DREI KLANG


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EDITORIAL

»Anfangs konnten wir uns hier gar nicht finden. Die wunderschöne Gegend fällt hier ganz weg, denn Leipzig ist flach. Die Sachsen aber, die Sachsen sind sehr, sehr artige, höfliche Leute.« So schrieb Rosina Regina Lortzing an ihre Schwester, kurz nach dem Umzug von Detmold nach Leipzig. Ein etwas verhaltener Beginn möchte man meinen. Und doch blieb die Familie Lortzing zwölf Jahre. Leipzig muss seinen Zauber entfaltet haben, denn hier schrieb Albert acht seiner dreizehn Opern.
Doch was hat uns Lortzing heute noch zu sagen? Was verbindet seine Spielopern, sein Verständnis von Theater und Politik mit unserer Gegenwart? Genau das wollen wir in dieser Ausgabe herausfinden und laden Sie ein, gemeinsam mit uns neugierig, offen, aber auch kritisch auf das Werk unseres einstigen Kollegen zu schauen.
Das 19. Jahrhundert war zerrissen. Es bewegte sich zwischen dem gebügelten Biedermeier-Wohnzimmer und der lautstarken Barrikade des Vormärz. Zwei entgegengesetzte Haltungen als Reaktionen auf gesellschaftliche und politische Unsicherheit. Und heute? Demokratien stehen weltweit unter Druck. Autokraten sind wieder auf dem Vormarsch. Errungenschaften wie Pressefreiheit oder Rechtsstaatlichkeit werden unterwandert. Debatten werden lauter, schroffer, populistischer. Die Welt ist zu komplex, zu laut, zu widersprüchlich geworden. Irgendwann kippt Information in Lähmung. Man versteht die Zusammenhänge nicht mehr, fühlt sich machtlos. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Erschöpfung erfolgt erneut der Rückzug ins Private. Gleichzeitig befeuern Social-Media-Algorithmen den Eskapismus mit Wellness, Nostalgie oder beruhigenden Illusionen, dass die eigene kleine Welt doch in Ordnung ist. Das Ergebnis ist dasselbe wie damals: selektives Wegsehen.
Lortzing hat diese widersprüchlichen Gefühle gekannt und hat sie in seinen Werken verarbeitet. Reichen wir ihm die Hand und lassen wir uns mitnehmen in eine längst vergangene Welt, die gerade wieder leise an unsere Tür klopft.
Ihre Marlene Hahn Chefdramaturgin
ZWISCHENSTOPP
WO WIR FÜR DIESE AUSGABE WAREN

In den Theaterwerkstätten der Oper Leipzig

Auf den Barrikaden (für die Lortzing-Ausstellung im Garderobenfoyer!)

ABGESPEICHERT
BRETZEL-WALZER
Albert Lortzing komponierte 1838 in Leipzig den skurrilen »Warme-weeche-Bretzel-Walzer« – ein Orchesterstück, in dem der Straßenruf der Leipziger Brezelverkäuferinnen musikalisch aufscheint.

A photograph of a woman’s shoes in historical Biedermeier dress. She is wearing a long, green, historical Biedermeier dress and white lace stockings. She gathers her long skirt with her hands to reveal her shoes, which are modern black Doc Martens with pink laces. This creates a fashion clash of styles from different eras. The photo is taken from a frontal view against a yellow background. bright yellow colors in the background, high resolution photography, --ar 3:4


06
Weder Biedermeier noch
Kleinmeister: das Missverständnis Albert
Lortzing
ESSAY VON INTENDANT TOBIAS WOLFF

26 Freiheitsträumer und Freiheitskämpfer
ALBERT LORTZING UND ROBERT BLU m I m LEIPZIGER VOR m ÄRZ
12
Work-LifeBiedermeier
BILDSTREC k E


LORTZING UND DIE REVOLUTION UND FRAUENBEWEGUNG U m 1848
36
»Wir brauchen viele Reginas in unserer Welt!«
INTERVIEW m IT SOPRANISTIN JACQUELYN WAGNER
42 »Der Waffenschmied« und die Kunst der doppelbödigen Spieloper
GEDAN k EN ZUR NEUPRODU k TION VON REGISSEURIN SONJA TREBES





SCHON MAL WAS VON LORTZING GEHÖRT?




WAS VERBINDEST DU MIT ALBERT LORTZING?





HAST DU ZWISCHEN
DEM 24.4. UND
DEM 3.5.26 WAS VOR?


TEXT: TOBIAS WOLFF
Er wollte dazugehören. Sein ganzes Leben lang ringt Albert Lortzing um Anerkennung. Darum, Teil einer Gesellschaft zu sein. Und auch wenn sie manchmal komisch daherkommen: Die Figuren in seinen Opern erzählen dieselbe Geschichte. Da kämpfen Frauen um Gleichberechtigung. Aristokraten wollen als Menschen und nicht als Privilegienträger geliebt werden. Deserteure suchen ihren Weg zurück in die Gesellschaft.
Wir reden heute viel von durchlässiger Gesellschaft und Aufstiegschancen. Schon im 19. Jahrhundert war das ein großes Thema. Richard Wagner hat seine kleinbürgerliche Herkunft mit einer Menge Pathos vernebelt. Felix Mendelssohn Bartholdys Vater war vom Judentum zum Christentum konvertiert – wohl um seiner Familie Aufstiegschancen zu ermöglichen, die Juden verwehrt waren.
Der Theatersekretär Robert Blum suchte Zugehörigkeit über politische Ämter und Aktivitäten. Albert Lortzing war überall dort, wo Gesellschaft stattfand: im »Tunnel über der Pleiße«, in Freimaurerlogen, bei Fundraising-Aktionen für das Schillerhäuschen. Er hat sich solche Mühe gegeben, dazuzugehören.
Bis heute wird ihm das verwehrt. Selbst in der Vorbereitung auf das Festival »Lortzing 26« schlugen mir Spott und Häme entgegen – so ein Lortzing habe eben nicht das Standing eines Richard Wagner oder Felix Mendelssohn Bartholdy, vom heiligen Bach ganz zu schweigen. Nein, ein Lortzing wird als minderwertig verfemt und fast als Schaden für die Musikstadt Leipzig betrachtet.
Warum wird Lortzing geringgeschätzt? Vielleicht ist das schlechte Gewissen von damals bis in unsere Zeit durchgedrungen? Denn man hat ihn nicht gut behandelt. Zuerst wurde er beim Intendantenwechsel kalt abserviert und dann als Kapellmeister erst eingestellt, um in einem legendären Intrigantenstadel wieder abgesetzt zu werden.
Er starb in Armut. Zu seiner Beerdigung in Berlin gab es ein großes Aufgebot –bedeutende Persönlichkeiten säumten den Zug, u. a. der Generalmusikdirektor der Berliner Oper Giacomo Meyerbeer. Lortzings Sarg wurde von den Theaterkollegen in den Farben Schwarz-RotGold ausgekleidet – in Erinnerung an die gescheiterte Revolution 1848/1849. Die Stadt Berlin hat ihm ein Ehrengrab gesetzt. Das Denkmal dazu hat nicht die Stadt Leipzig, haben nicht die Bürger

PROGRA mm ZETTEL EINES k ONZERTS »zum Besten der Hinterlassenen Albert Lortzings«, 1851 (Original: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig / SLUB Dresden)
oder die ehemaligen Kollegen des Stadttheaters gestiftet, sondern Mitglieder des Herzoglichen Hoftheaters in Braunschweig.
In Leipzig setzten Gewandhauskapellmeister Julius Rietz und Konzertmeister Ferdinand David am 3. Februar 1851 ein Benefizkonzert für die Hinterbliebenen an. Unter ihnen auch die Sängerin und Salonnière Livia Frege. Doch danach wurde Lortzings Geschichte unter den Teppich gekehrt, obwohl seine Werke landauf, landab die Spielpläne und Säle aller deutschsprachigen Häuser füllten. Eine kleine Schautafel in der Funkenburgstraße und eine unauffällige Stichstraße hinter dem Goerdelerring tragen seinen Namen – immerhin. Hier und da ein wissenschaftlicher Vortrag. 2019 dann –aufgrund einer Initiative aus der Bevölkerung – ein Stadtratsbeschluss, wenn auch etwas halbgar:
»Der 225. Geburtstag und der 175. Todestag des Komponisten Albert Lortzing werden im Jahr 2026 – aufgrund der Themenstrategie der Stadt Leipzig sowie weiterer anstehender Jahrestage – einen
Schwerpunkt neben verschiedenen weiteren Schwerpunkten darstellen. Von einem singulären ›Albert-Lortzing-Festjahr 2026 in Leipzig‹ sieht die Stadt Leipzig ab.« Überzeugt klingt anders.
Wer ist aber überhaupt dieser Albert Lortzing?
Ein Theaterkind, auf der Bühne groß geworden. Ein Kollege von uns – er war Angestellter des Städtischen Theaters. Schauspieler, Sänger, Komponist, Dirigent und gelegentlich auch Regisseur. Ein Theaterpraktiker, der wusste, wie Theater funktioniert, und der Theater für das Publikum machte.
Über 100 Jahre lang war er im deutschsprachigen Raum nach Mozart und Verdi der meistgespielte Komponist. Überall standen seine Werke auf den Spielplänen. Seine Ohrwürmer spickten bis zum Ende des 20. Jahrhunderts Wunschkonzerte und Radioprogramme. Generationen konnten spontan seine eingängigen Melodien mitsummen.
Wenn es damals schon das heutige Urheberrecht gegeben hätte, wäre Lortzing als
Millionär gestorben. Doch Geld mit seinen Kompositionen hat er nur einmalig durch den Verkauf seiner Partituren verdient – egal, wie viele hundert Vorstellungen mit diesem Material gespielt wurden.
In Leipzig hat der Wandervogel einen Lebensmittelpunkt gefunden. Hier hat er seine wichtigsten Werke komponiert und uraufgeführt. Hier hat er sich eingebracht, am gesellschaftlichen Leben teilgenommen, mit Geselligkeit, Witz und Intelligenz die Stadtgesellschaft erobert. Ohne ihn gäbe es das Schillerhäuschen nicht. Er hat Musik für Benefizkonzerte geschrieben und gehörte gemeinsam mit Robert Blum zu den aktiven Kräften für Demokratie und Veränderung. Er wollte dazugehören.
Und der Künstler? Albert Lortzing ist der Meister der deutschsprachigen Spieloper. Er schrieb seine eigenen Texte – und diese Texte sind gut. Witzig. Mit saftigen Charakteren. Keine Götter oder mythischen Figuren. Nein: Bürger, Adelige, skurrile Typen aus dem echten Leben. Und seine Pointen sitzen. Lortzing wählt die Leichtigkeit als bewusste Entscheidung. Verständlichkeit ist seine Stärke. Er liebt Humor, Timing, Präzision. Deswegen ist seine Musik so eingängig. Und deswegen werfen ihm jene, denen Leichtigkeit so schwerfällt, gern Oberflächlichkeit vor oder eben »Biedermeierlichkeit«.
Bevor wir allzu schnell in das abschätzige »Ach, Biedermeier«-Seufzen einstimmen, lohnt sich ein Blick in die Geschichte. Denn diese Biedermeier waren nicht aus Lust spießig, oberflächlich oder nichtssagend, sondern aus Zwang. Die Zensur war streng und drohte mit harten
Keine Götter oder mythischen Figuren. Nein: Bürger, Adelige, skurrile Typen aus dem echten Leben.








Strafen. Man durfte also gar nicht alles schreiben und sagen. Und heute, wo das Unsagbare und das Unsägliche permanent laut ausgesprochen werden, haben wir das Gespür für Zwischentöne und versteckte Botschaften verloren und finden manche Texte aus dem Biedermeier schlicht langweilig. Weil wir nicht genau hinhören. Und weil es schwer ist, sich in das Publikum von damals hineinzuversetzen. Wenn die Barrikaden brennen, Existenzen ganzer Familien auf dem Spiel stehen und einem in den Revolutionswirren die Kugeln um die Ohren fliegen. Wenn napoleonische Eroberungen zeigen, wie fragil und wehrlos das zersplitterte Deutschland ist. Wenn Zentren des Glaubens geschleift, geplündert und säkularisiert werden. Wenn Grenzen verschoben werden und die Aristokratie nach dem Wiener Kongress mit aller Härte zurückschlägt und versucht, Ideen von Demokratie und Republik im Keim zu ersticken. In diesem Kontext: War es nicht völlig nachvollziehbar, dass man als Bürger ins Theater ging, um Erleichterung zu suchen? Ausgleich. Auch einmal etwas zu lachen zu haben?
Er liebte seine Familie, seine Frau Rosina Regina und seine elf Kinder.
Die politischen Ideen sind trotzdem da: Gleichberechtigung. Freiheit. Meinungsfreiheit. Gleichheit. Brüderlichkeit.
Das Missverständnis der Biedermeierlichkeit ist der eine Grund. Die Aufführungspraxis der andere, warum Lortzing heute von der Bildfläche verschwunden ist. Die Internationalisierung des Opernbetriebs ist in vielerlei Hinsicht ein großes Geschenk – sie garantiert Vielfalt, Qualität und Völkerverständigung. Für das Genre der deutschen Spieloper aber ist sie fatal. Denn wo Nichtmuttersprachler durch seitenweise Dialoge gezwungen werden, geht die Leichtigkeit verloren, der Witz – also alles, was Lortzings Stärken ausmacht.
Und auch musikalisch fällt es uns heute schwer. Alte-Musik-Spezialisten auf der einen Seite, schwere Wagner-Stimmen auf der anderen: Lortzing sitzt genau in der Mitte. Man braucht mozarthafte Leichtigkeit und muss sich doch gegen ein romantisch-üppig-orchestriertes Orchester durchsetzen. Das wird in der Kombination heute nicht mehr landläufig trainiert. Der zu meinem großen Bedauern abgeschaffte Lortzing-Wettbewerb der Hochschule für Musik »Felix Mendelssohn Bartholdy« hat das exemplarisch gezeigt: Meist waren die Darbietungen der Lortzing-Arien die schwächste Leistung einer Runde. Für das, was heute trainiert

Heute, wo scheinbar Krise auf Krise folgt, gewinnt das Leichte, die mit Humor verpackte Gesellschaftskritik, wieder an Bedeutung. Vielleicht können wir Lortzing heute wieder besser verstehen.
Und dabei war er ja nicht unpolitisch. Aber anders als Robert Blum, der Haus und Hof, Leib und Leben der Revolution opferte und alles aufs Spiel setzte, hat Lortzing seine Prioritäten anders gesetzt.
wird, ist die Musik Lortzings einfach richtig schwer.
Das Verschwinden Lortzings aus den Spielplänen ist also nicht der Qualität seiner Musik und seiner Texte geschuldet.
Aber wollen wir das trotzdem einfach hinnehmen?
Ich glaube fest daran, dass Lortzing uns noch etwas zu sagen hat. Jetzt, wo wir in Barock und Klassik auch deutlich drittklassigere Kleinmeister bejubeln, kann doch endlich auch ein Großmeister der Spieloper wieder zum Leben erweckt werden. Denn wir können in ernsten Zeiten wie diesen seine Leichtigkeit und gleichzeitig seine Subversivität gut gebrauchen.
Dieses Festival »Lortzing 26« will Albert Lortzing kein Denkmal setzen. Es will kein Festspielhaus bauen und keine Gedenkstätte errichten. Dieses Festival und die Menschen, die es mit Begeisterung tragen, wollen nicht mehr und nicht weniger, als ihm eine kleine Tür zu öffnen und Albert Lortzing einen Platz am Tisch einzuräumen. Er hat ihn verdient. Denn er ist einer von uns.

Tobias Wolff studierte Musikwissenschaft in Cambridge sowie Viola an der Folkwang Universität Essen und der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf. Nach Stationen an der Deutschen Oper am Rhein und als Geschäftsführender Intendant der Internationalen HändelFestspiele Göttingen übernahm er 2022 die Intendanz der Oper Leipzig, die er konsequent auf Nachhaltigkeit und neue Formate ausrichtet. 2026 verantwortet er das Festival »Lortzing 26«.


Diese Fotostrecke widmet sich den verschiedenen Facetten des alten und neuen Biedermeier. Es geht dabei um Rückzug ins Private, Eskapismus und Sehnsucht nach Gemütlichkeit in unsicheren Zeiten des 18. Jahrhunderts, erkundet die Forderungen des Vormärz nach Demokratie, Gleichberechtigung, Frauenrechten und Pressefreiheit und führt schließlich zum »Neo-Biedermeier«, der womöglich aktuell als Reaktion auf Krisen, wie Pandemien, Kriege oder wirtschaftliche Unsicherheiten als hygge Exit-Strategie entsteht.















Albert Lortzing und Robert Blum im Leipziger Vormärz

TEXT:
»Lortzing, hierbleiben!« wird nach Lortzings Kündigung 1844 im Theater skandiert, wann immer er oder eines seiner Werke auf der Bühne sind. Wir begeben uns also in eine Zeit, die schon von Abschied geprägt ist: Lortzing verabschiedete sich nach Wien, die Gesellschaft verabschiedete sich allmählich aus ihrer Unmündigkeit. Mitte der 1840er Jahre herrschte ein Spannungsverhältnis von staatlicher Repression und den aufkeimenden Wünschen nach Veränderung und Freiheit, ob dies die ersehnte Pressefreiheit oder die Freiheit der Kunst war. Diese war im Theater nicht nur von restaurativen Obrigkeiten und von Zensur bedroht – die Notwendigkeit, Gewinn zu machen, beeinträchtigte ebenfalls den freien Ausdruck. Das Theater war nicht mehr vom Patronat, nun aber vom Profit abhängig; so auch Ringelhardts Leipziger Theatertruppe, zu der Lortzing gehörte. Dieser hatte sich in den Leipziger Jahren vom Buffo-Darsteller zum Kapellmeister und renommierten Komponisten entwickelt; dies war aber an seinem offiziellen beruflichen Werdegang kaum abzulesen: Nur ein Jahr war er in seiner Wunschposition als Kapellmeister am Alten Theater in Leipzig engagiert, bevor er »aus gesundheitlichen Gründen« entlassen wurde. Wir wissen, dass es um Lortzings Gesundheit nicht immer gut bestellt war, aber es ist anzunehmen,

Leinwand, nach 1822 (Original: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig)
dass die wahren Gründe für die Kündigung seine Aufmüpfigkeit und das Eintreten für bessere Bedingungen für Theaterschaffende waren:
Am 16. April 1838 wandte sich Lortzing mit einigen anderen Schauspielern in einem Brief an die Theaterdeputation. Grund war die Nichtverlängerung des Pachtvertrags von Theaterdirektor Ringelhardt, mit dessen Programmgestaltung sich die Deputation nicht einverstanden zeigte. Kritisiert wurde vor allem die Auswahl der Stücke, die angeblich nicht den Kunstanspruch des Bildungsbürgertums
WER WAR ROBERT BLU m ?
Robert Blum wird 1807 in Köln geboren und wächst dort in armen Verhältnissen auf. Nach einer Handwerkslehre arbeitet er als Kassierer und Theatersekretär und geht 1832 mit dem Theaterdirektor Friedrich Sebald Ringelhardt nach Leipzig. Dort engagiert er sich immer stärker politisch in der oppositionellen Demokratiebewegung und erfährt zahlreiche Restriktionen durch die sächsische Regierung. Dennoch übernimmt er politische Verantwortung und lässt sich als Vertreter Leipzigs in die Frankfurter Nationalversammlung wählen. Wie schon früher bei der »Leipziger Bartholomäusnacht« 1845 oder seiner Rede vom Balkon des Leipziger Rathauses zeichnet sich der linksliberale Politiker auch im Parlament besonders als Vermittler zwischen den Parteien aus, der für universelle Freiheit, Einheit und Völkerverständigung eintritt.
1848 hält sich Blum während der Oktoberrevolution in Wien auf. Dort beteiligt sich der eigentlich überzeugte Pazifist schließlich auch an den Revolutionskämpfen. Als diese niedergeschlagen werden, verhaftet man Blum und richtet ihn am 9. November 1848 trotz politischer Immunität hin. Sein Tod erhält große Anteilnahme und macht ihn zum Märtyrer für die demokratische Bewegung, auch wenn diese zunächst scheitert.
bedient hätten – obwohl die Begeisterung des Publikums dem Erfolg Ringelhardt Recht gab. Für die Theaterangestellten war die Nichtverlängerung bedrohlich: »Wir stehen dagegen schutz- und rathlos, denn der arme Künstler muß auf das heilige Recht der Selbstverteidigung verzichten; aber wir fragen uns mit Entsetzen: wohin soll es in dem humanen, gastlichen, kunstsinnigen, freundlichen Leipzig mit uns kommen, wenn heute vom Katheder herab unser moralischer, morgen in öffentlicher Versammlung einer der bedeutendsten bürgerlichen Korporationen unser künstlerischer Ruf und mit ihm unsere ganze Existenz vernichtet wird?« (Albert Lortzing u. a. an die Theaterdeputation des Stadttheaters in Leipzig, 16.04.1838). Mit seinem quasi gewerkschaftlichen Engagement war Lortzing seiner Zeit voraus und hatte schließlich Erfolg: Ringelhardts Vertrag wurde bis 1844 verlängert.
Albert Lortzing und Robert Blum –Revolutionäre auf ihre Weise Lortzing und Blum waren Theaterkollegen, dann Logenbrüder und Mitglieder des Künstlervereins »Tunnel über der Pleiße«. Ihre Herkunft aus niedrigen sozialen Schichten prägte sie, hielt sie aber nicht davon ab, sich autodidaktisch ihr Wissen über Politik bzw. Musik anzueignen. Beide standen für den demokratischen Aufbruch, allerdings auf sehr unterschiedliche Arten. Blum war aktiv am politischen Geschehen beteiligt und setzte sich für eine deutsche Republik ein. Sein rhetorisches Talent einte und motivierte gleichermaßen für seine Sache.


GAGENBUCH m IT EINTRÄGEN ZU m
EHEPAAR LORTZING in der Schrift Robert Blums, damals Theatersekretär am Alten Theater (Original: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig)

BLU m , Lithografie, um 1848 (Original: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig)

A m 3.3.1848 VO m BAL k ON DES LEIPZIGER RATHAUSES, Lithografie, 1848 (Original: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig)
Von Lortzing kamen keine klaren politischen Bekenntnisse, aber seine Haltung gegen Gewalt, seine Sehnsucht nach Veränderung sind stets seinen Werken zu entnehmen.
Mit Lortzing lässt sich über Freiheit nachdenken – und das in einer weiten historischen Perspektive. Lortzing erweist sich in diesem Punkt als mutiger, nachdenklicher Künstler, der am Ende seines Schaffens mit »Regina« sogar eine ganze Opernhandlung in eine Fabrik als Ort sozialer Konflikte verlegt. Ein unerhörtes Novum in der Opernliteratur. (Lüddemann)
Lortzings Umgang mit den VormärzThemen drückt sich auf zwei verschiedene Arten aus:
1 Seine Beobachtungsgabe. Lortzing war Menschenkenner und -beobachter und seine selbstverfassten Libretti präsentieren ein breites soziales Spektrum. »Der Waffenschmied« spielt beispielsweise durchweg und trotz adliger Interferenzen im bürgerlichen Raum. Dort geht es um Lebensentwürfe, die Leistung, Status aber auch individuelles Lebensglück abwägen. In Maries Arie »Wir armen, armen Mädchen« wird zusätzlich der Sehnsucht nach gleichgestellter Entfaltung für Frauen Ausdruck verliehen. Alle kommen hier zu Wort – und das Ergebnis ist eine der ersten Ensemble-Opern.
2 Subversivität. Auch Lortzings Erfolgsoper »Zar und Zimmermann« zeigt das Volk als handlungsbestimmende Bürger. Lortzing arbeitet ganz gezielt Kritik an einer repressiven Obrigkeit ein. Natürlich ist der selbstverliebte Bürgermeister van Bett primär eine lustige Figur, aber man erkennt in ihm mühelos den Repräsentanten des Polizeistaats, wenn er Zimmerleute aufgrund ihres Namens oder ihrer ausländischen Herkunft verdächtigt oder alle im Ort einsperren will. Seine vor Wichtigkeit strotzende Auftrittsszene sticht auch formal aus dem Ensemble (sprich: der Gemeinschaft) hervor. Dass van Betts Unfähigkeit als Dirigent (Vorgesetzter) dazu führt, dass der Chor (das Volk) ihn absetzt, ist ein schöner vorrevolutionärer Moment!
»(…) nicht zufällig zitiert 1848 (die satirische Zeitung) »Kladderadatsch« immer dann Aussprüche dieses van Bett, wenn es gilt,
Polizeichefs oder Militärführer zu treffen. (...)« (Lodemann 1993)
In seinen Briefen positionierte sich Lortzing kaum zum aktuellen Zeitgeschehen, sie drehen sich hauptsächlich um alltägliche oder theaterspezifische Dinge. Außerdem spielte sicherlich die Zensur eine Rolle, vor der auch private Korrespondenz nicht sicher war. Damit ist auch Lortzings ausweichende Stellungnahme zu Blums Hinrichtung zu erklären: »Ueber Blum’s Verurtheilung läßt sich dafür und dawider sprechen. – Darüber einmal mündlich«. (Albert Lortzing an Georg Meisinger, Wien, den 26. 11. 1848) Immer wieder vertröstete Lortzing auf eine »mündliche« Mitteilung seiner Meinung –zwischen den Zeilen sagt uns das immerhin, dass er seiner aufmüpfigen Linie treu blieb, sonst hätte er seine Ansichten ja nicht verbergen müssen.
Im Zusammenhang mit der Zensur ist eine weitere Gemeinsamkeit von Lortzing und Blum wichtig: Beide waren 1842 Gründungsmitglieder des Leipziger SchillerVereins. Das Schillerhaus in Gohlis, das heute noch zu besichtigen ist, haben wir Blum zu verdanken, der es ausfindig machte und zur Gedenkstätte
umwandeln ließ. Zweck des Vereins war allerdings nicht nur die Schiller-Pflege und -Verehrung. Unter diesem Deckmantel organisierten die Mitglieder mit den jährlichen Schiller-Festen teils hochpolitische Veranstaltungen, allen voran Blum, der in Schillers Werken seine eigenen Forderungen vertreten sah: »Geben Sie Gedankenfreiheit!« Die Doppelfunktion des Schiller-Vereins war in der Zeit kein Einzelfall: Das Verbot jeglicher politischen Vereine unter Metternich machte erfinderisch.
Dass Blum und Lortzing einander verbunden waren und sich wertschätzten, zeigen nicht nur gemeinsame künstlerische Projekte wie die Oper »Die Schatzkammer des Ynka« (1836), eine relativ plakative Allegorie auf die Ziele der Revolution, von der nur ein Festmarsch und das von Blum geschriebene Libretto erhalten ist.
Auch die folgenden Verse, in denen Blum das Zarenlied (»Sonst spielt ich mit Zepter … «) als Geburtstagsgedicht für Lortzing adaptiert, geben Auskunft über die Freundschaft der beiden:
GEBURTSTAGSGEDICHT LORTZING (1845, 44. GEBURTSTAG)
VON ROBERT BLU m
Sonst spielt’st Du Piano und Violoncell’
Den Taktstock, als Kind schon, schwangst leicht Du und schnell, Musiker und Sänger verfolgte Dein Blick.
Du hielt’st ihre Kunst für das süßeste Glück, Du träumtest und sehntest und dachtest allein:
O, seelig! o, seelig! Tondichter zu seyn.
Nun schwingst Du den Taktstock, nun dichtest Du Tön’, und jedermann findet sie trefflich und schön.
Die Sänger und Musiker führst Du zum Licht, Wobei es Dir selbst nicht am Ruhme gebricht.
Und streichst Du die blanken Dukaten dann ein, Dann rufst Du: O, seelig! Tondichter zu seyn.
Drum weil das Geschick Dein Verlangen gestillt
Und liebend wie selten Dein Sehnen erfüllt,
So wünsch ich: Stets bleibe die Muse Dir hold
Und spende Dir reichen Ruhm, Ehr’ und Geld.
Dann rufst Du als Greis noch im silbernen Schein:
O, seelig! o, seelig! Tondichter zu seyn.
Das Greisenalter war leider weder Lortzing noch Blum beschieden, aber die freundschaftliche Beziehung der Männern vermittelt die Geschichte revolutionärer Zeiten auf höchst lebendige Weise.



Als Robert Blum 1841
Schillers Sommerhaus in Gohlis zur Gedenkstätte machte, war Albert
Lortzing mittendrin: Der Komponist eröffnete die Feier mit einer eigens komponierten Hymne.
Lortzing war keineswegs ein harmloser
Biedermeier-Musikant –als Gründungsmitglied des Schiller-Vereins bewegte er sich in demokratischen Kreisen.
Fünf Jahre leitete er die Schiller-Feste, vertonte
Gedichte des Freiheitsdichters. Die Kantate von 1842 endet programmatisch: »Bis alle Geister frei, bis Deutschland eines sei!«

Mathias Drechsler seit 2008 Chordirektor der Musikalischen Komödie
NACHGEFRAGT
Albert Lortzing ist neben seinen Opern auch für seine Chorwerke berühmt. In seiner bekannten Oper »Zar und Zimmermann« spielt sogar der Chor einen Chor. Wie unterscheiden sich diese Darstellung zum echten Alltag eines Profichores? In »Zar und Zimmermann« gibt es speziell in der Singschule anfangs ein heilloses Durcheinander: Keiner weiß so recht, wo sein Platz ist, die Noten sind zu Beginn auch nicht da, man weiß nicht, was man singen soll, sozusagen ein einziges Chaos. Das ist in einer »normalen« Chorprobe nicht der Fall. Jede und jeder hat ihren bzw. seinen festen Platz, und das Notenmaterial ist natürlich auch vorhanden.
Im Chorsaal werden neue Stücke, welche zur Premiere gelangen, einstudiert und auswendig gelernt bzw. schon gesungene Stücke neu repetiert und aufgefrischt. Ziel dieser Proben ist es, das jeweilige Stück möglichst musikalisch genau und sicher im Kopf auf der Bühne zur Anwendung zu bringen, um szenische bzw. choreographische Aufgaben dann so leicht wie möglich erfüllen zu können.
ZAR UND ZI mm ER m ANN
26. Apr & 01. Mai 2026, Musikalische Komödie
OPEN STAGE FÜR CHÖRE in Kooperation mit dem a cappella-Festival 02. Mai 2026, Augustusplatz vor der Oper

Louise Otto-Peters und Rosina Regina Lortzing (geb. Ahles) im Spiegel der Revolution, Frauenbewegung und Künste um 1848

»Mann, bist du fähig, gerecht zu sein? […] Wer hat dir die unumschränkte Herrschaft verliehen, mein Geschlecht zu unterdrücken?«
Olympe de Gouges, »Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin« 1791
Als Frau geboren zu sein, war und ist ein Kampf – mit der Gesellschaft, mit den beharrlichen patriarchalen (Gewalt-) Strukturen und mit sich selbst, auf der Suche nach dem eigenen Platz irgendwo zwischen Erziehung, Erwartung und Ideal. Das Ziel: Gleichberechtigung. Diese Forderung hat – Achtung Ironie – schon einen langen Bart … doch die feministischen Vorstreiterinnen sind seit Jahrhunderten am Werk und wirkten zum Teil in Leipzig!
Bereits im Rahmen der Französischen Revolution, wo sich Gleichheit und Brüderlichkeit auf die Fahnen geschrieben wurde, kam zurecht der Einwand auf: Dann aber bitte auch für Frauen –Geschwisterlichkeit. Als Vorreiterin gilt die Revolutionärin und Frauenrechtlerin Olympe de Gouges, die sich darüber empörte, dass in der kurz zuvor verkündeten berühmten »Erklärung der Menschenund Bürgerrechte« diese Rechte nur für »mündige« Bürger galten, also Männer. Sie legte daraufhin 1791 eine »Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin« vor. Ihr Wagemut und sie wurden 1793 unter der Guillotine niedergemetzelt.
1819 erblickte in Meißen wiederum eine Frau das Licht der Welt, die im Rahmen der folgenden revolutionären Strömungen die erste deutsche Frauenbewegung in Gang setzen sollte: Louise OttoPeters. Mit 16 Jahren verlor sie beide Eltern, konnte jedoch bei Tante und Schwester und von ihrem Erbe leben und den Weg als Schriftstellerin einschlagen – zudem frei von männlicher Vormundschaft, da ihr erster Mann kurz nach der Hochzeit verstarb. Um sich zu schützen, veröffentliche sie ihre sozialkritischen Äußerungen zuerst unter dem männlichen Pseudonym Otto Stern. Sie fand als Louise Otto jedoch zwei männliche Verbündete, die sie auf ihrem Weg, sich für Frauenund Arbeiterrechte einzusetzen, unterstützen: die Revolutionäre und ebenfalls


LESETIPP
Louise Otto-Peters’ Schriften und Gedichte, darunter »Lied eines deutschen Mädchens« und »Die Klöpplerinnen«, welches damals für Empörung sorgte, weil es auf prekäre Arbeitsverhältnisse aufmerksam machte.

Autoren Robert Blum und August Peters, den sie später heiratete.
Louise Otto-Peters organisierte Versammlungen, veröffentliche zahlreiche sozialkritische Schriften und Gedichte, gab zwischen 1849 bis zum Verbot 1852 die »Frauen-Zeitung« heraus und gründete mit anderen Frauen wie Auguste Schmidt 1865 den Allgemeinen Deutschen Frauenverein (ADF), um Frauenbildung zu fördern und auf Frauenfortschritte aufmerksam zu machen.
Im selben Jahr fand auf ihren Impuls hin die erste deutsche Frauenkonferenz in Leipzig statt. Die spätere Frauenrechtlerin Clara Zetkin kam in jungen Jahren bereits mit dieser Frauenbewegung in Kontakt, weil sie eine Schülerin von Auguste Schmidt war und ihre Mutter Klara Eißner in Verbindung mit Louise Otto-Peters stand und ihre Tochter zu Treffen des ADF mitnahm.
Eine andere Frau, die indirekt mit diesem Umfeld zu tun hatte, war die 1799 in
»Die Teilnahme der Frauen an den Interessen des Staates ist nicht nur ein Recht, sondern auch eine Pflicht.«
LOUISE OTTO-PETERS’ Reaktion auf Robert Blums Frage nach weiblicher Teilhabe am Staatsleben in den »Sächsischen Vaterlands-Blättern« 1843
Bietigheim geborene Rosina Regina Ahles, die spätere Frau Albert Lortzings. Sie wurde bereits im Alter von 6 Jahren Waise und kam ins Waisenhaus. (Weibliche)
Waisenkinder ohne familiäre Absicherung hatten es gesellschaftlich oft schwer und mussten schon frühzeitig für sich selbst sorgen, zum Beispiel als Mägde oder Arbeiterinnen in Fabriken. Rosina Regina hatte jedoch Schauspieltalent und stand bereits mit jungen Jahren auf der Bühne, worüber sie Albert Lortzing kennen und lieben lernte. Sie heirateten, waren ab

TITELSEITE der Probenummer der »FrauenZeitung« vom 21. April 1849, herausgegeben von Louise Otto-Peters

k UNST STATT WAFFEN
Albert Lortzing, Louise Otto-Peters und ihre Zeit in Schrift und Musik | Liederabend mit Solen
Mainguené, Frieder Flesch und Younghwi Ko am Flügel
Termine
28. Apr 2026, 19:30, Mendelssohnhaus
DIE RACHEGÖTTIN NAHT!
Oper von Albert Lortzing
Premiere
25. Apr 2026, Opernhaus
Weitere Termine
02., 13., 17. Mai / 12. Jun 2026
Mehr Informationen und Interview mit Jacquelyn Wagner auf S. 37.
1833 am Stadttheater in Leipzig engagiert und standen wie Louise Otto-Peters in Kontakt zu Robert Blum. Rosina Regina brachte zwischen 1826 und 1845 elf Kinder zur Welt, von denen fünf starben, arbeitete parallel zunächst weiter als angesehene Schauspielerin, zog sich jedoch mit dem zunehmenden Nachwuchs in die von Frauen erwartete Mutterrolle zurück. Albert und sie führten aber eine gleichberechtigte und liebevolle Beziehung, wie den Briefen zu entnehmen ist. Und: Albert entschied sich, seiner wohl bemerkenswertesten weiblichen Opernfigur und Heldin den Namen seiner Frau zu geben: Regina.
»Ha, Bösewicht, dank dir! Dein sei der Wille, mein die Tat. Mach deine Rechnung, denn die Rachegöttin naht.« Regina, 3. Akt
Opern-Regina ist die Tochter eines wohlhabenden Fabrikbesitzers, dessen Arbeiter für bessere Arbeitsverhältnisse streiken –Verhältnisse für die sich auch Louise Otto-Peters und Robert Blum einsetzten. Während diese Situation durch Richard – ebenfalls ein Arbeiter und Verlobter Reginas sowie ein Waisenkind wie Louise und Rosina Regina (!) –, geschlichtet wird, bahnt sich neuer Widerstand an: Der eifersüchtige Stephan schließt sich
einer radikalen Gruppe an, nimmt Regina als Geisel und droht alles in die Luft zu jagen. Regina kommt ihm zuvor, indem sie zur Waffe greift, Stephan tötet und alle rettet. Dies ist ein außergewöhnlicher Mord einer Frau auf der Opernbühne und Reflektion des Zeitgeschehens: Lortzing war vermutlich wie Blum der Meinung, dass nur zur Waffe gegriffen werden sollte, wenn Worte nichts mehr ausrichten können.
Kein Wunder, dass 1848 diese Position für Arbeiterrechte und eine friedliche Revolution lange nicht bzw. erst später und meist zensiert zur Aufführung kam.
Lortzing stellt in seinen Opern Frauen zwar gesellschaftstypisch mit ihren beschränkten Möglichkeiten dar, aber versteckt auch mit ihren Wünschen und möglichen Nischen. So äußert Marie im »Waffenschmied« mit ihrer Aussage »Ich wollt, ich wär ein Mann« ihren Wunsch nach den Rechten, wie sie ein Mann hat, denn: »Ein Mann kann machen, was er will.« Und mit der titelgebenden Regina sorgt »ausgerechnet eine Frau [seine Frau!] in Lortzings Opernwelt für den einzigen Bühnentod einer Figur« (Stefan Lüddemann) und dient wie Louise Otto-Peters als revolutionäre Akteurin und Vermittlerin zwischen politischen Lagern.
O hohe Zeit! rings flieht man Bürgerkronen
Und feiert schon der Freiheit Ostertag, Und jauchzt im »Männerstolz vor Königsthronen«*, Weckt auf das Volk, das nicht mehr schlafen mag. O schöne Zeit! könnt’ ich mit Euch erheben
Dies deutsche Land, dass frei es sei und bleib’! Ich bet’ um Segen nur für Euer Streben, –»Denn
ich bin nichts als ein gefesselt Weib!«*
Louise Otto-Peters, »Lied eines deutschen Mädchens«, März 1848
* Zitate aus Schillers Ode »An die Freude« und Drama »Die Jungfrau von Orleans«

Seit 1993 existiert in Leipzig der frauengeführte Verein LouiseOtto-Peters-Gesellschaft, um ihr Leben und Werk weiter bekannt zu machen und zu würdigen. Im Rosenthal (früher auf dem Alten Johannesfriedhof) steht ein Denkmal zu ihren Ehren mit der Inschrift: »Der Führerin auf neuen Bahnen in Dankbarkeit und Verehrung. Die deutschen Frauen.« In der Ritterstraße 12 erinnert eine Hinweistafel an die Anfänge der Frauenbewegung von 1865. Seit 2015 verleiht die Stadt Leipzig jährlich den Louise-Otto-PetersPreis für Engagement im Bereich Gleichberechtigung. Und neben weiteren Dingen sind nach ihr ein Platz, eine Straße und eine Schule in Leipzig benannt.


Jacquelyn Wagner wird im Rahmen des Festivals »Lortzing 26« die Titelpartie in Albert Lortzings selten gespielter Oper »Regina« singen, die 1848 unter dem Einfluss der Revolution entstanden ist und von streikenden Arbeiterbewegungen handelt. Regina ist die Tochter eines Fabrikbesitzers und befindet sich mitten im Streikgeschehen: Sie wird von Stephan, dem radikalen Anführer einer streikenden Fraktion, entführt und stellt sich ihm mutig entgegen, bevor er in seinem Wahn Menschenleben aufs Spiel setzen kann. Wir haben Jacquelyn Wagner zu diesem besonderen Werk und ihrer Rolle befragt.
»Regina« gilt als eher ungewöhnliches Werk im Œuvre Albert Lortzings –politischer, leidenschaftlicher, ernster. Was reizt Sie an dieser Oper besonders?
»Regina« ist definitiv anders als das, was Lortzing normalerweise geschrieben hat. Sie ist voller Leidenschaft, tiefgründig und sehr bewegend. Lortzing verarbeitet darin die Ereignisse seiner Zeit – das spürt man
DAS INTERVIEW FÜHRTEN DR. IN k EN m EENTS UND m ARIE POLL.
in jeder Szene. Diese politische Dimension macht das Werk heute unglaublich aktuell.
Wie ist es denn für Sie, diese Oper gerade vor dem Hintergrund des heutigen Weltgeschehens auf die Bühne zu bringen?
Viele Dinge sind heute aus dem Gleichgewicht geraten. Gerade jetzt braucht es Kunst, die uns erlaubt, selbst in den Spiegel zu schauen und unsere gegenwärtige Situation zu reflektieren. »Regina« bietet genau diese Möglichkeit.
Wenn Sie die Titelfigur in einem Satz charakterisieren müssten – wie würde dieser lauten?
Regina ist stark und sie ist mutig.
Was macht diese Stärke konkret aus?
Regina ist eine unglaublich resiliente Frau. Sie erinnert mich an Leonore in Beethovens »Fidelio«. Sie trägt eine innere Kraft in sich, die es ihr ermöglicht, sich zu wehren und dem Bösen entgegenzutreten. Genau das macht sie so spannend.

Würden Sie im echten Leben ähnlich handeln wie sie bzw. steckt auch in Ihnen ein wenig Revolutionsgeist?
Glücklicherweise war ich noch nie in einer solchen Situation. Natürlich weiß niemand, wie man sich in Extremsituationen verhält. Aber ich glaube, dass ich in Reginas Situation ähnlich reagieren würde wie sie. Ich würde hoffentlich für meine Lieben eintreten und sie beschützen, selbst wenn das Selbstverteidigung bedeutete. Aber von Natur aus bin ich wahrscheinlich keine Revolutionärin – obwohl man nie weiß, was das Leben verlangt
Die Figur des Stephan ist in dieser Oper radikaler. Würden Sie ihm gerne irgendeinen Rat geben?
Ehrlich gesagt, bin ich mir nicht sicher, ob Stephan überhaupt in der Lage ist, auf Ratschläge zu hören. Er wirkt vollkommen fixiert auf seinen Plan und sein eigenes Elend. Regina hat recht, wenn sie ihm sagt, dass er aufhören soll, sich selbst und anderen wehzutun. Aber er will ihr einfach nicht zuhören.


»Diese





Wo verläuft für Sie die Grenze zwischen Selbstverteidigung und Gewalt?
Ich denke, das ist ein sehr schmaler Grat! Es ist eine Grenze, die heute in der Welt beinahe täglich diskutiert wird. Da eine pauschale Aussage zu treffen, ist schwer. Jede Situation hat ihre eigenen Regeln und Gesetze. Grundsätzlich sollten wir, denke ich, aber versuchen, unseren Nächsten wie uns selbst zu lieben und vor allem zu respektieren!
Haben Sie eigentlich schon einmal etwas von Albert Lortzing gesungen? Nein, das ist tatsächlich meine erste Lortzing-Produktion.
Wie erleben Sie seine Musik? Viele verbinden mit Lortzing eher Leichtigkeit und Spielfreude.
Ja, seine Musik ist oft unbeschwert und macht großen Spaß. Die Melodien sind wunderschön, viele Arien echte Klassiker – einfach wunderbar unterhaltsam.
Gleichzeitig zeigt »Regina«, dass er auch intensive Emotionen und große Leidenschaft komponieren konnte.
Warum lohnt sich ein Besuch dieser Oper – auch für Menschen, die Lortzing vielleicht noch nicht kennen?
Lortzing wird nicht oft gespielt, dabei ist seine Musik äußerst zugänglich.
Gerade diese Oper bietet fantastische Duette, Arien und sehr emotionale Ensembles. »Regina« wurde in ihrer Geschichte nur etwa ein Dutzend Mal aufgeführt – allein deshalb sollte man sich diese seltene Gelegenheit nicht entgehen lassen.

FRIEDEN & GERECHTIG k EIT!
Oper von Albert Lortzing
In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Leitung
Musikalische Leitung Constantin Trinks
Inszenierung Bernd Mottl
Bühne Friedrich Eggert
Kostüme Alfred Mayerhofer
Dramaturgie Dr. Inken Meents
Licht Thomas Hupe
Choreinstudierung Thomas Eitler de Lint
Besetzung
Simon Peter Dolinšek / Oliver Weidinger
Regina Jacquelyn Wagner / Netta Or
Stephan Mathias Hausmann / Henryk Böhm
Richard Andreas Hermann / Matthias Stier
Wolfgang Marian Müller / Vincent Turregano
Kilian Dan Karlström / Daniel Arnaldos
Beate Nora Lentner / Mirjam Neururer
Barbara Marie-Luise Dreßen / Nina Schumertl
Ein Freischärler Máté Gál / Ruben Olivares
Chor der Oper Leipzig
Komparserie der Oper Leipzig
Gewandhausorchester
Premiere
25. Apr 2026, Opernhaus
Weitere Termine
02., 13., 17. Mai / 12. Jun 2026
Kostprobe 16. Apr 2026
Premieren-Matinée 19. Apr 2026
Nachgespräch 02. Mai 2026 REGINA-FIGURINE
Worauf freuen Sie sich in dieser Produktion am meisten?
Auf die Chance, diese Oper überhaupt einmal singen zu dürfen! Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit meinen Kolleginnen und Kollegen, mit Maestro Trinks und auf die Inszenierung von Bernd Mottl – um gemeinsam eine wirklich bewegende Version auf die Bühne zu bringen.
Wenn Regina heute leben würde –wo würden wir ihr begegnen?
Ich glaube, eine Version von ihr könnte man überall auf der Welt treffen. Überall dort, wo Menschen gegen Unrecht aufstehen. Wir brauchen viele Reginas in unserer Welt!


Ein Ritual vor der Vorstellung?
Dieses Mal: Mit Peter Dolinšek, Bass im Ensemble der Oper
FOTOS: k IRSTEN NIJHOF

Für »Ohne Worte« steht diesmal Peter Dolinšek Rede und Antwort – oder besser: lässt Bilder sprechen. Der slowenische Bass gehört seit der Spielzeit 2022/23 zum Ensemble der Oper Leipzig und ist beim Festival »Lortzing 26« als Hans in »Undine« und Simon in »Regina« zu erleben.
Ein typischer Gesichtsausdruck deiner Rolle Hans in Lortzings »Undine«?


Wie tanzt die Figur des Hans durchs Leben?

Hans’ Tipp für ein besseres Leben …

Lieblingskomponist?

Was macht Peter in der Sommerspielzeitpause …

Gedanken zur Neuproduktion von Regisseurin
Es brodelt im Deutschland des frühen 19. Jahrhunderts politisch.
k LAVIERAUSZUG (Original: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig)

Napoleons Vormachtstellung schwindet durch die Befreiungskriege, die Völkerschlacht bei Leipzig und die Schlacht bei Waterloo: Dann beginnt der Wiener Kongress eine Neuordnung des Kontinents, die Restauration. Die Heilige Allianz löst die versprochene Verfassungsgebung nicht ein und so haben die Bürger kein Recht auf politische Mitbestimmung und müssen sich einem Alleinherrscher unterordnen. Die Macht des Fürsten Metternich kreiert einen Polizeistaat mit einer rigiden Zensur für alle Veröffentlichung, die auch für das Theater gilt. Heinrich Heine, Georg Büchner und andere sagen an dieser Stelle Deutschland Adieu, weil sie die Repression nicht aushalten. Andere gehen in den Widerstand und die Vormärz-Bewegung entsteht und damit die
Forderungen nach Frauenrechten, nach Gleichberechtigung und nach Demokratie. In dieser Zeit wächst Lortzing, geboren 1801, auf. Er lernt das Theater von Grund auf kennen und sagt schon als kleiner Junge Gedichte auf der Bühne auf. Seine Lehrer sind sozusagen Lessing, Schiller und Mozart, den er besonders verehrt. Lortzing als Autor weiß Kritik an der Politik angenehm zu verpacken; er weiß, wie Doppelbödigkeit funktioniert. Er weiß auch, dass das Publikum gewöhnt ist, Persiflage zu lesen – man konnte Kritik wegen der Zensur nicht öffentlich äußern.
Ich habe mit Lortzing früher etwas Biederes oder Biedermeierhaftes verbunden. Dieser Ruf ist auch erklärbar, denn was die Zensur im 19. Jahrhundert nicht gestrichen hatte, das hat man spätestens im nationalsozialistischen Deutschland geplättet und zu etwas Verzopftem, Harmlosen gemacht. Man weiß ja, dass das Volkstümliche relativ leicht ins Völkische abrutschen kann. Leider hat man dieses Geplättete auch im NachkriegsDeutschland übernommen. Das ist auch erklärbar, weil man sich damals nach Utopien sehnte und Lortzing-Opern fast wie Ferienziele, außerhalb der realen Zeit, empfunden wurden. In den 1960er Jahren war Lortzing der viertmeist gespielte Komponist im deutschsprachigen Raum; nur Verdi, Mozart und Puccini hatten höhere Aufführungszahlen. Aus Lortzings
FÜR DICH, FÜR DEINE LIEBE!!
Oper von Albert Lortzing
In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Leitung
Musikalische Leitung Michael Nündel
Inszenierung Sonja Trebes
Choreographie Mirko Mahr
Bühne Dirk Becker
Kostüme Uta Meenen
Dramaturgie Dr. Kara McKechnie
Choreinstudierung Mathias Drechsler
Besetzung
Hans Stadinger Uwe Schenker-Primus / Florian Spiess
Marie Elissa Huber
Graf von Liebenau Martin Häßler
Georg Sven Hjörleifsson
Irmentraut Kathrin Göring
Brenner Andreas Rainer
Chor und Chorgäste der Musikalischen Komödie
Ballett der Musikalischen Komödie
Komparserie der Oper Leipzig
Orchester der Musikalischen Komödie
Premiere
24. Apr 2026, Musikalische Komödie
Weitere Termine
03., 30., 31. Mai / 03. Jul 2026
Premieren-Matinée
19. Apr 2026 (im Opernhaus)
Kostprobe 20. Apr 2026
Biographie und seinen Briefen wissen wir aber, dass mehr hinter der vordergründigen Harmlosigkeit gesteckt haben muss. Und so machten wir uns auf Entdeckungsreise!
Natürlich war Lortzing ein Meister der Spieloper – und er war auch Pazifist und im Vormärz politisch aktiv. Im »Waffenschmied« thematisiert Lortzing den Konflikt zwischen Adel und Bürgertum; das war für die damalige Zeit unglaublich brisant, wie auch das Thema soziale Gerechtigkeit. Man muss sich vorstellen, dass Lortzing aus der unteren Bevölkerungsschicht kam und nie reich gewesen ist. Was ich unglaublich spannend finde: Bei Lortzing klingt auch das Thema Emanzipation an. Man denke nur an die Arie der Marie und die Zeile: »Ich wollt, ich wär ein Mann!« Das rief viele Kritiker auf den Plan, denn es ging hier natürlich um die gleichen Rechte für Mann und Frau. »Der Waffenschmied« ist und bleibt eine Spieloper

– Lortzing hat das Genre quasi erfunden. Hier hat er das Schauspiel »Liebhaber und Nebenbuhler in einer Person« von F. W. Ziegler adaptiert. Im Stück ist der Waffenschmied ein sehr unsympathischer Säufer; das hat Lortzing verändert, ihm aber seinen Beruf gelassen; das Handwerk steht in seinen Opern immer sehr im Mittelpunkt. Lortzing selber hat die Rolle des Grafen Liebenau auch an vielen Theatern gespielt. Er muss ein unglaublicher Komödiant gewesen sein, mit viel Improvisationskunst, die er auch von seinen Darstellern verlangte. Teamgeist! Das spricht mir als Regisseurin aus dem Herzen. Und er hat spritzige, witzige Dialoge geschrieben. Die waren damals modern und wir haben sie für unsere Neuproduktion ein bisschen entstaubt und eine neue Fassung geschrieben, aber die Doppelbödigkeit und Lortzings politische Spitzen beibehalten.
Der spätere Lortzing schreibt zu Zeiten der März-Revolution 1848 seine Oper »Regina« und legt seine politische Gesinnung offen. Er ist sehr gut befreundet mit Robert Blum, dem Vorkämpfer für Völkerverständigung und Freiheit. Und nicht zuletzt lebt Lortzing zu dieser Zeit auch in Leipzig, eine Stadt der Geistesgeschichte und der Ideen, die im Vormärz eine bedeutende Rolle in der liberal-demokratischen Opposition gespielt haben. All dies hat uns motiviert, den »Waffenschmied« genauer zu lesen. Auf dem Höhepunkt der Oper befindet sich das einfache Lied des Titelhelden. Meister Stadinger ist ein Bürgerlicher, der sich emporgearbeitet hat – ich zitiere daraus:
Ach, gäb’ es doch Schätze, von Geistern bewacht, Und würde am Volk nicht gespart,
Die Kluft nicht vergrößert, die Bildung bedacht, Der Hass mit dem Neid nicht gepaart.
Dann hätten die Geister noch Geld im Haus Und liehen es ohne Prozente aus, Der Geist wär’ nicht arm, so wie heut; Das wär’ eine köstliche Zeit!
Das Stadinger-Lied ist leider noch zeitlos aktuell. Lortzing spielt im Lied auch auf die Bauernkriege von 1524 – 1525 an, wo sich das Volk gegen den Adel erhoben hat und blutig niedergeschlagen wurde. Der Autor ruft also durch die Figur des Stadinger die Leute dazu auf, sich nicht alles gefallen zu lassen und für soziale Gerechtigkeit einzustehen. Wenn das nicht politisch ist … !
In den Monaten vor Produktionsbeginn kann man die Entstehung eines Bühnenbilds in unseren Theaterwerkstätten Schritt für Schritt verfolgen. Dirk Becker hat die Umsetzung seiner Bühnenbildentwürfe für »Der Waffenschmied« für Sie festgehalten.
TEXT: DR. k ARA m C k ECHNIE
FOTOS: DIR k BEC k ER


Wozu dieses Objekt dient, dass da so imposant im Konstruktionsraum hängt, wird hier noch nicht verraten!

Die Leichtigkeit eines Spitzendeckchens wird von unseren tollen Kollegen der Tischlerei-Abteilung auch in der hölzernen Ausfertigung umgesetzt.

Der Weinberg ist in »Der Waffenschmied« ein Ort für eine vergnügte Feier, bei der aber auch politische Töne angeschlagen werden. Man sieht hier die Kunst des Malsaal-Teams und die nötigen Farben und Werkzeuge.

Hand- und Maßarbeit für die Schmiede von Meister Stadinger; hier trocknet nach vielen Arbeitsschritten der Lack.
Dirk Becker versteht seinen Bühnenbildentwurf für diese Produktion als Hommage: an unsere wunderbaren Theaterwerkstätten, mit denen er so eng zusammenarbeitet, aber auch an das Handwerk und die damit verbundene Kreativität, die Ideen Wirklichkeit werden lässt.


ZUTATEN
Für ca. 8 Waffeln
250 g Mehl
1 Pck. Backpulver
50 g Zucker
1 Pck. Vanillezucker
1 Prise Salz 4 Eier
250 g weiche Butter
400 ml Milch
OPTIONAL Puderzucker zum Bestäuben
1. Trockene Zutaten mischen: Mehl, Backpulver, Zucker, Vanillezucker und Salz in einer Schüssel vermengen.
2. Eier trennen: Eigelb von Eiweiß trennen. Eiweiß beiseitestellen.
3. Teig anrühren: Eigelb, weiche Butter und Milch zu den trockenen Zutaten geben. Mit dem Handrührgerät zu einem glatten Teig verrühren.
4. Eischnee schlagen: Eiweiß steif schlagen und vorsichtig unter den Teig heben. Das macht die Waffeln besonders luftig.
5. Backen: Waffeleisen vorheizen und leicht einfetten. Je nach Größe 2 – 3 EL Teig pro Waffel eingeben und goldbraun backen (ca. 3 – 4 Minuten).

E m PFOHLEN VON
Kalina Petkova Kalina Petkova stammt aus Bulgarien und ist seit der Spielzeit 2021/22 im Ensemble des Leipziger Balletts. Mit dem »Waffenschmied« hat sie nichts zu tun, aber als Waffelpatin ist sie aktuell mit dem Leipziger Ballett in »Romeo und Julia« in der Choreographie von Lauren Lovette zu erleben.
6. Servieren: Waffeln warm mit Puderzucker bestäuben oder nach Belieben garnieren.
TIPP Fertige Waffeln im Backofen bei 50°C warmhalten, während die restlichen gebacken werden.
Eine vegane Aalternative des Rezeptes finden
Sie hier:




Im März 1845 bekam Albert Lortzing einen »Zuckerkorb« geschenkt. Ich, als Teil der Gen-Z, musste ehrlicherweise kurz googeln, was das bedeutet. Ein Zuckerkorb ist kein metaphorisches Geschenk, kein Codewort, sondern ein reales Objekt: ein meist silbernes oder porzellanenes Gefäß für Zucker – damals Luxus, heute Deko.
Der Zuckerkorb, den Lortzing im März 1845 in den Händen hielt, war silbern und mit Sicherheit hübsch anzusehen. In seine eigentliche Lebensrealität passte er allerdings nur bedingt. Zwar hatte Lortzing zu diesem Zeitpunkt endlich wieder eine feste Anstellung und damit eine regelmäßige Einnahmequelle, doch lebte er weiterhin äußerst sparsam, um seine Familie überhaupt versorgen zu können. Allzu randvoll dürfte der Zuckerkorb im heimischen Haushalt also nicht gewesen sein.
Überreicht wurde dieses ehrenvolle Geschenk von Livia Frege, der Gastgeberin eines privaten Musikabends, an dem Lortzing Beethovens »Fidelio« dirigierte und zuvor einstudiert hatte –wohlgemerkt außerhalb seiner offiziellen Tätigkeit als Kapellmeister. Livia Frege sang an diesem Abend die Titelpartie (Leonore / Fidelio). Bezahlt wurde die Soirée von ihrem Ehemann, Woldemar Frege, Mitglied einer wohlhabenden Leipziger Bankiersfamilie, den das Ganze nach Lortzings Einschätzung ein kleines Vermögen gekostet haben dürfte. Im Publikum: Leipzigs Elite.
Livia Virginia Frege, geb. Gerhardt, bewegte sich souverän in diesen Kreisen. Dabei war sie nicht immer Teil der Leipziger High Society gewesen. In Gera geboren, begann sie als junges Mädchen eine Karriere als Konzert- und Opernsängerin. Mit nur 14 Jahren trat sie zum ersten Mal im Leipziger Gewandhauskonzert auf – gemeinsam mit Clara Schumann. Es folgten Engagements in Leipzig und Berlin. Ihre Heirat im Jahr 1836 beendete die vielversprechende Bühnenlaufbahn jedoch abrupt. Als Teil der Familie Frege gehörte es sich einfach nicht, als Sängerin öffentlich engagiert zu werden. Stattdessen gründete Livia Frege im Frege’schen Haus einen musikalischen Salon. Bei sonntäglichen Matinéen trafen sich die bekannten Gesichter des städtischen Musiklebens und hörten hier Werke von Mendelssohn, Schubert oder Marschner. Sogar Uraufführungen wurden hier gegeben, wie Robert Schumanns Requiem op. 148 im Jahr 1864.
Für Livia Frege war der Abend, als sie die Leonore gab, eine der wenigen Gelegenheiten, überhaupt noch auf der Bühne zu stehen. Umso bemerkenswerter ist es, dass sie das Dirigat ausgerechnet Lortzing übergeben hatte. Als Komponist der deutschen Spieloper genoss er in elitären Kreisen vermutlich nicht

die gleiche Anerkennung wie manche seiner Gewandhaus-Kollegen. In einem Brief an ihre Freundin Clara Schumann schreibt Frege darüber: »Was sagst du aber dazu wenn ich dir erzähle daß die sogenannten Enthusiasten, du weißt schon wen ich meine, Familien mit denen ich im nächsten Umgang lebe, kaum ein Wort des Dankes hatten? War es Neid? Oder war es Unzufriedenheit weil Herr Gade nicht dirigierte? […] Mein Mann und ich haben es bedauert[,] daß Mendelssohn nicht hier war, er hätte sich gewiß ein Vergnügen daraus gemacht[,] die Oper zu dirigiren, und dann würden diese gewißen Leute vor Entzücken umgekommen sein!!«
Lortzing war ihr dennoch vertraut. Sie hatten früher sogar zusammen auf der Bühne gestanden. Lortzings Musik kam ihr jedoch, wie sie es in einem Brief an Felix Mendelssohn Bartholdy schrieb, »so kleinstädtisch vor, es ist recht schade[,] daß Lortzing so lang in Detmold gelebt hat«. Ob Lortzing jemals selbst im Frege’schen Salon zu Gast gewesen war, lässt sich heute nicht mehr belegen.
Sechs Wochen nachdem Lortzing den silbernem Zuckerkorb erhalten hatte, hielt er seine Kündigung in den Händen. Nicht einmal ein Jahr war er Kapellmeister in Leipzig gewesen. Kurz darauf verließ er die Stadt. Jahre später, nach Lortzings Tod, organisierte Livia Frege ein Benefizkonzert für seine hochverschuldete Familie, bei dem sie selbst auf der Bühne stand.

In acht Schritten zur messerscharfen Farbkante: Andi, Maler und Lackierer im Malsaal der Theaterwerkstätten, zeigt, worauf es bei dem Handwerk ankommt.
1.
Nur auf sauberem, trockenem Untergrund dichtet das Klebeband wirklich sauber ab.
Am besten ist Malerband für scharfe Linien (statt billiges Krepp). Diese Bänder sind dafür gemacht, Farbe an der Kante besser »auszusperren« und sich später sauber zu lösen
2.
Bevor geklebt wird, ist es oft sinnvoll, mit Bleistift eine feine Markierungslinie vorzuzeichnen (z. B. mit Wasserwaage oder Richtlatte). So wird die Kante wirklich gerade, auch über längere Strecken.

4.

Am besten ist Malerband für scharfe Linien (statt billiges Krepp). Diese Bänder sind dafür gemacht, Farbe an der Kante besser »auszusperren« und sich später sauber zu lösen.


Kante anreiben
5.
Mit Spachtel, Rakel oder einer festen Karte kräftig entlang der Bandkante drücken. Ziel: keine MikroLuftspalten, durch die Farbe laufen könnte.

Es lohnt sich, in Qualität zu investieren. Der Preis macht bei Pinseln, Rollen, Farbe und Klebeband einen sichtbaren Unterschied.

Mit einer Rolle die neue Farbe auftragen. Dabei nicht zu nass arbeiten und die Rolle gut abstreifen. Lieber zwei dünnere Schichten als eine dicke.



Mit einem Pinsel mit der Untergrundfarbe über die Bandkante in Richtung des Klebebands malen. So werden die letzten Lücken mit der Ausgangsfarbe gefüllt und die neue Farbe kann nicht hineinlaufen. Anschließend gut trocknen lassen.


Am besten entfernen, solange die Farbe noch nicht vollständig getrocknet ist (Andis Tipp: nach ca. 20 Minuten), dann bricht die Farbkante nicht aus. Band langsam und flach abziehen (etwa im 45°-Winkel). Tape abziehen

sieht man das Ergebnis.
Zum Vergleich eine Kante, bei der die Tipps nicht berücksichtigt wurden. Hier


Von der Arbeitswelt zur Opernbühne
Hölzerne Schuhe auf hartem Boden. Was in Fabriken und auf Feldern den Arbeitsrhythmus begleitete, wurde irgendwann Tanz – und landete im 19. Jahrhundert auf der Opernbühne. In Albert Lortzings »Zar und Zimmermann« ist der Holzschuhtanz Teil einer Geschichte über Identität und Verwechslung.
Die Wurzeln liegen im 14. Jahrhundert. Überall dort, wo Holzschuhe zum Alltag gehörten – in den Niederlanden, in Wales, in Nordengland – entstanden Tänze. In den Arbeitspausen der Schieferbergwerke und Textilfabriken erzeugten sie mit den Füßen rhythmische Muster.
Das Material bestimmte die Ästhetik: Harte Holzsohlen auf Steinboden geben präzise Klänge. Der Oberkörper bleibt ruhig, die ganze Energie steckt in der Fußarbeit. Von der Ferse zur Zehenspitze –das charakteristische Klopfen bildete die Grundstruktur, darauf lassen sich unendlich viele Variationen bauen.
Im 18. und 19. Jahrhundert wanderte der Tanz von den Dorfplätzen, aus den Wirtshäusern und von den Erntefesten ins Theater. In England gab es organisierte Clog-Dance-Wettbewerbe. Ballette wie »La Fille mal gardée« bauten Holzschuhtanz-Elemente in ihre Choreographien ein.
In den Niederlanden entstand eine eigene Spielart: Der »klompendansen« wurde in komplett aus Pappelholz gefertigten Schuhen getanzt – das gab einen besonders hellen, scharfen Klang. Man tanzte nach der Ernte, bei Hochzeiten, zu Kirchweihfesten – fest verankert im Dorfleben.
Für Komponisten des 19. Jahrhunderts war der Holzschuhtanz eine Möglichkeit, niederländisches Kolorit zu gestalten.
WHO IS WHO?
Oper von Albert Lortzing
In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Leitung
Musikalische Leitung Michael Nündel
Inszenierung Dominik Wilgenbus
Choreographie Mirko Mahr
Bühne Udo Vollmer
Kostüme Andrea Fisser
Dramaturgie Marita Müller
Choreinstudierung Mathias Drechsler
Besetzung
Peter der Erste Philipp Jekal
Peter Iwanow Jeffery Krueger van Bett Milko Milev
Marie Elissa Huber
Admiral Lefort Frieder Flesch
Lord Syndham Christian Henneberg
Marquis de Chateauneuf Robert Bartneck
Witwe Browe Elvira Dreßen
Chor der Musikalischen Komödie
Komparserie der Oper Leipzig
Orchester der Musikalischen Komödie
Wiederaufnahme
20. März 2026, Musikalische Komödie
Weitere Termine
26. Apr / 01. Mai 2026
Der Klang der Holzschuhe funktionierte wie ein akustisches Signal.
Als Lortzing 1837 seinen »Zar und Zimmermann« in Leipzig uraufführte, wählte er als Schauplatz die niederländische Hafenstadt Zaandam (im Libretto: »Saardam«). Die historische Vorlage war perfekt für Verwechslungskomödien: Zar Peter I. hatte 1697 tatsächlich inkognito als Schiffszimmerer dort gearbeitet.
Der Holzschuhtanz kommt im dritten Akt als Moment, in dem das niederländische Alltagsleben die Bühne erobert. Während sich die Hauptfiguren in diplomatischen und persönlichen Verwicklungen verstricken, zeigt der Tanz die Welt der
Zimmerleute und ihrer Familien – ihre Rhythmen, ihr Milieu.
Musikalisch imitiert Lortzing die perkussiven Qualitäten: Pizzicato-Streicher und akzentuierte Holzbläser ahmen das Klappern nach. Die Melodie bleibt volkstümlich und eingängig, der Rhythmus folgt den typischen Heel-Toe-Mustern.
Der Holzschuhtanz wurde eine der populärsten Orchesternummern aus Lortzings Werk. Bis heute wird er häufig als Konzertstück gespielt – und bleibt dabei untrennbar mit seiner theatralen Funktion verbunden: Eine Gesellschaft durch Tanz und Musik lebendig werden zu lassen.
TEXT: NELE WINTER
Von Leipzig bis Zaandam: Wissenswertes über Lortzing, Peter den Großen und Juri Tetzlaffs Kinderfassung



Mit »Der kleine Zar« eröffnet das Festival »Lortzing 26« dem jungen Publikum einen spielerischen Zugang zu Albert Lortzings wohl bekanntestem Bühnenhit »Zar und Zimmermann«. Die Kinderfassung von Juri Tetzlaff erzählt die turbulente Geschichte zweier Peter, einer holländischen Werft und einer folgenreichen Verwechslung neu – und führt damit direkt zu einem Werk, das eng mit Leipzig verbunden ist: Hier wurde es 1837 uraufgeführt, hier stand Lortzing selbst auf der Bühne, und von hier aus trat die Oper ihren Erfolgszug an.
1Albert Lortzings wohl erfolgreichste Oper entstand in Leipzig. Nach dem Erfolg seiner ersten Spieloper »Die beiden Schützen« komponierte er noch im selben Jahr »Zar und Zimmermann«, das am 22. Dezember 1837 in Leipzig uraufgeführt wurde – 1837 war für ihn also ein echtes Ausnahmejahr.
2
Lortzing war sein eigener Librettist. Er komponierte also nicht nur die Musik zu »Zar und Zimmermann«, sondern schrieb auch den Text selbst.

ZWEI PETER, EIN GRO SS ES DURCHEINANDER! DER
Albert Lortzings Oper »Zar und Zimmermann« in einer Fassung für Kinder von Juri Tetzlaff ab 6 Jahren
Leitung
Musikalische Leitung Michael Nündel
Inszenierung Dominik Wilgenbus
Choreographie Mirko Mahr
Bühne Udo Vollmer
Kostüme Andrea Fisser
Choreinstudierung Mathias Drechsler
Besetzung
Konzept / Erzähler Juri Tetzlaff
Peter der Erste Philipp Jekal
Peter Iwanow Jeffery Krueger van Bett Milko Milev
Marie Mirjam Neururer
Admiral Lefort Frieder Flesch
Lord Syndham Felix Lodel
Marquis de Chateauneuf Robert Bartneck
Witwe Browe Elvira Dreßen
Chor der Musikalischen Komödie
Komparserie der Oper Leipzig
Orchester der Musikalischen Komödie
Premiere
02. Mai 2026, 11:00 Uhr, Musikalische Komödie
Weitere Termine
02. Mai 2026, 15:00 Uhr


3
Bei der Leipziger Uraufführung am 22. Dezember 1837 stand Albert Lortzing selbst mit auf der Bühne: Er sang den Peter Iwanow.
4
»Zar und Zimmermann« bekam in Leipzig zunächst schlechte Presse, wurde in anderen Städten aber bald zum Kassenschlager und gilt bis heute als Lortzings beliebteste Oper.
5
Das Werk machte Lortzing berühmt, reich machte es ihn nicht. Für Aufführungsrechte und Noten erhielt er damals oft nur Einmalzahlungen und konnte von den lang anhaltenden Erfolgen seiner Werke finanziell kaum profitieren.
6
Die Operngeschichte hat einen wahren Kern: Peter der Große reiste 1697/98 tatsächlich inkognito durch Westeuropa und arbeitete unter dem Namen »Sgt. Pyotr Mikhaylov« im Schiffbau, um modernes Know-how für Russland zu gewinnen.
7
Auch das Zarenhäuschen gibt es wirklich: In Zaandam steht noch heute das Zar-Peter-Haus. Laut Zaans Museum ist es eines der ältesten Holzhäuser der Niederlande und das zweitälteste Museum des Landes; Peter der Große wohnte dort 1697.
8
Augenfutter aus dem Malsaal: Für die Leipziger Inszenierung von »Zar und Zimmermann« von Dominik Wilgenbus diente flandrische Malerei als optische Inspirationsquelle. Diese Bildwelt prägt auch »Der kleine Zar«.

9


»Der kleine Zar« ist eine Kinderfassung von Albert Lortzings Oper »Zar und Zimmermann« für Kinder ab 6 Jahren und wird am 2. Mai 2026 im Rahmen von »Lortzing 26« in der Musikalischen Komödie zweimal gespielt: um 11:00 Uhr und um 15:00 Uhr.
10
Geschrieben wurde die Fassung von »Der kleine Zar« von KiKA-Moderator Juri Tetzlaff, der in der Produktion außerdem selbst als Erzähler auf der Bühne steht. Mehr über ihn lesen Sie im Interview auf Seite 58.

AUF ZAREN- m ISSION!
Ein Mitmach-Programm für Kinder zwischen den beiden Vorstellungen von »Der kleine Zar«
Termin
02. Mai 2026, 12:00 –15:00 Uhr, Musikalische Komödie




Juri Tetzlaff über
»Der kleine Zar«, Lortzings Musik und die Lust auf Oper
1. Was macht Albert Lortzing und seine Oper »Zar und Zimmermann« für Kinder spannend?
Für mich liest sich »Zar und Zimmermann« wie ein Agentenkrimi: Ein mächtiger Zar wird zum Spion. Er reist inkognito als einfacher Zimmermann nach Holland, um den Bau moderner Schiffe auszukundschaften. Doch dann kommt es zur großen Verwechslung: Denn er ist nicht der einzige Peter – und plötzlich weiß niemand mehr, wer wer ist. Französische und englische Agenten sind dem Zaren auf den Fersen, der Hafen wird gesperrt, eine Hochzeit gerät zum Showdown. Mittendrin: ein überforderter Bürgermeister, der alles nur noch schlimmer macht. Spannung, Verwechslungen, Geheimnisse – und sehr viel Humor.
2. Wie sind Sie handwerklich an die Kinderfassung »Der kleine Zar« herangegangen?
Ich habe das Original genau studiert und mir dann die Frage gestellt: Was begeistert Kinder heute? In meiner Fassung wird das Publikum selbst zu Ermittler*innen. Alle müssen miträtseln: Wer ist der echte Zar, wer der falsche? Die Inszenierung spielt in einer Galerie mit holländischen Gemälden, die durch Musik lebendig werden – ein fantasievoller Raum voller Bilder. Ich nehme diese wunderschöne Idee auf und spinne sie weiter. Ich habe mich auf Abenteuer, Humor und das Detektivspiel konzentriert und mich bewusst von Teilen der Liebes- und Eifersuchtsgeschichte getrennt. Die großen musikalischen Hits von Lortzing bleiben natürlich erhalten.
3. Was möchten Sie Kindern mit dieser Fassung mit auf den Weg geben?
Vor allem die Lust auf Musik und Fantasie. Musik kann Welten öffnen, sie macht Mut, verbindet und erzählt Geschichten jenseits von Worten. »Der kleine Zar« handelt von Freundschaft,

Mut und davon, dass Größe nicht vom Rang abhängt. Und der Bürgermeister zeigt auf sehr komische Weise, wie lächerlich Machtgehabe und Selbstverliebtheit sein können.
4. Welche Rolle würden Sie am liebsten spielen?
Am liebsten alle. Ich bewundere den Zaren für seinen Mut, den Zimmermann für seine Leidenschaft – und im Bürgermeister erkenne ich mich selbst ein bisschen wieder: Er will alles richtig machen und tritt doch ständig ins Fettnäpfchen. Es macht auch mal Spaß, den Trottel zu spielen. Auch der französische Agent hat es mir angetan – charmant und sehr französisch. Oh là là
5. Gab es eine besonders knifflige Stelle bei der Bearbeitung?
Das Kürzen. Die Seele eines Stückes zu bewahren und trotzdem klar und kindgerecht zu erzählen, ist immer eine Herausforderung. Besonders schwer fiel mir der Abschied von zwei wunderschönen Arien des Zaren, die ihm große Tiefe geben. Aber für die Dynamik und Verständlichkeit der Kinderfassung musste ich mich davon trennen.
6. Wie würden Sie die Musik beschreiben?
Lortzings Musik ist eingängig, ohne banal zu sein. Sie sprüht vor Farben, bleibt sofort im Ohr und geht direkt ins Herz. Das Sextett ist ein echtes Highlight, die Bürgermeister-Arie ein Hit. Diese Musik eignet sich perfekt für Opernneulinge – man muss sie erleben.

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Meine größten Stärken sind ...
packe
ich sofort an mache ich mir einen ausgeklügelten Plan beziehe ich Position Charisma & Humor emotionale Intelligenz & Diplomatie
Wie Stadinger bist du ein Fels in der Brandung. Du redest nicht lange, du handelst. Wenn jemand Hilfe braucht, bist du schon unterwegs. Loyalität ist für dich selbstverständlich. Manchmal wirkst du streng oder stur –dabei steckt dahinter nur Fürsorge. Auf dich kann man bauen. Und genau das macht dich unverzichtbar.
Wie Zar Peter denkst du erst und handelst dann. Du willst verstehen, wie die Dinge wirklich funktionieren. Verantwortung schreckt dich nicht ab, sie spornt dich an. Während andere noch diskutieren, hast du längst einen Plan. Dein Kopf bleibt kühl, auch wenn es kompliziert wird und genau deshalb vertrauen dir viele.
Wie Regina hast du ein eingebautes Gerechtigkeitsradar. Wenn etwas unfair läuft, mischst du dich ein und beziehst Haltung – auch wenn es unbequem wird. Menschen vertrauen dir, weil du Herz und Rückgrat verbindest. Du willst nicht nur, dass es funktioniert, sondern dass es richtig ist. Und genau das macht dich zur Stimme, wenn andere schweigen.
Wie Peter Iwanow gehst du mit Schwung durchs Leben. Du improvisierst lieber, als alles zu zerdenken, und gewinnst Menschen mit Charme und Humor. Türen öffnen sich oft einfach, wenn du anklopfst. Klar, nicht jeder Plan hält lange, aber deine Energie und deine Lebensfreude tragen dich weiter. Dein Motto: Wird schon. Und erstaunlich oft wird es das auch.
Wie Marie hast du dieses seltene Talent, Räume wärmer zu machen, nur indem du da bist. Du hörst zu, vermittelst, bringst Menschen zusammen. Streit löst du lieber mit Empathie als mit Lautstärke. Viele kommen zu dir, wenn sie Trost brauchen – und du findest fast immer die richtigen Worte. Deine Stärke ist leise, aber enorm: Du hältst alles zusammen.
Wie Undine bist du feinfühlig bis in die Fingerspitzen. Du spürst Stimmungen, bevor andere merken, dass sich etwas verändert hat. Smalltalk ermüdet dich, echte Gespräche nähren dich. Manchmal ziehst du dich zurück, um wieder bei dir anzukommen – am liebsten dort, wo es still ist. Wenn du vertraust, dann ganz. Halbherzigkeit ist nicht dein Ding. Dein Element ist Tiefe, nicht Oberfläche.
Im Jahr 2026 jähren sich der Geburtstag von Albert Lortzing zum 225. Mal und sein Todestag zum 175. Mal. Das Festival »Lortzing 26« nimmt diese beiden
Jahrestage zum Anlass, Leben, Werk und Leipziger Spuren des Komponisten neu zu entdecken.

»Gegen die hiesige Sauferei kommt glaube ich keine Stadt auf.«

Albert Lortzing über Leipzig, 1834
Wer einen Lortzing-Film sehen möchte, sollte mit »Zar und Zimmermann« von 1969 beginnen. Die TVVerfilmung der Hamburger Staatsoper unter Charles Mackerras ist prominent besetzt, unter anderem mit Lucia Popp und Hans Sotin, und gilt als besonders lohnende Entdeckung. Ihr Reiz liegt in der Verbindung aus musikalischer Qualität, kluger Besetzung und jenem opernhaften Charme, der Lortzings Theaterwelt bis heute so zugänglich macht. Spannend ist aber auch die DEFA-Fassung von 1955/56, die als frühe Opernverfilmung aus der DDR einen eigenen Reiz hat und inzwischen auch digitalisiert wurde.

WAS UNS SONST NOCH SO ÜBER DEN WEG LIEF …


Dr. Irmlind Capelles Buch »Albert Lortzing. Eine Annäherung in 77 biografischen Stationen« nähert sich dem Komponisten nicht trocken-akademisch, sondern in vielen kleinen, gut lesbaren Episoden. Auf Basis von Briefen, Dokumenten und zeitgenössischen Stimmen entsteht das Bild eines leidenschaftlichen Theatermenschen zwischen Bühne, Alltag und Gesellschaft. Ein schönes Fundstück für alle, die Lortzing nicht nur als Opernkomponisten, sondern als Persönlichkeit entdecken möchten.
Albert Lortzing schrieb dreizehn abendfüllende Opern — weit mehr, als man heute meist mit seinem Namen verbindet. Im Repertoire präsent geblieben sind vor allem wenige Titel wie »Zar und Zimmermann«, »Der Wildschütz« und »Der Waffenschmied«. Gerade darin steckt der Reiz von »Lortzing 26«: Bekanntes wiederzuhören und zugleich weniger bekannte Seiten dieses vielseitigen Theaterkomponisten zu entdecken.


Der Sammelband »Lortzing und Leipzig. Musikleben zwischen Öffentlichkeit, Bürgerlichkeit und Privatheit«, herausgegeben von Thomas Schipperges, ist kein leichter Einstieg, aber ein ideales Fundstück für alle , die Lortzing im Leipziger Kontext genauer entdecken möchten. Der 2014 erschienene Band versammelt 21 Beiträge auf 548 Seiten und zeigt Lortzing nicht nur als Komponisten, sondern als Teil des Leipziger Theater-, Musik- und Stadtlebens.

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Senden Sie die Antwort bis zum 31. Mai 2026 per Mail an Dreiklang@oper-leipzig.de oder postalisch an Oper Leipzig, Stichwort: Dreiklang, Augustusplatz 12, 04109 Leipzig.


OPER LEIPZIG
Intendant: Tobias Wolff (V. i. S. d. P.)
Verwaltungsdirektorin: Lydia Schubert
REDA k TION
Nele Winter (verantwortlich) | Dramaturgie & Marketing
TEXTE
Anna Elisabeth Diepold, Marlene Hahn, Sandra Janke, Dr. Kara McKechnie, Bea Mayer, Dr. Inken Meents, Marie Poll, Sonja Trebes, Nele Winter, Tobias Wolff
FOTOS
Mihály András (S. 58 – 59), Dirk Becker (S. 44 – 46), Dr. Kara McKechnie (S. 1 unten rechts), Kirsten Nijhof (S. 1 oben rechts, S. 31 oben, S. 40 – 41, S. 47, S. 63 – 64), Simon Pauly (S. 38), Markus Scholz (S. 30), Tom Schulze (S. 1 links, S. 31 unten), Nele Winter (S. 50 – 51), Abbildungen (S. 6, 8, 9, 28, 42) vom Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig freundlicherweise zur Verfügung gestellt.
ILLUSTRATIONEN
macrovector – Freepik.com (S. 47), Daryna Zaichenko – Freepik.com (S. 60 – 61)
ILLUSTRATIVE BILDER
formdusche (Umschlag, S. 12 – 26, 32, 35, 36–39, 48 – 49, 52, 54, 56 – 59)
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