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MITTEILUNGEN UND NACHRICHTEN AUS MOOS, ST. LEONHARD UND ST. MARTIN Nr.4 MITTEILUNGEN UND NACHRICHTEN AUS 15. Jahrgang – Nr. 35 MOOS, ST. LEONHARD UND ST. MARTIN

Dezember 1988

September 2002 2. Jahrgang

Informationen zu den Energiegewinnungsplänen in Passeier Der elektrische Strom gilt weltweit als die eleganteste und sauberste Energieart. Er läßt sich mit lichtgeschwindigkeit überallhin transportieren und jederzeit nach Wunsch einund ausschalten. Elektroenergie kann aber auch auf dem Umwandlungswege über andere Energiearten gewonnen werden: aus Wasser, Kohle, Erdöl, Erdgas, Erdwärme und Atomenergie. Der Stromverbrauch ist in den letzten Jahren besonders in den industrialisierten Ländern stark angestiegen, wobei z. B. das Industrieland Italien diesen Anstieg durch den Bau von thermischen Kraftwerken (aus Kohle, Erdöl, Gas) abzudecken versuchte. Derzeit entfallen in Italien etwa 75% der Energieerzeugung auf thermoelektrische Kraftwerke, während die Wasserkraftwerke etwa 25% decken. Der Bau von Atomkraftwerken wurde in der Volksbefragung vom Juni 1987 von der großen Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt. So ist Italien heute darauf angewiesen, ca. 80% des staatlichen Energiebedarfs vor allem in Form von Erdöl, Kohle und Atomstrom aus anderen Ländern zu importieren. Dies ist auch einer der Hauptgründe des italienischen Handeisdefizits. Der staatliche Energie-

konzern ENEL versucht nun mit allen Mitteln die Abhängigkeit in der Energieerzeugung zu verringern. Obwohl Südtirol neben der Eigenversorgung bereits einen relativ hohen Beitrag zur gesamtstaatlichen Energieversorgung leistet - etwa die Hälfte der derzeitigen Erzeugung wird nach Oberitalien geliefert - besteht das ENEL vor allem nach der vorjährigen Volksabstimmung auf den weiteren Ausbau der Wasserkraft in unserem Lande. Laut einem Beschluß will es bis zum Jahre 1992 zusätzlich 200 Mrd. kW/h Strom erzeugen, wobei der Beitrag Südtirols bei ca. 1,5 Mrd. kW/h liegen soll (wovon ca. 600 Mio. an Italien abgegeben werden sollen). Aus diesem Grund bestand das ENEL bei der Erstellung des Landesraum-

ordnungsplanes 1987 auf die Eintragung von folgenden Großkraftwerken: Rain-Ahrntal, Passeier, Töll-Lana, Eisack-St. Jakob und Rienz-Brixen. Die beiden ersten bekommen dadurch eine besondere Bedeutung, daß ihr Strom verhältnismäßig billig sein wird, während die beiden letzten als Laufkraftwerke wesentlich schlechter abschneiden und ebenso wie das Kraftwerk in Lana bereits nicht mehr im Gespräch sind. Für die Nutzung der Passer zur Stromerzeugung liegen schon seit über 20 Jahren Pläne und Studien vor, die die Fassung der Passer in Schönau und des Pfeldererbaches beim Kreßbichl in Pfelders und das Kraftwerk bei Riffian vorsehen. Sowohl in Schönau (Fortsetzung auf Seite 2)


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Informationen zu den Energiegewinnungsplänen in Passeier (Fortsetzung von Seite 1)

als auch in Pfelders waren größere Staubecken vorgesehen. Den Ernst der Lage bekräftigt ein Urteil des Verfassungsgerichtshofes aus dem Jahre 1970 betreffs Bau eines ENELKraftwerkes in Passeier, welches in Sachen Landschaftsschutz die staatlichen Interessen den Landesinteressen voranstellt. Für die Gemeinden des Passeiertales stellte sich bereits bei einem Treffen mit Landesrat Mayr Anfang Juli 1988 die entscheidende Frage, ob man, dem Beispiel der Ahrntaler Gemeinden folgend, einen drohenden Bau des Großkraftwerkes durch Protestaktionen abwenden könnte. Die Gemeinden des Ahrntales befanden sich zu besagtem Zeitpunkt auch in einer anderen Situation: im Ahrntal bestand bereits eine Wasserkonzession und das Wasserrechtsverfahren stand vor der Tür, während für das Passeiertal noch keine diesbezüglichen konkreten Pläne vorlagen. Man sah es jedoch für zweckmäßig an, über Passeier nicht getrennt vom Ahrntal zu verhandeln, da sonst die Gefahr bestünde, daß das eine gegen das andere ausgespielt werden könnte. Zudem konnte Landesrat Mayr bei einer Gesamtlösung in die Verhandh;ngen mit dem ENEL auch andere Gesichtspunkte miteinbeziehen, z. B. daß den Gemeinden die Verteilerlizenzen übertragen werden, daß die ENEL-Leitungen auf die Gebietskörperschaften übergehen und daß die Umspannwerke abgelöst werden können. Im Herbst dieses Jahres fuhren die Bürgermeister des Passeier- und Ahrntales mit Landesrat Mayr nach Rom, um sich mit Spitzenvertretern des staatlichen Energiekonzerns ENEL, darunter ENEL-Präsident Dr. Viezzoli, zu treffen und sich aus erster Hand über die Lage zu erkundigen. Bei diesem Treffen waren auch Senator Hans Rubner und Kammerabgeordneter Ferdinand Willeit anwesend. Laut Aussagen der Bürgermeister konnte man dabei den Eindruck gewinnen, daß das ENEL die Wasserkraftreserven unseres Tales auf alle Fälle ausnützen will. Es gelang aber dem ENEL-Präsidenten das Versprechen abzuringen, daß Alternativprojekte (kleinere Kraftwerke) gebaut werden dürfen, wenn sie von einer noch zu bestimmenden Kommisson gutgeheißen werden. Dies wurde dem Landeshauptmann dann auch in einem Brief mitgeteilt. Eine endgültige Zusage des ENEL, ob es einem Alter-

nativprojekt zustimmen wird, hängt nun vom Projekt selbst ab. Inzwischen hat Ing. Trojer aus Sterzing, von Bürgermeister Raich von Moos beauftragt, folgendes Alternativprogramm vorgelegt: Aufteilung des Großkraftwerkes in drei Stufen. 1. Oberstufe: Mittels Triebwasserstollen würde das Wasser von Schönau und Kreßbichl zum gemeinsamen Druckstollen und zum Werk bei Moos geführt. 2. Unterstufe: Von der Wasserfassung unterhalb Moos würde die Passer durch einen Freidruckstollen und durch den Druckstollen zu einem Kraftwerk hinter St. Leonhard fließen. 3. Für ein zusätzliches Kleinkraftwerk könnte der Schneebergbach nach Schönau geleitet werden, was die örtliche Stromversorgung abdecken würde. Die Gesamtleistung dieser drei Stufen mit ca. 417.700 mW/h käme der Leistung des ENEL-Großkraftwerkes in etwa gleich. Der Vorteil der Trojerstudie liegt darin, daß die rechte Seite des Pfelderer- sowie des Passeiertales ab Moos nicht berührt würde, und ab St. Leonhard würde die Passer

wie bislang fließen. Die Aufspaltung des ENEL-Großkraftwerksblockes in zwei Stufen und in ein Kleinkraftwerk würde den Bau der Kraftwerke für ein eventuelles Gemeindekonsortium auch finanziell sicher erleichtern. Für die Projektierung von Kraftwerken im Passeier- und Ahrntal wurden im Landeshaushalt 500 Millionen Lire vorgesehen, wobei dann ca. 30% der Projektkosten die Gemeinden tragen müßten. Die Kosten bei der Verwirklichung solcher Großprojekte sollen durch 50% Verlustbeitrag vom Land und durch 50% Darlehen bei der Depositenbank mit Landesgarantie gedeckt werden. Bis spätestens 10. Dezember 1988 sollte das diesbezügliche Finanzierungsgesetz des Landes, in Rom genehmigt werden. Am 3. Jänner 1989 findet voraussichtlich in St. Leonhard eine Bürgerversammlung mit Landeshauptmann Magnago und Landesrat Mayr zu diesem Thema statt. Dieser Bericht ist als Diskussionsgrundlage für die Bevölkerung gedacht, um gemeinsam die bestmögliche Lösung in dieser heiklen An-

. F. Schneebergbach

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PfeWererb.


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gelegenheit für das Tal zu finden. Dabei stellen sich viele Fragen wie z.B.: gibt es wirklich keine Möglichkeit, den Bau von Großkraftwerken, in welcher Form auch immer, zu verhindern? Schließt die Ablehnung der Großkraftwerke das Gespräch mit dem ENEL über Alternativprojekte wirklich aus? Welche Vor- und Nachteile gibt es gegeneinander abzuwägen? Redaktionskomitee »Passeirer Blatt«

Argumente gegen weitere Elektrowerke im Passeiertal Das Passeiertal, Heimat für 11.905 Menschen (astat-Zählung 31.12.1985) und Erholungsgebiet von Hunderttausenden von Feriengästen, ist ein uraltes Land der Bergbauern, welche die Talsohle und steile Seitenhänge seit Jahrtausenden unter schwersten Bedingungen kultivieren und bearbeiten, wovon die ungefähr BOO Bauernhöfe mit zahlreichen Weiden, Almen und Wäldern Zeugnis ablegen. Zur Berglandwirtschaft ist in der Zeit nach dem 11. Weltkrieg der internationale Tourismus dazugekommen, welcher der Landwirtschaft große Opfer (Baugründe, Beeinträchtigung in der Abwicklung des bäuerlichen Alltags, Weidevieh auf Straßen usw.) abverlangt hat, der aber von Anfang an von allen Bevölkerungsgruppen geduldet, ja gefördert worden ist und heute volkswirtschaftlich eine beachtenswerte Säule darstellt. Zur Berglandwirtschaft und zum Fremdenverkehr ist durch den Ausbau der beiden Hochalpenstraßen Timmelsjoch und Jaufenpaß das Passeiertal zu einer viel befahrenen Autotransitstrecke geworden, die dem Tal viele wesentiche Nachteile bringt: Qualitätsverlust der Umwelt, verstopfte Straßen, erhöhte Zahl von Ver.kehrsunfällen, Entfremdung der Wohngemeinschaften u.a. Insgesamt Nachteile, die von den meisten Talbewohnern zur Kenntnis genommen und akzeptiert werden. Das enge Passeiertal ist Sitz von Handels- und Industriebetrieben, die auf engster Fläche arbeiten und wirtschaften müssen. Die Rohstoff-Zulieferung erfolgt übe! die total überforderte, schmale und kurven reiche Taistraße: eine Belastung, die von der Passeirer Bevölkerung ebenfalls zur

Kenntnis genommen und toleriert wird. Im Passeiertal werden einschließlich des vor dem Bauabschluß stehenden Elektrowerkes von St. Leonhard ungefähr 4.600 kW/h elektrischen Stromes erzeugt: wohl ein angemessener Beitrag seitens eines kleinen Seitentales, dessen Existenz auf der Berglandwirtschaft und auf der landschaftlichen Schönheit und der Unversehrtheit der Natur beruht. Die Ableitung von Gewässern bewirkt die Trockenlegung zahlreicher Täler. Trockene Bachbetten wirken sich in ökologischer Sicht nahezu unvorhersagbar aus: verminderte Geschiebefracht, Veränderung des Grundwasserspiegels, lokal-klimatische Einflüsse, floristische Veränderungen und Änderungen im Fisch-, Wild- und sonstigen Tierbestand sowie die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes (verschwinden der Wasserfälle, Bauten und Hochspannungsleitungen). Die Schädigung der Landschaft erfolgt weiters durch den Bau von Zufahrtsstraßen, die Talbewohner werden in ihrer Gesundheit geschädigt durch Lärm, Staub und Abgase in der Bauphase. Das Passeiertal wird von Kennern als »das Tal Tirols- bezeichnet (Prof. Pokorny u.a.) und hat Anrecht auf schonendste Behandlung in Hinblick auf seine historische und geographisch-geologische Einmaligkeit. Das Passeiertal hat einen Reichtum an Fauna und Flora auszuweisen, der noch bei weitem nicht erfaßt und erforscht ist, wobei der von allen Talbesuchern feststell bare Wasserreichtum von unglaublicher landschaftlicher Schönheit und Großartigkeit nationalen Schutz - nicht nationale Gefährdung - erhalten muß. Überregionale, ja europäische Bedeutung hat der Stieber-Wasserfall in Platt/Moos mit seinen Schluchten und Klammen, der bei der Verwirklichung der geplanten Elektrowerke trockengelegt würde. Sprechen wir in diesem Fall nicht von Restwassermengen, um uns nicht die Schamröte vor den kommenden Generationen in die Wangen treiben zu lassen! - Das Land Südtirol hat die landschaftliche Schönheit und Einmaligkeit des Passeiertales gewürdigt, indem die Landesregierung weite Teile dieses Gebietes unter den Schutz des »Naturparks Texelgruppe« gesteilt hat (DLH vom 15.03.1976, Nr. 15, Genehmigung der landschaftlichen UnterschutzsteIlung »Naturpark Texelgruppe«). - Das Wasser, die Gebirgsbäche und insbesondere die Wasserfälle gehö-

ren zu den Schlüsselelementen des alpinen Landschaftsbildes im Hinterpasseier. Die Symbolkraft des StieberWasserfalles kann das gesamte Hinterpasseier symbolisieren. Die Kontrastwirkung, die Reizwirkung und der Seltenheitswert sind Eigenschaften des fließenden Wassers im alpinen Raum, die bewußt erhalten werden müssen. - Den totalen Schutz für Passeirer Grund und Boden fordern u.a. folgende Stellen: - die Gemeindeverwaltungen von St. Leonhard, Moos und St. Martin in Passeier sowie Riffian und Kuens, die sich in ihrem Schreiben vom 6. April 1988 einstimmig gegen die Errichtung von weiteren E-Werken ausgesprochen haben; - Der Verein für Kultur und Heimatpflege Passeier sprach sich anläßlich der Jahreshauptversammlung 1988 einstimmig gegen den Bau jedes weiteren Elektrowerkes im Passeiertal aus; - Die SVP-Frauen des Bezirkes Meran-Burggrafenamt haben sich in einem Memorandum kompromißlos gegen die Errichtung von weiteren Elektrokraftwerken im. Passeiertal ausgesprochen. Die Wirtschaftsverbände und die Politiker werden aufgefordert, Studien erstellen zu lassen, wie die vorhandenen Energiemengen sparsamer verwaltet werden können bzw. deren Verbrauch eingeschränkt werden kann, dann sich erst um neue Energiequellen auf Kosten der Bergbauern und einer einmalig schönen Erholungslandschaft mit gesunden Ökosystemen umzusehen. Wir protestieren gegen jede Form weiterer Umweltzerstörung im einigermaßen unberührten Passeiertal und appellieren an die gemeinsame Verantwortung vor unseren Nachkommen und allen, die morgen noch ein Stückchen unberührte Natur für Urlaub und Erholung brauchen - ein gewiß nicht nur nationales, sondern internationales humanes Anliegen! Redaktionskomitee »Passeirer Blatt*

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Im Ferienheim sagt Ruth zu Steffi beim Frühstück: »Der Kaffee schmeckt heute nach Spülwasser.« »Du leidest wohl unter Geschmacksverwirrung, das ist Tee«, antwortet Steffi. Da ruft die Heimleiterin über den Tisch: »Möchte noch jemand Kakao?«


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Das Steiner-Josele

Meine Begegnung mit einem Kampfgefährten Andreas Hofers v. Heinrich Natter. Entnommen aus »Alpen heimat 1943«, zur Verfügung gestellt von Konrad Heel, St. Leonhard. Der Schöpfer des Andreas Hofer Standbildes am Berg Isel, der Tiroler Bildhauer Heinrich Natter, hat während seiner Arbeit an diesem Denkmal zwecks Naturstudien vor 100 Jahren eine Fahrt ins Passeiertal unternommen. In folgendem Bericht schildert er seine Begegnung mit dem Steiner-Josele, einem Mitkämpfer Andreas Hofers: Unter dem Namen Steiner-Josele war der kürzlich erst verstorbene älteste Mann im Passeier bekannt. In Wirklichkeit hieß er Josef Schwarz und ist im Jahre 1792 am 19. März in Walten, einem ganz kleinen Ort im Hinterpasseier, geboren. Er war der letzte noch übrige von den wetterfesten Kerlen aus diesem Tale, die an der Seite Hofers mitgefochten. Vor drei Jahren im Herbst, als mir kurz vorher die Ausführung des HoferDenkmals für den Berg Isel übertragen wurde, wanderte ich eines schönen Tages mit zwei Freunden, die sich in Meran angeschlossen hatten, ins Passeier. Es befinden sich dort im Gasthause »Zurn Sand«, dem Geburtshause Hofers, noch verschiedene Kleidungsstücke und Reliquien des Tiroler Helden, die zu sehen und zu studieren ich für notwendig hielt. Nachdem wir bei strömendem Regen und fast ungangbaren Wegen das Sandwirtshaus erreicht hatten, besichtigten wir nur ganz oberflächlich diese Gegenstände, die unter einem Glaskasten verwahrt werden, und wanderten eine halbe Stunde weiter nach dem größeren Dorfe St. Leonhard, wo wir im Gasthause »Zurn Strobl- recht gute Unterkunft fanden. Meine Freunde, mit denen ich einen fröhlichen Abend verlebte, kehrten am nächsten Morgen nach Meran zurück; ich begleitete sie bis zum Sandwirtshause, wo wir uns verabschiedeten. Der jetzige Wirt am Sand, ein entfernter Verwandter Hofers, konnte mir auf Befragen über die Statur Hofers keine sichere Auskunft geben. »Wenn Sie aber was Gewisses über'n Andrä hören woilen«, meinte der freundliche Mann, »rnüssen Sie nach Walten zum Steiner-Josele, der noch selbst dabei gewesen und davon zu erzählen weiß.«

Diese Auskunft genügte, mich in gute Stimmung zu bringen. Beim roten »Tiroler- waren der Wirt und ich bald gute Freunde, und früh am nächsten Morgen waren wir auf dem Wege nach Walten. Der gute Mann begleitete mich. Hinter dem schön gelegenen Dorf St. Leonhard führt der Weg oft senkrecht empor, und da es mehrere Tage vorher stark geregnet

werde gleich kommen, es wäre beim Dreschen im Stadel. Beim Dreschen im Stadel, dachte ich, mit 96 Jahren, was muß das für eine Natur sein! Langsam ging die Tür auf, eine breitschultrige, etwas gebeugte Gestalt trat ein, in Hemdärmeln, einen mächtigen Hut in der Hand. Mitten in der Stube blieb er stehen, bald erblickte er mich, als den einzig herrisch Ge-

hatte, waren es mühselige zweieinhalb Stunden, bis wir Walten erreichten. Leider war die ganze Gegend ringsum in Nebel gehüllt. Die Fenster der einfach gebauten oder gezimmerten Häuser blickten recht düster aus den Holzstößen heraus. In eines dieser niedrigen Häuser führte mich mein Begleiter. Ich war überrascht, als wir in eine getäfelte Stube traten. An den zwei Tischen saßen einige Bauern bei einem Gläschen Wein und qualmten aus ihren kurzen Pfeifchen. Ein guter Schluck Enzian, der in dieser Gegend ganz vorzüglich gebrannt wird, und ein Stück geräucherter Speck ließen uns bald die Mühseligkeiten des Steigens vergessen. Ich wünschte nun das Josele zu sehen, um dessentwillen wir ja gekommen waren. Der war aber nicht im Wirtshaus. Eine Magd wurde geschickt, ihn von den nächsten Häusern herüberzuholen. Bald kam sie mit der Nachricht zurück, das Josele

kleideten, und sprach, zu mir gewendet: »Was will der Herr von rnir?« Diese Worte in so festem Ton machten mich ganz befangen. Entschuldigend erwiderte ich, ich wäre gekommen, den ältesten Mann von Passeier zu sehen, er möchte sich zu uns setzen und ein Glas Wein trinken. Ich bot ihm einen Stuhl zum Sitzen. Er schaute mich eine Zeitlang an und entgegnete: »Zu Ihnen setzen will i' mi' schon, aber Wein trink i koanNun half mein Begleiter, der ihn schon länger kannte, und erklärte ihm mein Anliegen. Vorerst versicherte er ihm, daß ich keiner vom Gericht wäre, auch mit den Steuerleuten nichts zu tun hätte. Nachdem das Mißtrauen verschwunden war, wurde er mitteilsam. Unser Gespräch ging bald zurück in die Zeit von 1809. Lebendig wußte der alte Mann zu erzählen: von der Aufregung, vom Zusammenhalten im


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ganzen Tale, dann von den Kämpfen und dem darauffolgenden Elend. Es war ergreifend, wenn er mit seiner großen, knöchernen, zitternden Hand hinauszeigte und sie wieder auf den Tisch sinken ließ. Mir war aber hauptsächlich darum zu tun, über die Person Hofers Wahres zu erfahren, und ich lenkte das Gespräch auf diesen. »War der Hofer ein großer Mann?« fragte ich. »Ja, seil woll, dös war a starker Mann; solche san im Tal wenig gwachsen. « »Hab ihr oft mit ihm verkehrt?- fragte ich weiter. »0 ja, wie oft han i die Stafetten übern Jaufen nach Sterzing tragen. I war a flinker Bua, wie i noch jung g'wesen bin, und hon sov'l guat lafen 'kennt! Da haben sie alleweil mi q'schickt«, erzählte er weiter. »Seppele, geh' nu g'schwind und laß' di nit derwischen«, hat der Hofer g'sagt. »Gib dös Papier beim Wirt in Sterzing

(der Name ist mir entfallen) ab, und wenn sie dir was mitgeb'n, kimmst wieder bald z'ruck. Einmal hat er mir an Silberzwanziger g'schenkt, den hon i heunt no.s Ich erfuhr weiter beim Josele Auskunft über die Kleidung Hofers und Farbe derselben; am liebsten ist er in Hemdärmeln gewesen, der Hofer, meint er. Das Gedächtnis vom Josele war ausgezeichnet. Auf viele Kleinigkeiten und Eigentümlichkeiten erinnerte er sich, und ich habe manches von ihm erfahren, wofür ich heute noch dankbar bin. Plötzlich erhob er sich. »Jetzt muß i zur Arbeit«, sagte er. Ich merkte wohl, daß es sein Ernst war, und fragte noch schnell: »Es muß wohl ein trauriger Tag gewesen sein, an dem man Hofer gefesselt aus dem Tale schleppte?« »Jo, Herr«, entgegnete Josele, »das war wohl der loadeste Tag in meinem t.eben«

Ich drückte ihm ein paar Silbergulden in die Hand, die er nicht annehmen wollte. »Für was gebt Ihr mir Geld?« sagte er. Ich erwiderte, daß er Zeit verloren habe, und die möchte ich ihm vergüten. So nahm er das Geld und behielt es in der Hand. Diese Unterredung war mir wertvoller als alles, was ich bis dahin über Hofer in Büchern gelesen hatte. Der alte Mann machte mit seinem einfachen, bestimmten Wesen einen großen Eindruck, und die Worte, die er sprach, verwandelten sich in klare Bilder. Bevor ich Walten verließ, nahm ich mir vor, künftiges Jahr wiederzukommen und versprach dies auch meinem freundlichen Begleiter, als ich am nächsten Tage von ihm, seiner Familie und dem Sandwirtshaus Abschied nahm.

Vereine stellen sich vor

Musikkapelle Andreas Hofer St. Leonhard

Am diesjährigen Cäciliensonntag hielt die Musikkapelle St. Leonhard, nach der vormittägigen feierlichen Umrahmung der Spätmesse, ihre Jahreshauptversammlung ab, eine Gelegenheit, auf ein erfolgreiches Tätigkeitsjahr zurückzublicken und die Weichen für die nächste Zukunft zu stellen. Die Musikkapelle Andreas Hofer setzt

Beim Neujahranspielen

sich derzeit aus 35 Musikanten, 5 Marketenderinnen und einer dreiköpfigen Fahnenabordnung zusammen. Die Mitgliederzahl der Kapelle hat sich damit im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren kaum verändert, und auch die personellen Umstellungen innerhalb der Musikkapelle, das heißt Abtritte und Neu-

zuzüge, beschränkten sich fast ausschließlich auf die Jungmusikanten. Einen stärkeren Wechsel gab es beim Amt des Kapellmeisters, für das nach Alois Pamer und Luis Gögele im Herbst 1986 Roland Schwarz aus St. Martin gewonnen werden konnte. Er führt die Kapelle mit Umsicht, Einfühlungsvermögen und viel jugendlichem Elan. Trotzdem zeigt sich auch in St. Leonhard ein Trend, der sich in anderen ähnlich strukturierten Gemeinden ebenso feststellen läßt: es gibt immer weniger junge Leute, weiche die Mühe auf sich nehmen, ein Instrument zu erlernen und die vielen Proben und Ausrückungen konstant mitzumachen. Dabei eignet sich kaum ein anderes Medium besser, Menschen zu erziehen, als eben die Musik Jeder, der in einer Gruppe musiziert, weckt und fördert durch diese Tätigkeit sowohl seine menschlichen als auch seine sozialen Fähigkeiten. Durch das musikalische Sicheinordnftn, Sichunterordnen, Sichanpassen, Sichkonzentrieren, Sichselbstdarstellen usw. eignet sich der Mensch Fähigkeiten an, die ihm' nicht nur (Fortsetzung auf Seite 6)


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Musikkapelle Andreas Hofer St. Leonhard (Fortsetzung von Seite 5)

beim Musizieren, sondern in seiner gesamten Lebensführung und Lebensgestaltung zugute kommen. Die Bemühungen durch den Obmann Franz Haller, die besonders in diese Richtung gehen, die Kapelle mit jungem Nachwuchs zu ergänzen, tragen auch aufgrund der starken Vereinskonkurrenz im Dorf nur langsam Früchte. In letzter Zeit scheint es aber diesbezüglich wieder aufwärts zu gehen: in diesem Jahr erlernen nämlich 19 Burschen und Mädchen aus St. Leonhard im Rahmen der Musikkurse Passeier ein Blasinstrument. Die Leitung der Musikkapelle hofft, daß möglichst viele davon durchhalten und der Kapelle beitreten. Laut Bericht des Obmannes hat die Kapelle im vergangenen Tätigkeitsjahr 57 Vollproben, 36 Teilproben und 29 weltliche und kirchliche Ausrückungen aufzuweisen. Besondere Erwähnung verdient hierbei das schon zur Tradition gewordene Osterkonzert, das neben zahlreichen Gästen auch mehrere einheimische Musikliebhaber besuchten. Viel an Vorbereitung forderte weiters die Teilnahme an den Wertungsspielen des Bezirkes in Meran, wo die Musikanten

unter der Leitung von Roland Schwarz in der Mittelstufe die Wertung -sehr gut« erreichen konnten. Die Jugendlichen Musikanten nehmen zudem an den Jungbläserwochen und am Erwerb des Jungbläserleistungsabzeichens teil, Veranstaltungen des Verbandes Südtiroler Musikkapellen, deren Ziel die Schulung und Weiterbildung von Jungmusikanten ist. Noch mehr Proben und Ausrückungen ergeben sich für jene 11 Musikanten, welche zusätzlich noch Mitglieder der »Böhrnischen- sind. Sie zeigten im vergangenen Jahr 19mal, besonders bei Heimatabenden und kleineren Ständchen ihr Können und bereiteten sich in 20 Zusatzproben auf diese Auftritte vor. So gestalteten sie beispielsweise im März dieses Jahres auch den Besuch der Gemeindeabordnung von St. Leonhard in der Partnergemeinde Fuchsmühl in Bayern musikalisch mit. Auch mit der Ötztaler Gemeinde Sautens wurden im Rahmen eines Schützenfestes weiterhin Kontakte gepflegt. Damit ist schon angedeutet, daß die Leitung der Musikkapelle neben der konstanten Aufbauarbeit und Weiterbildung besonderen Wert auf die Geselligkeit und den Kontakt zu anderen Musikkapellen, auch im benachbarten Ausland legt. Ein besonderes Erlebnis

Die Musikkapelle beim Bezirksmusikfest im Mai 1988 in Meran.

für alle Mitglieder der Kapelle war im abgelaufenen Tätigkeitsjahr die Teilnahme an einem dreitägigen internationalen Musikfest in Oberauerbach-Saarbrücken. Als wohl traditions reichste Veranstaltung darf das »Neujahranspielenzum Jahreswechsel nicht vergessen werden. Es ist zwar eine große Strapaze für die Musikanten, bei jeder Witterung und bei der Kälte dieser Jahreszeit von Haus zu Haus zu ziehen. Die Bevölkerung hat dies aber im vergangenen Jahr wieder mehr honoriert und sich spendenfreudiger gezeigt als in den Vorjahren. Für einen Außenstehenden ist es bei dieser Auslastung der Musikanten nicht verwunderlich, wenn der eine oder andere Musikant zwischendurch eine Probe ausläßt. Es hängt aber gerade in einer Musikkapelle viel an Können und Kameradschaft von einer möglichst regelmäßigen und vollzähligen Teilnahme an allen Veranstaltungen ab. Bei jeder Vollversammlung werden aus diesem Grunde die fleißigsten Musikanten besonders erwähnt und geehrt. Die Ehrenabzeichen für verdiente Musikanten wurden bereits im Rahmen des diesjährigen Osterkonzertes an folgende Mitglieder vergeben: das Verdienstabzeichen in Gold für 40jährige Tätig-


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keit an Luis Ennemoser, Sepp IImer und Hans Pixner; das Verdienstabzeichen in Silber für 25 Jahre an den derzeitigen Obmannstellvertreter der Musikkapelle Simon Pamer. Nicht vergessen werden darf in diesem Zusammenhang der kürzlich verstorbene Alois Pfitscher, »Locher l.uis«, weIcher der Musik 63 Jahre lang(!) die Treue gehalten hatte. Diese umfangreiche Tätigkeit zum Wohle unserer Bevölkerung und in letzter Zeit in zunehmendem Maße auch zum Wohle des Fremdenverkehrs in unserem Tale, hat natürlich auch finanzielle Auslagen zur Folge. Besonders die Erneuerung und die Ergänzung der Instrumente sowie die Aus- und Weiterbildung schlagen ne-

ben zahlreichen anderen Auslagen dabei besonders zu Buche. Auf der Einnahmenseite ist die Kapelle neben den Eigeneinnahmen durch Konzerte, Auftritte usw. natürlich in erster Linie auf Spenden angewiesen. An dieser Stelle soll allen Bürgern, welche die Musikkapelle in irgend einer Form unterstützt haben, ein herzliches Vergelt's Gott gesagt werden. Zudem gebührt auch der Raiffeisenkasse Passeier und der Gemeindeverwaltung, die immer ein offenes Ohr für die Anliegen dieser kulturellen Einrichtung haben, ein aufrichtiger Dank. An den Schluß dieses Berichtes soll der Wunsch des Obmannes und des gesamten Vereins gestellt werden, daß sich möglichst viele Jugendliche

Für eine saubere Passer

in den Dienst der Kapelle stellen und ihr auch von seiten der Bevölkerung mehr Aufmerksamkeit, vor allem durch einen regeren Besuch von Aufführungen, entgegengebracht werde. Jugendliche, welche Interesse an der Musik zeigen, können sich jederzeit an den Obmann (Franz Haller, Wollspinnerei, Kohlstatt 65) oder an eines der folgenden Ausschußmitglieder wenden: Simon Pamer, Obmannstellvertreter Sepp Hofer, Kassier Thomas Prünster, Schriftführer Thomas Pichler, Beirat Leonhard Pixner, Beirat Anton Pamer, Beirat

stärkt, um der Anlage größtmöglichen Schutz zu bieten. Ing. Gretzer erläuterte auch die Wirkungsweise des Klärwerkes, das neben allen technischen Feinheiten mit einem Biogasspeicher ausgestattet wird, damit die benötigte Wärmeund Elektroenergie zu einem Großteil von der Anlage selbst erzeugt werden kann. Dr. Erwin Kofler, Direktor des Amtes für Gewässerschutz, überbrachte die Grüße der Landesregierung und wies auf die einmalig schöne Landschaft des Passeiertales hin, das eine saubere Passer verdiene. Die Gäste unterzeichneten zum Schluß der kleinen Feier die aufliegende Urkunde, die in den Grundstein gelegt wurde. Der Stein wurde unter dem Beifall der anwesenden Gäste und Arbeiter von Bürgermeister Josef Pichler in den Grundstein eingemauert.

Kläranlage

Ende Oktober erfolgte die feierliche

Grundsteinlegung der Verbandskläranlage St. Martin und St. Leonhard.

Das Projekt von Dr. Ing. Aribo Gretzer sieht den Bau einer voll biologischen Belebungsanlage vor. Dabei wir in Südtirol erstmals das zweistufige Verfahren mit Schlammfaulung und Energierückgewinnung angewandt, das vor allem einen guten Abbau der verschiedenen Stickstoffverbindungen garantieren soll. Die Anlage hat das Abwasser von maximal zwölftausend Einwohnergleichwerten (EGW) zu bewältigen, wobei dieser Wert außerhalb der Fremdenverkehrssaison auf die Hälfte absinkt. Die Kläranlage wird südlich der Siedlung Kalbe errichtet

und wird rund drei Milliarden Lire verschlingen. Zur feierlichen Grundsteinlegung begrüßte Verbandspräsident und Bürgermeister Josef Pichler die erschienen Behörden- und Firmenvertreter, die Politiker und die Techniker Dr. Ing. Aribo Gretzer und Ing. Manfred Ebner, welcher für die Statik zeichnet. Pichler streifte kurz die Vorgeschich. te des Bauvorhabens. Die Zuleitungsstränge wurden bereits realisiert, aber vom Unwetter des Sommers 1987 arg in Mitleidenschaft gezogen, sodaß sogar eine leichte Standortverschiebung vorgenommen werden mußte. Das Amt für Wildbachverbauung hat die Passerdämme ver-

Grundsteinlegung (Bürgermeister Pichier, Ing. Gretzer).


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Kleinbusse für SC Passeier-Raiffeisen

Mitte November wurden im Rahmen einer kleinen Feier, zu der sich der Ausschuß des Sportclub Passeier, der Obmann, die Obmannstellvertreter sowie der Geschäftsführer der Raiffeisenkasse Passeier vor dem Raiffeisenhaus in St. Leonhard eingefunden hatten, zwei Kleinbusse ihrer Bestimmung übergeben. Der Ankauf eines Kleinbusses für die Sektion Ski und eines weiteren für die Sektion Fußball wurde durch eine großzügige Spende der Raiffeisenkasse Passeier ermöglicht. Für den Erwerb des zweiten Fahrzeuges wurde auch das Angebot der Südtiroler Sporthilfe zum preisgünstigen Ankauf yon Kleinbussen ausgenützt. Für einen Teil der Finanzierung wird auch ein Ansuchen an die Gemeinden Moos und St. Leonhard gestellt werden. Die Resttinanzierung der Busse verlangt natürlich auch noch vom Ausschuß und von den Mitgliedern obgenannter Sportsektionen große Opfer. Im Rahmen dieser Feier dankte Sportclubpräsident Anton Haller den Vertretern der Raiffeisenkasse für den gewährten Beitrag zum Ankauf der Busse, aber auch für die immer wieder gewährte Unterstützung.

Der Geschäftsführer der Raiffeisenkasse, Toni Kofler, wies auf das gute Verhältnis zwischen Sportclub und Raiffeisenkasse hin und fügte hinzu, daß es der Raiffeisenkasse im Zuge ihrer Unterstützungstätigkeit schon

Tätigkeit der Sektion Ski für die bevorstehende Saison

Die Sektion Ski vertritt mit ihren Athleten und aktiven Mitgliedern ca. 130 an der Zahl - die drei Passeirer Gemeinden mit allen Fraktionen. Zirka 80 Mitglieder sind Kinder und Jugendliche zwischen 3 und 18 Jahren. Die Betreuung der Jugendlichen betrachten wir als unsere Hauptaufgabe. Davon zeugen die Tätigkeiten mit den Trainingszentren A-B, Bund FISI, denen wir rund 50 Kinder von 6 bis 15 Jahren zugeteilt haben. Im A-Zentrum trainieren die 11 bis 15jährigen, für welche die Saison mit je 5 Tagen Schneetraining im Juni und im August - beide Male auf dem Schnalstaler Gletscher - begonnen hat. Von September bis Dezember wird zweimal wöchentlich Trockentraining gemacht und im November sind neuerdings 3 Tage Schneetraining im Schnalstal vorgesehen. Während der Weihnachtsfeiertage trai-

niert diese Gruppe täglich 3 Stunden und im restlichen Winter an 4 Nachmittagen in der Woche. Im B-Zentrum sind 8- bis 10jährige erfaßt. Für diese haben wir im August eine Trainingswoche auf dem Gletscher im Sehnalstal abgehalten. Weiters ist vorgesehen: Trockentraining von September bis Dezember - 1mal pro Woche; im November 1 Tag Schneetraining im Schnalstal; täglich 3 Stunden Training über Weihnachten; 3mal wöchentlich Schneetraining im restlichen Winter. Der FISI-Kurs ist für 5- bis 7jährige reserviert, und diese treffen sich von September bis Dezember einmal in der Woche zum Turnen und Spielen. Zu Weinachten sind täglich 2 Stunden und den Winter über 2mal pro Woche 2 Stunden Schneetraining angesetzt. Weiters findet zu Weihnachten wieder

immer ein besonderes Anliegen gewesen sei die Jugend zu fördern. Dies geschieht besonders auch durch die Gewährung von Beiträgen für die Tätigkeit des SC in den verschiedenen Sektionen.

ein Kinderskikurs - täglich 2 Stunden - in Pfelders und in Walten statt, an welchem erfahrungsgemäß um die 130 Kinder, Anfänger und Fortgeschrittene, aus dem ganzen Passeiertal teilnehmen.

Unser Programm für den Winter:

8. Jänner 1989: Jugendwertungsrennen in Pfelders - Torlauf 4. Februar 1989: Faschingsball im Vereinshaus von St. Leonhard 12. Februar 1989: Jugendwertungsrennen in Pfelders - Torlauf 19. Februar 1989: Pseirer-Cup - Riesentorlauf und Abfahrt 26. Februar 1989: Pseirer-Cup - Torlauf und Preisverteilung 12. März 1989: Vereinsmeisterschaft - Riesentorlauf


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Elektrowerk Gomion Beispiel einer gelungenen Genossenschaftsinitiative

Aus der Geschichte: Wer vor 1975 in Gomion mit dem elektrischen Licht zu tun hatte, weiß, wie schwach und schwankend dort der Strom war und wie katastrophal dies sich auf die Arbeit mit Maschinen und Elektrogeräten auswirkte. Das private E-Werk des Alois Gufler wie auch die veraltete und zu lange (3 km) Niederspannungsleitung konnten eine ausreichende Stromlieferung nicht mehr gewährleisten. Daher schlossen sich am 10. August 1973 26 Bürger in Gomion zur »Elektrogenossenschaft St. Leonhard - Gernion- zusammen. Zweck dieser Genossenschaftsgründung war »die Erbauung einer Mittelspannungsleitung von St. Leonhard nach Gomion, um den betroffenen Bürgern in naher Zukunft genügend Strom zu lietern« (Auszug aus dem Gründungsprotokoll). Die Gründungsversammlung wählte folgende Herren in den Vorstand: Gögele Josef, Eschgfäller Hermann, Gufler Josef, Pichler Franz und Pichler Johann. In den Aufsichtsrat wurden Alber Franz, Gufler Josef und Kofler Franz gewählt. Mit eigenen Mitteln und mit Hilfe der öffentlichen Hand (Land, Gemeinde St. Leonhard) schritt die neue Genossenschaft sogleich an die Verwirklichung ihres Vorhabens. 1974 kaufte sie die Verteilerlizenz, sowie das private E-Werk des Alois Gufler, das seit 1954 den Gomionern Strom geliefert hatte. 1975 baute sie die 3 km lange Mittelspannungsleitung von St. Leonhard bis Schramach in Gomion, über welche nun der Großteil der Stromleistung bezogen wurde. Im gleichen Jahr traten der Genossenschaft neue Mitglieder von Christi, Hinteregg, Breiteben und ein Jahr später von Glaiten bei. 1977 wurde die gesamte Niederspannungsleitung in Gomion gebaut. In den darauffolgenden zwei Jahren bekamen Glaiten und Schlattach (die Schlattacher traten 1979 der Genossenschaft bei) neue Mittelspannungs- bzw. Niederspannungsleitungen. Da der Stromverbrauch in den siebziger Jahren enorm gestiegen war, mußte für eine bessere Energieversorgung etwas unternommen werden. Zudem mußte die Genossenschaft auch einen Ausweg aus der

finanziellen Notlage, in die sie sich durch die vorangegangenen Investitionen gestürzt hatte, suchen. Die Elektrogenossenschaft St. Leonhard-Gomion sah die beste und rentabelste Lösung im Bau einer neuen Zentrale, ein Vorhaben, das allerdings viel Mut und Einsatz erforderte. 1979 wurde daher beschlossen, beim Wasserbauamt der Autonomen Provinz Bozen um die Konzession der Wasserableitung vom Salderner Bach anzusuchen und Ing. Ernst Troyer mit der Projektierung eines neuen Werkes zu beauftragen. Das erste Projekt wurde vom Wasserbauamt abgelehnt. Im Jahre 1982 schaffte dann ein zweites Projekt, ebenfalls von Ing. Troyer, auf Anhieb alle bürokratischen Hürden. Das neue Werk, bestehend aus Zentrale, Druckleitung und MitteIspannungsleitung, sollte laut Kostenvoranschlag auf rund 250 Millionen Lire zu stehen kommen (ohne zweiten Maschinensatz). Um das ganze Projekt zu finanzieren, wurde bei der Raiffeisenkasse Passeier ein Darlehen aufgenommen; die einzelnen Mitglieder unterschrieben als Bürgen. Noch im Herbst 1982 wurden die Kabel für die 1400 m lange MitteIspannungsleitung von der neuen Zentrale bis Schramach verlegt, ebenso wurde der Graben für die Drucklei-

Ansicht des alten Maschinenraumes (1954).

tung ausgehoben. Anfang 1983 wurden die Rohre der Druckleitung verlegt, Ende Mai 1983 waren die Fassungsstelle am Salderner Bach und die neue Zentrale fertiggestellt. Alle Arbeiten hatte die Genossenschaft in Eigenregie durchgeführt. Am 20. Juni begann die Firma Troyer aus Sterzing mit der Montage der Turbine, des Generators, der Regelung und der Schaltanlage in der neuen Zentrale. Am 20. Juli war es dann soweit die neue Zentrale wurde in Betrieb genommen. Mit Beschluß der Vollversammlung vom 27. November 1983 kaufte die Genossenschaft einen zweiten Maschinensatz (Turbine und Generator) für 112 Millionen Lire; seit September 1984 ist auch dieser in Betrieb. Die Kosten des neuen E-Werkes mit den zwei Anlagen samt Druckleitung und Mittelspannungsleitung lagen bei 460 Millionen Lire. Vergleicht man diese Investitionssumme mit den Kosten ähnlicher Elektrowerke gleicher Größenordnung, so stellt sie sich als ausgesprochen niedrig heraus. Als Richtwert für die Kosten galt nämlich schon damals 1 Million Lire pro kW Leistung. Die enorme Kostenersparnis ist vor allem darauf (Fortsetzung auf Seite 10)


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Elektrowerk Gomion

(Fortsetzung von Seite 9)

zurückzuführen, daß die Elektrogenossenschaft den Großteil der Arbeiten in Eigenregie ausführte. Das Land gab einen Beitrag von 72 Millionen Lire für die MitteIspannungsleitung, der Rest wurde von der Elektrogenossenschaft selbst getragen. Seit Baubeginn wird das E-Werk von Herrn Alfred Pichler aus Gomion mit Einsatz und Sachkenntnis beaufsichtigt und überwacht (seit April 1985 als Festangestellter). Heutiger Stand: Heute gehören der Genossenschaft 103 Mitglieder (Ende 1987) aus den anfangs erwähnten Fraktionen an. Den derzeitigen Vorstand bilden die Herren Gögele Josef (Obmann), Pichler Johann (Stellvertreter), Pixner Leonhard, Grassl Anton und Lanthaler Konrad, dem Aufsichtsrat gehören die Herren Terzer Georg, Ennemoser Josef und Moosmair Johann an. Die Jahresproduktion lag im Jahre 1987 bei 4.170.000 kWh. Seit Oktober 1983 besteht eine Parallelschaltung m1t dem Enelnetz, sodaß der überschüssige Strom an diese Gesellschaft verkauft werden kann. Seit Jänner 1986 ist das E-Werk Gomion außerdem durch eine MitteIspannungsleitung über Stuls mit dem E-Werk der Gemeinde Moos verbunden, sodaß das E-Werk Moos vom Enel Strom ankaufen bzw. diesem den Überschußstrom verkaufen kann. Im Bezugsjahr 1987 konnten vom Gomioner Werk bei einem Eigenverbrauch von etwa 470.000 kWh ca. 3.600.000 kWh an das Enel abge-

Zentrale 1984

TECHNISCHE DATEN UND LAGEPLAN DES E-WERKES Gefälle: Maximale Wassermenge: Länge Druckrohrleitung: Maschinensatz: I Maschinensatz: II Höchstleistung: Jahresproduktion:

336 m 350 I/sec. 1050 m 650 KVA 430KVA 780 kW ca. 3,8 Mill. kWh (durchschnittlich)

zentrale (776 m)

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geben werden (ca. 2,4% der Produktion gehen durch die Verteilung verloren). Aufgrund der günstigen Strompreislage der letzten Jahre konnten erhebliche Gewinne erzielt werden, sodaß die Genossenschaft ihren Mitgliedern bereits ab Juni 1985 den Strom zu einem stark verbilligten Tarif liefern konnte (bis zu 4000 kWh um 5 Lire/kWh). Auch die Schulden, die durch den Bau des Werkes entstanden waren, konnten zum größten Teil bereits getilgt werden. Daher denkt die Genossenschaft bereits an eine Erweiterung des bestehenden Werkes und an eine Verbesserung der bestehenden Betriebsstruktur. Insgesamt ist das E-Werk Gomion ein gelungenes Beispiel, wie die Wasserkraft unseres Tales ohne merkliche Eingriffe in die Landschaft genutzt werden kann.


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Dorffest in St. Martin Die Vereine von St. Martin und Saltaus luden zu einem sympathischen Dorffest in St. Martin in Passeier ein. Die Idee zur Durchführung eines Dorffestes wurde nicht zuletzt deswegen geboren, weil 1987 das Festzeit wegen der neuen Sicherheitsbestimmungen abgebrochen werden mußte und daher viele Vereine kaum noch eine Möglichkeit hatten, ihre traditionellen und besonders bei den Feriengästen beliebten Vereinsfeste feiern zu können. Die malerische Dorfgasse eignete sich gut für die Durchführung des zweitägigen Festes, da der Transitverkehr über die Staatsstraße abgewickelt werden konnte. Obwohl ein sonst in St. Martin kaum bekannter Spätsommerwind für dauernde Frischluft sorgte, wurde die Veranstaltung für die Dutzend beteiligten Vereine zu einem vollen Erfolg. Die Gaudi begann am 17. September mit dem Einmarsch der Musikkapelle Moos und der Eröffnung durch den Schirmherr, Bürgermeister Josef Pichler, worauf die Besatzungen der Stände vollauf zu tun hatten, um den Gästen Unterhaltung, Spiel, Speise und Trank zu bieten. Jedes Ständchen hatte seine Musikgruppe, die wenn auch teilweise für ein Dorftest zu laut - für Stimmung und Gaudi sorgte. Am Sonntag führte die Musikkapelle Walten in den zweiten Teil des Dorffestes ein, auf dem die Stimmung mittlerweile derart wuchs, daß es manchem schwer fiel, rechtzeitig abzubrechen und sich wieder dem Alltag zu widmen. Neben Herkömmlichem sah man auch originelle Angebote, von denen zahlreicher Gebrauch gemacht wurde. Einige Stände bemühten sich auch um einen gepflegten Rahmen in Aufbau und Dienstleistung, sodaß angenommen werden kann, daß sich das Dorftest in St. Martin zu einem von Bürgern und Gästen beliebten Bestandteil im Ablauf des Jahreskreises entpuppen wird. Jedenfalls rechnen die' Initiatoren der Veranstaltung, Verkehrsvereinspräsident Robert Ennemoser und seine Mitarbeiter, mit einer Neuauflage, wobei viel Phantasie und gepflegte Darbietung neben einer gebotenen Rücksichtnahme auf die Dorfbevölkerung Voraussetzung eines gelungenen Dorftestes bleiben müssen.

Die Gastwirte des Passeiertales boten anläßlich des Dorffestes von St. Martin eine Weinprobe an, deren Bestehen mit dem Überreichen einer hübschen Urkunde besiegelt wurde.

A SCHUALPLOCE Weign ar Laus a seile Cschiß, . gor firchtn tien se die Leahrer. Die Laise kimmert des an Dreik, es wern olleweil meahrer. In dr Schuele mueß dr Tocktr kemmen untersuechn de Kindergrinte, in de Zottlin krahln und wiehin, sein tuets lei a Cschinte. Verschreibn tuet er des und seil und an psundern Puder nit vergessn oziwaschn und tricknin mit ar Hudr. Die Laise wern drgaling hin, zacher sein die Nissn. Und wenn der Herbischt wieder kimmb hot dearte Laus gebissn. (Anna Maria Lanthaler)


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****** ADVENT

Betlehern wou bisch du? Dr Weg isch verwahnt, die Liechtr drloschn, die Pruggn verlant Ober Kind in dr Krippe mir wern di schun fintn, mir mießn ins holt selbr die Liechtr onzintn.

****** Wir gratulieren zur Geburt 1988 ST. LEONHARD (Vom 6. Sept. bis 30. November)

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Bacher Sandra, 27. September 1988, Gerichtsweg 14 Gufler Roswitha, 4. Oktober 1988, Mooserstraße 22 Haller Greti, 29. Oktober 1988, Prantach 24 Haller Joachim, 19. Oktober 1988, Stickl 10 Marth Manuela, 16. September 1988, Gomion 16 Pfitscher David, 29. Oktober 1988, Mörre 56 Pichler Lukas, 14. November 1988, Mörre 43 Tschöll Artur, 13. September 1988, Kammerveiterstraße 13 ST. MARTIN (Vom 22. August bis 19. September) Pichler Matthias, 10. September 1988, Kalmtalerstraße 5 Ennemoser Thomas, 22. August 1988, Wiesenweg 5 Hanifle Magdalena, 6. Sept. 1988, p.p. Theiner 2

Fontana Andrea, 19. September 1988, Garberweg 7

MOOS (Vom 23. August bis 30. Oktober) Ennemoser Verena, 14. Sept. 1988, PiII143 Gufler Stefan, 12. Oktober 1988, Rabenstein 36 Hofer Daniela Natalie, 12. Okt. 1988, Platt 12 Hofer Elisabeth, 30. August 1988, Pfelders 38 Hofer Manuel, 20. September 1988, Platt 38

Kofler Peter, 6. Oktober 1988, Platt 90 Pichler Stefanie, 20. September 1988, Ulfas 13 Pöhl Deborah, 28. Oktober 1988, Stuls 21A Raich Jennifer, 10. September 1988, Pfelders Schweigl Katharina, 13. Sept. 1988, Platt 55 Gögele Thomas, 14. Oktober 1988, Aue 127

Die Redaktionsmitglieder wünschen allen Lesern gesegnete Weihnachten und ein gesundes und erfolgreiches Neues Jahr 1989.

Eigentümer und Herausgeber: Joset Pichler, Trifter Weg 2/b, St. Martin in Passeier. Druck: Riridruck, GoethestraBe 93. Verantwortlich für den Inhalt im Sinne des Pressegesetzes: Dr. Gerald Reischmann.

Erscheint drei monatlich. - Eingetragen beim Landesgericht Bozen mit Dekret Nr. 11/87 vom 29.05.1987. Redaktionskomitee: Robert Haniger, Dr. Heinrich Hoter, Joset Kofter, Karl Lanthaler, Joset Pichler, Ubald Pichler, Dr. Albin Pixner, Arnold Rinner, Joset Öttl.


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