Page 1

PASSAUER STADTMAGAZIN OHNE WORTE > FERDINAND FREIHERR VON ARETIN HERBERT GRANTELT

FIDEL GASTRO > MAHARAJA

INTERVIEW > HEINRICH OBERREUTER

PASSAUER STADTMUSIKANTEN > ANDY SCHECHINGER

BÜCHER

BOTANIK > PASSAUER MAUERBLÜMCHEN

KULTUR BIERTEST > GANZ UNSER BIER

MAI 2016

18. JAHRG.


CRAFT BIER... Wir sind die Stimme, nicht das Echo!

GRILL

B A R C AF E

HÖLLGASSE 24 • PASSAU-DONAULÄNDE • TEL. 0851-96668541 • WWW.BRAVESMAEDCHEN.DE


EDITORIAL

BIER IM VISIER

Liebe Leserinnen und Leser, Schöne Anlässe, eine ganze PASTA!-Ausgabe dem Thema Bier zu widmen, hätte es in den letzten 18 Jahren unserer Redaktionstätigkeit wahrhaft reichlich gegeben. Die bloße Tatsache, dass praktisch alle Passauer Brauereien sowie viele Brauereien des näheren Umlandes Anzeigenkunden unseres Magazins sind, hätte eine Bierausgabe der PASTA! schon lange gerechtfertigt – von zahlreichen Großveranstaltungen, bei denen Bier eine zentrale Rolle spielt, mal ganz abgesehen. Aber erst jetzt, zum 500-jährigen Jubiläum des Bayerischen Reinheitsgebotes, haben wir das Bier ins Visier genommen. Über die Geschichte und Bedeutung des Reinheitsgebots ist ja in den letzten Wochen schon viel veröffentlicht worden; auch die Konsequenzen, die sich aus der strikten Einhaltung dieses ersten Verbraucherschutzgesetzes ergeben, wurden medial intensiv beleuchtet. Allerdings bietet das Thema Bier noch wesentlich mehr: Gerade in Passau, wo sich

seit zwei Jahrzehnten ein schleichendes, aber offenbar unaufhaltsames Brauereisterben beobachten lässt, tut sich wieder etwas in Sachen Hopfen und Malz! So bieten mehrere Passauer Szenelokale ihren Gästen neuerdings Craft-Bier an. Was hat es aber damit auf sich? Ist dieses Bier wirklich anders als der Gerstensaft alteingesessener Brauereien? Außerdem haben wir uns die Kenner- und Könnerschaft des ersten Biersommelier-Wirtes Bernhard Sitter vom Gut Riedelsbach zunutze gemacht: Unter seiner Anleitung durften wir die Biertypen Helles und Weißbier sämtlicher in unserem Verbreitungsgebiet aktiver Brauereien verkosten – mit teilweise erstaunlichen Ergebnissen. Freuen Sie sich auf eine PASTA! im Bierrausch!

TILL GA BR IEL

&

COR N ELIUS M A RTENS

MITREDEN: facebook.de/pastamagazin

MAI 2016

3


Liebesbeziehung. Der Pkw-Service von Paul in Passau. Herr Thunig, Pensionist, Passau.

Autohaus Paul, Autorisierter Mercedes-Benz Verkauf und Service, Sperrwies 1, 94036 Passau service@paul-passau.de, www.paul-passau.de, www.fb.com/paul.passau


INHALT! 6

8

11

18. Jahrgang

WAS PASSAUER DENKEN, ABER NICHT SAGEN

20

42

OHNE WORTE FERDINAND FREIHERR VON ARETIN

FIDEL GASTRO MAHARAJA

– der zweite Inder

TOPFSCHAU

Kulinarischer Frühling

16

BEWEGUNGSMELDER

Das tut sich in unserer Region

17

INNEN HUI, AUSSEN PFUI BIERETIKETTENGESTALTUNG

20

BIERVERKOSTUNG

Ganz unser Bier

24

BRAUEREISCHIFF

Feuer frei fürs

34

CRAFTBIER

Volle Craft voraus!

42

POPULISMUS IM BIERZELT

Interview mit

47

PASSAUER MAUERBLÜMCHEN

Der 34

im Foto-Interview

15

48

KANONEBRÄU

HEINRICH OBERREUTER

HOPFEN

PASSAUER STADTMUSIKANTEN ANDY SCHECHINGER

über Bierkonsum im Backstage-Bereich

52

ÜBER DEN WOLKEN

Christian Thies über

54

KUNST & KULTUR

Konzerte, Theater, Kabarett & Co. im

60

FILME / BÜCHER / HÖRBÜCHER / DVDS

MAI 2016

Heft Nr. 4/2016

8

48

PASTA! MAI 2016

EMPFEHLUNGEN

PHILOSOPHIEREN MIT BIER

MAI

aus der Redaktion

65

HERBERT GRANTELT

Tipps zur Wiederverheimatung Hiergebliebener

5


UNGESAGT

WAS PASSAUER DENKEN, ABER NICHT SAGEN Was denken Passauer, trauen sich aber nicht, es auszusprechen? Schicken Sie uns Ihren Spruch an redaktion@pastaonline.de und gewinnen Sie einen Cookie von www.knusperreich.de TEXT > TILL GABRIEL

ILLUSTRATION > MARKUS JAURSCH

„Flutschiff an da Ortspitzn obreißn, Bierbrunna am Rodhaus zualossn – So samma mia!“ „bringt ma’s 2016 ned amoi zamm, dass gnua taxis do han, die uns vo da duid hoambringan?“ „kraftbier? i kenn blos starkbier!“ „jetz hob i scho sechs hoibe – und der oidstodkindagoatn is ollawei no ned schena.“ Schicken Sie uns Ihren Spruch an

„maßkriagal, so a schmarrn. des bier wird vui z’schnell warm.“ 6

redaktion@pastaonline.de und gewinnen Sie jeweils einen Cookie von www.knusperreich.de!

PASTA! PASSAUER STADTMAGAZIN


15 JAHRE

Kompetenz und Qualität in Passau

WIR FEIERN JUBILÄUM VOM 28.4.–12.05.2016 15 ANGEBOTE, 15 TAGE UND 15 % AUF DEN REST Bahnhofstraße 1 · 94032 Passau · Tel.: 0851/9 66 65 80


FOTOINTERVIEW

Ohne

ferdinand freiherr von aretin direktor der brauerei aldersbach

NAME BERUF

Worte GEBOREN STATUS

Ihre gegenw채rtige Verfassung?

Woran glauben Sie?

Was war Ihre bislang erfolgreichste Werbekampagne?

Ihr Lieblingsgetr채nk?

8

4. oktober 1977

in birra veritas

PASTA! PASSAUER STADTMAGAZIN


FOTOINTERVIEW

I

ch gebe schon zu, dass es jedes Mal im- der es geschafft hat, die Landesausstellung posant ist, auf dem Aldersbacher Klos- Bier in Bayern direkt vor unsere Tür zu hotergelände vorzufahren. Das großzügige len. Bis Ende Oktober 2016 wird auf dem Areal beherbergt neben einem Klosterladen, gesamten Klosterareal und auch darüber dem Bräustüberl und zahlreichen anderen hinaus das 500-jährige Jubiläum des ReinGebäuden auch die Aldersbacher Brauerei, heitsgebotes gefeiert: Ausstellungen, Kabadie sich seit 1811 im Besitz der Familie Are- rett, Führungen, Kulinarik, Bierbraukurse tin befindet. Der Hausherr, Ferdinand Frei- – die gebotene Vielfalt ist riesig und lohnt herr von Aretin, 38, verheiratet, zwei Kin- einen Ausflug nach Aldersbach unbedingt. der, Ortsvorsitzender der CSU und studierter Leuchtende Augen bekommt Aretin in seiner BWLer, ist ein ruhiger, freundlicher Mann, Schatzkammer, als er uns in die integrierte

Craft-Bier-Brauerei führt. Und ich muss gestehen: Der dort verkostete Maibock zauberte auch mir ein großes Lächeln ins Gesicht. Die Marke Aldersbacher wurde bei uns in Passau vor allem seit der Übernahme der Peschl Brauerei bekannt – vielerorts fließt in Passau seit einigen Jahren Aretins Aldersbacher Bier durch den Zapfhahn.

text > cornelius lloyd martens fotos > florian weichselbaumer

Wo ist Ihr Lieblingsplatz hier im Klosterareal?

Ihre Meinung zum Craft-Bier-Trend?

Ihre Meinung zu Oettinger & Co.?

Schon mal von der Bierbank gefallen nach einer Maß zuviel?

MAI 2016

9


F I DE L G A

S T RO

Fidel Gastro testet das

MAHARAJA

LICH! H C E T S UNBE N G IG ! Ä H B A UN LDET! E M E G UNAN CH HEIMLI IERT! F A R G FOTO

DIE FARBEN INDIENS: DAS ESSEN SCHAUT NICHT NUR GUT AUS, ES SCHMECKT AUCH SO

TEXT & FOTOS > CORNELIUS LLOYD MARTENS

A

ls regelmäßige Leser von Fidel Gastro können Sie sich wohl ungefähr vorstellen, wie viele Diskussionen zum Thema Neueröffnungen ich – im Zusammenhang mit dem immer wieder bemühten Begriff Welpenschutz – während der letzten Wochen geführt habe: mit Lesern, Kunden, Lieferanten, Postboten, Autohändlern, kurzum: mit ganz Passau. Die Meinungen dazu fallen ebenso unterschiedlich aus wie die Geschmäcker verschieden sind: Drei Monate? Sechs Monate? Ein Jahr? (Ab) wann darf man in einer Gastronomie den Grad an Leistung(sfähigkeit) erwarten, der maßgeblich ist für die Bewertung von Qualitäts-, Wohlfühl- und Genussfaktor? Wer sich als Gastronom nicht sicher ist und zunächst testen, automatisieren, ausMAI 2016

probieren will, macht am besten ein SoftOpening, siehe Braves Mädchen im vergangenen Jahr. Bei meinen Besuchen in den ersten Wochen wurde proaktiv darauf hingewiesen, dass man noch in der Testphase sei und daher um Nachsicht bitte. Die Macher haben sich fast zwei Monate Zeit gelassen, bevor sie offiziell eröffneten – keinen hat’s gestört.

EIN INDER IN DER ROSSTRÄNKE – GANESHA SEI GEDANKT Bei meinem heutigen Testobjekt, dem indischen Restaurant Maharaja in der Roß-

tränke, sind die Dinge etwas anders gelagert. Der neue Pächter, Narinder Singh, betreibt bereits seit Jahren einen erfolgreichen indischen Lieferservice in Straubing. Wenig verwunderlich, dass mein erster Eindruck in der Eröffnungswoche Anfang Februar positiv ausfiel: Der betörende Duft von Kreuzkümmel schon beim Eintreten, Küche und Service auf Zack – ich hatte sofort das Gefühl, dass hier schon immer ein Inder war. Dabei hat das Objekt zuletzt eine höchst wechselvolle Geschichte erlebt, seit hier 2013 das Beef Boys in den Fluten des Jahrhunderthochwassers unterging. Danach gab es nur noch Pleiten, Pech und Pannen – weder das Casa España noch zuletzt das Mondo Latino haben funktioniert; ehrlicherweise waren beide Lokale peinliche Rohrkrepierer. 11

k


F I DE L G A S T R O

Das nun eingezogene indische Konzept passt irgendwie genau zu diesem Objekt, in dem seit der Flut nur das Nötigste getan wurde, um den Erhalt des Gebäudes zu sichern. Die Plastiksteinwand aus Beef BoysZeiten ist noch immer da, die Bar auch, der Rest ist ein in Eigenregie aufgezogenes Potpourri aus Kronleuchtern, dunklem Mobiliar, Gardinen, bunten Bildern und changierenden rosa-blauen Lichteffekten – ohne dabei aber völlig in den Kitsch abzugleiten. Das passt ganz wunderbar zu meiner Vorstellung eines indischen Restaurants: Zufall, Improvisationstalent, Einfachheit, mit den Gegebenheiten vor Ort arbeiten – es braucht nicht immer einen geschleckten, durchgestylten, konzipierten Laden, designed by Grömmer.Daxner, Waldbauer, der Netzwerkgruppe aus Linz oder diversen anderen üblichen Verdächtigen.

BALD WIEDER DREI INDER IN PASSAU? Zeitweise hatte unsere schöne Stadt gleich drei indische Restaurants, von denen nur das Chandni an der Hängebrücke übrig blieb (wobei Letzteres zweifelsfrei als kulinarischer Vorreiter zu würdigen ist – hat uns Joseph Sahunta mit seinem Chandni doch vor 25 Jahren die indische Küche nach Passau gebracht). Gerüchteweise steht auch die Wiedereröffnung des ehemaligen Bollywood an der Ortspitze unmittelbar bevor, dessen Betreiber sich nach dem flutbedingten Untergang 2013 mit ihrem Restaurant nach Thüringen verabschiedet hatten. Bestenfalls haben wir also in Kürze wieder drei indische Restaurants in Passau. Ich persönlich finde diese Entwicklung

IRGENDWIE PASST ES HIERHER: WILDES POTPOURRIE IM INNERN

12

PASTA! PASSAUER STADTMAGAZIN


F I DE L G A

TE UNBES

S T RO

! CHLICH

LT! B E Z AH T S B L E S T! MELDE E G N A UN CH HEIMLI ! AF I E R T R G O T FO

ERFRISCHENDE RAITHA & NAAN-BROT AUS DEM TANDOORI-OFEN

wunderbar. Ich liebe die indische Küche nämlich über alles – ist sie doch eine der ganz wenigen Küchen der Welt, bei der ich problemlos auf Fleisch verzichten könnte. Die vegetarischen Möglichkeiten sind so unglaublich vielfältig, überraschend und lecker, dass ich nie, wirklich nie das Fleisch vermisst habe. Kein Wunder bei einem Land, in dem fast 70 Prozent der über 1 Milliarde Einwohner Vegetarier sind – die wollen ja auch nicht tagein tagaus Käsespätzle und Salat essen. Womit wir, endlich, beim Essen wären: Bei meinen inzwischen fünf Besuchen im Maharaja habe ich, meist in Begleitung, die Karte rauf und runter gegessen – bis auf die Entengerichte. Meine Recherche hat zwar ergeben, dass durchaus Ente in der indischen Küche verwendet wird, aber irgendwie bringe ich Ente und indische Küche nicht zusammen – mein Problem. Mittags werden gut ein Dutzend verschiedene Gerichte als Menü (ab Euro 7,50) angeboten, wahlweise mit Suppe oder Salat, die beide aber nicht sonderlich spektakulär sind, weil weder Suppe

MAI 2016

noch Salat in irgendeiner Form indisch gewürzt sind. Eine nette Geste ist es aber allemal. Viel spannender erscheint da die Kheera Raitha, ein würziger Joghurt mit Gurkenstückchen, der wie gemacht ist, um das frisch gebackene Naan-Brot aus dem Tandoori-Ofen hineinzutunken. Kurzum: Ginge es nach mir, würde ich die Suppe bzw. den Salat durch das köstliche NaanBrot und etwas Raitha ersetzen.

ÜBERZEUGENDE MITTAGSKARTE Von der Mittagskarte überzeugt mich besonders das Alu Palak (M3), ein pikantes, optimal stimmiges Gericht aus Kartoffeln und Spinat zu Euro 7,50. Auch etwas höherpreisige Gerichte wie das exzellent marinierte und dann gegrillte Chicken Tikka zu Euro 8,90 lassen sich offenbar auch mittags durchsetzen und werden bestellt – bei meinen bisherigen Besuchen war das Restaurant immer gut besucht. Schön für den Gastronomen: An einem

Linsengericht wie dem schmackhaften Dal Makhini (M1) oder dem oben genannten Alu Palak ist bei einem Mittagspreis von Euro 7,50 auch noch etwas verdient, selbst ohne Getränk. Wohl dem, der weiß, wie man vergleichsweise günstige Hülsenfrüchte, Kartoffeln oder Reis zum Star macht! Weniger spektakulär fand ich die Malai Kofta (M4), Käseklößchen in einer samtig-cremigen Sauce. Fantastisch hingegen war das Chicken Masala (M 10), das sich traute, scharf und dabei doch nicht penetrant zu sein. Es lohnt aber auch, die paar ExtraEuro auszugeben und sich die reguläre Karte anzusehen. Das Dhania Kokonut Tikka ist so ein Gericht: Durch das lange Marinieren der Hühnchenstücke in Joghurt und Kokosnuss wird das Fleisch dermaßen zart und saftig, dass es eine wahre Freude ist, dieses auf einer knallheißen Grillplatte serviert zu genießen. Ähnliche Freude kommt bei (m)einem Signature-Dish der indischen Küche, dem Chana Masala auf. Ich habe dieses Gericht aus Kichererbsen, Zwiebeln und To-

k 13


F I DE L G A S T R O

WERDEN SIE LESERREPORTER!

Wie hat es Ihnen geschmeckt? Sind Sie anderer Meinung? Schreiben Sie Fidel Gastro!

Schicken Sie uns Beweisfotos, schildern Sie uns Ihre Eindrücke! Sagen Sie uns Ihre Meinung! Fidel Gastro belohnt die beste Einsendung. Er nimmt Sie zum nächsten Gastro-Test mit und bezahlt die Rechnung! Schreiben Sie uns: redaktion@ pastaonline.de facebook.com/ pastamagazin

14

infos VON DER GLÜHENDEN PLATTE: CHICKEN-TIKKA

maten schon so oft gegessen und selbst gekocht, dennoch schmeckt es jedes Mal anders. Was ja das Geniale an der indischen Küche ist: Über die Gewürze lässt sich alles in die eine oder ganz andere Richtung steuern. Der indische Koch, der wie übrigens der gesamte Familienbetrieb Narinder Sikh ist und aus dem Punjab, also aus Nordindien kommt, weiß, was er tut. Ich würde mir hier und da noch etwas mehr Mut wünschen, aber das Maharaja steht ja, um den Kreis zum Beginn des Artikels zu schließen, noch ganz am Anfang. Im Gegensatz zu den Vorgängern hat man hier vom ersten Tag an das Gefühl: Das Maharaja ist an dieser Stelle definitiv goldrichtig – und gekommen, um zu bleiben. Namaste!

Maharaja ROSSTRÄNKE 10 PASSAU-ZENTRUM TEL. 0851/96 66 58 58 ÖFFNUNGSZEITEN MI–MO

11.00–14.30 UHR

17.00–23.00 UHR

DI RUHETAG

PASTA! PASSAUER STADTMAGAZIN


F I DE L G A

TOPF

S T RO

SCHAU!

W O F I D E L G A S T R O A U C H N O C H WA R Kaum ein Tag vergeht, an dem Fidel Gastro nicht in Sachen Kulinarik unterwegs wäre. Ob Gourmettempel oder Currywurstbude, Vogerlsalat oder Vongole, Brik oder Böfflamott

– Fidel Gastro blickt mit Begeisterung in die Töpfe der Welt. In diesem Monat schaue ich mich in

der Passauer Innstadt um. Der durch Großbaustellen und nervenden Verkehr gebeutelte Stadtteil hält eine erstaunliche gastronomische Vielfalt bereit. Wohin soll Fidel Gastro (nicht) zum Essen gehen? Sagen Sie’s uns unter redaktion@pastaonline.de

ZECHE 14 – CURRY IS KING

J

eder Imbiss meint ja, Currywurst zu können. Und doch vermochte mich bisher keine Currywurst so richtig zu begeistern: Römer’s Würstelbude, der neue Imbiss am Niedermayer Garten, die Currywurst vom Grill Bill – alle nicht schlecht, aber entweder hapert's an der Sauce oder an der Wurst selbst. Bis ich neulich in der Zeche 14 war, jener versteckten, eigentümlichen Ruhrpott-Rock-Kneipe in der Innstadt. Ich hätte es wissen können: Wirt Maurice ist aus

Bochum; aber dass er tatsächlich alle paar Wochen mit seinem klapprigen Bulli die 600 Kilometer nach Bochum fährt, um dort original Dönninghaus-Wurst, Dönninghaus-Currysauce und Fiege-Bier nach Passau zu holen, hätte ich dann doch nicht erwartet. Ich sag's mal so: Jeder, der vorhat, Currywurst zu machen oder es schon tut, sollte die Zeche 14 besuchen. Diese Wurst ist eine Offenbarung. Ach ja, das Bochumer Bier ist übrigens auch gar nicht so verkehrt.

CULINARIUM – TRAU DICH!

PASTA E VINO – DIE ERSTEN SONNENSTRAHLEN

S

I

tichwort Sonnenstrahlen: Hell und glänzend scheint auch der Stern des Culinarium, das im Mai seinen ersten Geburtstag feiert. Im (nach wie vor) einzigen Lokal in der Lederergasse locken neben einem – ebenfalls versteckten – Garten direkt am Inn mit Domblick auch die ambitionierte Küche von Margit Meindl sowie der in meinen Augen beste Service Passaus unter Leitung ihres Partners Naim. Mein Lieblingsplatz am frühen Abend, wenn sich die Wärme des Tages noch ein wenig hält: der Balkon mit nur vier kleinen Tischen. Weißwein bestellen, den Sonnenuntergang genießen – und dann das neue tunesische 3-Gänge-Menü genießen (für Euro 29,90).

MAI 2016

mmer wieder wird Fidel Gastro gefragt: „Wohin zum Essen?“ Pauschal ist diese Frage natürlich nicht zu beantworten, aber neulich war die Frage einer Leserin sehr präzise: „Wo kann ich mittags gemütlich in der Sonne sitzen und in Ruhe essen?“ Da gibt es für mich nur eine Antwort (ich mache das nämlich genauso): Sobald die ersten Sonnenstrahlen da sind, ab ins Pasta e Vino! Ebenfalls etwas versteckt liegt dieses italienische Kleinod in der Schmiedgasse. Noch versteckter und ein echter Geheimtipp ist der bezaubernde Innenhof: komplett windstill, eine Oase der Ruhe! Dort in der wohlig wärmenden Frühlingssonne Spaghetti Vongole zu bestellen, hat etwas (Be)Sinnliches: Yoga für Genießer!

15


PASSAU AKTUELL

EWEGUNGS ELDER Was gibt es Neues in unserer Stadt? Was tut sich im Landkreis? Wie sieht es im weiteren PASTA!-Verteilgebiet aus? Welche Gastronomien und Geschäfte haben neu eröffnet? Wir sind immer auf der Suche nach

innovativen Konzepten, fantasievollen Kreationen und kompromisslosen, leidenschaftlichen Menschen. Und falls wir etwas Interessantes verpasst haben sollten: Schreiben Sie uns an redaktion@pastaonline.de

von cor nelius m a rtens

ENDLICH FISCH AUF DEM

WOCHENMARKT

J

aja, der Wochenmarkt – ich liebe ihn, vor allem den am Samstag auf dem Domplatz. Auch wenn ich mich immer wieder über das Verhältnis der Anzahl an Metzgern zu den übrigen Ständen wundere, so geht es doch langsam aber sicher bergauf mit der Varianz der Stände – besonders jetzt, da der Winter vorbei ist. Seit wenigen Wochen ist endlich auch ein Fischstand auf dem Domplatz präsent, und zwar mit frischer und geräucherter Ware von guter Qualität aus hiesigen Gewässern. Wenn es nun noch einen Stand nur mit frischen Kräutern (Koriander! Thai Basilikum! Topf-Kräuter!), einen Orientmann und einen guten Espresso gäbe (man hört ja, dass es in Kürze einen Espressowagen aus dem Hause Künzel geben soll) – ich würde gleich nebenan im Dom dem Herrgott danken, denn in diesem Fall hätte er meine Gebete definitiv erhört!

NEUER KÜCHENCHEF IM OBERHAUS

KUNST IN DER DONAUPASSAGE

A

uch wenn ich der Küche des im vergangenen Herbst geschlossenen Kirchawirt z’Esternberg hin und wieder eine Träne nachweine: Es gibt auch positive Seiten. Nämlich die, dass der Ex-Kirchawirt Christian Dullinger jetzt Küchenchef im Oberhaus auf der Ries ist. Was es noch einfacher und näher für viele von uns macht, in den Genuss seiner Küche zu kommen; er ist nämlich ein Guter. Nicht ganz einfach als Typ zwar, eher introvertiert, aber mit guten Ideen und oft überraschender kulinarischer Umsetzung. Auch wenn das Arbeiten im Oberhaus, gerade jetzt zur beginnenden Sommersaison, sicher eine ganz andere Nummer ist: Ich freue mich darauf, Christian Dullinger wieder am Herd zu wissen. Für das Oberhaus gilt in den nächsten (Sommer-)Monaten dennoch mein gebetsmühlenartig vorgetragener Tipp: Gehen Sie nicht am Wochenende hin, wenn es alle anderen tun. Fahren (oder gehen) Sie unter der Woche rauf! 16

E

s gibt wahrlich nicht mehr viele Gründe, in die Donaupassage zu gehen. Neulich habe ich es dennoch gewagt, sitzt hier doch das einzig mir bekannte Geschäft, das in dieser Stadt asiatische Lebensmittel verkauft. Übrigens mit einer schönen Auswahl an Produkten – auch den von mir geliebten und oft vermissten frischen

Koriander gibt es (meistens). Was mich aber wirklich überraschte, war die wunderbare Kunstgalerie im ersten Stock! Es wirkt etwas skurril, hier inmitten des trostlosen Leerstands eine helle, freundliche Galerie zu entdecken, in der es sogar Gratiskaffe gibt für Kunden des Parkhauses. Die wechselnden Ausstellungen bieten eine tolle künstlerische Vielfalt – organisiert wird der Betrieb von den Künstlern selbst. Schauen Sie doch mal auf einen Kaffee vorbei!

PASTA! PASSAUER STADTMAGAZIN


BIERETIKETTEN

AUSSEN

INNEN

HUI PFUI Warum das Etikett eines bayerischen Bieres meist geschmackloser ist als sein Inhalt – und weshalb gerade das in Zeiten des Craft-Bier-Booms zu einem Wettbewerbsnachteil für alteingesessene Brauereien werden könnte. Text > Till Gabriel

I

n Sachen Etikettengestaltung scheint die Zutatenliste hierzulande ebenso beschränkt zu sein wie die kurze Liste der Ingredienzen, die laut Bayerischem Reinheitsgebot bei der Herstellung unseres flüssigen Brotes Verwendung finden dürfen: Hopfen, Malz, Hefe und Wasser. Doch wer schreibt eignentlich vor, dass Bieretiketten nur aus Wappen, Frakturschrift, Farbverlauf und goldenen Bannern zu bestehen haben? Die Tatsache, dass das Reinheitsgebot seit 1516 existiert, mag dafür verantwortlich

Passauer Biere sind

MAI 2016

sein, dass Kreativität und Experimentierfreudigkeit in Sachen Braukunst im Laufe der Zeit nachgelassen haben. Was die Etikettengestaltung betrifft, ist dies allerdings nicht nachvollziehbar; und doch scheint es, als hätte sich auch hier seit 1516 nichts geändert. Geht man heute durch einen Passauer Getränkemarkt, ist die Auswahl an regionalen, nationalen und internationalen Bieren groß. Doch besonders bei den regionalen Bieren halten sich die äußerlichen Unterscheidungsmerkmale in Grenzen:

Greift man nun zur Wolferstetter Weizenflasche mit goldenem Wappen und traditioneller Frakturschrift auf gelb-orangenem Farbverlauf? Lässt man sich vom Aldersbacher Urhell mit goldumrandetem, gelb-weißem Farbverlauf und klassischer Schreibschrift verzaubern? Oder trifft man die richtige Wahl eher mit einem Hacklberger Urhell, das sich mit goldumrandeter, historisierender Frakturschrift auf grauweißem Farbverlauf, goldenem Banner und – Achtung! Alleinstellungsmerkmal! – goldenen Preismedaillen schmückt? Natürlich ist es gemein, dass ich mir jetzt genau diese Biere ausgesucht habe. Schließlich ließe sich diese Liste nahezu endlos fortsetzen – und fiele ungefähr genauso lang aus wie die Liste sämtlicher Produkte, die in allen niederbayerischen Brauereien hergestellt werden, mal abgesehen von Limo & Co., bei denen das Wappen auf dem Etikett auf innovative Weise gegen eine Zitrone, Orange oder einen Radfahrer getauscht worden ist.

>>

u. gestalterisches Einheitsbrä

17


BIERETIKETTEN

Zutaten für Bieretikettengestaltung Frakturschrift Ornament Wappen

Banner

Ornamente

FEIN & FEINER

XXXX

PREMIUM SEIT

Dabei kann man der Gestaltung der Etiketten viele Schlagworte zuordnen: traditionell, konventionell, konservativ, konform, produkttypisch. Was man aber nicht guten Gewissens behaupten kann, ist, dass sie kreativ, individuell und inspiriert wären. Ausnahmen mag es geben, sind mir aber kaum untergekommen – und bestätigen dann letztlich doch nur die Regel. Rein äußerlich betrachtet wird dem Biertrinker die Kaufentscheidung leicht gemacht: Er hat die Wahl zwischen Pest und Cholera. Wer dann auch noch vom Design der Flaschen auf ihren Inhalt schließt, wird vermutlich abstinent oder kauft eine Flasche (österreichischen) Wein. Als Brauereichef kann man heute also nur hoffen, dass die Kundschaft nicht mit allzu viel ästhetischem Feinsinn ausgestattet ist und der Genuss des Bieres bei geschlossenen Augen oder im Dunkeln stattfindet. Zerrt man nun das klischeehafte Bild vom grölenden, torkelnden und an den Laternenmasten urinierenden Biersäufers hervor, fällt es nicht schwer, sich vorzustellen, dass dieser Zielgruppe das Etikettendesign vollkommen wurscht ist. Allerdings wird es just an diesem Punkt interessant. Kämpfen die Brauereien doch seit vielen Jahren für ein Image, das sie befreit vom Ruch des Massenproduzenten von Volksbetäubungsmitteln. Klar, Bierzelte gehören natürlich 18

18

zu den Hotspots des Bierkonsums – und keine Brauerei würde freiwillig auf den Ausschank ihres Bieres während der Dult oder des Karpfhamer Fests verzichten. Aber grundsätzlich will man Spezialitäten verkaufen und salonfähig sein. Das eigene Produkt soll als besonders und einzigartig wahrgenommen werden – zumindest wird mit diesen Begriffen immer wieder geworben. Und nicht zuletzt möchte sich jede Brauerei gegenüber der Konkurrenz abgrenzen, eigenständig sein und sich unterscheiden. Anspruchsvolle Zielgruppen erreicht man vermutlich auch nur, wenn man all diese Attribute seinen Produkten zugrunde legt und nicht nur ein Bier braut, das diesen Ansprüchen gerecht wird, sondern von außen nach innen – also von der Verpackung bis zum Inhalt – ein individuelles Produkterlebnis schafft.

Der Käufer hat die Wahl

zwischen Pest und Choler a. Doch wehe, er schließt vom Design auf den Inhalt. PASTA! PASSAUER STADTMAGAZIN


BIERETIKETTEN

Wie kommt es dann aber, dass praktisch keine Brauerei unserer Region (und auch darüber hinaus) ein solches Produkt anbietet? Was nutzt es, wenn der Braumeister all sein Können und seine Kreativität in den Brauprozess einfließen lässt, ohne dass dies über ein entsprechendes Produkt- und Etikettendesign an den Kunden kommuniziert wird? Da die Etiketten der meisten Biere gestalterisch mehr oder weniger einheitlich sind, muss der Konsument davon ausgehen, dass der Inhalt unterschiedlicher Flaschen ebenso einheitlich schmeckt. Wie bitte? Alle Weißbiere schmecken gleich? Da fällt dem Braumeister vor Schreck doch glatt sein Rührpaddel in den Sudkessel. Natürlich nicht! Jeder Braumeister braut seinen ganz individuellen Stil, nach überlieferter Rezeptur, mit vollkommen eigenständigem Charakter!

Jeder Braumeister braut natürlich seinen ganz individuellen Stil.

Warum wird das dann nicht über das Etikett kommuniziert? Na schön. Dann darf aber doch wohl die Frage erlaubt sein, warum auf 500 Bierflaschen von 500 Brauereien die Worte feinwürzig, feinherb und feingehopft draufstehen. Das kann man auch gleich in einem einzigen Slogan zusammenfassen: Mit Alles vom Feinsten wirbt die Hutthurmer Brauerei – und spart sich damit die lästige Wiederholung sämtlicher feinen Begriffe, die die feine Konkurrenz in einem Erguss latenter Feinsinnigkeit bereits auf ihre feinen Etiketten gedruckt hat. Alles in allem ein Großes Feinerlei – dem die Kunden vermutlich indifferent gegenüberstehen. Dies kann aber kaum im Interesse der Brauereien liegen. In diesem Zusammenhang ist auch das Ergebnis unserer Bierverkostung mit Biersommelier Bernhard Sitter interessant, das gezeigt hat, dass es durchaus wahrnehmbare Differenzen im Geschmack der Biere unterschiedlicher Brauereien gibt, die – je nach Biertyp – mehr oder weniger stark ausgeprägt sind. Was aber hindert die Brauereien daran, sich aus dem gestalterischen Einheitsbräu freizuschwimmen und starke, individuelle Produkte zu schaffen? Vielleicht mangelt es an Mut. Vielleicht auch an Kreativität. Und an

MAI 2016

Beispiele kreativer Craft-Bier-Etiketten: Handcar Hefe der Iron Spike Brewery, Defiance Bitter Ale der J. Wells Brewery und Whiskers American Wild Ale der Off Color Brewing Co.

Geld. Oder an allen dreien? Möglicherweise fehlt sogar der Glaube an die herausragende geschmackliche Qualität des eigenen Produkts – und damit auch an die Sinnhaftigkeit authentischer und individueller Produktgestaltung. Der imaginäre Brauereichef, der mir gerade gegenübersitzt, kramt noch ein paar weitere altbekannte Argumente hervor: „Die Leute kennen das nur so und wollen es nicht anders“; „Der Preiskampf auf dem Biermarkt erlaubt keine Experimente“; „Mir sind die Hände gebunden, ich kann das nicht alleine entscheiden“; und zu guter Letzt: „Eine Werbeagentur können wir uns nicht leisten, das macht unsere Marketingabteilung.“ Spätestens jetzt wir mir klar, dass es unter den sogenannten Traditionsbrauereien noch viele Verlierer geben wird. Selbst wenn es abgedroschen klingt: Nur wer wagt, kann gewinnen. Der Siegeszug der Craft-Biere zeigt, dass der Biermarkt reif ist für revolutionäre Biere mit aufsehenerregender Gestaltung – und die alteingesessenen Brauer fördern durch ihre Trägheit, ihre langweilige Etikettengestaltung und ihr verstaubtes Marketing sogar noch den Erfolgskurs der kreativen Kleinbrauereien. Auf den Etiketten und Sixpacks der CraftBiere gibt es Comics und Märchen, Pop Art und Graffiti. Es werden spannende Geschichten erzählt von Affen in Kosmonautenanzügen, Priestern dunkler Mächte und blonden Schönheiten am Strand von Maui.

Viele dieser Geschichten beginnen mit kreativen Namen wie zum Beispiel Dead Pony Ale, White Black Bird, Nugget Nectar oder Jet Black Heart. Zeichnungen legendärer Punk-Künstler, detailreiche Grafiken unkonventioneller Illustratoren oder eine ausgereifte, klar strukturierte Typographie unterstützen dabei die optische Eigenständigkeit des Bieres und sind mittlerweile Kult. Die leere Bierflasche als Sammelobjekt – das hat es vorher nicht gegeben. Bei Craft-Bieren in den USA und Großbritannien hingegen wird nicht nur das Brauen des Bieres, sondern auch die Entstehung seines Namens, seine Etikettengestaltung und der Geschmack als Kunst angesehen – weshalb in manchen Pubs ausgetrunkene Bierflaschen die Wände zieren wie Bilder in einer Galerie. Natürlich reicht es nicht, ein tolles Etikett zu gestalten und – frei nach dem Motto „Außen hui, innen pfui“ – minderwertigen Inhalt abzufüllen; denn auch das kann nicht zum Erfolg führen. Doch offenbar dürstet es die Menschen nicht nur nach einem guten Bier, sondern auch nach Individualität, Kreativität und vor allem etwas Neuem. Sie wollen Geschichten hören und Storys erzählen. Sie wollen etwas erleben. Dafür bezahlen sie sogar gern 5 Euro und mehr pro Flasche.

Till Gabriel ist Inhaber der Werbeagentur Gabriel.Lloyd Martens.GmbH, Passau 19


UNSER

BIERVERKOSTUNG

KANONENBRÄU! GAN

BIER Die PASTA!-Redaktion testet Helles und Weißbier aller 14 in ihrem Verbreitungsgebiet aktiven Brauereien nach den Kriterien des European Beer Star Award – unter Anleitung von Bernhard Sitter, 1. Biersommelierwirt Deutschlands aus Neureichenau. Mit erstaunlichen Ergebnissen!

TEXT > TILL GABRIEL

D

FOTOS > LUKAS MUSILEK

ieser Mann ist ein echtes Phänomen: Bernhard Sitter, Biersommelier und Inhaber des 1. Bierhotels Deutschlands auf Gut Riedelsbach in Neureichenau. Sitters besondere Beziehung zum Bier begann bereits in dessen Kindheit – oder besser gesagt: in dem kleinen Wirtshaus, das seine Eltern betrieben. Durch zahlreiche Anbauten und Erweiterungen wurde daraus ein Hotel speziell für Biergenießer – inklusive Bierbottichbad, Braugarten, Bierkultur-Museum und eigener Brauerei. In den Kupferkesseln werden Sitters Blondes, Schwarzbier, Pils, Hefeweißbier und auch saisonale Bierspezialitäten gebraut – ungefähr 30.000 Liter im Jahr. Darüber hinaus gibt es bei Bernhard Sitter an die 100 20

Biere aus aller Welt zu verkosten. Der diplomierte Biersommelierwirt hat sich mit Haut und Haaren dem Bier verschrieben: Neben seiner Tätigkeit als Wirt und Hotelier ist er auch Mitglied der Jurys zweier großer Bierwettbewerbe, des European Beer Star (Deutschland) und des World Beer Cup (USA). Wenn anspruchsvolle Wirte ihre Bierkarte zusammenstellen, dann fragen sie Sitter um Rat: Welches Bier passt zu welchen Speisen? Für uns war klar, dass wir diesen Mann brauchten: Wer sonst sollte mehr Kompetenz mitbringen, wenn es darum geht, mit uns die Biere aller Brauereien aus dem Verbreitungsgebiet der PASTA! zu verkosten und zu bewerten? Zwar sind wir seit vielen Jahren lei-

denschaftliche Biertrinker – aber eine Annäherung an den geliebten Gerstensaft unter professionellen Gesichtspunkten haben wir bislang nicht gewagt. Zunächst stand die Idee im Raum, die Chefs aller hiesigen Brauereien zu uns in die Redaktion einzuladen und eine Blindverkostung all ihrer Biere durchzuführen. Doch davon hat uns Sitter abgeraten: Manches Ergebnis würde die Probanden wohl eher kompromittieren – und wenn man bedenkt, dass selbst der ein oder andere Winzer und Weinsommelier bei Blindverkostungen schonmal Weißwein für Rotwein gehalten hat, scheint das für Bierverkostungen ebenso plausibel. Und außerdem ging es uns ja auch nicht darum, eine Bewertung im Sinne von besser oder schlechter durchzuführen. Die Geschmacksrezeptoren jedes Menschen sind unterschiedlich – was eine allgemeingültige Bewertung eines Bieres schier unmöglich macht. Wichtig ist, dass es schmeckt. Auf die Frage, welches Bier er am liebsten trinke, antwortet Sitter, dass er kein Lieblingsbier habe. Vielmehr müsse das Bier zur Stimmung, zum Essen und zur Gesellschaft passen. Ein und dasselbe Bier könnte an zwei unterschiedlichen Tagen auch ganz unterschiedlich schmecken. Als Preisrichter beim European Beer Star hat Sitter allerdings an einem einzigen Tag 60 bis 70 Biere einer KatePASTA! PASSAUER STADTMAGAZIN


BIERVERKOSTUNG

gorie zu bewerten – drei Tage lang! Das ist harte Arbeit, die viel Konzentration und Disziplin erfordert. Anders als beim Wein, bei dessen Verkostung sich die Aromen im Mund entfalten und der Probierschluck von den Sommeliers deshalb meist wieder ausgespuckt wird, muss das Bier heruntergeschluckt werden, um die Bewertung durchführen zu können – die Hopfenbittere, also den bitteren Nachgeschmack des Bieres, würde man sonst nicht ausreichend wahrnehmen. Zwar reicht ein kleiner Schluck für die Bewertung – aber die Gesamtmenge macht’s.

Manches Ergebnis würde den Brauereichef kompromittieren. Als wir bei Sitter auf Gut Riedelsbach eintreffen, haben wir 13 Helle und 14 Weißbiere lokaler Brauereien im Gepäck. Diese beiden Biertypen wollen wir heute verkosten; sie sind die meistgekauften Biere in der Region. Da sich das Verbreitungsgebiet unseres Magazins von Grafenau im Norden bis nach Schärding im Süden und Moos im Westen er-

MAI 2016

streckt – mit Hauzenberg als östlichstem Punkt auf der Karte – sind es folgende Brauereien, deren Biere heute zur Verkostung antreten: Brauerei Hacklberg (Passau), Innstadt Bierspezialitäten (Passau), Löwenbrauerei (Passau), Andorfer Brauerei (Passau), Hutthurmer Brauerei (Hutthurm), Apostelbräu (Hauzenberg), Lang Bräu (Jandelsbrunn), Bucher Bräu (Grafenau), Gräf liche Brauerei Arco Valley (Eichendorf ), Arcobräu (Moos), Aldersbacher Brauerei (Aldersbach), Wolferstetter Brauerei (Vilshofen), Wenzl Bräu (Wernstein) und Baumgartner Brauerei (Schärding). Bei unserem Gastgeber ist schon alles für unsere Verkostung vorbereitet: Auf dem riesigen, massiven Holztisch im Seminarraum des Bierhotels stehen an die hundert kleine Probiergläser bereit. Nach einer kurzen Stärkung mit Schweinebraten, Kalbsbackerl und Knödeln – schließlich muss man eine Grundlage schaffen! – machen wir uns unter Anleitung von Herrn Sitter an die Verkostung der ersten Biere. Wir starten mit dem Hellen. Sitter erklärt uns, dass es acht Bewertungskriterien gibt: Farbe, Schaum, Klarheit, Geruch, Aroma, Bittere, Rezenz und Nachtrunk (die Rezenz beschreibt die Frische und das Prickeln des Bieres und lässt Rückschlüsse auf die Carbonisierung, also den Kohlensäuregehalt, zu). Außerdem werden die Biere auf geschmack-

liche Fehler getestet. Dies kann zum Beispiel eine starke Oxidation sein oder ein deutlicher Hefegeschmack beim Hellen.

Der Biersommelier spuckt die Probe nicht aus, sondern muss sie herunterschlucken. Aber auch ein zu starker Kohlensäuregehalt wird von den Profis als Fehler gewertet – eine hohe Carbonisierung kann sich mit einer gewissen Schärfe auf der Zunge bemerkbar machen. Wie wir bei unseren Proben feststellen, weist das Helle der Brauereien Lang und Aldersbach jeweils einen hohen Kohlensäuregehalt auf – und auch das Wirtshaus Helle von der Kleinbrauerei Wenzl perlt stark im Vergleich zu anderen Vertretern dieses Biertyps. Allerdings ist in der Kategorie Rezenz ein schales Bier das Gegenteil eines lebendigen, erfrischenden, angenehm rezenten Bieres. Und wer will schon ein schales Bier trinken? Dennoch ist die Zugabe von (zu) viel CO2 eine Gratwanderung. Sitter teilt Kopien der offiziellen Bewertungsbögen des European Beer Star Award aus und schenkt alle Biere verdeckt ein – eins

21


BIERVERKOSTUNG

nach dem anderen, sodass sie anschließend in einer Reihe vor uns auf dem Tisch stehen. Gemeinsam überprüfen wir die Farbe – ohne große Unterschiede feststellen zu können. Sitter, der nach eigenen Angaben schon mehrere tausend Biere verkostet hat, sagt: „Die Farbe aller Hellen auf dem Tisch können wir als typgerecht bezeichnen.“ Er ermutigt uns, nach geschmacklichen Fehlern zu suchen und diese zu notieren. Doch das Feststellen solcher Fehler – wie zum Beispiel vegetaler, also gemüseähnlicher Geschmacksnoten – erfordert viel Übung.

Die Schere bei der Punktewertung geht weit auseinander.

Ab sofort erhältlich beim Hutthurmer Heimdienst (08505/940-555), im gut sortierten Getränkehandel oder direkt in der Brauerei Hutthurm. 22

Umso besser, dass für die Punktewertung nur die acht Hauptkriterien eine Rolle spielen. Ein Hinweisblatt mit einer festgelegten Punkteskala erleichtert uns die Bewertung. Ein rezent schmeckendes Bier bekommt beispielsweise 4 Punkte in der Kategorie Rezenz; für einen samtigen, zum Nachtrinken anregenden Nachtrunk dürfen wir 5 Punkte in der Kategorie Nachtrunk geben. Am Ende der Verkostung tauschen wir uns nochmal über die einzelnen Biere aus. Dabei ist interessant, dass wir unabhängig voneinander ähnliche Ergebnisse erzielen – und die Schere bei der Punktewertung weit auseinandergeht. Zwar sind die Biere alle als Vertreter des Typs Helles erkennbar – doch geschmacklich unterscheiden sie sich in Sachen Rezenz, Aroma und Nachtrunk mitunter sehr deutlich voneinander. Und weil man ja selbst als leidenschaftlicher Biertrinker selten 13 Biere unterschiedlicher Brauereien gleichzeitig trinkt, hat man kaum Vergleichsmöglichkeiten. Umso größer ist unsere Überraschung, als wir die Punkte zusammenzählen: Zwischen 95 und 131 Punkte in der Gesamtwertung erreichen die Biere – sprich: Das am schlechtesten und das am besten bewertete Bier liegen ganze 36 Punkte auseinander. Beachtlich! Zumal bei den 14 Weißbie22

ren, die wir im zweiten Durchgang verkosten, die Wertungen mit Punkteständen zwischen 94 und 115 sehr nah beieinanderliegen. Auch hier sind die Biere alle typgerecht und fehlerfrei – Unterschiede im Geschmack lassen sich nur in geringem Maße feststellen. Bei manchen Bieren schmeckt man erwartungsgemäß mehr Banane und einen stärkeren Anklang von Nelke (Phenol) heraus – so zum Beispiel beim Andorfer und beim Wolferstetter Weißbier. Da diese Geschmacksnoten aber typisch für Weißbier sind, ist es letztlich eine Frage persönlicher Vorlieben, ob dem Biertrinker das Bier schmeckt oder nicht. Zwar lassen wir solche Eindrücke auch in die Gesamtwertung des Bieres einfließen, repräsentativ ist unsere Wertung allerdings nicht. Denn abgesehen von Herrn Sitter, der ein geschulter Profi ist, verkosten hier Laien. Bei großen Bierwettbewerben sind Hunderte hervorragend ausgebildete und routinierte Fachleute am Werk. Uns ist natürlich klar, dass unsere Leser gerne ein bestes und ein schlechtestes Bier sehen würden – doch auch Biersommelier Bernhard Sitter sagt, dass es das nicht gibt: Solange keine offensichtlichen Fehler festzustellen sind, hängen die Prädikate gut oder schlecht ganz allein vom Geschmack des jeweiligen Biertrinkers ab. Das relativiert natürlich die Bewertungen – auch bei den großen Wettberwerben. Was die Wertung unserer Verkostung betrifft, möchten wir nur so viel verraten: Es scheint gute Gründe dafür zu geben, dass die Löwenbrauerei Passau bereits zweimal den European Beer Star und zuletzt auch den World Beer Cup gewonnen hat …

Das Verkostungsteam (v.l.n.r): Angelika Reiter, Bernhard Sitter, Till Gabriel

PASTA! PASSAUER STADTMAGAZIN


BRAUEREISCHIFF

FEUER FREI FÜRS

KANONENBRÄU!

Europas erstes Brauschiff fährt ab Schärding am Inn: Manfred Schaurecker, legendärer Innschifffahrtskapitän und leidenschaftlicher Biergenießer, hat rechtzeitig zum 700-jährigen Jubiläum der Stadt Schärding sein Brauschiff Kanonenbräu in Betrieb genommen. Das alte Salzfürstenschiff wurde mit viel Liebe zum Detail und mühsamer Handarbeit zu einer schwimmenden Kleinbrauerei mit bieriger Inneneinrichtung umgerüstet. Wie er auf die einmalige Geschäftsidee kam und was es sonst noch mit dem ersten Brauschiff Europas auf sich hat, erzählte uns der Kapitän bei einem Glas Pulverfassl-Weißbier aus seiner kleinen Kupferbrauanlage.

PASTA! Herr Schaurecker, warum haben Sie schießung Schärdings durch die Franzosen Ihre schwimmende Kleinbrauerei Kanonen- in Zusammenhang stand. Und so kamen wir bräu getauft? auf Kanonenbräu – was allemal besser klingt als Schifferbier … Das Konzept dazu inklusive SCHAURECKER Da muss ich erstmal ein der Inneneinrichtung haben wir dann gewenig in die Vergangenheit schweifen, um zu meinsam entwickelt, die Außengestaltung erklären, wie wir überhaupt auf das Thema des Schiffes übernahm ein befreundeter GasBier und Brauschiff gekommen sind. tronomiearchitekt. Vor knapp fünf Jahren wurde gemeinsam mit Brauereien und Gastronomen die Bierregion Innviertel gegründet, eine vom Land Oberösterreich geförderte Werbegemeinschaft. Ich bin selbst Gründungsmitglied – insofern ist das Thema Bier nicht nur in mein Leben getreten, weil ich gerne Bier trinke, sondern PASTA! Wie viele Liter produziert denn Ihre auch aus beruflichen Gründen. In diesem Zu- Anlage? sammenhang habe ich gemeinsam mit meiner Bekannten Helga Stiegler die ganze Zeit SCHAURECKER Wir betreiben auf dem hin- und herüberlegt, was wir selbst zu die- Schiff momentan fünf Anlagen, mit denen sem interessanten Thema beisteuern könn- wir praktisch täglich frisches Bier brauen. ten. Irgendwann kam uns dann die Idee, ei- Wir haben eine Kapazität von ungefähr 300 nes unserer Schiffe zu einem Brauereischiff Flaschen am Tag. Die kompakte Bauform der umzubauen. Anlagen macht uns äußerst flexibel – sodass Der Name Kanonenbräu rührt daher, dass wir, je nach Bedarf, verschiedenste Biere die Franzosen 1809 von der bayerischen Seite brauen können. Das Ganze ist eher zu verdes Inns aus Schärding mit Kanonen be- gleichen mit einer Gourmetküche. Wir haben schossen haben. Zudem besitzt die Helga ein drei Speidel-Sudkessel an Bord, die vollelekHaus in der Wieningerstraße, direkt an der tronisch gesteuert werden. Früher benötigte Innlände, in dem sich bis zum Jahr 1942 ein man ja mehrere Behälter zum Brauen; in dieGasthaus namens Zur Kanone befand. Auch ser Anlage findet alles in einem Kessel statt. hier kann man davon ausgehen, dass die Be- Wenn wir um 11 Uhr zur ersten Fahrt aufbrezeichnung in irgendeiner Weise mit der Be- chen, wird der erste Sud um halb elf ange24

setzt; dieser kocht dann bis 13 Uhr vor sich hin, bis er fertig ist. Dann kommt der Treber [Malzrückstände, Anm. d. Red.] raus und es wird umgeschaltet auf Hopfenkochen. Gegen 16 Uhr, kurz bevor wir wieder anlegen, ist der Sud fertig. Er muss nur noch abkühlen und mit Hefe versetzt werden, bevor wir ihn in unsere Kühlräume an Land bringen. Eine Fahrt mit dem Brauschiff entspricht also einem ganzen Brauprozess. Und selbstverständlich müssen unsere Fahrgäste unterwegs mithelfen – zum Beispiel, indem sie die Malzmühle bedienen. Damit aber auch jeder versteht, was hier eigentlich vor sich geht, wird der gesamte Brauvorgang während der Fahrt natürlich sehr anschaulich erklärt. PASTA! Wird es das Bier auch an Land zu trinken geben? SCHAURECKER Dazu muss ich sagen, dass wir ja ein Schifffahrtsunternehmen und keine Großbrauerei sind. Sprich: Wir verfügen nicht über die Herstellungs- und Lagerkapazitäten, um die Gastronomie oder den Einzelhandel beliefern zu können. Insofern bleibt es dabei, dass das Bier exklusiv nur an Bord unserer Schiffe verkostet werden kann. Im Moment stellen wir verschiedene Biertypen her, unter anderem ein Pulverfassl-Hefeweißbier und ein Helles Bier. PASTA! PASSAUER STADTMAGAZIN


BRAUEREISCHIFF

PASTA! Sie nehmen doch hoffentlich kein den, was auf ein Brauschiff hindeutete. Bei Inn-Wasser zum Brauen her, oder? der AIDA-Flotte gibt es ein Kreuzfahrtschiff, das eine kleine Brauerei an Bord hat – aber SCHAURECKER Nein, das würde nicht ein Schiff, das quasi eine schwimmende funktionieren. Ganz unabhängig vom Ver- Brauerei ist, hat es bislang nicht gegeben. Wir schmutzungsgrad des Inns ist das Wasser scheinen also nach wie vor das einzige richaus dem Fluss viel zu hart, also zu kalkhaltig. tige Brauschiff zu sein. Damit kann man kein Bier brauen. Für gutes Bier braucht man weiches Wasser; wir ver- PASTA! Man hört, Sie seien leidenschaftliwenden deshalb zum Brauen auf unserem cher Kapitän und leidenschaftlicher BiertrinSchiff Wasser aus zwei Quellen: Die eine ist ker. Aber Alkohol hinter dem Steuer gibt es bei die Sauwaldquelle am Haugstein, dem höchs Ihnen vermutlich trotzdem nicht, oder?

dichte Österreichs – was daran liegt, dass das Innviertel bis zum Ende des Bayerischen Erbfolgekrieges 1779 zu Bayern gehört hat. Schon allein deshalb liegt uns die Vielfalt der heimischen Biere besonders am Herzen. Auf unserem Brauschiff gibt es daher neben unseren eigenen Pulverfassl-Bieren knapp 15 weitere Spezialitäten regionaler Brauereien zu verkosten. Außerdem experimentieren wir gerade mit neuen Rezepturen – so soll es in Kürze das Wuidsaubier geben. Dieses Bier ist den Themen Jagd und Wald gewidmet. Wir versuchen, den Duft und den Geschmack des Waldes in das Bier zu bringen; dazu haben wir schon mit Fichten- und Tannenzapfen experimentiert. PASTA! Gibt es im Rahmen der anstehenden Feierlichkeiten zum 700-jährigen Jubiläum der Stadt Schärding besondere Aktionen auf/mit dem Brauereischiff? SCHAURECKER Selbstverständlich wird es auf dem Brauschiff mehrere Veranstaltungen geben – zwei sind bereits fest für August eingeplant: ein Event mit der Dixieland Band und ein Bierfest Bier und Blech, auf dem verschiedene Biere aus der Bierregion Innviertel verkostet werden können und regionale Bands für musikalische Unterhaltung sorgen.

Da braut sich was zusammen: Kapitän Manfred Schaurecker und seine Geschäftspartnerin Helga Stiegler am Sudkessel an Bord des Brauereischiffs ten Gipfel des Sauwaldes. Dank des Granituntergrunds und der dichten Bewaldung ist die Wasserqualität dort sehr gut. Die zweite Quelle ist Heiligenbrunn im Neuburger Wald – das ist für mich das beste Wasser, mit einem sehr guten, frischen und reinen Geschmack. Eine wirklich heilige Quelle! Doch man darf auch nicht vergessen: So wichtig die Reinheit des Wassers ist – selbst bei nicht so sauberem Wasser besteht kaum Gefahr durch Verunreinigungen, da der Biersud ja 80 Minuten lang bei 100 Grad gekocht wird. Dabei werden praktisch alle vorhandenen Bakterien abgetötet. Ich persönlich töte aber lieber etwas ab, was gar nicht drin ist.

Das Interview führte unser Redakteur SCHAURECKER Da können Sie getrost je- TILL GABRIEL den meiner Mitarbeiter fragen: Noch nicht einmal ein Tropferl trinke ich, während ich am Steuer bin. Ein Tropfen Alkohol im Blut – und du bist sofort dran, wenn irgendetwas passiert. Aber wenn sich die letzte Fahrt des Tages dem Ende zuneigt und der Anleger in Sichtweite ist, dann wird schon langsam die erste Halbe Bier eingeschenkt; und sobald das Schiff fest vertäut ist, kann ich den Passagieren zuprosten. Weitere Infos zum Brauereischiff

KANONENBRÄU

finden Sie im Internet unter www.innschifffahrt.at oder telefonisch unter +43 (0)7712-73 50

PASTA! Gibt es ein Vorbild für das Brauschiff – oder handelt es sich um eine Weltneuheit? SCHAURECKER Wir haben damals recherchiert, ob es so etwas schon gibt. Allerdings sind wir auf keine vergleichbaren Konzepte gestoßen. Auch auf amerikanischen Internetseiten konnten wir seinerzeit nichts finMAI 2016

PASTA! Herr Kapitän, vielen Dank für das interessante Gespräch!

PASTA! Wie können Ihre Passagiere das selbstgebraute Bier auf Ihrem Schiff erleben? SCHAURECKER Das Innviertel verfügt nicht nur über eine sehr alte Biertradition, sondern auch über die höchste Brauerei-

Mit Voranmeldung werden auch Gruppen-, Hochzeits- und Betriebsfahrten mit geschlossenen Gesellschaften durchgeführt!

25


PR | REGIONALE BIERGÄRTEN

ANDORFER Rennweg 2 Passau-Ries Tel. 0851/75 44 44 GEÖFFNET Di–Mi ab 17.00 Uhr Do–So ab 9.30 Uhr Mo Ruhetag

DIE SCHÖNSTEN BIERGÄRTEN Eine Maß Bier unter Kastanien, dazu eine Brotzeit oder ein Schmankerl vom Grill: Der Biergartenbesuch ist bei uns in der Region gängige Freizeitgestaltung für die ganze Familie – und das seit über 200 Jahren! Am 4. Januar 1812 erlaubte König Max I. den Brauern, über ihren Bierkellern Bier auszuschenken. Ein guter Mann, der König Max! Erleben Sie 200 Jahre Biergartenkultur – in einem unserer herrlichen Biergärten in und um Passau! Wir haben für Sie schon einmal probegesessen, -gegessen und vor allem -getrunken! Passend zum Schwerpunkt dieser Ausgabe führen wir die jeweiligen Biermarken auf, die unsere schönsten Biergärten führen. Zum Wohl!

(natürlich nur) Andorfer IDEAL FÜR Weißbierfreunde, Gruppen, Kurzausflügler

biergarten spezial

WIRT IN STEINBRUNN Steinbrunn 2 Schardenberg, OÖ Tel. (0043) 7713/67 44 GEÖFFNET Do–Di ab 9 Uhr Mi Ruhetag Gösser, Baumgartner, Wenzl (!), Innstadt, Wolferstetter, Andorfer IDEAL FÜR Familien, Freunde österreichischer Gastfreundschaft

26

PASTA! PASSAUER STADTMAGAZIN


PR | REGIONALE BIERGÄRTEN

BAYERISCHER LÖWE Dr.-Hans-Kapfinger-Str. 3 Passau-Neue Mitte Tel. 0851 /95 80 10 GEÖFFNET Täglich ab 9.30 Uhr Kein Ruhetag Innstadt Bierspezialitäten IDEAL FÜR eine Auszeit von der Hektik der Neuen Mitte

DAS OBERHAUS Oberhaus 1 Passau-Ries Tel. 0851/37 93 06 57 GEÖFFNET Mo–So ab 10 Uhr Kein Ruhetag Augustiner IDEAL FÜR den unbestritten schönsten Blick auf Passau

MAI 2016

27


PR | REGIONALE BIERGÄRTEN

HACKLBERGER BRÄUSTÜBERL Bräuhausplatz 7 Passau-Hacklberg Tel. 0851/5 83 82 GEÖFFNET Mo–So ab 10 Uhr Kein Ruhetag (natürlich nur) Hacklberg IDEAL FÜR Familien, Gruppen und Bier von der Quelle

HEILIGGEIST STIFTSCHENKE Heiliggeistgasse 4 Passau-Zentrum Tel. 0851/26 07 GEÖFFNET Do–Di ab 11 Uhr Mi Ruhetag Löwenbrauerei IDEAL FÜR lauschige Abende in der Weinlaube, Fischfreunde, Wein- und Biertrinker

28

PASTA! PASSAUER STADTMAGAZIN


PR | REGIONALE BIERGÄRTEN

INNBRAEU Kapuzinerstr. 6 Passau-Innstadt Tel. 0851/9 66 49 46 GEÖFFNET Mo–So ab 10 Uhr Kein Ruhetag Innstadt Bierspezialitäten IDEAL FÜR Radlfahrer, Freunde traditioneller Küche wie bei Oma

KIRCHENWIRT SCHARDENBERG Kirchenplatz 1 Schardenberg, OÖ Tel. (0043) 7713/60 22 GEÖFFNET Mo Ruhetag Mi–So ab 10 Uhr Di ab 16 Uhr

Rieder Bier IDEAL FÜR Freunde Innviertler Küche, Familien mit Kindern, Schnitzelfans

MAI 2016

29


PR | REGIONALE BIERGÄRTEN

WALDSCHLOSS Schärdinger Str. 66 a/Gattern 1 Schardenberg/Mariahilf, OÖ Tel. (0043) 7713/67 40 00 GEÖFFNET Di–So ab 11 Uhr Mo Ruhetag Hofbräu, Schneider Weizen IDEAL FÜR Grenzgänger, Naturfreunde

WIRTH Z’HARETH Hareth 15 Freinberg, OÖ Tel. (0043) 7713/81 15 0 GEÖFFNET Mi–So ab 11 Uhr Mo, Di Ruhetag Baumgartner, Andorfer, Grieskirchner, Rieder, Stiegl, Zipfer, Innstadt Bierspezialitäten IDEAL FÜR Familien, Ausflügler und Liebhaber von Resis Schaumomelette, Wein- und Biertrinker

30

PASTA! PASSAUER STADTMAGAZIN


Bayerischer Bierlikör CRAFT

BEER MEETS SPIRITS

CRAFT

Echt Bayern. Echt Penninger.

www.penninger.de Schnaps- und Essigspezialitäten aus Bayern. Alte Hausbrennerei Penninger GmbH - Hauzenberg im Bayerischen Wald.

auch im Erhältlich e-Shop O er nlin Penning

.de nninger shop.pe


LINZ.VERÄNDERT, mai

Linz ist „UnEsCO City Of mEdia arts“. Tauchen Sie ein inS SpriTzige KulTurerlebniS am FluSS. www.linztourismus.at i www.linz.at/tourismus POsthOf www.posthof.at Tel.: +43 732 7705 480 tanztage 2016 Special: Sílvia pérez cruz solo in concert, 03.05. Orkesta mendoza feat. sergio mendoza (Calexico) indie / mambo / latin, 12.05.

UntErhaLtUnG & frEizEit Linzfest mit mono+nikitamann, russkaja, nazar, uvm. 14. – 16.05. Donaulände www.linzfest.at internationales storytelling festival 19. + 20.05. brucknerhaus & höhenrausch. www.storytellingfestival.at

andreas Vitásek – sekundenschlaf. Kabarett, 24. + 25.05. BrUCknErhaUs www.brucknerhaus.at Tel.: +43 732 775230 frühlingsfestival, bis 23.05. festival neue musik 18.05. – 17.06. muttertagsmatinee festival sinfonietta Linz 08.05. klavierrecital sergej redkin: haus der musik st. Petersburg 24.05.

© flap.at

Linz aG Bubbledays 20 – 21.05., linzer hafen www.bubbledays.at Wein & Genuss messe 20. + 21.05. Designcenter www.weingenusslinz.at

LandEsthEatEr Linz www.landestheater-linz.at Tel.: +43 732 7611 400 musiktheater BlackBox hedwig & The angry inch. musical. 01., 21., 24.05.

höhenrausch 2016 ab 21.05., OÖ Kulturquartier www.hoehenrausch.at 9. Linzer handwerkstage 21. + 22.05. linzer altstadt www.altstadt-linz.at

© ursula Kaufmann

musiktheater Großer saal carmina burana. ballett 02., 16., 21., 28.05. musiktheater foyerbühne Der Operndirektor. Oper 04., 12., 17., 29.05.

steel City festival Queen & adam lambert, Wanda, Seiler & Speer, Krautschädl. 25.05. Stadion linz. www.livasport.at donau in flammen,27.05. Donaulände, www.donauregion.at Besichtigung der hafengalerie: mural harbor. mural Walk: 07., 28.05., 18.06. mural boat: 04.06. www.muralharbor.at

aUsstELLUnGEn klick! Linzer fotografie der zwischenkriegszeit nordico Stadtmuseum linz, bis 11.09. ich kenne kein Weekend. aus rene Blocks archiv und sammlung lentos Kunstmuseum linz, bis 05.06. Werke der neuen sachlichkeit – messerscharf und detailverliebt landesgalerie linz, bis 05.06.

32

sonderausstellung „Emilie schindler – im schatten, das Licht“ voestalpine zeitgeschichte museum, bis 01.10.

© nordico Stadtmuseum linz

LINZ tOUrismUs


PR

OMBRALONGA Genusskultur DAS OMBRALONGA IST SCHON SEIT 2004 EIN INBEGRIFF FÜR IDEENREICHE, SCHNÖRKELLOSE ITALIENISCHE KÜCHE.

A

ber nicht nur die immer wieder neuen, spannenden Kompositionen machen das venetianische Lokal zu etwas ganz Besonderem. Es sind die Details, die Zwischentöne: Da ist die prächtige Antipastitheke, die den Gast gleich beim Eintreten begrüßt. Da ist die Musik, die im Hintergrund läuft – oft sind es italienische Opern. Da sind die 3Räder-Motoguzzis, in klein und in groß, die große Leidenschaft des Wirts. Da ist die Flasche Wein, die auf dem Tisch stehen bleibt, wenn der Gast auch nur ein Gläschen bestellt hat. Später am Abend, wenn die (ersten) Flaschen geleert und die Zungen gelockert sind, holt Biagio nicht selten seine Gitarre heraus, spielt und singt italienische Lieder. Das ist Genusskultur, wie es sie in Passau kein zweites Mal gibt. Apropos Genuss: Im Mai heißt das Monatskulinarium gefüllte Nudeln.

33 Ombralonga — Grünaustr. 15 — 94032 Passau — Telefon: 0851/75 63 98 88 — www.ombralonga.de

MAI 2016


CRAFT BIER

VOLLE

VORAUS!

IST CRAFT-BIER EIN LIFESTYLE-TREND ODER VERÄNDERT ES DIE BRAUEREILANDSCHAFT NACHHALTIG? UND: WAS IST ÜBERHAUPT CRAFT-BIER?

P

assau, so hört man immer wieder, sei so ziemlich der letzte Ort, an dem neue Trends Einzug halten. Wie viel Wahrheit oder Klischee in dieser Zuschreibung steckt, ist für mich schwer zu beantworten. Doch zumindest was die Gastronomie angeht, erlaube ich mir – auf die letzten 20 Jahre Passauer Gastronomiegeschichte zurückblickend – folgende Feststellung: Es sind circa drei Jahre, die ein neuer Trend vom Erreichen seines Scheitelpunktes in unserer Landeshauptstadt München benötigt, bevor er bei uns an die Tür klopft. So verhielt es sich mit Cocktails, Weinbars, Sushi und Food Trucks – und so ist es auch mit dem Craft-Bier. Während in deutschen Großstädten die Craft-Bier-Welle schon Ende 2012 losrollte, schwappte sie erst 2015 ans Passauer Ufer –

indes sie aktuell andernorts schon wieder verebbt. Doch jede Stadt ist ein Mikrokosmos, mit seinen jeweils ganz eigenen, vom Rest der Welt losgelösten Wogen der Begeisterung, Bestürzung, Abwehr und Neugier. Und wenn es auch vielleicht von außen betrachtet hinterwäldlerisch wirken mag, dass sich die Passauer Szene jetzt am neu entdeckten Craft-Bier zu laben beginnt, so könnten wir dessen ungeachtet weltgewandt antworten, dass es in Passau bereits seit mehr als 1.000 Jahren handwerklich gebrautes Bier aus unabhängigen und inhabergeführten Microbreweries [engl. Kleinbrauereien] gibt, die regionale Zutaten verwenden und – absolut! – einen Jahresausstoß von weniger als 10 Mio. Hektoliter haben. Womit wir schon beim Thema wären. Denn eine Craft-Bier-Brauerei ist – so hat es

zumindest die Brewers Association für das Mutterland des Craft-Bier-Trends festgelegt – per definitionem eine Brauerei, die sämtliche oben genannten Voraussetzungen erfüllen muss. Tja! Das wären dann in Passau und Umgebung alle. Und so verwundert es nicht, dass sich viele Braumeister in Niederbayern und im Innviertel beim Thema CraftBier verwundert am Kopf kratzen; stellen sie sich doch völlig zu Recht die Frage, worin denn jetzt eigentlich der Unterschied bestehen soll zwischen dem, was sie seit Jahrhunderten auf traditionelle Art und Weise praktizieren, und jenem sagenhaften Trend, der neuerdings sogar ihre eigenen Frauen erfasst hat (man denke nur an den überdurchschnittlich hohen Anteil weiblicher Besucher beim kürzlich über die Bühne gegangenen Craft-Bier Fest Linz).

IN PASSAU GIBT ES SEIT MEHR ALS 1.000 JAHREN HANDWERKLICH GEBRAUTES BIER. 34

PASTA! PASSAUER STADTMAGAZIN


CRAFT BIER

WO IST BEI UNS DIE SYMPATHISCHE BRAUEREI VON NEBENAN GEBLIEBEN?

Nicht zuletzt aufgrund dieser Widersprüche bietet das Thema Craft-Bier vor allem in Deutschland reichlich Diskussionsstoff – und jede Menge Potenzial für heftige Auseinandersetzungen. Denn eine Definition, was genau Craft-Bier ist und wer sein Bier als solches bezeichnen darf, gibt es nicht. Craft bedeutet eigentlich nur handwerklich, handgemacht. Das war’s? Nicht ganz! Die Craft-Bier-Bewegung nahm während der 80er Jahre in den USA ihren Lauf – als einige Bürger dort aus schierer Verzweiflung begannen, in ihren Kellern eigenes Bier zu brauen, weil sie die Plörre à la Bud, Coors, Miller & Co. schlicht nicht mehr saufen wollten. Dazu muss man wissen, das in den USA nach der Prohibition der 20er Jahre der Biermarkt unter einigen wenigen Großbrauereien aufgeteilt wurde. Bis heute produzieren 11 Brauereien satte 90 Prozent des in den USA verkauften Bieres – darunter Anheuser-Busch/InBev, MillerCoors, Constellation Brands, Heineken und Pabst. Dass deren Produktion mit regional denkbar wenig zu tun hat, dürfte jedem klar sein – zumal auch die meisten Konsumenten dieser Marken keinerlei Beziehung zu den Brauereien haben, die die Regale ihres Supermarktes um die Ecke füllen. Hinzu kommt, dass das amerikanische Bier häufig mit minderwertigen Zutaten wie Mais und Reis gebraut wird – und im schlimmsten Fall sogar als Light-Bier. Im Jahr 2015 war jede fünfte Flasche Bier, die in den USA über den Ladentisch ging, ein Bud Light (AnheuserBusch). Im gleichen Jahr zählte die Brewers Association allerdings fast 3.400 Brauereien mit Sitz in den USA – davon 1.400 Brewpubs und 1.900 Microbreweries. Das ist die höchste Zahl offiziell gemeldeter US-Brauereien seit 1873 – eine Sensation! Auch die Umsatzzuwächse von knapp 18 Prozent innerhalb eines Jahres lassen die Brust manches Craft-BierBrauers stolz anschwellen. Und doch gibt es einen Wermutstropfen bei dieser Erfolgsge-

MAI 2016

schichte des Craft-Bieres: Denn allein die Verkaufszahlen importierter mexikanischer Biere entsprechen denen sämtlicher im Einzelhandel verkaufter Craft-Biere. Was für die Brau-Revoluzzer allerdings kein Grund ist, sich entmutigen zu lassen – ganz im Gegenteil: Die Nachfrage nach individuellen, regionalen und geschmacklich außergewöhnlichen Bieren steig t stetig. Zugleich intensiviert sich die direkte Bindung der Konsumenten an die lokalen Kleinbrauereien – die Leute identifizieren sich mittlerweile mit den Produkten aus den heimischen Sudkesseln. Ganz anders in Deutschland: Hierzulande schließen immer mehr Kleinbrauereien, der Biermarkt wird zunehmend homogenisiert. Als ich 1995 in Passau zu studieren begann, hatte praktisch jeder Stadtteil seine eigene Brauerei – mittlerweile sind Malz- und Hefeduft aus den meisten Gassen endgültig verflogen. Die Schuld daran tragen aber nicht nur Faktoren wie Globalisierung oder steigender Preisdruck durch regionale, nationale oder gar internationale Konkurrenten; auch Misswirtschaft, Investitionsstau und Generationenkonflikte haben entscheidenden Anteil an dieser Entwicklung. Keine Passauer Brauerei, deren Schornstein erloschen ist, war frei von solchen teils selbst gebrauten Problemen. Und trotzdem: Sie fehlen mir! Meine Trauer um die sympathische Brauerei von nebenan, bei der man sein Bier für den Grillabend noch direkt ab Rampe holen konnte – zu Fuß wohlgemerkt! – erreicht jedes Mal aufs Neue ihren Zenit, wenn ich im Getränkemarkt Einheimische ertappe, die sich gerade einen Kasten Oettinger aufs Wagerl stellen. Dann überlege ich kurz, ob ich weinen, mit den Füßen stampfen oder ihnen mit einer Flasche Fremdbier die Windschutzscheibe einschlagen soll.

Ω 35


CRAFT BIER

WER OETTINGER KAUFT, WEIL ER SICH DIE 4 EURO MEHR PRO KASTEN FÜR EIN HEIMISCHES BIER NICHT LEISTEN KANN, SOLLTE LIEBER AUFHÖREN ZU TRINKEN.

Entschuldigung, dass ich das jetzt loswerden muss. Doch wer Oettinger kauft, weil er sich die 4 Euro mehr pro Kasten für ein heimisches Bier nicht leisten kann, der sollte lieber aufhören zu trinken. Verräter! Zurück zum Craft-Bier in Deutschland. Da die Voraussetzungen hierzulande ganz andere sind als im Wild Wild West – wir reden hier immer noch von 1.300 Brauereien mit mehr als 5.000 unterschiedlichen Bieren –, müssen bei uns für eine Definition von Craft-Bier grundsätzlich andere Maßstäbe angelegt werden als im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Kriterien wie Bierausstoßmenge, Handarbeit oder Regionalität können in Deutschland und auch in anderen Ländern Europas nicht als Alleinstellungsmerkmale für Newcomer-Brauereien durchgehen, da diese auch von existierenden Traditionsbrauereien erfüllt werden. Zudem existiert bei uns seit genau 500 Jahren ein Reinheitsgebot, das die Verwendung einiger weniger, genau vorgeschriebener und zudem hochwertiger Rohstoffe verlangt – und damit die Qualität des Bieres garantiert. Das Herumgepansche mit minderwertigen Getreidesorten und anderen Zusatzstoffen ist somit, anders als in den USA, ausgeschlossen.

CRAFT BIERE SIND OFT STARK HOPFENBETONT UND HABEN FRUCHTIGE AROMEN.

36

36

Doch wie kann Craft-Bier auf dem deutschen Markt dann definiert werden? Wie können sich die mutigen Bier-Revolutionäre von den Großbrauereien abheben und unterscheiden? Und zu guter Letzt: Brauchen wir in Deutschland überhaupt eine Definition für Craft-Bier? Für die Bier-Pioniere selbst ist eine Abgrenzung zu den Konzernbrauereien vor allem aus Marketinggründen von großer Bedeutung: Man benötigt Alleinstellungsmerkmale, um Verkaufsargumente zu haben. Biertrinker und -kenner bringen Craft-Bier vor allem auch mit neuartigen, in unseren Breiten bislang faktisch unbekannten Bierstilen in Verbindung (siehe auch Infobox CraftBierstile). Dazu zählen die häufig anzutreffenden IPAs (Indian Pale Ale), Porter und Stout sowie ferner die meist sehr intensiven Aromen und Geschmacksrichtungen der Craft-Biere – den Unterschied zu Pils, Hellem oder heimischem Weißbier schmeckt man sofort. Die zunehmende Verpilsung der deutschen Bierlandschaft (Pils macht mehr als 50 Prozent des in Deutschland verkauften Bieres aus) schafft Durst auf mehr Abwechslung. Genau hier setzen die Craft-Bierbrauer an: Sie versuchen, mit individuellen Rezepturen und einer großen Aromenvielfalt auf kreative Weise Biere zu entwickeln, die einen besonderen Trinkgenuss versprechen. Als symbolisch für dieses Bemühen kann der Stil des IPA gelten: Jenes stark hopfenbetonte und sehr fruchtige Bier, das übrigens aus England und nicht den USA stammt, vereint viele geschmackliche Eigenschaften, die gemeinhin mit Craft-Bier assoziiert werden. In einem Land, in dem die drei Biersorten Pils, Export (Helles) und Weizen 70 Prozent des Biermarktes beherrschen, sollten die Chancen für neue, abwechslungsreiche Bierstile eigentlich gut stehen. Dabei stimmt vor allem

PASTA! PASSAUER STADTMAGAZIN


CRAFT BIER

BIERKULTUR LEBT VON LEBENDIGKEIT, VIELFALT UND INDIVIDUALITÄT die Tatsache hoffnungsvoll, dass Craft-Bier das Potenzial hat, Bier selbst in Bayern wieder zu einem echten Genussgetränk werden zu lassen. Eine Flasche Bier, die – bezogen auf das Mengenverhältnis – so viel kostet wie eine gute Flasche Wein, schüttet man sich nicht einfach in die Kehle. Man verkostet sie, genießt sie, erlebt sie. Doch aus meiner Sicht reicht es nicht, sich einfach das Etikett CraftBier aufzukleben, um dauerhaft und erfolgreich in diesem Markt bestehen zu können.

MAI 2016

Ein erster Schritt könnte die Erkenntnis sein, das Bier Kultur ist. Und diese Kultur lebt von Lebendigkeit, Vielfalt, Individualität – und steht weitestgehend im Gegensatz zum Konsum. Es findet also eine klare Trennung von den sogenannten Industriebrauereien statt – womit nicht etwa Hacklberg, Löwenbrauerei, Wolferstetter oder Arcobräu gemeint sind, sondern eher Ottakringer und Krombacher. Der zweite Schritt wäre, Bier als Kunst zu begreifen. Denn das Brauen eigenständiger, charakterstarker Biere mit persönlicher Note

ist nichts anderes als die Schaffung eines Kunstwerkes. Wenn ich mir heute Produkte ansehe, die aus den Microbreweries in den USA den Weg in die Regale des Einzelhandels finden, fällt mir auf, dass die Protagonisten der Craft-Bier-Bewegung eines verstanden haben: Es kommt auf das ganze Produkt an – nicht nur auf den Inhalt. Häufig werden Künstler von den Kleinbrauern damit beauftragt, die Etiketten und auch andere mit dem Bier in Verbindung stehende Werbeträger wie Bierdeckel, Kartona-

37


SPARTE

CRAFT BIER

BLUETONE

®

DAS DA S FEST F FESTIVAL ESTIV IVAL AL A AN N DE DER R DONA DO DONAU ONAU

STRAUBING, 29.06. – 04.07.2016

SPORT FREUNDE STILLER MI., 29.06.2016

UNHEILIG DO., 30.06.2016

SEILER UND SPEER FR., 01.07.2016

PAROV STELAR

gen und Kisten zu entwerfen. Es wird ein Gesamtkunstwerk geschaffen – und dazu meist noch eine Geschichte erzählt. Marketing lebt ja bekanntlich auch vom sogenannten Storytelling – also dem Geschichtenerzählen. In dieser Hinsicht haben die deutschen CraftBrauer noch einiges zu lernen. Denn im Moment wird hauptsächlich nachgeahmt. Aus diesem Grund brauen jetzt praktisch alle deutschen Craft-Brauer auch ein IPA oder Stout. Allerdings könnten die IPAs ebenfalls zu einer Art Verpilsung der Craft-Bier-Landschaft führen – denn irgendwann hat sich

SA., 02.07.2016

HAINDLING SO., 03.07.2016

ANASTACIA MO., 04.07.2016

Veranstalter: Bluetone GmbH & Co.KG

Tickets unter www.bluetone.de

der Konsument an diesen Bierstil gewöhnt und findet ihn womöglich langweilig. Hier ist Kreativität gefragt – in Kombination mit dem Background deutscher Braukunst. Bier hat die Chance, sich vom Einheitsgebräu wieder zu einem durch viele Faktoren – und nicht zuletzt durch den ganz individuellen Braustil seines Erzeugers – geprägten Erlebnisgetränk zu entwickeln. Ich sage: Volle Craft voraus!

Ω

TILL GABRIEL

DIE WICHTIGSTEN CRAFT BIER STILE ALE Das englische Wort Ale bedeutet einfach nur Bier – und zwar grundsätzlich Obergäriges. Es gibt Pale Ale (hell), Red, Brown und Amber. Diese Biere haben meist intensive Hopfenaromen und ein kräftiges Fruchtbukett nach Mango, Grapefruit und Zitrusfrüchten.

INDIA PALE ALE (IPA) In der Craft Bier-Szene ein sehr beliebter Bierstil mit teils kräftigem Alkohol und hohen Hopfenbitterwerten. Die Farbe ist meist strahlend Gold, teils aber auch Kupfer.

PORTER Ein alter englischer Bierstil, der als Vorfahre des Stout gilt. Seine Name geht angeblich auf die Lastenträger im Londoner Hafen zurück. Es ist dunkles, meist braunes Bier mit kräftigem Malzkörper. Es ist die schlanke Alternative zum dunklen Lager.

STOUT Ein irischer Bierstil. Das Bier ist tiefschwarz mit cremefarbenem Schaum (Achtung: in England wird OHNE Schaum gezapft!). Das Bier ist stark gehopft und hat kräftige Röstmalznoten mit Aromen von Lakritz und Schokolade.

38

38

PASTA! PASSAUER STADTMAGAZIN


gemütlich

bayrisch

deftig

klassisch

Gabriel.Lloyd Martens.GmbH, Passau

traditionell

S U A H S T R ! I T D A Das W T S N in der IN Genießen Sie jetzt kreative Spargelvariationen und die ersten Sonnenstrahlen im Biergarten!

Kapuzinerstraße 6 • 94032 Passau-Innstadt • Telefon 0851-9664946


PR

BIER IN BAYERN BAYERISCHE LANDESAUSSTELLUNG IN ALDERSBACH VOM 29.04.–30.10.

A

m 29. April beginnt mit der Bayerischen Landesausstellung 2016 – Bier in Bayern in Aldersbach die wichtigste Ausstellung in Bayerns Kulturjahr. Das 500-jährige Jubiläum des Bayerischen Reinheitsgebotes gab den Ausschlag für das Haus der Bayerischen Geschichte, dem Kulturgut Bier eine Landesausstellung zu widmen – gemeinsam mit dem Landkreis Passau, der Gemeinde Aldersbach und in Zusammenarbeit mit der Brauerei Aldersbach. Die Prunkräume des ehemaligen Klosters sowie die historische Brauerei bilden den Schauplatz der Landesausstellung. Das restliche Gelände ist natürlich weiterhin frei 500 Jahre zugänglich. ReinheitsNeben der Ausstellung, auf dem Gelände der modernen Brauerei Aldersbach, steht das gebot nagelneue Festzelt Aldersbacher Schalander (Reservierungen unter www.aldersbacher-bier-inbayern.de). Hier kommen die Besucher in den Genuss der Küche Alfons Schuhbecks und zweier extra zur Landesausstellung gebrauter Biere – natürlich frisch aus dem Fass. Diese Biere entstanden aus der einmaligen Zusammenarbeit nahezu aller bayerischen Klosterbrauereien. Zudem bietet

40

die ProBierBar des Bayerischen Brauerbundes immer etwa 40 Sorten Bier aus ganz Bayern zur Verkostung an. Die Bühnen im Festzelt, im Bräustüberl und im Klostergarten werden zur Ausstellungszeit mit unterschiedlichstem Leben gefüllt. Konzerte, Kabarett-Abende, diverse Feste, Messen, Thementage und vieles mehr begleiten Bier in Bayern und bereichern Aldersbach als attraktives Ausflugsziel – perfekt auch für Gruppen-, Betriebs- oder Vereinsausflüge. Auch ein eigens für Aldersbach geschriebenes Freilichtspiel feiert diesen Sommer Premiere: Bierocco – Perle am Aldersbach. Einen informativen Begleiter rund um die Bayerische Landesausstellung 2016 – Bier in Bayern bildet die Website www.landesausstellung-bier.de. Sie enthält unter anderem Infos zu Aldersbach, Anfahrt und Ausflugszielen. Ein übersichtlicher Veranstaltungskalender verrät auf einen Blick, was in einem Monat, einer Woche oder an einem bestimmten Tag geboten ist, die Detailseiten informieren über Orte, Eintrittspreise, Vorverkaufsstellen, Zeiten etc. Fündig wird hier auch, wer eine Unterkunft in und um Aldersbach sucht – von Ferienwohnungen über Pauschalangebote mit Eintritt in die Bayerische Landesausstellung bis zur Gastgeberdatenbank des Landkreises Passau und Umgebung. Natürlich gibt es auch Infos zur Landesausstellung selbst, zum Kartenvorverkauf, für die Presse und vieles mehr.

PASTA! PASSAUER STADTMAGAZIN


rg

m

Bu er

est. 2014

ia!

Seit 1890

, Bier &

Privatbrauerei Rudolf Hirz - Hauzenberg

L

L

YOUR LOCAL BURGER DEALER & CRAFT BEER BREWERY

HANDMADE BURGER - HANDMADE BEER SMOKED MEAT - BARREL AGED BEER

ZWEITE HEIMAT

APOSTELBRÄU

Brunngasse 2, 94032 Passau Tel. 0851 / 22608938 Öffnungszeiten: Mo.- Sa. ab 11.30 Uhr w w w.facebook.com/PassauZweiteHeimat w w w.zweiteheimatpassau.de

Eben 11 - 13, 94051 Hauzenberg Tel. 08586 / 2200 Email: apostelbraeu@ t-online.de w w w.facebook.com/apostelbraeu.de w w w. apostelbraeu.de


INTERVIEW

»WENN SCHON

POPULISMUS, DANN IM

XT

NE DI

TE

BE

>

BIERZELT!« KT KU HN EN

42

PASTA! PASSAUER STADTMAGAZIN


INTERVIEW

EIN GROSSER FAN VON BIERZELTREDEN IST DER PASSAUER POLITIKWISSENSCHAFTLER HEINRICH OBERREUTER NICHT. ABER SIE SIND IHM ALLEMAL LIEBER ALS DIE POLITISCHE KOMMUNIKATION IN SOZIALEN MEDIEN. EIN GESPRÄCH ÜBER RISIKEN UND NEBENWIRKUNGEN VON BIERZELTREDEN.

pasta! „Bierzelt kann nicht jeder“, heißt es unter Politikern. Worin besteht die besondere Herausforderung einer Bierzeltrede? oberreuter Der Redner muss ein Publikum ansprechen, das alles andere als konzentriert ist. In einem Bierzelt möchte das Auditorium emotional gepackt und unterhalten werden. Die Rede des Politikers konkurriert hier mit einem süffigen Bier und anderen lustvollen Dingen. Je nachdem, wie es läuft, wird sich der Zuhörer mal für das eine, mal für das andere entscheiden. Wenn ein Politiker Bierzeltrede gar nicht kann, ist von vorneherein klar, dass er den Wettbewerb mit dem Maßkrug verlieren wird. pasta! Woran erkennt man denn eine gute Bierzeltrede? oberreuter Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie sich einem relativ ernsten Gegenstand auf einem halbernsten Niveau widmet. Das Schwierigste für den Redner ist es, in dieser spezifischen Volksfestsituation den richtigen Ton zu treffen. Gelingt einem das, kann man auch im Bierzelt viele Sachinformationen vermitteln – sofern man nicht einfach polemisch vor sich hin sabbelt. pasta! Wie anfällig ist dieses Format denn für populistische Äußerungen? oberreuter Die Gefahr des Populismus ist im Bierzelt natürlich besonders groß. Wenn ein Politiker hier den Ton nicht trifft, kommt es häufig vor, dass er dies durch Übertreibungen zu kompensieren versucht. Das kann zu Äußerungen führen, die die Grenzen des Tolerierbaren überschreiten – wobei ich sagen muss: Wenn schon Populismus, dann im Bierzelt! Eine Bierzeltrede ist eben keine Parlamentsrede. Dass man da auf die Pauke haut und dieser spezifischen MAI 2016

Situation gerecht zu werden versucht, dass man um Aufmerksamkeit ringt, zuspitzt und mehr polemisiert als im politischen Alltag üblich, gehört einfach dazu. Sonst müsste man auf Bierzeltreden insgesamt verzichten. Gut, die Welt würde dann sicher nicht untergehen; allerdings ließe man eine gute Gelegenheit aus, auch politikfernen Kreisen politische Inhalte auf eine unterhaltsame Weise näherzubringen. pasta! Ist die Bierzeltrede ein wirksames Mittel gegen Politikverdrossenheit? oberreuter Man kann sie zweifellos als ein Instrument einstufen, mit dem sich auch Menschen erreichen lassen, die sich von der Politik nicht ernstgenommen fühlen. Ob die Bierzeltrede dies tatsächlich schafft, hängt immer von ihrem Inhalt ab. Wenn ein Redner einfach nur polemisiert und dabei über den Horizont dieser Menschen hinwegredet, verfehlt er dieses Ziel. Sigmar Gabriel hat sich ja mal bei einer Pegida-Veranstaltung hinten reingesetzt und zugehört, was diese Menschen so bewegt. Dafür wurde er kritisiert – nach dem Motto: Mit Idioten redet man nicht! Diesen Kritikern muss ich widersprechen: Auch Idioten gehören zur Demokratie. Und als Politiker hat man sich ihnen zu stellen.

»AUCH IDIOTEN GEHÖREN ZUR DEMOKRATIE. UND ALS POLITIKER HAT MAN SICH IHNEN ZU STELLEN.« 43


INTERVIEW

pasta! Bierzeltrede oder politische Statements in Sozialen Medien: Was ist Ihnen lieber? oberreuter Die Bierzeltrede ist mir tausendmal lieber als die politische Kommunikation in den Sozialen Medien. Meiner Erfahrung nach werden hier Informationen häufig nur sprichwörtlich hingerotzt, weil man eben seine Identität leicht verschleiern kann. Bei der Bierzeltrede lässt sich der Urheber von Polemik hingegen eindeutig benennen. Derjenige, der das Wort ergreift, muss das Gesagte vertreten und sich dafür verantworten. Das hat dann schon eine andere Qualität. pasta! Bei einem Wahlkampfauftritt im Bierzelt im Jahr 2008 verkündete Günther Beckstein, dass man auch nach dem Konsum von zwei Maß Bier noch Auto fahren könne. Die Grünen forderten daraufhin eine Promille-Grenze für Wahlkampfauftritte … oberreuter Ich habe mit Günther Beckstein ein paarmal darüber geredet. So wie er hier wiedergegeben wird, hat er es nicht gemeint, das weiß ich. Seine Formulierung wurde aus dem Kontext gelöst und so zum geflügelten Wort. Als Politiker muss man sich aber natürlich im Klaren darüber sein, dass man auch für das haftbar gemacht wird, was man im Bierzelt äußert. Dass die Außenwirkung einer humoristisch durchsäuerten Bemerkung, die aus dem Dunstkreis des Bieres in die nüchterne Außenwelt übertragen 44

PASTA! PASSAUER STADTMAGAZIN


INTERVIEW

wird, aufgrund dieser Diskrepanz fatal sein kann, sollte man stets im Hinterkopf haben. pasta! Edmund Stoiber läuft ja mitunter schon im nüchternen Zustand Gefahr, sich in seinen Satzkonstruktionen zu verheddern. Insofern tut er wohl gut daran, sich bei Bierzeltreden Kamillentee in seinen Maßkrug einschenken zu lassen, oder? oberreuter Edmund Stoiber behauptet natürlich, dass diese Geschichte mit dem Kamillentee nicht stimme. Wie dem auch sei: Die Situation im Bierzelt birgt für Politiker gewisse Risiken. Ein Redner darf sein Auditorium zwar dazu bringen, sich zu vergessen – er selbst sollte es allerdings niemals. Die Gefahr, sich zu schädigen und ungewollte Reaktionen hervorzurufen, ist einfach zu groß. pasta! Dieses Jahr wurde der Politische Aschermittwoch aufgrund des Unglücks in Bad Aibling abgesagt ... oberreuter Er hat niemandem gefehlt. pasta! Sind Sie froh, dass er in der aktuellen Situation – in der sich viele ja nach mehr Sachlichkeit sehnen – nicht stattgefunden hat? oberreuter Ich habe mich nach der Absage mit jemandem MAI 2016

»DIE REDE DES POLITIKERS KONKURRIERT HIER MIT EINEM SÜFFIGEN BIER UND ANDEREN LUSTVOLLEN DINGEN.« 45


INTERVIEW

unterhalten, der rein organisatorisch in den Politischen Aschermittwoch involviert war. Auch er schwankte zwischen Verständnis und Unverständnis. Mal ganz abgesehen vom organisatorischen Aufwand und den bereits entstandenen Kosten ist durch die Absage zweifellos eine besondere Art des Transports politischer Botschaften ausgefallen. Aber noch einmal: Die Tatsache, dass der Politische Aschermittwoch dieses Jahr nicht stattgefunden hat, war aus meiner Sicht kein allzu großer Verlust – zumal ich nicht weiß, wie dort eine aschermittwochsadäquate Behandlung der Flüchtlingskrise ausgesehen hätte. Bei der CSU wäre da sicher die Versuchung groß gewesen, in den Bereich des nicht mehr Tolerablen abzudriften.

»DASS DER POLITISCHE ASCHERMITTWOCH DIESES JAHR NICHT STATTGEFUNDEN HAT, WAR AUS MEINER SICHT KEIN ALLZU GROSSER VERLUST.« pasta! Manche, die Franz Josef Strauß oder Herbert Wehner noch live und in Farbe erlebt haben, sind der Meinung, dass politische Reden früher besser waren. Teilen Sie diese Meinung? oberreuter Man kann in dieses Klagelied einstimmen. Allerdings sollte man sich auch die Veränderungen der Zeit und der Erlebniswelten vor Augen halten. Konrad Adenauer, Franz Josef Strauß, Helmut Schmidt oder Willy Brandt hatten ganz andere Dinge erlebt als die Generation der heute 50-Jährigen, die in friedlichen Zeiten aufwachsen konnte. Auch die Erlebniswelt der Zuhörer war damals eine völlig andere. Das gesprochene Wort hatte in den 60er und 70er Jahren schlichtweg noch eine andere Bedeutung. Ein weiterer Faktor ist die Veränderung der Kommunikationsinstrumente und -gewohnheiten. Diese Veränderungen werden deutlich, wenn Sie die junge Generation von heute Bundestagsreden von Franz Josef Strauß oder Herbert Wehner hören lassen. Sie reagiert mit Kopfschütteln. Es fehlt in unserer Zeit oft das Verständnis für den rhetorischen Rundumschlag, für rhetorische Ornamente und Zuspitzungen. So was ist nicht mehr üblich. Der Vergleich der Redner von damals mit denen von heute ist daher nicht adäquat, wenn er diese Unterschiede nicht mit einbezieht. Im Rahmen dessen, was heute rhetorisch als normal gilt, gibt es aber natürlich immer noch gute Redner. Nur die Tonlage hat sich verändert.

46

PROF. DR. DR. H. C. HEINRICH OBERREUTER

wurde 1942 in Breslau geboren, studierte Kommunikations- und Politikwissenschaft, Geschichte und Soziologie an der LudwigMaximilians-Universität München. Nach seiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Geschwister-Scholl-Institut in München war er ab 1970 auch als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Deutschen Bundestag in Bonn angestellt. 1978 wechselte er als Professor an das Otto-SuhrInstitut der Freien Universität Berlin. Seit 1980 lebt er in Passau. An der hiesigen Universität hatte er von 1980 bis 2010 einen Lehrstuhl für Politikwissenschaft inne. Von 1991 bis 1993 war Heinrich Oberreuter Gründungsdekan für Geistes- und Sozialwissenschaften an der Technischen Universität Dresden, wo er vorübergehend auch das Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung leitete. Von 1993 bis 2011 war er außerdem Direktor der Akademie für Politische Bildung in Tutzing. Heinrich Oberreuter ist langjähriges Mitglied der CSU. Seit 2003 hat er den Vorsitz der Abgeordnetenrechtskommission (Diätenkommission) des Bayerischen Landtags inne. Heinrich Oberreuter ist Mitherausgeber der Zeitschrift für Politik und Direktor des Instituts für Journalistenausbildung der Passauer Neuen Presse. Seit 2012 leitet er die Redaktion der achten Auflage des Staatslexikons der Görres-Gesellschaft.

PASTA! PASSAUER STADTMAGAZIN


BOTANIK

die passauer

BLATT

№2

mauerblümchen

DER HOPFEN Humulus lupulus

E

igentlich ist er ein Hanfgewächs – dazu auch noch ein rechtswindendes, denn er berankt Mauern, Pergolen, Säulen und Spaliere immer nur rechts herum! Doch anders als andere Hanfgewächse raucht man ihn nicht, sondern trinkt ihn: Hopfen ist eine wichtige Zutat im Bier, weshalb ihn in unseren Breiten praktisch jeder kennt. Nicht weniger bekannt dürfte die Jahreszahl 1516 sein, die eng mit der Geschichte des Hopfens verknüpft ist. Verfügte doch in jenem Jahr der bayerische Herzog Wilhelm IV., dass bei der Herstellung von Bier ausschließlich Gerste, Wasser und Hopfen Verwendung finden durften. So schenkte er uns das erste Verbraucherschutzgesetz der Welt! Die sogenannte Grut, eine Kräutermischung, die zuvor meist als Würze eingesetzt worden war, hatte ausgedient – und der Hopfen trat einen unvergleichlichen Siegeszug an. Vor allem im bayerischen Voralpenland entstanden große Anbaugebiete; bis heute wird in der Holledau und in Tettnang ein Großteil des in Deutschland benötigten Hopfens produziert. Hopfen würzt das Bier, sorgt für dessen herb-bittere Note, macht es haltbar und ist förderlich für eine schöne Schaumkrone. Darüber hinaus erweist er sich als äußerst ergiebig: Eine einzige Rebe

„der hopfen sprach: ich rank’ am boden hier, komm, stütze mich, ich dank’ dir einst als bier.“

Charles Edouard Duboc („Ein Lied vom Hopfen“)

MAI 2016

reicht, um 1.000 Liter Bier herzustellen. Was zum Brauen benötigt wird, ist das Lupulin genannte Pulver aus den Dolden der weiblichen Pflanzen. Es schützt die Samen der Pflanze zuverlässig vor Vogelfraß, da Vögel den bitteren Geschmack nicht ausstehen können – ganz im Gegensatz zu den (meisten) Menschen. Zudem ist Lupulin sehr gesund: Es enthält Gerbstoffe und Polyphenole, denen eine krebshemmende und antibakterielle Wirkung attestiert wird. Deshalb gilt Hopfen in der Naturmedizin auch als Heilpflanze. Wer allerdings als erster auf die Idee gekommen ist, Hopfen zum Bierbrauen zu verwenden, weiß niemand. Vielleicht fand er seinen Weg ins Gebräu, weil er schon zur Zeit der Babylonier und Ägypter – die ihre Arbeiter auf den Pyramidenbaustellen mit Bier bezahlten – als Heilpflanze galt. In der Naturmedizin jedenfalls findet er auch heute noch Verwendung. Wilden Hopfen gibt es übrigens überall auf der Nordhalbkugel; er wächst in feuchten Auwäldern und in dichtem Gestrüpp, wo er sich als sehr durchsetzungsstarkes Gewächs beweist. In Passau ziert er zahlreiche Mauern und Zäune. Bis die Bagger anrückten, war er auf dem Gelände der alten Innstadtbrauerei an vielen Ecken anzutreffen. Und wer weiß: Da sein Wurzelwerk sehr weitreichend ist und als schwer zu beseitigen gilt, taucht er auch hier vielleicht irgendwann wieder auf.

till gabriel

47

47


PASSAUER STADTMUSIKANTEN

PA S SA U

ER STADT

M USIK

A N D Y

A N TE N

S C H E C H I N G E R –

Schlagzeuger und Musikproduzent – lebt schon seit einem Jahr in Passau. Höchste Zeit, sich mit ihm zu unterhalten. Ein Gespräch über Bierkonsum im Backstage-Bereich, Auftritte im Bierzelt und Gedankenspiele im Konjunktiv.

48

PASTA! PASSAUER STADTMAGAZIN


PASSAUER STADTMUSIKANTEN

»BIERZELTAUFTRITTE INTERVIEW > BENEDIKT KUHNEN FOTOS > FLORIAN WEICHSELBAUMER

pasta! „Am meisten sauft die Musi!“, so der Titel eines Stücks der Pretuler Buam. Was ist dran an dieser landläufigen These, dass Musiker besonders trinkfreudig seien? schechinger Völlig an den Haaren herbeigezogen ist sie sicher nicht. Meiner Erfahrung nach gibt es diese Saufkultur aber eher unter Hobbymusikern, die nur hin und wieder am Wochenende auftreten und es dann dementsprechend krachen lassen. Als Profimusiker kann man sich das nicht leisten.

HOLEN MICH

pasta! Stefan Dettl, Frontmann von LaBrassBanda, musste das auch feststellen. Nach seinem Auftritt beim Chiemsee Summer Festival im Jahr 2014 entschuldigte er sich öffentlich für seine alkoholbedingten Aussetzer. Wie hältst Du es mit dem Alkohol bei Auftritten? schechinger Die Gefahr, zu viel zu trinken, besteht natürlich. Denn ein kühles Bier ist im Backstage-Bereich immer in Reichweite. Man muss sich da schon bewusst bremsen, vor allem, wenn man sich gerade auf Tour befindet. Zahlenden Zuhörern gegenüber ist es einfach respektlos, angetrunken auf die Bühne zu steigen. Ich kann mich an eine Tour erinnern, bei der wir im Bus ordentlich gefeiert haben, am nächsten Tag mit einem unglaublichen Kater den Soundcheck absolvieren mussten – und dann am Abend noch ein Konzert zu spielen hatten. In solchen Momenten denkt man sich: Nie wieder Alkohol!

IMMER WIEDER

pasta! Sind Auftritte im Bierzelt für Dich eine willkommene Abwechslung vom Tour- und Studioalltag oder doch eher eine Qual? schechinger Glücklicherweise habe ich nie intensiv Bierzeltmusik spielen müssen, sonst würde es mir heute wahrscheinlich überhaupt keinen Spaß mehr machen. Man sollte sich im Klaren darüber sein, dass man als Bierzeltmusiker lediglich ein Dienstleister ist. Aber ich finde es gut, ab und zu im Bierzelt aufzutreten, weil es mich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt.

AUF DEN BODEN

pasta! Aufgewachsen bist Du im Altmühltal. Deinen ersten Bierzeltauftritt hattest Du wahrscheinlich dort? schechinger Ja, mein Vater war Leiter der Mühlbacher Musikanten, liebevoll auch die Mühlbacher Notenfälscher genannt (lacht), weil sie sich nicht immer ganz genau an das hielten, was in den Noten stand. Dort war ich Taferlbua. Später spielte ich kleine Trommel bei den Weißblauen Musikanten in Dietfurt, wobei eine meiner wesentlichen Aufgaben darin bestand, für die älteren Musiker Bier zu holen. Nach ein paar Jahren hatte ich genug davon. Mit 14 habe ich dann die Rockmusik für mich entdeckt. Damals war gerade das Guns N’ Roses-Album Use your illusion frisch draußen. Ich war wild entschlossen, mit einem Kumpel auf dem Mofa nach München zu fahren, um beim Guns N’ Roses-Konzert im Olympiastadion dabei zu sein. Unsere Eltern haben es uns natürlich verboten.

DER TATSACHEN

pasta! Konnten sie Dir in der Blaskapelle eine Schlagzeugtechnik vermitteln, die auch für Stücke von Guns N’ Roses brauchbar ist? schechinger Nein, meine Ausbildung am Schlagzeug verdanke ich vor allem Helmut Buksek. Hätte ich einen anderen Lehrer gehabt, würde ich heute sicher nicht als Profimusiker arbeiten. Jedes Mal wenn ich ihn treffe, sagt er mir: „Du bist das beste Beispiel dafür, dass man einen Schüler nie aufgeben sollte.“ Ich war in den ersten Jahren nämlich stinkfaul. Erst mit 15 fing ich an, ernsthaft zu üben. Auslöser dafür war meine

ZURÜCK.« MAI 2016

49

k


PASSAUER STADTMUSIKANTEN

»IN DER BLASKAPELLE BESTAND EINE MEINER WESENTLICHEN AUFGABEN DARIN,

FÜR DIE ÄLTEREN MUSIKER BIER ZU HOLEN. « Schreinerlehre. Mir wurde an der Werkbank ziemlich schnell klar, dass das für mich nicht das Wahre ist. Ich habe mir dann in einem alten Stall einen Proberaum eingerichtet, denn zu Hause bei meinen Eltern war es immer ein Kampf: Wenn i Schlagzeug spuin woid, hab i ned derfa – und wenn i kenna hab, woid i ned (lacht). Nach der Schreinerlehre habe ich noch ein Jahr als Geselle gearbeitet, danach gekündigt – und täglich fünf, sechs Stunden diszipliniert geübt. Eben schon mit dem Hintergedanken, eines Tages mal als Berufsmusiker zu arbeiten. pasta! Ende der 90er hast Du das Altmühltal verlassen und ein Jahr an der Los Angeles Music Academy studiert. Wie groß war die Umstellung? schechinger Das war ein echter Kulturschock. Ich war absolut blauäugig an die Sache rangegangen. Helmut Buksek hatte mir zum Abschied einen doppelseitigen Stadtplan von L.A. geschenkt. Auf diesem Plan sah es für mich so aus, als ob man in fünf Minuten mit dem Radl von Pasadena nach Santa Monica fahren könnte. Den Maßstab hatte ich nicht weiter beachtet. Vor Ort musste ich dann feststellen, dass diese Entfernung doch etwas größer ist als die zwischen Mühlbach und Dietfurt (lacht). Meine erste Begegnung 50

50

in Los Angeles hatte ich mit einem mexikanischen Taxifahrer. Am Flughafen überredete er mich, nicht den Shuttlebus zu nehmen, sondern mich in sein Taxi zu setzen. Bei mexikanischer Polka-Musik sind wir dann mit einem Affenzahn über den Freeway gebrettert. Während der Fahrt wurde mir bewusst, wie wahnsinnig groß diese Stadt ist – und bei der Ankunft, dass ich dringend an meinem Englisch arbeiten sollte: Statt fifteen dollars, was ich zunächst verstanden hatte, musste ich nämlich fifty dollars zahlen. pasta! Vielleicht war diese Unbekümmertheit Dein Glück. schechinger Auf alle Fälle. Aus dem Altmühltal bin ich vorher ja nicht groß rausgekommen – mit den Fußballkumpels mal nach Bibione und mit den Eltern nach Südtirol zum Skifahren, das war’s. Insofern bin ich sehr froh, den Schritt gewagt zu haben. Seitdem bringt mich eigentlich so schnell nichts mehr aus der Ruhe. Wenn es mal schlecht läuft, denke ich mir: Du hast ein Jahr in Los Angeles überlebt. So what!? pasta! Auch der Straubinger Sänger und Gitarrist Matthias Kellner, mit dem Du seit Jahren sehr erfolgreich zusammenarbeitest, hat vor seiner Musikerkarriere eine PASTA! PASSAUER STADTMAGAZIN


PASSAUER STADTMUSIKANTEN

ANDY SCHECHINGER wurde 1978 geboren und wuchs im Altmühltal auf. Seine ersten (Bierzelt-)Auftritte hatte er als Taferlbua und Trommler der Weißblauen Musikanten. Schlagzeugunterricht erhielt er bei Helmut Buksek. Nach seiner Schreinerlehre und drei Jahren intensiven Übens absolvierte er Ende der 90er ein Jahr an der Los Angeles Music Academy.

Nach seiner Rückkehr trommelte

Schreinerlehre absolviert. Gibt es weitere Gemeinsamkeiten? schechinger Wir haben zur selben Zeit in Regensburg gelebt und viel Zeit im Irish Harp verbracht. Dort haben wir uns auch kennen und schätzen gelernt. Als Matthias dann im Jahr 2009 die Band für seine Tour zu This Ocean Life zusammenstellte, fragte er mich, ob ich als Schlagzeuger aushelfen wollte. Nachdem die Konzerte gut gelaufen waren und die Stelle des ersten Schlagzeugers frei wurde, stieg ich 2010 richtig ein. Seit der Tour zum zweiten Album Hey Dude bin ich nun fest dabei. pasta! Die ersten vier Kellner-Alben sind englischsprachig, danach kamen zwei SoloAlben auf Bairisch. Wen favorisierst Du persönlich: den Englisch oder den Bairisch singenden Kellner? schechinger Mir gefallen beide, wobei ich zu den englischsprachigen Alben natürlich einen stärkeren Bezug habe, weil ich dort auch in das Songwriting einbezogen war. Beim ersten SoloAlbum Hädidadiwari war ich überhaupt nicht involviert, das zweite Solo-Album Zeitmaschin’ haben wir hingegen zusammen produziert. Bei einem Großteil der Songs habe ich mich auch ums Abmischen gekümmert. pasta! Hädidadiwari: Wie vertraut sind Dir solche Gedankenspiele im Konjunktiv? schechinger Ein Grübler bin ich eher nicht. 2008, als ich mit der Straubinger Sängerin Elli auf Tour war, habe ich zwar mit dem Gedanken gespielt, nach Berlin, Köln oder Hamburg zu ziehen. Letztendlich bin ich aber in Regensburg geblieben – was ich nicht bereue. Ich bin zufrieden mit dem, was ich habe. Meine FamiMAI 2016

lie hier in Passau hätte ich in dieser Konstellation sicher nicht, wenn ich 2008 aus Regensburg weggezogen wäre. pasta! In Passau lebst Du seit rund einem Jahr. Fühlst Du Dich schon heimisch? schechinger Ja. Ich habe mich gut eingelebt. Musikalisch konnte ich dank Christiane Öttl recht schnell Kontakte knüpfen. Auch über die Landesgrenze hinaus habe ich schon Anschluss gefunden: Seit rund einem Jahr spiele ich in der oberösterreichischen Speed-Folk-Band Paddy Murphy. pasta! Du hast Dich in der Innstadt nicht nur häuslich, sondern auch studiotechnisch eingerichtet. Ist das Aufnehmen und Mischen etwas, dem Du Dich in Zukunft verstärkt widmen willst? schechinger Absolut. Ich sehe es als drittes Standbein – neben den Live-Konzerten und dem Unterrichten. Schon bei der Produktion der Kellner-Alben hatten Matthias und ich das Ziel, so viel Kontrolle wie möglich zu behalten. Abgesehen davon stecken natürlich auch finanzielle Gründe dahinter. Das Budget der Plattenfirmen ist bei Produktionen mittlerweile ziemlich begrenzt. Deswegen haben Matthias und ich 2014 eine eigene Produktionsfirma gegründet, die Two Dudes Productions. Neben unseren Kellner-Projekten arbeiten wir auch für andere Künstler und Bands, denn die gesammelten Erfahrungen im Bereich Songwriting und Produktion geben wir gerne an andere weiter. pasta! Abschließende Frage: Welcher Stadtmusikant ist Dir besonders nahe? schechinger Eindeutig der Esel. Als Schlagzeuger hat man immer viel zu tragen.

er unter anderem für Kim Wilde, Elli Erl (Gewinnerin DSDS 2004) und Django 3000. Seit 2010 ist Andy Schechinger Schlagzeuger der Regensburger Rockband Kellner, seit 2015 gehört er auch der oberösterreichischen SpeedFolk-Band Paddy Murphy an. Gemeinsam mit Matthias Kellner hat er im Jahr 2014 die Produktionsfirma Two Dude Productions gegründet.

Der Liebe wegen lebt und unterrichtet Andy Schechinger seit 2015 in der Passauer Innstadt.

Benedikt Kuhnen hat angefangen, Posaune zu spielen, als sein Arm noch zu kurz war, um den Zug ganz auszufahren. Seitdem der Arm lang genug ist, schreckt er vor nichts und niemandem zurück, weder vor Bach noch vor Bonfá oder Brubeck. In dieser Rubrik möchte er einen Einblick in Leben und Werk der Passauer Stadtmusikanten geben. Sein Motto: „Etwas Besseres als den Tod findest du überall.“

51


ÜBER DEN WOLKEN

ÜBER DEN WOLKEN TEIL 4

Sagen Sie mal Herr Thies, inwiefern lässt sich eigentlich mit einem Bier in der Hand leichter und besser philosophieren?

»G Prof. Dr. Christian Thies ist Inhaber der Lehrprofessur für Philosophie an der Universität Passau. Sein Motto: Philosophieren über den Alltag lohnt sich.

52

fr age > benedikt k uhnen

ar nicht, Philosophie ohne Bier ist besser! Nun gut, wenn man unter Philosophieren ein allgemeines Geplauder über Gott und die Welt, die Liebe und die Politik versteht, das auch in der Gastwirtschaft oder im Wohnzimmer stattfinden kann, dann könnte dies nach ein oder zwei Bierchen tatsächlich besser in Gang kommen. Wer allerdings Philosophie als Beruf betreibt, als Lehrer, Hochschuldozent und Wissenschaftler, der weiß, dass Philosophieren eine Tätigkeit ist, die Selbstdisziplin und Konzentration verlangt, ja Askese. Während des Unterrichtens junger Menschen, in einer medizinethischen Kommission oder beim Verfassen eines wissenschaftlichen Aufsatzes sollte man also bitte möglichst kein Helles in der Hand halten.

a nt wort > chr isti a n thies Hingegen lobt ein Kollege – Robert Pfaller aus Linz – den Alkoholkonsum als Rebellion gegen die Kontrollgesellschaft und als Teil des individuellen Lebensglücks. Das leuchtet überhaupt nicht ein. Denn zum einen liegen Deutschland und Österreich beim Biertrinken in der absoluten Weltspitze: Fast zehn Millionen Deutsche gefährden durch Alkoholkonsum ihre Gesundheit; die Zahl der (vor allem männlichen) Jugendlichen, die deshalb in klinische Behandlung gekommen sind, soll sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt haben. Das spricht nicht gerade für eine verbreitete Lustfeindschaft. Zum anderen fordert niemand absolute Verbote. Die USA sind bekanntlich mit der Prohibition so gescheitert wie die katholische Kirche mit dem Zölibat. Treffend ist wieder die Antwort des Aristoteles: Es geht um das rechte Maß. Also nichts PASTA! PASSAUER STADTMAGAZIN


ÜBER DEN WOLKEN

Öffentliche Ringvorlesung Macht und Politik

Schon seit der Antike unterstellt man Philosophen oft ein gewisses Maß an Abgehobenheit. Sie seien weltfremde Wesen und schwebten über den Wolken – so die landläufige Meinung. Genau damit möchte der Passauer Philosoph Prof. Dr. Christian Thies nun aufräumen. In der PASTA! reißt er die Wolkendecke auf, steigt herab und beweist seine Bodenhaftung.

Sommersemester 2016

Monat für Monat stellt ihm die Redaktion eine Alltagsfrage, die er aus seiner philosophischen

9. Mai 2016

Perspektive beantwortet.

Prof. Dr. Regina Kreide Justus-Liebig-Universität Gießen

„Die Gesichter der Ungerechtigkeit. Handlungsblockaden und kommunikative Macht im globalen Kontext“

23. Mai 2016 Prof. Dr. Elif Özmen Universität Regensburg

„Über die Macht der (Un-)Wahrheit in der Politik“

30. Mai 2016

Dr. Christine Bratu Ludwig-Maximilians-Universität München

„Die Macht der Worte – Was man im liberalen Staat (nicht) sagen darf“

6. Juni 2016

Dr. des. Eva von Redecker Humboldt-Universität zu Berlin

„Strickmuster der Revolution. Strukturelle Macht und politische Handlungsfähigkeit nach Judith Butler und Charles Dickens“

illustr ation > m a r k us jaur sch gegen das Bier zur Entspannung, aus Geselligkeit und zum Vergnügen – aber eben erst nach dem Philosophieren. Nietzsche war sogar der Ansicht, dass das Biertrinken den deutschen Geist verdorben habe: „Wie viel verdriessliche Schwere, Lahmheit, Feuchtigkeit, Schlafrock, wie viel Bier ist in der deutschen Intelligenz!“ Bier, so meinte Nietzsche, führe zu einer „sanfte(n) Entartung … im Geiste“. Wenn es denn schon Alkohol sein muss, bevorzugen die Philosophen (zumindest außerhalb Bayerns) den Wein. Eine der schönsten philosophischen Schriften überhaupt, das Symposion von Platon, schildert ein Trinkgelage, auf dem Reden über die Liebe und die Schönheit gehalten werden. Dabei erweist sich Sokrates – wie fast immer bei Platon – nicht nur als bester MAI 2016

Denker und Redner, sondern auch als bester Trinker. Aber getrunken wird natürlich Wein und nicht Bier. Zudem hatte man sich zu Beginn darauf geeinigt, nur in Maßen zu trinken. Ein guter Rat stammt von dem berühmten antiken Arzt Hippokrates: „Das erste Glas Wein ist für die Gesundheit, das zweite Glas ist für die Fröhlichkeit, das dritte für den guten Schlaf und jedes weitere ist zu viel.“ Noch aus einem anderen Grund ist der Wein gegenüber dem Bier zu bevorzugen. Schließlich heißt es nicht in birra veritas, sondern schon von alters her in vino veritas – also: Im Wein ist Wahrheit. Nach Knigge ist auch das Anstoßen mit Biergläsern falsch. Warum aber ist dies beim Wein üblich? Die Antwort wusste Hegel: „Mit der Wahrheit stößt man immer an.“ 53

13. Juni 2016

Prof. Dr. Christina Schües Universität zu Lübeck und Universität Lüneburg

„Auf Ungerechtigkeit antworten – Einsatzorte der Sozialphilosophie“

20. Juni 2016

Prof. Dr. Angela Kallhoff Universität Wien

„Klimagerechtigkeit“

4. Juli 2016

Prof. i. R. Dr. Herta Nagl-Docekal Universität Wien

„Moral im Kontext des liberalen Rechtsstaates“ Termine jeweils Montag, 18:15 bis 19:45 Uhr, Hörsaal 4 im Philosophicum Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, der Eintritt ist frei.

Organisation: Prof. Dr. Christian Thies, Professur für Philosophie, Philosophische Fakultät, Universität Passau Nachfragen bitte an Cornelia.Koller@uni-passau.de oder unter Fon: +49 (0)851 509-2621


KULTURTIPPS

THOMAS BERNHARD FREUNDE

AUSSTELLUNG

RICHARD WAGNER

CHRISTINE LAVANT LESUNG

NATUR VERSUS KONSTRUKT

TRISTAN UND ISOLDE

12.5.

D

BEGINN > 20 UHR ORT > CAFÉ MUSEUM EINTRITT > FREI INFOS > WWW.CAFE-MUSEUM.DE

ie österreichische Lyrikerin Christine Lavant (1915–1973) ist heute nur wenigen Menschen ein Begriff. Geboren als Christine Thonhauser in Kärnten, wählte sie ihr Pseudonym nach dem Fluss Lavant, der durch ihr Heimattal fließt. Der ungleich bekanntere österreichische Autor Thomas Bernhard zählte ihr Werk zu den Höhepunkten der deutschen Lyrik und gab posthum einen Band mit Lavant-Gedichten heraus. Anlass genug für die Passauer Thomas Bernhard Freunde, Christine Lavant zum dritten Thema ihrer biografischen Lesungsreihe rund um den Kultautor zu wählen, in der diesmal Martin Frauenhofer – begleitet von zahlreichen Textbeispielen – Lavants leidvolle Biografie nachzeichnen und sich zudem mit den Besonderheiten ihrer Erzählungen und Gedichte auseinandersetzen wird.

12.5.– 19.6

S

ORT > ST. ANNA-KAPELLE, PASSAU INFOS > WWW.KUNSTVEREIN-PASSAU.DE

ammeln und Archivieren, Zerstören und Aufbauen – diesen künstlerischen Arbeitsweisen widmet sich die Ausstellung Natur versus Konstrukt, auf der Werke von Jürgen Bergbauer, Thomas Weber, Christian Zeitler und Heidi Zenz zu sehen sind. Mal werden natürliche Prozesse sichtbar gemacht, dann wieder Naturgesetze ausgehebelt. Die Naturform zeigt sich neben der Kunstform – und beides zeigt sich in Vermischung. Naturformen können Konstrukte sein – und lassen sich mit digitaler Technik darstellen. Die Werke der Künstler werfen in ihrer Zusammenstellung Fragen nach Natürlichkeit oder Künstlichkeit der Darstellung auf, nach Wirklichkeit oder Illusion. Welche Vorstellung haben wir von der Natur? Und inwieweit ist sie ein aus vielfältigen Bedürfnissen gespeistes Konstrukt?

20.5. 22.5.

BEGINN > 18 UHR (20.5.), 16 UHR (22.5.) ORT > STADTTHEATER, PASSAU

Z

um ersten Mal und über 150 Jahre nach der Uraufführung ist Richard Wagners epochales Werk Tristan und Isolde auf den Bühnen Niederbayerns zu sehen. Eine gigantische Kraft bindet Tristan und Isolde in Gestalt bedingungsloser Liebe aneinander. Die damit verknüpften Empfindungen kommen in der Musik Wagners auf geniale Weise zum Ausdruck: Strebt sie doch permanent zu einem tonalen Zentrum, das aber nicht erreicht wird. Erst am Schluss, im sogenannten Liebestod, gelangt die so entstandene Spannung zur Auflösung. Es ist durchaus gerechtfertigt, Wagner als Vorboten der Moderne zu bezeichnen. Indem der Komponist sämtliches Beiwerk auf ein Minimum reduziert, erfährt die Handlung eine Ausweitung nach innen, die Musik dringt in die Tiefen des Unterbewusstseins vor.

Unser Weizen. Eine Klasse für sich. www.wolferstetter.de • 94474 Vilshofen a.d. Donau

54

PASTA! PASSAUER STADTMAGAZIN


KULTURTIPPS

JEFF JENSEN BAND

HANS ESSEL

NATURVISION

LIVE IN MEMPHIS

SAITENSACK

FILMTAGE BAYERISCHER WALD

25.5.

J

BEGINN > 21 UHR ORT > CAFÉ MUSEUM, PASSAU EINTRITT > ¤ 20 / ¤ 10 ERM. / ¤ 5 RESTKARTEN

eff Jensen versteht es meisterhaft, seinem Publikum die Faszination des Blues zu vermitteln. Die Auftritte des exzellenten Gitarristen und Sängers aus Memphis, Tennessee, dessen letzte Alben Road worn and ragged und Morose Elephant unter anderem in den Top 10 der internationalen BluesCharts rangierten, kulminieren ausnahmslos in grandiosen Bühnenshows. Man hat nicht oft das Glück, einen Gitarrenderwisch dieser Klasse zu erleben, der – im wahrsten Sinne des Wortes – ebenso spielend die Bühnen und die Konzertsäle rockt, wie es ihm gelingt, die Zuhörer mit seinen Balladen zu verzaubern. Obwohl die Jeff Jensen Band seit 2011 circa 200 Konzerte pro Jahr spielt, startete sie erst im vergangenen Jahr ihre erste Europa-Tournee – und das mit unglaublichem Erfolg.

MAI 2016

29.5.

S

BEGINN > 10.48 UHR ORT > KUBINHAUS, ZWICKLEDT/OÖ EINTRITT > ¤ 9 INFOS > WWW.KUPROSAUWALD.ORG

eit 1994 entwickelt der auf Improvisation und Grundlagenmusik spezialisierte Musiker und Komponist Hans Essel die Vorstellung, dass Geigenspiel heißt: Die Geige spielt! Es gilt demnach, die Geige so zu spielen, dass die Geige spielt. Die zu diesem Zweck gedämpften Saiten werden mittels spezieller Bogentechnik zu Eigenschwingungen angeregt (keine Flageoletts!); ausschließlich beeinflusst von der Bogenführung entstehen so dudelsackartige Klänge, deren Umschlagen auch an Jodeln erinnert. Saitensack bezeichnet also eher einen dynamischen Zustand – und da das Spiel darin besteht, sich längs der Grenze zu bewegen, an der aus dem Geräusch heraus die Töne entspringen, stünde der Begriff folglich für die extremste Darstellung des elementaren Wesens von Streichinstrumenten.

3.6.– 5.6.

ORT > HANS-EISENMANN-HAUS, NEUSCHÖNAU INFOS > WWW.NATUR-VISION.DE

D

ie NaturVision Filmtage im Hans-Eisenmann-Haus in Neuschönau feiern ihr 15-jähriges Jubiläum. Neben zahlreichen Filmen über großartige Landschaften, die faszinierende Welt der Tiere sowie verschiedene Dokumentationen, die sich kritisch mit der Bedrohung der Natur auseinandersetzen, bieten die Filmtage innerhalb der Reihe HeimatSachen in diesem Jahr filmische Highlights rund um das Thema Heimat und Fremde. So erzählt beispielsweise die Dokumentation Das Golddorf von der Parallelwelt heimatliebender Bayern und heimatloser Asylsuchender in einem oberbayerischen Dorf, während im skurrilen Film The Holy Cow ein aserbaidschanischer Bauer gegen sein gesamtes Dorf (inklusive Ehefrau) ankämpfen muss, weil er sich in den Kopf gesetzt hat, eine europäische Kuh zu kaufen.

55


PR

bunt, REICHHALTIG & vielfältig KUNSTGENÜSSE BEI DEN EUROPÄISCHEN WOCHEN PASSAU

2016

MAŁGORZATA WALENTYNOWICZ AM 29.6.2016 IN DER STADTPFARRKIRCHE ST. MATTHÄUS

Ü

ber Geschmack lässt sich nicht streiten, so lautet ein geflügeltes Wort. Warum eigentlich nicht? Die Zeiten, in denen ein gesellschaftlicher Kanon festlegte, was schön ist und was nicht, sind vorbei. Und so offerieren die Europäischen Wochen vom 17. Juni bis zum 7. August 2016 unter dem Motto reine GESCHMACKSsache eine Vielzahl von Veranstaltungen, die für jeden Gusto etwas zu bieten haben, aber auch zur Diskussion anregen. Wie immer stehen neben Konzerten aus Klassik und Weltmusik auch Vorträge, Lesungen und Ausstellungen auf dem Programm. Hier stellen wir eine kleine Auswahl besonderer Glanzpunkte vor. Jenseits aller Fragen des persönlichen Geschmacks gehört die Mezzosopranistin Vesselina Kasarova zur musikalischen Weltspitze. Bereits 2013 begeisterte sie das EWPublikum in Fürstenzell, in diesem Jahr präsentiert sie zusammen mit der Sopranistin Lucia Aliberti einen Liederabend für Opernliebhaber. Dies bedeutet Belcantissimo von zwei absoluten Primadonnen am 28. Juni in der Passauer Studienkirche. Klavierrecitals finden Sie langweilig? Dieses ganz bestimmt nicht: Klavierkunst 3.0 am 29. Juni in der St. Matthäus Kirche in Passau. Małgorzata Walentynowicz spielt sich gekonnt durch 100 Jahre neuer Klaviermusikgeschichte. Dabei kommt nicht nur das be56

kannte Instrument zum Einsatz, sondern durch die Interaktion mit Video, Stimmen und Keyboard entsteht ein Klangereignis, das neue Impulse setzt. Wenn Georgette Dee am 9. Juli die Bühne im Atrium ZF Friedrichshafen AG in Passau betritt, dann steht eine Diseuse im Rampenlicht. Changierend zwischen den Geschlechtern und den ganz großen Gefühlen gibt sie eine Ode an jenen Zustand, der so verlockend und unheilvoll zugleich ist: die Melancholie. Mit ihren Liedern trifft sie dahin, wo Lust und Verzweiflung zugleich wohnen, ohne dabei den Humor aus dem Blick zu verlieren. Endlich wieder zu Gast in der Region ist das Münchener Kammerorchester. Es präsentiert sich am 15. Juli mit einem außergewöhnlichen Programm in der Stiftskirche in Reichersberg. Unter dem Motto Chips’n’Schmarrn trifft englische Elegie auf österreichisches Musikerbe. Als Solist konnte der junge Geiger Sergey Khachatryan gewonnen werden, ein aufsteigender Stern am Violinistenhimmel. Wenn diese international erfolgreiche Blechbläsertruppe zwanglos zwischen Klassik, Jazz und aktuellen Filmmusiken wechselt, dann kommt mit Sicherheit jeder auf seinen Geschmack: German Brass macht mit ihren maßgeschneiderten Arrangements jede

Klangkonstellation zum Erlebnis, sei es Barockmusik, seien es die swingenden Töne eines Frank Sinatra – am 24. Juli in der LötzGlashütte in Tittling. Klassik trifft Romantik trifft Gegenwart. Am 23. Juli ist im Passauer Stadttheater zunächst Aribert Reimanns Auseinandersetzung mit den Werken Schumanns und Beethovens zu hören, ehe die gewichtigen Originale zur Aufführung gebracht werden. Ein Abend der Sonderklasse mit der Niederbayerischen Philharmonie, Dirigent Basil Coleman und Amadeus Wiesensee, der schon 2015 bei den EW in der Reihe Piano Nobile am Klavier zu hören war. Ihn muss man nicht mehr vorstellen: Klaus Maria Brandauer ist nach den Erfolgen der vergangenen Spielzeiten jetzt zum ersten Mal in der Studienkirche in Passau zu erleben. Am 4. August begibt er sich zusammen mit dem GrauSchumacher Piano Duo auf literarisch-musikalische Spurensuche in den Briefen Wolfgang Amadeus Mozarts.

HIER GIBT ES KARTEN: Bahnhofstraße 32 | 94032 Passau unter 0851/4 90 83 10 oder auf

WWW.EW-PASSAU.DE

PASTA! PASSAUER STADTMAGAZIN


PR

pieg www.eulens

el-passau.de

8.7. Dreiviertelblut

9.7. D o n a u w e l l e n

11.7.

CubaBoarischen

Die

EULENSPIEGEL ZELTFESTIVAL 2016

6.–26. JULI AN DER PASSAUER ORTSPITZE MAI 2016

W

ir freuen uns jetzt schon wie wild auf die schöne Zeit an der Passauer Ortspitze, wenn es wieder nach herrlich süßen Crêpes duftet, wir uns an kühlem Bier erfrischen und aus dem roten Zirkuszelt mit gehisster Eulenspiegel-Flagge lautes Gegacker und herrliche Musik schallen. In wenigen Wochen, wenn hoffentlich eine sanfte Brise in unseren Nacken und um unsere Ohrläppchen weht, blicken wir endlich wieder in die freudvollen Gesichter der Eulenspiegel Familie: Platzhirsch Wolfi, stets zufrieden mit den gefüllten Bierbänken, die Gerke-Gang, bestückt mit Kaffee oder Caipi am Mischpult schraubend, und Chefkoch Rabiebo, mit bruzzelnder Currywurscht um sich werfend. Auch dieses Jahr wird Festivalprofessor Hofmann wieder mit Grashalm im Mundwinkel in der Hängematte vor seinem VW-Bus anzutreffen sein, indes die professionellen Eventmanagerinnen Sarah & Sophia auf dem Kinderkarussell ihre Runden drehen. Mit Regines bunter Bastelkunst wird die Ortspitze erneut erstrahlen und Frau Best Cappuccino in Town Sylvia wird uns mit ebensolchem beglücken. Sie sehen, wir schwelgen in Vorfreude auf die beste Zeit des Jahres.

12.7.

EULENSPIEGEL POETRY SLAM

13.7. GünterGrünwald

Harry G

14.7.

15.7. KU N STNACHT

DAS EULENSPIEGEL ZELTFESTIVAL findet vom 6. bis 26. Juli 2016 an der Passauer Ortspitze statt.

CLAUS V. WAGNER 15.7.

Die EM-Spiele von Halbfinale bis Finale werden im Zelt übertragen. Mehr Informationen zum Programm finden Sie unter

1 6.7.

WWW.EULENSPIEGEL-PASSAU.DE

DJA N G O AS ü L

17.7. Helmut Schleich 18.7. Martina Schwarzmann

20.7. Michael Mittermeier

U R B A N P R I O L 21.7.

22.7. RINGLSTETTER & BAND

23.7. 24.7. WILLY ASTOR Luise Kinseher

25.7. ERNST MOLDEN & BAND Han’s KlaffL 26.7.

Tickets an allen bek.CTS- und MT-VVK-Stellen und über www.reservix.de • www.ticketmaster.de • www.muenchenticket.de • www.eventim.de sowie bei Optik Sommer und dem Ticketservice der PNP und PaWo

ERNST MODEN & BAND | 25.7.2016

57

57


PR

S U A H R E T H C SCHARFRI !

N E D U E R MAIF

DIE KEM PIN GER -RE

CHR ISTIAN SPR ING

M

ER | 13. MAI

it gleich zwei verschiedenen Programmen dürfen wir den Passauer Kabarettisten Manfred Kempinger im Mai auf der Kellerbühne im ScharfrichterHaus begrüßen. Bekannt ist Kempinger vor allem durch seine Auftritte beim Passauer Starkbierfest, bei denen er den Vereinsfunktionär Peter Hasenschwingerl mimt. Los geht die Kempinger-Reihe am 6. Mai mit seinem Soloprogramm Die Summe aller Teile, mit dem er letztmalig in Passau zu Gast sein wird. Die Figuren in seinem Programm resümieren, stellen eigenwillige Hochrechnungen auf und arbeiten mit ganz persönlichen Bilanzierungstricks, um dem Zuschauer die Lage der Nation aus bayerischer Sicht näher zu bringen. Am 26. Mai folgt dann die kabarettistische Lesung Passauer Pegelstände. Dabei widmet Manfred Kempinger seiner Heimatstadt einen Abend, an dem er seine städtischen Bühnenhelden auftreten lässt. Unter 58

IHE IM MAI

anderem setzt der Vereinsmeier Peter Hasenschwingerl zu einem letzten bilanzierenden Erinnerungsfeldzug durch die Ereignisgeschichte seiner Heimatstadt an. Dazu dramatisches Stückwerk, lyrische Verse über das, was den Passauer existenziell bewegt. Eine Stadt, ein Kabarettist – und eine eigenwillige Liebeserklärung mit Kultcharakter. Auch die Redoute dürfen wir im Mai wieder zu unseren Gunsten nutzen. Christian Springer wird am 13. Mai sein neues Programm Trotzdem auf der großen Bühne präsentieren – und das heißt weitermachen, nicht aufgeben und sich nicht den Schneid abkaufen lassen. Aber keine Angst – Sie sind nicht in einem Coaching-Seminar gelandet, sondern im politischen Kabarett. Springer zeigt Haltung und haut auf unsere Feigheit drauf. Denn ihm geht´s ums Ganze. Und dafür kämpft er, bis seine Ohren glühen. Er lehnt sich auf gegen die lähmende Ohnmacht. Endlich. Wo es doch so oft heißt: Man kann nichts tun. Das stimmt. TROTZ-

DEM! Auf der Bühne sehen Sie einen satirischen Mutmacher, der leichtfüßig Sinn und Unsinn zu skurrilen politischen KabarettGeschichten verknüpft, in denen mehr als ein Körnchen Wahrheit steckt. Im echten Leben hat Christian Springer seine Leidenschaft zur Mission gemacht und versucht, den Flüchtlingen im Nahen Osten mit seinem gemeinnützigen Verein ein erträglicheres Leben zu schaffen.

SCHARFRICHTER HAUS MILCHGASSE 2 • 94032 PASSAU TEL.: 08 51/3 59 00 TICKETS: WWW.SCHARFRICHTERHAUS.DE ODER DIREKT IM SCHARFRICHTERHAUS: MO–FR 10–16 UHR

PASTA! PASSAUER STADTMAGAZIN


LOFT by newl i ne • br unnga sse 6 • p a ssa u • 0 851 / 75 63 58 84 • mo– fr 10– 19 & s a 10– 18 • w w w.loft-store.de


KINOTIPPS

Eine mörderische Täuschung

TRIPLE 9 um von einem banküberfall im namen der russischen mafia abzulenken, plant eine gruppe korrupter polizisten den mord an einem kollegen. TEXT > CLAUDIA KNOBLOCH

I

n der Innenstadt von Atlanta bekriegen sich Banden, kontrollieren den Drogenhandel und bestechen die Polizei. Die mächtigste Kraft ist die Russenmafia, deren Chefin Irina Vlaslov (Kate Winslet) an Kaltblütigkeit kaum zu überbieten ist. Sie hat eine Gruppe von Polizisten unter der Führung von Michael Atwood (Chiwetel Ejiofor) in der Hand, die sie zwingt, immer mehr Banküberfälle für sie zu begehen. Um von einem dieser Überfälle abzulenken, wollen sie einen Polizisten ermorden, was den Code 999 auslöst: Alle Polizisten der Stadt eilen zum Tatort – und überlassen den Rest der Stadt sich selbst ... „Der Schlüssel für mich war, Triple 9 auf der Wirklichkeit basieren zu lassen“, sagt der Regisseur John Hillcoat. Das Streben nach Authentizität führte den Regisseur zur Gang-Einheit der Polizei in Atlanta. „Sie wa60

ren während des kompletten Drehs am Set, gaben Ratschläge und erzählten uns, was auf den Straßen passiert und was nicht.“ Thematisch scheut Triple 9 auch nicht die Darstellung aggressiven Polizeiverhaltens. „Sie benutzen Panzer und jede Menge weiteres militärisches Equipment, wenn sie diese Häuser stürmen und das Chaos ausbricht.“ Der Film wird von seiner großartigen Schauspiel-Crew getragen, in der viele Charakterschauspieler zu finden sind: Kate Winslet spielt die unbarmherzige Gang-Chefin, Chiwetel Ejiofor den korrupten Polizisten und Casey Affleck glänzt als ehrgeiziger Jung-Polizist.

START > 5. MAI GENRE > THRILLER IMDB > 6,5 REGIE > JOHN HILLCOAT

PASTA! PASSAUER STADTMAGAZIN


KINOTIPPS

JUNGES LICHT

MÄNGELEXEMPLAR

MONEY MONSTER

Z

D

er 12-jährige Julian wächst in den 1960er Jahren im Ruhrgebiet auf, als dieses noch von Wirtschaftswunder und Kohlenstaub geprägt war. Rauchen gilt als cool, Currywurst als nahrhaft. Julian sorgt brav für seine Familie, doch die Reize der frühreifen Nachbarstochter Marusha faszinieren ihn. Für den Regisseur Adolf Winkelmann war die Verfilmung des Romans von Ralf Rothmann nicht einfach: „Die Herausforderung bestand darin, die dichte, poetische Sprache des Romans in filmische Bilder zu übersetzen, die etwas Unspektakuläres und dennoch Fesselndes kreieren. Mir war klar, dass dieser Film einfach, echt und vor allem leise erzählt werden muss.“ START > 12. MAI GENRE > DRAMA IMDB > --MIT > OSCAR BROSE, CHARLY HÜBNER, LINA BECKMANN

MAI 2016

uerst verliert Karo ihren Job, dann will ihre beste Freundin nichts mehr von ihr wissen – und schließlich trennt sich noch ihr Freund von ihr. Als sie eine Therapie gegen die Depressionen beginnt, will sie eine Superpatientin sein – was gründlich misslingt. Die Regisseurin Laura Lackmann, für die Mängelexemplar der erste Langfilm ist, beschreibt Karos Problem: „Was Karo hat, ist vielleicht keine Depression in einem klassisch-klinischen Sinn. Sie leidet wie viele von uns daran, dass sie als Mensch nicht mehr gebraucht wird. Die Mischung aus Ziellosigkeit, zu viel Fantasie und Emotion treibt sie quasi in die Krankheit.“ START > 12. MAI GENRE > DRAMA IMDB > --MIT > CLAUDIA EISINGER, KATJA RIEMANN, LAURA TONKE

T

V-Moderator Lee Gates genießt den Ruf, ein Genie an der Wall Street zu sein. Mit seiner Finanzshow hat er es zu Berühmtheit gebracht. Doch seine Aktienempfehlungen sind nicht immer erfolgreich. Als nach einen von Gates Tipps eine Hightech-Aktie abstürzt, verlieren Kleinanleger ihr Erspartes. Ein wütender Investor nimmt Gates, dessen Crew sowie seine Star-Produzentin Patty Fenn vor laufender Kamera als Geisel und droht, alle in die Luft zu sprengen. Regisseurin Jodie Foster konnte mit Julia Roberts und George Clooney zwei exzellente Schauspieler gewinnen, die in dem thematisch hochaktuellen Thriller äußerst glaubwürdig um ihr Leben kämpfen. START > 26. MAI GENRE > THRILLER IMDB > --MIT > JULIA ROBERTS, GEORGE CLOONEY, CAITRIONA BALFE

61


BUCHTIPPS

ÜBER DAS WAHRE BIERHANDWERK! IAN COUTTS

DIE GUTEN DINGE: CRAFT-BIER Craft-Bier ist ein Modebegriff, der seit einiger Zeit durch die Medien und die Gastronomieszene geistert. Der kanadische Autor Ian Coutts definiert diese Biere über ihre Zutaten (nur Malz, Wasser und Hopfen) sowie über die Art, wie sie gebraut sind: in kleinen Brauereien, charaktervoll und abseits des Mainstreams.

D

AUTOR > IAN COUTTS GENRE > SACHBUCH SEITENZAHL > 144 SEITEN VERLAG > PRESTEL PREIS > ¤ 16,95

ie meisten bayerischen Braumeister werden sich wohl in dieser Kurzbeschreibung wiederfinden – und natürlich spielen deutsche Biere in dem Buch Die guten Dinge: CraftBier eine wichtige Rolle. Doch der Autor hat auch die Geschichten von Brauereien rund um den Globus zusammengetragen, von Australien über Äthiopien bis zu den USA. Die verschiedenen Bierarten wie Pale Ale, Porter oder Weizenbier werden jeweils kurz beschrieben, bevor die Geschichten einzelner Biere erzählt werden. Eine bunte Sammlung interessanter Informationen zum Thema Bier, zu deren Lektüre man sich auf jeden Fall eine kühle Halbe einschenken sollte.

UNTERLEUTEN

U

AUTOR > JULI ZEH GENRE > ROMAN SEITENZAHL > 640 SEITEN VERLAG > LUCHTERHAND PREIS > ¤ 24,99

nterleuten ist auf den ersten Blick ein idyllisches Dorf in Brandenburg, in dem sich bäuerliche Strukturen aus der Vorwendezeit erhalten haben und Zugezogene aus Berlin ihre Immobilienträume verwirklichen. Doch das Dorf birgt viele Konflikte, die aufbrechen, als eine Investmentfirma einen Windpark in Unterleuten plant. Der neueste Roman von Juli Zeh beschreibt das Dorfleben so plastisch, dass ich beim Lesen schon nach kurzer Zeit mit den Figuren mitgelitten habe. Eine schöne Ergänzung zu dem Roman ist die Website www.unterleuten.de, die einen Stadtplan und Kurzbiographien der Bewohner bereithält.

Meine MUTTER ist die Beste! Machen Sie Ihrer Mutter eine Freude zum Muttertag mit wunderschönen Rosen, Blumensträußen, Gestecken und Arrangements von Blumen Eichberger! Nutzen Sie auch unseren Lieferservice mit telefonischer Bestellung unter Tel. (0851) 7664 - wir bringen Ihnen Ihre Blumenauswahl bis an die Haustür!

GÄRTNEREI | WÖRTHSTRASSE 2 TEL. (0851) 76 64 SONDERÖFFNUNGSZEITEN SA, 07.05. 8-18 UHR SO, 08.05. 8-12.30 UHR

62

FILIALE IM „REAL“ | HOLZMANNSTR. 52 TEL. (0851) 9 66 84 45 TGL. AUSSER SONNTAG VON 8-20 UHR SONDERÖFFNUNGSZEITEN SAMSTAG, 07.05. VON 7-20 UHR

PASTA! PASSAUER STADTMAGAZIN


HÖRBUCHTIPPS

peter prange

dmitry glukhovsky

DIE ROSE DER WELT

METRO 2035

P

S

aris, 1229: Robert und Paul sind arm, doch die neu gegründete Universität Sorbonne steht auch ihnen offen. Als eine Wirtshausschlägerei blutig endet, kommt es zu einem Streit zwischen der Universität, dem Staat und Klerus. Der darauf folgende Streik an der Universität hat weitreichende Konsequenzen: Professoren werden durch Mönche ersetzt, die Freiheit der Lehre steht auf dem Spiel. Robert und Paul sehen ihr Lebensziel schwinden. Reinhard Kuhnert liest den sehr gut recherchierten und spannenden Historienroman mit seiner eindringlichen Stimme so wunderbar, dass ich mich schnell ins Paris des ersten Studentenstreiks versetzt gefühlt habe. VON > PETER PRANGE LABEL > ARGON HÖRBUCH AUDIO-CDs > 8 PREIS > ¤ 24,95

p. coelho, e. fromm etc. VOM WEISEN UND GLÜCKLICHEN LEBEN

W

as ist das Geheimnis eines glücklichen Lebens? Viele Dichter, Schriftsteller und Philosophen halten Achtsamkeit und Gelassenheit für wichtige Zutaten eines erfüllten Lebens. So rät Joachim Ringelnatz, immer nur Dinge zu verschenken, die einem auch selbst Freude machen. Der chinesische Autor Li Liweng aus dem 17. Jahrhundert gibt Tipps, wie man trotz Reichtums sein Seelenheil bewahrt, während uns Paulo Coelho vor Augen führt, was wir wichtig nehmen sollten – und wie sich das Rentnerdasein am besten genießen lässt. Sechs verschiedene Sprecher gestalten dieses abwechslungsreiche Potpourri an Texten, die uns lehren, ein bisschen achtsamer zu sein.

eit einem Atomkrieg vor 20 Jahren leben die Menschen in den Metroschächten der Moskauer U-Bahn und haben dort eine neue Zivilisation errichtet. Doch dieser Ort ist nur bedingt sicher, denn eine Seuche bedroht die Lebensmittelversorgung unter Tage. Artjom wird beauftragt, einen Weg für die Rückkehr auf die Oberfläche zu finden, was eigentlich unmöglich scheint. Metro 2035 ist der dritte Roman von Dmitry Glukhovsky in dieser Serie, der die Protagonisten aus den beiden Vorgängerromanen zusammenführt. Mit 22 Stunden ist das Hörspiel eine Herausforderung, die man als Hörer dank des herausragenden Sprechers Oliver Brod jedoch gerne annimmt. VON > DMITRY GLUKHOVSKY LABEL > RANDOM HOUSE AUDIO DOWNLOAD > 1.321 MINUTEN PREIS > ¤ 29,95

VON > P. COELHO, E. FROMM ETC. LABEL > DER HÖRVERLAG AUDIO-CDs > 2 PREIS > ¤ 12,99

WA GABRIEL.LLOYD MARTENS.GMBH

DROB’N AUF DA RIES, DO IS DA BOCK DAHOAM. HERRLICHER BIERGARTEN ● BAYERISCHE SCHMANKERL ● DURCHGEHEND WARME KÜCHE ● HAUSGEMACHTE KUCHEN DO-FR MITTAGSABO: 2 WECHSELNDE GERICHTE JE EUR 5,80

WEISSBIER, BOCK, ZWICKL ... UNBANDIG GUAT!

GEÖFFNET DI UND MI 17-24 UHR | DO-SO 9.30-24.00 | MO RUHETAG (AUSSER FEIERTAGS)

RENNWEG 2 | PASSAU-RIES | TELEFON 0851 - 75 44 44 | WWW.ANDORFER-WEISSBRAEU.DE | INFO@ANDORFER-WEISSBRAEU.DE

MAI 2016

63


DVDTIPPS

ERINNERUNGEN AN MARNIE

D

GENRE > ANIMATIONSFILM REGIE > HIROMASA YONEBAYASHI STIMMEN > LAURA JENNI, LARA WURMER, CLAUDIA LÖSSL FSK > OHNE filmszene aus »Bier und Macht – Die Wittelsbacher«

SPIELDAUER > 99 MINUTEN

BIER UND MACHT – DIE WITTELSBACHER

KLEINE ZIEGE, STURER BOCK

D

GENRE > DOKUMENTATION FSK > OHNE ALTERSBESCHRÄNKUNG SPIELDAUER > 75 MINUTEN

64

ie Wittelsbacher Könige hatten in Bayern mehr als 700 Jahre die politische Macht, bis heute braut die Familie bayerisches Bier. Dabei wählt sie unterschiedliche Ansätze: Aus dem Brauhaus Tegernsee kommt ein handwerkliches Bier, das auf schwer erreichbare Almen geliefert wird und ohne Werbung auskommt. Die König Ludwig Brauerei dagegen vergibt Lizenzen und braut ihr Bier in 18 Ländern der Welt. Eine interessante Dokumentation des Bayerischen Rundfunks, die persönliche Einblicke in das Haus Wittelsbach und dessen Verbindung zum Bier gewährt.

as Waisenmädchen Anna wird von ihrer Pflegemutter über den Sommer ans Meer geschickt. Dort findet sie nicht nur ein verlassenes Haus, das ihr bekannt vorkommt, sondern trifft auch das mysteriöse Mädchen Marnie, mit dem sie sich bald anfreundet. Doch eines Tages ist Marnie verschwunden und Anna beginnt, ihr Geheimnis zu ergründen. Erinnerungen an Marnie basiert auf einem britischen Kinderbuchklassiker When Marnie was there, der von dem bekannten japanischen Animationsstudio Ghibli nach Japan verlegt wurde. Eine wunderbar poetische Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft.

J

GENRE > KOMÖDIE REGIE > JOHANNES FABRICK MIT > WOTAN WILKE MÖHRING, JULIA KOSCHITZ, SOFIA BOLOTINA FSK > OHNE SPIELDAUER > 94 MINUTEN

akob ist Ende dreißig, arbeitet als Elvis-Imitator und ist knapp bei Kasse. Um nicht wieder bei seinen Eltern einziehen zu müssen, nimmt er einen Job als Fahrer an. Die Fracht: ein Schafbock. Doch da taucht seine 12-jährige Tochter Mai auf, von der er bis zu diesem Zeitpunkt nichts wusste. Die will ihrer Mutter eins auswischen und begleitet ihren Vater auf die Reise nach Norwegen, die voller Hindernisse ist. Kleine Ziege, Sturer Bock ist ein herrliches Roadmovie mit einem VaterTochter-Gespann, das sich – nach so manchen Hürden – am Ende doch näherkommt.

PASTA! PASSAUER STADTMAGAZIN


HERBERT GRANTELT

HEIMAT ZWOA Herberts Tipps zur Wiederverheimatung Hiergebliebener

TEXT

U

m der inhaltlichen Kohärenz dieser Ausgabe Rechnung zu tragen, möchte ich Sie nun um Folgendes bitten: Holen Sie sich ein bayerisches Helles, Dunkles oder Weizen (tut mir leid, das ganze Craft-Modezeigl interessiert mich ungefähr so sehr wie Stand 51a auf der Internationalen Leitmesse für flanschlose Steckrohrsysteme), legen Sie Ihr blödes Smartphone weg, die Füße hoch – und lesen Sie die paar Anregungen zu einem würdigen Umgang mit unserer Heimat in aller Ruhe. Danke. Wo ma ned jedm neia Grampf hinterherlafft, bin i dahoam. Anregung 1: So angenehm der in den letzten 60 Jahren erlangte Wohlstand für viele von uns sein mag, scheint er doch für manche Individuen mit gravierenden psychischen Folgen verbunden. Sehen doch plötzlich immer mehr Menschen unsere Heimat von außen bedroht. Von Flüchtlingen, Griechen und natürlich den Deppen in Berlin. Gut, das mit der Bedrohung mag ja stimmen – nur mit dem Subjekt hapert’s etwas. Schauen Sie doch mal im Spiegel nach. Wer setzt denn tagtäglich alles daran, sich und seine Heimat möglichst effektiv durchzuglobalisieren? Wer genehmigt bzw. baut die Einheits-FerMAI 2016

k CHRISTIAN GÖTZ

tighäuser und Gewerbegebiete? Wer bestellt fleißig bei Zalando und Co., frisst in rauen Mengen hippes Burger-Rindfleisch, freut sich über neue Golfplätze und Erdbeeren im Winter, fährt jeden Dreck mit dem Auto, fliegt nach Thailand zum Backpacking und düngt fleißig seinen englischen Rasen, der in Kombination mit dem Baumarkt-Springbrunnen Undine ein ästhetisch wahrlich meisterhaftes Pendant zur Doppelgarage darstellt? Glauben Sie mir: Unsere Heimat haxen wir schon schön selbst auf. Wenn es überhaupt eine äußere Bedrohung zu fürchten gibt, ist es der Klimawandel. Gut, wenigstens der ist hausgemacht.

»

Wo ma se an da eigna Nosn packt, bin i dahoam.«

Tipp: Mit der ganzen Familie Bilder, am besten Dias (vgl. www.wikipedia.org/wiki/ Dia_Fotografie) von früher anschauen – und sich oder im Zweifelsfall Opa fragen, wie man einst ohne Supermärkte, Drogerieketten, Logistikzentren, SUVs, Schnellstraßen,

Belüftungsautomatik und Beef zu überleben imstande war. Vielleicht ist auch in modernen Zeiten manchmal a bissl weniger doch recht viel mehr. Wo ma se an da eigna Nosn packt, bin i dahoam. Anregung 2: Vorausgesetzt, Sie haben die ersten 20 Kilometer B12 Richtung Freyung sowohl in ästhetischer wie auch verkehrstechnischer Hinsicht lebend überstanden, gönnen Sie sich eine kleine Rast am Vendelsberg, bevor dort auch alles zugebaut wird. Nicht quatschen, nur schauen, staunen und klein sein. Den großen Horizont gibt’s gratis. Geheimtipp: Absolvieren Sie das Päuschen neben der Abzweigung nach Niederpretz. Dafür müssen Sie links abbiegen und halten den Verkehr auf. Wo ma se ned hetzn losst, bin i dahoam. Anregung 3: Überlassen Sie die postmoderne Vereinzelung den Bewohnern bereits fertig gentrifizierter Städte. Minga zum Beispiel. Tipp: Zuhause angekommen einfach mal beim Nachbarn klingeln, an Ratsch doa und sich oder ihn zum Kaffee einladen. Wo ma aufananda schaugt, bin i dahoam. Prost. 65


ZEITVERTREIB

WER BIN ICH?

GEWINNSPIEL

BUCHVERLOSUNG

M nser Bilderrätsel befasst sich mit Personen des öffentlichen Lebens, die irgendwann auch einmal in der PASTA! abgebildet wurden – kennen Sie den hier verschobenen Promi? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an: gewinnspiel@pastaonline.de oder schicken Sie uns eine Postkarte mit der richtigen Lösung an pasta!, am severinstor 4, 94032 passau. Unter allen Einsendern verlosen wir gemeinsam mit Bücher Pustet drei Exemplare der Buch-Neuerscheinung Wir kommen von Ronja von Rönne. auflösung des letzten fotorätsels: matthias keller, chefarzt kinderklinik passau

IMPRESSUM 66

GEWINNER! Jeweils ein Exemplar des Buches Kunststücke von Rolando Villazón aus der April-Ausgabe haben gewonnen: Gerlinde Haumer, Tiefenbach Lotte Jobst, Grafenau Matthias Zeigl, Passau Herzlichen Glückwunsch! Bitte holen Sie Ihren Buchgewinn in unserer Redaktion, Am Severinstor 4, Passau–Innstadt, nach telefonischer Voranmeldung unter Tel. +49 (0)851/92 90 86 5 ab. Vielen Dank!

HERAUSGEBER

ANZEIGEN

GABRIEL.LLOYD MARTENS. GMBH AM SEVERINSTOR 4, 94032 PASSAU

KONTAKT

ANZEIGENLEITUNG > CORNELIUS LLOYD MARTENS TELEFON +49 (0) 851 /92 90 86 5 ANZEIGENLEITUNG@PASTAONLINE.DE

TELEFON +49 (0)851 /92 90 86 5 FAX +49 (0)851 /92 90 86 6 REDAKTION@PASTAONLINE.DE WWW.PASTAONLINE.DE

ANZEIGENAKQUISE > GUDRUN KARLSTETTER KARLSTETTER@PASTAONLINE.DE

REDAKTION

GESTALTUNG, LEKTORAT

LEITUNG > TILL GABRIEL REDAKTION > CLAUDIA KNOBLOCH, TILL GABRIEL, CORNELIUS MARTENS, BENEDIKT KUHNEN, CHRISTIAN GÖTZ FOTOS > CORNELIUS MARTENS, FLORIAN WEICHSELBAUMER, ILLUSTRATION > MARKUS JAURSCH

LAYOUT & SATZ > GABRIEL.LLOYD MARTENS. GMBH LUKAS MUSILEK, TILL GABRIEL LEKTORAT > SCHREIBEREI EDER

DRUCK HS DRUCK, RIED

Wir kommen von Ronja von Rönne ist im Aufbau Verlag erschienen (ISBN 978-3-351-03632-4) und kostet 18,95 EUR.

schafter JANDA+ROSCHER, Die WerbeBot

U

aja ist nicht tot. Wenn Maja gestorben wäre, hätte sie mir davor Bescheid gesagt. Solche Dinge haben wir immer abgesprochen. Wenn die beste Freundin aus Kindheitstagen stirbt, zieht man sich schwarze Kleider an und geht zur Beerdigung. Oder man flieht gemeinsam mit seinen drei Beziehungspartnern und einer Schildkröte ans Meer. Nora entscheidet sich für Letzteres. Als ob Polyamorie helfen würde. Als ob Flucht helfen würde. Als ob man den Dämonen der Vergangenheit so einfach entkäme. Und so drängt sich statt hoffnungsvoller Zukunft immer mehr Noras Vergangenheit in den Vordergrund. Es muss doch etwas geben, denken die vier, das sie wieder zusammenzuschweißen vermag, ein großes Fest etwa. Oder ein Mord …

online oder live: » Jetzt unge nplatz 1 Nibel 94032 Passau

PASTA! PASSAUER STADTMAGAZIN


PASTA! Mai 2016 - BIER  

Das Passauer Stadtmagazin - Die Bierausgabe

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you