live LALO JODLBAUER
K U L T U R
live Julia Stemberger gibt in Reichenau die Königin der Nacht
Programmübersicht „Lumpazivagabundus“ (Johann Nepomuk Nestroy) u.a. mit Thomas Frank, Florian Carove, Sebastian Wendelin Regie: Robert Meyer, Premiere: 4. Juli „Anatol“ (Arthur Schnitzler) u.a. mit AntoN Widauer, Claudius von Stolzmann, Miriam Fussenegger Regie: Michael Gampe, Premiere: 5. Juli
Besetzung „Der Ignorant und der Wahnsinnige“ (v. li. n. re.): Stefan Jürgens (Doktor), Therese Affolter (Frau Vargo), Martin Schwab (Vater), Dirk Nocker (Kellner Winter), ganz rechts: Julia Stemberger (Königin der Nacht)
Querschnitt durch die österreichische Dramatik Festspiele Reichenau. Von 4. Juli bis 4. August 2024 erleben Sie die Vielfalt des heimischen Theaters und eine Auswahl an österreichischen Meisterwerken Mit Johann Nestroy („Lumpazivagabundus“), Arthur Schnitzler („Anatol“), Ödön von Horváth („Der jüngste Tag“) und Thomas Bernhard („Der Ignorant und der Wahnsinnige“) legen die diesjährigen Festspiele Reichenau den Fokus ausschließlich auf heimische Autoren. Mehr als 100 Vorstellungen sind ab 4. Juli bis inklusive 4. August im Theater Reichenau zu sehen. Ein Highlight könnte „Der Ignorant und der Wahnsinnige“ (Bernhard) mit Starbesetzung werden.
„Der Ignorant und der Wahnsinnige“ Thomas Bernhard gilt international als einer der be-
deutendsten deutschsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Mit seinem 1972 uraufgeführten Werk „Der Ignorant und der Wahnsinnige“ setzte er sich mit der Thematik der Aufklärung, dem vorrangigen Thema in Mozarts Oper „Die Zauberflöte“, kritisch auseinander. Das Stück besticht durch die musikalische Stimmführung seiner Figuren. Kritisch reflektiert der Autor darin auch die Rolle der Kunstschaffenden, die dazu verdammt sind, sich im Kunstbetrieb zu verkaufen. Mit Martin Schwab (Vater), Julia Stemberger (Königin der Nacht), Stefan Jürgens (Doktor), Therese Affolter (Frau Vargo) und
„Es ist überraschend, wie das Stück immer neu wirken kann“ Hermann Beil, Regisseur
Dirk Nocker (Kellner Winter) geht das Fünfpersonen-Stück hochkarätig besetzt in die herannahende Festivalsaison. Die Regie führt Hermann Beil. Er gilt als Bernhard-Kenner und hat zahlreiche Uraufführungen Thomas Bernhards begleitet. Seine persönlichen Begegnungen mit dem Autor fasst Herman Beil im Reichenau Podcast so zusammen: „Er hatte einen Sinn für einfache Menschen und große Anteilnahme daran, wie es den Menschen geht. Das ist für mich das Fundament für seine Stücke.“ In der Auseinandersetzung mit dem Werk ist Hermann Beil, der selbst bei
der Uraufführung in Salzburg anwesend war, überzeugt. „Was wir immer wieder erleben, ist, wie unterschiedliche Theatertexte in der jeweiligen Zeit wirken können. Es gibt eine Lust der Zuschauer zu sehen, welche Wirkung das Stück heute hat.“ Bernhard schrieb seine Stücke ohne Interpunktion. Für Hermann Beil öffnet sich hier viel Raum für großes Gefühl und Leidenschaft vor allem für die Schauspielerinnen und Schauspieler, denn „Thomas Bernhard ist ein Autor, der für Schauspielerinnen und Schauspieler schreibt“. In Reichenau ist diese Aufgabe bestens anvertraut.
„Voller Übertreibungen und tiefer Wahrheiten“
„Der Ignorant und der Wahnsinnige“ (Thomas Bernhard) u.a. mit Stefan Jürgens, Julia Stemberger, Martin Schwab Regie: Hermann Beil, Premiere: 6. Juli „Der jüngste Tag“ (Ödon von Horváth) u.a. mit Daniel Jesch, Mercedes Echerer Regie: Maria Happel, Premiere 7. Juli Zusatzformate „Königinnen der Nacht“ I „Gute Unterhaltung“ „Die Zauberflöte“ Der allgemeine Kartenverkauf läuft bereits. Tickets und weitere Infos unter: festspiele-reichenau.at
50 % für Theaterbesucherinnen und -besucher bis 26 Jahre Eröffnungsfest: Samstag, 6. Juli ab 14.00 Uhr im Kurpark Reichenau (Eintritt frei) Stückeinführungen und Nach(t)gespräche an ausgewählten Terminen (Eintritt frei) Bustransfer aus Wien und retour Entrée – der Reichenau Podcast: mit Hintergrundinformationen zu Stücken und Ensemble
Interview. Der Kurier hat Stefan Jürgens, der in Reichenau bereits 2022 als Harras in Zuckmayers „Des Teufels General“ mit Regisseur HermannBeileinengroßenErfolg gefeiert hat und nun den Doktor in „Der Ignorant und der Wahnsinnige“ gibt, zum Gespräch getroffen. Welche Herausforderungen haben Sie bei der Vorbereitung auf Ihre Rolle erlebt und was sagt Ihnen am meisten zu? Stefan Jürgens: Naja, zunächst einmal ist es schon eineAußergewöhnlichkeit,für eine Theaterrolle ein mehr
MORITZ SCHELL
Schauspieler Stefan Jürgens über seine Rolle in „Der Ignorant und der Wahnsinnige“
Bei den Festspielen Reichenau ist Stefan Jürgens ab dem 6. Juli als Doktor zu sehen
oder weniger vollständiges Anatomiefachbuch auswendig zu lernen. Diese „Sezierkoloraturen“ dann auch dementsprechend theatralisch zu gestalten und zu nutzen, will sagen, eine Figur zu finden, ist die nächste Herausforderung. Was steckt hinter der Figur des Doktors in Thomas Bernhards Stück „Der Ignorant“ und welche Emotionen oder Botschaften möchten oder können Sie mit Ihrem Porträt der Figur vermitteln? Die grundsätzliche Kritik – man könnte auch sagen: die Abrechnung mit unserem
etablierten Kulturbetrieb – ist sicher die stärkste Farbe des Stücks. Die persönlichen und strukturellen Deformationen, dieAbsurditäten,diedieserbesagte Betrieb auch am laufendem Band produziert, beschrieben mit den Bernhard’schen Auswegslosigkeiten, ergeben herrliche groteske und komödiantische Momente. Die Figuren sind in jeder Hinsicht extrem. Ein Panoptikum voller Übertreibungen und gleichzeitiger tiefer Wahrheiten. Für mich ist es ein wunderbarer Spaß, mich mitdiesenwunderbarenKollegen daran abzuarbeiten.
Gibt es bestimmte Szenen oder Momente in der Aufführung, die für Sie persönlich besonders bedeutsam oder kraftvoll sind, und wenn ja, warum? Wer die Texte von Thomas Bernhard kennt, weiß, dass es keine Leerstellen gibt. Jeder einzelne Satz will entdeckt, manchmal entschlüsselt und immer behauptet werden. Das gilt sicherlich für jeden relevanten Theatertext. Da es meine erste Theater-Arbeit mit einem Stück von Thomas Bernhard ist, ist es aber gerade eine ganz besondere, spannende Entdeckungsreise.
Gewinnspiel Der KURIER verlost 2 x 2 Tickets für „Der Ignorant und der Wahnsinnige“ am Sonntag, 4. August, um 11.00 Uhr. Jetzt bis 30. Juni mitspielen und gewinnen unter: kurier.at/gewinnspiele – Teilnahmebedingungen ebendort. Diese Seite erscheint mit finanzieller Unterstützung der Festspiele Reichenau