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Sieben Jahre lang hat Stefan Rier geplant, zwei weitere gebaut. 2017 konnten er und seine Frau Stefanie Pramstrahler dann endlich in das Messnerhaus im Südtiroler Ort Seis einziehen. Rier ist Architekt und Innenarchitekt sowie Gründer des Kreativnetzwerks NOA*. Zu seinem Markenzeichen gehören subtile Farben und edle Materialien – das gilt im Übrigen auch für seine Kleidung

Seiser Alm, Südtirol

S T E FA N R I E R & S T E FA N I E PR A MSTR A H LER Der Architekt hat sich einen Kindheitstraum erfüllt und ein Haus entworfen, das an einen Stadel erinnert. Es vereint die regionale Bauweise mit extravagantem Interieur FOTOS M A D S M O G E N S E N   PRODUKTION M A R T I N A H U N G L I N G E R   TEXT J U L I A N E Z I M M E R

DIESES HAUS ERZÄHLT von einer glücklichen Kindheit. Stefan

Rier wächst in dem Südtiroler Ort Seis auf. Als Kind spielt er in den Wintern mit seinen Freunden in den Scheunen des Dorfes. „Wir sprangen vom Oberboden ins weiche Heu und hatten so viel Spaß“, erzählt der Architekt. Die Erinnerung an die offene Struktur der Gebäude, die frei liegenden Holzbalken und das Gefühl von luftiger Höhe und Leichtigkeit, trägt er sein halbes Leben lang in sich. Diese Erinnerung wird zu seiner Inspiration. So will er mal wohnen. Zunächst studiert Rier Innenarchitektur und Architektur in Italien, arbeitet unter anderem bei Matteo Thun in Mailand und gründet 2011 mit Lukas Rungger das Studio NOA*, ein Netzwerk von Kreativen mit Sitz in Bozen und Berlin. Nach 20 Jahren kehrt er mit seiner Frau Stefanie Pramstrahler zurück nach Seis am Schlern und verwirklicht seinen Kindheitstraum. Er baut das historische Messnerhaus mitten im Ort zu einer modernen Scheune um. Von außen passt sich das Haus dem traditionellen Dorf an, im Innern ist der Spieltrieb des Bauherrn zu erkennen. Die hohe, einfache Scheunenform entspricht weitgehend dem Urzustand. Der dreigeschossige Holzbau steht auf einem Steinsockel, der Garage und Gästeapartment beherbergt. Wegen der dichten Bebauung im Dorf sind die Fenster an drei Seiten recht klein und strategisch klug gesetzt, nach hinten ist die Fassade verglast, davor befindet sich die Terrasse. Ein Gitterwerk 130 S C H Ö N E R W O H N E N S P E Z I A L

aus diagonalen Holzstreben überzieht die Außenwände wie ein Spinnennetz und lässt das Gebäude geschlossen wirken. Im Innern gibt es keine klassischen Geschossdecken und Wände – der Giebel befindet sich zehn Meter über dem Wohnraum samt Küche und Essplatz. Emporen erschließen die Etagen. „Ich wollte das offene Wohngefühl meiner Kindheit auferstehen lassen, das so tief in meinem Herzen verankert ist“, erzählt Rier. Zwischen die Balken hängte er drei Raumwürfel, die wie Bauklötze aussehen, in ihnen befinden sich Schlafzimmer und eine Sauna. Das Haus hat etwa 350 Quadratmeter Wohnfläche, nach oben hin wird es immer privater, die Bäder liegen gut versteckt vor den Schlafzimmern, WCs und Duschen sind abgeteilt. Von der Dachterrasse mit Whirlpool lässt sich das Schlernmassiv bewundern. Auch mit den Materialien ging Rier spielerisch um, er führte das Kaminrohr wie eine Schlange durchs Haus, überzog die Wohnwürfel mit Vinyltapeten (Effeitalia) und ließ die stählernen Treppenstufen lasern, sodass ein orientalisches Muster entstand. Seine Frau musste sich an das experimentelle Wohnen erst gewöhnen. „Jetzt habe ich mich aber eingelebt, denn trotz aller Offenheit ist das Haus gemütlich. Es weckt positive Gefühle, ist provokant und lustig. Das macht uns jeden Tag glücklich“, sagt sie. Bald wird die Scheune wieder zu einem Spielplatz. Das Ehepaar erwartet ein Baby. S C H Ö N E R WO H N E N S P E Z I A L 131


Sieben Jahre lang hat Stefan Rier geplant, zwei weitere gebaut. 2017 konnten er und seine Frau Stefanie Pramstrahler dann endlich in das Messnerhaus im Südtiroler Ort Seis einziehen. Rier ist Architekt und Innenarchitekt sowie Gründer des Kreativnetzwerks NOA*. Zu seinem Markenzeichen gehören subtile Farben und edle Materialien – das gilt im Übrigen auch für seine Kleidung

Seiser Alm, Südtirol

S T E FA N R I E R & S T E FA N I E PR A MSTR A H LER Der Architekt hat sich einen Kindheitstraum erfüllt und ein Haus entworfen, das an einen Stadel erinnert. Es vereint die regionale Bauweise mit extravagantem Interieur FOTOS M A D S M O G E N S E N   PRODUKTION M A R T I N A H U N G L I N G E R   TEXT J U L I A N E Z I M M E R

DIESES HAUS ERZÄHLT von einer glücklichen Kindheit. Stefan

Rier wächst in dem Südtiroler Ort Seis auf. Als Kind spielt er in den Wintern mit seinen Freunden in den Scheunen des Dorfes. „Wir sprangen vom Oberboden ins weiche Heu und hatten so viel Spaß“, erzählt der Architekt. Die Erinnerung an die offene Struktur der Gebäude, die frei liegenden Holzbalken und das Gefühl von luftiger Höhe und Leichtigkeit, trägt er sein halbes Leben lang in sich. Diese Erinnerung wird zu seiner Inspiration. So will er mal wohnen. Zunächst studiert Rier Innenarchitektur und Architektur in Italien, arbeitet unter anderem bei Matteo Thun in Mailand und gründet 2011 mit Lukas Rungger das Studio NOA*, ein Netzwerk von Kreativen mit Sitz in Bozen und Berlin. Nach 20 Jahren kehrt er mit seiner Frau Stefanie Pramstrahler zurück nach Seis am Schlern und verwirklicht seinen Kindheitstraum. Er baut das historische Messnerhaus mitten im Ort zu einer modernen Scheune um. Von außen passt sich das Haus dem traditionellen Dorf an, im Innern ist der Spieltrieb des Bauherrn zu erkennen. Die hohe, einfache Scheunenform entspricht weitgehend dem Urzustand. Der dreigeschossige Holzbau steht auf einem Steinsockel, der Garage und Gästeapartment beherbergt. Wegen der dichten Bebauung im Dorf sind die Fenster an drei Seiten recht klein und strategisch klug gesetzt, nach hinten ist die Fassade verglast, davor befindet sich die Terrasse. Ein Gitterwerk 130 S C H Ö N E R W O H N E N S P E Z I A L

aus diagonalen Holzstreben überzieht die Außenwände wie ein Spinnennetz und lässt das Gebäude geschlossen wirken. Im Innern gibt es keine klassischen Geschossdecken und Wände – der Giebel befindet sich zehn Meter über dem Wohnraum samt Küche und Essplatz. Emporen erschließen die Etagen. „Ich wollte das offene Wohngefühl meiner Kindheit auferstehen lassen, das so tief in meinem Herzen verankert ist“, erzählt Rier. Zwischen die Balken hängte er drei Raumwürfel, die wie Bauklötze aussehen, in ihnen befinden sich Schlafzimmer und eine Sauna. Das Haus hat etwa 350 Quadratmeter Wohnfläche, nach oben hin wird es immer privater, die Bäder liegen gut versteckt vor den Schlafzimmern, WCs und Duschen sind abgeteilt. Von der Dachterrasse mit Whirlpool lässt sich das Schlernmassiv bewundern. Auch mit den Materialien ging Rier spielerisch um, er führte das Kaminrohr wie eine Schlange durchs Haus, überzog die Wohnwürfel mit Vinyltapeten (Effeitalia) und ließ die stählernen Treppenstufen lasern, sodass ein orientalisches Muster entstand. Seine Frau musste sich an das experimentelle Wohnen erst gewöhnen. „Jetzt habe ich mich aber eingelebt, denn trotz aller Offenheit ist das Haus gemütlich. Es weckt positive Gefühle, ist provokant und lustig. Das macht uns jeden Tag glücklich“, sagt sie. Bald wird die Scheune wieder zu einem Spielplatz. Das Ehepaar erwartet ein Baby. S C H Ö N E R WO H N E N S P E Z I A L 131


Das gesamte Gebäude ist von diagonalen Holzstreben eingehüllt und erinnert damit an ein Nest. Auf der Rückseite ist die Fassade verglast – durch die Streben lässt sich ein Blick auf das mächtige Schlernmassiv einfangen. Der Holzbau steht auf einem auskragenden Steinsockel. Im Untergeschoss, zum abfallenden Hang hin, liegt eine Gästewohnung. Darüber befindet sich die große Terrasse

Wegen der engen Bebauung im Dorf geben sich Straßenfront und seitliche Fassaden eher zugeknöpft. Die Tür ist mit gehämmerten Kupferblechen umrahmt, die Füllungen zeigen traditionelle Einlegearbeiten. Die Gestaltung des Eingangs steht im Kontrast zur konsequenten Architektur und deutet darauf hin, dass es im Innern dekorativ und üppig zugeht

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Das gesamte Gebäude ist von diagonalen Holzstreben eingehüllt und erinnert damit an ein Nest. Auf der Rückseite ist die Fassade verglast – durch die Streben lässt sich ein Blick auf das mächtige Schlernmassiv einfangen. Der Holzbau steht auf einem auskragenden Steinsockel. Im Untergeschoss, zum abfallenden Hang hin, liegt eine Gästewohnung. Darüber befindet sich die große Terrasse

Wegen der engen Bebauung im Dorf geben sich Straßenfront und seitliche Fassaden eher zugeknöpft. Die Tür ist mit gehämmerten Kupferblechen umrahmt, die Füllungen zeigen traditionelle Einlegearbeiten. Die Gestaltung des Eingangs steht im Kontrast zur konsequenten Architektur und deutet darauf hin, dass es im Innern dekorativ und üppig zugeht

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Das verglaste Dach gibt den Blick frei auf die Santner Spitze im Schlerngebiet der Dolomiten. Dort oben auf der privaten Empore liegt der Wellnessbereich mit Sauna, Dachgarten und Whirlpool. Die gelaserten Stufen der Stahltreppe winden sich durch das Haus. Der Sessel ist vom niederländischen Familienunternehmen Versmissen

134 S C H Ö N E R W O H N E N S P E Z I A L

Der Raum zum Wohnen, Essen und Kochen reicht bis in den Giebel hinauf. Dazwischen hängen die Schlafräume. Im Mittelpunkt steht der verglaste Kamin von Spartherm. Den Esstisch hat Stefan Riers Vater in seiner Tischlerei (Möbel Rier) gebaut. Die Stühle sind von Versmissen, das Sofa von Fischnaller Interior, die Leuchten von Karman Italia


Das verglaste Dach gibt den Blick frei auf die Santner Spitze im Schlerngebiet der Dolomiten. Dort oben auf der privaten Empore liegt der Wellnessbereich mit Sauna, Dachgarten und Whirlpool. Die gelaserten Stufen der Stahltreppe winden sich durch das Haus. Der Sessel ist vom niederländischen Familienunternehmen Versmissen

134 S C H Ö N E R W O H N E N S P E Z I A L

Der Raum zum Wohnen, Essen und Kochen reicht bis in den Giebel hinauf. Dazwischen hängen die Schlafräume. Im Mittelpunkt steht der verglaste Kamin von Spartherm. Den Esstisch hat Stefan Riers Vater in seiner Tischlerei (Möbel Rier) gebaut. Die Stühle sind von Versmissen, das Sofa von Fischnaller Interior, die Leuchten von Karman Italia


OPTIMALER SCHUTZ VOR TROCKENER HEIZUNGSLUFT FÜR IHRE MÖBEL UND HOLZBÖDEN MIT VENTAS LUFTBEFEUCHTUNG DURCH LUFT WÄSCHE

TEXTRECHERCHE MARTINA HUNGLINGER

M A DE G E RM IN ANY

136 S C H Ö N E R W O H N E N S P E Z I A L

Stefan Rier spielt mit Farben und Formen, differenzierte Blautöne dominieren im gesamten Haus. Die glasierten Cottofliesen (Domenico Mori) bilden am Boden ein Mosaik mit dem Industrieestrich. Der auskragende Kochtresen wird von Relieffliesen und einer Arbeitsplatte aus Messing geschmückt. Koch- und Essgeschirre verschwinden hinter Schiebetüren. Leuchten von Karman

ab € 159,– (UVP)

Weitere Infos und 14-Tage Test 0751 5008-88 www.venta-luftwaescher.de


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136 S C H Ö N E R W O H N E N S P E Z I A L

Stefan Rier spielt mit Farben und Formen, differenzierte Blautöne dominieren im gesamten Haus. Die glasierten Cottofliesen (Domenico Mori) bilden am Boden ein Mosaik mit dem Industrieestrich. Der auskragende Kochtresen wird von Relieffliesen und einer Arbeitsplatte aus Messing geschmückt. Koch- und Essgeschirre verschwinden hinter Schiebetüren. Leuchten von Karman

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Messner @ Schöner Wohnen Spezial N° 2/2018  
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