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Nr.2 MITTEILUNGEN UND NACHRICHTEN AUS MOOS, ST. LEONHARD UND ST. MARTIN MITIEILUNGEN UND NACHRICHTEN AUS September

15. Jahrgang – Nr. 35 MOOS, ST. LEONHARD UND ST. MARTIN

50jähriges Priesterjubiläum in Platt

1993

September 2002 7. Jahrgang

Das Weiße Kreuz Passeier ist ins neuerbaute Zivilschutzzentrum in die Andreas-HoferStraße Nr. 7 übersiedelt und ist unter folgender neuer RUfnummer erreichbar:

656565

Die alte Nummer 656211 falls weiterhin bestehen.

bleibt eben-

• • • Der Hörtest vom "Zentrum Taubheit Südtirol« wird ab sofort ebenfalls in den neuen Räumlichkeiten durchgeführt: Ab Oktober jeden 1. Donnerstag im Monat von 9.00-11.30 Uhr. 1M

Vor genau 50 Jahren - am 4. Juli 1943 inmitten der Wirren des zweiten Weltkrieges - feierte Missionär Hans Pamer in Platt seine Primiz. Am 11. Juli 1993, dem Benediktssonntag wurde dieses nicht alltägliche Jubiläum von der Pfarrgemeinde Platt festlich begangen. Zu den Feierlichkeiten hatten sich neben zahlreichen Priestern und Studienkollegen auch Familienangehörige und Freunde des Jubilars eingefunden. Für die musikalische Gestaltung des Dankgottesdienstes sorgten der Kirchenchor und eine Bläsergruppe der Musikkapelle Platt. In der Festpredigt unterstrich Regional Oberer Dr. Ludwig Jester die Bedeutung der Mission als »das Wesen der Kirche- und erzählte anschließend einige Abschnitte

aus dem schaffensreichen Leben des Jubilars - sein Studentendasein im Missionshaus, sein Talent als Fußballer und Dribbelkünstler, die Stationen des Missionslebens auf den Philippinen, die schwere Verantwortung als Generalvikar ... Für all das dankt der Jubilar Gott. Besonderer Dank gebührt darüberhin-

aus den vielen persönlichen Freunden, Helfern und Wohltätern die ihn in seinem 50jährigen Schaffen auf großzügige Weise unterstützt haben. Nach dem Gottesdienst wartete die Musikkapelle von Platt auf dem Dorfplatz mit einigen Ständchen auf. In einer kur(Fortsetzung

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Passeirer Blatt 1 September 1993

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50jähriges Priesterjubiläum (Fortsetzung

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in Platt

zen Ansprache würdigte Bürgermeister Karl Lanthaler Leben und Schaffen des Jubilars und wünschte ihm weiterhin bestmögliche Gesundheit und Gottes Segen. Anschließend fand man sich zu einem gemeinsamen Mittagessen beim Platterwirt ein. Hier gab es reichlich Gelegenheit im Gespräch aufeinander einzugehen. Mit den besten Wünschen für die Zukunft klang die Feier am späten Nachmittag aus. Nachfolgend der Lebenslauf des Jubilars: Hans Pamer wurde 1918 in Platt geboren. Nach dem Besuch der Volksschule in Platt kam er 1929 ins Rediffianum nach Meran. Im Jahre 1938 trat er entgegen vieler Erwartungen nicht in den Marienberger Orden ein'; sondern in das Josefs Missionshaus in Brixen. Nach seiner Priesterweihe 1943 war er als Kooperator in Lengmoos/Unterinn und in Absam tätig. 1949 ging er in die Mission auf die Philippinen. Sein seelsorgliches Wirken führten ihn zuerst in die Pfarrei lqbaras. Ab 1956 war er als Pfarrer in Anini-y tätig. Nach 1968 kam Missionär Hans Pamer in die Pfarrei Sibalom, in der er zwanzig Jahre lang unter Einsatz seiner ganzen Person wirkte. Sein Ver-

dienst als Missionär besteht unter anderem auch darin, daß er den Bau zahlreicher Gebäude wie Kirchen, Schulen, Krankenhäuser förderte und unterstützte und damit wertvolle und zukunftsweisende Pionierarbeit leistete. Aufgrund seiner außerordentlichen Verdienste wurde ihm die verantwortungsvolle Aufgabe als Generalvikar übertragen. Im Jahre 1988 zwang ihn ein hartnäckiges Fußleiden zur Rückkehr in die Heimat. Seitdem lebt Missionär Hans Pamer im Herbertshaus in Brixen, Seine zunehmenden Beschwerden beim Gehen hielten ihn jedoch nicht davon ab, weiterhin bei Bedarf als Seelsorger in den verschiedenen Pfarreien auszuhelfen. Seit dem Jahre 1992, hat er sich endgültig ins Altersheim für Missionäre in Brixen zurückgezogen und findet hier eine liebevolle Pflege. Trotz seines langjährigen Fußleidens ist Missionär Hans Pamer seinem Wesen nach ein Mensch voller Fröhlichkeit und Humor geblieben; ungebrochen ist auch seine Freude am Feiern und seine fortwährende Bereitschaft für alles Gute. Die Pfarrgemeinde von Platt wünscht dem Jubilar weiterhin Gesundheit, Freude und Gottes Segen. A. R.

Josef Oberbauer (1854-1926) Vedutenmaler von Graz und Sofia

Zur Jahreswende 92/93 wurden im Palais Wittgenstein in Wien vom Bulgarischen Kulturinstitut Werke des Malers und Zeichners Josef Oberbau er ausgestellt. Sein Schaffen umfaßt vor allem Ansichten aus den Städten Graz und Sofia, wobei die außerordentliche Genauigkeit sowie das Einfangen der spezifischen Atmosphäre der dargestellten Landschaften charakteristisch sind. In der bulgarischen Hauptstadt Sofia wird er heute noch liebevoll als »Stadtrnaler Oberbauer- bezeichnet.

Für uns ist er insofern interessant, als er ein gebürtiger Passeirer ist. Er wurde am 3. Oktober 1854 in St. Leonhard in Passeier in Tirol geboren und hier auf die Namen Josef Sebastian getauft. Als Taufpaten sind im Taufbuch das Ehepaar Josefa und Sebastian Alois Isser von Gaudenthurn, k.k. Bezirksrichter in St. Leonhard. Der Vater war zu dieser Zeit Kanzlist am k.k. Bezirksgericht Passei er, die Mutter Anna Maria Polin war die Tochter eines Schlossermeisters und Messners. Nachdem die Mutter be-

reits mit 31 Jahren verstorben war, suchte der Vater um Versetzung an ein anderes k.k. Bezirksamt im Interesse seiner beiden schulpflichtigen Söhne an, da ihm "die Bildung seiner Söhne als deren einziges Vermächtnis am Herzen liegt« und der Schulunterricht in St. Leonhard in Passeier von einer »Kandidatin der Deutschordensschwestern bloß im Winter, im Sommer aber entweder gar nicht oder nur dem Namen nach ..... « abgehalten wird. Seiner Versetzung wurde stattgegeben und der Vater trat am 13. Dezember 1861 seinen Dienst am k.k. Bezirksamt in Nauders in Tirol bei einem jährlichen Gehalt von 367,50 Gulden an. Hier besuchten Josef und sein Bruder Karl die Amtsschule. Nach seiner Pensionierung zog der Vater mit den Kindern nach Innsbruck, wo Josef auch die Hauptschule und später k.k. Oberrealschule besuchte. Seine Zeichenlehrer waren bekannte Tiroler Künstler wie der Bildhauer Michael Stolz und der Historienmaler Caspar Jele. 1872 beendete er die Schule mit der Matura und studierte darauf an der Technischen Hochschule in Graz, wobei er besonders nach dem Tode seines Vaters auf ein Stipendium vonseiten des Tiroler Landesausschusses angewiesen war. Zwischendurch verdiente er sich als Volksschullehrer und Hauslehrer einige Gulden. 1888 heiratete er und verdiente sich fortan sein Geld als Maler und Zeichner, zunächst in Graz, ab 1891 als "Oberzeichnet- im Katasteramt der bulgarischen Hauptstadt Sofia. Später nahm er den Posten eines Ingenieurs bei der Direktion der Bauten von Eisenbahnen und Häfen (Ministerium für Öffentliche Bauten) an, den er bis zu seinem Tod ausübte. 1921 wurde ihm von König Boris 111. als Maler das Offizierskreuz des Volksordens für bürgerliche Verdienste verliehen. 1950 wurde in Sofia eine Straße nach ihm benannt, was seinen Bekanntheitsgrad als »Oberzeichner A. P. von Sofia- unterstreicht.


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Die Musikkapelle Rabenstein in Passeier feiert ihr 40jähriges Bestehen

Gründungsaufnahme. Am Sonntag, den 4. Juli 1993 konnte die Musikkapelle von Rabenstein in Passeier auf eine 40jährige Tätigkeit zurückblicken. Gestartet wurde mit dem Einzug in die Kirche zum Festgottesdienst. Die Musikkapelle stimmte schon hier die Ehrengäste, die Fahnenabordnungen und die gesamte Bevölkerung für diesen großen Tag ein. In der Kirche übernahm die Musikkapelle die musikalische Gestaltung. Pfarrer Josef Haas betonte in der Festansprache, daß die Jubelkapelle in der Pfarrgemeinde Rabenstein in diesen 40 Jahren das Zusammenspiel vieler Musikanten ermöglicht hat; sie förderte einsatzfreudige Führungsmitarbeit und sie war und ist den Gläubigen in der Haltung der Anbetung Gottes behilflich. Nach der Messe waren alle zum Festakt auf dem Schulplatz eingeladen. Die Musikkapelle spielte zum Auftakt, bis alle bei dem schönen Wetter einen angenehmen Platz finden konnten. Der Obmann Hubert Gufler begrüßte nun recht herzlich alle Anwesenden. Anschließend berichtete ein Musikant über Ausschnitte der Chronik. Er betonte, wie schwer es war vor 40 Jahren eine Musikkapelle aufzubauen: Es gab niemanden im Dorf, der ein Instrument spielen konnte, es gab keine Beiträge Instrumente anzukaufen, es gab kein Lokal zum Üben und noch dazu herrschte in vielen Familien größere Armut. Aber da die Musikanten größere Opfer bringen konnten und erkannten, wie wichtig es war in der Gemeinschaft zusammenzuhalten, war es möglich, eine Musikkapelle aufzubauen. Es gab 26 Gründungsmitglieder und diese Mitgliederzahl konnte sich die Musikkapelle auch bis in die heutige Zeit im großen und ganzen halten, obwohl das Dorf nur 230 Einwohner zählt und viele auswärts arbeiten müssen. Vor 40 Jahren gab es keine Musikkurse in der Nähe. Zwei Mitglieder der Unter-

maiser Musikkapelle, Hermann und Luis Gögele, kamen jede Woche nach Rabenstein, um den Musikanten etwas beizubringen. Im Winter mußten sie den Weg zu Fuß zurücklegen, im Sommer konnten sie bis Hahnebaum fahren. Sie hatten es oft nicht leicht, denn keiner wußte, wie man mit einem Instrument umgehen sollte. Nur zwei Mitglieder konnten einigermaßen Noten lesen. Zum Üben begab man sich abwechselnd in die verschiedenen Bauernstuben. Im Laufe des folgenden Jahres wurden die Proben ins Schulhaus verlegt, aber der geeignete Raum war dies auch nicht. Im Jahre 1957 wurde das Musiklokal gebaut. Es gab damals keine Straße. Seilbahnen wurden eigens dafür gebaut. Fröhlich Franz, der leider schon verstorben ist, war der Baumeister in jeder Hinsicht. Sehr fleißig bei der Arbeit waren auch Johann Pfandler und Karl Ennemoser. Manche arbeiteten auch nachts durch. Im Dezember 1958 wurden nun die ersten Proben im Lokal abgehalten.

Jubiläumsaufnahme.

Manche Musikanten hatten einen weiten Fußmarsch zurückzulegen wie etwa Richard Reinstadler von Vöss und Albin Lanthaler vom Timmelsjoch. Im Laufe der Jahre wechselten die Musikanten ihre Kleidung. 1953 zum Start trug jeder seinen besten Anzug. 1956 wurde die erste Tracht angeschafft. Sie bestand aus brauner Lodenjacke mit grünem Kragen und hinten mit einer grünen Falte, einer braunen Lodenhose mit grünen Bändern in der Seitennaht, einem weißen Hemd mit grüner Krawatte. Der Hut hatte ein grünes Band mit einem schönen Gamsbart. Diese Kleidung kostete 26.000 Lire. Die Hälfte mußte jeder selber bezahlen, die andere Hälfte wurde durch Spenden gedeckt. 1961 wurde nun die Passeirer Tracht angekauft. Festreden hielten Herr Bürgermeister Karl Lanthaler, Verbandsobmannstellvertreter Luis Laimer, Landeskapellmeister Gottfried Veit, Bezirksobmann Hermann Wenter, Bezirksobmannstellvertreter und Vertreter der Passeirer Musikkapellen Paul Debastiani. Sie alle wiesen auf den Wert einer Musikkapelle in einem Dorf hin und dankten für die rege Tätigkeit und forderten alle auf, fleißig weiterzumachen. Sie erkannten alle, wie schwer es ist, in so einem kleinen Bergdorf eine Musikkapelle zu halten, da fast alle auswärts Arbeit finden müssen und nur fürs Wochenende nach Hause kommen. 2 Mitglieder der Musikkapelle wurden geehrt. Es war etwas Besonderes, denn beide konnten eine 40jährige Mitarbeit aufweisen. Es war dies der Kapellmeister Hermann Gufler und der Trommelschläger Johann Pfandler. Der Obmann überreichte ihnen eine Urkunde und ein Abzeichen und dankte ihnen recht herzlich. Weiters wurde an den Fahnen der Musikkapellen des Tales, der Fahne der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr, der (Fortsetzung

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Die Musikkapelle Rabenstein feiert ihr 40jähriges Bestehen (Fortsetzung

in Passeier

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Schützen und der Schneeberger Knappen eine Erinnerungsschleife angebracht. Zwischendurch unterhielt die Musikkapelle alle Zuhörer. Die einzelnen Musikstücke sollten die früheren Kapellmeister dirigieren. Das klappte sehr gut. Luis Gögele aus Untermais, der den Rabensteinern vor 40 Jahren das Musizieren beigebracht hatte, zeigte auch am Sonntag sein Können. Hermann Gufler, der 1. Kapellmeister Rabensteins dirigierte das Stück. das die Musikkapelle vor 40 Jahren gelernt hatte. Alle staunten über sein Können. Er bedankte sich bei allen in einer kleinen Ansprache. Auch Richard Gufler, Kapellmeister am Ende der 70er Jahre, zeigte seine Fähigkeiten. Zum Schluß bedankte sich der Obmann bei allen Ehrengästen, bei den Altmusikanten und bei der gesamten Bevölkerung und lud die Gäste zum gemeinsamen Mittagessen ein. W.G.

MusikantenWallfahrt Wenn ein 80jähriger Kapellmeister dirigiert, weil eine Musikkapelle jubiliert, dann lohnt es sich, das festzuhalten in Wort und Bild. Hermann Gufler, Gastwirt auf Saltnuß in Rabenstein, hat anläßlich des 40jährigen Bestehens der Musikkapelle von Rabenstein am Sonntag, den 4. Juli, schneidig den Taktstock geschwungen. Er ist Mitgründer der Musikkapelle und hat ihr zehn Jahre als Kapellmeister vorgestanden. Gut gelaunt und strahlenden Gesichtes stellte er sich vor die Musikkapelle, als er aufgefordert wurde, zur Feier des Tages einen Marsch zu dirigieren. »lsch dr Hermann heint zmorgits nit augiregg qiwesn?« fragte man seine Frau, die Wine. »Na, eigntlich nitte, er hot lei a poormol gfrogg: Binne asou quat?« Und strich mit ruhigen Händen über das rote Leibl der Passeirertracht. Humorvoll, wie der Hermann ist, gab er zum Schluß, als er den Taktstock wieder jüngeren Händen übergab, noch eine Episode aus seiner Musikantenkarriere zum Besten. »I will sischt nicht soqn«, sagte er, »lai seil honne enk nou giwellt drzöiln, wia's zuagongin isch, wenn mr mit dr Musig Wollfohrtn gongin sein af Trens. 'Mir miaßn Wollfohrtn gian', hot's khoaßn, 'zin Donk, daß es insr Dörfl zin ar Musigkapelle gibrocht hot!' giwesn:'Joa, seil Olle invrschtontn miaßn mr gian und seil tian mr!' Und die Instrumente hobn mr fraile mitginom-

min, seil hat ins dr Stolz nit gilott. Joa, nor isch holt dr Stubr mitn Loschtnaute kemmin und hot ins af den Grottn oubn vrfrochtit. Af Trens entn sein mr nor Kirchn gongin und drnoch holt au sr

vi dr Kirche: 'Joa, wos tian mr, spiel mr?' isch gfrogg giwortn. 'Seil joa spiel mr!' Guat gikennt hobn mr lai zwoa, seil isch dr Schneawolzr giwesn und die Förschtrliels. An drittn, 'Flott auf!' hotr khoaßn, in sem hobn mr nou nit guat gikennt. 'Joa, spieln mr holt die uan zwoa! Zeartn in Schneawolzr und nor die Förschtrliesl!' Miar holt do gspielt vor der Trensr Kirche, die Leit giloust, obr bold miar's giwesn sein, hot niamits nicht gsogg. Nicht: 'Ös kennt's guat' odr 'Ös ho pp schnaidig gspielt!'. Giklotscht hot a niamits. Kuan Mentsch a Wörtl gsogg. Nochr isch obr dr Straßr Franz vourgitretn und hot gsogg: 'Miar sein holt niamr letzrlA.L.

Verdiente Ehrung

Mit bereits 69 Jahren und nach 30 Dienstjahren trat Franz Brugger, allen wohl besser bekannt unter den Namen »Pusterer-Franz« oder »GosterhäuslFranz«, am 15. März d. J. nunmehr in den wohlverdienten Ruhestand. Bereits vom Oktober 1945 bis Juli 1947 war er erstmals im Dienste der Gemeinde Moos tätig. Nach einem Abstecher nach Fennberg, wo er als Messner tätig war, und mehreren Jahren harter Arbeit bei der Wildbachverbauung, kehrte er am 01. September 1965 in die Gemeindestube zurück. Seiner vorbildhaften Arbeit, ganz im Dienste der Bevölkerung, gebührend, wurde er am 13. März d. J. anläßlich einer kleinen Feier im Rahmen seiner Familie sowie des Gemeinderates und der Gemeindebediensteten entsprechend geehrt und verabschiedet. Bei dieser Feier wurde auch dem langjährigen Gemeindearzt Dr. Harald Mair-Egg für seine verdienstvolle Tätigkeit eine Ehrenurkunde verliehen. Franz Brugger wurde für seinen unermüdlichen Einsatz um die Belange von Bevölkerung, Dorf und Heimat, als Mitbegründer der SVP-

Ortsgruppe Moos, beim Wiederaufbau der Musikkapelle Moos und als deren langjähriger Obmann und Kapellmeister, sowie in vielen anderen gemeinnützigen Vereinen und Verbänden, am »Hochunserfrauentag« in Innsbruck die Verdienstmedaile des Landes Tirol verliehen. Wir gratulieren Dir, lieber Franz, zu dieser Auszeichnung recht herzlich und wünschen Dir noch viele gesunde und frohe Jahre. J. K.


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2. Liertner Dorffest

Ein großer Erfolg für die organisierenden Vereine und ein unterhaltsames Ereignis für die gesamte Talbevölkerung und den Gästen war das 2. Liertner Dorftest am 31. Juli und 01. August 93. Neun Vereine haben in unzähligen Sitzungen ein Festprogramm erarbeitet und alle Einzelheiten bis ins Detail vorbereitet. Und dann, am Samstag um 16.30 Uhr, waren Vertreter aus Politik und Wirtschaft eingetroffen, Musikkapelle und Trachtengruppen hatten Aufstellung genommen und das Fest begann mit einem Gewitter. Bürgermeister Konrad Pfitscher begrüßte die vielen Schaulustigen bei Wind und Regen. Nach kurzer Zeit lichtete sich der Himmel und die aufgebauten, geräumigen Holzstände füllten sich schnell mit hungrigen und durstigen Festbesuchern. Spiele und Wettbewerbe standen im Angebot und jeder bekam seine Gewinnchance. Vom Torwandschießen, Darts, Kegeln und der Modellrennbahn bis hin zur ZugRundfahrt; groß und klein, alle unterhielten sich und waren mit den Darbietungen zufrieden. Höhepunkt der Wettspiele war das Bierkrug-Stemmen. Ein beauftragter Schiedsrichter achtete genauestens darauf, daß alle Regeln eingehalten und

die Voraussetzungen geschaffen wurden, um einen neuen Ginnes Rekord im Bierkrug-Stemmen aufzustellen. Sehr starke und weniger starke Damen und Herren versuchten den Rekord zu brechen. Doch leider, es fehlten immer noch einige Sekunden. Die meisten Musikgruppen, die am Samstag Abend und den ganzen darauffolgenden Sonntag sangen und spielten, kamen aus dem Passeiertal. Die Duo's und Trio's, sowie die größeren Kapellen und die Böhmische wußten zu überzeugen und spielten zur Unterhaltung auf. Verschiedene fein zubereitete Fleischund Fischgerichte, Salate, Gegrilltes und Würste wurden kredenzt und eine große Auswahl an verschiedenen Ge-

tränken angeboten. Sogar Bauernbrot, Krapfen und Strauben wurden gebacken. Der finanzielle Aufwand war groß, doch im Verhältnis zum Vorjahr konnten auch weniger Vereine (heuer 9 Vereine, voriges Jahr 14) die Ausgaben abdecken und einen Erlös für die Vereinskasse erwirtschaften. Ein schönes Stück Arbeit, wenn von jedem beteiligten Verein nur eine geringe Personenzahl bei den Vorbereitungen, der Durchführung und den Aufräumarbeiten mitwirken und zu einem erfolgreichen Abschluß gelangen. Und jeder von ihnen war mit vollem Einsatz dabei, weil bereitwillige Unterstützung von Außenstehenden angeboten wurde. Die Verantwortlichen des 2. Liertner Dorftestes möchten diese Gelegenheit nützen und den Sponsoren für die großzügigen Beiträge herzlich danken. Ein Dankeschön allen Behördenvertretern für die gute Zusammenarbeit vor und während der Veranstaltung. An alle Anrainer und Bewohner der Kohlstatt, an den ausgewiesenen Parkplätzen und in den verkehrsreichen und lauten Dorfbereichen sei für das Verständnis ein besonderer Dank gerichtet. Den Veranstaltern ist bewußt, daß bei aller Geselligkeit vor der Haustür die Ruhe im Haus bzw. in der Familie bei Tag und Nacht gestört war. Nicht zuletzt sei den hunderten von freiwilligen Mitarbeitern gedankt, die keine Mühe scheuten und zu jeder Tages- und Nachtzeit im Einsatz standen. Aber nur durch diesen engen Zusammenhalt ist es möglich, solche Feste zu feiern und bis zum 3. Liertner Dorftest ist allen eine Verschnaufspause gegönnt, damit im Herbst dieses Jahres mit den ersten Vorarbeiten zum neuen Passeirer Großereignis begonnen werden kann.


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Einweihung der Gerätehalle in St. Leonhard

(Aufnahme:

Endlich war es soweit! Nach vielen Jahren der Planung und Arbeit fand am 29. August die Einweihung statt, fanden die 3 Rettungsdienste Feuerwehr, Weißes Kreuz Passeier und Bergrettung ihren endgültigen Sitz. Bisher waren sie eher schlecht als recht untergebracht und darum hatte die Gemeindeverwaltung im Jahre 1987 dem Ingenieurbüro Unterberger aus Meran den Auftrag erteilt, für alle 3 Rettungsdienste eine Unterkunft zu planen. Die eigentlichen Bauarbeiten begannen im September 1990, wobei der Spielplatz des Kindergartens abgetragen wurde. In der folgenden Zeit hatten der Kindergarten keine Spielwiese und die Anrainer den Baulärm, ertrugen es aber mit Geduld. Im Zuge der Bauausführungen tauchten viele Fragen auf und oft mußten auch Erkundungsfahrten durchgeführt werden, selbst ins Ausland. An den wöchentlichen Bauleitungsgesprächen mit Herrn Ing. Josef Oberhofer nahmen deshalb neben dem Bürgermeister Konrad Pfitscher und dem Assessor Hans Haller fast immer die Hauptleute Michael Schwarz, Gottlieb und Hansjörg Oberprantacher sowie Albert Zipperle teil, ohne Rücksicht auf die Arbeitszeit, die sie verloren. Es hat sich aber gelohnt, es wurde ein Gemeinschaftswerk, dem sie alle, auch die Vereinsmitglieder ihren Stempel aufgedrückt haben. Das Gesamtbauwerk umfaßt etwa 4500 m3 und eine Fläche von 830 m'. Die Halle, etwa 500 m' groß, weist 8 Zufahrtstore auf, 3 stehen dem Weißen Kreuz, 5 der Feuerwehr zur Verfügung. In den 2 Ecktürmen mit jeweils etwa 150 m' haben die 2 Dienste ihre Mannschaftsräume, Büros, Einsatzzentralen und Schlafräume. Außerdem steht der Bergrettung ein Raum mit etwa 25 m' zur Verfügung, den diese fantasievoll als Sitzungsraum, Trainigszen-

Foto Stasehitz)

trum und Lager ausgebaut haben. Die Gesamtkosten belaufen sich auf etwa L. 1,8 Milliarden, die Einrichtung haben die 3 Dienste selbständig geplant, durchgeführt und sich um die Finanzierung gesorgt. Um 8.00 Uhr marschierten die Musikkapelle, die Ehrengäste sowie die 3 Vereine mit allen Abordnungen zur Halle, wo Dekan Dr. Ulrich Gasser die HI. Messe feierte, eingerahmt von den Fahnen, den fast 200 Vereinsmitgliedern, sehr vielen Bürgern und begleitet von der Musikkapelle Andreas Hofer. Er segnete die Gerätehalle und hob hervor, daß jeder Mensch Verantwortung trägt für seinen Mitmenschen und dies die Rettungsvereine beispielhaft tun. Danach hieß Bürgermeister Konrad Pfitscher alle Bürger, Vereinsmitglieder und Ehrengäste herzlich willkommen, besonders aber den Landeshauptmann Dr. Luis Durnwalder, den Landesrat Franz

Alber, den Vertreter des Landesrates Dr. Otto Saurer, Herrn Eisendie, den Präsidenten der Bezirksgemeinschaft Ignaz Ladurner, den Bürgermeister von Moos Karl Lanthaler und den Vizebürgermeister von St. Martin Harald Haller, den Gemeinderat und den Ausschuß mit Vizebürgermeister Josef Gögele und dem Sekretär Siegfried Pfeifer an der Spitze und den 2. Bürgermeister der Partnergemeinde Fuchsmühl Alois Mayerhofer mit der Gemeinde- und Feuerwehrvertretung, den Leiter des Zivilschutzamtes Ing. Elmar KnolI, Dr. Blaas und Herrn Burgmann von der Forstverwaltung, den Bauleiter Ing. Josef Oberhofer, den Bezirksfeuerwehrpräsidenten Hubert Eisendie, die Partnerwehr Friesenhofen und die 6 Abordnungen aus dem ganzen Passeiertal, Herrn Furlan von der Landesleitung des Weißen Kreuzes, mehrere Sektionsleiter, die Vertreter von Carabinieri- und Finanz, den Obmann Dr. Siegfried Innerhofer und den Geschäftsführer Toni Kofler von der Raika, den Landesleiter der Bergrettung Sepp Hölzl und alle Vertreter der am Bau beteiligten Firmen. Er dankte herzlich dem Landeshauptmann, den Landesräten Alber und Saurer sowie der Bezirksgemeinschaft und der Gemeinde für ihre Beiträge, den Firmen Normbau, Profilbau, Pramstaller, Finstral, Johann Hofer, Martin Praxmarer, Hans Alber, Pfitscher Türen, Edilvar, Luis Reiterer, Othmar Pixner und Karl Eschgfäller für die gediegene Arbeit und stellte mit Freude fest, daß soviele einheimische Firmen zum Zuge gekommen waren. Er dankte allen für die Mitarbeit und Hilfe und sprach den Wunsch aus, daß hier ein Ort der Zusammenarbeit entstehe zwischen Feuerwehr, Weißem Kreuz, der Bergrettung und der Bevölkerung. Anschließend dankte der Feuerwehrhauptmann Michael Schwarz seinen Leuten und der Raika Passeier für die großzügige Einrichtung des Schulungs-

(Aufnahme:

Foto Stasehitz)


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zentrums, dem Obmann des Weißen Kreuzes Gottlieb Oberprantacher dem Landesrat Dr. Otto Saurer und den 3 Gemeinden des Tales für ihre Beiträge und genauso wie sein Vorredner und der Bergrettungsobmann Hansjörg Oberprantacher der Gemeindeverwaltung von St. Leonhard. In der Folge überreichten die Partnerwehren Gastgeschenke und die Feuerwehr Friesenhofen ernannte Herrn Matthias Raffl und Josef Ennernoser zu Ehrenmitgliedern der Feuerwehr, bevor der Landeshauptmann die Festrede hielt. Er bezeichnete es als beispielgebend, die 3 Rettungsdienste an einern Ort zusarnmengefaßt zu haben, lobte den größtenteils unterirdischen Bau, wodurch Grund gespart wurde und vor allem die Zusamrnenarbeit. Südtirol werde von Restitalien um seine Vereine, beson-

ders die freiwilligen Rettungsdienste beneidet, er selbst habe bei seinem Unfall auf der Autobahn keine 2 Minuten auf das Rettungsfahrzeug warten müssen. Er dankte allen Mitarbeitern und auch deren Frauen für ihren Einsatz und Idealismus genauso wie der Bürgermeister, der als Beispiel des Einsatzes erzählte, daß einige Feuerwehrleute die ganze Nacht über den alten Jeep auseinandergebaut, gespritzt, lackiert und wieder zusammengebaut hatten. Anschließend fanden sich alle, Bürger wie Ehrengäste, im Vereinssaal zusammen zu einem ausgezeichneten Buffet und Umtrunk, es wurde für die ganze Dorfgemeinschaft zu einem kleinen Fest, ein Ausdruck der Zusammengehörigkeit im Arbeiten und Feiern. K.P.

Tal-Gemeinschaftsübung

Die Freiwillige Feuerwehr St. Martin/Passeier organisierte am 21.05.93 eine Gemeinschaftsübung, an der folgende Wehren beziehungsweise Rettungsorganisationen teilnahmen: F.F. Saltaus, F.F. St. Leonhard, F.F. Walten, F.F. St. Martin, sowie BRD St. Martin, BRD St. Leonhard und Rettungsdienst Weißes Kreuz St. Leonhard. Als Übungsort diente die Tischlereigenossenschaft »Passeier«, wobei starke Rauchentwicklung simuliert wurde, demzufolge zwei flüchtende Personen über eine unterhalb gelegene, hohe Mauer gestürzt waren und geborgen werden mußten. Die Gesamtleitung der Übung oblag dem Kommandanten der F.F. St. Martin Franz Gufler; Bezirkspräsident Hubert Eisendie und Abschnittsinspektor Anton Platter verfolgten aufmerksam den Übungsablauf. Insgesamt waren 78 Wehrmänner mit 10 Fahrzeugen am Übungsort im Einsatz. Um 19.57 Uhr wurde in St. Martin der Alarm ausgelöst und ein Tanklöschfahrzeug mit 2 Atem-

schutzträgern und weiteren 13 Mann fand sich um 20.02 Uhr am designierten Unglücksort ein. Die der Reihe nach eintreffenden Rettungsmannschaften wurden unverzüglich und zielorientiert eingesetzt. Erschwert wurde das ganze Unterfangen durch eine unvorhergesehene Funkstörung, die den gesamten Funkverkehr lahmlegte. Hierbei wurde besonders deutlich, welch unverzichtbare Hilfe das Funkgerät im modernen Feuerwehrwesen darstellt. Weitere Notizen zum technischen Ablauf: Um 20.22 Uhr konnte ein am Fuß Verletzter aus der Fertigungshalle geborgen werden. Um 20.45 Uhr wurde ein zweites, von Rauchvergiftung bedrohtes Opfer in Sicherheit gebracht. Die bei den Absturzopfer an der Mauer konnten vom BRD um 20.43 Uhr beziehungsweise 20.51 Uhr aus ihrer mißlichen Lage befreit werden und wurden vom Weißen Kreuz umgehend erstversorgt. Um 20.46 Uhr konnte, nachdem das Feuer eingedämmt worden war, »Was-

ser haltl- gegeben werden. Nachdem die Übung letztendlich zur Zufriedenheit aller verlaufen war, konnte man zum gemütlichen Teil in Form einer stärkenden Jause übergehen. F.F. St. Martin G. K.

Geschäftsauflassung nach 49jähriger Tätigkeit

Das Konfektionsgeschäft »Urso- in St. Leonhard hat Ende 1992 nach 49 Jahren tüchtiger Arbeit geschlossen. Der Inhaber des Geschäftes Herr Biagio Urso zog im fernen Jahre 1932 von der sizilianischen Insel nach Trient, um dort den Beruf des Schneiderns zu erlernen. Nach weiteren 3 Jahren siedelte er nach Bozen um, wo er seine heutige Ehefrau Maria Auer kennenlernte, die er noch während des 2. Weltkrieges heiratete. Am 8. September 1943 zogen sie nach St. Leonhard. Dort eröffnete Biagio eine Schneiderei und stellte 5 bis 6 Lehrlinge ein. Trotz der harten Kriegszeit und der wirtschaftlich schwierigen Zeiten hatte er den Mut, im Jahre 1956 ein Konfektionsgeschäft zu eröffnen. Er arbeitete täglich bis spät in die Nacht, nichts wurde dem Zufall überlassen, und das Geschäft blühte. Die Schneiderei und das Konfektionsgeschäft gehörten zu den ersten dieser Branche im Passeiertal und bildeten, über Jahrzehnte, einen Bestandteil der Kohlstatt und der einheimischen Wirtschaft. Schon bald holte sich der feinfühlige Sizilianer die Sympatie zahlreicher Passeirer und fühlte nicht mehr die weite Entfernung von zu Hause. Unermüdlich und mit großem Fleiß arbeiteten Maria und Biagio in ihrem Geschäft bis im Dezember 1992 um es dann nach 49 Jahren endgültig zu schließen. Sie werden dem ganzen Tal, und darüber hinaus in guter Erinnerung bleiben. In einigen Monaten wird die Familie Urso ihre zweite 50-jährige Feier begehen. Vor zwei Jahren hatten sie das große Glück ihre goldene Hochzeit zu feiern, heuer wird Biagio sein halbes Jahrhundert im Passeiertal feiern können. Dazu gratulieren ihm alle, die ihn kennen und schätzen gelernt haben recht herzlich und wünschen ihm noch viele gesunde und glückliche Jahre an der Seite seiner Ehefrau. S. R.


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Neues Müllsammelsystem? Seit Jahren versucht man allgemein, die Müllmenge zu verringern und die Kosten gerechter zu verteilen, da bisher nach dem Staatsgesetz nur die Fläche (der Wohnung, der Hotels ....) und nicht die Müllmenge zur Berechnung herangezogen wurde. Um einer Lösung näher zu kommen, haben die Ausschüsse der 3 Gemeinden des Tales ein Gremium gebildet, das Vorschläge ausarbeiten soll, wobei die Mitarbeit aller Bürger und Verbände Voraussetzung ist und die Gemeinderäte auf jeden Fall darüber zu entscheiden haben. Zur Diskussion steht folgender Vorschlag: - Die Berechnung nach der Fläche wird auf 50% reduziert. - Die restlichen Kosten zahlt jeder nach der Müllmenge, die er abgibt; dazu aber müssen alle Müllcontainer von den Straßen entfernt werden. Großbetriebe können einen der bisherigen Müllcontainer behalten, müssen ihn aber auf ihr Grundstück stellen und schieben ihn an die Sammelstelle, wenn er geleert werden soll. Jede Leerung wird verzeichnet und am Jahresende wird nach der Anzahl der Leerungen verrechnet. Haushalte hingegen erhalten von den Gemeinden biologisch abbaubare Plastiksäcke in der Größe 20/40/80 Liter. Nur in diesen Säcken darf in Zukunft der Müll an die Sammelstellen (meist wo heute der Container steht) gebracht werden, wobei jedem Haushalt der Tag und der Zeitpunkt der Sammlung mitgeteilt wird und der Müllsack frühestens am Abend vorher an der Sammelstelle abgelegt werden darf. Diese Plastiksäcke muß jeder Bürger in den Gemeinden abholen. Da am Anfang die Gefahr besteht, daß deswegen Müll wild oder in anderen Säcken abgegeben wird, schätzen die Gemeinden den Bedarf an Säcken jeder Familie nach der Zahl der Familienmitglieder und geben am Jahresanfang die Hälfte oder etwas mehr an jede Familie aus. Diese Säcke werden mit der Müllgebühr einkassiert. Wer nun Müll spart oder wer kompostiert, kommt vielleicht damit aus, jeder andere muß in der Gemeinde Säcke nachkauten. Damit wird die Bedeutung der Kompostierung und Mülleinsparung auch für die Geldtasche klar. - Heute zahlt man nach der Fläche, wobei etwa Haushalte, Hotels, Geschäfte usw. verschiedene Beträge pro m' zahlen. Bei der Festlegung dieser Quadratmeterbeträge hat man sich auf Schätzungen verlassen müssen, viele glauben sich falsch eingestuft. Nun könnten die Gemeinden nach der Zahl der Leerungen der Betriebscontainer und der ausgegebenen Säcke diese Kategorien neu einteilen und damit auch die Berechnung nach der Fläche gerechter gestalten. - Wertstoffe können getrennt und ko-

stenlos abgegeben werden. Wie bisher bleiben die bekannten Glocken für Glas und Papier an den bisherigen Orten. Für die weiteren Wertstoffe wie Alteisen, Karton, Papier (größere Mengen), Glas (größere Mengen), Giftstoffe, Kühlschränke, Elektromüll, Plastik (bestimmte Arten) wird zur Zeit in der Mülldeponie ein Recycling Hof errichtet, der zu den üblichen Öffnungszeiten zugänglich ist. Handwerker etwa können dort Gift- und Sondermüll gegen Empfangsbestätigung und Zahlung bei der beauftragten Firma abgeben. Wegen der Entfernung wird zusätzlich in St. Leonhard und Moos jeweils ein Mini-Recyclinghof errichtet. Es sind dies Container der Größe etwa 6 x 2 x 2 m mit mehreren Abteilen, wo unter Aufsicht und zu bestimmten Öffnungszeiten Glas, Papier, Karton, Alteisen, Plastik und eventuell andere Wertstoffe abgegeben werden können.

- Die Giftmüllsammlung wird wie bisher fortgesetzt. - Grünmüll (Garten- und Heckenschnitt usw.) soll ebenfalls getrennt verwertet werden. Überlegt wird, am alten Standort der Kläranlage beim Kalmbach eine Sammelstelle einzurichten, um Privaten ausgelieferten den vom Grünmüll aufzuhäckseln und mit dem. anfallenden Klärschlamm zu kompostieren. - Sperrmüll soll weiterhin jährlich 2 mal gesammelt werden, bis ein besseres System dafür gefunden wird. - Für Küchenabfälle wird später eine Lösung gesucht. Haushalte aber sollten kompostieren (das Land zahlt über die Gemeinde die Hälfte der Komposter), Gastbetriebe könnten wie in Ulten mit einem Bauern ein Abkommen schließen. Über das neue Müllsammelsystem ab 01.01.1994 werden die Gemeinderäte zu entscheiden haben. Dabei wird der einzelne Bürger vielleicht nicht unbedingt billiger davonkommen, aber jeder wird gerechter nur für den Müll zahlen, den er abliefert und somit auch überlegen, wie er Müll bereits beim Einkauf spart oder wie er ihn etwa durch Kompostieren verringern kann. Außerdem sollte man beachten, daß das Dorfbild aufgewertet wird, wenn die nicht unbedingt schönen Müllcontainer aus der Straße verschwinden. Es wird noch viel Aufklärung brauchen und ebenso die Unterstützung der Bürger und Verbände, um dem Ziel näher zu kommen, Müll zu vermeiden wo möglich und zu verwerten was verwertbar ist. K. P.

Entsorgung von Tierkadavern Seit dem Jahr 1992 werden Tierkadaver auf telefonischen Anruf hin von einer spezialisierten Firma abgeholt (in Passeier bisher 74). Da dies aber nicht immer zeitgerecht möglich ist, hat man nach einer Möglichkeit der Zwischenlagerung gesucht. In Zusammenarbeit zwischen Viehzuchtverbänden, Bezirksgemeinschaft, Tierärztlichem Dienst und Gemeinden wird nun auf der Mülldeponie ein Kühlcontainer aufgestellt mit einer Innentemperatur von etwa -5 Grad. Wenn ein Tier verendet, muß der Besitzer den Amtstierarzt Dr. Marsoner mit Sitz in St. Leonhard und Telefon Nr. 656219 anrufen, der den Kadaver freigibt oder besichtigt. Kühen oder Pferden über 150 kg muß der Besitzer vorher den Pansen- und Darminhalt entleeren, da die Pansengärung eine Aufbewahrung unmöglich macht wie auch jede Verwertung. Kleinere Tiere wie Schweine, Ziegen oder Schafe können so angeliefert werden. Für die Ablieferung 'in der Mülldeponie muß vorher ein Termin telefonisch bei Herrn Haller Albert, Buchenegghof, Telefon 641044 oder in dessen Abwesenheit in der Gemeinde St. Leonhard, Telefon 656113 vereinbart werden.

Auch in diesem Fall kann nicht sofort angeliefert werden, sondern nur nach dem von der Deponieverwaltung vorgeschlagenen Termin, da die Deponie aus Kostengründen nicht ständig besetzt ist. Es ist strengstens verboten, Tierkadaver vor der Deponie abzulagern; solche Vergehen werden zur Anzeige gebracht. Bei Ubergabe des Kadavers ist der festgelegte Tarif zu entrichten, der Deponiewärter stellt eine Zahlungsbestätigung aus und nimmt das tierärztliche Zeugnis entgegen. Für die Entsorgung gelten folgende Tarife: Landwirtschaftliche Nutztiere unter 100 kg L. 10.000 über 100 kg L. 15.000 Nicht landwirtschaftliche Großtiere: L. 200.000 Falls Verbrennung erforderlich, zusätzlich L. 50.000 Die Entsorgungsfirma holt später die Kadaver ab. Auf jeden Fall kann dieser Dienst nur dann reibungslos verlaufen, sofern alle Beteiligten mitarbeiten.


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Passeirer Blatt / September 1993

Videos in der Bibliothek St. Leonhard Seit kurzem bietet die Öffentliche Bibliothek St. Leonhard neben Büchern, Zeitschriften, Spielen, Musikkassetten und Compact-Discs auch Videofilme zum kostenlosen Verleih an. Während der eine diesen Zeitpunkt kaum noch erwarten konnte, schüttelt der andere nur mißmutig den Kopf: Videos in der Bibliothek - ein absolutes Muß für ein zeitgemäßes Angebot oder ein überflüssiger Luxus? Beide Positionen, so scheint mir, werden der Sache nicht gerecht. Die Videokassette zum Ausleihen ist ein noch relativ wenig verbreitetes Medium in Südtiroler Bibliotheken, und seine Präsenz in den Büchereien ist zugegebenermaßen nicht ganz unproblematisch. Daß die »Flirnrnerkiste« als Unterhaltungsträger dem geschriebenen Wort längst den Rang abgewonnen hat und der zunehmende Fernsehkonsum zu einem wesentlichen Teil für den Verfall der Lesekultur verantwortlich gemacht werden kann - darüber gibt es keinen Zweifel. Nun - so wird sich mancher fragen ist es angesichts dieser Tatsache nicht gerade Aufgabe der Bibliothek, diesem Phänomen so weit als möglich entgegenzuwirken? Videofilme und Bibliothek - wie paßt das zusammen? Ich glaube, es paßt durchaus zusammen, wenn man sich ein Grundkonzept überlegt hat und nach diesem die Video-Ecke innerhalb der Bibliothek aufbaut. Wir haben nämlich nicht vor, eine »Videothel« im herkömmlichen Sinne einzurichten, die allen »Geschrnäckerngerecht werden will und damit wahllos vollgestopft wird. Abgesehen von den stattlichen Kosten einer qualitativen Videokassette, läge dies wohl kaum im Sinne einer öffentlichen Bibliothek. Vielmehr sind wir bestrebt, gezielt Filme, vorwiegend Dokumentar- und Sachfilme für alle Altersstufen, als sinnvolle Ergänzung zum Buchbestand anzubieten. Somit soll - dem Zeitgeist entsprechend - einerseits dem Bildungs-, andererseits dem Unterhaltungsbedürfnis Rechnung getragen werden. Weiters wartet die Öffentliche Bibliothek von St. Leonhard mit Literaturverfilmungen und einigen Klassikern in der Filmgeschichte, Musikfilmen und praktischen Ratgeberfilmen (Biologisches Gärtnern, Tanzkurs ...) auf. Wer bei uns allerdings den neuesten Kino-Hit sucht, den müssen wir leider enttäuschen ... In Konkurrenz zum Buch sollen die Videofilme auf keinen Fall treten: Die Auswahl ist bewußt begrenzt und (da sind wir wieder beim Buch!) eben er-lesen ... Übrigens: Bis Ende September läuft in unserer Bibliothek eine Buchausstellung zu den Themen Landwirtschaft, Gartenbau, Viehzucht, Jagd und Fischerei

Darunter befinden sich spezielle Fachbücher für »lnsider«, aber auch Literatur für Hobbygärtner, Tierfreunde u.ä. Ein kleiner Vorgeschmack an Titeln: * Handbuch für Reparaturen an Landmaschinen und Traktoren * So entsteht ein Bio-Garten * Veredeln leicht gemacht * Obstbaumschnitt * Richtig düngen * Handbuch der praktischen Fütterung von Rind, Schaf, Pferd * Imker-Praxis * Der bäuerliche Weinkeller, Weinbereitung und gesetzliche Bestimmungen

* Fischerprüfung * Das praktische

leicht gemacht Handbuch der Jagd-

kunde und ... und ... und ... Nicht genug? Es lohnt sich, bei uns vorbeizuschauen! Für jene, die sich für den Kauf der Bücher interessieren, liegen Literaturlisten mit Preisangaben auf. Öffnungszeiten Dienstag: Donnerstag: Freitag: Sonntag:

der Bibliothek: 15.30 17.00 15.30 09.45

- 18.30 -18.30 - 18.30 - 10.45

Uhr Uhr Uhr Uhr

Greti Khuen

Die Jugend von Rabenstein hat nun einen Jugendraum Schon seit längerer Zeit suchte die Jugend des Dorfes nach einem passenden Aufenthaltsraum. Pfarrer Josef Haas deutete auf einen freien Raum im Widum hin. Der Pfarrgemeinderat und auch die Jugend waren damit einverstanden. Mit Unterstützung der Gemeinde und vielen freiwilligen Arbeitsstunden von seiten der Jugendlichen wurde ein recht freundlicher Raum geschaffen. Im März 1993 kam es dann zur Einweihung, die der Diözesanjugendseelsorger Toni Fiung vornahm. Er wies in der Ansprache daraufhin, daß es wichtig ist, Orte zu haben, wo sich die Jugend treffen kann, wo sie reden, Gemeinschaft pflegen und arbeiten kann. Die gesamte Pfarrgemeinde wünscht der Jugend viel Freude am Arbeiten in diesem Raum. W.G.


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Aus der Gemeindestube

St. Leonhard

Ratssitzung vom 08.06.1993

- Der Gemeindebauleitplan wird in einigen Punkten abgeändert:

Eintragung des Abwassersammelkanales Moos - St. Leonhard, Neuabgrenzung der Wohnbauzone Schweinsteg samt Eintragung der entsprechenden Zufahrtsstraße;

- Eine Konvention zwischen den 3 Gemeinden, betreffend die Herausgabe des Passeirer Blattes, wird abgeschlossen; - Die Beteiligung der Gemeinde an der ECO-Center-AG sowie die Zeichnung von Aktien in der Höhe von 8,8 Mio. Lire wird beschlossen (Hauptaufgabe Abfallentsorgung);

Ratssitzung vom 29.06.1993

- Das Verzeichnis der Empfänger von Gemeindebeiträgen (für das Präsidium des Ministerrates in Rom) wird genehmigt; - Der allgemeine Arbeitsplan für die öffentlichen Arbeiten im Gemeindegebiet wird ergänzt;

- Das Ausführungsprojekt für die Sanierung der Stützmauer oberhalb der Kreuzung Jaufenstraße-Mooserstraße (Gefahr, daß sie herunterstürzt) wird genehmigt (92 Mio.);

- Das Ausführungsprojekt für die Sanierung und Erweiterung der Grundschule Walten wird genehmigt (Arch. Paul Gamper - Baukosten 1,476 Mrd.), ebenso das Projekt für die Heizungsanlage und die Elektroinstallation;

- Die Abänderung zum Gemeindebauleitplan, welche die Ausweisung eines Golfplatzes beinhaltet, findet nicht die erforderliche absolute Mehrheit und wird abgelehnt.

Aus der Gemeindestube

St. Martin

Bau der neuen Mittelschule:

Die Planungs- und Genehmigungsphase ist abgeschlossen. Am 23. August wurden die Erd- und Außengestaltungsarbeiten sowie die Maurerarbeiten (ca. 1,4 Milliarden) ausgeschrieben. Die Vergabe der Arbeiten ist auf den 15. September angesetzt. Der Voraussichtliche Baubeginn erfolgt im Oktober 1993. Bau der Trinkwasserleitung mar:

von Valt-

Die Arbeiten zum Bau der Trinkwasserleitung von Valtmar wurden mit dem ersten und zweiten Baulos bereits am 16. August begonnen. (1. Baulos: PlattZorn, ca. 900 Mio,; 2. Baulos: Zorn-Saltaus, ca. 1,2 Milliarden.) Gleichzeitig hat die Gemeinde zwei Projekte in Auftrag gegeben, welche die Trink- und Löschwasserversorgung in den Bereichen Breiteben und Flon endgültig sichern sollen. Feuerwehrhalle

St. Martin:

Wie bekannt, bestand schon seit längerer Zeit der Plan, die Feuerwehrhalle in St. Martin nordseitig zu erweitern. Die Planungsarbeiten dazu waren schon sehr weit fortgeschritten. Es stellte sich jetzt jedoch heraus, daß die bestehende Feuerwehrhalle aufgrund verschiedener Material- und Berechnungsfehler stark einsturzgefährdet war, sodaß eine Sanierung und Erweiterung nicht in Frage kommt. Aus diesem Grund bietet sich jetzt als Ausweg nur mehr ein Neubau an, für welchen der Landeshauptmann bereits die höchstmögliche Finanzierung zugesichert hat. Im Augenblick stellt sich die Frage nach einem neuen Standort. da der jetztige für einen normgerechten Neubau nicht ausreicht. Gehsteig Feldbauernweg:

Das Projekt für einen Gehsteig im Feldbauernweg (130 Mio.) wurde mit einem 18%-igen Abschlag vergeben. Baubeginn ist der 1. September 1993. Hangsicherung

Riederberg:

Das Projekt für die Hangsicherung an verschiedenen Örtlichkeiten des Riederberges wurde ausgearbeitet und genehmigt. Die Kosten belaufen sich auf 360 Millionen und werden größtenteils vom Amt für Zivilschutz übernommen. Neubau des Altersheimes: Für den Neubau des Altersheimes in der zentralen und optimalen Lage zwischen Widum und Garberweg wird ein öffentlicher Architektenwettbewerb ausgeschrieben, welcher auch die Neugestaltung des anschließenden Parkplatzes im Dorfzentrum beinhaltet. Neben dem Altersheim sollen in diesem Bereich auch Altenwohnungen und das Arztambulatorium neu errichtet werden. Fußgängerbrücke

über das Haslertal:

Das Projekt dieses kleinen, jedoch für die Sicherheit der Fußgänger sehr wichtigen Bauwerkes wurde genehmigt, und die notwendigen Gutachten von ANAS und Wildbachverbauung sind eingetroffen. Die Brücke wurde bereits vergeben und wird bis Schulbeginn realisiert sein. Nord- und Südeinfahrt des Dorfes: Wie bereits berichtet, wurde Ing. Gretzer mit der Planung der Nord- und Südeinfahrt beauftragt. Er hat mittlerweile eine Studie vorgelegt, welche auch von

der ANAS für technisch durchführbar befunden wurde. Ein großes Problem stellt jedoch derzeit die Finanzierung dar, welche allein auf die Gemeinde zurückfallen würde. In dieser Sache wurde auch bereits beim Landeshauptmann vorgesprochen, welcher darauf verwies, daß es sich in den nächsten Monaten entscheiden würde, ob das Land die Straße ins Passeier übernehmen könne. Sollte dies der Fall sein, wäre für diese wichtigen Bauvorhaben ein angemessener Landesbeitrag möglich. Gasleitung ins Passeier:

Im Auftrag der Bezirksgemeinschaft hat die beauftragte Gasfirma bereits ein Projekt für die überörtliche Gasleitung ausgearbeitet, sowie ein Vorprojekt für die Hausanschlüsse im Dorf und in den größeren Fraktionen und Häusergruppen. Der zuständige Bauleiter, Ing. Zipperle, wird in nächster Zeit dieses Vorprojekt auf einer Bürgerversammlung allen Interessierten vorstellen und auf deren konkrete Fragen antworten. Nach den Angaben des Bauleiters ist bereits im nächsten Jahr mit dem Baubeginn der Bauarbeiten zu rechnen.

Aus der Gemeindestube

Moos

Ratssitzung vom 22.04.1993:

- Für den Bau der Kanalisierung und des Hauptsammlers in Stuls wurde das Ausführungsprojekt sowie der Finanzierungsplan mit einer Gesamtsumme von Lire 519.000.000.- genehmigt. - Die Rechnungslegungen 1992 und die Haushaltsvoranschläge 1993 der Freiw. Feuerwehren von Moos, Platt und Rabenstein wurden genehmigt. - Die Ausschreibung folgender Arbeiten wurde beschlossen: - Erweiterung der Trink- und Löschwasserleitung in Platt; - Elektrifizierung

des Lazinserhofes;

- Hochwasserschutz und hangsanierung in Ulfas;

Rutsch-

- Für den Bau des Abwasserkanals Moos, Platt, Stuls - St. Leonhard wurde das Projekt und der Finanzierungsplan mit Gesamtkosten von Lire 1.300.000.000.- genehmigt. Ratssitzung vom 25.05.1993: - Für eine Wasserableitung aus der Passer zwecks Stromerzeugung wurde an Dr. Ing. Pohl und Dr. Ing. Starni ein Projektauftrag erteilt. - Die Abschlußrechnung 1992 wurde mit einem Verwaltungsüberschuß von Lire 475.000.000.- genehmigt.


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Passeirer Blatt / September 1993

- Als Vertreter des Tourismusvereins in der Gemeindebaukommission wurden Kuprian Vigil als effektives Mitglied und Lanthaler Johann als Ersatzmitglied ernannt. Ratssitzung vom 28.06.1993:

- Der Skilift Pfelders GmbH wurde ein außerordentlicher Beitrag von Lire 50.000.000.- gewährt.

- Für den Bau der Kanalisierung Zeppichl - Pfelders wurde für die Fa. DE.CO.BAU die Endabrechnung mit Lire 216.000.000.- genehmigt. Für das 1. strukturen rungszone Fa. Anton

Baulos zum Bau der Infraaußerhalb der Erweitein Pfelders wurde für die Maier die Endabrechnung

mit Lire 164.341.000.-

genehmigt.

- Der Monatsbeitrag für den Besuch des Kindergartens im Schuljahr 1993/94 wurde mit Lire 40.000.- für das 1. Kind und mit Lire 35.000.- für das 2. Kind derselben Familie festgelegt.

Für den Bau eines Wasserkraftwerkes am Schneebergbach wurde ein Grundsatzbeschluß gefaßt, welcher neben der Beteiligung der Rabensteiner Bevölkerung Mehrheitsanteile der Gemeinde vorsieht.

- Durch die Abänderung des Art. 15 der Durchführungsbestimmungen zum Bauleitplan wurde die Baumassendichte in der A-Zone in Moos von 2 auf 2,2 m3/m' erhöht.

1. Beach-Volleyballturnier in St. Leonhard: Ein voller Erfolg Die Sektion Volleyball im SC Passeier hat vor kurzem auf dem Trainingsplatz in St. Leonhard im Rahmen der 25-Jahrfeierlichkeiten ein Beach-Volleyballturnier organisiert. Das Turnier wurde, wie ausgeschrieben, mit 32 Dreierteams (aus ganz Südtirols und 2 Teams aus der Provo TN) abgewickelt. Das schöne Wetter trug natürlich wesentlich zu einer angenehmen »Strandstirnrnunq« bei und ließ auch die Beach-Party zu einem schönen Erlebnis werden. Bei guter Stimmung konnte das Turnier am Sonntag fortgesetzt werden, um dann mit dem Finale zwischen den bei den Mannschaften aus Bozen: Poli, Poli, Poli und Adavalkii und dem Sieg der ersteren Mannschaft auszuklingen. Leider ging ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt ein Platzregen über St. Leonhard nieder. Dennoch harrten die vielen Zuschauer aus und sahen ein hochklas-

Schwimmtalent Patrick Königsrainer

siges und spannendes Spiel. Bei der Siegerehrung, die kurzfristig in das nahe gelegene Schwimmbad verlegt wurde, lachte schon wieder die Sonne. In Anwesenheit des Sportclub-Präsidenten, Holzknecht Elmar, des Vizepräsidenten Gufler Thomas und des Bürgermeisters Dr. Konrad Pfitscher konnten die Ausschußmitglieder der Sektion Volleyball allen Mannschaften eine kleine Aufmerksamkeit mit auf den Heimweg geben. Viele Teilnehmer äußerten die Hoffnung, daß diese Veranstaltung, nicht erst in 25 Jahren ihre nächste Auflage erfährt. Abschließend sei noch hervorgehoben, daß das Turnier in dieser Form nur durch die tatkräftige Mithilfe der Firma Schiefer Alfred, Schotterwerk, durchgeführt werden konnte. Dafür sei ihr an dieser Stelle ein besonderer Dank ausgesprochen. A. H.

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Patrick Königsrainer, 14 Jahre alt, wohnhaft in St. Leonhard, Im Schaffeid 15, fährt mit dem Linienbus in Richtung Meran. Seit 1990 ist es für ihn Routinesache, im Winter einmal und in den Sommermonaten täglich zweimal das Schwimmtraining des SC Meran - Sektion Schwimmen - mitzumachen. Vormittags von 8.30 bis 12.30 Uhr, und am Nachmittag von 17.00 - 19.00 Uhr wird hier hart gearbeitet. »Wenn man bei Meisterschaften vorne mitmischen will, dann muß man das in Kauf nehmen; bei der großen Konkurrenz wird einem nichts qeschenkt«, meint Patrick. Aber die Mühe lohnt sich: 1992 hat er sich in fünf Schwimmdisziplinen (200 m Lagen, 400 m Lagen, 100 m Kraul, 200 m Kraul und 100 m Delphin) den Regionalmeistertitel geholt, im Juli 1993 wurde er Regionalmeister in 100 m Rückenschwimmen, und im April 1993 ist er beim Internationalen Vierländerwettkampf der Jugend in Basel mit 3 ersten Plätzen und einem 6. Platz als Gesamtsieger hervorgegangen. Dabei hat er erst vor gut vier Jahren wettkampfmäßig mit dem Schwimmen angefangen, damals beim SC St. Martin - Sektion Schwimmen. Aufgrund der besseren Trainingsmöglichkeiten ist er zusammen mit Verena Schweigl aus St. Martin, die heuer den 6. Platz bei der Italienmeisterschaft (50 m Kraul) errungen hat, zum SC Meran übergewechselt. Neben dem harten Trainingsalltag bietet das Wettkampfschwimmen aber auch viel Abwechslung. Man lernt im Zusammenhang mit Wettkämpfen und Trainingslagern andere Länder und Städte kennen: Berlin, Leipzig, München, Rom, Basel standen bereits auf dem Programm, im September geht es wieder nach Leipzig und im Herbst zu den Schulmeisterschaften nach Venedig. »Vielleicht reicht es einmal zu einem Italienmeistertitel«, meint der junge Athlet abschließend und muntert auch andere zu einer wettkampfmäßigen Sportart auf: »Man muß schon viel zurückstecken, auf vieles verzichten, aber die Mühe lohnt sich.. A. P.


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Erinnerungen - Teil 3 (Schluß)

Im ersten und zweiten Teil haben wir die Erlebnisse einer Passeirer Auswandererfamilie - erzählt von einer betroffenen Frau veröffentlicht. Die Redaktion dankt der Autorin für die Überlassung des Manuskripts und wünscht ihrer Familie viel Glück. Und wieder lag ein Brüderchen im Wäschekorb. Unser Siegfried. Für mich rückte der letzte Schultag heran. Es dauerte keine drei Tage und ich war die nächste, die fortging. Es blieb uns keine andere Wahl. Weil nun sieben Buben da waren, kam unsere Mutter zu dem Schluß, daß uns Mädchen einen Beruf zu erlernen vorbehalten sei. So trat ich vorerst im Dorf die erste Stelle bei einem alten Geheimratsehepaar an. Morgens und abends mußte ich die alte Dame an- und ausziehen und ihr beim Baden behilflich sein. Das Männlein konnte noch alles alleine verrichten. Darüber war ich sehr froh. Aber während dem Frühstück mußte ich ihm aus der Zeitung vorlesen, weil er fast blind war. Die alten Leute hatten vier Söhne und eine Tochter. Sie waren alles Doktoren und lebten mit ihren Familien in Deutschland. So kam es, daß in der Ferienzeit mehr als zwanzig Leute angestürmt kamen. Zu dieser Zeit mußte ich als Vierzehnjährige Unzumutbares leisten. Außer der Köchin war keiner da, der mithalf. Nur die Betreuung der alten Leute übernahm die Tochter. Nach knapp einem Jahr erlitt dann die alte Frau einen Schlaganfall und starb. Die Tochter nahm ihren Vater mit nach Hamburg, und der Haushalt wurde aufgelöst. Da nun auch meine älteste Schwester Fernwind schnuppern wollte, löste ich sie ab. Unsere Rosa war noch zu klein, und ohne Hilfe konnte unsere Mutter die viele Arbeit nicht bewältigen. Es kam der Winter. Bei zehn Kindern gab es eine Menge zu nähen, flicken und stricken. Wir hatten Schafe, die die Hauptspender unserer Textilien waren. So saß Mutter bis tief in die Nächte an der Nähmaschine oder Spinnrad. Ich leistete ihr meistens Gesellschaft. Ich konnte schon gut mit dem Spinnrad umgehen, und die Strickarbeit nahm ich ihr zum größten Teil ab. An einem dieser Wintertage - wir waren tief eingeschneit - mußte Mutter wieder wegen starker Blutungen ins Krankenhaus. Vater war nicht zu Hause. Ich legte den kleinen Siegfried ins Bettchen, und die größeren mußten einstweilen mit dem Babyalleine bleiben. Die Mutter hüllte ich in Decken und packte sie auf den Schlitten, wo ich unseren Schimmel vorspannte. So fuhr ich sie durch den tiefen Schnee ins Dorf zum Arzt, der sie ins Krankenhaus brachte. Sie hatte eine Frühgeburt. Ein Jahr später kam dann noch unsere Jüngste, die Johanna. Dann kam die älteste Schwester Therese wieder heim. Wir kamen überein, daß ich wieder an der Reihe wäre, Geld zu verdienen. Die Schwägerin von unserer Nachbarin suchte eine Magd. Ich sollte da auf die Kinder aufpassen und im Haus mithelfen. So kam ich in das Elternhaus

unserer Nachbarin nach Itter. Es war das ein großer Bauernhof. Im Stall z.Z. auf der Alm standen fünfunddreißig Stück Vieh. Die Bauersleute waren noch jung. Sie hatten vier Kinder, zwei waren schon schulpflichtig, und dann waren noch Zwillinge, zwei Jahre alt. Es gab auch noch den Altbauern, ein rüstiger Siebziger und zwei Knechte. Es fing gerade die zweite Mahd an. Schon bald mußte ich wahrnehmen, daß es mit dem »nur Hausmädchen- nicht abgetan war. Um die Kinder brauchte ich mich kaum zu kümmern, das mußte die neunjährige Haustochter übernehmen, wenn sie nicht in der Schule war. Ich mußte um fünf Uhr früh aufstehen, das Federvieh versorgen, Betten machen und Geschirr spülen. Nach dem Frühstück mußte ich mit den Männern auf das Feld. An Samstagen wurde eine Stunde eher geweckt. Ich mußte bis zum Frühstück Küchenboden und Stiegenhaus auf den Knien reiben. Freizeit hatte ich nur am Sonntag Nachmittag. Zur Jause gab es eine Schnitte Brot, auf dem die Butter aufgestrichen war, dazu saure Milch. Das Mittag- und Abendessen schwamm im Fett. Ich war diese Kost nicht gewohnt und habe mir den Magen verdorben. Dauernd mußte ich mich übergeben. Dazu wußten sie nichts Besseres zu sagen, als daß das in neun Monaten alles vorüber sei. Damit ich bei der Arbeit nicht zusammenbrach, mußte ich die Bäuerin um trockenes Weißbrot betteln. Kamillentee war keiner im Haus, und an Krankfeiern war nicht zu denken. Als dann die »Grurnrnet-Ernte« vorüber war, kam das Vieh von der Alm. Ganz selbstverständlich ließen die Manderleut jeden Morgen die fünfunddreißig Rinder samt Stier von den Ketten. Ich mußte sie alieine in den umliegenden Wiesen hüten. Ich bekam eine Jause und Strickzeug mit. Immer achtete ich darauf, nichts Rotes anzuziehen, weil ich vor dem Stier einen Riesenrespekt hatte. Das Schlimmste war dann, daß meistens keiner der Männer anwesend war, wenn ich die Herde in den Stall trieb. So mußte ich mit der Bäuerin das Vieh anhängen. Es war Spätherbst und schon Frost auf den Feldern. Das Vieh konnte nicht mehr auf die Weide. So durfte ich einmal nach Hause fahren. Auf der Rückfahrt fuhr dann das Postauto nur bis zur Kreuzung Söll Leukenteil ??? In Richtung Wörgl hatte ich keinen Anschluß, so mußte ich fast zwei Stunden zu Fuß auf der einsamen Straße weitergehen. Auf halber Strecke hielt ein Auto an. Ein Großbauer, den ich beiläufig kannte, lud mich ein mitzufahren. Ich kam dieser Einladung freudig nach. Ich hatte noch ein weites Stück zu gehen, und dunkel wurde es auch.

Doch dieser vertrauenswürdige Mann machte Anstalten, mich sittlich zu belästigen. Er hielt noch nicht ganz an, da sprang ich auch schon aus dem Auto und kollerte über die Straßenböschung. Weil Scheinwerferlicht aufleuchtete, fuhr er schleunigst von dannen. So ging ich dann bei jedem Auto, das anfuhr, in Deckung. Nach und nach kalbten die Kühe ab. Solange nicht allzuviel Milch war, wurde sie in die Sennerei getragen. So hing man mir morgens und abends eine Milchbutte mit zwanzig Litern an den Rücken. Der Weg zur Sennerei war eine halbe Stunde weit. Ich war damals noch keine sechzehn Jahre alt. Von Weihnachten bis Dreikönig durfte ich im Haus Arbeiten verrichten. In der Zeit holten der Bauer und die Knechte das geschlagene Holz aus dem Wald. Es wurde dann zu Brennholz aufgearbeitet. Da mußte ich Tag für Tag bei jedem Wetter Holz schichten. Zwischendurch wurden die ausgeputzten Äste geholt. Ich mußte dann mit in den Wald. Als letzte fuhr ich mit dem geladenen Schlitten hinterher. Es war halsbrecherisch, zu alldem war ich noch schlecht ausgerüstet. Es gab für Mädchen noch keine Hosen zu der Zeit, und die Schuhe waren auch nicht die besten. So waren am Abend meine Füße in den Schuhen eingeeist. Einmal bin ich dann krank geworden. Mit Schüttelfrost ging ich ins Bett. Weil ja kranke Dienstboten nicht gefragt waren, bereitete mir die Bäuerin eine Roßkur zu. Sie kochte mir eine Schnapssuppe. Da wird in einer Pfanne Butter heißgemacht, mit Schnaps aufgegossen und gezuckert; dieses widerliche Getränk mußte ich dann heiß trinken. Mit dem Schnaps geizte sie nicht, der wurde im Haus gebrannt. Als ich nachtsüber meinen ersten Rausch ausschlief, war ich tatsächlich am nächsten Morgen gesund. Einen Tag lang durfte ich pausieren. Als dann der Frühling kam, hatte ich immer wieder Schmerzen in den Nieren. Ich bekam Fieber und wollte zum Arzt. Ich mußte aber trotz Fieber eine Stunde weit zu Fuß gehen, obwohl der Bauer ein Auto besaß. Der Arzt stellte eine Nierenentzündung fest und gab mir eine Einweisung ins Krankenhaus. Dieser Schein war dann meine Kündigung. Ich packte meine Habseligkeiten zusammen und ging fort. Mein Abschiedsgruß wurde nicht erwidert. Nach meiner Genesung blieb ich vorerst zu Hause. Die älteste Schwester hatte inzwischen eine Stelle angenommen, denn Rosa, die jüngere half nun der Mutter. Ich ging dann nebenher als Taglöhnerin zu den umliegenden Bauern, bis ich die nächste Stelle annahm. In der Nachbargemeinde Ellmau war die Gattin des Gendarmerieinspektors aus dem Paznaun. Diese Frau vermittelte ihrer Schwester, der Postwirtin von Ried im Oberinntal das Personal. Sie kam auch zu mir, und ich verdingte mich. Weil ich schon ganz früh mit dem Postauto zum Bahnhof mußte, lud diese Frau mich ein, bei ihr zu übernachten. Ich traute meinen Ohren nicht, als ich für Quartier und Frühstück eine Stunde früher geweckt wurde, um die Wohnung aufzuräumen. Beiläufig


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Passeirer Blatt / September 1993

konnte ich mir ausmalen, daß es bei der neuen Chefin kein Honiglecken geben würde. Und so war es auch. Ich mußte schuften von früh bis spät in die Nacht. Freizeit war ein Fremdwort. Aber die Arbeit selbst war für mich keine Last mehr. Ich war ja groß und stark gewachsen. Nur am Anfang meines Hierseins mußte ich einen bitteren Verlust erleiden. Ich kam zuerst in die Waschküche. Wie es damals war, mußte alles noch mit der Hand auf einer Waschrumpel gewaschen werden. Weil in dieser Waschküche aus drei Gasthäusern die Wäsche zusammenkam, standen wir zu viert Tag für Tag um einen riesengroßen Zuber herum. Es war Winter. Die Waschküche war immer voller Dampf, weil die großen Waschkessel mit Holz geheizt werden mußten. Man schwitzte ständig, und wir mußten die Wäsche im Freien aufhängen. Bei diesem ständigen Temperaturwechsel verlor ich meine schönen langen Haare. Ansonsten war ich gern da. Ich konnte endlich auch einmal etwas lernen. Später durfte ich in der Küche bleiben. Zu dieser Zeit schrieb man das Jahr 1954. Es waren zehn Jahre her seit unserer letzten Wanderschaft. Viele Auswanderer kehrten wieder in die Heimat zurück, und unser Vater wollte das auch. So mußten wir alle vollzählig den Brenner passieren. Es gab eine Abfertigung. Obwohl wir wieder in der Heimat waren, mußte doch wieder neu angefangen werden. Und dieser Anfang war wieder sehr schwer. Wir kamen nach Aldein im Südtiroler Unterland, wo Vater wieder einen Hof auf einem Berg pachtete. Da blieb er dann auch. Therese, Isidor und ich gingen wieder zurück an unsere alten Arbeitsplätze. Es war wohl Bestimmung, daß ich dann im April 1958 in Nauders eine Stelle annahm. Ich versorgte bei dieser Familie den Haushalt, das zweijährige Kind und neun Feriengäste. Die Frau war berufstätig. Und dort lernte ich meinen Mann kennen. Drei Jahre später haben wir geheiratet. Weil mein Mann die Landwirtschaft übernehmen mußte, heiratete ich in sein Elternhaus ein. Mein Schwiegervater war schon über siebzig und noch rüstig, die Schwiegermutter hoch sechzig und noch flink wie ein Wiesel. In meinem Schwiegervater erkannte ich, was meinen Geschwistern und mir nie zuteil wurde. Er war ein liebevoller, guter und arbeitsamer Vater. Ich verehrte ihn sehr, und als er fünf Jahre später starb, trauerte ich sehr um ihn. Meine Schwiegermutter war dann der zweite Mensch, der mein Leben schwer und traurig machte. Vielleicht war es Eifersucht, weil ich ihr ihren Sohn wegnahm. Daß ich ein armes Mädchen war, dafür konnte ich nichts. Ich habe nie gefaulenzt und wollte alles immer richtig machen. Aber ich habe eine Heimat gefunden, einen guten und sehr fleißigen Mann. Die Krönung waren meine Kinder. Sie gaben mir die Kraft, zwanzig sehr schwere Jahre durchzustehen. Auch für meinen Mann war es nicht leicht, sie war ja seine Mutter. Jetzt habe ich den Himmel auf Erden. Ein

schönes neues Heim und ein harmonisches Familienleben. Unsere beiden Söhne haben einen guten Beruf. Klaus ist verheiratet, und seine Ursula ist eine liebe und brave Frau. Ich mag sie sehr. Otmar wohnt bei uns. Er unterstützt uns sehr bei der Arbeit. Noch nie haben uns die bei den Verdruß gemacht. Ich würde jeder Mutter solche Kinder wünschen. Mein Vater starb mit 66 Jahren. Diese Beerdigung werde ich nie vergessen. Es war, als hätte man einen Fremden zu Grabe getragen. Wir alle haben von ihm nie Liebe erhalten, und keines der Kinder konnte um ihn weinen. Meine Geschwister haben bis auf Adolf alle geheiratet. Jeder hat es zu einem eigenen Heim gebracht. Die Brüder sind liebevolle Väter und gute Ehemänner. Unsere Mutter lebt bei meinem Bruder Karl in Aldein. Sie hat 32 Enkel und 7 Urenkel bekommen. Gott hat sie reich be-

schenkt. Sie ist noch kerngesund, und keiner sieht ihr an, was sie durchgemacht hat, und daß sie am 30. Mai 198881 Jahre alt wird. Sie kann nun noch etwas dem Leben abgewinnen. Da fünf ihrer Kinder auswärts wohnen, geht sie auf Reisen und besucht uns abwechselnd. Unser Toni lebt mit seiner Familie in Philippstal (BRD) und Adolf in München. Theresia wohnt in Aurach und Isidor in Kirchdorf in Tirol. Ich bete jeden Tag zu Gott, daß wir noch lange unser liebes Mütterlein behalten dürfen. Bei festlichen Anlässen kommen immer alle Kinder zusammen, und das sind ihre Freudentage. Mein Mann, die Kinder und ich, wir freuen uns immer sehr, wenn sie uns besucht. Sie bleibt dann ein paar Wochen hier, und wir verbringen eine schöne Zeit mit ihr. Ihr guter Humor ist erst jetzt durchgebrochen, denn früher hatte sie wahrhaftig nichts zu lachen.

Neuerscheinung am Büchermarkt:

Kirchenführer von St. Leonhard

Ende August ist im Tappeiner Verlag Lana ein neuer Kirchenführer mit dem Titel "Die Kirchen von St. Leonhard in Passeier« erschienen. Der Dekan von Passeier und Pfarrer von St. Leonhard, P. Dr. UIrich Gasser O.T., der die Herausgabe dieses handlichen knapp 50 Seiten umfassenden Führers betreut und geleitet hat, schreibt in seinem Vorwort: »Mit großer Freude darf ich diesen Kirchenführer vorstellen, der Einheimischen und Gästen die Schönheit unserer Gotteshäuser erschließt. Für einen gläubigen Christen sind die vielen Kirchen mit ihren Kunstwerken, die man in der Pfarrei St. Leonhard in Passeier bewundern kann, nicht nur ein Kulturgut aus vergangener Zeit, sondern - damals wie heute - Ausdruck gläubiger Gottesverehrung. Hier haben Glaube, Hoffnung und Liebe und der Fleiß vieler Generationen Gestalt angenommen, wie auch die Durchführung der immer wieder fälligen Renovierungen bezeugt. Die Kirchen sind, mit den vielen Kapellen an den Wegen und den Kreuzen auf den Bergeshöhen, ein Zeichen, das auf Gott hinweist, der im Menschen Jesus Christus unser Bruder geworden ist und durch seinen Heiligen Geist uns beqleitet«. Als Verfasser zeichnet kein geringerer als der Diözesanreferent für kirchliche Kunst- und

Denkmalpflege in Südtirol, Dr. Karl Gruber. Er versteht es, mit großer Sachkenntnis und mit Liebe zum Detail, die sich auch in den 34 ausgezeichneten Illustrationen zeigt, auf die Geschichte der Pfarrei und auf die einzelnen Kirchen im Pfarrgebiet von St. Leonhard einzugehen. Der handliche Kirchenführer ist auch in italienischer Sprache ("Le chiese di S. Leonardo in Passiria«) erhältlich. Er wird in der Papierhandlung "Papier Profi- in St. Leonhard zum Preis von L. 10.000 verA. P. kauft.

Kar! Gruber

Die Kirchen von St. Leonhard in Passeier Tappeiner Verlag


Passeirer Blatt / September 1993

Seite 14/ Nr. 2

Das Bauernbund-Patronat

bietet Hilfe

Sollten wir nicht mehr wissen über unsere Soziale Fürsorge? Wie ist die Vorsorge bei uns geregelt? Wann bin ich überhaupt beitragspflichtig? Welche Rentenansprüche

kann ich stellen?

Muß ein Bauer weiterhin einzahlen, wenn er den Hof übergibt? Dies sind nur ein paar wenige Fragen, die uns Patronats-Mitarbeitern immer wieder gestellt werden. Möchten auch Sie über Ihre soziale Angelegenheit mehr wissen, so wenden Sie sich bitte an unsere Sprechstunden, welche in St. Leonhard/Passeier 08.30-10.30 im Gemeindeamt

1. + 3. Montag im Monat

Moos/Passeier 14.00-16.00 im Gemeindeamt

1. + 3. Montag im Monat

St. MartiniPasseier 08.30-10.00 im Gemeindeamt 2. + 4. Montag im Monat stattfinden. Unser Mitarbeiter Josef Ennemoser ist bemüht, Ihnen Ihre Probleme lösen zu helfen. Geboten werden Informationen, Sozialversicherungsbereichen.

Beratung und Unterstützung

in allen

Im einzelnen werden folgende Leistungen geboten: - Altersrente, Invalidenrente, Hinterbliebenenrente, validenrente;

Unfallrente, Zivilin-

- Begleitzulagen; - Hauspflegegelder; - Familienzulagen; - Arbeitslosengeld; - Tagesgeld bei Unfällen oder im Krankheitsfalle; - Mutterschaftsgelder; - Leistungen aus dem Familienpaket (Hausfrauenrente

u.a.m.);

- Weiters können Eintragungen bzw. Streichungen aus der Pflichtversicherung vorgenommen werden, um nur die Wichtigsten hier zu nennen. Das Bauernbund-Patronat EPACA bemüht sich Ihre Probleme zu lösen. Alle Dienstleistungen sind kostenlos, nutzen Sie die Gelegenheit!


Seite 15/ Nr. 2

Passeirer Blatt / September 1993

Ein neuer Verband stellt sich vor

Verbond Angehörige und Freunde psychisch Kronker Associozione porenfi ed omici di molofi psichici

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In den vergangenen Jahren ist für die Behinderten in unserem Lande viel geschehen. Durch den Einsatz vieler und durch Selbsthilfegruppen wurden Betreuungsstellen und Infrastrukturen geschaffen, die den Behinderten das Leben erleichtern, und sie werden auch nicht mehr diskriminiert. Über die Probleme der psychisch Kranken und deren Angehörigen ist in der Öffentlichkeit noch wenig bekannt und zur Lösung derselben ist in Südtirol bislang zu wenig geschehen. Am 18. Februar 1989 wurde in Bozen der »Verband Angehöriger und Freunde psychisch Kranker« gegründet. Inzwischen sind in mehreren größeren Orten Südtirols Selbsthilfegruppen entstanden. Für den Raum Meran-Burggrafenamt gibt es in Meran, Brunnenplatz 24 (Tel.

Selbsthilfegruppen Selbsthilfeberatung Weiterbildung Neue Hilfen sozialer, psychologischer u. medizinische Art

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212480) einen Tagesclub, wo zwei fachkundig ausgebildete Betreuer der Caritas zur Verfügung stehen. Der Tagesclub ist ein lebensbegleitender Dienst für Menschen mit psychischen Problemen, der folgendes anbietet: - KontaktsteIle für Menschen mit psychischen Problemen und deren Angehörigen und Freunden; - Treffmöglichkeiten - Gestaltungs- und Freizeitangebote - Beratungsund Informationsdienst - Selbsthilfegruppen Die Selbsthilfegruppe Meran-Burggrafenamt (mit Passeier) trifft sich alle drei Wochen im Freizeitclub mit Psychiatern und Psychologen zum Erfahrungsaustausch mit Beratung. Einige Anliegen des Verbandes:

Neue Einrichtungen Abbau von Vorurteilen und Unverständnis

Erfahrungsaustausch

Der Verband Angehörige und Freunde psychisch Kranker hat einen Dienst in St. Martin geschaffen: die Selbsthilfeberatung. Dabei handelt es sich um einen fachkundigen Beistand für Angehörige und psychisch Kranke, die in Augenblicken einer Krisensituation oder zu einer Aussprache eines speziellen Problems, diesen Dienst in Anspruch nehmen können. Der fachkundige Beistand wird durch den Psychotherapeuten Dipl. Psych. Oskar Mayer gewährleistet. Er steht an folgenden Tagen ab 8.30 Uhr im Haus der Jugend in St. Martin zur Verfügung: 13. September 1993 11 . Oktober 1993 08. November 1993 13. Dezember 1993 Anmeldungen erbeten bei Dipl. Psych. Oskar Mayer jeden Dienstag und Donnerstag von 10.00 bis 12.00 Uhr unter der Telefonnummer 210785 oder in der Zeit von 9.00 bis 9.30 Uhr im Ambulatori um für KrankenpflegeMartin, Tel. dienst St. 641236.

C. T.


Passeirer Blatt 1 September 1993

Seite 161 Nr. 2

Auf der Spur bekannter Passeirer im Ausland:

Die Künstlerin Rosina Zipperle für Sozialpädagogen; Tätigkeit als Kunstpädagogin am Katholischen Bildungswerk; Autorin für bebilderte Bücher und Broschüren; Autorin für pädagogische und religiöse Zeitschriftenbeiträge; Kunstausstellungen im In- und Ausland. Wir wünschen unserer Rosina, daß ihre von hoher Geistigkeit beseelten Bilder auch für die Betrachter im Passeiertal den Blick öffnen mögen für den Reichtum an Frieden, Freude und Geborgenheit. H. H.

Mit Verwunderung und Staunen haben wir die Bilder einiger bekannter BildText-Bände aus dem VIA-NOVA-Verlag, Petersberg, durchgeblättert und sind dabei auf die Künstlerin Rosa Zipperle aufmerksam geworden. Hier ihr Steckbrief: Rosina Zipperle wurde 1946 in Stuls geboren. In Bozen erhielt sie ihre Ausbildung als Kindergärtnerin. Während ihrer fünf jährigen Tätigkeit als Kindergartenleiterin schrieb sie Beiträge für die Zeitschrift »Weite Welt«. Der Redakteur holte Rosina 1970 nach St. Augustin/Bonn und ermöglichte ihr eine Ausbildung als Redakteurin. Obwohl ihr diese Arbeit viel Freude machte, drängte ihre künstlerische Begabung zur vollen Entfaltung. Ein Kunststudium in Düsseldorf (ab 1973) schloß sie ab mit dem Staatsexamen für Kunstpädagogik. Die freie Mitarbeit in Zeitschriften ging weiter. Seit 1976 war sie Dozentin an der VHS Rhein-Sieg. Für ihr künstlerisches Schaffen entwickelte sie eine eigene Technik. Diese dient zugleich einem spirituellen Auftrag: durch die Transparenz ihrer Bilder die Menschen hinzuweisen auf den inneren Lichtgrund in allen Dingen. Der Lichtgrund ist nach Rosina unser wahres Wesen. Dies gilt es zu suchen und zu finden. Persönliche meditative Erfahrungen inspirieren ihr künstlerisches Schaffen. Ihre Bilder ergänzen und vertiefen das meditative Wort zu einer Synthese im Dienste einer neuen Zeit. Abschließend biete ich noch einen kleinen Überblick über das reiche Schaffen unserer Landsmännin: ab 1976, wie schon geschrieben, Dozentin für Kunst bei der VHS Rhein-Sieg; Tätigkeit als Dozentin für Kunsterziehung an der berufsbildenden Akademie

Wir gratulieren zur Geburt Gemeinde Moos in Passeier

Vom 20.03.1993 bis 09.08.1993

Brunner Patrick, 08.06.1993, Hahnebaum 115 Ennemoser Rudi, 31.05.1993, Pfelders 13/A Gufler Joachim, 23.05.1993, Stuls 52 Gufler Kathrin, 25.05.1993, Dorf 78 Gufler Tobias, 26.05.1993, Stuls 6/B Gufler Verena, 27.05.1993, Stuls 37 Hofer David, 16.04.1993, Pfelders 11 Hofer Nadine, 16.04.1993, Rabenstein 55 Kinigadner Lina, 25.05.1993, Dorf 26/C Kofler Maria, 05.05.1993, Pill 153 Pfandler Tamara, 29.07.1993, Rabenstein 11 Pflug Andrea, 08.05.1993, Stuls 31 Pixner Andreas, 26.06.1993, Pill 169 Pixner Viktoria, 16.06.1993, Pfelders 42 Pöhl Fabian, 25.06.1993, Pfelders 24 Pöhl Johannes, 02.05.1993, Stuls 22 Prugger Thomas, 13.05.1993) Platt 104 Raffl Marcel, 26.05.1993, Platt 109 Volgger Joachim, 09.08.1993, Dorf 31 Waldner Raphael, 22.05.1993, Dorf 40 Widmann Sonja, 14.04.1993, Stuls 55

Königsrainer Lukas, 08.08.1993, Schweinsteg 39 Königsrainer Markus, 15.07.1993, Karleggerweg 12 Königsrainer Thomas, 15.07.1993, Karleggerweg 12 Ladurner Hannes, 30.05.1993, Schweinsteg 20 Pfitscher Caroline, 19.06.1993, Walten 13 Pichler Carmen, 14.05.1993, Schweinsteg 31 Pichler Michael, 11.07.1993, Gomion 18 Pixner Lukas, 17.07.1993, Silbergasse q Platter Benjamin, 29.05.1993, Schloßweg 19 Pöhl Fabian, 21.04.1993, Im Schaffeid 18 Pöhl Sonya, 01.05.1993, Im Steinanger 14 Righi Mirko, 04.05.1993, Mooserstr. 6 Tschöll Alexander, 13.08.1993, Gerlosweg 7 Tschöll Monika, 29.05.1993, Karleggerweg 5

Geburten St. Martin

Vom 15.04.1993 bis 25.08.1993 Bortolotti Jenni, 5.04.1993, Flon/Matatzstr. 36 Brancato Isabella, 19.04.1993, Feldbauernweg 6 Haller Christoph, 27.07.1993, Steinachweg 2 Haspinger Denise, 03.08.1993, Feldbauernweg 24 Lanthaler Dominik, 16.05.1993) Peter Mitterhoferstr. 1 Maranelli Laura, 23.04.1993, Garberweg 18 Marth Jasmin, 19.05.1993, Garberweg 32 Pichler Benjamin, 21.04.1993, Prantacherweg 1 Pircher Magdalena, 13.06.1993, Flon/Matatzstr. 34 Ploner Florian, 22.06.1993, Feldbauernweg 1 Raffl Fabian, 15.06.1993, Dorfstr. 19 Raffl Lukas, 15.06.1993, Dorfstr. 19 Raich Martin Benjamin, 29.07.1993, Flon/Matatzstr. 6 Thaler Valentina, 31.05.1993, Saltnerweg 16

Geburten St. Leonhard

Ennemoser Stefanie, 07.08.1993) Im Steinanger 15 Gögele Hannah, 03.07.1993, Walten 56 Gufler Luciana, 09.04.1993, Walten 74 Hofer Patrizia, 14.06.1993, Holzländestr.25 HoferThomas, 05.07.1993, Kohlstatt 16 Kopicl-Kaserer Verena, 06.05.1993, Thurnfeld 11

Erscheint dreimonatlich. - Eingetragen beim Landesgericht Bozen mit Dekret Nr. 11/87 vom 29.05.1987. Redaktionskomitee: Robert Haniger, Dr. Heinrich Hofer. Josef Kofler, Karl Lanthaler, Josef Pichler, Ubald Pichler, Dr. Albin Pixner, Arnold Rinner, Josef Öttl. Eigentümer und Herausgeber: Josef Pichler, Trifter Weg 2/b, St. MartiniPasseier. Druck: Fliridruck, Meran, Goethestraße 93.

Verantwortlich für den Inhalt im Sinne des Pressegesetzes: Dr. Gerald Fleischmann.

Passeirer Blatt  

Ausgabe 02/1993