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ff-extra vom 10.05.2018 – ff Nr. 19

Beilage zu ff 19/2018 I Vers. in Post. - 45% I Art. 1 Abs. 1 I Ges. 353/2003 (abg. Ges. 27.02.2004 Nr. 46) CNS Bozen I Poste Italiane SpA I Taxe percue / Tassa pagata

bauen

einfach pompös

Architektentraum in Seis: außen ein Stadel, innen ein Palast. Siamesische Katze

Stein des Anstoßes: Der neue Sitz der Brixen Tourismus Genossenschaft

Back to Black

Ob drinnen oder draußen: Kochen in Schwarz liegt im Trend

Aufgesattelt

In Dietenheim wird das traditionelle ­Satteldach neu interpretiert


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≥ pompöses Futterhaus

SEIS AM SCHLERN

pompöses Futterhaus Außen die Form eines Stadels, innen an Opulenz kaum zu überbieten. Stefan Rier hat sich seinen Architekten-Traum verwirklicht. Text: Verena Pliger | Fotos: Alex Filz

Die Wiedergeburt: Bauherr Stefan Rier hat der ländlichen Bauweise ­Respekt gezollt. Obwohl er das Messner-Haus neu aufgebaut hat, hat er sich an der alten Bausubstanz des historischen Hauses orientiert. Das ­Gebäude mitten in Seis hat eine Kubatur von 1100 m3 und gliedert sich in Form eines Futterhauses in das historische Ortsbild ein. Es lebe die Freiheit! Alles schwebt, alles ist offen, alles ist von überall einsehbar – selbst die frei stehende Badewanne im zweiten Obergeschoss. Auch im Inneren wird die Form des Stadels übernommen, mit stützenden Holzträgern und einer Lärchentäfelung, die bis zur Decke geht.

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„Ich war noch nie ein Fan von ­Minimalismus“ Stefan rier

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chlicht und modern kann jeder. Architektur muss Spaß machen, sich was trauen. Dieser Grundidee folgt die Arbeit von Lukas Rungger und Stefan Rier. Die Inhaber des Bozner Architekturstudios noa* haben sich vor rund 10 Jahren bei Matteo Thun in Mailand kennengelernt. Beim Großen der internationalen Architektur- und Designszene. Er hat sie fasziniert, weil seine Entwürfe möglichst weit weg waren von der herkömmlichen Form. Davon inspiriert, haben die beiden Südtiroler Architekten ihre eigene Sprache entwickelt. Sie entwerfen keine Häuser, sondern bauen Geschichten. Und sie tüfteln und forschen gegen die architektonische Langeweile. 14 No. 19 / 2018 

Alles ausser langweilig ist das Messner-Haus mitten im historischen Ortskern von Seis. Damit hat Stefan Rier, einer der beiden noa-Gründer, sein Lebenswerk geschaffen. Ein Bau ohne Kompromisse. Einfach, opulent, imposant. Es seien, sagt er, in der Kindheit gewebte Träume wahr geworden. Dafür hat er modernes und komplexes Raumgefüge in ein für Seis ortstypisches Gewand verpackt. Damit folgt er dem Genius Loci, dem Geist des Ortes. Beim Wiederaufbau des Messner-Hauses hat er sich an die Bauweise der ortstypischen Bauernhäuser angelehnt. Passend zum Nachbarhaus, das man als Feuerhaus bezeichnen könnte, hat er ein Futterhaus platziert. Mit klassischem Satteldach und ≥

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BERATUNG PLANUNG MONTAGE

≥ pompöses futterhaus

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Leben: Vom Wohnraum mit rosa Kommode und opulentem Samtsofa führt der Weg direkt zur weitläufigen Terrasse. Das Erdgeschoss ist einer Piazza nachempfunden. Herzstück ist der Holzofen aus Schwarzstahl, der zentral auf einem petrolfarbenen Kunstharz-Podest thront. Dahinter der Traum eines jeden ­Gastgebers: Eine lange Tafel für 12 Personen mit samtbezogenen Stühlen. Darüber hängen drei große Gips-Metallleuchten. Ruhen: Die Schlaf- und Badezimmer ­befinden sich in den mit Tapeten überzogenen Kuben. Sie werden von der Holzkonstruktion getragen und verteilen sich auf zwei Stockwerke.

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Liebe: Stefan Rier und Stefanie ­ ramstrahler sind seit drei Jahren ein P Paar, im Sommer erwarten sie ihr erstes Kind. Bislang haben die beiden in Bozen gelebt, im Dezember haben sie das ­Messner-Haus bezogen. Leben: Während Stefan in Seis geboren ist, muss sich Stefanie an das Leben am Hochplateau erst noch gewöhnen. Gebürtig aus Auer, ist die Geschäftsführerin der Südtiroler Weinstraße Liebhaberin von Südtirols Süden.

Foto: Helmuth Rier

Leidenschaft: Die beiden verbindet die Liebe zum Wein und gutem Essen. Die Sommelière und der Architekt sind Gastgeber aus ­Leidenschaft.

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≥ pompöses Futterhaus

die Bauherren im gespräch ff: Sie sind im Dezember eingezogen. Wie fällt die erste Zwischenbilanz aus? Stefanie Pramstrahler: Mittlerweile gut, obwohl so üppig – oder vielleicht auch gerade­ deshalb –, strahlt das Haus eine extreme ­Gemütlichkeit und Wärme aus. Es gab aber auch Zeiten, in denen ich echt dachte: Stefan, jetzt übertreibst Du es. Etwa als der Kurier ganze 100 Meter dunkelblau-grünen Samtstoff anlieferte. Für Vorhänge im Eingangsbereich! Waren Sie immer schon offen für schräge ­Ideen? Stefan Rier: Ja, im Grunde schon. Ich war noch nie ein Fan von Minimalismus. Architektur muss Spaß machen. Ich mag es ausgefallen, abgefahren, auffällig. Ich mag den Glamour, Farben und Muster. Deshalb war es mir auch so wichtig, eine textile Ausstattungslinie zu entwickeln, die sich in einem Guss durch das ganze Haus zieht. Und wie sieht es bei Ihnen aus, stehen auch Sie auf Glamour? Stefanie: Eigentlich mag ich es lieber schlicht und reduziert. Am liebsten skandinavisch.­ ­Insofern ist Stefans Stil durchaus eine ­Heraus­forderung für mich. Wie lange haben Sie am Projekt gearbeitet? Stefan: Meine Eltern haben das Messner-Haus vor zehn Jahren gekauft. Erst wollten sie selbst einziehen, als sie meine ersten architektonischen Entwürfe gesehen haben, meinten sie, das passe alles viel besser zu mir. Also entschied ich mich, hier in Seis zu bauen. Sieben lange Jahre habe ich mit meinem Architekturstudio geplant und ­getüftelt, der Bau an sich hat vier Jahre in ­Anspruch genommen. Ihr Lieblingsplatz im Messner-Haus? Stefan: Aktuell der Garten, ich habe dafür eine richtige Passion entwickelt. Stefanie: Die freistehende Badewanne mit Blick in den Wohnraum ist echt der Wahnsinn. ­Gespannt sind wir, ob es unsere Tochter aber auch mal so toll findet, im Offenen zu baden. Stefan: Spätestes in der Pubertät könnte es wohl Diskussionen geben. Wir haben ja nur ­abgegrenzt, was wirklich privat ist, wie die ­Schlafzimmer, die Toiletten und die Sauna, die sich in abgeschlossenen Kuben befinden.

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ERDGESCHOSS 1. Türkis: Die Küche, ein einziger glänzender Auftritt. Herzstück ist der massive Küchenblock. Gefertigt aus einer Stahl-Unterkonstruktion, überzogen mit handgefertigten Mosaik-Fliesen aus den ­Marken. Dazu passend: Die vom Schlosser nach Maß und aus ­einem Guss angefertigte Arbeitsplatte aus Bronze. Gekocht wird auf einem Gasherd mit vergoldeten ­Drehreglern, gespült mit einem vergoldeten Wasserhahn. 2. Nordisch: Hübsch sortiert präsentieren sich die Teller und ­Gläser. Praktisch: Schiebetür zu, und das offene Regal ­verschwindet aus dem Blickfeld. 3. Strukturiert: Unten die Küche und der Esstisch, darüber die ­beiden Kinderzimmer und das offene Badezimmer. 4. Theatralisch: Hinter den Samtvorgängen beim Hauseingang schwebt der Küchenblock.

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1. OBERGESCHOSS

Orientalisch: Minimalismus findet er furchtbar langweilig. Stefan Rier mag es, mit Farben und Mustern zu spielen. Morgenländisch angehaucht ist etwa die Treppe, die vom ersten Obergeschoss bis zur Dachterrasse führt. Das Muster hat der Bauherr selbst designt, fertigen ließ er die Schwarzstahl-Treppe vom Schlosser. Eindrucksvoll ist das Lichtspiel auf der ­Treppe. Da das Haus keine Innenwände hat, durchdringt das Licht ­jeden Zwischenraum.

| Foto: Alex Filz

Detailverliebt: Offen ist auch das Kinder-Badezimmer. Wer in der ­Einbaubadewanne sitzt, sieht runter bis in die Küche. Mutig die Farben der ­glasierten Krakelee-Fliesen an Wanne und Waschtisch. Kühle Aquatöne treffen hier auf Petrol und blasses Tannengrün. Für Ruhe sorgen die ­beiden weißen Porzellan-Aufsatzwaschbecken. Links davon verschwindet das WC in einer Box, die an der Außenfassade des Hauses hervorragt.

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2. OBERGESCHOSS

Dem Himmel so nah: Das Schlafzimmer von Stefan und Stefanie befindet sich ganz oben, in einer Box mit direktem Zugang zur ovalen Korian­Badewanne, die in luftiger Höhe lässig ruht. Gleich daneben haben die Bauherren ein herrlich gemütliches Daybed in einem warmen Rosaton ­eingerichtet. Blauglasierte Fliesen bilden den Bodenbelag des Ruhe­ raumes und setzen sich auch auf der kleinen Terrasse im Freien fort. ­Immer im Blick: das imposante Schlern-Massiv.

Retro-Chic: Ganze vier Meter lang ist der Waschtisch im Badezimmer. ­Erbaut wurde er aus einer Holz-Unterkonstruktion, veredelt mit ­ Petrol-grauem-Harz. Hingucker sind die vergoldeten Wasserhähne und die asymmetrisch angeordneten Schminkspiegel mit ihren runden LED-Leuchten. Die Dusche versteckt sich links am Ende des Raumes und wurde mit einer waschbaren Tapete ausgekleidet. Für zusätzliche ­Wohnlichkeit sorgen ­bodenlange Leinen-Vorhänge.

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Fachmesse für Elektrotechnik und Licht Freitag 25. und Samstag 26. Mai 2018 Messe Bozen, Halle D von 8.30 bis 18.00 Uhr

Alle zwei Jahre stellen wir die innovativsten Tendenzen, Produkte und Dienstleistungen aus der Welt des Lichts und der Elektrotechnik vor. Wir freuen uns auch auf das Rahmenprogramm in ausgefallenem Ambiente. Der Eintritt ist Personen vom Fach vorbehalten. Online Registrierung www.selectraexpo.it 22 No. 19 / 2018 

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2. OBERGESCHOSS

DACHGESCHOSS 1. Freiraum: Da der Bauherr auf Wände ­verzichtet hat, durchdringt das Licht die ­Zwischenräume der ­Kuben und gelangt überall hin. ­Humorvolle Akzente setzen ­mehrere Affen, die sich an der Schnur der ­langen Leuchten ­festhalten. Dazu ­passen die ­kleinen ­weißen Leuchten­ in Form einer Maus, die auf den Querver­strebungen platziert­ ­wurden.

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2. Weitblick: Die ­Architektur korrespondiert mit dem Ort. ­Besonders gut zu ­sehen in der Sauna, die sich der Architekt Stefan Rier im Dachgeschoss eingebaut hat. Herrlich der Blick auf den ­Santner und den Mull.

„ARCHITEKTUR MUSS SPASS MACHEN“ sTEFAN RIER

­ alkonen. Erbaut hat er das voll unterkellerte Haus auf einem B Sockel aus Stein, darauf thront ein dreigeschossiger Leichtbau aus Holz, ein Holzrahmentragwerk in dreidimensionaler Ausfachung. Das Gebäude erinnert an die Form eines Stadels. Das Schwere und das Leichte sind die konstruktiven Elemente des Baus. Um mit der Umgebung in einen Dialog zu treten, ragen in Form von Kuben an allen fünf Fassadenseiten Öffnungen hervor. Kuben, die einzelne Innenräume nach außen erweitern. Während außen die Tradition den Ton angibt, dominiert im Inneren die Moderne. Alles fließt, alles ist offen, alles ist frei. n

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Messner @ FF Bauen N° 19/2018  

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