Schwangerenvorsorge in Hebammenhand

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Schwangerenvorsorge in Hebammenhand -eine Arbeitshilfe

Hrgb.: AG Schwangerenvorsorge durch Hebammen, 2022

Inhalt

Die Autorinnen 3

Terminplaner Vorsorge 4 Anamnese 7 Ernährung 9 Labor 24 Pränataldiagnostik 30 Gestationsdiabetes 35 Streptokokken 40 Terminüberschreitung 45 Information zu Coronavirus SARS-CoV-2 51 Quellen 51 Impressum 55

2. Auflage: Dezember 2022

Schutzgebühr: 20 Euro Kontakt/Bestellung: broschuere@hebammenfuerdeutschland.de

Die Autorinnen

Schwangerenvorsorge gehört zu den originären Hebammentätigkeiten und ist wichtiger Bestandteil der physiologischen Begleitung von Schwangeren und deren Vorbereitung auf die Geburt.

Acht Hebammen aus dem Köln Bonner Raum haben zusammengetragen, was ihnen hilft, die Begleitung von Schwangeren professionell und bedürfnisorientiert anzubieten.

Alexandra Weis geb. 1967, seit 1997 Hebamme und tätig in der Schwangeren- und Wochenbettbetreuung

Angela Schaub geb. 1968, Hebamme seit 1990, seit 1996 freiberuflich in Lohmar und Umgebung tätig

Beate Söntgerath geb. 1968, seit 2014 Hebamme und seit 2016 freiberuflich in Schwangerschaft, Kurse, Geburt und Wochenbett tätig

Karin Streu geb. 1961, seit 1986 als Hebamme in allen Bereichen von Schwangerschaft und Geburt tätig und seit 2003 als Heilpraktikerin/Homöopathin für alle Lebensphasen der Frau ansprechbar

Kerstin Ebert geb. 1961, seit 40 Jahren klinisch als auch freiberuflich in Geburt, Vorsorge und Wochenbett tätig, ausgebildet in traditioneller chinesischer Medizin + Akupunktur

Lisa von Reiche geb. 1959, seit 1991 in der originären Hebammenbetreuung von Schwangerschaft, Geburt und erstem Lebensjahr tätig

Marie Salzer geb. 1992, seit 2018 als Hebamme in der Schwangerschaftsbegleitung und der Wochenbettbetreuung tätig

Nitya Runte geb. 1964, seit 1987 Hebamme in klinischer Tätigkeit, seit 1994 Hausgeburtshebamme mit Rundumbetreuung und Fokus auf Entspannungs- und Hypnosetechniken

Schwangerenvorsorge durch Hebammen | Die Autorinnen

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Terminplaner Vorsorge

SSW

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Eisprung und Befruchtung

1.Vorsorgeuntersuchung ET-Berechnung 8 *Labor, Anamnese, Chlam., Vag-U, Brust-U.

1.Ultraschalluntersuchung (9.-12. SSW) 9 2.Vorsorgeuntersuchung 11 3.Vorsorgeuntersuchung 16 2.Ultraschalluntersuchung (19.-22. SSW) 19 4.Vorsorgeuntersuchung 20 5.Vorsorgeuntersuchung 24 2.AK-Bestimmung (24.-27. SSW), Hb 25 oGTT (24.-28. SSW) 6.Vorsorgeuntersuchung 28 Anti-D-Prophylaxe bei Rh-neg. (28.-30. SSW) 3.Ultraschalluntersuchung (29.-32. SSW) 29 7.Vorsorgeuntersuchung 32 HBsAg-Untersuchung (32.-40. SSW), Hb 8.Vorsorgeuntersuchung 34 9.Vorsorgeuntersuchung 36 10.Vorsorgeuntersuchung 38 Errechneter Termin 40

* Bei der Erstuntersuchung in der Schwangerschaft werden folgende Laboruntersuchungen durchgeführt: Blutgruppenbestimmung, AK-Suchtest, Röteln, Lues, HIV, Hb, (kleines BB)

Schwangerenvorsorge: „To Do“ Laut der deutschen Mutterschaftsrichtlinien sollen bei jeder Schwangerenvorsorge folgende Untersuchungen vorgenommen werden:

Ödeme/Varizen

Mütterliches Gewicht

Mütterlicher Blutdruck

Urin Sticks (Proteine, Glukose)

Leopold’sche Handgriffe:

Kindslage

Kindsbewegungen (s. Kick Chart)

Beurteilung der Fruchtwassermenge

Auskultation fetaler Herztöne

Gewichtsschätzung

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Schwangerenvorsorge durch Hebammen | Terminplaner
• Fundusstand, Leibesumfang, Symphysen-Fundus-Abstand

Anamnese

Die Anamnese lässt eine Reihe von Beobachtungen zu, die nützlich sind, um die spezifischen Ressourcen der Frau zu erkennen und zu aktivieren, falls dies notwendig werden sollte. Sie soll ohne Wertung, Vorurteile oder negative Projektion erfolgen.

Bei einer mit Stress/Überreizung belasteten Frau sollte durch Reizreduzierung darauf hingewirkt werden, dass ihr Sympathiko-Tonus (= Stresslevel) abgesenkt wird. Mittel dazu wären: z.B. Massage, Haushaltshilfe, Einbindung von Familienhilfen etc.

Die Coping Anamnese gibt Auskunft über die Fähigkeit der Frau, Herausforderungen im Leben zu meistern. Die gesundheitlichen Ressourcen werden den Risikofaktoren (wenn es welche gibt) gegenübergestellt.

Es wird ein Betreuungsplan auf der Grundlage der spezifischen Bedürfnisse erstellt, dabei wird die Frau am Erstellen eines Plans beteiligt. Ggf. kann fachärztliche Betreuung für die primäre Betreuung als notwendig erachtet werden.

Hebammenressourcen

• Kennenlernen der Frau und des Kindes und deren Ökosystems

• Aufbau einer affektiven Beziehung und Aktivierung der Eigenständigkeit der Frau

• Überwachung des Allgemeinbefindens von Mutter und Kind durch evidenzbasierte Methoden

• Erstellen des Betreuungsplans und bei Bedarf Änderung des Plans

• Gesundheitszeichen und Ressourcen

Fragenkatalog:

• Wie geht es Dir?

• Wie hast du die Schwangerschaft zum ersten Mal wahrgenommen?

• Wie lange habt ihr auf die Schwangerschaft gewartet? Wie lange seid ihr ein Paar?

• Emotionale Reaktion auf die Schwangerschaft – seit wann freust du dich?

• Wenn ungeplant – wie ist die Situation aktuell?

• Wie reagiert deine Umwelt auf die Schwangerschaft?

• Hast du Pränataldiagnostik in Anspruch genommen?

• Wie war dein Zyklus? Gab es Beschwerden? Was hast du gefühlt? Konzeptionstermin? (Terminbestimmung evtl. noch nachholen)

• Wie geht es deinem Kind? Wie nimmst du Kontakt zu ihm auf?

• Hast du Sorgen oder Ängste?

• Wieviel arbeitet dein*e Partner*in?

• Hat sich eurer Beziehung seit der Schwangerschaft verändert? Sexualität?

• Gab es in deinem Leben einmal negative Erfahrung mit Sexualität/Übergriffigkeiten?

• Hast du Stress? Wenn ja, Dynamiken zu Bewältigung? (Parasympathikus aktivieren)

Schwangerenvorsorge durch Hebammen | Anamnese

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Ernährungsempfehlungen

Der Stoffwechsel während der Schwangerschaft

• muss Höchstleistungen vollbringen

• meistert die Versorgung zweier Organismen, einer davon ist im Aufbaustoffwechsel

• benötigt hochwertige Nährstoffe und Baumaterialien: Eiweiße (E), Fett (F), Kohlenhydrate (KH), Vitamine (Vit), Mineralstoffe (MS), mehrfach ungesättigte Fettsäuren (MUF)

Gewichtsentwicklung im Verlauf der Schwangerschaft

• untergewichtige Frau BMI <18,5: 12,5 – 18kg (2,3kg/Monat)

• normalgewichtige Frau BMI 18,5-25: 11,5-16kg (1,8 kg/Monat)

• übergewichtige Frau BMI 25-30: 7–11,5kg (1,2kg/Monat)

• adipöse Frau BMI >30: 7kg (800 g/Monat)

Bewegung pro Tag / Kalorienbedarf Frau

• Unter 30 Minuten 1800-2000 kcal

• 30 bis 60 Minuten 2000-2200 kcal

• Über 60 Minuten 2400-2800 kcal

Energiebedarf in der Schwangerschaft

Zusätzlicher Energiebedarf = 255 kcal/Tag von Beginn der Schwangerschaft z.B.:

• 1 Scheibe Vollkornbrot, 1 TL Butter, 15g Käse

• oder 150g Joghurt, 2 EL Haferflocken, 1 EL Sonnenblumenkerne, 1 Apfelsine

• oder 1 Portion Gemüse mit Reis und 1 EL Öl

→ Insgesamt gilt: nicht für 2 essen, sondern Klasse statt Masse!

Der Bedarf an Energie, Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen ist deutlich erhöht. Die Ernährungsempfehlungen für stillende Frauen entsprechen weitgehend den Empfehlungen für schwangere Frauen.

Für etwa 800ml Muttermilch sind 650 kcal erforderlich. Daraus ergibt sich ein Mehrbedarf von 530 kcal/Tag (Rest kommt aus den in der Schwangerschaft angelegten Fettdepots).

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Ernährung

Schwangerschaftsdiabetes

Eine gestörte Blutzucker-Regulation und der sich daraus entwickelnde Diabetes ist eine stetig häufiger werdende Störung im Schwangerschaftsverlauf und erfordert ein frühes und umfassendes Informationsgespräch mit jeder! schwangeren Frau.

Die Entdeckung eines GDM (Gestationsdiabetes) ist Diabetes-Prävention! Würde man nur übergewichtige und familiär vorbelastete Frauen in der Schwangerschaft auf eine gestörte Glucosetoleranz screenen, würden 40 % der Fälle unentdeckt bleiben!

Bei einem BMI > 25 besteht die Empfehlung zu tgl. 10.000 Schritten oder einem 2-stündigem Spaziergang als Prophylaxe und auch begleitende Therapie! Alternativ zum ausgedehnten Spaziergang wird die tiefe Hocke in 30 Wiederholungen angeraten, um den Grundumsatz der Schwangeren deutlich zu erhöhen und Ihre Sensibilität für die Glucosestörung günstig zu beeinflussen.

Die Weichen für das Eintreten der Erkrankung werden in der Regel vor der Schwangerschaft oder in den ersten Schwangerschaftswochen gestellt. Daher ist größte Sorgfalt bei der Ernährung und der Stress-Reduktion von Anfang an einer der wichtigsten Faktoren in der Prävention!

Die Empfehlung eines oralen Glucosetoleranztestes (oGTT) ist an alle Schwangeren in der 24.–29. SSW gerichtet.

Eine mögliche Alternative bei Ablehnung wäre die BZ-Bestimmung nüchtern und/ oder 1 Stunde nach dem Frühstück.

Die Ernährungsberatung gewinnt schon im Vorfeld der Schwangerschaft, spätestens aber mit eingetretenem positiven Schwangerschaftstest eine eklatante Wichtigkeit im Hinblick auf Vermeidung und/oder Therapiemöglichkeit eines evtl. entstehenden Diabetes.

• 2-3 Mahlzeiten vollwertige Mahlzeiten pro Tag reichen aus

• Zuckerverzicht von Beginn der Schwangerschaft an!

• Spätestens jedoch 6-8 Wochen vor ET: Vermeidung von Zucker und (nutzlosen) Kohlehydraten

• der Verzehr von Glucoseindex-senkenden Nahrungsmitteln wie Pampelmuse, Radicchio u.v.m. wird angeraten

• Vermeidung, bzw. Reduktion von verstecktem Zucker, z.B. in Trockenfrüchten, Industrienahrung uvm.

• Weglassen der Kuhmilch und ihrer Produkte → enthalten insulinähnliche Wachstumsfaktoren, die diabetogen wirken

• Getreidemilchen bevorzugen, ballaststoff- und wasserreiches Obst bevorzugen

Ein erhöhter Obstverzehr vor der Schwangerschaft geht mit einem 5% geringeren Risiko einher, an gestationsbedingtem Diabetes mellitus zu erkranken. Eine obstbetonte Ernährung in der Schwangerschaft zeigt keine signifikante Assoziation zum positiven Schwangerschafts-Diabetes

Schwangerenvorsorge durch Hebammen | Gestationsdiabetes

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