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Das Magazin der Orell Füssli Buchhandlungen Nr. 4/2012

Die hohe Kunst der Grenzgänge «Stalins Kühe» von Sofi Oksanen

Ihr persönliches Exemplar – mit Wettbewerb!

Im Schaufenster Neue Bücher von

John Irving, Carlos Ruiz Zafón und Birgit Vanderbeke Spezial: Kochbücher Der Appetit kommt beim Lesen Jüdische Literatur Chuzpe und Humor


Editorial | 3

LEICHTER LESEN NEU

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10 Sofi Oksanen Die hohe Kunst der Grenzgänge

So gelingt’s !

Schlicht schön

Man nehme einen Koch, der auch gut schreiben kann, und lasse ihn bei mittlerer Hitze einige Monate köcheln, bis eine Portion schöner Rezepte an die Oberfläche steigt. Die Rezepte abschöpfen und in einem engmaschigen Lektoratssieb abtropfen lassen.

18 Im Schaufenster I «Der Gefangene des Himmels» von Carlos Ruiz Zafón 19 Im Schaufenster II «Die Frau mit dem Hund» von Birgit Vanderbeke 20 Jüdische Literatur Chuzpe und Humor

Die fertigen Rezepte mithilfe eines Gestalters schön auf Seiten aus festem Papier anrichten. Die Seiten wahlweise mit frischen Fotografien oder feinen Illustrationen garnieren. Rezepte und Garnitur sollten im Geschmack gut miteinander harmonieren.

MIT LEUCH DISPLATY

Am schönsten werden die Rezepte in einem Buch begleitet von einer Beilage bissfester Produktinformationen, einer Sauce aus Impressionen von Land und Leuten oder kleinen Häppchen mit Anekdoten aus der Küche.

BOOKEEN ODYSSEY 2013 EDITION FR. 129.–

NTLIGHT HD

Dieses Grundrezept für ein raffiniertes Kochbuch lässt sich auf unzählige Weisen variieren: nach Ländern, Produkten, Gerichten oder Schwierigkeitsgraden. Einige besonders feine Variationen stellen wir Ihnen in diesem Books vor.

BOOKEEN ODYSSEY FRO

LEUCHTDISPLAY – LESEN IN DER NACHT PAPIEROPTIK – LESEN AUCH BEI SONNE

Seite 14 Geschenkbücher

Liebe Leserin Lieber Leser

BOOKEEN ODYSSEY FRONTLIGHT HD FR. 165.–

INTEGRIERTER SHOP – ÜBER 400’000 400 eBOOKS

Notizen

Schliesslich ist der kommende Winter auch die perfekte Saison, um Zeit am warmen Herd und umgeben von verlockenden Gerüchen zu verbringen; die perfekte Zeit, um Freunde zum Essen einzuladen; und die perfekte Zeit, um einer geliebten Person ein liebgewonnenes Kochbuch zu schenken.

Seite 23 Spezial: Kochbücher Der Appetit kommt beim Lesen 31 Mein Buch 32 Kaffeepause Die Debatte 36 Fantastisch! Fantasy-Neuerscheinungen 38 Fantastisch! Kleiner Hobbit ganz gross 41 Im Schaufenster III «In einer Person» von John Irving 42 Neues von Orell Füssli 44 Kinderwelt Da wird einem warm ums Herz! 46 Kreuzworträtsel 49 Veranstaltungen 50 Kolumne So schreibe ich – von Peter Zeindler

Ihr András Németh Mitglied der Geschäftsleitung

Die nächste Ausgabe von Books, dem Magazin der Orell-Füssli-Buchhandlungen, erscheint am 15. März 2013. Sie erhalten Books kostenlos in jeder Filiale. Bestellungen nehmen wir gern entgegen über www.books.ch, orders@books.ch und Telefon 0848 849 848. Buchhandlungen von Orell Füssli finden Sie in Basel, Bern, Frauenfeld, St.Gallen, Winterthur und Zürich sowie am Flughafen Zürich.

Preisänderungen vorbehalten. Unsere aktuellen Verkaufspreise und eine umfassende Auswahl an Büchern, Filmen und Spielen finden Sie auf www.books.ch.

Impressum Herausgeber: Orell Füssli Buchhandlungs AG, Dietzingerstrasse 3, Postfach, 8036 Zürich Gesamtherstellung: Media Tune AG, Zürich Redaktion: Die Blattmacher GmbH, Zürich Gestaltungskonzept/Layout: Strichpunkt GmbH, Winterthur Coverfoto: zvg Alle so gekennzeichneten Bücher sind auf www.books.ch auch als eBook erhältlich.


4 | NOTIZEN

Books Nr. 4/2012

Notizen Marius Leutenegger

Fotobücher mit Ansichten «von oben» gibt es massenhaft – vor allem, seit der Franzose Yann ArthusBertrand mit seinem Bildband «Die Erde von oben» einen Welterfolg landete. Wozu jetzt also auch noch «Wüsten von oben»? Ganz einfach: Weil dieser Band, erschienen bei Frederking & Thaler, in jeder Hinsicht aussergewöhnlich ist. Der US-amerikanische Fotograf George Steinmetz, der für «National Geographic» und «GEO» arbeitet, muss man als Besessenen bezeichnen: Seit 15 Jahren überfliegt er fotografierend die Wüsten der Welt mit einem motorisierten Paraglider. Das eigentümliche Fluggerät, das für Luftaufnahmen wenig geeignet scheint, ermöglicht ganz besonders Einblicke – nicht einfach die simple Vogel­per­spektive wie bei Arthus-Bertrand, sondern eine weit flachere und dadurch dreidimensionale. Der Horizont ist immer zu sehen, man fühlt sich wie bei einem spektakulären Tiefflug. Steinmetz brachte auch das Kunststück fertig, in Ländern zu fotografieren, in denen es US-amerikanische Gleitschirmflieger wohl eher schwer haben, etwa im Iran. Manchmal stürzte er ab und entrann dem Tod nur knapp. Man glaubt ihm jedenfalls sofort, wenn er in einem der unterhaltsamen Begleittexte schreibt: «Die Aufnahmen habe ich mir hart erkämpfen müssen.»

Märchen? Da denkt man spontan an die Sammlung der Brüder Grimm. Doch Märchen gibt es auf der ganzen Welt und seit sehr langer Zeit; berühmt sind die indische, rund 2000-jährige Märchensammlung Panchatantra oder die «Histoires ou Contes du temps passé avec des moralités», die 1697 von Charles Perrault herausgegeben wurden. Und auch die Schweiz ist ein Märchenland – kein Wunder, denn die schroffen Berggipfel, dunklen Täler und verwunschenen Ecken des Alpenlandes bieten ein ideales Umfeld für unheimliche oder geheimnisvolle Geschichten voller unbekannter Wesen. Bei Nagel & Kimche ist jetzt die Sammlung «Die schönsten Märchen der Schweiz» erschienen. Im Nachwort heisst es zwar, diese Auswahl eigne sich gut für Kinder – ihnen werden die eindrücklichen Illustrationen von Doris Lecher sicher besonders gefallen –, doch auch Erwachsene lesen die Sammlung mit Gewinn. Die Geschichten stammen aus der ganzen Schweiz, genannt werden Orte wie Vals oder Pontresina – wie bei Märchen üblich, spielen solche Bezüge zur Realität aber eine untergeordnete Rolle. Die feurigen Drachen, mutigen Burschen und weisen Väter sind zwar in der Schweiz angesiedelt, leben aber im schönsten Land unserer Kindheit: dem Märchenland.

NOTIZEN | 5

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Leute, die das mögen, mögen auch ... vorbei – und so füllte ich mir die freie Zeit mit Lesen», erinnert er sich. Bücher begeisterten ihn damals derart, dass er sich auch noch zum Buchhändler ausbilden liess.

Oft ist die letzte Seite eines Buchs jene, die man am wenigsten mag – weil man nicht möchte, dass das Lesevergnügen schon zu Ende ist. Glücklicherweise gibt es Fachleute, die einem in solchen Momenten Bücher mit vergleichbaren Qualitäten empfehlen können – Fachleute wie Marcel Rauber. Der 41-Jährige arbeitet als Abteilungsleiter im Parterre bei Rösslitor Bücher in St.Gallen, der führenden Buchhandlung der Ostschweiz. Das Lesen entdeckte er während seiner Lehre zum Bäcker-Konditor. «Wegen der Arbeitszeiten lebte ich an den Menschen meines Bekanntenkreises

«Ich bin ein grosser Fan der Krimis von Don Winslow», sagt Marcel Rauber, «und ich dachte bislang, seine Bücher würden eine Klasse für sich bleiben – vor allem ‹Tage der Toten› fand ich herausragend. Jetzt aber habe ich einen Autor entdeckt, der mich genauso begeistert: Stuart Neville. Sein Erstling ‹Die Schatten von Belfast› und die Fortsetzung ‹Blutige Fehde› sind fast gleichzeitig auf Deutsch erschienen. Im Zentrum des ersten Buchs steht der eiskalte Killer Gerry Fegan. Wegen zwölf Morden, die er im Auftrag der IRA verübte, hat er zwölf Jahre im Gefängnis gesessen. Jetzt

kommt er wieder raus, doch die Welt hat sich verändert – und er findet sich nicht mehr darin zurecht. Die Geister seiner zwölf Opfer verfolgen Fegan Tag und Nacht und fordern Rache ... Nevilles Sprache ist so hart wie jene von Winslow. Grobschlächtig sind bei beiden Autoren, deren Werke wohl vor allem Männer ansprechen, auch die Protagonisten. Eine eindrückliche Parallele ist auch, dass sich beide Autoren keine Schwächen leisten: Was von ihnen erscheint, ist auf ganz hohem Niveau. So hat mir Nevilles zweites Buch ‹Böse Fehde› fast noch besser gefallen als der Erstling. Und toll finde ich auch, dass man die Bücher beider Autoren im Original lesen kann – wir haben sie bei uns im Rösslitor auf Englisch am Lager.»

Ein Schauspieler, der auch noch Romane schreibt? Da ist eine gesunde Skepsis meist angebracht – denn oft werden Prominente eher ihres umsatzträchtigen Namens und weniger ihrer literarischen Fähigkeiten wegen publiziert. Im Fall von Ayad Akhtar darf man die Vorbehalte gegenüber schreibenden Darstellern aber getrost über Bord werfen. Erstens ist der US-Amerikaner mit pakistanischen Wurzeln, der vor allem Fernsehfilme dreht, bei uns keine Berühmtheit – wird er auf Deutsch verlegt, liegt das also kaum an seinem Promi-Status. Zweitens hat er bereits bewiesen, dass er schreiben kann, denn er verfasste mit einigem Erfolg Drehbücher. Und drittens haben die Kritiker in den USA seinen Erstlingsroman «American Dervish» äusserst positiv aufgenommen. Im süffig geschriebenen Buch schöpft Akhtar aus dem Vollen: Er erzählt von Moslems, die wie er in den USA leben, vom unterschwelligen Kulturkampf zwischen Christen, Juden und Moslems, von der ersten Liebe und rasender Eifersucht. In einem mitreissenden Plot geht der Autor der Frage nach, ob eine muslimische Frau die Konventionen, die ihr eingetrichtert wurden, jemals ganz hinter sich lassen kann. Seine Themen beschäftigen die gespaltene US-amerikanische Gesellschaft, und daher darf sein Erfolg nicht erstaunen. Jetzt erscheint «American Dervish» auch auf Deutsch – bei carl’s books als «Himmelssucher».


Books Nr. 4/2012

© Isolde Ohlbaum

Ja hrestage

Bereits im Jahr seines Durchbruchs, 1966, errang der österreichische Schriftsteller Peter Handke den Ruf eines Enfant terrible: An einer Tagung der legendären Schriftstellervereinigung Gruppe 47 wetterte er mediengerecht über die «Beschreibungsimpotenz» seiner bekannteren Kolleginnen und Kollegen. Kurz darauf wurde sein Stück «Publikumsbeschimpfung» erstmals aufgeführt – es machte seinem Name wahrlich Ehre («Ihr Untermenschen!»). Ein Unbequemer ist Handke, der am 6. Dezember 70 Jahre alt wird, bis heute geblieben. Seine Verteidigung des serbischen Ex-Präsidenten und Kriegsverbrechers Slobodan Miloševic´ führte zu einer heftigen Kontroverse. Unbestritten blieb aber stets das riesige sprachliche Talent des Kärntners; Handke ist ein ungemein wortgewaltiger und präziser Autor – und darüber hinaus auch noch ein Vielschreiber, denn es vergeht kein Jahr ohne mindestens ein neues Buch von ihm. Gerade ist bei Suhrkamp, seinem Verlag seit dem Erstlingsroman «Die Hornissen», das Theaterstück «Die schönen Tage von Aranjuez» erschienen. Wie so oft bei Handke geht es um Sprache: Ein Mann und eine Frau reden über die Liebe – und darüber, wie man über die Liebe reden kann. Fast so viele Auszeichnungen und Literaturpreise wie der vieldekorierte Peter Handke hat Paul Maar gewonnen – doch Konkurrenten sind die beiden Autoren nicht: Paul Maar schreibt hauptsächlich für Kinder. Seine berühmteste Figur ist das Sams, ein vorlautes Fabelwesen mit Rüsselnase und kugelrundem Bauch. Es lebt bei Herrn Taschenbier, einem zurückhaltend-scheuen Mann, der eine Art Alter Ego von Paul Maar darstellt. Der bayrische Autor, Illustrator und Übersetzer wird am 13. Dezember 75 Jahre alt und ist so aktiv wie eh und je. Gerade erschien von ihm bei Oetinger der Abenteuerroman «Lippel, träumst du schon wieder».

Bei unserem nächsten Jubilar kennen wir das genaue Geburtsdatum nicht – denn er lebte zu einer Zeit, in der man es mit solchen Dingen nicht so genau nahm. Immerhin wissen wir aber mit ziemlicher Sicherheit, dass er 1313 zur Welt kam. Das ist vor genau 700 Jahren und daher fraglos erwähnenswert. Beim Jubilar handelt es sich um Giovanni Boccaccio, neben seinem Zeitgenossen Dante der wichtigste italienische Autor des Mittelalters. Das Hauptwerk von Boccaccio ist die Novellensammlung «Il Decamerone». Sie handelt von sieben jungen Männern und drei jungen Frauen, die vor der Pest aus Florenz in ein – noch heute tatsächlich existierendes – Landhaus flüchten und dort Zerstreuung suchen. Täglich gibt eine der zehn Personen ein Thema vor, und alle Anwesenden müssen eine Geschichte dazu erzählen. So kommen schliesslich einhundert Geschichten zusammen. Die Sammlung ist ungeheuer bunt und faszinierend; wer Respekt hat vor alten Büchern, sollte sich unbedingt einmal dieses Werks annehmen, denn es liest sich ausnehmend leicht und ist mehr als unterhaltsam. Aber obacht: Boccaccio schöpft aus dem Vollen, und bei ihm geht es zuweilen sehr derb zu und her. Absolut empfehlenswert ist die neue Übersetzung von Peter Brockmeier, die bei Reclam erschienen ist – sie enthält die Holzschnitte der venezianischen Ausgabe von 1492.

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Was lesen Sie gerade? Mia Aegerter, Musikerin und Schauspielerin Gleich zwei weltberühmte Autoren feiern im März ihren 85. Geburtstag: Am 6. März der Kolumbianer Gabriel García Márquez und am 12. März der US-Amerikaner Edward Albee. Márquez gewann 1982 den Nobelpreis für Literatur. Gleich drei seiner Werke dürften allen Bücherfreunden Begriffe sein: «Hundert Jahre Einsamkeit», «Die Liebe in den Zeiten der Cholera» und «Chronik eines angekündigten Todes». Diese drei grossartigen Romane hat Kiepenheuer & Witsch – zusammen mit dem ebenfalls lesenswerten «Von der Liebe und anderen Dämonen» – jetzt in einen hübschen Schuber gepackt. Auf nicht ganz so viele berühmte Titel wie Márquez kann Edward Albee zurückblicken – aber immerhin hat er mit einem Stück Theatergeschichte geschrieben: «Wer hat Angst vor Virginia Woolf» ist eines der erfolgreichsten Beziehungsdramen überhaupt, und die Verfilmung mit Richard Burton und Eli­ zabeth Taylor gehört zu den Sternstunden des Kinos. Theaterstücke werden zwar nicht so gern gelesen, dieses hier kann man aber auch Dramenmuffeln getrost empfehlen. Zuletzt bleibt noch ein Todestag zu erwähnen: Vor 30 Jahren, am 3. März 1983, starb Georges Remi, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Hergé. Er wurde 76 Jahre alt. Es gibt vermutlich keinen Zeichner, der die europäische Comickultur so stark beeinflusst hat wie der Belgier. Mit seinen Tim-und-Struppi-Alben schuf Hergé einen neuen Stil, der seither von Tausenden imitiert wird: die Ligne claire, die ohne Schraffuren und Farbverläufe auskommt, aber von klaren Strichen und Farbflächen sowie einer zuvor unbekannten Realitätsnähe geprägt wird. Herausragend ist bei Hergé aber nicht nur der Stil, exzellent sind auch seine Geschichten voller Humor, überraschender Wendungen und Abenteuer. Kein Wunder, hat sich Steven Spielberg inzwischen daran gemacht, sie zu verfilmen. Wer Hergé nicht kennt, aber endlich in sein Universum eintauchen möchte, könnte mit «Tim in Tibet» beginnen – eine der Lieblingsgeschichten des Autors.

«Eigentlich hab ich’s nicht so mit den Russen. Tolstois ‹Anna Karenina› staubt schon seit Jahren in meinem Bücherregal vor sich hin. Es sind die russischen Namen, die einen fertig machen. Der Lesefluss wird ständig unterbrochen, weil man die Namen erst einmal den jeweiligen Personen zuordnen muss, um der Geschichte folgen zu können. Und wer hat heutzutage noch Zeit für so etwas?

Doch dann packte mich ein Russe doch. An einem Sonntagnachmittag auf dem Flohmarkt ums Eck lag er mir plötzlich zu Füssen. Etwas knitterig, aber attraktiv auf seine nostalgische Art. Er sprach mich sofort an, nannte sich selbst ‹Der Idiot›. Ich mochte seine Direktheit, seinen Humor. Okay, ein bisschen dick war er, dafür aber billig: zwei Euro. Zuerst fand ich seinen Sprachstil schwülstig. Sein kitschiges Ge-

säusel nervte mich geradezu. Aber seine psychologische Feinfühligkeit beeindruckte mich. Am Anfang nahm ich den Idioten nur hin und wieder mit ins Bett. Mittlerweile schlafe ich ohne ihn nicht mehr ein. Ich bin ständig an seiner Seite – und er hat so viele tolle Seiten! Er bringt mich zum Lachen, zum Nachdenken, er ist sehr leidenschaftlich, und er hat diese ungeheure Menschenkenntnis. Ich fühle mich von ihm verstanden. Seine Worte gehen mir unter die Haut, berühren mich. Okay, ich geb’s zu, ich bin süchtig nach dem Russen! Im Zeitalter von Facebook und Twitter bringt er Romantik in mein Leben. Von ihm in den Bann gezogen, lese ich wehmütig dem Ende entgegen. Meine Freunde meinen zwar, die alten Schmöker-Knacker täten mir nicht gut. Ich solle lieber wieder auf Jüngere umsteigen. Vielleicht auch mal wieder einen Deutschen ausprobieren, aber auf jeden Fall die Finger von den Russen lassen. Doch sie wissen nichts von Anna, die auf meinem Regal sitzt und mir zuzwinkert ...»

Der Idiot Fjodor DostojewskJ 878 Seiten CHF 23.90 Fischer TB

RichARd FoRd Ein gescheiterter Banküberfall, ein Junge, der zurückbleibt, und eine Schuld, der man nicht entfliehen kann. »Brillant komponiert und mit einem riesigen Thema: wie man mit Verlusten lebt. Es geht also um Amerika.« Verena Lueken, F. A. Z. Ü.: Frank Heibert. 464 S. Gebunden mit Lesebändchen Auch als -Book. www.hanser-literaturverlage.de

Hanser Berlin

Foto: © Peter-Andreas Hassiepen

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Books Nr. 4/2012

tur aus Zürich ist jung – er wurde 2009 gegründet –, hat sich mit seinen schön aufgemachten Prosawerken zeitgenössischer Autorinnen und Autoren aber bereits einen Namen gemacht. Unter anderem gewann er einen red dot design award und 2011 den Titel «Newcomer-Verlag des Jahres», der vom Schweizer Buchhandel © M. Herdlein

vergeben wird. Die Erstveröffentlichung des Verlags war der Roman «Mein Leben in Aspik» des deutsch-bengalischen Schriftstellers Steven Uhly. 2011 erschien der zweite Roman von Uhly, «Adams Fuge», der viel Aufsehen erregte, weil er die Ermordung von Ausländern durch deutsche Rechtsradikale vorwegnahm. Jetzt legen Secession und Uhly erneut nach: «Glückskind» erzählt die Geschichte des Verlierers Hans D., der im Abfallcontainer ein Kind findet – und dadurch gezwungen wird, ins Leben zurückzufinden. Bald hilft die ganze Nachbarschaft dem Ex-Penner, das Mädchen durchzubringen. Ein anrührendes Buch – Uhly besteht die Gratwanderung zwischen Emotion und Kitsch mit Bravour. Und der Secession-Verlag dürfte damit bereits den nächsten grossen Erfolg verzeichnen.

Dieses Jahr ist der Deutsche Buchpreis seinem Namen ganz besonders gerecht geworden: Fast alle der sechs Finalisten beschäftigten sich mit der deutschen Nachkriegsgeschichte. So auch jenes Buch, das den Preis am Ende gewann: «Landgericht» von Ursula Krechel erzählt die Geschichte des jüdischen Richters Richard Kornitzer, der 1947 nach Deutschland zurückkehrt, das er bei der Machtergreifung der Nazis fluchtartig verlassen musste. Doch der Rückkehrer ist alles andere als erwünscht ... Den Deutschen Buchpreis gibt es seit 2005. Mit «Landgericht» hat bereits zum zweiten Mal eine Publikation von Jung und Jung gewonnen; auch der 2010 preisgekrönte Roman «Tauben fliegen auf» der Schweizerin Melinda Nadj Abonji war im kleinen österreichischen Verlag erschie-

nen. Apropos Schweizer Autoren: Wer den Schweizer Buchpreis 2012 gewonnen hat, wurde leider erst nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe von «Books» bekannt. Es ist aber wie bei den Oscars, wo es seit einigen Jahren ja nicht mehr «And the winner is ...» heisst, sondern «The Oscar goes to ...» – denn alle Nominierten sind Gewinner. Deshalb seien hier die Finalisten für den Schweizer Buchpreis noch einmal allen Bücherfreunden ans Herz gelegt: «Ausser sich» von Ursula Fricker, «Vielen Dank für das Leben» von Sibylle Berg, «Das Kalb vor der Gotthardpost» von Peter von Matt, «Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse» von Thomas Meyer und – als Liebling unserer Redaktion – «Aus den Fugen» von Alain Claude Sulzer.

Verfasst ein Autor einen dicken Bestseller nach dem anderen, gerät er schnell in den Ruch, Massenware fürs gemeine Volk zu produzieren. Und wenn es sich bei diesem Autor auch noch um eine US-Amerikanerin handelt, die sich auf Krimis auf englischen Schauplätzen spezialisiert hat, rümpft der Bildungsbürger wohl erst recht die Nase. Doch im Fall von Elizabeth George sollte sich dieser Bildungsbürger so schnell wie möglich entspannen und zu einem Buch greifen: Die Frau schreibt grossartig. Ihre Krimiplots bieten den Rahmen für sehr fein gezeichnete Personen- und Gesellschaftsporträts; die 63-Jährige thematisiert die grossen Fragen unserer Zeit, recherchiert akribisch und bemüht sich auch, ihre Hauptfiguren – Inspector Thomas Lynley und dessen Kollegin Barbara Havers – über die Jahre sorgfältig weiterzuentwickeln. Nun liegt der neueste Inspector-Lynley-Roman vor, der siebzehnte: «Glaube der Lüge», erschienen bei Goldmann. Elizabeth George zieht wieder alle Register: Ohne viel Blut erzeugt sie viel Spannung, sie schildert gekonnt den Umgang von Menschen unterschiedlicher Schichten miteinander und bietet ebenso glaubwürdige wie faszinierende Einblicke in Familien und Beziehungen. Man kann das Buch kaum mehr zur Seite legen, und das ist ein notwendiger Effekt: Die Geschichte ist derart verästelt und das Personal derart zahlreich, dass man ansonsten den Faden verlöre. © Michael Stadler

Der Secession-Verlag für Litera-

WettbewerbsGewinner In der letzten Ausgabe von Books verlosten wir unter den Teilnehmenden unseres Kreuzworträtsel-Wettbewerbs drei Büchergutscheine. Gewonnen haben: 1. Preis: Elisabeth Vetterli, Winterthur 2. Preis: Gertrud Schönholzer, Schaffhausen 3. Preis: Angela Zweifel, Winterthur

Herzliche Gratulation! Die Gewinnerinnen und Gewinner der Preise 4 bis 10 werden schriftlich benachrichtigt. Das aktuelle Kreuzworträtsel finden Sie in dieser Ausgabe auf Seite 46.

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... und ausserdem Auch in der Epoche der eBooks darf man davon ausgehen, dass wahre Bücherfreunde auf Papier stehen. Wollen sie sich jetzt auch darauf setzen, finden sie den idealen Untersatz in allen Filialen von Orell Füssli: Der Dutch Chair aus hochwertigem Karton kann ebenso als Hocker wie als Nachttischchen dienen. Wer sich jetzt fragt, ob ein Stuhl aus Karton hält, bekommt eine ganz einfache Antwort: Ja. Der Dutch Chair kann bis zu 200 Kilogramm tragen. Das innovative Möbelstück aus FSCzertifizierter Wellpappe, das man ruckzuck zusammengebaut hat, kommt in vier verschiedenen Ausführungen und in einer hübschen Geschenkverpackung daher.

ZüriCH By Mike 2013 Der Monatskalender mit Schulferien, Fest- und Feiertagen und den wichtigsten events in und um Zürich: ein absolutes Muss!

Dutch Chair CHF 34.90

© Fonds Irène Némirovsky / Archives IMEC

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Irène Némirovsky ist eine der erfolgreichsten Autorinnen Frankreichs. 2004 erhielt sie für ihren Roman «Suite française» den renommierten Prix Renaudot. Das war insofern eine Sensation, als die Schriftstellerin zu diesem Zeitpunkt seit über 60 Jahren tot war. Irène Némirovsky kam 1903 in Kiew als Tochter eines jüdischen Bankiers zur Welt; die Familie flüchtete vor der russischen Revolution nach Paris, wo Irène Literaturwissenschaft studierte und mit ihrem Roman «David Golder» schlagartig berühmt wurde. Bald gehörte sie zu den herausragenden Figuren der französischen Literaturszene, doch das konnte nicht verhindern, dass sie nach der Besetzung Frankreichs durch die Nazis nach Auschwitz deportiert wurde. Dort starb sie

1942. Ihr Werk blieb danach jahrzehntelang komplett vergessen. Eine ihrer zwei Töchter, die beide den Krieg überlebt hatten, fand aber das Manuskript der «Suite française», und die Autorin wurde wiederentdeckt. Ein Werk nach dem anderen erscheint nun auch auf Deutsch. Erstmals liegt jetzt «Die süsse Einsamkeit» vor. Das Buch, erschienen bei Knaus, ist biografisch geprägt. Es erzählt die Geschichte von Hélène, einer Tochter aus gutbürgerlichem Haus, deren Familie vor der russischen Revolution nach Frankreich flieht. Im Mittelpunkt steht das Verhältnis von Hélène zu ihrer selbstsüchtigen Mutter, die an die böse Stiefmutter aus den Märchen erinnert – zuweilen erscheint einem das Schicksal der vernachlässigten Tochter fast schon unglaublich. Tatsächlich hasste Irène ihre Mutter, und das offenbar aus gutem Grund: Als ihre Töchter nach dem Krieg die Grossmutter in deren prächtigem Haus besuchen wollten, wurden sie vor die Tür gewiesen und angehalten, sich doch im Waisenhaus zu melden. Genau so tritt einem auch die Mutter in «Die süsse Einsamkeit» entgegen. Die einfühlsam geschilderte Geschichte einer Emanzipation schlägt einen ab der ersten Seite in den Bann, obwohl eigentlich fast nichts passiert – Némirovsky gelingt es, den Untergang einer Familie mit jenem einer Epoche zu verweben.

Mike Van Audenhove ZÜRICH BY MIKE 2013 Monatskalender 13 Kalender-Blätter ISBN 978-3-03731-095-3

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10 | Interview

Books Nr. 4/2012

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Die hohe Kunst der Grenzgänge Sofi Oksanen ist nicht bekannt für sanftmütige Kuschelgeschichten. Ihr Roman «Fegefeuer» faszinierte und schockierte das Publikum gleichermassen. Ganz ähnliche Reaktionen dürfte ihr Roman «Stalins Kühe» auslösen. Erik Brühlmann

Mit ihrem Roman «Fegefeuer» – das erste ihrer Werke, das auf Deutsch übersetzt wurde – gelang der finnischen Schriftstellerin Sofi Oksanen der grosse Wurf. Kritiker und Publikum waren gleichermassen begeistert ob der ebenso harten wie einfühlsamen Geschichte dreier Frauen. In Finnland wurde das Buch als Roman des Jahrzehnts gefeiert und mit Auszeichnungen überhäuft: «Fegefeuer» ist das einzige Werk, das in Finnland sowohl den Finlandia- als auch den Runeberg-Preis erhielt. Und Sofi Oksanen ist die jüngste Autorin, die je einen dieser Preise verliehen bekommen hat. Auch im Ausland erhielt die Autorin Anerkennungen zu Hauf – zum Beispiel in Frankreich den Prix Femina Etranger und den Prix du Roman Fnac. Nun ist mit «Stalins Kühe» die längst fällige Übersetzung von Oksanens Erstlingswerk aus dem Jahr 2003 erschienen.

Eine Welt voller Grenzen Laut Wikipedia handelt «Stalins Kühe» von «Estland in den sowjetischen Zeiten, von Immigranten und von Essstörungen». Das stimmt zwar, greift aber viel zu kurz. Treffender wäre es, den Roman als eine szenische Erforschung der Grenzgängerei auf unzähligen Ebenen zu beschreiben: zwischen Ost und West, zwischen Finnland und Estland, zwischen Vorurteilen und Realität, zwischen innerer Gefühlswelt und der Maske nach aussen, zwischen dem Selbstbetrug, die Bulimie zu kontrollieren, und dem Wissen, dass die Bulimie längst die Kontrolle an sich gerissen hat.

Se non è vero ... Wie schon bei «Fegefeuer» bedient sich Sofi Oksanen des Mittels der Autofiktion. Viele Elemente in «Stalins Kühe» entstammen – zumindest augenscheinlich – den Erfahrungen der Autorin. Andere wieder-

Toni Härkönen

um sind frei erfunden. Welche Elemente zu welcher Gruppe gehören, ist kaum zu erkennen. So ist beispielsweise Anna, die Protagonistin, genau wie Oksanen eine junge Frau mit estnischer Mutter und finnischem Vater. Wie ihre Schöpferin pendelt Anna zwischen dem Leben in Finnland und Estland hin und her und tut sich schwer, mit dieser Situation klar zu kommen. In ihrem Mutterland ist Anna eine Ausländerin, in ihrem Geburtsland eine «Russin». Mutter Katariina verbietet Anna,

Sofi Oksanen versteht es meisterlich, uns bei der Hand zu nehmen und durch das mosaikartige Geflecht von Szenen zu führen.

in Finnland Estnisch zu sprechen und sich mit Nicht-Finnen anzufreunden. Schliesslich weiss man nie, ob es sich bei ihnen nicht um Spione handelt. Anna wächst auf in einer Atmosphäre von Einschränkungen und Haltlosigkeit – bis sie schliesslich etwas findet, woran sie sich klammern und das sie scheinbar selbst kontrollieren kann: ihre Nahrungsaufnahme. Anna wird zur Bulimikerin und die Bulimie zu einem Anker, den sie sich von niemandem nehmen lässt. Nicht einmal von ihrem Freund.

Ein Zeitenmosaik «Stalins Kühe» ist jedoch nicht allein ein Bulimie-Roman. Auf insgesamt vier inei­

nander verwobenen Zeitebenen wird Annas Familiengeschichte beschrieben – und damit ein Stück Nachkriegshistorie, das Mitteleuropäern in der Regel gänzlich unbekannt ist. Auf der ersten Ebene geht es um Annas Grosseltern und die Zeit, in der Nachkriegs-Estland stalinisiert und russifiziert wurde. Die zweite Ebene, die Geschichte von Annas Mutter Katariina, spielt in den 1970er-Jahren – zu Zeiten des Eisernen Vorhangs und sowjetischer Allmacht. Annas Jugend, die dritte Ebene, erzählt vom Misstrauen der Finnen gegenüber eingewanderten Esten, aber auch vom Misstrauen der Einwanderer gegenüber jedem, der ihnen gegenüber allzu persönlich wird. Schliesslich zeigt die vierte Ebene Annas Alltag, der geprägt ist von Fressorgien mit anschliessendem Erbrechen, vom Kalorienzählen und davon, die Umwelt von alledem nichts merken zu lassen.

Das Tempo fest im Griff Sofi Oksanen versteht es meisterlich, die Lesenden bei der Hand zu nehmen und durch das mosaikartige Geflecht von Szenen zu führen, die manchmal einige Seiten, manchmal nur wenige Sätze lang sind. Der Faden geht dabei nie verloren; im Gegenteil, er verdickt sich mit jedem Kapitel zu einem veritablen Seil, an dem man sich durch die Erzählung hangeln kann – wohl eine Folge von Oksanens dramaturgischer Ausbildung an der Theaterhochschule in Helsinki. Geradezu gnadenlos erweist sich die Schriftstellerin bei der Kontrolle des Erzähltempos. Ruhige, beobachtende Passagen wechseln sich ab mit getriebenen, atemlosen Gedankengängen: «Na gut, ich bin bereit, ein Esstagebuch zu führen, obwohl das völlig blöd ist – als wüsste ich nicht und erinnerte mich nicht, was ich gegessen habe und wann und warum,

Sofi Oksanen Sofi Oksanen wurde am 7. Januar 1977 in Jyväskylä als einzige Tochter einer estnischen Diplom-Ingenieurin und eines finnischen Elektrikers geboren. Sie studierte Literaturwissenschaften an den Universitäten von Jyväskylä und Helsinki. Ebenfalls in Helsinki, an der Theaterhochschule, studierte sie zusätzlich Dramaturgie. Bisher verfasste Oksanen vier Romane, von denen das Debüt, «Stalins Kühe», und der dritte Roman, «Fegefeuer», auf Deutsch erhältlich sind. Oksanen ist erklärte Feministin und beteiligt sich vehement am öffentlichen Diskurs in Finnland – mit Kolumnen und Auftritten in Talkshows.

Interview | 11


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Herrgott, ich habe elf Jahre lang Kalorien berechnet und für welche Nahrungsmittel das Geld reicht, ich weiss es ich weiss es ich weiss es wirklich selbst.»

Starke Frauen Eine Maxime aller Schriftsteller ist, dass die Figuren beim Publikum Gefühle auslösen müssen – ob positive oder negative, bleibt dabei zweitrangig. Emotionen zu wecken gelingt Sofi Oksanen bei den weiblichen Figuren spielend. Man fühlt mit der estnischen Grossmutter, die sich dem Neuen verweigert und die sich mit aller Kraft an das Bekannte klammert. Man versteht Katariina, die «ihren Finnen» heiratet, um aus Sowjet-Estland wegzukommen, weil sie alles, was im entferntesten mit der Partei zu tun hat, abgrundtief hasst. Und man ist hautnah dabei, wenn Anna sich einredet, alles im Griff zu haben; wenn sie ihre Nahrung in sicheres und gefährliches Essen einteilt; wenn sie darauf stolz ist, dass sie so gar nicht dem gängigen Bild einer Bulimikerin entspricht – aber am Ende doch weiss und akzeptiert, dass ihr Leben von der Krankheit bestimmt wird. So schillernd, stark, verletzlich und eindrücklich die weiblichen Charaktere sind, so durchschnittlich, ja, fast schon stereotyp wirken die Männer. Doch das ist in einer Erzählung, die in jeder Hinsicht eine weibliche Perspektive einnimmt, keine Überraschung.

Eine Geschichte für jeden Bei einer derartigen Bandbreite an Themen fragt sich, für welches Publikum «Stalins Kühe» eigentlich gedacht ist. «Ich wusste zwar nicht, ob es funktionieren würde, die beiden grossen Themen ‹Essstörungen› und ‹Sowjetunion› miteinander zu verbinden. Aber ich dachte, es sei ein guter Weg, verschiedene Lesergruppen anzusprechen», verriet die Schriftstellerin in einem Interview. «Ältere Leser interessieren sich vermutlich mehr für die politische Geschichte und weniger für Essstörungen. Die Jungen finden Essstörungen interessanter als die Sowjetunion. Wenn beides in einem Buch vereint ist, muss jeder alles lesen.»

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Halb-Estin in Finnland – wie Anna – stets in einer Art geheimen Welt gelebt, die sie vor der finnischen Umwelt verborgen habe. Erst der Rat einer Dozentin brachte sie schliesslich dazu, über Estland und seine Vergangenheit Material zu sammeln, mit ihren eigenen Erfahrungen und den Geschichten, die sie von ihrer Grossmutter gehört hat, zu verquicken – und schliesslich in Form von «Stalins Kühe» zu veröffentlichen.

Historische Trouvaillen So kommen denn auch die historischen Handlungsstränge nicht wie abstrakter Geschichtsunterricht daher, sondern eher wie Fundstücke aus der Erinnerungskiste. Für das Schweizer Publikum ist diese «gelebte» Geschichte umso interessanter, als das Thema des Ost-West-Konflikts hierzulande höchstens aus Nachrichtensendungen und Dokumentationen bekannt ist. Kaum jemand kennt aus erster Hand die Situation, dass es in den Geschäften offiziell zu verkaufende Ware und heiss begehrte «Bückware» gab – Dinge, die einem heimlich unter dem Ladentisch hervorgeholt wurden; oder dass ein unvorsichtiges Wort den Erhalt eines Visums gefährden konnte; oder dass ausgewanderte Esten mit vollen Koffern in die Heimatferien fuhren – mit Waren, die Gefälligkeiten erkauften, als Schmiergeld dienten oder die Erwartungen der Verwandten und Bekannten erfüllen sollten. Es sind diese unzähligen kleinen Szenen und Begebenheiten, die dem Roman Leben einhauchen und ihn ein Höchstmass an Glaubwürdigkeit verleihen.

Es lohnt sich «Stalins Kühe» ist kein einfaches und ganz bestimmt kein bequemes Buch. Dafür sorgen die Thematik und Oksanens zwar kunstvolle, aber dennoch sehr direkte und deutliche Sprache. Wer aber «Fegefeuer» gelesen und gemocht hat, kann auch mit Oksanens Erstlingswerk nicht viel falsch machen. Freunde ungewöhnlicher, höchst intensiver Erzählkunst sollten dem Roman trotz seines nicht eben anziehenden Covers auf jeden Fall eine Chance geben.

BUCHtipps | 13

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Stalins Kühe 496 Seiten CHF 33.90 Kiepenheuer & Witsch

Ellen Sussman

Anne Gesthuysen

Dante Alighieri

David Mitchell

Ein Sonnenstrahl spiegelt sich im Fenster eines Strassencafés, der Duft frischer Croissants liegt in der Luft, an einer Strassenecke verabschiedet sich ein Paar mit einem leidenschaftlichen Kuss: Ein neuer Tag beginnt in der Stadt der Liebe. Drei junge Französischlehrer treffen jetzt dann gleich jene Menschen, denen sie heute während eines Spaziergangs durch Paris Sprache und Kultur näherbringen wollen. Ein gebrochenes Herz, der Wunsch nach Glück und eine unbestimmte Sehnsucht sind dabei ihre Begleiter. Die drei wissen nicht, was das Leben heute für sie bereithält. Aber am Ende dieses Tages könnte sich alles verändert haben ...

Katty, Paula und Gertrud treffen sich zu Gertruds 100. Geburtstag. Sie wollen ihre Zukunft planen, doch vorher müssen sie die Vergangenheit klären. Gertrud hat noch gute Augen, aber hören kann und will sie nicht. Paula kann kaum noch sehen, hat aber immer ein offenes Ohr für ihre Schwestern. Und Katty, das Nesthäkchen, will auch mit 84 Jahren Feste feiern, wie sie fallen – so wie damals, als sie schon meisterhaft beherrschte, was man erst viel später PR nannte. Allen gemeinsam sind Eigensinn, Humor und eine angeborene Kreislaufschwäche, die mit exorbitant starkem Kaffee und gutem Schnaps bekämpft wird – auch in diesen Tagen auf dem Tellemannshof, wo in jedem Winkel die Erinnerung lauert.

Die Reise führt durch die drei Reiche der jenseitigen Welt: Zuerst durch die Hölle (Inferno), dann durchs Fegefeuer (Purgatorio) und schliesslich hinauf in das himmlische Paradies (Paradiso) mit seinen neun Himmelssphären, über denen im Empyreum die Seelen der Geretteten im Angesicht Gottes die Freuden der ewigen Seligkeit geniessen. Unterwegs begegnet der Reisende und Ich-Erzähler unzähligen historischen und mythischen Figuren, von Horaz bis Kleopatra, von Achilles bis zu den Gorgonen, von Thomas von Aquin bis zum heiligen Petrus.

Stellen Sie sich ein Reich vor, das sich seit anderthalb Jahrhunderten von der Welt abschottet. Und doch bietet ein schmales Fenster Einblick in diese nationale Festung: eine künstliche ummauerte Insel in einem Hafen des Landes, bewohnt von einer Handvoll europäischer Händler. Das Land heisst Japan, der Hafen Nagasaki und die Insel Dejima. Man schreibt das Jahr 1799. Der junge Handelsangestellte Jacob de Zoet hofft, auf der von Geschäftemachern und zwielichtigen Gestalten bewohnten Insel sein Glück zu machen. Stattdessen stösst ihn das Schicksal in ein wildes Abenteuer aus Liebe, Verstrickungen und einer veritablen Seeschlacht. Ein historischer Roman mit exotischem Kolorit.

288 Seiten

416 Seiten

2080 Seiten

720 Seiten

CHF 27.90

CHF 29.90

CHF 129.00

CHF 31.90

Limes

Kiepenheuer & Witsch

Reclam

Rowohlt

ISBN 978-3-8090-2603-7

ISBN 978-3-462-04465-2

ISBN 978-3-15-030045-9

ISBN 978-3-498-04518-0

An einem Tag in Paris

Ebenfalls von Sofi Oksanen Fegefeuer 400 Seiten CHF 15.90 btb

Ein Roman über zwei Frauen, die sich wie zufällig begegnen und die doch eine gemeinsame Geschichte und vergleichbare Erfahrungen verbinden: Egal, welches politische System auch herrscht, Opfer sind immer die Frauen.

Wir sind doch Schwestern

La Commedia / Die Göttliche Komödie

Endlich: Das dreiteilige Hauptwerk des italienischen Dichters Dante Alighieri als viel gepriesene Neuübersetzung von Hartmut Köhler komplett in einer Box!

Die tausend Herbste des Jacob de Zoet

Niemals vergessen Nun ist Sofi Oksanen mit ihren 35 Jahren selbst noch eine recht junge Frau. Weshalb interessiert sie sich so für die Geschichte ihrer beiden Länder? Zum einen, weil sie der Überzeugung ist: «Man darf niemals vergessen.» Denn man könne die Gegenwart nicht verstehen, ohne die Vergangenheit zu kennen. Andererseits habe sie als


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Schlicht schön Mit Büchern anderen Menschen Freude bereiten? Das ist nicht schwer – denn es gibt unzählige schöne Neuerscheinungen. Um die Wahl zu erleichtern, hat eine Buchhändlerin von Orell Füssli sieben Titel ausgewählt, die man fast allen verschenken kann. Marius Leutenegger

Buchhändlerin Mirjam Kühnis: «Eine Flut von tollen Sachen!»

Wie der Titel des Buchs schon sagt: Zeitlos schön!

Wer im Advent eine Filiale von Orell Füssli betritt, muss angesichts des Andrangs vor den Kassen zum Schluss kommen: Bücher sind als Geschenk ungeheuer beliebt. Dank ihrer riesigen Vielfalt eignen sie sich dafür auch bestens. Gerade die bunte Palette des Angebots macht es zuweilen aber schwierig, den richtigen Titel zu finden. Bei rund 100’000 Titeln, die jedes Jahr allein im deutschsprachigen Raum neu erscheinen, wäre es geradezu untertrieben, von einer Qual der Wahl zu sprechen. Da können einem manchmal nur noch die Profis helfen: Buchhändlerinnen und Buchhändler, deren Aufgabe es ist, die Übersicht zu behalten. Ein solcher Profi ist Mirjam Kühnis. Die 36-Jährige lebt in der Nähe von Win-

terthur und arbeitet seit vielen Jahren bei Orell Füssli; seit Herbst leitet sie den Krauthammer, die Abteilung für Architektur, Design, Fotografie, Kunst, Mode und Interior Design im Kramhof an der Zürcher Bahnhofstrasse. Für «Books» hat sie ein paar Titel aus dem Regal gezogen, die sie als Geschenke besonders geeignet findet. Auch für sie sei die Selektion allerdings nicht einfach gewesen, sagt sie. «Es gibt eine solche Flut von tollen Sachen, dass ich mich gar nicht richtig entscheiden konnte – ich änderte die Auswahl ständig.» Nun habe sie aber ein paar Titel gewählt, die «ich auch selber mit Genuss verschenken würde».

«Der grosse Zeitschriftenverlag Condé Nast publiziert unter anderem die Zeitschrift ‹Vogue› – und das seit 1892. Nun hat der Verlag seine Archive geöffnet. ‹Zeitlos schön› von Nathalie Herschdorfer gibt einen packenden Überblick über 100 Jahre Modefotografie. Alle bekannten Modefotografen sind hier vereint, darunter auch solche, von denen ich nicht wusste, dass sie in diesem Bereich tätig waren. Zu diesen Stars hinter der Kamera zählt zum Beispiel Man Ray, der viele seiner berühmten Bilder für die ‹Vogue› schoss. Das Buch vermittelt ein gutes Bild davon, wie stark sich die Mode und die Fotografie im Lauf der Zeit gewandelt haben. Diese Neuerscheinung dürfte vor allem Modeinteressierte und Fotografieliebhaber begeistern, aber auch alle, die sich für Zeitgeschichte interessieren. Für mich ist das ein typisches Schmöker-Buch, in dem man herumblättert und das man immer wieder gern hervornimmt.»

Fotograf Tim Flach rückt den Tieren ganz nah auf den Pelz.

«Noch ein Buch, an dem man sich wohl kaum sattsehen kann: ‹Ganz nah› von Tim Flach. Der renommierte Londoner Tierfotograf hat bereits mit seinen Hunde- und Pferdeporträts viel Begeisterung ausgelöst. In seinem neuen Buch zeigt er einen fesselnden Querschnitt durch das Tierreich, vom Panda bis zu den Insekten. Er porträtiert die Tiere jeweils sehr direkt vor einem schwarzen Hintergrund, und sein Stil sorgt dafür, dass die Bilder ganz besonders intensiv werden: Nichts stört den Eindruck. Mich hat dieses Buch stark berührt und bewegt. Vieles hat man noch nie so gesehen. Ausnahmsweise ist bei diesem Fotoband auch der Text sehr wichtig; Autor Lewis Blackwell erzählt die Geschichte der abgebildeten Tiere und macht damit alles noch persönlicher. Das Buch eignet sich für Familien mit Kindern, aber ich bin sicher, dass sich jeder Mensch von diesen Aufnahmen beeindrucken lässt.»

Ganz nah Zeitlos schön Nathalie Herschdorfer 296 Seiten CHF 87.– Prestel

Tim Flach 312 Seiten CHF 89.– Knesebeck

So einfach ist das: oben Paris, unten New York – gesehen von Vahram Muratyan.

«Angel Adoree ist in England eine VintageIkone, die auch einen Partyservice für stilvolle Tea Partys im Retro-Look führt. Ihr Buch ‹Vintage Tea Party› liefert einem das vollständige Wissen, das man zur Durchführung einer solchen Party braucht. Es ist wunderschön gestaltet, voller ästhetischer Fotos und verspielten Illustrationen. Man erfährt, wie man einen glamourösen Brunch zelebriert, was man wie backen sollte, wie man eine passende Einladung kreiert, welche Frisur man an einem solchen Anlass trägt oder wie man den Tisch dekoriert. Tea Partys sind in England sehr beliebt – und sprechen auch bei uns immer mehr Leute an. Das Buch eignet sich für alle Vintage-Fans, für Grossbritannien-Interessierte oder für Leute, die gern backen. Es passt gut in die kältere Jahreszeit, denn es enthält viele heimelige Rezepte. Kürzlich war ich selber zu einer Tea Party eingeladen, und ich bekam die Bratapfelspalten mit Zimtsahne serviert, die von Angel Adoree vorgestellt werden – sie allein sind die Anschaffung des Buchs wert!»

Vintage Tea Party Angel Adoree 305 Seiten CHF 43.90 DuMont

«Eine Kopfreise der besonderen Art ermöglicht das nächste Buch, das mir gefällt: ‹Paris versus New York›. Vahram Muratyan ist ein Pariser Grafiker, der länger in New York arbeitete. Im Big Apple startete er einen Blog, in dem er die beiden Weltstädte auf grafische Weise einander gegenüberstellte. Dieser Blog stiess auf sehr viel Beachtung, darum erscheinen jetzt die besten Grafiken in einem Buch. Auf jeder Doppelseite wird einerseits ein Pariser Symbol gezeigt, andererseits dessen New Yorker Entsprechung – oder umgekehrt. Die Symbole, die für Gebäude und Merkmale der jeweiligen Stadt, für Mentalitäten ihrer Bewohner oder einfach für Beobachtungen von Muratyan stehen, sind auf raffinierte Weise extrem reduziert. Man verschlingt dieses Buch förmlich, denn es macht total Spass. Wer Paris oder New York kennt, kommt nicht umhin, auf jeder Seite festzustellen: ‹Ja, genau so ist es!›»

Paris versus New York Vahram Muratyan 224 Seiten CHF 24.90 Mosaik


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Das ist die Schweiz? Ja – so, wie sie Max Schmid sieht.

Joy Fielding

Petros Markaris

Anthony McCarten

Roger Willemsen

Auch das schönste Luxushaus kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Valerie Rowes Leben aus den Fugen geraten ist: Nach langer Ehe ist ihr Mann Evan im Begriff, sie wegen einer jüngeren Frau zu verlassen. Zudem droht ihr die pubertierende Tochter Brianne völlig zu entgleiten. Dann gerät Valerie auch noch in eine absurde Situation: Evan hatte vor, mit seiner Geliebten Jennifer und Brianne ein Wochenende in der Wildnis zu verbringen. Eine Verkettung von Umständen will es aber, dass Valerie mit von der Partie ist. Valerie ahnt nicht, dass es kurz zuvor zu einer rätselhaften Mordserie in der Gegend gekommen war – und eine blutige Spur die Wälder durchzieht ...

Im krisengeschüttelten Athen geht alles drunter und drüber – nur bei der Mordkommission herrscht Flaute. Als auf dem antiken Kerameikos-Friedhof eine Leiche gefunden wird, ist Kommissar Charitos beinahe erleichtert. Aber nur beinahe. Denn er steht unter Druck. Sein Chef hat ihm eine Beförderung in Aussicht gestellt – da darf er jetzt niemandem auf die Füsse treten. Charitos kommt jedoch um unbequeme Fragen nicht herum. Der Tote war ein renommierter Chirurg, der von der Misswirtschaft im Gesundheitswesen profitierte. Das wusste jeder. Auch der anonyme Steuereintreiber, der seit neuestem Steuersünder erpresst – und notfalls auf antike Mordmethoden zurückgreift.

Ein Jahr lang hat der 18-jährige Jeff Delpe versucht, seinen Eltern über den Tod seines jüngeren Bruders Donald hinwegzuhelfen. Jetzt hat er die Schnauze voll. Denn sein Vater Jim sieht die Rettung nur in einem Umzug aufs Land, und Mutter Renata chattet – mit einem Unbekannten namens Gott. Da taucht Jeff unter. Spurlos. Seine neue Adresse lautet: www.lifeoflore.com. Dort ist er der grosse Star eines Onlinespiels und verdient damit viel Geld. Um nicht auch noch seinen zweiten Sohn zu verlieren, sucht der verzweifelte Vater ihn schliesslich an dem Ort, der ihm fremder ist als jeder andere. Er schleicht sich in Jeffs neue Welt ein und stiftet Chaos – am allermeisten in sich selbst.

Roger Willemsen setzt in diesem Buch ein Leben gänzlich aus seinen Momenten zusammen. Augenblicke von stimmungsvoller Intensität stehen neben bemerkenswerten Situationen, Dialoge neben Natur- oder Kunstbetrachtungen, Gefahrenmomente neben Augenblicken der Liebe. Damit ist «Momentum» nicht nur ein sehr persönliches Buch der Erinnerung, sondern zugleich eine einzigartige Anleitung, die entscheidenden Augenblicke unseres Lebens zu erkennen. Was sie eint, ist allein die Prägnanz, mit der sie sich im Gedächtnis erhalten haben. Sind sie das Glück?

384 Seiten

432 Seiten

464 Seiten

320 Seiten

CHF 26.90

CHF 34.90

CHF 34.90

CHF 34.90

Goldmann

Diogenes

Diogenes

S. Fischer

ISBN 978-3-442-31270-2

ISBN 978-3-257-06841-2

ISBN 978-3-257-06794-1

ISBN 978-3-10-092107-9

Das Herz des Bösen

«John Oldale ist Mitglied der Royal Geographical Society, folglich also ein richtiger Wissenschafter. Das bedeutet aber nicht, er würde staubtrockene Bücher schreiben. Im Gegenteil: ‹Doktor Oldales geographisches Lexikon› ist ein Riesenspass – und genau eines jener Bücher, das man sich in die Handtasche stopft, um immer wieder einmal darin herumzublättern. Auf einer bis drei Seiten stellt Oldale jedes Land der Welt vor, ausschliesslich anhand zuweilen äusserst skurriler Fakten, die einem in der Regel bislang nicht bekannt waren. Viele Kurzbeiträge sind sehr lustig, andere regen zum Nachdenken an, wieder andere erscheinen einem schier unglaublich. Und alles ist erst noch toll illustriert. Natürlich würde ich dieses abwechslungsreiche Wissenssammelsurium jedem schenken, der eine Weltreise plant. Aber auch allen, denen eine Reise im Kopf gut tut.»

Doktor Oldales geographisches Lexikon John Oldale 311 Seiten CHF 26.90 Rowohlt

Mit Professor Oldale machten wir eine Weltreise – und Max Schmid zeigt uns nun unseren eigenen Lebensraum. Der ist aber mindestens so aufregend wie das Fremde. Und zuweilen genauso fremd. ‹Swiss Wilderness› zeigt die Schweizer Natur von ihrer unbekannten Seite. Schmid hat imposante Fotografien von wilden Gegenden und facettenreichen Landschaften geschaffen, die man wohl nie in der Schweiz verorten würde. Immer wieder fragte ich mich ungläubig: ‹Was, das ist die Schweiz?› Am liebsten würde man gleich in den nächsten Zug steigen und sich diese Orte selber anschauen. Dieses Buch eignet sich für viele Leute als Geschenk: für Naturliebhaber ebenso wie für Menschen, welche die Schweiz von einer anderen Seite entdecken wollen.»

Swiss Wilderness Max Schmid 240 Seiten CHF 75.– Benteli

«Zum Abschluss noch ein Buch, das sich wohl vor allem als Mitbringsel und weniger als kostbares Geschenk für unter den Weihnachtsbaum eignet. Der britische Künstler Slinkachu hat bereits das Büchlein ‹Kleine Leute in der Stadt› publiziert. Er stellte für seine Fotos winzige Figuren, mit denen man eine ModelleisenbahnLandschaft ausstattet, in den urbanen Raum, und er schuf auf diese Weise eigenwillige Kontexte. Stets spielt er mit Per­ spektiven und ungewöhnlichen Einfällen. Nun hat Slinkachu ein neues Büchlein kreiert: ‹Kleine Leute in der weiten Welt›. Diesmal ist der Künstler mit seinen Figürchen nach China gereist, nach Holland, Afrika oder Südamerika. Überall baute er Szenerien auf, die einen staunen lassen: Ein Pappbecher wird zur Windmühle, ein Loch in der Mauer zur geheimnisvollen Grotte. Spannenderweise zeigt Slinkachu immer erst die Szenerie, dann eine Grossaufnahme ihres Umfelds – und da wird einem klar, wie viel in einer winzigen Sache stecken kann, die man ansonsten glatt übersähe. Einfach faszinierend.»

Ganz normale Helden

Momentum

TOPPreis

Kleine Leute in der weiten Welt Slinkachu 124 Seiten CHF 27.90 Hoffmann und Campe

Zahltag


18 | im schaufenster

Books Nr. 4/2012

Carlos Ruiz Zafón wurde als Autor von Jugendbüchern berühmt. Mit «Der Schatten des Windes» ab 2002 auch weltweit Anerkennung als Verfasser tiefgründiger Romane für Erwachsene. Nun liegt sein neuestes Werk auf Deutsch vor: «Der Gefangene des Himmels». Es ist erschreckend – und heiter. Heiko Strech

nicht bewältigt. Seinen virtuosen Spannungsbogen wölbt er über den düstersten Hintergrund der spanischen Geschichte, den Bürgerkrieg von 1936/39 und die darauf folgende faschistische FrancoDiktatur bis 1975.

Horror, aber nicht nur

Barcelona ist eine Hochburg des Tourismus’. Die Stadt sprüht vor Leben und mediterraner Sonnenhelle. Der 1964 dort geborene Carlos Ruiz Zafón jedoch spielt für sein weltweites Millionenpublikum schon lange den Reiseführer hinein in ein weniger bekanntes Barcelona: in ein Barcelona des Todes und der Finsternis.

Der dritte von vier Bänden «Der Gefangene des Himmels», Zafóns neuer Roman, ist der dritte Teil einer Tetralogie – also einer auf vier Bände angelegten Serie. Bereits erschienen sind «Der Schatten des Windes» und «Das Spiel des Engels». Man kann die Bücher aber problemlos unabhängig voneinander lesen. In jedem Teil verwickelt uns Zafón in ein im Doppelsinn ungeheures Handlungsknäuel, aus dem wir uns immer erst atemlos auf der letzten Seite befreien können. Als Thriller-Virtuose ist der 48-Jährige kaum zu übertreffen. Doch Horror-Effekte sind bei ihm nie Selbstzweck. Zafón arbeitet sich wie andere spanische Autoren an der Vergangenheit seines Heimatlandes ab – denn diese ist dort noch

Auch diesmal führt der Autor hi­ nein in die hochgelegene Festung auf dem «Montjuic» («Judenberg») im Süden der Stadt, in der heute ein Armeemuseum untergebracht ist. Dort schmachteten einst die politischen Gefangenen der Faschisten unter Hunger und Folter. Zafón gesellt seine Romanfiguren Fermín Romero de Torres und den Schriftsteller David Martín hinzu. «Der Gefangene des Himmels» ist der Spitzname der Kerkergenossen für den «spinnerten» Dichter Martín. Gegen den Horror auf dem Montjuic setzt Zafón gezielt heitere Episoden der 1950er-Jahre, auch witzige Dialoge, besonders zwischen dem aus dem Kerker entwischten Fermín und dem Ich-Erzähler Daniel Sempere. Die beiden Freunde arbeiten in der Buchhandlung von Daniels Vater.

chen, sich um Daniel Sempere und seine Mutter Isabella zu kümmern – ist Daniel vielleicht gar Martíns Sohn? Hartnäckig verfolgt Fermín die Spur von Ex-GefängnisChef Mauricio Valls, der später Kultusminister und Verleger wurde, dann aber jäh von der Bildfläche verschwand. Wieso? Andererseits soll der tot geglaubte Martín gesehen worden sein. Und: Hat Valls Isabella umgebracht?

Präzis karikiert Birgit Vanderbeke in ihrem kurzen Roman «Die Frau mit dem Hund» unsere sicherheitsfixierte und konsumorientierte Welt. Die Frau aus dem Titel bringt einiges ins Wanken. Benjamin Gygax

Ein Hinweis fast aus dem Jenseits ... Es ist unmöglich, das Handlungslabyrinth auf dem düsterem Schauplatz Barcelona wiederzugeben. Aber Zafón hält uns Lesende wie seinen Rechercheur Fermín raffiniert auf Trab, indem er immer wieder auf brennende Fragen eine Viertel- oder Halbantwort aufscheinen lässt. Meist erweist sich eine scheinbare Lösung als neues Problem. Doch es gibt ein Happy End! Fermín heiratet seine Bernarda. Aber taucht da nicht eine seltsame und rasch wieder verschwundene Gestalt hinten in der Kirche auf? Gleicht sie nicht dem «Gefangenen des Himmels», David Martín? «Epilog 1960»: Bei einem Friedhofsbesuch Daniel Semperes am Grab der verstorbenen – ermordeten? – Mutter Isabella zerbricht versehentlich ein kleiner Engel aus Gips. Er enthält einen Zettel mit der Adresse des untergetauchten Mauricio Valls. Jetzt weiss Daniel, «dass die Geschichte, seine Geschichte, noch nicht zu Ende ist. Sie hat gerade erst angefangen.» Wir werden sie mit roten Ohren lesen – im nächsten Zafón!

Wie einst der Graf von Monte Christo Gleich am Anfang des Romans betritt ein geheimnisvoller Fremder den Laden und erwirbt eine teure Sonderausgabe des «Grafen von Monte Christo» von Alexandre Dumas. Der Kauf wird Folgen haben. Fermín flüchtete übrigens einst aus der Montjuic-Festung, als wäre er selber der Graf von Monte Christo: Er nähte sich anstelle eines echten Toten in einen Leichensack ein, der routinemässig entsorgt wurde. Und ebenfalls wie der Graf von Monte Christo schwörte Fermín einst Rache am Gefängnisdirektor Mauricio Valls, einem brutalen Schöngeist. Fermín hatte Martín verspro-

Erinnerung an den Duft des Lebens

Der Gefangene des Himmels 400 Seiten CHF 28.90 S. Fischer

TOPPreis

träumt von einem romantischen Tête-à-tête mit ihrem Freund Clemens und vom Tanzen. Ganz andere Vorlieben hat ihr Nachbar Timon Abramowski: Er hält nichts von «Gewinnplunder und Dekorations-Schnickschnack», sondern träumt vom Bratkartoffel-Duft seiner Kindheit und schwärmt für alte Filmklassiker.

Übers Welschland nach Südfrankreich

© Julian Vanderbeke

Der Zettel im Friedhofsengel

im schaufenster | 19

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Das romantische Service in unzerbrechlicher Luminose muss Jule Tenbrock einfach haben! Mit geschwungener Linie, Grundfarbe weiss, wahlweise mit Kornblumenoder Klatschmohndekor. Der Gedanke an das Geschirr bestimmt Jules Alltag – und deshalb hat sie schnell nach Hause gewollt, um bei der neuen Show «Cosy Home» von Kanal 7 dieses Blumenservice zu gewinnen. Jule Tenbrock ist eine der Protagonistinnen und Protagonisten aus Birgit Vanderbekes jüngstem Roman «Die Frau mit dem Hund». Sie arbeitet in einer Wäscherei im siebten Distrikt und ist eine fleissige Punktesammlerin auf ihrer «District Card». «Jule hatte eine Schwäche für schöne Dinge, sie träumte von dem CandleLight-Dinner aus dem Spot, mit dem ‹Cosy Home› angekündigt worden war: Die rote Tischdecke der Lotus-Serie hatte sie längst in ihrem Schrank. Zusammen mit dem passenden Besteckset, den beiden Kerzenhaltern und den Gläsern für Weiss- und für Rotwein hatte sie bereits im Vorfeld der neuen Show eine Menge Punkte in das Candle-Light-Dinner gesteckt.» Denn sie

Ähnlich scheint es Birgit Vanderbeke zu gehen. Die 1956 in Ostdeutschland geborene Schriftstellerin lebt seit 1993 in ihrer Wahlheimat Südfrankreich und erklärte in einem Interview: «Nach 35 Jahren in Frankfurt und mit einem kleinen Kind wollte ich raus aus grossen Städten.» Den Weg in den Süden fand die Autorin über die Schweiz, wohin sie schon als Zehnjährige geschickt wurde. «Bei einer befreundeten Familie habe ich Französisch und Käse essen und Ski laufen gelernt – sehr aufregende Dinge, die ich vorher nicht kannte», erzählt Birgit Vanderbeke. Und so fand sie später in Frankreich eine neue Heimat, in der nach ihrer Ansicht weniger Geld, dafür mehr Lebensqualität den Alltag bestimmt: «Damit hängt auch zusammen, dass die Franzosen das Selbermachen sehr schätzen. Handwerkliche Fähigkeiten sind viel verbreiteter als bei uns. Und ich mag es sehr, dass die Franzosen ihre Handwerksberufe so achten und pflegen.» Das Motiv des praktisch tätigen Lebens in der Natur griff Birgit Vanderbeke schon 2011 in ihrem Roman «Das lässt sich ändern» auf. Dort verfällt die Erzählerin Adam, der zwar überhaupt nicht der Richtige zu sein schien, weil er «mit den Händen arbeitete und Sprache für unwichtig hielt». Aber eben, sie fühlt sich angezogen von der Art, wie er das Leben an-

geht: «Er baute Drachen für die Kinder, die sie bekamen, fand eine grössere Wohnung. Das Leben wurde zum Abenteuer, als sie rauszogen aufs Land.»

Hund, Katze, Maus Der neue Roman von Birgit Vanderbeke ist in gewisser Weise ein Gegenentwurf dazu: In der Welt von Jule Tenbrock und Timon Abramowski herrschen Ordnung und Hygiene. Nach einer Seuche hat die «Stiftung» die Landschaft ihrem Schicksal überlassen und die Menschen in verschiedenen Distrikten der Stadt straff organisiert. «Jedes Kind wusste, dass die mutierte Leptospirose Tausende Todesopfer gefordert hatte. Sie war nach den Stürmen aus Nicaragua, den Philippinen, Brasilien eingeschleppt worden, hatte sich in nord-westliche Richtung rasend verbreitet und war nur durch die neue Seuchenverordnung vom Stadtgebiet fernzuhalten gewesen.» Und deshalb wird seither nicht mehr selbst gekocht, sondern das Essen wird hygienisch in zentralen Küchen hergestellt; und deshalb sind Tiere auf dem gesamten städtischen Gebiet nicht zugelassen. «‹Hund, Katze, Maus, gesundheitlich ein Graus›, das hatte Jule Tenbrock wie jedes Kind schon in der Pflichtschule gelernt.» Als vor Jules Wohnungstür eines Abends eine zerlumpte junge Frau sitzt – mit Hund! –, gerät deshalb im kontrollierten Leben der Hausbewohner einiges durcheinander. Was das Schicksal mit der jungen Pola Nogueira, ihrem Hund Zsazsa, mit Jule und Timon vorhat, soll hier natürlich noch nicht verraten werden.

Die Frau mit dem Hund 160 Seiten CHF 27.90 Piper


20 | Jüdische Literatur

Books Nr. 4/2012

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Chuzpe und Humor Der Holocaust prägt die jüdische Literatur noch immer. Mehrere Neuerscheinungen zeigen, dass dies eine packende, ja vergnügliche Lektüre keineswegs ausschliesst. Markus Ganz

Was in Lily Bretts Roman «Lola Bensky» belanglos beginnt, entwickelt bald eine überraschende Tiefe. Die titelgebende Protagonistin ist eine noch nicht 20-jährige Australierin, die in den wilden Sixties als Reporterin für ein Rockmagazin Stars interviewt. In England und später in den USA trifft sie viele Musiker dieser Zeit, die noch heute klingende Namen haben – auch wenn viele davon, wie Janis Joplin und Jim Morrison, längst tot sind. Lola Bensky hat ein Flair, mit naiven Fragen die Stars aus der Reserve zu locken und in tiefschürfende Diskussionen zu verwickeln. Denn die unkonventionelle Frau ist weder ein Fan und schon gar kein Groupie dieser Stars, sie interessiert sich vielmehr für Menschen aus einer ihr fremden Welt. Sie habe nicht einmal gewusst, dass man auf Sex Appetit haben könne, erwähnt sie einmal, als Jimi Hendrix sie zu sich einlädt. Sie lehnt ab und fachsimpelt mit ihm lieber über den fachgerechten Einsatz von Lockenwicklern, so wie sie sich mit Mick Jagger über gesunde Ernährung unterhält. Dass daraus plötzlich ernste Gespräche entstehen, erschreckt sie manchmal selbst, da es meist unbewusst geschieht und ihrer Meinung nach nicht im Interesse ihrer Leserschaft sein kann.

Bettina Strauss

Richards und er in der Grundschule angefreundet hätten. Das Verhältnis sei eng, aber sie seien keine engen Freunde. Lily Brett zeigt in «Lola Bensky» nicht nur überraschend persönliche Seiten von Stars, sondern fängt auch die gesellschaftliche Aufbruchstimmung der damaligen Zeit schön ein. In der Detailtreue offenbart sich der autobiografische Hintergrund dieses Romans. Die 66-jährige australisch-amerikanische Schriftstellerin, die mit «Einfach so» (1998) international bekannt und mit «Zu viele Männer» (2002) berühmt wurde, kehrt in diesem Roman in ihre eigene Vergangenheit zurück. Wie die Protagonistin

Lola Bensky sagt einmal, ihre Eltern seien «wütend auf Gott, auf die Deutschen nicht wirklich».

Ernste Stars So sollte Lola Bensky den Rolling Stone Mick Jagger eigentlich über sein Verhältnis zu Keith Richards ausfragen. Doch daraus wird ein weit ausschweifendes, geradezu philosophisches Gespräch, das im Buch denn auch viel Platz einnimmt. Als sie ihn fragt, ob er verdorben sei, meint sie nicht die sexuellen Eskapaden eines Rockstars, sondern denkt an Gräueltaten der Gestapo. Im Zentrum des Interviews stehen plötzlich die Erfahrungen ihrer Eltern im KZ Auschwitz und Fragen etwa über die Bedingungen, die Moral erst möglich machen. Es reiche nicht zu überleben, soll ihre Mutter immer wieder gesagt haben, man müsse als Mensch überleben. Später erzählt Mick Jagger dann doch noch, wie sich Keith

Diäten und Humor Im Roman geht Lily Brett nur kurz darauf ein, wie das Leben ihrer Protagonistin nach 30 verlaufen ist. Sie heiratete einen «Mr. Ex-Rockstar» und später einen «Mr. Somebody Else», wie sie mit trockenem Humor erzählt. Und blickte als 63-jährige betroffen auf die «endlose Liste der Toten» zurück: jene der von ihr einst interviewten Musiker und jene ihrer im Holocaust umgekommenen Verwandten. Immer wieder ein Thema ist die Religion. Lola Bensky sagt einmal, ihre Eltern seien «wütend auf Gott, auf die Deutschen nicht wirklich». Und doch bestanden die Eltern darauf, dass Gott nicht existieren könne, wenn man den Holocaust erlebt habe. Allgegenwärtig in diesem über weite Strecken amüsanten Buchs ist, dass Lola Bensky dick ist, wie sie selbst nüchtern feststellt. Sie unternimmt deshalb «jede Anstrengung, sich unterhalb des Halses nicht anzusehen». Und denkt ständig ans Essen – oder mögliche und unmögliche Diäten. Das ist oft komisch, doch bleibt einem das Lachen im Hals stecken, als man den Hintergrund erfährt. Ihre Mutter hatte im Ghetto und später noch stärker im KZ die Erfahrung gemacht, dass auch nur ein Gramm Fett am Körper auf eine Kollaboration mit den Nazis hinwies.

Jüdischer Humor

wurde sie kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in einem deutschen Lager für Vertriebene geboren. Ihre Eltern hatten im Ghetto von Łódz´ geheiratet, waren im KZ Auschwitz getrennt worden und hatten sich erst ein halbes Jahr später wieder gefunden. 1948 wanderte Lily Brett mit ihrer Familie nach Australien aus, wo sie als 18-Jährige die beschriebene Karriere als Rockjournalistin begann.

Diäten stehen in Benny Barbaschs neuem Buch sogar im Mittelpunkt. «Der Mann, dem ein Olivenbäumchen aus dem Ohr wuchs» beginnt als harmlose Geschichte. Eine Teenagerin erzählt vom alltäglichen Familienknatsch, der sich oft um den übergewichtigen Vater dreht und der meist mit absonderlichen Verweisen auf die jüdische Tragödie von Holocaust bis Ahmadinedschad garniert wird. In diesen köstlichen Schlagabtauschen werden auch alle möglichen Diäten erörtert, einige probiert der Vater sogar aus. Doch keine hilft – bis er eine Olivendiät beginnt. Dabei bleibt jedoch ein Olivenstein im Hals stecken, und es geschieht, was der Titel bereits verrät. Nun

Lily Brett: Mit «Einfach so» bekannt, mit «Zu viele Männer» berühmt – und jetzt kommt «Lola Bensky».

Jüdische Literatur | 21


22 | Jüdische Literatur

Books Nr. 4/2012

werden alle möglichen Fachleute um Rat gefragt, wie man das beharrlich wachsende Olivenbäumchen wieder loswerden könne – obwohl der Vater abnimmt. Am Ende schlägt das Bäumchen Wurzeln im besetzten Gebiet, worauf sogar Al Gore hinzueilt. Benny Barbasch, der 1951 im israelischen Beersheba geboren wurde, entwickelt diese heiter-turbulente Geschichte zu einem Psychogramm Israels und dessen Fixierung auf äussere Feinde wie die Palästinenser. Die Friedensmetapher des Olivenbaums mag überdeutlich sein, verleiht dem Buch aber auch seinen komischen, zur Groteske neigenden Humor. Dieser erinnert – wie auch der süffige Schreibstil – stark an Ephraim Kishon, der in einer seiner Geschichten einen Vortrag halten soll zum Thema «Gibt es einen speziell jüdischen Humor – und wenn ja, warum nicht?».

Rückkehrende Vergangenheit

Die Moral von «gut gemeint»

Ein Mann mit Chuzpe

Politik sei untrennbar mit dem jüdischen Volk verbunden, schreibt Nir Baram, der sich aktiv für die Gleichberechtigung der Palästinenser und für Frieden in Israel einsetzt. Allein schon der Titel seines Buches «Gute Leute» regt im Zusammenhang mit dem Holocaust zum Nachdenken an. Was war mit den Leuten, die weder Täter noch Opfer waren? Der 1977 in Jerusalem geborene Autor schreibt psychologisch feinsinnig über «gute Leute», deren Handeln trotzdem allzu oft entsetzliche Folgen hatten. Und er fragt damit gleichzeitig, ob es reicht, gut zu sein – und ob wir selbst besser gehandelt hätten als seine Figuren. Im Mittelpunkt des Romans stehen zwei Menschen mit völlig verschiedenem Hintergrund. Der eine ist ein deutscher Werbefachmann in Berlin, der als Karrierist keine Gelegenheit auslässt, um sich zu profilieren. Er muss 1938 in seinem eigenen Umfeld erfahren, wie ein ehemaliger Freund als Mitglied der SS zu wüten beginnt. Trotzdem kann er kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges der Anfrage des NS-Aussenministeriums nicht widerstehen, ein Profil des polnischen «Volkscharakters» zu erstellen, das bald auf entsetzliche Weise verwendet wird. Zweite Hauptfigur ist eine russische Jüdin, die zur selben Zeit mit ihren Eltern in einer regimekritischen Leningrader Gruppe verkehrt. Als ihre Eltern deportiert werden, wird sie von einem ehemaligen Schulfreund gerettet, der Mitglied des sowjetischen Geheimdiensts ist – und sie verrät die Freunde ihrer Eltern in der Hoffnung, damit ihre Brüder retten zu können. 1941 treffen die beiden so unterschiedlichen Hauptfiguren schliesslich aufeinander.

In der Neuausgabe von «Wie Barney es sieht» kann man entdecken, welch glänzender Erzähler Mordecai Richler war. «Die meisten Menschen, die ich kenne, kann ich nicht ausstehen, aber keinen so wenig wie den ehrenwerten Barney Pa­ nofsky», lässt er beispielsweise die Hauptperson Barney Panofsky sagen. Der 1931 als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer geborene und 2001 gestorbene kanadische Schrifsteller lässt einen mit dieser Figur auch erahnen, was ein Mann mit Chuzpe ist: Barney Panofsky geht mit einer Kombination von Intelligenz, Unverschämtheit und Charme durchs Leben und ist den Freuden dabei nicht abhold. Er bringt es dabei nicht zu Ruhm, aber zu Wohlstand, wenn auch mit Geschäften, auf die er nicht wirklich stolz ist. Aber er betont, dass er seine Prinzipien hat: «Waffen, Drogen oder Gesundheitskost» habe er nie angefasst. Im Alter versucht Barney Panofsky nun, die «wahre Geschichte meines verpfuschten Lebens» zu schreiben, um reinen Tisch zu machen. Dazu hat auch allen Grund, denn seine drei Ehen sind auf heikle Weise miteinander verwoben. Und er wird beschuldigt, für den Tod seines besten Freundes verantwortlich zu sein. Die Memoiren aber geraten zu einer Rechtfertigungsschrift, da er beschönigt, übertreibt und halbwillentlich vergisst. Sein pedantischer Sohn sieht sich deshalb genötigt, mit Fussnoten einiges richtigzustellen. Eine hübsche Ironie der Geschichte – wie man sie oft in der jüdischen Literatur findet.

Im Laufe der Judenverfolgungen brachten viele betroffene Eltern ihre Kinder bei christlichen Familien in Sicherheit. Josha Zwaans Debütroman «Parnassia» basiert auf solchen historischen Begebenheiten. Die 1963 geborene Autorin beschreibt feinfühlig die Geschichte des Mädchens Rivka, das 1942 in Holland zu einem Pfarrersehepaar kommt und zur christlichen Anneke wird. Als ihr Vater nach Kriegsende zurückkommt, trifft das Mädchen eine einschneidende Entscheidung: Sie will in ihrer neuen Familie bleiben, der sie ihr Überleben verdankt, und geht voll in ihrer neuen Identität auf. Erst als sie sich in einen jüdischen Jungen verliebt, muss sie sich wieder mit ihrer Herkunft beschäftigen. Jahrzehnte später verrät sie ihrer Tochter schliesslich ihre wahre Geschichte.

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Spezial – kochbücher | 23

Lola Bensky Lily Brett 302 Seiten CHF 29.90 Suhrkamp

Der Mann, dem ein Olivenbäumchen aus dem Ohr wuchs

Books Spezial

Benny Barbasch 141 Seiten CHF 27.90 Berlin

Gute Leute Nir Baram 456 Seiten CHF 38.90 Hanser

Parnassia Josha Zwaan 368 Seiten CHF 32.90 Bloomsbury

Kochbücher: Der Appetit kommt beim Lesen Kochbücher sind wie Kleidungsstücke: Es gibt sie für jeden Geschmack, die einen kauft man, weil man sie braucht, andere muss man haben, weil man sie einfach so schön findet. Und nicht immer ist gleich beim Kauf offensichtlich, welche Bücher im Regal verstauben und welche vom häufigen Gebrauch zerfleddern werden.


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Books Nr. 4/2012

Man nehme …

Für jeden Geschmack

In alten Kochbüchern spiegelt sich das Verhältnis früherer Generationen zum Essen. Als Kochanleitung dienen sie heute aber kaum noch, denn Mengenangaben und Arbeitsschritte sucht man darin meist vergeblich. Benjamin Gygax

Kochen ist eine besondere menschliche Tätigkeit. Sie kann einfache Alltagsverrichtung, Kunstform oder sogar Wissenschaft sein. So vielfältig wie das Kochen selbst sind auch die Kochbücher. Ihre enorme Fülle lässt sich grob in drei Gruppen teilen. Die erste Gruppe richtet sich an Anfänger und enthält meist auch Informationen zu Küchentechnik und Warenkunde. Die zweite ist auf Hobbyköchinnen und -köche zugeschnitten und in der Regel mit schönen Fotografien illustriert. Die dritte Gruppe schliesslich bilden dicke Wälzer, aus denen Berufsleute ihr Wissen beziehen.

Tipps aus der Antike Natürlich gab es nicht schon immer so viele Kochbücher wie heute. Schliesslich war Pergament einst ein teurer Rohstoff – und vor allem konnte kaum jemand Rezepte schreiben oder lesen. Es gibt aber Ausnahmen von sehr alten Kochbüchern aus Asien. Aus Indien ist ein etwa 3500 Jahre altes in Sanskrit verfasstes Kochbuch namens «Vasavarajeyam» überliefert. Und um 500 bis 100 v. Chr. entstanden in China die Aufzeichnungen über die Etikette oder «LiChi». Sie enthalten genaue Schilderungen von Menüabfolgen und auch einzelne Rezepte. Die «Acht Köstlichkeiten» zum Bei-

spiel stehen immer noch auf der Menükarte vieler Chinarestaurants. In Europa schliesslich ist um die Zeitwende herum «De re coquinaria» entstanden. Es ist eines der ältesten erhaltenen Kochbücher der Welt und wurde in einer Abschrift aus dem 3. oder 4. Jahrhundert überliefert. Das so genannte Apicius-Kochbuch stammt wahrscheinlich von mehreren Autoren, darunter dem römischen Bonvivant Marcus Gavius Apicius, der ihm den Namen gab. Das Apicius-Kochbuch wurde bis ins Mittelalter verwendet.

Kochen nach Gefühl Die meisten frühen Überlieferungen teilen eine Besonderheit: Ihre Autoren beschrieben Speisen oft im Zusammenhang mit ihren gesundheitsförderlichen oder heilenden Eigenschaften. Diese Tradition besteht bis heute in der Fülle von Diät-, Trennkostoder Ayurveda-Kochbüchern weiter. Und sie lässt sich noch im Wort «Rezept» erkennen, das in der Küche ebenso wie in der Apotheke verwendet wird. Eine der ältesten mittelalterlichen Rezeptsammlungen Europas ist das Würzburger Kochbuch «daz buch von guter spîse» aus dem Jahr 1350. Auch dieses Buch war ein Kapitel einer viel breiter konzipierten medizini-

SPEZIAL – kochbücher | 25

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schen Wissenssammlung. Aus dem Jahr 1485 stammt schliesslich ein eigentliches Kochbuch für die gehobene Küche und zugleich das erste gedruckte Kochbuch im deutschsprachigen Raum: Herausgegeben wurde «Kuchen maysterey» in Nürnberg von Peter Wagner. Wie alle frühen Kochbuchautoren verzichtete auch Wagner darauf, Mengenangaben und Kochtechniken zu beschreiben – dieses Wissen wurde schlicht vorausgesetzt. Einen Platz in der Geschichte hat sich «Ein new Kochbuch» von 1598 verdient, denn es handelt sich um das erste gedruckte Kochbuch einer Frau – es stammt von der Baslerin Anna Weckerin. Bis zu dieser Zeit begannen Rezepte mit den Worten «Wiltu machen» oder schlicht «Nimm». Die bis heute sprichwörtliche Formulierung «Man nehme» stammt von Henriette Davidis. Die bekannteste deutsche Kochbuchautorin verfasste 1844 das «Praktische Kochbuch», das in unzähligen Auflagen immer wieder neu gedruckt wurde.

Die Franzosen bleiben ungeschlagen Wer sich jetzt wundert, wo das Land der Gastrokönige bleibt: Die Franzosen haben natürlich zu allen Zeiten Klassiker geschaffen. 1651 war es «Le cuisinier François» von François-Pierre de La Varenne, der die französische mit der italienischen Küche der Renaissance verband und damit den Ruhm der französischen Küche begründete. Marie-Antoine Carême kochte für fast alle gekrönten Häupter Europas und verfasste 1833 mit «L’art de la Cuisine française» das Standardwerk ihrer Zeit. Ein Exot ist dagegen Baron Carl Otto Unico Ernst von Malortie. Der Jurist, Oberhofmarschall und Minister des Königreichs Hannover schuf 1887 ein Standardwerk, «Das Menu». Es wurde 1902 von George Auguste Escoffiers «Le Guide culinaire» abgelöst. Heute ist immer noch «Der grosse Larousse Gastronomique» die graue Eminenz in der Küche. Er wird seit 1938 immer wieder neu aufgelegt.

Benjamin Gygax

«Der Mensch ist, was er isst», behauptete der Philosoph Ludwig Feuerbach einst. Seine Aussage kann in viele Richtungen interpretiert und vielleicht auch angezweifelt werden. Tatsache bleibt aber: Kochen und Essen sind sehr persönliche Angelegenheiten. Wir alle haben unsere eigenen Angewohnheiten, Vorlieben und Interessen. Daher ist es gut, gibt es so viele verschiedene Kochbücher. Doch wo soll man bei dieser Flut beginnen, wenn man einige schöne Neuerscheinungen vorstellen will? Am einfachsten bei den einfachen Büchern für Anfänger, finden Arzu Agyer und Sandra Trapanotto vom Orell Füssli am Bellevue.

Arzu Agyer und Sandra Trapanotto arbeiten bei Orell Füssli am Bellevue in der Kochbuch-Abteilung.

Die Gebrauchsanweisung

Das junge Wilde

Wer sich frisch an den Herd herantastet, kann schnell den Mut verlieren: Die verwirrende Fülle der Zutaten und Handgriffe, die Gefahr heisser Herdplatten und scharfer Messer und die drohende Schmach der missglückten Anstrengung lassen einen leicht verzagen. Da hilft nur eine bewährte Gebrauchsanweisung. Die Engländerin Jane Hornby hat mit «Was ich koche und wie das geht» ein Kochbuch herausgegeben, das auch noch Freude macht. Von der Vorspeise bis zum Dessert sind die Rezepte übersichtlich, nicht zu kompliziert und ihre Zubereitung bis ins Detail Schritt für Schritt erklärt. Für jedes Gericht sind die Zutaten säuberlich aufgereiht in einer Ansicht abgebildet – wie im Bauplan des Möbelhauses. Wer seinen Hunger schnell befriedigen will, findet im Buch «Schneller auf dem Teller» von Angelika Ilies Rezepte für Gerichte, die in weniger als 30 Minuten auf dem Tisch stehen.

Es geht nicht mehr lang, dann müssen sich Frauen ihren Platz in der Küche wieder erstreiten, so rücksichtslos sind die Männer dort eingefallen. Und jetzt werken und wüten sie dort mit ihren Tattoos und Wuschelfrisuren, um ein richtiges Männeressen für den Pokerabend hinzuknallen. Schmackhaft und schwungvoll ist die Kocherei – zum Beispiel bei Mario Kotaska oder Steffen Henssler. Bei aller Ironie muss man aber auch sagen: Die jungen Wilden bringen originelle Ideen und viel Spass in die Küche. So kocht und isst Mann halt gern.

Was ich koche und wie das geht Jane Hornby 415 Seiten CHF 59.– Phaidon

Street Food Mario Kotaska 199 Seiten CHF 35.90 AT

derbrei gekocht werden, und danach soll es ja auch nicht nur Fischstäbli und Würstli geben. Die perfekte Auswahl an gesunden und kindergerechten Rezepten präsentiert Dagmar von Cramm in ihrem Buch «Kochen für Kinder». Wer trotz Kleinkindern nicht vollständig zum Mutter- oder Vatertier mutieren will, findet bestimmt Gefallen am Buch «Unser Menu eins» von Nadja Zimmermann. Genau – das ist die Moderatorin von Glanz & Gloria, die inzwischen selbst Familie hat. In ihrem Buch stellt sie 50 Familien und ihre Lieblingsrezepte vor. Beim Durchblättern stösst man auf das eine oder andere Gesicht, das man aus den Heftli oder vom Fernsehen kennt. Kochen für Kinder Dagmar von Cramm 240 Seiten CHF 29.90 Gräfe & Unzer

Hauptsache lecker! Steffen Henssler 239 Seiten CHF 38.90 Dorling Kindersley

Unser Menu eins – 50 junge Familien und was sie kochen, wenn es schnell gehen muss Nadja Zimmermann 328 Seiten CHF 36.90 Salis

Schneller auf dem Teller – Gut kochen in Rekordzeit Angelika Ilies 114 Seiten CHF 26.90 Gräfe & Unzer

Der Familientaugliche Kaum hat man kochen gelernt und sich ein respektables Repertoire an Eindruck erheischenden Gerichten für Pärchen-Abende und Partys erarbeitet, kommt schon der Nachwuchs. Und plötzlich sind andere Fähigkeiten gefragt. Erst einmal muss Kin-


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Books Nr. 4/2012

Das Reisejournal Wenn es nach dem vielen kindertauglichen Essen wieder mal Zeit wird, neue Eindrücke zu gewinnen, kann sich eine kulinarische Reise aufdrängen – denn eine solche spricht alle Sinne an. Zu ihr gehören ein bisschen Hintergrund, ein paar persönliche Geschichten und vor allem stimmungsvolle Bilder. Immer wieder gut für einen kurzen Ausflug sind zum Beispiel das Tessin oder Paris. Fabio Corfu führt im wunderschönen Buch «Ticino ti cucino» durch die Sonnenstube der Schweiz, die WahlPariserin Rachel Khoo stellt in «Paris in meiner Küche» französische Küchenklassiker ganz frisch vor. Ticino ti cucino Originalrezepte und kulinarische Geschichten aus dem Tessin Fabio Corfu 277 Seiten CHF 52.00 AT

Preisgünstige Weine entdecken

Paris in meiner Küche 120 fabelhafte Rezepte für jeden Tag Rachel Khoo 287 Seiten CHF 38.90 Dorling Kindersley

ist das Buch «Tasneem’s Indian-Pakistani cuisine made easy» von Tasneem Ahmad genau richtig. Die Autorin ist im Lauf ihrer Karriere als Bankerin in der Welt herumgekommen, lebt heute in der Schweiz und präsentiert Rezepte mit Zutaten, die auch hier überall zu bekommen sind. Indien. Das Kochbuch

Der Exot Soll die Reise etwas weiter weg führen, gibt es die Exoten. Sie entführen in unbekannte Gefilde von Gerüchen, Geschmäckern und Zutaten. Gerade kulinarische Ausflüge nach Thailand, Vietnam, Marokko oder Indien sind immer ein Sinnesfest. Die indische Küche lernt man richtig gut kennen mit dem dicken Werk «Indien. Das Kochbuch» von Pushpesh Pant. Der Professor für internationale Beziehungen und Gas­ trojournalist präsentiert 1000 Rezepte, die er während 20 Jahren gesammelt und übersichtlich nach Landesteilen geordnet hat. Möchte man sich nicht ohne Kulturvermittlung an die exotische Küche wagen,

Spielend einfach kochen

Das isSt Religion

Pushpesh Pant 815 Seiten CHF 55.Phaidon

S. Corinna Bille

Christine Brugger

Ist Zinfandel mit dem Primitivo verwandt? Wie lagert man Wein mit Schraubverschluss? Was tun mit einem Lafite-Rothschild 1971? Solche und weitere Fragen sind beim NZZWeinexperten Peter Keller bestens aufgehoben. Aus einem Fundus an Leserfragen hat Keller die interessantesten ausgewählt, nach Themen geordnet, ausführlich beantwortet und mit zusätzlichem Wissen angereichert. Daraus ergibt sich eine äusserst informative Sammlung rund um den Weinberg, den Weinkeller, den Weingenuss, Wein und Speisen sowie Schaum- und Süssweine. Peter Keller gibt auch Empfehlungen und Tipps für den Alltag, die den Weinliebhaber sicherer machen in einem Umfeld, das für viele gar nicht so leicht zu durchschauen ist.

Molkenkaramell aus dem Bregenzerwald, Süsswassersardinen aus dem Comersee oder Buchweizenhonig aus der Steiermark: Wie würzt man im Alpenraum mit Holz und Harz? Und warum haben schon die Römer für die Lebern von Süsswasserfischen aus den Voralpenseen gemordet? Traditionelle Produkte erzählen von der Ernährungsgeschichte des Alpenraums. Dominik Flammer, Autor des preisgekrönten Standardwerks «Schweizer Käse», hat sich zusammen mit dem Fotografen Sylvan Müller auf die Suche nach dem kulinarischen Erbe der Alpen gemacht. Von Slowenien über Österreich nach Bayern, in der Schweiz und in Savoyen, im Südtirol und im Aostatal. Mit einem Lexikon der alpinen Delikatessen und einem Register mit allen Bezugsadressen.

Von Klein auf war Corinna Bille eine Blumen-Liebhaberin. Alpenblumen faszinierten sie besonders. In ihrer Alpenblumenlese erinnert sie sich, wie sie auf zahlreichen Streifzügen die Blumen entdeckte: die allererste Soldanelle unter dem Schnee, Tuffs von Zwergglockenblumen an Felsvorsprüngen, Alpenanemonen, Nelken, Disteln in der dichten, rauen, duftenden Wiese. Bille erzählt von den vielen Sorten, ihren oft verblüffenden Eigenarten und den Geschichten, die sich um sie ranken. Ihre Blütenlese ist höchst individuell und ungewöhnlich: ein Blumenalbum, das uns in eine blühende, duftende Bergwelt, ein vergessenes Eden, entführt.

Christine Brugger analysiert 30 handelsübliche Apfelsorten nach ihren aromatischen Eigenschaften. Sie beschreibt auch, welche Lebensmittel am besten zum Apfel passen. So verbinden sich Äpfel aus der tropischen Aromafamilie wie Galiwa oder Opal sehr gut mit Weisschimmelkäse, und die grün-krautigen Äpfel etwa der Sorte Braeburn mit jungen Erbsen oder Grünspargel. Denn kein Apfel gleicht dem andern. Die Autorin hat den Geruch von Äpfeln seit der Geburt in der Nase. Aufgewachsen auf einem biologisch wirtschaftenden Pionierbetrieb am Bodensee, ist ihr der Apfel das höchste der Gefühle.

192 Seiten

340 Seiten

70 Seiten

48 Seiten

CHF 29.90

CHF 99.00

CHF 26.90

CHF 15.00

NZZ Libro

AT-Verlag

Rotpunktverlag

Edition Cucina e Libri

ISBN 978-3-03823-792-1

ISBN 978-3-03800-735-7

ISBN 978-3-85869-490-4

ISBN 978-3-9523840-1-5

Wein? Keller! Tasneem’s Indian-Pakistani cuisine made easy Tasneem Ahmad 161 Seiten CHF 39.90 TA Tasneem Ahmad

Das Must-have für jede Familie

thurI MaaG

noaM hErtIG • ISraELItISChE C u Lt u S G E M E I n d E Z Ü r I C h ( h r S G . )

KarIn dEhMEr-JoSS • M a r I a Pa Z o L aV E B o r q u E Z

Weinseller 2013

Maagisch einfach

Was isSt Religion?

Das ideale Geschenk für Weinliebhaber ISBn 978-3-85932-691-0

Unkompliziertes vom Spitzenkoch ISBn 978-3-85932-692-7

Rezepte – Traditionen – Rituale – Tabus ISBn 978-3-85932-690-3

Schleckmäuler & Dreckspatzen

Gute Weine müssen nicht teuer sein – und dank des beliebten «Weinsellers» findet man sie bei aldi, Coop, denner, Globus, Lidl, Manor, Spar und Volg problemlos. Über 500 Weine hat die renommierte Weinautorin Chandra Kurt neu verkostet, beschrieben und bewertet.

thuri Maag, von Gault Millau ausgezeichneter Koch aus Leidenschaft, zeigt, wie man aus wenigen unspektakulären Zutaten verführerische Leckereien zubereiten kann. Ergänzt werden die rezepte mit vielen Schritt-für-Schritt-Fotos und einer ausführlichen Warenkunde.

Ein team aus jungen praktizierenden Buddhisten, Christen, hindus, Muslimen und Juden gewährt uns einen intimen Einblick in die traditionen, Feste, rituale und Geschichten ihres Glaubens. Mit köstlichen rezepten werden Sie durch die Küchen der multireligiösen Schweiz geführt.

Machen Sie mehr aus Ihrer Freizeit.

Dominik Flammer und Sylvan Müller

Peter Keller

Chandra Kurt

werdverlag.ch

BUCHtipps | 27

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Das kulinarische Erbe der Alpen

Alpenblumenlese

Geschmacksbegegnungen Apfel

Mit Alpenblumenverzeichnis und Illustrationen von Pia Roshardt.

Kreative Ideen fürs ganze Jahr ISBn 978-3-85932-689-7 Mit der Familie kreativ durchs Jahr: dekorative Bastelinspirationen, unkomplizierte rezepte für spektakuläre Köstlichkeiten, Spielideen für drinnen und draussen. Freuen Sie sich auf Selbstgemachtes, die Jahreszeiten, immer wiederkehrende Bräuche.


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Books Nr. 4/2012

«Wir können richtig ins Schwärmen geraten»

Wir haben uns sehr früh diesem Produkt gewidmet und seit sechs Jahren immer wieder ein Buch dazu herausgegeben, auch mit Backrezepten.

Léonie Schmid betreut seit vielen Jahren die Koch­ bücher beim kleinen Schweizer Verlag FONA. Sie weiss, worauf es bei einem guten Kochbuch ankommt.

Welche neuen Themen köcheln denn bei Ihnen schon? In unserem Herbstprogramm erscheint «Foodpairing» über Harmonien und Kontraste in der Küche. Ich glaube, das ist wirklich neu. Und wir bereiten ein Buch über Suppenhühner vor. Hinter diesem Thema verbirgt sich eine Leidensgeschichte: Legehühner werden einfach «entsorgt», weil niemand mehr Suppenhühner essen will. Wir leben ja auch hinsichtlich unseres Umgangs mit Tieren in einer Wegwerfgesellschaft. Wir wollen bei diesem Thema etwas vorspuren, aber das geht natürlich nicht von heute auf morgen und braucht auch Verbündete auf Produzentenseite.

Benjamin Gygax

Léonie Schmid Léonie Schmid und ihr damaliger Lebenspartner Fredi Haefeli arbeiteten gemeinsam in einem Verlag, in dem jemand die Kochbücher lektorierte, der von Kochen nicht besonders viel verstand. Vor rund 20 Jahren beschlossen die beiden deshalb, sich selbstständig zu machen und den FONA-Verlag mit Schwerpunkt Ernährung und Kochen zu gründen. Léonie Schmid kocht schon seit ihrer Kindheit, ihr Interesse gilt aber auch der Produktion von Lebensmitteln.

Books: Vertreten Sie als Verlegerin von Kochbüchern eine bestimmte Philosophie? Léonie Schmid: Was immer wir herausgeben, soll von allen umsetzbar sein – ob mit bescheidenen oder guten Kochkenntnissen. Für eine gehobene Küche braucht es natürlich einfach etwas mehr Zeit. Und wir geben speziellen Produkten eine Chance. Was sind das für Produkte? Wir gehörten zum Beispiel vor rund 15 Jahren zu den ersten, die ein Kürbis-Buch publizierten. Ob Kürbis, Quitten oder Kastanien: Wir interessieren uns für ganz einfache Produkte, die aus irgend einem Grund vergessen gingen oder während langer Zeit nur noch dem Vieh verfuttert wurden.

Wie finden Sie solche Themen? Ideen entstehen im Kontakt mit allen Leuten, die für uns arbeiten. Oft schlagen unsere Autorinnen und Autoren Themen vor, aber es wird tatsächlich immer schwieriger, Neues zu finden. Mit einem Rhabarber-Buch waren wir vor zehn Jahren erfolgreich; kürzlich haben wir das Material überarbeitet und neu herausgegeben, waren aber nicht mehr erfolgreich damit. Wenn ein Produkt nur kurz Saison hat, wird es im Verkauf noch schwieriger. Und manchmal vergeht ja nur ein halbes Jahr – und schon sieht man das Thema in jedem Verlag. Kann man sich als kleiner Verlag in der Flut der Kochbücher behaupten? Das Thema Stevia zum Beispiel kann uns nicht so schnell jemand streitig machen.

Man hört bei Ihnen ein Engagement heraus, das über den Rand des Kochtopfs hinausgeht. Wenn wir etwas machen, sind wir davon immer sehr überzeugt. Dann können wir auch richtig ins Schwärmen geraten. FONA ist aber auch so positioniert, dass man von uns viel Engagement und ungewöhnliche Bücher erwartet. Mit 0815-Themen können wir keinen Erfolg haben – aber wir können uns auch mal verrennen. Was macht für Sie ein gelungenes Kochbuch aus? Neben der einfachen Umsetzbarkeit der Rezepte ist es für uns wichtig, dass jedes Buch anders aussieht. Wir nehmen nicht einfach einen Raster hervor, sondern gestalten unsere Bücher passend zum Thema. Zum Beispiel haben wir vor zwei Jahren Bücher mit Rolf Caviezel zur Molekularküche herausgegeben: Denen sieht man gleich an, dass wir uns nicht in der normalen Kochbuchwelt bewegen. Wir wollen die Nutzer auf verschiedenen Ebenen ansprechen, schon bevor sie das Buch lesen. Sie sprechen die Gestaltung an. Wie sieht denn ein gutes Kochbuch aus? Generell kann man sagen, Belletristik ist so oder so unterhaltend, wir dagegen müssen unsere Bücher farbiger gestalten. Wir verlegen ja auch nicht einfach Rezeptbücher für Profis, sondern wollen oft Interesse für ein Produkt wecken. Wir finden: Übergrosse Formate und schwere Schinken haben wir lieber nicht in der

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Küche. Allerdings gibt es Themen, die lassen sich auf grossem Format einfach besser darstellen. Und wie wichtig sind die Bilder in Kochbüchern? Das Bildmaterial erachte ich als eminent wichtig, Illustrationen verwenden wir kaum. Sehr wichtig ist, dass die Fotos natürlich und nicht zu kompliziert aussehen. Wir haben das grosse Glück, dass viele

«Wir interessieren uns für ganz einfache Produkte, die aus irgend einem Grund vergessen gingen.»

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die Flut der Publikationen würde uns fast lähmen. Wir machen einfach das, wovon wir überzeugt sind. Nicht, weil ich das Gefühl hätte, wir seien besser, sondern weil ich unbelastet sein will und mir so meine Motivation erhalte. Ich will ja nicht abkupfern.

GROSSES KINO ZUM LESEN!

Und verwenden Sie die Bücher auch? Im Alltag brauche ich kein Kochbuch, aber wenn ich Gäste habe, nehme ich sehr wohl eines zur Hand. Dann komponiere ich auch mal ein Menu mit Rezepten aus verschiedenen Büchern – ich mische aber nie verschiedene Autoren.

Das offizielle Buch zum Kultfilm 304 S., geb., über 300 farb. Abbildungen ISBN 978-3-86873-460-7

unserer Bücher vom Fotografen Andreas Thumm bebildert werden. Er schafft es, jedes Buch auf eigene Weise umzusetzen. Ein Buch über Quinoa und eines über Foodpairing sind ja zwei komplett verschiedene Welten. Im einen Fall passt vielleicht eine nüchterne Darstellung – und im anderen eine Lifestyle-Inszenierung. In «Foodpairing» sind die Lebensmittel nicht mal auf Tellern angerichtet, sondern auf weissem Grund.

Die umfassende autorisierte Monografie 280 S., geb., über 400 farb. Abbildungen ISBN 978-3-86873-421-8

Was zeichnet gute Kochbuchautoren aus? Auch hier geht es sicher zuerst um die Umsetzbarkeit aller Rezepte. Wir haben kaum zwei Handvoll Autoren und wissen genau, wem wir welches Thema anvertrauen können. Aber wir machen keine People-Kochbücher, deshalb ist Prominenz nicht so wichtig. Im Vordergrund steht immer das Thema. Allerdings sind Autoren wie Erika Bänziger, Lucas Rosenblatt oder Thuri Maag schon Türöffner, denn die sind gut eingeführt. Wie viele Kochbücher haben Sie selbst zuhause? Ich habe unsere Bücher von A bis Z zuhause und kaum Kochbücher der Konkurrenz. Ich bin keine Sammlerin und schaue auch nicht nach links und rechts, denn

Vor und hinter den Kulissen von 007 Foodpairing – Harmonie und Kontrast Rolf Caviezel, Thomas Vilgis, Andreas Thumm 224 Seiten CHF 69.– FONA

224 S., geb., über 400 farb. und s/w-Abbildungen ISBN 978-3-86873-501-7

www.knesebeck-verlag.de


30 | Buchtipps

Books Nr. 4/2012

Mein Buch | 31

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«Ich lese Bücher gern zweioder dreimal» Wir möchten von Orell-Füssli-Kundinnen und -Kunden wissen: Welches ist Ihr liebstes Buch? Heute antwortet Alexander Nannt aus Frauenfeld. Erik Brühlmann

Jennifer McLagan

Fett – Loblied auf eine verrufene Ingredienz Jennifer McLagan hält die aktuelle Fettphobie nicht nur für übertrieben, sondern auch für schädlich. Denn diese habe uns in die Arme von Transfetten und raffinierten Kohlenhydraten getrieben und einer schuldbesetzten Haltung gegenüber dem Essen Vorschub geleistet. Mit ihrem Buch will sie die Freude an der gekonnten Verarbeitung von guten Zutaten wecken, uns den traditionellen Umgang mit Lebensmitteln näherbringen – und auch die Belohnung des Gaumens mit den unersetzbaren Geschmäckern von Fett. Neben rund 100 Rezepten von klassisch bis zeitgenössisch präsentiert die Autorin auch Geschichten vom Fett und erzählt geistreich und fundiert von verschiedensten Verarbeitungs- und Kochkulturen.

Pepe Regazzi, Fabio Corfú und Juliette Chrétien

Michael Schwelien

Knigge Tisch-Set

Auf der Suche nach dem Ursprünglichen, Echten und Unverfälschten nehmen uns die Autoren auf eine Entdeckungsreise durch das Tessin. Sie spüren vergessene Geschichten auf, treffen Menschen, die mit Liebe und Leidenschaft ihre Salami, Formaggini oder ihren Merlot produzieren, kosten authentische Gerichte aus Grossmutters Zeiten und die Kreationen eines jungen Tessiner Spitzenkochs. Vom Winter und vom Dinkel ist da die Rede, vom Leben auf der entlegenen Alpe Cedullo, vom Sommer auf dem See und im schattigen Grotto. Mit 50 authentischen Rezepten, die nach «Nostrano» schmecken, nach dem Ursprünglichen, nach Sehnsucht und den guten alten Zeiten.

Zürich – das sind nicht nur Gebäude und Strassenzüge, sondern in erster Linie die Menschen, die in der Limmatstadt leben und arbeiten. Das neue Merian-Buch beschreibt die Lebensgeschichten berühmter Persönlichkeiten, die Zürich prägten – und gleichzeitig die Geschichte der Stadt. Auf den Wegen von Albert Einstein, Hugo Ball und Bruno Ganz wandeln die Leserinnen und Leser durch die Stadt und entdecken Spuren, die geblieben sind. Welches Lokal war Max Frischs zweite Heimat? Wo las Richard Wagner zum ersten Mal aus dem «Ring der Nibelungen» vor? Warum wurde Rudolf Brun gemeinsam mit seinem Koch begraben? Jedes Kapitel enthält Adressen, die eine Stadterkundung auf den Spuren der porträtierten Personen ermöglichen.

Wo muss welches Besteck liegen? Wie werden die Gläser korrekt platziert? Welche Tassen, Teller und Besteck braucht es fürs Dessert? Wie verhält man sich am Tisch? Fragen über Fragen – und dieses Tischset beantwortet sie alle, ganz nach dem Motto: «Learning by doing!» Die Tischsets bestehen aus 20 % Baumwolle und 80 % Polyester, haben eine Grösse von 60×40 Zentimeter und sind selbstverständlich waschbar. Das Tischset ist ein ideales Geschenk für Knigge-Fans und für alle, die in Zukunft keine offenen Fragen rund um den Esstisch mehr haben wollen.

Ticino ti cucino

Zürich. Eine Stadt in Biographien

Alexander Nannt ist der beste Beweis dafür, dass es auch junge Menschen gibt, die sich fürs Lesen interessieren. «Neben Karate ist Lesen eines meiner grössten Hobbys», sagt der Zwölfjährige. Besonders gern hat er Geschichten, die auf wahren Begebenheiten beruhen. Als Beispiel nennt er den Roman «We All Fall Down» von Eric Walters: die Geschichte eines Jungen, der die Anschläge auf das World Trade Center hautnah miterlebt. Auch Agentenromane haben es Alexander Nannt angetan; die «Cherub»-Reihe von Robert Muchamore gehört in diesem Bereich zu den Favoriten des Jugendlichen, der später einmal Jura studieren möchte.

Ungewöhnlich ist, dass Alexander Nannt bereits jetzt zu den Büchersammlern zählt – Bibliophile findet man sonst ja eher in anderen Altersgruppen. Dass er seine Bücher behält, hat einen einfachen Grund: «Ich lese sie gern zwei- oder dreimal.» Deswegen geht er auch nur selten in die Bibliothek. Schon jetzt hat Alexander zwei Bücherregale gefüllt. Will er nicht auf eBooks umsteigen, um Platz zu sparen? «eBooks sind bestimmt eine praktische Erfindung», meint er. «Allerdings finde ich sie zu teuer. Und viele meiner Freunde sagen, man bekomme manchen Titel nicht als eBook.» Er mag es ohnehin, einfach durch die Filiale von Orell Füssli in Frauenfeld zu schlendern und nach neuem Lesestoff Ausschau zu halten. Alexander Nannts gegenwärtiges Lieblingsbuch «CRASH – Ins falsche Leben» gibt es allerdings auch als eBook. Es handelt von Alex Gray, einem Jungen, der eines Morgens in den Spiegel blickt und das Gesicht eines völlig fremden Jungen erblickt. Es stellt sich heraus, dass Alex’ Seele im Körper eines gewissen Philip steckt. Aber wieso? Und was geschah in den letzten sechs Monaten, an die Alex keine Erinne-

rung hat? «Es stellt sich heraus, dass Alex im Koma liegt und Philips Seele mit seiner eigenen den Platz getauscht hat», erzählt Alexander. «Über das Internet findet Alex eine Seite über Menschen, die sich Seelen­ evakuierte nennen: Sie sind kurz vor dem Tod in den Körper eines anderen Menschen gewandert. Jetzt steht Alex vor dem Dilemma, dass er zwar den Tausch gern rückgängig machen würde, dazu aber Philips Körper töten müsste – und das will er nicht.» Ob und wie Alex eine Lösung für das Problem findet, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten. «Ich mag solche mysteriösen Geschichten», sagt Alexander Nannt, «auch wenn es vielleicht keine typische Literatur für mein Alter ist.»

CRASH – Ins falsche Leben Martyn Bedford. 337 Seiten CHF 19.90 dtv

Folgen Sie unS

• informativ • aktuell • brisant 240 Seiten

280 Seiten

176 Seiten

Zwei Stück pro Pack

CHF 52.00

CHF 52.00

CHF 32.90

CHF 24.00

Rotpunktverlag

AT-Verlag

Travel House Media

Beobachter

ISBN 978-3-85869-511-6

ISBN 978-3-03800-728-9

ISBN 978-3-8342-1365-5

Christoph von Marschall Der neue Obama 240 Seiten broschiert 978-3-280-05484-0

Philipp Löpfe, Werner Vontobel Reiche Multis – arme Bürger 206 Seiten gebunden 978-3-280-05473-4

Ulrich Tilgner Die Logik der Waffen 264 Seiten Klappenbroschur 978-3-280-05489-5


32 | K affeepause

Books Nr. 4/2012

Die Debatte Was machen eine Buchhändlerin und ein Buchhändler in der Kaffeepause? Sie plaudern über Bücher. Books hat sich im «Starbucks» der Filiale Kramhof zu den Orell-FüssliMitarbeitenden Patrizia Melaugh und Ernst Schipper gesetzt. Marius Leutenegger

Die eiskalte Jahreszeit der Liebe A.D. Miller 284 Seiten CHF 29.90 S. Fischer

Verteidigung der Missionarsstellung Wolf Haas 238 Seiten CHF 33.90 Hoffmann und Campe

Polarrot Patrick Tschan 345 Seiten CHF 34.90 Braumüller

Erik Brühlmann

Books: «Snowdrops» von A. D. Miller war letztes Jahr ein Kritikerliebling im englischsprachigen Raum. Das Erstlingswerk von A. D. Miller, der jahrelang Moskau-Korrespondent für den «Economist» war, schaffte es gar auf die Shortlist für den Booker-Preis. Jetzt liegt das Buch auch auf Deutsch vor – als «Die eiskalte Jahreszeit der Liebe». Worum geht’s? Patrizia Melaugh (PM): A. D. Miller schöpft aus seinem Erfahrungsschatz – das Buch spielt in Moskau. Ein englischer Anwalt lebt schon seit ein paar Jahren in der russischen Hauptstadt. In der U-Bahn lernt er zwei junge Frauen kennen; er verliebt sich heftig in eine von ihnen und trifft die beiden fortan regelmässig. Die Frauen stellen ihn dann einer alten Tante vor, die in einer grossen Wohnung im Zentrum von Moskau lebt, und sie bitten ihn, sie bei einem Geschäft zu unterstützen: Die Tante soll die grosse Wohnung verkaufen und in eine kleinere ziehen. Man merkt allmählich, dass bei dieser Sache etwas nicht stimmt. Und der Anwalt hat später auch Gewissensbisse wegen seiner Beteiligung an diesem dubiosen Geschäft. Das Buch ist nämlich als eine Art Geständnis verfasst: Jahre später schreibt der Anwalt seine Erlebnisse für seine Verlobte auf. Sie hat wissen wollen, warum er so wenig von seiner Zeit in Moskau erzählt. Ernst Schipper (ES): Gewissensbisse hat er aber nicht unbedingt; er hat die Angelegenheit einfach verdrängt, aber im Nachhinein versucht er sie zu rechtfertigen. Er wollte offenbar einfach nicht merken, dass es um einen Riesenbetrug geht – aber er hätte es schon merken können.

Aufgrund des Titels hatte ich eigentlich gedacht, es handle sich um einen Liebesroman ... welche Rolle spielt denn die Liebe? ES: Ich finde, der deutsche Titel passt nicht. Der englische Titel «Snowdrops» – «Schneeglöckchen» – ist jedenfalls viel besser. Denn damit werden in Moskau jene Obdachlosen bezeichnet, die im Winter erfrieren und im Frühling vom Schnee freigegeben werden. Warum passt das besser? PM: Weil die Kontraste des Lebens in Moskau ein zentrales Thema des Buchs sind. Das Schneeglöckchen ist doch etwas so Schönes, Zartes – und steht dann auch für aufgetaute Leichen. Das Buch stellt die Kontraste des Moskauer Lebens wunderbar dar, das Nebeneinander von arm und reich, die Hässlichkeit und Schönheit der Stadt, die extreme Kälte draussen und die überheizten Wohnungen im Winter. ES: Man spürt, dass der Autor Russland sehr gut kennt. Er schält wunderbare Details aus dem russischen Alltagsleben heraus und zeigt die ganze Dekadenz und Verderbtheit dieser Gesellschaft – und das in einer sehr bildhaften Sprache. PM: Was das Buch so gut macht, ist diese Sprache. Der Roman liest sich unglaublich flüssig. Spannend sind auch die moralischen Fragen, die er auswirft, spannend ist, ob der Anwalt endlich merkt, was da gespielt wird – und wann er die Grenze vom Opfer zum Täter überschreitet. ES: Er ist verblendet – und läuft sehenden Auges in die Sache hinein. Menschen wollen nun einmal getäuscht werden. «Je weniger man weiss, desto besser schläft man», heisst es einmal. Mit solchen Sätzen beschreibt Miller die russische Seele

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in kürzester Form. Man könnte dem Buch vorwerfen, dass es ein klischiertes Russlandbild zeichnet, aber es ist trotzdem spannend zu lesen – und man vertraut dem Autor, dass er schon weiss, wie es ist. Er wirft ein grelles Licht auf diese Gesellschaft, in der es immer nur schwarz und weiss gibt: arm oder reich, dekadent oder gewissenhaft. Und Miller trifft auch die russische Melancholie sehr gut. PM: Das Buch wirkt auch deshalb etwas melancholisch, weil die Geschichte im Rückblick erzählt wird – man spürt, dass der Anwalt die Intensität seiner Moskauer Jahre vermisst. Für mich ist das jedenfalls eines der besten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe. Ähnlich begeistert ist Ernst von jenem Buch, das er für diese Runde ausgewählt hat: «Verteidigung der Missionarsstellung» von Wolf Haas. Ein ungewöhnlicher Titel, der nichts über den Inhalt verrät. ES: Ja, und dieser Inhalt lässt sich auch kaum zusammenzufassen – zumal es eigentlich gar nicht viel Handlung gibt. Die Rahmengeschichte handelt von einem Mann, der sich zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten immer wieder verliebt – und dann jedesmal an der gerade aktuellen Seuche erkrankt. Die Geschichte beginnt 1988 in London; dort isst er, obwohl Vegetarier, einen Hamburger, weil er sich in die Hamburger-Verkäuferin verliebt hat – und er erkrankt an Rinderwahnsinn. Den gleichen Mann sehen wir 2006 in China, als gerade die Vogelgrippe grassiert. Er verliebt sich erneut und wird wieder krank. 2009 zählt er in Santa Fe zu den ersten Opfern der Schweinegrippe, natürlich hat er sich auch jetzt wieder verliebt. Und am Schluss holt er sich noch die EHEC-Mikroben in Deutschland. Das ist, kurz zusammengefasst, die Handlung. Aber das Buch lebt nicht von seinem Inhalt, sondern von einem extremen Sprachwitz. Wolf Haas ist einer, der immer an die Grenze geht und sehr gern mit Formen und Sprache experimentiert. Das heisst? ES: Seine Ausgangshypothese ist Sprachtheoretisch. Es heisst ja, Sprache bestimme unser Denken, Haas ergänzt: Das Sprachbild bestimmt unser Denken. Das heisst, dass er wie einst die Vertreter der konkreten Poesie mit seinem Text im eigentlichen Sinn Bilder im Buch entwirft. Fahren die Protagonisten Lift, macht das auch der Text: Er hat die Form einer Liftkabine und beginnt auf jeder Seite etwas

Patrizia Melaugh: «Ich kann mir schon vorstellen, dass viele so etwas gern lesen – Bücher mit viel Handlung sind ja beliebt. Für mich blieb es aber zu oberflächlich.»

Patrizia Melaugh, 60, lebt in Schaffhausen und arbeitet in der Abteilung Belletristik der Filiale Kramhof. Sie mag vor allem Bücher aus dem englischen Sprachraum. Ihre zwei Kinder sind bereits erwachsen.

Ernst Schipper: «Das verstehe ich gut. Ich könnte so etwas auch nicht immer lesen, in diesem Fall hat es aber funktioniert: Das Buch hat mich mitgerissen.»

Ernst Schipper, 44, lebt in Zofingen und arbeitet in der Abteilung Belletristik der Filiale Westside in Bern. Der gebürtige Niederländer und Bücherfan studierte Germanistik und wurde anschliessend Buchhändler.

weiter unten. Geht es ums Querlesen, erscheint der Text seitenlang quer. Spielt die Geschichte in China, erscheinen über dreieinhalb Seiten lang nur chinesische Schriftzeichen. Oder manchmal wird die Seitenzahl mit einem Wort vertauscht. Alles ist einfach sehr spielerisch und anregend. Besonders schön finde ich die Idee, dass Haas auslässt, was er überflüssig findet – Beschreibungen zum Beispiel, die in anderen Büchern Seiten füllen. Bei ihm heisst es schlicht: London 1988 Leute & Frisuren & Sachen, den Rest muss man sich selber denken. Das Buch quillt über von solchen Ideen. Klar, manchmal geht Haas auch zu weit mit seinen Spielereien, er denkt zu wenig an den Leser und hat wohl selber am meisten Spass an seinen Einfällen. Aber man kann sich der Faszination dieses Textes einfach nicht entziehen. PM: Mir haben zum Beispiel die Dialoge am Anfang gut gefallen. Der junge Mann verliebt sich in diese Verkäuferin, sie fragt ihn etwas, er gibt ihr eine ganz lange komplizierte Antwort – und an deren Schluss erfährt man, dass er genau das nicht gesagt habe. Auch das Spielerische im Umgang mit der Form hat mir wirklich gut gefallen. Aber mit der Zeit schlägt mir Haas fast ein bisschen viele Haken – das verwirrt. ES: Stimmt, so habe ich das auch empfunden. Doch im Grossen und Ganzen bleibt das Buch sehr empfehlenswert, und ehrlich gesagt ist es mir ein Rätsel, warum es nicht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises erschien. PM: Echt? Also für mich ist es eher eine interessante Spielerei – du zählst es zur Literatur? ES: Unbedingt. Ich finde es einfach wahnsinnig originell. Auch Haas’ Vorgängerbuch hat mir diesbezüglich sehr gefallen: «Das Wetter vor 15 Jahren» ist ein Roman in Interviewform, darauf muss man erst einmal kommen. Haas ist für mich einer der originellsten Köpfe der Literaturszene. Kommen wir nun noch zu einer Neuerscheinung eines Schweizer Autors: «Polarrot» von Patrick Tschan. PM: Es geht um den jungen Toggenburger Jakob Breiter, der aus einer einfachen Bauernfamilie stammt. Jetzt arbeitet er im Palace Hotel in St. Moritz und muss von dort verschwinden, weil er sich als Heiratsschwindler betätigte. Erst wird er Vertreter für Senf in Tuben, damals eine Innovation, dann stellt ihn ein Chemiekonzern als Verkäufer an. Dieser Konzern produziert die Farbe Polarrot, die von den


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Nationalsozialisten für die HakenkreuzFahne benötigt wird. Das spült dem ehrgeizigen Breiter riesige Umsätze in die Tasche. Doch weil er erwischt wird, wie er einen Juden bei einer Schmuggelaktion unterstützt, muss er zwei Jahre lang in ein deutsches Lager. Diese Zeit stellt für Breiter einen grossen Bruch dar. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz will er unbedingt vermeiden, ins Militär eingezogen zu werden, und deshalb kauft er einen Bauernhof; Bauern waren ja damals vom Militärdienst dispensiert. Nun ist der einstige Bauernbub Breiter also genau dort, wo er nie sein wollte. Er heiratet und wird nebenher noch Schlepper, der Leute über die Grenze führt. Es handelt sich hier also um einen Entwicklungsroman? ES: Eher um einen guten Unterhaltungsroman. Ich habe ihn jedenfalls sehr gern gelesen. «Polarrat» vermittelt einen Einblick in die Zeitgeschichte ganz ohne

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erhobenen Zeigefinger. Die dunklen Flecken auf der Weste der Schweiz sind eher ein Hintergrundgeräusch, es geht vor allem um diesen ehrgeizigen aufstrebenden Hallodri Jack. Zuerst ist er sehr skrupellos, dann aber kehrt er als anderer Mensch aus dem Lager zurück. PM: Mir war der Roman stellenweise aber viel zu oberflächlich. Es passiert viel, der Text geht aber nie wirklich in die Tiefe. Manchmal hat mich die Art, wie Patrick Tschan die Dinge behandelt, auch vor den Kopf gestossen. Ein Beispiel: Jack heiratet, und plötzlich heisst es, am Morgen sei die Frau erkaltet im Bett gelegen, eine Grippe habe sie dahingerafft. Auf der folgenden Seite wird dann ganz ausführlich beschrieben, wie eine Funkanlage funktioniert. Diese Gewichtung hat mich komplett irritiert. Und inwiefern sich Jack im Lager verändert haben soll, wird auch nicht verständlich dargestellt. ES: Das ist eben der Stil des Buchs: Es gibt keine innere Reflektion, alles wird

anhand der Handlung erklärt. Es handelt sich hier um eine Art Abenteuerroman, die Figuren leben in der Handlung und erklären sich selber. PM: Hat dir das gereicht? ES: Ja. Ich habe das Buch wie einen guten Pageturner gelesen. Es hat mir gefallen, wie Tschan aufs Tempo drückt. Und auch als zeitgeschichtliches Dokument habe ich das Buch spannend gefunden. PM: Ich kann mir schon vorstellen, dass viele so etwas gern lesen – Bücher mit viel Handlung sind ja beliebt. Für mich blieb es aber zu oberflächlich. ES: Das verstehe ich gut. Ich könnte so etwas auch nicht immer lesen, in diesem Fall hat es aber funktioniert: Das Buch hat mich mitgerissen. PM: Also ich werde es vor allem jenen Leuten empfehlen, die gern Martin Suter lesen; dort ist die Handlung ja auch die Hauptsache. ES: Das stimmt – aber mir gefällt Tschan besser als Suter.

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Christoph Ransmayr

George Steinmetz

«Ich sah …» – so beginnt der Erzähler nach kurzen Atempausen immer wieder und führt sein Publikum an die fernsten und nächsten Orte dieser Erde: in den Schatten der Vulkane Javas, an die Stromschnellen von Mekong und Donau, ins hocharktische Packeis und über die Passhöhen des Himalaya bis zu den entzauberten Inseln der Südsee. Wie Landkarten fügen sich dabei Episode um Episode zu einem Weltbuch zusammen, das in Bildern von atemberaubender Schönheit Leben und Sterben, Glück und Schicksal der Menschen kartografiert. Eine einzigartige, in 70 Episoden durch Kontinente, Zeiten und Seelenlandschaften führende Erzählung – eben ein grosser, erzählter Weltatlas.

George Steinmetz, Geophysiker und vielfach ausgezeichneter Fotograf, durchquerte einst während seines Studiums die Sahara. Seither lässt ihn die Wüste nicht mehr los. Jahrelang überflog er mit seinem motorisierten Paraglider immer wieder die extremsten Orte der Erde – und dokumentierte sie für diesen atemberaubenden Bildband. 230 Bilder eröffnen Einblicke in die ebenso gewaltigen wie faszinierenden Ödlandschaften. In den begleitenden Texten beschreibt Steinmetz nicht nur die Landschaften, sondern auch die Abenteuer, die er während seiner Aufnahmen erlebte. Dadurch ist dieser Bildband weit mehr als nur ein weiteres Fotobuch.

455 Seiten

352 Seiten

240 Seiten

270 Seiten

CHF 39.90

CHF 85.00

CHF 26.90

CHF 31.90

S. Fischer

Frederking & Thaler

Knaur

Crotona

ISBN 978-3-10-062951-7

ISBN 978-3-89405-965-1

ISBN 978-3-426-65513-9

ISBN 978-3-86191-031-2

Atlas eines ängstlichen Mannes

Wüsten von oben

Cool Lime Berry Hibiscus

Bernhard Moestl

Das ShaolinPrinzip – Tue nur, was du selbst entschieden hast Soll ich? Soll ich nicht? Wie oft tun wir uns schwer damit, einen Entschluss zu fassen. Wir wälzen stundenlang das Für und Wider. Am Ende sind wir wie gelähmt. Shaolin-Mönche müssen jederzeit in der Lage sein, blitzschnell zu entscheiden. Bei ihnen geht es immerhin um Leben und Tod. Es ist ihr Denken, das sie unbesiegbar macht – und ihre Entschlusskraft. Bernhard Moestl hat das Prinzip der Mönche analysiert und zeigt, wie wir es auf unseren Alltag übertragen können. Denn jeder von uns verfügt über die Fähigkeit, gute Entscheidungen zu treffen. In nur sieben Atemzügen können wir auf diese inneren Ressourcen zugreifen, Beeinflussungen ignorieren, über die Folgen bestimmen und selbst entscheiden – bevor es andere für uns tun.

Lewis D. Solomon

Das kabbalistische Totenbuch

Lewis D. Solomon gilt als einer der angesehensten Kabbala-Experten in den USA. Er verfügt über umfassende Kenntnisse der verschiedenen Überlieferungsstränge und ihrer modernen Repräsentanten. Die Kabbalisten haben seit vielen Jahrhunderten in zahlreichen Ländern umfassendes Wissen über das Mysterium von Tod und Wiedergeburt gesammelt. Solomon enthüllt in seinem Buch lang verborgene Lehren und weist damit nach, dass die abendländische Tradition ein Wissen über das Leben nach dem Tod besitzt, das in keiner Weise geringer einzuschätzen ist als die alte östliche Weisheitslehre. Ein Wegweiser zur kabbalistischen Tradition, der zahlreiche mystische Juwelen erstmals ins Licht der Öffentlichkeit rückt.

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Fantastisch! Ein junger Mitarbeiter von Orell Füssli präsentiert Neuerscheinungen und Geheimtipps aus dem Fantasy-Genre: Bücher für alle, die sich gern in fremde Welten entführen lassen. Marius Leutenegger

«Heute empfehle ich zwei Bücher aus dem englischsprachigen Raum. Zuerst eines aus Grossbritannien: ‹Departement 19 – Die Mission› von Will Hill. Dabei handelt es sich um einen klassischen und sehr rasanten Fantasy-Action-Roman für Leserinnen und Leser ab 14 Jahren. Hauptfigur ist Jamie. Als er klein war, wurde sein Vater zu Hause von Männern in schwarzen Uniformen erschossen. Niemand weiss, was damals genau passierte und wo der Vater einst gearbeitet hatte – auch die Mutter von Jamie schweigt über den Vorfall. Eines Tages kommt Jamie nach Hause, und er merkt gleich, dass etwas nicht stimmt: Schwarze Schatten huschen vorbei, und sie erinnern ihn exakt an jene, die er sah, als sein Vater erschossen wurde. Jamie folgt ihnen in einen Park, und dort entdeckt er ein Mädchen, das ihn in seinen Bann schlägt – bis es rote Augen und zwei lange Eckzähne bekommt. Entsetzt rennt Jamie nach Hause, doch dort geht alles drunter und drüber: Ein riesiger Vampir reisst seine Mutter aus dem Fenster und entführt sie. Und zu Jamies Überraschung kennt der Vampir auch noch seinen Namen. Kurz darauf fährt ein Wagen vor, und ihm entsteigt niemand anderer als das Monster von Frankenstein. Es packt Jamie, fährt mit ihm davon und führt ihn zum grössten Geheimnis der Neuzeit: zum Departement 19, das die Gesellschaft gegen alles Übernatürliche verteidigt. Gegründet wurde das Departement 19 von Abraham van Helsing, dem be-

rühmten Gelehrten, der Dracula einst den Garaus machte. Gemeinsam mit Frankensteins Monster und dem VampirMädchen aus dem Park macht sich Jamie auf die Suche nach seiner Mutter, die offenbar vom ältesten und stärksten Vampir entführt worden ist. Doch dann beginnt sich auch noch etwas viel Gefährlicheres zu regen ...

Tim Lenny George, 18, absolviert im Kramhof in Zürich das dritte Jahr seiner Buchhändler-Lehre. Er lebt in einem Dorf ausserhalb von Bern, deshalb pendelt er jeden Tag stundenlang. «Die Zeit im Zug nutze ich gern fürs Lesen», sagt er, «denn mit Büchern kann ich richtig gut abschalten – sie machen ruhig, regen aber gleichzeitig die Fantasie und Kreativität an.» Nach Abschluss seiner Lehre möchte Tim die Berufsmatura machen.

Schon meine kurze Zusammenfassung zeigt: In diesem Buch läuft viel, sehr viel. Man könnte es sofort eins zu eins verfilmen, und man hätte dann ein Stück Kino irgendwo zwischen ‹Mission Impossible› und ‹The League of Extraordinary Gentlemen›. Alles ist sehr lustig, abenteuerlich, unterhaltsam, süffig geschrieben – und alles wirkt so trashig wie ein guter B-Movie. Das Buch ist literarisch wohl nicht gerade hochstehend, es bleibt aber absolut köstlich zu lesen. Wer sich ein wenig mit Horror-Figuren auskennt, hat wohl noch mehr Spass an der Sache, Vorwissen ist aber keine Voraussetzung für den Lesegenuss. Auch wenn die Geschichte mit diesem Band abgeschlossen ist, geht sie übrigens weiter – denn der junge Autor Will Hill arbeitet bereits am zweiten Band. Die Autorin des zweiten Buchs, das ich vorstelle, stammt aus Australien – und sie ist im Unterschied zu Will Hill bereits weltberühmt: Trudi Canavan. Seit ihrem Durchbruch mit einer Kurzgeschichte vor 13 Jahren schreibt sie ein Buch nach dem

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Die australische Bestseller-Autorin Trudi Canavan schliesst mit «Sonea 3 – Die Königin» ihre zweite Trilogie über die Kyralia-Welt ab.

anderen, und praktisch jedes landet auf den Bestsellerlisten; allein auf Deutsch hat sie bislang 1,7 Millionen Bücher verkauft. Dieser Erfolg erstaunt nicht, denn Trudi Canavan ist eine ungeheuer talentierte Autorin. Ihre Bücher haben meines Erachtens ein literarisches Niveau, das sie auch für die Shortlist des Deutschen Buchpreises qualifizieren würde – und das will etwas heissen. Das Hauptwerk von Trudi Canavan ist die Kyralia-Serie. Erst verfasste die Australierin die Trilogie ‹Die Gilde der Schwarzen Magier›, dann folgte das Prequel ‹Magie› – und seit 2010 erscheinen die Bände der zweiten Trilogie ‹Die Saga von Sonea›. Die zweite Trilogie ist eine Fortsetzung der ersten, sie spielt einfach etwa ein Jahrzehnt später; die Figuren sind also alle zehn Jahre älter. Jetzt ist der Abschluss der Sonea-Saga erschienen: ‹Die Königin›. Lorkin, der Sohn von Sonea, hat sich den ‹Verräterinnen› angeschlossen, einer Gruppe von Schwarzmagierinnen, die in den Bergen von Sachaka lebt und dort einen Umsturz plant – sie will die Demokratie einführen. Sonea muss sich jetzt entscheiden: Soll sie dem König gehorchen – oder ihren Sohn unterstützen? Ich merke gerade: Zusammenfassen lässt sich dieser Teil schwer, wenn man die anderen nicht kennt. Aber das Erscheinen des letzten Teils ist für mich ein guter Anlass, gleich die ganze Serie zu empfehlen – sie ist einfach exzellent. Ich bin mir bewusst, dass ich allen Leserinnen und Lesern ein Mammutprojekt vorschlage, denn es geht hier um sechs dicke Bücher, mit dem Prequel sogar um sieben. Aber dieses Projekt lohnt sich auf jeden Fall, denn die Bücher sind schlicht genial geschrieben. In jedem Band gibt es mindestens drei parallele Handlungsstränge, die

Noch nicht so berühmt wie Trudi Canavan, aber ebenfalls auf dem Weg, die Herzen der Fantasy-Fans zu erobern: der Brite Will Hill.

in eine Rahmenhandlung eingebettet sind und irgendwann zusammenlaufen. Das klingt jetzt vielleicht etwas kompliziert, aber Trudi Canavan ist eine Meisterin darin, uns Leserinnen und Leser sicher durch ihre Erzählung zu führen – man verliert niemals den Überblick, und der Wechsel von einem Erzählstrang zum nächsten nervt auch nie, weil alle Figuren so interessant sind. Besonders bemerkenswert finde ich, dass kein einziges Buch einen Durchhänger hat. Trudi Canavan schreibt immer auf dem gleichen hohen Niveau – das siebte Buch ist so gut wie das erste und umgekehrt. Nur schade, dass man diese spannende und raffinierte Serie wohl nie verfilmen wird; eine Adaption wäre wohl so anspruchsvoll und teuer wie die Umsetzung von ‹Harry Potter› oder ‹Herr der Ringe›!»

Department 19 – Die Mission Will Hill 492 Seiten CHF 24.90 Lübbe

Angelina Rubli, 27, arbeitet bei Orell Füssli am Bellevue. «Ich liebe Kinder- und Jugendbücher abgöttisch», meint sei, «denn dieses Segment ist extrem abwechslungsreich und verändert sich ständig – eine Saison lang stehen Vampirromane im Vordergrund, dann kommen Krimis oder dystopische Geschichten wie ‹Panem›.» Fantasy-Romane für Jugendliche liebt Angelina Rubli ganz besonders. «Sie ermöglichen mir, in eine Welt einzutauchen, die nicht existiert. » Ihr Tipp: «Reckless 2 – Lebendige Schatten» von Cornelia Funke. «Am Ende von Band eins wurde Jacob Reckless von einer roten Fee verflucht, weil er verbotenerweise ihren Namen ausgesprochen hatte. Aus Wut und Eifersucht zauberte sie ihm eine Motte auf die Brust; diese soll sich nun in sechs Schritten lösen, denn der Name der Fee ist sechs Buchstaben lang. Löst sich der letzte Buchstabe, stirbt Jacob. Er sucht nun verzweifelt nach einer Möglichkeit, den Fluch abzuwenden. Jacob experimentiert mit einem verzauberten Apfel oder dem Blut eines nordischen Flaschengeists, aber nichts hilft. Dann stösst er mit seiner Gefährtin Fuchs auf die Legende einer Armbrust, deren letzter Schuss unsterblich machen soll. Mit Hilfe des Zwergs Evanaugh Valiant machen sich die beiden auf die Suche nach der magischen Waffe. Doch noch andere wollen die Armbrust besitzen, und der Weg zum Ziel ist lang und dornenreich ... Wem der erste Teil gefallen hat, wird vom zweiten erst recht begeistert sein – denn dieser ist nicht mehr ganz so düster, dafür besonders unheimlich und spannend!»

Reckless 2 – Lebendige Schatten Sonea 3 – Die Königin Trudi Canavan 608 Seiten CHF 31.90 Penhaligon

Cornelia Funke 416 Seiten CHF 27.90 Dressler


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englisch spezialisiert. Nebenher schrieb er Gedichte, beschäftigte sich mit isländischen Sagen und entwickelte ganz allmählich eine eigene Mythologie. Sein erzählerisches Werk entstand im Familienkreis: J.R.R. Tolkien war ein hingebungsvoller Vater, und er erzählte seinen vier Kindern gern Selbsterfundenes. «Der Hobbit» entstand ab 1930 als Geschichte für die drei Söhne und die Tochter. Ein Verlag wurde auf das Manuskript aufmerksam – «and the rest is history», wie der Amerikaner sagt. «Der Hobbit» erschien erstmals 1937, also vor genau 75 Jahren, und wurde als Kinderbuch ein Riesenerfolg. Der Verlag verlangte ein Nachfolgewerk, und Tolkien begann mit dem Verfassen von «Der Herr der Ringe».

Kleiner Hobbit ganz gross

Version den Vorzug geben», meint er, «sie sind sehr unterschiedlich, aber beide gut.» Entscheidend für die Wahl einer Version sei vor allem der Verwendungszweck des Buchs. «Will man es jemandem vorlesen, ist die ältere Version von Scherf, die bei dtv erscheint, sprachlich dafür besser geeignet. Die neue Übersetzung zeichnet sich hingegen durch die von Tolkien selber gezeichneten Karten auf den Vorsatzblättern aus – sowie durch die Lieder in ungekürzter Länge.» «Der Hobbit» als Vorlesebuch? Haben wir es hier denn tatsächlich mit einem Kinderbuch zu tun? Für Piyasena Dürst ist das keine Frage. «Natürlich ist ‹Der Hobbit› ein Kinderbuch – aber eines, das auch Erwachsene sehr gern lesen. Es ist viel bunter und fröhlicher als ‹Der Herr

der Ringe›, bei dem ja vor allem auch das Düstere fasziniert.» Piyasena Dürst empfiehlt «Der Hobbit» auch als Einstiegswerk für «Der Herr der Ringe» – man könne damit gut in die Welt von Tolkien hineinschnuppern, ohne sich gleich das «sehr langatmige Monumentalwerk anzutun». Denn «Der Herr der Ringe» habe fraglos sehr weitschweifige Momente, «aber solche Stellen gibt es in ‹Der Hobbit› nicht.»

Hochwertige Ausgaben ... Für einen Tolkien-Fan wie Piyasena Dürst bringt diese Bücher-Saison einen Höhepunkt nach dem anderen – denn die beiden deutschsprachigen Fassungen erscheinen gleich in mehreren Varianten. «Besonders eindrücklich ist die limitierte

Mitte Dezember kommt der heiss ersehnte erste Teil der Film-Triologie «Der Hobbit» ins Kino – die Vorläufergeschichte von «Der Herr der Ringe». Rechtzeitig zum Filmstart erscheint auch die Romanvorlage in verschiedenen attraktiven Ausgaben – und in zwei verschiedenen Versionen, denn Autor J.R.R. Tolkien überarbeitete seinen Bestseller mehrmals. Marius Leutenegger

In der Geschichte des Kinos sind nur wenige Filme derart ersehnt worden wie die Trilogie «Der Hobbit». Am 13. Dezember 2012 ist es endlich so weit: Dann wird der erste Teil «Eine unerwartete Reise» erstmals gezeigt. Trailers lassen schon jetzt erahnen, dass die Erwartungen nicht zu hoch greifen – denn «Der Hobbit» kommt genau gleich daher wie die Trilogie «Der Herr der Ringe», und diese wurde immerhin 30-mal für den Oscar nominiert und ist mit einem Einspielergebnis von über drei Milliarden US-Dollar die bislang erfolgreichste Film-Trilogie überhaupt. Die Ähnlichkeiten zwischen den beiden Monumentalwerken sind kein Zufall. Wie schon bei «Der Herr der Ringe» führt Peter Jackson auch bei «Der Hobbit» Regie, und er hat erneut sein bewährtes Team

um sich geschart – von den Drehbuchautoren bis zum Komponisten Andrew Lesnie. «Der Hobbit» bringt auch ein Wiedersehen mit vielen Darstellerinnen und Darstellern aus «Der Herr der Ringe»: mit Ian McKellen, den Schönheiten Orlando Bloom und Cate Blanchett, dem greisen Christopher Lee, Ian Holm oder Elijah Wood.

Das dritterfolgreichste Buch überhaupt Parallelen dürfte es wohl auch geben, was die Auswirkungen der Verfilmung auf den Buchhandel betrifft. Als «Der Herr der Ringe» zwischen 2001 und 2003 in den Kinos lief, ging die Romanvorlage von J.R.R. Tolkien weg wie die sprichwörtlichen warmen Weggli. Dabei hätte

das Fantasy-Epos gar keinen zusätzlichen Schub nötig gehabt. Mit rund 150 Millionen verkauften Exemplaren ist es schon längst das zweiterfolgreichste Werk der Literaturgeschichte – gleich hinter dem Dickens-Roman «Eine Geschichte aus zwei Städten», der es gar auf 200 Millionen Exemplare brachte. Auch «Der Hobbit» wird nicht erst dank der Verfilmung zum Bestseller werden: Bis heute ist das Buch rund 100 Millionen Mal verkauft worden, was ihm die Bronze-Medaille auf der ewigen Liste der Bestseller einbringt. Dieser Erfolg ist besonders erstaunlich, wenn man die Geschichte des Romans kennt. Autor J.R.R. Tolkien – die Abkürzung steht für John Ronald Reuel – war eigentlich Philologe und als solcher auf Alt- und Mittel-

Dieser neue Roman war eigentlich als Fortsetzung von «Der Hobbit» gedacht. Tolkien schrieb aber jahrelang am neuen Buch, baute die Geschichte ständig aus – und das führte dazu, dass Motive aus «Der Hobbit» irgendwann nicht mehr mit der Fortsetzung übereinstimmten. So kam der Autor nicht umhin, nach der Veröffentlichung von «Der Herr der Ringe» den Erstling wieder zu bearbeiten. Für ihn war die Arbeit an diesem Roman nie völlig abgeschlossen. Daher existieren heute verschiedene Fassungen von «Der Hobbit» – auch auf Deutsch. Überhaupt ist die Übersetzungsgeschichte dieses Bestsellers ziemlich interessant. 1937 hätte nämlich erstmals eine deutsche Version erscheinen sollen, sie kam aber nicht zustande; Tolkien weigerte sich, den deutschen Verlegern einen Ariernachweis vorzulegen, ohne den kein Buch veröffentlicht werden konnte. Die allererste Fassung von «Der Hobbit» wurde daher nie übersetzt. Erst 1957 kam der Roman auch auf Deutsch auf den Markt – in einer Übersetzung von Walter Scherf, der selber ein bekannter Kinderbuchautor war. Sie basiert auf der zweiten Version des Romans und wird heute vom Deutschen Taschenbuch Verlag dtv als «Der kleine Hobbit» publiziert. 1997 erschien dann die Übersetzung von Wolfgang Krege, die auf der dritten Überarbeitung des Romans beruht. Diese neuere Version verlegt Klett-Cotta.

© «Die Kunst des Hobbit», Klett Cotta.

© 2012 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Ein «Work in Progress»

Idealer Einstieg in die Tolkien-Welt Welches ist die bessere Version? Die Frage geht an Piyasena Dürst. Der bekennende Tolkien-Fan ist Buchhändler und arbeitet bei Orell Füssli am Bellevue – natürlich in der Fantasy-Abteilung. «Ich kann keiner

J.R.R. Tolkien illustrierte seinen Hobbit-Roman selbst – wie gekonnt, kann man im Buch «Die Kunst des Hobbit» bestaunen.


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Books Nr. 4/2012 Der Hobbit Luxusausgabe 397 Seiten CHF 139.– Klett-Cotta

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Alles bleibt anders Darauf haben die Fans gewartet: John Irvings neuer Roman «In einer Person» steht endlich in den Regalen – und er ist ein Irving in Reinkultur.

Die Kunst des Hobbit

© «Die Kunst des Hobbit», Klett Cotta.

mit allen Bildern von J.R.R. Tolkien 143 Seiten CHF 44.90 Klett-Cotta

So sah der Autor Bilbo Beutlins Wohnung – Illustration aus «Die Kunst des Hobbit».

Luxusausgabe von Klett-Cotta», findet der Buchhändler. Der Lederband im Schuber mit Goldfolienprägung enthält alle Originalzeichnungen von Tolkien, der sein Werk selber sehr gekonnt illu­ strierte. Die grüne Luxusausgabe passt perfekt zu jener in Rot von «Der Herr der Ringe». «Wer die eine hat, braucht auch die andere», findet der 28-Jährige, verweist aber sofort darauf, dass die Luxusausgabe von «Der Herr der Ringe» mittlerweile vergriffen sei. Eine andere hochwertige Publikation von Klett-Cotta ist das Bilderbuch «Die Kunst des Hobbit». Sie enthält eine riesige Zahl von Skizzen und Zeichnungen, die Tolkien schuf. Piyasena Dürst: «Es ist einfach toll zu sehen, wie sich Tolkien alles selber vorgestellt hat – und wie er seine Zeichnungen entwickelte.» Was ein richtiger Fan ist, kauft sich wohl auch gleich «Das grosse Hobbit-Buch», die kommentierte Ausgabe der Krege-Übersetzung. In den Randspalten des aufwändig gesetzten Buchs erfährt man buchstäblich jedes Detail zum Werk und zu seinem Autor.

... und viele günstige Versionen Wer weniger tief in die Tasche greifen möchte – oder wer sich vor allem vom Film zum Kauf des Buchs inspirieren liess –, hat noch immer eine grosse Auswahl: Es gibt die preisgünstige Filmausgabe, die als besonderes Bonbon auch

noch eine von Tolkien gezeichnete Karte enthält, und verschiedene Versionen mit Fotos aus dem Film. Und dann bietet dtv ebenfalls verschiedene neugestaltete Versionen an. Carlsen publiziert das Buch zudem als Comic. Qual der Wahl? Nicht unbedingt. «‹Der Hobbit› ist ein Buch, das man immer wieder lesen kann», findet Piyasena Dürst. Man kann sich daher auch unterschiedliche Versionen anschaffen. Auch der Buchhändler nimmt das Buch übrigens alle paar Jahre wieder zur Hand. «Aber jetzt weiss ich gar nicht, ob ich erst die ganze Film-Trilogie abwarten soll, bis ich es wieder lese – denn wenn ich den Text präsent habe, werden mich Veränderungen wohl eher stören.» Dass er sich dennoch so bald wie möglich die Luxusausgabe anschaffen wird, bleibt aber Ehrensache.

Das grosse Hobbit-Buch Kommentierte Ausgabe mit zahlreichen Bildern 418 Seiten CHF 44.90 Klett-Cotta

Der Hobbit FilmAusgabe 382 Seiten CHF 23.90 Klett-Cotta

Der Hobbit – Eine unerwartete Reise Die Geschichte in Fotos 48 Seiten CHF 14.90 Klett-Cotta

Der kleine Hobbit mit Illustrationen von Juliane Hehn-Kynast 333 Seiten CHF 12.90 dtv

Der Hobbit Comic 139 Seiten CHF 39.90 Carlsen

Erik Brühlmann

Wo John Irving drauf steht, ist auch John Irving drin. Daran ändert sich auch bei seinem dreizehnten Roman «In einer Person», nichts. Mit anderen Worten: Wer schon den einen oder anderen Irving-Roman gelesen hat – vielleicht «Gottes Werk und Teufels Beitrag» oder «Garp und wie er die Welt sah» –, wird so manches AhaErlebnis haben. Als typische Irving-Ingredienzien zu erwähnen wäre zum Beispiel das fiktive Städtchen First Sister, das der Autor in Vermont, New England, verortet; da wäre der Erzähler William «Billy» Abbott, ein Schriftsteller, dessen leiblicher Vater in frühester Kindheit verschwand; da wäre der Ringsport, der in der einen oder anderen Form immer wieder auftaucht; da wäre ein Auslandaufenthalt in Wien; und da wären – natürlich – unzählige Figuren, die von der sexuellen Norm abweichen. «Mich faszinieren sexuelle Aussenseiter nun mal besonders», verriet der 70-jährige Schriftsteller in einem Interview. «Ich mag diese Leute; sie ziehen mich an, und ich sorge mich um ihre Sicherheit – darum, wer sie hassen und ihnen Schaden zufügen könnte.»

Zwei Geschlechter in einem Doch John Irving wäre nicht John Irving, wenn er aus den bekannten Zutaten nicht ein üppiges, wohlschmeckendes Menü zaubern könnte. Die sexuelle Andersartigkeit ist diesmal sogar das Hauptthema des Romans – denn Billy Abbott ist bisexuell. Schon von frühester Kindheit an spürt er, dass er sowohl vom weiblichen als auch vom männlichen Geschlecht angezogen wird und ihn ein weiblicher BH stärker erregen kann als ein weiblicher Körper. Diese Veranlagung scheint bis zu einem gewissen Grad in der Familie, ja sogar im Städtchen First Sister zu liegen: Billys Grossvater übernimmt im örtlichen Laientheater mit Vorliebe und sehr überzeugend Frauenrollen, und die gestrenge, aber äusserst anziehende Bibliothekarin Miss Alberta Frost wurde eigentlich als Albert Frost geboren und war zu ihrer/seiner Zeit ein RingerStar. Miss Frost ist es denn auch, die Billy ins bisexuelle Leben einführt.

Alles nur ein (Schau-)Spiel «Die ganze Welt ist eine Bühne und alle Frauen und Männer blosse Spieler», heisst es in William Shakespeares «Wie es euch gefällt». Und in der Tat nimmt die Schauspielerei im Roman von Irving einen grossen Teil ein. Kein Zufall, sagt doch der Schriftsteller: «Mein frühestes Interesse am Geschichtenerzählen rührt vom Theater her.» Dies beginnt schon beim Originaltitel «In One Person», eine Anspielung auf Shakespeares «Richard II.», geht weiter über die Laienschauspieltruppe, der Billys Mutter, Grossvater, Stiefvater und noch viele Charaktere mehr angehören, und mündet in die Schauspielkunst, die ein Bisexueller an den Tag legen muss, um im prüden Amerika der 1950er- und 1960er-Jahre seinen Weg gehen zu können.

Zwischen Witz und Realität Die Spieler auf Irvings Bühne sind Charaktere, an die man sich gern erinnert. Schrullige, spiessige, schillernde Personen, die der Autor auf über 700 Seiten gewohnt detail- und facettenreich zeichnet, zuweilen auch überzeichnet. Denn «In einer Person» will weder ein Thesen- noch ein Aufklärungsroman sein, sondern ein Buch, das man gern liest und das trotzdem eine Haltung vertritt. Ein Buch, das auch stilistisch mit Extremen spielt. Die humorigunschuldige Art, wie Irving Billys wachsende Lust oder sein zündendes Erlebnis mit Miss Frost beschreibt, ist ebenso stilsicher platziert wie die schonungslose Brutalität, mit der die Krankheit AIDS dargestellt wird, die in den 1980er-Jahren viele von Billys Freunden, Bekannten und Ex-Liebhabern dahinrafft. «In einer Person» ist eine Tragikomödie im besten Wortsinn – und ein Roman, der seinen Schöpfer während der Recherche zuweilen viel Kraft gekostet hat: «Ich habe von 1981 bis 1986 in New York gelebt, war zu Beginn der AIDS-Krise da, habe junge und alte Freunde an die Seuche verloren. Bei manchen dieser Erinnerungen hätte ich mir gewünscht, sie nie wieder hervorkramen zu müssen.»

Dicht, dichter – Irving Extrem ist auch, wie John Irving die Wahrscheinlichkeit seinem Ziel, einen grossen Roman über die sexuelle und die gesellschaftliche Toleranz zu schreiben, zuweilen unterordnet. «Erstaunlich, wie viele männliche und weibliche Transsexuelle Billy in seiner Kleinstadt-Jugend gekannt hat!», moniert jemand zum Beispiel in einem Bücherforum. Und es stimmt. Dass so viele Menschen in Billys Umfeld beide Geschlechter auf die eine oder andere Weise in einer Person vereinen, ist in der Tat äusserst unwahrscheinlich. Doch ist es nicht auch ein Merkmal des Theaters, dass auf dem begrenzten Raum, den eine Bühne darstellt, alles verdichtet und konzentriert dargestellt werden muss, um die Aussage der Geschichte transportieren zu können? Hier zeigt sich wieder einmal Irvings Verbindung zum Theater, die ihn auch als Schriftsteller nie losgelassen hat: «Bevor ich alt genug war, die Romane von Dickens, Melville, Hawthorne und anderen schätzen zu lernen, habe ich Shakespeare- und Sophokles-Aufführungen gesehen; Stücke mit viel Handlung. Jahrhunderte bevor die ersten Romane geschrieben wurden, hat das Theater Geschichten erzählt.»

Ein sicherer Lesetipp In der englischsprachigen Welt erschien «In One Person» bereits zu Beginn des Jahres und begeisterte die Kritiker. «Grosse, unterhaltsame Lektüre» sei das, urteilte der englische «Telegraph», «schwer zu kategorisieren, aber leicht zu mögen» schrieb der «Independent» über den Roman. Auch im deutschen Sprachraum wird «In einer Person» mit Sicherheit viele zufriedene Leserinnen und Leser finden. Denn das Buch tut alles, um die alten Fans zu befriedigen, und ist gleichzeitig interessant genug, um neue Fans zu gewinnen – alles in einem Roman, sozusagen.

In einer Person 725 Seiten CHF 37.90 Diogenes


42 | ORELL FÜSSLI

Books Nr. 4/2012

ORELL FÜSSLI | 43

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Einkaufserlebnis 2.0

Leichter lesen Vom riesigen Angebot an eBooks zu profitieren, ist jetzt so einfach wie nie zuvor: Mit dem neuen eReader Bookeen Odyssey von Orell Füssli braucht es dafür nicht einmal mehr einen Computer.

Bestseller als eBook

Der Einkauf bei Orell Füssli ist immer ein Vergnügen – dank des eReading-Stores jetzt auch für jene, die eBooks bevorzugen.

Benjamin Gygax

Im eBook-Shop auf books.ch können über 400’000 Bücher entdeckt werden: Im Angebot finden sich 200’0000 deutsche, 105’000 englische, 90’000 französische und 10’000 italienische Titel. Darunter sind auch die aktuellen Bestseller: Shades of Grey – Befreite Lust: Band 3

man per Kreditkarte oder mit einer Prepaid-Karte von Orell Füssli, die in jeder Filiale zu haben ist. Natürlich können eBooks weiterhin auch über den USB-Anschluss vom Computer auf den eReader kopiert werden. Die Bookeen Odyssey sind in zwei verschiedenen Ausführungen erhältlich. Dazu gibt es als Handschmeichler eine Hülle aus Leder, Neopren und Filz in vielen stilvollen Farben.

Bookeen Odyssey Frontlight HD

E. L. James CHF 12.00 | 608 Seiten | PeP

Herzenstimmen Jan-Philipp Sendker CHF 19.20 | 352 Seiten | PeP

Winter der Welt Ken Follett CHF 27.60 | 1025 Seiten | Lübbe

Kundinnen und Kunden schätzen die Buchhandlungen von Orell Füssli, weil sie dort eine angenehme Atmosphäre zum Schmökern und eine kompetente Beratung vorfinden. Das macht das Bücherkaufen zum lustvollen Erlebnis. Ab sofort profitieren auch Kundinnen und Kunden mit einem eReader von diesen Annehmlichkeiten: Orell Füssli richtet im Kramhof in Zürich den ersten eReading-Store ein. Der speziell gestaltete Bereich für eBooks und eReading befindet

sich im Erdgeschoss gleich neben dem Eingang. Hier findet man: › Verkauf und Beratung › Alle eReader zum Testen › Prepaid-Karten und viele Accessoires für eReader › Unterstützung bei der Erstinstallation von Geräten › Gratis WiFi zum Herunterladen von eBooks › Service Help Desk

Die Kunst des klugen Handelns Rolf Dobelli CHF 14.40 | 248 Seiten | Hanser

Oder auf Englisch zum Beispiel: Casual Vacancy Joanne K. Rowling CHF 18.60 | 512 Seiten | Little Brown Book

Der Bildschirm in HD-Auflösung – der aktuell bestmöglichen auf dem Markt – ist auf Knopfdruck beleuchtet. CHF 165.–

»Dieses Buch ist ein Wunder. Zum Niederknien. Es sollte mich sehr erstaunen, wenn in diesem Herbst noch etwas Schöneres erscheint!«

Bookeen Odyssey 2013 Edition

Annemarie Stoltenberg, NDR Kultur

Marktüblicher Bildschirm ohne Beleuchtung. CHF 129.– Beide Bookeen-Versionen brillieren mit einem E-Ink-Bildschirm mit 16 Graustufen für ein gestochen scharfes Schriftbild in Papieroptik. Die eReader können mit Multi-Touch-Bildschirm bequem bedient werden. Speicher: 2 GB interner Speicher für rund 1000 eBooks. Der Speicher kann mittels Speicherkarte auf bis zu 32 GB für 32’000 eBooks erweitert werden. Stromversorgung: Eine Batterieladung hält für Wochen und reicht für 10’000-mal Seiten umblättern. Die Cybooks werden über einen Micro-USB-Anschluss an der Steckdose aufgeladen. Grösse und Gewicht: Die Cybooks messen rund 12 x 16 cm, sind knapp 1 cm dünn und wiegen nur 180 Gramm. Erhältlich in allen Filialen von Orell Füssli und auf www.books.ch.

»Selten hat ein Roman seinen Stoff souveräner geformt, zwischen Nähe und Distanz, Wissen und Geheimnis, Pathos und Lakonik. Die Betrachtung der Epoche weitet sich zum Blick auf die conditio humana.« Andreas Breitenstein, Neue Zürcher Zeitung

ISBN 978-3-86648-166-4

Computer ein Konto bei books.ch eröffnen und die heruntergeladenen eBooks vom Computer auf den eReader speichern. Keine Hexerei zwar, aber ein Umweg. Jetzt geht es aber noch einfacher: Orell Füssli bietet ab sofort seinen eigenen eReader Bookeen Odyssey an. Mit dem Gerät des französischen Herstellers Bookeen ist eine direkte Verbindung in den eBook-Shop möglich. Mit WiFi-Verbindung lässt sich das gewünschte eBook von überall her einfach auf den eReader laden. Bezahlen kann

ISBN 978-3-86648-179-4

eReader sind eine praktische Sache. Auf kleinstem Raum lassen sich Tausende von Büchern verstauen. Der Bildschirm liefert ein gestochen scharfes und kontrastreiches Schriftbild auch bei Sonnenlicht – und das Gerät muss nur alle paar Wochen an die Steckdose. Vorteile, die vor allem unterwegs im wahrsten Sinn des Wortes ins Gewicht fallen. Um den Komfort eines eReaders geniessen zu können, mussten die Kundinnen und Kunden von Orell Füssli bisher an ihrem

mare


44 | Kinderwelt

Books Nr. 4/2012

Kinderwelt | 45

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Da wird einem warm ums Herz ! © Thienemann

Skifahren, Schneeballschlachten, Fondue: Der Winter bietet Kindern und Jugendlichen besondere Erlebnisse. Viele von ihnen machen es sich in der kalten Jahreszeit auch gern mit einem Buch im warmen Bett oder vor dem Cheminee gemütlich – passenderweise mit einem Buch über den Winter. Nicole Stäuble, Buchhändlerin in der Filiale von Orell Füssli in Frauenfeld, zieht einige Neuerscheinungen zur Jahreszeit aus dem Regal. Marius Leutenegger

© Oetinger

Bild links: Und am Ende kommt der Winter eben doch noch – in «Kalt erwischt». Bild oben: Der treue Hund Tam muss sich in «Verloren in der Wildnis» durch eine gar nicht märchenhafte Winterlandschaft kämpfen.

Nicole Stäuble staunt: «Der Winter ist zwar eine lange Jahreszeit – aber Neuerscheinungen zum Thema gibt es viel seltener, als ich erwartet habe.» Die meisten Winterbücher thematisieren nämlich ausschliesslich Weihnachten. Doch es gibt natürlich auch noch einen Winter nach den Feiertagen; bei uns findet die kalte Jahreszeit sogar hauptsächlich im neuen Jahr statt. Grund genug also, die Augen offen zu halten für Bücher, die sich generell mit Schnee und Eis beschäftigen! «Das erste Buch, das ich vorstelle, passt eigentlich nur bedingt in unsere Rubrik, denn es handelt sich um ein Sachbuch. Aber ich möchte es trotzdem empfehlen, denn zum einen ist es wunderschön, zum anderen auch sehr nützlich. Die ‹Sinnes-

werkstatt WinterWunderzeit› bietet einem enorm viele Anregungen, was man mit Kindern im Winter unternehmen kann. Diese Schatzkiste in Buchform steckt voller Basteltipps, Spielen, Gedichten und spannenden Informationen zur kalten Jahreszeit. Ich selber mochte den Winter bislang eigentlich nicht so sehr, weil ich ihn kalt und farblos fand – aber das Buch hat mir gezeigt, dass diese Saison viele ganz besondere Reize hat. Die Sinneswerkstatt richtet sich an Eltern, Lehrerinnen, Lehrer oder Erziehende, die sich um Kinder im Vor- oder Grundschulalter kümmern. Mein Sohn ist zwar für viele der empfohlenen Aktivitäten noch zu klein, ich besorge mir dieses Buch aber trotzdem – denn als begeisterte Bastlerin kaufe ich Bastelbücher wie andere Leute Kochbücher.

Beginnen wir jetzt aber mit den Geschichten – und dabei mit einer für die Kleinsten: ‹Kalt erwischt – Ein Wintermärchen›. Dieses Buch finde ich von A bis Z lustig. Schon das Titelbild ist sehr amüsant, und mir gefällt auch der Vorsatztitel, wo einem detailliert gezeigt wird, wie man einen Schneemann baut. Die Geschichte: Ein Igelchen belauscht das Gespräch eines Försters, der sich am Telefon mit jemandem über das Ausbleiben des Winters unterhält. Das Igelchen versteht das irgendwie falsch, nämlich so, dass der Winter in diesem Jahr ganz ausfalle. Es erzählt allen Tieren, heuer gäbe es keinen Winter, und deshalb veranstalten die Tiere einen Flohmarkt, um ihre Wintersachen zu verkaufen. Einen Eishockey-Helm preisen sie als Bötchen an, einen Ofen als Taucheranzug, und der Bär verkauft sogar sein Winterfell. Kaum haben die Tiere ihr winterliches Sommerfest gestartet, beginnt es zu schneien. Alle fliehen jetzt in die Bärenhöhle, kuscheln sich aneinander – und freuen sich, dass der Winter doch noch gekommen ist. Das Buch hat mir so gut gefallen, weil es sehr fantasievoll ist; was die Tiere mit ihren Wintersachen alles anstellen wollen, wird einem in lustigen und schönen Zeichnungen näher gebracht. Man könnte die Geschichte immer weiterspinnen! Ich empfehle dieses Buch für Kinder ab vier Jahren. ‹Verloren in der Wildnis› eignet sich für Kinder, die bereits sehr gut lesen können – also für etwa Zehnjährige. Das Buch erzählt eine ganz tolle Tiergeschichte: Abby und ihr Hund Tam, ein Sheltie, werden durch einen Unfall irgendwo in der Landschaft getrennt. Nachdem Abby geheilt ist, macht sie sich

auf die Suche nach Tam. Sie will einfach nicht glauben, dass ihr Hund tot sein soll. Und tatsächlich kämpft sich Tam durch Schnee und Eis, denn inzwischen ist der Winter gekommen ... Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Tam und Abby erzählt. Bobbie Pyron gelingt dabei das Kunststück, bei den Tam-Teilen keinen Kitsch aufkommen zu lassen. Tam denkt nicht wie ein Mensch, sondern wird als Hund gezeigt, der sich zum Beispiel über den Geruch und das Gehör orientiert. Die spannende Geschichte ist sehr schön geschrieben. Trotzdem eignet sich dieses Buch wohl vor allem für Kinder, die eine Beziehung zu Tieren haben. Das nächste Buch, ‹Kälte›, richtet sich an ein breiteres Publikum – und kann wohl auch Kinder faszinieren, die nicht so gern lesen, denn die Geschichte ist extrem spannend und von Beginn weg äusserst rasant: Im Norden der USA wird ein schwerer Schneesturm angekündigt. Die Angestellten gehen nach Hause, und in der Schule wird der Unterricht abgebrochen. Alle Kinder fahren mit dem Schulbus nach Hause; nur sieben Buben und Mädchen bleiben zurück, um auf ihre Eltern zu warten. Doch der Schneesturm ist so extrem, dass niemand mehr zur Schule gelangen kann. Der letzte Erwachsene, ein Lehrer, verschwindet bei der Suche nach Hilfe. Erst geht es den Kindern gut, sie finden in der Mensa zu essen, es ist warm. Doch der Sturm wird immer schlimmer. Am Ende dauert er sieben Tage und Nächte. Das Essen geht zur Neige, Strom und Heizung fallen aus, die Wasserleitungen frieren ein. Und es wird

immer dunkler im Schulhaus, denn ganz allmählich wird das Gebäude völlig zugeschneit. Man kann sich kaum vorstellen, wie spannend das alles ist! Ich fand ‹Kälte› des New Yorkers Michael Northrop schlicht genial – das ist gut sättigendes Lesefutter für Buben und Mädchen ab etwa zwölf Jahren. Wer einmal zu lesen begonnen hat, kann jedenfalls nicht mehr aufhören damit. Das nächste Buch fand ich schon fast etwas krass – aber das will nicht so viel heissen, denn ich gelange recht schnell zu einer solchen Einschätzung: ‹Nach dem Schnee› von Sophie D. Crockett ist ein richtiger Thriller für Jugendliche ab 14 Jahren. Manchmal dachte ich: Hallo, das ist doch eigentlich ein Jugendbuch! Die Tendenz zu immer härteren Geschichten hat inzwischen eben auch den Jugendbuch-Bereich erreicht. Spannend ist die Geschichte aber auf jeden Fall. Sie spielt in der Zukunft. Eine neue Eiszeit ist ausgebrochen, und die Menschheit wird von ihrer Regierung unterdrückt. Eine Familie, die in der Wildnis lebt, wird von Regierungsleuten deportiert. Nur Willo bleibt unentdeckt. Der zähe Jugendliche versucht nun, sich allein in dieser lebensfeindlichen, beinkalten Welt durchzuschlagen. Die Menschen, denen er begegnet, sind fast alle todgefährlich, doch Willo hat einen eisernen Willen. Ich bin überzeugt, dass geübte Leseratten, die gern Abenteuerbücher verschlingen, an dieser Geschichte ihre helle Freude haben werden. Ich weiss jetzt schon, welchen jungen Kunden ich dieses Buch unbedingt empfehlen muss!»

Nicole Stäuble, 40, ist Buchhändlerin bei Orell Füssli in Frauenfeld; sie hat einen fast dreijährigen Sohn. «Ich machte bereits meine Lehre zur Buchhändlerin bei Orell Füssli», erzählt sie. Schon in der Lehre seien Kinder- und Jugendbücher für sie das Grösste gewesen, denn «dieser Bereich ist so vielseitig – und fast so etwas wie eine Buchhandlung in der Buchhandlung!» Ausserdem könne man die Kundinnen und Kunden, die Kinderbücher suchten, richtig beraten: «Die meisten Leute sind dankbar für Empfehlungen, weil sie sich mit den Neuerscheinungen nicht so gut auskennen.»

Sinneswerkstatt WinterWunderzeit Regine Bestle-Körfer, Annemarie Stollenwerk 124 Seiten CHF 28.90 Ökotopia

Kalt erwischt – Ein Wintermärchen Anja Fröhlich, Gergely Kiss 32 Seiten CHF 19.90 Oetinger

Verloren in der Wildnis Bobbie Pyron 331 Seiten CHF 19.90 Thienemann

Kälte Michael Northrop 251 Seiten CHF 11.90 Loewe

Nach dem Schnee Sophie D. Crockett 302 Seiten CHF 23.90 dtv


46 | WETTBEWERB

Books Nr. 4/2012

DVD | 47

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Das Literatur-Kreuzworträtsel Unter den richtigen Lösungen verlosen wir Bücher-Gutscheine: 1. Preis: CHF 200.–, 2. Preis: CHF 100.–, 3. Preis: CHF 50.–, 4. bis 10. Preis: je CHF 20.–.

Abenteuer

Liebesfilm/Drama

Hör-CD

Lieder-CD & DVD

Krieg der Knöpfe

Café

Nikki das Eichhörnchen

Papagallo & Gollo – Party, Dance & Rock ’n’ Roll

Schon immer waren sich die Kinder der Nachbardörfer Longueverne und Velrans spinnefeind. Doch die Beschimpfung als «Weicheier» durch die Velraner können sich die Longueverner nicht gefallen lassen – das bedeutet Krieg! Der Anführer der Longueverner, Lebrac, ersinnt eine Kriegslist: Den Gefangenen werden alle Knöpfe ihrer Kleidung abgeschnitten. Besiegt und gedemütigt ist ihnen der Ärger zu Hause sicher. Doch dann zieht der wahre Krieg 1944 ins Land ...

Todd und Claire ( Jennifer Love Hewitt) arbeiten in einem kleinen Café in West Philadelphia. Er ist ein idealistischer Mann – und in Claire verliebt. Sie steckt mitten in einer Beziehung, die nicht gut für sie ist. Beide sind der Fokus einer kleinen Welt, zu der auch ein Drogendealer, ein Autor und der gealterte Nerd Craig gehören. Als sich eine Tragödie abspielt, wird ihnen klar, wie sehr ihre Leben miteinander verbunden sind.

Die Kinder von Frau Meier sind ganz aus dem Häuschen: Heute ist der 6. Dezember! Endlich kommen Samichlaus und Schmutzli im Kindergarten vorbei. Voller Stolz erzählt Schmutzli, wie er am Vorabend mit Nikki gebacken und den Sack bis zum Rand mit Grittibänzen, Guetzli und Schokolade gefüllt hat. Doch der Sack, der vor den Kindern liegt, ist leer! Während die Kinder Samichlaus und Schmutzli ihr Lied vorsingen und ihre Gedichte aufsagen, hat Nikki Zeit, die Sache in Ordnung zu bringen.

Die beiden Abenteurer Papagallo & Gollo sind für ihre erlebnisreichen Reisen und die tollen Geschichten, die sie den Kindern erzählen, überall bekannt. Mittlerweile weiss man auch gut, dass die beiden lebensfrohen Weltenbummler immer wieder für ganz besondere Überraschungen gut sind. So soll es auch diesmal sein, denn anstatt ein neues Land zu bereisen, haben sich Papagallo & Gollo in den Übungskeller verkrochen – und eine Band gegründet!

CHF 21.90

CHF 19.90

CHF 26.90

CHF 28.90

Ab 6 Jahren

Ab 12 Jahren

Phonag

TBA

EAN 7619965023387

EAN 4250128409209

ISBN 978-3-905884-09-8

ISBN 7619965802722

Lösungswort: Vorname / Name Adresse Bis am 9. Februar 2013 in einer der Orell-Füssli-Filialen in Zürich, Basel, Bern, Winterthur, Frauenfeld, am Flughafen Zürich oder bei Rösslitor Bücher in St. Gallen abgeben – oder per E-Mail an: books@books.ch. Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt.

PLZ / Ort E-Mail


VERANSTALTUNGEN | 49

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November

Dezember

12. - 17.

1.

Veranstaltungen von Orell Füssli Filiale Kramhof, Zürich

14-16 h

Theo zu Besuch in der Kinderwelt

Filiale Frauenfeld

«Rondell-Woche» mit Spezialprogramm

10 Jahre Orell Füssli am Bellevue 21. November bis 1. Dezember

Festprogramm, Glücksrad und Wettbewerb in der Filiale am Bellevue, Zürich 21. November, 20.30 h

17. 100% New York Box

100% Paris Box

100% London Box

17.

14-16 h

Theo zu Besuch in der Kinderwelt Kaufleuten, Pelikanplatz, 8001 Zürich

19 h

«Atlas eines ängstlichen Mannes» Lesung von Christoph Ransmayr, veranstaltet mit der Filiale Kramhof. Moderation: Martin Ebel

20. Filiale Kramhof, Zürich

20 h

Krimiabend mit Nele Neuhaus und Michael Theurillat. Moderation: Christian Schmid

2.

Filiale Kramhof, Zürich

14-17 h

1. Advent mit Globi und der schönen Glitzerfee in der Kinderwelt

22. November

Nightshopping 23. November, bis 22 h

Geburtstagskuchen für alle 24. November und 1. Dezember

4. 100% Barcelona Box

Filiale am Bellevue, Zürich

20.30 h

«Der Schweizer Knigge. Was heute gilt»

100% Berlin Box

Glücksrad 28. November, 14-17 h

Backen für Kinder mit Globi

Buchvernissage mit Christoph Stokar Moderation: Reto Lipp

© Elisabeth Stimming

100% Venedig Box

Filiale Kramhof, Zürich

5.

Filiale Westside, Bern

15 h

Roland Zoss stellt sein Xenegugeli Gold vor

In der Filiale Frauenfeld um 10.30 Uhr an folgenden Samstagen:

Ulrich Tilgner Der SF-Korrespondent Ulrich Tilgner präsentiert sein neues Buch «Die Logik der Waffen»

24. Filiale Winterthur

8.

Filiale Rosenberg, Winterthur

14-17 h

Der Samichlaus kommt, freut sich über vorgetragene Versli und verteilt Leckereien

24. November 2012 26. Januar 2013 23. Februar 2013

15-16 h

Märchenhaft Nelli Schmid und John Odermatt erzählen Winter- und Weihnachtsmärchen

14-17 h

Wendolina zaubert in der Kinderwelt Ballon-Kunstwerke

28. Filiale Frauenfeld

Filiale Kramhof, Zürich

11-16 h

Vorstellung der Übersetzungsgeräte «Franklin»

24. Filiale Kramhof, Zürich

6.

Märlistunde

15.

Filiale Kramhof, Zürich

14-16 h

Theo zu Besuch in der Kinderwelt

19 h

«Lesen für Leser»

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Mehr Veranstaltungen und Informationen finden Sie auf www.books.ch


50 | Kolumne

Books Nr. 4/2012

UNSERE BUCHHANDLUNGEN ZÜ R I CH KRAMHOF Füsslistrasse 4, 8001 Zürich MO – FR: 09.00 – 20.00 | SA: 09.00 –18.00 AM BELLEVUE Theaterstrasse 8, 8001 Zürich MO – FR: 09.00 – 20.00 | SA: 09.00 – 18.00

«Erfinder» eine Wechselbeziehung besteht, wenn ihre fiktive Biographie aus Erfahrungen des Autors gespeist wird. Meine Protagonisten sind somit Figuren, die sich gewissermassen immer in Reichweite meiner eigenen Erfahrungswelt befinden.

Der sprichwörtliche Einfall ist kein Zufall. Es fällt mir nur dann etwas ein, wenn ich zuvor versucht habe, Erlebnis-Ablagerungen im Gehirn aufzubrechen, diese verschlüsselten Bilder, die mich besetzen – in der Seele oder wo auch immer sie sich versteckt halten –, zum Leben zu erwecken. Das bedeutet Arbeit: Vieles, was sich scheinbar so offensichtlich als Stoffsegment anbietet, verwerfe ich wieder. Es bleibt Anekdote, weiter nichts. Die sprichwörtliche dichterische Eingebung, die einem vielleicht auf dem Spaziergang im Wald zuteil wird, um Goethes Nähe zu bemühen (wenn wir so vor uns hingehen und nichts zu denken im Sinn haben), diese Eingebung erreicht uns also nur scheinbar zufällig – ein vermeintlicher Geistesblitz. Letztlich aber ist dieser Einfall das Resultat immer neuer Versuche, aus dem Erinnerungsangebot von ungeordneten Bildern, rumorenden Gedanken und Irritationen einen Stoff zu formen, ihn literarisch in den Griff zu bekommen. Dieser Einfall ist somit das Resultat zahlreicher Prozesse, abwechslungsweise begleitet von Phasen der Euphorie und Resignation.

Die Frage, warum ich vorwiegend Agentenromane geschrieben habe, hat mich immer wieder eingeholt. Was hat ein Geheimagent mit meiner Biografie zu tun? Als ich in meinem zweiten Roman den Antiquar und Agenten in Diensten des Deutschen Bundesnachrichtendienstes BND, Konrad Sembritzki, zu meinem Protagonisten machte, war mir noch nicht bewusst, was mich an dieser Figur so faszinierte. Mittlerweile bin ich mir auf die Sprünge gekommen: Der Geheimagent ist der Prototyp des être humain schlechthin. Die Verstellung ist Teil seines Daseins, ist gewissermassen sein Überlebenskonzept. Und so gesehen haben Schriftsteller und Spion sehr vieles gemeinsam. Beide richten sich in fremden Biografien ein, gehen durch viele Identitäten hindurch – im Bestreben, endlich bei sich selbst anzukommen. Doch ist eine solche Deckungsgleichheit von Autor und Figur überhaupt erstrebenswert?

Ich mache mich auf, die innere Landschaft, in der ich einen Fixpunkt ausgemacht habe, zu erforschen. Ich messe sie aus, um ihre Dimensionen zu erahnen, ich fixiere einen vorläufigen Horizont, um meine eigenen Grenzen in diesem Angebot festzulegen. Ich schaffe eine kleine überschaubare Welt, in der sich mein Protagonist, der immer mehr Kontur annimmt, bewegen wird. Ich navigiere mit meinem alter ego an Bord durch das von mir geschaffene Universum, auf der Suche nach anderen Suchenden aus meinem Fundus, die sich in dieser vorgegebenen Welt einrichten wollen. Alter ego? Eine Romanfigur wird ja erst dann lebendig, wenn zwischen ihr und ihrem

Beim Geheimagenten bedeutet dies, dass er seine letzte Maske fallen lässt. Damit ist er als Spion erledigt, nicht mehr einsetzbar. Beim Autor würde dies bedeuten, dass er nun seine Stoffe nicht mehr in den fiktiven Bereich transferieren kann – ihm bleibt nur noch das Tagebuch als Forum. Doch wenn er künftig so schreibt «wie es ist und wie ihm ist», geht die Distanz zwischen dem schreibenden und dem beschriebenen Ich verloren – und damit auch das Moment der Spannung. In meinem neuen Roman «Noahs Erben» habe ich versucht, diese schizophrene Veranlagung des kreativen Menschen literarisch umzusetzen: Ich habe einen Kunstmaler, einen professionellen Porträtisten zum Protagonisten gewählt, einen, der imstande ist seine Rolle zu wechseln, der sein Handwerk so beherrscht, dass er in die

THE BOOKSHOP Bahnhofstrasse 70, 8001 Zürich MO – FR: 09.00 – 20.00 | SA: 09.00 – 18.00

Rolle bestandener Künstler schlüpfen und seine Modelle je nach Bedarf darstellen kann. Er richtet sich in fremden Biografien ein, probiert sie aus, um sich selbst auf die Sprünge zu kommen, und er wird dabei immer wieder von Erinnerungsbildern aus seinem eigenen früheren Leben eingeholt.

FLUGHAFEN Airport Center, 8060 Zürich-Flughafen MO – SO: 08.00 – 21.00 ZÜRICH HAUPTBAHNHOF Shopville, Halle Landesmuseum, 8001 Zürich MO – FR: 07.00 – 21.00 | SA : 08.00 – 21.00 SO: 09.00 – 20.00 BAHNHOF STADELHOFEN Stadelhoferstrasse 8, 8001 Zürich MO – FR: 08.00 – 20.00 | SA: 09.00 – 19.00 SO: 10.00 – 18.00 ORELL FÜSSLI IM FRANZ CARL WEBER Bahnhofstrasse 62, 8001 Zürich MO – MI: 09.00 –18.30 | DO / FR: 09.00 – 20.00 SA: 09.00 –18.00

W I N T E RT HU R Foto: Suzann-Viola Renninger

Schweizer Autorinnen und Autoren erzählen in «Books», wie sie schreiben. Heute: Peter Zeindler

Peter Zeindler

MARKTGASSE Marktgasse 3, 8400 Winterthur MO – MI / FR: 09.00 –18.30 | DO: 09.00 – 21.00 SA: 09.00 –17.00 ROSENBERG Einkaufszentrum Rosenberg Schaffhauserstrasse 152 8400 Winterthur MO – FR: 08.30 – 20.00 | SA: 08.00 –18.00

Peter Zeindler, 1934 in Zürich geboren, ist einer der bekanntesten Krimiautoren der Schweiz. In diesem Herbst ist sein neuer Roman erschienen:

7MIO. ARTIKEL JETZT ONLINE VERFÜGBAR

Noahs Erben 275 Seiten CHF 37.90 Reinhardt

S T. G A L L E N RÖSSLITOR BÜCHER Multergasse 1– 3, 9001 St.Gallen MO – MI / FR: 09.00 –18.30 | DO: 09.00 – 21.00 SA: 09.00 – 17.00 BAHNHOF ST.GALLEN Poststrasse 28, 9000 St.Gallen MO – FR: 08.00 – 21.00 | SA / SO : 10.00 – 20.00

F R AU E N F E L D PASSAGE Einkaufszentrum Passage Bahnhofstrasse 70 / 72, 8500 Frauenfeld MO – DO: 08.00 –19.00 | FR: 08.00 – 20.00 SA: 08.00 –17.00

BE R N WESTSIDE Einkaufszentrum Westside Gilberte-de-Courgenay-Platz 4, 3027 Bern MO – DO: 09.00 – 20.00 | FR: 09.00 – 22.00 SA: 08.00 –17.00

BA S E L BAHNHOF SBB Passerelle, Güterstrasse 115, 4053 Basel MO – FR: 07.00 – 21.00 | SA : 08.00 – 21.00 SO: 09.00 – 20.00

K U N D E N S E RVI CE CE NT E R Telefon: 0848 849 848 Fax: 044 455 56 20 E-Mail: orders@books.ch Orell Füssli Buchhandlungs AG Kundenservicecenter Dietzingerstrasse 3, Postfach 8036 Zürich


Lappland.

Winterwunderland.

Blockhausferien in Finnisch Lappland Verbringen Sie unvergessliche Ferientage im gemütlichen Blockhaus und erkunden Sie das Winterwunderland auf den Kufen eines Hunde- und Motorschlittens. Als Leser/in von Books erhalten Sie für Ihre Ferien im hohen Norden exklusiv einen Roman des finnischen Kultautors Arto Paasilinna.

8 Tage ab CHF 1435 pro Person, im Blockhaus bei 2 Personen, z. B. Abflug 19.1.2013 Inbegriffen: Direktflug Zürich – Kittilä retour mit Hello in Economy-Class inkl. Flughafen- und Sicherheitstaxen (Stand Sept. 2012), Transfer Flughafen Kittilä – Äkäslompolo und zurück, 7 Übernachtungen im Blockhaus mit Dusche, WC und Sauna, Huskysafari, Motorschlittensafari, Roman von Arto Paasilinna. Reisedaten: jeweils samstags vom 22.12.2012 – 2.3.2013. SF/J/KTT/RTP024

Kontaktieren Sie den Skandinavien-Spezialisten. Telefon 058 569 95 03 Falcontravel Sägereistrasse 20 8152 Glattbrugg info.falcontravel@travelhouse.ch www.travelhouse.ch


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