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© 2012 Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich Umschlaggestaltung: unfolded, Zürich Gestaltung, Satz: Claudia Wild, Konstanz Druck, Einband: freiburger graphische betriebe, Freiburg i. Br. Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Die dadurch begründeten Rechte, insbesondere die der Übersetzung, des Nachdrucks, des Vortrags, der Entnahme von Abbildungen und Tabellen, der Funksendung, der Mikroverfilmung oder der Vervielfältigung auf andern Wegen und der Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen, bleiben, auch bei nur auszugsweiser Verwertung, vorbehalten. Eine Vervielfältigung dieses Werkes oder von Teilen dieses Werkes ist auch im Einzelfall nur in den Grenzen der gesetzlichen Bestimmungen des Urheberrechtsgesetzes in der jeweils geltenden Fassung zulässig. Sie ist grundsätzlich vergütungspflichtig. Zuwiderhandlungen unterliegen den Strafbestimmungen des Urheberrechts. ISBN 978-3-03823-716-7 www.nzz-libro.ch NZZ Libro ist ein Imprint der Neuen Zürcher Zeitung

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I n halt

E i n l e i t u n g : E r i n n e r u n g e n a n d i e So u ve rän ität   11 Bonn, Budapest und Abidjan  13  –  Das keltische Erbe  18  –  Zwischen Materie und Transzendenz  22  –  Die Akteure der gewollten Zukunft  25  –  Ein Streitgespräch mit dem grossen George F. Kennan  30

I.

D e r e r st e So u v e rä n   35

1.

D i e F lu c h t vo r d e m So u v e rä n : das a f ri kan i sch e Dor f  3 6 Kannibalen, Bergbewohner und Lagunendörfer  36  –  Begegnung mit einem Baobab  42  –  Aufruhr in Buganda  49

2.

D e r a b so lu t e So u v e rä n : das R e i ch de r Qi n   60

Elemente eines souveränen Reiches  60  –  Stärkende und schwächende Reformen  64  –  Der Staat als Quelle des Guten und Schönen  69  –  Der Streit über das Eisen und das Salz  71 3.

D e r So u v e rä n a ls S c h ö pf e r vo n Ge l d u n d Ge i st: Flore nz   77

Die Macht des Geldes  78  –  Die Ohnmacht der Politik  82  – Der Traum Machiavellis  86

II .

D i e So u v e rä n i tät a ls B e g r i ff u n d Pri nzi p  89

4 . B od i ns D i l e m m a   9 0

Die Überwindung des Mittelalters  91  –  Der Souverän und das Geld  95  –  Von öffentlichem und privatem Eigentum  100

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I n h a lt

5.

D i e Ü b e r wi n d u n g vo n B o d i ns D i l e m m a   105

Die Souveränitätstheorie Bertrand de Jouvenels  106  –  Die Magie der Souveränität und die Entstehung von Steuern und Kapital  110  –  Die Demokratisierung der Souveränität  117 6.

D e r west l i c h e So u v e rä n u n d de r Au fst i eg de s I n d ivi duums  124 Die Erstmaligkeit des Westens  124  –  Das Erbe des Dreissig­ jährigen Krieges  128  –  Westliche Dominanz und Souveränität  131  –  Der Souverän und das Individuum  141

III.

D i e G e fä h rd u n g d es So u v e rä n s  1 47

7.

D i e M ac h tp o l i t i k u n d das I m pe r i u m   1 5 0 Konzertierte Macht  151  –  Echte Macht, falsche Souveränität: die deutsche Einigung  155  –  Die Selbstverständlichkeit der Macht: das Imperium  160  –  Anfang oder Ende des Imperiums?  166

8.

D i e i n t e r n at i o n a l e n O rga n isat i o n e n  172

Glanz und Elend der neuen Diplomatie  173  –  Das Erbe von Jalta  175  –  Einfachheit und Komplexität des internationalen Systems  181  –  Die Institutionalisierung der Menschenrechte  183  –  Das Innenleben internationaler Organisati­ onen  186  –  Die Macht der Wörter  193 9.

D e r h u m a n i tä r- i n t e r v e n t i o n ist isc h e Kom plex   197

Ideologie als Grundlage politisch korrekten Scheiterns  198  –  Ein nationales und internationales Netzwerk  201  –  Das Erbe des kolonialen Zeitalters  203  –  Die Banken als Sünden­ böcke  205  –  Politischer Konformismus und Entwicklung  208  –  Die Drohung mit dem Frieden  216 10.

Das n e u m i t t e l a lt e r l i c h e R e i c h i n E u ro pa  222

Churchill, de Gaulle, Monet: zwei oder doch drei europäische Projekte?  222  –  Im Namen Europas  227  –  Das Europa des fiktiven Bürgers  230  –  Die Entstehung eines Imperiums  232  –  Identität versus Souveränität  241  –  Die Suche nach dem Souverän in Europa  244  –  Souveränitätsverlust und Friede  248 8

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I n halt

IV. 1 1.

D e r l e t z t e So u v e rä n   2 55 D i e T h e o r i e d e s d e mo k rat i sc h e n Souve rän s  259

Von Siegern und Verlierern  260  –  Dank schlechter Politik fast ein Souverän  267  –  Warum Staatsbürger für die Souveränität wichtig sind  271  –  Die Bedeutung der Steuern  273  –  Kriegerische Demokratie und unterlegene Diktatur  278  –  Das Mass der Demokratie  284 1 2 .

D i e Opt i m i e r u n g d e r So u v e rä n i tät: das s chwe ize ri s ch e System  291 Die direkte Demokratie und das Glück, darin zu leben  291  –  Die immerwährende Neutralität und das TINA-Prinzip  295  – 

Gewaltbereitschaft und Gewaltkapazität als Mass von Frieden und Demokratie  302  –  Föderalismus und Souveränität  307 1 3.

So u v e rä n i tät u n d Glo ba l i si e r u ng   309

Die ewige Wiederkehr der Globalisierung  311  –  Vom Umgang der Staaten mit der Globalisierung und die Angst vor Souveränitätsverlust  314 sc h luss: Das E n d e d e r F r e i h e i t   327

Souveränität und Gegenmacht: Bürgerrechte gegen Menschenrechte  328  –  Die Souveränität und die Grenzen des Staates  332  –  Eine Welt ohne Souveränität  334  –  Die Macht­ ansprüche der Eliten als Bedrohung der Freiheit  338 A n h a n g  3 43 Dank  343  –  Anmerkungen  345  –  Bibliografie  379  –  Register  391

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Oh sovereign rule, who does not want to share! Full truly it’s said that neither love nor lordship Will willingly share their domain … The Knight’s tale

To every wight comanded was silence, Jedermann wurde aufgefordert zu schweigen And that the knight sholde telle in audience, und der Ritter gebeten, in aller Öffentlichkeit zu What thing that worldly wommen loven best. sagen, was Frauen auf Erden am meisten lieben. This knight ne stood nat stille as doth a best Der Ritter stand nicht stumm wie ein Tier da, But to his questioun anon answerde sondern beantwortete die Frage sogleich mit fester With manly voys, that al the court it herde: Stimme, sodass der ganze Hof es hörte: «Meine «My lige lady, generally», quod he Lehensherrin», sprach er, «allgemein streben Frauen «Wommen desyren to have sovereyntee danach, sowohl über ihren Mann wie über ihren As wel over hir housbond as hir love, Liebhaber Macht zu besitzen und über ihn zu And for to been in maistrie him above.» herrschen.» The Wife of Bath’s Tale Die Erzählung der Frau von Bath

Geoffrey Chaucer (1340–1400) The Canterbury Tales

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E i n le itu ng: E ri n n e ru nge n an d i e Souv e rä n i tät

Während sich die westliche Welt Ende Dezember des Jahres 2009 für eine kurze Zeit nach einem von der Wirtschaftskrise geprägten Jahr mit vielleicht noch stärkerem Bedürfnis nach Ruhe als üblich in die hektische Friedfertigkeit der Feiertage flüchtete, trieben in Thailand mit Stöcken und Schilden ausgerüstete Soldaten innerhalb eines Tages über 4000 Angehörige des Volkes der Hmong über die Grenze nach Laos. Die Vertriebenen wurden in den Medien als Asylsuchende bezeichnet, und die Aktion der thailändischen Behörden wurde von der UNO und Menschenrechtsgruppen als Verletzung internationaler Verpflichtungen gegenüber Flüchtlingen, die in ihrem «Heimatland» Laos der Verfolgung ausgesetzt seien, kritisiert. Die New York Times erinnerte daran, dass das Bergvolk der Hmong in den 1960er-Jahren von der CIA im Kampf gegen die laotische kommunistische Regierung eingesetzt worden war, und ein ehemaliger Verantwortlicher des Geheimdienstes wurde mit den Worten zitiert: «Sie gingen in den Bergen wie der Wind. Ich dachte damals, welche grossartigen Guerrillakämpfer diese Leute sein könnten.»1 So unerfreulich die von der New York Times geschilderten Vorgänge und so erwartet die internationalen Reaktionen darauf auch sein mochten, so offensichtlich entbehrten sie tieferem geschichtlichen Verständnis vom Verhältnis der staatlichen Zentralmacht in den Ländern Südostasiens und den Bergvölkern wie demjenigen der Hmong, die in Thailand auch Meo genannt werden, den bekannteren Karen in Burma und Nordthailand, der Yao, Lisu, Lawa und Akha, um nur diese zu nennen. All diesen Völkern ist gemeinsam, dass sie sich im Laufe ihrer jahrhundertelangen Geschichte nie als Staaten formiert haben. Wie der Anthropologe James C. Scott in seinem spannenden und bedeutenden neuesten Buch feststellt, «[…] haben die [Völker der] Berge im Gegensatz zu den [jenigen in den] Tälern weder Steuern an Monarchen noch regelmässige Abgaben an ständige religiöse Einrichtungen entrichtet. Sie bildeten eine verhältnismässig freie, staatenlose Bevölkerung von Viehhirten und Bergbauern. [Ihre] Lage an den Grenzen von staatlichen Zentren in der Tiefebene hat zu ihrer relativen Isola11


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E i n l ei t u n g : E ri n n e ru ng e n an d ie Souv e rän ität

tion und zu ihrer Autonomie, die von dieser Isolation begünstigt wurde, beigetragen. In der Überlappung von Staatsgrenzen, wo konkurrierende Souveränitäten aufeinanderprallten, konnten sich diese Völker einige Vorteile schaffen, die sie zum Schmuggel, illegalen Handel und zur Opiumproduktion nutzten und damit zu ‹kleinen Grenzmächten› wurden, die in einem eigent­ lichen politischen Hochseilakt eine Art Unabhängigkeit erlangen konnten.»2

Die neueste Vertreibung der Meo ist nicht die erste und wird vermutlich auch nicht die letzte sein. Die politischen Spekulationen über frühere Loyalitäten dieses Volkes, wie sie die New York Times anstellte, dürften ebenso übertrieben sein wie die Vermutung, dass die Meo dafür in Laos heute noch verfolgt würden. Vielmehr dürften die Analysen Scotts zutreffen, welche den Lebensraum dieser Bergvölker, der sich über Teile Burmas, Chinas, Thailands, Laos und Vietnams erstreckt, als Rückzugsgebiet für Bevölkerungen bezeichnet, die vor den Folgen der Staatsgründungen in der Ebene über Jahrhunderte in höhere Lagen flüchteten, weil in den tieferen Lagen der Reisanbau als wesentlicher Faktor der Zentralisierung der Macht wirkte und die notwendigen aufwendigen und kostspieligen Bewässerungsmassnahmen nur über ein staatliches Steuersystem zu finanzieren waren. Nach Scotts Darstellung verweigerten sich die Bergvölker Südostasiens der Eingliederung in die souveränen und zentralisierten Staaten und zogen dieser ein Leben ohne staatliche Organisation vor. Obwohl das gebirgige Terrain Schutz gegen Angriffe der Armeen der strukturierten Staatswesen der Region bot, machte die lose Organisation ihre Gesellschaften gegen äussere Eingriffe verwundbar. Solange die südostasiatischen Königreiche ausgesprochen unterbevölkert waren, diente die Bergbevölkerung als Versorgungsquelle von Arbeitskräften für die Reis pflanzenden Zentralstaaten, deren Bevölkerung nicht selten bis zu 60 Prozent aus Sklaven – unterlegene Kriegsgegner oder eben verschleppte Bergbewohner – bestand.3 Dadurch gelten die Bergvölker bis heute als unterklassig und rückständig. Heute sind sie oft in den erwähnten illegalen Nischen tätig und gelten als wenig angepasst, wodurch sie dem organisierten Nationalstaat eher zur Last zu fallen scheinen. Dabei umwebt sie wegen ihrer Staaten- und Gesetzlosigkeit ein Mythos der Freiheit, der ihnen in Thailand, obwohl die beschriebenen Massnahmen dies nicht zu bestätigen scheinen, unterschwellig viel Bewunderung entgegenbringt. Die thailändische Grossmutter meiner beiden Söhne bescherte ihren beiden Enkeln im Kleinkindalter ein Meokostüm, in welchem sie zum Fotosujet wurden, ebenso wie in der von der schweizerischen Grossmutter geschenkten Sennenkutte. Da Grossmütter für ihre Enkel nur das Beste wollen und in der Regel alte Bräuche achten, nehme ich an, dass sie mit diesem Geschenk ihren Nachfahren etwas von der Freiheit und der Ursprünglichkeit 12

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De r l etzte Souve rän u n d das E n d e de r Frei h ei t

auf den Lebensweg mitzugeben beabsichtigten, welche in Thailand ebenso wie in der Schweiz (und vielen andern gebirgigen Gegenden der Welt) mit dem Leben in den Bergen in Zusammenhang gebracht werden. Leider ist diese Sicht der Dinge, wie gerade auch die geschilderten Ereignisse vom Dezember 2009 belegen, wenigstens teilweise, eine Täuschung. Ihre angebliche Flucht vor jeglicher staatlicher Organisation, welche den Verzicht auf Souveränität beinhaltet, da diese eine höchste Befehlsgewalt in einer staatlich organisierten Gesellschaft voraussetzt, macht die Hmong und andere Bergvölker nicht nur in Südostasien zur Manövriermasse zwischen souveränen Staaten und zum Objekt von mit Armut und Elend verbundenen Vertreibungen und Umsiedelungen, die als Unfähigkeit, nicht über das eigene Schicksal verfügen zu können, kaum mit dem Gedanken der Freiheit vereinbar sind.4 Damit bin ich bei der einfachen These, die ich in diesem Buch abhandeln will, nämlich, dass ohne staatliche Souveränität Freiheit, Recht und Wohlstand nicht möglich sind. Diese These scheint zwar selbstverständlich, da sich weltweit die Völker und Staaten auf ihre Souveränität berufen. So auch die Regierungen Thailands und Laos, wenn sie die Hmong mit Zwang umsiedeln, was ein erster Hinweis darauf ist, dass die Souveränität des einen durch die Souveränität des andern beeinträchtigt oder eingeschränkt werden kann. Dabei ist eine klare Folgerung meiner These, dass weniger Souveränität auch weniger Freiheit, Recht und Wohlstand bedeutet. Dennoch wird heute in den Gremien der sogenannten internationalen Gemeinschaft viel über Souveränitätsverzicht als Mittel der Mehrung von Frieden, Freiheit, Recht und Wohlstand diskutiert. Dieses Buch will versuchen, diesem anscheinenden Widerspruch auf den Grund zu gehen, wobei ich mich der Einfachheit halber von persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen leiten lassen werde. B o n n , B u da pest u n d Abi dja n Ich beginne dabei mit dem wunderschönen Abend im Monat Mai 1988, als ich in Bonn eintraf, wo ich die folgenden drei Jahre verbringen sollte. Ich hatte am frühen Morgen nach vierjährigem Aufenthalt die Grossstadt London im Regen verlassen, und auch die freundliche Abendsonne über der Rheinaue vermochte meine Trauer über den Wechsel in die etwas verschlafene Stadt am Rhein nicht völlig zu besänftigen. Der damals gängige Witz über die lediglich als Provisorium gedachte Hauptstadt5 der Bundesrepublik Deutschland war die Frage nach dem Unterschied zwischen Bonn und dem Calvary Friedhof im New Yorker Stadtteil Queens. Die richtige Antwort war, dass Bonn halb so gross, aber doppelt so tot sei. Diese boshafte Meinung wurde nicht von allen geteilt, sicher nicht von meinen beiden inzwischen erwachsenen Söhnen, die, damals im Grundschulalter, sich an allen Veranstaltungen, die angesichts der 13


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E i n l ei t u n g : E ri n n e ru ng e n an d ie Souv e rän ität

Festfreudigkeit der Rheinländer häufig waren, die Bäuche mit Gummibärchen, deren weltweit bekanntester Hersteller in Bonn beheimatet war, vollschlagen konnten. Sie behielten John le Carrés kleine Stadt in Deutschland daher in bester Erinnerung, zumal ihr Überkonsum an den vielfarbigen Süssigkeiten nicht zu bleibenden gesundheitlichen Schäden führte. Auch ich erlebte am Rhein unvergessene Zeiten. Politisch betrachtet war Bonn nach dem Ende des grossen Terrorschreckens und der Beruhigung der Gemüter über den NATO-Doppelbeschluss vorerst in ruhigem Fahrwasser. Überall im Regierungsviertel in der Rheinaue schossen neue Hochhäuser in die Höhe und wurden von den Ministerien bezogen, welche seit der Gründung der Bundesrepublik provisorisch meist in ehemaligen Kasernen, aus schweizerischer Sicht sympathisch glanzlos untergebracht waren. Mit dem Maritim erhielt Bonn endlich ein der Hauptstadt der grössten europäischen Wirtschaftsmacht würdiges grosses Hotel internationalen Zuschnitts. Die Stadt richtete sich darauf ein, zur Kapitale des westlichen Deutschlands zu werden. Dies empfanden auch die ausländischen Staaten so. Die Sowjetunion weihte ihren neuen Botschaftskomplex zur Feier der russischen Revolution im Jahre 1989 ein, wenige Tage vor den Ereignissen in Berlin, die ihren Untergang einleiten sollten. Die neue japanische Botschaft an der Godesberger Allee stand zu dieser Zeit im Rohbau. 1988 waren diese Ereignisse aber noch weit weg gewesen und der beste französische Kenner Deutschlands hatte schreiben können: «Als einziges Mitglied der Europäischen Gemeinschaft ist die Bundesrepublik weder eine Nation noch ein souveräner Staat, da sie ja Teil einer Nation ist, deren noch bestehende Einheit in den Händen der Vier Mächte liegt, die am 5. Juni 1945 die deutsche Souveränität an sich gerissen haben. Und während überall in der Welt die volle Unabhängigkeit als höchstes Gut eines Volkes dargestellt wird, ist die Bundesrepublik darauf erpicht, dass die Rechte der Vier beibehalten bleiben, weil sonst die Freiheit von zwei Millionen Berlinern bedroht und die Teilung Deutschlands vollständig wären.»6

Als Student des Genfer Institut de hautes études internationales hatte ich in den 1970er-Jahren mehrmals die Gelegenheit gehabt, Professor Grosser in Vorlesungen und Seminarien über Deutschland referieren zu hören. Gerade seinen Überlegungen zur Frage der deutschen Souveränität war ich immer mit grossem Interesse gefolgt, weshalb ich die Veränderungen im westdeutschen Selbstverständnis, die durch die Konsolidierung der Hauptstadtfunktion Bonns im Jahre 1988 sichtbar wurden, besonders aufmerksam wahrnahm. Jedenfalls erstaunte es mich ein wenig, als der frühere Bundeskanzler Willy 14

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I. Der erste Souverän

Wenn ich meine Betrachtungen über das Wesen und die Entwicklung der staatlichen Souveränität mit dem Beispiel afrikanischer Gesellschaften – mit einem Seitenblick auf Südostasien – beginne, stelle ich das für einen Europäer übliche Vorgehen auf den Kopf. In der Regel versuchen wir ja die afrikanische Wirklichkeit mit Vergleichen zu unserer Geschichte zu verstehen. Afrika, welches, von Ägypten40 abgesehen, keine dauerhaften Grossreiche hervorgebracht hat, und dessen Staaten sich ungleich weniger häufig bekriegten und vermutlich daher stärker im sich selbst genügenden Familienverband verhaftet blieben, scheint kein geeignetes Objekt zum Studium staatlicher Souveränität zu sein. Ergänzt mit Beispielen aus Südostasien werde ich jedoch zu zeigen versuchen, wo staatliche Souveränität anfängt. Die gewählten Beispiele aus China und Europa werden deutlich machen, wie ein geografischer Raum von ähnlichen Dimensionen unterschiedlich geordnet werden kann. Eine Vielzahl staatlicher Gebilde, von denen jedes zu schwach ist, die andern zu dominieren, hier einen trotz häufiger Erschütterungen und gelegentlicher Teilung über sehr lange Zeit einzigen und einen geeinten Staat dort. Diese Verschiedenheit konnte nicht ohne Auswirkung auf die Gestaltung der staatlichen Souveränität sein. Ich habe mit Absicht aus der chinesischen und europäischen Geschichte Episoden gewählt, die über 1500 Jahre auseinander und in Epochen liegen, in welchen es die staatliche Souveränität als Begriff nicht gab. Es sind Momentaufnahmen des Regierens auf verschiedenen Kontinenten zu verschiedenen Zeiten und so unterschiedlich er sich auch präsentierte, so wurde der Souverän als Ausdruck einer übergeordneten Gewalt überall deutlich sichtbar, sei es in seiner Präsenz, sei es in seinem Fehlen, welches immer Unsicherheit, Unfreiheit und im äussersten Fall Chaos und Zerfall bedeutete.

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1. Di e Flucht vor d em Souve rän: das a f ri kan i s ch e Dor f

An bestimmten Tagen im Jahr wirft sich in zahlreichen afrikanischen Völkern, in der Regel der männliche Teil der Bevölkerung, in aus Blättern und andern pflanzlichen und tierischen Stoffen gefertigte Gewänder und stülpt sich mal freundliche, mal hässliche Masken über den Kopf. Das Gleiche geschieht, meistens um oder nach der Wintersonnenwende, in ländlich gebirgigen Gegenden der Schweiz, etwa in Appenzell, Graubünden oder im Wallis. Als ich zum ersten Mal in der Elfenbeinküste von den Baule des Dorfes Ndénou nördlich der Hauptstadt Yamoussoukro zur Einsetzung des Häuptlings eingeladen war, erschien mir weniger die Prachtentfaltung in diesem armen Dorf ohne Wasser- und Stromversorgung erstaunlich als vielmehr die Tatsache, dass ich mir im Klang der Trommeln, der in einer klaren Ordnung der Abläufe ausgelassenen, aber nie überbordenden Tänze der maskierten Männer und der herrschenden feuchten Hitze gegen Ende des eintägigen Festes immer weniger darüber im Klaren war, ob sich diese Baule nun wie Schweizer benahmen oder ich wie ein Baule zu empfinden begann. Dabei hat die Inthronisierung eines Häuptlings mit schweizerischen egalitären Vorstellungen eigentlich nichts gemein, zumal man diesen Häuptling in einem grösseren Ort wohl König genannt hätte. Dagegen wurde mir bewusst, dass hier nicht die Frage der Gleichheit und Demokratie im Mittelpunkt stand, sondern die Tatsache, dass hinter all dieser Ausgelassenheit immer eine ordnende Hand, zwar nicht sichtbar, aber gleichwohl spürbar, tätig war. Diese Hand gehörte nicht dem inthronisierten Häuptling, der, trotz aller ihm entgegengebrachten Ehrerbietung, die Festlichkeiten duldend über sich ergehen lassen musste. Kan n ibal e n , B e rgbe wo h n e r u n d L ag u n e n d ö r fe r Der amerikanische Politikwissenschafter Benjamin Barber hat als – wie ich in Afrika  – aussenstehender Beobachter die Entwicklung der politischen Institutionen im heutigen schweizerischen Kanton Graubünden – namentlich die sogenannten Markgenossenschaften  – untersucht und in Bezug mit der Freiheit der Bürger gebracht. Er hat dabei auch Formen gemeinschaftlichen Eigentums, die Allmende, erklärt und im Besonderen festgestellt, dass der für 36

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I. De r e rste Souve rän

den Bergbewohner im täglichen Leben einzige erhebliche Inhalt des Eigentums dessen Nutzung war.41 Die Autonomie der einzelnen Gemeinschaften und ihrer Mitglieder war das Ergebnis von Auseinandersetzungen mit dem lokalen Feudalismus, das einflussreiche Kloster Disentis, der nach dem Er­­ löschen der kaiserlichen Souveränität in nachkarolingischer Zeit in diesen Bergtälern die oberste Befehlsgewalt an sich ziehen wollte. Diese Kämpfe förderten die bereits durch die Geografie begünstigte Zersplitterung der Macht, was nicht in ein Machtvakuum, sondern in starke kommunale Institutionen mündete. Barber umschrieb die Folgen dieser Entwicklung wie folgt: «Während für Bodin die Souveränität nur als Funktion einer zentralen Macht existieren konnte, so konnte sie für den Bauern in Graubünden nur im Fehlen der Zentralmacht aufblühen. Während die Zentralisierung anderswo als Vo­raussetzung für die Unabhängigkeit galt, war sie in Rhätien die Gewalt, gegen die um die lokale Unabhängigkeit gekämpft wurde.»42

Die souveräne Gemeinde und Nachbarschaft in Graubünden setzte ihre eigenen Würdenträger ein und genoss richterliche Autonomie in Strafsachen sowie Unabhängigkeit von feudalen Mächten. Es fehlt hier der Platz für einen systematischen Vergleich zwischen schweizerischen Bergdörfern und – wie ich noch zeigen werde südostasiatischen Bergvölkern – mit den im Folgenden betrachteten Dorfgemeinschaften an der Ébriélagune westlich der Hafenstadt Abidjan in der Elfenbeinküste zu ziehen. Dennoch teilen diese Völker die Gemeinsamkeit, ihre Institutionen in der Auseinandersetzung mit zentral organisierten staatlichen Herrschaften, das Kloster Disentis in Graubünden, die Han oder Thai in Südostasien und die Aschanti in der Elfenbeinküste, gebildet zu haben und oft weiterhin verteidigen zu müssen. Die Parallelen zwischen schweizerischen souveränen Gemeinschaften und solchen in Afrika sind auch insofern von Interesse, als wir auf dem Schwarzen Kontinent heute Auseinandersetzungen um die Souveränität beobachten können, die bei uns längstens durch staatliche Institutionen bürokratisiert worden sind und kaum mehr als solche wahrgenommen werden. Im täglichen Existenzkampf der Afrikaner in ihren Staaten mit zum Teil rudimentären Einrichtungen sind diese Antagonismen deutlich sichtbar. Mit ihrem rhetorischen Beharren auf Selbstbestimmung und Souveränität reden die Afrikaner diese nicht herbei, machen aber damit deutlich, dass diese erstrebenswert und wünschbar sind. Es ist daher wohl nicht abwegig, Afrika als ein Laboratorium für die Entstehung der Souveränität zu betrachten, in welchem die politischen Reaktionen vor sich gehen, die in Europa vor mehr als einem halben Jahrtausend abliefen und daher vielleicht nicht mehr richtig verstanden werden können. 37


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1. Die F lu c h t vo r dem Souv e rän: das a f ri kan is ch e D orf

Die Entstehung zentralisierter Staaten in Europa wurde als Folge des ständigen und aggressiven Kampfes um Handel und Territorien zwischen Ländern ungleicher Grösse dargestellt, womit der Krieg zur treibenden Kraft der Geschichte wurde.43 Die Ursache der Häufigkeit von Konflikten in Europa wurde ihrerseits in der zunehmenden Bevölkerungsdichte gesucht. Nicht zufällig entwickelten sich nach diesen Theorien die ersten modernen Staaten in Italien, wo die Bevölkerungsdichte im 14./15. Jahrhundert am grössten war. Afrika erreichte erst 1975 die Bevölkerungsdichte, die Europa um 1500 hatte. Die Städte waren unbedeutend. 1901 zählten Lagos 18 000 und Akkra 21 000 Einwohner. 1931 gingen 10 000 Menschen in Abidjan ihren täglichen Besorgungen nach.44 In der westafrikanischen Savanne war denn auch die Unterbevölkerung das Haupthindernis für die Bildung von Staaten, zumal auch grössere Bevölkerungskonzentrationen sich nie zu Flächenstaaten entwickelten, da die Menschen dieser Siedlergemeinschaften eifersüchtig auf ihre Unabhängigkeit achteten.45 Die Bevölkerung lebte mehrheitlich, wie die Afrikaner selbst sagen, im Busch, wo das Land stets im Überfluss vorhanden war oder durch Rodung und Nutzbarmachung ausserhalb der Wüsten- und Trockengebiete mit verhältnismässig geringem Aufwand gewonnen werden konnte. Dadurch fehlten südlich der Sahara die Kulturen, die, wie in Asien, auf einer aufwendig betriebenen Bewässerung beruhten, die das Land besonders wertvoll machte, und für die Verwaltung und Kontrolle des durch die bedeutenden, als gesellschaftliche und gemeinsame Anstrengung getätigten Investitionen geschaffenen Reichtums eine starke, staatliche Organisation benötigten.46 Diese war in Afrika schon deshalb nicht notwendig, weil wegen der tiefen Produktivität das Land weniger Wert besass, und die Steuereintreibung wegen des geringen Ertrags und der geringen Bevölkerung kaum einträglich gewesen wäre.47 Aus denselben Gründen und wegen des Überflusses an Land kannten afrikanische Gesellschaften auch keinen Kataster, der die Besteuerung des Bodens ermöglicht hätte. Wenn es denn überhaupt vor der Kolonialzeit individuelles Landeigentum gab – meistens kam diesem ein Nutzungsrecht am nächsten  –, so war dies selten abgezäunt. Gleich verhielt es sich mit den Grenzen zwischen benachbarten Staaten. Erstaunlich ist aber, wie noch zu sehen sein wird, dass selbst Stammes- und Familiengesellschaften oft eine sehr klare Vorstellung des Umfangs ihrer Güter und ihrer Abgrenzung gegenüber benachbarten Gemeinschaften hatten. Die heute bestehenden Territorialgrenzen wurden auf dem Kontinent erst durch die Kolonialmächte an der Berliner Kongokonferenz von 1884/85 gezogen, nicht jedoch, um die Besitztümer afrikanischer Stämme zu trennen, sondern um Konflikte zwischen den europäischen Grossmächten zu verhindern. Genau genommen hatte sich der deutsche Reichskanzler in der Einladung zur Berliner Konferenz 38

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II. Die Souveränität als Begriff und Prinzip

In einem einzigen Punkt unterscheidet sich das Beispiel Europas von demjenigen Afrikas und Asiens. Nur in Europa und später in der übrigen westlichen Welt wurde die Auseinandersetzung mit der Souveränität Gegenstand einer eigentlichen Staatstheorie. Zwar gab es auch in der chinesischen konfuzianischen Tradition eine reiche Literatur über den Staat, die sich zum Teil gerade heute im Westen grosser Popularität erfreut, wenn auch nicht immer aus dem richtigen Grund. Aus Afrika ist wegen der weitgehend mündlichen Überlieferung diesbezüglich wenig vorhanden. Damit stellt sich die Frage, warum gerade in Europa und zu jener Zeit – ich denke dabei ans 16. Jahrhundert – das Konzept der Souveränität in Erscheinung tritt. Für die Juristen ist die Antwort einfach. Für sie ist die Souveränität mit dem Westfälischen Frieden von 1648 verbunden, an welchem der souveräne Staat zum ersten Mal als Subjekt des Völkerrechts in Erscheinung tritt bzw. das moderne Völkerrecht als Regelwerk der Beziehungen zwischen souveränen Staaten seinen vertraglichen Anfang findet. Der Franzose Jean Bodin würde so 100 Jahre zuvor zum Vordenker eines rechtlichen Konzepts. Der Historiker kann sich mit dieser Erklärung nicht zufriedengeben, vor allem dann nicht, wenn er erkannt zu haben meint, dass die Souveränität ein universelles Konzept ist und weit mehr bedeutet als die blosse Feststellung der obersten Befehlsgewalt im Staat. Er wird eine Antwort wollen auf die Frage, warum gerade in Europa die Staatstheorie mit ihrem Schlüsselbegriff «Souveränität» die Denker derart gefesselt hat, wo doch China eine ungleich längere Staatlichkeit besitzt als jeder europäische Staat. In den drei Eingangskapiteln dürfte der eine oder andere Gedanke bereits angeklungen haben. Im Folgenden wird es darum gehen, anhand der theoretischen Auseinandersetzung im Westen die Überlegungen zu präzisieren und aufzuzeigen, dass auch im europäisch geprägten Begriff Souveränität seit ihrem ersten Theoretiker mehr enthalten ist als ein lediglich juristisches Konzept.

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4 . B od i ns Di lemma

Der Begriff Souveränität findet seinen Platz im politisch-juristischen Vokabular erst im 16. Jahrhundert. In seinen 1576 erschienen Six Livres de la République erachtete es der französische politische Denker Jean Bodin als geboten, «[…] den Begriff der Souveränität genau zu bestimmen, weil noch kein Rechtsgelehrter oder Staatsdenker ihn bisher definiert hat».168 Dieser beinhaltete für Bodin «die absolute und dauernde Gewalt eines Staates, die im Lateinischen ‹majestas› heisst. […] Souveränität bedeutet höchste Befehlsgewalt.»169 Die Souveränität ihrerseits ist vom Begriff Staat nicht zu trennen. Deshalb geht in Bodins Werk der Definition der Souveränität eine ausführliche Besprechung des Staates voraus. Staaten waren vor seiner Zeit als «Vereinigungen von Menschen, die gut und glücklich leben wollten», verstanden worden.170 Diese Beschreibung eines geradezu idyllischen Zustands, der auch unter Räubern und Piraten, die ihre Beute gleichmässig aufteilten, herrschen konnte, war für Bodin einerseits zu wenig präzise, andererseits stellte sie an den Staat unerfüllbare Ansprüche. Dieser verfügte über drei Hauptmerkmale, nämlich die Familie, die Souveränität und die «gemeinsamen Dinge», und konnte auch bestehen und regiert werden, ohne dass die Menschen jederzeit glücklich waren. Bodin wollte den Staat nüchtern und soweit wie möglich den Regeln der praktischen Politik entsprechend umschreiben. Er wandte sich damit ab von idealisierenden Vorstellungen, wie sie vor ihm etwa von Thomas Morus in dessen Utopia mit für den Autor fatalen Folgen entworfen worden waren. «Selbst diejenigen, die in der Bestimmung des höchsten Guts einer Meinung sind, stimmen nicht immer darin überein, dass ein guter Mensch und ein guter Staatsbürger sowie das Glück des einzelnen und des Staates identisch sind. Aus diesem Grund gibt es die grosse Verschiedenheit der Gesetze, Gebräuche und politischen Ziele, die den Stimmungen und Leidenschaften der Herrschenden entsprechen.»171

Dieser Hinweis ist nicht ohne Bedeutung, zeigt er doch, dass der Staat und damit auch dessen Souveränität nach der Vorstellung ihres «Entdeckers» als 90

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I I. Die Souv e rän ität als B e griff u n d Pri nzi p

gesamthaft wertfreie Begriffe gelten sollten. Die Grundlage und gleichermassen Abbild von Bodins Staat ist die Familie, geführt von der elterlichen Gewalt, welcher im Staat die souveräne Gewalt entspricht. «Von einem Staat können wir nur sprechen, wenn eine souveräne Gewalt vorhanden ist, die alle Einzelteile, also alle Familien und Kollegien, zu einem Körper vereinigt. […] Neben der souveränen Gewalt muss es auch etwas geben, was allen gemeinsam und öffentlich ist. […] Denn zum Staat gehört, dass es einen gemeinsamen öffentlichen Bereich gibt.»172

Die Übe r wi n d u n g des M it te l a lt e r s Mit diesen Überlegungen löste Bodin das Staats- und Herrschaftsverhältnis aus dem Mittelalter heraus. Als Mitglied der universellen Kirche war der mittelalterliche Herrscher lediglich ein Gläubiger und als solcher wie jeder andere Christ der Autorität der Kirche unterworfen gewesen. So hatte der Heilige Ambrosius von Kaiser Theodosius eine öffentliche Beichte über seine Sünden beim Massaker von Thessaloniki verlangt und ihn von der Eucharistie ausgeschlossen, bis er seine Vergehen bereut hatte. Auch wenn Ambrosius den göttlichen Ursprung der kaiserlichen Macht anerkannte, so sprach er dem weltlichen Magistraten jegliche Autorität über die Geistlichkeit ab.173 Bereits hier entsteht die Unschärfe über das Wesen der obersten Staatsgewalt, welche die europäische Geschichte bis heute prägen sollte. Die höchste Befehlsgewalt, dies zeichnete sich ab, sollte ihren Absolutheitsanspruch immer infrage gestellt sehen. «So gab es noch im 12. Jahrhundert keine einzelne Einheit, die souveräne Macht über andere hätte beanspruchen können. Geistliche Rechtsgelehrte erachteten göttliches oder natürliches Recht als bindend. Daraus folgte, dass weltliche Herrscher an und durch eine Rechtsordnung gebunden waren, die ausserhalb den Ansprüchen und Plänen einzelner Herrscher und Königreiche bestand. Untertanen und Könige waren gleichermassen an diese rechtliche Ordnung gebunden. Sollte der König diese Ordnung missachten, bestanden Mittel, ihn dafür zu bestrafen und im ernstesten Fall zu beseitigen.»174

In England wurde die Autorität der Kirche zu jener Zeit zum ersten Mal von der weltlichen Macht infrage gestellt. Die mittelalterlichen Monarchen hatten sich mit dem Krönungseid selber «freiwillig» an die Kirche gebunden. Heinrich II. von England wollte die Privilegien der Kirche schmälern und namentlich die Verfolgung und Verurteilung straffällig gewordener Geistlicher nicht mehr 91


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6. De r we stlich e Souve rän u n d de r Au fst i e g de s I n d ivi duum s

Jean Bodin hat als erster den engen Zusammenhang zwischen Wirtschaft, Finanzen und der staatlichen Souveränität erkannt. Im Zentrum seiner Betrachtungen stand jedoch immer der personifizierte Souverän. In neuerer Zeit ist die staatliche Souveränität zusehends zur blutleeren Regel zwischenstaatlichen Verkehrs geworden. Dies ist der theoretischen Diskussion zu verdanken, die in Europa und im Westen in den letzten vier Jahrhunderten um die Bedeutung der Souveränität geführt wurde. Heute werden, wie bereits in der Einleitung zu diesem Buch vermerkt, die Theoretiker, welche die staatliche Souveränität leugnen, in den westlichen Ländern immer zahlreicher. Dies hat einerseits mit der geschichtlichen Entwicklung zu tun, die für viele in der Integration Europas ihre Vollendung findet, andererseits hat im Westen mehr als anderswo das Individuum Souveränität oder Teile davon an sich gerissen. Wo sich jeder einzelne als Souverän empfindet, hat der staatliche Souverän offensichtlich Mühe, sich Gehör und Gefolgschaft zu verschaffen. In der Folge werde ich kurz darstellen, warum diese Entwicklungen im Westen stattfanden und welche Diskussionen um die staatliche Souveränität sie auslösten, bevor ich die Konsequenzen der Souveränität des Individuums für die menschliche Gesellschaft beleuchte. Die E rstma li g keit des Weste n s In seinem Buch über den Wohlstand und die Armut der Nationen hat der amerikanische Historiker David Landes die Überlegenheit des Westens unter anderem auf «die Erfindung der Erfindung» zurückgeführt. Seiner Meinung nach wurden technische Neuerungen nirgendwo so bewusst gesucht und zur Verbesserung der wirtschaftlichen Abläufe so bewusst eingesetzt wie in Europa. Er nennt namentlich drei Erfindungen, deren Umsetzung und Verbreitung dem Westen einen entscheidenden Vorsprung gegenüber dem Rest der Welt eintrugen: das Wasserrad, von dem das Domesday-Buch in England im Jahre 1086 bereits 5600 Stück verzeichnete und damit auf eine systematische Nutzung der Wasserkraft im Handwerk hinwies; die Brille, welche das aktive Leben der intellektuell Tätigen dank der damit aufrechterhaltenen Sehkraft 1 24

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I I. Die Souv e rän ität als B e griff u n d Pri nz i p

zum Lesen und Kopieren von Texten verlängerte, und schliesslich die mechanische Uhr, die beispielsweise an Kirchtürmen weit herum sichtbar war und dadurch das aktive Leben strukturieren und organisieren half.233 Mit diesen Erklärungen privilegiert Landes die kulturellen Argumente für den Vorsprung Europas. Die Ursache für diese Kulturleistungen konnte offensichtlich nicht die heute immer wieder bemühte protestantische Ethik sein, dafür kamen Luther und Calvin wirklich zu spät. Landes verweist vielmehr auf das im Vergleich zu China und Afrika freundliche meteorologische Klima Europas und auf die Tatsache, dass sich die Sicherheitslage des Kontinents seit dem 11. Jahrhundert zu verbessern begann, was sich auf die wirtschaftliche Tätigkeit günstig auswirkte. Damit brachte Landes zwei weitere Faktoren ins Spiel, die als Grundlage der Einmaligkeit Europas betrachtet wurden. Mit dem Klima und der Geografie hatte bereits Montesquieu die Unterschiedlichkeit der Völker und Staaten erklärt. In der Gegenwart setzt Jared Diamond diese Linie fort.234 Daneben mussten für die grössere Sicherheit die staatlichen Einrichtungen verbessert worden sein. Aus der Sicht unseres Interesses für die staatliche Souveränität steht die Frage der Institutionen im Mittelpunkt. Wie und warum entstehen sie? Sind sie von Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung und den Wohlstand der Staaten? Sind sie tatsächlich das Produkt klimatischer, physischer Faktoren oder menschlicher Mentalitäten? Die amerikanischen Wirtschafts- und Politikwissenschafter Acemoglu, Johnson und Robinson haben unter anderem die institutionellen Veränderungen und die wirtschaftliche Entwicklung der verschiedenen von Napoleon besetzten und nicht besetzten Regionen auf dem Gebiet des Deutschen Reiches untersucht und miteinander in Beziehung gebracht. Sie haben dabei drei verschiedene Typen von Regionen unterschieden: jene, die besetzt und deren staatliche Einrichtungen grundlegend reformiert wurden (Rheinland, Westfalen), eroberte Gebiete, in welchen Reformen entweder nicht eingeleitet oder aufgegeben wurden (Norddeutschland) und schliesslich die nicht eroberten Gebiete (Kernpreussen, Bayern, Baden, Württemberg). Preussen führte nach der Niederlage gegen die französischen Truppen 1807 die bekannten steinschen und hardenbergschen Reformen ein, obwohl es nicht besetzt war. Ebenso Baden, das 1808 eigenständig eine abgeänderte Form des Code ­Napoléon übernahm. Die Reformen in den besetzten Gebieten bestanden nebst den zivilrechtlichen Neuerungen in der Zentralisierung einer nunmehr professionalisierten Staatsbürokratie, der einheitlichen Besteuerung, in nationalen auf der Wehrpflicht basierenden Armeen, einer staatlichen Polizei, der Säkularisierung des Staates usw. Auch wenn die napoleonischen Reformen nach der Niederlage des Kaisers an vielen Orten – wie namentlich auch in der Schweiz  – wieder rückgängig gemacht wurden, so konnte der Modernisie125


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6. De r west li c h e Souv e rän u n d d e r Au fst ieg d es I n d ivi duu ms

rungsschub, der durch sie entstanden war, nicht mehr aufgehalten werden. Die amerikanischen Studien ergaben, dass zwischen der Tiefe der Reformen und dem wirtschaftlichen Wachstum ein direkter positiver Zusammenhang bestand. In den durch den französischen Eroberer reformierten Regionen war in der Folge die Zunahme des Wohlstands grösser als anderswo. Aus den innerhalb Deutschlands im Wesentlichen identischen geografischen, klimatischen, kulturellen und andern Faktoren dieser Art schliessen Acemoglu et al., dass der entscheidende Faktor der Veränderungen die neuen reformierten Institutionen waren.235 Die Entstehung moderner staatlicher Institutionen als Folge der Französischen Revolution erklärt noch nicht vollständig die Gründe, weshalb Europa und der Westen seit etwa 300 Jahren «moderner» und wohlhabender als der Rest der Welt sind. In einem früheren Artikel habe ich, gestützt auf weitere Arbeiten Acemoglus und Robinsons236, die Meinung vertreten, dass die Form des europäischen Staates das Ergebnis einer jahrhundertealten und auch heute anhaltenden ständigen Auseinandersetzung zwischen dem Volk und der Elite um angemessene und gerechte Steuern war.237 Die Französische Revolution war vom äusseren Anlass her betrachtet eigentlich nur ein weiterer Akt der Auflehnung gegen eine erdrückende Steuerlast ohne sichtbare Leistung des Staates. Dass es nicht bei der üblichen Revolte blieb, sondern dass daraus ein Ereignis von geschichtlicher Bedeutung wurde, hing mit dem Zeitpunkt zusammen. In England war die sogenannte industrielle Revolution bereits weit fortgeschritten, als sich auch auf dem Kontinent die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen bemerkbar machten und im diesbezüglich eher rückständigen Frankreich mit Gewalt den Weg bahnten. Dass die industrielle Revolution wiederum gerade in Europa und zu jenem Zeitpunkt innerhalb einer kurzen Zeitspanne den Wohlstand des Westens begründete, nachdem Europa wie der Rest der Welt sich während Jahrhunderten nur langsam entwickelt und in Bezug auf den Reichtum nur unwesentlich unterschieden hatten, erklärte der Ökonom Gregory Clark mit einer über Jahrhunderte zu beobachtenden durch die demografische Entwicklung und die Nachfolgerechte genährten abwärts gerichteten sozialen Mobilität, die zur Verbreitung unternehmerischen Denkens und qualitätsbewussten Arbeitens in der Gesellschaft beigetragen hatte. Diese Mobilität entstand in grossem Masse aus der Erbfolge in den reichen Schichten der Bevölkerung, welche in der Regel den ältesten männlichen Nachfolger begünstigte und die übrigen Kinder leer ausgehen liess und dadurch allmählich deklassierte. Bei ihrem sozialen Abstieg trugen diese Benachteiligten jedoch die Ausbildung und die sozialen Werte einer ambitiösen Oberschicht in die breiteren unteren Schichten der Bevölkerung. Im England des 18. Jahrhunderts und im übrigen Europa etwas später 1 26

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III. Die Gefährdung des Souveräns

Seit Bodin, für den die Souveränität letztlich eine klare Angelegenheit der Herrschaft eines Königs war, auch wenn er vom Gedanken, wie diese zu begrenzen sei, nie loskam, wurden tief greifende Veränderungen im Verständnis dieses für den Staat existenziellen Konzepts sichtbar. Stephen Krasner erklärte diese in seinem wesentlichen, von mir jedoch kritisch betrachteten Beitrag zur Souveränitätsdiskussion mit der wachsenden Bedeutung der Minderheiten- und Menschenrechte seit der Französischen Revolution oder genauer seit den napoleonischen Kriegen. Aus seiner Sicht machte die schrittweise Auflösung des Osmanischen Reiches diese Veränderungen am Schutz religiöser und ethnischer Minderheiten erstmals sichtbar. Dieser wurde den unabhängig gewordenen Staaten auf äusseren Druck der Grossmächte abverlangt. So mussten die griechischen Revolutionäre den Minderheiten 1830 den Zugang zu allen öffentlichen Ämtern und Ehren zusichern, um 1832 die Anerkennung des neuen griechischen Staates zu erlangen. Auf dem Berliner Kongress von 1878 anerkannten die europäischen Mächte nach der 1875 ausgebrochenen Balkankrise Serbien, Montenegro und Rumänien als unabhängige Staaten, nachdem diese die Anerkennung der Rechte der (religiösen) Minderheiten versprochen hatten. Für Krasner ist klar, dass diese Bestimmungen im Widerspruch zur westfälischen Souveränität dieser neuen Staaten standen, waren sie doch eingebracht worden, um deren innere Ordnung erheblich zu beeinflussen. In Tat und Wahrheit wurde das Berliner Abkommen jedoch systematisch unterlaufen. Von den 269 000 Juden Rumäniens erlangten lediglich 200 das Bürgerrecht, viele blieben von der kostenlosen Ausbildung ausgeschlossen. Der Schutz der Armenier missriet dramatisch. Bereits ab 1894 wurden sie Opfer von Massakern.272 Diese Beispiele zeigen, dass Einschränkungen der als aussenpolitisch verstandenen westfälischen Souveränität angesichts innenpolitischer Widerstände bzw. die Berufung auf übergeordnete Prinzipien wenig Wirkung entfalten konnten. Dies wurde noch deutlicher in der Friedensordnung von Versailles. Jeder Vertrag mit den aus dem Zerfall der Donaumonarchie und des Zarenreiches hervorgegangenen Staaten enthielt Klauseln für den Schutz von Minderheiten. In zahlreichen dieser Staaten fan147


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I I I . Die Gefä h r d u ng des Souv e rän s

den sie Eingang in die Verfassung. Bezeichnend war allerdings, dass sich die Siegermächte selbst keinerlei Verpflichtungen auferlegten, die eigenen Minderheiten zu schützen. Weder die Iren und Waliser in Grossbritannien, die Bretonen, Korsen und Elsässer in Frankreich noch die Schwarzen und Asiaten in den USA kamen in den Genuss des rechtlichen Schutzes, den man für die Minderheiten in Polen, Österreich, Bulgarien oder der Tschechoslowakei einforderte. Diese (völker-)rechtlichen Konstruktionen erwiesen sich in der Folge, wie wir wissen, als wenig effektiv, gelinde gesagt. Dass die Minderheitenrechte vor allem in Deutschland als Recht der Sieger empfunden wurden, war eine der Ursachen für deren radikale Missachtung im nationalsozialistischen Staat. Obwohl der internationale Schutz der Minderheitenrechte in der Vorstellung seiner geistigen Schöpfer durch ein System der kollektiven Sicherheit abgestützt werden sollte, scheiterte er völlig, nicht nur, weil dieses System nie das Licht des Tages erblickte. Es zeigte sich, dass die Überwindung einer auf die westfälische Perspektive reduzierte Souveränität allein noch kein kooperatives internationales System begründen würde und dass Souveränität eben mehr war als die Freiheit eines Staates, sein Regierungssystem selbst zu wählen, und das Gebot der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten seines Nachbarn. Sie war dies alles, aber eben nicht sektoriell aufgeteilt, sondern integriert, vollumfänglich, einzig. Das Unvermögen des Professors im amerikanischen Präsidentenamt, Woodrow Wilson, die Souveränität in ihrer Gesamtheit und nicht lediglich als, wie ich gezeigt habe, missverstandenes westfälisches Erbe zu erfassen, war die wesentliche theoretische Schwäche des Versailler Systems, das nie eine Friedensordnung werden konnte. Die 1930er-Jahre führten als Folge davon zu einer Pervertierung des Souveränitätsgedankens, die im Massenmorden des Zweiten Weltkrieges gipfelte. Es ist kaum überraschend, dass der souveräne Staat nach den staatlichen Exzessen des Krieges in Ungnade fiel. Dabei wurde allerdings übersehen oder verdrängt, dass der nationalsozialistische Staat in dem Sinne nicht souverän war, als das eigentliche Machtzentrum, das über die höchste Befehlsgewalt verfügte, stets unscharf blieb. Hitler war kein Souverän. Wie Martin Broszat schon früh festgestellt hatte, war die Hitler-Diktatur zwar absolutistisch, aber im ursprünglichen Sinne des lateinischen Wortes absolvere, das heisst, losgelöst, abgehoben.273 Der Diktator selbst traf nämlich, vielleicht paradoxerweise, wenige Entscheidungen, und der Zugang zu ihm war ausschliesslich durch seinen Privatsekretär im Range eines Reichsministers, Martin Bormann, geregelt, der damit zur Schlüsselfigur des Staates wurde, ohne jedoch seinerseits der Souverän zu sein, da der Führer das sichtbare Zeichen der Macht blieb.274 In einem umstrittenen Buch hat Daniel Goldhagen nachzuweisen versucht, wie wenig Zwang zur Durchführung des neben dem Krieg grössten staatlichen 148

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9. De r h uman itär-i nte rve n t i o n i st is c h e Kom p l e x

Am 17. Januar 1961 hielt der abtretende amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower über Radio und Fernsehen seine Abschiedsrede an das amerikanische Volk. Der einzige Viersternegeneral, der je das höchste politische Amt seines Landes innehatte, kam dabei auf den seit dem Zweiten Weltkrieg enorm gewachsenen Einfluss der Rüstungsindustrie auf die Politik zu sprechen. Mit eindringlichen Worten warnte er seine Landsleute vor den Folgen dieser Beeinflussung: «Bis zum letzten Weltkonflikt hatten die Vereinigten Staaten keine Rüstungsindustrie. Amerikanische Hersteller von Pflugscharen konnten jedoch rechtzeitig und wie gefordert auch Schwerter erzeugen. […] wir sind gezwungen worden, eine ständige Rüstungsindustrie grössten Ausmasses aufzubauen. Zusätzlich sind dreieinhalb Millionen Männer und Frauen im VerteidigungsEstablishment tätig. […] Das Zusammenwirken eines riesigen Verteidigungs-Establishments und einer grossen Rüstungsindustrie ist eine neue Erfahrung für Amerika. Der gesamte Einfluss – wirtschaftlich, politisch und sogar geistig – ist spürbar in jeder Stadt, jedem Staat und in jedem Gebäude der Bundesverwaltung. Wir erkennen die unüberwindliche Notwendigkeit dieser Entwicklung, müssen uns aber über deren schwerwiegende Folgen Rechenschaft geben. In allen Bereichen der Regierung müssen wir uns gegen den gewollten oder ungewollten Erwerb von unkontrolliertem Einfluss durch den militärischindustriellen Komplex wehren. […] Wir dürfen es nie zulassen, dass das Gewicht dieser Kombination unsere Freiheiten oder den demokratischen Prozess gefährdet.»370

Beachtenswert an dieser berühmt gewordenen Rede ist die Feststellung, dass sich in der Demokratie als Folge geschichtlicher Entwicklungen Interessenkombinationen bilden können, die unter Umgehung des demokratischen Prozesses mit wirtschaftlichen, politischen und moralischen Argumenten alle Sektoren des staatlichen Lebens beeinflussen können. Dabei handelt es sich 197


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9. De r h u m a n i tä r-i nt e rv e nt ion ist is ch e Kom pl ex

nicht um traditionelle Interessenvertreter oder Lobbyisten, die mit mehr oder weniger statthaften Mitteln die Entscheide der Politik zu beeinflussen suchen, vielmehr ist der Komplex im Sinne Eisenhowers ein Konglomerat von Kräften, welche imstande sind, Bedürfnisse zu schaffen, von deren unüberwindlichen Notwendigkeit sie die öffentliche Meinung, die Medien und die Politiker zu überzeugen vermögen. Wer hätte zu Zeiten Eisenhowers in Zweifel gezogen, dass der Kampf gegen den Kommunismus nicht eine starke Rüstungsindustrie erfordert? Der Präsident machte in seiner Ansprache deutlich, wie sehr er befürchtete, dass dieser Konsens zu Missbrauch führen könnte. Einerseits konnten die Interessengruppen der Rüstungsindustrie, des Militärs, Beratungsfirmen und akademische Kreise den Konsens im Kampf gegen den Kommunismus immer wieder neu bestärken, um ihre darauf gewachsenen Pfründe zu sichern, andererseits bestätigten die Analysen und Prophezeiungen, die sich in der Regel selbst erfüllten, in den Augen eines grossen Teils der öffentlichen Meinung die subjektiv empfundene kommunistische Bedrohung und rechtfertigten den für den militärisch-industriellen Komplex bestimmten materiellen Aufwand. Die Manipulation von Fakten und Zusammenhängen durch den Komplex war nicht nur deshalb gefährlich, weil dadurch der Krieg während der Zeit der nuklearen Überlegenheit der USA eine ständige Option blieb, sondern auch, weil ein Grossteil der Bevölkerung mehr oder weniger kritiklos daran glaubte und unter dem Einfluss von Politikern wie dem Senator Joseph McCarthy abweichende und differenzierte Meinungen mit geradezu totalitären Methoden unterdrückt wurden. Der militärisch-industrielle Komplex schuf im Kampf gegen die Ideologie des Kommunismus die Ideologie des Antikommunismus. An die Stelle des in seiner Zeit politisch korrekten Kampfes gegen das Böse des Kommunismus ist mit dem humanitär-interventionistischen Komplex der heutzutage politisch korrekte Kampf gegen das Böse der Armut und Unterentwicklung getreten. I deolo gie a ls G r u n d l age p o li tis c h ko r re k t e n S c h ei t e r n s Ideologien erheben den Anspruch, die endgültigen und umfassenden Lösungen für die grossen Probleme der Menschheit, von Armut und Elend bis zum universellen Frieden und der Demokratie, zu kennen. Das Bedürfnis nach Ideologie scheint vor allem bei einer gewissen Elite unstillbar. Nachdem der sozialistische Anspruch auf die Rettung der Welt durch die Schilderungen des Gulag, die wirtschaftliche Wirklichkeit und den politischen Zerfall des Paradieses der Arbeiter Schiffbruch erlitten hat, bietet heute die Ideologie der Entwicklung einer gewissen Intelligenzija, die den Untergang der Sowjetunion immer noch nicht überwunden hat und ihm insgeheim nachtrauert, geistigen Rückhalt. Die Notwendigkeit der Entwicklung und der Entwicklungshilfe ist 198

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I I I. Die Gefäh rdu ng d es Souv e räns

heute zu einer unumstösslichen Wahrheit geworden wie der Kommunismus im Osten und der Antikommunismus im Westen der 1950er-Jahre. Wer könnte schon ernsthaft in Zweifel ziehen, dass ganze Kontinente in bitterer Armut leben und dass diese Not gelindert werden soll? Der Genfer Professor Gilbert Rist sieht in dieser Geisteshaltung mehr als eine blosse Ideologie, da seines Erachtens eine Ideologie diskutiert und infrage und Zweifel gestellt werden kann, nicht so die Entwicklung, «[…] an die man glaubt, weil man glaubt, dass alle daran glauben und weil es alle sagen […]».371

Deshalb ist für Rist die Entwicklung ein religiöser Glaube, dessen Bekenntnis zum Handeln auffordert. Wenn ich im Zusammenhang mit dieser Darstellung den Begriff Ideologie demjenigen des Glaubens vorziehe, geschieht dies nicht aus einer sachlichen Differenz zu Rist heraus. Dieser analysiert scharfsinnig die ursprünglichen Motive der Hilfe zur Entwicklung. Mir geht es lediglich um deren politische Äusserungen, die seit dem Ende des Kalten Krieges mit dem damit verbundenen Ideologieverlust in Zusammenhang gebracht werden. Der westliche Glaube, mithilfe zur Entwicklung die Welt verändern zu können, ist natürlich älter. Der Begriff Ideologie scheint mir zutreffender für die agnostische Welt der Regierungen, internationalen Organisationen und der die religiöse, ethnische, nationale und geschlechtliche Unabhängigkeit betonenden Nichtregierungsorganisationen, die aufgrund ihrer finanziellen Mittel und politischen Militanz wichtige Akteure des humanitär-entwicklungspolitischen Komplexes sind. Im Gegensatz zum eisenhowerschen militärisch-industriellen Komplex operiert der humanitär-entwicklungspolitische weniger national als global. In beiden Komplexen ist die Ideologie nur eine Seite, mindestens ebenso wichtig ist die Tatsache, dass mit dieser Ideologie auch Geld verdient werden kann. Nach dem Untergang des Sowjetsystems in Russland und Osteuropa predigten die Ideologen der Entwicklung im Währungsfonds und der Weltbank die marktwirtschaftliche Schocktherapie, die darin bestand, mit Kapitalspritzen darniederliegende Volkswirtschaften anzukurbeln. Nachdem das Rezept im nachkommunistischen Russland versagt hatte, wurde es nach Afrika übertragen, wo Leute wie der Professor an der Columbiauniversität, Jeffrey Sachs, die in 15 Jahren umzusetzenden Ziele offenbar für die verbleibenden 985 Jahre des Jahrtausends gültigen Jahrtausendziele für die Entwicklung – Millenium Development Goals (MDGs)  – vorgaben. Diese sollen nun von einer riesigen internationalen Entwicklungsbürokratie mittels oft minutiösen Anleitungen zur Kompostierung pflanzlicher und tierischer Abfälle, zum Stillen für junge 199


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9. De r h u m a n i tä r-i nt e rv e nt ion ist is ch e Kom pl ex

Mütter, zur Erzeugung von Energie mit Windmühlen und Fotovoltaik umgesetzt werden, oft an den echten Bedürfnissen der verdutzten Hilfsempfänger vorbei. Die MDGs sind ein Vehikel charitativer Organisationen, die mit ihren Aktionen das Leben der armen Afrikaner in ihren Dörfern zwar etwas verbessern, aber keinen unter ihnen nachhaltig der Armut entreisst.372 Es hatte nicht der weltweiten Finanzkrise bedurft, um die freie Marktwirtschaft in Misskredit zu bringen. Die Entwicklungsideologen hatten dies in den armen Ländern mit den Misserfolgen ihrer Hilfe schon vorher getan, was beispielsweise in Nicaragua den Marxisten Daniel Ortega zurück an die Macht brachte, den demokratiefeindlichen Hugo Chávez in Venezuela zur neuen Leitfigur in Lateinamerika machte und dem menschenverachtenden Robert Mugabe in Simbabwe das politische Überleben erleichterte. Dabei war am Scheitern dieser Experimente nicht die Marktwirtschaft verantwortlich, sondern wie der New Yorker Entwicklungsökonom William Easterly zutreffend bemerkte: «Die Entwicklungs[ideologie] weist einen andern marxistischen Zug auf: Sie erhebt den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Die eine, richtige Lösung für das Problem der Armut wird als wissenschaftliches Problem erachtet, das von Experten gelöst werden muss. Diese sind immer sicher, die Lösung zu kennen und lehnen vehement jeglichen Widerspruch ab, zu einem späteren Zeitpunkt ändern sie einfach ihre Lösung. In der Psychiatrie nennt man dies eine borderline Persönlichkeitsstörung. Für Entwicklungsexperten ist es der way of life.»373

Es ist der marxistisch angehauchten Ideologie und ihrer ablehnenden Haltung gegenüber den freien Unternehmen zu verdanken, dass in vielen Ländern der Dritten Welt kein Unternehmertum entstehen konnte. Dort, wo sich – wie in Singapur, Südkorea, Malaysia, Thailand und natürlich China – ein solches bildete, wurde ein oft spektakuläres Wachstum und ein starker Rückgang der Armut erzeugt. Bezeichnenderweise handelt es sich dabei um Länder, welche die Entwicklungshilfe abgelehnt oder sich gegen die Vorgaben der Entwicklungsorganisationen zur Wehr gesetzt haben.374 Das Problem der wiederkehrenden und nicht enden wollenden Fehlentwicklungen wird mit dem Allerweltsmittel internationaler Organisationen, der Semantik, gelöst. So ist im Jahresbericht 2008 der Weltbank etwa der sinnlose, aber gerade deshalb aufschlussreiche Satz zu lesen: «Obwohl verwundbare [fragile] Staaten nicht notwendigerweise von Konflikten heimgesucht werden und von Konflikten betroffene Staaten sich nicht immer durch eine verwundbare [fragile] Gouvernanz auszeichnen, bestehen 20 0

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13. Souve rän ität u n d G loba l isi e r u n g

Einschränkungen staatlicher Souveränität werden heute meistens mit den Erfordernissen der Globalisierung gerechtfertigt. Dabei bleiben zwei Dinge immer unklar: der Begriff Globalisierung an sich und die wahren Gründe für die souveränen Staaten, sich mittels Souveränitätsverzichts auf die Globalisierung einzurichten. Im Folgenden wird zu klären sein, weshalb diese diffuse, aber reale globale Vernetzung der Staaten tatsächlich deren souveräne Rechte einschränken soll, oder, mit andern Worten, ob die Globalisierung, wenn sie denn notwendig und unausweichlich sein sollte, wirklich nur zum Preis von Freiheit zu haben ist. Die Globalisierung ist in erster Linie ein ökonomischer Begriff. Der Nobelpreisträger für Wirtschaft, Joseph Stiglitz, versteht darunter «die engere Verflechtung von Ländern und Völkern der Welt, die durch die enorme Senkung der Transport- und Kommunikationskosten herbeigeführt wurde, und die Beseitigung künstlicher Schranken für den ungehinderten grenzüberschreitenden Strom von Gütern, Dienstleistungen, Kapital, Wissen und (in geringerem Grad) Menschen».563 Stiglitz verweist auch auf die Vernetzung alter und neuer Organisationen im Rahmen der sogenannten internationalen Zivilgesellschaft, doch «eine mächtige Triebkraft der Globalisierung sind die internationalen Konzerne, die nicht nur Kapital und Güter, sondern auch Technologien über Grenzen hinweg bewegen».564 Es sind vor allem Ökonomen, die unser Verständnis von Globalisierung als eine in erster Linie wirtschaftliche Erscheinung, die allerdings in fast alle Lebensbereiche ausstrahlt, prägen. Verkörpert wird die Globalisierung durch die internationalen Bürokratien – «die gesichtslosen Symbole der Weltwirtschaftsordnung»565 – und die grossen internationalen Konferenzen, die, vor einigen Jahren noch häufiger als heute, die Proteste aufgebrachter und oft gewalttätiger Gruppen auf sich zogen. «Die heftige Reaktion gegen die Globalisierung zieht ihre Kraft nicht nur aus dem sichtbaren Schaden, den eine ideologisch verbohrte Politik den Entwicklungsländern zufügt, sondern auch aus den gravierenden Ungerechtigkeiten im Welthandelssystem.»566 309


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1 3. So u ve rä n i tät u n d G lobal isie ru ng

Dieses rein wirtschaftliche Verständnis der Globalisierung schafft gemäss dem deutschen Soziologen Ulrich Beck den Eindruck, «[…] dass die Ökonomie die Schallmauer vorgibt, die von der Politik nicht durchbrochen werden kann, weil diese die Magd der Ökonomie ist und bleibt. […] zwar bricht die Weltwirtschaft aus dem nationalstaatlichen, nationalökonomischen Machtbehälter aus, hat also den ersten Zug, erobert den transnationalen Machtraum, erzwingt die Öffnung der Grenzen etc. Aber es ist völlig falsch, dies als Determination zu denken – in dem Sinne: Der Staat wird zur Kolonie der weltwirtschaftlichen Autorität.»567

Die Globalisierung erweist sich als Gefährdung des souveränen Staates, der in seiner reinsten Ausformung, wie gesehen, auf einem starken demokratischen Souverän beruht. Gemäss Beck ruft die Globalisierung nach einem Regieren ohne Regierung: «Globalisierung zwingt zur Suche nach einer neuen Erzählung der Demokratisierung der Weltpolitik. Der gängige Begriff der «global governance» strahlt demgegenüber die Aura des Legitimationsvakuums aus. Er riecht nach einem Kontrollregime ohne demokratische Legitimität. So kommt es zur falschen Alternative: Entweder man verteidigt den Nationalstaat, oder man plädiert für Regieren ohne Regierung.»568

Die Art der Entstehung der weltweiten Wirtschaftskrise hat den Eindruck verstärkt, dass die internationale Wirtschaft und Finanz das Mass aller Politik sind. Dabei wird die Globalisierung sowohl von ihren Kritikern als auch den Verteidigern und Profiteuren in der Regel als eine neuartige, erstmalige Erscheinung in der Weltgeschichte dargestellt. In deren Verlauf sind Globalisierungen aber gekommen und gegangen, das Neue an der gegenwärtigen Globalisierung liegt einzig im Umstand begründet, dass diese tatsächlich weltumspannend ist. Sie geschieht in den Worten des Princeton-Historikers Harold James auch nicht einfach «dort draussen – in der objektiven und messbaren Welt des Handels und des Geldes. Sie geschieht auch in unseren Köpfen und mit diesem Teil der Globalisierung ist es oft schwieriger umzugehen.»569 Gerade diese psychologische Seite war in der Vergangenheit immer wieder dafür verantwortlich, dass die Globalisierung weder endgültig berechenbar noch berechenbar endgültig war. Die Tatsache, dass Banken sowohl in der Vertiefung als auch der Zerstörung der Globalisierung eine zentrale Rolle spielten, ist ein Hinweis auf die Bedeutung nicht ökonomischer Faktoren, wie Vertrauen, die subjektive Einschätzung der Realität usw. 31 0

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IV. De r le tzte Souv e rän

«Globalisierung hängt von der Fähigkeit ab, Vertrauen über lange Distanzen zwischen Fremden und in der Ungewissheit rechtlich nicht geregelter Verhältnisse aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Die verstärkte Betonung der Regulierung der Geschäftstätigkeit durch den Staat trägt dazu bei, neue Konflikte und Zusammenstösse zu erzeugen und die Ungewissheit zu erhöhen. In der globalisierten Welt gehen viele Leute von gemeinsamen Werten aus, doch diese werden oft nicht vollständig artikuliert und wenn sie es sind, so lösen sie häufig eine heftige Reaktion aus. Die einzige Art und Weise, mit dem Zusammenbruch von Werten umzugehen, ist, Werte wieder aufzubauen. […] Das Vertrauen wieder zu erlangen, ist ein langer und aufwendiger Prozess. Deshalb ist es nicht einfach, die Globalisierung wiederherzustellen, wenn sie einmal zerbrochen ist.»570

Die e wi ge Wie de r k e h r d e r G loba l isie r u n g Gerade die Bedeutung der subjektiven und psychologischen Wahrnehmungen macht deutlich, dass die Globalisierung nicht ein Prozess der heutigen Zeit ist, sondern seit langer Zeit, unaufhaltsam und zwangsweise die Zukunft der Welt formt. Globalisierungen haben in der Vergangenheit oft ein brüskes und für die unmittelbar Betroffenen katastrophales Ende gefunden. Ein herausragendes Beispiel für den Kollaps einer Globalisierung ist das Ende des Römischen Reiches. In einem ebenso kurzen wie brillanten Buch untersuchte der Oxforder Historiker Bryan Ward-Perkins den Fall Roms anhand von Amphorenscherben. Amphoren waren die täglichen Lagerungs- und Transportgefässe, vergleichbar mit den heutigen Stahlcontainern für Flugzeuge, Schiffe und Lastwagen. Die Tonscherben sind leicht zu datieren und aufgrund eindeutiger Merkmale ist ihr Herstellungsort feststellbar. Die Halden zerbrochener Amphoren – der Monte Testaccio, ein Hügel nahe dem Tiber in Rom bestand aus den Scherben von 53 Millionen Amphoren  – geben daher Aufschluss über den Handel innerhalb des römischen Imperiums. Amphoren wurden im gesamten Reich produziert, von Nordafrika bis zum Hadrian Wall in Britannien. Ihre Verbreitung macht deutlich, dass alle Güter im gesamten Imperium zirkulieren und damit überall den gleichen Lebensstandard und Komfort gewährleisten konnten. Die Forschungen Ward-Perkins’ ergaben, dass nach dem Jahr 400 die Manufakturen von Tonkrügen und die Handelstätigkeit rasch zurückgingen. Dies mochte damit zu tun gehabt haben, dass die Goten in dieser Zeit in Italien auftauchten. Es ist aber nicht anzunehmen, dass diese Barbaren darauf aus waren, die römische Lebensart mit all ihren Vorzügen und dem Komfort zu zerstören, sie hätten diese vielmehr lieber zu ihrer eigenen gemacht. Das Ende des Römischen Reiches erscheint als Zusammenbruch einer Wirtschaftsordnung mit äusserst schmerzlichen Folgen, für die direkt 311


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1 3. So u ve rä n i tät u n d G lobal isie ru ng

Betroffenen mehr als eine militärische Eroberung, die die Möglichkeit der Koexistenz von Römern und Eroberern offen gelassen hätte. Die Folgen des Zusammenbruchs wurden vor allem als enormer Verlust an Komfort spürbar. Der Lebensstandard der Bewohner Britanniens soll sogar in kurzer Zeit unter denjenigen vor der Eroberung durch die Römer gefallen sein.571 In einem neueren Artikel vertrat Niall Ferguson, auch auf der Grundlage der Arbeiten Ward-Perkins’, die von mir geteilte These, wonach die Erklärung des Niedergangs von Imperien – und dadurch auch des Kollapses von Globalisierungen – durch Langzeitfaktoren oft das Werk von Historikern ist, die das geschichtliche Ereignis nachträglich zu erklären suchen. Sehr oft ist das Ende einer Globalisierung aber, wie im Falle des Römischen Reiches und auch des britischen Empire, ein Vorgang, der sich innerhalb einer Generation oder sogar noch rascher abspielt.572 Die vor eineinhalb Jahrtausenden brüsk über das damalige Europa hereingebrochene kulturelle Polarnacht, die dem Fall des Römischen Reiches folgte, illustriert das Ende einer Globalisierung auf besonders dramatische Weise. Man muss jedoch nicht so weit in die Geschichte zurückblicken und nach Kataklysmen Ausschau halten. Es genügt ein Blick in die heutige Wirklichkeit, um festzustellen, wie stark die Globalisierung durch die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008 zurückgegangen ist.573 Zwischen hoch verschuldeten Volkswirtschaften, allen voran die USA, aber auch die grossen westeuropäischen Staaten, herrscht faktisch ein Handelskrieg. Dieser ist sichtbar in den eingetretenen und weiterhin drohenden Staatsbankrotten und in der Aggressivität, mit welcher beispielsweise die amerikanischen Medien und die Politik gegen den im Lande erfolgreichen japanischen Autohersteller Toyota vorgehen, um ihrer leidenden Autoindustrie Auftrieb zu verleihen, was den Kolumnisten der New York Times nicht daran hinderte, Toyota bitter dafür zu kritisieren, dass der als Folge der gegen ihn gerichteten Kampagne und auch eigener Versäumnisse unter einem Verkaufseinbruch leidende Autohersteller in Kalifornien eine Fabrik zu schliessen beabsichtigte und dadurch unmittelbar 4700 und mittelbar bis zu 20 000 Arbeiter ihre mit amerikanischen Subventionen geschaffenen Stellen verlieren.574 Die Argumentation der New York Times macht auch deutlich, wie rasch die Globalisierung in den Köpfen der von einer Krise direkt betroffenen Menschen verschwindet und damit gleichzeitig auch das für die weltweite Vernetzung notwendige Vertrauen über Landesgrenzen und lange Distanzen hinweg. Die Anpassung an eine flatterhafte und unbeständige Globalisierung ist kaum ein Argument für nachhaltigen Verzicht auf Souveränität und Freiheit. Anstatt die nur schwer wiederherzustellende staatliche Souveränität auf dem Altar der vorübergehenden wirtschaftlichen Vernetzung zu opfern, sollte vielmehr geprüft werden, wie weit sie nicht ein stabilisierender Faktor für die ent31 2

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sch lu ss: Das E n de d e r Fre i h e i t

Dieses Buch hat einen Bogen zu schlagen versucht vom Grossraum des heutigen China, welcher im 3. Jahrhundert v. Chr. zum ersten Mal durch den Staat Qin in einem einzigen Reich vereinigt wurde, zu den Lagunendörfern der Elfenbeinküste und schliesslich zum Stadtstaat Florenz zur Zeit Niccolò ­Machiavellis. Verschiedener hätten die Beispiele nicht sein können: Dem mit riesigen menschlichen und materiellen Mitteln errichteten chinesischen Reich, den sich im Wesentlichen auf die eigene Existenz konzentrierenden Herrschaften in den kleinräumigen Dörfern im unterbevölkerten Westafrika und schliesslich dem Renaissance-Stadtstaat Florenz, der trotz seiner politischen Schwäche aufgrund seiner enormen Finanzkraft und kulturellen Leistungsfähigkeit gewissermassen als Faktor der Globalisierung über die damals gesamte westliche Welt wirkte, waren gemeinsam, dass ihre Völker und Individuen die Souveränität lebten, ohne sie ausdrücklich als solche zu bezeichnen. Sowohl in China als auch in Florenz wurde jedoch über das Wesen des Staates und seiner Organisation bereits theoretisch nachgedacht. Wegen der Schriftlosigkeit der betrachteten Westafrikaner sind uns deren Gedanken nicht erhalten geblieben, doch zeugt die zeitweise filigrane Organisation ihrer Staatswesen von hoher politischer Kultur, die den Vergleich mit schweizerischen Dorfgemeinschaften im Berggebiet aufdrängte. Ein grösserer Teil meiner Betrachtungen galt den äusseren Bedrohungen staatlicher Souveränität. Diese beschränken sich nicht auf die hier behandelten vier Faktoren. Gerade die neueste Bankenkrise hat gezeigt, wie stark die Wirtschafts- und Finanzakteure die Souveränität eines Staates gefährden können, indem sie dessen Kollaps provozieren oder ihn in eine für seine Bürger oft verhängnisvolle Abhängigkeit stürzen. Die Erkenntnis des materiellen, wirtschaftlichen und monetären Gehalts der Souveränität ist in erster Linie das Verdienst der schottischen Aufklärung. Die geistesgeschichtliche Entwicklung ausgehend von ihrem sichtbarsten Vertreter David Hume, über Adam Smith und Karl Marx bis hin zu Wilfried Pareto und Carl Schmitt hätte zu dieser Frage zweifelsohne faszinierende Antworten geliefert, gleichzeitig den Rahmen meiner Betrachtungen jedoch gesprengt. Ich habe mich damit begnügt, die Rolle des Souveräns bei der Prägung des Geldes, der Entwicklung des Steuersystems 327


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s c h luss: Das E n d e d e r Fr ei h eit

sowie der Entstehung von Kapital zu schildern. Diese Fragestellung mag davon abgelenkt haben, dass für viele Kommentatoren die Tatsache, dass ein Staat ideelle und materielle Güter weggibt, auch Souveränität bedeutet. Der einzelne Bürger, welcher integrierender Bestandteil des Souveräns ist, geniesst für die Gestaltung seines persönlichen und politischen Lebens die grösstmögliche Freiheit. Gleichzeitig wird er anerkennen, dass Einschränkungen seiner Souveränität in einer interdependenten Welt unausweichlich sind. Wird er nun in einem Teilverzicht auf Freiheit einen Gewinn für seine Souveränität erblicken? Die Frage stellt sich in ihrer ganzen Deutlichkeit im Bereich der (internationalen) Menschenrechte. Souv e rän i tät u n d Gege n m ac h t: Bü rge rrec h te ge g e n M e n s c h e n r ec h te Zu den neueren Erscheinungsformen der inner- und zwischenstaatlichen Beziehungen gehören die sogenannten Nichtregierungsorganisationen. Sie unterscheiden sich grundlegend von früheren zwar politisch motivierten, jedoch im unpolitischen Bereich tätigen Vereinen, mit welchen die politischen Parteien ihre Mitglieder und Wähler, in der Regel erfolgreich, beim gemeinsamen Turnen, Gesang oder Blasmusikspiel dauernd an sich banden. Die Nichtregierungsorganisationen, auch wenn sie oft einer politischen Partei nahestehen, treten mit einem Anspruch an die Öffentlichkeit, der über sportliche oder musische Erbauung hinausreicht. Sie wollen oft nicht mehr oder weniger als die Welt verändern. Sie stehen somit in ihrer eigenen Wahrnehmung über dem blossen Verein, auch wenn sie in der Regel dessen juristische Form annehmen. Ich habe bereits aufgezeigt, wie unzutreffend ihre Benennung in vielen Fällen ist, weil diese Organisationen nicht selten stark mit staatlichen Instanzen verflochten sind. Diese Verflechtung ist allerdings kaum je durch den Souverän – in einer Demokratie, das Volk  – vollumfänglich legitimert. Für den bereits zitierten Ulrich Beck sind die internationalen Netzwerke von Nichtregierungsorganisationen ein «selbstgeschaffener politischer Raum, in dem differenziert positionierte Akteure ihr immer gefährdetes ‹Legitimatonskapital› im Gegenspiel zu Staats- und Weltmarktakteuren erwerben und anwenden» und: «Die Praxis der advokatorischen Bewegungen [beruht] auf dem Prinzip der Nicht-Souveränität von Staaten (oder Konzernen) in den Kernfragen der Menschheit: Umweltzerstörungen, grosstechnische und weltwirtschaftliche Gefahren, Menschenrechte, Bürgerrechte, globale Armut etc. Die Annahme lautet: Es ist legitim und notwendig für Staaten und nichtstaatliche Akteure, sich in die sogenannten ‹inneren Angelegenheiten› anderer Staaten einzumischen.»596 32 8

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Der letzte Souverän und das Ende der Freiheit  

Freiheit, Recht und Reichtum sind eine direkte Folge staatlicher Souve¬ränität – so lautet die These, die der Schweizer Diplomat Johannes B....

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