Festival Magazin 2022

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7. – 26. september 22

magazin!


... und Allem was es dazu braucht. Wir bieten Mietartikel vom Teller bis zum Schirm für jede Eventgröße, Personenzahl, in diversen Größen und Farben bis hin zu hohen Stückzahlen. Mit über 20-jähriger Erfahrung sorgen wir im Background für vollsten Service aus einer Hand – von der Planung bis zum Abbau. Wir machen jedes Event zum unvergesslichen Erlebnis.

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Optimismus wagen

Wir leben in bewegten Zeiten. Wer hätte vor zwei Jahren gedacht, dass die Pandemie so lange dauern würde, um dann gleich von der nächsten Krise abgelöst zu werden, deren Folgen nicht einmal zu ahnen sind? Denn kaum haben wir uns ein wenig von der Pandemie erholt, befinden wir uns seit dem 24. Februar in einer veränderten Welt, in einem brutalen Kriegsszenario mitten in ­Europa. Dieser Krieg ist nicht nur ein gewaltsamer Angriff gegen Menschen, sondern auch gegen eine freie Gesellschaft, Pluralismus und Diversität. Und er hat tiefgreifende politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Folgen, die uns alle betreffen. Auch für uns Kulturschaffende, die wir bereits in der Pandemie besonders kämpfen mussten, um weiter existieren zu können. Doch wir lassen uns nicht entmutigen. Gerade jetzt, wo in Europa Krieg herrscht gegen eine Gesellschaft, die frei sein will, wollen wir unsere Stimmen gegen diese Gewalt erheben. In Solidarität mit den Opfern und für die Verteidigung der Errungenschaften einer freien, pluralen und diversen Gesellschaft. Unsere Stimmen bilden einen Chor aus Utopien, aus Träumen, aus Poesie und aus geballter Schönheit als Gegenentwurf zu Gewalt, Verrohung und Vernichtung. Mit dieser Kraft wollen wir auch und gerade jetzt das Leben feiern, die Entbehrungen der letzten Jahre vergessen machen und die Folgen der bedrückenden Isolation mit Gemeinschaft und Begeisterung heilen. Mit Tänzern, Sängern, Musikern und Akrobaten wollen wir uns erinnern, wer wir sind und was wir lieben. Mit der 32. Ausgabe unseres Festivals wollen wir wieder Ermöglicher sein und Künstler*innen aller Art für unser vielfältiges Publikum einladen. Wir zeigen eine Fülle von Produktionen, die nicht nur, aber auch unterhalten. Mit hoch aktuellem Theater, das Haltung zeigt, ohne zu belehren, mit Neuem Zirkus, der mit Akrobatik und Poesie fasziniert und mit viel Musik, die berührt und bewegt. Australiens erfolgreichste Zirkuskompanien CIRCA und Gravity And Other Myths entführen uns mit Sacre und Backbone in ihre visionären Kosmen und teilen mit uns ihre humanistischen Botschaften. In My Land präsentieren sieben ukrainische Akrobat*innen der Kompanie Recirquel anrührendes und tänzerisch-ästhetisches

© Susanne Diesner

neuen zirkus, theater, tanz und musik

Zirkustheater auf höchstem Niveau. James Thierrée, Superstar des zirzensischen Tanztheaters, gibt sein Festivaldebüt mit Mo’s, einer irrwitzigen Collage aus Livemusik, Akrobatik und Tanz. Hofesh Shechter kommt erneut mit seiner unverschämt begabten Formation junger internationaler Talente, seine Kreation C ­ ontemporary Dance 2.0 hinterfragt furios den zeitgenössischen Tanz. Mourad Merzoukis neue Arbeit Zéphyr lässt seine HipHop-Tänzer*innen in aberwitziger Weise gegen den Wind tanzen, die Tänzerin und Choreografin Tian Gao setzt sich mit River mit der Bedeutung von Flüssen, Erinnerungen und Identitäten auseinander, dem Wasser als Ursprung des Lebens, als Grenze und Sehnsuchtsort. Beim Kunstlied-Slam lässt das Klangkollektiv Düsseldorf das Publikum entscheiden, wer berühmte Gedichte am besten vertont hat und das Rothko String Quartet spielt unter dem Titel The Giving Tree an spektakulärem Ort Musik aus der Feder von Komponistinnen von der Renaissance bis zur Gegenwart. Und zum Finale beschwört Charly Hübner in mercy seat – w ­ interreise mit dem grandiosen Ensemble Resonanz die Geister von Nick Cave und Franz Schubert. Wir danken allen ­unseren Partnern, Förderern, Sponsoren und Freunden für Zuspruch, Unterstützung und Großzügigkeit. Die Bedeutung verlässlicher Partner war schon immer und ist in den letzten Jahren zunehmend für unser Festival von existenzieller Bedeutung. Das gilt auch für ein treues, unermüdlich arbeitendes Team. Freuen Sie sich mit uns auf ein besonderes Festival! Wir freuen uns auf Sie! Christiane Oxenfort, Andreas Dahmen und das gesamte Team des Düsseldorf Festival!


Düsseldorf festival! Gefördert von

Hauptsponsoren

cosponsoren

Projektpartner

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Förderer

Kooperationspartner

Sachsponsoren

Dr. Dietrich Baumgart

ASPHALT Festival

Bäckerei Josef Hinkel

Heide und Florian Dorfmüller

Digitale Stadt Düsseldorf

Bäckerei Terbuyken GmbH & Co. KG

Peter-Michael Engel Stiftung

FFT im KAP1

Blumen F.U.S.S. GmbH & Co. KG

Dr. Harald Hack Stiftung

Johanneskirche Stadtkirche Düsseldorf

Böhmann-Ilbertz GmbH & Co. KG

Dr. Martina Häger

Kirche St. Andreas

Chez Jean-Luc

Friedrich-Wilhelm Hempel

Kirche St. Margareta

Der Hofladen „Am Blääk“ Familie Weitz

Catherine Hostert

maxhaus

Hoyng Rohk Monegier

Neanderkirche

Deutsche Sinalco GmbH Marken­ getränke & Co. KG

HSBC

PODIUM Esslingen

Institut Français

Rheinischer Kultursommer

Ernst und Heidi Lamers

tanzhaus nrw

Dr. Rainer Maschmeyer

WDR Cosmo

Robert Lamers

Die Kaffee Privatrösterei Olga S ­ abristova e.Kfr. Düsseldorfer Ölmanufaktur Feinisa GmbH Friedhofsgärtnerei Magret Doege e.K.

Messe Düsseldorf

Hotelsponsoren

Gerken GmbH

Rheinmetall

Auszeit Hotel Düsseldorf

Geschmackssachen

Stadtsparkasse Düsseldorf

Breidenbacher Hof Düsseldorf

Gölzner GmbH

und viele mehr

Hilton Dusseldorf

Gutshof Schloss Eller

Hotel Indigo Düsseldorf - Victoriaplatz

Hercules Vollkorn- und Mühlenbäckerei

Hotel Nikko Düsseldorf

Hermann Weber Feuerlöscher GmbH

ARTE

Hyatt Regency

Inscro UG

Biograph

Ibis Düsseldorf City

kultur.west

Ibis Düsseldorf Hauptbahnhof

Jan van der Most, Grafik für Kunst und Kultur

Rheinische Post

IntercityHotel Düsseldorf

the duesseldorfer

Maritim Hotel Düsseldorf

WDR 103,3 COSMO

Max Brown Hotel Midtown

Medienpartner

me and all hotel düsseldorf-oberkassel Motel One Düsseldorf Hauptbahnhof Ruby Luna Steigenberger Parkhotel Düsseldorf the niu

KaffeeReich Käsespezialitäten Wionczek Konditorei Karl Kuhlen e.K. LAX NRW Media Spectrum GmbH & Co. KG Medias Serong GmbH Metzgerei & Partyservice Uwe König Metzgerei Schlösser MÜHLHÄUSER GmbH Oehme Brot & Kuchen GmbH Plange Mühle rieger catering GmbH & Co. KG Saupiquet Deutschland GmbH

Danke!

Schröter Bürobedarf + EDV-Zubehör GmbH Stiegelhof Peter & Brigitte van den Broek Süßmosterei Dalbeck Gbr TEST GmbH & Co. KG Thomas Henry GmbH & Co. KG TOI TOI & DIXI Sanitärsysteme GmbH MRE Center NRW Warsteiner Brauerei Weingut Metzger Willi Andree GmbH & Co. KG

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TECHNOLOGIEKONZERN Wir sind ein international führender integrierter Technologiekonzern der Lösungen für eine sichere und lebenswerte Zukunft entwickelt. Durch die optimale Kombination unserer unterschiedlichen technologischen Kompetenzen greifen wir Megatrends auf, identifizieren neue Märkte und entwickeln innovative Lösungen. Mit unseren Technologien leisten wir einen wichtigen Beitrag zu einer zukunftsorientierten umweltgerechten Mobilität und werden dem steigenden Sicherheitsbedürfnis moderner Gesellschaften gerecht. Leidenschaft für die beste technische Lösung. Das treibt uns an, das ist die Kraft, die uns verbindet.

Technologien von Rheinmetall.

www.rheinmetall.com


© nh@huettermannfotografie.de © Ralph Sondermann

Liebe Besucherinnen und Besucher, das Düsseldorf Festival! bezeichnet sich als bunten Playground und als offenen Ort für alle, die sich begeistern lassen möchten. Dass diese Offenheit und das spielerische Moment hohe künstlerische Qualität nicht ausschließen, zeigt das Festival auch in seiner 32. Ausgabe! Letztes Jahr fand das Festival wieder in „seinem Zelt“ am Burgplatz statt. Zwar war die Pandemie noch im Gange, aber unter Einhaltung der Bestimmungen konnte Normalität zurückgewonnen werden. Für viele Menschen waren die Veranstaltungen das erste Kultur­erlebnis nach den Beschränkungen. Dass in dieser ohnehin für die Menschen schweren Zeit ein Krieg hinzukommen würde, hätte sich keiner vorstellen können. Je herausfordernder die Zeiten werden, desto wichtiger werden die Künste! Sie verhandeln Themen gewaltlos, sind aber sehr wohl in der Lage, Gewalt sichtbar zu machen. Sie sind bildend und bewegend zugleich. Es entsteht etwas Menschliches – eine Interaktion, die im Gegensatz zum Krieg steht. Genießen Sie die ganze Fülle der Performing Arts und lassen Sie sich bewegen!

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Mitwirkende des Düsseldorf Festivals 2022 Musik und Tanz, Theater und Zirkus – diese ganz ­unterschiedlichen Genres stehen beim diesjährigen Düsseldorf Festival! auf der Agenda. Wieder einmal begeistert das Programm mit seiner großen Band­ breite und einer Vielfalt, die ausgezeichnet zu Düs­ seldorf passt. Als weltoffene, internationale und kulturaffine Stadt bietet Düsseldorf allen Kunstschaffenden und ihrem Publikum eine inspirierende Atmosphäre, in der Neues und Unkonventionelles gewagt, aber Etabliertes gleichermaßen geschätzt wird. Dieser Geist eines freiheitlichen, toleranten Zusammenlebens zeichnet die Düsseldorfer Stadtgesellschaft aus, und dies zeigt sich auch darin, dass Menschen von allen Kontinenten hier gastfreundlich, wertschätzend und mit offenen Armen begrüßt werden. Gerade in Zeiten, in denen der schreckliche Krieg in der Ukraine unsere freiheitlichen Werte bedroht, ist es wichtig, Zeichen für Frieden, für Demokratie und Diversität zu setzen. Allen Mitwirkenden, den für die Organisation Verantwortlichen und allen, die das Düsseldorf Festival! 2022 besuchen werden, danke ich dafür, dass sie sich zu diesen Werten bekennen. Ich wünsche dem Festival einen erfolgreichen Verlauf und bin sicher, dass das gemeinsame Erleben von Kultur die Stadtgesellschaft stärken und bereichern wird. Ihr

Ina Brandes

Dr. Stephan Keller

Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen

berbürgermeister der O Landeshauptstadt Düsseldorf

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Kurz Gut BACKSTAGE BÜHNENLUFT SCHNUPPERN DAS WOHNZIMMER

© JC Stone

Damit unser Festival wie geschmiert läuft, bedarf es vieler „­ unsichtbarer“ Kräfte. Also Menschen, die hinter den Kulissen für die Grundbedürfnisse ­aller Beteiligten sorgen: für gutes Essen und Trinken, aufgeräumte Garderoben, sauberes Geschirr und vieles mehr. Kochen, Backen, Putzen und Spülen übernehmen bei uns etwa 45 Ehrenamtler*innen, die sich während der Festivalzeit freiwillig und unentgeltlich auf mitunter turbulente Einsätze einlassen. Das kommunikative Herz des Festivals ist der Ort, den man profan als Mensa bezeichnen könnte, der aber viel mehr ist als nur das. Nämlich die Seele des Festivals, das Wohnzim­mer für Mitwirkende und die „Goldstücke“ genannten Helfer*innen. Constanze L ­ orentz ­bezeichnet sich selbst als die „Wohnzimmerleitung“ und organisiert in diesem Jahr erstmals 18 Köch*innen in der Ausbildung, die ihre Pflichtstunden beim Festival leisten. Die Auszubildenden lernen in der Diakonie und kochen beim Festival auf Zuruf, denn sie wissen nie, was ihnen zur Verfügung steht. Sie zaubern täglich Gerichte aus Lebensmitteln, die von Sponsoren gespendet werden. Da ist Fantasie und Flexibilität gefragt. Bis zu 400 Gerichte verlassen täglich die „Feldküche“, wie Constanze Lorentz sie nennt.

Eng verwoben mit Kunst und Kultur Die Leidenschaft für den gemeinsamen großen Moment und sinnlichen Genuss eint die Kultur mit allem, was unter den Begriff „Event“ fällt. Das Unternehmen Rent4Event ist Komplettausstatter im Bereich Nonfood-Catering von Kultur- und Sportveranstaltungen, Firmen-Events und private Festlichkeiten. Das gesamte Service-Paket bietet der Event-Dienstleister bereits seit 2012 klimaneutral an und hat die Erfahrungen der Corona-Krise für noch effizientere Abläufe genutzt. Rent4Event zählt zu den wichtigsten Unterstützern des Festivals. Obwohl selbst schwer von der Pandemie betroffen, hat das Unternehmen sein Engagement für das Düsseldorf Festival! sogar noch verstärkt.

Nachhaltig mit KOMBITICKET Nachhaltigkeit ist ein Thema von wachsender Bedeutung. Daher liegt uns Klimaneutralität besonders am Herzen, die wir mit unserem Kombiticket unterstützen und damit alle, die sich noch nicht vom 9-EuroTicket haben locken lassen, vielleicht damit von den Vorzügen des ÖPNV überzeugen: Die Eintrittskarten des Festivals gelten am jeweiligen Veranstaltungstag sowohl als Ticket für die Hin- als auch für die Rückfahrt (bis 3 Uhr morgens). Und das im gesamten Ver­ kehrsverbund Rhein-Ruhr Süd – von Brüggen bis Dortmund, von Rommerskirchen bis H ­ altern.

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Mitsteigern, Gutes tun! Wer für ausgefallene Kunst, charakteristische Designs und eine gute Sache zu h ­ aben ist, sollte sich unsere exklusive Auktion ­keineswegs entgehen lassen! Unser Projektpartner Vintage Industries lässt erneut für das Düsseldorf F ­ estival einen seiner RetroKühlschränke von einer Künstlerin individuell gestalten. Das Unikat wird während des Festivals in der Theaterbar und über die Homepage www.vintage-­industries.de/hilft präsentiert und kann er­­steigert werden. Die Einnahmen des Auktionserlöses (18.270 € waren es 2021) kommen in voller Höhe dem Düsseldorfer „KRASS e.V.“ zugute. Seit 2009 setzt sich der Verein in Deutschland und international für Kultur und Bildung von Kindern und Jugendlichen ein. Gründerin und Vereinsvorsitzende Claudia Seidensticker freut sich sehr auf die Auktion und hofft wieder auf ein gelungenes Spendenprojekt für Ihre Stiftung. Besonders froh sind die Initiatoren über die Zusage der Künstlerin Anja Koal, die das gemeinnützige Projekt unterstützen wird. Die Künstlerin studierte Freie Kunst und Malerei bei Reinhold Braun und Siegfried Anzinger an der Düsseldorfer Kunstakademie. Sie pendelt zwischen Düsseldorf und dem Hof ihrer Kindheit im Spreewald, wo sie ­Inspirationen für ihre gegenständlichen Bilder findet. Inspiration 2021

MOBIL mit Logistik-Partner Ein Festival mit vielen Gast-Künstler*innen aus dem In- und Ausland ist immer auch ein großes Logistik-Unternehmen. Die Fragen danach, wer wo abgeholt werden muss und wo rechtzeitig ankommen sollte, zählen zu den alltäglichen Herausforderungen von Planung und Organisation. Unser wichtiger Logistik-Partner GS Mobility Autovermietung unterstützt uns mit einer Flotte von je zwei Fahrzeugen und Transportern. Darüber sind wir sehr glücklich.


Wir wünschen Ihnen eine schöne Festivalzeit!

Theater

Rock | Pop | Jazz

Comedy & Kabarett

Klassik

Grüße aus der Nachbarschaft

Sonderveranstaltungen

Kino

Programminfo und Tickets unter www.monheimer-kulturwerke.de

Familienprogramm

Kita- & Schulprogramm


© Guru Dudu

Guru Dudu Silent Disco Walking Tours Schräger Stadtrundgang und After-Show-Party Mi 7.9., 19 Uhr, Do 8.9. bis Sa 10.9., jeweils 18 & 20 Uhr, So 11.9., 17 Uhr, Do 22.9. bis Sa 24.9., jeweils 18 & 20 Uhr After-Show-Partys Sa 10.9. & 24.9., jeweils 22 Uhr, Treffpunkt Burgplatz vor dem Theaterzelt

Mit freundlicher Unterstützung durch das ibis Düsseldorf City

© Guru Dudu

RHEIN DIE MUSIKALISCHE RADTOUR AM

Zu einem Stadtrundgang der besonders bewegenden Art kehrt der spirituelle Spaßvogel Guru Dudu aus Melbourne zurück zum Festival: Das Publikum ist mit Bluetooth-Kopfhörern ausgestattet und wird mit überwiegend funkiger, tanzbarer Musik aus den 1970er- bis 2000er-Jahren und überraschend komischen Kommentaren zu bekannten lokalen Sehenswürdigkeiten beschallt. So erobert der papageienbunte Guru Dudu auch in diesem Jahr wieder mit lautlosen Tänzen die Stadt. Für die rasch enthemmten Teilnehmer*innen choreografiert er ein ziemlich verrücktes Happening, irgendwo zwischen anarchischem Flashmob, improvisiertem Tanztheater und Kopfsteinpflaster-Ballett. Hinzu kommt eine Silent Disco After-Show-Party in der Theaterbar. Der Clou: Über die Kopfhörer sind für die jeweilige Lieblingsmusik zum Abtanzen drei unterschiedliche Musik­ kanäle wählbar.

11. SEPTEMBER 2022 OUR AN DER ERFT DIE MUSIKALISCHE RADT

25. SEPTEMBER 2022

Düsseldorf

Neuss

Dormagen

Monheim

Grevenbroich

KölN

WWW.MOVIMENTO-FAHRRADKONZERT.DE Gefördert durch:

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Das Konzept zu den Silent Disco Walking Tours wurde bereits 2013 von Guru Dudu entwickelt und ist inzwischen das Markenzeichen seines Ensembles aus Darsteller*innen und Moderator*innen, die auf heitere Weise die Welt bewegen wollen. Guru Dudu selbst versteht sich als engagierten Aktivator der „Lachmeridiane“, und Ermunterer von elementarer Kreativität. Dabei geht es um mehr als nur lustiges Abzappeln, sondern um eine positive Verbindung mit dem eigenen Körper und Selbstvertrauen. Und darum, auf spielerische Weise beim aktiv mitwirkenden Publikum die Unschuld eines Kindes anzuzapfen und ungeahnte Energien freizusetzen.


Düsseldorfer Schauspielhaus

Pauline Kästner, Bongile Mantsai, Wolfgang Michalek. Foto: Thomas Rabsch

Schauspiel — Junges Schauspiel — Stadt:Kollektiv

Othello

— von William Shakespeare — ab 2. September im Schauspielhaus

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Konzerte Andreaskirche Die markante Barockkirche aus dem 17. Jahrhundert mit ihrer hervor­ ragenden Beckerath-Orgel ist eine Oase der Ruhe in der b ­ rodelnden Altstadt und bietet einen stimmungsvollen Rahmen für das festliche ­Eröffnungskonzert, das beliebte Format Mundart trifft Musik und die Reihe Sonntagsorgel am Sonntagnachmittag.

Lobgesang St. Andreas Kirche

©Piotr Kwapisz

Do 8.9. & Fr 9.9., jeweils 19.30 Uhr, Kirche St. Andreas Spieldauer: 90 Minuten ohne Pause

Programm Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) Sonate für Orgel Nr. 1 in f-Moll, op. 65 I. Allegro II. Adagio Salve Regina, für Sopran und Streich-Orchester, MWV C2 Sonate für Orgel Nr. 1 in f-Moll, op. 65 III. Andante recitativo IV. Allegro assai vivace Symphonie Nr. 2, B-Dur, op. 52 („Lobgesang“) Heidi Elisabeth Meier Sopran I Anna Katharina Wolf Sopran II Wolfgang Klose Tenor Frank Volke Orgel Chor und Orchester der Andreaskirche Martin Fratz Dirigent

Von 1833 bis 1835 war Felix Mendelssohn Bartholdy Düsseldorfer Musikdirektor. Ein historischer Glücksfall, der in der Stadt erst in den letzten Jahren wieder angemessen gewürdigt wird. Mendelssohns Zeit in Düsseldorf als Musikdirektor währte zwar nur kurz, aber sein Wirken war äußerst nachhaltig für das Musikleben der Stadt, außerdem war der Charismatiker bei den Bürgern überaus beliebt. Der Chor der Andreaskirche hat sich in seiner über 50-jährigen Geschichte nahezu alle großen Werke der sakralen Chorliteratur erarbeitet, von Bachs h-Moll-Messe bis zum Brahms-Requiem, aber ausgerechnet das Chorwerk Mendelssohns wurde bislang vernachlässigt. Mit dem Konzert in der Andreaskirche schließt der Chor nun diese Lücke: Im Zentrum des Programms steht Mendelssohns 2. Sinfonie mit dem Beinamen „Lobgesang“, eine erste selbstbewusste Auseinandersetzung mit Beethovens berühmter „Neunter“. Denn vor Mendelssohn und lange nach ihm hat niemand gewagt, die Beethoven’sche Formidee der Verschmelzung von Symphonie mit Chor- und Solistengesang wieder aufzugreifen. Gedacht war Opus 52 als Festmusik zur Vierhundertjahrfeier der Erfindung des Buchdrucks. Mendelssohn feiert damit in schönstem Optimismus der Aufklärung den Sieg des menschlichen Geistes über die Finsternis der Unbildung. Vor dem „Lobgesang“ singt Heidi Elisabeth Meier Mendelssohns „Salve Regina“ und Frank Volke spielt zwei Orgelsonaten aus der Feder des kurzzeitigen Düsseldorfer Musikdirektors. Mit freundlicher Unterstützung von Aengevelt Immobilien, Ernst und H ­ eidi ­Lamers, Hausmann Bauregie, Münstermann Verwaltung und der Kirche St. ­Andreas

Gefördert durch die Initiative Musik im Rahmen von Neustart Kultur aus ­Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien

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Musik

So 11.9., 16 Uhr, Kirche St. Andreas Was so wunderbar lautmalerisch klingt, darf nicht aussterben. Deshalb sprechen und singen die Geschwister Oxenfort Düsseldorfer Mundart. Ältere und neuere T ­ exte – von Heike Beckmann einfühlsam vertont – verführen zum S ­ chmunzeln oder treiben die „Tränches en de Ooge“. Seit Jahrzehnten stehen die Schwestern Chris­tiane Oxenfort, Flötistin und I­ntendantin des Düsseldorf Festival! und Barbara Oxenfort, Gastgeberin Brasserie Stadthaus und Jazzsängerin auf Düsseldorfs Bühnen. Mit Ben Papst, Gitarrist, Sänger, Songschreiber und Inhaber der Gitarrenakademie Düsseldorf, haben die Schwestern einen Bruder im Geiste gefunden, der dem Projekt einen erfrischenden „Unplugged“-Stempel aufdrückt. Sie werden unterstützt vom Saxofonisten Romano Schubert und dem Gitarristen Arturo Castro Nogueras, mit dem sie g ­ emeinsam einen berühmten lateinamerikanischen Song anstimmen. Zwischen den Musikstücken lesen Monika Voss, Hanne Cernak u.a. Texte auf Düsseldorfer Mundart.

So 25.9., 16 Uhr, Kirche St. Andreas Frank Volke ist mit der Beckerath-Orgel der Andreaskirche bestens vertraut, denn er arbeitete als Kirchenmusiker nicht weniger als 23 Jahre an der ehemaligen Hofkirche St. Andreas in der Düsseldorfer Altstadt. Daneben ist er als freier Musiker und Dozent tätig und seit langen Jahren Stammgast beim Festival. Diesmal spielt er Modest Mussorgskys berühmtestes Werk, die „Bilder e ­ iner Ausstellung“ in einer eigenen Bearbeitung für Orgel. Dann folgen Chansons von Edward Elgar und Charles Ives’ „Variations on America“. Frank Volke Orgel und Klavier

Christo und Jeanne-Claude, L‘Arc de Triomphe, Wrapped, Paris, 1961-2021 © Christo and Jeanne-Claude Foundation/VG Bild-Kunst, Bonn, 2022, Foto: Wolfgang Volz

Mundart

SONNTAGSORGEL

Die Geschwister Oxenfort Gesang Ben Papst Gitarre Arturo Castro Nogueras Gitarre Romano Schubert Saxofon

SONNTAGSORGEL So 18.9., 16 Uhr, Kirche St. Andreas Christiane Morys und Ben-David Ungermann beschäftigen sich intensiv mit vierhändiger Klavier- und Orgelliteratur und debütierten als Duo im November 2020. Beide studierten Kirchenmusik und sind in Hochdahl tätig, treten aber auch in Konzerten auf. In der Andreaskirche spielen sie ein gemischtes Programm mit weltlichen und geistlichen Werken. Ein Schwerpunkt liegt auf Tänzen: lateinamerikanische von Thomas A. Johnson, russische von Serge Bortkiewicz und spanische von Moritz Moszkowski. Ein weiterer Fokus liegt auf Werken Johann Sebastian Bachs, es erklingen die „Sinfonia“ aus dem „Actus Tragicus“, „Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr“ und schließlich eine Serenade von Wolfgang Amadeus Mozart. Christiane Morys Klavier Ben-David Ungermann Klavier

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Alle Sonntagskonzerte bei freiem Eintritt, Spenden erbeten 11


Sacre © Justin Ma

opfer Sacre – circa Live-Deutsch­land­premiere

Stefan Keim

Die australische Kompagnie ­Circa zeigt eine beeindruckende ­Ver­sion von S ­ trawinskys „Sacre“

Mi 7.9. – Fr 9.9., jeweils 20 Uhr, ­Theaterzelt, Burgplatz Spieldauer: ca. 65 Minuten ohne Pause

Created by Yaron Lifschitz and the C ­ irca E ­ nsemble

Inszenierung Yaron Lifschitz Künstlerische Leitung / Regie Philippe Bachman & Igor Stravinsky Musik Veronique Benett Lichtdesign Libby McDonnell Kostümdesign Jason Organ Technische Leitung Danielle Kellie Produktion Le sacre du printemps von Igor Strawinsky wird mit Genehmigung von Boosey & Hawkes Music Publi­ shers London verwendet.

On stage Francisco Alvarez Jara, Jon Bonaventura, M ­ artin Evans, Nancy Gutierrez, Samuel Letch, Hamish McCourty, Daniel O’Brien, Kimberley Rossi, ­Violetta Van Geyzel, Georgia Webb

Production Bryce Holmes & Laura Patterson ­Produktions­leitung / Production Manager Geordie Brookman Tour Director Djoeneuth Dacquin Technik Wolfgang Hoffmann / Aurora Nova ­Internationale Repräsentation Im Auftrag der Merrigong Theatre Company in Koproduktion mit La Comete Circa dankt der australischen Regierung für die ­Unterstützung durch den Australia Council, der für die Finanzierung und Beratung von Kunst zuständig ist, und der Regierung von Queensland durch Arts Queensland.

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Die Bühne ist schwarz und leer, ein Licht fällt von oben. Einfacher geht es nicht. Das ist natürlich schon ein Statement. „Es gibt nur ein Licht, nichts drum herum“, sagt Regisseur Yaron Lifschitz. „Es geht nur um Körper, Licht und Klang, nichts anderes.“ Die Kompagnie Circa hat sich eins der wichtigsten Werke der Theater- und Musikgeschichte ausgesucht, Igor Strawinskys 1913 uraufgeführte Ballettmusik „Le Sacre du Printemps“. Einer der wildesten Skandale aller Zeiten, ein Stück der Wende. Mit seinen scharfen, dissonanten Einwürfen elektrisierte es einen Teil des Publikums, der andere reagierte mit wütender Ablehnung. Für Circa ist die Auseinandersetzung mit großen Werken nichts Außergewöhnliches. Die 2004 im australischen Brisbane gegründete Gruppe hat sich schon mit Beethovens Neunter, Mozarts „Zauberflöte“ und der TangoOper „Maria de Buenos Aires“ von Astor Piazzolla beschäftigt. Zuletzt mit italienischem Barock. Yaron Lifschitz legt allerdings Wert auf die Aussage: „Wir haben viele Stücke mit klassischer Musik gemacht, sind aber nicht der Klassik-Zirkus. Wir haben auch eine Menge Shows mit anderer Musik.“ Das zeigt ein Blick auf die Webseite. Neben den genannten Aufführungen ist da auch eine Shaun-das-SchafZirkusshow zu finden, die letztes Jahr Uraufführung hatte. Oder „Circa’s Peepshow“, die auch bizarre Schönheit zu

bieten hat. Und bei Weitem nicht alle Produktionen stehen auch auf der Seite, nur die, die auch auf Tour gehen. „Einige Shows sind nur für einige Vorstellungen an dem speziellen Ort gedacht“, sagt Lifschitz. Die Ensemblekompagnie mit 25 fest angestellten Artistinnen und Artisten ist eine gut geölte Produktionsmaschine. Nun also Strawinsky. „Le Sacre du Printemps“ ist eine heidnische Feier. „Alte angesehene Männer sitzen im Kreis“, so beschrieb es der Komponist selbst, „und schauen dem Todestanz eines jungen Mädchens zu, das zufällig ausgewählt wurde und geopfert werden soll, um den Gott des Frühlings günstig zu stimmen.“ Mit naiven Bildern hat Sergei Djaghilew die Uraufführung inszeniert, was den Skandal begünstigte. Strawinsky selbst nahm später Abstand von dieser Interpretation. Seitdem gab es unzählige weitere Choreografien bis hin zu Walt Disneys Zeichentrickfilm „Fantasia“, in dem die Musik Bilder der Entstehung der Welt und der Dinosaurier begleitet. Und bei der Ruhrtriennale gab es vor einigen Jahren eine Fassung von Romeo Castellucci als Maschinenballett. Hinter einer durchsichtigen Wand drehten sie sich, fuhren auf Schienen, kippten und wackelten. Im Takt der Musik fiel weißer Staub aus ihnen, Knochenmehl von Kühen. Yaron Lifschitz hat einen ganz klaren Favoriten unter den vielen Inszenie-


„ Ich hatte nicht wirklich Lust darauf, das Stück mit einer ­toten Frau auf der Bühne zu beenden. Ich wollte mehr von dem Trieb ­erzählen, dass anscheinend ­jemand aus einer Gruppe geopfert ­werden soll.“ „Ich habe das Stück vorher schon choreografiert, live begleitet auf zwei Klavieren. Für die Tour haben wir uns für vorproduzierte Musik entschieden.“ Die Kombination mit einem anderen bekannten Stück aus der klassischen Musik kam ihm nicht passend vor. Logisch, denn Strawinskys „Sacre“ ist wahrhaftig einzigartig. Lifschitz dachte über Stille nach, die eine große Spannung erzeugt hätte. Weil jeder darauf wartet, wann das berühmte Fagott einsetzt. Das hätte vielleicht die Aufmerksamkeit vom Tanz weggenommen. „Dann haben wir uns für ein Stück entschieden, das zwar nicht klassisch ist, aber auf ,Sacre du Printemps‘ hinführt.“ Bleibt das Problem des Frauenopfers, das nicht mehr zeitgemäß wirkt. Wer „Sacre“ auf die Bühne bringt, setzt sich damit auseinander. Der Österreicher Bernhard Gander hat sogar eine Fortsetzung geschrieben, „Take Death“, in der die geopferte Frau aus der Unterwelt zurückkommt und Rache nimmt. Bei Yaron Lifschitz allerdings muss sie gar nicht erst sterben. „Spoileralarm“, ruft er, als er danach gefragt wird und verrät dann: „Es gibt einen Moment, in

dem etwas wie ein Opfer passiert. Aber es gibt ja viele Geschichten, in denen der zu opfernde Mensch gar nicht da ist. Dass ein Gott ihn im letzten Moment verbirgt zum Beispiel. Und ich hatte nicht wirklich Lust darauf, das Stück mit einer toten Frau auf der Bühne zu beenden. Ich wollte mehr von dem Trieb erzählen, dass anscheinend jemand aus einer Gruppe geopfert werden soll.“ In Circas „Sacre“ sind Frauen und Männer absolut gleichberechtigt. Auch wenn sie sich gegenseitig über die Bühne tragen, sind nicht immer die meist leichteren Frauen oben. Sie stemmen auch schon mal die Herren in die Luft. Das zehnköpfige Ensemble präsentiert ein Gesellschaftsbild. Es gibt einen Tanz eines bürgerlichen Paares, sie im Abendkleid, er im Anzug. Doch schnell wird es kreatürlich, wild, kämpferisch. Und immer wieder schlagen die Bil-

der die Brücke zur Natur. Da bildet das Ensemble zum Beispiel einen großen Baum mit Ästen, der wie ein Urbaum aus einem Mythos wirkt. Das alles geschieht assoziativ, gleichwohl keinesfalls unpolitisch. „Das Theater ist ein sicherer Ort, um gefährliche Dinge zu tun“, sagt Yaron Lifschitz. „Große Geschichten wiederzubeleben, ist eine unserer Hauptaufgaben. Aber nicht, indem wir alle Einzelheiten nacherzählen. Das können andere Kunstformen besser. Zirkus ist besonders gut darin, den Herzschlag zu steigern, sinnlich zu erzählen, dramatische Situationen zu zeigen.“ Pause. Dann folgt der Satz: „Ich interessiere mich für Erfahrungen, die Poesie liegt in der Reflexion der großen Geschichten.“ Lifschitz wurde 1970 in Südafrika geboren, als Kind jüdischer Eltern aus Osteuropa. Mit elf Jahren kam er nach

© Pedro Greig

rungen des „Sacre“: „Die Aufführung von Pina Bausch ist meiner Ansicht nach die grundlegende Interpretation des Stücks für unsere Zeit. Sie behandelt Sexualität, Politik, Geschlechterrollen, direkt dargestellte Gewalt. In der Akrobatik geht es immer um Lebensgefahr. Das verbindet sich mit dieser Musik in aufregender Weise und immer wieder überraschend.“ Die Aufführung beginnt allerdings mit anderer Musik, einem grummelnden Soundtrack von Philippe Bachman. „Strawinskys Stück dauert 35 Minuten und ist einfach zu kurz für einen kompletten Abend“, erläutert Yaron Lifschitz.

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Sponsoren: Rent4Event, events+deco, rieger catering, Set Jet, Weingut Metzger, H ­ aaner Felsenquelle, Brauerei Schumacher, Getränke Doppstadt, Sincalco, Thomas Henry, W ­ arsteiner (7.9. und 9.9.), Art Invest Real Estate (8.9.)

Gefördert vom Ministerium für Kultur und ­Wissenschaft des Landes NRW

dahinter ist Offenheit. Circa ist ein Zirkus, der schon auch einzelne Nummern integriert, aber sie kombiniert, vermischt und so Theater entstehen lässt, eine Kunstform, die eben nicht mehr eindeutig ist.

„ Wir untersuchen, was Zirkus sein kann, in v­ öllig unterschied­ licher Weise.“ Yaron Lifschitz inszeniert zwar nicht alle Stücke von Circa, aber die meisten. Wenn er davon erzählt, klingt er unermüdlich. Nach dem Interview saust er gleich zum Flughafen. Die nächste Show choreografiert er zu Hause in Australien, die übernächste in Riga, gerade war er noch in Schweden. Manchmal engagiert Circa Gastkünstler, die neue Impulse geben, doch der Kern besteht aus der Arbeit mit dem eigenen Ensemble. „Wir untersuchen“, sagt Yaron Lifschitz, „was Zirkus sein kann in völlig unterschiedlicher Weise.“

© Justin Ma

Mit freundlicher Unterstützung durch das ­IntercityHotel Düsseldorf

Australien. Seine künstlerische Karriere begann ganz klassisch mit einem Regiestudium in Sydney. „Ich bin eigentlich Theaterregisseur“, erzählt er, „und fand heraus, dass ich Stücke nicht gern mag. Das ist für einen Theaterregisseur ein Problem. Ich war aber fasziniert von dem Erlebnis einer Aufführung, und so kam ich zum Zirkus und bin immer noch da.“ Manche seiner Inszenierungen sind Aufträge, viele beruhen auf Werken der klassischen Literatur, aber längst nicht alle. „Manchmal hat man eine gute Idee, aber oft sitzen wir auch alle in einem Raum zusammen und dann ist eine Inspiration entstanden.“ Circa – der Name der Kompagnie hat etwas Schillerndes. „Er hat den gleichen Wortstamm wie Zirkus“, reflektiert Lifschitz. „Es geht um den Kreis, etwas Rundes, auch um die Bewegung. Wir touren, sind immer in Bewegung, wir zirkulieren sozusagen.“ Und dann bedeutet circa im Englischen wie im Deutschen etwas Ungefähres, das man nicht konkret in einer Zahl festmachen kann. Natürlich sieht man auf der Bühne absolute Präzision, sonst würde die Artistik nicht funktionieren. Aber der Geist

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Zurücklehnen und Podcasts genießen

KENNEN SIE SCHON UNSERE PODCASTS? Wir bieten jede Menge Nachrichten, Hintergründe, Analysen und Diskussionen zum Hören an – und das kostenfrei: Aufwacher Täglicher Nachrichten-Podcast mit den wichtigsten Themen und Hintergründen aus NRW Rheinpegel Düsseldorf-Podcast mit Themen, die die NRW-Landeshauptstadt bewegen Fohlenfutter Fußball-Podcast, jede Woche eine Halbzeit rund um Borussia Mönchengladbach Gründerzeit Start-up-Podcast mit spannenden Erfolgsgeschichten aus der Start-up-Szene Tonspur Wissen Endlich Nachrichten verstehen mit dem Wissen(schafts)-Podcast mit Ursula Weidenfeld

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Verehrung © Tamás Réthey-Prikkel

­ ukrainische Kultur My Land – Recirquel Sa 10.9., 18 & 20 Uhr, ­ Theaterzelt, Burgplatz Spieldauer: 60 Minuten ohne Pause

Stefan Keim

© Tamás Réthey-Prikkel

Das Stück „My Land“ der ungarisch-ukraini­ schen Kompagnie ­Recirquel ist schon vor dem ­russischen Angriff entstanden. Es geht um mehr als ein politisches ­Statement.

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Eine Frau betritt die Bühne. Ihr Blick ist in die Ferne gerichtet, auf ein unsichtbares Ziel. Plötzlich lässt sie sich zu Boden fallen, greift in den Sand, mit dem die Bühne bedeckt ist. Dann verschwindet sie wieder, in die Dunkelheit. Es ist die Akrobatin Yevgeniya Obolonina. Sie wohnt in Kiew, kommt aus der Ukraine, wie das gesamte siebenköpfige Ensemble von „My Land“. Bei Aufführungen des Stücks nach Beginn des russischen Angriffskrieges haben viele Menschen im Publikum schon nach dieser Szene geweint. Weil sie wie ein Kommentar zur aktuellen Lage wirkt. Dabei entstand das Stück schon 2018. Rückblende in die Entstehungszeit. Die Kompagnie Recirquel hat sich seit ihrer Gründung 2012 international einen Namen gemacht. Mit dem dritten Stück „Non solus“ ist Regisseur und Choreograf Bence Vági ein großer Schritt gelungen in der Vereinigung der Kunstformen Zirkus und Ballett. „Cirque danse“ – Zirkustanz – unter dieser Bezeichnung wird er weiterarbeiten. Es kommt ein gewaltiger Auftrag. Bence Vági inszeniert die Abschlusszeremonie der Schwimm-Weltmeisterschaft 2017 in Budapest. Ein Riesenevent mit über 200 Zirkuskünstlerinnen und -künstlern. In diesem Rahmen gibt es eine Begegnung, die Folgen hat. Bence Vági spricht lange und intensiv mit Andrii Spartar, einem einzigartigen Künstler der Handbalance. Sie reden über die Ukraine, seine starke Verbindung zur Heimat und zur Erde. Daraus entsteht ein kurzes Stück für eine kleinere Bühne, die mit Erde bedeckt war. „Am Ende

haben wir beide verstanden“, erzählt Bence Vági“, „dass in dieser Idee noch viel mehr steckt.“ Stopp. Die Geschichte geht gleich weiter. Und natürlich führt sie zu „My Land“. Doch wir sollten kurz innehalten. Denn wie kommt es überhaupt dazu, dass bei so einer Megaproduktion Zeit für so eine intensive Begegnung ist? Es ist ja schon eine große Leistung, den Laden zusammenzuhalten und die Show punktgenau abzuliefern. Aber so arbeitet Bence Vági nicht. „Ich möchte einen Künstler genau kennenlernen“, erzählt er. „Es kann mehrere Jahre dauern, bis man unter die Oberfläche gedrungen ist. Auch wenn man schon lange zu-

„ Wenn man sechs Wochen Proben hat und dann auf Tour geht, bezweifle ich, dass die Arbeit w ­ irklich Tiefe ­entwickelt.“ sammengearbeitet hat, gibt es oft noch viel zu entdecken.“ Deshalb wechselt er das Ensemble nicht von Stück zu Stück, sondern arbeitet über viele Jahre hinweg mit den gleichen Menschen zusammen. Und deshalb jagt er auch nicht eine Show nach der nächsten raus, auch wenn die Aufträge dafür da sind. „Wenn man sechs Wochen Proben hat und dann auf Tour geht, bezweifle ich, dass die Arbeit wirklich Tiefe entwickelt.“


Bence Vági Künstlerische Leitung, Choreo­grafie, Regie Krisztián Kristóf Zirkus Fachberater Illés Renátó & Gábor Zsíros Künstlerische ­Berater Edina Mókus Szirtes & Gábor (Fiddler) Terjék ­Musik Miklós Both Volksmusik József Pető, Attila Lenzsér Lichtdesign Emese Kasza Kostüm Tímea Kinga Maday Assistenz des Choreografen Zsolt Tárnok Designingenieur Tamás Vladár Technische Leitung Aliz Schlecht Regieassistenz

On Stage Yevheniia Obolonina, Andrii Maslov, Sergii Materynskyi, Andrii Pysiura, Mykola Pysiura, R ­ oman Khafizov, Andrii Spatar

Tiefe – darum geht es Bence Vági. Er spricht oft von Pina Bausch, von ihrer Leistung, das Tanztheater in seiner heutigen Form zu entwickeln. Von den langen Recherchen, die nötig waren, um außergewöhnliche, einzigartige Stücke zu schaffen. Und um ein Vertrauen zu entwickeln, das künstlerische Freiheit erst ermöglicht. „Du bringst dein Leben in Gefahr“, sagt der Regisseur, „und musst diese Gefahr für deinen Körper vergessen, um einen Charakter zu zeigen. Das ist ein sehr langer Prozess. An „My Land“ haben wir fünf, sechs Monate probiert. Und die Recherche als Vorbereitung kommt noch dazu. Nun geht es weiter mit der Entstehung von „My Land“. Mit Andrii Spartar reist Bence Vági nach Kiew: „Wir haben junge Künstlerinnen und Künstler gesucht, die ihre Verbundenheit mit ihrer Heimat ausdrücken wollten.“ Das ist für viele ein ungewöhnlicher Gedanke. Denn in der Ukraine ist ebenso wie in Russland und China die klassische Zirkusausbildung sehr stark. Die spätere Tätigkeit scheint vorgezeichnet. „Oft werden sie in Varietéshows gesteckt“, erzählt Bence Vági, „zeigen tolle Nummern, es gibt viel Applaus. Aber ein Ballettzirkus ist etwas völlig anderes, hier können sie sich selbst ausdrücken.“ Es fanden sich einige ukrainische Künstlerinnen und Künstler, die nicht nur ihre Virtuosität, sondern sich selbst zeigen wollen, die von ihrer Verbindung zur Heimat erzählen. Die Arbeit beginnt

für viele von ihnen sehr ungewohnt. Natürlich trainieren sie, das geht ja nicht anders, aber sie geben auch wochenlang Interviews, die aufgezeichnet werden. Sie erzählen von ihrer Kindheit, von den Regionen, in denen sie aufgewachsen sind. „Daraus haben wir unsere Geschichten gewonnen“, sagt Bence Vági, „Geschichten von Brüdern, von Müttern, von verschiedenen Religionen.“ Eins war ihm allerdings klar: Es sollte auf keinen Fall eine folkloristische Geschichte werden. Es gibt zwar Musik aus der Ukraine und aus Moldawien, aber keine historischen Kostüme. Es gibt Zwillinge im Ensemble, Andrii und Mykola Pysiura. Zwillinge haben eine besondere Verbindung. Das wird noch verstärkt, wenn sie ein unglaubliches Akrobatenduo sind, zum Beispiel im Kopfstand auf dem Kopf des Bruders. Ihre Auftritte lösen ganz unterschiedliche Fantasien aus. Sie selbst, erzählt Bence Vági, haben darüber nachgedacht, wie sich Körper und Seele verbinden. Und sie haben die Rollen aufgeteilt. Einer ist der Körper, der andere die Seele. „Für mich haben sie allerdings auch etwas von Kain und Abel“, sagt Bence Vági, „Einer betrügt den anderen.“ Diese beiden Deutungen nebeneinander bestehen zu lassen, ist für den Choreografen kein Problem. Im Gegenteil, es ist Grundlage seiner Arbeit: „Wir gehen zu der Basis der Geschichten, fragen, was sie im Kern bedeuten. Das kann für Menschen aus verschiedenen Hintergründen ganz unterschiedlich sein. Ich liebe es als Regisseur, wenn je-

der und jede im Publikum sich sein eigenes Gedicht darauf macht, was er oder sie sieht. Ich möchte niemandem vorgeben, was er zu denken hat.“ Deshalb ist auch die sandbedeckte Bühne eher neutral. Das Publikum soll sich auf die Geschichten selbst konzentrieren, auf die Körper, die Bilder, die Eindrücke. „Für mich könnte es jede Wüste auf dieser Welt sein“, sagt Bence Vági. „Ein mythischer Ort, an dem alles spielen könnte. Wenn wir mit dem Stück durch die Welt getourt sind, haben viele Zuschauerinnen und Zuschauer an ihre eigene Heimat gedacht. Da geht es um den ganzen Planeten, um jeden Ort, der für einen Menschen Heimat bedeutet.“ „Und dann veränderte sich alles durch den Krieg“, sagt Bence Vági. Und meint damit ganz verschiedene Dinge. Zunächst einmal hatte der russische Angriff natürlich heftige Auswirkungen auf das Ensemble. „Frau und Kind eines Ensemblemitglieds waren auf der Straße und suchten nach ­Benzin, um zu fliehen“, berichtet Bence Vági. „Die Mutter eines anderen weigerte sich, aus ihrer Wohnung im neunten Stock eines Gebäudes zu kommen, das unter Beschuss war. Da gab es viel Angst und Unsicherheit.“ Das Ensemble war auf Tour und hat sich entschieden, weiter die Aufführungen zu spielen. Sie wollen die ukrainische Kultur zeigen, ein positives Bild ihrer Heimat vermitteln. Das Publikum hat die Aufführung sofort als politisches Statement begriffen. Das Bild der blonden Frau zu Beginn, die späteren Kriegsszenen, in

© Tamás Réthey-Prikkel

Inszenierung

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Sponsoren: Fortin Mühlenwerke GmbH & Co. KG (18 Uhr), Amand Unternehmensgruppe (20 Uhr)

© Tamás Réthey-Prikkel

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„ Wir hatten das Stück schon 250-mal überall auf der Welt gespielt. Nun hatte es sich verändert.“ Journalisten haben ihn gefragt, ob er irgendwie die Zukunft vorhergesehen habe. Er hat ein Stück inszeniert, das die Gefühlslage heute auf den Punkt trifft. Die Emotionen des Publikums sind oft unfassbar. Was Bence Vági nicht nur freut. „Ich war schockiert“, sagt er. „Wir hatten das Stück schon 250-mal überall auf der Welt gespielt. Nun hatte es sich verändert.“

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Schockiert? Warum? Die meisten Theaterschaffenden wollen ihr Publikum so berühren, wie es Bence Vági und seinem Ensemble nun gelingt. Die Antwort: „Ich würde niemals politisches Theater machen. Ich bewege mich gern in zeitlosen Sphären und beschäftige mich nicht mit den tagesaktuellen Nachrichten.“ Anders ausgedrückt: Bence Vági möchte, dass „My Land“ wieder als das wahrgenommen wird, was es ist. Eine Hymne auf die Schönheit der ukrainischen Kultur. Ohne Putin im Hinterkopf. „Für mich ging es um eine simple Verehrung der Menschen in der Ukraine. Ich verehre aber auch Menschen aus Russland oder der Mongolei. Ich bin ein kosmopolitischer Mensch. Ich habe einfach Menschen aus der Ukraine kennengelernt. Kiew war nicht weit, ich konnte hinfahren, so kam das Stück zustande, ganz einfach.“

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­ enen Menschen um ihr Land ­kämpfen. d „Das war immer so in der G ­ eschichte“, sagt Bence Vági, „aber natürlich asso­ ziiert man das jetzt mit dem Krieg.“

Doch natürlich gehört es ebenso zu seinem künstlerischen Credo, dass jede Zuschauerin und jeder Zuschauer sein eigenes Erlebnis mit nach Hause nimmt. Das kann und will Bence Vági nicht verhindern, im Gegenteil. Neben zehn Künstlerinnen und Künstlern aus Ungarn gibt es also nun bei „Recirquel“ ein ukrainisches Team, das fest engagiert ist. Die meisten von ihnen sind inzwischen nach Budapest gezogen. Einige haben Verwandte in Deutschland, Spanien und Portugal. Sie sind dort, wenn sie nicht auf Tour gehen und warten ab, was in ihrer Heimat passiert. Sie kämpfen mit ihren Mitteln darum, dass niemand die Ukraine vergisst. Mit den Mitteln der Kunst und der Schönheit.

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© Christiane Keller

der Rose Ein Hör-Abend mit Wolfram Goertz

So 11.9. & Mo 12.9., jeweils 19.30 Uhr, Neanderkirche Spieldauer: 120 Minuten ohne Pause

Als Musikredakteur der Rheinischen Post ist Wolfram Goertz eine Institution des Düsseldorfer Musiklebens. Seit 2009 tritt er alljährlich beim Düsseldorf Festival! mit seinen Hör-Abenden auf, die längst legendär und stets heiß begehrt sind. Im Laufe der Jahre habe sich das Konzept geschärft, sagt Goertz, der beim ersten Mal mit seinen Lieblingseinspielungen von Werken Haydns, Händels und Mendelssohns noch durchgehend in der Klassik blieb. Aber bereits bei dem Programm ­„Unsterbliche Stimmen“ mischte sich Paul Simon vom berühmten Folk-Rock-Duo Simon & Garfunkel unter Klassik-Stars wie Maria Callas. Seither mischt Goertz munter und, wie er sagt, „möglichst unerwartbar“ die Genres. „Das Publikum soll ins kalte Wasser springen“ wünscht Goertz sich, „es geht darum, gründlich über den Tellerrand zu gucken. Und ja kein sorten­

reines Programm!“ Seine brandneue Auswahl musikalischer Schätze heißt „Im Namen der Rose“. Der Titel führt aber eher in die Irre, denn die Musikauswahl kreist nicht um den BestsellerRoman von Umberto Eco und die noch berühmtere Verfilmung, sondern schweift auf den Spuren der Königin der Blumen wie immer kreuz und quer durch die Musikgeschichte – von Nigel Kennedy zu Roxette, von Mozart zu Keith Jarrett, von Heinrich Heine zur Spider Murphy Gang, von Richard Strauss zu dänischer Folklore. Es werden legendäre Klassik-Aufnahmen gespielt, aber es gibt auch Ausflüge in den Jazz, zum Schlager und in die Popmusik. Besungen werden rote R ­ osen, silberne Rosen werden überreicht, gefeiert werden Blüten und tanzende Blumen. Unter dem Motto „Betreutes Hören“ ist große Emotion garantiert, Heiterkeit nicht ausgeschlossen. Mit freundlicher Unterstützung der N ­ eanderkirche

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Max Florian Kühlem

Tempo, Tempo! Fixi & Nicolas Giraud Deutschland­premiere So 11.9., 20 Uhr, Theaterzelt, Burgplatz Spieldauer: 75 Minuten ohne Pause

Es gibt sehr, sehr wenige Schlagzeuger, die man schon nach wenigen Sekunden aus einem Musik­stück heraushört und erkennt. Tony Allen ist e ­ iner davon. Zwei Musiker aus seiner Band, Fixi und N ­ icolas Giraud, vollbringen mit dem Abend „­ Tempo, Tempo! Eine Tony-Allen-­Feier“ das Kunststück, seinen besonderen Sound auf die Bühne zu bringen – und den im April 2020 gestorbenen Schlagzeuger sogar virtuell dabei zu haben.

„Tempo, Tempo!“

© Frank Loriou

­Tony-Allen-Feier

FIXI, Nicolas Giraud Komposition François-Xavier Guinnepain Lichtdesign Charline De Cayeux Soundingenieur

On stage Nicolas Giraud Bass, Flügelhorn FIXI Akkordeon, Piano Djeudjoah Gesang Maïa Barouh Gesang, Querflöte Eine La-Familia-Produktion Koproduktion: La Bouche d’Air (Nantes)

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2008, als das Düsseldorf Festival! noch Altstadtherbst hieß, war der aus Nigeria stammende Tony Allen erstmalig selbst zu Gast im Zelt auf dem Burgplatz. Damals mit Seun Kuti. 2012, dem ersten Jahr des Düsseldorf Festivals, sogar ein zweites Mal. Da gelang es ihm, mit einer relativ kleinen Besetzung den Geist des Afrobeat lebendig werden zu lassen. „The beat is me“, hat er vorher im Interview gesagt, „der Beat bin ich“. Damit meinte er, dass die Musikrichtung Afrobeat, die er seit Ende der 1960er-Jahre zusammen mit Fela Kuti in dessen Band Africa ’70 entwickelte und die afrikanischen Pop mit amerikanisch-europäischem Jazz und Funk verschmolz, auf seinem Rhythmus basiert, seinem charakteristischen Schlagzeugstil. Der französische Akkordeonist Fixi, der eigentlich FrancoisXavier Bossard heißt, Tony Allen 1997 kennenlernte und lange Jahre mit ihm aufgetreten ist, versucht, diesen Stil zu beschreiben: „Er macht an vielen Stellen das Gegenteil von dem, was andere Schlagzeuger tun. Wenn er übt, ist das wie eine Meditation. Er spielt nicht mit der großen Energie und Kraft eines Rock-Schlagzeugers, sondern eher sanft, fast streichelnd. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass er nach einer Armverletzung in bestimmten Stellungen immer Schmerzen hatte und so spielen musste, dass es für ihn angenehm ist.“ Als Fixi Tony Allen kennenlernte, war er kein großer Star, in Europa kaum mehr bekannt. Er trat in kleinen Clubs auf, suchte ein Studio für neue Aufnahmen. Anfang der 2000er g ­ eschahen dann viele Dinge gleichzeitig, die ihn wieder auf die weltweite Landkarte der Popmusik katapultierten: Mit dem Album „Lagos No Shaking“ kehrte er nach Avantgarde-Ausflügen zurück zu seinen Afrobeat-Wurzeln, zusammen mit Damon Albarn von Blur spielte er in der Supergroup The Good, the Bad & the Queen und später nahm er in einem Ensemble um den Bassisten der Red Hot Chili Peppers, Flea, das Album „Rocket Juice & The Moon“ auf. Als er 2012 nach Düsseldorf kam, war er zumindest bei einem Publikum, das ein klein wenig über den Tellerrand des westlichen Pops schaut, eine Berühmtheit, und arbeitete bis kurz vor seinem Tod unermüdlich an neuen Live- und Studio-Projekten.


Eins davon sollte zusammen mit dem Akkordeonisten Fixi und dem Trompeter Nicolas Giraud (eine Bläser-Sektion ist für Afrobeat unerlässlich) stattfinden. Doch leider kam es nicht mehr dazu, weil Tony Allen mit 79 Jahren in Paris starb. „Bis heute fühle ich eine starke Verbindung zu ihm“, sagt Fixi. „Ich erinnere mich gut an ein Konzert in Prag, als er mich ganz am Ende der Bandvorstellung erwähnte: ‚Fixi ist wie ein Teil meiner Familie.‘ “ „Tony Allen wollte seine Musik verbreiten. Er wollte, dass Menschen Musik rund um sein Schlagzeugspiel kreieren“, weiß Fixi, „deshalb gibt es viele Aufnahmen von ihm, die man einfach im Internet finden und nutzen kann.“ Rund um diese Aufnahmen erfanden die beiden Franzosen also neue Stücke – und deshalb ist Tony Allen auf der Bühne immer irgendwie dabei: Im Sound aus den Lautsprechern und manchmal auch auf der Videowand, wo man ihm dabei zusehen kann, wie er seine ganz eigenen Phrasierungen aus den Ärmeln schüttelt. Obwohl die Stücke von „Tempo, Tempo!“ auf Tony Allens Groove basiert, wird es kein traditionelles Afrobeat-Konzert, das ist Fixi wichtig. Auch der nigerianische Musiker selbst war

in vielen Genres unterwegs und so entwickelten seine Bandmitglieder eine Fusion aus Jazz, Funk, Pop und Chanson. Mal ist sie rein instrumental, mal mit Gästen am Mikrofon. Auch Enkel Tunji Allen taucht so in einem Video auf und live dabei sind die japanische Sängerin Maïa Barouh und der AfrosoulSänger Djeuhdjoah aus Frankreich. Der Titel des Abends geht übrigens auf die Ansprache zurück, die Tony Allen immer hinter der Bühne hielt, kurz bevor die Konzerte begannen: „Tempo, Tempo!“, sagte er zu seinen Musikern, um sie zu motivieren, konzentriert und lebendig zu spielen. Und was Fixi in der Zeit mit ihm auch gelernt hat: den Mut zu haben, einen eigenen Stil zu entwickeln, keinen Moden zu folgen. „Ich spiele Musik mit jamaikanischen und indonesischen Einflüssen“, erzählt er, „oder französischen Hip-Hop mit Akkordeon. Ich koche immer wieder nach neuen Rezepten.“ So sei auch die Tony-Allen-Feier im Grunde eine Selbsterkundung – „und Tony ist mit dabei“.

Und was Fixi in der Zeit mit ihm auch gelernt hat: den Mut zu haben, e ­ inen ­eigenen Stil zu ­entwickeln, ­keinen ­Moden zu folgen.

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Jazz aufregend und neu Max Florian Kühlem

Alfa Mist Mo 12.9., 20 Uhr, ­ Theaterzelt, Burgplatz Spieldauer: 90 Minuten ohne Pause

Es gibt Menschen, für die allein das Wort „Jazz“ verstaubt und grau klingt, so grau wie sie die Köpfe der durchschnittlichen Konzertbesucher dieses Genres vermuten. Ganz anders ist das bei Auftritten von Vertretern der jungen Londoner Szene: Da bekommt man das Gefühl, Jazz sei die aufregendste Sache der Welt – cool, mitreißend, sich in einem tollen Flow mit anderen Musikrichtungen vereinigend. Pianist Alfa Mist ist ein Protagonist dieser Szene. Alfa Mist stammt aus dem Londoner Stadtteil Newham, einem von zwei Bezirken, in dem ethnische Minderheiten die Mehrheit der Bevölkerung stellen. Schon als Teenager interessierte er sich stärker für Musik als andere Altersgenossen, begann mit 15 Jahren Hip-Hop-Beats zu produzieren. Vom Prinzip her ist Hip-Hop eine grenzenlose, alles vereinigende Musikrichtung, weil sie auf Samples basiert, also Schnipseln aus ganz anderen Genres. Während der junge Alfa Mist sich also mit Tracks von Produzenten wie Hi-tek, Madlib oder J Dilla beschäftigte, lernte er auch Jazz-Versatzstücke kennen, die diese in ihrem Material verarbeitet hatten. „Da, wo ich herkomme, gibt es keinen Zugang zum Jazz“, sagt er in einem der wenigen Zitate, die von ihm verbreitet werden – lieber drückt er sich durch seine Musik aus. „Ich wäre auf keinen Fall darauf gekommen, ohne

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© Johnny Pitts

Der großartige Pianist, Komponist und Produ­zent Alfa Mist ist ein P ­ rotagonist der jungen und lebendigen ­Lon­doner Szene

­ iese Hip-Hop-Platten gefunden zu haben und sie verstehen d zu wollen.“ Aber er wurde neugierig, wollte den Jazz verstehen – und musste dafür ein Instrument lernen. Wenn man den gerade Anfang 30-jährigen Alfa Mist heute am Klavier oder E-Piano erlebt, dann erscheint es unglaublich, dass er sich das Instrument autodidaktisch erschlossen hat, selbst beigebracht durch das genaue Zuhören und Zuschauen. In kurzer Zeit hat er sich bereits einen Klavierstil erarbeitet, den man unter hunderten anderen Pianisten erkennen würde. Er ist gekennzeichnet durch eine Melancholie, aber immer auch einen Drang nach vorne, einen Groove, der das Spiel durchpulst, sich gern mit den Breakbeats der Rhythmussektion aus Schlagzeug und Bass verbindet. Wer wissen will, was das genau bedeutet, hört sich am besten das erste Stück von Alfa Mists Album „Antifon“ an, mit dem er 2017 beeindruckend zu seinem ganz eigenen Sound gefunden hat und in dem immer wieder Schnipsel einer Unterhaltung mit seinen zwei älteren Brüdern zu hören sind. Es heißt „Keep On“, eine großartige Live-Einspielung gibt es von den Mahogany Sessions bei Youtube zu sehen und hören. Wie sich hier die Stimmen des Flügels und eines treibenden Schlagzeugs umspielen und es tatsächlich mal alles andere als langweilig ist, Gitarren-, Bläser- und Bass-Soli zu folgen, ist einfach umwerfend.


Bei Alfa Mist treffen Freiheit und Versponnenheit des Jazz auf Energie und Präzision von Hip-Hop und die entrückte Schönheit von R’n’B und Soul. Er füttert seine Kreativität – wie das in der Londoner Szene üblich ist – mit vielen Kooperationen und Kollaborationen mit anderen Künstlern. Am Anfang seiner Karriere machte er zum Beispiel gemeinsame Sache mit Jordan Rakei, Tom Misch oder Barney Artist, die ebenfalls zu den Protagonisten der lebendigen Londoner Szene gehören. Deshalb sind die je nach Rechnung vier oder fünf kompletten Studio-Alben, die Alfa Mist mittlerweile unter eigenen Namen veröffentlich hat, auch nur Landmarken in einem weit verzweigten Werk. Dazwischen veröffentlichte er zum Beispiel eine Klavier-Solo-EP („On My Ones“), die zeigt, wie Jazzpiano heute klingen kann, wenn es von Menschen mit ganz anderen musikalischen Wurzeln gespielt wird: repetitiv und kreisend, aufregend und neu – und trotzdem die Tradition des Genres nicht vergessend oder abschneidend. Genauso verfolgt er ein Soul-Projekt mit der Sängerin Emmavie, es heißt Epoch, und brachte auch eine starke, auf Breakbeats fokussierte EP mit dem Schlagzeuger Richard Spaven heraus: „44th Move“, die genauso für die Tanzfläche funktioniert wie im stillen Kämmerlein mit Kopfhörern und der Lust, tiefer in die musikalischen Strukturen einzusteigen. Auf seinem aktuellen Album „Bring Backs“, das wieder Hip-Hop-lastiger ist, begleitet ihn unter anderem Gitarrist Jamie Leeming, für den er auf dem eigenen Label Anti auch gleich ein Debüt-Album produziert hat. Eine konstante Begleiterin (auch live, wo ihn stets eine grandiose Band unterstützt) ist außerdem Bassistin, Multiinstrumentalistin und Sängerin Kaya Thomas-Dyke, die bei einigen Stücken mit ihren Gesangsparts ins Zentrum rückt. So bilden die grauen Köpfe, die das Jazz-Publikum-Klischee vermutet, bei einem Auftritt von Alfa Mist die Unterzahl – wobei sie natürlich genauso herzlich willkommen sind. Wer hier euphorisch applaudiert, das ist nämlich ein sehr diverses Publikum aus vielen jungen Menschen mit unterschiedlichen Hautfarben und kulturellen Hintergründen, auch die Geschlechter sind gut durchmischt – und die Erwartungen nicht zu eng gefasst.

Er ist gekennzeichnet durch eine Melancholie, aber immer auch einen Drang nach vorne, einen Groove, der das Spiel durchpulst …

Band / On Stage: Alfa Sekitoleko (aka Alfa Mist) Keyboards, Leitung Nathan Shingler Schlagzeug Kaya Thomas-Dyke Bass, Vocals Jamie Leeming Gitarre James Copus Trompete

Mit freundlicher Unterstützung durch die Landeshauptstadt Düsseldorf und das Hotel Breidenbacher Hof Düsseldorf


In die Welt des japanischen Bestseller-Autors Haruki M ­ urakami entführt das Konzept­album „Two Moons“ des Pianisten und Komponisten Sebastian Gahler.

© Fabian Stürtz

Surreale Welten

Two Moons – music inspired by the works of ­Haruki Murakami Sebastian Gahler Di 13.9., 20 Uhr, Theaterbar Spieldauer: 90 Minuten mit Pause

Das neue Album des Düsseldorfers ist inspiriert von F ­ iguren und Motiven des weltbekannten Schriftstellers. Das J­azz-Album ist Musik gewordene Literatur und erzählt viele G ­ eschichten, denn Gahler greift ganz direkt Romanfiguren oder literari­ sche Motive Murakamis auf. Etwa die von Murakamis Romanheld Kafka Tamura: ein jugendlicher Ausreißer, der vor einer Prophe­zeiung flieht und dessen bewegte Reise Gahlers ­Kompo­sition nachempfindet.

Kenner von Murakamis Literatur wissen, dass G ­ ahlers Liebe zu Murakami keine einseitige ist, denn Murakami liebt Jazz und in seinen Werken finden sich zahllose m ­ usikalische Referenzen. Kenner werden auch schon in den S ­ tück-Titeln die Verweise auf seine Romane erkennen, wie etwa bei „Two Moons“, das auf die beiden Parallelwelten im Bestseller „1Q84“ verweist. Auch die Hauptfiguren Aomame und Tengo treten musikalisch mehrfach in Erscheinung. Mit Denis Gäbel am Saxofon, Matthias Akeo Nowak am Bass und Ralf Gessler am Schlagzeug hat Gahler famose Jazzmusiker für sein Projekt gewonnen. Die Liebe des Jazzers zu Murakami ist eine gewachsene: Das erste Buch schenkte ihm sein ehemaliger Musiklehrer und heutiger guter Freund vor rund 20 Jahren. Sebastian Gahler Piano Denis Gäbel Saxofon Matthias Akeo Nowak Bass Ralf Gessler Schlagzeug

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Das Genie Mo’s The Damn Jam ­Concerto James Thierrée & La Compagnie du Hanneton Deutschland­premiere Mi 14.9. & Do 15.9., jeweils 20 Uhr, Theaterzelt, Burgplatz Spieldauer: ca. 90 – 105 Minuten ohne Pause

Inszenierung James Thierrée Inszenierung, Konzeption Originalmusik komponiert von James Thierrée

ON STAGE James Thierrée, Ching-Ying Chien, Mathias ­Durand, Samuel Dutertre, Hélène Escriva, ­ Steeve Eton, D ­ amien Fleau, Maxime Fleau, Nora Horvath, V ­ alentin Mussou mit der musikalischen Mitarbeit von: Mathieu Chedid für Too Fast Mathias Durand für Real Around, Our Hero is a Boy, I Would Like to Express Damien Fleau für Rendez-vous, Sister Samuel Bovet, Arnaud Yung Licht Guillaume Dulac, Lillian Herrouin, Loic Lambert Ton On aura tout vu Kostüme Phillipe Royer Technische Leitung Felicitas Willems Produktionsassistenz & Tour M ­ anagement

Produktion Benoîte Gillet, La Compagnie du Hanneton ­Administration

Thomas Hahn

Tänzer, Mime, Musiker, Schauspieler … : James Thierrée ist ein ­Alleskönner, der im Zirkus ­aufwuchs und schon als Kind auf der Bühne stand. In „MO’s“ verkörpert er den Comeback-Versuch eines Rockstars nach einer totalen Erschütterung. Es k ­ önnte die unsrige aus der C ­ ovid-Pandemie sein.

Der Herr hat fünf Vornamen: James, Spencer, Henry, Edmond und Marcel. Mehr wurden es nicht, weil das Gesetz gewisse Grenzen setzt. Familien­ name: Thierrée. Es hätte auch ein anderer sein können, nämlich: Chaplin. So heißt seine Mutter Victoria, und die ist wiederum die Tochter des kongenialen Mimen aus „Modern Times“, „The Great Dictator“ etc. Bei so einem illustren Großvater hätte man dessen Enkel schon gewünscht, dass er heute von dessen Zuneigung und Zärtlichkeit berichten könne. Doch Großvater Charlie starb, als Enkel James drei Jahre alt war. Also, keine Fantastereien, bitte. Thierrée rückt die Dinge zurecht: „Ich habe ihn leider nie bewusst gekannt. Gespräche über Kunst am Kaminfeuer? Gab es nicht! Sorry, aber alles was ich als Künstler bin, verdanke ich meinen E ­ ltern.“

Quaternaire: Sarah Ford, Anne McDougall, ­Felicitas Willems Produktion

KoProduktion Eine Produktion von La Compagnie du Hanneton/­ Junebug beauftragte Produktion: Quaternaire. In Koproduktion mit Festival Pulsations, Bordeaux, La Comédie de Clermont-Ferrand scène nationale, Cité de la Musique – Philharmonie de Paris, La Coursive scène nationale – La Rochelle, L'ARC – Scène nationale du Creusot. Mit Unterstützung von DRAC und Conseil Régional de Bourgogne Franche Comté. Die Compagnie du Hanneton wird vom Kultur­ministerium, DRAC Bourgogne Franche Comté u ­ nterstützt.

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© Richard Haughton

Emmanuelle Taccard, La Compagnie du Hanneton Produktion & Koordination

Die gründeten 1971 ihren Cirque Bonjour und spielten das gleichnamige Stück, später „Le cirque imaginaire“ und schließlich „Le Cirque invisible“. Der kleine James war gerade fünf Jahre alt, da spielte er schon seine erste Rolle, die eines Koffers, der sich aus dem Staub macht. Später lernte er Akrobatik, Trapez, Pantomime ... Sein Körper wurde zu einer Art Knetgummi. James Spencer etc. etc. Thierrée ist ein enfant de la balle, wie man in Frankreich sagt, ein Kind der Zirkuswelt in ihrer fahrenden Tradition. Unter den vielen unauslöschlichen Eindrücken, die sein Leben wie einen Wachtraum erschienen ließen, war auch dieser: „Einmal waren wir in Hamburg und gingen eine Revue anschauen. In der betrat ein Geiger die Bühne, der auf einer Kugel stand und Violine spielte. Das beeindruckte mich so sehr, dass ich


Symphonie des Maikäfers Zur Berühmtheit reifte James aber nicht im Zirkus, sondern im Kino. Zunächst verspürte er, wie fast jeder Jugendliche, irgendwann den Drang, seinem Leben eine andere Wendung zu geben als von den Eltern vorgezeichnet. Aber in seinem Fall boten diese Skizzen die verschiedensten Möglichkeiten … So wurde er zunächst Schauspieler, im Kino. Der Durchbruch kam mit Peter Greenaways Filmklassiker „Prospero’s Books“, einer Bearbeitung von Shakespeares „Sturm“. Und er spielt weiter auf der Leinwand, zuletzt als Clown Footit in dem Film „Chocolat“ von Rochdy Zem. Sein Partner: Omar Sy, heute als Titelheld der Netflix-Serie „Lupin“ weltweit berühmt. Allein, bei der Arbeit vor der Kamera ist die Freiheit nicht die gleiche wie auf der Bühne. Und wer einmal so frei gelebt hat wie Thierrée als enfant de la balle, der will dieses Gefühl eben doch wiederfinden. So ähnlich beschreibt er, was Trapezkünstler*innen empfinden: „Da pfeift dir der Wind in die Ohren, dass du glaubst, du wirst sterben und dein ganzes Wesen befiehlt dir, anzuhalten. Dann lernst du, dieses Gefühl zu beherrschen und s­ päter willst du diese Empfindungen immer wiederfinden. Sie sind wie eine Droge.“ So sieht er alles, was er auf der Bühne kreiert als ein Kontinuum von der Kindheit bis heute. Mit 24 Jahren schuf er sein erstes Bühnenwerk, „La Symphonie du Hanneton“,

© Richard Haughton

auch Violine lernte, allein um wie er auf einer Kugel spielen zu können.“ Heute ist er in der Tat Violinist und zeigt in „MO’s“, dass er das Instrument bestens beherrscht. „Meine Mutter war Melomanin. Sie hörte die ganze Zeit Musik, und es war viel Zeitgenössisches und Experimentelles darunter, das auch in ihre Zirkusstücke Eingang fand.“ Vater Jean-Baptiste und Mutter Victoria hätten am liebsten ein einziges Stück oder Programm gespielt und dieses ständig verändert, ganz im Sinn der Zirkustradition und vor allem jener der großen Clowns. Ganz ähnlich liest sich heute James Thierrées Vision von „MO’s“: „Ein Stück das alles werden kann, was es werden will, das keine Grenzen hat und sich bei jeder Station seiner Tournee anders präsentieren kann, mal als bizarres Objekt, mal wie ein Konzert. Alles in allem ist es eine Art UFO …“. Diese Sponta­neität und Offenheit sind für ihn etwas Natürliches, ganz wie in den Stücken seiner Eltern.

und die Gefühle der frühen Jahre kehrten schlagartig zurück. „Wie ein Tsunami“ war das für ihn. Da brach alles, was er als Kind im Zirkus in seinem Inneren angehäuft hatte, aus ihm heraus. „Ich konnte es nicht länger auf dem Dachboden verstecken“, paraphrasiert er metaphorisch. Hanneton, das ist übrigens: der Maikäfer. So nannte ihn sein Vater, weil er als Kind wie ein Insekt durch die Gänge krabbelte. Heute ist das Insekt Name und Logo von Thierrées Compagnie du Hanneton. Natürlich wusste er als Kind nicht einzuschätzen, wie außergewöhnlich sein Leben war. „Für mich waren die sesshaften Kinder, die normal zur Schule gingen, die Exoten“, sagt der Wandervogel, der sogar in die Kunst der Zauberer und Mimen eingeweiht wurde. Heute vereint er in sich alle Künste, in denen der Körper im Mittelpunkt steht. Er ist Mime, Tänzer, Schauspieler. Aber auch die Musik zählt er dazu: „Ein Musikinstrument ist ein guter Vorwand, um von dessen Körperlichkeit und vom menschlichen Körper zu erzählen. Und selbst Gesang ist letztendlich eine Art des Körpers, sich auszudrücken und zu tanzen.“

Freiheit ist wie ein Schiff Seine Stücke veranschaulichen, wie er das alles meint, mimt und tanzt. Da gibt es keinerlei Grenzen zwischen den Kunstsprachen. In seiner Maikäfer-Symphonie vermischten sich Mime, Akrobatik, Tanz und Livemusik zu einer märchenhaften Reise durch Kindheitsträume. Als das Maikäfer-Epos 2005 eine ganze Serie von Preisen einheimste, war ein neuer Regiestar des Körpertheaters geboren. Thierrée um-

gab sich mit einer kleinen Schar von Akrobat*innen und Musiker*innen, die er so zu inszenieren verstand, dass in der Luft wie am Boden faszinierende Bilderwelten Gestalt annahmen. Da waren der Fantasie praktisch keine Grenzen gesetzt. Diesem Leitmotiv ist er bis heute treu geblieben und hat es zum Prinzip erhoben. Ganz explizit wurde das in seinem Solo „Raoul“, in dem er seinen Appetit auf totale Freiheit der Vorstellungskraft verhandelt. Da beschwört er sein Alter Ego herauf, also jenen Raoul, durch den die brave Hälfte seiner Figur allerlei fantastische Abenteuer erlebt. Diese Spaltung ist der Motor seiner Stücke, und durch sie durchlebt er bis heute auf der Bühne jene Rebellion, die Teenager in gewöhnlichen Verhältnissen während der Pubertät in die unausweichliche Sinnkrise stürzt, in der Regeln und Rahmen zum Bersten gebracht werden. „Ja, das ist komisch“, sagt er. „Bei mir hat es nicht diesen Verlauf genommen. Ich hatte eher das Gefühl, von einem immensen vielgestaltigen Abgrund angezogen zu werden, sodass ich für eine Revolte gar keine Zeit hatte. Aber eine Reaktion auf die Verhältnisse in der Welt kann die verschiedensten Formen annehmen.“ In seinem Fall war das „ein ständiger ­Exzess von Aktivität und Neugierde.“ Bis heute bietet die Bühne seinen Schattenseiten … eine Bühne! „Im Leben bin ich ein netter Kerl. Aber in meinen Stücken kommt es schon zu extremen Verhaltensweisen.“ Da lebt er aus, was im Alltag zu Konflikten führen würde. „Aber was heißt das schon? Mein Alltag besteht ja zur Hälfte aus Bühne.“ So ist das Theater für ihn „gleichzeitig ein Reflek-

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Sponsoren: Centrum Gruppe (14.9.), IDR AG (15.9.)

© Richard Haughton

Gefördert vom Ministerium für Kultur und ­Wissenschaft des Landes NRW

tor und ein Blitzableiter.“ Die Freiheit und Eigenständigkeit, die andere sich erkämpfen, hat er sich sorgsam konstruiert, sagt er: „Das ist wie ein Schiff. Erst muss man es bauen, dann kann man hinausfahren.“ Zufall oder nicht? In „Raoul“ besteht das Bühnenbild aus lauter Segeln, die aussehen als hätte ein Sturm oder eine andere Katastrophe sie gehörig durcheinandergewirbelt.

„A special baby“ In „MO’s“ entsteigt Thierrée zu Beginn einem ebenso chaotischen Sammelsurium von Musikinstrumenten, fast schon ein Trümmerhaufen, wie nach einem Erdbeben. Wiederum ist es im Grunde ein Solo, wenn auch umgeben von Musiker*innen und Tänzer*innen. MO ist der Name des imaginären Titelhelden, gespielt von Thierrée. Der gleitet, als er über sein neues Stück spricht, einmal mehr aus dem Französischen ins Englische ab. Wer ist dieser MO? „A kind of fucked-up rockstar who makes his comeback.“ Und der wie ein verwirrtes Genie wirkt, das sich in der Welt kaum noch zurechtfindet. Anders gesagt, wie ein Maikäfer, der auf den Rücken gefallen ist.“ Weil der aber in Wahrheit James

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Thierrée ist, kann er eben doch noch jede Menge Kapriolen vollführen. Über das Stück als solches sagt der: „It’s a special baby.“ Und zwar ein Covid-Baby, entstanden aus dem Vakuum der Künste während des Lockdowns. Die Theater waren geschlossen und die Tournee der vorherigen Produktion „Room“ unterbrochen. Da sagte er zu den Musikern von „Room“: „Wir haben derart viel zusammen geprobt, lasst uns jetzt einfach zusammen ein verrücktes Konzert machen, ungeschliffen bis wild.“ Wo er einmal mehr die klassische Figur des Antihelden verkörpert, in der auch sein Großvater so sehr zu glänzen verstand. Es ist eine Positionierung, aus der Thierrée hier jede Menge Freiheit schöpft, und das mehr als je zuvor. Doch da ist noch ein zweiter Aspekt, und der betrifft Forschungsdrang und künstlerisches Risiko. „In der Kunst müssen wir Risiken eingehen, das gehört zu unseren Aufgaben. Es ist doch deprimierend, wenn man nicht mehr hinterfragt, was es eigentlich bedeutet, auf der Bühne zu stehen.“ Das Risiko kennt er aus dem Zirkus in ganz konkreter Form. In „MO’s“ wird es hörbar. Denn zum ersten Mal spricht und singt Thierrée auf der

Mit freundlicher Unterstützung durch das ­Steigenberger Parkhotel Düsseldorf

Bühne. „25 Jahre stand ich auf der Bühne, ohne die Stimme zu benutzen. Und plötzlich sprudelte es aus mir heraus.“ Wegen der Musik, aber auch als Effekt der besonderen Situation, die nach seinem Empfinden nach einer Auffrischung der Beziehung zum Publikum verlangte. „Wir können nicht einfach auf die Bühne zurückkehren und da weitermachen, wo wir aufgehört hatten.“ Was jetzt gefordert ist: „To shake up things a little.“ Von daher ist „MO’s“ ein Stück ohne vierte Wand, mit direkter Beziehung zum Publikum. Zurück zu den Ursprüngen: „Das Theater bleibt einer der interessantesten Orte der Welt, wo Menschen zusammenkommen und sich mit dem auseinandersetzen, was eine kleine Gruppe auf der Bühne veranstaltet. Das ist doch wirklich einer der merkwürdigsten Charakterzüge der Menschheit, dass sie das Bedürfnis verspürt, die Welt neu zu imaginieren und über sie zu fantasieren. Genau deshalb bleibt das Theater ein Ort der Elevation, der Turbulenzen und der inneren Beweglichkeit.“


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Backbone Gravity And Other Myths Fr 16.9. – So 18.9., jeweils 20 Uhr, Theaterzelt, ­Burgplatz Spieldauer: 80 Minuten ohne Pause

Wesen Kraft Stefan Keim

© Darcy Grant

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© Darcy Grant

Das Ensemble GOM (Gravity and other Myths) erforscht in „Backbone“, woher die Stärke e ­ ines Menschen kommt. Menschliche Pyramiden, einer steht auf den Schultern des anderen. Momente, die absolutes Vertrauen, Ruhe und Balance erfordern. Dann Bilder des Kampfes. Körper fliegen aufeinander zu, voll aggressiver Energie. Das sind zwei Elemente des Stücks „Backbone“. Der Name der Gruppe verrät schon viel von ihrer Philosophie. GOM – Gravity and other Myths, Schwerkraft und andere Mythen. Dass es so etwas wie Schwerkraft wirklich gibt, stellen die Aufführungen des Ensembles durchaus infrage. 2009 wurde GOM gegründet. Auf Youtube kann man Bilder sehen vom damaligen nationalen Zirkusfestival in Australien. Da stehen die Gründungsmitglieder auf einer Wiese vor begeistertem Publikum und werfen einander in irren Choreografien durch die Luft. „Wir hatten damals nicht wirklich eine Idee für eine Show“, erzählt Jascha Boyce im Video. „Wir wollten einfach weiter zusammen trainieren. Irgendetwas würde uns schon einfallen.“

Darcy Grant war damals noch nicht bei GOM, hat aber einen ähnlichen Hintergrund wie seine Kolleginnen und Kollegen. „Als Kind“ erzählt er, „liebte ich Kunst und Sport. Das war nicht im-

„ Also beschäftigten wir uns mit a ­ nderen Arten von Stärke, der mütterlichen Kraft zum Beispiel, der inneren ­Stärke oder auch der ­kriegerischen.“ mer einfach zu vereinen. Mit zwölf Jahren ging ich zu einem Jugendzirkus.“ Spaß und Ausbildung – irgendwie war das eins. Und so wurde Darcy zunächst Darsteller, Artist, Ensemblemitglied bei verschiedenen Gruppen für zeitgenössischen Zirkus. „Es gab viel traditionellen Zirkus in Australien“, berichtet er, „eine Bewegung, aus der sich in den achtziger


„ Einige Szenen werden von der Musik vorangetrieben, andere von der Körperlichkeit.“ führung entwickelt mit überwältigenden Bildern eine faszinierende Kraft. Und behandelt genau dieses Thema: die Kraft und ihre Entstehung. „Offensichtlich braucht man in der Artistik viel Stärke“, erzählt Darcy. „Aber wir fanden es ein bisschen langweilig, Kraft auf die übliche Art und Weise zu zeigen. Also beschäftigten wir uns mit anderen Arten von Stärke, der mütterlichen Kraft zum Beispiel, der inneren Stärke oder auch der kriegerischen.“ Deshalb die völlig unterschiedlichen Stimmungen im Stück, die explosiven und die ruhigen. „Oder vielleicht“, fährt Darcy Grant fort, „geht es mehr um die Kraft der Konzentration, der radikalen Fokussierung? Da kann Stärke ja auch in einem Minimum an Bewegung liegen. Diese Überlegungen waren die Grundlage für das Stück.“ Wie in Zeitlupe macht ein Mensch einen Schritt, scheint, festgehalten vom Ensemble, zu schweben. Sand oder etwas Ähnliches rieselt auf den Kopf von GOMGründungsmitglied Jascha Boyce, die auch in diesem Stück mittanzt. Die Bilder entstehen in langen Probenprozessen, nicht nur im Kopf des Regisseurs. „In alle Stücke wollen wir die Erfahrungen des Ensembles einfließen lassen“, erklärt Darcy. „Unsere Recherchen über die Stärke haben viel mit dem Leben der Performer*innen

zu tun. Globale Themen und die Erlebnisse einer Gruppe von Menschen kommen hier zusammen.“ Zwei Live-Musiker begleiten die Vorstellung auf verschiedenen Instrumenten. Elliot Zoerner und Shenton Gregory haben die Stücke auch komponiert, reagieren direkt auf die Szenen. So entsteht eine völlig andere Atmosphäre als bei Soundtracks, die vom Band kommen. Darcy Grant freut sich über die Frage nach der Bedeutung der Musik: „Im Gegensatz zu den meisten anderen Kompagnien wird unsere Musik live gespielt und besteht aus extra neu komponierten Stücken. Musik und Inszenierung sollen perfekt zusammenpassen.“ Und das gilt nicht nur für die Musik: „Es gibt vier Elemente, aus denen die Aufführungen bestehen. Nummer eins ist die Arbeit im Probenraum, die körperliche Praxis. Dann gibt es das Konzept, das sehr klar sein muss. Dann kommen noch Licht und Klang dazu. Da entstehen eine Menge Details, die wir dann zusammensetzen, denen wir Bedeutung verleihen.“ Die Zusammenarbeit auf Augenhöhe ist für „Gravity and other Myths“ sehr wichtig. Da gibt es keine Kunstform, die eine dienende Funktion hätte. „Einige Szenen werden von der Musik vorangetrieben, andere von der Körperlichkeit“, sagt Darcy. „Da gibt es einen intensiven Dialog. Genauso verfahren wir mit der Ausstattung. Das wird alles zusammen entwickelt. Wir sind s­ tändig

Inszenierung Darcy Grant Regie Elliot Zoerner & Shenton Gregory Komposition, Musik Geoff Cobham Bühnen- und Lichtdesign Marko Respondeck ­­­­ Technischer Leiter, ­Lichttechnik Triton Tunis-Mitchell Kreativer Partner

On Stage Alyssa Moore, Annalise Moore, Axel Osborne, Benton Adams Walker, Jackson Manson, Jacob Randell, Jordan Hart, Kevin Beverley, Lachlan ­Harper, Megan Giesbrecht, Nicholas Martyn ­Musiker, Sonja Schebeck Musikerin

Mit Unterstützung von

Backbone wurde von der Major Festivals Initiative der australischen Regierung durch die Confederation of International Arts Festivals Inc. unterstützt, die vom Adelaide Festival, Melbourne Festival & Sydney Festival in Auftrag gegeben wurde.

Gravity & Other Myths wird als Organisation von Arts South Australia unterstützt.

Backbone wird vom Australia Council for the Arts unterstützt.

© Darcy Grant

Jahren eine Art Post-Punk-Zirkus entwickelte. Und dann ab ungefähr 2000 viele Gruppen im Bereich des zeitgenössischen Zirkus.“ Gruppen, die großen internationalen Erfolg haben und viele Festivals dominieren. „Die letzten 22 Jahre“, sagt Darcy Grant, „waren eine Art goldene Ära des zeitgenössischen Zirkus in Australien. Es gibt eine Menge Kompagnien, die rund um die Welt touren. Wir gehen sehr freundschaftlich miteinander um, es kommt vor, dass Artist*innen von einem Ensemble zum anderen wechseln.“ So wie er selbst. Nun ist er Regisseur bei GOM und hat mit „Backbone“ einen der größten Erfolge der Kompagnie inszeniert. Die Vorgängershow „A simple space“ wurde schon über 570-mal in 26 Ländern gezeigt. Daran kann „Backbone“ noch nicht anschließen, da war ja eine Pandemie. Aber das wird nicht mehr lange dauern, denn die 80-minütige Auf-

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© Carnival Cinema

in B ­ ewegung, haben nur Dinge auf der Bühne, die wir direkt benutzen. In „Backbone“ arbeiten wir mit langen Stäben, großen Steinen und einem speziellen Staub, der die Bühne bedeckt.“ Darcy Grant ist schon in den Endproben zu einem neuen Stück. GOM ist Residenzensemble beim Chamäleon-Festival in Berlin und wird dort „A Mirror“ zur Uraufführung bringen. Diesmal geht es um die Selbstliebe, ein komplexes Thema, gerade wenn es darum geht, sich und seinen Körper immer wieder öffentlich zu präsentieren. Erst vor Kurzem hatte

„ In normalen Zeiten bringen wir alle zwei Jahre eine große Show heraus.“ Sponsor: Friedrich Wilhelm Hempel (17.9.) Gefördert vom Ministerium für Kultur und ­Wissenschaft des Landes NRW

Mit freundlicher Unterstützung durch das me and all hotel düsseldorf-oberkassel

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„The Pulse“ Premiere, das bisher größte Stück von GOM, mit 30 Artist*innen und einem 30-köpfigen Chor. Damit haben sie bei den International Circus Awards gleich drei Preise abgeräumt. „In normalen Zeiten“, erklärt Darcy Grant, „bringen wir alle zwei Jahre eine große Show heraus. Aber während der Pandemie saßen wir alle zu Hause. Und in Australien gab es während der Lock-

downs mehr Unterstützung für Kultur als normalerweise. So entstanden vier Shows in den letzten zwei Jahren, also viel mehr als sonst.“ Die Kompagnie konnte nicht reisen, ohne die Gastspiele blieb viel Zeit für neue Kreativität. „Vor der Pandemie“, sagt Darcy, „waren über 30 Artistinnen und Artisten in mehreren Shows fest engagiert. Heute haben wir zwei Ensembles, insgesamt 20 Leute. Dazu kommen Gastkünstler, vor allem für die Riesenshow ,The Pulse‘.“ Neunzig Prozent des Ensembles kommen aus Australien, drei aus den USA, einzelne aus Frankreich und Kanada. Es gibt im Land eine Menge an hochklassigen Zirkuskünstler*innen, die Auswahl ist groß. „Wir haben viele junge Zirkuskompagnien in Australien, aus denen immer wieder Nachwuchs kommt“, sagt Darcy Grant. So ist es kein Wunder, dass auch die deutschen Festivals, in denen zeitgenössischer Zirkus eine Rolle spielt, zum Teil von australischen Gruppen dominiert werden. Zumal wenn – wie bei GOM – spektakuläre Körperlichkeit, Live-Musik und effektvolles Licht weit über eine beeindruckende ArtistikShow hinausführen. Und hinter all dem tiefgreifende Auseinandersetzungen mit grundlegenden Fragen stehen. Wie bei „Backbone“ mit dem Wesen der Stärke.


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Kunstlied-Slam Klang­kollektiv Düsseldorf Sa 17.9., 20 Uhr, Maxhaus Spieldauer: 105 Minuten mit Pause

Lars Wallerang

Zwei Sängerinnen, ein Pianist und eine Moderatorin laden zum Kunstlied-Slam. Dahinter verbirgt sich eine ­neuartige Vorgehensweise, ­Gedicht-Vertonungen verschiedener Komponisten gegeneinander a ­ ntreten zu lassen. Das Publikum e ­ ntscheidet im Konzert dann durch die S ­ tärke des Beifalls, welcher Komponist das ­emo­tional stärker ­packende Lied ­geschaffen hat. Xenia von Randow Sopran Lisa Katarina Zimmermann Sopran Max Philip Klüser Piano Johanna von Gutzeit Moderation Alex Friedland Moderation

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© Tobias Berg

Lieder Schwimmer und Nichtschwimmer

„Klangkollektiv Düsseldorf“ heißt die Gruppe. Kernbesetzung sind die Sopranistinnen Lisa Katarina Zimmermann und Xenia von Randow sowie der Pianist Max Philip Klüser. Der etwas sachlich klingende Ensemble-Name besitzt seinen tieferen Sinn: „Wir stehen unfassbar auf Alliterationen“, sagt Sängerin Lisa mit einem Augenzwinkern. Und es gehe immer um Klang, aber auch darum, möglichst viel einzubeziehen. „Wir sind das Kern-Team, aber wir nehmen immer andere Musiker dazu, wir wollen möglichst offen bleiben.“ Das im Jahr 2018 gegründete Klangkollektiv ist ein Düsseldorfer Gewächs: „Wir haben uns alle an der Robert-Schumann-Hochschule kennengelernt“, sagt Lisa. „Wir dachten, es wäre schade, nach Verlassen der Hochschule einfach so auseinander und nur unsere eigenen Wege zu gehen.“ Mit dem Konzept, das Kunstlied auf eine Art zu präsentieren, die auch Menschen anspricht, die mit klassischer Musik im Allgemeinen und Liederabenden im Besonderen kaum oder keine Erfahrung haben, hatten die jungen Musiker eine gemeinsame Agenda. „Obwohl wir an verschiedenen Orten waren, hat uns diese Gleichgesinntheit miteinander verbunden“, ergänzt Max Philip Klüser. Auf der Homepage des Klangkollektivs steht der Slogan „Oper und Konzert für Nichtschwimmer“. Die Erklärung: „Ich habe dieses Bild der Kette im Schwimmbecken vor Augen: auf der einen Seite tiefes Wasser für Schwimmer und auf der anderen ein höherer Boden für Nichtschwimmer“, erzählt Lisa. Dabei habe sie immer ein Herz für die „Plantsch-Raketen“ auf der Nichtschwimmer-Seite. Entsprechend suche sie auch in der Musik den Kontakt zu Menschen, die nicht mit der sogenannten „Hochkultur“ aufgewachsen sind. „Wir wollen die Leute reinholen.“ Seicht soll es aber nicht werden. „Unsere Konzerte richten sich auch an Schwimmer“, betont Pianist


Max Philip. Kein Wunder, dass kürzlich das internationale Musikfestival „Heidelberger Frühling“ an das Klangkollektiv herangetreten ist, um einen Slam in die Lied-Sparte aufzunehmen. „Die Veranstalter kamen auf uns zu, um eine noch größere Zielgruppe zu erreichen.“ Mit „Nichtschwimmern“ hat Lisa gute Erfahrung. „In meinem Elternhaus war klassische Musik gar kein Thema.“ Das sei erst durch die Schule gekommen. „Ich weiß, dass viele Leute mit anderen Ohren an klassische Musik gehen, interessiert sind, aber noch gewisse Hemmungen haben.“ Aber dieses Publikum hätte man nun mal so gerne dabei. „Wir haben so etwas Ähnliches schon mal beim Düsseldorf Festival! gemacht“, berichtet Max Philip. Goethes „Gretchen am Spinnrade“ in der berühmten Vertonung von Franz Schubert und in der nicht ganz so bekannten von G ­ iuseppe Verdi seien sozusagen gegeneinander angetreten. Mit dieser Gegenüberstellung soll der Kunstlied-Slam diesmal auch beginnen. In den Ring will der Pianist aber auch mit LiedTranskriptionen für Klavier solo. Von dem Lied „Wohin?“ aus Schuberts „Schönen Müllerin“ gebe es ein w ­ underbares Arrangement von Sergej Rachmaninow. „Wo Schubert nur ­Tonika und Dominante verwendet, bringt Rachmaninow ­tolle neue Harmonien ein, die auf musikalische Weise den Text ersetzen.“ Trotz des Slam-Charakters stehe weniger die Frage im Vordergrund: „Was ist besser?“, fügt Moderatorin Johanna Gutzeit hinzu. Noch spannender sei das Zeigen der breiten Palette von Vertonungen ein und desselben Gedichts und wie stark sich je nach Land und Zeit die Musiken voneinander unterscheiden würden. Wichtig sei beim Vergleichen das besonders wache Hinhören und das gemeinsame Sprechen über die Werke.

„ Ich weiß, dass viele Leute mit anderen Ohren an klassische Musik gehen, interessiert sind, aber noch gewisse Hemmungen haben.“

Gefördert durch die Initiative Musik im Rahmen von Neustart Kultur aus ­Mitteln der B ­ eauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien

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Heute ist Kino.

Heute ist biograph.de Alle Kinos. Alle Filme. Online. Folge uns auf biograph.duesseldorf biograph_due www.biograph.de

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BPG Beratungs- und Prüfungsgesellschaft mbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft Graf-Adolf-Platz 12 – 40213 Düsseldorf bpg-duesseldorf@crowe-bpg.de www.bpg-gemeinnützig.info

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Bühne mit Aussicht

© Alexander Steindorf

Schauspiel und Musik Das Düsseldorf Festival! bespielt seit seiner Gründung ungewöhnliche Orte und erobert in diesem Jahr einmal mehr einen spektakulären architektonischen Raum als Bühne. Wiederum verschmilzt innovative Architektur mit Theater und Musik: Das nagelneue Hochhaus „Eclipse“, das 60 Meter hoch als elegantes Eingangstor zur nördlichen Innenstadt emporragt, wird mit gleich zwei Veranstaltungen erstmals öffentlich zugänglich. Zu erleben ist in luftiger Höhe ein Doppelprogramm mit lokalen Künstlern.

Alexander Steindorf So 18.9., 18 Uhr, E ­ clipse Spieldauer: 70 Minuten ohne Pause

Der Düsseldorfer Schauspieler Alexander Steindorf zeigt eine packende Version des Märchenstoffs „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ als virtuose One-Man-Performance. In fünfzig rasanten Minuten erzählt Steindorf die Geschichte vom Knecht, der tot an einem Baum hing und von des Teufels Großmutter ein neues Leben geschenkt bekommt. Dabei schlüpft Steindorf in irrwitziger Weise in alle Rollen, spielt Knecht, Teufel, König, Königstochter, Räuber, Hofkaplan und viele mehr. Die rasante Geschichte auf den Punkt gebracht hat einst der große Kinderbuchautor, Zeichner und Karikaturist Friedrich Karl Waechter in seinem Buch nach der Grimm’schen Märchenvorlage: „Wer nichts zu verlieren hat als ein Leben voller Plackerei und Angst, der wird vom Elend erdrückt oder sein Fell wird hart, dass er keinen König und keinen Tod mehr fürchtet.“

Beide Veranstaltungen sind als günstigeres Kombiticket, aber auch einzeln, buchbar.

Sponsoren: die developer Projektentwicklung GmbH und PricewaterhouseCoopers GmbH ­Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Gefördert durch die Initiative Musik im R ­ ahmen von Neustart Kultur aus Mitteln der Beauftragten der ­Bundesregierung für K ­ ultur und Medien

Mit freundlicher Unterstützung des Hilton Düsseldorf

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Masaa So 18.9., 20 Uhr, E ­ clipse

© Andy Spyra

Spieldauer: 90 Minuten ohne Pause

Rabih Lahoud Gesang Marcus Rust Trompete Reentko Dirks Gitarre Demian Kappenstein Schlagzeug

Am Abend entert dann die hoch dekorierte Band Masaa um den libanesischen Sänger Rabih Lahoud die Bühne mit der atemberaubenden Aussicht. Die Formation präsentiert eine sinnliche Begegnung von Orient und Okzident, Ethno-Jazz mit überraschenden Wendungen. Arabische Verse und zeitgenössischer Jazz gehen in frappierender Schlüssigkeit eine lyrische Liaison ein. Auf mehrere hoch dekorierte Alben kann die Band bislang verweisen: das Debüt „Freedom Dance“ (2012), den Nachfolger „Afkar“ (2014) und „Outspoken“ (2017), für das sie mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet wurde. Rabih Lahoud wurde für dieses Album zudem für den ECHO Jazz in der Sparte „bester nationaler Sänger“ nominiert und wurde 2021 mit dem WDR-Jazzpreis ausgezeichnet. Ebenfalls 2021 erhielt die Band den Deutschen Jazzpreis für ihr letztes Album „Irade“ in der Kategorie „Album des Jahres: Vokal“. Die „Süddeutsche“ schreibt über Masaa: „Vor allem v ­ erbindet die Musiker aber eines: Das Verrücktsein nach der p ­ erfekten musikalischen Kombination, der schrägen Harmonie, die Menschen bewegt.“

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ensemble ­pro vocale ­düsseldorf So 18.9., 19 Uhr, St. Margareta Gerresheim

Leib Seele

Spieldauer: 70 Minuten ohne Pause

Sebastian Voges und sein e ­ nsemble ­provocale d ­ üsseldorf sind seit l­angen Jahren Stammgäste beim Festival und garantieren thematisch gewitzte und fein aufeinander abgestimmte ­Programme.

Diesmal geht es um leibliches und geistiges Wohlergehen, ­Liebe und Leid, Lust und Transzendenz mit Werken für Chor und Orgel im wunderbaren Sakral-­Raum der Basilika St. Margareta in Gerresheim. Es erklingen bekannte und wenig bekannte Werke, unter anderem zwei Uraufführungen von ­Sebastian Voges: zunächst sieben auskomponierte Seufzer auf den Text „Ave verum corpus“, ein „WER-Kanon“ und das bereits aufgeführte „sette sospiri“, allesamt Werke, die sich mit dem leidenden Leib identifizieren. Freudig tröstend da­ gegen ist Bachs Choralbearbeitung „Schmücke dich, o liebe Seele“ und mit allen Sinnen preisen die Wonnen des Leibs fünf Hohelied-Motetten von Melchior Franck. Der biblische Text geizt nicht mit erotischen Bildern, die sich im „Tanz der Schulamit“, einem Orgelsatz von Petr Eben fortsetzen. In den mittelhochdeutschen Versen „Du bist min, ich bin din“, vertont von Albrecht Haaf, wird erneut geseufzt, aber aus lustvollen Gründen, bevor das „Scherzetto“ von Percy Whitlock mit der Orgel wieder in den leichten Tanz zurückführt. Mit den Seligpreisungen von Arvo Pärt hören wir dann von Versprechen, die sich erst im Jenseits erfüllen. Schließlich fragt in einem kleinen „­ Kanon“ Wolfgang E. Herbst: „Selbst wenn ich wiederkäm … Wer wär ich, wann, wozu?“

©Michael Zerban

Es geht um leibliches und geistiges Wohlergehen, ­Liebe und Leid, Lust und ­Transzendenz

Judith Bothe Orgel ensemble provocale düsseldorf Sebastian Voges Leitung

Mit freundlicher Unterstützung durch die­B ­ asilika St. Margareta Düsseldorf

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Steffen Greiner

Das kontroverse Kin­ der­buch „The G ­ iving Tree“ inspiriert das Rothko String ­Quartet zu einer ­Auseinan­der­setzung mit dem menschlichen Willen zur Herrschaft über die Natur – mit Musik durch die Jahrhunderte. Rothko String Quartet Joosten Ellée Violine William Overcash Violine Marc Kopitzki Viola Jakob Nierenz Cello

Programm Caroline Shaw (1982) Plan & Elevation 1. The Ellipse Maddalena Casulana (1544-1590) O Notte Kate Moore (1979) Cicadae Emilie Mayer (1812-1883) Adagio aus Streichquartett g-Moll, op. 14 Caroline Shaw (1982) Plan & Elevation 3. The Herbaceous Border Gabriella Smith (1991) Carrot Revolution Caroline Shaw (1982) Plan & Elevation IV. The Orangery, V. The Beech Tree

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The Giving Tree Rothko String Quartet Mo 19.9., 19.30 Uhr, Skydeck im SIGN Spieldauer: 60 – 70 Minuten ohne Pause

Mehr als ein halbes Jahrhundert ist es jetzt alt, das möglicherweise kontroverseste aller Kinderbücher. Wenn es überhaupt eins ist: Shel Silversteins Buch „The Giving Tree“, zu Deutsch: „Der Baum, der sich nicht lumpen ließ“, erschien erstmals 1964. Die lebenslange Liebesgeschichte zwischen einem Baum und einem Jungen, bei der eine Seite stets alles gibt, die andere stets nimmt, was ihr angeboten wird, ist traurig wie berührend: Am Ende sitzt ein Greis auf einem Baumstumpf – „and the tree was happy“. Vielleicht erzählt das Bilderbuch von der bedingungslosen Liebe von Eltern zu ihrem Kind. Vielleicht erzählt es aber auch von der Erbarmungslosigkeit der Menschen gegenüber der Natur. Toxische Liebe, endlose Liebe? Der Baum ist glücklich, wenn er seine Äste verliert, damit der Junge, der mittlerweile ein Mann ist, ein Haus bauen kann, wenn sein Stamm zum Boot wird. Es ist ein Buch vom Leben und vom Sterben, und, wie manche interpretieren, von Dummheit. Für das Rothko String Quartet ist die Message nicht ganz so vieldeutig. Joosten Ellée, Violine: „Das Buch würde heute so nicht mehr geschrieben werden. Es geht davon aus, dass man sich

© PODIUM Esslingen

Eine Koproduktion von PODIUM E ­ sslingen und ­Düsseldorf Festival!

Mord?

sehr viel erlauben kann, und trotzdem noch geliebt wird. Seit ein paar Jahren gibt es ein vermehrtes Umdenken, dass das mit der Natur so nicht funktioniert. Dass die Natur doch Grenzen hat. Die Grenzen sind bei ‚The Giving Tree‘ überschritten – dadurch, dass der Baum schlicht getötet wird.“ War es Mord? Das Konzert ist eigentlich eine juristische Angelegenheit: Die Natur sitzt zu Gericht. Joosten Ellée, Mitbegründer und Konzertmeister des Lüneburger ensemble reflektor und künstlerischer Leiter von PODIUM Esslingen, spielt Geige im Rothko String Quartet, das er gemeinsam mit Geiger William Overcash, Bratschist Marc Kopitzki und Cellist Jakob Nierenz bildet. 2017 in Lüneburg gegründet, haben sich die vier Spezialisten für sowohl Alte als auch Neue Musik zur Aufgabe gemacht, außerordentlich diverse

„ Wir sehen k ­ einen Grund mehr, den ­Kanon von ­toten ­alten weißen ­Männern unterstützen zu müssen.“ Programme mit Fokus auf marginalisierte Komponist*innen der Musikgeschichte zu kuratieren – und dabei die Grenzen des Raums der Klassik konstant zu erweitern. Auch in Zusammenarbeit mit Elektro-Künstler*innen oder Jazz-Improvisator*innen, ähnlich, wie es die Vorbilder vom Kronos Quartet seit Jahrzehnten angehen. „Wir sehen keinen Grund mehr, den Kanon von toten alten weißen Männern unterstützen zu müssen, sondern versuchen in unseren Programmen abseits des StreichquartettRepertoires Diversität reinzubringen. Wir spielen keinen Mozart“, sagt Ellée. Auch das Programm „The Giving Tree“ präsentiert ausschließlich Musik


von Frauen. Dabei macht es einen großen Bogen durch die Musikgeschichte: Maddalena Casulana, deren Madrigal „O Notte“ Teil des Abends ist, ist die erste nachweisbar publizierte Komponistin des europäischen Kulturraums. Geboren um 1544 in Siena, veröffentlichte sie zwischen 1566 und 1586, in der späten Renaissance, zahlreiche Bände mit Ensemble-Gesängen. Gabriella Smith, die jüngste der gespielten Komponistinnen, ist hingegen Jahrgang 1991. Sie ist, das sollte nicht verwundern, nicht nur Künstlerin, sondern auch Umweltaktivistin mit großem Interesse am Gesang der Vögel. Ihre „Carrot Revolution“ von 2015 erzählt von einem Aufstand von Gemüse – mit musikalischem Humor, aber auch mit dem Druck der tatsächlichen Notwendigkeit, zu handeln. Caroline Shaws „Plan & Elevation“ wiederum, ebenfalls von 2015, handelt vom alten Landhaus Dumbarton Oaks und seinen Gärten in Washington D.C. „In barocken und barockisierenden Gärten wird etwas Künstliches auf die Natur draufgelegt, um sie zu kontrollieren und vermeintlich zu verschönern,

„ Manche Stücke sind ein Symbol dieses Ordnungs­ willens, während andere das chaotische ­Potenzial der Natur selbst ­darstellen.“

Sponsor: Noerr Partnerschaftsgesellschaft mbB

Gefördert durch die Initiative Musik im ­Rahmen von Neustart Kultur aus Mitteln der Beauftragten der B ­ undesregierung für Kultur und M ­ edien

sie in ein menschliches Konstrukt einzuzwängen“, erklärt Ellée. „Manche Stücke sind ein Symbol dieses Ordnungswillens, während andere das chaotische Potenzial der Natur selbst darstellen, die Wut, den Trotz gegenüber dem menschlichen Dominanzwillen.“ Was aber ist das Rothko String Quartet in dieser Gerichtsverhandlung? Ankläger oder Angeklagte, Zeugen oder Verteidiger? Die Natur sitzt zu Gericht, aber wer antwortet auf ihre Fragen? Das Urteil, es steht allerdings schon fest: Schuldig. Aber wie intensiv das ­klingen kann!

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Mit freundlicher Unterstützung durch das IBIS Hotel D ­ üsseldorf-Hauptbahnhof

Dr. Dann Dr. Arnold

Dr. med. Paul Dann

Facharzt für Orthopädie Rheumatologie

Dr. med. Jürgen Arnold Facharzt für Orthopädie Zertifizierter Fußchirurg

Sportmedizin · Naturheilverfahren · Osteologie (DVO) Chirotherapie · Physikalische Therapie · Rehabilitationswesen Knochendichtemessung (Dexa-Methode) · Stoßwellentherapie · Akupunktur · Fußdruckmessung 3-D Wirbelsäulenanalyse · Kinderorthopädie · Wirbelsäuleninjektionen (PRT) · Elektromyographie (EMG) Ambulante und stationäre Operationen – Fußchirurgie und Gelenkchirurgie Termine nach telefonischer Vereinbarung Hohenzollernstrasse 5 · 40211 Düsseldorf (Stadtmitte) Fon 0211 - 169 1000 · Fax 0211 - 169 1001 · www.dann-arnold.de

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My Brother the sea Mo 19.9., 20 Uhr, Theaterbar Spieldauer: 90 Minuten

© Nadia Wardi

Singer/ Songwriter

Auch die beiden Musiker Stefan Wehlings und Miguel Passarge fanden für „My Brother The Sea“ Inspiration in der Literatur: Wie beim Jazzer Sebastian Gahler steht der japanische Bestseller-Autor Haruki Murakami ganz oben auf der L ­ iste, aber auch die Dichter der Beat-­ Generation wie Allen Ginsberg, ­William Burroughs und vor allem Jack Kerouac waren wichtige Ideengeber. Dem Titel des Erstlingswerks von Kerouac ist auch der Name des Acoustic-Duos entliehen.

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Die Düsseldorfer Stefan Wehlings und Miguel Passarge sind Musik-Ermöglicher und Musiker in Personalunion: Wehlings leitet das Grevenbroicher Café Kultus, Passarge ist musikalischer Leiter des Zakk und Erfinder des Festivals „Lieblingsplatte“. Beide eint also geballte Erfahrung und musikalische Weitsicht. Ihre gemeinsame Vision von „My Brother The Sea“ entwickelten sie in der erzwungenen Stille der Pandemie. Die Songs handeln vom Fernweh, von Einsamkeit, vom Unterwegssein, von Weite und Endlosigkeit. Und von erstaunlichen und berührenden musikalischen Begegnungen mit tanzenden Zwergen, einem gebeugten Mann und mit diabolischen Gestalten. Schließlich landet das Duo auf einem geheimnisumwitterten Schiff. Der ereignisreiche und s­ timmungsvolle musikalische Road-Trip wird instrumentiert von Gitarren, ­Banjo-Klängen und Pianosounds. Miguel Passarge Vocals, Gitarre, Piano Stefan Wehlings Vocals, Gitarre, Banjo

Gefördert durch die Initiative Musik im Rahmen von N ­ eustart K ­ ultur aus Mitteln der B ­ eauftragten der Bundes­regierung für Kultur und M ­ edien


© Warner Brothers

Flamenco Antonio Lizana Trio Di 20.9., 19.30 Uhr, Skydeck im SIGN Spieldauer: 90 Minuten ohne Pause

Antonio Lizana Saxofon José Manuel Léon Gitarre

© Markus Lackinger

Ruven Ruppik Perkussion

Einen besonders faszinierenden Mix verspricht das Antonio Lizana Trio. Lizana begann seine Laufbahn bereits mit 10 Jahren mit dem Saxofon und ergänzte sie mit einem klassischen Jazz-Studium. Als seine „Kreativ-Eltern“ bezeichnet er unter anderem den Flötisten und Saxofonisten Jorge Pardo – einst Teil von Paco de Lucias Sextett – den Jazzpianisten Chano Dominguez, aber auch Granden des amerikanischen Jazz wie Charlie Parker und John Coltrane. Die musikalische Muttersprache des Saxofonisten, Sängers, Komponisten und Jazzers aber ist eigentlich der Nuevo Flamenco. 2011 gründete er sein erstes Ensemble, die fünfköpfige Antonio Lizana Group, die als wichtigste Formation im Bereich des Flamenco-Fusion-Jazz in Spanien gilt. Seit 2018 verfolgt Lizana mit der Gründung seines jetzigen Trios einen Stil, der sich mehr dem Flamenco verpflichtet fühlt. Völlig selbstverständlich verschmelzen für Lizana und seine beiden Mitstreiter – der Komponist und Gitarrist Jose Manuel León und der Multi-Percussionist Ruven Ruppik – die Möglichkeiten des Jazz und des Nuevo Flamenco ineinander zu einer sehr heutigen Sprache. „Ich versuche, die Essenz des Flamencos, seine Dramaturgie zu bewahren und in einem anderen Kontext wiederzubeleben“, beschreibt Lizana selbst seine Suche nach nie gehörten Formen des Ausdrucks. Das Ergebnis klingt spontan, mitreißend expressiv und aufregend neu.

„ Ich versuche, die ­Essenz des ­Flamencos, seine Dramaturgie zu bewahren…“

Sponsor: Noerr Partnerschafts­gesellschaft mbB

Gefördert durch die Initiative Musik im Rahmen von ­Neustart ­Kultur aus Mitteln der Beauftragten der ­Bundesregierung für K ­ ultur und Medien

Mit freundlicher Unterstützung durch das Hotel Indigo ­Düsseldorf-Victoriaplatz

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Contemporary Dance 2.0 Hofesh Shechter / ­Shechter II Deutschland­premiere Di 20.9. & Mi 21.9., jeweils 20 Uhr, ­Theaterzelt, ­Burgplatz Spieldauer: 60 Minuten ohne Pause

Thomas Hahn

Ein junges Ensemble, für die Tänze der J­ugend! In „Con­tem­porary Dance 2.0“ öffnet ­ Hofesh Shechter die Bühne für die R ­ ituale von heute.

© Todd MacDonald

wahre Tanz ­ Zeit

Hofesh Shechter ist der Herr der Rhythmen. Niemand sonst im sogenannten zeitgenössischen Tanz bringt ähnlich viele PS auf die Bühne wie der in London lebende Power-Choreograf aus Tel Aviv. Der Ruf, seine Tänzer*innen immer wieder in eine Art choreografischen Straßenkampf zu schicken, eilt ihm voraus wie sein langgestreckter Schatten. Der hochgewachsene, gertenschlanke Israeli, der die aufbrausende, perkussive, elektronische Musik seiner Stücke meistens selbst schreibt, studierte in seiner Heimat gleichzeitig Tanz und Schlagzeug. Dann verdingte er sich in Tel Aviv als Interpret der weltbekannten Kompanie Batsheva, in der Ohad Naharin seine Gaga-Technik entwickelte, die den menschlichen Körper praktisch aller Grenzen der Motorik entledigt. Doch als Shechter den nächsten Schritt gehen wollte, um als Choreograf seine eigenen Ideen zu verwirklichen, hakte es in Sachen Inspiration. Schuld waren die Spannungen und Spaltungen, an denen in der israelischen Gesellschaft kein Weg vorbeiführt. So zog es Shechter nach Europa, wie vor ihm schon etliche israelische Choreograf*innen. Erst nach zwei Jahren kontinuierlichen Lebens in London fand er zu seiner eigenen kreativen Energie. „In Israel spürte ich, dass es nicht funktionierte“, sagte er 2011. Er musste erst einmal Abstand gewinnen. Doch das heißt nicht, dass es in seinen Stücken nun entspannt zugehe. Die Mischung aus unterschwelliger Gewalt und feiernder Gemeinschaft führt dazu, dass sich dort immer wieder Gewitterstürme entladen.

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Inszenierung Hofesh Shechter Choreografie und Musik Tom Visser Lichtdesign Osnat Kelner Kostümdesign

On Stage ( Shechter II ) Tristan Carter, Cristel de Frankrijker, Justine Gouache, Zakarius Harry, Alex Haskins, Oscar Jinghu Li, Keanah Faith Simin, Chanel Vyent

Produktion Chien-Ming Chang Probenleitung Oran O’Neill Technische Leitung Andrej Gubanov Lichttechnik Contemporary Dance 2.0 ist eine Produktion der Hofesh Shechter Company

Koproduktion Koproduziert von Düsseldorf Festival! und Espace 1789 Saint-Ouen Mit Produktionsunterstützung des Théâtre de la Ville ­Paris, ­Teatro Comunale Città di Vicenza und einem ­Produktionsaufenthalt im Arts Depot, London. Hofesh Shechter Company wird bei der Durchführung von S ­ hechter II 2022 i­nsbesondere von der John Ellerman Foundation unterstützt. Hofesh Shechter Company wird gefördert vom Arts Council E ­ ngland und von der Fondation BNP Paribas für die Entwicklung ihrer Projekte.


Der wahre Tanz unserer Zeit

wie in allen anderen, die ich kreiere, darum, Fragen zu stellen und nicht etwa darum, dem Publikum Antworten aufzudrängen.“ Die Beziehung zwischen diesen Formen aktuellen Tanzes und der Kompanie Shechter II ist offensichtlich. Da kommt eine neue Generation von Interpret*innen zum Zug, die auf der Bühne verkörpern kann, womit sie im wahren Leben in Beziehung steht. Das soll keine Simplifizierung darstellen, sondern Authentizität fördern.

Feiern statt feuern Shechters Idee einer Community, die sich über ihre Körperlichkeit definiert und ihre eigenen Rituale entwickelt, verschiebt sich von folkloristischen Wurzeln in die Welt des Clubbing. „In der heutigen Welt erlaubt das Tanzen in Clubs der Jugend, eine Beziehung zum eigenen Körper zu entwickeln und über den Tanz untereinander zu kommunizieren. Es ist ein Weg, um sich in eine Art Rausch zu versetzen und dem Alltag zu entfliehen.“ So setzt er die Clubbing-Szene mit der ursprünglichen Rolle des Tanzes für die Menschheit in Verbindung. Und siehe da, es hat sich gar nicht so viel verändert: „Der Tanz trat in den menschlichen Zivilisationen sehr früh als zeremonielle und g ­ eradezu spirituelle Kraft in Erscheinung. Die Übertragung von dem einen Bereich in den anderen interessiert mich sehr.“ Und nicht nur das. Es geht ihm auch um den Status des Bühnentanzes und den Bezug, den eine neue Generation zwischen ihrer Realität und der Kreation herstellen kann. Wenn Tanz als Kunstform nicht mehr mit der gelebten Realität in Bezug steht, entfremdet sich das potenzielle Publikum von der Kreation für die Bühne. Mit „Contemporary Dance 2.0“ will er erreichen, dass die Bühne nicht länger der Ort einer offiziellen Kultur ist, die sich hinter dem Status der Hochkultur verschanzt.

„ In der heutigen Welt erlaubt das Tanzen in Clubs der Jugend, eine Beziehung zum eigenen Körper zu entwickeln.“

© Tom Visser

Das tribale Element, das Folkloristische, die Mischung aus Lebensdrang und Todesangst sind sein unverkennbares Markenzeichen. Der Wunsch, auch mal ein leichteres Stück zu kreieren, ist durchaus vorhanden. Aber leicht fiel ihm das bisher nicht. 2013 wagte er einen konkreten Versuch. „Sun“ sollte so ein Stück werden. Ein sonniges. Aber als er es dem Publikum vorstellte, musste er eingestehen, dass wiederum politische und gesellschaftliche Problematiken die Oberhand gewannen. Humor ja, aber in düsterem, sarkastischem Gewand. Wie auch später in „Barbarians“. Shechters trommelnde Grundstimmung hatte sich noch lange nicht verzogen und man darf sich darauf einstellen, dass der Sturm (und Drang) seiner Stücke weiter über die Bühnen ziehen wird. Doch es gibt Aufheiterungen, vorübergehend und lokal. Zu diesen gehört ein neues, kurzes Stück das er „The Fix“ nannte: Die Reparatur. Da verscheucht er die bösen Geister und Spannungen der Lockdown-Zeit mit Zärtlichkeit. Ein ganz neues Shechter-Gefühl ist das. Nicht ganz so weit geht er in „Contemporary Dance“, ein Stück, dessen erste Version er 2019 als Gastchoreograf für die GöteborgsOperans Danskompani entwickelte. Da herrscht festliche Stimmung, ohne dass von außen Spannungen hereingetragen werden. Schweden ist in der Tat noch einmal entspannter als London. An der Themse entstand nun die Neufassung des Stücks für Shechter II, seine Nachwuchstruppe mit der er des Öfteren ein Stück aus seinem Repertoire überarbeitet. Und „Contemporary Dance“ eignet sich dafür ganz besonders gut. Der Titel ist eine Herausforderung an sich. Oder eine Anmaßung, ganz wie man will. „Ich bin schon gefragt worden, ob das Sarkasmus ist, oder über wen ich mich da lustig machen will“, erzählt er. Es klingt in der Tat so, als wolle er das ganze Genre des zeitgenössischen Tanzes neu aufrollen oder definieren. Ganz so ist es nicht, aber es geht ihm in der Tat um den Begriff. „Welcher Tanz definiert unsere Epoche? Viele Tanzstile verbreiten sich inzwischen über die Medien und der wahre Tanz von heute wird in den Clubs praktiziert. Als Choreograf obliegt es mir, mich mit der Realität, die mich umgibt, auseinanderzusetzen. Aber natürlich geht es in diesem Stück,

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© Tom Visser

Die Nähe zur Trance war auch in seinen bisherigen Stücken präsent. Da entfaltet sich, was er als „schizophren“ analy­ siert: „Der Choreograf muss Ordnung schaffen und gleichzeitig diese Ordnung infrage stellen, sie sprengen.“ So sucht er nach Ereignissen, die seine eigene Ordnung stören. Da geht es typischer Weise um einen Kontrollverlust, der sowohl zur Eks­ tase als auch zu Gewalt führen kann, wenn sich die Figuren eines Stücks gegenseitig pushen, bis sie einen euphorisierten Zustand erreichen, in welchem sie durchaus in den Krieg ziehen könnten. Doch „Contemporary Dance 2.0“ verändert die Paradigmen. Da ist die Feier das alleinige Ziel, mit der Musik als Motor der Trance. „Es stimmt, dass ich es liebe, mich von repetitiven Rhythmen tragen zu lassen und dass ich wohl deshalb selbst häufig diese Art von Musik komponiere. Sie erlaubt mir, mich meinen Gefühlen und Empfindungen hinzugeben.“ Wenn er für seine eigene choreografische Arbeit komponiert, dann gleichzeitig zur Entstehung des Stücks, sodass eine intime, organische Verbindung entsteht. „Ich komponiere zum Teil intuitiv und wirklich aus dem Bauch heraus. Andere Teile entstehen bewusst, aus der Reflexion über die Emotionen, die ich hervorrufen will. Die Musik von „Contemporary Dance 2.0“ ist daher in vielen Teilen pulsierend und repetitiv, während andere Momente sanfter und sentimentaler sind“, beschreibt er die Stimmungslage. Ähnlich hält er es mit den Kostümen, die er ebenfalls selbst entwirft. In „Contemporary Dance“ geschah das in Zusammenarbeit mit der israelischen Choreo­grafin, Kostümdesignerin und Szenografin Osnat Kelner. So überlässt Shechter, immer auf der Suche nach einer gemeinsamen Sprache aller Bühnenelemente, nichts dem Zufall. Und die Kostüme wollte er hier „in einem Geist von Freiheit, wenn nicht sogar ziemlich wild“ in Erscheinung treten lassen. Das Ergebnis bezeichnet er als „leicht anarchisch, mit einer Sammlung von Kleidungsstücken, die infrage stellen, was wir unter einem Hemd oder einer Hose verstehen.“

Ein offener Prozess Das heißt nicht, dass er zu Beginn einer Arbeit mit seinen Tänzer*innen diesen ein völlig unbeschriebenes Blatt zu Füßen legt. Ideen zu Musik und Stimmungen bringt er zu Beginn des Arbeitsprozesses mit ins Studio und Gespräche mit den Tänzer*innen können weitere Anhaltspunkte und Anregun-

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© Tom Visser

gen liefern. Dann wird in Improvisationen choreografisches Material erarbeitet, aus dem er Bewegungsabfolgen und erste choreografische Sequenzen entwickelt. Das allein ist eher normal als sensationell. Kaum ein*e Choreograf*in geht heute noch mit vorgefassten, schablonenhaften Bewegungsmustern in den Schaffensprozess mit den Interpret*innen. Doch viele arbeiten an präzise definierten Themen und Motiven, während Shechter auf allgemeinerer Ebene emotionelle Einfärbungen und seelische Zustände heraufbeschwört. Auch deshalb arbeitet er gerne mit besonders sensiblen und kreativen Tänzer*innen. Wenn er ein neues Stück mit seiner Hauptkompanie kreiert, zieht er sich oft mit den Tänzer*innen zurück. Dabei lässt er sich gerne immer wieder überraschen: von sich selbst, den Tänzer*innen, dem Effekt der Musik, den Emotionen. Da will er Energien zirkulieren lassen, und dass sich eine gewisse Wucht entfaltet. „Würde ich die Stücke so kreieren, wie ich sie mir eingangs vorstelle, wären sie deutlich weniger interessant“, sagte er 2015 anlässlich der Kreation von Barbarians. Zu mehreren Kreationen mietete die Kompanie sich in einem Dorf in Italien ein und Shechter öffnete den Interpret*innen dort auch sein improvisiertes Musikstudio und lud sie ein, ihrerseits musikalisch zu experimentieren und eigene Ideen zu verwirklichen. Ob in der Hauptkompanie oder mit seinem jungen Ensemble Shechter II, er wird zu jeder Audition von Bewerbun­ gen regelrecht überschwemmt. Aus aller Welt kommen die Kandidat*innen, und so ist er in der Lage, die Crème der Nachwuchstänzer*innen in seinem Studio zu vereinen. Es gibt eigentlich nur eine Tanzkompanie auf der Welt, die eine noch stärkere Faszination auf Tänzer*innen ausübt, und das ist die Batsheva, Shechters Ursprungstruppe. Der große Zuspruch für seine Arbeit in London beeindrucke ihn immer wieder, erklärt er, und das gerade weil es ihn an seine eigene Jugend erinnert. Der Tanz gab seinem Leben einen Sinn, als er jung war und nicht wusste, was er mit seinem Leben anfangen sollte. Das habe ihm sehr geholfen, und er möchte diese Hilfe heute anderen, jungen Menschen zuteilwerden lassen, beschreibt er das Motiv, das ihn ursprünglich zur Gründung von Shechter II veranlasste.

Sponsor: Brochmann GmbH (21.9.)

Gefördert vom Ministerium für Kultur und W ­ issenschaft des Landes NRW

Mit freundlicher Unterstützung durch die the niu H ­ otels

STARS IN DER MANEGE: GOLD UND SILBER VON DEGUSSA. DEGUSSA-GOLDHANDEL.DE Degussa Goldhandel GmbH  In der KÖ Galerie  Königsallee 60  40212 Düsseldorf  Telefon: 0211 1306858-0  E-Mail: duesseldorf@degussa-goldhandel.de

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verletzliche Ewigkeit

© Neda Navaee

Ukraine und verändert das Stück. Die reflektierenden Sprechpassagen, die es in ihrer Fassung neu erhält, werden aus dem Moment heraus ganz neu geschrieben. „‚Dona nobis pacem‘ spitzt sich zu“, sagt sie. „Aber das ist nicht ein festliches Abschlussfriedensstück, sondern ein Flehen um Frieden. Ich habe die h-Moll-Messe oft gespielt, aber so habe ich das nie erlebt, so habe ich das noch nie empfunden. Durch die Texte von Jürg hat es eine krasse Gegenwärtigkeit erhalten“, erzählt die Cembalistin und Vordenkerin einer neuen Herangehensweise an Alte Musik über diese erste Aufführung und die Impulse des Schweizer Schriftstellers Jürg Halter, die einzelne Passagen des Originals durch

Missa Miniatura Ensemble Continuum Mi 21.9., 20 Uhr, Johanneskirche Spieldauer: ca. 105 Minuten ohne Pause

Steffen Greiner

Die Cembalistin ­Elina A ­ lbach e ­ rkundet mit ihrem E ­ nsemble ­CONTINUUM Barock­ werke als transparente Stücke voll Fragilität. Ihre „Missa miniatura“ entdeckt Bachs l­egen­däre h-Moll-Messe neu als ­spirituelle Suche für ein reduziertes Kammer­ musikensemble.

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Es ist ein Vermächtnis, so zumindest interpretiert man es, sein letztes großes Vokalwerk: Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe. Er selbst gab ihr nicht einmal einen Titel. „Große catholische Messe“, nennt sie sein Sohn Carl Philipp Emanuel Bach im Nachlassverzeichnis: Der gesamte Messetext ist hier vertont, zwischen 1748 und 1749, tief griff er dabei in sein eigenes Werk, arbeitete um, schuf neu, zeigte noch einmal seine ganze Kunst und vollendete die Messe Monate vor seinem Tod – vom Kyrie Eleison bis zum Agnus Dei und „Gib uns deinen Frieden“. Dabei scheint Bachs Musik die jahrhundertealten sakralen Phrasen zu transzendieren. Sie scheint aufs Neue zu fragen, wie das Sein des Einzelnen seine Ruhe in der kosmischen Ganzheit finden kann. Ein bewegendes Werk, eines der meistgespielten Bachs, aber auch eines, das sich zwischen großer Geste und berührender Schlichtheit seit Jahrhunderten nicht abzunutzen scheint. Als Elina Albach mit CONTINUUM die „Missa miniatura“ uraufführte, ihre radikale Neubearbeitung eines der legendärsten Werke des Barock, steht die Welt seit wenigen Tagen still. Mitten in der Probenzeit in Berlin beginnt der russische Angriffskrieg gegen die

„ Wir haben das Stück Tage nach dem Überfall auf die U ­ kraine aufgeführt, und so lange das nicht gelöst wird, werden wir es als Statement für den Frieden spielen.“ Reflexionen darüber zu ersetzen, was die Themen einer „großen katholischen Messe“ uns Zeitgenoss*innen, Teile einer säkularen Gesellschaft mit großem Heilsbedürfnis, heute sagen können. „Was passiert mit uns Menschen angesichts von Krieg, angesichts von Katastrophen? Das betrifft ja ganz genauso die Klimakatastrophe. Wir haben das Stück Tage nach dem Überfall auf die Ukraine aufgeführt, und so lange das nicht gelöst wird, werden wir es als Statement für den Frieden spielen. Und dann ist vermutlich die nächste Katastrophe da.“ Albachs „Missa“ ist eine völlig andere h-Moll-Messe als das getragene Monumentalwerk in der Interpretation von Karl Richter oder in der experimentell authentischen eines Philippe Herreweghe – keine bessere, keine perfektere. Aber eine radikal andere. Statt eines Orchesters und eines großen Chors steht ein kleines Kammermusikensemble mit einer Handvoll Sänger*innen auf der Bühne. „Miniatur“ ist dennoch der falsche Ausdruck, zu intensiv gerät ihr die „Missa“, die Emotionen noch immer ganz Barock, noch immer überlebensgroß in ihren Extremen. Nicht zum ersten Mal bearbeitet Elina Albach ein großes Barockwerk ei-


genwillig neu. Die Absolventin der Schola Cantorum Basiliensis, selbst Dozentin an den Musikhochschulen von Detmold und Dresden, vor allem aber Gründerin eines fluiden Ensembles, CONTINUUM, das als Ventil ihrer Visionen in immer neuen Formen sich bildet, für Projekte, die die Aktualität der Alten Musik ausloteten, Alte und zeitgenössische Musik innovativ verschränken und ein neues Repertoires für barockes Instrumentarium erschließen wollen, erhielt 2019 den wichtigen Preis OPUS Klassik für die Aufführung ihrer Bearbeitung der Johannespassion. Damals deutete sie Bach für eine Trio-Besetzung neu. Die „Johannespassion für Tenor allein, Cembalo, Orgel und Schlagwerk“ wurde am Karfreitag 2020 in der Leipziger Thomaskirche aufgeführt und berührte Menschen weltweit: Reduziert bis zur berückenden Einsamkeit und von dichter Unmittelbarkeit, schien der Klang der Johannespassion die Lage widerzuspiegeln, in die die Welt in dieser Hochphase des ersten Corona-Lockdowns geraten war. Es ist nicht nur eine Verletzlichkeit, die CONTINUUM nachzeichnet, also ein künstlerischer Effekt, der im Material durchaus angelegt ist, eine Verletzlichkeit des Klangs, die als Emotion sich im Publikum spiegelt, sondern auch eine, die die Musiker*innen selbst betrifft, auch bei der „Missa“. Verdichtet auf eine Kammermusikversion für sieben Instrumentalist*innen und sechs Sänger*innen, fordert das Stück nicht nur die einzelnen Protagonist*innen heraus, sondern exponiert sie auch. Für viele Musiker*innen in der Alten Musik ist die h-Moll-Messe Teil des Muskelgedächtnisses, fast automatisiert sind die Orchesterstimmen. Nun verteilen sich die abwesenden Stimmen auf die übrig gebliebenen: „Dadurch, dass wir viel weniger Instrumente sind als wir eigentlich bräuchten, müssen alle viel mehr spielen, viel mehr Töne. Das sah dann sehr bunt aus, weil es durch alle Stimmen springt“, erklärt Albach. „Für die Instrumente ist es eine neue Komposition.“ Das gilt ganz besonders für Lambert Colson, Philipp Lamprecht und Liam Byrne. Colson gehört zu den wichtigsten Zinkenisten der Gegenwart, sein Instrument hatte seine Hochzeit im 17. Jahrhundert – Bach hat ohne Zink komponiert. Auch ohne die Gambe, die Byrne spielt: Als Solist veröffentlichte er sein Album-Debüt beim wegweisenden Neoklassik-Label Bedroom Community, er arbeitet regelmäßig mit Protagonisten

Alter Musik genauso wie mit Pop-Ikonen wie Damon Albarn. Und auch Philipp Lamprechts vielfältiges Schlagwerk taucht nicht in der Partitur Bachs auf, das Vibrafon übernimmt Töne von Fanfaren und Streichern. Großen Respekt hatte Albach vor dem Original-Material, natürlich: „Es ist eines der größten Stücke, die es so gibt. Ich war jedes Mal aufs Neue überwältigt, es ist so komplex, so überwältigend, es gibt nichts Besseres. Es sind die vielen kleinen Momente da, es sind die großen da, die ganze Welt wird aufgemacht, die Verbindung von Himmel und Erde wird eröffnet. Das ist schon irre“, sagt sie. Und dann zerschneidet sie das mutig und fügt neu zusammen. Beziehungsweise: zerschneidet und schlägt vor. Während die Johannespassion mit den Leiden Jesu ein klares Narrativ bot, das auch als Wegweiser durch die Verdichtung führte und gar die Reduktion auf eine einzelne Gesangsstimme erlaubte, sind die Kontrapunkte bei der h-Moll-Messe wesentlich komplexer neu zu arrangieren. Im Oktober 2021 kamen die von ihr ausgewählten Musiker*innen, allesamt Teil des CONTINUUM-Pools, zu einer Klausur zusammen und verteilten die Töne zumindest teilweise noch einmal ganz anders. Jeder Ton des Originals wird nun gespielt, nur auf völlig neu verfugte Weise. „Die Musiker wähle ich nicht aus, weil sie Instrumente spielen, sondern aufgrund ihrer Persönlichkeit. Man kann damit perfekt ein ganzes Orchester ersetzen. Das hat mich überrascht. Weil es keinen Moment gibt, wo ich denke: Das ist eine Hilfslösung. Jede Stimme ist perfekt so.“ Auch ihre Hoffnung, mit dem reduzierten Klang eine Transparenz zu schaffen, die offenlegt, wie Bach Stimmführung und Klangfarben dachte, hat sich in der bewegenden „Missa miniatura“ erfüllt. Wobei: Jeder Ton, das stimmt natürlich nicht. Denn Albach hat die Miniatur-Messe doch deutlich eingekürzt, viele Wege, die Bach musikalisch dem Ritus entsprechend geht, werden nun durch die Texte Jürg Halters zu Brücken. Stimmungen werden in seinen Worten aus Stücken aufgefangen, transformiert und in die Atmosphären der folgenden Klänge harmonisch weitergeleitet. Nicht nur „Dona nobis pacem“ als Flehen für den Frieden, auch die Frage, wie Glaube zu bekennen ist in Zeiten von Angst und Hoffnungslosigkeit. „Es gibt diesen Messzyklus, der mir als nicht-katholische Person nicht nahe ist. Wie kann

ich diese Stücke mit unseren Mitteln erzählen?“ Die Messe Bachs erhält so explizit eine Dimension, die ihr implizit für viele Hörer*innen immer schon innezuwohnen schien. „Bin dankbar“, so geht ein auf der Bühne vorgetragenes Rezitativ Halters, „dass ich hier stehen und verzweifeln darf, Zeit zum Verzweifeln habe, Zeit habe, mich von meinen Gedanken zerreißen zu lassen und darüber doch nicht zu sterben.“ Eine zeitlose Barock-Messe als Privilegiencheck im fragilen Frieden, eine Ewigkeit ganz für das Heute.

Ensemble Continuum Marie Luise Werneburg Sopran Viola Blache Sopran Alex Potter Countertenor Tobias Knaus Countertenor Raphael Höhn Tenor Tobias Berndt Bass Joosten Ellée Violine Johanna Bartz Traversflöte Lambert Colson Zink Liam Byrne Viola da Gamba Daniel Rosin Violoncello Philipp Lamprecht Perkussion Elina Albach Cembalo/Orgel, Leitung Thomas Halle Sprecher

Gefördert durch die Initiative Musik im Rahmen von Neustart Kultur aus Mitteln der Beauftragten der Bundes­regierung für Kultur und Medien

Gefördert vom Ministerium für Kultur und ­Wissenschaft des Landes NRW

Mit freundlicher Unterstützung durch die ­Johanneskirche D ­ üsseldorf und die the niu hotels

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Große Klangkunst Ólafur Arnalds © Anna Maggy

German Brass © Sebastian Madej

heinersdorff-konzerte.de

26.09.2022

19.12.2022

German Brass

Christmas around the world Martin Grubinger © Simon Pauly

Christoph Spering © Stephanie Kunde

Ólafur Arnalds & Ensemble

31.12.2022

09.03.2023

Silvesterkonzert

Martin Grubinger & Friends

The King‘s Singers © Marco Borggreve

Max Mutzke © Agentur

Ludwig van Beethoven Sinfonie Nr. 9

24.03.2023

Max Mutzke & WDR Funkhausorchester

04.05.2023

The King’s Singers Finding Harmony

Alle Konzerte finden in der Tonhalle statt.

Tickets und Informationen auf www.heinersdorff-konzerte.de

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Eine Koproduktion mit der Opera Vlaanderen

GIUSEPPE VERDI

MACBETH Premiere Opernhaus Düsseldorf So 04.09.2022

operamrhein.de

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See Tau

Steffen Greiner

In ihrem Stück „­River / /Fluss“ wird die Tänzerin Tian Gao zu Wasser: eine Reflexion über Flüsse als Verbindung und Grenze und die universale Suche nach einem Ziel.

RIVER /

/ FLUSS – Tian Gao

Do 22.9., 19.30 Uhr, ­ Tanzhaus NRW Spieldauer: 70 Minuten ohne Pause

© Christoph Püschner / Zeitenspiegel

ehe sie weltweit bekannt wurde als Ort, an dem ein derzeit allgegenwärtiges Virus auf seinen ersten menschlichen Wirt übersprang. Der Jangtsekiang, der drittlängste Fluss der Erde, fließt durch die Stadt, der Han Jiang, der Han-Fluss, mündet dort in ihn. 7912 Kilometer sind Jangtse und Han zusammen lang,

Tian Gao & Joosten Ellée Idee, Konzept Tian Gao Tanz, Choreografie Giorgio De Santis Bühne, Video PODIUM Ensemble Isabel Pfefferkorn Gesang Nina Gurol Klavier Philipp Lamprecht, Felix Ernst, Moritz Wappler & Hannes Brugger Schlagwerk

Programm Dietrich Buxtehude (1637 – 1707)

Sinfonia aus „Gott hilf mir“

Anna S. Þorvaldsdóttir (*1977 )

Aura

Caroline Shaw (*1982 )

Narrow Sea Part I & II

inti figgis-vizueta (*1993 )

to give you form and breath

Caroline Shaw (*1982)

Narrow Sea Part III & IV

Emilie Mayer (1812 – 1883)

I II. Un poco adagio aus Sonate d-Moll für Klavier

Caroline Shaw (*1982 )

Narrow Sea Part V

Eine Koproduktion von PODIUM E ­ sslingen und ­Düsseldorf Festival!

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Im Sommer kehrt die Spree seit einigen Jahren immer wieder ihre Fließrichtung um. Die majestätische Havel, ein Nebenfluss der Elbe, drückt dann an der Mündung in Berlin-Spandau ihre Fluten in ihr Flussbett. Die Spree führt notorisch nicht genug Wasser mit sich, Dürre als Dauerzustand. In Tian Gaos Heimatstadt hingegen steigt der Jangtse jeden Sommer über die Ufer. Zuletzt entschied man sich, die Gebäude am Ufer abzureißen, um dem Fluss keine Hindernisse zu bieten – er sucht sich ja sowieso seinen Weg. Ausgerechnet die Spree aber ist es, die einst für Tian Gao die Inspiration lieferte zum Stück „River / / Fluss“. Als sie vor einigen Jahren in die Hauptstadt zog, fühlte die Tänzerin und Choreografin sich heimatlos, fast verloren, berichtet sie 2020 im Film „From the Yangtze to the Spree“, aus dem zwei Jahre später das Tanzstück hervorging. Es war der Fluss, der ihr Halt gab. Das Fließen der Spree, die im Zentrum Berlins sich durchaus nach einem richtigen Fluss anfühlt, nicht nach einem Rinnsal, erinnerte sie an das Fließen der Flüsse ihrer Heimatstadt Wuhan. Die war in China bekannt als „Stadt der Flüsse“,

„ Unsere Körper sind doch sowieso aus Wasser ...“ so lang, dass Wuhan, erzählt Tian Gao, auf jeder Karte der Welt leicht zu finden ist, verfolgt man die beiden Ströme zu ihrem Zusammenfluss. Spree und Havel kommen zusammen nur auf 725, Ruhr und Rhein, an deren Ufern Gao zuvor lebte, schaffen immerhin, wenn auch sehr unterschiedlich verteilt, zusammen 1452 Kilometer. „Flüsse sind ein unersetzbares Element jeder Stadt, in der ich je lebte, so präsent, dass wir manchmal vergessen, wie sehr sie uns in unserem alltäglichen Leben begleiten“, sagt Tian Gao. „Fluss ist Ursprung, Fluss ist Teilung, Fluss ist Zeit, Fluss ist Naturgewalt. Fluss ist Sehnsucht und Fluss ist Ankunft. Ich glaube, am Ende ist der Fluss ein Symbol: Egal, wo jemand geboren wurde, an einem Fluss oder einem Meer oder in den Bergen, wir kommen alle aus der Natur und leben ein Leben in einer menschlichen Gesellschaft, erfahren Sorgen und Freude, Begegnungen und Abschiede, erhalten aus der Natur Inspiration und Weisheit und suchen für immer nach einer Antwort.“ Vielleicht braucht es also gerade die fast surreale Welt von „River / / Fluss“, diese Vertrautheit zu erkunden. Hermetisch fokussiert ist die Bühnengestaltung des Künstlers Giorgio De Santis, spärlich nur fällt Licht auf die Dunkelheit, der Boden glänzt wie Wasser, ein Wasserfall scheint sich im Hintergrund, neben Flügel und den großen Aufbauten des


Schlagwerks, hier bedient von gleich vier Musiker*innen, in den Raum zu ergießen. Und in dieser Welt bewegt sich Tian Gao, ausgebildet u. a. an der Essener Folkwang-Universität, heute Mitglied des Ensembles „Sasha Waltz & Guests“, eine Tänzerin mit intensiven körperlichen Ausdrucksmöglichkeiten und visionärer Intellektualität. Flüsse als Identität sind das Leitmotiv, bisweilen scheint sie selbst Fluss zu werden: „Unsere Körper sind doch sowieso aus Wasser“, sagt Tian Gao, „sich dessen bewusst zu sein und genau in unsere Körper hineinzuhören, bedeutet, alle unsere Bewegungen als flüssig und transformativ zu begreifen“. Als wäre es also eigentlich nicht einmal eine Verwandlung, die da stattfindet, auf der Bühne, wenn Tian Gao, eben noch am Ruder, nun eben selbst zu fließen scheint, zu zerfließen. Sie erklärt ihre Herangehensweise so: „Ich schrieb viele Stichworte auf, die ich mit ‚Fluss‘ assoziierte, zum Beispiel in der Kategorie ‚Formen von Wasser‘: Ich schrieb ‚Teich‘, ‚Schmelzwasser‘, ‚See‘, ‚Ozean‘, ‚Tau‘, ‚Nebel‘. Dann kreierte ich für alle diese Worte eine gestische Phrase, sammelte die und stellte sie mir als Schachfiguren vor, die ich verschieben kann und mit denen ich spiele.“ Ganze Sätze entstehen so. Aber: Was so strategisch klingt, hat auch eine starke emotionale Komponente. Ihre Choreographie beginnt mit Gefühlen und Intuitionen, die in einer rationalen Grammatik des Tanzes gehegt werden. Die aber gerade wiederum erlaubt es der Tänzerin, Emotionen freizusetzen.

Formen von Wasser: Was ist ein Fluss, wann fängt er an? Ist ein Brunnen ein Fluss, eine Pfütze? Ist es ein Fluss, wenn Tian Gao die Soundkulisse mit dem großen Regenmacher prägt, der ihr einmal Ruder ist, einmal Arm, einmal Regen? Oder „ein Besen, eine Rettungsleine, ein Bambusstab, über den man Wäsche hängt auf dem Balkon meiner Großmutter“, ergänzt Tian Gao: „Eine abstrakte Form einer Linie – eine Trennung und eine Verbindung.“ Ist es ein Fluss, wenn Isabell Pfefferkorn, die großartige Mezzosopranistin, die den Abend gesanglich gestaltet, bedächtig

„ Mein Stück ist a ­ llen Menschen g ­ ewidmet, egal ob am Jordan oder am Jangtse, an der Spree oder an der Ruhr …“ Wasser von einem Gefäß ins nächste gießt? Die Geste ist Teil der Dramaturgie des intensiven fünfteiligen Stücks „Narrow Sea“ der Pulitzerpreis-Trägerin und Grammy-Gewinnerin Caroline Shaw, das im Zentrum des Soundtracks des Stücks steht. „Narrow Sea“ von 2017 ist eine Auseinandersetzung mit Wasser, explizit dem Fluss Jordan – es vertont Texte geistlicher Hymnen des 19. Jahrhunderts – aber auch den Flüssen als Wege und Grenzen und Schwellen. Shaw hat es allen Menschen

auf der Flucht gewidmet, Flüsse sind schließlich nicht nur Heimat, sondern auch Migration. „Mein Stück“, antwortet Tian Gao, „ist allen Menschen gewidmet, egal ob am Jordan oder am Jangtse, an der Spree oder an der Ruhr, uns allen, die wir uns selbst spüren in dem, was uns umgibt, die wir nach unserer Vergangenheit und Gegenwart suchen, einem nächsten Schritt oder einem Ziel.“ Ein Universalismus, der in diesem Stück über das verbindende, trennende Wasser ganz sicher nicht in Kitsch ertrinkt.

Gefördert durch die Initiative Musik im Rahmen von Neustart Kultur aus M ­ itteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien

Gefördert vom Ministerium für Kultur und ­Wissenschaft des Landes NRW

Mit freundlicher Unterstützung durch die VivArteStiftung, die the niu hotels und das tanzhaus nrw

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Sarod – Jarry Singla, ­EASTERN FLOWERS Do 22.9., 19 Uhr, Deutsche Bundesbank Spieldauer: 90 Minuten mit Pause

Jarry Singla Klavier, indisches Harmonium, ­Kompositionen, Arrangements Pratik Shrivastav Sarod Ramesh Shotham südindische und w ­ estliche ­Perkussion Christian Ramond Kontrabass

Mit freundlicher Unterstützung durch die Deutsche Bundesbank, Hauptverwaltung Nordrhein-­ Westfalen und das Auszeit Hotel Düsseldorf

Gefördert durch die Initiative Musik im Rahmen von Neustart Kultur aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien

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© Jürgen Bindrim

Musik aller Dogmen

Bereits beim letzten Festival-Jahrgang begeisterte das Trio Jarry Singla EASTERN FLOWERS mit seiner rasanten transkulturellen Mixtur aus indischer Kunst- und Tempelmusik, Jazz, Elementen der barocken Kontrapunktlehre und Klang-Inspirationen durch den französischen Klangtüftler Olivier Messiaen.

Das intuitiv wirkende Zusammenspiel der drei Künstler spürt zugleich den Wurzeln ihrer indischen Herkunft nach und lässt zugleich ihrem avantgardistischen Forscherdrang freien Lauf. Jarry Singla gründete 2009 sein Trio, das wie kaum ein anderes Ensemble das Konzept der musikalischen Interkulturalität verkörpert. Seine beiden musikalischen Begleiter, WDR-Jazzpreis-Gewinner Ramesh Shotham und Kontrabassist Christian Ramond, haben ebenfalls indische Wurzeln. Shotham kommt aus dem südindi­ schen Chennai, kann auf über 150 Alben verweisen und ist einer der meistbeschäftigten indischen Jazz-Perkussionisten überhaupt, Christian Ramond jazzte schon mit Legenden wie Albert Mangelsdorff, Kenny Wheeler und Lee Konitz. Nun treffen die drei Virtuosen auf Pratik Shrivastav, einen der kreativsten Musiker Indiens, dessen Spiel auf der Langhalslaute Sarod Jarry Singla bereits vor Jahren bei einem Residenzstipendium in der Zwölf-Millionen-Metropole Mumbai faszinierte. Vier Musiker mit indischen Wurzeln begeben sich auf die Suche nach einem Weg, der alle herkömmlichen Dogmen vergessen und Okzident und Orient miteinander verschmelzen lässt. „Hört man den Pianisten Jarry Singla, den Kontrabassisten Christian Ramond und den Perkussionisten Ramesh Shotham, dann kommt einem eine musikbezogene Kernaussage des Komponisten Karlheinz Stockhausen in den Sinn: „Jeder Mensch trägt die ganze Menschheit in sich.“ (Südkurier) „Jarry Singla geht es ganz grundlegend um aufgebrochene, globale Klangwelten. […] Durch forschende Offenheit und den Einsatz von spielerischer Harmonie und faszinierendem Ideenreichtum gibt das Trio seinen Stücken tiefe innere Spannung, brachiale Kraft und nicht zuletzt eine erhabene Schönheit mit auf den Weg.“ (Jazzthetik)

„ ... ­aufgebrochene, globale Klang­ welten.“


Maschinenmusik © Nikolai ­S zymanski

Airchina Nikolai Szymanski Do 22.9., 20 Uhr, ­Theaterbar Spieldauer: 60 Minuten ohne Pause

Der Komponist, Sänger, Elektroniker und bildende Künstler Nikolai Szymanski gründete mit zwei Schulfreunden 2007 die Band Stabil Elite, die sich in der Tradition des Düsseldorfer Krautrock und der Elektromusik verortet und nicht ganz zufällig in der Presse einmal als „Kraftwerk 2.0“ bezeichnet wurde. Szymanskis Solo-Projekt trägt den vieldeutigen Namen Airchina und steht für schwerelose, instrumentale Maschinenmusik, die gelegentlich von einer verhuschten Stimme oder einem synthetischen Chor geisterhaft begleitet wird. Eine sich immer neu zusammenfügende Collage aus Ambient, Pop und experimenteller, elektronischer (Tanz-)Musik. Die Debüt-CD von Airchina erschien 2018, mittlerweile ist bereits die dritte

in Vorbereitung und wird taufrisch beim Festival präsentiert. Die Dramaturgie des Albums orientiert sich unter anderem an dokumentierten Orten, die aus Szymanskis fotografischem Familienarchiv stammen und wie ein Echo ehemals festgehaltener Momente in Schwarz-Weiß als Fragmente seines Düsseldorfer Lebens­umfelds aufscheinen, die Musik schwebt in einer Balance.

… wie ein Echo ehemals ­festgehaltener Momente in S ­ chwarz-Weiß …

KUNST MUSIK KULTUR an Rhein und Ruhr

Offizieller Partner des Düsseldorf Festivals

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© Joseph Kasau

The Ghosts Are Returning GROUP 50:50 Fr 23.9., 19 Uhr, FFT im KAP1 Spieldauer: 75 Minuten ohne Pause

Leopard sieben ­ Leichen Steffen Greiner

Kolonialismus bedeutet auch Leichenschändung. Das dokumentarische Musiktheaterstück „The Ghosts Are Returning“ des europäischkongolesischen Kollektivs Group50:50 beschäftigt sich mit offenen Wunden der Geschichte im heutigen Kongo: ein Requiem für sieben Skelette und sieben Geister.

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Zwanzigtausend Leichenteile allein im Londoner Natural History Museum: Die Überreste unzähliger Menschen lagern in europäischen Museen und altehrwürdigen Universitäten. Die einen: Arme, Irre und Selbstmörder*innen, in Gebärhäusern verstorbene Frauen und totgeborene Kinder, die Ausgestoßenen, Deklassierten der europäischen Gesellschaften. Die anderen, nicht weniger zahlreich: Menschen aus den Kolonien der europäischen Imperien. Die Medizin und ihr Teilgebiet, der wissenschaftliche Rassismus, der Institutionen wie die Sklaverei und koloniale Unterdrückung rational zu rechtfertigen und begründen suchte, tragen in ihrem Wesenskern die Leichenschändung. Unter dem Vorwand, die ohnehin bald verschwindenden Völker der Welt zu archivieren, erscheint für uns Heutige die Lust an der Trophäe kaum verschleiert. Die Leichen von sieben Kongo­ les*innen, die in der Universität Genf lagern, fallen da kaum ins Gewicht. Und doch stechen sie durch etwas heraus: Anders als die Medizin des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die in ihrer Sammelwut auf die blanke Masse an Material setzte – zu Zeiten, als selbst humanistische Ikonen wie der liberale Arzt und Anatom Rudolf Virchow keine Skrupel zeigten, sich inmitten von Schädeltürmen porträtieren zu lassen –, gelangten sie erst 1952 in die Schweiz. Damals lief bereits die Dekolonisation. Im Kongo allerdings war damals der Zivilbevölkerung noch jede politische Partizipation

verboten. Vermutlich umso mehr im äußersten Nordosten, in den Gebieten der Mbuti, einer ethnischen Minderheit, oft bis heute mit dem alten abwertenden Ausdruck „Pygmäen“ genannt. Dort, in der heutigen Provinz Haut-Uele, schnürte 1952 ein Schweizer Arzt sein Gepäck. In Genf überreichte Boris Abé dann seine Mitbringsel dem Lehrstuhl für Anthropologie: Neben einem Leoparden hatte er sieben menschliche Skelette nach Europa überführt. Bis heute lagern sie in der Universität. Eine Marginalie der Kolonialgeschichte, aber eine, die nicht wenig Einfluss auf reale Strukturen in den betroffenen Gebieten hatte. Denn für die Mbuti sind menschliche Überreste auch Wohnstätten der Geister. Es bleibt nicht nachvollziehbar, auf welchem Weg Abé die Skelette in seinen Besitz brachte, er praktizierte als Arzt vor Ort. Abés Haus, es steht noch heute. Die Group50:50 hat es bei ihrer Recherchereise ausfindig gemacht. „Wir wollten sehen, welche Auswirkungen dieser schreckliche und entmenschlichende Akt, die Körper von Menschen ohne deren Zustimmung im Namen der Wissenschaft auszugraben, auf die Psyche der Menschen hat, die dort leben und die dieser Geschichte am nächsten stehen“, berichtet Christiana Tabaro, seit 2021 Mitglied der Künstlergruppe. „Ich glaube, dass die Nachwirkungen der Kolonialisierung bis heute in den Köpfen der Menschen sehr präsent sind und unsere Ankunft sie nur in diese schlimme Zeit ihres Lebens zu-


rückversetzt hat. Und mir ging es dort ähnlich, mit fast allen Menschen, die wir trafen, mit allen Orten, die wir besuchten, denn ganz Wamba atmete die Kolonialisierung“, sagt sie – Wamba ist der Hauptort der Region, die heute massiv von der Abholzung des Regenwaldes betroffen ist. Die Beschäftigung mit den sieben Skeletten und den Geistern sind die Grundlage des neuen Musiktheaterstücks „The Ghosts Are Returning“, das durch das europäisch-kongolesische Kollektiv auf dem Düsseldorf Festival! zur Uraufführung kommt. Es ist das Nachfolgeprojekt des ebenfalls in Düsseldorf aufgeführten „Herkules von Lubumbashi“ von 2019, ein „Minenoratorium“ frei nach Händel, bei dem der Schweizer Theatermacher und Musiker Elia Rediger und der kongolesische Choreograph und Tänzer Dorine Mokha gemeinsam die Ausbeutung der kongolesischen Rohstoffe und der kongolesischen Arbeiter*innen durch Konzerne wie das Schweizer Unternehmen Glencore untersuchten, die Folgen für Bevölkerung und Umwelt anprangerten. Dorine Mokha starb überraschend im Januar 2021. Die Group50:50, die sich aus Künstler*innen aus der Schweiz, Deutschland und dem Kongo zusammensetzt und sich zum Ziel gesetzt hat, die historischen wie aktuellen Verflechtungen der drei Länder künstlerisch zu erkunden und sich dabei klar für die Restitution ausgeführter Kulturgüter und Reparationen für das koloniale Unrecht ausspricht, entstand auch aus dem Wunsch heraus, die Zusammenarbeit in seinem Sinne zu verstetigen. Mokha war eine zentrale Figur der Kunstszene in Lubumbashi, der zweitgrößten Stadt des Landes, ganz im Südosten. Natürlich ist auch er irgendwie unter jenen Geistern, die nun beschworen werden. Christiana Tabaro gehört zum kongolesischen Teil der Group50:50 und übernimmt zusammen mit Eva-Maria Bertschy, Michael Disanka und Elia Rediger die künstlerische Leitung bei „Ghosts“. Die Schauspielerin und Regisseurin, die in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa lebt und international mit dem von ihr mitbegründeten Collectif d’Art-d’Art auftritt, wurde von Mokha ins Kollektiv geholt – „wir führten denselben Kampf, nämlich die Kunst im Kongo gegen alle Widrigkeiten durchzusetzen“, sagt sie. Während Tabaro vom Theater kommt, sind andere Beteiligte eher im Musikbereich beheimatet oder in der Kuration. Eva-Maria Bertschy aus

der Schweiz zum Beispiel arbeitet als Dramaturgin mit den Regisseuren Milo Rau und Ersan Mondtag. Auf der Bühne begegnen sich schließlich Menschen wie Kojack Kossakamvwe, Gitarrist aus Kinshasa, der den kongolesischen Musikstil der Rumba Lingala mit Jazz-Einflüssen kreuzt und mit einer der Legenden der jüngeren afrikanischen Musik, Papa Wemba, zusammengearbeitet hat, und die deutsche Bratschistin Ruth Kemna. Die stand bereits mit einem wegweisenden Klangkörper der Neuen Musik, dem Ensemble Modern, auf der Bühne und setzte sich zuletzt in Palermo künstlerisch mit den Opfern der europäischen Abschottungspolitik, den toten Körpern an den Stränden Siziliens, auseinander. Doch auch Tabaro hat eine enge Verbindung zur Musik. „In meiner Kultur nimmt uns die Musik schon bei der Geburt mit. In meiner Tradition gibt es viele Lieder, die unsere Vorfahren uns hinterlassen haben: Lieder für die schwangere Frau, für die Geburt eines Babys, wenn das Baby zahnt, wenn es anfängt zu krabbeln, wenn es läuft und wenn es wächst. Musikalische Rhythmen begleiten das ganze Leben. Für mich ist die Musik eine Begleiterin des Lebens. Etwas, das kommt, um mich etwas Tiefgründiges zu lehren, das sich nicht mit einfachen Worten ausdrücken lässt.“ Die Musik von „The Ghosts Are Returning“ verbindet Totenklagen aus europäischer und afrikanischer Tradition und experimentiert mit den polyphonen Gesängen der Mbuti. Das Stück ist multimedial angelegt, große Bildschirme spielen Musik und Menschen aus dem Kongo ein, verbinden Zeiten und Orte.

„ The Ghosts Are ­Returning“ ist auch ein Angriff auf den white gaze, auf die erlernten Exotismen ... Aber: Was sehen weiße Augen, wenn sie heute die Bilder vom Tanz der Mbuti sehen, den die Group50:50 auf der Bühne zeigt, wenn die Musiker*innen mit den Rhythmen der Trommeln, aufgezeichnet im Ituri-Regenwald, interagieren und spielen, über Kontinente hinweg – reale Menschen, die sich mit Klimawandel und Globalisierung auseinandersetzen, oder Abziehbilder von „Pygmäen“? „The Ghosts Are Returning“ ist auch ein Angriff auf den white gaze, auf die erlernten

Exotismen, die hier kontrastieren mit der Lust auf den Anderen – der ja auch für die Mitglieder der Gruppe aus der kongolesischen Mehrheitsgesellschaft das Andere ist. Bei aller Deutlichkeit der Aussage, die nötig ist, wenn es darum geht, heute darzustellen, mit welch paternalistischer Respektlosigkeit bis hin zur Menschenverachtung Kolonialist*innen noch vor kaum mehr als einem halben Jahrhundert den Kongoles*innen begegnet sind: Die Premiere des Musiktheaterstücks ist auch eine Einladung, Komplexitäten anzuerkennen, die oft verloren zu gehen drohen, wenn in Deutschland über „­ Afrika“ geredet wird.

Inszenierung Christiana Tabaro, Eva-Maria Bertschy, ­Michael D ­ isanka, Elia Rediger Regie Kojack Kossakamvwe, Elia Rediger ­Komposition, musikalische Leitung Christiana Tabaro, Eva-Maria Bertschy, ­Michael Disanka, Patrick Mudekereza, Ruth K ­ emna, Elia Rediger Text Eva-Maria Bertschy und Patrick Mudekereza ­Dramaturgie und Diskurs Elia Rediger, Christiana Tabaro, Michael Disanka, Janine Werthmann Bühne, Ausstattung Moritz von Dungern, Joseph Kasau und Elia R ­ ediger Video Philipp Ruoff Ton Sylvain Faye Technische Leitung Pamina Rottok, Véronique Poverello ­Produktionsleitung Joosten Ellée Künstlerischer Leiter ­PODIUM ­Esslingen

On stage Ruth Kemna Bratsche, Performance, C ­ hristiana Tabaro Gesang, Performance, Huguette ­Tolinga Perkussion, Kojack Kossakamwve Gitarre, Franck Moka Elektronik, Performance, Merveil ­Mukadi Bass, Elia Rediger Gesang, Performance „The Ghosts Are Returning“ ist ein gemeinsames Projekt von PODIUM Esslingen mit der GROUP50:50, dem Centre d’Art Waza Lubumbashi und den European Alternatives – in Koproduktion mit CTM Festival Berlin, euro-scene Leipzig, Kaserne Basel und dem Vorarlberger Landestheater (in Kooperation mit dem Düs­ seldorf Festival!)

waza

centre d’art

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Lubumbashi

Mit freundlicher Unterstützung durch die the niu hotels und das FFT Düsseldorf

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Hip-Hop Rückenwind Zéphyr – Mourad ­Merzouki & CCN Cie. Käfig Fr 23.9. – So 25.9., jeweils 20 Uhr, ­Theaterzelt, Burgplatz Spieldauer: 70 Minuten ohne Pause

© Laurent Philippe

Deutschland­premiere

Thomas Hahn

Mourad Merzouki hat die Tanzlandschaft verändert wie kein anderer Choreograf unserer Zeit. Sein neues Stück „Zéphyr“, benannt nach dem Gott der westlichen Winde, reibt sich an rauer See und macht bewegte Luft zu einem Zirkusgerät. Er kommt aus einer Großfamilie, wuchs in der Banlieue von Lyon auf, ging in eine Zirkusschule und gewann als Jugendboxer einen nationalen Meistertitel. Doch immer wieder musste Mourad Merzouki dabei die Erfahrung machen, dass man als Kind algerischer Einwanderer ständig einem latenten oder offenen Rassismus ausgesetzt ist. Lange wusste er daher nicht recht, wo er in dem Land, in dem er 1973 zur Welt kam, seinen Platz finden könnte. Heute trägt er den Kulturorden Officier dans l’Ordre des Arts et des Lettres. Mourad Merzoukis Lebensgeschichte ist aus schillernden Strängen gestrickt. Und doch sagt er: „Es war nicht immer einfach.“ So ist er bei allem künstlerischen Erfolg ein bescheidener Mensch geblieben, der noch immer wie verzaubert zu den kulturellen Eliten aufzublicken scheint. Dabei gehört er seit Langem selbst dazu, während seine Stücke davon zeugen, dass er seine Herkunft nicht vergessen hat. Aus dieser Authentizität erwächst seine enorme Beliebtheit, die sich in rekordhohen Zuschauerzahlen ausdrückt. „Récital“, „Pixel“ oder „Folia“ sind Blockbuster der Tanzlandschaft. In 60 Ländern kamen Merzoukis Werke bereits zur Aufführung, vor Millionen von Zuschauern. Und er ist noch lange nicht am Ende. Viele vergleichen ihn deshalb

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mit Maurice Béjart, und er sagt dazu bescheiden, das ehre ihn – anstatt darauf hinzuweisen, dass Béjart zwar viel für die Erneuerung des Tanzes getan hat, aber nicht wie Merzouki helfen konnte, die Grenzen zwischen sozialen Schichten und Kulturen aufzuweichen. Denn Merzoukis Wirken reicht über den Tanz hinaus. Die Anerkennung, die seine Arbeit dem Hip-Hop-Tanz erstritten hat, versah viele Jugendliche in den sozialen Brennpunkten mit einer Perspektive.

Ein Pionier der Tanzwelt Als Merzouki 1998 „Récital“ kreierte, machte der Hip-Hop einen Quantensprung. Die B-Boys trugen Frack und mimten hinter Notenständern die Vio­ linisten eines Symphonieorchesters. Dass ein Bursche aus der BreakdanceSzene sich diese Symbole aneignen würde anstatt sie als sein Feindbild zu betrachten, hatte sich bis dahin niemand vorstellen können. Seitdem verbinden Merzoukis Stücke Menschen aller Schichten und Kulturen. Zwar ging er in „Récital“ noch nicht so weit, ein symphonisches Werk zu vertanzen, aber die Tür war geöffnet. Heute staunt niemand mehr, wenn er in „Folia“ ein Barockorchester auf die Bühne bittet. Auch hier war der Erfolg riesig. Zum ersten Mal füllte ein Stück aus dem Bereich des

Hip-Hop als Jahresendstück für ein Familienpublikum einen gesamten Monat lang ein großes Pariser Theater. Wieder so ein „erstes Mal“, dank Merzouki. Eine träumerisch-poetische Szenografie machte das Vergnügen komplett und verwirklichte, was ihm vorschwebt: „Ich versuche jedes Mal, soweit irgend möglich Strukturen aus Licht, Bühnenbild, Kostümen und Musik zu schaffen und dabei die Kraft des Hip-Hop zu bewahren, um mich an alle Publikumsschichten zu wenden.“ Zur gleichen Zeit entstand „Vertikal“. Da arbeitete er mit Spezialisten für Fassadentanz und ließ seine Interpret*innen in der Luft schwebend das Bewegungsvokabular des HipHop neu erfinden.

Niveauvolle Unterhaltungskultur Für „Pixel“ wandte er sich an Adrien M. & Claire B., die interaktive elektronische Strukturen entwickeln. Es ist zusammen mit „Récital“ Merzoukis erfolgreichstes Stück seit „Récital“ und wird seit 2014 gespielt. Für September und Oktober ist eine neue fünfwöchige Serie in Paris angekündigt. In „Pixel“ stehen Tänzer, Skater und eine Kontorsionistin auf der Bühne, deren Boden immer neue optische Illusionen produziert. Sie balancieren an gefühlten Abgründen und springen mal über vermeintliche Schluchten, mal wie


Für diejenigen, die auf der Suche nach Freiheit ihr Leben auf See riskieren, gegen alle Winde und Gezeiten.

Inszenierung Mourad Merzouki Künstlerische Leitung, ­Choreografie Marjorie Hannoteaux Assistenz der ­ künstle­rischen Leitung Armand Amar Musikdesign Alexiss Lazar Ton Yoann Tivoli Lichtdesign Cécile Robin Licht Nicolas Faucheux Lichtassistenz Benjamin Lebreton Bühnendesign Émilie Carpentier Kostümdesign

von einer Felsspitze zur anderen. Sie flitzen zwischen Löchern hindurch, die sich plötzlich im Boden auftun oder schlagen Salti, um eine Felsspalte zu überbrücken, die sich sofort wieder schließt. Was man von Merzouki nicht sehen wird, ist jener Hip-Hop, in dem Jugendliche aus den Trabantenstädten ihren sozial befrachteten Alltag inszenieren. Stücke, die anklagen und die Diskurskeule schwingen. „Ich weiß nicht, wie ich politisch engagierte Stücke machen könnte. Es geht mir um niveauvolle Unterhaltung. Ich will die Poesie des Körpers zeigen und das hat sicher etwas mit meinen Anfängen im Zirkus zu tun“, sagt Merzouki. Was er aber tat, das war ein Stück mit jungen B-Boys und B-Girls aus Marokko zu inszenieren, in dem diese ihren Alltag poetisch-spielerisch verarbeiten. Danser Casa hieß dieses sonnige Fresko, getragen von der Begeisterung der Interpret*innen, die Schwelle zum Profitum zu überschreiten.

François Michaudel Bühnenmanagement

Beliebt bis in die Welt des Sports

On Stage

Wenn ihm nun für „Zéphyr“ das Organisationskomitee der Regatta Vendée Globe ein Stück in Auftrag gab, das den Höhepunkt der Eröffnungszeremonie 2020 darstellen sollte, sagt das viel darüber aus, wie bekannt und beliebt Merzouki inzwischen ist. Allein die Tatsache, dass ein internationales Großereignis aus dem Sport sich über Tanz feiern will, zeigt, welch ein Zugpferd Merzouki heute ist. Doch dann fiel die Vendée-GlobeEröffnung mit der geplanten Premiere von „Zéphyr“ den Anti-Covid-Maßnahmen zum Opfer, und dagegen war selbst Merzouki machtlos. Der Wind von „Zéphyr“ bläst trotzdem kräftig. Leitthemen des Stücks sind, dem Segelsport entsprechend, das Meer und der Wind. Was letzteren betrifft, belässt Merzouki es nicht bei der Idee. Da wird nicht mimisch gegen den Wind gelaufen. Selbiger nimmt hier geradezu physisch Gestalt an, dank eines Parks von Windmaschinen, die den Luftmassen materielle Präsenz verleihen. Zehn Tänzer*innen aus Frankreich, Algerien, Italien oder der Slowakei – manche von ihnen Auto­ didakten, die Hip-Hop über Youtube gelernt haben – werfen sich in Turbulenzen, die verschiedene Atmosphären, Epochen und Geschichten evozieren, und das auf unterschiedlichen Meeren, von Odysseus zu den Tragödien der Migranten von heute. Doch „Zephyr“ ist keine Saga und drängt seine Themen niemandem auf. „Jeder kann sich selbst

Soirmi Amada, Ethan Cazaux, Nicolas Gros­ claude, Emma Guillet, Simona Machovičová, Camilla Melani, Mourad Messaoud, Tibault ­Miglietti, James Onyechege, Wissam Seddiki

PRODUKTION CCN Cie Käfig – Leitung Mourad Merzouki ­Produktion Long Distance Productions Musikproduktion Isabel Sörling Vocals, Sarah Nemtanu ­V ioline, Lise Berthaud Viola, Grégoire Korniluk ­Cello, ­Julien Carton Piano, Vincent Joinville at S ­ tudios Babel in Montreuil-sous-Bois Aufnahme, Mixing, Sounddesign, Katrin Oebel Produktionsleitung Cécile Robin, Amélie Verjat, Alice Nedelec ­(alternierend) Licht Capucine Catalan, Alexis Lazar, Thibaut Le ­Henaff, Guillaume Blanc (alternierend) Ton Patrick Ligarius, François Michaudel, Florent ­Denoyer (alternierend) Bühnenmanagement

Koproduktion Département de la Vendée, Maison des Arts de Créteil

The Centre chorégraphique national de C ­ réteil Soutenu et du Val-de-Marne / Compagnie Käfig – par ­director Mourad Merzouki is funded by the Ilede-France Regional Cultural Affairs Office – Ministry of Culture, the Val-de-Marne Department and the City of Créteil. Soutenu par

seine Geschichten dazu erzählen“, sagt Merzouki und lässt der Vorstellungskraft des Publikums freien Lauf.

Alles begann auf TF1 „Zéphyr“ reiht sich ein in alle jene Stücke, mit denen er tanztechnische Herausforderungen und Begegnungen auf die Bühne brachte: Fassadentanz, Kletterkunst, digitale Kunst und natürlich den Zirkus, seine erste Liebe. Das war 2006, in dem Stück „Terrain vague“. Aber auch das Boxen inszenierte er auf der Bühne, 2010 mit vielerlei optischen und kinetischen Kabinettstückchen, auf der Bühne live begleitet durch das Quatuor Debussy. Hip-Hop, klassische Musik und Sport in einem einzigen Werk! So gesehen ist „Zéphyr“ tatsächlich ein Stück, das Merzoukis künstlerische Interessen bestens repräsentiert. Doch es ist auch seine letzte Arbeit als Direktor des Center Chorégraphique National in Créteil, einer Banlieue von Paris. Nach dreizehn Jahren ist Schluss. Aber das bedeutet kein Scheitern, sondern entspricht dem Regelwerk der Institution. Aus demselben Grund verlässt praktisch gleichzeitig auch Kader Attou, Merzoukis seelen- und tanzverwandtes Alter Ego das von ihm geleitete CCN in La Rochelle. Seit der Kindheit avancieren die beiden im Gleichschritt. Die Parallelen begannen schon im Elternhaus in Saint-Priest bei Lyon, denn beider Väter waren Schichtarbeiter bei Renault. Als Schulkinder übten beide zusammen in einer kleinen Zirkusschule ihre ersten Salti. Dabei wollte Merzoukis Vater seinen Sprössling eigentlich in Karate einschreiben. Aber der begeisterte sich für Akrobatik. Dann verfielen die Freunde gemeinsam dem Hip-Hop und gründeten zusammen die Kompanie Accrorap. Es war die Epoche, in der die Inspiration der street culture aus den USA nach Europa schwappte, über den TV-Bildschirm direkt in die Wohnstuben. Der Sender TF1, damals noch in öffentlicher Hand, lud ab 1984 die subversive Kultur aus Rap, Graffiti und Breakdance ins TVStudio. DJ Sydney, mit seiner Sendung H.I.P.-H.O.P. der erste farbige Showmaster im französischen Fernsehen, ist bis heute eine Legende.

Die Banlieue, hin und zurück 1994 entstand das erste Erfolgsstück von Accrorap: „Athina“, eine Metapher des Übergangs von Akrobatik und ­Straßenkultur zu strukturiertem Autorentanz. Es war der erste Einzug des

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© Laurent Philippe

Hip-Hop in eine der heiligsten Stätten der Tanzlandschaft: La Maison de la Danse in Lyon. Und es war die letzte gemeinsame Kreation von Attou und Merzouki mit Accrorap. Denn letzterer gründete 1996 seine eigene Kompanie: Käfig. Der Name war natürlich eine Anspielung auf die soziale Conditio in der Banlieue. Die Entscheidung sollte sich als richtig erweisen, denn sowohl Accrorap als auch Käfig wurden Lokomotiven des urbanen Tanzes. Die Trennung erfolgte in Freundschaft, doch erst 2003 fanden sie erneut zueinander. In Algerien überlieferten sie einer Gruppe aus lokalen und französischen Tänzern Auszüge ihrer jeweiligen Repertoires. Es war ein kultureller Brückenschlag und gleichzeitig eine Hommage an die Vitalität eines Landes, das von islamistischen Attentaten erschüttert wurde. „Mekech Mouchkin“: Kein Problem, hieß das Projekt. Natürlich lag in dem Titel jede Menge Zweckoptimis­mus. Merzouki und Attou erfuhren wiederholt, wie sehr Tanz Menschen in schwierigen Lagen Halt geben kann. Das begann in Zagreb, während des Balkankriegs. Eine ONG r­ ekrutierte die B-Boys direkt an Lyons heißestem Spot, der Esplanade der Oper, wo Merzouki und Attou wie alle anderen trainierten. Und plötzlich gaben sie einen Workshop in einem bosnischen Flücht-

lingslager! Es war ihr erstes Abenteuer im Ausland und zum ersten Mal wurden sie ganz einfach als Franzosen empfangen, während ihnen daheim das Stigma der Banlieue ins Gesicht geschrieben stand. „Da wurde uns klar, welche Kraft im Tanz steckt. Wir waren überwältigt“, erinnert sich Merzouki. Diese Erfahrung verlieh ihnen den Willen, sich dem Tanz zu verschreiben und selbiger half ihnen, dem Stigma der Banlieue zu entkommen. Wie schwierig das Verhältnis in

i fe B ü h n e n re tung h c a n r e b Ü

„ Da wurde uns klar, welche Kraft im Tanz steckt. Wir waren überwältigt.“ diesen cités (dem Pendant der Plattenbauten) zur Institution ist, davon zeugte eine Begegnung mit einem Taxifahrer während der Biennale de la Danse in Lyon. Ziel der Fahrt war die Uraufführung eines Stücks von Kader Attou. „Mit Kader und Mourad bin ich zur Schule gegangen“, begeisterte sich der Fahrer, ebenfalls ein Kind von Einwanderern. „Und, schauen Sie sich das Stück an?“ Die Antwort war niederschmetternd: „Ach, wissen Sie, die Kultur, das ist nicht meine Welt …“ Aber der Stolz auf seine Schulfreunde, der war ihm anzumerken.

Sponsor: ÖRAG Rechtschutzversicherungs-AG (23.9.), L’Oréal Paris (24.9.)

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Italienische Pracht

Psalmen Davids Düsseldorfer Kammerchor Sa 24.9., 18 Uhr, Johanneskirche ­Stadtkirche Düsseldorf Spieldauer: 120 Minuten ohne Pause

Favoritchor Theresa Nelles Sopran

Lars Wallerang

Eva Marti Alt

Die „Psalmen Davids“ von Heinrich Schütz (1585– 1672) sind frühbarocke Gesänge mit Instrumentalbegleitung. Auf dem Gebiet der Kirchenmusik ist die opulente Begleitung der Vokalmusik durchaus modern, war sie doch zwischen Mittelalter und Renaissance jahrhundertelang unter der Geistlichkeit verpönt und galt als Teufelszeug. Anlässlich des Schütz-Jahres (350. Todestag) führen der Düsseldorfer Kammerchor und das Ensemble Musica ­Fiata unter der Leitung von Wolfgang Abendroth die „Psalmen Davids“ in der Johanneskirche auf.

Ulrich Cordes Tenor

„Für den Chor ist es beglückend, im Todesjahr von Heinrich Schütz die Psalmen Davids zu singen“, sagt Kirchenmusikdirektor (KMD) Abendroth. „Obwohl das Werk über 350 Jahre alt ist, ist es dennoch aktuell; es ist rhetorisch so menschlich dargestellt, dass es heute noch trifft.“ In der Komposition komme es zu einer Stilmischung.“ Schütz hat von 1609 bis 1612 an San Marco in Venedig bei Giovanni Gabrieli gelernt.“ Insofern komme das Werk nicht so deutsch gelehrt daher, sondern sei auch sehr prächtig. Dennoch behalte Schütz seinen typischen Duktus. „Die Musik bringt immer die passende Emotion mit und ist sehr sprachnah.“ Bei der Aufführung in der Johanneskirche wartet das Ensemble mit alten Instrumenten auf, die heutigen Hörern exotisch vorkommen mögen: Drei Exemplare eines Blasinstruments namens Zink kommen vor. Der Zink liegt hinsichtlich Bauart, Klang und Spielweise irgendwo zwischen Blockflöte und Trompete. Beteiligt ist auch der Dulzian – eine Vorform des heutigen Fagotts und gehört zur Generalbass-Gruppe ebenso wie der Chitarrone, ein im 16. und 17. Jahrhundert beliebtes Begleitinstrument mit dicken, langen Basssaiten und kräftigem, sonorem Lau-

tenklang. Das Instrument ist praktisch baugleich wie die Theorbe oder Basslaute. Zum Einsatz kommen aber auch die uns vertrauten Posaunen und die Orgel. Veröffentlicht hat Schütz die Psalmen im Jahr 1619. Sie waren für die Gottesdienste in seinen ersten Amtsjahren an der Dresdner Hofkapelle bestimmt und dem sächsischen Landesherren, dem Kurfürsten Johann Georg I., gewidmet. Angesichts der langen Lebensspanne des Komponisten handelt es sich also noch um den frühen Schütz, der ja noch mit Renaissancemusik aufgewachsen ist und ähnlich wie sein italienischer Kollege Claudio Monteverdi als Übergangskomponist gilt zwischen der Renaissance des 16. und dem frühen Barock des 17. Jahrhunderts. Schütz war sehr wandlungsfähig und komponierte sowohl kontrapunktisch-polyphone Messen und Motetten á la Giovanni Pierluigi da Palestrina, aber im Verlaufe seiner vielen Schaffensjahre irgendwann auch Oratorien für Soli, Chor und Orchester unter Verwendung der Monodie, also des von Instrumenten begleiteten Sologesangs, der zu jener Zeit das Neueste vom Neuesten in der Kunstmusik war. Unterdessen gehören die von Schütz vertonten Psalmen Davids in der Luther-Übersetzung zu einer Sammlung

Joachim Höchbauer Bass Musica Fiata Leitung Roland Wilson Düsseldorfer Kammerchor Leitung Wolfgang Abendroth

Mit freundlicher Unterstützung durch die Haubrich S ­ tiftung, die Johanneskirche Stadt­ kirche D ­ üsseldorf und das Ruby Luna Hotel

mehrchöriger Kompositionen. Die vor allem in Italien praktizierte Mehrchörigkeit übertrug Schütz nun also auf deutschsprachige Texte und wich von dem deutschen Vokalmusikstil ab, der noch stark von der klassischen Vokalpolyphonie der ausgehenden Renaissance geprägt war. Dass Schütz derweil seinen italienischen Lehrmeister Gabrieli sehr geschätzt haben muss, zeigt sich auch im Gabrieli-Zitat durch ein Bläser-Solo. Nach der biblischen Überlieferung war David nach Saul der zweite König Israels und lebte von etwa 1000 bis 961 vor Christi Geburt. Vor seiner Regentschaft war David Musiker am Königshof und auch Offizier in Sauls Armee. Die Urheberschaft der „Psalmen Davids“ ist nicht endgültig geklärt. Manche Auslegungen gehen von einer zumindest teilweisen Autorenschaft Davids aus, andere verstehen den Titel im Sinne von „Psalmen über David“. Auf jeden Fall besitzt David in den Psalmen eine Art Protagonisten-Rolle. Die Ausdrucksskala reicht von Klagegesängen bis hin zu freudestrahlenden Hymnen.

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Mercy Seat Winterreise Charly Hübner & Ensemble ­Resonanz

Brandgefährliches

Mo 26.9., 20 Uhr, Theaterzelt, Burgplatz Spieldauer: ca. 80 Minuten ohne Pause

Regine Müller Kalle Kalima E-Gitarre Max Andrzejewski Schlagzeug Carlos Bica Kontrabass Sebastian Schottke Klangregie Tobias Schwencke Bearbeitung Ensemble Resonanz

Franz Schuberts Zyklus „Die Winterreise“ gilt als G ­ ipfel der abendländischen Liedkunst. Das Schubert’sche ­Spätwerk ist von beispielloser Intensität und zeitloser Aktua­lität. Ausnahmeschauspieler Charly Hübner und das großartige Hamburger Ensemble Resonanz t­ reffen sich zu einer „Séance zwischen Nick Cave und Franz Schubert“. Subtile Kammermusik der Romantik trifft auf Nick Caves melancholische Punk-Attitude.

Es begann mit einem Joker: Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern wollten vor fünf Jahren Charly Hübner für ein Klassik-Projekt gewinnen und ließen ihm bei der Konzeption völlig freie Hand. Da Hübner sich für das herkömmliche Format einer Lesung mit Musik wenig begeistern konnte, dachte er sofort an etwas ganz Neues, Riskantes. Als Hamburger kam ihm dann schnell das dort ansässige experimentierfreudige Ensemble Resonanz in den Sinn. Er rief Tobias Rempe, den künstlerischen Kopf des Ensembles an und bat um einen Termin für ein Brainstorming. Der fand sich dann in Salzburg zur Festspielzeit, denn beide waren zufällig gleichzeitig dort. Tobias Rempe erinnert sich: „Wir sind Schnitzel essen gegangen und haben Marillenschnaps getrunken. Und gleich in diesem ersten Gespräch sind die wesentlichen Ideen entstanden, also Schuberts Winterreise und Songs von Nick Cave in einen Dialog zu bringen und das in Form einer Séance.“ Darauf folgten intensive Arbeitsphasen, „Workshops“, wie Rempe es nennt, und der Komponist Tobias Schwenke wurde mit ins Boot geholt, um Schuberts Klavierlieder und Caves Songs für Streicherensemble, Jazztrio und Hübners Stimme zu arrangieren. „Die Entwicklung hat etwa neun Monate gedauert, wir hatten drei sehr intensive Arbeitsphasen, und haben im Prozess mit Charly, dem Ensemble und der Jazzband gemeinsam daran gefeilt, das Ganze in einen runden Ablauf zu kriegen. Der Prozess der Entwicklung hat aber im Grunde nie aufgehört, denn seit dem allerersten Konzert in Rostock ist noch sehr, sehr viel dazugekommen.“ Komponist Tobias Schwenke traf sich mit Charly Hübner, um zu hören, wo seine Schokoladenlage ist und wo die Stimme sitzt, aber natürlich ging es dem Schauspieler nicht darum, mit einem klassischen Lied-Interpreten zu konkurrieren.

„ Ich wollte also l­ieber etwas machen, was echt brandgefährlich ist. Es sollte ­etwas sein, was ich gar nicht kann.“

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Hübner hatte vielmehr im Sinn, in gänzlich fremdem Terrain etwas zu wagen: „Für diese Halle in Rostock wollte ich also lieber etwas machen, was echt brandgefährlich ist. Es sollte etwas sein, was ich gar nicht kann. So sind wir auf Schubert und Nick Cave gekommen. Schubert ist absolut Olympiade, da habe ich nüscht verloren, das war dann der Kick. Das reine, klangliche Singen interessiert mich bis jetzt nicht so richtig. Mir geht es ums Gründeln.“ Nach der ersten Probe mit dem Ensemble erzählt Tobias Rempe, dass er hinsichtlich des musikalischen Anspruchs schon ein paar Fragen der Musiker*innen habe beantworten müssen. Das musikalische Material Schuberts musste ­Charly Hübners Kehle dann sozusagen angepasst werden,

© Gerhard Kühne

Charly Hübner Stimme


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s­ einer nicht klassisch ausgebildeten Schauspielerstimme: „Zum B ­ eispiel bei der Stelle ,Ich bin zuende mit allen Träumen‘. Es war klar, dass ich diese rauf- und runterpurzelnden Halbtonschritte mit meinem Muskel nicht singen kann. Dann war die Frage, wie wir damit umgehen. Spricht man das einfach? Helfe ich mir mit dem Mikrofon? Dann kam ich beim Spazieren aufs Heulen. Die Figur hat ja auch erst so eine große Fresse, nach dem Motto ‚Brauche ich doch gar nicht, was ihr Spießer alle braucht, ich bin frei von all dem‘, und dann holt sie aber das Unterbewusstsein ein. Dieses romantische Gefühl, alleine in der Welt zu sein, ausgesetzt. Und aus dieser heulenden Stimmung heraus war die Melodie im musikalischen Sinne auf einmal überhaupt kein Problem mehr.“ Das ganze Projekt ist als Séance überschrieben, also als Geisterbeschwörung. Die Geister von Cave und Schubert sollen in Kontakt treten. Charly Hübner ist sich sicher: „Erstmal sagt Cave zu Schubert ,danke‘. Danke, dass Du vorgelegt hast. Wenn Du Dir ,Boatman’s Call‘ anguckst, oder auch ,Murder Ballads‘ oder ,The Good Son‘ – das sind eigentlich alles Winterreisen. Und was beide ja in ihrem Oeuvre auch immer gemacht haben, ist, mit den vorhandenen Konventionen zu spielen.“ Mit der Verbindung von Schubert und seinem Texter Wilhelm Müller mit Cave-Songs wird die Geschichte der Winter­ reise auch radikalisiert, so Charly Hübner: „Eine krasse Romeo-­ und-Julia-Geschichte auf jeden Fall. Bei Müller war es ein Söldner, so eine Art Woyzeck, der dann einfach eine Jungfrau, die schon versprochen war, geliebt hat. Da hätte dann nur noch Geld die Ehre retten können. Aber dieser räudige, preußische Soldat, der hatte natürlich nichts. Das war eine sehr leidenschaftliche, triebgesteuerte Romanze, würde ich sagen. Im Mai, wo die Bäume sprießen. Verbunden mit ,Wild Roses‘ haben wir aus dieser Tat dann insgesamt einen Mord gemacht. Haben die Schubert- und die Cave-Schraube zusammen noch etwas fester gezogen.“ So verdanken sich dann Titel und Ausgangspunkt des wilden Schubert-Cave-Projekts mit „Mercy Seat“ einem Song von Cave, der den Gedanken eines Mannes kurz vor der Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl nachspürt.

„ Dann war die F ­ rage, wie wir damit umgehen.“

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20.06.22 14:50


Gegen vergessen © Nana Franck

E­ ndstation fern von hier Theaterkollektiv Pièrre.Vers Sa 5.11. – Mo 7.11., Mi 9.11. – Fr 11.11., jeweils 18.30 Uhr Spieldauer: 100 Minuten ohne Pause

Text von Juliane Hendes nach wahren Begeben­ heiten in Düsseldorf zwischen 1942 und 1945

Inszenierung Christof Seeger-Zurmühlen Regie, Konzept Juliane Hendes Dramaturgie Simone Grieshaber Raum, Kostüm Bojan Vuletić Komposition Nora Pfahl Coaching CROWD Philippe Waldecker Technische Koordination Philipp Kaminsky Tontechnik Nastasia Radtke Produktionsmitarbeit Melissa Müller Produktionsleitung

ON STAGE Anna Magdalena Beetz, Julia Dillmann, Paul Jumin Hoffmann, Alexander Steindorf und eine viel­köpfige CROWD

Produktion Eine Produktion von Theaterkollektiv Pièrre.Vers in Koproduktion mit dem asphalt Festival und dem Düsseldorf Festival!, gefördert vom Fonds Darstellende Künste, dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, der Kunststiftung NRW, dem Kulturamt Düsseldorf, der Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf und der BürgerStiftung Düsseldorf in Kooperation mit der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf und dem Erinnerungsort Alter Schlachthof an der Hochschule Düsseldorf, mit freundlicher Unterstützung des Stadtarchivs Düsseldorf. Besonderer Dank gilt der Rheinbahn AG. Mit besonderem Dank an das Stadtarchiv ­Düsseldorf und an Joachim Schröder.

Mit freundlicher Unterstützung durch das Motel One Düsseldorf-Hauptbahnhof

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Michael-Georg Müller Ein Sonderzug steht parat auf dem Vorplatz des Düsseldorfer Hauptbahnhofs, in der Nähe vom Eingang zum Stadtarchiv. Es bimmelt. Einsteigen heißt’s dann. Und ab geht’s zur „Endstation fern von hier“ – einer Performance des Theaterkollektivs Pièrre.Vers – genauer: zum Rheinbahn-Depot am Steinberg. Auf dem Weg dorthin wird man (per Kopfhörer) eingeführt in die Biografie der ehemaligen Zwangsarbeiterin Valentina, die, wie Tausende in der NS-Zeit, als

„ Wie konnte es geschehen, dass man diese Menschen einfach vergessen hat?“ Mädchen aus der Ukraine von den Deutschen verschleppt wurde und hier arbeiten musste, um ihre Familie in der Heimat vor Schlimmerem zu bewahren. Ein Thema, mit dem sich in Düsseldorf bislang nur wenige beschäftigt haben. 55 Jahre brauchte man, „um das Thema Zwangsarbeit, das auch Millionen von Menschen betraf, in die Erinnerungskultur des NS-Terrors einzubeziehen“, klagt Seeger-Zurmühlen. „Wie konnte es geschehen, dass man diese Menschen einfach vergessen hat?“ Diese Frage habe er sich immer wieder gestellt. So begann im Sommer dieses Projekt, bei dem das Publikum wieder eintaucht in eines der düsteren Kapitel der Stadtgeschichte. Mit der Produktion über Zwangsarbeiter in Düsseldorf beendet das Kollektiv Pièrre.Vers seinen Zyklus „Historification“ über Ereignisse des Nationalsozialismus in unserer Stadt – gemeinsam erarbeitet und recherchiert von Festival-Mitarbeitern,

Mahn- und Gedenkstätte, Stadtarchiv und Joachim Schröder. Diesmal geht es also um Zwangsarbeiter aus Holland und der Ukraine. Hier war und ist die Quellenlage besonders dünn, erklärt Seeger-Zurmühlen. Auch bei diesem Sujet überzeugt seine außergewöhnlich sensible Mischung aus kühlen Fakten und nachgestellter Dokumentation von menschenverachtendem NS-Terror und das Berühren durch ein ergreifendes Einzelschicksal – in diesem Fall des ukrainischen Mädchens Valentina. Trotz aller Gefahren verliebte sich Valentina in den Düsseldorfer Hans und blieb nach dem Krieg hier – mit Ehemann und zwei Kindern. Diese Valentina ist eine der wenigen in Quellen nachgewiesenen Personen und daher als Zentralfigur in dem 75-Minuten-Stück geeignet. Aus ihrer Perspektive wird erzählt, sich erinnert und kommentiert. Mit der ruckelnden Straßenbahn am Steinberg angekommen: Hier spielen die Darsteller die Ankunfts-Szene auf dem Vorplatz. Dann, in den alten IndustrieHallen erleben die Zuschauer*innen nachempfundene Alltagsszenen der Kriegszeit in Düsseldorfer Unternehmen. Klar, dass dabei keinem Zuschauer Putins Krieg in der Ukraine aus dem Kopf geht. Zumal die durchdringenden Stimmen brutaler Aufseher dem Publikum sehr nah kommen, wenn sie auf verängstigte Menschen in Arbeitskluft einhämmern. Zwischendurch erzählt Valentina aus ihrer Erinnerung. Sie wurde von den Nazis 1941 in den Westen deportiert, um hier Schwerstarbeit zu leisten – in und für die Düsseldorfer Waggonfabrik (DUEWAG) – einem bis in die späten 1990erJahre noch führenden Produzenten für Schienenfahrzeuge. Mittlerweile gehört die DUEWAG zum Siemens-Konzern.


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dem ­Paradies Kindheit Uraufführung Sa 5.11. & 12.11., jeweils 19 Uhr, So 6.11. & 13.11., j­ eweils 18 Uhr, Johanneskirche Stadtkirche ­Düsseldorf

© Martin Baltscheit

Paradise now! – Ein Musical

Spieldauer: 70 Minuten ohne Pause

Lars Wallerang

„Paradise now!“ heißt ein neues Musical von Wolfgang Abendroth. Kinderbuchautor Martin Baltscheit hat das Libretto dazu geschrieben. Es basiert auf seinem Bilderbuch „Adam und Eva“. Baltscheit erzählt die älteste Geschichte der Menschheit nicht als religiös moralisierendes Gleichnis, sondern als Jugend-Abenteuer zwischen Kindheit und Erwachsenwerden. Das Wort „Sünde“ taucht gar nicht erst auf.

Martin Baltscheit Libretto Wolfgang Abendroth Komposition

Inszenierung Takao Baba Inszenierung/Choreografie N.N. Trickfilm Horst Mühlberger Lichtdesign Justine Wanat Musikalische Leitung und Leitung Akademie für Chor und Musiktheater an der ­Johanneskirche Akademie für Chor und Musiktheater an d ­ er ­Johanneskirche Jugendkompanie tanzhaus nrw Düsseldorf Festival Orchester Eine Produktion des Düsseldorf F­ estival! in K ­ oproduktion mit der Johanneskirche ­Stadtkirche Düsseldorf

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Abendroth, Kirchenmusikdirektor (KMD) an der Johanneskirche, hält dem Düsseldorf Festival! schon seit vielen Jahren die Treue mit zahlreichen Konzerten und szenischen Produktionen. Bei der ersten machte Abendroth mit Verdis „Nabucco“ die Kirche zum Opernhaus. Im vorigen Jahr komponierte er das Stück „O Ihr Menschen“ ausgehend von Beethovens Akklamation in seinem „Heiligenstädter Testament“. Zum fünften Mal bietet nun also die evangelische Stadtkirche am Martin-Luther-Platz eine Bühne für Musiktheater. Unterdessen ist Martin Baltscheit ein künstlerischer Tausendsassa: Er schreibt, zeichnet, führt Regie und macht Musik. Adressaten sind zunächst Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene haben ihre Freude an Baltscheits Fantasiewelten. Auch Opernlibretti hat Baltscheit bereits verfasst: zur „Geschichte vom Mädchen, das nicht schlafen wollte“ und zur „Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor “.

Schlangen-Rebellion Nun also dreht sich alles ums Paradies, Adam, Eva und die Schlange. „Das ist die erste Liebesgeschichte der Welt“, sagt Martin Baltscheit. Doch er erzähle sie neu: „Das Verlassen des Paradieses ist das Verlassen der Kindheit, um eine eigene Familie zu gründen und ein neues Paradies zu schaffen.“ Entsprechend sei-

„ Wenn die Kinder aus dem Paradies rausgeflogen sind, sind sie erst einmal ­schockiert.“ en es hier nun die Kinder, die in den von der Schlange angebotenen Apfel beißen, derweil die Schlange die Kinder singend überredet, sich nicht mehr an die Regeln zu halten: „Schlangen-Rebellion“. Die „Rebellion“ gehört zu den Highlights des Stücks: Der Chor ruft immer wieder „Rebellion!“ Und die Schlange singt einen frechen Song: „Re und Bell


und Ellion; Schlag die Glocke, rebelliere! Wüte, meuter und verführe. Keine Regel und kein Thron. Freiheit, Neugier, Abenteuer, so heißt meine Religion.“ „Wenn die Kinder aus dem Paradies rausgeflogen sind, sind sie erst einmal schockiert“, erzählt Baltscheit. Dann würden sie sich erschrocken die Frage stellen: „Waren wir zu frech?“ Doch mit der Zeit würden die Kinder den Mut fassen sich aus der paradiesischen Behütung zu lösen und das eigene Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. „Das Memento mori, das wir haben, macht lebendige Geister aus uns“, sagt der Autor. Das Paradies sei ein Gegenentwurf zum Sterben. Mit der biblischen Geschichte von Adam und Eva hadere er indessen, zum Beispiel mit der Schuld, die der Frau zugewiesen werde. „Ich fand als Kind schon blöd, dass die Mädels eins auf den Kopf bekommen“, sagt Baltscheit. „Manchmal klappt es doch besser, wenn die Frauen entscheiden!“ Zur Religion habe er überhaupt ein zweischneidiges Verhältnis. „Ich bin nicht religiös, aber ich bin mit Religion groß geworden. Es sei immer um die Frage gegangen: „Wie wollen sich die Menschen trösten? Und dann sei er auf diese Ur-Kraft-Geschichte zurückgekommen mit der Botschaft: „Guckt mal, so kann man es auch erzählen!“ Einen wichtigen Beitrag zum positiven Verhältnis zur Religion habe für ihn die geistliche Musik geleistet. „Eine Religion, die so schöne Musik macht, die kann gar nicht so schlecht sein.“ Musik sei im Hause Baltscheit generell ein großes Thema. „Wir spielen hier zu Hause alle Instrumente, aber nur auf Liebhaber-Basis.“ Er höre beim Schreiben Musik und habe auch mal auf der Bühne selber gesungen. „Ich habe aber das Talent nicht.“ Sein großes Interesse an Musik fließe aber mit ein, wenn er ein Libretto verfasse, sagt der Mann des Wortes. Wenn man in Reimen schreibt, achte man immer auf Klang. „Ich achte vor allem darauf, dass sich die Texte leicht singen lassen.“ Dennoch sei es nicht sein Ziel gewesen, flache Kinderreime zu schreiben. „Mit dem Libretto ist es wie mit der Ehe: Wenn Zwei sich finden – das ist eine große Freude beim Schreiben.“

Auf derselben Wellenlänge Abendroth nahm das Libretto dankbar auf und zeigt sich erfreut über die Songtexte: „Das sind sehr flüssige Texte, man konnte alles sofort umsetzen“, sagt der Komponist. Das Versmaß sei sehr wichtig. „Wenn das Versmaß nicht stimmt, kann man den Text nicht gut

vertonen.“ Zunächst hatten sich Textautor und Tonsetzer zusammengesetzt und gemeinsam überlegt, wie aus dem Bilderbuch „Adam und Eva“ das Musical „Paradise now!“ werden könnte. Man habe sich Gedanken über das Theologische gemacht und darüber, wie man in der biblischen Geschichte Schwerpunkte setzen könnte. Und das habe sogleich gut funktioniert: „Wir waren auf derselben Wellenlänge“, sagt Abendroth. Zur Neuerzählung hätten ein paar Ergänzungen gehört. Adam und Eva werden von drei Paaren gespielt und gesungen: von zwei Kindern, zwei Jugendlichen und zwei Erwachsenen. Sogar der liebe Gott taucht auf. Gesungen wird er von einem Kind. „Ich finde, dass ein Kind hier am besten passt, denn Gott ist ja alterslos.“ „Paradise now!“ bewegt sich stilistisch zwischen Musical und klassischem Musiktheater. „Es ist eine Art Mini-Oper“, sagt Abendroth. Gleichzeitig müsse die Musik leicht singbar sein. „Es ist ein jugendgemäßer Gesang, sehr liedhaft.“ Aber mit Popmusik habe seine Vertonung der Baltscheit-Texte nichts gemeinsam, stellt der Komponist klar. Das Ganze ist aber auch sehr tanzbetont. Regie führt der Tänzer und Choreograf Takao Baba, der fest mit der Düsseldorfer Tanzszene verwurzelt ist. Dass Bewegung eine große Rolle spielt, interessiere die Jugendlichen sehr, sagt Abendroth aus Erfahrung mit der Akademie für Chor und Tanz an der Johanneskirche, die in die Produktion eingebunden ist. Leitung und Einstudierung übernimmt Justine Wanat, die schon seit 1998 Kinder und Jugendliche vor allem ans Chorsingen heranführt und mit ihnen Stücke einstudiert. Mit von der Partie ist auch die Jugendkompanie aus dem Tanzhaus NRW.

Tanz zwischen Choreografie und Improvisation Zentrales Mittel der Inszenierung ist der Tanz. „Ich komme aus dem urbanen Tanz und stehe an der Schnittstelle zum Zeitgenössischen Tanz“, sagt Regisseur und Choreograf Takao Baba. „Im zeitgenössischen Tanz ist sozusagen alles erlaubt. Ich werde viele Elemente des improvisierten Straßentanzes zwischen Hiphop und Break-Dance mit Bewegungsmaterial der Künstler*innen und der regelgebundenen Choreografie des Zeitgenössischen Tanzes verbinden, um eine stabile Struktur zu entwickeln.“ Schließlich müsse die Inszenierung ein längeres Bühnenstück umschließen.

„Ich will für die Inszenierung so viel Tanz wie möglich einbinden“, sagt Takao Baba. Tanzen sollen nicht nur die rund zehn Mitglieder der Jugendkompanie, sondern auch die etwa 30 jugendlichen Chorsänger. Hinzu kommt spannendes Bewegtbild. „Ich möchte das Thema atmosphärisch untermahlen.“ Mit Hilfe des Films könne er noch flexibler arbeiten. Außerdem sei das für die Jugendlichen ziemlich cool. Die sehr unterschiedlichen Bewegungsarten aus der Welt des urbanen Tanzes würden viel Rohmaterial liefern für die Choreografie. Fließende Bewegungen aus dem Waving-Stil, bei dem sich der Körper visuell zur Welle verflüssigt und roboterhafte Schritte und Gesten werden miteinander verzahnt und die Kinder werden bewegungstechnisch miteinander verbunden. Das passe besonders gut zur Schlangen-Rebellion. Die musikalische Besetzung durch ein zwölfköpfiges Instrumentalensemble ist ungewöhnlich. Zwölf Musiker ­bilden einen Klangkörper zwischen Kammer­ensemble, kleinem Orchester und Jazzband. Es setzt sich zusammen aus vier klassischen Bläsern, SaxofonQuartett, zwei Schlagzeugern, einem Pianisten und einem E-Kontrabass-Spieler. Zum Stil seiner Musik sagt Abendroth, sie sei weitgehend tonal, aber auch sehr farbenreich und gespickt mit gesanglichen Überraschungseffekten. Er verwende nicht nur das vertraute Dur-Moll-Schema, sondern auch modale Satztechnik, die es bereits gab, bevor sich das heute vertraute Harmoniesystem mit den zwei Tongeschlechtern herausbildete. Herausgekommen sei ein Stück für alle Generationen, sagt Abenroth. Für Takao Babas mitreißende Urban Dance-Choreografie ist die Musik von Wolfgang Abendroth sehr inspirierend: „Da ist musikalisch viel Unterschiedliches drin, das bei mir viele Bilder im Kopf erzeugt.“

Gefördert durch die Initiative Musik im Rahmen von Neustart Kultur aus M ­ itteln der B ­ eauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien

Stiftung van Meeteren, die Bürgerstiftung Düsseldorf und die Landeshauptstadt Düsseldorf

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BAR MIT

JAZZ HOCH 4

Vor 32 Jahren stand bei der Gründung unseres Festivals die Idee im Mittelpunkt, dem Lärm der Düsseldorfer Altstadt einen Kultur-Kontrapunkt entgegenzusetzen. Da aber auch die Kultur Durst hat, haben wir im Theaterzelt am Burgplatz in unserer Theaterbar eine Theke von rekordverdächtiger Länge installiert: Einladende 13 Meter misst die rote Retro-Bar im Zentrum des großen Vorzeltes, das unseren Besucher*innen offensteht, um bei einem gepflegten Drink zu entspannen. Besonders frequentiert ist die Bar als Treffpunkt vor den Vorstellungen auf ein belebendes Getränk und natürlich nach den Vorstellungen als Ort, um bei guten Weinen, ehrlichem Bier oder raffinierten Cocktails den Abend entspannt ausklingen zu lassen. Und nicht zuletzt ist die Bar ein besonders stimmungsvoller Konzert­ort für den Blue Lounge Jazz.

Wenn vier versierte Jazzmusiker sich treffen, ergibt das mehr als eine schlichte Summe, sondern eine Potenzierung vibrierender Kräfte: Deshalb nennt sich das Quartett um den Vibrafonisten Matthias Strucken sehr treffend Jazz Hoch 4. Die musikalische Bandbreite der Formation umfasst sowohl bekannte Jazzstandards und Songs der Broadway-Ära als auch Klassiker der lateinamerikanischen Musik. Im Mittelpunkt der Quartettbesetzung steht das selten live zu hörende Vibrafon, das gemeinsam mit dieser ungewöhnlichen Besetzung einen ganz eigenen, zugleich lässig-verspielten und mitreißenden Sound kreiert. Matthias Strucken Vibrafon Martin Scholz Klavier Walfried Böcker Kontrabass Ben Bönniger Schlagzeug

© Claudia Fischbacher

Sa 10.9., 13 Uhr

© Marc Brenken

© Susanne Diesner

CHARME

Strucken

Nico Brandenburg So 11.9., 13 Uhr Nico Brandenburg zählt zu den begehrtesten Bassisten Deutschlands. Sein virtuoses Spiel begnügt sich nicht allein mit den unerschöpflichen Möglichkeiten des Jazz, sondern gestattet sich auch Ausflüge in die Groove- und ­Weltmusik. Im Quartett mit Matthias Bergmann an der Trompete, Sebastian Gahler am Piano und Simon Busch am Schlagzeug präsentiert Brandenburg in der Theaterbar Klassiker des American Songbooks. Das Quartett interpretiert die Songs auf seine Weise, ohne dabei die Tradition des Jazz aus den Augen zu verlieren. ­Improvisation und Interaktion auf höchstem Niveau. Matthias Bergmann Trompete Sebastian Gahler Piano Nico Brandenburg Kontrabass Simon Busch Schlagzeug

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Sa 17.9., 14 Uhr

Die Gastgeberin der Theaterbar und künstlerisch Verantwortliche der Blue Lounge Jazz-Reihe ist im Nebenberuf selbst leidenschaftliche Jazz-Sängerin: Barbara Oxenfort interpretiert bekannte Songs aus den vergangenen Jahrzehnten mit dem Fokus auf Hits der berühmten Ladies of Jazz. Im Vordergrund stehen Klassiker des Jazz, es können aber auch durchaus Songs aus dem Pop oder französische Chansons auf der Setlist auftauchen. Begleitet wird sie von drei hoch kompetenten Instrumentalisten, die in der internationalen Szene bestens bekannt sind und teils bei weiteren Auftritten in der Blue Lounge zu erleben sind. Das Publikum erwartet feinster Vocal-Jazz von einem blendend aufgelegten Ensemble. Barbara Oxenfort Gesang Mathias Höderath Piano Nico Brandenburg Bass René Marx Schlagzeug

© Tilo Bunnies

Barbara Oxenfort

Tilo Bunnies So 18.9., 14 Uhr

Der Düsseldorfer Pianist Tilo Bunnies begann mit acht Jahren mit klassischem Klavierunterricht und entwickelte bereits früh eine Leidenschaft für den Jazz. Zwölf Jahre lang lebte er in K ­ alifornien, absolvierte dort zahlreiche Auftritte bei bedeutenden Festivals und gewann 1991 den ersten Preis beim renommierten Pacific Coast Jazz Festival in Berkeley. Zu seinen musikalischen Vorbildern zählen die Pianisten Art Tatum, O ­ scar Peterson, Cedar Walton und Monty Alexander. Unterstützt wird er von seinem langjährigen Weggefährten Bootza Necak aus Sacramento am Bass, der Erfahrungen mit Größen des Jazz wie Freddie Hubbard und Anita O’Day sammeln konnte und von dem Wuppertaler Schlagzeuger Tim Heinz, der zu seinen Vorbildern Jeff Hamilton und Joe Morello zählt.

CSM Big Band Romano Schubert So 25.9., 14 Uhr

Die Big Band der Clara-SchumannMusikschule wurde bereits mit dem begehr­ten WDR-Jazzpreis ausgezeichnet, erspielte sich drei Mal in Folge den ersten Preis beim Landesorchesterpreis und ließ sich selbst von den schwierigen Bedingungen im zweiten Pandemie-Jahr nicht davon abhalten, den deutschen Orchesterwettbewerb zu gewinnen. Der Schlagzeuger, Komponist und Arrangeur Daniel Rheinbay wurde während seines Studiums an der RobertSchumann-Musikhochschule Mitglied der CSM Big Band und steuerte 2019 zur Jubiläums-CD „Jazzwalk 4.0“ erstmals einen eigenen Titel bei. Daraufhin wünschte sich die Band ein ganzes Programm von ihm: Mit „Flat Cat Shuffle“ jagt er unbekümmert quer durch alle Stile, die Leitung liegt in den versierten Händen von Romano Schubert.

Tilo Bunnies Klavier

Big Band der Clara-Schumann-­Musikschule ­Düsseldorf Romano Schubert, Gerlinde Reif, ­Kathrin Kreikenbaum, Julius Werk, Lisa Brendler, Christian Minwegen, Birgit Riepe, Lars Specht, ­Moritz Wiese, Jakob Ebener-Holscher, Marsden Vink, Jost Schmiedel, Jakob Gomersall, Christof ­Augenstein, Niklas Melles, Daniel Ottenjan, J­uliana Lukannek, Uli Paetow, Robert Gödecke, Winne ­Unkel, Daniel Rheinbay

Bootza Necak Bass

Romano Schubert Leitung

Ian Worthy © Barbara Oxenfort

Sa 24.9., 14 Uhr

© Margret von Conta

Tim Heinz Schlagzeug

Ian Worthy ist das Alter Ego des Düsseldorfer Schlagzeugers René Marx. Das nach ihm benannte Quintett spielt Hardbop, der seit Mitte der 1950er-Jahre dem Bebop als afro-amerikanischer Entgegnung des West Coast Jazz folgte und Elemente aus Soul und Blues aufnahm. Die Band interpretiert Musik von Art Blakey, Freddie Hubbard und Woody Shaw sowie Eigenkompositionen – die k ­ nackige Frontlinie besteht aus Trompete und ­Posaune. Eingängige Melodien und starke Grooves laden ein, den Musikern in ekstatische Improvisationen zu folgen. René Marx aka Ian Worthy Schlagzeug Konstantin Wienströer Bass Florian Beckmann Trompete Tobias Weindorf Piano Paul Lüpfert Posaune

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WEIT MEHR ALS NUR ANKOMMEN UND WOHLFÜHLEN Für das entspannte Ankommen unserer oft sehr weit gereisten Künstler*innen beim Festival und in der Stadt und für das Wohlfühlen vor und nach den Auftritten sind natürlich auch die Unterkünfte entscheidend, in denen sie sich erholen können und auch auf ihre Auftritte vorbereiten. Von den Künstler*innen hochgeschätzt ist die zentrale Lage aller Hotels, denn so können sie einen guten Eindruck der Stadt und ihrer Menschen gewinnen. Glücklicherweise können wir uns auf sehr viele langjährige Partner verlassen, die unsere Künstler*innen hervorragend betreuen. Das ist umso bemerkenswerter, als diese Hotels trotz vieler parallel stattfindender Messen in Düsseldorf die Unterbringung unserer Künstler*innen zu 100 Prozent sponsern. Darüber hinaus bieten einige unserer Hotelpartner anreisenden Festival-Besucher*innen attraktive Rabatte von bis zu 20 Prozent an.

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20 Uhr

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Mo

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19.30 Uhr

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Theaterzelt, Burgplatz, € 19,– bis 44,–

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18 & 20 Uhr

Treffpunkt vor dem Theaterzelt, Burgplatz, € 13,– *

19.30 Uhr

Lobgesang

Chor und Orchester der St. Andreas Kirche

di

20

19.30 Uhr 20 Uhr

Kirche St. Andreas, Andreasstr. 27, € 16,– bis 38,– 20 Uhr

sa

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13 –15 Uhr 18 Uhr 18 & 20 Uhr 20 Uhr 22 Uhr

so

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13 –15 Uhr 16 Uhr

Sacre – Circa

Theaterzelt, Burgplatz, € 19,– bis 44,–

BLue LounGe Jazz

Jazz Hoch 4 feat. Matthias Strucken

Theaterbar, Burgplatz, Eintritt frei, Spende erbeten

My Land – Recirquel

Theaterzelt, Burgplatz, € 19,– bis 44,–

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Treffpunkt vor dem Theaterzelt, Burgplatz, € 13,– *

19.30 Uhr 20 Uhr

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19.30 Uhr 20 Uhr

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20 Uhr

Do

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Theaterzelt, Burgplatz, € 19,– bis 44,–

Treffpunkt vor dem Theaterzelt, Burgplatz, € 13,– *

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Hofesh Shechter / Shechter II

Theaterzelt, Burgplatz, € 19,– bis 44,–

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Theaterzelt, Burgplatz, € 19,– bis 44,–

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Johanneskirche, Martin-Luther-Platz, € 26,–

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Fr

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18 & 20 Uhr 19 Uhr 20 Uhr

Sa

24

airchina – Instrumentale Maschinenmusik Theaterbar, Burgplatz, € 16,–

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Treffpunkt vor dem Theaterzelt, Burgplatz, € 13,– *

The Ghosts are returning

FFT im KAP1, Konrad-Adenauer-Platz 1, € 19,–

zephyr – CCn Cie. Käfig Mourad Merzouki

Theaterzelt, Burgplatz, € 19,– bis 44,–

BLue LounGe Jazz

Tempo, Tempo! Hommage an Tony allen

14 –16 Uhr

Ian Worthy Quintet

Im namen der Rose – Wolfram Goertz

18 Uhr

Psalmen Davids – Düsseldorfer Kammerchor

alfa Mist

18 & 20 Uhr

silent disco walking tours – Guru Dudu

Theaterzelt, Burgplatz, € 19,– bis 44,– Neanderkirche, Bolkerstr. 36, € 23,–

Theaterzelt, Burgplatz, € 19,– bis 44,–

Two Moons – Sebastian Gahler

Theaterbar, Burgplatz, € 23,–

Mo’s – James Thierrée

Theaterzelt, Burgplatz, € 19,– bis 44,–

20 Uhr

Theaterbar, Burgplatz, Eintritt frei, Spende erbeten Johanneskirche, Martin-Luther-Platz, € 16,– bis 38,– Treffpunkt vor dem Theaterzelt, Burgplatz, € 13,– *

zephyr – CCn Cie. Käfig Mourad Merzouki

Theaterzelt, Burgplatz, € 19,– bis 44,– 22 Uhr

so

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Silent Disco after-Show-Party – Guru Dudu

Theaterbar, Burgplatz, € 13,– *

BLue LounGe Jazz

14 –16 Uhr

CSM Big Band

Theaterzelt, Burgplatz, € 19,– bis 44,–

16 Uhr

Sonntagsorgel – Frank volke, orgel und Klavier

Backbone – Gravity and other Myths

20 Uhr

Mo’s – James Thierrée

Theaterzelt, Burgplatz, € 19,– bis 44,–

BLue LounGe Jazz

mo

26

Theaterbar, Burgplatz, Eintritt frei, Spende erbeten Kirche St. Andreas, Andreasstr. 27, Eintritt frei, Spende erbeten

zephyr – CCn Cie. Käfig Mourad Merzouki

Theaterzelt, Burgplatz, € 19,– bis 44,–

mercy seat – winterreise

Barbara Oxenfort Quartett

20 Uhr

20 Uhr

»Kunstlied-Slam« – Klangkollektiv Düsseldorf

Termine im november

Backbone – Gravity and other Myths

Sa

So

18

14 –16 Uhr 16 Uhr

Theaterbar, Burgplatz, Eintritt frei, Spende erbeten

Maxhaus, Schulstr. 11, € 16,–

Theaterzelt, Burgplatz, € 19,– bis 44,–

BLue LounGe Jazz

Tilo Bunnies Trio

Theaterbar, Burgplatz, Eintritt frei, Spende erbeten

Sonntagsorgel – Klavier vierhändig

Christiane Morys & Ben-David Ungermann

Kirche St. Andreas, Andreasstr. 27, Eintritt frei, Spende erbeten 18 Uhr

Bühne mit aussicht – alexander Steindorf

Vom Teufel mit den drei goldenen Haaren

Eclipse, Georg-Glock-Straße 22 / Ecke Kennedydamm, € 16,– 19 Uhr

/ FLuSS

Tian Gao, Tanz

tanzhaus nrw, Erkrather Str. 30, € 23,–

Im namen der Rose – Wolfram Goertz

Neanderkirche, Bolkerstr. 36, € 23,–

Theaterbar, Burgplatz, € 16,–

Deutsche Bundesbank, Berliner Allee 14, € 23,–

20 Uhr

silent disco walking tours – Guru Dudu

My Brother The Sea

Singer/Songwriter & Indie-Folk

SaRoD

BLue LounGe Jazz

Mundart trifft Musik

THe GIvInG TRee – RoTHKo STRInG QuaRTeT

Skydeck im SIGN, Speditionsstraße 1, € 23,–

19 Uhr

19.30 Uhr

Geschw. Oxenfort, B. Papst, A. Castro Nogueras, R. Schubert

Backbone – Gravity and other Myths

Theaterzelt, Burgplatz, € 19,– bis 44,–

Treffpunkt vor dem Theaterzelt, Burgplatz, € 13,– *

Silent Disco after-Show-Party – Guru Dudu

Theaterbar, Burgplatz, Eintritt frei, Spende erbeten

Eclipse, Georg-Glock-Straße 22 / Ecke Kennedydamm, € 23,–

18 & 20 Uhr

Theaterbar, Burgplatz, € 13,– *

Nico Brandenburg & Friends

Basilika St. Margareta, Gerricusplatz 6, Gerresheim, € 16,–

14 –16 Uhr

20 Uhr

74

mi

20 Uhr

My Land – Recirquel

Kirche St. Andreas, Andreasstr. 27, Eintritt frei, Spende erbeten

17 Uhr

Bühne mit aussicht – alexander Steindorf

Vom Teufel mit den drei goldenen Haaren

Bühne mit aussicht – Masaa

Treffpunkt vor dem Theaterzelt, Burgplatz, € 13,– *

9

Kirche St. Andreas, Andreasstr. 27, Eintritt frei, Spende erbeten 18 Uhr

20 Uhr

18 & 20 Uhr

Fr

Sonntagsorgel – Klavier vierhändig

Christiane Morys & Ben-David Ungermann

Theaterzelt, Burgplatz, € 19,– bis 44,–

Sacre – Circa

20 Uhr

Theaterbar, Burgplatz, Eintritt frei, Spende erbeten

Leib und Seele – ensemble pro vocale düsseldorf

Treffpunkt vor dem Theaterzelt, Burgplatz, € 13,– *

20 Uhr

8

16 Uhr

BLue LounGe Jazz

Tilo Bunnies Trio

19 Uhr

19 Uhr

Do

18

14 –16 Uhr

Leib und Seele – ensemble pro vocale düsseldorf Basilika St. Margareta, Gerricusplatz 6, Gerresheim, € 16,–

5& 9..–7.– 11.

18.30 Uhr

Charly Hübner & Ensemble Resonanz

Theaterzelt, Burgplatz, € 19,– bis 44,–

endstation fern von hier

Theaterkollektiv Pièrre.Vers

Vorplatz des Stadtarchivs, Worringer Str. 140, € 26,–

5.& 12. Paradise now! – ein Musical (uraufführung) So 6. & 13. Paradise now! – ein Musical Sa

19 Uhr

Johanneskirche, Martin-Luther-Platz, € 16,– bis 38,–

18 Uhr

Johanneskirche, Martin-Luther-Platz, € 16,– bis 38,–

* Keine Ermäßigung


Tschüss Engelbert Engelbert Oxenfort Wir mussten uns in diesem Frühjahr von unserem Gründervater Engelbert Oxenfort verabschieden. Nach langer Krankheit verstarb er im Alter von 86 Jahren. 1991 sorgte Engelbert für die Initialzündung und damit zur Geburt des „Altstadtherbst Kulturfestivals“. Mit enormem persönlichem und familiärem Einsatz verhalf er dem Festival zum Leben. Er gründete zusammen mit engagierten Düsseldorfer Bürgern den Trägerverein, aus dem 1996 die heutige gemeinnützige GmbH hervorging. Diese begleitete er fortan, erst als Vorsitzender und später als Ehrenvorsitzender des Beirats und stand bis zuletzt mit Rat und Tat zur Verfügung. Stets angetrieben von dem Wunsch, seiner Stadt und insbesondere seiner geliebten Altstadt P ­ ositives zu geben, hat er unermüdlich dafür gearbeitet, dem Festival das nötige Fundament für seine zukünftige Existenz zu schaffen. Wir werden sein Engagement und seinen leidenschaftlichen ­Einsatz für das Düsseldorf Festival! nicht vergessen. Christiane Oxenfort, Andreas Dahmen, der Beirat, das Kuratorium und das Team des Düsseldorf Festivals

Ticketinformationen! 0211.82 82 66 22 Ticket-Hotline: bis 6.9.2022 Mo bis Fr und ab Festivalbeginn täglich 10–18 Uhr E-Mail: Eine Ticketbestellung per E-Mail ist NICHT möglich. Internet: www.duesseldorf-festival.de oder west:ticket Tickets können auch bis einschließlich 2.9.2022 (Mo bis Fr 11–18 Uhr) in u ­ nserem Festivalbüro gekauft werden. Adresse: Bolkerstraße 14 –16, 40213 Düsseldorf Ab 5.9.2022 nur noch an der Hauptkasse im Theaterzelt (täglich ab 11 Uhr). Tickets bekommen Sie außerdem bei den west:ticket Vorverkaufsstellen.

Zahlung und Versand

Die Zahlung erfolgt per Bankeinzug oder Kreditkarte (EuroCard/MasterCard oder VISA). Eine Abholung telefonisch bestellter Tickets im Festivalbüro ist leider NICHT ­möglich. Als Bearbeitungs- und Versandgebühr berechnen wir pauschal 4,– €.

Ermäßigungen

Ermäßigung: Schüler*innen/Studierende (14 bis einschließlich 26 Jahre), Bundesfreiwilligendienstleistende, Auszubildende, Schwerbehinderte (ab GdB 80, notwendige Begleitperson frei) s­ owie Erwerbslose erhalten gegen Vor­ lage eines entsprechenden Nachweises 6,– € Rabatt auf alle verfügbaren Karten. Bitte den Nachweis auch beim Einlass bereithalten. U14: Besucher*innen unter 14 Jahren erhalten gegen Vor­ lage eines gültigen Nachweises 50 % Ermäßigung auf alle verfügbaren Karten.

U14/Familienkarte: Bei Vorlage der Düsseldorfer Familienkarte ermäßigt sich der Preis für Kinder unter 14 Jahren auf ca. ein Drittel des Normalpreises. FestivalCard: Die FestivalCard für 36,– € ermäßigt je ein Normalpreisticket pro Veranstaltung um 30 %. Das Ticket ist nicht übertragbar. Diese Ermäßigung ist nicht mit anderen Rabatten kombinierbar. LastMinute U27: Besucher*innen unter 27 Jahren erhalten gegen Vorlage eines gültigen Nachweises an der Abendkasse Tickets in den beiden günstigsten Preiskategorien für ein­heitlich 13,– €. (Es besteht kein Anspruch auf ein Ticket.)

Unsere Eintrittskarten

gelten während des Festivals am jeweiligen Veranstaltungstag als Tickets für den VRR für die Hin- und Rückfahrt (bis 3 Uhr morgens) – und zwar im gesamten Verkehrs­verbund RheinRuhr. Wenn Sie print@home nutzen, erzeugen Sie dafür Ihren kostenlosen Fahrausweis unter: printathomeplus.derticketservice.de/login

Allgemeine Hinweise

Eine Rückgabe gekaufter Karten ist nicht möglich. Bei Verlust von Einzelkarten kann kein Ersatz geleistet werden. Zu spät kommende Besucher*innen haben keinen Anspruch auf Einlass. Einige Veranstaltungsorte sind unbeheizt oder nur über Stufen zu erreichen, bitte tragen Sie Vorsorge. ­Seitenschiff-Plätze in Kirchen haben eingeschränkte Sicht, Emporen-Plätze sind vorwiegend Hörplätze.

Sicherheitshinweis zum Publikumsbetrieb

Es gilt die aktuelle Coronaschutzverordnung des Landes NRW.

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SCHIRMHERR Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller

DAS KURATORIUM

DAS TEAM INTENDANZ UND GESCHÄFTSFÜHRUNG

Robert Lamers (Vorsitzender) Fortin Mühlenwerke GmbH & Co. KG – Geschäftsführender Gesellschafter

Christiane Oxenfort und Andreas Dahmen

Dr. Lutz Aengevelt Aengevelt Immobilien – Geschäftsführender Gesellschafter

Raphael Auer, Assistenz der Geschäftsführung / Sponsoring

Dr. Rudolf Apenbrink HSBC Deutschland – Vorstand Global P ­ rivate Banking Asset Management Dr. Karl Hans Arnold Prof. Dr. Dietrich Baumgart Gemeinschaftspraxis am Preventicum

FESTIVALBÜRO

Timo Kasper, Leitung Ticketing Juliette Eckstein, Festivalbüro/KBB Helen Kemmer, Festivalbüro/KBB

MARKETING UND PRESSE Ana Đokić, Leitung

Gisa Berghof INCEAT Management Consultants GmbH

Linda Wintrich

Felix Droste Droste Verlag und Droste Reisen

SOCIAL MEDIA MARKETING

Thomas Geisel ehem. Oberbürgermeister der ­L andeshauptstadt Düsseldorf

Benjamin Arndt, Jan Teunissen, Dominic ­Schneider – Supercoaster GmbH

PRODUKTION/ORGANISATION

DAS WOHNZIMMER (Backstage Catering) Constanze Lorentz & Team Die Köch*innen in Ausbildung der Diakonie Düsseldorf Maryam Arazi, Marion Auell, Heike Baudach, ­Tatjana Bauer, Doro Becker, Sven Botz, Hanne­lore Cerrmak, Elisabeth Czekala, Anja Donhauser, Elke Dadrich, Sonja Furlan, Hanne Genger, Hartmut Griebel, Johannes Hummer, Margarete Jansen, Ernst & Marion Kavelsberg, Wolfgang Kießler, Erica Lienau, Elisabeth Lückenhaus, Monika Müller-­Griebel, Birgit Otten, Susanne P ­ anico, Elaine ­Reynolds, Wilhelm & Brigitte Schwittay, ­Gisela ­Rudel, Birgit Schon, Elisabeth Schröder, ­Ulrike Selck, Uschi Sondermann, Margret Zenzen, u.a. – Ehrenamtliche Mitarbeiter*Innen

LEITUNG THEATERBAR Barbara Oxenfort, Events & Deko

SPONSORCATERING rieger catering GmbH & Co. KG

Clara Gerlach Bürgermeisterin der Landeshauptstadt ­Düsseldorf

Armin Leoni, Leitung

Dr. Klaus Grossmann Taylor Wessing – Partner

PRODUKTIONSASSISTENZ

Dr. Uwe Vetter, Hermine Schuster, Uwe Hardt – ­Johanneskirche

Hartmut Haubrich Haubrich Stiftung – Vorsitzender des V ­ orstands

Lara Kebeck, Charlott Riedel, Karoline Spöring

Sebastian Klein, Michael Bernhard – Neanderkirche

Helen Kemmer, Juliette Eckstein

Ingrida Gerbutavičiūtė, Stefan Schwarz – tanzhaus nrw

Friedrich-Wilhelm Hempel F.W. Hempel & Co. Erze und Metalle – ­Geschäftsführer Dr. Stephan Keller Oberbürgermeister der Landeshauptstadt ­Düsseldorf Miriam Koch Kulturdezernentin der Landeshauptstadt ­Düsseldorf Daniela König-Mühlenhoff Hans-Georg Lohe Kulturdezernent der Landeshauptstadt ­Düsseldorf a.D.

Theresa Heußen, Produktion und O ­ rganisation

PRODUKTIONSTEAM Eva Stallbaum, Sara Pavlovic, Hang Tran, Johanna Eder, Xenia Haager, Marlen Stuka, Joleen Greiner, Lea Hengst, Elena Landschützer, Luis Kleiner, Chantal Willemarck, Julia Kalmbach

P. Elias H. Füllenbach OP – Kirche St. Andreas

Dr. Peter Krawczack, Julian Höbsch – Maxhaus Kathrin Tiedemann, Christoph Rech – FFT Msgr. Oliver Boss, Klaus Wallrath – Basilika St. ­Margaretha

TECHNISCHE LEITUNG Hajü Müller – Leiter, M-Projecta GmbH Eckehard Merholz – stellvertretende t­ echnische Leitung Hannah Vieten – Assistentin der technischen Leitung

Dr. Andreas Maurer The Boston Consulting Group – Senior Partner

TON- UND LICHTTECHNIK

Uwe Rittmann PricewaterhouseCooper AG – Senior Relationship Partner

Tommy Meinerz - Tontechnik Theaterzelt, ­Rigging

Dieter Friedr. Ruß Hausmann Bauregie – Geschäftsführender Gesellschafter

DANKE

Christian Stritz - Tontechnik, Licht, Rigging

Gebhard Knobelspieß - Tontechnik und mehr Uli Hoolmans, Tanja Lewandowski – Lichttechnik

IMPRESSUM

Herausgeber und V.I.S.D.P.

Bjarne Taurnier, Aleks Ringas, Hanny Kayali

Düsseldorf Festival! gGmbH Christiane Oxenfort, Andreas Dahmen Bolkerstraße 14 -16, 40213 Düsseldorf

Jörg Tomalak-Plönzke ehem. Vorsitzender des Vorstands der ÖRAG Rechtsschutzversicherung-AG

STAGEHANDS

E-Mal: info@duesseldorf-festival.de

Charlotte Lehmann, Saskia Schalenbach, Hendrik Himmelein

Homepage: www.duesseldorf-festival.de

DER BEIRAT

TECHNISCHES PRAKTIKUM

Gudrun Hock

Johanna Muth, Lea Schwarze, Elefteria Rafailia ­Tsiomou, Adrian Schuppke, Florian Heuvelmann

Textbeiträge Steffen Greiner, Thomas Hahn, ­Stefan Keim, Max Florian Kühlem, Regine ­Müller, Michael-Georg Müller, Lars Wallerang

Winfried Siebers SiebersPartner GmbH & CO. KG – Gesellschafter

Robert Lamers Bertram Müller

TECHNISCHE ASSISTENZ

Telefon: 0211.82 82 660

Redaktion Regine Müller

VERANSTALTUNGSTECHNIK

Redaktionsassistenz Juliette Eckstein, Helen Kemmer

Media-Spektrum GmbH & Co. KG

Anzeigen Helen Kemmer

PROMOTION

Corporate Design Uhlemann Design, ­Julie Matulla und Judith Uhlemann www.uhlemann-design.de

Klaus Schomburg

Satz Jan van der Most, Düsseldorf Gedruckt mit freundlicher Unterstützung von Brochmann GmbH, Essen Stand: Juli 2022, Änderungen vorbehalten

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Unter Offenheit verstehen wir,

Zugang zu den Chancen internationaler Märkte zu schaffen. Wussten Sie, dass alle Bauten und Brücken auf unseren Euroscheinen erfunden sind? Aus gutem Grund, denn man wollte kein Land und keine Kultur über die andere stellen. Das ist Offenheit, wie wir von der DZ BANK sie verstehen und leben. Auf Kulturen und Märkte zuzugehen, um Chancen zu finden und gemeinsam zu nutzen. Mehr über Offenheit und unsere Haltung erfahren Sie unter: dzbank.de/haltung


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Wir lieben Code, Design, Kommunikation, Musik und Kunst. Mit Leidenschaft entwickeln wir seit 2004 außergewöhnliche Telefonieprodukte und gestalten die Arbeitswelt von morgen. Dafür suchen wir immer neue Kolleg:innen, die so ticken wie wir.

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