aller zeiten
Manche von ihnen veränderten mit ihren Fotos die Gesellschaft, und andere stiegen zu den Sternen auf. Als Hommage an diese großartigen Frauen stellen wir Ihnen in der Special Edition playboy centerfolds die 100 schönsten Playmates aller Zeiten vor
ür Hugh Hefner waren sie nie die schönste Nebensa che. Von Beginn an spielten die Centerfold-Schönen im Playboy die Hauptrolle. Zu einer Zeit, als erotische Fotografien noch unterm Ladentisch gehandelt wurden, versteckt und begafft in Kasernen-Spinden, Hobbykellern und stillen Winkeln, befreite der damals 27-jährige Magazingründer seine amerika nischen Landsleute mit einem so simplen wie genialen Trick aus ihrer puritanischen Verlo genheit – zumindest einen Schritt weit: 1953 hob er Marilyn Monroe (S. 7) auf den Titel, stellte ihre Aktaufnahmen ins Zentrum des ersten Playboy und machte so die weibliche Nacktheit salonfähig. Weil er kultivierte, was seine Landsleute verdrängten: ihren Sex, ihren Sinn für Schönheit, für Genuss und Freiheit. Die unverhüllte Frau erhob er zur Galionsfigur eines aufgeklärten, moder neren Menschenbildes. Marilyn Monroe, die damals ebenfalls 27-jährige Schauspielerin, war die erste jener „Bannerträgerinnen einer sozialen Revolution“, wie Hefner seine Play mates einmal nannte.
Revolution? Moment mal, war das nicht vorgestern? Längst Geschichte und abgehakt? Mitnichten! Das mehrseitige Centerfold, zu dem sich die Monatsschönste in der Heftmit te bereits in den 50er-Jahren entfaltet hat, ist zur lebenden und überdauernden Legende ge worden. Oft besungen, für immer berühmt. Denn auch ihre Botschaft hat bis heute Be stand. Sexuelle Freiheit und Selbstbestimmung sind noch längst keine Selbstverständlichkeit – auch nicht in der westlichen Welt. Oder fällt es heute schwer, sich in die Anfangsjahre des Playboy zurückzuversetzen? Ins Amerika der 50er-Jahre, wo die Angst vor Krieg und Katas trophen den strikten Moralpredigern große Bühnen bereitete? Wo der Rückzug ins geord nete Private ganze Heerscharen von Männern den stillen Pantoffelheldentod sterben ließ?
Kein Wunder, dass die „goldene Mitte“ des ersten Playboy mit der nackten Marilyn Monroe auch die Mitte der Gesellschaft traf und wahre Euphorie-Stürme auslöste. Die mehr als 54.000 Ausgaben verkauften sich restlos. Es war der Startschuss zum Aufstieg einer Weltmarke. Hatte Hugh Hefner im pri vat finanzierten ersten Heft Marilyn Monroe
noch als „Sweetheart of the Month“ tituliert, prägte er bereits mit der zweiten Ausgabe im Januar 1954 den Marken-Begriff Playmate of the Month. Margie Harrison, US-Schau spielerin und Model, war die Erste, die sich so nennen durfte. Vor allem professionelle Models wie sie, kleine oder größere Be rühmtheiten aus Werbung und Film wa ren die Playmates der ersten Playboy-Jahre. Jayne Mansfield (S. 10) zum Beispiel, Miss Februar 1955, die es als Schauspielerin zu Ruhm und 1975 sogar zu einem Golden Globe Award bringen sollte, oder Bettie Page (S. 9) , Miss Januar 1955, die den Titel „Miss Pin-up Girl of the World“ errang und der Legende nach auf mehr Ma gazintiteln erschien als Ma rilyn Monroe und Cindy Crawford zusammen.
ie Playmates waren und wurden Stars, unerreich bare, dem Alltag der Leser entrückte Traumfrauen. Das jedoch sollte nicht immer so bleiben. Die Idee, wie reizvoll eine Monats schönste „von nebenan“ wäre, muss Hefner im Sommer 1955 gekommen sein, als er sei ne Abonnenten-Betreuerin Charlaine Kara lus zu einem Playmate-Shooting überredete. Sie hatte nur eine Bedingung: Er sollte ihr da für eine Adressiermaschine anschaffen. Unter dem von Hefner kreierten Kunstnamen Janet Pilgrim (S. 11) – eine provozierende An spielung auf die Pilgrim Fathers, die ersten englischen Amerika-Siedler und Begründer des engstirnigen US-Puritanismus – wurde Charlaine Karalus als Playmate des Monats Juli 1955 das erste echte „Girl next door“. Diese neue Nahbarkeit unterstreichend, platzierte Hefner sich selbst als Statist im Hintergrund ihres ersten Centerfold-Fotos. Dass seine Nähe zu vielen der späteren Play mates weit über gemeinsame Foto-Shootings
hinausging, ist natürlich bekannt. Hefs öf fentliches Sexleben lässt sich vom Mythos der Playmate kaum entkoppeln. Er nahm die „Spielkameradin“ wörtlich, ging mit zweien seiner Centerfold-Schönen sogar Ehen ein: 1989 mit Kimberley Conrad (S. 54) und 2012 mit Crystal Harris
Janet Pilgrim trat nach ihrem Debüt noch zwei weitere Male als Monatsschönste im Playboy auf: im Dezember 1955 sowie im Oktober 1956 – ein Dreifachrekord, den sie mit dem Model Margaret Scott (S. 8) teilt. Für deren Playmate-Premiere im Februar 1954 spendierte Hefner dem bis dahin nur einsei tig gedruckten Aktfoto in der Heftmitte eine zusätzliche Seite. Zuvor hatte es den Namen „Centerfold“ noch gar nicht verdient. Von nun an aber war die Frau in der Mitte we nigstens doppelseitig zu bewundern. In sei ner heutigen dreiseitigen Größe gibt es das eigentliche Playboy-Centerfold allerdings erst seit der März-Ausgabe 1956. Die erste Play mate darauf war US-Schauspielerin und Model Marian Stafford (S. 12), die es anschließend zu einer gewissen Fernsehberühmtheit in di versen amerikanischen Gameshows brachte.
So wuchs mit dem Format des Centerfold auch seine Bedeutung: Es machte Mädchen von nebenan zu Stars und holte die Stars nach nebenan. Es trug Hefners antipuritanische Botschaft in die Welt und weckte die Begehr lichkeit, Teil seines fortschrittlichen Lebens stils zu sein. Die sexuelle Revolution gehörte ebenso dazu wie das Einreißen von Religionsund Rassengrenzen. In den Playboy-Clubs feierten hell- und dunkelhäutige Amerikaner von Beginn an gemeinsam. Als erste Afroamerikanerin erschien im März 1965 Jennifer Jackson (S. 20) auf dem Centerfold, als erste jüdische Playmate im Dezember 1966 die damals erst 17-jährige Susan Bernard (S. 22). Und auch heute ist das Centerfold gern mal ein Kommentar auf politische Dis kurse: Als erste mexikanisch-amerikanische Playmate wurde 2013 Raquel Pomplun zur US-„Playmate des Jahres“ gekürt – eine Frie densbotschaft angesichts der heißen Debat ten um die Zuwanderung in den USA.
– hier Elaine Reynolds, Miss Oktober 1959
– waren (C)HefSache
Das zweiseitige Centerfold Von der ersten Ausgabe an ziert das Centerfold die Playboy-Mitte. Allerdings nur als Doppelseite .
Mit solchen Botschaften betraut, entzog sich die Playmate des Monats von Anfang an der klassischen feministischen Anfeindung, sie transportiere ein aufs ausgebeutete Sexualobjekt reduziertes Frauenbild. Schließlich hatte Hefner mit dem Erziehungsauftrag seines Ma gazins bei Weitem nicht nur die männlichen Leser im Sinn, deren Haltung und Lebensstil es zu modernisieren galt. Das Girl next door, das sie anbeteten, sollte eine starke, schöne, junge und moderne Frau sein, dem reiferen Leser höchs tens in der Anzahl ihrer Lebensjahre unterlegen. In einem Memo von 1965 definierte der PlayboyChef für seine Fotografen, wie künftige CenterfoldMotive auszusehen hätten: „Das Modell sollte in einer für sie natürlichen Umge bung abgelichtet werden. Zum Beispiel während sie einen Drink mixt, liest oder schreibt. Außerdem sollte sie jung, intelligent und gesund wirken (. .) wie eine sehr effizient arbeitende Sekretärin oder eine neue Schülerin am Vassar College. Das Bild soll suggerieren, dass noch jemand mit ihr im Raum ist. Es soll wie ein intimer, zufälliger Moment wirken.“
Die Vassar-Eliteschule im US-Bundesstaat New York erwähnte Hefner nicht zufällig. Die Frauen, die das College besuchten und besu chen, gelten als besonders erfolgreich, ehrgeizig und emanzipiert. Meryl Streep zum Beispiel zählt zu den Alumni. Um dem Leser solche Traumfrauen näherzubringen, ließ Hef ner seit 1956 die Centerfolds um kurze Texte über Person und Leben der jeweiligen Play mate ergänzen.
ie größte Nähe zu den Playmates aber genos sen wohl jene Leser, die in den Anfangsjahrzehnten des Playboy ein Lebenszeit-Abo ab schlossen. Ihnen wurde die erste abonnierte Ausgabe von einer Playmate persönlich überreicht – was manchmal ein weiter Weg für die jungen Traumfrauen war. Jo Collins etwa, „Playmate des Jahres“ 1965, musste bis nach Vietnam fliegen, um einem USLuftwaffen-Lieutenant sein erstes Abo-Heft zuzustellen. Wenig später machte sie aus sol chen Reisen ein größeres Engagement und flog zur Unterhaltung der US-Truppen in den Vietnamkrieg, was ihr den Spitznamen „G. I. Jo“ einbrachte.
Staatstragend und eine feste gesellschaft liche Größe: Mehr kann man von der Idee einer monatlichen Playmate auf einem Cen terfold kaum verlangen. Zwar hatte Hefner das Centerfold nicht erfunden, aber den
Begriff so entscheidend mitgeprägt, dass er mit der Marke Playboy zum Kulturgut wurde. In ternational. Verstanden in jedem Winkel der Welt. Als die Songzeile „my angel is a center fold“ der J. Geils Band 1981 um die Welt ging, brauchte niemand mehr ein Wörterbuch. Das Lied erzählt davon, wie ein Mann seine Jugend liebe auf dem Centerfold des Playboy wiedersieht. Zwischen Empö rung, Erregung und vielen Na-na-nas hinund hergerissen, schmachtet Sänger Seth Justman schockiert das Heft an. „Centerfold“ war einer der ersten Songs nebst Video, die vom Sender MTV ausgestrahlt wurden. Des sen Sendegebiet waren damals die USA. Da hatte der Playboy sich bereits international mit acht Ausgaben um den Globus verbreitet.
Die erste, älteste und traditionsreichste davon: Playboy Deutschland. 1972 ging es hierzulande los. In den USA war gerade die norwegische Schauspielerin Liv Lindeland (S. 28) zur „Playmate of the Year“ gekürt wor den – übrigens die erste Centerfold-Schöne, deren Schamhaar der Playboy-Leser zu se hen bekam –, und wir Deutschen waren auf Aufbauhilfe angewiesen. Zum Glück und auf Hugh Hefners Empfehlung sprang uns die umwerfende Kalifornierin Claire Rambeau (S. 31) bei und zierte im August 1972 als erste Playmate den deutschen Playboy. Doch so unaufhaltsam der Erfolg von Magazin und Marke war, so wenig verwunderlich ist es, dass sich Playboy Deutschland recht bald bei den US-Kollegen revanchieren konn te: Ursula Buchfellner (S. 36), im Som mer 1977 im Alter von 16 Jahren in einem Münchner Biergarten von Playboy-Redak teuren entdeckt, machte fast zwei Jahre nach ihrem deutschen Centerfold-Auftritt Karriere als Miss Oktober 1979 in den USA: Sie war die erste deutsche Playmate im US-Playboy. Und auch die zweite, Elke Jeinsen (S. 61), Miss May 1993, ist ein noch heute wohlklin gender Name. Sie spielte 2001 in „Crocodile Dundee in Los Angeles“ mit und war 1996 in einer „Baywatch“-Folge zu sehen.
Apropos „Baywatch“: Wenn Ihnen an dieser Stelle auffällt, dass wir mit Pamela Anderson (S. 59) die wohl berühmteste Playmate aller Zeiten noch nicht erwähnt haben, erstmals im Februar 1990 auf dem Centerfold zu sehen, dann vermissen Sie vermutlich auch noch wei tere Namen, die bewanderten Playmate-Histo rikern ein fester Begriff sind: Jenny McCarthy, Bebe Buell, Anna Nicole Smith, „Playmate des Jahrhunderts“ Gitta Saxx, Victoria Silvstedt . . .
Diese Aufzählung kann natürlich nicht vollständig sein. Denn das Rad der Center fold-Geschichte dreht sich weiter. Es lebe die Revolution! A
Das dreiseitige Centerfold . was sich im März 1956 änderte. Seitdem erstreckt sich die Playmate über drei Seiten, eine davon zum Ausklappen
Miss Februar 1954
Miss September 1966
Miss Januar 1971
Miss Januar 1974
Miss Dezember 1977
Miss Juni 1979
Miss März 1981
Miss Oktober 1982
Miss Januar 1988
Miss Juli 1989
Miss Februar 1990
Miss März 1997
Misses Dezember 1998
Miss Mai 2008
Miss Juli 2012
Miss Januar 2015
Ein autorisierter Importeur