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2016

Passauer land Das Magazin

für Urlaub in Niederbayern

Flüsse Wälder Thermen

Trend mit Tradition

Gelebte Spiritualität

Wo das Brauchtum nicht aus der Mode kommt

Vom Pilgern bis zur Paramenten-Stickerei

Rösser, ritter, Rituale

Hart aber herzlich

Vom Rottaler Warmblut bis zum Schwarzen Ritter

Steinhauerleben im Bayerischen Wald.

Raue Nächte

Wo schaurig-schöne Grimassen geschnitten werden

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Inhalt

Der besondere

Tipp:

Die Passau Card e die Region

Entdecken Si freie Eintritte und nutzen Sie stigungen! und viele Vergün passaucard.de w. w w / 944949 und 1  53 08 on lef icete

Serv

„Griaß Di“ im Passauer Land ................................................................... Seite 4

Trend mit Tradition Trend mit Tradition ................................................................................... Seite 6 Vom Leder zur Hos'n .............................................................................. Seite 10 Goldene Hauben - die Kronen der Passauerinnen .......................... Seite 14 Wo noch immer von Hand gewebt wird ........................................... Seite 18

Hart aber herzlich Wo der Granit das Leben bestimmte .................................................. Seite 24 Die Steinhauer ......................................................................................... Seite 26 Ganz aus Granit ...................................................................................... Seite 28

Ritter, Rösser, Rituale Vom Jodlbauer zum Rottaler ............................................................... Seite 30 Höret, höret! ............................................................................................ Seite 34 Odin's Hörner und die starken Männer in Ortenburg ................... Seite 36

Gelebte Spiritualität Pilgern im Passauer Land ...................................................................... Seite 38 Im Namen des Vaters ... ........................................................................ Seite 44 Johann Baptist Modler ........................................................................... Seite 48 Jürgen Hollweck ...................................................................................... Seite 50 Mit Geschick bestickt ............................................................................ Seite 52

Raue Nächte Raue Nächte und gruselige Gestalten ............................................... Seite 58

Tradition – ganz schön im Trend Wo Brauchtum immer in Mode ist und alte Handwerkskunst noch lebt Was bedeutet Heimat? Jede und jeder hat darauf seine ganz eigene Antwort. Wir im Passauer Land setzen auf unsere Tradition – und wissen, dass wir damit immer auf der Höhe der Zeit sind. Denn das Bekenntnis zu seinen Wurzeln ist für die Menschen im Landkreis Passau eine Selbstverständlichkeit, die seit jeher gelebt wird. Ob bei jung oder alt, im Passauer Land ist das Brauchtum nie aus der Mode gekommen. Schon gar nicht beim Gewand der Bayern, der Tracht. Ob Dirndl oder Lederhose, was für die einen mittlerweile schick ist, gehört für die anderen einfach dazu. Anlässe dafür gibt es bei uns mehr als genug: Volksfeste, Trachtenumzüge und vieles mehr. In der Tracht ist Mann und Frau, Bursch und Mädel immer fesch! Tracht und alte Handwerkskunst gehören dabei eng zusammen. Kein Wunder also, dass im Passauer Land auch so manch selten gewordene handwerkliche Fertigkeit überlebt hat und die Arbeit dafür nicht ausgeht. So kann man noch echte Raritäten entdecken – natürlich nicht nur, wenn´s um Trachten geht. Wir sind dem auf die Spur gegangen. Gehen Sie also mit uns auf Entdeckungsreise, manche Themen der folgenden Seiten werden Sie überraschen. Wir haben ausfindig gemacht, was man in unserer Region unbedingt einmal miterleben sollte. Unsere Themenschwerpunkte in der neuen Ausgabe von Passauer Land 2017 schlagen einen weiten Bogen von entschleunigten Pilgerwegen bis zu rauen Steinhauergeschichten und von edlen Rössern bis zur schaurig-schönen Schnitzkunst. Viel Freude am Blättern, Entdecken und Staunen!

ganz schön was los! Veranstaltungen 2017 ........................................................................... Seite 62 Impressum Herausgeber: Tourist-Information Passauer Land Domplatz 11 . 94032 Passau Telefon: 0851/397-600 Fax: 0851/397-488 Mail: tourismus@landkreis-passau.de . Net: www.passauer-land.de Bilder: Titel: Toni Scholz Inhalt: Robert Geisler, Tobias Müller, Tourist-Information Passauer Land, Toni Scholz, fotolia.com Idee, Redaktion, Gestaltung + Druck: Donaudruck GmbH, Vilshofen . Net: www.donaudruck.de Auflage: 25.000, © Donaudruck, Vilshofen 2016

Unsere Tipps:

Naturerlebnis n Wander-Tipp n Radel-Tipp n Familien-Tipp n Bade/Gesundheits-Tipp n Golf-Tipp n Kulinarischer Genuss n Kulturerlebnis n Wintersport-Tipp n

Landrat Franz Meyer

PS: Kennen Sie bereits unser Passauer Land? Was haben Sie hier selbst schon erlebt? Scheuen Sie sich nicht und schreiben Sie uns. Gerne auch mit Bild. Vielleicht ist Ihre Geschichte ja einen Beitrag wert, im Magazin „Passauer Land“. Mail: redaktion@passauer-land.de

Die Zeitschrift, alle in ihr enthaltenen Abbildungen, Beiträge sowie Anzeigen sind urheberrechtlich geschützt. Abdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung!

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Passauer land

Vielfalt, Offenheit und Herzlichkeit genießen im Passauer Land

"Griaß Di !“

Wer gleich so bei uns begrüßt wird, muss sich nicht wundern. Das kann einem überall passieren im Passauer Land. Völlig normal! Ebenso, dass nicht lange um den heißen Brei herum geredet wird. Nur wenige der liebenswerten Eigenheiten von Land und Leuten, denen man hier begegnen kann. Vielleicht liegt das ja auch daran, dass wir vielerorts lange Zeit eigenständig waren. Über Jahrhunderte hinweg, bis 1806. Denn erst zu Napoleons Zeiten kam das Passauer Land zu Bayern. So wie wir es heute kennen. Natürlich aber hat uns und unsere Kultur die Natur hier stark geprägt. Wald und Wasser – das war im Passauer Land schon immer wichtig. An den großen Lebensadern Donau und Inn. Mächtige Transportachsen für Salz, Holz und anderes wertvolles Handelsgut, das manchen Ort hier zum Blühen brachte. Inzwischen eine der beliebtesten Kreuzfahrt-Destinationen in Europa. Es gibt aber noch manches andere, was viele an unserer Region heute schätzen: Die „Weite und Tiefe“, so wird uns zum Beispiel häufig gesagt – unbeschreibliche Panoramen, egal an welchem Punkt. Eine einzigartige Naturidylle und prächtige Kulisse für eine Unzahl an Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten – in drei Urlaubsregionen und insgesamt acht Feriengebieten. Ein Paradies, mitten in Europa! So groß wie Gran Canaria. Nur eben vielfältiger. Und vor allem: Sehr viel näher! herrlich spektakulär unspektakulär. 4

"Griaß Di !“ Bei uns im Südlichen Bayerischen Wald!

Mit seiner unnachahmlichen Weite und Tiefe, wie man sie nur hier so genießen kann. Seinen sanften Hügeln, urtümlichen Flusstälern und herrlichen Ausblicken. An den Ausläufern des mächtigsten Waldgebietes in Europa. Unendliche Freiheit, das ganze Jahr!

a "Gri ß Di !“ Bei uns im

Auf den Spuren der Säumer und Panduren. Wo alles noch ganz wild und ungezähmt ist. Und man noch Unerwartetes entdecken kann – in der urwüchsigen Flusslandschaft der Ilz, der „schwarzen Perle“, und ihrer wilden Kinder. Oder alte Kultur erleben, hautnah – im Land der drei Burgen mit seinen idyllischen Badeseen. Wo es nicht nur eines der größten Freilichtmuseen Europas gibt, sogar wilde Bisons und Indianer. Vogelwild!

al & Dreibur Ilzt g e nl a n d !

Das Donautal Griaß Di !“ Bei uns im Bayerischen Donautal! "  An einer der mächtigsten Lebensadern Europas. Die so viele Grenzen überwindet wie kein Strom sonst auf der Welt. Einem der schönsten Abschnitte in einer der markantesten Flusslandschaften. Aktivurlaub, Natur- und Kulturerlebnis auf 55 Flusskilometern Länge. Mitten im Passauer Land!

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a "Gri ß Di !“ Bei uns im

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gscheider We Land !

G r a n i t l a nd

Wo das Land und die Leute „hart, aber herzlich“ sind. Der Stein schon immer unser Leben bestimmt hat. Und der Granit einem in jeder Form begegnet. Ob als beeindruckender Fels in wilder Natur, an aufgelassenen Steinbrüchen oder malerischen Badeseen. Sprichwörtlich auf der Straße – unter den Füßen und an unseren Häusern. Hier kann man ihn in aller Vielfalt erleben. Immer wieder und vor allem in unserem Granitzentrum: auf dem „Weg im Fels“!

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aß Di !“ Bei uns Baye" risc l& hen D onauta ! Kl o ster wi n k e l im

Da wo Niederbayern am ursprünglichsten und die Donau noch unverbaut ist, das Land fruchtbar und das Wasser noch reich an Fischen. Das Bier süffig ist und die Kirchen prächtig sind. Wo man sich schon immer aufs Bauen und Brauen verstanden hat und man auf so manchen bekannten Meister trifft. Der Fluss regelmäßig in Flammen aufgeht und es zwei interessante Inseln gibt. Sogar noch manches mehr. Ein Paradies zu Land und zu Wasser!

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Flüsse, Wälder und Thermen

Der Bayerische Wald

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Wo der Gulden einst in Strömen floss. Und das Wasser seine ganze Kraft zeigt. Wo man brandheiße Geschichte(n) und echte Manöver erleben kann, dunklen Geheimnissen auf die Spur kommt und sogar auf Fischen reiten kann. Die Tier- und Pflanzenwelt einmalig, die Aussicht majestätisch und der Spaß am Radeln und Wandern grenzenlos ist. Ob hoch über der Donau oder direkt am Fluss – ein überwältigender Natur- und Kulturgenuss!

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Trend mit tradition

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radition liegt wieder im Trend. Im Passauer Land kein Widerspruch, sondern eine Selbstverständlichkeit, die seit jeher gelebt wird. Ob bei jung oder alt, im Passauer Land ist das Brauchtum nie aus der Mode gekommen. Schon gar nicht beim Gewand, der Tracht. Ob Dirndl oder Lederhose, was für die einen mittlerweile schick ist, gehört für die anderen einfach dazu. Anlässe dafür gibt es hier jedenfalls reichlich: Volksfeste, Trachtenumzüge und vieles mehr. Kein Wunder also, dass im Passauer Land auch so manch selten gewordene Handwerkskunst überlebt hat und die Arbeit dafür nicht ausgeht. So kann man noch echte Raritäten entdecken – natürlich nicht nur, wenn´s um Trachten geht. Wir sind dem auf die Spur gegangen und haben ausfindig gemacht, was man in unserer Region unbedingt einmal miterleben sollte. Unser Themenschwerpunkt in der neuen Ausgabe von Passauer Land 2017.

fer Christian Drescher vom Trachtenhersteller Spieth und Wensky in Obernzell. Der Schönberger gehört seit vielen Jahren zum Unternehmen und kennt die Branche gut. Moderne und ausgefallene Trachten stechen einem im Bierzelt in die Augen, traditionelle Gewänder hingegen meist bei den großen Festumzügen, wie beim Trachten- und Schützenumzug in Vilshofen oder zur Maidult.

Tracht verbindet Die Tradition hat sich bewährt. Tracht verbindet. „Egal ob man aus Bayern, Schweden, Japan oder Amerika kommt – die Tracht schafft ein Zusammengehörigkeitsund

Symbol kultureller Identität

Trend mit Tradition Wo das Brauchtum nicht aus der Mode kommt

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Neben dem Bier steht nichts so sehr für Bayern als die Tracht. Sie ist zum Symbol kultureller Identität geworden. Von Bayern aus ging sie auf Siegeszug durch die ganze Welt. Ganz im Zeichen von Tracht und Bier stehen auch die Volksfeste im Passauer Land. Seit jeher sind das Karpfhamer Fest, die Dult in Passau und auch die kleinen Volksfeste Besuchermagnet für Gäste weit über die Grenzen Bayerns hinaus. Hier trifft man sich zum Feiern, für gesellige Runden und auf die ein oder andere Maß Bier – natürlich in Tracht. Denn die Tracht liegt im Trend – bei jungen Madln genauso wie bei älteren Herren. „Sie ist nicht mehr wegzudenken von den Volksfesten der Region“, das bestätigt auch Technischer Leiter und Ledereinkäu-

Wir-Gefühl. Außerdem steht sie für Geselligkeit und heitere Anlässe“, erklärt Christian Drescher. Dieses Gefühl wird auf den Volksfesten des Passauer Landes greifbar. Denn sie wird nicht nur auf Volksfesten, auch auf Familienfeiern, wie Hochzeiten, Taufen, Geburtstagen und zum Kirchenbesuch getragen. „Gerade in unruhigen Zeiten wie dieser, spielt sie eine ganz besondere Rolle. Man sucht Zusammengehörigkeit und altes Brauchtum“, versucht Christian Drescher das Aufleben der Tradition zu erklären. Doch die Tracht dient nicht nur als Festkleidung. Auch im Alltag

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Trend mit tradition

konnten sich Janker zur Jeans und Karohemden durchsetzen. Denn in Tracht ist man immer gut angezogen, da sind sich wohl alle Altbayern einig.

Vom G'wand zur Tracht Woher stammt die – in allen Teilen der Welt – beliebte Bayerische Tracht? Der Name ist wohl ganz allge-

mein auf das „Tragen“ von Kleidung zurückzuführen. Entwickelt hat sich die Tracht aus Uniformen und der bäuerlichen Kleidung, die von Region zu Region unterschiedlich war. Wie die Kleidung heute, unterlag die Tracht damals einem stetigen Wandel. Anfang des 19. Jahrhunderts begeisterte sie die Regenten der bayerischen und österreichischen Höfe. Noch Jahre später stand sie beim österreichischen Kaiser Franz Josef I. (1830 – 1916) und Prinzregent Luitpold von Bayern (1821 – 1912) hoch im Kurs. Sie trugen Janker und Lederhose zur Jagd in den Alpen. Die Begeisterung stieg damit wohl auch in der Bevölkerung. So wurde bereits 1909 der

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Landesverband Bayerischer Heimatund Volkstrachtenvereine ins Leben gerufen. Dies zeugt von vielen kleinen Vereinen, die auf ganz Bayern verteilt waren und es immer noch sind. Im Passauer Land gibt es momentan 27 Heimat- und Trachtenvereine, bei denen die Bewahrung des Brauchtums hoch im Kurs steht. Ihre Mitglieder stammen aus allen Altersschichten – vom Kleinkind bis zum Greis. Gerade

Bayerischen Waldes ließen sich karierte Westen zu groben Leinenhosen ausmachen. Ein einfaches Halstuch, eine Zipfelmütze und Holzschuhe komplettierten das alltägliche Gewand dieser Schicht. Nur wenige Wohlhabende hatten bessere Kleidung für besondere Anlässe. Die musste aber meist vom Hochzeitstag bis zur Bahre dienen. Um 1900 entwickelte sich im Rottal die Stiefelhosentracht der Männer. Dazu

be. Ihre Ursprünge gehen bis ins 18. Jahrhundert zurück, als Passau und Linz als große Modezentren galten. In diesen Jahren kam auch die altbayerische, aus Wolle und Leinen gefertigte Kleidung aus der Mode. Man griff sonntags zu seidenen Kleidern oder trug Mieder zu Rock und Spenzer. Doch diese Tracht hielt nicht lange an. Schon nach dem 1. Weltkrieg veränderte sich das Kleidungsverhal-

Lederhosen sind schön, gehören für mich aber nicht zur traditionellen Tracht. Sie sind Trachtenmode und haben wenig Verbindung zum Brauchtum“, sagt der 52-Jährige. Dennoch entlehnt man dem Brauchtum heutzutage vieles und variiert zwischen Trend und Tradition. „Bei Stickereien an Lederhosen oder Blusen orientieren wir uns häufig an alten, überlieferten Kleidungsstü-

gehen auf ihren Ursprung im Bäuerlichen zurück. Dennoch kombiniert man sie zu Turnschuhen und Jeans. „Durch Musikgruppen wie LaBrassBanda sind auch T-Shirts gängig zur Lederhose. Damit wird ein traditionelles Naturprodukt cool, weil es neu interpretiert ist“, erklärt Christian Drescher. Er sieht die Grenze zwischen Brauchtum und Mode nicht so eng. Denn die Trachten sollen

Jugendliche engagieren sich vermehrt in Blaskapellen oder Heimat- und Trachtenvereinen. Noch heute lassen sich manche Bewohner an der Tracht ihrer Heimatregion zuordnen. Ihre Festtagskleidung hat unterschiedliche Farben, Schnitte oder Stickmotive.

gehörten ein schwarzer Kurzjanker mit Münzknopfauszieher, eine Weste, eine lange Lederhose und dunkle Lederstiefel. Runde Filzhüte mit breiter Krempe durften dabei nicht fehlen. Auch breite Bauchgurte wurden gerne zur Stiefelhosentracht getragen. Sie zog sich mit einigen Abwandlungen auch über das Wegscheider Land und bis nach Vilshofen.

ten der Bevölkerung. Die Mode setzte sich durch. Tracht wurde nur noch zu ganz besonderen Anlässen getragen und stand immer mehr unter Einfluss der Mode. Historische Trachten, wie sie die Vorfahren trugen, wurden allenfalls zu besonderen Umzügen und Ereignissen hervorgeholt.

cken“, verrät der Fachmann. Die werden dann an die heutige Mode angepasst. Um den Lederhosen einen historischen Charakter zu verleihen, greifen viele Trachtenhersteller sogar zu Schleifpapier und Schuhcreme. Denn eine richtige Lederhose braucht Charakter.

Tradition ist wieder in Mode

„Zwischen Laptop und Lederhose“

sich genau wie ihre Träger weiterentwickeln. „Wir müssen zusehen, den Brauch zu bewahren“, warnt der Lederexperte. Die von Roman Herzog geprägte und vielzitierte Begrifflichkeit – „zwischen Laptop und Lederhose“ – beschreibt das Leben der Bayern in vielerlei Hinsicht. Genau wie wir, hat sich auch die Tracht weiterentwickelt. Sie gehört zu den Bayern – wie das Bier und die Volksfeste.

Auch Christian Drescher von Spieth und Wensky teilt die heutige Tracht in traditionelle Bayerische Tracht, die meist von den Vereinen getragen wird und in Trachtenmode ein. „Pinke

Besonders im Trend liegen derzeit Tradition und Hochwertigkeit. Gedeckte Farben, wie Pastelltöne sowie traditionelle Optiken und Schnitte sind wieder gefragt. Die Trachten

Trachten mit Stil Eine einheitliche Tracht gab es im Passauer Land nicht. So trugen die Rottaler andere Kleidung, als die Bistümler und die übrigen, vom bayerischen Herzog regierten, Teile des heutigen Landkreises. Bei der niederen, arbeitenden Bevölkerung des

Goldhauben – die Kronen der Passauerinnen Die reichen Bürgerinnen und Bäuerinnen trugen feiertags Goldhauben. Insbesondere die Passauer Goldhau-

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Trend mit tradition

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as 1913 gegründete  Traditionsunternehmen ließ sich 1955 in Obernzell mit einer Handschuhmacherei nieder. „Gleich nach dem 2. Weltkrieg waren die Arbeitskräfte in der Gegend noch günstig und die Lage an der Donau optimal“, erklärt der Lederfachmann Christian Drescher. Schnell wurde die Herstellung von Lederbekleidung ins Sortiment mitaufgenommen. Knapp 30 Jahre später präsentierte das Familienunternehmen die erste Trachtenkollektion. Seither konnten sich die Dirndl und Lederhosen aus dem Hause Spieth und Wensky in aller Welt etablieren. Sogar Fußballer des FC Bayern tragen die Trachtenmode aus dem Passauer Land. Grund genug, die Herstellung einer Lederhose mit Christian Drescher genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Nähmaschinen rattern. Naht um Naht entsteht in gleichmäßigem Tempo. „Bei uns in Obernzell wird hauptsächlich die Marke

Beckert produziert“, ruft Christian Drescher. Die Traditionsmarke aus Schönberg wurde dem Unternehmen 1996 angegliedert und ist für Maßanfertigungen und Vereinsausstattungen bekannt. Farbe, Stick, Knöpfe und Modell kann der Kunde frei wählen. Auch Wünsche zu Motiv, Monogramm, Messertasche und Beinweite geben die Fachhändler an den Trachtenhersteller weiter. Wir begeben uns nun zum Zuschnitt. Schon auf den ersten Blick ist klar: Dieser Arbeitsschritt ist aufwändig. Hunderte Ballen verschiedener Leder lagern hinter uns. In hellbraun, dunkelbraun, schwarz, grau oder beige. Sie stammen von Hirsch, Ziege oder Rind und unterscheiden sich nochmals in ihrer Struktur und Qualität. Leder ist ein Naturprodukt. Kein Flecken ist gleich. Für die drei Schnittexpertinnen gilt es nun, das passende Leder für die Hosen auszuwählen. Denn die Häute müssen von der Textur und Farbe her genau

harmonieren. „Dafür braucht man viel Erfahrung und ein gutes Auge“, wirft Christian Drescher ein, als Gisela zwei Lederflecken aufeinander legt. Je nach Modell werden für eine Lederhose etwa 15 Einzelteile ausgeschnitten. Platzsparend zuzuschneiden ist besonders wichtig, denn die Naturprodukte sind teuer.

Trend mit Tradition Vom Leder zur Hos'n Trachtenmanufaktur in Obernzell

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Zweifelsohne – Dirndl und Lederhose sind in Mode. Das Passauer Land hat – neben vielen Gelegenheiten, die Tracht auszuführen – einige Trachtenhersteller. Doch nur wenige können es sich leisten, noch in der Heimat zu produzieren. Einer davon ist Spieth und Wensky.

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Der Rolls-Royce darunter ist das Hirschleder. Am häufigsten wird jedoch der günstigere Wildbock, also Ziegenleder verarbeitet. Größtenteils stammt das gegerbte Leder aus Deutschland, Österreich und Neuseeland. „Die Tiere werden nicht wegen des Leders geschlachtet, aber es wird einfach alles verwertet – eben auch die Häute“, erklärt der Schönberger.

MaSSarbeit in Obernzell Mit bedacht legen die Schnittexpertinnen die Schablone auf das Leder. Nach dem Anzeichnen kann zugeschnitten werden. Messertaschen werden mit Hilfe eines Stanzeisens ausgestanzt. Am nächsten Arbeitstisch näht Christine die Zuschnitte zusammen. Ihre Nähmaschine rattert gleichmäßig vor sich hin. Schon seit 26 Jahren stellt sie aus einzelnen Lederteilen ganze Hosen her. Da sitzt jeder Stich. Am Rohling lässt sich schon eine Lederhose erkennen.

Vier Stunden vom Zuschnitt bis zur Kleiderstange Weil eine moderne Lederhose richtig mitgenommen aussehen darf, reibt Mitarbeiterin Anita einige Nähte und Falten mit Schleifpapier ab. Dadurch wetzt das Leder ab. Gekonnt streicht sie noch mit farbloser Schuhcreme drüber. Mit den Gebrauchsspuren versehen könnte sie bereits der Großvater auf den traditionellen Volksfesten getragen haben. Nur die Knöpfe fehlen noch. „Echte Hirschhornknöpfe“ versichert Christian Drescher. Sie

werden im letzten Arbeitsschritt angebracht. Nach vier Stunden hängt Christine die fertige Lederhose auf den Kleiderbügel, zu den vielen anderen in hellbraun, dunkelbraun, schwarz oder beige. Damit sind die typisch bayerischen „Nationalprodukte“ bereit für Auftritte in der ganzen Welt. Neben Trachtenmode stellt Spieth und Wensky noch heute Handschuhe her. Sie sind feuerfest und mit Komponenten aus aller Welt versehen. Ihr Einsatzgebiet liegt in erster Linie beim Militär. Aber auch Behörden, Berufsbekleidungsläden oder Motorradfahrer zählen zu den Kunden des Obernzeller Traditionsunternehmens.

Stick verleiht der Hose Schick Ein paar Meter weiter hämmert die Stickmaschine im Stakkato. Wir stehen vor den zwei Stickmaschinen. Sie besticken die Latz-Teile. Mit Hilfe der Nadeln werden die Fäden ins Leder gestochen. Innerhalb vier Minuten entstehen filigrane Hirschmuster. „Neben der Stickmaschine haben wir auch zwei Lederstickerinnen beschäftigt, die in Heimarbeit per Hand Verzierungen sticken“, erzählt Christian Drescher. Sie verleihen den Lederhosen ihren einzigartigen Ausdruck. Eine anspruchsvolle Arbeit: Fehler darf man sich keine Leisten, denn im Leder ist jeder Nadelstich sichtbar. Es muss also präzise und genau gearbeitet werden.

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Trend mit tradition

für ihren Kopfschmuck zu verwenden. Doch die Form der Bodenhaube veränderte sich zunehmend. „Im Wandel der Mode zog sich der Haubenkörper immer mehr zusammen, sodass er nur noch handgroß auf dem Scheitel saß. Der Tüllrand wurde immer breiter. So entstand die noch heute beliebte Goldriegelhaube.

Die Kronen der Passauerinnen

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ie sind nicht mehr wegzudenken von den traditionellen Umzügen der Volksfeste, die Goldhaubenfrauen. Mit prächtig verzierten, goldenen Hauben und aufwändigen, eleganten Seidengewändern, ziehen sie bei kirchlichen und weltlichen Festen mit. Sie bewahren die Passauer Tracht. Denn die Goldhauben haben im Passauer Land bereits seit mehr als 200 Jahren Tradition.

Unter der Goldhaube Ihren Ursprung haben sie in den Sittenregeln des katholischen Glaubens. Denn bis ins 19. Jahrhundert hinein geboten es Anstand und Sitte, dass verheiratete Frauen ihr Haar zu verbergen hatten. Dieses Reglement geht wiederum bis ins Altertum zurück, als Frauen ihre Häupter mit Schleiern bedeckten. Im 15. Jahrhundert vollzog sich dann ein Wandel. „Aus den kunstvoll um den Kopf geschwungenen Schleiern und Tüchern entwickelten sich im Laufe des Mittelalters unterschiedliche Haubenformen“, erklärt Ursula Weinberger aus Wegscheid. Die pensionierte Berufsschullehrerin ist bereits seit den 1970er Jahren als Goldhaubenfrau bekannt und besitzt die älteste Goldhaube im Umkreis. Sie stammt von ihrer Urgroßmutter. „Hauben waren praktischer und besser geeignet, sich innerhalb der verschiedenen Gesellschaftsschichten abzugrenzen“, fährt sie fort. So

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Ursula Weinberger hatten die Damen im Mittelalter und der frühen Neuzeit die Wahl: Eine Haube tragen oder den Schleier nehmen, sprich ins Kloster gehen. Der Ausdruck des Standes war klar definiert. Doch das Tragen einer Haube verriet noch mehr. Denn unverheiratete, junge Frauen, brauchten ihr Haupt nicht zu bedecken. Daher rührt also der Spruch: „Unter die Haube kommen“, denn mit der Heirat ging das Tragen einer Haube einher. „Die meisten Hauben waren aus feinem, weißem Leinen oder Brokat gefertigt und je nach Epoche, Anlass und Wohlstand der Trägerin, mit Spitzen, Volants, Flitter oder Bändern verziert“, weiß die 76-Jährige. So wurden die Hauben zum Symbol von Wohlstand und Würde. Wie die Kleidung waren auch die Hauben einem stetigen, modischen Wandel ausgesetzt. Im 17. Jahrhundert war die Bodenhaube im Passauer Land sehr beliebt. Sie ist eine Vorläuferin der Passauer Haube und war noch keine Goldhaube. Nachdem die Kleiderordnung durch die Französische Revolution (1789-1799) aufgeweicht war, stand es nun auch Bürgerinnen zu, teure Materialien wie Gold und Silber

Symbole für Herkunft und Status „Mit der Passauer Haube, die ihren Ursprung im österreichischen Linz hat, verhält es sich ähnlich“, berichtet die Wegscheiderin. Ihre Entwicklung durchlief verschiedene Stadien. Ein bekanntes Merkmal: Je größer ihr Knauf ist, desto älter ist die Haube. Der Böndel, also der Boden der Haube, verkleinerte sich zu einem Knauf und rückte auf den Scheitelpunkt des Hinterkopfs. Die Linzer Haube trat ihren Siegeszug von der Enns nach Passau an. Dort wurde sie zur Passauer Goldhaube und fand große Beliebtheit bei den Damen vom Rottal bis nach Deggendorf, dem Bayerischen Wald und sogar bis in den Böhmerwald hinein. „Nur die verheirateten und wohlhabenden Bürgerinnen in den Städten und Märkten sowie reiche Bäuerinnen trugen die teuren, reich bestickten Goldhauben“, erzählt Goldhaubenfrau Ursula Weinberger. Sie bestanden aus Goldspitze und vergoldetem Flitter. Putz- und Haubenmacherinnen bestickten sie mit Glasperlen und Pailletten. Ihr Preis lag ungefähr gleich auf mit dem eines guten Arbeitspferdes. Sie zeugten damit vom Wohlstand und Reichtum ihrer Trägerinnen. Weniger gut betuchte

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Trend mit tradition Damen legten sich schwarze, mit Perlen und Goldfäden bestickte Hauben zu. Dies wandelte sich jedoch. Heutzutage trägt man Goldhauben, um das Brauchtum zu bewahren. Denn nicht immer stand es so gut um die Goldhaube. Als das schwarze Flügelkopftuch aufkam, drohte sie Ende des 19. Jahrhunderts Geschichte zu werden. „Wegen des hohen materiellen Wertes der Haube und der dazugehörigen, teuren Kleidung, verwahrten sie jedoch viele Familien weiterhin. Damit wurde die Goldhaube vor der Vergessenheit bewahrt und gelegentlich, bei besonderen Anlässen als Festschmuck getragen“, weiß Ursula Weinberger. Während des 2. Weltkrieges kam der Brauch fast zum Erliegen. Nur bei wenigen kirchlichen Festen trugen die Damen noch Goldhauben. Erst nach dem Krieg besann man sich auf die alte Tradition. In den 1970er Jahren ließ sich sogar ein Trend erkennen. Viele Goldhaubengruppen gründeten sich neu. Frauen sticken sich seitdem Eigene, tragen Erbstücke aus dem Familienbesitz oder kaufen sie aus Antiquarien.

das als Gewand der Goldhaube dient. Nach dem Besticken wird es auf ein Drahtgestell gezogen. In seiner Mitte rafft man es. Dort wird der Knauf dann am Scheitelpunkt aufgesetzt. Den Abschluss bildet eine schwarze Schleife aus edler Spitze. Ursula Weinberger hat damals, gemeinsam mit anderen Wegscheiderinnen, einen Kurs absolviert. Nicht wenige tun sich jährlich zusammen und besuchen Kurse. „Der Stickkurs war sehr hilfreich – auch das Tempo war angenehm. Man kommt sogar als ungeübte Stickerin recht gut mit“, bestätigt sie. Die Tradition wird im Passauer Land noch hochgehalten. Sogar Männer treten manchmal in die Frauendomäne ein. So hat der ehemalige Kulturreferent des Landkreises Passau, Dr. Wilfried Hartleb, die Haube seiner Ehefrau Anna gefertigt. Eine Seltenheit. Die Materialkosten für eine Goldhaube können bis zu

Handgewebt und bestickt Die Fertigung einer Goldhaube bedeutet viele Stunden Arbeit. Sie besteht aus filigranen Mustern, die in rund 400 bis 700 Arbeitsstunden entstehen. Je nachdem, wie aufwändig und prächtig die Haube sein soll. „Bestickt wird dabei ein 120 mal 16 Zentimeter langes Goldband“, verrät Ursula Weinberger. Sie hat ihre Passauer Goldhaube im Winter 1976 gestickt. In mühevoller Kleinarbeit brachte sie Perlen, Spiralen, ausgestanzte Blüten, Flitter, Pailletten und Goldfäden nach historischen Mustern auf das im Holzrahmen eingespannte Goldband, 16

900 Euro betragen. Noch viel höher ist der ideelle Wert dieses Stücks Heimatgeschichte.

vom Kropfband bis zum Biedermeierstrauss Die Accessoires einer Goldhaubenfrau sind heute noch dieselben wie vor 200 Jahren. Trugen die Damen damals ihr Sonntagskleid, das nicht selten auch das Hochzeitskleid war, zur Goldhaube, haben die Frau-

en heutzutage die Wahl zwischen Empire- oder Biedermeier-Stil. „Zum seidenen Kleid mit weißem Kragen gehören ein Spitzentaschentuch zum Einschlagen des Gebetbuchs, Spitzenhandschuhe oder halbe Handstutzerl, also fingerlose Handschuhe“, erklärt Ursula Weinberger. Dazu gesellen sich Biedermeiersträußchen, Schirm und ein mit Perlen besticktes Täschchen. Darin finden Rosenkranz und Gebetbuch Platz. Komplett wird das Gewand durch Schmuck. Seit der Biedermeierzeit wird der Schmuck je nach finanzieller Möglichkeit getragen. Nur eine Verpflichtung gab es: die Kropf-Kette. Deren Mittelpunkt bildete früher wie heute eine vergoldete und mit bunten Glassteinen und Perlen besetzte Verschlussplatte. Sie umfassen eng um den Hals gelegte Silberkettchen. Je mehr es an der Zahl waren, desto reicher und angesehener galt die Trägerin. So war das gesamte Outfit der Frau ein Symbol ihrer Weiblichkeit, Würde und des Wohlstandes der Familie. Galt die Goldhaube im 18. Jahrhundert als Abbild sozialer Schichten, drückt sie heute ein bestimmtes Lebensgefühl aus. Es steht im Einklang mit der Verwurzelung zur Heimat. Das Passauer Land umfasst 33 Goldhaubengruppen. Ihre Mitglieder sind verschiedenen Alters. Sogar Mädchen tragen sie. Die Wegscheider Goldhaubengruppe, in der Ursula Weinberger sehr aktiv ist, hat derzeit 24 Mitglieder. In Erscheinung treten die Damen mit den kostbaren Hauben und Gewändern bei religiösen Anlässen und brauchtümlichen Veranstaltungen. Dazu zählen Volksfestumzüge, Fronleichnam, Erntedank, Primizen oder Fahnenweihen. Die Passauer Goldhaubenfrauen treffen sich jährlich am ersten JuliWochenende beim großen Goldhaubentreffen in Kirchham.

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Trend mit tradition

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Wo noch immer von Hand gewebt wird Zu Gast bei Monika Holler, einer der letzten Handweberinnen Bayerns

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m Kasberg Nummer 78, in Wegscheid, im südöstlichsten Zipfel Bayerns, scheint die Zeit still zu stehen. Hier lebt und arbeitet noch eine der letzten Handweberinnen des Landes – seit über fünf Jahrzehnten: Monika Holler. Wer der inzwischen 70-jährigen Weberin bei ihrem Handwerk über die Schulter schaut, fühlt sich zurückversetzt in gute alte Zeiten. Der Webstuhl, an dem sie sitzt, wirkt wie aus einem Museum. Tatsächlich ist er über hundert Jahre alt. Drei davon stehen in ihrer Werkstatt. Eine nostalgische Idylle, wäre da nicht der Lärm. Als würde ein ganzes Pferdegespann vorbeijagen. Monika Holler tritt fest in die Pedale. Barfuß. Nur so hat sie das nötige Gefühl, auch wenn es in ihrer Werkstatt nicht gerade warm ist. Mit jedem Schuss des Weberschiffchens wächst die Tischdecke, die sie gerade in Arbeit hat, ein wenig mehr. Werden Stück für Stück filigrane Rauten und Ornamente sichtbar. Das hat die Wegscheiderin schon als Kind fasziniert. „Jeder Weber entwickelt im Laufe des Lebens seine eigenen Muster,“ erklärt uns Monika Holler. „Als erstes entwerfe ich meine Muster mit Bleistift auf Patronenpapier, anschließend wird das Ganze mit Tusche nachgezeichnet.“ Bevor es ans Weben am Schaftwebstuhl geht, muss sie aber die Zeichnungen noch auf Lochkarten übertragen. Nicht die einzigen Vorbereitungen, wie wir noch kennenlernen werden. Für das Muster „Holler 88“ hat die Familie der Handweberin den Bayerischen Staatspreis erhalten. Monika Holler strahlt: „Das durfte ich 2006 sogar im Deutschen Museum in München ausstellen“. 210 verschiedene Lochkarten sind dafür notwendig – 210 Latz, wie man im Weberhandwerk sagt. Eine jede davon wird noch mit der Hand ausgeschlagen. „Wenn dabei nur eine aus der Reihe fällt, läuft auch das Muster schief“, macht sie uns klar.

Das Wegscheider Land ist bekannt für seine filigranen Muster, die über Generationen weitergegeben wurden. Überhaupt hat hier das Weberhandwerk eine lange Tradition. Seine Blüte erlebte es im 17. Jahrhundert. Heute ist Monika Holler die einzig übrig gebliebene Handweberin im Wegscheider Land, die noch in traditioneller Weise und nach den Überlieferungen ihrer Vorfahren am Schaftwebstuhl webt. Stolz darauf, diese Handwerkskunst weiterführen zu können und eine Meisterin ihres Fachs. Weshalb sie auch immer wieder zu Ausstellungen der Handwerkskammer eingeladen wird, um ihre Stücke zu präsentieren: Tischdecken, Servietten, Bettwäsche, Vorhänge, Platzsets und manches mehr.

Schaft und Kontermarsch Das Weben am Schaftwebstuhl, mit nur einem Pedal, erfordert viel Kraft. Die Königsdisziplin ist eine Männerdomäne. In jungen Jahren wurde Monika Holler dafür noch belächelt. Doch mit Fleiß und Geschick hatte die Weberin bald ihr Können unter Beweis gestellt und sich durchgesetzt. In der Webereigenossenschaft in Wegscheid, die 2002 aufgelöst wurde, war sie die einzige Frau. Außer dem Schaftweben beherrscht Monika Holler auch den so genannten Kontermarsch, für den sie noch zwei weitere Webstühle in ihrer Werkstatt betreibt. Im Unterschied zum Schaftwebstuhl werden hier die Muster nicht über Lochkarten, sondern über den Rhythmus der Tritte auf die acht Pedale des Webstuhls erzeugt. 20 verschiedene Muster hat Monika Holler in ihrem Repertoire. Allesamt einzigartig und daher begehrte Besonderheiten. Momentan arbeitet sie an einem Fenstermuster, das seit 1890 in ihrer Familie von 19


Trend mit tradition

Generation zu Generation weitergegeben wird. Inzwischen ist Monika Holler wieder in ihre Pantoffeln geschlüpft und führt uns durch die Werkstatt. Gleich neben ihrem alten Schaftwebstuhl hängt ein langes Regal, über und über gefüllt mit mächtigen Spulen. Kilometerweise Garn in Rot, Weiß, Grün, Blau, Rosa, aber auch in Graphit-, Creme- und Brauntönen.

Die Standardfarben. Vor allem Graphit und Rosa sind bei ihren Kunden derzeit sehr gefragt, die weder lange Anfahrtswege noch Wartezeiten scheuen. Denn, was das Dessin betrifft, geht Monika Holler mit der Zeit – bei aller Tradition. So zieren ihre Werke längst nicht mehr nur Bauernstuben, auch Stadtvillen und avantgardistische Architektenhäuser. Sogar für den ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber hat Monika Holler schon gewebt – Vorhänge für die Zirbelstube 20

in der Staatskanzlei. „Eine aufwändige Maßarbeit. Für solche Leinenwaren kann man schon mal mit zwei Jahren Wartezeit rechnen“, erklärt uns die Weberin, die trotz ihrer prominenten Abnehmerschaft und medialen Aufmerksamkeit stets bescheiden geblieben ist. Einzelstücke in den gängigen Tisch- und Kissenmaßen hat sie aber immer auf Lager. Werbung für sich muss sie ohnehin schon lange nicht mehr machen. Längst hat sich die Arbeit der „Waidlerin“, wie sie sich selbst gerne bezeichnet, herumgesprochen. Viele ihrer Kunden werden auch durch Ausstellungen und Märkte aufmerksam: Fachausstellungen der Handwerkskammer zum Beispiel, dem Webermarkt in Haßlach oder der Granitweihnacht in Hauzenberg, wo Monika Holler regelmäßig im Advent anzutreffen ist. Als Rohstoff verwendet Monika Holler fast ausschließlich reine LeinenGarne. Einzige Ausnahme ist ihr „Schwedenstern-Muster“, das Gesellenstück ihres Ehegatten Gerhard. Es wird auf der Basis von HalbleinenGarn gewebt. Gutes Leinen-Garn zu bekommen, wird für sie dabei immer schwieriger. Früher wurde der Flachs dafür noch im Wegscheider Land angebaut. Mittlerweile beziehe sie es aus Schweden, Italien und Belgien, beklagt Monika Holler. Ihre ehemaligen deutschen Spinnereien haben mit den Jahren reihenweise zugemacht.

Viel Aufwand für wenig Ertrag Bevor Monika Holler mit dem Weben beginnen kann, sind noch etliche aufwändige Vorarbeiten nötig. Allem voran geht die so genannte „Kettberechnung“, wonach ein Weber bemisst, wie viel Garn er für das zu fertigende Webstück in den Webstuhl einzuspannen hat. Etwa 87 Meter Kett-Garn wird Monika Holler für die Tischdecken an ihrem

Kontermarsch-Webstuhl benötigen. Dann folgen die anstrengendsten Vorbereitungsschritte: Zunächst das so genannte „Schären“. Mithilfe eines Schärbaums oder Schärrahmens müssen die Kettfäden, die nachher in Längsrichtung die Basis für das Leinen-Webstück ergeben, erst einmal nach Farben in die richtige Reihenfolge und Länge gebracht werden. Damit wird die „Kette“ hergestellt, die schließlich noch „gebäumt“, sprich gleichmäßig auf den Kettbaum gewickelt werden muss, um verwebt werden zu können. Eine schwere Arbeit, bei der größte Sorgfalt gefragt ist: „Die Fäden müssen stets gleichmäßig verteilt gespannt sein. Je genauer und exakter man hierbei vorgeht, desto leichter geht einem das Weben später von der Hand“, weiß Monika Holler aus ihrer

Flachs war lebenswichtig

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och bis ins 19. Jahrhundert hinein war der Flachsanbau im Bayerischen Wald sehr verbreitet. Eine genügsame Pflanze, die in der niederschlagsreichen und kühlen Gegend gut zurecht kam. Vor allem im Wegscheider Land lieferte der Flachs lange Zeit die Grundlage für die Weberei als lebenswichtigen Zuerwerb. Chemie gab´s natürlich noch nicht. Damit der Flachs gedeihen konnte, musste daher das Unkraut von Hand gezupft werden. Zur Ernte riss man die Pflanzen aus, bündelte sie und legte sie mit Steinen beschwert ins Wasser. Danach konnte man den Flachs rösten, so dass sich die Halme für die Weiterverarbeitung brechen ließen. Um die hochwertigen Lang- von den unbrauchbaren Kurzfasern zu trennen, musste man ihn schwingen. Erst nach dem Hecheln, nachdem man also den Flachs in feinste Fasern aufgespalten und die kürzeren Fasern ausgekämmt hatte, konnte er versponnen werden. Dafür war viel Gesinde notwendig – Mägde und Knechte, die auch im Winter beschäftigt werden mussten. So entwickelte sich hier die Weberei als wichtiger Erwerbszweig. „Vormittags blühte der Flachs schön blau, aber schon mittags machte er die Augen zu“, erinnert sich Monika Holler. Die Weber-Tradition, mit der sich ihre Familie den Lebensunterhalt verdiente, geht bis ins 17. Jahrhundert zurück.

langen Erfahrung. Es sind nicht die letzten Handgriffe, die noch zu tun sind. Vor allem aber für das Bäumen braucht sie die Unterstützung ihres Mannes. Die reicht ihr, denn die Zusammenarbeit mit ihm ist eingespielt. Normalerweise macht man das sogar zu viert. So ist es kaum verwunderlich, dass, bis alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, gut eine Woche vergehen kann. Viel Aufwand für vergleichsweise wenig Ertrag. Für Monika Holler ist das zweitrangig. Die Freude an ihrer Arbeit steht ihr ins Gesicht geschrieben.

„Wie beim Tanzen“ – der Rhythmus muss stimmen Sind schließlich alle Fäden gespannt und das farbige Webgarn auf die Rollen gespult, geht´s für Monika Holler endlich los mit dem Weben. Und ganz natürlich legt sie als Erstes wieder ihre Pantoffeln ab. Noch ein letzter prüfender Blick auf ihre Utensilien: Schiffchen, Fadenzähler, Breitenspanner. Alles beisammen, also fertig zum Starten. Die 70-Jährige schwingt sich gekonnt auf die Planke des Webstuhls und positioniert ihre Füße auf den acht Holzpedalen. Nur so funktioniert das Weben – im Einklang von Hand- und Fußarbeit. Ihre Füße treten nacheinander alle Pedale, abwechselnd auf und ab. Jetzt schießt das Weberschiffchen von links und nach rechts – in Windeseile. Der gesamte Webstuhl ist dabei in Bewegung und der Lärm enorm. Mit bloßem Auge kann man gar nicht mitbekommen, was hier eigentlich passiert. So schnell geht das der Weberin selbstverständlich von der Hand. „Was so einfach aussieht, kann ganz schön anstrengend sein“, ruft Monika Holler laut und wirft wieder einen prüfenden Blick auf die Rauten und Kästchen ihres Webstücks. Man glaubt ihr aufs Wort. „Der Rhythmus muss stim21


Trend mit tradition men, damit das Gewebe am Ende gleichmäßig wird. Das ist wie beim Tanzen“, lacht die Wegscheiderin. Dabei zählt sie genau mit: Bei einem falschen Tritt ist der Musterverlauf gestört. Schon nach wenigen Schüssen ist das Gewebe zu erkennen und formt sich ein prächtiges Muster. Es wird eine Tischdecke, das hat uns die Kunsthandwerkerin zuvor bereits verraten. Man kann Monika Holler verstehen: Es ist schon faszinierend, zuzusehen, wie ein Leinenmuster Stück für Stück von Hand entsteht. Nur ein paar Minuten später, dann macht es „klack“. Die erste Spule ist leer. Monika Holler stoppt den Webstuhl und legt eine neue ein. Dabei verknotet sie Anfang und Ende des rosaroten Garns miteinander. „Auftrennen kann man das Gewebte nicht – im Gegensatz zum Gestrickten. Dazu muss man natürlich sehr konzentriert arbeiten“, so ihr knapper Hinweis, während sie das Weberschiffchen wieder an der richtigen Stelle platziert. Schon geht es weiter und schießt das Schiffchen mit dem Garn abermals durch die Ketten.

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Das Webereimuseum Breitenberg

„Willst leben, musst weben“ –

illst leben, musst weben“, das war lange Zeit das Lebensmotto im Wegscheider Land. “ Was dahinter steckt und wie das berühmte Wegscheider Leinen entstanden ist, kann man im Webereimuseum Breitenberg auf spannende Weise erleben. Auf dem alten bäuerlichen Anwesen im Freizeitzentrum Gegenbach wird immer noch an verschiedenen Webstühlen gearbeitet. Dort bieten sich nicht nur faszinierende Einblicke, wie die Leute im Land vor dem Dreisessel einst gelebt, gewohnt und gearbeitet haben. Man kann auch noch miterleben, wie der Flachs und alte heimische Getreidesorten angebaut wurden. Jedes Jahr finden hier außerdem zwei Museumsfeste statt: „Vom Flachs zum Leinen“ (jeden ersten Sonntag im August) und das traditionelle Drescherfest (jeden ersten Sonntag im September). Öffnungszeiten: Von Mai bis Oktober: mittwochs, samstags und sonntags von 13.30 - 16.30 Uhr. Gruppen nach Anmeldung jederzeit unter Tel. (08584) 96 18-0.

„ undDunser er Winter ist mir die liebste Jahreszeit. Wenn es draußen stürmt und schneit, Haus wie in Watte gepackt ist, dann genieße ich die Ruhe, um neue Webmuster zu zeichnen. “

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Meister-Schüsse – seit Generationen Über 50 Jahre webt Monika Holler nun schon, und das acht Stunden täglich. Das hält sie fit, sagt sie – ohne dass man das bezweifeln wollte. Ihre hölzernen Webstühle stammen noch aus der Ära ihrer Großeltern. „Die Maschinen haben sich nicht verändert, nur die Zeit“, bemerkt die 70-Jährige, die erst 2014 für den Erhalt der WebereiKunst in der Region mit dem Kulturpreis des Landkreises Passau ausgezeichnet wurde. „Mehr als 100 Jahre haben die bereits auf dem Buckel, was natürlich auch seine Spuren hinterlassen hat“. Ihr großer Kontermarsch-Webstuhl in der Werkstatt zeugt noch von der Zeit, als es bei den Männern im Bayerischen Wald üblich war, Pfeife zu rauchen. Mit vielen schwarzen Stellen im vergrauten Holz. Brandstellen. Eine Pfeife, die noch glühte, war ihrem Großvater heruntergefallen und hatte das Leinen entflammt. „Es brannte lichterloh“, erinnert sich Monika Holler an dessen Erzählungen. Für sie sind die Brandmale ein Andenken, weshalb eine Behandlung nie in Frage kam.

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Ihre Großeltern waren es auch, die ihr die Kunst des Handwebens beigebracht haben. Der Vater war Bleicher. Schon als Kind schaute Monika Holler gerne den Webern in der Werkstatt zu: „Ich war fasziniert davon, wie das Schifferl hin und her sauste und der Stoff damit wächst“. Die Begeisterung dafür hat sie bis heute behalten. Auch ihr Mann Gerhard stammt aus einer Weberfamilie. Mit ihm gemeinsam führte sie die Tradition lange fort, bis er gesundheitliche Probleme bekam und mit dem Weben aufhören musste. „Mein Mann Gerhard war ein hervorragender Weber, der sein Handwerk verstand. Aber es ist inzwischen zu anstrengend für ihn geworden“, bedauert Monika Holler. Wo er könne, helfe er ihr aber noch. Immerhin lässt sie das Interesse ihres Neffen wieder hoffen, dass es mit der Handweberei doch noch weitergeht. Monika Holler tritt wieder in die Pedale. Glatt und gleichmäßig entwickelt sich der Rand der neuen Tischdecke. Trotzdem macht sie immer wieder halt, um das Muster zu überprüfen. Am Ende, bevor man sie abholen wird, bekommt ihre Tischdecke noch schmucke Saumecken, erzählt die Wegscheider Handweberin. Bis dahin wird sie noch rund drei Kilometer Garn dafür verweben.  

Das Haus am Strom ist die Umweltstation des Landkreises Passau. In der interaktiven Ausstellung dreht sich alles um das Passauer Donautal: Die Besucher sind eingeladen, einen Ritt auf dem Hausen zu wagen, dem mit 5 Metern größten Fisch der Donau, mit dem Tretboot durch Passau zu schippern und dabei Energie zu erzeugen oder Smaragdeidechsen aus der Nähe zu erleben. Zudem ist die Ausstellung barrierefrei.

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Leinenradweg an der WeberstraSSe

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on der langen Tradition des Webens zeugt die Weberstraße in der Wegscheider Gegend. Hier entlang läuft der „Leinenradweg“. Die Rundstrecke führt rund 42 Kilometer durch Hügel und Täler, entlang Der Rannasee einer malerischen Landschaft. Doch bei der Radtour gibt es nicht nur unberührte Natur, Berge, Wiesen, Felder, Schluchten und Täler zu entdecken – auch Wissenswertes zum Thema Leinenweberei. Denn hier liegt von alters her die Heimat der Weber. Der Rundweg, auf dem 530 Höhenmeter zu überwinden sind, bietet Haltestopps bei Monika Holler in Kasberg, am Webereimuseum Breitenberg, den Skisprungschanzen Rastbüchl, der Teppichweberei Lichtenauer, dem Sonnener Hochmoor, dem Rannasee und der Weberei Moser.

Wer auch die Anfahrt von Passau schon genießen will, dem sei das Schiff empfohlen. Außerdem bietet das Haus am Strom zahlreiche Veranstaltungen für Familien und Naturinteressierte. Gleich neben dem Haus am Strom liegt das größte Wasserkraftwerk. Im gemütlichen Biergarten mit Spielplatz findet der Besuch einen gelungenen Ausklang. Am Kraftwerk 4 · 94107 Jochenstein Tel. 00 49 (0) 85 91 / 91 28 90 23 www.hausamstrom.de


Hart aber herzlich

Wo der Granit das Leben bestimmte

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eit fast 1000 Jahren wird im Bayerischen Wald Granit abgebaut. Er ist grau bis gelblich, fein- oder grobkörnig. Alte Bauten, Schlösser, Kirchen und Burgen im Passauer Land bestehen aus diesem Bayerwald-Granit. Aber auch Monumente der Bayerischen Könige und viele Sockel, Plätze und Straßen in München, Wien oder Budapest. Seine Blütezeit begann, als Hauzenberg zum reichen Fürstbistum Passau gehörte. Schließlich konnte das Gestein im eigenen Territorium des Hochstifts abgebaut werden.

Steile Hänge und schlechte Wege Einziges Problem: Der Bayerische Wald war kaum erschlossen. Hau24

zenberg liegt rund 20 Kilometer vom Herrschaftssitz der Bischöfe, der Stadt Passau, und dem Hafen entfernt. Die Infrastruktur fehlte. Abbaugebiete in unmittelbarer Nähe waren in Vilshofen und Schärding. Doch Vilshofen gehörte zum Herzogtum Bayern und Schärding mal den Habsburgern, mal den Bayern. So gab es nur in Hauzenberg kostenlosen Granit. Der noch dazu von sehr guter Qualität war. Also mussten die jahrhundertealten Hohlwege durch Wald und Fels genutzt werden. Pferde konnte man dafür nicht einsetzen. Sie sind zwar schnell, aber in schwierigem Gelände, das steinig und steil ist, nicht einsetzbar. So griff man auf Ochsen zurück. „Denn Ochsen sind stark und zäh“, erklärt Ludwig Bauer, Steinmetzmeister und Leiter

des Granitzentrums in Hauzenberg. „Darin liegt auch der Ursprung der Ochsenzucht im Bayerischen Wald“, fährt er fort. Um 1790 waren sämtliche Bergrouten mit voll beladenen Wägen gesäumt. Nicht selten stürzten Fuhrwerke ab.

Als das Hochstift bayerisch wurde Doch der Granitabbau ging voran und die Steinhauer verdienten gutes Geld. Der Bayerische Wald – früher eine arme Gegend – erblühte langsam. „Schriftsteller Johann Ernst Fabri aus Erlangen bereiste das Fürstbistum 1791 und schrieb, dass sämtliche Bergrücken von Vieh- und Stierweiden für die Ochsenzucht

dienten. Täler würden voller Flachs blau erblühen, Hopfenstangen seine Wege säumen und die Steinhauer im Takt klimpern“, berichtet Ludwig Bauer. Der 65-Jährige hegt einen großen Wissensschatz. Manchmal scheint es, als hätte er diese goldenen Zeiten selber miterlebt. Geprägt war Hauzenberg und der Granitabbau immer von der Herrschaft. 1803 ging die Region für zwei Jahre an das Herzogtum Salzburg-Toskana. „Danach haben wir bayerisch werden müssen“, grinst Ludwig Bauer. „Die Leute haben gesagt: Um Gottes Willen, was haben wir denn verbrochen, dass wir so gestraft werden“, fährt er fort. Doch der Anschluss an das Königreich Bayern erwies sich als durchaus positiv für die Bevölkerung. Erste Lieferungen nach München waren Sockel und Stufen für das Denkmal von König Max I. Joseph. Er und seine Nachfahren brachten die Gegend voran und leisteten weitere Wirtschaftshilfe in Form von Staatsaufträgen. Darunter der Vertrag, Granitsäulen für die Errichtung der Befreiungshalle in Kehlheim zu liefern. Mit den Aufträgen schickte die Regierung gleich Geld an das Rentamt Passau, um eine Verbindungsstraße zu bauen. So erhielt Hauzenberg eine direkte Straße nach Passau, mit der Umgehung einer größeren Steigung, einer eisernen Brücke über die Erlau und einer modernen Verladestation an der Donau. „Nach dem Tod des ersten Architekten und der Abdankung König Ludwigs I. (1848) wurde umgeplant. Die Hauzenberger Granitsäulen holte niemand ab. Trotzdem sind im Vorfeld 42.000 Gulden geflossen – direkt an die Handwerker. Das hatte einen Gegenwert von 20 Bauernhöfen“, erzählt der Steinmetzmeister. Unwahrscheinlich viel Geld für den Bayerischen Wald. Während dieser Blütezeit lieferten die Hauzenberger Baumaterial für die Passauer Donaulände, die Maxbrücke (ehem. Donaubrücke), die Innbrücke, die Triftsperr oder die 321 Stufen der Wallfahrtskirche Mariahilf. Viele Städte begannen in der Mitte des vorletzten Jahrhunderts mit Stadtsanierungen. Sie errichteten Kanalisierungen und befestigten Straßen mit Granitpflaster. So explodierte der Granitabbau auch in Donaunähe. In Vilshofen wurden hauptsächlich kleine Pflastersteine in Würfelform geschlagen und auf der Donau weitertransportiert.

Hilfe in der Not – Gründung einer Solidargemeinschaft Die Geschäfte florierten. Neue Arbeiter mussten her. Junge Burschen und Knechte wurden plötz-

lich zu freischaffenden Steinhauern und verdienten viel Geld. Sie konnten sich nun Häuser leisten, Familien gründen und gut leben. Doch der Wohlstand hielt nur so lange an, wie sie die harte Arbeit leisten konnten. Krankenkassen oder Rentenversicherungen gab es keine. So schlossen sich die Steinhauer, Überlieferungen zufolge, um 1856 zusammen und gründeten den Zwickverein. Zweck und Name gehen auf das arbeitsunfähig werden durch Quetschungen zurück. Ein vielfaches Berufsleiden. Denn „eingezwickt“, wie man es im Passauer Land sagt, hat man sich schnell zwischen den Gesteinen. Ganze Gliedmaßen wurden den Betroffenen abgetrennt und mit nur einer Hand war das Arbeiten im Steinbruch unmöglich. Die Solidargemeinschaft hatte das Ziel, in Not geratene Familien durch freiwillige Beiträge der Mitglieder zu unterstützen. Auch politisch wollten sie sich formieren. Gemeinsam forderten sie höhere Löhne und hielten zusammen.

Bergauf und Bergab Nachdem die Leibeigenschaft abgeschafft wurde, fühlten sich die reichen Bauern des Bayerischen Waldes als seien sie adlig und errichteten prunkvolle Granithöfe. Einer davon zeugt noch heute von dieser Geschichte. Der Gidibauerhof. Viele sind verschwunden, denn mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges war es schnell vorbei mit Reichtum und Aufschwung. Von Heute auf Morgen zog Kaiser Wilhelm II. alle jungen und später auch alten Männer ein. „Sie kamen – wenn überhaupt – krank und verwundet zurück. Die Wenigen, die konnten, standen schon am nächsten Tag wieder im Steinbruch. Denn es herrschte eine riesen Not“, erinnert Ludwig Bauer. Die Industrialisierung schritt voran. Wegen Reparationslieferungen an Frankreich und Holland gab es dennoch Arbeit. 1925 erhielt ein Steinhauer 0,50 Reichsmark in der Stunde. Das hatte den Wert einer Maß Bier. Der Zwickverein schaltete sich wieder ein. Die Steinhauer gründeten eine Genossenschaft, um Lebensmittel günstiger einkaufen zu können. Auch im Dritten Reich wurde viel Granit verbaut – Stahl brauchte die Rüstungsindustrie. So entstanden ganze Städte, Straßenzüge, Stadien, Parteigebäude oder Autobahnen aus Granit. Der Zweite Weltkrieg bescherte den Steinbrüchen dann wieder schlechte Zeiten. Während des Wirtschaftswunders ging es auch im Granitabbau wieder bergauf. Die Bautätigkeit war groß. Ein hoher Bedarf an Naturstein bestand. 25


Hart aber herzlich

Hart aberh Herzlic

„Die Steinhauer konnten nach vorne blicken. Die schlechten Zeiten im Hinterkopf arbeiteten sie unermesslich viel – aber niemand sagte ihnen, dass der durch die Pressluft hochwirbelnde Feinstaub in die Lunge kommt und eine Silikose bringt“, bedauert der 65-Jährige. Absaugungen gab es noch keine. Eine ganze Nachkriegsgeneration erkrankt an der tückischen Staublunge und verstirbt an der Berufskrankheit.

Hauzenberger Granit hat Zukunft Trotz unermüdlicher Arbeit: An die goldenen Zeiten konnte man nicht mehr anknüpfen. Durch den günstigen Transport von Chinagranit, der in den Baumärkten teils zu Spotpreisen verkauft wurde, ging der Steinabbau in Hauzenberg in den letzten 25 Jahren zurück. Die Preise wurden gedrückt – Steinbrüche mussten schließen. Von insgesamt 240 Steinbrüchen sind noch zehn Große in Betrieb, die rund 300 Angestellte beschäftigen. Vor dem Ersten Weltkrieg sprach man von 12.000 Beschäftigten. „Momentan sehen wir Licht am Horizont. Weil die Europäische Union die Umweltbelastungen einschränken möchte, sind die Frachten teurer geworden und damit der Granit aus Billigländern. Auch Gesetze oder Verordnungen für staatliche Bauten schreiben vor, dass die Belastungen der Umwelt bei Gewinnung und Transport der Baustoffe beachtet werden müssen. Darin liegt unsere Chance in den kommenden Jahren“, blickt Ludwig Bauer positiv in die Zukunft.

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Steinmetzmeister Ludwig Bauer

Die Steinhauer – eine besondere Gilde

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ei sengender Hitze oder frostiger Kälte – die Steinhauer waren der Natur mit all ihren Launen ausgesetzt. Sie hatten mit einfachen Werkzeugen, Hammer und Meißel große Blöcke aus den Felsen zu klopfen. Im 18. Jahrhundert war ihr Beruf noch recht frei. Die Steinhauer begaben sich auf Wanderschaft und ließen sich dort nieder, wo es gerade Arbeit gab. Bezahlt wurden sie im Stücklohn. „Für einen Wassergrand, wie er am Gidibauer Hof zu sehen ist, erhielt der Steinhauer so viel Getreide, wie er einfüllen konnten“, erzählt Ludwig Bauer. Später wurden sie dann auch mit Geld entlohnt. „So konnte sich jeder Arbeiter seine Zeit einteilen. Wenn es narrisch heiß war, dann konnte er sich auch mal unter eine Buche setzen. Denn er wusste: Für diesen Trog erhalte ich beispielsweise 150 Deutsche Mark.“, fährt er fort.

Ganz normale Leute Nicht selten wurde ihnen nachgesagt, grobe Burschen zu sein. „Doch Steinhauer waren ganz normale Leute. Realisten. Keine größeren Raufbolde als Bäcker, Metzger oder Bauern“, bestätigt Ludwig Bauer. Im Takt klopften sie Tag ein Tag aus, um Lohn und Brot zu erwerben. Zur Weiterverarbeitung kamen die Natursteinblöcke dann zum Steinmetz, dem ausgebildeten Steinhauer. Er lässt noch heute Denkmäler, Monumente und Grabsteine in schwerer Handarbeit entstehen. „Als Steinmetz darfst du dem Stein deinen Willen aufzwängen – aber nicht mit Gewalt. Du musst ihn streicheln, fast gern haben und wissen, was wegzuhauen ist“, schwärmt Ludwig Bauer von seinem Beruf. Neben dem Gespür für Formen, körperlicher Kraft und handwerklichem Geschick etab-

lt al dargestel m h c n a m e unser Imag ar nicht. Es braucht e i w u a r o S hauer g in te S ahlreiche r Z i . w n e d g n in si , w d z r be wi e Steine zu el auch Musiker. i d l h ü f e G viel zum Beispi d n si r e u a Steinh

lierten die Steinbrucharbeiter auch eine Solidaritätsgemeinschaft. Den Zwickverein.

„Eine ganz schöne Schinderei“ Ihr Arbeitsalltag veränderte sich im 20. Jahrhundert. Die Steinhauer wurden im Lauf der Jahre zu Angestellten. Pünktlich um 12 Uhr kamen ihre Ehefrauen mit dem Mittagessen vorbei. „Noch so mancher Zeitzeuge erinnert sich an ganze Kolonnen von Frauen, die täglich, bepackt mit einem Henkeltopf, im Steinbruch aufschlugen“, weiß Ludwig Bauer. Am Nachmittag mussten sie mitarbeiten. Zu ihren Aufgaben gehörte das Entfernen des Erdreichs von den Felsen, das Ausräumen der Hütten, das Sortieren der Pflastersteine, das Schleifen von Steinen und das Drehen von Bohrstangen. „Das war eine

ganz schöne Schinderei“, bekräftigt der 65-Jährige. Der Granitabbau war also eine riesen Gemeinschaftsleistung. Viele Hände waren nötig und der Arbeitsalltag nicht immer leicht. Den Höhepunkt eines Jahres stellte jedoch der Kirchweihmontag dar. An diesem Festtag spendierten Bäcker, Metzger und Bräu eine Brotzeit. Nach der Vormittagspause blieb man sitzen und feierte ein rauschendes Fest mit Musik und Tanz. Ein ganz besonderer Tag für die Steinbrucharbeiter. Heute gerät dieser Brauch zunehmend in Vergessenheit. Der Beruf ist moderner geworden. Mit technischem Gerät bearbeiten sie die Steine. Ihre Aufgabe, aus einem Steinblock ein Kunstwerk entstehen zu lassen, ist jedoch die Gleiche geblieben. Räumliches Vorstellungsvermögen, Kreativität, Gefühl und die Liebe zum Beruf machen den Steinmetz oder Steinhauer noch heute aus.

Genau wie der Granit ist Ludwig Bauer ein Hauzenberger Urgestein. Urlauber wie Einheimische führt er täglich durch das Granitzentrum in Hauzenberg. Die tiefe Verbundenheit zum Stein und der Region spürt man. Der 65-Jährige Wotzdorfer ist hier zur Schule gegangen. Er war von klein auf begeistert von den Steinhauern, die Denkmäler und Kunstwerke geschaffen haben. So hat es ihn schon mit 13 Jahren in die Steinbrüche des Granitmassivs rund um Hauzenberg gezogen. „Den Beruf zu erlernen, war ein großer Kindheitstraum für mich. Geweint habe ich vor lauter Freude, als ich erfahren hab, dass ich Steinhauer werden durfte“, strahlt der Vater von vier Kindern. An die Ausbildung schloss er gleich noch eine Weiterbildung zum Steinmetz- und Steinbildhauermeister an. Mittlerweile ist er Geschäftsführer des Granitzentrums. Dazu gehört nicht nur das Museum. Seine Aufgaben liegen auch in der Fachberatung rund um Naturstein. Er informiert Kunden darüber, welcher Stein sich für welches Bauwerk eignet. „Schon nach meiner Meisterprüfung musste ich zusehen, Arbeit hierher zu bringen und Architekten und Baumeister beraten“, erklärt der Wotzdorfer. Er kennt das „Gold“ des Bayerwaldes wie kaum ein anderer. Und auch privat befasst er sich mit seiner Heimat. Ludwig Bauer forscht gerne in der Geschichte und ist Vorsitzender des Heimat- und Trachtenvereins Wotzdorf.

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Hart aber herzlich

Ganz aus Granit

f o h n e n n I �er

Der Gidibauerhof in Hauzenberg

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uf einer Anhöhe des Bayerischen Waldes thront er, umgeben von saftigen Wiesen mit Blumen und Kräutern. Der Gidibauerhof. Durch seine historische Bauweise aus Granitquadern zählt er zu den schönsten Bauernhöfen des Passauer Landes. Der Name „Gidibauer Hof“ lässt sich auf den ersten urkundlich erwähnten Besitzer, Ägidius Nöpauer, zurückführen. Er hatte 1729 in den Granithof eingeheiratet. Mittlerweile führt ihn Johann Ertl schon in der siebten Generation. Die Familie ist fest verwurzelt mit dem denkmalgeschützten Anwesen.

Grundstein für Generationen „Die Gebäude dienen als typisches Beispiel für das Bauhandwerk im 18. Jahrhundert in unserer Gegend. Damals wurde im Bayerischen Wald alles aus

einheimischem Granit gefertigt, was Tragfähigkeit und Härte verlangte“, erklärt Besitzer Johann Ertl. Von 1988 bis 1996 hat der ehemalige Bankangestellte sein Anwesen Stück für Stück saniert und zum Naturhotel mit Restaurant umgebaut. Seither bietet der Granit-Vierseithof eine idyllische Einkehr in historischem Ambiente. Die viele Arbeit hat sich gelohnt: Urlauber und Einheimische erfreuen sich an der besonderen Atmosphäre der Natursteingebäude. Eine schöne Terrasse mit Biergarten lädt zu frischen Brotzeiten und kühlen Getränken ein. Die Küche ist vielversprechend: Von bodenständigen bayerischen Gerichten bis zum gehobenen Gaumenschmaus lassen sich allerhand Schmankerl finden. So naturbelassen wie die Gebäude bleiben auch die Zutaten der Speisen. Juniorchef Alois Ertl, ein gelernter Koch, der in namhaften Sternerestaurants gearbeitet hat, legt viel Wert auf einheimische und

Der Ochs

Die Bauernstub'n biologische Lebensmittel. Mutter, Schwester und Ehefrau Inge kümmern sich um Service, Gäste-

zimmer und Suiten des Hotels. Die nächste Generation der Ertls steckt mit den Kindern Johannes, Vitus und Josefa schon in den Kinderschuhen. Vielleicht führen sie die Tradition und den Gastronomiebetrieb fort – so wie Johann und Alois.

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Sie haben mit dem Gidibauerhof auch ein Stückchen Geschichte des Bayerischen Waldes bewahrt: Den Innenhof des denkmalgeschützten Anwesens zum Beispiel ziert

Der �uhstall

ein Krautbottich mit der Inschrift „1803“, er dient heute als Wassergrant. Auch in der behaglichen Bauernstube des Restaurants lässt sich ein Zeugnis der Vergangenheit finden – hier kann an einem Tisch aus dem Jahr 1839 gespeist werden. Zusammen mit den original Holzdielen und einer großen Eckbank strahlt er eine natürliche und besondere Behaglichkeit aus. Hier spürt man sie – die gute alte Zeit. Nur ein Jahr später entstand der Ochsenstall mit seinen imposanten Granitsäulen, dort wird heute gefrühstückt oder gefeiert.

Der Biergarten

Im gegenüberliegenden Kuhstall finden oft Hochzeiten, Seminare oder Geburtstagsfeiern statt. Er hat ein prächtiges Backsteingewölbe und steht auf 40 Zentimeter hohen Granitträgern. „Der gesamte Granit stammte aus Hauzenberger Steinbrüchen. Er wurde praktisch genutzt. Das bestimmte den handwerklichen Aufwand der Steinmetze – für Prunk war der Reichtum nicht groß genug in dieser steinigen Gegend“, erklärt Johann Ertl. Und doch sind diese Werke heute etwas ganz Besonderes, sowohl der Hauzenberger Granit als auch der Gidibauer Hof.

www.gidibauer.de

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Rösser, Ritter, Rituale

Rösser, Ritter, Rituale Bayerns älteste Vom Jodlbauer Wo Pferderasse wieder zum Rottaler Nachwuchs bekommt

Es sind nicht nur die prächtigen Höfe und Güter, die an die Zeit erinnern, als das Rottal noch seiner Pferde wegen als „gutes Land“ bekannt war. So ziert das Rottaler Warmblut bis heute das Emblem einer traditionellen Weißbiermarke: Das Jodlbauer, das ursprünglich in Rotthalmünster gebraut wurde, dem einstigen Zentrum des legendären Pferdezuchtgebiets – neben Ostfriesland das älteste, das in Deutschland bekannt ist. Karl Degenhart, ein findiger Unternehmer aus dem südlichen Bayerischen Wald, kaufte nicht nur die Brauerei, er nahm sich auch dem vom Aussterben bedrohten Wappentier an. Auf seinem Gut Feuerschwendt im Ilztal begann er zur Jahrtausendwende mit der Nachzucht der einst wegen ihrer Vielseitigkeit so begehrten Pferderasse. Gut ein Viertel aller Rottaler Pferde weltweit sind heute hier zu Hause. n  Passauer Land (PL): Herr Degenhart, ihr Name steht für eine bekannte Getränkemarkt-Kette im Südosten Bay30

erns, mit inzwischen 26 Filialen. Wie sind Sie auf die Idee mit der Pferdezucht gekommen? n  Karl Degenhart (KD): Den Hintergedanken hatte ich schon beim Kauf der Brauerei Jodlbauer. Die hat ja das Rottaler Pferd seit über 100 Jahren als Emblem. Damals hatte ich mir gesagt, wenn ich einmal Zeit und die Möglichkeit habe, und mein Sohn Markus den Getränkehandel übernimmt, dann kaufe ich mir einen Bauernhof und züchte das Pferd. n  PL: Jodlbauer, die Brauerei in Rotthalmünster? KD: Schon, aber nicht mehr in Rotthalmünster. Die Brauerei dort wurde aufgegeben. Heute wird nur noch nach Rezept (Anm. d. Red.: in Lohnbrauerei) gebraut und das Bier in den Märkten als Jodlbauer verkauft. Bei unseren Mengen hätten wir zu viel investieren müssen. n  PL: Wann haben Sie ihren Traum verwirklicht und den Hof gekauft? n  KD: Etwa vor 16 Jahren. Nur ist der Hof mittlerweile zum Hotel geworden. Meine damalige Lebensgefährtin

war ja aus der Gastronomie. Dass ich selber mal Gastronom werden würde, daran hätte ich nie gedacht. Aber jetzt bin ich es und es macht mir großen Spaß. Bei uns passiert viel und die Gäste können mit ihren Hunden und Pferden herkommen und Urlaub machen. Dafür haben wir alles hier, sogar eine Hundeschule, den „Hexenhof“. n  PL: Und seither züchten Sie auch Rottaler Pferde. n  KD: Ja. Anfänglich hatte ich mir vier gekauft. Die sind gar nicht so einfach zu bekommen. Zwei Stuten habe ich von einer Brauerei aus Landshut. Eine hatte ich aus Oberbayern geholt. Und wo ich die vierte her habe, kann ich jetzt gar nicht mehr genau sagen. Inzwischen sind es 22 Pferde – 13 Stuten, acht Wallache und ein Hengst. Verkauft habe ich auch schon ein paar. Heuer haben wir wieder zwei Fohlen bekommen – weltweit gab es vielleicht fünf oder sechs. Das hatten wir schon lange nicht mehr. Dafür ist allerdings „Lando“ letztes Jahr gestorben, unser Zuchthengst. n  PL: Woher bekommen Sie jetzt Ersatz für Ihren Zuchthengst? n  KD: Das weiß ich noch nicht. Einen Hengst habe ich ja noch, aber bei dem stellt sich unser Zuchtverband quer. Vielleicht weil ich über ein Viertel von weltweit 80 Rottalern besitze. Es gäbe zwar einen Hengst von außerhalb, den ich für meine Zucht hernehmen dürfte. Aber bei zwölf Stuten, sollte der natürlich auch gefallen. Jede Stute ist anders, da muss ich schon ein wenig experimentieren können. Das ist ja gerade das, worauf es ankommt. n  PL: Wer entscheidet über die Zulassung? n  KD: Unser Regionalverband, der Pferdezuchtverband NiederbayernOberpfalz. Es gibt da zwar noch einen Förderverein der Rottaler Pferdezüchter. Der ist dem aber unterstellt. Wenn Du keinen Hengst hernimmst, der von denen für die Rottaler zugelassen wurde, bekommst Du halt auch keinen Rottaler Brand.

n  PL: Der Rottaler Brand war ja irgendwann plötzlich verschwunden. Seit wann gibt es ihn wieder? n  KD: Seit Anfang der 90er wird der Rottaler wieder gebrannt. Auf Basis eines neuen Zuchtbuchs wurde die Zucht wieder aufgenommen. Danach müssen für die Blutlinien der Stuten mindestens 23 Prozent des alten Rottalers nachgewiesen werden. Die Rottaler stehen aber nach wie vor als extrem gefährdet auf der roten Liste. Etwa ab 1965 hatten die Rottaler Bauern nur noch den Bayerischen Brand genommen. Inzwischen aber werden hier noch nicht einmal mehr Bayern, sondern überwiegend Holsteiner gebrannt. Allerdings haben die Rottaler Pferde im Vergleich dazu eine andere Leistungsprüfung. Dazu gehört unter anderem das Fahren und Reiten mit Fremden oder auch das Freispringen. Außerdem noch eine Gelassenheitsprüfung – das Nachziehen von Blechdosen, zum Beispiel. Gelassenheit ist momentan in erster Linie auch das Zuchtziel. 31


Rösser, Ritter, Rituale

n  PL: Neben der ostfriesischen gilt die Rottaler Pferdezucht als die älteste in Deutschland. Wie weit reicht sie tatsächlich zurück? n  KD: Die Rottaler stammen eigentlich von den Rössern der Hunnen ab. Die hatten auf der Heimkehr von ihren Raubzügen im Rottal den Inn überquert. Auf der Pockinger Heide, östlich von Rotthalmünster, wurden sie von Herzog Arnulf geschlagen und ihre Pferde von den Rottaler Bauern abgenommen. Das war der Ursprung. Mit den Beutetieren als Basis und verschiedenen Einkreuzungen entwickelte sich seit dem 10. Jahrhundert die Zucht. So erklärt sich auch das Jodlbauer-Emblem. n  PL: Wann hatte der Rottaler seine Blütezeit? n  KD: Vor 1900, würde ich sagen. Da waren die Bauern auf die Pferde angewiesen. Wenn Du ein gescheites wolltest, hast Du es im Rottal gekauft. Dann kamen die Traktorenfabriken. Die haben die Rottaler verdrängt. Von da an war jeder nur noch auf Sport aus und alle hatten das gleiche Pferd. n  PL: Wodurch zeichnet sich die Rasse aus? n  KD: Für mich war der Rottaler nie eine Rasse, sondern die Bezeichnung für das Zuchtgebiet, aus dem er stammt. Eine Rasse ist, wenn einer ausschaut wie der andere. Selbst der Haflinger ist heute keine mehr, da haben sie auch das Vollblut eingekreuzt. 32

Für ein Kutschenpferd braucht der Rottaler vielleicht nicht ganz so zierlich zu sein, dafür aber geschickt. Ist er mehr für die Reiterei gedacht, sollte er fein und filigran sein. Darin liegt eine gewisse züchterische Freiheit. In Kriegszeiten, wo sie Kanonen gezogen hatten oder auf dem Acker, da waren es jeweils andere als für den Herrn, der mit der Kutsche ausfuhr. Der hatte ein eleganteres Pferd in seinem Stall. Heute müssen wir uns als Rottaler-Züchter Gedanken machen, was der Markt braucht. Ich sage immer: Der Papa fährt ein wenig Kutsche, die Mama reitet ein bisschen und die Kinder spielen sich damit. So brav muss ein Rottaler sein. Wenn er all diese Gütezeichen hat und dazu noch gut ausschaut, dann ist es für mich ein Rottaler. n  PL: Ein Rottaler ist also ausgesprochen vielseitig und umgänglich im Gemüt. n  KD: Ja. Ein sagenhaftes Pferd. Vom Zuchtziel her unterscheidet es sich nicht so stark von den Bayerischen Warmblütern, die alle auf das Rottaler Pferd zurückgehen. Die Rottaler lassen sich ohne große Übung zu einem Zehnerzug zusammenspannen und damit fahren. Das kann man mit einem Sportpferd nicht. Einfach traumhaft, das findet selbst unser neuer Reitlehrer. Wir setzen da auch die kleinen Kinder drauf und fahren mit ihnen Kutsche. Bis zu drei Stunden am Stück, obwohl die Pferde auch länger gehen würden. Das klappt prima. Da kann man sich hundertprozentig auf die Tiere verlassen. n  PL: Was muss man für einen Rottaler ausgeben? n  KD: Einen Wallach, den man schon vor die Kutsche spannen und reiten kann, gebe ich nicht unter 15.000 Euro her. Denn die ganze Vorbereitung kostet schon Geld. Auch kann man nie ausschließen, dass er sich während der Ausbildung verletzt. n  PL: Reiten Sie auch selbst? n  KD: Momentan nicht. Das würde ich aber gerne wieder. Mein jüngs-

ter Sohn fängt jetzt gerade damit an. Mit seinem Reitlehrer versteht er sich jedenfalls recht gut. Wenn es einer mit den Tieren und den Leuten kann, das ist schon schön. Früher bin ich viel geritten, sogar auf Fuchsjagden und habe das Reitabzeichen gemacht. Nur wenn ich jetzt runter falle, gibt es einen Flurschaden (lacht).

Starke Zugpferde Das Karpfhamer Fest und die Rottalschau locken jährlich bis zu einer halben Million Besucher an. Den Pferden ist es vermutlich auch zu verdanken, dass in Karpfham, der ländlich beschaulichen Idylle im Rottaler Bäderdreieck, immer ab Ende August eine unerwartete Betriebsamkeit erwacht. Wenn an sechs Tagen die Besuchermassen auf die historische Festwiese strömen, zum Karpfhamer Fest. Eines der größten traditionellen Volksfeste in Niederbayern, das ursprünglich, so sagt man, aus einem Pferdemarkt entstanden ist. Immer wieder atemberaubend dabei: der berühmte Zehnerzug. Ein mächtiges PostkutschenGespann mit zehn paarweise eingespannten Pferden, das in rasantem Tempo über den Turnierplatz jagt. Ein absoluter Höhepunkt und seit 1928 das Wahrzeichen des Volksfestes.

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Rösser, Ritter, Rituale

Höret, höret!

Die Ortenburger Ritterspiele haben allerley zu bieten

istorische Märkte, Ritterturniere und mittelalterliches Lagerleben, das kann man inzwischen vielerorts erleben. Geschätzt über 900 mal in Deutschland, alleine letztes Jahr. Und doch sind die Ritterspiele in Ortenburg etwas Besonderes. Mit zuletzt über 11.000 Besuchern und rund 450 Beteiligten nicht nur eines der größten Mittelalterfeste im süddeutschen Raum, sondern der authentischen Kulisse wegen auch eines der beeindruckendsten.

S

eit mehr als 30 Jahren wird Ortenburg, die kleine Marktgemeinde im Klosterwinkel und unterbayerischen Hügelland westlich von Passau, eine der ersten protestantischen Enklaven Bayerns, regelmäßig von fremdartigem Volk belagert. Schwängern exotische Düfte und Gerüche die Luft, dringen kuriose Trommelklänge und Kampfgetöse vom Turnier- und Lagerplatz unterhalb des Schlosses bis den Ort. Mittlerweile werden hier jeden Sommer für vier Tage die Uhren um 1000 Jahre und noch einige Jahrhunderte weiter zurückgedreht. Also weit vor die Zeit noch, als sich das bedeutende Geschlecht der Grafen von Ortenburg im Wolfachtal niederließ. Das war etwa um 1120, im Hochmittelalter, als Graf Rapoto I. von Ortenburg die erste Höhenburg über dem Fluss auf einem Hügel errichtete und damit das Zentrum der reichsunmittelbaren Grafschaft Ortenburg schuf. Heute, fast neun Jahrhunderte später, bietet sich hier immer noch eine beeindruckende Kulisse: Dort, wo bis zu Beginn der Renaissance die Burganlage stand, ragt nunmehr seit über 500 Jahren die Westfassade des Ortenburger Schlosses hoch über dem Turnierplatz auf.

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Allerley Spil, Kurtzweyl und Tafeley Mitte Juni ist es wieder soweit. Vom 15. bis zum 18.06.2017 wird es dann abermals schon von fern zu hören sein: das raue, markerschütternde Röhren der Carnyces – Schlachtrufe aus hoch aufragenden, mit Tierköpfen verzierten Trompeten, die bereits vor über 2.000 Jahren den Gegnern unserer keltischen Vorfahren Furcht einflößen sollten. Die Ankündigung, dass auf dem Turnierplatz wieder allerhand passieren wird. So wird man dort nicht nur erleben können, wie Ritterlanzen splittern, auch mit welcher listigen Kriegstaktik und wie barbarisch schon frühere Kulturen in die Schlacht zogen. Wenn in furchterregender Aufmachung verschiedene Reenactment-Gruppen aufeinandertreffen und sich in spektakulären, realistisch nachgestellten Feldschlachten harte Gefechte liefern. Auch dafür bietet Ortenburg einen authentischen Schauplatz. In den umliegenden Wäldern finden sich noch immer Siedlungsspuren der Kelten und geben rechteckig angeordnete Wallgraben-Anlagen, so genannte Viereckschanzen, bis heute Rätsel auf. Dass Geschicklichkeit einst nicht nur auf dem Schlachtfeld oder im Turnier gefragt war, vor allem im Alltagsleben, das wird man dann im Ritter- oder Keltenlager auch mal selbst erproben können. Beim Bogenschießen oder Axtwurf etwa, beim Feuerspucken oder beim Feilschen mit den Händlern, die dort Schmuck-Repliken, Gewandung und andere, nach historischem Vorbild gefertigte Handwerkswaren feilbieten. Laut und bunt wird es auf alle Fälle wieder zugehen. Mit vielen kurzweiligen Gelegenheiten, um bei reichlich Speis und Trank in eine andere Welt abzutauchen, die Zeit und Alltag für viele Stunden vergessen lässt.

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Rösser, Ritter, Rituale

S

ie nennen sich zwar Odin´s Hörner. Wer aber glaubt, dass Wikinger Helme mit Hörnern trugen, wird auf dem Turnierplatz der Ortenburger Ritterspiele bald eines Besseren belehrt. Diese nutzten nämlich nur die Kelten. Zu Kultzwecken, so vermutet man. Für die Beutezüge der Wikinger wären sie ohnehin ziemlich unpraktisch gewesen, das machen die Darsteller der Reenactment-Gruppe aus dem benachbarten Egglham bei ihren Schaukämpfen schnell klar. Eine von vielen historischen Gilden, für die Ortenburg auch überregional und grenzüberschreitend ein magischer Anziehungspunkt ist. Auch wenn im frühen Mittelalter die nordischen Seekrieger über den Rhein und die Mosel sicher nur bis nach Trier vorgedrungen sind und Niederbayern nie erreicht haben, wird man bei den Ortenburger Ritterspielen dennoch hautnah miterleben können, warum die Einfälle der Wikinger so gefürchtet waren. Die Kampfszenen, die Gruppen wie Odin´s Hörner hierzu vorführen, wirken nicht nur filmreif, auch verblüffend realistisch. Tatsächlich wird sich dabei nichts geschenkt: Wenn mit Eisenbuckeln bewehrte Schilder aufeinander krachen, Schwerter klirren, Axtund Keulenhiebe abzuwehren sind. Dabei sind es keine Actionprofis, die hier aufs Ganze gehen. Sondern meist Amateure, die regelmäßig in ihrer Freizeit Anzug oder Blaumann gegen Brustpanzer und Kettenhemd eintauschen, um für einige Stunden den Alltag hinter sich zu lassen und sich in historischen Kampftechniken zu üben.

Einst blutiger Ernst, heute ein spannender Sport Ein Leistungssport, wie uns einer der Darsteller während einer Verschnaufpause am Rande des Kampfgeschehens bestätigt. Die Anstrengung ist ihm deutlich anzusehen, als er tief durchschnaufend seinen Helm abnimmt und ihm in Strömen der Schweiß über die Stirn rinnt. Kaum zu glauben, dass unter seinem Schuppenpanzer ein Bauunternehmer steckt. Im wahren Leben 36

sind Renovierungen und Sanierungen sein Geschäft. Sofern der Beruf Zeit dazu lässt, trainiert der Jungunternehmer mit seinen Gilde-Kollegen alle drei Wochen, zwei bis drei Stunden. Immer aber jeden ersten

Dann wird der Freikampf geübt. Dabei kommt es der Gilde nicht nur auf detailgetreue Nachstellung an, vor allem auch auf die Dramaturgie. Wann jemand zu Boden geht, wird vor dem Schaukampf genau abge-

Sonntag im Monat, wenn sich die gesamte Wikinger-Gilde trifft und alle Mitglieder zusammenkommen.

sprochen. Drei Treffer sind aktuell die Regel, „um den Kampf spannender zu gestalten“. Die Verletzungsgefahr

dabei ist hoch, weshalb es genau festgelegte Trefferzonen gibt – vom Knie bis zum Hals. Kopf, Arme, Finger und Schienbeine bleiben tabu. Seine ersten Erfahrungen hat unser Wikinger gesammelt, als ihn Freunde auf ein Lager mitgenommen hatten, die bereits in der Gilde organisiert waren. Seitdem lässt ihn das Mittelalterleben nicht mehr los. Nicht nur aus geschichtlichem, vor allem auch aus sportlichem Interesse, wie er zugibt. „Weil die Schaukämpfe auf den Märkten immer ein Höhepunkt im Programm sind.“

Ortenburg Freizeit & Erholu ng SchloSS ortenburg

heimatmuSeum

Renaissance-Holzdecke in der Schlosskapelle Heiraten im Schloss, Tel. 08542/8984060, www.schloss-ortenburg.de Öffnungszeiten: Di – So von 10 – 17 Uhr

Vogel- und tierpark irgenöd Wildpark SchloSS ortenburg

Geöffnet von 1. April bis 1. November, Einlass von 9 – 18 Uhr Infos und Winteröffnungszeiten unter: www.vogelpark-irgenoed.de | www.wildpark-ortenburg.de

Freizeitzentrum unteriglbach

Geheizte Freibadanlage, ca. 50 m Großwasserrutsche, Minigolf, Tennis, Tel. 08542/7205 Mai bis September geöffnet täglich geöffnet von 9 – 19 Uhr

eVangeliSche marktkirche

450 Jahre Reformation in Ortenburg – Ausstellung im Kantorhaus Gruppen und Führungen mit Anmeldung im Evangelischen Pfarramt, Tel. 08542/7526

WallFahrtSkirche Sammarei

Täglich Wallfahrtsgottesdienst um 16 Uhr Wallfahrtsanmeldung beim Kath. Pfarramt Sammarei, Tel. 08542/653, www.wallfahrtsland-sammarei.de

www.ortenburg.de

nähere auskünfte erteilt die touristinformation, tel.: 08542/164-21

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Gelebte Spiritualität

Pilgern im Passauer Land Auf historischen Pfaden unterwegs zu sich selbst Das Pilgern und Wallfahren hat im Passauer Land eine lange und zugleich lebendige Tradition. Davon zeugen nicht nur viele prächtige Wallfahrtskirchen und Klöster, die hier schon sehr früh, zum Teil vor dem Jahr 1000, entlang bedeutender Säumerwege und Handelsrouten entstanden. Auch die feierlichen Prozessionen, mit denen noch die Volksheiligen verehrt werden und die bis heute fester Bestandteil im Festtagskalender sind. Nicht erst seit Hape Kerkelings Buch erfreut sich zudem das individuelle Pilgern wieder wachsender Beliebtheit und machen immer mehr Menschen für sich den Weg zum Ziel. Drei große Pilgerrouten ziehen sich durch das Passauer Land: Neben dem 2007 nach historischer Spurensuche wiederbelebten südostbayerischen Jakobsweg, der als bedeutendes Teilstück des seit dem Mittelalter bestehenden europaweiten Jakobswegenetzes von Böhmen nach Tirol führt, wurden mit der Via Nova und zuletzt mit dem Martinusweg zwei weitere Alternativen neu geschaffen.

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W

olfgang Schwenk freut sich: „Ah, den Martinusweg haben sie hier auch schon ausgeschildert.“ Wir treffen den Pilger an einer Weggabelung in Neuhaus am Inn, wo gleich mehrere Wander- und Radwege zusammenkommen. Die Sankt Martin gewidmete Route ist tatsächlich die jüngste, die hier markiert ist. Sie wurde erst im September 2015 eröffnet, anlässlich der Geburt des Heiligen vor 1700 Jahren. Der 2.750 Kilometer lange Kulturund Pilgerweg vom Geburtsort von Szombathely in Ungarn bis zur Grabstädte im französischen Tours, bezeichnet sich auch als „Weg des Teilens“ und soll an die barmherzige Tat – das Mantelteilen – des römischen Soldaten erinnern. Ausgangspunkt für die bayerische, gut 350 Kilometer umfassende Teilstrecke des Martinusweges, die über Landshut, Augsburg und Kaufbeuren weiter nach Baden-Württemberg führt, ist Passau. Wie später noch öfters, folgt sie von dort zunächst 16 Kilometer dem südostbayerischen Jakobsweg – das Inntal aufwärts über Vornbach nach Neuhaus, an der Grenze zu Schärding in Oberösterreich. Für Radler ist das zugleich der letzte Streckenabschnitt auf dem Inntalradweg vom Ursprung des Inns im schweizerischen Maloja durch Österreich nach Passau.

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Freyung

Gelebte Spiritualität

r Isa Niederalteich

A92

Perlesreut

Aicha

Fürsteneck

Fürstenstein

Von Böhmen nach Tirol – auf historischer Route durch das Passauer Land Im Mai 2011 war der 55-Jährige, der als Marketing- und Vertriebsleiter für einen großen Passauer Kinobetrieb arbeitet, das erste Mal auf

bei Thyrnau 40

„Wunderbarer Wechsel zwischen Wald und Weite“

A3

Landau Reichersdorf Prünn

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Eichendorf

Albersdorf

Thyrnau

Vils

Alkofen

Donau

Aldersbach Thanndorf

Untergriesbach

Aidenbach

Grongörgen

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Sammarei

Hirschbach

Ortenburg

Bad Birnbach

Fürstenzell Neuburg a.Inn Vornbach Bad Höhenstadt Neuhaus a.Inn Ruhstorf

Tettenweis

Gottsdorf Schardenberg Wernstein Pfarrkirchen im Mühlkr.

Schärding

Rottau Kösslarn

WeihAsbach mörting Rotthalmünster

Pocking

Ering Inn

Reischach

St. Marienkirchen

Kirchham

Jakobsweg

Aigen Obernberg Kirchdorf a.Inn

A8

Martinusweg Via Nova

Simbach a.Inn St. Peter am Hart

Neuötting Inn

Im Aubachtal

Landschaftlich ist es vor allem der „wunderbare Wechsel“, der Wolfgang Schwenk immer wieder auf dem Jakobsweg durch das Passauer Land aufs Neue fasziniert: „Erst der Wald, dann die Weite des Rottals – von den armen Waldbauern zu den prächti-

bei Neuhaus

Neukirchen

Künzing

Hütt

Inn

Isar

Wo lf

gen.“ Überhaupt sind es die vielen alten Kirchenbauten und Klosteranlagen im Passauer Land, die für ihn neben der „abwechslungsreichen Landschaft“ den Reiz an dieser Strecke ausmachen: „Die Jakobuskirchen in Gottsdorf und Brombach, dann die Klöster in Thyrnau, Vornbach und Asbach“, sind nur einige Tipps, die er uns hierzu mit auf den Weg geben möchte. Und noch eine besondere Empfehlung hat Wolfgang Schwenk für uns: die Siebenschläferkirche in Rotthof bei Ruhstorf. „Die einzige nördlich der Alpen“, so erfahren wir. Ungewöhnlich ist hier nicht nur die Schutzherrschaft, der die Kirche ihren Namen verdankt und die an die Siebenschläfer von Ephesos erinnern soll. Sehenswert auch der moderne Kreuzweg, der im Freien in 14 Stationen um die Kirche führt und nicht etwa wie üblich die Leidensgeschichte Christi zum Gegenstand hat, sondern mit Themen und Problemen unserer Zeit zum Nachdenken einladen möchte.

Ilz

das Erkennungszeichen und Schutzsymbol der Jakobspilger, das auch als allgegenwärtige Markierung im weit verzweigten Wegenetz quer durch Europa die Richtung weist.

dem Jakobsweg nach Santiago de Compostella unterwegs, von Pamplona aus. Seitdem hat ihn das Pilgerfieber erfasst und bricht er fast jedes Jahr zu einer neuen Tour auf. Vier hat Wolfgang Schwenk insgesamt bisher gemacht und dabei rund 2.100 Kilometer zu Fuß zurückgelegt. Als nächstes soll es erstmals von Krumau nach Passau gehen. Den Abschnitt von Untergriesbach nach Pfarrkirchen durch das Rottal kennt er schon. Beides Etappen auf dem Jakobsweg Böhmen-Bayern-Tirol, mit dessen Eröffnung im Juli 2007 ein bedeutendes Teilstück des seit dem Mittelalter bestehenden europaweiten Jakobswegenetzes wiederbelebt wurde. Es erstreckt sich über 458 Kilometer und führt von der UNESCOWeltkulturerbe-Stadt Ceský Krumlov (Krumau) in Südböhmen über das oberösterreichische Mühlviertel durch Südost-Bayern bis in das Tiroler Inntal nach Mariastein im Bezirk Kufstein, wo sich der Tiroler Jakobsweg anschließt. Rund 98 Kilometer davon ziehen sich durch das Passauer Land – von Gottsdorf an der österreichischen Grenze, bis nach Asbach in der Marktgemeinde Rotthalmünster. Ein absoluter Höhepunkt auf diesem Streckenabschnitt des südostbayerischen Jakobsweges ist für Wolfgang Schwenk ohne Frage der Passauer Stephansdom: „Neben Burgos, León und Astorga eine der großen Kathedralen, die auf dem Weg nach Santiago de Compostella lie-

ßa Gai

Den Abschnitt durch das Inntal, den hier alle Routen gemeinsam haben, geht Wolfgang Schwenk, der in Passau zu Hause ist, immer wieder gerne. „Für mich mit einer der schönsten Streckenabschnitte auf dem Jakobsweg durch das Passauer Land“, verrät er uns. Dass der Jakobsweg für ihn eine besondere Bedeutung hat, lässt sich schon an seiner Ausrüstung unschwer erkennen. An verschiedenen Stellen an seinem Rucksack ist die Jakobsmuschel aufgenäht – seit dem frühen Mittelalter

Zwischen Neuhaus und Ruhstorf

St. Veit

10 km

gen Gehöften.“ Neben dem Inntal gehört für ihn dabei das wildromantische Aubachtal zwischen Schaibing und Passau zu den schönsten Teilstücken. Als er im Juli vorletzten Jahres das letzte Mal dort war, hatte ein Unwetter zuvor deutliche Spuren hinterlassen. Dass man damit als Pilger rechnen muss und immer wieder einmal auf unvorhersehbare Situationen stößt, weiß Wolfgang Schwenk nur zu gut aus vielen Erfahrungen. Auch, wie groß die Hilfsbereitschaft der Pilger untereinander sein kann, wenn man sie braucht. „Da baut man Berührungsängste

Richtung Pfarrkirchen 41


Gelebte Spiritualität

ab,“ hat er für sich festgestellt. So ist es nicht nur die Zeit für sich alleine, die Wolfgang Schwenk genießt, um über sich und vieles andere nachzudenken. Auch die Begegnung und der Austausch mit anderen Pilgern, die für ihn besonderen Reiz hat.

auch wesentliche Motive, warum Wolfgang Schwenk im Frühjahr 2014 gemeinsam mit sechs Mitstreitern den Verein Jakobsfreunde Passau gegründet hat. Die Idee dazu hatte sich aus einem jährlichen Pilgertreffen heraus entwickelt und bald mehr und mehr Anhänger gefunden. Seither kümmert sich der Verein nicht nur um die Kennzeichnung und Pflege der Pilgerroute durch das Passauer Land, er stellt auch Pilgerpässe aus, informiert über Stempelstellen und ist bei der Suche nach günstigen Übernachtungsmöglichkeiten behilflich. Sämtliche Informationen und Tipps zum Camino BöhmenBayern-Tirol können inzwischen im Internet abgerufen werden, auf www.jakobsfreunde-passau.de oder auch auf www.facebook.com/jakobsfreunde.

Wallfahrtskirche Grongörgen

Altbewährter Wegbegleiter

Der Camino beginnt im Kopf

Zur inneren und äußeren Anwendung

Wenige Tage noch, dann ist es wieder soweit. Macht sich Wolfgang Schwenk wieder auf den Weg. Der beginnt für ihn im Kopf. Am liebsten geht er von seiner Haustür los – zuletzt von Passau nach Innsbruck. Wie es für das Pilgern ja auch ursprünglich sei und worin der eigentliche Reiz liege, erklärt er. Der Grund dafür, dass sich in Europa über die Jahrhunderte ein dichtes Wegenetz herausgebildet habe und sich an den Knotenpunkten die Infrastruktur entwickeln konnte. „Nur diesmal ist es umgekehrt, werde ich durch den Böhmerwald zurück nach Hause kommen.“

W

Kirche sammarei

Jakobsfreunde Passau bieten Erfahrungsaustausch und Unterstützung Den Erfahrungsaustausch zu pflegen und anderen Jakobspilgern, die auf dem südostbayerischen Jakobsweg unterwegs sind, Hilfe und Unterstützung zu leisten, waren dann 0010_2016_McTREK_Pocking_220x60mm_Image.pdf 1 19.10.2016 11:10:45

uvm.

Im

er den Camino schon einmal gegangen ist, weiß, wie sich jedes Gramm, das man schultern muss, auf Dauer bemerkbar macht. So wenig wie möglich und so viel wie nötig, lautet daher die Devise. Ungefähr neun Kilo wiegt der Rucksack von Wolfgang Schwenk immerhin, denn auf alles möchte er dann schließlich doch nicht verzichten. Schon gar nicht auf seine Reiseapotheke. Dafür jedenfalls ist immer Platz: Abgefüllt in einem handlichen 65-ml-Fläschchen, gilt der Schweiklberger Geist seit vielen Jahrzehnten als altbewährtes Hausmittel bei mancherlei Wehwehchen und Beschwerden. Ein hochprozentiges Heilkräuter-Destillat, das von Benediktiner-Mönchen in der Abtei Schweiklberg bei Vilshofen hergestellt wird – seit 1922, nach geheimer Rezeptur. Ob bei Übelkeit oder Erschöpfung, Herz- und Kreislaufschwäche, Verdauungsstörungen, Migräne, Erkältung, Kopf-, Muskel- oder Zahnschmerzen, bei Insektenstichen oder auch einfach nur, um kleinere Blessuren zu desinfizieren – „dafür ist es immer gut, einen Schweiklberger Geist im Haus oder im

Gepäck zu haben“. Was in Niederbayern schon die Urgroßeltern wussten, hat sich längst weit darüber hinaus herumgesprochen. 35.000 Fläschchen werden mittlerweile vom Kloster Schweiklberg jährlich in die ganze Welt verschickt. Zur inneren und äußeren Anwendung, heißt es auf der blauen Schachtel, deren Aufmachung so typisch ist und sich bis heute wohl kaum verändert hat. Trinken sollte man den Schweiklberger Geist allerdings nicht. Zumindest nicht pur, denn er enthält 77 Volumenprozent Alkohol. Stattdessen träufelt man ihn entweder auf ein Stück Zucker oder gibt ein paar Tropfen davon in heißes Wasser oder Tee. Unverdünnt lassen sich damit aber auch die Muskeln einreiben oder auch die Stirn und Schläfen massieren. Die Herstellung des Kräutergeistes, um die sich seit längerem Bruder Leo Horochlin kümmert, T IPP ist aufwändig: Hierfür werden neun verschiedene Kräuter ie Abtei Schweiklberg – Wahrund Gewürze angesetzt. zeichen der Stadt Vilshofen – Nach zwei Wochen ist nicht nur ein Knotenpunkt auf folgt die Destillation, der Via Nova, sie bietet auch einige die sich noch einmal Sehenswürdigkeiten. Neben der im über zwei Tage zieht. Jugendstil erbauten Abteikirche Das geheime Rezept lohnt sich ein Besuch im Schwarzdafür hatte Grünafrika-Museum, das ursprünglich derabt Coelestin (Joaus einer Privatsammlung entstanhann Baptist) Maier den ist und heute mit rund 800 in den AnfangsjahExponaten als größtes Museum für ren des Klosters erafrikanische Kunst und Völkerkunde worben, das 1904 im süddeutschen Raum gelten kann. von Missionsbene-

[

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D

diktinern aus Sankt Ottilien begründet wurde. Mitbrüder für den weltweiten Missionseinsatz auszubilden, darin besteht bis heute die Hauptaufgabe der Abtei.

www.schweiklberg.de

McTREK P McTREK Pocking, ocking, W Würdinger ürdinger S Str. tr. 6 Mo Mo. M o - FFr. Fr 9 9: 9:00 00 0 - 19 1 19:00 9:00 9:0 9 00 00 Uh U Uhr, hr, hr h r S Sa.. 9 Sa 9:00 :00 00 0 - 18 18: 1 18:00 8: 8 00 0 Uh Uhr hr

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Onlli On Online-Shop: line e-S Sho h p: p www.McTREK.de w w. ww w.Mc McTR TREK TREK K.d de McTREK Outdoor Sports ist eine Marke der YEAH! AG, Keltenstraße 20b in D-63486 Bruchköbel.

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Gelebte Spiritualität

Im namen des vaters ...

Das alte Brauchtum im Passauer Land ist fest verknüpft mit den Heiligen. Sie waren ständige Begleiter unserer Vorfahren und dienten als Fürsprecher oder religiöse Vorbilder. Sogar den Kalender bestimmten sie. Gelebt wurde nach ihren Ehrentagen: Den Namenstagen. Am Michaelistag, dem 29. September, waren Miete, Pacht und Zinsen fällig. An Mariä Lichtmess stand noch im 19. Jahrhundert die Verpflichtung der Mägde und Knechte an. An diesem 2. Februar fiel auch der Startschuss für das Wintersemester. Heute geraten die Heiligen zunehmend in Vergessenheit. Nur wenige können sie noch bestimmen und kennen die Geschichten der Schutzpatrone. Jürgen Hollweck ist einer von ihnen. Der Kirchenmaler bewahrt Gotteshäuser und Heiligenfiguren für weitere Generationen.

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eruflich restauriert er Altäre, Figuren, Deckenbilder, Wandbemalungen – fast alles was sich in den Kirchen des Passauer Landes finden lässt. Doch seine Leidenschaft für alte Zeitzeugnisse und Heilige bewahrt er auch privat. In seinem Sacherl, dem denkmalgeschützten „Schneider-Anwesen“ in Thannet bei Alkofen, hat er sich eine kleine Werkstätte eingerichtet. Dort restauriert Jürgen Hollweck Denkmäler und Heiligenfiguren, die da-

schleift er in mühevoller Kleinarbeit ab, repariert und bemalt es neu. Denn am liebsten arbeitet er im Freien.

nach in Haus und Garten einen Platz finden. „Das Alte, historische hat es mir schon immer angetan. Jeder Gegenstand erzählt eine Geschichte und hat einen gewissen Charakter. Bei manchen muss man erst ein paar Schichten abtragen, bis er zum Vorschein kommt“, erklärt der 39-Jährige. Seit Jahren geht Jürgen gerne auf Flohmärkte und erwirbt allerhand Raritäten, die er zu Hause repariert und restauriert. Bereits zwei Wochen lehnt ein altes Feldkreuz aus Gusseisen an seiner Hausmauer. Das

wie die Fassade der Veste Oberhaus in Passau, werden von ihm und seinen Kollegen für die nächsten Generationen bewahrt. „Wir benutzen dafür noch dieselben Materialien wie vor zweihundert Jahren“, erklärt der Künstler. Dazu gehören Pigmentfarben für Wände und Figuren. Sie bestehen aus einer Basis von Trockenpigmenten, wie Erden und gemahlenen Steinen, die mit geeigneten Bindemitteln versehen sind. Selten nimmt er synthetische Farben. Im ersten Arbeitsschritt reinigt Jürgen

„Dieselben Materialien wie vor 200 Jahren“ Durch den Job als Kirchenmaler ist Jürgen Hollweck in ganz Bayern unterwegs. „Man lernt viele Leute kennen, manchmal sogar das ganze Dorf“, strahlt er. Auch historische Gebäude,

Hollweck die Figuren. Danach werden lose Fassungsschichten, aufstehende Schollen und Vergoldungen mit Hausenblasen-Leim gefestigt. Der stammt aus der getrockneten Schwimmblase des Störs. Nun kittet der Kirchenmaler Fehlstellen in der Fassung mit Kreidegrund, um wieder eine geschlossene, glatte Oberfläche zu erhalten. Im Nachgang wird die Figur farblich ausgebessert oder vergoldet. „Nur selten fassen wir Figuren ganz neu“, berichtet der Experte.

Die Schutzheiligen sind ihm heilig Seine Arbeiten sind häufig mit den Schutzheiligen verbunden. „Es macht mir eine große Freude, diese Zeitzeugnisse für die Zukunft sichern zu können. Damit haben auch folgende Generationen was vom kirchlichen Erbe“, versichert Jürgen Hollweck. Denn darin lässt sich entdecken, was die Menschen in den vergangenen 45


Historisches Freilichtspiel

Gelebte Spiritualität T IPP

... wir bitten Dich, erhöre uns!

Jahrhunderten prägte. So lassen sich in den katholischen Kirchen des Passauer Landes drei Heilige besonders oft finden. Der Heilige Florian von Lorch, der Heilige Sebastian und der Heilige Leonhard von Limoges. Florian, einst römischer Soldat, soll dem katholischen Glauben nach Mensch und Gebäude vor Feuer schützen. Er ist seit jeher Schutzpatron der Feuerwehren. Vor ihrer Gründung war die Feuersgefahr eine noch größere

Heiliger Florian

Bedrohung. Denkt man bloß an die verheerenden Stadtbrände in Vilshofen an der Donau (1794 und 1813). Hier brannte nahezu die gesamt Altstadt inklusive Pfarr- und Stiftskirche nieder. Ganze Existenzen wurden ausgelöscht. „Versicherungen gab es keine. So sahen die Menschen in der Verehrung des Heiligen Florian eine gewisse, ideelle Versicherung“, berichtet der Kirchenmaler.

den heiligen zu Ehren Auch der Heilige Sebastian bewegte Land und Leute. Er sollte Schutz vor Krankheiten gebieten. Als die Pest im Mittelalter wütete, wurde er zum 46

Fürsprecher der Gläubigen. An der Ausstattung der Kirchen mit Figuren des Heiligen Leonhard lässt sich die Bedeutung der Viehzucht in der Geschichte des Passauer Landes ablesen. Brauchte man doch im Bayerischen Wald starke und gesunde Ochsen zum Transport des Granits oder im Rottal die Pferde zur Feldarbeit. Kühe, Schweine und Hühner sorgten für ausreichend Nahrung. Damit das Vieh unter Schutz stand, betete man

leonhardiritt Aigen zum Heiligen Leonhard. Ihm zu Ehren wird in Aigen am Inn alljährlich der Leonhardiritt abgehalten. Während dieser Prozession segnet der Priester Ross und Reiter. Auch Pferdewallfahrten zu Ehren des Heiligen Georgs von Kappadokien finden alljährlich im Passauer Land statt. Rund um seinen Gedenktag, dem 23. April, ziehen seit Jahrhunderten festlich geschmückte Pferde und Wägen zu Gottesdiensten. Diese Tradition wird auch im Markt Aidenbach gelebt. Unter dem Motto „Lasst uns wie in alten Zeiten St. Georg zur Ehr´nach Aidenbach reiten“, ziehen alljährlich rund einhundert Rösser und Reiter mit Gefolge vom Volksfestplatz aus über den historischen Marktplatz, um

sich vor der Pfarrkirche den christlichen Segen abzuholen.

Wir bitten Dich, erhöre uns Die Heiligen wurden also oft als Fürsprecher der Katholiken herangezogen. Zum Schutz vor jeglichen Gefahren ließen die Menschen Ikonen anfertigen, die als Andachtsbild

Votivtafeln Sammarei dienten. Schließlich konnten bis zur Einführung der Schulpflicht im Jahr 1802 nur wenige lesen oder schreiben. „Die Vorstellung durch Bilder und Ikonen war einfacher“, bekräftigt der 39-Jährige. Ein weiteres Zeugnis dafür sind Votivtafeln oder Votivgaben. In der Wallfahrtskirche St. Maria in Sammarei zeugen 1.300 solcher Votivtafeln von Leid und Not der Bevölkerung, aber auch dem Vertrauen zur Heiligen Mutter Gottes. Ähnlich wie die Portiunculakirche in Assisi, beherbergt die niederbayerische Wallfahrtskirche eine kleine Kapelle aus dem 14. Jahrhundert. Im Inneren und Äußeren der Gnadenkapelle erzählen Votivtafeln Geschichten aus vergangener Zeit. Sie wurden

Die Bauernschlacht 1706 hautnah erleben

D

ieses historische Geschehen nicht in Vergessenheit geraten lassen, das ist das Ziel des Kultur- und Festspielvereins Aidenbach. Hermann Kaiser, der Vorsitzende, schlüpft für interessierte Besuchergruppen in die Rolle des Freiherrn von Gemmel, eine Figur aus dem 18. Jahrhundert, zur Zeit der Volksaufstände in Bayern. Ein Filmausschnitt aus dem Freilichtspiel „Lieber bairisch sterben…“ stimmt die Interessierten in die Problematik der schicksalsreichen Tage ein. Wie eine Zeitreise kommt es einem vor, wenn man dem Freiherrn bei einer Wanderung über die sanften Hügel zu den Denkmälern auf dem Handlberg, Reschndobl oder Kleeberg folgt. Mal erschreckend, mal nüchtern sachlich erzählt er aus den Tagen um den 8. Januar 1706, an dem die Bauernschlacht mit 4.000 Todesopfern hier stattgefunden hat. Kein Buch und kein Video lässt einen so real erschaudern, wie wenn man am Originalschauplatz steht und imaginär die

Hermann Kaiser alias Freiherr von Gemmel am Handlberg über Aidenbach Truppen hinter dem nächsten Hügel heran marschieren sieht. Das i-Tüpfelchen ist das Freilichtspiel, das im zwei-Jahres-Turnus im Juli in Aidenbach stattfindet. Hier werden hervorragend inszeniert die Hinter- und Beweggründe der Bauernschlacht von 1706 durch Laienschauspieler dargestellt. Das imposante Finale ist das grausame Gemetzel, das dem Zuschauer eine Gänsehaut beschert. Mit Sicherheit verlässt man nachdenklich das Freilichtspielgelände, denn auch heutzutage gilt, dass Unterdrückung und Gewalt in die Katastrophe führen wird und die Wahrung des Friedens unser höchstes Gut sein muss.

Gruppenanfragen richten Sie bitte an 08543/9603-16 oder freilicht@aidenbach.de

Termine

Premiere Sa. 8.7.2017 Fr. 14.7.2017 Sa. 15.7.2017 Fr. 21.7.2017 Sa. 22.7.2017 DIE AIDENBACHER BAUERNSCHLACHT Auf unserer Freilichtbühne wird der grausam niedergeschlagene Volksaufstand wieder lebendig.

als symbolisches Opfer dargebracht und mit Szenen einer Notsituation bemalt. Nicht selten ließen die Menschen darauf einen Fuß vergolden, nachdem sie einen Beinbruch gut überstanden hatten. Auch wenn Tiere erkrankten suchte man Hilfe in der Fürbitte. So lassen sich vergoldete Kälber oder Kühe finden. Denn sie stellten Nahrung und Existenz einer Bauernfamilie dar.

Sehr barock Meist sind es barocke und neugotische Gotteshäuser, die man im Passauer Land findet. „Leider entfernte man in den letzten 50 bis 60 Jahren vieles aus den alten, historischen Kirchen, oder arbeitete die vorhandenen Ausstattungen um. Man wollte um jeden Preis modern

Beginn

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Gelebte Spiritualität sein“, erklärt Jürgen Hollweck. Heute wird wieder viel mehr bewahrt. Nicht selten führen Jürgen und seine Kollegen, vom Restaurierungsunternehmen Kallinger in Vilshofen, Kirchen und ihr Inventar auf Originalzustand zurück. Mit der Asambasilika in Aldersbach, dem Stephansdom in Passau, der Wallfahrtskirche in Sammarei, dem Dom des Rottals in Fürstenzell, der Klosterkirche in Asbach und vielen weiteren Kirchen und Kapellen hat das Passauer Land wunderbare religiöse Zeitzeugnisse der vergangenen Jahrhunderte, die zum Gebet einladen. Nicht wenige sind geprägt durch die Arbeiten des bekannten Stuckateurs Johann Baptist Modler (1697-1774) – einer Koryphäe auf dem Gebiet. Sie liegen an Pilgerwegen und bieten auch heute noch eine Einkehrmöglichkeit zur Andacht oder dem Entdecken unseres Brauchtums, das eine tiefe Verwurzlung mit dem christlichen Glauben mit sich bringt.

Einige Historiker vermuten, er hätte sie bei Franz Josef Holzinger aus Schörfling am Attersee absolviert. Der Umgang mit Farben, Ornamenten und verschiedenen Materialien war kein Neuland für ihn. Nun

den „Dom des Rottals“. Zu seinen Werken zählt auch die Kanzel dieses Gotteshauses. In die gleiche Zeitspanne fällt die Modellierung des Deckenstucks der Schlosskapelle von Schloss Kleeberg bei Ruhstorf.

I

n einer Zeit, zwischen Barock und Rokoko lebte Johann Baptist Modler, geboren am 30. April 1697. Der Bildhauer und Stuckateur verlieh vielen Häusern, Kirchen und Klöstern im Passauer Land und dem benachbarten, österreichischen Obernberg ihren prunkvollen Charakter. Dorthin verschlug es den gelernten Tuchmacher Johann Baptist Modler als Wandergesellen. 1729 heiratete der gebürtige Oberpfälzer Maria Theresia Groll. Sie war die Tochter des Tuchmachers Josef Groll, in dessen Diensten der 32-Jährige stand. Schon bald verdingte er sich mit Bildhauer- und Stuckateurarbeiten. Über seine Ausbildung ist wenig bekannt.

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Kirche Fürastenzell

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rleben Sie Geschichte hautnah, präsentiert als interaktive Schauspiel- und Kulturführungen. Folgen Sie Freiherrn von Hörnigk, Ritter Tuschl, Anna Maria Mozart und vielen anderen historischen Figuren, auch hinter sonst verschlossene Türen! InFoTAInMenT höchster Qualität, das Sie begeistern wird und unvergesslich bleibt!

Kirche Sammarei und Kloster Asbach

JohannBaptistModler Ein alter Meister des Stucks

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formte er sie plastisch aus Mörtel und gestaltete damit Fassaden mit Gesimsen oder Wände und Decken von Kirchen, Klöstern und prunkvollen Bauten.

Meisterhafte Plastiken Zu den ersten seiner wichtigen Arbeiten zählen die Fensterstuckierungen der Klostergebäude und die kunstvollen Arbeiten im Grafensaal des Klosters Asbach. Während dieser Jahre zog es Modler auch privat ans linke Ufer des Inns. Gemeinsam mit Ehefrau Maria Theresia kaufte er ein Haus in Kößlarn. Es wurde das Prächtigste am Marktplatz. Reich verzierte er es mit Stuckierungen, die das Paradies mit Flüssen, Bäumen, Tieren und dem Sündenfall meisterhaft darstellten. Überlieferungen zu Folge sollen Besucher wie Einheimische fasziniert innegehalten haben, um das Kunstwerk genauer zu betrachten. Doch Johann Baptist Modler war auch eine Koryphäe auf dem Gebiet der Kunstmarmorarbeiten. Gemeinsam mit Georg Funk verzierte er in den Jahren 1741 bis 1746 die Klosterkirche von Fürstenzell,

Die Modlers – eine starke dynastie Drei seiner elf Kinder traten in die Fußstapfen des Johann Baptist Modler. Sie unterstützten ihn wohl bereits von klein auf bei den Stuckierungen. So arbeiteten die Söhne Kaspar (1730 bis 1758), Melchior (1732 bis 1768) und Joseph Narziss (1739 bis 1810) in der hauseigenen Werkstatt mit. Gemeinsam mit ihrem Vater waren sie mit der Ausstattung der Dominikanerinnenkirche Heilig Kreuz in Regensburg beschäftigt. Auch die Fassaden des Wörndlehauses, der Apotheke und des Schiffmeisterhauses in Obernberg am Inn prägte Johann Baptist Modler. Der Markt am linken Innufer gehörte bis 1779 zum Königreich Bayern. Gegen Mitte des 18. Jahrhunderts stuckierte der Bildhauer an Hochaltar, Seitenaltären und der Kanzel der Siebeschläferkirche Rotthof, bei Ruhstorf. Daneben schufen er und seine Söhne die prächtigen Verzierungen der Modlersäle in Aldersbach. In den ehemaligen Räumen des Abtes werden heute Seminare,

Lindental 46c D-94032 Passau +49 (0)851-45892 stadtfuchspassau@aol.com www.stadtfuchs-passau.de n

Schulungen und private Veranstaltungen abgehalten. Höhepunkt seines Schaffens war die Gestaltung des Treppenhauses der Neuen Residenz Passau (1768). Die prunkvollen Aufgänge der Bischöflichen Residenz werden der Öffentlichkeit bei Stadtführungen zugänglich gemacht. 1770 übernahm Sohn Joseph Narziss die Werkstatt seines Vaters (+ 1774). Zu seinen Meisterwerken zählt die Ausstattung der alten Kirche in Sulzbach und der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt Ruhstorf im Stil des Rokoko. Doch das waren längst nicht alle Bauwerke der Modlers. Machen Sie sich ein Bild von den prunkvollen Werken der außergewöhnlichen Stuckateursfamilie und wandern Sie auf den Spuren der Modlers. Für 2017 werden im Passauer Land Rundreisen zu den einzelnen Meisterwerken der außergewöhnlichen Familie angeboten.

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Gelebte Spiritualität

Jürgen Hollweck

J

ürgen Hollweck ist in Unteriglbach bei Ortenburg aufgewachsen. Sehr früh entdeckte er seine Liebe zu alten, historischen Zeitzeugnissen. Er sammelte Truhen, Heiligenfiguren, Kreuze und vieles mehr. Schon während des Abiturs an der Fachoberschule Straubing reastaurierte er am Anwesen seiner Eltern Schätze aus vergangenen Zeiten. „Irgendwann waren es so viele, dass ich sie bei meinem Onkel am Bauernhof unterstellen musste“, lacht Jürgen. Nach der Ausbildung zum Kirchenmaler arbeitete er noch drei Jahre in Regensburg, ehe er in seine Heimat im Passauer Land zurückkehrte. Kurze Zeit später kaufte er das Schneideranwesen in Thannet bei Alkofen – ein wahrhaftiges Kleinod.

Zwischen Hortensien und Denkmälern Hier hat er sich einen idyllischen Rückzugsort geschaffen. Es scheint, als würde die Zeit still stehen. Das weitläufige Grundstück ziert ein prächtiger Garten mit blühenden Hortensien, schattenspendenden Bäumen, Gräsern, allerhand Denkmälern und einem großen Gartenteich. Umringt von Hühnern grasen Schafe in der saftigen Wiese, 50

die am Garten anschließt. Enten und Gänse schwimmen im angrenzenden Weiher. Hier ist die Welt noch in Ordnung.

Kirchenmaler aus Berufung

QUELLE DER KRAFT THERME 1 MIT SAUNAHOF IN BAD FÜSSING

seinem Motto: „Lasst uns am Alten so es gut ist halten. Doch auf altem Grund Neues schaffen zu jeder Stund (Gottfried Keller 1819 – 1890).

„Klischee und Idylle braucht der Mensch“ Er lebt seit sechs Jahren in dem originalgetreu restaurierten Bauernhaus mit grünen Fensterläden und großen Balkonen. „Mein Leben hier ist schon fast klischeehaft – in einer Welt, die immer mehr aus den Fugen gerät“, wird Jürgen Hollweck nachdenklich. Aber gerade deshalb fühlt man sich gleich so wohl hier. „Ich glaube der Mensch braucht Halt und Rückzug in eine ruhige, eigene Welt – ich habe meinen Garten und die Tiere zum Ausgleich. Klischee und Idylle braucht der Mensch einfach“, so der 39-Jährige. Jürgen ist oft in Tracht anzutreffen. Das passt zu ihm und seinem Leben, durch das sich Tradition und Brauchtum ziehen. „So modern wie wir alle sein wollen – so sehr brauchen wir Tradition und Brauchtum als Zuflucht. Denn es gibt kaum Bleibendes auf der Welt, alles ist unruhig und flüchtig“, sagt der Künstler. Kirchen, Heiligenfiguren und das Brauchtum sind was Bleibendes, gerade das fasziniert den Kirchenmaler besonders. Ganz nach

Das Schneideranwesen

I

n Bayern wurden früher Hausund Hofnamen vergeben. Nicht selten lassen sich aus den heutigen Nachnamen Ableitungen treffen. Die Bezeichnung des Thanneter Anwesens geht auf einen der Vorbesitzer zurück, denn hier war im vorigen Jahrhundert eine Schneiderei untergebracht. Manchmal lassen sich auch Rückschlüsse über die Größe des Besitzes oder den Ortsnamen ziehen.

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Gelebte Spiritualität

Mit geschick bestickt Feine Paramenten und Fahnen aus dem Kloster Thyrnau

Für liturgische Anlässe tragen katholische Priester oft aufwändig bestickte Messgewänder oder Kaseln mit prächtigen Stolen. Doch die kirchlichen Textilien, auch Paramenten genannt, sind in den letzten Jahren immer schwieriger zu bekommen. Im Kloster Thyrnau werden sie noch hergestellt, hier ist eine der letzten Fahnen- und Paramentenstickereien in Bayern untergebracht.

B

ereits seit der Gründung des Klosters, im Jahr 1902 fertigen die Schwestern kirchliche Gewänder oder Vereinsfahnen und besticken sie per Hand. Die Stickerei ist fest verwurzelt mit den Zisterzienserinnen. Ihre Paramentenwerkstätte hat eine lange Tradition. Schon im Mittelalter haben die Schwestern im Schweizer Heimatkloster Rathausen gestickt. Gründerin des Thyrnauer Klosters, Juliana Füglister, eine begnadete Stickerin, hat die Fahnen- und Paramentenstickerei in Thyrnau wieder aufgenommen. Seither entstehen wahre Kunstwerke mit Fadenmalereien und Heiligenbildern auf edlen Seidenstoffen. Sie fertigen heute alle kirchlichen Textilien, die ein Priester braucht. Darunter Kaseln, Chormäntel, Segensvelen, Alben, Priesterstolen, Schultertücher, aber auch Ministrantengewänder und Wandbehänge. Während in den letzten Jahren konkurrierende Stickereien auf Grund der Technisierung dicht machen mussten, konnte sich die Abtei durch ihren ausgezeichneten Ruf in der Branche halten. Besonders bekannt sind die Zisterzienserinnen für ihre Nadelmalerei. Dabei werden mit Nadel und Faden Schattierungen gestickt, die wie gezeichnet aussehen. Sogar Papst Benedikt der XVI. trug bei seinem Deutschlandbesuch 2006 Gewänder aus den Händen der Stickerinnen.

Da legt auch die Äbtissin Hand an Wie fast alle Klöster, plagen auch die Thyrnauer Schwestern Nachwuchssorgen. „Bis zum Ende des 2. Weltkrieges haben hier nur Schwestern gestickt. Doch die wurden immer weniger“, erklärt Äbtissin Schwester Mechthild. Daraufhin stellte man junge Frauen aus der Umgebung ein. Sie erhielten eine Ausbildung in der Stickerei oder Schneiderei. Derzeit sind vier Stickerinnen mit der 52

Herstellung von Fahnen- und Paramenten beschäftigt. Wenn Not am Mann ist, dann springt die Äbtissin, eine ausgebildete Stickermeisterin, ein. Sie fungiert als Chefin und hat das Handwerk hier in Thyrnau gelernt. Vorher war sie Sonderschullehrerin. Nach ihrer Promotion ging Schwester Mechthild ins Zisterzienserinnenkloster Thyrnau. Zu ihr kommen Priester, Bischöfe und Diakone aus ganz Deutschland und dem nahegelegenen Österreich, um neue Kleider in Auftrag zu geben.

Jeder bekommt, was er bestellt Meist bekommen die Priester ihr Gewand von der Diözese gestellt. Stoffe und Muster können sie frei wählen. Nur selten wird auf vorrätige Gewänder zurückgegriffen. Die Wartezeit auf eine neue Ausstattung kann bis zu einem Jahr dauern. Vor allem wenn große Aufträge reinkommen. So hat die Diözese Regensburg im letzten Jahr massenweise Messgewänder gebracht. „Wir haben sie gereinigt, überholt und repariert, das dauert dann natürlich eine Weile“, berichtet Schwester Mechthild. Manche Pfarrer kaufen sich ihre Gewänder selber – besonders wenn sie Maßanfertigungen brauchen. Dennoch sind die meisten Pfarreien mit den gängigsten Messgewändern ausgestattet. Dazu zählen Kaseln und Stolen in den liturgischen Farben Weiß, Rot, Grün, Violett und Schwarz. „Schwarz ist immer mehr im Kommen, . Mit den Stickereien wirkt es sehr edel“, erzählt die Leiterin der Stickerei. Dieses Jahr versorgten die Thyrnauerinnen einige Primizianten aus Würzburg, München, Regensburg und Südtirol. Jeder Pfarrer bekommt, was er bestellt. Früher konnte man den Reichtum des Fürstbistums oder der Pfarrei an den Stickereien der Messgewänder erkennen. Je prunkvoller sie waren, desto reicher der Klerus.

Das Messgewand Kaseln oder Messgewänder sind die liturgischen Bekleidungsstücke von katholischen Priestern. Sie werden bei der Heiligen Messe als Obergewand getragen. Doch Priester und Diakone wählen ihre Messgewänder nicht beliebig – schon seit dem Mittelalter hat jede Farbe ihre eigene Bedeutung und wird je nach Kirchenfest oder Anlass ausgewählt. Die weißen Festgewänder zeugen von Freude. Sie werden von Ostern bis Pfingsten, an Weihnachten und an Marienoder Christusfesten getragen. Grün gilt auch im Kirchlichen als Farbe der Hoffnung, deshalb ziehen sich die Priester an allen Sonntagen des Jahreskreises grüne Kaseln über. Rote Messgewänder hingegen nehmen die Geistlichen an Apostel- und Märtyrerfesten oder zu Pfingsten. In der Adventsund Fastenzeit werden violette Gewänder getragen. Sie gelten als Zeichen der Buße und können auch bei Beerdigungen eingesetzt werden. Doch hier greifen die Priester auch gerne auf schwarz zurück.

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Das

Gelebte Spiritualität Alles nach Mass und in Handarbeit Im Hinblick auf die Vergangenheit hat sich an der Stickerei nicht viel verändert. „Handarbeit bleibt Handarbeit“, lächelt die Ordensfrau. Es gibt keine direkten Vorgaben zum Sticken der Muster. „Bei Reparaturen schaut man,

was in die Zeit passt, in der das liturgische Gewand hergestellt wurde“, verrät Schwester Mechthild. Bei Neuanfertigungen geben die Auftraggeber, meist Priester oder Vereine, grob vor, welche Ikonen und Muster ihre neuen Paramente oder Fahnen zieren sollen. „Im Gegensatz zu früher wird nicht mehr so viel vorgegeben. Man kann sich als Stickerin austoben und die eigene Kreativität einsetzen“, wirft Daniela Hinterreiter ein. Sie ist eine der Mitarbeiterinnen im Kloster und hat schon in der Schule gerne gestickt. Deshalb brauchte sie auch keine Ausbildung. Schwester Mechthild hat die gebürtige Rumänin vor mehr als 17 Jahren angelernt. Ihr Spezialgebiet ist die Goldstickerei. Momentan fertigt sie die Verzierungen für eine lilafarbene Stola mit dem Heiligen Nikolaus von Flue an. Diese hat Pfarrer Ludwig zum Nachsticken in Auftrag gegeben. Weil er in der Landjugend seiner Pfarrgemeinde sehr aktiv ist, zieren seine Stolen Abbilder des Heiligen Nikolauses, dem Patron der katholischen Landjugendbewegung. 54

Jeder Pfarrer hat seine eigenen Heiligen oder Schutzpatrone. „Kürzlich hatten wir einen Auftrag eines Malteser-Pfarrers. Er wollte natürlich passende Malteserkreuze auf seiner Stola“, erzählt Daniela Hinterreiter. So ist jeder Auftrag anders und die Stickerinnen lassen ihrer Kreativität freien Lauf. Die Dauer des Bestickens einer Stola ist unterschiedlich. Je nachdem, wie reich sie ausgestattet

sein soll. „Mit Figuren kann es bis zu einer Woche dauern. Davon werden zwei bis drei Tage nur gestickt“, verrät Schwester Mechthild.

den. Neben Daniela Hinterreiter sitzt Ines Kramer an einem Stickrahmen. Sie arbeitet an einem farbigen Heiligenbild. So hat jede der vier Stickerinnen ihren Bereich. Ihrer ist die Leinstickerei. Dabei bringt sie hauptsächlich Schutzheilige auf Stoff. Wie viele das bereits waren, kann sie heute nicht mehr sagen. Genau wie Daniela gehört sie bereits seit 17 Jahren fest zum Team. Jede Stickerin hat ihren eigenen Stil. Das älteste Stück, das die Damen bislang in ihren Händen hielten, ist ein Priestergewand aus dem frühen Barock. „Es war ein beeindruckender Stoff. Er hatte ein Muster eingewebt, das ganz abgewetzt war. Die Fetzen hingen regelrecht davon. Seine Reparatur bedeutete viel Arbeit. Aber es war schön für uns, dieses historische Messgewand für die nächsten Generationen zu bewahren“, erzählt die 68-jährige Äbtissin.

„Deshalb riecht's nach Alkohol ...“

Wehrmachtsabzeichen statt Kirchengewänder

Die Motive sind selber gezeichnet, mit Hilfe von Pauspulver und Spiritus werden die Umrisse auf den Stoff gebracht und dann nachgestickt. „Deshalb riecht es hier immer so nach Alkohol“, lacht Schwester Mechthild. Gestickt wird nur auf Samt oder Seide. Darunter ist ein Baumwoll-Nessel eingespannt, der für Halt im Stickrahmen sorgt. „Als Garn verwenden wir Leinengarn und Japangold. Das sind spezielle Goldfäden. Der Kern des Garns ist aus Baumwolle, die Hülle ist mit Goldfolie überzogen. Es hat den Vorteil, dass es sich leicht legen lässt und ist günstiger als Goldfaden“, erklärt Daniela Hinterreiter. Wenn die Stola fertig ist, dann kann sie in der Schneiderei weiterverarbeitet wer-

Auch die Fahnen- und Paramentenstickerei hat schon viele Höhen und Tiefen durchlebt. Es lief nicht immer so gut für die Schwestern. In den 1940er Jahren hatten sie „kriegswichtige Stickereien“ zu übernehmen. Die kirchliche Stickerei untersagten ihnen die Nazis. So wurden die Schwestern aufgefordert, Wehrmachtsabzeichen zu sticken und Socken zu stopfen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg ging es wieder bergauf. Dennoch verringerte sich die Auftragslage im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts. Nach und nach fielen Ordensfrauen weg. Heute haben sich Personal und Auftrags-volumen eingependelt. Die Klosterstickerei kann wieder gut wirtschaften. Sie bildet noch immer den

Haupt-erwerb des Klosters. Daneben setzen die Zisterzienserinnen auf Übernachtungs- und Tagungsgäste. Jakobs-pilgern bieten sie günstige Übernachtungsmöglichkeiten im ehe-

maligen Jagdschloss des Fürstbischofs zu Passau. Und zu Weihnachten stellen die Schwestern den berühmten Thyrnauer Lebkuchen her. Eine besondere Spezialität im Passauer Land.

KlosterThyrnau D

as Kloster St. Josef zu Thyrnau wurde 1902 durch Äbtissin M. Juliana Füglister gegründet. Es entspringt einem Schweizer Konvent und war lange in Frankreich beheimatet. Nachdem die Ordensleute aus ihrer französischen Heimat Vézelise vertrieben wurden, kauften die Zisterzienserinnen das Thyrnauer Jagdschloss des ehemaligen Fürstbischofs von Passau. Es hatte schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine lange Geschichte hinter sich: „Man vermutet, dass Thyrnau im 11. Jahrhundert Zentrum und Ausgangspunkt für eine große Siedlungsbewegung im Vorwald war, die vom Rottaler Adelsgeschlecht der Watzmannsdorfer ausging“, erklärt Schwester Mechthild, die heutige Äbtissin. So hieß Thyrnau damals noch Watzmannsdorf. Im Lauf der Zeit gingen Burg und Hofmark durch Heirat an verschiedene Adelsgeschlechter. 1692 kaufte es Fürstbischof Johann Phillip Graf von Lamberg. Bis zur Säkularisation 1803 blieb Thyrnau im Besitz des Hochstiftes Passau. Fürstbischof Raymond Graf von Rabatta ließ die alte Burg abreißen und ein stattliches Jagdschloss bauen. Seit der Fertigstellung 1718 krönt sein Wappen den Eingang zum heutigen Kloster. Nach der Säkularisation ging es in den Besitz des Freistaates Bayern über und wurde mehrmals verkauft, bis es die Zisterzienserinnen 1902 erwarben. Neben einer Landwirtschaft mit Tierhaltung betreiben die Schwestern seit der Gründung des Klosters eine Fahnen- und Paramentenstickerei. Informationen zu Übernachtungsmöglichkeiten, Klosterladen und der Geschichte der Abtei finden Sie unter www.klosterseite.org.

Erlebnis der Gegensätze

Die PassauCard all-inclusive erschließt die schönsten Freizeitangebote und Sehenswürdigkeiten im Passauer Land, in Oberösterreich und Südböhmen. Eine Karte weist den Weg zum Gesamterlebnis. Alles zum all-inclusive-Preis!

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Das Passauer Land ist ein Erlebnis der Gegensätze. Mit Flüssen, Wäldern und Thermen, mit kontrastreichen Landschaften und sich abwechselnden Baustilen. Neues und Anderes ist oft eine Frage weniger Kilometer. Die Möglichkeiten, diese Vielfalt zu entdecken, sind so facettenreich wie die Eindrücke selbst. Eine Radtour auf dem Donau- oder Innradweg, eine Wanderung auf dem Donausteig, eine Ruderpartie auf der Ilz, ein Besuch der Thermen… Was es dabei noch alles zu entdecken gibt und welche weiteren Vorteile Sie mit der PassauCard all-inclusive genießen, darüber informiert der begleitende Erlebnisführer oder unsere Homepage www.passaucard.de. Telefonische Infos 55 gibt es unter der Service-Hotline 08531 / 94 49 49.


Der Charme der Jahreszeiten, die Harmonie von Glas, Natur und Mensch ist eine Kombination, die bei uns ganzjährig sowie jeden Tag auf’s Neue gelebt wird.

„Jahreszeiten“ im Glasdorf erleben.

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Vom Konditor bis hin zum Glasbläser. Die Tradition wird im Glasdorf noch kunstvoll betrieben.

Das Haus „Vier Jahreszeiten“ mit der Froschgalerie von Monika Weinfurtner verlängert Ihren Frühling, Ihren Sommer und stimmt Sie auf Advent und Weihnachten ein: Glas in allen Ausführungen, Textiles, Dekorationen für Heim und Garten, viel Wissenswertes und Leckereien aus der hauseigenen Konditorei erwarten Sie dort. Bild rechts: Die Arche im Glasdorf

Die Glasstraße schlängelt sich durch das liebliche Zellertal im Bayerischen Wald. Eine Augenweide an dieser Strecke sind die von der Straße zwischen Bad Kötzting und Bodenmais gut einsehbaren, liebevoll angelegten Parkanlagen mit Brunnen, Wasserspielen und kunstvollen Glasskulpturen – Anlagen, die Weinfurtner DAS GLASDORF prägen. Den Glasmachern bei der Arbeit zuzusehen ist ebenso entspannend und anregend wie durch

die Glasdorf-Häuser mit ihren wunderbar dekorierten Arrangements zu schlendern, um sich Inspirationen für die eigene elegante, stylische und gemütliche Wohnwelt mit Haus und Garten zu holen. Dazu in der gemütlichen „Hüttenschänke“ mit eigener regionaler Küche eine gute Brotzeit oder an 365 Tagen im Bistro des „Vier Jahreszeiten“ selbstgemachten Kuchen probieren. Ein weiterer Genuss ist es, durch die vielfältig angelegten Gärten zu spazieren. Sich umsehen, genießen, ruhen — die Wurzeln des Dorflebens erkennen und sehen. Kinder können sich auf den Spielplätzen in den Parkanlagen so richtig austoben und im kleinen Streichelzoo Ziegen, Ponys, Esel, Hühner, Gänse und Enten besuchen.

Das Anliegen der Inhaber, der Familie Weinfurtner, ist es, für alle Besucher eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen. Es entstehen immer wieder neue Ideen und Pläne. Beseelt von einem starken Gedanken hat man die ARCHE (der ARCHE Noah nachempfunden) der Donaugartenschau ersteigert, und sie hat somit im Glasdorf angelegt. Nach religiösen Gesichtspunkten ist sie das Symbol für das harmonische Leben des Menschen, des Tieres und der Pflanzenwelt. Daher auch die Platzwahl im Freigelände inmitten des Tiergeheges und der Natur. „Freundschaft leben“ heißt die Philosophie der Familie Weinfurtner: „Glückliches Wohlbefinden zwischen Himmel und

Erde mit all den Gästen und Mitarbeitern, im Einklang mit der Natur.“ Weinfurtner DAS GLASDORF in Arnbruck – Ein familiär geführtes Kleinod mit besonderer Atmosphäre freut sich auf Ihren Besuch. ÖFFNUNGSZEITEN Montag bis Freitag 9 - 18 Uhr, Samstag 9 - 17 Uhr Von Mai bis November auch an Sonn- und Feiertagen 10 - 17 Uhr Weinfurtner DAS GLASDORF Zellertalstraße 13 93471 Arnbruck Telefon 09945 / 94110 info@weinfurtner.de www.weinfurtner.de

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Raue Nächte

ten sind nicht dasselbe: Perchten hat man zum Winteraustreiben eingesetzt. Kramperl hingegen bestrafen im Beisein des Heiligen Nikolauses die unartigen Kinder. „So war das vom Brauchtum her mal abgegrenzt. Aber es läuft mittlerweile sehr ineinander über“, bestätigt Maskenschnitzer Martin Speth in seiner Werkstatt in Ruhstorf. Er schnitzt schaurige Kramperlmasken, aber keine Perchten. Doch wo genau liegt der Unterschied? „Perchten haben größere Masken, vorne zwei Widderhörner und dahinter vier Bockhörner, einen großen Mund und riesige Zähne. Kramperlmasken sind menschen- oder tierähnlich. Bei ihnen wird das Teuflische herausgearbeitet“, erklärt Martin Speth.

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da kommen die kramperl her

aue Nächte & gruselige gestalten

Martin Speth gibt ihnen ihr schauriges Gesicht

D

ie Kramperl – in der Adventszeit trifft man sie auf vielen Christkindlmärkten oder Kramperlläufen. Sie sind wilde, zottelige Begleiter des Heiligen Nikolauses und finden ihren Ursprung im bayerisch-österreichischen Alpenraum. Dort sind sie noch heute beheimatet. Seit Ende der 1990er Jahre trifft man immer mehr im Passauer

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Land. Ihr Aussehen könnte kaum unterschiedlicher sein. Sie tragen Anzüge aus Schaf- oder Ziegenfell und schaurige Holzmasken mit echten Hörnern. Die stammen von Ziegenböcken, Widdern, Afrikanischen Blessböcken, Antilopen oder Steinböcken. Oft werden die Kramperl mit den Perchten über einen Kamm geschoren. Doch Kramperl und Perch-

Der Brauch des Kramperllaufes stammt aus Österreich. Richtig nach Deutschland ist er erst in den letzten Jahren gekommen, doch die Kramperlgruppen werden immer mehr. In der ganzen Umgebung gibt es welche – von Passau über Straubing und Regensburg bis nach Traunstein oder sogar Italien, Kroatien und Slowenien. Tag für Tag stellt der gelernte Zimmermann Kramperlmasken in seiner Werkstatt her. Zum Schnitzen benötigt Martin Speth das Holz der Weymouth-Kiefer. „Die Baumart eignet sich besonders, weil sie nicht zu hart und nicht zu weich ist – eher ein Mittelholz“, verrät der Maskenschnitzer mit dem Spitznamen „Speede“. Vom Gewicht her ist die Maske dann leichter zu tragen, als eine aus Linde. Eine besondere Verbindung zum Rohstoff Holz hatte er schon zu Beginn seiner Berufslaufbahn. Dass er als Zimmermann einmal Masken schnitzen würde, hätte er sich aber nie erträumen lassen. Wir dürfen ihn dabei begleiten.

Da fliegen die Späne Während er einen Holzblock aufnimmt, verrät Martin Speth: „Damit sich das Holz besser verarbeiten lässt, muss es nass sein“. In seinem Garten in der Blumenau, in Ruhstorf an der Rott, wässert er die Blöcke regelmäßig. Nun wirft der 39-Jährige seine elektrische Motorsäge an und teilt den Block in vier Teile. Die Späne machen sich in der Werkstatt breit. Es riecht nach frischem Holz. Martin Speth spannt den Holzblock ein und befestigt ihn mit zwei Schrauben. Im Anschluss zeichnet er die Kopfbreite auf. Dann bestimmt er Höhe und Breite der Ohren. Im nächsten Schritt werden die Augen eingezeichnet. „Wenn sie nicht passen, dann sieht der Kramperl nichts. Sie sind das A und O einer Maske“, erklärt er. Währenddessen macht er vier weitere Striche und Kreuze. Nun setzt Martin Speth die Motorsäge erneut an. Er sägt zwei Dreiecke heraus. Sie sollen später mal die Ohren der Maske darstellen. Ein riesiger Krach herrscht in seiner Werkstatt. Rund 30 Masken hängen an der Wand – Eine schauriger und grusliger als die Andere. Sie haben Reißverschlüsse, bei denen man bis unter die Haut sehen kann, große Nasen, spitze Zähne, blutige Gesichter und furchterregende Hörner. Martin Speth sägt noch ein paar Kanten ab. Ohren, Nase, Stirn, Mund und die Einsparungen für die Augen lassen sich schon erkennen, während uns Sägespäne um die Ohren fliegen. Wichtig ist, dass das gesamte Profil der Maske stimmt. Augen und Nase müssen zu Ohren und Mund passen – wie bei einem menschlichen Profil. Nun bohrt Martin Speth Löcher zum Ausfräsen und Herausarbeiten der Zähne. Mit verschiedenen Schnitzmessern arbeitet er filigran weiter: „Je kleiner Augen, Nase und Mund sind, desto aggressiver wirkt das Gesicht“. Das Zähneschnitzen mag er

gerne, weil sie so viel zum Ausdruck der Maske beitragen. Bis die Maske fertig geschnitzt ist, vergehen etwa fünf Stunden. Sie muss schließlich geschliffen und ausgehöhlt werden. „Der Kern des Blocks muss sofort nach dem Schnitzen raus, sonst reißt die Maske“, so der 39-Jährige. Mit Hilfe verschiedener Werkzeuge arbeitet er das Holz präzise und souverän heraus. Dann legt Martin Speth die Maske zum Trocknen an die Sonne. Bei Hexen- und Frauenmasken belässt er den Hinterkopf hölzern, damit die Haare schön sitzen. Männermasken, die mit Fell umschlossen sind, benötigen keinen Hinterkopf. Jetzt werden Hörner und Augen eingesetzt. Für die Augenpartie setzt er am liebsten Glasaugen ein – sie werden selten geschnitzt. Aber das macht jeder Maskenschnitzer anders, verrät er uns.

Hexenkunst und Teufelswerk Allein von Juli bis Oktober macht Martin Speth 35 Masken. Das Geschäft läuft gut. Manche bestellen schon im Oktober für die nächste Saison, also ein Jahr vorher. Nun bemalt der Maskenschnitzer eine schaurige Teufelsmaske. Sie ist bereits fertig geschnitzt und grundiert. Jede Furche sitzt, jede Falte hat seine Position, damit die Fratze schön schaurig wirkt. Hier und da tupft er mit Schwämmchen rot, weiß oder schwarz auf die Furchen und verwischt die Farben wieder ganz wild. „Am schönsten ist es, wenn ich das vorm Kunden mache. Die schauen dann immer ganz erschrocken, weil ich so wild herummale“, lacht Martin Speth. Durch die Wischtechniken setzt er gekonnt Effekte im Gesicht des Teufels: „Beim Malen mit dem Schwamm bleibt die Farbe nach dem Verwischen in den Rillen“. Durch das Zusammenspiel von Farbe und Druck hebt er die geschnitzten Konturen hervor. 59


Raue Nächte

Je mehr er andrückt, desto stärker wischt er wieder weg. Heraus kommen faszinierende Schattierungen und furchterregende Grimassen. Dafür verwendet der Maskenschnitzer hauptsächlich Acrylfarben. Die Techniken hat sich der 39-jährige selber beigebracht. „Übung macht eben den Meister“, grinst Martin Speth und verrät: „Man muss nur an sich glauben, dann schafft man alles“. Informationen und Anregungen holte er sich nach einem Besuch beim Perchtenlauf in Pullman City aus dem Internet. Das war Ende Dezember 2013. Seither ist der gelernte Zimmerer infiziert mit dem Kramperlvirus. Anfangs hat er hobbymäßig für sich selber geschnitzt. Schon bald gingen erste Aufträge rein und Martin Speth konnte sich ein zweites Standbein neben seiner Anstellung in einer Ruhstorfer Firma aufbauen. Seitdem gingen ihm rund 150 Masken aus der Hand.

Eine haarige Angelegenheit „Nun geht’s für den Teufel zum Trocknen“, sagt er und legt ihn beiseite. Danach wird das Kunstwerk mit widerstandsfähigem Lack überzogen. Damit die Masken am Kopf der Kramperl halten, verpasst er ihnen noch ein Gurtband. „Dann setze ich Fell oder Haare drauf“, sagt 60

Martin Speth und hält eine ganze Palette davon in Händen. Sie sind grau, schwarz, gesträhnt, braun, blau oder rot. Ihre Verarbeitung ist am Aufwändigsten. Gerade, wenn Strähnen das Haupt der Maske zieren sollen. „Die Haare und Wedel sind aus Rosshaar oder Ziegenfell. Zum richtigen Kramperl gehört ein Echtfell – Kunststoff wird nicht nachgefragt. Der strenge Geruch gehört dazu“, schmunzelt Martin Speth.

Weniger Blut, dafür mehr Reissverschlüsse Rund 12 Stunden arbeitet er an einer Kramperlmaske. „Für Frauenund Hexenmasken kommen nochmal um die fünf Stunden dazu. Sie sind eine besondere Herausforderung, deshalb gibt es nicht viele Schnitzer, die sie herstellen“, so der Ruhstorfer. Er beherrscht auch diese Disziplin. Sein nächstes Projekt soll ein Avatar werden. Wie Martin Speth verrät, geht der Trend derzeit in eine neue Richtung: „Je ausgefallener, desto besser. Masken mit eingeschnitztem Reißverschluss sind gerade In. Dafür ist weniger Blut derzeit mehr. Gefallen an blutverschmierten Gesichtern finden momentan hauptsächlich die jugendlichen Kramperl“.

Von Ruhstorf aus in die ganze Welt Bei der Krampus- und Perchtenaussellung in Hallein bei Salzburg, stellt Martin Speth seine Kunstwerke jährlich aus. „Dabei präsentieren sich rund 50 Kramperl- und Perchtengruppen sowie 50 Schnitzer“, so der Ruhstorfer. Treffen kann man ihn heuer erstmals mit den Ruhstorfer Rottdeifen. Einer Gruppe die sich neu zusammengefunden hat. Einen Ausgleich zur schweißtreibenden Arbeit findet er beim Fischen. Ansonsten werkelt Maskenschnitzer „Speede“ in seiner Werkstätte, die mittlerweile in Hartkirchen untergebracht ist. Dorthin kommen die Kunden von weit her. Auch nach Amerika, Dubai, Frankreich oder Belgien verschickt er regelmäßig Werke an seine Kunden. Zudem übernimmt Martin Speth Reparaturen an Kramperlmasken. Dabei ist es ihm wichtig, die Handschrift des Schnitzers nicht zu übermalen, denn „jeder Schnitzer hat seinen eigenen Stil. Deshalb brauchen die Masken auch keine Stempel. Man kann sich nicht gegenseitig kopieren, jeder arbeitet die Züge der Gesichter anders heraus“, sagt er. Daneben hat Martin Speth nicht nur einzelne Aufträge für individuelle Masken. Er stattet ganze Gruppen mit ähnlichen oder gleichen Kram-

perlfratzen aus. In den nächsten Wochen hat er 29 gleiche Hexengesichter vor sich. Pro Kopf schnitzt er dafür sieben Stunden. Langweilig sei es nicht, so viele gleiche Masken herauszuarbeiten. Denn Hexenmasken sind seine Lieblingsmasken. Die stellt er noch lieber her, als die Kramperl. „Die hinterfotzigen Fratzen mit

den großen Ohren und langen Nasen taugen mir einfach. Hexen kann ich auch mit schlechter Laune machen, sie werden immer was“, lacht Martin Speth. Seine Augen leuchten. Er hat ihn gefunden, seinen Traumjob. Erst im Mai hat er sein Hobby zum Beruf gemacht und bemüht sich nun alle Wünsche seiner Kunden erfüllen

zu können. Deshalb fällt es ihm auch manchmal schwer seine Masken aus mühevoller Handarbeit einzupacken und auf die Reise zu schicken. Der Teufel, der noch in der Sonne trocknet, wird im Advent auf den Christkindlmärkten im Passauer Land sein Unwesen treiben. Termine dazu finden Sie auf Seite 57.

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u

= überregionale Veranstaltung

So 23.4.2017

So 21.5.2017

Sa 5.6.2017

Fr 7.7. - Sa 8.7.2017

u Rad Total im Donautal mit Start in Löwmühle (Gemeinde Thyrnau)

u Tag des Tourismus im ganzen Landkreis mit vielen vergünstigten Angeboten vieler Freizeiteinrichtungen / Museen etc.

Pfingstkirta Fürstenstein

Promenadenfest „Donau in Flammen“ – Das Original in Vilshofen a.d. Donau

Fr 28.4. - So 30.4.2017

« Mittelalterspektakel in Hauzenberg

u Internationaler Museumstag im Museumsdorf Bayerischer Wald in Tittling

Mi 24.5. - Do 25.5.2017 Rudertinger Weinfest

Januar Fr 1.1.2017 Neujahrskonzert in Vilshofen Neujahrsanblasen Hauzenberg

Faschingsveranstaltungen unter www.passauer-land.de

März Sa 11.3. - So 12.3.2017 Pockinger Ostereier- u. Kunsthandwerks-Verkaufsausstellung

April FR 7.4. - Sa 8.4.2017 Bierwoche in Bad Füssing

spectaculum historica

Mi 24.5. - So 28.5.2017 Dorffest Jägerwirth

Fr 26.5. - So 28.5.2017 So 30.4.2017 Hilgartsberger Walpurgisnacht

« Georgiritt Aidenbach Mai Mai 2017 Vollmondorgelnacht Vilshofen in der Klosterkirche Schweiklberg

Mo 1.5.2017

u « Deutscher Mühlentag im Museumsdorf Tittling

« Kirchhamer Mühlenfest « Mühlenfest Grafmühle

Fr 7.7. - Sa 12.7.2017

Fr 6.6. - Mo 12.6.2017

SA 8.7. - SA 22.7.2017

Büchlberger Volksfest

Historisches Freilichtspiel „Lieber bairisch sterben ... Aidenbach 1706“

Do 15.6. - So 18.6.2017 Ritterspiele Ortenburg

August Termine für „Vof-tonight - Die Filmnächte in Vilshofen a. d. Donau“ sind kurzfristig im Internet einsehbar unter www.passauer-land.de

Do 3.8. - So 6.8.2017 Lampionfest Bad Griesbach

Fr 4.8. - Mi 9.8.2017 Volksfest Ortenburg

So 6.8.2017

Prangerfest Straßkirchen

Museumsfest im Webereimuseum Breitenberg

4. Obernzeller Volksmusiktage mit Töpfer- und Kunsthandwerkermarkt im Schlossgarten und im Schlosshof

Sommerfest Haus am Strom Untergriesbach

Fr 11.8. - Mi 16.8.2017 Fr 12.7.2017

Juni

Bad Füssinger Thermen Open Air

Juni 2017

Sa 8.7. So 9.7. und Sa 15.7. So 16.7.2017

Tag der offenen Gartentür    Informationen unter www.passauer-land.de

Fr 2.6. - Di 6.6.2017 Weinhügelfest Fürstenzell

Fr 23.6. - Mo 26.6.2017

So 7.5.2017

Pfingstfest Pocking

Petersfest Aicha vorm Wald

Schmankerlwanderung im Ilztal & Dreiburgenland „Genuss am Fluss“. Start kurzfristig im Internet einsehbar unter www.passauer-land.de

Sa 3.6. - Mo 5.6.2017

Sa 24.6.2017

Pfingstfest Haarbach

u Tag der Blasmusik in Sonnen

So 4.6.2017

Juli

Dorffest mit Volksradfahren Thyrnau

Sa 1.7.2017

Aldersbacher Frühlingsfest mit Kunst- und Handwerkermarkt

Bad Füssinger Musiksommer

Garten-Markt-Tage Pocking

Windorfer Frühling mit Blumen- und Gartenmarkt

FR 12.5. - Mo 15.5.2017

62

« = historische Veranstaltung

Wegscheider Markttag mit Rock in Tracht

Hauzenberger Dult

Fr 11.8. - Di 15.8.2017 Volksfest Aidenbach

Do 17.8. - So 20.8.2017

4. Hortensienschau in Pocking

Grenzlandfest an der Innlände Neuhaus a. Inn

Fr 21.7. - So 23.7.2017

Fr 18.8. - Mi 23.8.2017

Bürgerfest Pocking

Traditionelles Volksfest Vilshofen a. d. Donau

Fr 28.7. - Di 1.8.2017 Volksfest Eging a.See mit Volksfestumzug am 30.7.2017

Fr 30.7.2017 Familienfest des Landkreises Passau im Schlossgarten von Obernzell

Fr 25.8. - So 27.8.2017 Gartenzauber Aldersbach

Fr 25.8. - Mo 28.8.2017 Volksfest Tittling

Do 31.8. - Di 5.9.2017 Karpfhamer Fest

63


Ganz schön was los! Veranstaltungen 2017

u

= überregionale Veranstaltung

Oktober

Dezember

So 1.10.2017

SA 2.12.2017

Michaeli Kirta in Untergriesbach

Nikolauseinzug Salzweg

Weihnachtsmarkt Grafenschlößl, Tittling Fr 1.12. - So 3.12. W

Mostkirta Fürstenzell

Di 5.12.2017

Wiesenweihnacht Pocking W Sa 2.12. W

Bauern- und Handwerkermarkt Pocking

Nikolauseinzug in Hauzenberg Untergriesbach, Neukirchen vorm Wald, Fürstenzell

Kirchhamer Adventsmarkt W So 3.12. W

Webereimuseum Breitenberg

Sa 23.12.2017

Christkindlmarkt Pocking W So 3.12. W

FR 8.9. - S0 10.9.2017

Christkindlansingen Fürstenzell

Brückenfest Neuburg a. Inn

Di 26.12.2017

September Termin und Veranstaltungsort des internationalen Volksmusiktags ist kurzfristig im Internet einsehbar unter www.passauer-land.de

So 3.9.2017

« Drescherfest im

FR 8.9.2017

Sa 7.10. - So 8.10.2017

Kabarett am Steg Neuburg a. Inn

Herbstkirta und Sternwallfahrt Fürstenstein

Sa 9.9.2017

S0 8.10.2017

Sa 30.12.2017

Zweibrückenlauf am Mariensteg in Neuburg a. Inn

« Leonhardi Umritt Kellberg

« Ebersberger Turmweihnacht

Landkreissonderzug nach Graz Abfahrt: HBF Passau, Uhrzeit kurzfristig einsehbar unter www.passauer-land.de

S0 15.10.2017

Perchtentreffen Pullman City, Eging a. See Bad Füssinger Weihnachtsgala

– altbayerische Weihnachtsveranstaltung

« Leonhardi-Ritt

Advents- und Christkindlmärkte

Adventsmarkt Aicha vorm Wald W Sa 2.12. W

Tiefenbacher Adventsmarkt W So 3.12. W Weihnachtsmarkt Pullman City, Eging a. See Fr 17.11. - So 19.11. W Fr 24.11. - So 26.11. W Fr 1.12. - So 3.12. W Fr 8.12. - So 10.12. W Fr 15.12. - So 17.12. Schwimmender Christkindlmarkt, Vilshofen a. d. Donau Fr 24.11. - So 26.11. W Fr 1.12. - So 3.12. W Fr 8.12. - So 10.12. W Granitweihnacht im Granitzentrum Hauzenberg Do 30.11. - So 3.12. W Do 7.12. - So 10.12. W Do 14.12. - So 17.12. W Do 21.12. - So 23.12. W

Neukirchen vorm Wald

So 29.10.2017

Weihnachtsmarkt Pocking W Do 7.12. - So 10.12. W

So 10.9.2017

« Leonhardi-Ritt Grongörgen

Stoabruchweihnacht Büchlberg W Fr 8.12. - So 10.12. W

Erntedankfest Kösslarn

November

Weihnachtsmarkt Bad Griesbach W Fr 8.12. - So 10.12. W

u Tag des offenen Denkmals – nähere Informationen unter www.tag-des-offenen-denkmals.de

So 17.9.2017 Zwetschgenmarkt Ortenburg

So 5.11.2017

« Leonhardi Umritt Aigen a. Inn Martins-Kirta Untergriesbach

So 31.12.2016

Adventsmarkt Kloster Aldersbach W So 10.12. W

Silvesterbrückenparty am Mariensteg, Neuburg a. Inn

Fürstensteiner Schlossweihnacht W So 10.12. W

Silvesterparty Pullman City, Eging a. See

Mehr Veranstaltungen und Ausstellungen aus Stadt und Landkreis Passau finden Sie unter www.passauer-land.de/veranstaltungen Weitere Veranstaltungen der Freizeiteinrichtungen unter: www.landkreisgalerie.de l www.museumsdorf.com www.pullmancity.de l www.hausamstrom.de l www.therme1.de l www.johannesbad-fachlinik.de l www.europatherme.de www.wohlfuehltherme.de l www.quellness-golf.com Verschiedene Führungsangebote finden Sie in unserem Sales Guide und unter www.passauer-land.de

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« = historische Veranstaltung

Hilgartsberger Burgweihnacht W Fr 15.12. - So 17.12. W Hauzenberger Weihnacht W So 17.12. W

Veranstaltungsreihen Kulturwochen Salzweg März – Mai Konzertreihe der Musikschule im Landkreis Passau „Klingendes Denkmal im Passauer Land“ Termine und Veranstaltungsorte einsehbar unter www.landkreis-passau.de/musikschule Ab März bis zum Herbst Musik- und Kabarett-Tage, Museumsdorf Bayerischer Wald, Tittling April - September Ortenburger Schlosskultur Mai - September Europäische Festspielwochen, Passau Juni - Juli Hilgartsberger Burgfestspiele Juli - August Kulturwochen Hauzenberg 24.6. - 22.7. Kurkonzerte Hauzenberg immer Mittwochs / Juli - August Fürstensteiner Kultursommer Juli Historisches Freilichtspiel „ Lieber bairisch sterben ... Aidenbach 1706“ sa 8.7. - Sa 22.7. Bad Füssinger Kulturfestival FR 15.9. - Sa 14.10. Tiefenbacher Herbststrauß September / Oktober

Granitweihnacht Hauzenberg

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Lesen Sie dazu unseren Beitrag auf Seite 24 - 27

Und was passiert nächstes Jahr ?

Kulinarische Genüsse im passauer Land ab November 2017

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Rohrnudeln, Wild, Geselchtes mit frischem Bauernbrot, Ausgezogene und Most. Neben Sehenswürdigkeiten, altem Brauchtum, einer zauberhaften Landschaft und köstlichem Bier hat der Landkreis Passau viele kulinarische Genüsse zu bieten. Geprägt von Donau, Inn und dem Dreiländereck. Erfahren Sie in unserer nächsten Ausgabe Interessantes über Spezialitäten und traditionelle Speisen des Passauer Landes.

r Die Touristike Land r e u a s s a P m o v 67


Der Bayerische Wald Do

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Passau

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Das passauer land

Inn

Das Donautal

Das Bayerische Golf- & Thermenland

Urlaubsregionen mit Flüssen, Wäldern und Thermen

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Passauer land

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Land

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Informativ und übersichtlich. Das Gastgeberverzeichnis. Erhältlich über die Tourist Information Passauer Land, oder unter www.passauer-land.de/reiseservice/ prospektbestellung

Passauer land magazin 2017  
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