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Technik

Allen & Heath Xone:DX Professioneller DJ-Controller

Lange schien es, als wolle man sich bei Allen & Heath aus dem Mark für DualJogwheel-Controller raushalten – wohl mit dem Hintergedanken, das eigene Profi-Image nicht zu ruinieren. Aber spätestens mit dem Xone:4D scheinen die Hersteller aus dem englischen Cornwall offenbar Spaß an der Sache bekommen zu haben. Jetzt steht der Xone:DX im Raum (respektive auf dem DJ-Tisch) und zeigt, wie Allen & Heath zufolge ein professioneller Vier-Kanal-DJController beschaffen sein muss. Te x t N u m i no s

Als Kooperationspartner im Software-Bereich hat man sich dabei Serato mit ins Boot geholt. So liegt denn die speziell angepasste 1.6-Version von Itch dem Xone:DX bei. Zusätzlich ist die Lösung natürlich auch als universeller Midi-Controller einsetzbar und feuert nicht weniger als 168 Midi-Events zur Steuerung von Dritt-Software ab. Dementsprechend findet auf der Installations-CD in friedlicher Eintracht mit Itch auch eine Traktor-Anpassung in Form einer TKS-Datei. Dank der Implementierung von Midi-Return-Values ist es dann sogar möglich, das visuelle Feedback des Xone:DX an die verwendete Software anzupassen. Anschluss an den PC oder Mac findet die Mixkonsole über USB 2.0, und bis auf die Tatsache, dass die aktuellen Treiber auf der Xone-Homepage unnötig schwer auffindbar sind, verlief die Installation problemlos. ÄuSSere und innere Werte Schon beim Auspacken macht sich das angenehme Gefühl breit, für 1100 Euro mindestens ein robustes Stück Hardware bekommen zu haben: Mit knapp fünf Kilo und den stattlichen Maßen 40 mal 32 Zentimeter wirkt der Xone:DX wohlproportioniert – und weitaus professioneller als ein Großteil seiner Artgenossen. In seinem Inneren sorgt eine 7 6 / GRO OV E

Zwanzig-Kanal-Soundkarte mit 24Bit/96kHz für die klangliche Kommunikation mit der Außenwelt. Warum es gleich zwanzig Kanäle braucht, offenbart der Blick auf die Rückseite des Geräts: Hier stehen neben zahlreichen Stereoausgängen (XLR-Master, Cinch-Master, Booth, Aux, Cue-Out und Digital-Out) fünf Stereoeingänge für den Anschluss von Lineund Phono-Quellen zur Verfügung (plus Mikrofon- und Digitaleingang). Damit empfiehlt sich der Xone:DX geradezu für Hybrid-Setups, bei denen neben dem Rechner auch andere Klangquellen zum Einsatz kommen. Leider arbeitet die Soundkarte nicht im Standalone-Betrieb. Zum Einschleifen von externen Audiosignalen ist also ein angeschlossener (und funktionierender) Rechner unverzichtbar – schade eigentlich. Ferner gelang es uns im Test, durch wildes Herumschalten mit Effekten beim Audioeingang kurze Aussetzer zu erzeugen. Hier soll aber ein Software-Update in Kürze Abhilfe schaffen. Auf der Frontplatte findet man sich trotz der geballten Funktionsdichte recht schnell zurecht: Zentrales Element ist die Navigationssektion, um die herum sich der Vier-KanalMixer und die Drei-Band-Equalizer gruppieren. Jeweils links und rechts daneben residieren die Jogwheels samt Loop- und Transportsteuerung, darüber jeweils eine der zwei Effekteinheiten. Mit den Layer-Tastern lassen sich beide Decks zwischen den Kanälen 1/2 und 3/4 umschalten. Überhaupt profitieren sämtliche Bedienelemente und Funktionsgruppen von der geballten Erfahrung, die Allen & Heath in diesem Bereich angehäuft hat: Taster, Drehregler und Kippschalter wirken vertraut und arbeiten mit der gewohnten Zuverlässigkeit, welche die gesamte Xone-Serie auszeichnet. Besonders frappierend ist die Ähnlichkeit zu seinem großem Bruder, dem Xone:4D. Dem hat der DX jedoch die neu entwickelten Track-Steuerungstaster voraus: Waren diese bislang in der Bauform identisch mit den Cue-Tastern der Mixersektion, sind sie nun aus Metall und ohne

Kunststoff-Ring gefertigt, was in Verbindung mit dem eindeutigem Klickpunkt ein höchst sicheres Abfeuern der Tracks gewährleistet. Dank der entsprechend angepassten Version verstehen sich Xone:DX und die Software Itch auf Anhieb blendend, und der wilden Hatz auf vier Decks steht nichts mehr im Weg. Itch selbst gibt sich puristisch aufgeräumt und lässt angenehm viel Platz am Monitor. Kein Wunder, denn es verzichtet auf die Darstellung jeglicher EQ- oder Mixerfunktionen. Das ist sinnvoll, da man die relevanten Parameter ja bereits am Xone:DX im Blick und Zugriff hat. Tatsächlich ist der Xone:DX dermaßen gut und durchdacht mit Bedienelementen bestückt, dass bereits ein Netbook zur Anzeige der Playlisten völlig ausreicht. Man macht eben alles am Gerät. Und wie so oft sind es die Kleinigkeiten, die das Leben schöner machen. So besitzt das Loop-Length-Poti beispielsweise eine Push-Funktion, die kurze (32-, 64-, 128-tel) Stotter-Loops abfeuert, was sofort unser Lieblingseffekt für IDM-Mixe wurde. Ansonsten bietet die Effektsektion von Itch bewährte Standards, von Delay über Bitcrusher bis zu Filtern. Für zukünftige Versionen ist hier sicherlich noch Potenzial, um den einen oder anderen Kracher vom Schlage eines Traktor-Beat-Repeaters oder Ice-Verbs einzubauen. Fazit Interessenten sollten sich von den kritisierten Punkten nicht abschrecken lassen – in Anbetracht der Liga, in der die gesamte Xone-Serie spielt, liegt die Messlatte einfach ziemlich hoch. Tatsächlich setzt der Xone:DX im Marktsegment der Zwei-Jogwheel-Controller mit integriertem Vier-Kanal Mixer einen neuen Standard. Abzuwarten bleibt, welchen Preis Native Instruments für ihren gerade angekündigten Controller, der offenbar mit nahezu denselben Features aufwartet, haben wollen. UVP: 1368,50 Euro Straßenpreis: 1119 Euro


Technik

Xils Lab PolyKB Software-Synthesizer-Plugin

So langsam sind nahezu alle raren Analogsynthesizer mehr oder minder überzeugend in Software-Form emuliert. Alle? Nicht ganz: Die französische Softwareschmiede Xils Lab, die ihren Fokus speziell auf die Replikation exotischer Gerätschaften gelegt hat (darunter der legendäre EMS VCS 3), präsentiert mit dem PolyKB einen bislang ungehobenen Schatz aus den klanglichen Tiefen der frühen achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Te x t N u m i no s

Der hier in Software gegossene Polykobol 2 wurde von den Brüdern Ruben and Serge Fernandez unter der Firmierung RSF-Synthesizer in Handarbeit ganze dreißig Mal gebaut – und zählt somit so den seltensten und begehrtesten Synthesizern überhaupt. Dass vom Polykobol 2 nur so wenige Exemplare existieren, liegt nicht zuletzt daran, dass er nie ganz über den Prototypen-Status hinauskam. Die Feature-Dichte, die Serge Fernandez bei dem Gerät realisieren wollte, war nämlich so aufwändig, dass die Serienproduktion scheiterte – und damit letztlich auch die ganze Firma RSF. Zu den wenigen Auserwählten, die jemals einen echten Polykobol besessen haben, zählen Vangelis, Jean-Michel Jarre oder Depeche Mode. Und wie wir sehen werden, hat es das Software-Pendant faustdick unter der (sehr nah an das Original angelehnten) virtuellen Frontplatte. Sahnig und satt „Von allem zu viel“ lautet der Slogan einer amerikanischen Premium-Eismarke – und dieser Spruch trifft auch auf den PolyKB zu, der entweder als VST-, AU- oder RTAS- Plugin seinen Weg auf die Platte findet und sich dann entweder über Ilok oder E-Licenser freischalten lässt. Denn schon die Oszillator- und Filtersektion mit ihren zwei Oszillatoren (wovon letzterer auch als LFO agieren kann), zwei Hüll-

kurven und zwei LFOs klingt für sich genommen bereits dermaßen sahnig und satt, dass sie als 1A-Monosynthesizer durchgehen würde. Aber spätestens beim Blick auf die Modulationsmatrix (die im Gegensatz zum Original auch noch um eine frei verschaltbare 2x4-Matrix ergänzt wurde) und die Programmiersektion wird klar, dass sich im PolyKB auch noch so ziemlich alles mit allem verwursten lässt. Davon profitiert dann vor allem die besondere Möglichkeit des Polykobol, die Wellenformen der beiden Oszillatoren nahtlos zwischen Dreieck, Sägezahn und Puls zu morphen (auch wenn dieser Begriff wohl zu jener Zeit noch nicht bekannt war). Dem zur Seite steht ein Vier-Pol-LowpassFilter mit Selbstoszillation und einer Sättigungsschaltung, mit der sich „hart“ anfahren lässt, was in äußerst analog klingenden harmonischen Obertönen resultiert. Überhaupt ist das, was da in der Summe die Oszillator- und Filtersektion verlässt, ganz großes Algorithmus-Kung-Fu, und bei geschlossenen Augen perlt der PolyKB so dermaßen druckvoll und satt aus den Monitoren, dass man vergisst, dass hier bloß ein Rechner unter dem Studiotisch steht. Im Zentrum des PolyKB steht besagte Modulationssektion mit der sich überaus abgefeimte Verschaltungen realisieren lassen. Der gewissermaßen fest verdrahtete Bereich des Originals umfasst eine Matrix von fünf festen Quellen (LFO, ADSR, VCO, Noise, Velocity) und Zielen (VCO 1 und 2 Pitch, VCO 1 und 2 Waveform, VCF Frequency). Darunter liegt die von Xils Lab ergänzte freie Modulationsmatrix, in der sich zwei Quellen auf vier Ziele routen lassen, wobei nahezu jeder Parameter des PolyKB zur Verfügung steht (unter anderem Velocity, Sequenzer Outputs, LFO Freq, Filter Res, VCO Levels). Bei der Arbeit mit dem PolyKB verschwindet man endgültig im Raum-ZeitKontinuum, wenn man die virtuelle Abdeckung des Kassettenfachs öffnet. Hier lässt sich mit dem Space-Positioning-Modul (das – wen wundert’s – auch als Modulator dienen kann)

für jede einzelne Stimme (!) die Position im Hörfeld festlegen. Ferner lassen sich hier auch die 128 möglichen Steps des eingebauten Achtspur-Sequenzers editieren. Wer den so generierten akustischen Spacetrip noch weiter ausdehnen will, dem steht zusätzlich eine temposynchronisierbare Delay- und Chorussektion zur Verfügung. Womit wir beim Thema Host-Sync wären: Hier agiert der PolyKB derzeit noch ein wenig schwammig, denn irgendwie scheinen die LFO-Zyklen dem Tempo des Hosts immer etwas hinterher zu eiern. Aber seien wir in Anbetracht der 1.01er Version gnädig und vermerken das Problem mit Neon-marker auf der To be fixed-Liste. Fazit Der PolyKB von Xils Lab ist etwas Besonderes. Zwar ist er letztendlich nur ein weiterer subtraktiver Synthesizer, und es gibt unzählige Plugins, mit denen sich Brot-und-Butter-Sounds wie Bässe, Flächen und Leads, zu denen der PolyKB auch in der Lage ist, ebenfalls erzeugen lassen. Den Algorithmus-Magiern von Xils Lab ist es jedoch gelungen, den legendären Polykobol 2 dermaßen umfassend nachzubilden, dass man beim Schrauben vom spezifischen Klang des Geräts an sich in den Bann gezogen wird. Dazu tragen besonders die, im Vergleich zu seinen Artgenossen, extrem komplexe Modulationsmatrix und der ausgefuchste Programmer bei, die, wenn man sich mal damit vertraut gemacht hat, Klänge ermöglichen, die ein fast schon organisches Eigenleben entwickeln. Dabei hilft die umfangreiche WerksLibrary nicht nur als Lernbeispiel. Sie ist dermaßen gut programmiert, dass sie allein schon die 149 Euro wert wäre, die man für die Startfreigabe in diesen Klangkosmos entrichten muss. UVP: 149,- Euro

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Technik

Digital Audionetworx Basissystem DAW-optimierter Windows-PC

Es gibt sie noch: Musiker wie Four Tet, Dominik Eulberg oder Alexander Kowalski, die sich nicht vom hübschem Design und ausgebufften Marketing des Apfel-Imperiums haben einlullen lassen, sondern mit ungezähmter Leistung in kantigen Gehäusen durch die AudioPrärie reiten. Wer sich in die wilden Windows-Weiten aufmacht, wird nicht selten mit Freeware-Nuggets und exotischen Programmen belohnt, nach denen sich Mac-OS-Greenhorns neidvoll umdrehen. Die Berliner Firma Digital Audionetworx hat viele Jahre Erfahrung beim Zusammenstellen von Audio-PCs. Te x t N u m i no s

Geht es um die Neuanschaffung eines treuen Rechenknechts für den Audio-Cowboy, sind drei Faktoren entscheidend: Leistung, Stabilität und geringe Lärmentwicklung. Bei unserem Ausritt haben wir uns bewusst für eine einfache Basiskonfiguration und kein hochpreisiges Highend-System entschieden. Denn, seien wir ehrlich, die Budgetgrenze vieler Schlafzimmer-Produzenten, und das ist nun mal der Großteil aller Musikschaffenden, dürfte bei ungefähr 1000 Euro liegen. Ungefähr in diesem Preissegment tummeln sich denn auch die Angebote von Elektronikdiscountern und Herstellern wie beispielsweise Dell, was die Produkte untereinander vergleichbar macht. Uns interessieren darum auch gar nicht so sehr die technischen Daten des Digital-Audionetworx-Rechners, denn die sind in spätestens einem halben Jahr sowieso wieder obsolet. Wichtiger ist, ob und wie sich dieser auf Musikbelange optimierte Rechner von seinen Artgenossen „von der Stange“ unterscheidet. Systemaufbau Der Rechner wird wahlweise in ein Industrie7 8 / GRO OV E

standard-19-Zoll-Rack oder in ein DesktopTower-Gehäuse eingebaut. Für unser Testgerät haben wir uns für die Rack-Variante entschieden, die mit ihrem robusten Stahlgehäuse und der Alufront mit verschließbarer Laufwerks-Bay den dezenten Charme eines Rechenzentrums verströmt. Als Mainboard – dem A und O eines jeden Rechners – wird im aktuellen Basissystem das Asus P7 P55D Pro verwendet. Das ist die beste Wahl beim Aufbau eines Vier-Kern-Audiosystems, denn abgesehen vom passiv gekühlten Chipsatz bietet dieses Mainboard mit zwei PCIe-, drei PCIExpress- und zwei PCI- Steckplätzen ausreichend Erweiterungsmöglichkeiten, um auch beim Einsatz von DSP-Beschleuniger- und Audiokarten nicht in Steckplatz-Mangel zu geraten. Gekühlt werden die Systemplatine und der Prozessor von flüsterleisen Noiseblocker-Propellern. Allerdings rotieren die beiden 80-Millimeter-Frontlüfter ohne Regelung vor sich hin, was den Grund-Lärmpegel in Zeiten geringer Systemlast unnötig in die Höhe treibt. Das leistungsstarke 550-Watt-Netzteil von Corsair hingegen hat dermaßen viel Leistungsreserve, dass es sich zu keinem Zeitpunkt unserer Tests genötigt sah, die Drehzahl zu erhöhen. Da wohl noch einige Zeit ins Land gehen wird, bis SSD-Platten wirklich als Alternative zur guten alten Magnetscheibe taugen, zählt die Entkoppelung der Festplatte nach wie vor zur ersten Pflicht beim Aufbau eines leisen Systems. Beim Digital-Audionetworx-Rechner ist dies mit Gummimuffen, die an der Platte angeschraubt sind und in entsprechende Schienen im Laufwerksschacht geschoben werden, gelöst. Das funktioniert prima, wenngleich man dem Gehäuse anmerkt, dass es sich um Industriestandard handelt: Hersteller wie Dell haben das lästige Schrauben längst komplett abgeschafft. Auch vermissten wir einen Standard-Cardreader-Einschub, wie er mittlerweile in jedem Wald-und-Wiesen-

Rechner vorhanden ist. So etwas wäre – gerade in Verbindung mit den mittlerweile weit verbreiteten Fieldrecordern, die häufig SD-Karten verwenden – ziemlich praktisch gewesen. Nichts zu beanstanden gibt es dagegen bei der verbauten ATI-Grafikkarte, die auch beim Zweischirm-Betrieb mit gleichzeitiger Videowiedergabe weit unter ihrer Leistungsgrenze blieb. Überhaupt kann die Performance des Gesamtsystems voll überzeugen, und dem installierten 64-Bit-Windows ging in unserem Test dank der Kraft der vier Kerne auch bei aufwändigsten Arrangements nie die Puste aus. Fazit Schon seit der Steinzeit des Computer-Zeitalters stellt sich bei jeder Neuanschaffung eines PCs die Gewissensfrage: Kaufen oder selber bauen? Für DAW-Anwender bietet die Eigenregie den großen Vorteil, dass man schon beim Zusammenstellen auf leise Komponenten achten kann. Nachteil ist der – je nach persönlicher Interessenslage – mühselige Aufwand, sich erst mal mit Systemaufbau beschäftigen zu müssen. Beim Kauf eines fertigen Rechners entfällt derlei Kopfarbeit, nur bleibt hier der Unsicherheitsfaktor, dass man sich einen lärmenden Krawallbruder ins Haus holt. Die Systeme von Digital Audionetworx sind ein guter Kompromiss: Basierend auf erprobten Grundkonfigurationen klickt man sich sein Wunschsystem (oder zumindest eins, das zum Budget passt) zusammen und hat die Sicherheit, dass man einen in Bezug auf Leistung, Erweiterbarkeit und Lärmpegel optimierten PC erhält. UVP: 1.226,- Euro (Beispielkonfiguration)


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GROOVE #126 - TECHNIK