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L A R P

Live Action Role Playing

Eine Arbeit von Ursina Stauber, Lea Nussbaum, Nicole Zaugg


Titelbild_Nikola Cesarov Dezember 2010 ZHdK Style & Design 1. Semester Modul ‘Ethnographie in Subkulturen‘ Lea Nussbaum | Nicole Zaugg | Ursina Stauber


Lebst du noch oder LARPst du schon? Durch Nicoles Cousin sind wir auf das Thema LARP (Live Action Role Playing) gestossen. Ihr Cousin war vor zwei Jahren in der LARPSzene sehr aktiv, in der Zwischenzeit hat er sich aber ein wenig davon distanziert. Im Internet haben wir recherchiert, ob es in der schweizer LARP-Szene Gruppen oder Kreise gibt, welche uns persönlich Informationen vermitteln würden. Dabei sind wir auf den LARP-Kalender gestossen. Dieser hat die Form einer Website, auf der diverse Anlässe zum Thema LARP kommuniziert werden. Ein Anlass war unter anderem ein Stammtisch. Wir haben über eine LARPWebseite mit einem Spieler Kontakt aufgenommen und wurden eingeladen, am Stammtisch in Zürich dabei zu sein. Vor dem Stammtisch haben wir uns folgende Thesen zurechtgelegt: Die jeweiligen Gruppen / Vereine bilden sich nach Genrevorlieben der Spieler. Zum Beispiel verkehren Mittelalterbegeisterte nur untereinander und haben keinen Kontakt zu anderen Genres wie Science Fiction- oder Cyber PunkSpielern. Das soziale Umfeld eines LARP-Spielers beschränkt sich nur auf Gleichgesinnte. Larper leben ihre Faszination für Larp auch im Alltag aus. Zum Beispiel wird dies in folgenden Bereichen sichtbar: Wohnungseinrichtung, Bekleidung, Musik- und Bücherauswahl. Unser Vorgehen Unser Vorhaben war, Personen zu finden, die bereit sind uns Einblick in ihr Altagsleben zu gewähren mit Interviews und Fotografien. Dafür haben wir den Spielern Einwegfotokameras mit mit 27 Fotos verteilt. Als Sujet sollten sie bestimmte Orte und Gegenstände bei sich zuhause ablichten, die im Zusammenhang mit dem LARP und ihrem Alltag stehen.

Die Einwegkamera haben wir gewählt, weil es erstens weder möglich ist, die Fotos nach dem Auslösen zu betrachten, noch zu korrigieren oder zu löschen. Dies verleiht den Fotos eine gewisse Authentizität. Der zweite Grund war die Absicht, damit auch mehr über die Person selbst zu erfahren; die Ausschnitte und Darstellungsweise werden von den interviewten Personen selbst ausgewählt – das wirkt viel persönlicher. Das Interview mit Frage-Antwort-Struktur war naheliegend, da wir eigentlich vorher noch nicht wenig über das Thema wussten. Dieses Verfahren gab uns viele allgemeine, aber auch sehr persönliche Informationen. Wir hatten zwei Ungewissheiten: Zum Einen, keine Person zu finden, die mitmacht und zum Anderen, dass die Befragten uns gegenüber sehr skeptisch und nicht an unserem Projekt interessiert sind. Schwierig war ausserdem die Vorstellung, dass wir den Hintergrund und die Faszination wirklich verstehen und eine Sympathie für die befragten Personen empfinden können. Da standen wir nun zu dritt vor der Osteria da Concetta in Zürich. Nach dem Eintreten mussten wir im fast leeren Restaurant nicht lange nach dem richtigen Tisch suchen. In der Ecke sassen ungefähr 15 Personen, welche uns zu verstehen gaben, dass wir uns zu ihnen setzten sollten. Einige Personen waren noch mit ihren Spaghettis beschäftigt, andere nippten an ihrem Bier. Nach einem Blick in die Runde war klar, dass mehrheitlich Männer anwesend waren. Lange, zusammengebundene Haare wurden von den Frauen sowie auch Männern getragen. Die Stimmung am Tisch war locker und gesellig. Gesprächsstoff waren vergangene und bevorstehende LARP‘s. Sie erzählten ihre erlebten Geschichten oft anhand von Insidersprüchen. Am Ende dieses Abend hatten wir schliesslich vier Personen gefunden, welche sich zur Verfügung stellten mit uns zu arbeiten.


Das kleine LARP-Lexikon nach Nikola C. Allgemein Live Action Role Playing oder auch Liverollenspiel genannt, ist ein Rollenspiel, bei dem die Spieler ihre Figur selbst physisch darstellen. Es existieren verschiedene Genres von Liverollenspielen, wie etwa Fantasy, Science Fiction, Cyber Punk, Vampire, Western, Horror, Endzeit / Postapokalypse oder Furry. Die meisten Veranstaltungen finden heute im Fantasy- Bereich statt. Liverollenspiele werden als Con, LARP oder Live bezeichnet und dauern meist ein bis drei Tage. Sie werden vorwiegend im Internet über spezialisierte Communitys und Online- Veranstaltungskalender koordiniert und kommuniziert.

Bräuche & Rituale Nein, nicht das ich wüsste, aber ich habe schon eine Menge schräge Sachen beim LARPen erlebt, also würde mich das nicht überraschen, wenn man das auch irgendwo findet.

Furry-LARP

Geschichten Die meisten sind frei erfundene Welten, die aber den allgemein bräuchlichen Fantasywelten sehr ähnlich sind. Fantasy ist im Herr der Ringe Stil, mit Eflen, Orks, Rittern oder Zwergen. Natürlich kommt die grösste Inspiration von bekannten Büchern, Filmen, altertümlichen Rittergeschichten oder anderen Quellen. Interessensgruppen Gibt es, aber meistens verkehrt man nur mit den Gruppen, die auch das gleich Interesse haben, deshalb kenne ich keine Science-Fiction oder Endzeit-LARP Gruppen. Mein Interesse liegt oder lag eher bei Mittelalter-LARP.

Fantasy-LARP

Anzahl der Spieler Das ist abhängig von der Anzahl der Plätze. Es können zwischen 20-5000 Teilnehmer sein. Je grösser die Spiele sind, desto grösser ist der Aufwand für die Organisatoren (Orga), dafür wirkt der Event auch dementsprechend epischer.

Regeln Es gibt unzählige verschiedene Regeln. Die Wichtigste heisst DKWDDK (du kannst was du darstellen kannst). Das soll heissen, je mehr Mühe sich ein Charakter bei der Ausführung seiner Tätigkeiten macht, umso mehr Effekt haben sie auch auf die Spielwelt. Zum Beispiel will ein Alchemist einen Liebestrank brauen. Wenn er jetzt einen Topf mit Wasser übers Feuer stellt, ein paar wahllos gewähl-


te Kräuter reinwirft, das fünf Minuten kocht und es als Liebestrank einsetzt, wird sein Effekt kläglich ausfallen. Hingegen wenn er sich ein paar Stunden Zeit lässt und beispielsweise aus Minze, Thymian usw. (in der Spielwelt natürlich Drachenkraut oder Trollblüte genannt) einen leckeren Tee braut, zudem noch eine lange Beschwörungsformel aufsagt, wird der Effekt des Trankes um einiges stärker ausfallen. Bei Kämpfen sollte man sich realistisch verhalten. Wer ein Zwei-Handschwert schwingt, sollte dies langsam und behäbig tun, da so ein Schwert in Wirklichkeit sehr schwer wäre. Wenn er allerdings einen schön ausgeführten Treffer mit solch einer Waffe setzt, muss der Getroffene auch wesentlich mehr Schmerzen und Schaden spielen, als wenn er von einem kleineren Dolch geschnitten worden wäre. Das zweite wichtige Regelwerk ist das nach Punkten. Grob gesagt, baut man sich einen Charakter aus einer gewissen Anzahl Punkten. Hat man das Talent zum Klettern, besitzt man zum Beispiel mehr Stärkepunkte. Je stärker man ist, desto mehr Schaden kann man anrichten. Im Kampf bestimmt hauptsächlich die grösste Waffe, die kann somit auch den grössten Schaden anrichten. Bei der Rüstung gilt, je mehr Rüstung man trägt, umso mehr Lebenspunkte bestitzt die Figur.

Spielorte Gewisse Orte haben sich natürlich etabliert, Grasburg bei Schwarzenburg im Kanton Bern ist ein beliebter Ort, da er ein gewisses Flair hat und man dort keine Erlaubnis zum Campen braucht. Grosse und jährlich stattfindende LARP haben meist feste Standorte. An diesen Orten, handeln die Veranstalter mit den Bewohnern der Umgebung Verträge aus. Du musst dir vorstellen, wenn 5000 verrückte LARP Leute eine Veranstaltung in einem deutschen Dorf besuchen wollen, das 500 Einwohner hat, muss dies vorher abgeklärt und bewilligt werden. Die Organisatoren des Events wählen den jeweiligen Ort nach ihren Bedürfnissen, je nachdem ob sie beispielsweise viel Platz brauchen oder eine bewohnbare Burg. Die schwierigste Aufgabe beim Organisieren ist einen Ort zu finden, der geeignet ist und wo ein LARP dann auch bewilligt werden kann.

Mittelalter-LARP

Science Fiction-LARP

Rollen Jeder kann seine Rolle selbst wählen.

Spitzname Der Spitzname kommt meist von der ersten Figur die man als Neuling in einem LARP spielt. Solche die keinen Spitznamen haben, die haben entweder noch nie eine Rolle gespielt, die extrem einschlagen hat, oder haben sich selbst schon im Internet einen Spitznamen gegeben, den sie dann mitnehmen. Aber die Spitznamen haben eigentlich eher eine zufällige Funktion.


VerEIn / Szene Es ist ganz sicher eine Szene mit verschiedenen Gruppen, die manchmal in Vereinen oder Clubs organisiert sind, aber nicht immer. Es gibt bestimmt Gesprächsstoff, aber wenn du jemanden nicht magst, kannst du ihn wahrscheinlich während dem LARPen auch nicht leiden. Zudem gibt es zwei verschieden Arten von ‘LARPern‘. Die Einen, die neben dem LARP noch ein Leben haben und solche, die ihre ganzen weltlichen Bemühungen in das Ausleben dieses Traumcharakters stecken. Meist verstehen sich die beiden auch nicht besonders.

Cyber Punk-LARP

Vorstand Bei uns gab es das nicht wirklich. Alle waren gleichberechtigt und jeder war für einen gewissen Teil der anfallenden Arbeit der Gruppe verantworlich. Wie zum Beispiel für die Internetpräsenz, der Mitgliederbeitrag (falls einer vorhanden ist), die Kommunikation mit anderen Gruppen usw. Obwohl dann im Spiel selbst die Rollen in der Hierarchie ganz klar verteilt werden, was jedoch je nach Gruppe unterschiedlich ist. Es gibt auch Gruppen, welche im Spiel keinerlei Hierarchie haben. Vereine Genaue Zahlen habe ich keine, aber ich schätze mal bestimmt 20, wenn nicht mittlerweile sogar mehr. Waffen Wenn im LARP gekämpft wird, verwenden die Spieler möglichst realistisch aussehende, aber relativ ungefährliche Polsterwaffen. Der Grundaufbau einer Klingenwaffe besteht

fast immer aus einem Stab aus glasfaserverstärktem Kunststoff, der mit Hochleistungsschaumstoff gepolstert wird. Dieser wird dann noch mit einer stabilisierenden Schicht aus Latex oder Gewebeklebeband überzogen. Die Waffen werden ja nach Rolle verändert, für einen Ritter beispielsweise wird reich verziert, während das Schwert eines Orks verrostet aussieht. Zahlen Kategorien LARP Stammtisch Mittelaltermarkt Fest Kurs Tischrollenspiel Ausflug Treffen Konvent / Messe

39.6% 35.5% 10.4% 5.7% 2.9% 2.2% 1.4% 1.4% 0.8%

Veranstaltungsländer Schweiz 88.0% Deutschland 11.6% Frankreich 0.4% Genres Fantasy Vampire Horror Cyberpunk Historisch Mafia Piraterie Andere

64.8% 17.2% 5.5% 3.4% 3.4% 0.7% 0.7% 4.1%

Nikola Cesarov, 20 Jahre Nikola stand uns Red und Antwort für unser kleines LARP-Lexikon. Er beschäftigte sich etwa vier Jahre intensiv mit LARP. Momentan ist er nicht mehr aktiv. Auf die Frage warum er aufgehört hat, meinte er: ‘Ich hab einfach die Lust verloren. Ich nehme an, ab einem gewissen Zeitpunkt hatte ich einfach genug. Ich bin wie ein wenig rausgewachsen, obwohl ich nicht ausschliessen will, dass ich nochmal ein zwei Larps besuchen werde.‘


Niklaus W. Alter_25 Jahre Beruf_Primarlehrerpraktikant, gelernter Schreiner Rollen / Charaktere_ kreuz und quer, keine bestimmte Rolle, egal welche Gesellschaftsstufe, keine Vampirspiele Spitzname_Kendra Dabei seit_dem Frühling 2004 Interviewort_Café Fahrenheit, Winterthur Getrunken_Schwarztee und Chai Tee


Wie bist du auf LARP aufmerksam geworden? An einem Abend war ich im Internet und habe darüber einen Artikel gelesen. Es sah lustig aus, es war an einem Wochenende und es kostete nicht viel. Da dachte ich warum nicht mal ausprobieren. Ich habe mich dann an diesem Abend spontan angemeldet, um einmal bei diesen Leuten vorbeizuschauen.

Einkommen abhängig. Jetzt wo ich nur noch 50% arbeite ist es sehr, sehr wenig Geld. Also geht LARPen auch ohne Geld? Ich kann es so sagen: Je mehr Erfahrung man hat desto billiger wird’s. Am Anfang hast du das Gefühl es geht nicht ohne Geld.

Kommen deine Freunde auch aus der LARP Szene? Ja zu dreiviertel besteht mein Freundeskreis aus LARPern. Der andere Viertel hat nichts damit zu tun. Und wie denkt der eine Viertel darüber? Das weiss ich nicht, da habe ich nie nachgefragt. Darüber wird nicht gesprochen. Das ist kein Thema. Und wenn schon...ich lache Leute auch aus, weil sie Fussball spielen. Ich finde es zum Beispiel auch bescheuert, wenn man zu 20igst einem Ball hinterher springt. Wie ist deine Einstellung gegenüber der heutigen Gesellschaft? Kritisierst du die Modernisierung? Ich kann die Modernisierung erklären aber ich kritisiere sie nicht. Das ist halt so und ich kann damit leben.

Ich finde es zum Beispiel auch bescheuert, wenn man zu 20igst einem Ball hinterher springt. Woher hast du deine Kleider? Alle Stoff und Holzsachen mache ich selbst. Leder- und Metallwaren kaufe ich. Ich kaufe kein Kleider. Wie viel Geld gibst du monatlich etwa für ein LARP aus? Schwer zu sagen... Das kann zwischen 100.– bis 150.– Franken schwanken. Es hängt von der Anschaffung ab. Es waren auch schon 1000.–. Die Ausgaben sind natürlich auch von meinem

Ausschnitt aus der Hobby-Ecke

Schminkst du dich selbst für einen Anlass oder gibt es da Maskenbildner? Also Latexmasken kaufe ich mir von Händlern aus Deutschland. Die Maske kleb ich mir selbst an und geschminkt wird gegenseitig. Also unter Kollegen. Siehst du dich selbst als Teil in der Szene? Ja ganz klar ist ein Szenenbild vorhanden. In der Szene bin ich auch sehr aktiv. Jedoch muss man sagen, dass die Szene sehr stark ausfasert. Zu Beginn war es noch einheitlicher, homogener und nun fasert es aus in historische Darstellung für beispielsweise das Landesmuseum (Zürich) und das historische Museum (Bern). Bei der die ganze Geschichte eins zu eins übereinstimmt mit historischen Auszügen aus Büchern oder Filmen, aber die spielen nicht. Dann fasert es auch aus Richtung Theater, und historische Märkte, welche man besuchen kann. Das interessiert mich jedoch nicht. Dort wird nicht gespielt. Ich bin eigentlich nur am Spielen selbst interessiert. Die Szene existiert, faserst jedoch sehr stark in verschiedenen verwandte Bereich aus. Sie hat


eine hohe Fluktation. Es gibt viele die kommen und auch wieder gehen. Du sagst du bist aktiv in der Szene.,Wie äussert sich das? Ich besuche viele Anlässe. Die meisten die es gibt in der Schweiz sind im Mittelalter / Fantasy Bereich. Ich bin aber auch sehr aktiv was das Internet betrifft, da wären dann Foren, Blogs und Fotogalerien. Ich pflege auch den Kontakt zu den Spielern. Dann ist es bei dir mehr die Liebe zu Spiel, ALS die Liebe zur jeweiligen Zeit in der die Geschichte handelt? Absolut. Es spielt für mich keine Rolle, ob die Geschichte im Jahr 2050 im apokalyptischen Zürich handelt oder in einem pseudomittelalterlichen Setting irgendwo zwischen dem Jahr 600 und 1500. Das Spiel an sich ist wichtig. Was gefällt dir besonders gut an einem LARP? Das ist abhängig vom LARP. Es können entweder Realien sein, besonders schöne Kleider und Kostüme, welche es dort gibt oder besonders tolle Situationen während eines Spiels. Zum Beispiel habe ich für ein LARP den Charakter eines Diebs gewählt und habe einen Dietrich mitgenommen. Und ich habe diesen das ganze Wochenende bis zum Sonntagmorgen nicht gebraucht. Doch an diesem Morgen gab es ein Schloss, welches man nicht öffnen konnte. Weder magisch noch mit Gewalt, man musste dieses wirklich knacken...also eine Herausforderung. Für diesen Moment war ich die wichtigste Person (als Dieb) auf dem Platz. Das sind dann die eigentlichen Höhenflüge, welche man erleben kann. Wenn man zur richtigen Zeit, am richtigen Ort ist mit der richtigen Ausrüstung, wenn alles passt. Aber das geschieht selten. Vielleicht zweimal im Jahr oder nie.

chen wie, das ist jetzt nicht einfach zu erklären. In der Schweiz ist es meistens so, dass dies über eine Darstellung dem Spieler vermittelt wird. Sagen wir dieses Glas hier vor mir kann nicht magisch sein so wie es hier vor mir steht. Es ist einfach ein Glas. Einige würden es vielleicht bemängeln weil es nicht so aussieht als wäre es aus dem Mittelalter. Würde ich aber unter das Glas eine Leuchtdiode montieren würde das Glas von unten herleuchten. Es fällt also auf. Wenn ich keine Regeln dazu habe, dann bin ich darauf angewiesen, das ich als Spieler sage: fasse mein magisches Glas nicht an. Oder andere Spieler zu mir kommen und nachfragen: Ist das Zauberei? So könnte das aussehen. Aber da gibt es viele verschiedenen Möglichkeiten bis hin zu Regelwerken die definieren, ob etwas magisch ist oder nicht. Es gibt Regelwerke in denen geschrieben ist, dass wenn ein Gegenstand einen roten Faden hat, als magisch betrachtet werden muss. Also der rote Faden sagt mir: dieser Gegenstand ist magisch. Oder es gibt einen Spielleiter, der selbst nicht zum Spiel gehört und der uns in dieser Situation aufklärt.

Für diesen Moment war ich die wichtigste Person (als Dieb) auf dem Platz.

Du hast gesagt, das Schloss sei nicht magisch gewesen. Woher wisst ihr denn, ob etwas magisch ist? Das wird vor dem Spiel kommuniziert. Die meisten Spiele bauen auf einem Regelwerk auf. Das können entweder Verhaltensrichtlinien oder deterministische Aktionen sein. Da gibt es Sa-

Spielst du gerne an LARPs mit wo Krieg herrscht? Zu Beginn meiner LARP „Karriere“ mochte ich Kriege mehr. Heute spiele ich weniger mit. Ich hatte auch nie viele Schaumstoffwaffen. Ich habe nur etwa 4-5 Waffen zu Hause. Das wären vier Stangenwaffen ca. zwei Meter lang, eine Hellebarde, eine Baumsäge, einen zwei Meter langen Holzstock, einen Schweizer Degen, ein kurzes Messer, einen Holzknüppel und einen kurzen, zweiseitig geschliffenen Dolch. Das ist auch schon alles. Wohlbemerkt alles aus Schaumstoff! Aber trotzdem bin ich jeweils froh wenn ich im Spiel eine Rüstung trage.


Liebster Platz in der Wohnung | K端hlschrank geschlossen | K端hlschrank offen | Zwei meiner Gitarrenlauten | Kleiderschrank | Pseudo-Mittelalterliche Schmuddelheftchen, auf einem Liverollenspiel f端r Spielgeld gekauft | LiverollenspielKleider; die wichtigsten zumindest | Arbeitsplatz


Meine Bibliothek


Arbeitsplatz


Ausr端stung


Simone Gisler Alter_34 Jahre Beruf_Übersetzerin (Japanische Trickfilme und Filme) Rollen / Charaktere_einfache, bodenständige Rollen, Low Fantasy Spitzname_Bryda Dabei seit_sechs oder sieben Jahren Interviewort_Café Fahrenheit, Winterthur Getrunken_Chai Tee


Wie bist du auf LARP aufmerksam geworden? Ich habe schon früher Pen&Paper Rollen gespielt. Ich habe durch Zufall erfahren, dass es das ganze auch live gespielt gibt (also nicht nur im Kopf) und da habe ich mir gedacht, warum nicht einfach mal ein Live-Abenteuer erleben. So richtig und schön verkleidet. Seit dann spielen wir keine Pen&Paper Rollenspiele mehr.

spiel dazu und ja. Es ist einfach eine entspannende Alternative. Es ist keine Weltflucht, aber es fühlt sich ein wenig so an wie Ferien machen. Wie war die Reaktion der aussenstehende Personen, als sie erfahren haben, dass du an LARP’s gehst? Also als ich das meinen Eltern erklärt habe verstanden sie es nicht wirklich. Nun sagen sie dazu: Ah aber es ist schön dass sie was draussen machen, in der Natur sind und sich bewegen! Aber die meisten können das Ganze nicht recht nachvollziehen und finden es ein wenig komisch. In welchen Bereichen lebst du LARP im Alltag aus? Also jetzt mal ganz sachlich bezogen ist es, dass ich gemerkt habe wie gerne ich nähe aber sonst, ich weiss es nicht. Vielleicht noch, dass es für mich einfacher geworden ist, mich in andere Menschen hineinzuversetzen. Ich habe mich aber nicht persönlich verändert durch LARP.

Womit alles begann: Die archivierten Pen- and PaperRollenspielunterlagen

Bezeichnest du LARP als dein Hobby? Ja definitiv. Dieses ist sehr umfassend. LARP selbst ist ja noch nicht alles. Sondern die ganze Vorbereitung dafür, also zum Beispiel Kleider nähen oder basteln gehört alles auch noch dazu. Das nimmt auch noch relativ viel Freizeit während der Woche in Anspruch. Kommen deine Freunde auch aus der LARP-Szene? Ja, ein grosser Teil hat sich auch daraus gebildet. Ich habe aber durchaus auch noch normale Kollegen (lacht). Woher kommt deine Faszination fürs LARP? Ich glaube das hat vor allem damit zu tun, dass ich es schon seit klein auf geliebt habe, Bücher zu lesen. Durch das bin ich dann auch in die fantastischen Bücher reingerutscht wie Michael Ende, dann kam das Pen&Paper Rollen-

Wie ist deine Stellung zur heutigen Gesellschaft? Zur Modernisierung? Ich bin der Meinung, man sollte nicht alles kritiklos über nehmen nur weil es Neu ist. Man kann sich zurückhalten aber muss sich auch Gedanken dazu machen. Aber generell bin ich nicht modernitätsfeindlich. Ich nutze das Internet, alle Foren und sozialen Plattformen wie alle anderen auch. Machst du deine Kleider selbst? Das meiste mache ich selbst. Gewisse Dinge kaufe ich auf dem Flohmarkt oder in der Brockenstube. Anderes wird von Handwerkern gefertigt, z.B unsere Bierkrüge werden von einem Töpfer gemacht.

Ich habe durchaus auch noch normale Kollegen (lacht). Wie viel Geld gibt du für LARP’s aus? Das kommt drauf an...aber es ist schon recht viel. Vielleicht so viel, wie andere im Aus-


gang ausgeben würden, ich gehe dafür weniger in den Ausgang. Aber ich kann keine konkreten Angaben mache. Wenn ich Stoff kaufen muss dann wird’s teuer! Kaufst du die Stoffe in einem normalen Stoffladen? Das kommt drauf an. Ich brauche oft Wollstoffe und Leinenstoffe, weil diese sehr praktisch sind. Diese Stoffe sind meistens fürs LARP und die kaufe ich in einem ganz normalen Stoffladen. Wenn ich Kleider für eine Darstellung nähe, muss ich zu einem speziellen Stoffhändler.

LARP zu tun haben. Was gefällt dir besonders am LARP? Ein grosser Vorteil darin besteht, dass ein LARP-Wochenende sich anfühlt wie Kurzferien, weil man so weit weg vom Alltag ist. Also psychologisch betrachtet ist es sehr entspannend. Körperlich ist es sehr anstrengend und am Sonntagabend will man dann meistens schnell ins Bett. Aber so nach 12 Stunden schlaf ist man wieder bereit für den Alltag. Der Einstieg fällt einem aber meistens schwer und oft muss man sich fragen...ähm Moment mal, wo waren wie stehen geblieben, an was arbeite ich eigentlich?

Oft muss man sich fragen, ähm Moment mal, wo waren wir stehen geblieben, an was arbeite ich eigentlich? Wie viel Zeit investierst du in so ein Kleid? Houuuuu (lacht) Das ist noch schwierig zu sagen. Also für das Muster brauche ich sicher einen halben Tag bis alles sitzt. Nachher aufzeichnen und ausschneiden geht sicher auch noch einen halben Tag. Danach kann ich das Ganze entweder von Hand nähen oder mit der Maschine. Mit der Maschine dauert es etwa vier Tage und mit der Hand brauche ich eine Woche. Schminkst du dich selbst oder hast du einen Maskenbildner? Da ich meisten einfach Charaktere spiele, wie z.B im nächsten Spiel eine Müllersgesellin, brauche ich gar keine Maske. Und wenn dann schminken wir uns selber vor dem Spiegel. Siehst du dich selbst in einem Verein oder einer Szene drin? In einer Szene ja aber in einem Verein nicht. Ich gehöre zu den Personen, welche keine Spiele organisieren. Ich gehe nur an verschiedene Spiele. Aber sonst Mitglied von der Szene bin ich durchaus (lacht). Hast du noch andere Hobbies? Ich lese sehr gerne, spiele Gitarre und sonst treffe ich gerne Freunde, welche auch nichts mit

Was ist deine Kritik am LARP? Generell muss ich nichts kritisieren.

Wie stehst du zu Kriegsszenen im Spiel? Es gehört halt dazu. Aber ich empfinde es nicht als eine Kompensation von Aggressionen, da immer alles vorgegeben wird und allen bewusst ist, dass es ein Spiel ist. Ich kann nicht behaupten, dass ich es doof finde. Es ist sogar lustig. Es fühlt sich fast ein wenig wie Sport an. Hast du auch Schaumstoffwaffen? Jaja. Unsere Waffenkammer wirst du sicher mal noch sehen. Abgesehen von den Waffen gibt es sonst noch typische Accessoires? Ja einen Bierkrug, die sind sehr wichtig. Da gibt es auch LARP-Bierkrüge für die Tavernenschlägereien. Sonst braucht man noch Essgeschirr und je nach Charakter noch Schreibzeug, also Feder und Tinte.


Unser Alltagskühlschrank von aussen | Und von innen | Kleiderschrank | Arbeitsplatz | Unser ‘Bier- und komische asiatische Sachen-Kühlschrank‘ von innen | Unsere Kleidungskiste, in dem wir LARP-Klamotten und kleinere Accessoires aufbewahren | Lieblingsgegenstand: Gitarre | Lieblingsort in der Wohnung: Mein Kotatsu (japanischer Heiztisch) ist mein bevorzugter Aufenthaltsort im Winter. Unsere Stefanini-Altbauwohnung hat keine Zentralheizung; wir heizen mit zwei kleinen Elektroöfen und eben diesem Heiztisch. Der mit ein wenig umstellen von Computer und co. auch als Büro dient


Unsere Waffenkammer


Lieblingsort sonst wo


Accesoires der Steuerfrau Katje Stetsen


Michael Roth Alter_25 Jahre Beruf_Maschineningenieur Rollen  / Charaktere_ Rudolf Kohlenbläser, sonst alle möglichen Rollen, Mittelalter, Fantasy, will auch mal Cyberpunk machen Spitzname_keinen Dabei seit_2006 Interviewort_Imagine, Zürich Bestellung_Grüntee


Wie bist auf Larp aufmerksam geworden, dazu gekommen mitzumachen? Ich habe Online-Rollenspiele gespielt, dann habe ich über Wikipedia von Live-Rollenspielen gehört. Ist Larp für dich ein Hobby? Ja, ganz klar ein Hobby.

Wie ist deine Stellung zur heutigen Gesellschaft? Kritisierst du die Modernisierung? Die Modernisierung ist in vielen Punkten eine gute Sache, denn ich will nicht im Mittelalter leben. Das heisst aber auch nicht, dass alles gut ist. Ich bin zum Beispiel bei den Jung Grünen dabei.

Die Modernisierung ist in vielen Punkten eine gute Sache, denn ich will nicht im Mittelalter leben. Haben deine Freunde/ PartnerIn Larp auch als Hobby? Also ich habe mehr Freunde die LARP nicht als Hobby haben. Wie war die Reaktion der aussenstehende Personen, als sie erfahren haben, dass du an LARP’s gehst? Sie reagieren eigentlich positiv, und sind meist interessiert. Selber LARP machen will aber fast niemand.

Woher hast du die Kleidung , die du für Larp- Spiele / - Veranstaltungen brauchst? Das meiste mache ich selber. Und gewisse Sachen kaufe ich auch im Brockenhaus. Den Stoff für die Selbstgemachten Sachen kauf ich in verschiedensten Läden in der Schweiz und Deutschland ein.

Woher kommt die Faszination für Larp, für das bestimmte Thema? LARP fasziniert mich weil mich Rollenspiele faszinieren, und ich bastle sehr gerne, und LARP vereint eben diese beiden Bereiche. In welchen Bereichen lebst du deine Faszination für Larp aus? Hmm... Also ich bastle und nähe Kostüme für LARP Anlässe oft am Abend in meiner Freizeit. Und natürlich die LARP-Veranstaltungen am Wochenende. Und hast du zum Beispiel etwas im Wohnzimmer, das an Larp erinnert? Also ja ich habe so einen Chräze (Holzkorb) im Wohnzimmer stehen, den man auf den Rücken binden kann, mit dem Reise ich oft an LARPs an oder brauchte ihn auch während dem Spiel. Gekaufte LARP-Schuhe


Wie viel Geld gibst du monatlich etwa dafür aus? Ich gebe etwa 500.– bis 1000.– Franken pro Jahr für Stoff und solche Sachen aus, aber es kommt immer ein wenig darauf an, je nachdem sind es mehr oder weniger.

Ja, ein grosses Schwert, welches ein Fehlkauf war. Wie viel Zeit investierst du in Kostüme? Ein Grossteil der Sachen näh ich selber. Für ein komplettes Gewand würde ich so sicher auf über 10 Stunden kommen. Allerdings nehme ich auch immer wieder Teile von alten Gewänder (z.B. Beinlinge) und setz sie zu einem neuen Gewandung zusammen. Der Kauf des Stoffes und Brockenhäuser nehmen auch Zeit ein. Schminkst du dich selbst oder habt ihr Maskenbildner für die aufwendigen Masken? Meistens brauche ich keine Schminke. Als ich mal als Zombie geschminkt wurde, hat der Veranstalter die Schminke organisiert. Siehst du dich selbst in einem verein / Szene? Ja, also ich sehe mich in einer Szene, und man gewinnt auch neue Freunde dadurch. Ich habe vor, einem LARP Verein beizutreten, da ich bald mithelfen möchte bei einem Spiel zu organisieren. Hast du noch andere Hobbys? (überlegt) Meine anderen Hobbys sind zum Beispiel Lesen, Kollegen treffen, Basteln, Sachen am Computer machen und wandern. Was gefällt dir besonders an Larp, an so einem Wochenende? Dass man draussen in der Natur sein kann, das Spiel an sich, die Athmosphäre etc. Was wünschst du dir anders / Kritik? Es wäre schön, wenn in der Schweiz mehr verschiedene Genres gespielt würden.

Besitzt du auch Waffen, diese Schaumstoffwaffen für die Spiele? Ja, ein grosses Schwert, welches ein Fehlkauf war. Ein kleineres und noch ein Holzstück und ein Essmesser.


Arbeitsplatz | Ein Ort der Bezug hat zu LARP | Kleiderschrank | Mein Lieblingsort sonst wo | Badezimmer | Lieblingsort in der Wohnung | K端hlschrank geschlossen | K端hlschrank offen


Lieblingsgegenstand


Peter Keel Alter_36 Jahre Beruf_Informatiker, studierte Soziologie Rollen  / Charaktere_ganz verschiedene, aber Vorliebe für Halbweltcharaktere, (Streuner, Einbrecher, sonstige Lumpensöldner, Seefahrer, etc.) überlegt je nach Spiel was für eine Figur für dieses Spiel sinnvoll ist, erfindet dann jenachdem auch eine neue Figur Dabei seit_1996, hat mit Cyberpunk begonnen, dann Fantasy Spiele Spitzname_Seegras Interviewort_Museum für Gestaltung , Zürich Bestellung_Schwarztee


Wie bist auf Larp aufmerksam geworden, dazu gekommen mitzumachen? Ich habe vorher Pen&Paper Rollenspiele gemacht und eine Zeit lang haben einige Leute Pen&Paper- und Brettspieltreffen organisiert, wo ich dabei war. Dann habe ich dort jemanden kennengelernt, der gesagt hat, ich soll doch mal bei einem Liverollenspiel mitmachen. Später habe ich mich angemeldet. Da spielte ich einen Hacker, mit umgehängter Tastatur. Ist Larp für dich ein Hobby? Ja, völlig klar. Also es gibt sicher Leute, für die ist es mehr. Zum Beispiel eine Kollegin von mir hat einen LARP Laden eröffnet. Es kann durchaus auch zu einer Art Beruf werden. Woher kommt die Faszination für Larp, für das bestimmte Thema? Der Hintergrund ist das, was mich fasziniert. Dabei interessierte ich mich eher für Science Fiction, weniger für Fantasy. Meine Bücher, die ich gelesen habe, gehen eindeutig viel mehr in Richtung Science Fiction. Dann fasziniert mich das LARP Spiel an sich. Es hat nicht viel mit Schauspiel zu tun. Es geht mehr um die Idee, dass man spielen will. Das Rundherum alles stimmig ist. Das es echt ist. Zum Beispiel, dass man irgendwo im Wald rumläuft mit einer pseudomittelalterlichen Ausrüstung und wirklich im Spiel selbst ist. Dann probiert man Sachen aus, die man im wirklichen Leben nicht machen kann. Sachen wie wüste Intrigen oder Kämpfe. Zum Teil ist es ein bisschen „Räuber und Poli“ für Erwachsene. Wichtig sind Konflikte im Spiel. Egal in welcher Hinsicht. Die Konflikte machen ein Spiel spannend. Zudem gefällt mir, dass man im Spiel einen ungeheuren Freiraum hat.

machen würde und in der realen Welt nie. Gerade so Intrigengeschichten. Am ehesten noch punkto Kleidung, da habe ich halt einen grösseren Horizont als die meisten Leute, ich weiss was möglich ist. Wie ist deine Stellung zur heutigen Gesellschaft? Kritisierst du die Modernisierung? Nicht als solche. Ich bin Techniker und somit auch Inventer, also ich bin da wahrschienlich noch weiter vorne als einige Leute, das ist das Eine. Aber es gibt deutlich Entwicklungen, die müssen nicht unbedingt mit der Modernisierung zu tun haben, da muss ich sagen das ist jenseitig. Das ist komplett daneben. Dieser momentane Überwachungswahn, es sind alle komplett durchgedreht, aber wirklich. Ich bin der Meinung, das ist irgend ein wahnsinniger Überwachungswahn von Gestapoausmass. Das hat aber nichts mit Modernität zu tun, sondern eher damit, dass Leute scheinbar nichts von der Vergangenheit lernen können. Oder die Globalisierung...an sich finde ich sie begrüssenswert, aber sie funktionert im Moment nicht so, dass man sagt man macht einen globalen Markt. Sondern so, dass wir global exportieren wollen und anderen unsere Sachen und Gesetze aufdrücken, ohne einen Kompromiss zu finden. Das sind ganz klar westliche Staaten angeführt von den USA, die sagen wir wollen merkwürdige Monopole exportieren, beispielsweise Patente, auch an Entwicklungsländer. Das ist nicht Globalisierung, das ist Merkantilisums, Kolonialismus. Aber das sind halt politische Strömungen, die da sind. Schon klar, dass mit Kommunikation die Welt näher zusammenrückt.

Es hat nicht viel mit Schauspiel zu tun. Es geht mehr um die Idee, dass man spielen will.

In welchen Bereichen lebst du deine Faszination für Larp im Alltag aus? Nicht in vielen. Ich unterscheide sehr stark von Spiel und nicht Spiel. Es gibt extrem viele Sachen die ich an einem Liverollenspiel sofort

Wie viel Geld gibst du monatlich FÜR LARP etwa dafür aus? Also ich habe einmal eine Rüstung gekauft, eine gotische Rüstung nach italienischem Geschmack und die ist massgefertigt und gehärtet, die hat mich 17`000 Euro gekostet. Letzthin habe ich einen kleinen Helm gekauft für 70 Euro. Es sind dann riesige Qualitätsunterschie-


de, jenachdem was man will. Es muss nicht teuer sein, man kann Liverollenspiele für fast kein Geld machen. Im Brockenhaus kann man irgendwelche Sachen zusammensuchen oder selbermachen. Es muss nicht ein teures Hobby sein, aber es kann (lacht). Wobei ich sagen muss, dass ich die massgefertigte Rüstung für historische Darstellung verwende. Wie viel Zeit investierst du in Kostüme? Eine Zeitlang habe ich immer während dem S-Bahnfahren genäht, das waren so einenhalb Stunden pro Tag. Das ergab dann ca. 30 Stunden im Monat. Zurzeit sind es weniger. Hast du noch andere Hobbys? Segeln auf dem See, ab und zu Wandern.

Kistenweise Stoff den ich mal vernähen sollte

Was gefällt dir besonders an Larp, an so einem Wochenende? Ein wichtiger Punkt ist, dass ich mit dem Liverollenspiel wegkomme von meinem Beruf, wo ich ständig mit Elektronik zu tun habe und am Computer sitze. An einem LARP habe ich keine Zeit für solche Dinge, muss mein Handy

ausschalten und bin wirklich weg von der ganzen Elektronik. Das sind Ferien, nicht Ferien von sich selbst, aber Ferien von der Technologie. Und ich bin der Natur draussen, habe Freude an kleinen Sachen. Du stapfst eine Stunde durch den Schnee, kommst zu einer Hütte wo ein kleines Feuer brennt, ein kühles Bier bereitsteht... Man lernt auch sehr viel, ich kann beispielsweise Feuer machen mit ganz wenig. Oder wie macht man Knöpfe. Eigentlich tut man viele Sachen, die man auch in der Pfadi gemacht hat.

Ich hab ihn gehauen, wieso fällt er nicht um? Was wünschst du dir anders / Kritik? Jaja, ganz viel (lacht). Also es gibt verschiedene Sachen, die sich bei uns, sagen wir im Larp in der Schweiz und Süddeutschland eingebürgert haben, die immer wieder Probleme geben. Ein typisches Beispiel ist, der Andere spielt nicht aus. Ich hab ihn gehauen, wieso fällt er nicht um? Dann was einige Leute noch nicht begriffen haben, dass man selbst das Ambiente für alle anderen ist. Es ist wichtig, das man selbst gute Kleidung, gute Ausrüstung hat, dass es hübsch aussieht. Und dass man eigentlich zusammen spielt und den anderen auch respektiert und fair bleibt. Es gibt auch Probleme mit dem Plot zum Teil, ein Organisator versucht beispielsweise einen Handlungsstrang für hundert Leute zu machen. Dann hat jemand die Idee, das wie bei Herr der Ringe zu machen und alle sollen beteiligt sein, aber am Schluss helfen dann trotzdem nur 10 Leute mit. Die anderen sind davon ausgeschlossen und die Idee bricht zusammen. Oder dann gibt es völlig fantasielse Plots. Oder einige wollen unbedingt teure Kupfermünzen im Spiel verwenden, obwohl es eigentlich auch mit viel billigeren Zinnmünzen funktionieren würde. Aber das ist irgendwie fest in den Köpfen.


Kiste mit Mittelalter-, Renaissance- und LARP-Kleidung | Musikinstrumente, Rätsche, Tin-Whistles und eine Schalmei | Badezimmer | LARP-Münzen | Eisenhut, bemalter deutscher Schaller, italienischer Schaller | Küche und Werkstatt | Kühlschrank aussen | Kühlschrank innen


LARP-Kleider


Schuhe


17‘000 Euro Rüstung


zum Schluss Noch eine letzte Frage: Könntest du dir vorstellen, irgendwann mit dem LARP aufzuhören? Wenn ja, warum? Niklaus w._Kendra Kann ich mir vorstellen, durchaus. Ab dem Zeitpunkt, wo ich das Gefühl habe, dass ich innerhalb der LARP-szene und innerhalb des Spieles nichts mehr Neues für mich entdecken kann. SIMONE GISLER_BRYDA Keine Antwort vorhanden. Michael Roth Ja. Warum weiss ich auch nicht. Ich hatte auch schon andere Hobbys, die ich aufgehört habe und ich denke LARP kann ganz sicher auch dazugehören. Peter Keel_Seegras Ja und nein. Ich kann mir vorstellen, dass ich aus gesundheitlichen Gründen LARP mehr oder weniger aufgeben müsste. Oder weil ich keine Lust mehr hätte. In den Fällen würde ich wohl extrem reduzieren aber immer noch an das eine oder andere Spiel gehen, welche wo ich erwarten könnte dass sie in ersterem Fall kein Problem für die Gesundheit darstellen respektive im zweiten Fall eben doch noch etwas sehr interesantes bieten könnten. Und klar kann ich mir vorstellen aufgrund von Lebens- oder Gesellschaftsumständen längere Zeit kein LARP zu machen; aber das hätte weniger mit komplett aufgeben zu tun. Nebenbei, die ältesten LARPer die ich kenne gehen altersmässig auf die 60 zu; ich bin mir sicher dass diese Obergrenze in den nächsten Jahrzehnten noch steigen wird. Eltern mit Kindern sieht man auch immer häufer an LARPs.


Analyse Während den Interviews haben sich einige unserer Vorstellungen und Bedenken als falsch erwiesen. Es war so, dass je mehr wir uns mit den Interviewten auseinandersetzen, desto mehr konnten wir die Faszination fürs LARP nachvollziehen. Zudem wurden uns die Interviewten sehr sympathisch und haben offen über ihr Privatleben und das Hobby LARP gesprochen. Durch die Auswertung der Interviews haben sich folgende Gemeinsamkeiten unter den Teilnehmenden abgezeichnet: Alle Interviewten haben beim Treffen einen Tee bestellt. Somit schliessen wir auf die Vorliebe für dieses Getränk bei LARP-Spielern.

Die LARP-Szene weist eine gewisse Geschlossenheit in sich auf, weil sich die sozialen Kontakte der Spieler mehrheitlich auf die LARP-Szene beschränkt. Alle haben jedoch auch Freunde, die sich ausserhalb der Szene bewegen. Das LARP-Spiel an sich oder ein ganzes Wochenende LARP-Veranstaltung wird als Kurzferien vom meist techniklastigen Alltag empfunden. Durch die Auswertung der Fotos haben wir folgende Gemeinsamkeiten gefunden: Holzkisten im Wohnraum scheinen ein beliebtes Objekt zu seinl, um Stauraum für Kleider, Stoffe und anderes Material zu schaffen.

Der grösste Teil der Spieler ist zwischen Mitte zwanzig bis Mitte dreissig und üben einen Beruf im Zusammenhang mit einem Computer aus oder mit Biologie und Chemie.

Kleiderschränke sind nicht wie gewohnt geschlossen. Sie weisen oft einen garderobenartigen Charakter auf.

Die Mehrheit der LARPer bezeichnet Wandern als ein weiteres Hobby. Zudem kam bei allen eine grosse Sympathie gegenüber der Natur zum Vorschein. Sie stellen ihre Kleider gerne selbst her, sei es fürs LARP oder auch für den Alltag. Ebenfalls steht basteln und Handwerken hoch im Kurs.

Durch die Auswertung der Interviews haben sich folgenede Abweichungen unter den Teilnhmenden abgezeichnet: Das Engagement der einzelnen Teilnehmer bezüglich der Organisation der LARP-Veranstaltungen variiert. Einige organisieren öfters Veranstaltungen und Andere konsumieren nur.

Die Teilnehmenden bezeichnen LARP ausschliesslich als Hobby. Es wird eine ganz klare Grenze zwischen Spiel und Alltag gesetzt. Es war jedoch klar zu erkennen, dass LARP ein sehr intensives und zeitaufwendiges Hobby ist.

Die grundsätzlichen Vorlieben der Spieler für die verschiedenen Genres und Hintergründe gehen auseinander. So spielen die einzelnen LARPer einer Gruppe / eines Vereins jeweils Rollen unterschiedlichen Genres und nehmen an verschiednenen LARP‘s teil, sei dies Mittelalter, Science Fiction oder eine andere Kategorie.

Für das Nähen der Kostüme wird ähnlich viel Zeit aufgewendet, an Abenden und Wochenenden und öfters nähen die Spieler auch in der S-Bahn oder im Zug auf ihrem Arbeitsweg.

Die Geldausgaben für Kostüme und Accessoires fallen unterschiedlich hoch aus. Von Brockenhausbeschaffungen bis hin zu teuren massgeschneiderten Rüstungen ist alles vertreten.


Thesenergebnisse Unsere erste These ‘Die jeweiligen Gruppen / Vereine bilden sich nach Genrevorlieben der Spieler. Zum Beispiel verkehren Mittelalterbegeisterte nur untereinander und haben keinen Kontakt zu anderen Genres wie Science Fiction- oder Cyber PunkSpielern.‘ Diese These hat sich nicht bestätigt. In einer Gruppe / Verein hat es Spieler mit unterschiedlichen Interessen. Die Spieler schlümpfen je nach LARP-Veranstaltung immer wieder in verschiedene Rollen. Dabei kann man Vorlieben der einzelnen Spieler feststellen.

Unsere zweite These ‘Das soziale Umfeld eines LARP-Spielers beschränkt sich nur auf Gleichgesinnte.‘ Diese These hat sich nur teilweise bestätigt. Es ist so, dass sich die Spieler betreffend ihren sozialen Kontakten vorwiegend in der LARP-Szene bewegen. Der Anteil der Freunde ausserhalb der Szene ist in der Minderheit. Ein Grund dafür konnte sein, dass man an einem LARP-Wochenende immer wieder neue Kontake knüpft. Unsere dritte These ‘LARPer leben ihre Faszination für LARP auch im Alltag aus. Zum Beispiel wird dies in folgenden Bereichen sichtbar: Wohnungseinrichtung, Bekleidung, Musik- und Bücherauswahl.‘ Diese These hat sich nur teilweise bestätigt. Der Alltag wird gemäss den Spielern sehr stark vom LARP-Spiel getrennt. Sie betonen, ihr Verhalten im Alltag sei keineswegs von LARP beeinflusst. Wobei man hingegen an ihrer äusseren Erscheinung, sprich Kleidung und Wohnung trotzdem mehr oder weniger erkennen kann, dass die Spieler eine Faszination oder Interesse für einen gewissen Stil oder Thema haben.


Fazit In den letzten zwei Wochen haben wir herausgefunden, dass LARP ein sehr intensiv gelebtes Hobby ist. Und es nicht wie erwartet vorwiegend um die Fasziantion für eine bestimmte Zeit, wie zum Beispiel das Mittelalter, sondern um die Liebe zum Liverollenspiel und die dazugehörigen handwerklichen Auseinandersetzungen geht. Eine LARP-Veranstaltung ist für die Teilnehmer wie Kurzferien vom Alltag. Eine passende Aussage dazu erhielten wir von einem jungen Mann am Stammtisch: ‘Ich kann euch von den Vorbereitungen und allem Rundherum des LARPs erzählen, aber vom Spiel selbst nichts, da bin ich dann die Figur die ich spiele!‘ Eine andere Erkenntnis ist, dass die Spieler einer Gruppe / eines Vereins unterschiedliche Genrevorlieben vertreten, dabei schlüpfen die LARPer auch je nach Thema der LARP-Veranstaltungen immer wieder in verschiedene Rollen. Zudem haben wir herausgefunden, dass die LARP- Szene nicht eine isolierte und geschlossene Szene ist, sich die Spieler bezüglich ihren sozialen Kontakten aber vorwiegend in der LARP-Szene bewegen. Abschliessend können wir sagen, dass wir einen sehr guten Zugang zu unserer gewählten Szene / Subkultur hatten. Unsere Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Die Interviewten haben viel von sich erzählt und die Begeisterung für ihr Hobby LARP war deutlich spürbar.


Quellen www.wikipedia.com www.larpwiki.org www.larpkalender.ch Diverse Bilder von Bryda | Yaslaw | Seegras | Kendra | Michael

DANKE an Nikola C. Niklaus_Kendra Simone_Bryda Michael Peter_Seegras


liveactionroleplaying  

Ein Magazin über LARP-er

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