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Die Publikationsreihe «Der Thurgau im späten Mittelalter» wird ermöglicht durch Lotteriefonds des Kantons Thurgau Ulrico Hoepli-Stiftung, Zürich

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Projektleitung: Silvia Volkart, Winterthur Redaktion: Silvia Volkart, Winterthur und Ramona Früh, Frauenfeld Lektorat: Ingrid Kunz Graf, Schaffhausen Gestaltung: Urs Stuber, Frauenfeld Satz: Daniela Bieri-Mäder, Niederbüren Lithografie: Adrian Gabathuler, Züberwangen Druck, Einband: Kösel GmbH, Altusried-Krugzell © 2014 Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich und Kanton Thurgau © 2014 für die Texte Autorinnen und Autoren Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Die dadurch begründeten Rechte, insbesondere die der Übersetzung, des Nachdrucks, des Vortrags, der Entnahme von Abbildungen und Tabellen, der Funksendung, der Mikroverfilmung oder der Vervielfältigung auf anderen Wegen und der Speicherung in Datenverarbeitungsan lagen, bleiben, auch bei nur auszugsweiser Verwertung, vorbehalten. Eine Vervielfältigung dieses Werks oder von Teilen dieses Werks ist auch im Einzelfall nur in den Grenzen der gesetzlichen Bestimmungen des Urheber rechtsgesetzes in der jeweils geltenden Fassung zulässig. Sie ist grundsätzlich vergütungspflichtig. Zuwiderhandlungen unterliegen den Strafbestimmungen des Urheberrechts. ISBN 978-3-03823-887-4 www.nzz-libro.ch NZZ Libro ist ein Imprint der Neuen Zürcher Zeitung


INHALTSübERSIcHT

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Der Thurgau und das Konzil von Konstanz Monika Knill

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«Ich ritt mit ihnen zwei Tage lang in den Thurgau» Silvia Volkart und Hansjörg Brem

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Kapitel I: Der Thurgau vor 1414 – eine Landgrafschaft mit vielen «Herren»

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Wer regierte den Thurgau? Peter Niederhäuser

37

Konstanzer im Thurgau, Thurgauer in Konstanz Peter Niederhäuser

45

Kapitel II: Auf dem Weg zum Konzil – von Italien an den Bodensee

47

Der beschwerliche Weg über die Alpen Henry Gerlach

49

Bologna – Kreuzlingen – Konstanz – die Anreise von Papst Johannes XXIII. Christina Egli

59

1000 Perlen für eine Nacht? – die Mitra aus dem Kloster Kreuzlingen Jana Lucas

65

Johannes Mulbergs letzte Reise – als Anhänger Papst Gregors XII. unterwegs nach Konstanz Sabine von Heusinger

71

Freie Fahrt? – Gefahren am Wegrand Peter Niederhäuser

Rom am Bodensee • Die Zeit des Konstanzer Konzils


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Kapitel III: Konstanz – die Konzilsstadt

77

Konstanz, das zweite Rom – die Bischofs- und Reichsstadt um 1414 Dominik Gügel

88

Ulrich Richental – der selbstbewusste Konzilschronist Dominik Gügel

90

Richental bekommt ein Gesicht – auf der Suche nach einer Darstellung des Chronisten Dominik Gügel

95

Bischof Otto III. von Hachberg – der Gastgeber ohne Profil Henry Gerlach

97

Kapitel IV: Das Konzil von Konstanz 1414 – 1418 – Schlaglichter auf Ereignisse und Alltägliches

99

Das Konzil – Gipfeltreffen mit Erfolgen und Tiefschlägen Henry Gerlach

115

Papst Johannes XXIII. – ein Verlierer ergreift die Flucht Henry Gerlach

121

Schauplätze und Treffpunkte – ein Rundgang in der Konzilsstadt Henry Gerlach

131

Schloss Gottlieben – Festung, Palast, Kerker Dominik Gügel

135

Verwöhnte Gaumen, hungrige Mäuler – wie Konstanz seine Gäste versorgte Roman Sigg

145

Wechsler oder Wucherer? – Geldhändler zur Konzilszeit Peter Niederhäuser

149

Kapitel V: Die Folgen des Konzils für den Thurgau – Machtverschiebungen

151

Herzog Friedrich IV. von Österreich – eine tragische Figur? Peter Niederhäuser

160

Der Thurgau nach dem Konzil – ein politischer Flickenteppich? Peter Niederhäuser


163

Kapitel VI: Das Konzil als Inspirationsquelle – Entdeckungen und Reflexe in der Nordostschweiz

165

Am Rande des Konzils – die Humanisten Poggio Bracciolini und Leonardo Bruni entdecken die römische Antike im Bodenseeraum Hansjörg Brem

179

Papstsekretär Poggio auf Schatzsuche in Münsterlingen – wenn Erfindung auf Geschichte trifft Silvia Volkart

186

Weshalb die Pilgerin ihre Tasche ablegt – das Weihnachtsbild der Kirche Burg zu Stein am Rhein erzählt vom Konstanzer Konzil Silvia Volkart

195

Spätgotische Wandmalereien in der Arboner Johanneskapelle – auf den Spuren einer Neuentdeckung Bettina Hedinger und Doris Warger

198

Die Ermatinger Groppenfasnacht – eine Erinnerung an Päpste? Ramona Früh

201

Anmerkungen

217

Anhang

218

Das Konstanzer Konzil in Kürze Ramona Früh

220

Quellen, Chroniken

221

Literatur

233

Bildnachweis

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Autorinnen und Autoren

Rom am Bodensee • Die Zeit des Konstanzer Konzils


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2 Das aus dem Augustiner-chorherrenstift Kreuzlingen stammende Exemplar der Richental-chronik zeigt auf dem ersten blatt einen Ritter auf einem Pferd, der einen roten Schirm trägt. Auf diesem Schirm sitzt ein Kreuz tragender Engel. Im übertragenen Sinn ist damit der sogenannte Traghimmel (griech. «Konopeion») gemeint, der dem Papst als Ehrenbezeugung vorangetragen wird. Holzschnitt koloriert, Richental-chronik, Druckausgabe Anton Sorg, Augsburg 1483. Kantonsbibliothek Thurgau, Frauenfeld, Inkunabelkatalog Nr. 537, S. 501.


Silvia Volkart und Hansjörg Brem

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«IcH RITT MIT IHNEN ZWEI TAGE LANG IN DEN THuRGAu»

Noch ein Buch zum Konzilsjubiläum? Aber das Konzil war ja in Konstanz, nicht im Thurgau! Schon lange her! Alles richtige Bemerkungen: Es war weniger der Forscherdrang als handfeste Interessen, die dazu führten, dass im Thurgau erste Initiativen ergriffen wurden, um das Jubiläum auch im südlichen Hinterland von Konstanz zu einem Thema zu machen. Dabei standen touristische Überlegungen im Vordergrund: Wie können Besucherinnen und Besucher von Ausstellungen und Aktivitäten rund um das Konstanzer Konzil für den Thurgau gewonnen werden? Rasch wurde aber klar: Es ist gar nicht so einfach, Orte und Ereignisse auf thurgauischem Boden mit Bezug zum Konzil zu benennen. Noch anspruchsvoller würde es sein, diese Orte mit dem damaligen Geschehen in der Bischofsstadt in Verbindung zu bringen. Man brauchte also Fakten, Orte, Geschichten. Und diese waren erst zu finden – deshalb dieses Buch. Ohne den Thurgau hätte der wichtigste mittelalterliche Kirchenkongress wohl nicht in Konstanz stattgefunden. Weil an diesem Konzil nichts Geringeres als die Spaltung der katholischen Kirche durch drei amtierende Päpste zu verhandeln war, wurden Teilnehmer aus aller Herren Länder erwartet. Eine gute Verkehrslage im Herzen Europas und eine Infrastruktur, die die Bedürfnisse eines «Weltkongresses» abzudecken vermochten, waren die Grundvoraussetzungen für die Wahl des Versammlungsorts. Papst Johannes XXIII., der das Konzil gemeinsam mit König Sigismund von Luxemburg vorbereitete, unterzog den «Kandidaten Konstanz» im Vorfeld daher einer kritischen Prüfung. Der Chronist Ulrich Richental berichtet: «Papst Johannes XXIII. schickte zwei Männer nach Konstanz, die in Erfahrung bringen sollten, wie dies Land sei, ob man Herberge haben könne und ob auf eine Meile weit Städte und Dörfer lägen, die die Fremden beherbergen könnten. Daher befahl mir, Ulrich Richental, der Rat zu Konstanz, mit ihnen auf die Dörfer zu reiten, die an der Thur liegen. Das tat ich und ritt mit ihnen zwei Tage lang in den Thurgau. Die Boten aber meinten, es genüge schon die Hälfte, um allen Fremden Herberge zu geben.» 1 Wie viele der weltlichen Herrscher und geistlichen Würdenträger mit ihrem Gefolge in den Jahren 1414 bis 1418 schliesslich im Thurgau logierten, ist nur ausnahmsweise überliefert. Bekannt als Herberge für hohe Gäste war etwa das Augustiner-Chorherrenstift Kreuzlingen. Gewiss waren die im Thurgau lebenden Menschen vom Geschehen in Konstanz aber betroffen: wirtschaftlich, politisch, bisweilen persönlich, da und dort kulturell. Unsere Absicht war es, Ihnen als Leserinnen und Lesern beidseits der heutigen Grenze eine Auswahl von Geschichten und Ereignissen zu präsentieren und dabei Zusammenhängen nachzuspüren, die die kleinen Geschichten mit der grossen Weltgeschichte verbinden. So werden hinter den klingenden Namen wie König Sigismund, Papst Johannes XXIII., Jan Hus oder Herzog Friedrich IV. auch weniger bekannte Personen sichtbar – etwa der einheimische Chronist Ulrich Richental und die italienischen Humanisten, die als neugierige Gäste in der Bodenseeregion

Rom am Bodensee • Die Zeit des Konstanzer Konzils

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weilten. Oder der in Basel tätige Dominikaner Johannes Mulberg und sein Ordensbruder Konrad Schlatter, deren Reise zum Konzil tragisch endete. Wir wollten aber auch den Spuren im Thurgau nachgehen, die uns noch heute an das «Weltereignis Konstanzer Konzil» erinnern. Und es schien uns nützlich, Ihnen als Geschichtsinteressierten auch allgemeine Informationen zum grossen Kongress und zu seinem «Funktionieren» vorzulegen – nicht zuletzt um Ihnen ein Buch in die Hand zu geben, das ohne weitere Lektüre (oder Recherche im Internet) in sich geschlossen ist. Der vorliegende Band ist keine Forschungsarbeit; in einzelnen Kapiteln wird aber sicher Neues vorgestellt, anderes neu betrachtet, fast alles erstmals bebildert. Die Autorinnen und Autoren kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen und setzen verschiedene Schwerpunkte: Sie haben sich alle mit dieser Epoche in unserem Raum, ja mit dem Konzil selber schon vertieft befasst. Teilweise ergeben sich Überschneidungen mit anderen Werken, die zum Konzil verfasst werden und – durchaus gewollt – auch andere Sichtweisen. Unsere Manuskripte wurden im Spätsommer 2013 grösstenteils abgeschlossen, neuere Literatur ist deshalb nicht immer eingearbeitet. Ebenso hat die Arbeit an einigen Texten gezeigt, dass die Quellenbasis mitunter nicht so ganz eindeutig und abgesichert ist, wie es schien. Autorinnen und Autoren können also auch hier unterschiedliche Meinungen vertreten. Der Band ist der erste einer vierteiligen Publikationsreihe zur Geschichte des Thurgaus im späten Mittelalter. Das 15. Jahrhundert war für die Entwicklung der Region besonders wichtig: In diese Epoche fiel der Thurgau an «den Süden» oder wurde – anders gesagt – ins eidgenössische Machtgefüge eingebunden. Modern ausgedrückt heisst das: Der Thurgau begann sich in die «Greater Zurich Area» einzupassen. Dass das Konstanzer Konzil als Versammlung der Mächtigen des Abendlandes die politischen Weichen dafür stellte, ist mit ein Grund, dass unsere Reihe in der Zeit um 1414 einsetzt. Wir danken dem Regierungsrat des Kantons Thurgau, dass er dieses Werk durch einen namhaften Beitrag ermöglicht hat. Dazu wurden auch Ressourcen aus der kantonalen Verwaltung zur Verfügung gestellt. Viele Mitarbeitende leisteten neben ihren übrigen Aufgaben in den letzten zwei Jahren auch immer wieder «Konzilsarbeit». Den Autorinnen und Autoren gebührt unser herzlicher Dank für die akribische Arbeit und die Bereitschaft, ihr Wissen in eine solche Sammelpublikation einzubringen. Ramona Früh, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Kulturamts und Koredaktorin der Publikation, danken wir für ihre umfassenden Hilfestellungen. Unser Dank gilt überdies Urs Stuber für seine attraktive gestalterische Umsetzung des Manuskripts und dem Verlag für die sorgfältige Arbeit bei der Schlussredaktion, für Satz und Druck sowie für den Vertrieb. Die Mitglieder der Redaktionskommission haben mit ihrer kritischen Begleitung der Manuskriptherstellung hervorragende Arbeit geleistet. An ihnen wird es liegen, die folgenden Bände mit demselben Anspruch zu gestalten.


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KAPITEL I DER THuRGAu VOR 1414 – EINE LANDGRAFScHAFT MIT VIELEN «HERREN»

WER REGIERTE DEN THuRGAu? 17

KONSTANZER IM THuRGAu, THuRGAuER IN KONSTANZ 37

Rom am Bodensee • Die Zeit des Konstanzer Konzils


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3 Karte des Thurgaus in Johannes Stumpfs chronik «Gemeiner loblicher Eydgnoschafft Stetten/Landen und Voelckeren chronick wirdiger thaaten beschreybung […]». Holzschnitt. Druckerei christoffel Froschauer, Zürich 1547/48. Kantonsbibliothek Thurgau, Frauenfeld, M 580, 5. buch, S. 2.


Peter Niederhäuser

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WER REGIERTE DEN THuRGAu?

Zwischen 1400 und 1412 war der Thurgau ein «Unruheherd». Viele Kräfte regierten damals die Landgrafschaft: Neben Herzog Friedrich IV. spielten auch Adelsfamilien und geistliche Herren führende Rollen. Die Appenzellerkriege, in denen weite Teile des Thurgaus heimgesucht wurden, machten die schwierige Situation deutlich. Die Befriedung der Region und ein spürbarer Machtausbau Herzog Friedrichs im Thurgau brachten in der Folge eine Stabilisierung. «Das Thurgau begreift in seinem Umkreis die Landschaften und Herrschaften Appenzell, Toggenburg, das Gebiet des Abtes von St. Gallen, die Stadt St. Gallen, die Landgrafschaft Frauenfeld, die Grafschaft Kyburg sowie die Städte und Herrschaften Winterthur, Bischofszell, Diessenhofen, Andelfingen, Arbon, Tannegg und Bürglen [. . .] Dieses Gelände ist ganz lieblich und fruchtbar an Wein, Korn, Obst und allerlei guten Früchten [. . .].»2 Die wohl älteste Landesbeschreibung geht auf den Zürcher Chronisten Johannes Stumpf zurück, stammt aus der Mitte des 16. Jahrhunderts und macht deutlich, dass der Thurgau keine klar definierte historische Region war, sondern ursprünglich auch weite Teile der heutigen Kantone St. Gallen und Zürich umfasste. So galt Winterthur weit in die frühe Neuzeit hinein als «thurgauischer» Ort. Die chronikalische Schilderung erinnert nicht nur an die Schwierigkeit, den Thurgau zu «definieren», sondern verweist gleichzeitig auf die unterschiedlichen Herrschaften, die sich hier gegenüberstanden oder überlappten. In der Zeit von Johannes Stumpf hatten sich die Machtstrukturen insofern vereinfacht, als sich die Ostschweiz unter der unumstrittenen Oberherrschaft der eidgenössischen Orte befand. Noch um 1400, im Vorfeld des Konstanzer Konzils, zeigte sich die Situation allerdings anders und komplexer. Die von Stumpf betonte Fragmentierung der Macht geht auf das Mittelalter zurück. Trotz der Bedeutung der Grafen von Kyburg und ihrer Nachfolger, der Grafen von Habsburg und Herzöge von Österreich, war es weder einem Adelsgeschlecht noch einer anderen Instanz gelungen, die uneingeschränkte Kontrolle über die Ostschweiz zu erlangen. Die bis heute spürbare Kleinräumigkeit des Kantons hängt mit diesem historischen Erbe zusammen: Unterhalb einer lockeren landesherrlichen Hoheit übten ganz unterschiedliche «Herren» Macht aus, vom Bischof von Konstanz über Klöster und Städte bis hin zu lokalen Adelsherrschaften. Es fällt schwer, von einer Einheit und von einer regionalen Identität zu sprechen; die übergreifende Klammer war um 1400 am ehesten die «Landgrafschaft», wie der Geltungsbereich des Thurgauer Landgerichts bezeichnet wurde. Wie sah jedoch der Thurgau zur Zeit des Konstanzer Konzils aus? In welchem Zusammenhang standen die politischen Strukturen der Ostschweiz mit den Vorgängen im Umfeld des Konzils? Welche Bedeutung hatten das Landgericht und die unterschiedlichen Akteure der Macht, die kirchlichen und weltlichen Inhaber von Herrschaftsrechten? Eine erste Annäherung gilt dem Landgericht als der vielleicht wichtigsten «thurgauischen» Institution im Mittelalter.

I • Der Thurgau vor 1414 – eine Landgrafschaft mit vielen «Herren»

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4 unter dem Eindruck der städtischen Verwaltung: Die älteste bekannte Thurgauer Landgerichtsordnung findet sich im Ratsprotokoll der Stadt Winterthur zum Jahr 1406. Stadtarchiv Winterthur, b 2/1, S. 10.

Das Landgericht als Identitätsstifterin Landgrafschaften gehen mit ihren Landgerichten ursprünglich auf karolingische Grafschaften zurück und entwickelten sich im 12./13. Jahrhundert zu einer Instanz, die unter dem Einfluss eines Grafen Reichsrechte wahrte, den Landfrieden förderte und Konflikte unter Freien regelte. 3 Im Lauf des 13./14. Jahrhunderts verwandelte sich auch im Thurgau das Landgericht zu einem Organ der Landesherrschaft, das unter einem Landrichter die hohe oder Blutgerichtsbarkeit ausübte und zunehmend Klagen aller Art aufgriff. Das thurgauische Landgericht gehörte anfänglich den Grafen von Kyburg und kam nach deren Aussterben an die Grafen von Habsburg, die jeweils Freiherren als Landrichter einsetzten, zuletzt 1405 den Freiherrn Diethelm von Wolhusen.4 Dieser oft aus dem Thurgau stammende Landrichter – bekannt sind für die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts Ulrich und Walter von Hohenklingen sowie Albrecht von Bussnang – stand einem Gremium vor, das sich ab 1379 nicht mehr aus Freien, sondern aus geschworenen Richtern zusammensetzte. Das Landgericht konnte an unterschiedlichen Orten tagen. Spätestens um 1400 fixierte es sich auf Winterthur, dessen Bürger – in der Regel Ratsherren – bis 1417 die Richter und den Landschreiber stellten. Winterthur war damit vor dem Konzil so etwas wie die Hauptstadt des Thurgaus geworden. Die 1406 erlassene und im Winterthurer Ratsbuch notierte (neue?) Landgerichtsordnung erlaubt einen Einblick in die Kompetenzen, den Ablauf und die Gebühren des Gerichts. 5 Anklagen wurden in einem «Klagbuch» aufgeschrieben und die Klagen öffentlich verkündet, ehe Verhand-


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lungen in einem von Schranken abgegrenzten Raum stattfinden und Urteile allenfalls über die Acht durchgesetzt werden konnten. Das Landgericht war auch Appellationsinstanz von lokalen Gerichten, kümmerte sich um Fertigungen wie Käufe oder Erbschaften, beglaubigte Schriftstücke und sprach in schweren Angelegenheiten wie Eigentumsdelikten, Schuldfragen oder Totschlag Recht. 1363 verpfändete beispielsweise Hug Thumb seine Rechte an der Burg Mammertshofen vor dem Landgericht an Burkhard Schenk von Kastel, 1403 liess die Stadt Konstanz auf dem Landtag bei Winterthur drei königliche Freiheitsbriefe vom Landgericht bestätigen, und um 1410 wurde der Winterthurer Bürger Heinrich Rüdger von Egli von Rorschach des Totschlags beschuldigt, ohne dass jener aber Beweise beibringen konnte.6 Mit der Ausweitung der Kompetenzen und der Öffnung des Richtergremiums etablierte sich das Landgericht gegen 1400 als ein übergeordnetes Gremium, das im Namen der habsburgisch-österreichischen Landesherrschaft im Thurgau Recht sprach und als oberste regionale Rechtsinstanz in der Ostschweiz eine Art identitätsstiftende Klammer bildete. Die Nähe zur Landesherrschaft, die die Hoheit über die Landschaft beanspruchte, prägte den Charakter dieser Landgerichte. Diese waren zwar eigenständige Institutionen, unterstanden aber letztlich einem Landesherrn und wurden immer stärker zu einem Instrument landesherrlicher Gewalt, die sich über die Wahrung von Frieden und Ordnung legitimierte. Inhaber der thurgauischen Landesherrschaft war das Haus Habsburg-Österreich, die wichtigste Macht in der Ostschweiz. Der habsburgische Thurgau Die Habsburger blickten um 1400 auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Ursprünglich im Elsass und im Aargau begütert, verstanden es die Grafen, über eine geschickte Heirats- und Erwerbspolitik zur führenden Adelsfamilie im Südwesten des Reichs aufzusteigen. 7 Mit der Übernahme der kyburgischen Rechte 1264 dehnte das Geschlecht seinen Einfluss schliesslich vom Elsass über Freiburg und den Aargau bis an den Bodensee aus. Die Wahl Rudolfs von Habsburg 1273 zum römischen König und der Gewinn der Herzogswürde in Österreich 1278 – 1282 markierten einen ersten Höhepunkt in der Geschichte der Familie und leiteten eine allmähliche Verlagerung der habsburgischen Politik in den Osten ein, wo Wien und Graz zu beliebten Residenzorten aufstiegen. Der Gewinn von Tirol 1363 brachte diese unterschiedlichen Herrschaftskomplexe einander näher, gleichzeitig führte die innerfamiliäre Auseinandersetzung zu einer zeitweiligen Teilung der Herrschaft. Der Thurgau gehörte fortan zu «Vorderösterreich» oder zu den «Vorlanden», wie das Gebiet westlich des Arlbergs genannt wurde. Als Herzöge von Österreich den Reichsfürsten zugehörig, bewegten sich die Habsburger im Spannungsfeld von «grosser» und «kleiner» Politik. Die geografische Grösse ihres Einflussgebiets machte ständige, beschwerliche Reisen erforderlich, wobei die Ostschweiz bestenfalls am Rand

I • Der Thurgau vor 1414 – eine Landgrafschaft mit vielen «Herren»

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Roman Sigg

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VERWÖHNTE GAuMEN, HuNGRIGE MäuLER – WIE KONSTANZ SEINE GäSTE VERSORGTE

Eine Herausforderung für die Konzilsstadt war die Versorgung der vielen Tausend Gäste mit Nahrungsmitteln. Könige, Kardinäle und Bischöfe wollten mit Luxusprodukten und erstklassigen Weinen verwöhnt werden. Knechte, Liebesdienerinnen und Gaukler, aber auch die vielen Pferde und Maultiere der hohen Herrschaften benötigten täglich Esswaren und Futter. Wie die Stadt und ihr Umland diese Aufgabe meisterten und das Problem der explodierenden Preise für Güter in den Griff bekamen, ist bemerkenswert. Mit Konrad von Weinsberg auf dem Markt Im Januar 1418 sah sich Reichserbkämmerer Konrad von Weinsberg, zuständig für die Finanzen und die Versorgung des römisch-deutschen Königs, wieder einmal vor eine anspruchsvolle Aufgabe gestellt. Er hatte seinen Herrn, König Sigismund, zu Gast. Konrad machte sich also auf den Weg zum Konstanzer Markt, um die Speisen für den verwöhnten Gaumen des Königs und der übrigen Gäste zu besorgen. Die Überlieferung in der Konzilschronik des Ulrich Richental, insbesondere die Illustrationen, bieten eine ungefähre Vorstellung des Markttreibens von damals. Konrad konnte Brot und Pasteten bei fahrenden Bäckern kaufen. Er fand ein grosses Angebot an Fisch und Fleisch vor. Auch Exotisches liess sich erwerben. Peter von Dieburg, der Knecht Konrads, kaufte in Konstanz für das königliche Abendessen ein. 344 Die nachfolgende Einkaufsliste zeigt eine Mischung aus lokalen und importierten Erzeugnissen: Olivenöl, Hering, Stockfisch, Reis, Gewürze und Wein wurden aus Norden und Süden herangeschafft. Diese Lebensmittel gab es in Konstanz nicht nur zur Konzilszeit zu kaufen. Sie waren auch sonst im Angebot.

Fische: drei Hechte, drei Karpfen, Grundeln und Krebse, Heringe, Stockfisch und Bratfisch

Geflügel: zwei Truthennen 345

Gewürze: Macis (Muskatblüte), Gewürznelken, Kümmel, Senf

Olivenöl

Reis

Gemüse: Kohl (Kraut = Sauerkraut?), Zwiebeln

Birnen

Käse

Wein aus dem Elsass, Norditalien und Griechenland

Branntwein

Konfekt (aus Honig oder Zucker, Eiweiss sowie Gewürzen)

IV • Das Konzil von Konstanz 1414 –1418 – Schlaglichter auf Ereignisse und Alltägliches


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77 Ein Fischhändlerstand während des Konstanzer Konzils. Zeichnung koloriert. Konstanzer Handschrift der Richental-chronik, um 1465. Rosgartenmuseum Konstanz, Hs.1, fol. 25l.


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Ein Blick in die Küche Doch welche Speisen wurden aus dem Eingekauften zubereitet? Fleisch und Fisch wurden gebraten und gesotten und mit einer Gewürzsosse serviert. Die übliche Beilage für die gehobenen Bevölkerungsschichten bestand aus Weissbrot oder Getreidebrei. In diesem Fall wurde stattdessen vermutlich gekochter Reis, ein ausgesprochenes Luxusprodukt, serviert. Essen war im Mittelalter auch ein kommunikativer Akt. Man zeigte, was man sich leisten konnte: «Der Mensch ist, was er isst.» 346 Im Rahmen der Ständelehre des Mittelalters wurde definiert, welches Essen für welche Schicht angemessen war. Im Meier Helmbrecht von Werner dem Gärtner, einem Text aus dem Hochmittelalter, zeigt eine illustrative Gegenüberstellung Herren- und Bauernspeisen. Ritter assen Weissbrot, Bauern Roggen- oder Haferbrot; für die Herren gab es gesottenes Huhn, die Bauern nahmen mit Getreidebrei vorlieb. Welche Gerichte die Menschen im Einzelnen genau gegessen haben, lässt sich kaum eruieren, da nur wenige Kochrezepte – vor allem aus Klöstern – überliefert sind. Diese behandeln die eher gehobene Küche und sind bei den Angaben über die Art der Zubereitung und die Menge der

78 Die Verpflegung der Papstwähler während des Konklaves im November 1417. Zeichnung koloriert. Konstanzer Handschrift der Richental-chronik, um 1465. Rosgartenmuseum Konstanz, fol. 95r.

IV • Das Konzil von Konstanz 1414 –1418 – Schlaglichter auf Ereignisse und Alltägliches

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Zutaten nur summarisch. Mehl wurde zu Getreidebrei, dem Mus, verarbeitet. Dieser Brei aus Wasser, Milch, Mehl und Salz war das Grundnahrungsmittel breiter Bevölkerungsschichten. Durch die Verwendung von Eiern und Butter konnte er etwas aufgebessert werden, wie das folgende Rezept aus Konstanz zeigt, das aus der Zeit zwischen 1450 und 1466 stammt: «Für einen Eierbrei machst du zuerst einen Dinkelbrei und schlägst die Eier darüber. Nimm geklärte Butter, schneid sie klein, gib sie in den Brei und rühr das stark, salze es und richte es an.»347 In der gehobenen Küche wurde aufwendiger gekocht. Ein Rezept für die Zubereitung von «angelegten Hühnern» aus dem östlichen Bodenseegebiet lautet: «Zu angelegten Hühnern: Nimm alte Hühner und pflück sie der Länge nach auseinander und schneid das Fleisch davon, so dass die Knochen zusammenbleiben. Und zerhacke das Fleisch und tu Brot dazu und Speck und Gewürz und lege es wieder an die Knochen und koch das, so hast du angelegte Hühner. Und leg die Haut darüber und befestige sie und koch sie dann gut. Auch gib Eier oder Petersilie oder andere Dinge darunter, hierzu wären auch kleine Weinbeeren gut.» 348 Der Thurgau als Kornkammer Die Versorgung der vielen Tausend Konzilsteilnehmer und ihrer Entourage war für Konstanz eine enorme Herausforderung. Wenn man zeitgenössischen Quellen wie der Chronik Ulrich Richentals Glauben schenkt, dann funktionierte die Versorgung relativ gut. Die Stadt besass durch die Lage am Bodensee eine ausgezeichnete Anbindung an den internationalen Handel. So brachte man viele der Luxuswaren bereits zuvor in die Stadt. Noch wichtiger war der Umstand, dass Stadt und Bischof auf eigene Ländereien zur Versorgung mit dem Grundnahrungsmittel Getreide zurückgreifen konnten. So wurde sehr viel Getreide aus dem Thurgauer Umland und dem schwäbischen Gebiet, das bis ins 19. Jahrhundert als Getreideanbaugebiet für die Schweiz wichtig war, eingeführt. Das Bistum Konstanz verfügte bereits von Anfang an über Herrschaftsbesitz im Thurgau: Die Bischofshöri südlich der Stadt (Gottlieben, Tägerwilen, Landschlacht bis auf den Seerücken hinauf), Arbon und Bischofszell samt Umgebung wie auch der Hinterthurgau mit Tannegg und Fischingen bildeten bis zum Konzil die Herrschaftsschwerpunkte im Thurgau, dazu kam weiterer Streubesitz im Klettgau, im Aargau und am Hochrhein sowie am nördlichen Bodenseeufer. Aus all diesen Herrschaften trafen in Konstanz Abgaben in Form von Geld und Naturalien ein. Das Einkünfteverzeichnis des Bischofs Heinrich von Klingenberg 1302/03 gibt einen Überblick über die Abgaben der einzelnen Herrschaften.349 Die folgende Aufstellung vermittelt einen Eindruck von den Getreideabgaben, daneben wurden auch Bohnen, Tiere (Hühner, Schafe, Schweine, Rinder, Fische), Käse, Eier, Pfeffer,350 Geld, Wachs und Leinwand eingenommen. So war die Gemeinde Gottlieben beispielsweise gemäss dem Urbar zur Abgabe von 13 200 Gangfischen verpflichtet.


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79 Nahrungsmittel für König Sigismund: Anlieferung eines in Salz gepökelten Tieres aus Litauen und von Weinfässern in einem Karren. Zeichnung koloriert. Konstanzer Handschrift der Richentalchronik, um 1465. Rosgartenmuseum Konstanz, Hs.1, fol. 70r.

Herrschaft

Einkünfte

Bischofshöri

118 Mütt Dinkel, 96 Mütt Hafer

Tannegg (Hinterthurgau)

106 Mütt Dinkel, 174 Mütt Hafer

Bischofszell

126 Mütt Dinkel, 135 Mütt Hafer

Arbon

508 Mütt Dinkel

Total im Thurgau

858 Mütt Dinkel, 405 Mütt Hafer

Totale Einkünfte

2600 Mütt Dinkel,351 3060 Mütt Hafer

1 Mütt entspricht 113,2 Liter, 70 Kilogramm Dinkel oder 45 Kilogramm Hafer.

Die Thurgauer Besitzungen des Bistums Konstanz allein warfen gemäss Einkünfteverzeichnis ein Viertel der gesamten Dinkelerträge und etwas mehr als ein Achtel der Hafererträge ab. Ob diese Angaben genau in der im Urbar aufgezeichneten Form eingenommen wurden, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Dass die Einnahmen an Getreide bedeutend gewesen sein müssen, lassen Bauten wie das bischöfliche Amtshaus in Schaffhausen erahnen, das unter anderem als Getreidespeicher diente. Weine in verschiedenen Preislagen Als weiteres «Grundnahrungsmittel» galt der Wein, der im Mittelalter das Standardgetränk der ganzen Bevölkerung war. Er war Nahrungs-, Stärkungs-, Arznei- und Genussmittel zugleich. Das Angebot an Weinen in Konstanz war gross. Die Reichen konnten sich teure Importweine leisten, während die Mittelschicht in der Regel die lokalen Produkte konsumierte und für die Armen nur noch der billige Nachwein (aus den Pressrückständen unter Zugabe von Wasser hergestellt) übrig

IV • Das Konzil von Konstanz 1414 –1418 – Schlaglichter auf Ereignisse und Alltägliches

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80 Gastmahl König Sigismunds in ulm, 13. November 1430. Wie der Einkaufszettel Konrad von Weinsbergs belegt auch diese Darstellung, dass die königliche Tafel stets reich gedeckt war. Auf einem Podest unter einem baldachin sitzend lässt sich der Herrscher durch den Truchsess und den Mundschenk bedienen. Vor der Schranke tafelt die Hofgesellschaft. Diebold-Schilling-chronik 1513. Eigentum Korporation Luzern, fol. 38r.


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blieb. In die Konzilsstadt wurden edle Tropfen aus dem Elsass, aus Oberitalien und sogar aus Griechenland angeliefert. Wie gross der Weinkonsum am Konzil war, kann man lediglich erahnen. Um eine Vorstellung vom Weinkonsum am königlichen Hof zu erhalten, genügt ein Blick in die Buchhaltung des Kämmerers Konrad von Weinsberg. Überliefert sind Rechnungen, die dieser für König Sigismund bezahlt hat: Am 27. Mai 1417 bezahlte er Heinrich Ulmer 1000 fl. rh. (= rheinische Gulden) für Wein, dem Lieferanten Hans Schreiber 350 fl. rh.352 Am 20. September 1417 wird bestätigt, dass Heinrich Ulmer dem königlichen Kämmerer das edle Getränk im Wert von 660 fl. rh. geliefert hat, wovon der König noch 360 fl. rh. schuldig ist.353 Geliefert wurden 27 1 2⁄ Fuder, das entspricht in Konstanzer Mass einer Lieferung von rund 4200 Liter Wein. 354 Heu, Stroh und Holz In den Bereich der Versorgung gehörten auch Heu und Stroh für die Tiere in der Stadt. Die hohen Herren waren in der Regel nicht zu Fuss nach Konstanz gewandert, sondern auf Pferden und Maultieren geritten. Heu wurde aus dem Thurgau, dem Hegau und dem Rheintal per Schiff und Karren nach Konstanz gebracht: «daz uf ainen tag stuond an der bruggen ze Costentz fünf und zwanzig michler schiff mit höw uss dem rintal und vil karren mit höw uss dem Turgöw und Hegöw.» 355 Das Stroh und Schilf für die Einstreu kamen aus der näheren Umgebung der Stadt. Zuletzt waren Holz und andere Brennstoffe zu beschaffen. Richental berichtet, dass das Holz auf Schiffen den Rhein hinauf oder über den See geschafft sowie aus dem Thurgau mit Karren in die Stadt geführt wurde. Die Versorgung mit Holz war gemäss Quellen unproblematisch. 356 Konstanz setzt Höchstpreise Trotz der guten Versorgungslage in der Konzilsstadt erhoben sich aus den Reihen der Gäste kritische Stimmen. Bei Ulrich Richental heisst es: «Am zwölften Tag als Hans von Schwarzach zum Bürgermeister ernannt wurde (d. i. der 18. Januar 1415), erschienen vor dem Konstanzer Rat die Botschafter des Papstes, des Königs und anderer Herren und meinten, dass die Unterkünfte zu teuer wären und die Versorgung mit Esswaren mangelhaft.» 357 So sah sich der Konstanzer Rat zeitweise gezwungen, die Lebensmittelversorgung und speziell die Unterbringung der Gesandten zu regeln. Er erliess Regeln über die Höchstpreise (vgl. S. 143). In der Folge kamen neben den einheimischen Händlern auch fremde Händler und Produzenten in die Stadt, die vom sicheren Absatz und den garantierten Preisen profitierten. So berichtet Richental weiter, dass der Kauf von Brot kein Problem darstelle, da «man vil brotts uff karren, wägen und ze schiff bracht». Er erzählt auch von Bäckern mit transportablen Öfen und von Pastetenbäckern: «Die basteten waren ettlich mit hönr und flaisch gemacht und wol gewürtzt. Der fand man gnuog tze kofen [. . .].» 358

IV • Das Konzil von Konstanz 1414 –1418 – Schlaglichter auf Ereignisse und Alltägliches

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Autorinnen und Autoren Hansjörg Brem (geb. 1960) Dr. phil., Studien in Zürich und Rom, Lizenziat in Archäologie, Geschichte des Mittelalters und Ur- und Frühgeschichte, Promotion in klassischer Archäologie. Seit 1996 Adjunkt und ab 2008 Leiter des Amts für Archäologie des Kantons Thurgau in Frauenfeld. Lehraufträge an den Universitäten Zürich und Bern; 2006 – 2009 Präsident «Archäologie Schweiz». Christina Egli (geb. 1958) lic. phil., Studium der Kunstgeschichte, Geschichte des Mittelalters und der Mittelalterarchäologie an den Universitäten Konstanz und Zürich. Seit 2002 stellvertretende Direktorin und Konservatorin am Napoleonmuseum Thurgau. Arbeitet an ihrer Dissertation über den französischen Maler Jean-Antoine Laurent (1763 – 1832) sowie an einer Biografie über die Fürstin Amalie Zephyrine von HohenzollernSigmaringen (1760 – 1841). Helmut Fidler (geb. 1956) Dr. phil., Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie in Tübingen, Wien und Stuttgart. Er lebt in Konstanz und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Geschichte des Bodenseeraumes; Schwerpunkt: jüdische Geschichte.

Ramona Früh (geb. 1978) lic. phil., 2000 Diplom in Journalistik an der Universität Freiburg i. Üe., danach Studium der Musikwissenschaft und Geschichte an der Universität Zürich, Lizenziat 2009. Seit 2012 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Kulturamt Thurgau, Frauenfeld. Zudem als freie Journalistin und Kulturmanagerin in Winterthur tätig. Henry Gerlach (geb. 1960) M. A., Studium der Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte in Konstanz und Hamburg. Publikationen u. a. zum Konzil von Konstanz. 2013 erschien sein Konzilsroman In Nomine Diaboli im Autorenteam mit Monika Küble. Eine hochdeutsche Übertragung der Konzilschronik von Ulrich Richental ist in Vorbereitung. Dominik Gügel (geb. 1962) M. A., Studium der Geschichte und Politischen Wissenschaften an der Universität Konstanz sowie Arbeit im Bereich Denkmalpflege/Bauforschung/Restaurierung. Aufbaustudium der Kunstgeschichte und Archäologie des Mittelalters an der Universität Zürich. Seit 2000 Direktor des Napoleonmuseums Thurgau und Dozent für Militärgeschichte an der Offiziersschule des Heeres in Dresden. Bettina Hedinger (geb. 1962) Dr. phil., Studium der Archäologie, Geschichte und Kunstgeschichte an der Universität Zürich. Sie ist Denkmalpflegerin im Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau und begleitet Bauvorhaben und Restaurierungsprojekte in 21 Gemeinden des südlichen Bodenseeufers.


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Sabine von Heusinger (geb. 1964) Prof. Dr., Studium in Konstanz und L’Aquila (Italien). 1996 Promotion in Konstanz mit einer Arbeit zu Johannes Mulberg und dem Basler Beginenstreit, 2006 Habilitation in Mannheim zur Zunft im Mittelalter. Seit 2011 Professorin für Mittelalterliche Geschichte an der Universität zu Köln. Aktueller Forschungsschwerpunkt: «Wasser» als zentrale Ressource in der mittelalterlichen Stadt. Jana Lucas (geb. 1981) Dr. des., Studium der Kunstgeschichte und Philosophie sowie der Kommunikations- und Medienwissenschaft in Leipzig und Bologna. Als Kuratorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Historischen Museum Thurgau tätig. Forschungsschwerpunkt: Kunst des Spätmittelalters, besonders die Zeit der Konzilien von Konstanz und Basel. 2012 Dissertation zum Thema «Europa in Basel. Akteure und Medien künstlerischer Übertragungsprozesse auf dem Konzil von Basel (1431 – 1449)», Universität Basel. Peter Niederhäuser (geb. 1964) lic. phil., freischaffender Historiker in Winterthur. Er forscht und publiziert zu Adel und Habsburg, zu Stadt- und Ortsgeschichten sowie zur Industrie- und Architekturgeschichte. Zudem arbeitet er bei Ausstellungsprojekten mit und ist als Journalist und Reiseleiter tätig.

Roman Sigg (geb. 1975) lic. phil., Studium der Geschichte und Germanistik an der Universität Zürich. 2000 – 2002 wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Schaffhauser Mundartwörterbuch, 2002 – 2008 Assistent im Phonogrammarchiv der Universität Zürich. Danach wissenschaftlicher Mitarbeiter im Staatsarchiv Schaffhausen und Stadtarchiv Chur. Seit 2012 Stadtarchivar in Stein am Rhein, seit 2013 Mitinhaber der Firma «Acta Archiv GmbH». Diverse Publikationen zu Geschichte und Dialektologie. Silvia Volkart (geb. 1955) Dr. phil., Studium der Kunstgeschichte, der französischen und deutschen Literatur an der Universität Zürich. 1977 – 1987 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft, Zürich. Danach als freiberufliche Kunsthistorikerin und Publizistin in Winterthur tätig. Forschungsschwerpunkte: Kunst des Spätmittelalters und Malerei in der Schweiz im 19./20. Jahrhundert. Projektleiterin der Publikationsreihe «Der Thurgau im späten Mittelalter». Doris Warger (geb. 1959) Restauratorin SKR. Tätigkeit als selbstständige Restauratorin sowie Leiterin eines Ateliers für Konservierung und Restaurierung in Frauenfeld seit mehr als 25 Jahren. Mit ihrem Team führt sie besonders in der Ostschweiz Restaurierungsaufträge an Gebäuden aus. Sie ist spezialisiert auf Bauuntersuchungen, Wandmalereien und Verputze vom Mittelalter bis zur Neuzeit.

Anhang • Autorinnen und Autoren

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Volkart (Hrsg.): Rom am Bodensee  

Konstanz war von 1414 bis 1418 Tagungsstätte des grössten Konzils des Mittelalters. Seither sind 600 Jahre vergangen. Anlass genug, um einen...

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