präsens Bis 6. Mai 2018 Museum für angewandte Kunst Schaumainkai 17 60594 Frankfurt Öffnungszeiten: Di, Do-So 10-18 Uhr, Mi 10-20 Uhr www.museumangewandtekunst.de 45


KULTUR

&

KREATIVES

Arvid Boecker//Andrea Esswein, 1. Spieltag, Andrea Esswein auf dem Skateboard (Im Hintergrund Bild von Jutta Grell)

W

elche Bedeutung hat Spielen für uns? Der Neurobiologe Gerald Hüther ist überzeugt, dass es tatsächlich möglich ist, dem Ernst des Lebens spielerisch zu begegnen.

ohne Gedankenspiele wäre ein Leben ohne Lebendigkeit. Wir machen weiter…. Maler spielen mit ihren Farben, Musiker spielen ihre Instrumente, Dichter spielen mit Worten, Tänzer mit Schritten und Bildhauer mit Ton und

lass uns spielen! In seinem Buch „Rettet das Spiel! Schreibt er: “Herzlich willkommen in der Welt, in der der Mensch nur dort ganz Mensch ist, wo er spielt. Denn was wären wir, wenn wir aufhörten zu spielen? Wir würden dann genauso reagieren wie ein Computer. Die können, weil sie nicht die Fähigkeit haben, in Gedanken zu spielen, auch immer nur das hervorbringen, wofür jemand sie programmiert hat. Ein Leben ganz Konstantin Voit//Andrea Esswein, 5. Spieltag

Marmor. Bei Lichte besehen sind alle Künste große Spielarrangements, mit denen wir spielerisch unsere Welt so einrichten, dass wir uns in ihr zu Hause fühlen, sie bejahen und gutheißen können, ja glücklich sind.” Im Herbst 2016 lud die Wiesbadener Künstlerin Andrea Esswein sieben KünstlerInnen in ein Studio der Kunststiftung Baden-Württemberg nach Berlin ein, um dort gemeinsam mit ihnen zwei Wochen lang verschiedene

Spielformen auszuprobieren. Für eine weitere Station des Projekts war die Künstlerin im Sommer 2017 zu Gast bei Port25 – Raum für Gegenwartskunst in Mannheim. Dort verabredete sie sich mit weiteren sieben KünstlerInnen aus dem Rhein-Neckar-Raum zum mehrtägigen Experimentieren. In einer öffentlichen Lecture stellte sie das Projekt abschließend der Öffentlichkeit vor. Wie diese Experimente aussehen, kann man nun in dem gerade erschienen Buch „Lass uns spielen” erfahren, das gerade erschienen ist und über den Webshop der Galerie Port25 in Mannheim erhältlich ist. Darin schreibt sie: „ Spielen bedeutet (Selbst-) Versenkung in den Moment, sich mit etwas beschäftigen, dass nicht zu Ende geführt werden soll, sondern sich in der Schwebe hält. …man stellt den Blick unscharf und schaut zwischen die Dinge, wie sie miteinander interagieren.” Andrea Esswein (*1969 Germersheim, lebt in Wiesbaden, Atelier in Mainz) wurde bekannt durch ihre „Kopigraphien”, die sie mit einem Werkzeug unseres Alltagsgebrauchs erzeugt: dem Fotokopierer. Dieser wird in seiner Funktion als Vervielfältigungsgerät zweckentfremdet und zur Produktion von Kopieroriginalen genutzt. Dabei steht Esswein jedoch nicht in der Tradition der „Copy Art”, wie sie beispielsweise Joseph Beuys in den 1960er Jahren als Möglichkeit zur unendlichen Reproduktion im künstlerischen Prozess einsetzt. Essweins Bilder existieren jeweils nur einmal, die Kopie an sich ist ein Unikat. Andrea Esswein: lass uns spielen! Erhältlich: www.port25-mannheim.de/shop, 12 Euro www.andrea-esswein.com www.existenzundexzellenz.de

46

WIESBADENER

I/2018


KULTUR

Gerhard Richter: Frühe Bilder In Erinnerung an eine der ersten Museumsausstellungen Gerhard Richters, die vom 25. Juni bis zum 21. August 1966 im Museum Wiesbaden stattfand, kehrt eine Überblicksauswahl seiner frühen Bilder nach Wiesbaden zurück.

In der Sammlung des Museums Wiesbaden befinden sich sechs frühe Arbeiten Gerhard Richters aus den Jahren 1964 bis 1968. Im Kontext weiterer früher Werke der Jahre bis 1974 zeigt die Ausstellung die grundsätzliche Auseinandersetzung Richters mit dem Medium Malerei,

&

KREATIVES

die in diesen Jahren begann und bis heute anhält. In Kooperation mit dem Kunstmuseum Bonn und dem S.M.A.K. in Gent präsentiert das Museum Wiesbaden als dritte Station die Ausstellung „Gerhard Richter – Frühe Bilder” in einer erweiterten und auf die Ausstellungsgeschichte des Hauses verweisenden Fassung. Gerade die Vorhang- Fenster- und Türbilder zeigen Richters konzeptuelle Auseinandersetzung mit der Frage, was ein Bild ist und sein kann. Kunstgeschichtlich aufgeladen ist das Vorhang- oder Fenstermotiv stets verknüpft mit der Vorstellung eines Anderen, das hinter der Bildoberfläche zu finden ist. Der Vorhang als „verschlossene” Bildfläche bietet darüber hinaus einen Einstieg in die Lesart des Motivs als abstrakte Darstellung, die in ein Muster reiner Malerei übergeht. In ähnlicher Weise beginnt Richter zeitgleich in Fotovermalungen Gegenständliches im Farbauftrag verschwinden, oder aber erst erscheinen zu lassen. Gerhard Richter: Frühe Bilder 16 Mär—17 Jun 2018 Museum Wiesbaden Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden Öffnungszeiten: Di, Do 10 – 20 Uhr; Mi, Fr – So 10 – 17 Uhr www.museum-wiesbaden.de

Gerhard Richter, geboren 1932 in Dresden, ist ein Künstler, dessen Werk die Trennung von abstrakter und gegenständlicher Malerei, welche die Debatte des 20. Jahrhunderts beherrschte, hinter sich lässt. Weder kultivieren seine Gemälde ein selbstgenügsames Spiel von Farben und Formen, noch zeigen sie ein ungebrochenes Bild der Wirklichkeit. So befragt der Malerskeptiker Richter die Abbildlichkeit selbst dann, wenn die Realität und ihre Fakten Thema seiner Gemälde sind. Im Besonderen gilt das für seine Tür-, Vorhang- und Fensterbilder der 1960er-Jahre, die im Zentrum der Ausstellung stehen. Schlieren und Wolken, Durchgänge und Türen sind zentrale Motive der Malerei Richters, die sinnbildlich für seine bis heute andauernde Auseinandersetzung im Spannungsfeld von Gegenständlichkeit und Abstraktion, von Bildraum und Bildfläche stehen. Diesen Arbeiten gegenübergestellt werden in der Ausstellung ausgesuchte Landschaften und Porträts, deren figurative Bedeutung in der Technik der Fotovermalung ins Flächige zu verfließen scheint. WIESBADENER

I/2018

47


UNTERNEHMEN

&

MÄRKTE

Der neue Hotspot zwischen Rhein und Reben: DAS FINE LIVING HOTEL

M

odern und großzügig, einladend und kommunikativ – so präsentiert sich das Fine Living Hotel schon beim Eintreten. Die große Fensterfront gibt den grandiosen Blick auf den Rhein und die Rheinterrasse frei. Sitzgruppen und Sessel laden zum Verweilen ein. Man ist angekommen! Durchquert man das „Cabinet“, wo man sich zum „Fine Living Breakfast“ trifft, macht die „Lounge“ Lust, bei einem Glas Wein in den gemütlichen Sitzmöbeln zu versinken. Rechts und links liegen „Hasensprung“ und „Dachsberg“, benannt nach bekannten Weinbergslagen in Oestrich-Winkel. Die beiden lichtdurchfluteten, ansprechend

ausgestatteten Outlets können je nach Belegung des Hotels für die unterschiedlichsten Zwecke genutzt werden. Dem Raumkonzept entspricht die Philosophie des Hauses: Ein Ort für Begegnungen, ein Treffpunkt für weltoffene Menschen, ein Hotspot für Rheingau-Fans und alle, die es werden wollen.

State of the Art: Die Wohlfühlzimmer Mit 44 Zimmern gehört das Hotel zu den mittelgroßen Häusern im Rheingau. Alle Zimmer sind mit modernster Technik ausgestattet - das erwartet der Gast von heute. Für die ganz persönlichen Wohlfühlmomente sorgen

Boxspringbetten, gemütliche Sitzgelegenheiten, Leselampen, Kuscheldecken und Kissen, sowie hochwertige Textilien und zahlreiche schöne Objekte fürs Auge. Für den Blick in die Welt gibt‘s Gratis-WLAN und Flachbildschirm Fernseher. In allen Bädern gibt es einen Kosmetikspiegel, hochwertige Haartrockner und Beauty Accessoires eines namhaften Herstellers. Das persönlich geführte Haus legt größten Wert auf gelebte Individualität. Das fängt beim Service an und hört bei der Dekoration noch lange nicht auf. Kein Zimmer ist wie das andere. Jedes ist ein Unikat. Ob man sich für ein Themenzimmer mit lebensechten Motiven aus dem Rheingau entscheidet oder lieber stylisch in den Lifestyle Zimmern mit Vintage Deckenleuchten schlummert – das muss jeder für sich entscheiden. Eine weitere Alternative sind die Weinlagen Zimmer mit edlen, weinsinnigen Stoffbespannungen, die nicht nur Weinfreunden gefallen. Alle Zimmer sind in den Kategorien Komfort, Premium und Studio buchbar. Für Familien gibt es ein Appartement und ein Familienzimmer. Ganz viel Platz hat man auch in der Junior Suite.

Der Aha-Effekt am Morgen: Das Fine Living Breakfast Der Tag beginnt mit einem Paukenschlag im Fine Living Hotel. Das große Fine Living Breakfast lädt zu einem 48

WIESBADENER

I/2018


UNTERNEHMEN

&

MÄRKTE

gesunden und leckeren Start in den Tag ein. Die Stars auf dem Buffet werden jeden Tag frisch angeliefert und neu sortiert. Lange Wege entfallen, denn alles kommt aus der Region. Täglich gibt es neue Produkte zu entdecken, denn die regionalen Anbieter geben ihr Bestes, damit das Fine Living Breakfast ein fulminanter Auftakt für einen richtig guten Tag wird. Übrigens: Auch Gäste von außerhalb sind gerne gesehen!

Entspannung pur: Das Fine Living Spa Ganz entspannt geht es im Fine Living Spa zu. Hier kann man ungestört träumen und den Tag in aller Ruhe ausklingen lassen. Nach einer anstrengenden Wanderung oder einem Ritt auf dem Bike wirkt ein Sauna-Gang im „Aqua & Steam“ wahre Wunder. Neben Finnischer und Bio-Sauna seht auch ein Dampfbad zur Verfügung. Oder man begibt sich in die bewährten Hände der hauseigenen Wellness Therapeutin und lässt sich mit einer Massage verwöhnen. Bei den Treatments kommen auf Wunsch auch regionale Produkte wie z.B. Traubenkernöl zum Einsatz. Ein besonderes Extra in der „Relax & Fit“ Area sind die Feeling Fine Schaukeln, die solo oder im Duett mit dem Partner genutzt werden können. Sehr bequem sind auch die Entspannungsliegen in den Kuschelkojen und die große Sitzlandschaft, „Cocoon“ genannt. Absolute Stille herrscht im abgegrenzten Ruhebereich, einem perfekten Rückzugsort für gestresste Zeitgenossen. Denen gefällt auch die Infrarot Kabine, die segensreiche Wirkung zum Beispiel bei verspannter Rückenmuskulatur verspricht. Wer es aktiver liebt, nutzt den kleinen, feinen Gerätepark im Trainingsraum. Die Fitnessgeräte mit Wasserantrieb im Retro Style haben ihren ganz besonderen Charme. Gefertigt in einer Manufaktur in Norddeutschland aus heimischen Hölzern, edlem Leder und glänzendem Edelstahl sind sie allein schon fürs Auge ein ästhetischer Genuss. Drinnen steckt modernste Technik. Und für die Anleitung sorgen Lektionen vom Bildschirm.

nationen Deutschlands. Auch im Fine Living Hotel sind Tagungsgäste herzlich willkommen. In der mit modernster Tagungstechnik ausgestatteten TagungsEtage ist man ganz unter sich und kann ungestört arbeiten. Flexibilität ist auch hier Trumpf. Die Tagungsräume – alle mit Tageslicht und Klimaanlage – können ganz nach Gusto bestuhlt und auf individuelle Bedürfnisse zugeschnitten werden. Dank mobiler Trennwände wird aus drei Tagungsräumen ein großer Saal, in dem 80 Personen Platz finden. In Kinobestuhlung passen sogar 120 Personen rein. Doch auch kleine Gruppen sind im Fine Living Hotel bestens aufgehoben.

Coming home: Zuhause im Fine Living Hotel

Bei der Verpflegung der Tagungsgäste setzt man – wie im ganzen Haus – auf Frische und Regionalität. Verschiedene Tagungspauschalen werden angeboten. Das Hotel Team kümmert sich gerne auch um ein erlebnis- und genussreiches Begleitprogramm, das den Tagungsgästen den Rheingau in allen seinen Facetten näherbringt.

Weitere Infos: Fine Living Hotel Hauptstraße 1 65375 Oestrich-Winkel im Rheingau Tel. 06723 990 20 E-mail: rezeption@finelivinghotel.de www.finelivinghotel.de

Auch Hotel Direktorin Diana Nägler ist angekommen. Für sie schließt sich im Fine Living Hotel ein Lebenskreis. Als ihr Lebenspartner Dr. Lothar Becker die Immobilie im Sommer 2016 erwarb und komplett erneuern ließ, fühlte sich Diana Nägler oft an längst vergangene Zeiten im Hotel, das einst im Familienbesitz war, erinnert. Heute ist sie stolz auf das, was aus dem Haus geworden ist. Mit Lothar Becker hat sie einen Profi an ihrer Seite, der bereits aus dem Hotel seiner Familie ein florierendes Unternehmen gemacht hat.

alle Fotos: Alexander Sell

Arbeiten, wo andere Urlaub machen: Tagen à la Fine Living Hotel Seit vielen Jahren gehört der Rheingau zu den beliebtesten Tagungs-DestiWIESBADENER

I/2018

49


UNTERNEHMEN

&

MÄRKTE

Kurhaus Wiesbaden, Foto: Arne Landwehr

Komm’ mit in das Land, wo die Zitronen blühen “Ball des Weines” 2018 feiert das Leben, die Liebe und den Wein – diesmal unter dem Motto “Dolce Vita”

A

m Samstag, den 5. Mai 2018, feiern Weinfreunde aus aller Welt eines der schönsten Geschenke der Natur: Den Wein. Im Zeichen des VDP. Traubenadlers öffnen sich die Tore des historischen Wiesbadener

Kurhauses und der Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) lädt ein zum legendären “Ball des Weines”. Unter dem Motto “Dolce Vita” hält italienisches Lebensgefühl Einzug in das Wiesbadener Kurhaus. Vom Ballsaal über die Rotunde bis in hoch hinauf in den zweiten Rang - Bella Italia ist überall. Mit einem von der Sonne Italiens inspirierten Menü sorgen Spitzenköche für kulinarischen Hochgenuss. Die Flaniermeile wartet mit mediterranen Köstlichkeiten und ausgewählten Weinen der VDP. Prädikatsweingüter auf. Bereits zum 18. Mal wird unter den Schwingen des VDP. Traubenadlers getafelt, getanzt und ausgelassen gefeiert. Die Veranstaltung hat einen festen Platz in den Kalendern von Genießern, die das Besondere zu schätzen wissen: Angefangen von den besten Weinen der Qualitätsführer über die Menügestaltung bis hin zum fulminanten Musik- und Showprogramm. Hier stimmt jedes Detail. Mit Spannung erwartet wird auch die Dekoration des Abends, die, Jahr für Jahr für leuchtende Augen sorgt. Eine Nacht voll’ großer Gefühle, und ein leidenschaftli-

50

ches Bekenntnis zum “Dolce Vita”, lust- und stilvoll zelebriert im unvergleichlichen Ambiente im Herzen der hessischen Landeshauptstadt. Der Ball des Weines ist eine der glanzvollsten Veranstaltungen der deutschen Weinszene, initiiert vom Verband Deutscher Prädikatsweingüter e.V. Der VDP ist die älteste und einzige nationale Vereinigung von Spitzenweingütern in der Welt. 199 Prädikatsweingüter haben sich selbst strenge Qualitätsstandards und Maßstäbe auferlegt - von der Traube bis zum Keller. Der VDP.Traubenadler auf jeder Flaschenkapsel ist das Güte(r)siegel. Es steht für eine terroirgeprägte und handwerkliche Weinbereitung. Informationen zum “Ball des Weines” unter www.balldesweines.de Flanierkarten über die Tourist Information Wiesbaden: Tel. 0611 17 29 930, Galakarten direkt im Projektbüro: info@balldesweines.de; Tel. 06722 75 05 215 WIESBADENER

I/2018


UNTERNEHMEN

&

MÄRKTE

Im Foyer des früheren American Arms Hotels nehmen die beiden SEG-Geschäftsführer Andreas Guntrum und Roland Stöcklin den neuen Stadtrat Hans-Martin Kessler in die Mitte (von links).

A

lles so schön türkisblau hier im Foyer des ehemaligen American Arms Hotels. Der Fünfziger-Jahre-Bau ist bald Geschichte. Das neue Wohnquartier „Kaiserhof“ mit 200 Wohneinheiten, Einzelhandel und Gastronomie. Stilechter Charme der Fifties und John Dunns Rock `n Roll-Combo empfing den „großen Bahnhof“ mit 500 Gästen rund um Parlaments-Präsidentin Christa Gabriel. Die Stadtentwicklungsgesellschaft SEG präsentierte Aktuelles unter dem Tenor „Zeitenwende“. Das frühere American Arms Hotel, in den Fünfziger Jahren auf dem Areal des 1945 ausgebombten Luxushotels „Kaiserhof“ für die in Wiesbaden stationierten US-Truppen erbaut, war bis vor kurzem Domizil für Flüchtlinge. „Stadtreparatur“ auch mit gefördertem Wohnraum und möglichst auch mit studentischem Wohnen. Das Gebäude ist Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben BImA, die SEG hat Baurecht. „Wir stehen in den Startlöchern und wollen unmittelbar nach Vertragsschluß mit der BimA in diesem Jahr mit dem Abriß beginnen.“ In punkto Städtebaulicher Projektentwicklung sieht Gastgeber Andreas Guntrum 2018 als „das Jahr der Jahre“. WIESBADENER

I/2018

Die Fülle der 70 Projekte reicht von den „aktiven Kernbereiche“ der Innenstadt bis zum ganz aktuellen Programm der „Sozialen Stadt Biebrich Mitte“. Mit dem größten Projekt, dem Wohngebiet „Hainweg“ in Nordenstadt mit 650 Wohneinheiten, wird „noch im Laufe dieses Jahres mit dem Bau begonnen“. Zum SEG-Silberjubiläum im Jahr 2021 „wird der Hainweg weitgehend vollendet sein.“ Das Gebot der Stunde heißt „Wohnraum schaffen“. Rund 100 Wohneinheiten entstehen im Biebricher Parkfeld. Der Bebauungsplan

Guntrum. „Noch 2018 beginnen wir, Baurecht zu schaffen und erarbeiten den Bebauungsplan.“ Die City-Passage wird von der SEG betreut im Auftrag der WVV-Holding. „Das Verkaufsverfahren für die City-Passagen-Grundstücke läuft in der zweiten Stufe. Bis Ende März sind Gebote und Konzepte vorzulegen. Noch im laufenden Jahr 2018 ist mit dem Übergang des Projekts an einen neuen Investor zu rechnen.“ Im Sommer wird die City-Passage für zehn Tage Schauplatz der Wiesbadener Theaterbiennale „Bad News – Hinterland“.

Zeitenwende zum „Jahr der Jahre” Stadtentwicklungsgesellschaft SEG blickt im ehemaligen American Arms Hotel in die Zukunft – „Wohnraum schaffen!“ als Gebot der Stunde „westlich des Biebricher Schloßparks“ ist vom Parlament beschlossen und „noch in diesem Jahr wird mit den Baumaßnahmen begonnen!“ Im Bereich „Zweibörn“ gegenüber des Südfriedhofs geht es voran: „Geplante 700 Wohneinheiten mit sozialer Infrastruktur sind ein großer Wurf nahe an der Innenstadt“, betont SEG-Geschäftsführer

Blick auf die Region: Die SEG hat mit der „Entwicklungsgesellschaft Metropolregion RheinMain“ mit der AGB Frankfurt gegründet „um bei Entwicklungsmaßnahmen in Kommunen ohne personell ausgestattete Stadtentwicklungsgesellschaften Unterstützung leisten zu können“. Text & Foto: Gesine Werner 51


WIESBADENER, Ausgabe I/2018  

Das Magazin für Kunst, KulTouren und Lebensfreude

WIESBADENER, Ausgabe I/2018  

Das Magazin für Kunst, KulTouren und Lebensfreude

Advertisement