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moritz november 2005

nr. 52

das greifswalder studentenmagazin

Essen und Trinken moritz testet: BrĂśtchen, Kaffee und CafĂŠs Ende der Geisteswissenschaften? Mit Campus Europae on tour


editorial

Nachgerechnet Tja, so richtig traut sich keiner es auszusprechen, dass die studentische Flut exponentiell steigt, die Lehrstühle aber im Nichts versinken. 1972 Erstsemester haben die Anzahl der Studenten dieses Semester auf knapp 10800 Studenten getrieben. Wenn wir uns anstrengen, knacken wir bald die 11000er-Hürde. Das wäre ungefähr soviel, wie jeder Mensch durchschnittlich pro Tag mit den Augen blinzelt. Wenn jeder von uns also jeden einzelnen Studenten an dieser Uni einmal ganz kurz ansieht, würde er einen ganzen Tag brauchen. Aber vielleicht sollte man lieber die Augen geschlossen lassen, besonders, wenn man in den Hörsaal für eine Germanistik-Vorlesung geht. Nur der größte Hörsaal in der Kiste wäre halbwegs groß genug mit 460 Plätzen. Aber solange sich noch kein Lehrender über teilweise katastrophale Bedingungen beim Rektorat beschwert, können wir es uns ja auch im Hörsaal gemütlich machen. Warum auch nicht? Es wird kälter draußen und wer wünscht sich da nicht eine warme Schulter an seiner Seite? Aber mal zu etwas Erfreulichem. Die Unibibliothek hat mittlerweile einen Gesamtbestand von 3049442 Bänden. Das bedeutet, jeder Greifswalder könnte sich zwei Bücher ausleihen, bis die Bibo leer ist. 5029 Menschen hat die Uni im letzten Jahr beschäftigt, inklusive Klinikumpersonal. Das macht knapp 10% der Einwohnerzahl von Greifswald aus. Die andere Hälfte verteilt sich dann wahrscheinlich auf die zig Bäckereien hier in der Stadt. Vielleicht ist es ja gar keine Schande, sich nicht zu trauen, die bitteren Tatsachen auszusprechen. Katarina Sass

editorial

Herzlich Willkommen 1 972 Erstis

Volles Haus zum Semesteranfang: Feierliche Immatrikulation am 17. Oktober im Dom Foto: ring

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gegendarstellungen / leserbriefe gegendarstellungen zu „Wahl und Kampf im AStA“ (moritz 51) 1. Unwahr ist, dass einzelne AStA-Referenten mehr als den sechsfachen Betrag ihrer Aufwandsentschädigung verdienten. Wahr ist, dass einzelne Referenten weniger als den sechsfachen Betrag ihrer Aufwandsentschädigung verdienten. 2. Falsch ist, dass Thomas Schattschneider sagte, der Wahlkampf sei ein Ferienjob gewesen, während die AStA-Arbeit eher ehrenamtlich sei. Richtig ist, dass er sagte, das AStA-Ehrenamt sei die richtige und wichtige Arbeit gewesen, während der Ferienjob nur eine Gelegenheit war, Geld zu verdienen – unabhängig von anderen Tätigkeiten. 3. Unwahr ist, dass das Wahlkämpfen für Thomas Schattschneider schon mal 10 Stunden am Tag dauern konnte, allerdings nicht an jedem Tag der Woche. Wahr ist, dass Thomas Schattschneider nur zweimal während der eineinhalb Monate für 10 Stunden unterwegs war. Dieser Fall war die Ausnahme, in der Regel war er nur rund sechs Stunden unterwegs. Ulrich Kötter zu „Sensation! – Giganten des Teams moritz erringen sagenhaften Sieg beim Stadtimpuls-Fußball-Fight“ In der letzten Ausgabe des moritz ist uns ein Fehler unterlaufen. Der Sieg beim Fußballturnier des Stadtimpuls ging nicht an uns. Auch der Endstand des Teams „moritz“ belief sich nicht auf 17 zu 0 Tore, sondern betrug vielmehr 0 zu 17. Der als Satire gedachte Artikel war unangebracht. Ulrich Kötter

leserbriefe

asta-sprechzeiten / leserbriefe

zu moritz 51: „ ‚Die Vorpommern jammern mir zuviel‘ – Interview mit Harald Ringstorff“, „Wahl und Kampf im AStA“, Angela-MerkelSatire

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Die Oktober-Auflage lässt so manche Zweifel zu, beginnt sie doch mit einer indirekten Kandidatenvorstellung von Harald Ringstorff (SPD). Dieser wurde als Spitzenkandidat der SPD für die Landtagswahlen im Herbst 2006 vorgestellt – inklusive seines Wahlkampfprogramms. Doch damit nicht genug! Satire versüßt die politische Landschaft, doch sollte sie nicht ausgeglichen alle Lager betreffen? Die SPD wurde im Allgemeinen als positiv beschrieben, der Union hingegen die Rolle des Opferlammes (Angela-MerkelSatire) auferlegt. Politische Wahlkampfplakate wurden einsei-

Sprechzeiten der moritz-Chefredakteure Ulrich Kötter und Katarina Sass

tig zum Schaden der Union abgedruckt. Neutralität? Spitzenkandidat der CDU in M-V ist Jürgen Seidel. Die Unis gehörten zu den wichtigsten Wirtschaftsträgern des Landes und dürften in keinem Fall begängelt werden, so Seidel. Die ohnehin wirtschaftsschwache Region Vorpommern würde durch den geplanten Abbau Jürgen Seidel. an der Uni Greifswald noch mehr benachteiligt. Wenn Fachbereiche geschlossen würden, sei das eine Folge der Politik der derzeitigen Landesregierung! Sollten Studiengebühren eingeführt werden, müsse diesen die Autonomie der Hochschulen vorausgehen. Die Unis müssten das Geld eins zu eins erhalten. Niemand dürfe aufgrund seiner sozialen beziehungsweise finanziellen Situation von Studium und Lehre ausgeschlossen werden! Neben der Bildung akzentuiert die CDU sehr stark das Thema Arbeit. Durch Schaffung attraktiver Möglichkeiten im Sektor Arbeit sollen die Arbeitslosigkeit und der Bevölkerungsrückgang entschärft werden. Abwanderung von jungen Menschen spielt eine enorme Rolle beim Bevölkerungsrückgang. Die Gründe liegen auf der Hand. Das Angebot an Arbeitsplätzen reicht absolut nicht aus. Zudem sind seit 1998 in M-V circa 100.000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Durch neue Wege im Niedriglohnbereich wie zum Beispiel durch Kombilohn und eine schlankere Verwaltung kann dem entgegengewirkt werden. Investoren können so aufgrund kürzerer und effektiverer Verwaltungswege gewonnen werden. Zum anderen muss ein viel stärkeres Gewicht auf eine wirksame Politik für Familien und Kinder gelegt werden. Es muss klar sein, dass eine Gesellschaft ohne Kinder ihre Existenzgrundlage verliert. Hendrik Weller, Junge Union Greifswald zu „Glauben und Massen“ (moritz 51) Lieber moritz, jetzt hat man Dich in einen katholischen „Vorwärts“ umgewandelt! Ein fundamentalistisches Kampfblatt bist Du geworden! Trauer allerorten, wo es noch freidenkende Menschen gibt, die nicht Papst und nicht katholisch sind. Bitte nie wieder so einen einseitigen, unkritischen Kitsch in „meiner“ Unizeitung! Keine kritische Anmerkung zu Ratzingers verbrecherischen Haltung gegen Kondome und seiner Ablehnung von Homosexuellen. Euer treuer Leser Jan Ulrich Lichte Die Redaktion behält sich vor, eingereichte Leserbriefe redaktionell zu bearbeiten.

Dienstag 10-11 Uhr (AStA-Büro, Audimax) Freitag 14-15 Uhr (moritz-Büro, Wollweberstr. 4)


m oritz

das greifswalder studentenmagazin

t i t e l t he m a

Puffe n, Knac ken, Krüm eln morit z testet e die Greifs walde r Bäcke rmeile

6/7

moritz testet II: Brötchen moritz testet II: Kaffee und Cafés Running Dinner Backen für Akademiker Umfrage: Wie schmeckt die Mensa? Alkoholismus in Vorpommern Glosse: Studentische Trinkkultur Fisch aus Vorpommern moritz testet III: Fischbrötchen Buch: Heidi Klum hält sich fit

6/7 8 9 10 11 12 13 14 15 16

ho c h sc hu l p o li t i k AStA, Kurznachrichten, Protestgruppe Senat pokert mit Rektor Das Ende der Lehramtsstudiengänge? Grundsätzliches im StuPa Kommentar: Gruppentherapie vonnöten Interview: PhilFak-Dekan Bornewasser Gespräch: Ist die Wissenschaftstradition in Greifswald am Ende? Kita-Umfrage Portrait: Erstsemester-Referentin Catharina Frehoff Feministischer Studientag in Greifswald Jenseits von Humboldt

17 18 19 20 20 21 21 22 22 23 24

u ni ve r su m

en esse r Buchm sen, les e e t l r , fu n k e n s a Le d ie F r esuchte b z it r o m

35

150 Euro von der Stadt Two Years – Two Languages Mit Campus Europae on tour (Teil I): Luxemburg, Nancy, Brüssel Faszination Croy-Teppich Greifswalder Weltraumforscher Wi55en l0ckt

25 26 26 28 28 29

P o ke r n , Po l t e r n , P u bl i k m o r it z b e um obachtete d ie S e n a t s s it z u n g

inhalt

ku l t ur Stadtimpuls 30/31 32 GUStAV las / Ein Visum fürs Leben 33 Hommage an ein blättriges Medium 34 „Junge Literatur in Europa“ 35 Frankfurter Buchmesse 36 Bücher Theater: Prinzessinnendramen, Hörspiel 37 38/39 Bericht: Filmfest München 40 CDs / DVDs 41/42 Kino

s pie l u nd s p a ß

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kreuzmoritzel Kurzgeschichte Bartholomä: Aus der Asche Arvids Kolumne

43 44 45 46

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teigwaren

Brötchencontest Wer hat die besten Brötchen?

Samstag morgen! Conny und ich sind zum Frühstück verabredet. Während sich Conny um frischen Kaffee und leckere Marmelade kümmert, bringe ich die frischen Brötchen mit. Eigentlich keine große Sache, dachte ich. Aber bei dem Angebot an Bäckereien in der Greifswalder Innenstadt wird die Angelegenheit doch schon etwas kniffliger. Wer hat die besten Brötchen? Um diese Frage zu klären, traf sich die

titelthema

Bäcker Schulz

Hatte der eine oder andere bereits vorher seinen Lieblingsbäcker, sind wir uns als Redaktion einig gewesen, dass die Bäckerei Kässler und der Bob-Shop die geschmacklich besten Brötchen haben. Während der Preis bei den Brötchen in den meisten Bäckereien zwischen 0,15 und 0,20 Euro lagen gab es im Naturkostladen Brötchen für 0,55 Euro. Wir hoffen, wir können euch einen kleinen Überblick des Brötchenangebots in Back-Factory

0,55 Euro

0,15 Euro

de Maekelboerger (ist uns entfallen)

Preis

0,20 Euro

Stadtbäckerei Junge 0,26 Euro

Brötchensortiment

17 Sorten

18 Sorten

5 Sorten

11 Sorten

15 Sorten

Größe

groß

groß

klein

groß

groß

Krümelfaktor

hoch – sehr knackig gebacken Ohne besonderen Brötchengeschmack. luftig

gering

gar nicht

gering

gering

Super, da ist Frühstücken ein Genuss. ziemlich luftig

Gewöhnungsbedürftig.

Durchschnittlich.

feste Konsistenz

Man schmeckt, dass sie aufgebacken sind. luftig

Hier gab‘s zwar nur Weizenbrötchen, dafür aber eine genaue Zutatenliste. eine

eine

eine

Geschmack

Puff-Faktor Sonstiges

Filialen

6

moritz-Redaktion an einem Samstag zum ultimativen Brötchentestbrunch in der Redaktion. Gemeinsam prüften acht Redakteure Brötchen von elf Bäckereien. Natürlich gibt es noch mehr Filialen in der Innenstadt, jedoch haben einige Bäcker mehr als eine Geschäftstelle. Kriterien, nach denen wir die Brötchen bewerteten, waren unter anderem der Preis, die Größe, das Angebot im Laden und natürlich der Geschmack.

Bewertung

Am Samstag waren die Weltmeister- und Roggenbrötchen um 9.30 Uhr schon weg. drei

Hier haben wir die Kürbiskern-Haselnussbrötchen probiert. zwei

Keimblatt

luftig


teigwaren

der Greifswalder Innenstadt geben. Wo ihr in Zukunft eure Brötchen kauft, sei es zum Sonntagsfrühstück oder einfach zwischen den Vorlesungen für den knurrenden Magen, bleibt natürlich eurem eigenen Geschmack überlassen. Wir hatten jedenfalls eine Menge Spaß und wollen euch einige Impressionen vom Testessen nicht vorenthalten. In diesem Sinne wünschen wir Euch einen Guten Appetit. cole, lil

füllen, und das ist ja nicht nur in diesem Gewerbe der Fall. Studenten haben schließlich immer Hunger. Auch wenn man in Greifswald vielleicht einiges nicht bekommt, aber verhungern wird man keinesfalls. cole

0,15 Euro

Bäckerei Kässler 0,20 Euro

Störte Bäcker 0,12 Euro

Bob-Shop (Dompassage) (vergessen)

0,15 Euro

Bäckerei Marquardt 0,20 Euro

14 Sorten

12 Sorten

22 Sorten

11 Sorten

22 Sorten

6 Sorten

groß

groß

klein

groß

klein

groß

gar nicht

hoch – sehr knackig gebacken Durchschnittlich.

hoch – sehr knackig gebacken Die krosse Kruste bestimmt den Geschmack. luftig

gar nicht

gering

gering

Durchschnittlich.

Durchschnittlich.

Durchschnittlich.

luftig

luftig

luftig

zwei

Hier gibt es das „Meeresrauschen“ – ein Brötchen mit Meeresalgen, das sehr gut schmeckt. zwei

Die Brötchen werden noch in der eigenen Backstube auf dem Hof gebacken. eine eine

Man schmeckt die Frische. luftig

Nordback

Geht man durch die Greifswalder Innenstadt, so verliert man sicherlich eines nie aus dem Blickfeld: Bäcker. Zu Beginn des Sommersemesters 2005 hat sich die „Bäckerlandschaft“ in der hiesigen Altstadt radikal verändert. So eröffneten mindestens drei neue Backshops ihre Pforten und schon ansässige bildeten weitere Filialen aus, so dass die Greifswalder nun in den Genuss von 17 Bäckern allein in der Innenstadt kommen. Überall werden Backwaren angepriesen. Da staunt der Laie und fragt sich: „Brauchen wir wirklich so viele Bäcker?“ Erst kürzlich ging die Meldung durch die Presse, dass die in Greifswald weitverbreitete Bäckerei Witt von der Stadtbäckerei Junge übernommen wurde, und nach und nach alle Filialen umgestaltet werden. Die Greifswalder „Backwarenszene“ wird nun also von dieser Firma mit circa 10 Standorten dominiert. Nimmt das nicht schon mafiöse Züge an? Konkurrenz belebt ja redensartlich das Geschäft, aber so richtig in die Quere kommt man sich wohl nicht. In der Dompassage beispielsweise bietet zwar jeder Bäcker Brot für die Laufkundschaft an, doch bilden sich auch vermehrt speziellere Kundenkreise aus. So laufen die Mediziner während ihrer Pause mal eben auf ein belegtes Brötchen zu Bob-Shop, wohingegen Bäcker Schulz seine Kunden eher mit Tellergerichten erfreut. Schlussendlich, sind alle Bäcker froh, dass nun das Semester wieder angefangen hat und sich die Kassen schneller

luftig

Hier gibt es Bärlauchbrötchen und gut schmeckende Fitnessbrötchen. eine

eine

Rügen Bäcker

titelthema

Bäcker, wo man hinsieht!

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koffeinkultur

Ein Ranking der besonderen Art IO MITTNDRIN

Der ultimative moritz-Kaffee-Test Ein neues Semester hat wieder angefangen und die dunkle, kalte Jahreszeit ist auf dem Vormarsch – für jeden Studenten gleich zwei Gründe, seinen Koffeinkonsum nach dem Sommerloch wieder zu normalisieren. Um Euch eine Orientierung zu geben, wo man den

IO (Dompassage)

COMIX

1,5 cm, sehr locker, löst sich schnell auf

2,5 cm, kraterartig

Geschmack & Temperatur

wenig Espresso; mit Zucker „kaffeeiger“; heiß

„leicht“, mit Zucker angenehm trinkbar; sehr warm

höherer Kaffeeanteil, mit Zucker leicht nussig; lauwarm

Optik

sehr hell, keine Schichtung erkennbar, sonst ansprechend auf Nachfrage rel. kurze Wartezeit, schnell, Kaffee auch zum Mitnehmen kein Keks!

schöner Schichtkaffee im Caipi- Glas auf Nachfrage längere Wartezeit, aber nett zwei Kekse

Schichtung erkennbar, unschöner Milchschaum auf Anhieb recht schnell 3 Amarettini, Strohhalm

Schokokekse schmelzen am Glas fest chillige Baratmosphäre 2,00 Euro „Mexikanischer Kaffee“ (Kaffee, Kakao, Sahne) Ein Klassiker, lecker herb, mit viel Sahne und Schokolade; allerdings wenig kreativ

Löffel zu kurz

titelthema

Ambiente Preis Spezialität

relaxt, urig, etwas verraucht 2,00 Euro „Café Flamand“ (dopp. Espresso, Mango, Sahne, Schoko, Zimt) Äußerst individuell;Vielzahl der Zutaten überfordert ein wenig

Koeppen

Caspar

Milchschaum Geschmack & Temperatur Optik

3,9 cm, sehr locker, knistert rel. starker Kaffee, m. Zucker trinkbar; gut trinkbar schöne Schichtung

Strohhalm Service

auf Nachfrage sehr freundlich

5 cm, aber locker mit Blasen auch ohne Zucker trinkbar, nicht zu kaffeelastig; lauwarm Schichtung vorhanden, Milchschaum nicht ebenmäßig auf Nachfrage nett, relativ schnell

Plus

Milchschaumquantität

nur 1,4 cm, dafür fest & locker großartig, schmeckt auch ohne Zucker; heiß einheitlich hellbraun, Schichtung nicht erkennbar, auf Nachfrage freundlich, aber Zeit mitbringen Keks, Glas Wasser dabei

Minus

wenig Flüssigkeit, kein Keks, Preisleistungsverhältnis hell, freundlich, ruhig

Preis Spezialität

CASPAR

Gemütlichkeit ausbaubar 1,70 (medium) Euro “Cappuccino La Passione” (dopp. Espresso, Milch, Sahne, Haselnusssirup) Einigermaßen exzentrisch, nussig-bitter, kratzig im Abgang

Lichtblick

Ambiente

8

Comix

2,9 cm, leicht blasig, schnell zusammenfallend

Minus

KOEPPEN

Mittndrin

Milchschaum

Strohhalm Service Plus

LICHTBLICK

Wachmacher am besten genießen kann, haben wir für Euch sechs Cafés der Stadt getestet. Dabei haben wir jeweils einen Latte Macchiato und eine Spezialität des Hauses für Euch unter die Lupe genommen und nach verschiedenen Kriterien bewertet.

2,20 Euro „Cappuccino entkoffeiniert“ Mäßig exzentrisch, dafür gesundheitsbewusst (nach 4 Latte eine Wohltat), positiv: große Tasse

Preis, zweitteuerster im Test künstlerisch, besonders abends schön 2,30 Euro „Kapuziner“ (Mokka gestreckt, Kakao, Sahne) Wiener Spezialität, nicht sehr originell, Schoko & Sahne kaum schmeckbar

großes Glas, gutes Mischverhältnis Preis (teuerster im Test), kein Keks hell, nüchterne Loungeatmosphäre, aber gemütlich 2,70 Euro „Banacino“ - kalt (Espresso, Joghurt, Banane, Vanillesirup Erfrischend fruchtig, leicht säuerlich, ein super Sommergetränk


Besser als Essen auf Rädern Ein Erfahrungsbericht vom „Running Dinner“ Irgendwann lag in der Mensa unter vielen Flyern einer mit der Aufschrift „Running Dinner“. „Running Dinner“, „rennendes Essen“? Neugierig geworden, meldeten Britta und ich uns kurzerhand an. Schließlich ist es interessant in anderer Leute Kochtopf zu schauen und so einen Einblick in ihr Leben zu bekommen. Als dann der Brief kam, in dem stand, dass wir für die Vorspeise zuständig seien, wunderten wir uns nur über die Aufforderung doch bitte kein Schweinefleisch oder ähnliches zu verwenden. Doch des Rätsels Lösung ergab sich, als wir die Namen unserer Gäste lasen. Der Hinweis war in Ordnung und stellte für uns kein Problem da. Schließlich hatten wir uns schon auf Tomaten-Paprika-Suppe geeinigt. Samstag vormittag noch schnell in den Supermarkt geflitzt und die Zutaten besorgt und los zu Britta, die schon dabei war, eine Salatgurke in einen Gummibärenkaktus zu verwandeln – sozusagen als verwertbare Tischdekoration. Zwei Stunden Zeit blieb uns für die Vorbereitung der Suppe noch. Zum Glück bekamen wir von Enrico Unterstützung und so brutzelte die Vorspeise bald vor sich hin, während die letzten Details für die Tischdeko erledigt wurden. Fast pünktlich kurz nach sechs Uhr summte der Türöffner und kündigte das erste Team an. Zum Glück kamen Ben und Doro etwas später, denn die Suppe

brauchte noch ein paar Minuten. Also hieß es erst einmal, sich ein wenig kennen zu lernen. Da blieben die obligatorischen Fragen über Herkunft und Studienfach nicht aus. Während dessen verbreitete sich der kulinarische Duft in der ganzen Wohnung und die Mägen machten sich bemerkbar. Als die Suppe war endlich fertig war, genossen alle die Vorspeise und fragten sich weiter aus. Zwischendurch kam dann auch der Vergleich mit den „Speed Blind Dates“ auf, aber gleich mit der Feststellung, dass das „Running Dinner“ doch besser sei, um Kontakte zu knüpfen. Viel Zeit blieb uns nicht, denn der Hauptgang wartete schon in der Bleichstraße auf uns. Also, schnell auf die Räder geschwungen und hin geradelt. Die anderen beiden Teams waren aber auch gerade erst angekommen und der Hauptgang brauchte noch ein wenig. So konnten wir noch ein wenig durchschnaufen. Wieder die obligatorischen Fragen und Antworten. Dann die Hauptspeise. Gemüselasagne mit Ei, Spinat und Paprika. Einfach lecker, wie man hier in MeckPomm sagt. Dazu, wer mochte, ein Gläschen Wein und die Feststellung, dass die Leute von der Vorspeise bei den Leuten vom Hauptgang zur Nachspeise sein werden. Oder war es anders herum? Ziemlich kompliziert, aber nicht weiter wichtig. Nachdem die Teller blitzblank waren, wagten sich einige noch eine zweite Portion zu sich zu nehmen. Ich sage „wage“, da der nächste Gang, der Nachtisch, bereits im Hinterkopf spukte. Aber egal,

heute durfte man. Und schwupsdiwups, war die Zeit leider wieder vorbei. Noch schnell geholfen das Geschirr in die Wohnung zu tragen und schon ging es weiter in die Makarenkostraße. Hier erwarteten uns drei Marokkaner, die sich gerade das Eurofußballspiel Russland gegen Spanien anschauten. Etwas allein gelassen saßen wir kurzzeitig mit dem Fernseher alleine im Aufenthaltsraum. Dann die Überraschung: Schwarzwälderkirschtorte, Tortlets, dazu selbstgemachten originalen marokkanischer Tee. Zwischendurch schauten wir immer wieder nach den Fußballergebnissen und unterhielten uns. Denn schließlich musste die Torte Stück für Stück gegessen werden und nicht alles auf einmal, weil der Magen eigentlich schon voll war und das schlechte Gewissen die Kalorien zählte. Aber dennoch war es ein guter Ausklang. Anschließend fuhren wir noch zur After Dinner Party. Leider war dort nicht wirklich etwas los, so dass wir nicht lange blieben. Was bleibt also als Fazit dieses Abends zu sagen? Es hat Spaß gemacht und war interessant, einerseits selber zu kochen und zu sehen, wie es den anderen schmeckt und andererseits zu schauen was die anderen kochen. Erstaunt waren wir, dass Studenten auch etwas anderes kochen können, als nur Nudeln mit aufgewärmter Tomatensauce. Na dann guten Appetit. lil, Britta Voß

titelthema

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essen on tour

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kursus

Backen für Akademiker e) ulce moll d Brownie m u c s m fu (Paneficiu ienzen Ingred ter ut olade 150g B e Bitterschok ut 125g g nereier e) üh drei H cker (Glucos a u om 375g Z fen Vanillear p o r zwei T kaopulver a 30 g K

titelthema

Prozedere

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Den Backofen (i. d. R. unter dem Herd befindlich) bei Ober- und Unterhitze auf 180°C erwärmen.

ein Teil der aufgenommenen Energie sich verflüchtigt und eine etwas zähere Konsistenz sich eingestellt hat.

Den Boden einer quaderförmigen Backform mit Backpapier bedecken. Dabei ist darauf zu achten, dass das Papier überall gleichmäßig anliegt und kein Wellenwurf auftritt. Unter Umständen ist der Gebrauch einer Schere angezeigt.

Währendessen in einem weiteren Rührgefäß eine Melange aus Eiern, Zucker und Vanillearoma anfertigen.

Butter und Schokolade unter Verwendung eines Messers in kleinere Einheiten transformieren und in ein hitzeresistentes Rührgefäß überführen. Soeben genanntes Gefäß auf einem Gestell über einen Topf platzieren, der mit langsam evaporierendem Wasser (H2O(aq) ‡ H2O(g)) gefüllt ist. Die Masse unter stetigem Umrühren mit einem hölzernen Kochlöffel erhitzen, bis diese einen melasseartigen Zustand angenommen hat. Sodann das Gemisch von der Hitzequelle entfernen und abwarten, bis

In dem voluminöseren der beiden Behältnisse die beiden manufakturierten Emulsionen zusammenführen und unter Verwendung eines Schneebesens zu einer einheitlichen Masse verarbeiten. Als letzte Veränderung am Status des Mixtum compositums nun das fein säuberlich gesiebte Mehl und das Kakaopulver unterheben. Dabei unnötige Turbulenz durch Minimierung der Rührzeit vermeiden. Den Transfer des fertigen Teiges in die Backform durch Fetten der Wände letztvorbereiten und anschließend durch ihre Befüllung mit der Melange vollziehen.

Das noch rohe Produkt nun unter Zuhilfenahme von Topflappen in den zu diesem Zwecke geöffneten Backofen überführen. Backform mit Teig dort für 40 Minuten belassen und tatsächliche Hitzebeständigkeit des Backgefäßes sowie Oberflächenfarbe des Gebäcks regelmäßig observieren. Nach Verstreichen der zugemessenen Zeit mit einer Gabel die Konsistenz des Produktes überprüfen. Sofern diese keine Teigspuren aufweist, das Behältnis aus dem Ofen extrahieren. Dabei ist die erneute Verwendung von Topflappen empfehlenswert. Das fertige Paneficium aus der Form befreien. Warm mit dem Messer in 4x5cm große Rechtecke schneidend aufteilen. Zum Verzehr bereitstellen. sari, tja


nachgefragt

Die neue Mensa des Jahres? Welche Mensa wird wohl dieses Jahr zum Primus gekürt? Bewertet werden die Essensausgaben in den Kategorien Atmosphäre, Service, Freundlichkeit, Auswahl und Geschmack. Hat die Greifswalder Mensa Chancen auf

Ich gehe sehr gern in die Mensa, aber unregelmäßig. Manchmal koche ich selber, oft auch mit Freunden. Essen in der Mensa: Die Mensa ist schön und das Angebot ist gut und günstig. Das Personal ist freundlich und hilfsbereit. Da kann man nicht klagen. Manchmal sind die angebotenen Gerichte zu kompliziert – ich würde mir mehr einfache Hausmannskost wünschen. Außerdem gibt es meiner Meinung nach zu viele Fischgerichte im Angebot. Die langen Schlangen sind zwar ärgerlich, lassen sich aber nicht vermeiden.

Anja, 21 Jahre, Skandinavistik/Nordische Geschichte/Geografie, 3. Semester

Horst Krüger, 73 Jahre, Germanistik/Geschichte im 8. oder 9. Semester

den Titel? Die moritz-Redakteure Anne Breuer und Grit Preibisch kämpften sich durch Warteschlangen und Sitzreihen, um Meinungen über Essen, Gestaltung und Service in der Greifswalder Mensa zu sammeln.

Holger, 24 Jahre, Germanistik/Geschichte im 2. Semester

Essen in der Mensa – Frust oder Lust? Frust, weil das Essen meist schon kalt ist, wenn man endlich am Tisch sitzt. Und das tolle Essen ist oft schon alle, wenn man ankommt. Das wird dann einfach durch andere Varianten ersetzt, die man gar nicht mag. Ich fände es schöner, wenn von allem etwas mehr gemacht würde. Dann würde genug da sein, so dass es nicht immer diese Ersatzvarianten geben würde. Was hältst Du von dem Service und der Wartezeit? Die Wartezeit ist viel zu lang, besonders an der Barkasse. Vielleicht könnte man eine zweite Kasse aufmachen, an der man bar bezahlen kann? Manchmal sind die Kassiererinnen etwas unfreundlich. Aber sonst finde ich den Service echt in Ordnung.

Sind Sie zufrieden mit dem Angebot? Ich bin sehr zufrieden! Besonders gut gefällt mir, dass man sie einzelnen Komponenten kombinieren kann, so wie es einem am besten schmeckt. Die geben sich hier wirklich viel Mühe. Es ist toll, hier zu essen. Die Atmosphäre ist durch die vielen Studenten sehr lebhaft, und die Gestaltung gefällt mir auch gut, besonders im Vergleich zu Wuppertal. Dort sind sie zwar schneller, aber das Essen schmeckt hier in Greifswald viel besser. Um 12 staut sich meistens alles, dann ist es sehr voll. Aber das ist wahrscheinlich schwer zu ändern.

Anne, 21 Jahre, Erziehungswissenschaft/Deutsch als Fremdsprache im 3. Semester Wie häufig gehst Du in die Mensa? Fast täglich. Es passt gut in den Stundenplan. Ich bin zufrieden mit dem Angebot. Es geht schnell und die Preise sind in Ordnung. In einer Skala von 1 bis 10, wobei 10 das Beste ist, würde ich eine 6 vergeben. Der Service ist okay, aber ausbaufähig. Mehr Bargeldkassen wären gut. Die Atmosphäre in der Mensa ist nicht so toll. Die bisher ziemlich funktional gehaltene Gestaltung könnte verbessert werden.

Essen in der Mensa – Frust oder Lust? Auf jeden Fall Lust. Das Angebot ist gut – ich finde immer etwas, das mir schmeckt. Besonders gut gefällt mir das Nachtischangebot. Die Preise sind okay – mit Selbstkochen oder dem Döner an der Ecke kommt man auch nicht günstiger. Die Essensfrauen sind sehr nett und bleiben auch bei dem größten Stress ruhig und aufgeschlossen. Die Gestaltung der Mensa ist ausbaufähig. Die Mensagestaltung wirkt ziemlich altmodisch – da könnte etwas gemacht werden. Hinzu kommt, dass es in manchen Bereichen der Mensa zieht. Oft ist es so, dass es Jana, 21 Jahre, Deutsch/Englisch/Mathe im in der Mensa im Sommer zu heiß und im Winter zu kalt ist. 5. Semester

titelthema

Die Zeitschrift „Unicum“ sucht auch dieses Jahr wieder die „Mensa des Jahres“. Im vergangenen Jahr konnte sich die Hochschule Vechta über diesen Titel freuen, während es die Greifswalder Mensa nicht mal in die Top 20 schaffte.

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gesellschaft

Am Rande Für Zyniker hört die Welt an der Stadtgrenze von Greifswald auf. Dahinter flaches Land, Dörfer, in denen nur Rentner in arbeitslose Männer hausen und aus denen die Frauen flüchten, Autofahrer mit Wildwestmanier. Und viel Alkohol. Es hat mal jemand ausgerechnet, dass in Vorpommern 16 Liter reiner Alkohol pro Kopf der Bevölkerung im Jahr getrunken werden. Das sind über 90 Flaschen Schnaps. Sicher, die Tradition des Alkoholtrinkens ist so alt wie das Abendland selbst, wird aber wohl nirgends so exzessiv betrieben wie in Vorpommern. Nicht einmal im Land der weißen Würste und Biere. Dort könnte man noch am Ehesten von einer Tradition sprechen. „Bier wird in Vorpommern schon gar nicht mehr als Alkohol wahrgenommen, es zählt nur noch Hochprozentiges“, berichtet Klaus-Peter Philipp vom Greifswalder Institut für Rechtsmedizin. Er und seine Kollegen untersuchen

für die Polizei die vorpommerschen Blutproben auf den Alkoholgehalt. Sie halten die durchaus umstrittene These, dass hier im Nordosten mehr Alkohol getrunken wird, für glaubwürdig. „Es

gab schon zu DDR-Zeiten ein NordSüd-Gefälle beim Alkoholkonsum, dazu ist nach der Wende auch noch ein OstWest-Gefälle gekommen“, so Philipp. In Greifswald genügt es, vor den diversen

„Getränkestützpunkten“ einmal die Augen aufzumachen. Und deren Sortiment an Hochprozentigem auf sich wirken zu lassen. Die Formen des Alkoholmissbrauchs sind vielfältig und fangen nicht beim Vollrausch an. Alkoholabhängigkeit wurde erst 1976 überhaupt als Krankheit anerkannt. Der Zusammenhang von Arbeitslosigkeit und Alkoholismus ist differenziert, mal kam das eine, mal das andere zuerst. Auch der soziale Status spielt eine Rolle, der Angestellte mit Fahne fliegt schneller raus als der hausbarleersaufende Rektor. Vorpommern liegt bei jugendlichen Straftätern unter Alkoholeinfluss über dem Durchschnitt, der Landespräventionsrat stellte Schüleralkoholismus fest. „In Vorpommern sterben auch mehr Menschen am Alkohol als anderswo“, so Klaus-Peter Philipp, „auch wenn die amtliche Statistik widerspricht.“ Er verlasse sich auf seine lange Berufserfahrung. „Ich sehe das ganze aus der sachverständigen Sicht des Rechtsmediziners“, resümiert er, „aber vielleicht haben wir im Abendland verlernt, mit Alkohol umzugehen.“ uli

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Wellness


trinkkultur

Ein Vorpommern-Getränk Der Winter steht vor der Tür und die Preise in der Apotheke sind schon Grund genug krank zu werden? Dann wird es aller höchste Zeit zu schauen, was Mutter Natur für uns parat hält. Besonders wichtig in der kalten Jahreszeit ist eine ausreichende Grundversorgung des Körpers mit Vitamin C. Mit der zehnfachen Konzentration an Vitamin C im Vergleich zu Zitronen und vielen zusätzlichen Vitaminen stellt der

Sanddorn ein wahres Kraftpaket der Gesundheit dar. Die Pflanze aus der Familie der Ölweidengewächse ist in unseren Breiten sehr häufig zu finden und wird unter anderem zu Marmelade, Saft, Likör, Wein, Sirup oder auch Öl verarbeitet. Von der Wirkungsweise ist bekannt, dass die Frucht den Kreislauf anregt und das Immunsystem stärkt. michi

Auch wenn unsere Hansestadt ein breites kulinarisches Angebot bereithält – Essen und Trinken, zwischen Vorlesung und Seminar, gelegentlich auch mangels Zeit in den Veranstaltungen, stellen für den durchschnittlichen Studenten tagsüber nur eine Befriedigung des Grundbedürfnisses nach Nahrung dar. Abends hingegen sieht es ganz anders aus: In Greifswald existieren vielfältige Möglichkeiten des mehr oder weniger gepflegten Genusses alkoholischer Getränke, und die können nach einem langen Tag sehr verlocken. Es empfiehlt sich daher, sich für ihre Erkundung einen Abend auszusuchen, auf den kein allzu früher Morgen folgen muss. Das standardisierte Procedere (geringfügige Abweichungen möglich) sieht dann wie folgt aus: Man trifft sich gegen 20 Uhr in einer der zahlreichen Szenekneipen, um noch für eine Stunde die Happy Hour auskosten zu können. Dort müssen in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Cocktails konsumiert werden, bevor es teuer wird. Je besser man diese Fertigkeit beherrscht, umso großartiger werden die Wetten, auf die man sich in dem dann folgenden Zustand einlässt: „Du schaffst es nie, das gesamte crushed ice, das noch in deinem Glas ist, auf einmal in den Mund zu nehmen.“ „Natürlich schaff ich das!“ Klirr, schluck, prust. Mit solchen Aktionen lässt sich spielend

die Zeit bis zum Öffnen der Studentenclubs überbrücken. Einzig akzeptable Alternativen sind es, etwas zu essen oder Kaffee zu trinken, um das Durchhaltvermögen zu steigern. Sobald dann die Tore geöffnet sind, stürmt man die Tanzfläche – man wird an dem Abend nie wieder sooo viel Platz haben, um sich in Szene zu setzen. Die etwas Schüchterneren unter uns können sich die Zeit im Foyer und an der Bar vertreiben, solange der Pegel konstant bleibt, wird es

nicht langwei-

lig. Obligatorisch sind natürlich Pausen, in denen man das übrige Publikum des Etablissements, in welchem man sich gerade befindet, begutachtet. Wer Glück hat, wird fündig – ob aufregende Blickkontakte oder noch nie da gewesene Styling-Inspirationen. Was auffällt, gewinnt. Über den Wechseln zwischen Tanzfläche, Toiletten, Bar, Draußen, Tanzfläche vergehen die Stunden wie im Fluge. Wer mit Hilfe koffeinhaltiger Alkohol-Mischgetränke durchhält, bis das

Licht an- und die Musik ausgeht, kann stolz auf sich sein, er hat ein Etappenziel erreicht. Und wer dann von mitreißender Musik, freundlich-offenen Mitmenschen und vor al- lem Getränken noch nicht genug hat, dem bleibt noch die Möglichkeit, in eine einschlägige, 24 Stunden geöffnete Einrichtung zu wechseln, deren liebevoller Spitzname an das Spiel Schiffeversenken erinnert. Mit etwas Glück bekommt man einen Tisch neben ein paar interessanten Vertretern des starken Geschlechtes, die einen mit ihren philosophischen Bemerkungen („Nicht die Politik, die Homosexualität ist es, woran dieses Land zugrunde geht!“), ihrem Erscheinungsbild (Staatsbedienstete mit „Suck my Dick“-Shirts) oder ihren körperlichen Fähigkeiten (mit dem Kopf auf dem Tisch liegen und gezielt zwischen die Füße kotzen) beeindrucken können. Wer es bis hier ohne den Konsum von Alkohol geschafft hat, sei beglückwünscht und wird mit einzigartigen Möglichkeiten für Sozialstudien belohnt. Durchhalten bis die Sonne aufgeht ist jetzt nur noch eine Kleinigkeit, dann dürfen alle nach Hause, ins Bett oder an den Schreibtisch fallen. Und das Erstaunliche an diesem Teil der studentischen Kultur: Man macht es freiwillig immer wieder. Na dann: Prost! tja

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Uns Greifswalder Studenten ins Glas geschaut

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aus der region

Wie heißt die beliebteste Fischsorte?

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Wenn die hiesige Region kulinarisch für etwas bekannt ist, dann doch für Sanddornprodukte und „Rügen-Fisch“. Zugereiste wie Touristen fragen sich durch, nach dem bundesweit populären Fischchen, und auch die Einheimischen lieben ihr Fischfilet in Tomatensoße seit Jahrzehnten. Die Supermärkte und Discounter der gesamten Bundesrepublik haben die regionalen Produkte schon längst in ihre Angebotspalette mitaufgenommen. Doch bei der einen Sorte bleibt es natürlich nicht, gibt es doch die tollsten Geschmacksrichtungen, damit sich auch für jeden Gaumen etwas findet. Doch wo werden diese Leckerlis eigentlich hergestellt? Erst im Oktober 2003 wurde das neue Fischverarbeitungszentrum im Fährhafen Sassnitz feierlich eröffnet und erneuerte damit das alte

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Fischwerk, das schon vor der Wende seit 1956 für seine Fischkonserven bekannt war. Direkt im Hafen landet der Hering, wahlweise auch Dorsch und Flunder, nach Luftlinie zehn Metern in seiner Dose und macht sich auf die Reise in unsere Vorratsschränke, denn jeder hat irgendwo eine Fischkonserve stehen, die sich am Ende des Monats glücklicherweise wieder anfindet. Die Rüganer werben mit dem Slogan „Modernstes Fischwerk der Welt steht in Sassnitz/Rügen“ und sind stolz auf eine vollständig automatisch gesteuerten Produktionsprozess. „Mit dieser Technik können hier jährlich bis zu 50.000 Tonnen Fisch zu verschiedenen Halbprodukten für die Feinkost- und Konservenindustrie sowie den Massenabsatz innerhalb und außerhalb Europas

verarbeitet werden.“, erfährt man in der Tourismuszentrale Rügen. Mit der „Renovierung“ des Fischwerks Sassnitz haben dazu 150 Menschen Arbeit gefunden, was auch die Schweriner Abgeordneten freute Till Backhaus, Landwirtschaftsminister MecklenburgVorpommern, wohnte der feierlichen Eröffnung des Neubaus persönlich bei und betonte, „dass jetzt das durch die Schweriner Politik einst angestrebte „Kompetenzzentrum für Fisch“ einen gewaltigen Schritt vorangekommen sei.“. Für die Region Vorpommern bleibt nur noch zu hoffen, dass diese positive Tendenz weiterhin anhält und sich dieser Industriestandort weiterhin behaupten kann. Wir Supermarktkunden hingegen freuen uns über leckeren, frischen Fisch cole aus der Ostsee.


brötchentest spezial

Le grand teste des Fischbrötchen Auf der Jagd nach dem ultimativen Fischbrötchen in Wieck. moritz-Redakteur Stephan Kosa hat sich mit vollem Körpereinsatz darum gekümmert, Euch lieben Lesern ein objektives Bild der Angebote präsentieren zu können. Drei Geschäfte verkaufen Fischbrötchen. Dieses Überangebot veranlasste uns dazu, Euch die Unterschiede aufzulisten.

Fotos: kos

„Fischhandel & Räucherei Ch. Kruse“ „Wiecker Fisch“

Zu finden gleich hinter der Wiecker Brücke am diesseitigen Ufer. Oder gegenüber der Mensa die Zweigstelle. Preisspanne für Fischbrötchen: 1,60 – 2,30 Euro Herkunft des Fisches: Eigenfang aus dem Ostseebodden, Ankauf als Tiefkühlware bei Fischsorten, die es hier nicht gibt (Heilbutt etc.). Angebot: Alles, was das Herz begehrt. Auch Fisch, der nicht auf der Fischbrötchenkarte steht, kommt auf Wunsch aufs Brötchen.Alles ist appetitlich angerichtet. Eingelegtes wie zum Beispiel Rollmops wird selber eingelegt, der Räucherfisch selber geräuchert. Die Brötchen sind gut. Bedienung: Nordisch herb. Freundlich, solange man nicht nach einem kurzen Interview fragt. Saisonangebote: Zu den entsprechenden Fangzeiten werden auch saisonal erhältliche Fischsorten angeboten, zum Beispiel Flunder oder Hering. Tradition: Den Laden „Wiecker Fisch“ gibt es seit siebeneinhalb Jahren. Fazit: Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Fürs Geld ein Brötchen mit lecker und viel Fisch plus Salat. Anlaufpunkt der Einheimischen für den Fischeinkauf.

Zu finden hinter der Wiecker Brücke auf dem Platz am jenseitigen Ufer. Auch auf dem Greifswalder Markt mit einem Stand vertreten. Preisspanne für Fischbrötchen: 1,80 – 2,30 Euro Herkunft des Fisches: Ankauf in Freest bei Lubmin oder als Tiefkühlware bei Fischsorten, die es hier nicht gibt. Angebot: Aufs (leider, leider) Aufbackbrötchen kommen mit genug Salat die gängigen Fischsorten wie Matjes, Räucherlachs, Bismarck und Butterfisch. Der Räucherfisch wird selber geräuchert. Bedienung: Freundlich bis zurückhaltend. Bei Kälte bekommt man das Brötchen drinnen in der dazugehörigen Kneipe. Saisonangebote: Zu den entsprechenden Fangzeiten gibt es auch saisonal erhältliche Fischsorten. Im Sommer gibt es Aal, Rotbarsch, Flunder und Makrele. Tradition: „Das Reusenhaus“ gibt es mittlerweile seit elf Jahren. Fazit: Akzeptables Preis-Leistungs-Verhältnis. Leider nur das Aufbackbrötchen, dafür aber mit gut Zwiebel, viel Fisch und Salat. Ideal, um noch ein Bierchen an der Theke zu genießen.

Nach kurzer Suche hinter dem „Reusenhaus“ in der Rosenstr. 2-3 in Wieck zu finden. Oder im kleinen Holzstand nahe beim „Utkiek“. Preisspanne für Fischbrötchen: 1,50 – 2,00 Euro Herkunft des Fisches: Täglicher Ankauf in Freest bei Lubmin oder als Tiefkühlware bei Fischsorten, die es hier nicht gibt. Angebot: Klein, aber fein. Und bei weitem ausreichend. Alles, was der Magen begehrt, kommt auch aufs Brötchen. Die Brötchen werden täglich selber gebacken (!) und es gibt als Besonderheit den patentierten „Echten Wiecker“ Rollmops. Der Räucherfisch wird auch selber geräuchert. Bedienung: Überaus freundlich, die Atmosphäre ist schon fast familiär. Nordisch gut. Saisonangebote: Zu den entsprechenden Fangzeiten, zum Beispiel jetzt, auch Flunder, Hering, Dorsch und der Ostseeschnäpel. Tradition: „Ch. Kruse“ hat gerade die Jubiläumsparty zum 15-jährigen Bestehen geschmissen. Fazit: Unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis. Das selbst gebackene Brötchen kommt mit noch warmem Räucherfisch, großzügig Salat und viel Gurke. Die Fischstücke waren im Test die Dicksten, die Preise die Dünnsten. kos

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„Das Reusenhaus“

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fitness

Leben wie ein Superstar Wie Models und Schauspieler/innen fit und schlank werden Kräutern als Vormittagssnack oder leckere Lasagne als Hauptmahlzeit. In den zwei Wochen gibt es zudem strenge Regeln: kein Alkohol, kein Brot, keine Milch und Milchprodukte, nichts Süßes, keine stärke- und kohlenhydratreichen Lebensmittel und auch kein Obst. Und tatsächlich bleibt trotzdem noch eine Menge übrig. Allerdings ist der NYBP für Vegetarier nicht zu empfehlen. Das ist natürlich noch nicht alles auf dem Weg zum Traumbody. Jeden Tag gehören eineinhalb Stunden Sport dazu, bestehend aus einer dreiviertelstunde Cardio-Workout wie Laufen, Crosstrainer, Rudermaschine und dergleichen und dazu eine dreiviertel Stunde Body-Sculpting, in denen der Körper geformt wird. Allerdings hat dieses Workout es ebenfalls in sich, die ersten Tage beherrschen sie die Lebensplanung vollkommen, später wenn der Muskelkater endlich verschwindet, sieht man auch schon erste Erfolge. Pölsterchen verschwinden, der Bauch wird flacher und auf einmal sind da hübsch definierte Oberarme und wohlgeformte Beine. Beim Body-Sculping gibt es die Ganzkörper-Variante, dann eine für Bauch und Rumpf und eine für den Po und die Beine. Also auch recht abwechslungsreich. Die vierzehn Tage sind ziemlich hart, das Workout intensiv und die Nahrungszubereitung zeitfressend. Aber es lohnt sich. Im Buch gibt es auch für jeden Tag komplette Anweisungen, ein paar aufmunternde Worte von Herrn Kirsch,

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Innerhalb von zwei Wochen um eine oder mehrere Größen schrumpfen? David Kirsch macht‘s möglich. Er ist verantwortlich für Heidis flachen Bauch, für Naomis Wespentaille und hat mit dem von ihm entwickelten New York Body Plan gleichzeitig sein Händchen fürs Marketing genutzt. David Kirsch lancierte im Frühjahr sein Buch „Der ultimative New York Body Plan“ in Deutschland und Heidi Klum ist dabei sein liebstes Testimonial, neben Linda Evangelista, Liv Tyler und vielen anderen amerikanischen Models, Schauspielern und anderen Blitzlichtschönheiten. In nur vierzehn Tagen soll mit Hilfe des Buches und einem strengen Programm der Naja-Body zum Wahnsinnsanblick werden. Ein Buch als Personal Trainer, denn die sind eben momentan in tout Hollywood en vogue. Natürlich kann dazu auch die DVD erworben werden neben vielen anderen Produkten von David Kirsch, wie zum Beispiel MolkeDrinks, Nahrungsergänzung und Vitaminpillen. Ja, zu essen gibt es auch noch etwas. Und das nicht wenig. Täglich stehen fünf Mahlzeiten auf dem Plan, zwischen denen jeweils drei Stunden liegen. Allerdings sind diese Mahlzeiten sehr aufwändig zuzubereiten. Aber was tut man nicht alles für den ultimativen Superbody. Die Snacks und Hauptmahlzeiten schmecken sogar, aber sie müssen fast alle warm zubereitet werden. Dann gibt’s gebratenes Eiweiß mit Tomaten, Putenstreifen und

den täglichen Essensplan, welches Workout ansteht und die tägliche Ausrede, die von David dann entkräftet wird. Dazu berichtet täglich einer seiner Kunden aus seinem Madison Square Fitness Club in New York von seinen Erfolgen. Soll motivieren. Diese zwei Wochen sind schwer, vor allem wenn man beruflich arbeitet oder unregelmäßig zur Uni muss oder auch nur wenn die Mitbewohner Pizza backen – man kommt ständig in Berührung mit den Dingen, die in diesen zwei Wochen tabu sind. Das ist nicht einfach, stärkt aber im Nachhinein ungemein. Es sind schließlich nur zwei Wochen. Und dann, wenn sie endlich vorbei sind, die alten Klamotten wieder gut sitzen und man selbst sogar um eine oder mehrere Kleidergröße/n „geschrumpft“ ist, die Haut straff und der Körper wohlgeformt – dann ist nicht mehr die Schokolade das Begehrenswerte. „You don‘t need liposuction or plastic surgery to get a better body. You need two weeks!“ steht es auf der amerikanischen Website des FitnessGurus. Was eigentlich unglaublich klingt, wurde zu einer Herausforderung. Schließlich hatte es anfangs den Anschein einer perfekten Marketingkampagne dank Heidis Dauergrinsen und Lobesliedern von Kolleginnen wie Faith Hill. Doch hinter der Klumschen Fröhlichkeit und Unkompliziertheit passend zur Piepsstimme scheint mehr zu stecken. Das deutsche Supermodel erklärt in seinem Karriereratgeber „Natürlich erfolgreich“, wie frau es bis nach oben schafft oder auf den Laufsteg. Ein hübsches Bilderbuch mit netten Anekdoten aber auch mit viel Zielstrebigkeit und eisernen Willen. Aber es muss eben in die heutige Spaßgesellschaft passen und von einem Model erwartet man schließlich auch nicht allzu viel. Heidi rast durch die Themen Verlangen, Image, Aussehen, Stil, Körper, Liebe und Sex, Reisen und Spaß, so dass es trotz guter Ansätze nur ein nettes Bilderbuch bleibt. David Kirsch juk freut ́s. Das Buch „Der ultimative New York Body Plan“ von David Kirsch ist im Riva-Verlag erschienen und kostet 19,90 Euro.

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Rats-und Universitätsbuchhandlung, Lange Str.77, Greifswald

Das Buch „Natürlich erfolgreich“ von Heidi Klum ist im Krüger-Verlag erschienen und kostet 20 Euro.


asta / kurznachrichten / protestgruppe

Allgemeiner Studierendenausschuß Ihr findet den AStA im Audimax in der Rubenowstraße 1. Telefon: 03834/ 861750 oder 561751 Fax: 03834/ 861752 E-Mail: asta@uni-greifswald.de Internet: www.asta-greifswald.de Vorsitz: Thomas Schattschneider vorsitz@asta-greifswald.de Uni-Jubiläum und Alumni-Arbeit: Stefanie Hennig jubilaeum@asta-greifswald.de Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Anja Goritzka presse@asta-greifswald.de Internet und Technik David Schlegel, internet@asta-greifswald.de Soziales und Wohnen: Stephanie Dahn soziales@asta-greifswald.de BAföG und Studienfinanzierung: Katharina Markus bafoeg@asta-greifswald.de Kultur: Kathleen Bendick kultur@asta-greifswald.de Ökologiefragen und nachhaltige Entwicklung: Thomas Maier, umwelt@asta-greifswald.de Hochschulpolitik: Torsten Heil hopo@asta-greifswald.de Außenbeziehungen und Partnerkontakte Natasja Ernst, partner@asta-greifswald.de Fachschaftsangelegenheiten und Gremienarbeit: Alexander Gerberding fachschaft@asta-greifswald.de Politische Bildung und Nachwuchs: Nico Lamprecht bildung@asta-greifswald.de Studium und Lehre: Kristina Kühn studium@asta-greifswald.de Lehrevaluation und -entwicklung: André Kaminski evaluation@asta-greifswald.de Studierendenaustausch und Internationalisierung: Monika Peiz, austausch@asta-greifswald.de Finanzen: Martin Hackober finanzen@asta-greifswald.de Buchung und Beschaffung: René Friedland beschaffung@asta-greifswald.de Ausländer:Zoran Vasic auslaenderreferat@asta-greifswald.de Behinderte: Alexander Schulz-Klingauf behinderte@asta-greifswald.de Gleichstellung: Patrick Leithold gleichstellung@asta-greifswald.de Schwule und Lesben: Sandra Günther slreferat@asta-greifswald.de

kurznachrichten „Leuchtturm“ für Greifswald Viel Prominenz suchte am 4. November Greifswald heim. Ministerpräsident Harald Ringstorff und Finanzministerin Sigrid Keler gaben sich zum Richtfest des zweiten Bauabschnitts des Uniklinikums die Ehre. Als „Leuchtturm“ bezeichnete Ringstorff den 210 Millionen Euro teuren Bau, der bis 2009 am Beitzplatz entsteht. An den Tagen zuvor standen die Kräne auf der Baustelle jedoch still. Der Grund: Die Firma Roxy Bau hatte ihre Mitarbeiter nicht bezahlen können und sie deshalb nach Hause geschickt. ring Vorbereitungen für nächstes Festival laufen Das Team vom GrIStuF plant das nächste Festival, das unter dem Motto „Utopia or Reality“ steht. Es werden noch engagierte Studenten gesucht, die bei der Organisation mithelfen und Spaß daran haben, Kontakte zu knüpfen und fremde Kulturen kennen zu lernen. Neben den Bereichen HomepageBetreung, Layoutentwicklung und Datenbankbetreung können Interessierte auch die Festivalwoche mitgestalten. Wer Interesse hat, der ist herzlich zur Mittwochssitzung in der Stralsunderstr.10 um 20 Uhr eingeladen. Weitere Infos gibt es unter 03834/861780 oder unter www.gristuf.org. kats Geografie-Professor veröffentlicht Wirtschaftsatlas Unter der Federführung des Greifswalder Geografie-Professors Helmut Klüter erschien jüngst ein 112-seitiges Buch, das erstmals wirtschaftliche Rahmendaten und Entwicklungsmöglichkeiten Vorpommerns und der Mecklenburgischen Seenplatte aufzeigt. Der östliche Landesteil von M-V sei durch die EU-Osterweiterung in eine europäische Mittellage versetzt worden, so die Autoren, und es sei deswegen vor allem Information notwendig. Der Atlas bereite die Region erstmals systematisch auf. uli

aus der protestgruppe Es ist schwer in diesen Tagen in Greifswald zu studieren, es ist schwer Geisteswissenschaftler zu sein. Die Geisteswissenschaften sind in Greifswald seit Tagen, Wochen ja Monaten einem Sturm des Kürzungswahnsinns ausgesetzt. Dieser Sturm, der unermütlich tobte, entwickelte sich angesichts der nun 190 zu kürzenden Stellen zu einem Hurrikan, der ohne Erbamen auf uns eindringt. Der morsche Damm aus Rektorat, Dekanat und Senat brach schon beim ersten Aufprall zusammen und die Fluten der Ungewissheit ergossen sich über uns. Was wird sein wenn das Wasser der Kürzungen weg ist? Wird man noch etwas Nutzbares finden? Wird man hier weiter leben, weiter studieren können? Es sind schwere Zeiten für die Geisteswissenschaften in Greifswald, aber Menschen wachsen in schweren Zeiten, sie wachsen über sich hinaus. Sie halten zusammen und kämpfen gemeinsam gegen die Verwüstung und gegen die noch drohenden. Auf Hilfe brauchen wir nicht hoffen, jedenfalls nicht von alleine. Wir müssen zusammen auf uns aufmerksam machen. Wir müssen uns nach Kräften wehren und zeigen das wir auch noch da sind. Wir müssen zeigen, dass wir nicht alles einfach so hinnehmen. Christopher Trippe Die Protestgruppe trifft sich jeden Donnerstag um 20.30 Uhr im HS 1, Audimax.

hochschulpolitik

AStA

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senat

Keine Kompromisse?

Zuhörer bei der Senatssitzung am 19. Oktober, Rektor Westermann (vorne), Senatsvorsitzender Joecks.

Politisches Herbsttheater

hochschulpolitik

Der Senat pokerte mit Rektor Westermann um die Lehrerbildung

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Schon im September informierte Rektor Rainer Westermann, dass die Landesregierung die Lehrerbildung in Greifswald abschaffen wolle. Dem Rektorat falle es zunehmend schwer, dagegen zu halten. Prorektor Claus-Dieter Classen ergänzte, dass das Master of EducationProgramm der Philosophischen Fakultät nach dem schlechten Urteil der Akkreditierungskommission nicht zu halten sei. Wenige Tage später verhandelten Westermann und Classen im Schweriner Bildungsministerium erneut hinter verschlossenen Türen. Noch im Mai hatte der Senat als Schmerzgrenze 150 Stellenstreichungen bis 2017 festgeschrieben und dazu gleich ein Strukturkonzept verabschiedet. Aus den 150 Stellen wurden während diverser informeller Treffen zwischen Rektorat und Bildungsministerium im Verlaufe des Sommers 176 und an jenem 29. September schließlich 190 Stellen. Noch während des Gesprächs legte Westermann gegen das Ende des Master of Education in Greifswald ein Veto ein, während Classen sich dafür aussprach, ihn abzuschaffen, falls es in Rostock zukünftig einen gebe. Schwerins Forderungen gingen weiter: Nicht nur die Lehrerbildung, sondern auch die Anglistik/Amerikanistik sowie die Altertumswissenschaften sollten gestrichen und die Theologie nur bis auf weiteres fortgeführt werden. Daraufhin rumorte es kräftig in Greifswald – an der Philosophischen Fakultät wurde gar eine Sondersitzung des Fakultätsrates einberufen. Mehr als die Hälfte der Mitglieder befürchtete, Dekan Manfred Bornewasser werde Classens Forderung nach Abschaffung des Master of Education unterstützen und damit der Lehrerbildung in Greifswald ein Ende setzen. Als dann einen Tag später am 19. Ok-

tober die Senatssitzung begann, hatte Rektor Rainer Westermann das Ergebnis der Sitzung schon in Bornewassers Sinne verkündet. „Die Greifswalder Universität will die Lehrerausbildung drastisch reduzieren. So soll für Lehrer künftig nur noch der Teilabschluss Bachelor möglich sein“, ließ er morgendlich in der OZ verlauten. Leider – so muss man im Nachhinein konstatieren – könnte er mit seiner als Tatsache verkauften Prognose Recht behalten. Auch weil Westermann dem Senatsvorsitzenden Wolfgang Joecks die entscheidende Beschlußvorlage unterschob, wie Beobachter vermuten. Sie kritisieren insbesondere, dass Joecks noch zu Anfang des Jahres auf einen unabhängigen Senat gesetzt hatte und sich mit den Studenten auf der Vollversammlung im April gegen jegliche Kürzungen aussprach, während er jetzt eine Kehrtwende vollziehe. So warnte Joecks denn auch gleich zu Beginn der Sitzung, vom Land schon zugesicherte Stellen könnten der Uni wieder verloren gehen, wenn sie weiterhin die Anglistik/Amerikanistik, Altertumswissenschaften und den Master of Education erhalten wolle. Eventuell stünden dann wieder die BWL, die Politikwissenschaft und die Landschaftsökologie zur Debatte, die im Laufe des Sommers „gesichert“ worden waren. Theologie-Dekan Michael Herbst betonte, dass das Ende des Master of Education gleichzeitig das Ende seiner Fakultät bedeute, weil ihr dann die Mehrheit der Studenten ausbliebe. Für ihn sei es ebenfalls das Ende des Instituts, bemerkte Hartmut Lutz, geschäftsführender Direktor des Instituts für Anglistik/Amerikanistik, und wies auf allerlei Ungereimtheiten der vom Land vorgeschlagenen Kürzungen hin: „Warum beschneiden wir die Fakultät, die am wenigsten Geld kostet und warum soll hier ein Institut

Fotos: aha, uli

geschlossen werden, dass gerade in der Lehrerbildung in neuesten Rankings hervorragend abgeschnitten hat?“ fragte er. Rektor Westermann versuchte schließlich die Debatte abzuwürgen, indem er darauf verwies, dass die Erhaltungswünsche politisch in Schwerin nicht durchsetzbar seien. Nach viereinhalbstündiger Diskussion war dann ein Beschluss gefasst, der keineswegs einmütig ausfiel, was den Beteiligten zu denken geben sollte. Der Erweiterte Senat sprach sich mit einer Stimme Mehrheit gegen den Beschluss aus, der Engere Senat nahm ihn mit 15 Ja- zu sieben Nein-Stimmen an. Sein Votum ist allerdings in Fragen der Hochschulentwicklung bindend. Mit vielen „wenn“ und „aber“-Formulierungen wird dem Rektorat für die nun notwendigen Nachverhandlungen freies Spiel gelassen. Für die Institute für Anglistik/Amerikanistik und für Altertumswissenschaften lässt sich nur dann eine Bestandsgarantie ableiten, wenn der Master of Education in Greifswald erhalten bleibt. Der wiederum bleibt aber nur dann hier, wenn das Rektorat weder Stellen für ihn aufwenden muss noch die Universitätsstruktur in Frage steht. Beides bietet breite Interprationsspielräume. Für Verwirrung sorgte nach der Sitzung eine ungeschickte Öffentlichkeitsarbeit der beteiligten studentischen Senatoren. Nach der Sitzung verkündete Torsten Heil, Senator und AStA-Referent für Hochschulpolitik, dass die Lehrerbildung in Gänze gerettet sei – auch, wie Torsten heute erklärt – weil sich der Senat zeitweilig selber nicht sicher war, wie die verschiedenen Voten des Erweiterten und Engeren Senats zu deuten seien. Senatspräsident Wolfgang Joecks polterte sogleich, die „Abteilung Desinformation und Propaganda des AStA“ habe wieder zugeschlagen. „Das war ein ungewollter Schnellschuss“, bedauert Torsten im Nachhinein, „und ich kann Studierende verstehen, die nach so einer Äußerung den Ernst der Lage anzweifelten.“ uli


lehrerbildung

Spielball der Hochschulpolitik

Lehrer haben zurzeit weder in der Gesellschaft noch an der hiesigen Universität einen guten Stand. „Lehrer sind faule Säcke“, wetterte einst der amtierende Bundeskanzler Schröder, „Lehrer sind keine Wissenschaftler“, attestierte JanPeter Hildebrand, Dekan der Mathemasion stehen. Er wolle trotzdem daran tisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät. Losgetreten hat die Lehrerbildungsdebat- festhalten, bis der Master of Education te das Land. Gewollt hat sie ein Großteil sich erprobt habe, betonte Rektor Raider Philosophischen Fakultät nicht und ner Westermann auf der Senatssitzung das auch im Strukturpapier des Senats am 19. Oktober. Dass der kommen wird, vom 18. Mai deutlich gemacht. Das über- bezweifelte Prorektor Claus-Dieter wiegende Ende der Erziehungswissen- Classen anschließend gleich wieder, weil schaft wurde damals zähneknirschend das Akkreditierungsverfahren nicht gut hingenommen, dafür aber auf den Erhalt verlaufen sei. der Lehrerbildung in Form des Master Mit der bundesweiten Einführung der Bachelor- und Masterof Education mit Studiengänge wurde attraktiven Fächerauch gleich ein neukombinationen gees System der Quapocht. litätssicherung geMit der neuerlichen schaffen: Nicht mehr Kürzungsrunde die jeweilige Landes– weitere 14 Stellen verwaltung sollte die sind bedroht – ist neuen Studiengänge die Lehrerbildung beurteilen, sondern zum Problem der private AkkreditiePhilosophischen Farungsagenturen. kultät geworden, die Die Philosophische sich in Gegner und Fakultät schloß im Befürworter spaltet. Mai 2004 einen VerNicht von ungefähr trag mit der Agentur berief der FakultätsAcquin, um mehrere rat einen Tag vor der Senatssitzung am 19. Offener Brief des Zentrums für Lehrerbil- Studiengänge akkreOktober eine Son- dung an Minister Metelmann in der OZ. ditieren zu lassen – darunter die vier dersitzung ein, um Dekan Manfred Bornewasser auf die Master of Education der Modellphase. Pro-Lehrerbildungslinie der Mehrheit Acquin stellte eine Gutachtergruppe zuder Ratsmitglieder einzuschwören. Der sammen, die beteiligten Institute reichBeschluß kam zustande, Bornewasser ten dieser unter anderem ihre geplanten hielt sich am kommenden Tag dennoch Studien- und Prüfungsordnungen ein, nicht daran und äußerte im Senat offen eine Begehung vor Ort fand statt. Inzwiseine Bedenken gegen eine Fortführung schen liegt der Gutachterbericht vor: Er empfiehlt in keinem der Fächer eine Akder Lehrerbildung. Zwei Möglichkeiten gibt es zur Zeit, sich kreditierung. in Greifswald zum Lehrer ausbilden zu „Es ist einiges schief gelaufen“, monieren lassen. Der herkömmliche Lehramtsstu- übereinstimmend die Professoren Franz diengang ist etabliert, über die Hälfte der Prüß und Roland Rosenstock vom Zen900 Erstsemester an der Philosophischen trum für Lehrerbildung. In ihren Augen haben sowohl das Rektorat als auch das Fakultät wählten ihn als Studiengang. Die Alternative – der Master of Educa- Dekanat der Philosophischen Fakultät tion – dümpelt seit mehreren Jahren in schlechte Arbeit geleistet. Prüß bemänder Modellphase vor sich hin, weil nur die gelt, dass der Akkreditierungsagentur die Fächer Deutsch, Englisch und Geschichte falschen Unterlagen zugeleitet wurden. kombiniert werden können. Eingeschrie- Die Schelte von Rosenstock geht weiben hat sich bisher noch niemand. Wei- ter: Sowohl der Dekan der Philosophitere Master of Education liegen in der schen Fakultät, Manfred Bornewasser, Schublade, dort werden sie nach dem als auch das Rektorat hätten politisch in derzeitigen Willen des Rektors und des das laufende Akkreditierungsverfahren Dekans der Philosophischen Fakultät zu Ungunsten des Master of Education eingegriffen. wohl auch bleiben. Nachdem die Konferenz der Kultusmi- Die Beteiligten weisen die Vorwürfe zwar nister neuerdings das Staatsexamen als von sich, doch der Bericht der Gutachter Abschluss für Lehrer in Frage gestellt der Akkreditierungsagentur spricht eine hat, wird das bisherige Konzept des klare Sprache: Man könne uns des EinLehramtsstudiengangs bald zur Diskus- drucks nicht erwehren, dass das Akkre-

Die Lehrerbildung entzweit die Philosophische Fakultät ditierungsverfahren instrumentalisiert werden solle, um die Streichung von Studiengängen zu legitimieren, heißt es in dem Text unter anderem. Ferner wurde eine „fragwürdige Einstellung“ des Dekans und des Rektorats gegenüber der Philosophischen Fakultät bemerkt, die scheinbar „von einem zukunftsorientierten, profilbildenden Konzept entfernt ist“. In einem offenen Brief an das Bildungsministerium fordert das Greifswalder Zentrum für Lehrerbildung Minister Metelmann auf, vor jeglichen Streichungen zunächst ein Gesamtkonzept für das Land vorzulegen. „Wir bilden in erster Linie Lehrer für das Land MecklenburgVorpommern aus“, so Professor Franz Prüß, geschäftsführender Sprecher des Zentrums, „und bevor man die Lehrerausbildung in Greifswald aufgibt, braucht es ein Landeskonzept für Lehrerbildung.“ Ferner könne es nicht sein, dass sich das Ministerium bei so weit-

reichenden Strukturentscheidungen von ökonomischen Gesichtspunkten leiten lasse. „Lehrer sind wichtig für die Gesellschaft“, betont Prüß. Dass das erziehungswissenschaftliche Institut geschlossen wurde, bedauert er in diesem Zusammenhang sehr: „Der Erziehungswissenschaft fehlt der wissenschaftliche Nachwuchs, die Forschung ist eingeschränkt und das beeinflusst auch die Lehre.“ Die Tragweite der Entscheidung vom 19. Oktober werde von den betroffenen Instituten noch nicht gesehen. Mit einem Ende der Lehrerbildung würde die überwiegende Zahl der Studenten wegfallen, von denen die meisten auch noch zur Leistungsspitze der Institute gehörten. uli

hochschulpolitik

Professor Prüß: Lehrer sind wichtig für die Gesellschaft.“

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stupa

Eine Frage der Ehre Foto: Archiv

Das Studierendenparlament (StuPa) beschäftigte sich in den ersten beiden Sitzungen nach den Semesterferien zweimal mit Grundsätzlichem, und das beinahe auch noch auf ein und derselben Sitzung. Am 18. Oktober zog StuPa-Präsident Simon Sieweke seinen angekündigten Antrag zu Nebentätigkeiten von Mitgliedern der studentischen Selbstverwaltung aus der Tasche – und ließ ihn gleich wieder verschwinden; stattdessen beschäftigte sich das StuPa mit der Senatssitzung am folgenden Tag. Schwerin hatte Ende September weitere Kürzungen für Greifswald angekündigt. Bereits im Vorfeld der Senatssitzung war

klar, dass Rektor Rainer Westermann das Gremium um eine weitreichende Vollmacht bei anstehenden Stellenkürzungen bitten würde, die weit über das Senatskonzept vom 18. Mai hinausgingen. Das Bildungsministerium hatte die Lehrerbildung sowie die Institute für Anglistik/Amerikanistik und für Altertumswissenschaften ins Gespräch gebracht. Die StuPa-Debatte bewegte sich zwischen den Polen Blockadehaltung und Kompromissbereitschaft gegenüber den Kürzungen, erstere ging von den StuPisten aus, letztere von den studentischen Senatoren. Einerseits dürfe man sich nicht gegen geltende Beschlüsse der Vollversammlung stellen, andererseits

Kommentar

universum

Gruppentherapie vonnöten

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Um die Geltung der eigenen Person bemüht und sich inhaltlich wiederholend. So wirkte die Vielfalt und Qualität der Beiträge, die nach einer runden Stunde Diskussion im StuPa noch vorgebracht wurden. Die grundsätzlich berechtigten Fragen und Antworten wurden wiedergekäut, dass es einer Schwarzbunten alle Ehre gemacht hätte. Als wäre dies noch nicht genug gewesen, schaukelte man sich sodann bis zu aggressiven Tiraden hoch, die man sich ungeschickt an den Kopf zu werfen verstand. „Persönlich angegriffen“ fühlte sich eine AStA-Referentin. Waren es persönliche Aversionen, die da aufbrachen? War es die unübersichtliche Debatte oder die schier endlos wirkende Rednerliste, die Missverständnisse provozierte? Es blieb dem Zuhörer oder StuPa-Mitglied nichts weiter übrig, als das Ganze resignierend über sich ergehen zu lassen. StuPa-Präsident Simon Sieweke, mit nachdrücklichen „Entschuldigung!“Rufen um die Disziplinierung des Saales

bemüht, ließ abstimmen, ob nicht die Rednerliste geschlossen werden sollte. Da aber jeder nochmal drankommen wollte, wurde der Vorschlag abgelehnt. Es wirkte ein wenig wie die Grundschulstunde nach den Ferien, in der niemand genug davon bekommen kann, von seinen Urlaubserlebnissen zu erzählen. So wurde dann auch konsequent dazwischen geredet. Es war fast schon wieder lustig. Simon Sieweke setzte seinem „Entschuldigung!“ hin und wieder ein würziges „Du bist jetzt nicht dran!“ hinzu und die Veranstaltung versank endgültig in den Tiefen der Strukturlosigkeit. Wer sehen will, wie ein viel zu wichtiger Haufen von StuPisten selbst die sachlichste Debatte zu einem Schmierentheater verkommen lässt, sollte sich einmal dienstags zu so einer Sitzung bewegen. Außer Geduld und Nerven wie Stahl sollte man sich auch ein paar Kekse und eine Kanne Kaffee mitbringen. Das macht es wenigstens gemütlich. Stephan Kosa

verpuffe eine Blockadehaltung im Senat. Man darf die gewählten Vertreter dennoch zu Recht fragen, wessen Interessen sie wann und wo vertreten und ob sie das ihren Wählern auch vermitteln. AltStuPist Maik Harfmann merkte an, dass die Betroffenen vor dem Scherbenhaufen ihrer eigenen Politik stünden. „Das StuPa darf sich nicht gegen Beschlüsse der Vollversammlung stellen“, forderte er, „andererseits ist es endlich Zeit, dass studentische Vertreter ihre verschiedenen Positionen auf der Vollversammlung vertreten.“ Nach der Senatsdebatte verschwand der noch vorgesehene Antrag zu den Nebentätigkeiten wieder in der Schublade; die sich betroffen fühlenden AStA-Referenten mäkelten, dass sie so lange hätten ausharren müssen. Um dies beim zweiten Anlauf zu verhindern, brachten Patrick Leithold als betroffener AStA-Referent den Antrag in der nächsten Sitzung vorsichtshalber selber ein und skizzierte die zentralen Fragestellungen: Hängt der Erfolg der Mitarbeiter in der studentischen Selbstverwaltung von einer Nebentätigkeit, beispielsweise in einer Partei, ab? Besteht ein erheblicher Interessenkonflikt, wenn AStA-Mitglieder Werkverträge mit Parteien schließen? Er sehe den Interessenkonflikt nicht, erwiderte StuPist Christopher Trippe, weil augenscheinlich gut gearbeitet wurde. Im Einzelfall könne man den Betroffenen ja das Misstrauen aussprechen oder ihre Aufwandsentschädigung kürzen. Simon Sieweke erläuterte, dass es ihm nicht um Einzelpersonen sondern um ein Problem genereller Natur gehe und man durchaus fragen könne, inwieweit sich beispielsweise AStA-Referenten durch Parteigremien beeinflussen lassen. Die AStA-Referenten Zoran Vasic und Patrick Leithold widersprachen, hier solle aktiv in das Privatleben von AStA-Referenten und anderen eingegriffen werden. StuPist Eric Kibler zeigte sich enttäuscht, dass die betroffenen AStA-Referenten ihre Parteiämter dem StuPa nicht angezeigt hätten. Sein Kollege Philipp Kohlbecher pflichtete ihm bei, schätzte sich aber zugleich glücklich, dass die Ämter in der studentischen Selbstverwaltung in Greifswald noch nicht über Parteizugehörigkeiten verteilt würden. Am Ende wurde die Debatte vertagt – dennoch zeichnete sich als Kompromiss ein Vorschlag des StuPisten Kai Doering ab: Man könne die AStA-Referenten nicht überwachen, ihnen aber eine Art „Ehrenkodex“ bei der Wahl abverlangen. Ein Passus dieses Kodex könnte sein, dass die Arbeit in der Studierendenschaft immer Vorrang habe, ergänzte sein Kollege Maik Harfmann. uli


„Wir müssen uns am Arbeitsmarkt orientieren“

„Diese Leute haben keine Idee von der Universität“

Interview mit Prof. Manfred Bornewasser, Dekan der Philosophischen Fakultät

moritz sprach mit zwei Geisteswissenschaftlern über Kürzungswahn, gescheiterte Studiengänge und eine Universität am Abgrund

moritz: Sie sollen in universitären Gremien gegen Beschlüsse der Fakultät agiert haben. Prof. Manfred Bornewasser: Das kann nur den einen Beschluss zur Lehrerbildung betreffen. Der Fakultätsrat hatte sich äußerst knapp für deren Erhalt ausgesprochen. Ich sehe einen starken Konflikt, wenn wir die Lehramtsstudiengänge und die Bachelor- sowie Master-Studiengänge fortführen wollen.

Über die Professoren Hartmut Lutz und Jürgen Klein vom Institut für Anglistik/Amerikanistik brechen die Kürzungswellen inzwischen im Halbjahresrythmus herein. Inzwischen vermittele ihr Institut den Eindruck eines Steinbruchs, aus dem man sich bedienen könne, schildert Hartmut Lutz, obwohl weder fachliche Gründe noch die zurzeit etwa 900 Studierenden am Institut dafür sprächen. Doch weder Spitzenrankings noch Studierendenzahlen finden bei den Verantwortlichen Gehör. Die Philosophische Fakultät steht nach Lutz‘ Einschätzung bald vor dem Scherbenhaufen ihrer eigenen Politik. Seit Einführung des Bachelors und des Masters gebe es riesige Probleme, weil die erhoffte Globalisierung im Bildungsbereich ausgeblieben sei. „Wir ahmen das englische System nach“, pflichtet ihm sein Kollege Jürgen Klein bei, „allerdings schlecht und undifferenziert.“ Lutz führt aus, dass es eine international anerkannte Stärke der alten Abschlüsse gewesen sei, dass die Leute aus einer Universität kamen, an der unabhängig von wirtschaftlichen Zweckabsichten über Probleme des menschlichen Miteinanders, der Kultur nachgedacht werden konnte. „Heute“, so Lutz, „hat sich die Sprache der Wirtschaft an unserer Universität festgesetzt. Es gibt eine Linie vom Ministerium über das Rektorat und den Dekan bis zu uns, die dieses Denken forciert.“ „Handelt es sich bei den Streichungen denn wirklich um politische Erfordernisse?“ fragt Jürgen Klein. „Nein“, beantwortet er die Frage gleich selbst, „es werden Interessen als Naturgesetze verkauft.“ Am Geld mangelt es in Greifswald anscheinend nicht mehr so stark, nur dessen Verteilung ist umstritten. „Daran wie es verteilt werden soll, sieht man, was diese Leute für eine Idee von der Universität haben“, führt Klein aus, „ich glaube, sie haben gar keine, weil sie nicht wissen, was das für ein geistiger Zusammenhang ist und wie dieser in die Gesellschaft hineinwirkt.“ Etwas werde in den aktuellen Debatten unterschlagen, nämlich dass der Prozess Langzeitwirkungen auf die Region habe und der Tod der Philosophischen Fakultät einhergehe mit dem Tod der Region. „Wir müssen hier in Greifswald eine komplexe Durchdringung und Bearbeitung der europäischen Wissenschaft und Kultur leisten“, fordert Klein, „ansonsten schneiden wir uns von der allgemeinen Entwicklung ab und werden eine Provinzuniversität.“ Sein Kollege Hartmut Lutz sieht ein grundsätzliches Problem in der zunehmenden Entfremdung der Geisteswissenschaften von den Naturwissenschaften. „Sie sprechen zwei verschiedene Sprachen“, erläutert Lutz. Das mühsame Suchen von Daten sei zwar eine wissenschaftliche Leistung, der auch die Geisteswissenschaftler bedürften, dies allein helfe aber bei interkulturellen Zusammenhängen und Wirkungsabsichten, die hinter den Daten stünden, nicht weiter. Lutz fragt sich inzwischen, was überhaupt mit der Universität geschehen solle, wenn sie keinen geisteswissenschaftlichen Nachwuchs mehr habe. „Das, was in Zukunft in Greifswald gemacht werden soll, kann auch an einer Fachhochschule stattfinden, dazu braucht es keine Universität des wissenschaftlichen Dialogs und der eigenständigen Forschung.“ Jürgen Klein ergänzt, dass bei den Zukunftsplänen keinerlei Rücksicht auf die wissenschaftliche Konstitution eines Faches genommen werde: „Je nachdem wie die konjunkturellen Winde wehen, sollen die Wissenschaften zurecht gestutzt werden. Wenn das gemacht wird, dann ist die deutsche Wissenschaftstradition am Ende!“ uli

Man hat Sie aufgefordert, zurückzutreten. Warum sind sie das nicht? Ich habe eine Idee und will etwas ändern, weil die Erhaltung alleine nicht gut ist. Auch wenn ich nur von der Hälfte des Fakultätsrates unterstützt werde, sind wir kurz davor, diese Idee umzusetzen. Steuern wir auf eine Philosophische Fakultät ohne Lehrerbildung zu? Es gibt ja jetzt schon einige Institute an der Philosophischen Fakultät, die keine Lehrerbildung mehr betreiben. Die übrigen haben zurzeit je zur Hälfte Lehramtsstudenten und zur Hälfte Magister-, Bachelor- und Masterstudenten. Wenn die Lehrerbildung wegfällt, dann brauchen wir an unserer Fakultät attraktive, neue Studiengänge, die sich an den Erfordernissen des Arbeitsmarktes und der Forschung orientieren. Darf man sich bei Dekan Bornewasser: „Ich habe eine Foto: kos so grundsätzlichen Idee.“ Entscheidungen zu Studiengängen von wirtschaftlichen Gedanken leiten lassen? Wir haben uns schon über Jahre die geringe Effizienz des Magisters geleistet, mit enorm hohen Abbrecherquoten und wenigen Absolventen. Man muss doch fragen, wofür die Leute eigentlich ausgebildet werden. Niemand wusste bisher in der Wirtschaft, was die Leute wirklich können. Nun wurden die neuen Studiengänge noch nicht akkreditiert, unter anderem, weil in Ihrem Dekanat Unterlagen verloren gegangen sein sollen. Die Sache ist vielleicht nicht optimal gelaufen, ich habe aber keine Unterlagen zurückgehalten. Die Akkreditierungsagentur verlangte vielmehr vom Rektorat eine Erklärung, in welche Struktur der Fakultät die Fächer einzuordnen seien. Deswegen hatte sie Bedenken bei der Akkreditierung. War es nicht vielmehr so, dass das Rektorat die Agentur um Schließungsvorschläge gebeten hat und sich die Gutachter nicht instrumentalisieren lassen wollten? Davon weiß ich nichts. Wir werden allerdings die Akkreditierungsanträge für den Master of Education nicht weiter verfolgen, nachdem der Senat am 19. September dessen bedingter Abschaffung zugestimmt hat. Interview: uli, ring, kos

universum

philosophische fakultät

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umfrage / erstsemesterwoche

Kinderleicht? Kita-Umfrage des Studentenwerks ausgewertet „Die Studienzeit ist günstig, um Kinder zu bekommen“, ist Claudia Klasen vom Studentenwerk überzeugt. Um Studierenden mit Kind unter die Arme zu greifen, hatte sie deshalb bereits im Juni eine Kindertagestätte, die sich am Studienalltag und an den Vorlesungszeiten orientiert, angekündigt. Als erster Schritt auf dem Weg dorthin hat das Studentenwerk gemeinsam mit einigen Kommunikationswissenschafts-Studenten zwischen dem 20. Juni und dem 24. Juli eine Umfrage durchgeführt (siehe moritz 50), an der sich 328 Personen beteiligten. Inzwischen liegen erste Ergebnisse vor. Die Auswertung ergab, dass 54,9 Prozent der Befragten ein oder mehrere Kinder haben, deren Alter in den meisten Fällen zwischen ein und zwei Jahren (45 Prozent) beziehungsweise drei bis sechs Jahren (42,7 Prozent) liegt. Darüber hinaus ga-

ben 39,3 Prozent der bisher Kinderlosen an, ein Kind zu erwarten oder in naher Zukunft zu planen. Dreh- und Angelpunkt ist die Betreuung des Nachwuchses. Nur 44,4 Prozent aller Befragten gaben an, dass der Bedarf an Kinderbetreuung bei ihnen gedeckt sei, 51,7 Prozent hingegen sehen hier massive Probleme. Das Gros (66 Prozent) greift bei der Betreuung auf den Kindergarten zurück, doch entstehen auch hier Probleme. Ein gutes Drittel (34,4 Prozent) derjenigen, die keinerlei Kinderbetreuung nutzen, gab als Grund an, dass das Kind zu jung oder zu alt sei. Bei 16,1 Prozent steht jedoch der Kostenaspekt im Vordergrund. Sie können sich einen Krippenplatz schlichtweg nicht leisten. Im Umkehrschluss wurden „niedrige Kosten“ in der Kinderbetreuung von 94 Prozent der befragten Studenten als „sehr wichtig“ oder „wichtig“ eingestuft. Darüber hinaus spielen auch flexible Öffnungszeiten der Einrichtung eine entscheidende Rolle. Studieren mit Kind ist also nicht einfach, auch wenn sich gewisse Vorteile, wie etwa eine Grundsicherung, ergeben. Knapp 70 Prozent der Studenten mit Kind rechnen zumindest mit einer Verzögerung ihres Studiums. ring

hochschulpolitik

„Es hat Spaß gemacht, die Ersti-Woche für Euch zu organisieren“

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Sie hat den stressigsten AStA-Job mit die gut arbeiteten und viel Geduld mit vierte und aufgeschlossene Erstis, für die der vergleichsweise lausigsten Bezahlung mir hatten, das Beutelpacken war mit es Spaß gemacht hat, zu organisieren“, gemacht und ist dennoch sowohl mit ih- 100 Leuten binnen zweier Stunden über resümiert Catharina, „ein großes Dankeschön an die AStA-Kollegen und die ren Kollegen als auch mit der Ersti-AG, die mir rund um die Uhr zur geleisteten Arbeit mehr als Seite standen, und an die gastfreundliche zufrieden: Catharina Frehoff, Stadt Greifswald, die sich mehr als aufgeErstsemesterreferentin und schlossen gezeigt hat.“ Frohnatur. Als das StuPa sie Außerdem erwähnenswert: Erstmals auf der Sitzung am 25. Oktowaren Studienkollegiaten, Erasmus- und ber turnusgemäß entließ, gab Sokrates-Studenten, von denen viele bees lang anhaltenden Beifall für reits einen Monat vor Semesterbeginn in eine gelungene Ersti-Woche Greifswald ankamen, in die Erstsemesvom 10. bis 16. Oktober. terwoche eingebunden. „Wir haben im „Ich weiß nicht mehr genau, August ein Frühstück organisiert, gleich wie ich zu dem Job gekomEinladungen für die Ersti-Woche verteilt men bin“, erzählt Catharina, und die Leute den Fachschaften zuge„angefangen hat alles mit Proteilt“, berichtet Catharina. testaktionen für den Erhalt Und dann war da noch die Sache mit des Instituts für Altertumswisder Globalisierung. In China fiel der senschaft, an dem ich studiere sprichwörtliche Sack Reis in Gestalt eiund dem ich viel verdanke.“ ner Flutwelle über das Lager eben der Kaum in der Hochschulpolitik Textilfirma her, die eigens gesponserte drin, konnte sie sich deren Sog Ersti-Umhängetaschen liefern sollte.Vier nicht mehr entziehen, wurde bange Stunden dauerte es, bis die ZusiMitglied des Fakultätsrats der cherung kam, dass als Ersatz die bewährPhilosophischen Fakultät und ten Stoffbeutel geliefert würden. landete schließlich Ende Juni als Erstsemesterreferentin Ehemalige Erstsemesterreferentin Catharina Frehoff: Einziger Wehrmutstropfen war und ist das Wohnungsproblem. Es empört Cabeim AStA. „Es kam alles anders.“ Foto: uli tharina noch heute, dass dieses Jahr Die Amtseinführung war ernicht nur die Wohnungsgesellschaften nüchternd. „Meine Vorgängerin und die AStA-Kollegen bereiteten die Bühne und die Zusammenarbeit mit und privaten Vermieter oft horrende mich auf das Schlimmste vor“, berichtet den Studentenclubs klappte mehr als Mieten verlangten, sondern dass es auch Studenten waren, die unter vermieteten. Catharina. Tutoren würde sie keine fin- hervorragend.“ uli den, das Packen der über 1.000 Ersti- Was bleibt? „Die Erinnerung an motiBeutel müsse sie mit zehn Helfern bewerkstelligen und eine Zusammenarbeit Dank für eine gelungene Ersti-Woche an: mit den Studentenclubs sei schon gar die Ersti-AG, Florian Bonn, Christian Bäz, Kristina Kühn, Kathleen Bendick, Zoran nicht möglich. „Es kam alles anders“, Vasic, Monika Peitz, die CultureBeatZ-AG, allen Studentenclubs, Stefanie Hennig, schmunzelt Catharina heute, „ich fand René Friedland, Martin Hackober, Mirko Wahlen, Carsten Mielsch, Tobias Linke, viele motivierte und engagierte Tutoren, Sandra Günther, das gesamte Team des AStA, das Studierendenparlament


studientag

Geschlecht im Recht Greifswalder Studientag führt an ungewöhnliche Perspektiven auf Recht und die Rechtswissenschaft heran geleistet werden kann. „Feministische Rechtswissenschaft – oder Legal Gender Studies – ist die kritische Reflexion dessen, was Studierende als die ‚Herrschende Meinung‘ kennen lernen“, sagt Lembke und verweist darauf, dass innerhalb

der Rechtswissenschaft sich höchstens noch die kritische Kriminologie diesen Fragen widmet. „Damit ist sie hauptsächlich Rechtskritik und Rechtswissenschaftskritik, und zwar aus feministischer Sicht.“ Eine Befragung des rechtswissenschaftlichen Diskurses unter Zugrundelegung von Analysekategorien wie Rasse, Geschlecht oder sozialem Status ist der Kern feministischer Rechtswissenschaft, womit sie ihrem Anspruch nach vor allem Ideologiekritik ist. Ihre Wurzeln finden sich in den Antidiskriminierungsdiskursen der letzten Jahrzehnte. In deutschen Landen fasst sie allerdings nur

langsam Fuß. Ein einziger Lehrstuhl bundesweit erwähnt diesen Schwerpunkt in seiner Widmung, und auch wenn andere Lehrende derartige Sichtweisen in ihre Lehre einfließen lassen, ist der Nachholbedarf gegenüber etwa Österreich enorm. So existiert hierzulande kein einziges Buch zum Thema, das eine studierendenorientierte Einführung anhand deutscher Probleme leistet. Diesem Problem abzuhelfen verabredete sich eine Gruppe von Juristinnen auf dem diesjährigen Feministischen Juristinnentag, der in Greifswald stattfand. Ihre Beiträge zum geplanten Studienbuch, die in verschiedene Aspekte des Themas einführen sollen, werden im Verlauf des Studientages vorgestellt werden. „Wir erhoffen eine Art Praxistest für das spätere Buch“, erklärt Mitorganisatorin Lena Foljanty. Aus diesem Grund habe man viel Raum für Diskussionen und Gedankenaustausch eingeplant. „Die Gender Studies gehören in den Lehrkanon der Rechtswissenschaft“, bekräftigt sie das weitgesteckte Ziel von Studientag und Studienbuch. Mit der zweitägigen Lehrveranstaltung und dem wohl im Herbst nächsten Jahres zu erwartenden Studienbuch könnten wichtige Zeichen in dieser Richtung gesetzt werden. Mirko Gründer Weiter Infos unter: www.feministisches-studienbuch.de

hochschulpolitik

Dass Justitia, die Schutzpatronin der Juristerei, blind für alle Unterschiede jener ist, die vor ihrem Richterstuhl Gerechtigkeit suchen, ist ein ebenso altes wie schönes Ideal. Ob reich, ob arm, ob schwarz, ob weiß, ob Frau oder Mann, jung oder alt – vor ihr sind alle gleich, und alle erhalten Gerechtigkeit durch ihren Richterspruch. Diesem weltenthobenen Idealbild entsprachen Gesetze und Rechtssprechung wohl zu keiner Zeit. Ob und inwieweit dies jeweils von Ständerecht, Klassengesellschaft, Rassismus oder Chauvinismus zeugte, war eine Frage des in der fraglichen Gesellschaft dominanten Diskurses. Inzwischen dürfte man wohl fraglos behaupten, dass Recht stets nur eine Annäherung an jenes hohe Ideal der Unparteilichkeit sein kann – und das gilt auch für die liberalen Demokratien. Den Fragen, was Rechtsnormen an gesellschaftlichen Zusammenhängen und ideologischen Konzepten zu Grunde liegt, und welche Realität die Implementierung von Rechtsnormen ihrerseits in der Gesellschaft erschafft, will ein zweitägiger Studientag nachgehen, der am 2. und 3. Dezember in Greifswald stattfinden wird. Er richtet sich besonders an Studierende – nicht nur der Rechtswissenschaft – die den ihnen sonst gut sortiert und verdaulich zubereiteten Lehrstoff mal aus ungewohnter Perspektive sehen wollen. „Die Rechtswissenschaft ist eine Herrschaftswissenschaft“, sagt Ulrike Lembke, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Greifswalder Fakultät und Mitorganisatorin, und klagt über die mangelnde Thematisierung dieses Zusammenhanges im Jurastudium. Eine Thematisierung, die ihrer Meinung nach besonders gut von feministischer Rechtswissenschaft

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universitätsideale

Jenseits von Humboldt Über ein gewandeltes Universitätsbild und neue Anforderungen naus, die Forschung in die Universitäten hereinzuholen – ohne dabei die Lehre hinauszudrängen. Vor Humboldt waren beide Bereiche strikt voneinander getrennt worden. Das neue Konzept forderte somit einen völligen Verzicht auf Differenzierung: Beide Aufgaben sollten im selben Handeln vollzogen werden. Zunächst wurde diese Idee auch begeistert aufgenommen und spielte bei einigen Universitätsgründungen (nicht zuletzt bei der später nach Humboldt benannten Berliner Universität) eine entscheidende Rolle. Doch spätestens in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts wurde Humboldts Konzept zunehmend skeptisch diskutiert. Mittlerweile überwiegt vielleicht sogar schon eine ablehnende Haltung. Die Idee fordere heutzutage ein Ding der Unmöglichkeit meinen viele, denn die Anforderungen an gute Forschung auf der einen und gute Lehre auf der anderen Seite liefen mittlerweile so auseinander, dass eine Einheit, die beiden Aufgaben gerecht wird, nicht mehr zu verwirklichen sei. Ganz falsch liegen die Kritiker damit sicher nicht. Doch muss hier beachtet werden, wo die Gründe für eine Diskrepanz liegen, die keinesfalls ein Selbstläufer ist. Zu Humboldts Zeiten sah das Hoch-

hochschulpolitik

Es glich einer Revolution, als Wilhelm von Humboldt, der ältere Bruder des bekannten Entdeckers Alexander, Anfang des neunzehnten Jahrhunderts sein neues Universitätskonzept vorstellte. Das Herzstück stellte die „Einheit von Forschung und Lehre“ dar, die noch heute, zwei Jahrhunderte später, herangezogen wird, wenn es um die „universitas“ geht. Doch wie ist Humboldts Konzept zu verstehen und ist es überhaupt noch zeitgemäß? „Die Hochschulen dienen der Pflege und Entwicklung der Wissenschaften und Künste durch Forschung, Lehre und Studium sowie Weiterbildung“, legt Paragraf drei des Landeshochschulgesetztes Mecklenburg-Vorpommern die Aufgaben der Universitäten und Fachhochschulen im Land fest. Ähnliche Formulierungen lassen sich auch in allen 15 anderen Bundesländern finden. Die Umsetzung Humboldts ist hier also Programm – oder sollte es zumindest sein. Doch wie konnte Wilhelm von Humboldt auf eine Idee kommen, die heute anscheinend gang und gäbe ist? Zu seiner Zeit waren Universitäten in erster Linie Lehranstalten, die die „studiosi“ auf ein sittsames Leben vorbereiten sollten. Die Verwirklichung einer Einheit von Forschung und Lehre lief also darauf hi-

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Zettelte eine Revolution mit Folgen an: Alexander von Humboldt.

schulsystem noch vollkommen anders aus, als zu Beginn des 21. Jahrhunderts und selbst als in den Fünfzigerjahren. Zu dieser Zeit studierten etwa fünf Prozent eines Jahrgangs an Universitäten, heute sind es 37 Prozent – Tendenz steigend. In der „Wissensgesellschaft“, die immer höhere Anforderungen an den Einzelnen stellt und immer mehr Qualifikationen verlangt, hat sich die Hochschule von einem relativ geschlossenen System der Elitenbildung zur Massenuniversität entwickelt. Dies ist nicht negativ – ganz im Gegenteil. Die scheidende Bundesregierung hat mit unterschiedlichem Erfolg in sieben Jahren einiges getan, um die Zahlen der Studierenden und besonders der Absolventen zu steigern, was auch von der OECD in ihrem jüngsten Bericht begrüßt wurde. So steigerten sich zwar die Studentenzahlen, die finanziellen und personellen Ressourcen der Hochschulen wurden jedoch nicht angepasst, sondern blieben unverändert oder wurden sogar zurückgefahren. Nach dem Hochschulausbau in den Sechziger- und Siebzigerjahren tat sich nicht mehr viel, abgesehen von den Entwicklungen an ostdeutschen Unis in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung. Doch auch hier ist die Entwicklung inzwischen negativ. Mit der Kürzung von Mitteln ging eine Umstrukturierung der Hochschulbildung einher, die sich besonders in der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen, wie sie auf der EU-Konferenz von Bologna beschlossen wurde, zeigt. Durch ein „verschultes“ System hat die Lehrbelastung weiter zugenommen, was eine sinkende Qualität der Lehre zu Folge hat. Zudem hat sich der Schwerpunkt der unversitären Bildung hin zur Ausbildung verschoben. Die berufliche Qualifizierung steht mehr und mehr im Vordergrund. Und wie steht es mit der Forschung? Wer mehr lehrt, kann weniger forschen, könnte die Beschreibung lauten. Zwar kann auch dies nicht verallgemeinert werden, doch ist die Situation so oder so verfahren. Nur eine Neusetzung der Prioritäten kann hier helfen. Universitäten wie Bildungspolitiker sollten sich endlich bewusst machen, was sie wollen. Allen Anforderungen wird man nicht gerecht werden können. Würde Wilhelm von Humboldt noch leben, wüsste er sicher, was zu tun wäre. ring


studi-geschenke

150 Euro Büchergeld Schnell ins rote Rathaus und Geld abholen! hier in Greifswald meldet oder seit dem 1. Juli 2003 hauptwohnsitzlich in Greifs-

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Seit 10.11. auch in Greifswald!

wald gemeldet ist, der bekommt einmalig 150 Euro von der Stadt geschenkt. Die Idee dahinter ist simpel: Die Stadt lebt von Studenten und für jeden Studenten und Azubi mit Hauptwohnsitz bekommt die Kommune eine finanzielle Zuweisung vom Land. „Das Geld kommt aus dem kommunalen Haushalt und wir freuen uns, den Studenten auf diese Weise belohnen zu können“, so die Pressesprecherin der Hansestadt, Bärbel Lenuck. Bereits 60% aller Gemeldeten in Greifswald sind bereits mit Hauptwohnsitz gemeldet. Und es können noch mehr werden, denn eine Anmeldepflicht besteht sowieso. Wenn Ihr Euch die Finanzspritze nicht entgehen lassen wollt, dann füllt einfach einen Antrag aus, den es entweder im AStA-Büro oder als Datei unter www. greifswald.de gibt und geht damit zum Einwohnermeldeamt. Studenten- und Personalausweis nicht vergessen. Anschließend erhaltet ihr einen Barscheck, den ihr problemlos bei der Sparkasse einlösen könnt. An dieser Stelle noch ein Hinweis: Zurzeit ist der Andrang auf dem Einwohnermeldeamt sehr groß, erst allmählich wird sich die Lage wieder entspannen. Wenn möglich, vermeidet auch den Dienstag. Mit anderen Worten, nehmt Euch lieber eine Stunde mehr Zeit, wenn Ihr den ausgefüllten Antrag abgeben wollt. Doch es gibt noch weitere Gründe, den Hauptwohnsitz in Greifswald anzugeben. Nächstes Jahr im Mai/Juni habt ihr die Möglichkeit mit dem Oberbürgermeister, dem Rektor und Handelsvertretern einen Segeltörn auf der „Greif“ zu machen. Der Ausflug dauert einen ganzen Tag und ihr habt die Chance, wertvolle Kontakte zu knüpfen oder dem Rektor Fragen zu stellen, die Euch schon immer interessiert haben. Im Dezember beziehungsweise Januar sollen dazu ein Aufruf und die Auslosung stattfinden. Und noch ein Vorteil: Außerdem könnt Ihr beim Sozialamt den sogenannten „KUS“ (Kultur- und Sozialausweis) beantragen. Damit könnt Ihr ermäßigt den Bus nutzen und andere Preisreduzierungen in kulturellen Einrichtungen genießen. Eine Anmeldung und drei Vorteile auf einmal – wer kann da noch meckern? kats

universum

Ja, es stimmt! Wer sich ab sofort als Student oder Azubi mit dem Hauptwohnsitz

Foto: ring

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campus europae

Two years - two languages Austauschprojekt schickt Studenten durch Europa Ein europäischer Campus, an dem Studenten aus ganz Europa die Uni wechseln können – das ist die Idee oder vielmehr die Vision von Campus Europae. Campus Europae entstand als Austauschprojekt 2001 im Rahmen des Bologna-Prozesses. Durch spezielle gemeinsame Lernprogramme der zurzeit 15 europäischen Teilnehmerländer unterscheidet sich dieses Projekt von den bekannten Sokrates-Erasmus-Austauschorganisationen. Noch steckt Campus Europae in den Kinderschuhen, aber im optimalen Fall sollen Studenten ihr letztes Bachelor Jahr und ihren Master im Ausland machen können – mit Anerkennung an der Heimatuniversität. Neben einigen Bachelor-Studiengängen, können auch Jurastudenten und Medizinstudenten am Austausch teilnehmen. Doch dazu ist noch viel Engagement nötig. Zwar nahm die Uni schon an dem Pilotprojekt “Law” teil und schickte Studenten nach Limerick, aber dabei blieb es. Professor Hannich, Rektorbeauftragter in Austauschfragen und zuständig für Medizin, unterstützt unter anderem dieses Projekt und arbeitet aktiv mit. Doch noch sind nicht alle von Campus Europae überzeugt. Skepsis überwiegt bei vielen und so sind es immer nur Einzelne, die sich für Campus Europae aussprechen. Das ist schade, denn das Interesse bei den Studenten ist

groß und auch die Partneruniversitäten sind verlockend. An den Fakultäten müsste eine breitere Masse hinter dem Projekt stehen, damit den Austauschstudenten die Anerkennung gewährleistet werden kann. Um für dieses Projekt in ganz Europa zu werben, fand 2003 erstmals die „Tour d ́Europe“ statt, eine gigantische Tour durch zehn Länder in drei Wochen. In diesem Jahr fand vom 24. September bis zum 10. Oktober die zweite „Tour d ́Europe“ statt. Finanziert wurde dieses großartige Projekt von Luxemburg – dem zentralen Sitz der „European University Foundation“ (EUF), die verantwortlich ist für die praktische Umsetzung von Campus Europae. Diesmal gab es zwei Touren, die parallel verliefen und in unterschiedlichen Ländern Halt machten. Auf jede Tour fuhren 26 Studenten aus den 15 Teilnehmerländern mit. Zusammen mit Nils Lalleike und zwei weiteren Greifswalder Studenten, waren wir die „ambassadors of Greifswald“. Wir besuchten die Universitäten in Nancy (Frankreich), Aveiro (Portugal), Trento (Italien), Novi Sad (Serbien-Montenegro), Riga (Lettland) und Hamburg, stellten dort unsere Uni vor und informierten uns über die jeweiligen Universitäten. Hier folgt nun der erste Teil des Reiseberichts. kats

In 17 Tagen quer durch Europa Mit Campus Europae on tour

universum

Es geht los!

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In der Nacht des 24. September fuhren wir von Greifswald aus mit einem Mietwagen zum Flughafen Schönefeld in Berlin, flogen frühmorgens nach Maastricht und nahmen von da aus den Zug nach Luxemburg. Kompliziert, aber günstiger. Die „German Delegation“ erreichte den Treffpunkt Luxemburg am frühen Abend. In der Jugendherberge begrüsste uns Prof. Ehmann – Initiator und “General Secretary” der EUF. Nils und ich teilen das Zimmer mit Jeremy und Maxime aus Frankreich. „Sie kommen von Deutschland?“, versucht es Jeremy und ich kläre ihn auf, dass es zwei Anredeformen gibt, Sie und Du, und bejahe die Frage. Mein Französisch hört sich vermutlich nicht besser an bei den Franzosen. Während “Group one” bereits in den frühen Morgenstunden aufbricht, besuchen wir nach dem Frühstück die Kasematten in Luxemburg – eine Höhlenansammlung unter der mittelalterlichen Altstadt, bevor auch wir mit Sack und Pack zum

Bahnhof fahren und den Zug Richtung Nancy in Frankreich nehmen. Dort werden wir von der Campus-Europae-Koordinatorin von Nancy empfangen und zur Jugendherberge gebracht. Es muss ein altes Nonnenkloster gewesen sein, denke ich mir und beziehe mein

Warten in Nancy auf den Zug nach Brüssel.

kleines Kämmerchen mit Jesuskreuz über meinem Bett. Anschließend geht es sofort weiter zum Dinner in eine Taverne in der Stadtmitte. Da der Abend noch jung ist und wir die schönen Abendstunden in Nancy nutzen wollen, machen wir in einem Irish Pub Halt und gehen

Foto: privat


campus europae anschließend in einen Club zum Abtanzen. Nach ein paar Gläsern Alkohol kommt dann auch zum ersten Mal die ultimative „Group two“ Hymne auf, nämlich „Schni, Schna, Schnappi“. Leider kennen weder Nils noch ich den vollständigen Text und so bleibt es beim einschlägigen Refrain „Schni, Schna, Schnappi, das kleine Krokodil“ in allen möglichen Dialekten. Sauerkraut, Kultur pur und eine tolle Uni

Foto: privat

sabon ist auf unserer Tour die weiteste Entfernung in Richtung Westen. Unglaublich, dass wir fast an jedem zweiten Tag an einem anderen Ort sind. Jeder wird sich über die Einmaligkeit dieser Tour bewusst. Die Gruppe wächst zusammen und alle spüren diese Verbindung. 26 Studenten aus 14 Ländern – das ist EU in der Praxis. kats Warum wir alle zu Zombies werden, was es bedeutet, wenn Zach „Kissingtime“ ruft und wie eine Saunaparty in Riga aussieht, das erfahrt ihr im nächsten moritz!

universum

Der nächste Tag geht gleich stressig los, auch wenn uns noch Restalkohol im Blut steckt. Bereits um 9 Uhr machen wir einen Rundgang durch die pharmazeutische Flanieren auf dem „Place Stanislav“ in Nancy. Fakultät der „Université Henri Poincaré“ und staunen le Hymne aus Lettland, an. Rituale bilden über die eindrucksvollen Glasmalereien sich aus, bei denen so mancher Partner an den Fenstern. Die Vorträge über die daheim eifersüchtig werden könnte. Universität und Campus Europae bestätigen den Eindruck, dass die Uni sehr Weiter geht‘s nach Portugal! aufgeschlossen gegenüber Austauschprogrammen ist - auch wenn das zurzeit Am frühen Morgen nehmen wir Abnur für Studenten der Pharmazie gilt. schied vom sonnigen Nancy und fahBegeistert sind wir auch von Nancy, eine ren mit dem Zug weiter nach Brüssel. Stadt, die noch mit ihrer Vergangenheit Auf der Zugfahrt erzählt Jeremy aus verbunden ist und zum Weltkulturerbe Frankreich von der Ablehnung der EUzählt. Man kommt an Gebäuden im Ro- Verfassung und von Asterix und Obelix, kokostil vorbei, an hellen Fassaden und auf die die Franzosen sehr stolz sind. Ich imposanten Denkmälern. Die freie Zeit lerne, dass bei den Galliern alle Ortsnabis zum Dinner kommt uns sehr gelegen men auf „omme“ enden und nach römiund wir machen uns auf die Suche nach schen Siedlungen benannt wurden. Und einem Supermarkt. Denn eine Flasche Natasa aus Serbien, Zach aus Wasser mit Sprudel („Do you have wa- Portugal und Jeremy wollen ter with sprinkles or bubbles?“) erweist mir ernsthaft weismachen, sich als echte Rarität. Die Verständigung dass die deutsche Sprache eiuntereinander auf Englisch klappt schon nen schönen Klang hat, aber sehr gut. Im Zweifelsfall hilft immer brav verdammt schwer zu lernen nicken und das Thema wechseln. Zum sei. Da helfen auch keine vier Abendbrot gibt es einen Berg Sauer- Jahre Schuldeutsch, um zu verkraut mit Würstchen und Kartoffeln stehen, warum es „das Haus“, – ein typisch elsässisches Gericht, das „der Garten“ und „die Sonbei niemandem so richtig Begeisterung ne“ heißt. In Brüssel spielt das hervorruft. Wetter nicht mehr mit. Wir Der Tag endet mit einer Pyjamaparty bei suchen uns einen Griechen Alina aus Weißrussland. Glücklicherwei- und futtern Döner und Fallase dürfen wir Frauen angekleidet bleiben, fel. Den Manneken Pis gucken nur die Herren müssen im Schlafdress wir uns noch an, der Rest an erscheinen. Zwei Stunden lang spie- Kultur ist uns bei diesem Wetlen wir „Mafia“ und hören uns fünfmal ter egal. „Welcome to my country“, die inoffiziel- Der Flug von Brüssel nach Lis-

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ansichtssachen

Croy-Teppich fasziniert Kunstliebhaber Inzwischen im Pommerschen Landesmuseum dauerausgestellt: Der Croy-Teppich. Ein schwarzer Vorhang öffnet sich und der Besucher des Pommerschen Landesmuseums gelangt in einen abgedunkelten und voll klimatisierten Raum. Was gibt es hier zu entdecken? Welches Kunstwerk verbirgt sich in dem Dunkel des Raumes? Die Antwort ist schnell gefunden. Der Croy-Teppich, der mit seinen imposanten Maßen von 4,46 m x 6,90 m eine Wand des Raumes einnimmt, zieht alle Blicke auf sich. Seit der Neueröffnung des Pommerschen Landesmuseums am 6. Juni 2005 wird dieser gold- und silberdurchwirkte Behang, der zu den wertvollsten Stücken aus dem Kunstbesitz der Universität Greifswald zählt, dauerhaft ausgestellt. Im Auftrag des Herzogs Philipp I. von Pommern-Wolgast (1515-1560) wurde der Teppich 1554 von dem niederländischen Künstler Peter Heyman in Stettin geschaffen. Darauf dargestellt ist die Trauung Philipps mit Maria von Sachsen-Wittenberg in Torgau 1536, vollzogen von Martin Luther. Neben dem wohl bekanntesten Reformator sind auch Philipp Melanchthon und Johannes Bugenhagen sowie Angehörige des sächsisch-ernestinischen und des pommerschen Fürstenhauses in das textile Gewebe eingewirkt. Der Behang ist zunächst von 1554 bis 1625 im Schloss zu Wolgast auf der Schlossinsel aufbewahrt worden und gelangte schließlich über Stettin und Stolp/Hinterpommern 1648 in den Besitz der Universität Greifswald. Ernst Bogislaw von Croy, der Neffe des letzten Pommernherzogs, hatte der Universität den wertvollen Teppich testamentarisch übereignet. Verknüpft mit der Stiftung war die Bestimmung, künftig alle 10 Jahre eine Ge-

denkfeier für seine verstorbene Mutter Anna von Croy abzuhalten. Entsprechend diesem Vermächtnis wurde der Teppich lange Zeit äußerst selten, meist anlässlich der Croy-Feste, gezeigt. 1710 konnte erstmals eine Croy-Feier nach den Vorstellungen des Stifters ausgerichtet werden. Von da an ehrte die Universität durch diesen Festakt regelmäßig alle zehn Jahre das Andenken nicht nur der letzten Nachkommen, sondern auch bald das gesamten pommerschen Fürstenhauses als Wohltäter der Universität. 1940, nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, fiel die Croy-Feier erstmals aus und konnte durch eine kriegsbedingte Auslagerung des Teppichs in den folgenden 50 Jahren nicht wieder aufgenommen werden. Erst 1992 wurde wieder ein Croy-Fest gefeiert und damit eine alte Tradition der Greifswalder Universität neu belebt. Die meiste Zeit aber blieb der Teppich, eingerollt in einer Holzlade, der Öffentlichkeit unzugänglich. Nun jedoch hat das Kunstwerk einen dauerhaften Platz im Pommerschen Landesmuseum gefunden. Hinter einer Glasvitrine, auf geneigter Ebene und mit Klettverschlüssen befestigt lässt sich der Teppich in voller Pracht bewundern. Im Jubiläumsjahr der Universität wird am 7. Juli 2006 im Anschluss an die feierliche Vergabe der akademischen Grade und in Andenken an den Stifter Ernst Bogislaw von Croy wieder ein Croy-Fest stattfinden. Ort der Gedenkfeier, zu dem Gäste der Universität wie auch Greifswalder Studenten eingeladen sind, wird das Pommersche Landesmuseum sein. grip

universum

Weltraumwetter unter Beobachtung

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Elektronikpannen, Unterbrechungen im Nachrichten- und Navigationsbereich, Stromausfälle und Störungen im Bahnverkehr – wer oder was ist dafür verantwortlich? Eine mögliche Antwort: das Weltraumwetter. Greifswalder Wissenschaftler wollen das Phänomen dieses Weltraumwetters mit Hilfe eines neuen Teleskops beobachten und auswerten. Kurz vor Weihnachten des vergangenen Jahres hat sich die europäische Weltraumorganisation ESA entschieden, das erste Weltraumwetter-Teleskop in Europa zur Erforschung von Sonnenstürmen am Physikalischen Institut der Universität Greifswalds zu installieren. Zwar beschäftigt sich die „WeltraumWetterWarte“ (www) Greifswald bereits seit September 2001 mit der Analyse von Sonnenstürmen, doch wird die Arbeit, so versichert der wissenschaftliche Leiter des MuSTAnG-Projektes Dr. Frank Jansen, „durch das Einsetzen des Muon

Foto: Archiv

Spaceweather Telescope for Anisotropy at Greifswald, kurz MuSTAnG, eine neue Qualität erreichen“. Das Weltraumwetter wird durch die Strahlung und atomare Teilchen von der Sonne sowie von Sternen verursacht. Die Sonne stößt Sonnenwinde und Plasmawolken, die gigantische Ausmaße annehmen können, aus und beeinflusst damit technische Systeme sowie menschliches Leben. Doch wann und wie treffen die hochenergetischen, kosmischen Teilchen auf die Erde? Diese Frage ließ sich bisher nur unzureichend beantworten, denn Satelliten, wie der ESA/NASA-Satellit SOHO, können die Bewegung dieser unsichtbaren Strahlen im All nur eingeschränkt sehen. Mit dem „MuSTAnG“ hingegen soll es schon bald möglich sein, die Plasmawolken sowie die kosmische Strahlung zu messen und vorherzusagen, wann und wie sie sich auf die Erde auswirkt. „Ziel ist es, das

Weltraumwetter rund um die Erde kontinuierlich zu beobachten, zu analysieren und so die Ankunft der Plasmawolken an der Erde bis zu 24 Stunden im voraus zu bestimmen“, erklärt Dr. Frank Jansen. Seit Januar 2005 wird der Bau des Weltraumwetter-Teleskops, finanziert durch die ESA, vorbereitet. Entsprechende Hard- und Software sowie Elektronik mussten ausgewählt und entwickelt werden. Gegenwärtig beginnen die Aufbauarbeiten. Im Sommer 2006 soll das etwa zwei mal zwei Meter große, circa zwei Meter hohe und 3,3 Tonnen schwere Teleskop erste Daten liefern. Dr. Frank Jansen betont, dass das „Greifswalder Teleskop, dessen Beobachtungsfeld vom Ural bis zur amerikanischen Ostküste reicht, Mitglied eines globalen Netzwerkes von Myon-Teleskopen sein wird“. In Australien, Japan und Brasilien stehen bereits MuSTAnG-ähnliche Apparaturen, wobei Greifswald als Ort des in Europa einzigen Weltraumwetter-Teleskops zukünftig eine wichtige Rolle einnehmen wird. grip


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Umfrage: Von Greifswald nach Waren/Güstrow und zurück Sehr geehrte Leser und Leserinnen des moritz,

Ich würde Route 3 nutzen

wir sind das Busunternehmen Wörpel-Reisen aus Jarmen und wir planen eine Buslinie für Studenten: Freitag Nachmittag ginge es nach Hause Richtung Waren/Güstrow, Sonntag Abend wieder nach Greifswald zurück. Wir möchten von Ihnen wissen: Welche Route würden Sie nutzen? Wo würden Sie aus- und einsteigen? Sind die Abfahrtszeiten für Sie günstig? Bitte kreuzen Sie an!

- Bus hält auf der Strecke Greifswald Hinfahrt freitags: 16 Uhr ihre Wunschzeit: ___ Uhr

Waren

Ich würde Route 2 nutzen - Bus hält auf der Strecke -

Teterow

Demmin

Neubrandenburg

Stavenhagen

Penzlin

Rückfahrt sonntags: 19 Uhr ihre Wunschzeit: ___ Uhr

" bitte abtrennen

Demmin

Malchin

Altentreptow

Hier sollte der Bus auch noch halten: _____________________

Jarmen

Neukalen

Loitz

Waren

Gützkow

Dargun

Greifswald Hinfahrt freitags: 16 Uhr ihre Wunschzeit: ___ Uhr

Jarmen

Rückfahrt sonntags: 19 Uhr ihre Wunschzeit: ___ Uhr

Greifswald Hinfahrt freitags: 16 Uhr ihre Wunschzeit: ___ Uhr

Rückfahrt sonntags: 19 Uhr ihre Wunschzeit: ___ Uhr Güstrow

Hier sollte der Bus auch noch halten: _____________________

" bitte abtrennen

Brücke zur Moderne „Inzwischen arbeiten mehrere FachSeminar schaften, einige AStA-Referenten und am Casweitere Kommilitonen in der Uni-Jubiläpar David ums-AG mit“, freut sich AStA-Co-RefeFriedrichrentin Stefanie Hennig. Das Jubiläum sei Institut ein eine gute Gelegenheit, über die eigene Semester lang“, berichtet Katja Kottwitz. Identifikation mit einer traditionsreichen Leicht gemacht haben es sich die studenUni nachzu- tischen Designer dabei nicht. „Um Anredenken, ja gungen zu bekommen, haben wir den stolz auf die Karzer besichtigt, uns von den Farben Uni zu sein, der Dekanetalare und des Rektortalars schwärmt inspirieren lassen und einen großen Unisie. Ande- Rundgang gemacht“, so Katja Kottwitz. rerseits könne sie auch Fachschaftsräte Schließlich kam man auf eine typografiverstehen, die das Jubiläum aufgrund an- sche Lösung mit einer Aussage, die eine gedrohter Kürzung ihres Instituts boy- Brücke zur Moderne schlagen soll. kottieren, erklärt Auch das Konzept Stefanie, „ich würeiner eigenen Unide mich dennoch ve r s i t ä t s - G m b H freuen, wenn sie an geisterte schon seit den Feierlichkeiten längerem durch teilnehmen.“ die Köpfe der Uni„Wi55en Die Verantwortlichen, l0ckt“-Kampagne Alternative „Wi55en l0ckt“-Logo-Entwürfe. nun wurde sie nach der Uni ist derweil einigen Schwierigangelaufen, erste T-Shirts, Pullover und keiten gegründet. Allerdings nicht, um Buttons sind verkauft. „An dem Logo ar- etwaige Verluste des Uni-Jubiläums ausbeiteten zehn Kunststudenten in einem zugleichen, wie Kanzler Thomas Behrens

Hier sollte der Bus auch noch halten: _____________________ Bitte werfen Sie den ausgefüllten Bogen in die Sammelboxen im Audimax oder der Mensa. Vielen Dank für Ihre Hilfe! " bitte abtrennen

betont. „Das Uni-Jubiläum ist vielmehr Nukleus eines umfangreichen Merchandisings mit vielen großen und kleinen Artikeln, die wir über die Uni-GmbH an drei verschiedenen Stellen in der Stadt und bald auch im Internet verkaufen“, erläutert Behrens. Dennoch überwog noch in der AugustSitzung des Senats die Skepsis gegenüber einer eigenen GmbH der Universität. Der vorgelegte Geschäftsplan ließ zu viele Fragen offen und wurde von den Senatoren nicht akzeptiert; insbesondere war unklar, wie gewinnversprechend die GmbH sein würde. Der Plan wurde abgespeckt, bis auf weiteres gibt es keinen Uni-Laden mit eigenen Angestellten und statt eines Geschäftsführers erledigt Kanzler Behrens die laufenden Geschäfte. uli

Die AG Unijubiläum trifft sich donnerstags um 18 Uhr im Hörsaal 1, Interessierte sind herzlich eingeladen. Die AStA-Co-Referentin für Uni-Jubiläum und Alumni-Arbeit, Stefanie Hennig, erreicht Ihr in den Sprechzeiten (Mi 10-12 Uhr, Do 14-16 Uhr) im AStA-Büro oder unter jubilaeum@asta-greifswald.de.

universum

Ich würde Route 1 nutzen

- Bus hält auf der Strecke -

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stadtpolitik

Noch bedroht oder schon gerettet? Das IKUWO, das Klex und das Pariser.

Fotos: so

Droht das Ende der Greifswalder Subkultur?

kultur

Die Stadtimpuls-Initiative will ehrenamtliche Jugendarbeit und Vereinskultur erhalten

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Stadtimpuls: Ein Stichwort, das in den letzten Wochen und Monaten öfter fiel. Doch was ist der die das „Stadtimpuls“ überhaupt, warum hat er sie es sich gegründet und was wird dort gemacht? moritz traf Jan Holten, Mitglied des Studententheaters, des IKUWO und des GrIStuF e.V. und Melanie Dorow, die beim Stadtjugendring und Sundevit e.V. aktiv ist sowie Diemo Schramm vom Infoladen, der auch das Stadtimpuls-Fest 2005 filmte. moritz sprach mit ihnen in idyllischer Atmosphäre über gar nicht idyllische Zukunftsaussichten. Es geht um die Häuser, in denen sich eine Vielzahl an Menschen größtenteils ehrenamtlich in Vereinen engagiert, Jugendarbeit leistet, kulturelle Höhepunkte schafft und Jugendlichen einen Ort und die Möglichkeit der Mitarbeit bietet. Im Gespräch ging es vor allem um die Häuser des Klex’, IKUWOs und des Parisers, deren Zukunft ungewiss ist. Ein trostloses Szenario, in dem die Jugend aus ihre Häusern verbannt wird und das subkulturelle Leben ausgestorben ist. Die momentane Situation Das Klex in der Langen Straße 14 ist derzeit mit dem Problem konfrontiert, dass der Mietvertrag Ende 2006 auslaufen wird. Die Stadt möchte nach der Räumung eine Sanierung des maroden Komplexes vornehmen. Allerdings kann niemand sagen, ob die vielen Vereine und Organisationen, die derzeit ihre Räume im Klex haben, dort wieder einziehen

können. Fest steht auch schon, dass es keinen Konzertraum mehr geben wird, auf den beispielsweise die Veranstaltungsgruppe Proton e.V. angewiesen ist. Ein Ausweichobjekt wurde den Mitarbeitern noch nicht angeboten. Als ausgewiesener Träger von Jugendarbeit in der Innenstadt müsste sich ein geeignetes Gebäude auch in dieser befinden. Das Pariser, in dem sich die Leute der Initiative Kapaunenstraße engagieren, sieht sich seit geraumer Zeit mit strengen Auflagen konfrontiert, die aufgrund mehrfacher Lärmbelästigungsanzeigen beschlossen wurden. Dadurch ist der abendliche Cafébetrieb stark zurückgegangen. Die Leute bleiben weg, was aber auch an den derzeit unklaren inneren Strukturen des Vereins liegt. Die Lage des IKUWOs scheint sich hingegen etwas entspannt zu haben. So wusste man bis vor wenigen Monaten nicht, ob das Projekt in dem Haus in der Goethestraße 1 bleiben dürfe oder nicht. Mittlerweile ist die „Aufenthaltsgenehmigung“ in Sack und Tüten und auf lange Sicht will der Verein das Gebäude übernehmen. Aber auch hier stehen Sanierungen an, eine Schallschutzwand ist notwendig, für deren Förderung hart gekämpft werden muss. Generell scheint die Jugendarbeit in Greifswald ein einziger Behörden-Hürdenlauf zu sein. Von öffentlicher Seite, sprich vom Jugendamt, wird genau eine Stelle zur Verfügung gestellt, die sich um derartige Belange kümmern soll. Die Ernsthaftigkeit der Probleme ist wohl

den wenigsten öffentlichen Stellen klar. Die Verweigerung der – insbesondere finanziellen – Unterstützung der verschiedenen Projekte entzieht der Stadt die eigene Basis, nämlich die Jugend, für die die Häuser eine Möglichkeit ist, sich aufzuhalten, auszuleben, Kultur zu erleben, Freunde zu treffen, sich weiterzubilden und Perspektiven zu erschließen. Was macht der Stadtimpuls? Genau hier setzt die Initiative des Stadtimpuls ein, denn hauptsächlich geht es um den Erhalt der Häuser, was den Erhalt eines Großteils des kulturellen Lebens mit sich bringt. Denn nicht nur die drei bisher genannten Institutionen, sondern eine Vielzahl anderer Gruppen und Vereine, wie zum Beispiel das Wohnprojekt Grimmer Straße, das Psychosoziale Zentrum oder der Stadtjugendring, sind dazu aufgefordert, ihre Probleme öffentlich zu machen und ihren Input zum Stadtimpuls beizutragen. „Eigentlich haben fast alle die gleichen Probleme“, so Melanie Dorow, „wenn wir alle gemeinsam an die Öffentlichkeit treten, können wir mehr erreichen als einer allein.“ Ein Netzwerk soll entstehen, in dem sich ausgetauscht werden kann über Probleme und Lösungsansätze. Das öffentliche Interesse soll geweckt werden durch kontinuierliche Aufklärungsarbeit in Form von Informationsblättern, Plakatwänden und anderen Medien. Man will die Initiative Bürgernähe schaffen und die Öffentlichkeit mit einbeziehen. „Das wäre mein


stadtpolitik ersten Ansätzen des selbst organisierten Arbeitens. Hierbei bezieht sich Jan auf neue Plakatwände, die demnächst in der Fleischerstraße auf Höhe des Walls aufgestellt werden. Dies ist ein Fortschritt, denn bisher gab es nur drei Plätze, an denen die Vereine für Veranstaltungen werben durften. Alles andere hatte die Stadt unter Androhung von Kürzungen verboten. Was muss in Zukunft getan werden?

Wunsch“, sagt Jan Holten. Die Idee des Stadtimpuls existiert schon länger. Doch was derzeit zu beobachten ist, war bisher nicht da. Die Rede ist von kontinuierlichem, organisiertem und erfolgreichem Zusammenarbeiten. Ein erster Erfolg war das dreitägige Festival im September dieses Jahres, neben den

Sprechzeiten Mo, Di, Mi 7.30 – 18.00 Uhr Do 9.00 – 18.00 Uhr Fr 7.30 – 15.00 Uhr

kultur

Vielfältige Initiativen...

Jeder kann seinen Teil dazu beitragen, dass sich der Stadtimpuls we i t e re n t w i c ke l t . Hilfe, egal in welcher Form, wird überall gebraucht. Man kann die Homepage des Fotos: so Stadtimpuls besuchen ... unter einem Dach: das Klex. und sich detaillierter informieren. Über eine Kontaktaufnahme wird niemand vieles mehr. traurig sein. Bei den Verantwortlichen „Auch wenn man nur für kurze Zeit in kann man sich dann über bevorstehende Greifswald ist, ein oder zwei Jahre, man Aufgaben erkundigen, wie zum Beispiel kann immer etwas bewegen“, sagt Jan. so Ausschau halten für neue Plakatierungsmöglichkeiten. Man kann direkt in die Vereine eintreten, mitarbeiten, helfen, Mehr Infos im Netz unter: Finanzierungsprojekte schreiben und www.stadtimpuls.org

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vorgelesen / noch zu sehen

Schocken light Erschreckend wirkten sie – die Flyer, die eine Woche vor der Lesung auf den Fluren der Germanistik herumlagen. „GUStAV warnt“ oder „GUStAV schockt“ war darauf zu lesen. Am Sonntagabend vor Halloween lauschten dennoch eini-

nem Dreivierteljahr, mit dabei sind neun ambitionierte Jungschriftsteller. Einmal wöchentlich trifft man sich, gibt sich gegenseitig Hilfestellung und liefert sich Impulse beim Herantasten an das Spiel mit der Sprache. Die Texte entstehen zu Hause oder in Gemeinschaftsarbeit unter einem bestimmten Motto direkt während der Treffen. Aber nicht nur das Schreiben sondern auch das Vorlesen will gelernt sein, so dass Leseübungen ebenso zum Pflichtprogramm gehören. Dunkel war es am 30. Oktober um neun Uhr abends draußen, dunkelrot drinnen im St. Spiritus. Zu der Begeisterten mehr, als dass sie schockten: Die GUStAV-Autoren. Foto: uli Musik von Pulp Fiction trudelten ge wagemutige Zuhörer den Mitgliedern nach und nach die Zuhörer ein und harrdes Greifswalder Universitäts-Studen- ten der Dinge, die da kommen sollten. tischer Autoren-Verbands (GUStAV). Mit Verspätung ging es dann los, Doreen In orangerotes Licht getaucht wurden Schneider und Katharina Hamacher gruMesser gewetzt, Leichen zerfleddert und selten die Zuschauer im Duett mit dem darüber sinniert, welches die beste Fol- zeitweiligen Problem eines jeden Autotermethode sei. ren, die ersten Worte seiner Geschichte Den Autorenverbund gibt es seit ei- zu finden.

kultur

Ein Visum fürs Leben

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Kann ein einzelner Mensch das Leben von Tausenden retten? Ist ein kleines Schriftstück in der Lage, einen aus den Mühlen einer Todesmaschinerie zu befreien? Dem schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg ist es 1944/45 als Botschaftssekretär in Budapest gelungen, mehrere Tausend ungedeckte Visa an Juden und andere Verfolgte zu verteilen. Damit galten sie offiziell als Ausländer und waren so nicht vom NS-Regime zu belangen. Wie Wallenberg gab es auch andere Diplomaten, die ihre Position nutzten, um sich gegen das mörderische System zu stellen. So halfen auch Schweizer, Holländer, Briten, Spanier, Kanadier, US-Amerikaner, Türken, Chinesen, und Angehörige des Vatikans vielen Menschen das Leben zu retten. Die circa 7.000 Juden Dänemarks verdanken ihre Rettung dem Anstand des Deutschen Georg Ferdinand Duckwitz, der eine am 2. Oktober 1943 geplante Deportation rechtzeitig dänischen Freunden, Parteien und Hilfsorganisation gemeldet hatte. Obwohl die Diplomaten nur eine kleine Gruppe von Helfern waren – in der Jerusalemer Gedenkstätte Yadwashem finden unter den circa 16.000 namentlich geehrten „Gerechten der

Die leise vorgetragene Einleitung verdeutlichte zugleich ein Grundproblem der Texte des Abends, dass sich wohl nicht alle der neun Autoren mit dem Grusel-Genre anfreunden konnten. Der eine oder andere saß bestimmt länger vor dem weißen Blatt Papier und flüchtete sich dann in abstrakte Visionen des Horrors. Dass dieser sowohl mit Humor als auch „Im Namen der Wissenschaft“ daherkommen kann und dennoch faszinierend schockend bleibt, bewies Andreas Budzier in seinen lebhaft vorgetragenen Texten. Blankes Entsetzen packte das Publikum, als es in Doreen Schneiders Geschichte „Der Garten der Elfen“ in die Betonrealität des Uni-Innenhofs geführt wurde. Martin Hoyer überzeugte durch ein souverän vorgetragenes Gedicht und eine Geschichte im subtilen Horror-Stil Howard Phillips Lovecrafts. Trotz aller Grusel-Vorwarnungen war es ein schöner Leseabend, zu dem die Gäste liebevoll empfangen wurden. Die Autoren ermöglichten dem Publikum einen intensiven Einblick in ihre Arbeit und rundeten den Abend mit einem hervorragenden Buffet ab. Bei der nächsten Lesung sagt „GUStAV ahoi!“ und präsentiert sich am 26. November mit maritimen Texten auf der Pomeria im Museumshafen. Um 20 Uhr geht‘s los. ilia, uli GUStAV – Greifswalder UniversitätsStudentischer Autorenverband Treffen jeden Donnerstag um 19 Uhr im Raum 1.21 im Institut für Deutsche Philologie – Interessierte sind herzlich willkommen!

Völker“ genau 20 Personen Erwähnung – war ihr Einsatz von großer Bedeutung. Unter dem Titel „Ein Visum fürs Leben – Diplomaten, die Juden retteten“ erinnert eine Ausstellung an diese Personen. Sie ist im Auftrag der israelischen Botschaft in Berlin erarbeitet worden und auf Initiative des Arbeitskreises Kirche und Judentum vom 7. bis zum 30. November in der Stadtbibliothek „Hans Fallada“ zu sehen. aha Ein Visum fürs Leben 17. 11. 2005 „Als wären sie nicht gewesen“ – Die Deportation der Juden aus Pommern 1940-1942. Lesung aus Zeitzeugnissen mit Benjamin Schöler und Konrad Glöckner 19.30 Uhr, Stadtbibliothek 24. 11. 2005 „Stein und Name“ – Jüdische Friedhöfe in Tschechien und ihre Wiederentdeckung Lichtbildvortrag mit Hermann L. Ruthenberg 19.30 Uhr, Stadtbibliothek


faszination zeitung

Immer up-to-date mit der Tageszeitung Eine Hommage an ein unmodernes Medium als Leser zu gewinnen? Außerdem ist eine Zeitung beständiger als eine HTML-Programmierung auf dem Bildschirm, ohne Error und ewige Ladezeiten. Ich weiß, wo es stand. Was ich für meinen Fall bei den Internetseiten nicht behaupten kann. Es gibt einfach zu viele. Und mal ehrlich: Kann man wirklich die angespannte Haltung vor dem PC mit dem Sessel beim Zeitungslesen vergleichen? Und was sind schon die lahmen Oberarme gegen den nervigen Mausarm? Na also. Schade nur, dass es die Tabloid-Formate großer Tageszeitungen wie „Welt Kompakt“ bisher nur in Großstädten wie Berlin oder Köln gibt. Denn sie berichten in Kürze seriös und übersichtlich – und der Muskelkater im Arm bleibt bei dem Format auch aus. juk

zum thema Das Buch „Extrablatt – Erlesenes erhalten“ ist im taz-Verlag erschienen und kostet 15 Euro.

OstPC

Anklamer Straße 70-71 Mo–Fr 9.00–18.30 Uhr Sa 9.30–13.00 Uhr Telefon 03834-887564 0170-2677581

kultur

Während der Lektüre dieses Buches wurde ich Stammkunde am Kiosk um die Ecke. Zwar nicht unbedingt die taz, dafür aber jetzt ein Abo. Die Regionalzeitung. Wirklich up-to-date fühle ich mich nämlich nur, wenn ich Zeitung lese. Und da vor allem die Regionalzeitung. Das kann kein elektronischer Newsletter ersetzen. Zeitunglesen ist ein Stück Kultur plus Stil. Dabei denke ich nicht an das Klischee von der Zeitung am Frühstückstisch. Ich habe mich schon immer gefragt, wie das gehen soll. Marmeladenbrötchen und Kaffee zwischen den riesigen Zeitungsblättern hin- und her zu jonglieren und dabei auch noch mein Gegenüber – sofern vorhanden – zu unterhalten. Nett. Es sei denn man hat einen riesigen Frühstückstisch, denn leider sind manche Zeitungen nur teppichkompatibel. Aber selbst Armmuskelkater kann mich nicht von der täglichen Lektüre abbringen. Dieses geheimnisvolle Rascheln des Papiers mit seinen versteckten Neuigkeiten, der Duft der Druckerschwärze und ein paar ruhige genussvolle Minuten. Zeitungslesen ist außerdem ziemlich inspirierend. Nicht nur, dass ich mit Kino-Tipps und anderen Veranstaltungen versorgt werde und erfahre, was in der Gegend so los ist – es bereichert einfach mein Leben. Es macht meine Welt größer. Abgesehen von den wöchentlichen Seiten, die extra für die jugendliche Leserschaft zusammengeschustert werden. Wer kauft sich schon einmal die Woche die Zeitung nur wegen den Jugendseiten? Müsste nicht immer etwas für diese Altersgruppe dabei sein, um sie

E-Mail kontakt@ostpc.de Frank Höpfner 33


nachwuchsliteraten

Völkerverständigung per Literatur Auf einer Greifswalder Autorentagung trafen sich junge Literaten aus ganz Europa „Junge Literatur in Europa“ hieß die natürlich nicht sprechen, aber natürlich internationale Autorentagung, die vom ist mir die traditionelle nordeuropäische 3. bis 5. November im Begegnungszen- Komponente sehr wichtig. Wir hatten trum „Felix Hausdorff“ in Greifswald schon immer hauptsächlich Künstler stattfand. Dort trafen junge Autoren aus Nord- und Osteuropa hier.“ Wichtig aus dem In- und Ausland zu der fünften und fruchtbar für Diskurs und DiskussiLiteraturtagung ihrer Art zusammen. In on sei die Zusammenstellung verschie16 Lesungen wurden neue Texte der dener Nationalitäten. „Wir laden immer Schriftsteller vorgestellt. Schriftsteller aus Deutschland, aus dem Hierbei sei die Präsentation der Lite- Ausland sowie deutsch schreibende ratur nur ein positiver Nebeneffekt, so Künstler mit fremder Herkunft zu unMarko Pantermöller, Mitglied des Nordi- seren Tagungen ein. Sie verarbeiten alle schen Instituts. Das ganz verschiedene TheHauptziel der Lemen in ihren Büchern sungen sei vielmehr und so werden auch der Austausch der nicht-deutsche Themen Schriftsteller untervermittelt“, erklärt Paneinander. Nach jeder termöller. Lesung wird zu einer Es handelt sich um Diskussion angeregt, Künstler, die entwezu der natürlich der ihr Debüt vorstellen oder deren erstes auch alle Besucher Werk nicht länger als herzlich eingeladen waren. Im Ausland erfolgreich: Der schwedi- ein Jahrzehnt zurück liegt. Allesamt sind sie Dieses Jahr waren sche Autor Carl-Johan Vallgren. schon preisgekrönt. Bei Schriftsteller aus Deutschland, Estland, Finnland, Frank- einigen Literaten blieb es nicht bei einem reich, Norwegen, Österreich, Polen, der einzigen Besuch. So waren der norwegiSchweiz und der Türkei mit von der sche Literaturpreisgewinner Øivind HåPartie. Auf Nachfrage, welcher sein per- nes und Julia Schoch („Beste deutsche sönlicher Favorit sei, gibt Pantermöller Erzählerin“) 2005 nicht das erste Mal in zu, nicht ganz unparteiisch zu sein: „Von Greifswald. Hånes war schon zweimal Highlights kann man bei einer solch bei der „Jungen Literatur in Europa“ zu hochkarätigen Literaturveranstaltung Gast. Da er nicht nur schreibt, sondern

knapp der Inquisition. Doch er flieht und begibt sich auf die Suche nach seiner Jugendfreundin HenIn einer dunklen Winternacht 1813 wer- riette. Auf seiner Reise erlebt er Klöster, den in einem Bordell in Königsberg zwei Irrenhäuser, den Zirkus und den Vatikan. Kinder geboren, ein wunderschönes, ge- Schließlich findet er Henriette und sie sundes Mädchen und ein Zwerg: Hercu- verbringen eine kurze Zeit miteinander. le Barfuss ist missgebildet, völlig entstellt Kurz darauf wird das Glück der Liebenund zudem taubstumm. Keiner rechnet den wieder zerstört: Henriette wird von mit seinem Überleben, doch wider Er- Katholiken getötet. Hercule schwört warten stirbt er nicht. Henriette Vogel Rache und die Odyssee nimmt erneut hingegen ist vollkommen gesund und die ihren Lauf. beiden wachsen in einer tiefen Freund- In seinem 7. Roman vereint Carl-Johan schaft zueinander auf. Vallgren eine phantasievolle und wunDem verkrüppelten Hercule Barfuss dervolle Liebesgeschichte mit einem wird eine Gabe auf die Welt mitgegeben: historisch exzellent recherchierten Er ist nicht nur unglaublich intelligent Kriminalroman. Für diesen poetischen, und beherrscht mehrere Gehörlosen- originell gedichteten Roman wurde ihm sprachen, er kann auch in die Gedanken- 2002 den Strindbergpreis verliehen. eue welt anderer Menschen eindringen und so deren Verhalten manipulieren. Das Buch „Geschichte einer ungeheuerliDiese Gabe rettet ihm immer wieder chen Liebe“ von Carl-Johan Vallgren ist bei das Leben, zuletzt entkommt er nur Suhrkamp erschienen und kostet 10 Euro.

kultur

buch

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Die finnische Autorin Maria Peura. auch als Künstler, Musiker und Produzent arbeitet, trat er auch schon beim Nordischen Klang auf. Er scheint geradezu eine Beziehung zu Greifswald aufgebaut zu haben, denn sein neuer, durchweg hervorragend bewerteter Roman „Petroleum“ spielt zu einem großen Teil dort. Auch bei dem erfolgreichen „Exilschweden“ Carl-Johan Vallgren, er lebte 10 Jahre lang in Berlin, scheint ein Bezug zu Greifswald erkennbar. 2001 war er mit seiner Satire „Für Herrn Bachmanns Broschüre“ zur Literaturtagung hier, 2002 bekam er für seinen Roman „Den vidunderliga kärlekens historia“ (zu deutsch: „Geschichte einer ungeheuerlichen Liebe“) den Strindbergpreis verliehen. Auf dem Buchcover ist Caspar David Friedrichs „Mondaufgang am Meer“ zu sehen. Eine der deutsch schreibenden Künstlerinnen, die nicht aus Deutschland kommen, ist die aus Ungarn stammende Zsuzsa Bánk. 2002 stellte sie in Greifswald ihre Texte vor, dieses Jahr wurde sie auf der Frankfurter Buchmesse hoch gelobt. Aus Finnland kamen diesmal Maria Peura und Riikka Ala-Harja. Peura wurde schon mit ihrem Erstlingsroman für den Finlandia Literaturpreis 2001 nominiert und stellte dieses Jahr in Greifswald ihren soeben erschienenen neuen Roman „Am Rande des Lichts“ vor. Riikka Ala-Harja hat einen direkten Bezug zu der Uni: In einem Übersetzungskurs haben sich Fennistikstudenten Teile ihres bisher nicht übersetzten Romans vorgenommen, so dass das Buch diesmal zweisprachig vorgetragen werden konnte. Pantermöller freut sich über „diese sinnvolle Verbindung von Unterricht und kulturellem Angebot“. eue Mehr Infos im Internet unter: www.uni-greifswald.de/~nordisch/hwrs


buchmesse

Neues aus Eden „Sie überschritten eine Grenze ohne zu wissen, was sie getan hatten. Was geschah im Jahre 1377?“ fragen die weißen Lettern im Eingangsbereich des Forums auf dem Frankfurter Messe-Gelände. 1377 – das ist nicht gerade ein Datum, das deutsche Schüler im Geschichtsunterricht lernen und doch fand in eben diesem Jahr eine Revolution statt. Sie verlief zwar gänzlich unblutig, aber sie veränderte die Welt nachhaltig. 1377 wurde in Korea der Buchdruck erfunden und damit ein Ereignis erst möglich gemacht, das in diesem Jahr zu seinen Wurzeln zurückkehrte, indem es Korea als Gastland auswählte: Die Frankfurter Buchmesse. Rund 280 000 Besucher kamen zwischen dem 19. und dem 23. Oktober zur weltgrößten Messe für Druckerzeugnisse. Neben Lesungen und anderen kulturellen Veranstaltungen wurde ihnen von mehr als 7.200 Einzelausstellern aus 101 Ländern der eine oder andere Leckerbissen geboten. Autoren griffen zum Stift und signierten ihre Werke, andere lasen daraus vor. Neben den großen präsentierten sich auch viele kleine Verlage, die eher Nischen besetzen. Wer kennt schon den „Verlag für Motorbücher“, der all das herausgibt, was dem Herz ei-

buch Im 19. Jahrhundert verlassen acht Inuit das im Osten Kanadas gelegene Hebron und machen sich auf den Weg nach Europa, um in Hagenbecks Tierpark in Hamburg die Attraktion zu werden. Harpunen werfend und Fellparkas tragend werden sie den schaulustigen Besuchern präsentiert. Doch ihre Chance auf ein besseres Leben wird nach nur fünf Monaten jäh zerstört. Alle Inuit sterben an Pocken. Abraham Ulrikab, Anführer der achtköpfigen Labrador Inuit, hält die Erlebnisse und Empfindungen in seinem Tagebuch fest. Durch die engagierte Arbeit von Dr. Hartmut Lutz, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Anglistik und Amerikanistik der EMAU, und seinen

Zu Besuch auf der Buchmesse in Frankfurt nes jeden Auto- und Motorradfans einen Kick-Start verpasst? Erstmals waren in diesem Jahr auch die Spiel-Verlage vertreten, außerdem gab es einen Sonderbereich für Comics und Kalender. Ganz nach dem Motto „Lesen gefährdet die Dummheit“ eines bekannten deutschen Verlags beeindrucken den Besucher jedoch besonders die Unmengen an Belletristik. Riesige Bücherwände laden immer wieder zum Stehen bleiben und Staunen ein. Mit abwesendem Blick verziehen sich Leseratten in eine Ecke, um hemmungslos zu schmökern. Nur wer gekommen ist, um Bücher zu erstehen, wird enttäuscht: Dies ist stets erst am letzten Ausstellungstag möglich. „Ein Tag ohne Lektüre hinterlässt einen schalen Geschmack“, lautet die Auffassung der Koreaner. Im Gastland sind Bücher eine Frage der Moral. So verwundert es nicht, dass die Poeten des Landes ein besonderes Ansehen genießen. Doch die Literatur ist in dem geteilten Land nicht nur schöne Unterhaltung, sondern auch ein Mittel, um die eigene Vergangenheit zu verarbeiten. Der Star unter den koreanischen Schriftstellern, der 72jährige Ko Un, beschäftigt sich in seinen Gedichten nicht nur mit den Schrecken des Bürgerkriegs und der Militärdiktatur,

sondern engagiert sich auch persönlich für Humanität und nationale Versöhnung. Im Juli dieses Jahres flogen er und 92 weitere südkoreanische Schriftsteller zu einem Treffen mit nordkoreanischen Kollegen nach Pjöngjang. Und auch, wenn letztere in Frankfurt nicht vertreten waren, scheint die Versöhnung in der Literatur weit vorangeschritten, die Feder mal wieder mächtiger als das Schwert zu sein. Vergangenheitsbewältigung betreibt auch Arno Geiger, der zur Ausstellungseröffnung mit dem „Deutschen Buchpreis“ geehrt wurde. In seinem Werk „Es geht uns gut“ gelingt es ihm, Vergängliches und Augenblick in eine überzeugende Balance zu bringen. Doch nicht nur die Auszeichnung für Geiger, sondern auch die große Anzahl junger Leute, die die Hallen auf dem Frankfurter Messegelände besuchten, zeigt, dass Bücher auch im Zeitalter von Handy und Internet gefragt sind. „Ein Buch ist ein Garten, den man in der Tasche trägt“, sagt ein altes arabisches Sprichwort. In Frankfurt liegt der Garten Eden. ring

Papierhaus Greifswald

an der Marienkirche, Brüggstr. 11

Studenten entstand die Übersetzung des Tagebuches in englischer Sprache. Dr. Lutz und seine Studenten recherchierten existierende Forschungsliteratur, Zeitungsberichte, und werteten Briefe von Abraham aus und beleuchteten den kulturellen Kontext Deutschlands im späten 19. Jahrhundert. Nach langer Suche fanden sie einen Verleger für das Werk und veröffentlichten es zuerst in Kanada. Pünktlich zur Frankfurter Buchmesse wurde es auch in Deutschland vorgestellt. Eine deutsche Fassung ist bereits in Vorbereitung und sucht noch nach tatkräftiger Unterstützung. dee Das Buch „The Diary of Abraham Ulrikab – Text and Context“ von Hartmut Lutz und Greifswalder Studenten ist bei University of Ottawa Press erschienen und kostet rund 30 Euro.

Semesterangebot:

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seit 1911

kultur

Foto: ring

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bücher

Auf der Suche nach dem heiligen Gral des schnöden Mammons

kultur

Seit Dan Brown seine Bestseller „Illuminati“ (Angels and Demons) und „Sakrileg“ (The DaVinci Code) auf den Markt gebracht hat, boomt nicht nur in Deutschland ein neuer Trend: der Kirchenthriller. Weil Brown nicht schnell genug Nachschub liefert, floriert das Geschäft mit den Nachahmern. Jedes Buch, das auch nur entfernt mit geheimnisvollen Bruderschaften, finsteren Geschäften der Kirche oder sonst einer Geheimgesellschaft zu tun hat, fliegt geradezu von den Ladentischen der Buchhändler, sei es auch noch so schlecht. Da wird dutzendfach der heilige Gral gesucht, werden Päpste ermordet, geheimnisvolle heidnische Rituale vollzogen oder es wird nach den Genen Christi geforscht – und das teilweise so offensichtlich historisch inkorrekt und in einem Stil, dass einem das Grausen kommt. Die Leute kaufen es trotzdem und so mancher Schreiberling verdient sich eine

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goldene Nase. Um die Romane von Dan Brown hat sich inzwischen eine geradezu absurde Industrie entwickelt: Seine Bücher gibt es mittlerweile nicht nur in den normalen Hardcover- und Taschenbuchauflagen, sondern auch als illustrierte Versionen, damit auch der letzte Kulturbanause mitbekommt, wie Leonardos Letztes Abendmahl aussieht. Auf seiner Website kann man sich durch mehrere Rätsel zum Da-Vinci-Code klicken, sich Buchtipps zu den wahren Hintergründen abholen oder auch einfach nur die verschiedenen Auflagen seiner Bücher erwerben. Dazu schießen wie Pilze „Kirchenexperten“ aus dem Boden, die uns erklären, was es denn nun mit Maria Magdalena, dem letzten Abendmahl und dem heiligen Gral auf sich hat – vorzugsweise in Buchform oder in Fernsehdokumentationen. In Rom, Paris und London, den Haupt-

schauplätzen von Browns Romanen, haben findige Menschen ebenfalls erkannt, das man aus der ganzen Hysterie durchaus Kapital schlagen kann: In Rom kann man den „Pfad der Weisheit“ der Illuminaten abschreiten (der nie existiert hat) und sich dabei ein wenig fühlen wie ein mittelalterlicher Gelehrter, das Pariser Louvre bietet inzwischen „DaVinci-Code-Führungen“ zur Mona Lisa und den anderen im Roman erwähnten Gemälden an, und die Kirchen in London, die Browns Protagonisten auf der Suche nach dem heiligen Gral heimsuchen, erleben eine regelrechte Touristenschwemme. Die kleine Rosslyn Chapel in der Nähe von Edinburgh kann sich vor Hobby-Gralsuchern fast nicht mehr retten. Ein Ende ist nicht abzusehen, 2006 erscheint Browns neuer Roman, und auch er wird – jede Wette – wieder einen Schwanz von Nachahmern hinter sich herziehen. sari

Zwischen den Geschlechtern

Geheimnisvolles Barcelona

„Ich wurde zweimal geboren.“ So beginnt die originelle Geschichte, die uns der Protagonist Calliope erzählt. Calliope ist ein Hermaphrodit, also weder eindeutig Frau noch Mann. Begründet liegt dieser genetische Fehler in der Familiengeschichte Calliopes. Alles beginnt in einem kleinasiatischen Bergdorf. Desdemona und Lefty Stephanides, Bruder und Schwester, fliehen vor den Türken nach Amerika. Auf der Flucht entdecken sie ihre Gefühle füreinander, die über eine geschwisterliche Liebe hinausgehen. Sie heiraten und lassen sich in Detroit nieder. Das Geheimnis des Paares bleibt unentdeckt, doch hat der Tabubruch nach Jahrzehnten ungeahnte Folgen. Calliope, die Enkelin des Geschwisterehepaares, wird geboren und muss erkennen, dass sie weder Mädchen noch Junge ist. Ein genetischer Fehler als Folge des Inzestes macht sie zu einem Hermaphroditen. Zunächst bemerkt niemand die Zweigeschlechtlichkeit Calliopes. So wächst sie bis zu ihrer Pubertät als Mädchen auf. Immer mehr Indizien aber lassen Calliope und ihre Umwelt an ihrem Geschlecht zweifeln. Fortan wird sie zum Objekt der wissenschaftlichen Neugier von Sexologen und flüchtet letztlich in ihre männliche Natur, um als Mann weiter zu leben. „Middlesex“ ist ein Roman über geschlechtliche Identität, kulturelle Prägungen und darüber hinaus über Familienbande, Generationskonflikte und amerikanische Träume. Ein gut recherchierter, unterhaltsamer und durchaus spannender Roman wird hierbei, nicht zuletzt auf Grund des ungewöhnlichen Themas, zum absolut empfehlenswerten Lesegenuss. grip

In Spanien erhielt „Der Schatten des Windes“ die Auszeichnung „Roman des Jahres 2002“ – und das vollkommen zu recht. Als zugleich Abenteuer-, Kriminal- und Liebesgeschichte zieht das neueste Werk des spanischen Autors Carlos Ruiz Zafón jeden Leser in seinen Bann. Inhaltlich ist der Roman schnell zusammengefasst: Der 11-jährige Daniel wird von seinem Vater, der Buchhändler aus Leidenschaft ist, in den „Friedhof der vergessenen Bücher“ geführt. In dieser riesigen Bibliothek im Herzen Barcelonas soll sich Daniel ein Buch auswählen, für das er allein die Verantwortung trägt. Er entscheidet sich für den Roman „Der Schatten des Windes“ von Julian Carax. Fasziniert liest er das Buch, das ihn fortan nicht mehr loslassen wird. Er macht sich auf die Suche nach dem unbekannten Autor und anderen erhaltenen Ausgaben. Doch warum verfolgt ihn plötzlich ein geheimnisvoller Mann mit narbiger Maske? Warum sind alle anderen Bücher des Autors Carax verbrannt worden? Und warum sterben plötzlich Menschen, die mit den Büchern in Berührung gekommen sind? Mit zunehmender Spannung folgt man der Suche des jungen Daniel. Ein faszinierend geschlagener Handlungsbogen mit immer neuen Wendungen, der schließlich mit einem überraschendem Finale endet, lässt den Leser atemlos Seite für Seite verschlingen. Schlaflose Nächte und gereizte Augen durch spannende Lesestunden sind garantiert. grip

Das Buch „Middlesex“ von Jeffrey Eugenides ist im Rowohlt Verlag als Taschenbuch erschienen und kostet 9,90 Euro.

Das Buch „Der Schatten des Windes“ von Carlos Ruiz Zafón ist im Suhrkamp-Verlag erschienen und kostet 9,90 Euro.


theater

Der Mensch, das Tier

Skandalös gut! radio 98eins führt Hörspiel im Theater urauf Der Saal ist bereits eine halbe Stunde vor Beginn ausverkauft. Vor dem Theater Vorpommern stehen einige Dutzend, die es versäumt haben, eine Karte zu reservieren. Es ist der 1. November 2006. Im Theater wird das Hörspiel „er.ich“ uraufgeführt, die erste Produktion aus der Kooperation von radio 98eins und dem Theater Vorpommern. Den Abend in Wohnzimmeratmosphäre eröffnet Chefredakteur Philipp Dreesen im Interview mit Hörspielautor Jan Decker, der über seine Archivrecherchen zum Greifswalder Theaterskandal um die Aufführung der „Dreigroschenoper“ 1928 berichtet. Auch geht es um die Frage, inwieweit Theater auch heute noch ein solch polarisierendes Medium sei. Lichtwechsel. „Deutschlands reaktionärste Universitätsstadt Greifswald blamiert sich bis auf die Knochen“, schreibt die „Leipziger Volkszeitung“ und meint damit den Skandal, den die Aufführung der „Dreigroschenoper“ 1928 am Theater Vorpommern auslöst.

CineExtra im CineStar Greifswald jeden Mittwoch um 17.15 Uhr und 20.15 Uhr für nur 4,50 Euro

Auf einer gegenüberliegenden Bühne sitzen jetzt die Schauspieler Christian Holm und Hannes Rittig, die dem Publikum mittels szenischer Lesung anschaulich und humorvoll die Hintergründe zum Skandal vermitteln. Pause. Thematisch eingestimmt und mit Kaltgetränken versorgt, wartet das Publikum gespannt auf das nun folgende Hörspiel. Von dezenten Lichteffekten unterstützt, erzählt die radio 98einsProduktion von den politischen Auseinandersetzungen um die Aufführung der „Dreigroschenoper“. Das wegen Tumulten abrupt abgesetzte Stück und dessen „bereinigte“ Wiederaufnahme spaltet die Stadt. Konservative Kreise schäumen, die Universität verhält sich liberal und die drei Freunde Jupp Meier, Erich Felge und der junge Wolfgang Koeppen fiebern dem Skandalstück aus Berlin entgegen. Doch noch vor der Premiere wird Jupp, der im Jazz-Orchester der Oper spielt, ermordet. Aus Berlin reist der Journalist Hans Kloetzel an, um Licht in die Vorfälle zu bringen. Beifall für einen gelungenen historisch-politisch-künstlerischen Abend mit kriminellem Einschlag. Kathrin Klein

kultur

bietet. Repräsentativ für eine ganze Gesellschaft ist etwas Anderes. Anerkennung ringt man sich da allenfalls noch Resümee über eine misslungene Vorstellung für die Schauspieler ab, die die Aggressivität und Verzweiflung ihrer Charaktere „Das Theater Vorpommern kann ein dem oktroyierten Elend auszubrechen. mit Verve unter die Leute spielen. Das wenig Extravaganz in seinem Programm Lösungen für das akkumulierte Leid sind Bühnenbild hingegen ist liebevoll erbaut, dringend gebrauchen.“ Dieser oder je- nicht einmal in Sicht, das Ventil dafür ist aber sinnlos. Selbst der Skandal bleibt denfalls ein Gedanke in der Richtung muss Selbst- und Fremdverstümmelung. Emig- aus, auch wenn „BILD“ ihn erkannt zu Regisseurin Christina haben meint. Eine Szene Emig-Könning auf die mit nackten Brüsten im Idee gebracht haben, Halbdunkel, sieh an, sieh die „Prinzessinnenan. Nichts Außergewöhndramen III, I und V“ liches, auch nicht in der im Theater auf der armselig gestellten MasProbebühne (TaP) turbationsszene, die nur in Greifswald zu inslachhaft wirkt. Pseudozenieren. Ein grundkünstlerische Tricks wie legender Fehler. Sie das von völligem Dunkel hat damit weder sich begleitete minutenlange selbst noch dem PuSchweigen geben dem blikum einen großen Ganzen dann den letzGefallen getan. ten Abschliff. Der letzte Das eigentlich fünfteiTeil nach der Pause hätte lige Stück aus der Feauch wegbleiben können, der Elfriede Jelineks, man dämmert sowieso Literaturnobelpreisnur noch vor sich hin. trägerin 2004, strotzt Alles, was einem beim vor Abstraktionen Verlassen des Theaters und Gesellschaftspes- Dramatische Prinzessinnen im Theater Vorpommern: Skandal blieb aus. bleibt, ist ein gesteigertes Foto:Vincent Leifer, Theater Vorpommern Harmoniebedürfnis. Und simismus. Die Menschen sind laufende natürlich Enttäuschung Traumata. Die Männer impotente Lust- Könning hat aus einem insgesamt 38-sei- ob der verpassten Chance. Denn bezwerge, die Frauen unterdrückte Op- tigen Skript eine fast dreistündige Mons- grüßt hätte man es ja, wäre durch ein fer der männlichen sowie der eigenen trosität produziert, die an den Nerven Wagnis eine gute Inszenierung in GreifsGeilheit. Niemand ist dazu fähig, aus all zehrt und wenig erkennbare Botschaft wald zustande gekommen. kos

16.11. Meeresfrüchte – 23.11. Don‘t come knocking 30.11. Kukushka - Der Kuckuck 7.12. Die Höhle des gelben Hundes 14.12. Zwei ungleiche Schwestern

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kinofestival

Familientreffen in München Beim Münchner Filmfest gibt es keine Berührungsängste zum Publikum und hervorragendes Kino Über 200 Filme aus 32 Ländern, 15 Leinwände, 60.000 Besucher, mehr als 1.600 akkreditierte Fachbesucher und Medienvertreter. Acht Tage voller interessanter Filme, Begegnungen und Gespräche, das sind die Zahlen des diesjährigen 23. Münchner Filmfests. Längst hat das nach Berlin zweitgrößte Filmfestival Deutschlands, das 2005 vom 25. Juni bis zweiten Juli stattfand, seinen Platz im Terminkalender der internationalen Filmbranche gefunden. Dabei setzt man in München weniger auf Starkult und Glamour sondern vielmehr auf den direkten Kontakt von Filmschaffenden und Publikum. „Unser Etat ist zu klein, um Stars mit Privatjets aus Hollywood einfliegen zu lassen. Ich finde es

ten. Bei uns steht nun mal die Qualität der Filme im Vordergrund.“ so Andreas Ströhl, Leiter des Filmfests im Interview mit dem Branchenblatt Blickpunkt:Film. Gäste und Besucher erwartet somit

„Das Filmfest München ist keines der üblichen Festivals. Es ähnelt mehr einer tollen großen Party, auf der man viele neue Freunde kennen lernen kann.“ Samuel Fuller, Filmemacher kein inszeniertes Fotoshooting, inklusive Groupies und Bodyguards sondern ein Festival in entspannter, ja fast familiärer Atmosphäre. Auch im sommerlichen München gibt es einen roten Teppich und Persönlichkeiten, aber ohne Absperrungen und Berührungsängste.

„Hier habe ich mich viel mehr zuhause gefühlt als auf anderen glamourösen Festivals. München bietet reines Kino für ein echtes Publikum.“ Claude Sautet, Regisseur nicht in Ordnung, dafür Steuermittel auszugeben. Wir würden einen Film davon abgesehen nicht spielen, nur weil jemand mitspielt, den wir gerne hier hät-

Preise unter anderem VFF TV MOVIE AWARD: Carl Bergengruen und Martin Bach für „In Sachen Kaminski“ Lobende Erwähnung: „Re-Inventing the Taliban“ von Sharmeen Obaid (Pakistan/USA) Bayern-3-Publikumspreis: „Die Höhle des gelben Hundes“ von Byambasuren Davaa

kultur

FFA Short Tiger Awards: „Chaim“ von Jonathan Greenfield, „Christina ohne Kaufmann“ von Sonja Heiss

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Shocking Shorts Award: „Marco und der Wolf“ von Kilian von Keyserlingk Förderpreis Deutscher Film Regie: Byambasuren Davaa für „Die Höhle des gelben Hundes“ Drehbuch: Esther Bernstorff und Emily Atef für „Molly‘s Way“ Schauspielerin: Maria Kwiaktkowsky für „Liebe Amelie“ Schauspieler: Constantin von Jascheroff für „Falscher Bekenner“

sche Kinofilme“ waren unter anderem „Oktoberfest“ und „Molly‘s Way“ sowie „Falsche Bekenner“ und „Schläfer“ , die beide bereits auf dem Festival von Cannes gezeigt wurden.

Besucht man ein Filmfestival, so stellt sich jedes mal aufs neue die Frage: Welche Filme will man sich anschauen und wie bringt man das räumlich und zeitlich am besten unter einen Hut? Die Antwort darauf fällt bei rund 200 Filmen, die in bis zu 15 parallel laufenden Vorstellungen gezeigt werden und den vielen interessanten Veranstaltungen, Diskussionsrunden und Film-Partys nicht leicht. Mit Filmfestmagazin und Katalog in der einen Hand sowie Terminkalender und Stift in der anderen sitzt man den ersten Abend da und stellt sein persönliches Festivalprogramm zusammen. Vorläufig,

Im „Internationalen Programm“ konnte man sich bereits in München von der „Reise der Pinguine“, dem zur Zeit quer durch Europa rezensierten Werk des Filmemachers Luc Jacquet, überzeugen, das zusätzlich auch in der Sparte für Kinderund Jugendfilme lief. Gleich drei Meister ihres Fachs treffen im Episodenfilm „Eros“ aufeinander. Regielegende Michelangelo Antonioni, der chinesische Regisseur Wong Kar Wai und der Filmemacher Steven Soderbergh steuern je eine Geschichte zu Liebe und Sexualität bei. Die wohl originellste Umsetzung des Themas ist Soderbergh gelungen: Ein Mann beim Psychiater erzählt im Halbschlaf von den erotischen Träumen die er immer wieder von der selben Frau hat. Der Doktor hört zu, stellt Fragen. Bald sitzt er dabei jedoch nicht mehr im Sessel, sondern steht irgendwann am Fenster, um bewaffnet mit Fernglas und Papierflieger die Aufmerksamkeit einer Frau auf der anderen Straßenseite zu erregen und sich mit ihr zu verabreden. Ein echter Geheimtipp und mein persönlicher Favorit des Festivals war der

„Filmfest Munich is unique in that it continually breaks down the formal barriers between filmmaker and audience.“ Tom DiCillo, Filmemacher denn jedes Jahr muss man feststellen dass für das ein oder andere Festivalhighlight binnen kürzester Zeit alle Karten vergriffen sind. Mir ging es dieses mal bei „Die Höhle des gelben Hundes“ von Byambasuren Davaa so. Auch in ihrem neuen Film kehrt die Münchner HFFStudentin, deren letzter Film „Die Geschichte vom weinenden Kamel“ sogar eine Oscar Nominierung erhielt, in ihre alte Heimat die Mongolei zurück und erzählt vom Leben der Nomaden. Weitere Beiträge der Reihe „Neue deut-

hoch politische Film „4“ des russischen Regisseurs Ilya Khryzhanovsky. (Eine Rezension folgt im nächsten moritz.) In „Last Days“ beschreibt Gus Van Sant die letzten Tage eines Rockmusikers, der sich nach nichts als Ruhe sehnt, sich immer mehr von seiner Umgebung abschottet und sich lieber in die Natur zurückzieht. Mit meditativen Bildern und einem genau passenden Musik- und Klangkonzept hat Van Sant einen tollen Film geschaffen, den er Kurt Cobain widmete.


kinofestival Ballspiel mit Fremden zu verbergen. Mein zweiter Favorit des Festivals ist „Tartarughe Sul Dorso“ von Stefano Pasetto. Der Film ist eine Liebesgeschichte die in Triest spielt. Die Lebenswege eines Mannes und einer Frau, beide um die 30 Jahre, haben sich Zeit ihres Lebens gekreuzt und sind manchmal parallel gegangen. In Rückblenden versuchen nun beide ihre gemeinsame Vergangenheit zu rekonstruieren. Mit atmosphärisch dichten, malerischen Bildern schafft es der Film, die melancholische Stimmung der norditalienischen Hafenstadt allgegenwärtig werden zu lassen und den Zuschauer direkt zu den Protagonisten mitzunehmen. Man muss Triest nicht kennen um von „Tartarughe Sul Dorso“ in den Bann gezogen zu werden. Kennt man die Stadt jeauch doch persönlich,

so lässt einen der Film nicht mehr

ken anregt. Genauso wie im Lateinamerikanischen kann man derzeit auch im Italienischen Kino eine starke neorealistische Tendenz spüren. Erstmals gibt es auf dem Filmfest unter dem Namen „Vento D‘Italia“ eine eigene Reihe für italienische Produktionen, eigentlich längst überfällig für München als „nördlichste Stadt Italiens“. Die Brüder Andrea & Antonio Frazzi zeichnen in ihrem Film „Certi Bambini“ den Werdegang eines neapolitanischen Jungen zum Mafia-Killer nach. Die Anfangs-Szene zeigt Rosario noch beim unbeschwerten Räuber und Gendarm Spiel mit seiner Clique. In der Schluß-Sequenz versucht sich Rosario nach seinem ersten Auftragsmord im

los. Mit „La Febbre“ ist Alessandro D‘Alatri ein wirklich erfrischender Film über die Mühlen der italienischen Bürokratie und die Kraft von Visionen gelungen. Anstatt wie geplant mit Freunden eine Diskothek zu eröffnen, findet sich der 30 jährige Mario plötzlich unverhofft als Beamter in der Stadtverwaltung wieder. Als er dann auch noch ein Mädchen kennen lernt muss er sich entscheiden wie seine Zukunft aussehen soll. Ein besonderer Schwerpunkt des diesjährigen Filmfests war dem Filmland Japan gewidmet. Neben der Werkschau des inzwischen verstorbenen Altmeisters Keisuke Kinoshita (1912-1998), wurden auch Werke des neueren Regisseurs Kiyoshi Kurosawa gezeigt. Wie etwa „Kairo“, in dem Kurosawa 2001 die zunehmende Vereinsamung des Menschen in einer durch virtuelle Kommunikation geprägten Welt thematisiert. Darüber hinaus wurde ein weiter Überblick über das gegenwärtige japanische

Kino gegeben. Dieser reichte von der Klassischen Samurai- Geschichte in Yoji Yamadas „The hidden blade“, über Takashi Miikes „IZO“, einer gesellschaftskritischen Collage, die von einem sich durch die Jahrhunderte mordenden Dämon handelt, bis hin zu „A stranger of mine“, mit dem dem jungen Filmemacher Kenji Uchida eine gekonnte Kombination von Episodenfilm, Komödie und Gangsterfilm gelang und der aufgrund seines Könnens bereits mit

Quentin Ta r a n t i n o verglichen wird. Zu einem echten Filmfestival gehören natürlich auch Preise. Mario Adorf wurde für seine Verdienste um den Film mit dem Cine Merit Award ausgezeichnet. Zusätzlich wurde ihm zu Ehren eine Auswahl seiner Kinofilme gezeigt. Darüber hinaus wurden unter anderem der mit 60.000 Euro dotierte Förderpreis Deutscher Film und der mit 25.000 Euro dotierte VFF TV MOVIE AWARD für die besten Fernsehfilme vergeben.(siehe Kasten) Den mit 10.000 Euro dotierten „Bernhard Wicki Filmpreis - Die Brücke - Der Friedenspreis des Deutschen Films“ erhielt Marc Rothemunds Film „Sophie Scholl - die letzten Tage“. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass auch das 23. Münchner Filmfest wieder viele interessante und tolle Filme zu bieten hatte. Hoffentlich werden viele von ihnen auch den Weg in das heimische Kinoprogramm finden. Das Filmfest, das traditionell im Juni oder Juli stattfindet, ist jedenfalls immer eine Reise nach München wert. Einziger Wermutstropfen für Studenten: Es liegt zeitlich genau vor den Prüfungen. Apropos Studenten, vom 19. bis 26 November findet in München das 25. Internationale Festival der Filmhochschulen statt. Maximilian Fleischmann

kultur

„Last Days“ hätte auch gut in die Reihe „American Independents“ gepasst, wegen der das Münchner Filmfest bei den aufstrebenden und unabhängigen US-Filmemachern schon lange als „home away from home“ gilt. Eine weitere traditionsreiche Reihe des Festivals ist das „Nouveau Cinema Francais“. Für den Film „Zim & CO“ von Pierre Jolivet waren leider keine Karten mehr zu bekommen, er muß aber sehr gut gewesen sein. Antony Cordiers „Douches Froides“, ein Jugenddrama um eine Dreiecksbeziehung und die Schattenseiten des Leistungssports dagegen enttäuschte maßlos. Das Drehbuch hatte zu viele Längen und wo ein gutes Bild den Zuschauer noch an den Film hätte fesseln können fanden sich nur Standardeinstellungen. In der Reihe „Visiones Latinoamericanas“ wurde „Nordeste“ von Juan Solanas gezeigt. Die Französin Helene reist nach Argentinien um ein Kind zu Adoptieren. Im Nord-Osten des Landes wird sie inmitten einer grandiosen Landschaft mit Armut und Not der Bevölkerung konfrontiert. Ein kontrastreicher Film voller schöner Bilder und Gegensätze der zum Nachden-

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cd / dvd

HIM: Dark Light

cd

Reprise (Warner)

Glenn Gould:The 1955 Goldberg Variations Sony Classical

Wer Glenn Gould sagt, der muss auch Bach sagen. Vor 50 Jahren ging der kanadische Pianist mit seiner ersten Einspielung der Goldberg-Variationen nicht allein interpretatorisch neue Wege. In der Vermarktung der Legende Gould suchte seine damalige Plattenfirma Columbia Records nach für die damalige Zeit bisher ungenutzten Vermarktungsmöglichkeiten. Zum diesjährigen Jubiläum erschien in der begrenzten Sonderausgabe der Goldberg-Variationen die verspätete, in einem 164-seitigen Büchlein rekonstruierte Erklärung des damaligen Marketinggags. Zwar reizen das bisher unveröffentlichte Archivmaterial, das CD-Cover im Original-Design und der vom Interpreten verfasste Plattentext, doch in toto gibt es kaum große Überraschungen. Einzig das Interview mit Howard H. Scott, der an den Aufnahmen beteiligt war, macht im Hinblick auf das Bonusmaterial einen neuen Punkt auf: „Wenn Glenn erführe, dass Sony Classical in Erwägung zieht, dieses von ihm verworfene Material herauszubringen, würde er sich wahrscheinlich im Grabe umdrehen.“ ur

dvd

Batman Begins

kultur

Nachdem die letzten Batman-Teile mehr oder minder gefloppt sind und sich schon nahezu jeder stämmige Hollywood-Schauspieler am Flattermann versucht hat, wagen nun Regisseur Chris Nolan („Insomnia“) und Mime Christian Bale („The Machinist“) einen Neuanfang der nun fünfteiligen Reihe, die die psychologische Motivation des Protagonisten in den Vordergrund stellt. Neben einer Vogelscheuche bekommt es Batman diesmal mit dem radikalen Apokalyptiker Ra‘s Al Ghul zu tun, der einen teuflischen Plan entwickelt hat, um das dem Verbrechen anheim gefallene Gotham City in den Untergang zu stürzen. „Batman Begins“ ist düsterer und bedrohlicher als alle bisherigen Batman-Filme, was auch durch Hans Zimmers pompöse Musik getragen wird. George Lucas hat in Star Wars die Möglich-

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HIM dümpelt vor sich hin. Zwar darf sich die finnische Band in Deutschland einer großen Fangemeinde sicher sein, doch blieb der große Erfolg in den USA bisher aus. Die Entscheidung, „Dark Light“ in Los Angeles aufzunehmen, zeugt von einem Schritt in Richtung amerikanischer Markt. Das neue Album pflegt die pathetische Wiederkehr eines in Abnutzung geratenen Konzepts. Die Entscheidung für den Produzenten Tim Palmer ist daher zu beglückwünschen. Zwar bieten “Vampire Heart“ und „Rip out the wings of a butterfly“ einen knackigen Einstieg in das Album, das sich jedoch in der Folge in zäher Eintönigkeit wälzt. ur keiten des Prequels vorgemacht und so wird der Zuschauer nun auch über Batmans Werdegang aufgeklärt und man muss zugeben, dass seine Renaissance durchweg gelungen ist. Von der Bat-Cave über das Kostüm und das BatMobil bis hin zu Batmans eigentlicher Motivation bleibt keine Frage offen. Die Stärke des Films liegt dabei darin, dass man sich nicht gescheut hat, ihm gewagte und doch ansprechende Neuerungen einzuverleiben, so zum Beispiel das Humvee-artige Batmobil. Dennoch blieb man der Tradition treu und schaffte es, die Atmosphäre der Comics gekonnt umzusetzen – in einer Weise, an der die Vorgänger bisher scheiterten. Und nicht nur Hauptdarsteller Christian Bale, sondern der gesamte weitere Cast glänzt mit Neu- und Altgrößen wie Katie Holmes, Gary Oldman, Liam Neeson, Morgan Freeman, Michael Caine und Rutger Hauer. Der DVD-Bonus ist mit acht Dokumentationen, einer Bildergalerie, Eastereggs und anderen Extras grundsolide. Für alle leidenschaftlichen Fans gibt es außerdem eine Steel-Book-Edition für rund 30 Euro. jmk


kino

Auf der Jagd: Wallace und Gromit.

Auf der Suche: Jodie Foster.

Kurzfilmnacht

Ein richtiger Hingucker

Menschliche Ängste

Wie viel Tüftlergeist braucht es, um aus Knete einen 94-minütigen Stop-MotionAnimationsfilm wie „Wallace und Gromit – Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen“ zu formen? 1985 schuf Nick Parks das reizende Duo aus zerstreutem Erfinder und vierbeinigem Freund. Erstmalig wirft es in abendfüllender Spielfilmlänge die Frage nach dem Sein oder Nichtsein eines gemüseliebenden Nagers auf. Einmal abgesehen vom philosophischen Gehalt und Streitwert der Leinwandproduktion ist die stark ausgeprägte Liebe für Details von Beginn an entscheidend und ergreifend zugleich. Denn für eine Sekunde bewegten Filmes bedarf es 24 einzelner Bilder. Um am Ende die Illusion einer flüssigen Bewegung der Figuren zu gewinnen, werden sie wie beim Daumenkino vor jedem neuem Bild ein bisschen weiterbewegt. Typisch britisch, einnehmend keck und zum Schmunzeln komisch ist Nick Parks neuester Wallace und Gromit ein richtiger Hingucker. ur

Die wohl schlimmsten Zustände der menschlichen Existenz werden bei „Flight Plan“ auf interessante Weise umgesetzt: Ungewissheit und das Gefühl, wenn niemand einem glaubt. Als Flugzeugingenieurin Kyle Pratt (Jodie Foster) auf dem Flug von Berlin nach New York ihre Tochter Julia aus den Augen verliert, will ihr keiner glauben. Erst recht nicht, weil ihre Tochter nicht auf der Passagierliste steht. Ist Kyle Opfer einer großen Verschwörung oder geht ihr gar der Tod ihres Mannes so nahe, dass sie sich über den Tod ihrer Tochter hinweg täuscht? Technisch brillant lässt der deutsche Regisseur Robert Schwentke seine resolute Hauptdarstellerin die Ängste des zivilisierten Menschen durchleiden und bedient sich dabei einer klar inszenierten Drehtechnik. Die Botschaft des Films dreht sich um Vorurteile – in Verbindung mit den paranoiden, amerikanischen Ängsten seit dem 11. September. Der einzige Schwachpunkt des Films liegt in der etwas übertriebenen Story. jmk

Am 9. Dezember 2005 veranstaltet das Caspar-David-Friedrich-Institut und die radio 98eins Kulturbeutelredaktion eine Kurzfilmnacht. Dafür werden noch Kurzfilme jeder Art gesucht! Wer Interesse hat, kann noch bis zum 24. November seinen Film bei radio 98eins in der Domstraße 12 abgeben. Die Länge der Beiträge ist auf maximal 10 Minuten begrenzt und als Format sind MiniDV, CD oder DVD möglich. Die Präsentation der besten Kurzfilme findet dann am 9. Dezember um 20 Uhr in der Medienwerkstatt, Bahnhofstraße 50, statt. Wenn Ihr Lust auf einen Abend mit tollen Filmen und einem leckeren Buffet habt, seid Ihr herzlich eingeladen. Weitere Infos erhaltet Ihr unter kulturbeutel@98eins.de.

England, Ende des 18. Jahrhundert: Auf einem Ball treffen Elizabeth und Mr. Darcy aufeinander. Elizabeth, die kluge, aufgeklärte und emanzipierte junge Frau und Tochter von Mr. Bennet, soll nach den Vorstellungen ihrer Mutter so bald als möglich eine gute Partie machen. Mit übertriebenen Engagement versucht die Mutter, ihre fünf Töchter unter die Haube zu bringen und stößt dabei manchen vor den Kopf. Während Elizabeths Schwester Jane sich beim ersten Anblick in den neuen Nachbarn Mr. Bingley verliebt, ist dieser von dem vulgären Verhalten ihrer Mutter und ihrer beiden jüngsten Schwestern wenig begeistert und reist – auf Anraten seines Freundes Mr. Darcy – wieder nach London ab. Jane bleibt mit gebrochenem Herzen zurück und Elizabeth wird in ihren Vorurteilen gegenüber Mr. Darcy bestätigt. Nur mit der Zeit kann sie ihren Stolz beiseite schieben und erfährt nach und nach vom wahren Charakter des Gentleman, zu dem sie sich immer mehr hingezogen fühlt. Regisseur Joe Wright orientiert sich in seiner Verfilmung des Klassikers von Jane Austen stark am Buch. Gesellschaftliche Reflexionen, die typisch für Austens Romane sind, werden auf-

www.98eins.de info@98eins.de

grund der Kürze des Kinofilms nicht vertieft. Dennoch verzaubert der Film, auch wenn Jane Austen nichts von glühenden Leidenschaften erzählt und nichts Sensationelles passiert. Keira Knightley spielt die Elizabeth mit viel Charme, Natürlichkeit und einer Ernsthaftigkeit, die einen augenblicklich in ihren Bann zieht. Matthew MacFadyen, als Gegenpart zur herrlich erfrischenden Elizabeth spielt die Rolle des spröden und stolzen Mr. Darcy. lil Keira Knightley.

kultur

Stolz und Vorurteil

radio 98eins Domstraße 12 - 17489 Greifswald

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kino ein film - zwei meinungen

Doku durch Allzumenschliches vermasselt

Der letzte Satz des Films steht von Anfang an fest: „und die Reise wird immer weitergehen...“ Zwei Stunden groß angekündigter Hollywoodstreifen lang fragt „Das Volk der Verdammten“ nennt Regisseur Luc Jacquet die sich der Durchschnittskinogänger, warum Pinguine eigentlich Kaiserpinguine. Zum Filmemachen kam der französische Bi- nicht frieren, denn die französische Produktion Luc Jacquets ologe eher durch Zufall: Durch eine Zeibleibt hinter ihrem Dokumentationsantungsannonce und seine Liebe zur Natur spruch weit zurück. Hinterher bewundert begab er sich mit 24 das erste Mal in die man diese putzigen Gesellen entweder für Antarktis. Zweifellos hat er mit seinem ihr Durchhaltevermögen oder fragt sich, Team innerhalb eines Jahres Unmengen wozu es Pinguine überhaupt gibt. interessanter und wunderschöner Bilder Der Dokumentarwert des Films verblasst von den Pinguinen und ihrer gefährlichen durch die Vermenschlichung der beobachReise durch das Eis eingefangen. Er beteten Pinguin-Familie. Auch das Unterlegen gleitete die Tiere durch einen gesamten der Kinobilder mit dramatischer, romanZyklus, in dem sie unglaubliche Strapazen tischer oder sonst wie gearteter Musik auf sich nehmen, monatelang wandern und verstärkt diesen Effekt, bis von der Doku fasten, den Winterstürmen trotzen und nichts mehr übrig bleibt. Auch die Kommanchmal bis zu 80 Prozent ihrer Küken mentierung des Streifens durch – man beverlieren. achte! – die Pinguine selbst stellt keine AbPostkartenbilder von einer Landschaft, die löse von den kitschigen Sonnenuntergängen eher an einen fremden Planeten erinnern dar. Hochtrabende und philosophisch angeals an die Erde, die fast menschlich anmu- Auf der Reise: Die Pinguine. hauchte Scheindialoge werden auch bei der tenden Liebesbekundungen der Pinguine vierten Wiederholung nicht tiefgründiger. untereinander und natürlich der kuschelige Nachwuchs genie- Trotzdem zollt man der harten wissenschaftlichen Arbeit Reßen schnell die Sympathie des Publikums. spekt und die ästhetisch ansprechenden Bilder sind bemerAllerdings wurde bei der Vertonung erheblich daneben gegrif- kenswert. Der Farbkontrast von natürlichem Blau, Schwarz fen: Die menschlichen Stimmen, die die Pinguine im Film be- und Weiß ist selbst auf die Dauer des Films nicht anstrengend. kommen haben, wirken kitschig, über-dramatisch und einfach Empfehlenswert ist der Film trotzdem ausschließlich für Pingufehl am Platz. Für einen Dokumentarfilm gibt es außerdem zu in-Liebhaber oder verliebte Pärchen, denen der Film sowieso wenig Informationen über die interessanten Tiere. eue Schnuppe ist. cole

Schöne Bilder

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kreuzmoritzel waagerecht 1. deutscher Pianist; 4. Heimat von Odysseus; 8. südamerikanische Steppe; 10. deutscher Flugpionier (*1879); 13. farbige Theaterdarbietung; 15. Verfasser, Urheber; 17. Seenotruf; 19. ansteckende Kinderkrankheit; 22. exotisches Gras; 24. islamscher Rechtsgelehrter; 25. Gesteinsmasse; 27. Abgabe, Steuer; 30. Tanzschritt; 32. Auslese; 35. Nähgerät; 37. Frucht der Buche; 39. schädliches Nagetier; 41. Laubbaum; 42. warme Quelle

Für Kultur- und Kunstbeflissene Nein, für dieses kreuzmoritzel braucht ihr keinen Abschluß in Kulturwissenschaft oder Kunstgeschichte. Das Lösungswort ist der Name eines französischen Schriftstellers (*1821). Zu gewinnen gibt‘s zweimal „Ein Ticket“ für den InterConnex. Bis zum 14. Januar könnt Ihr damit entweder einfach von Greifswald bis nach Dresden oder hin und zurück nach Berlin fahren. Viel Glück!

senkrecht 2. Zeichen, Leberfleck; 3. niederländischer Architekt (*1514); 4. französischer Maler (*1780); 5. englisch „und“; 6. israelischer Chansonsänger; 7. katholische Geistliche; 8. windzugewandte Schiffsseite; 9. schweiter Feldmaß; 11. Sonnenland der griechischen Sage; 12. bayerischer Kirchenmusiker; 14. niederdeutsch „Eule“; 16. deutsche Universitätsstadt; 18. französisch „Oper“; 20. kolloide Lösung; 21. ägyptischer Göttervater; 22. Kricketkeule; 23. volkstümlich „Junge“; 25. tatkräftiges Streben; 26. zusammgehaltene Gegenstände; 28. weiblicher Vorname; 29. Teil des Geschirrs; 30. Mehrzahl; 31. Absonderung; 33. Nordwesteuropäer; 34. oberdeutsch „Ecke“; 35. Elend; 36. schottischer Fluss; 38. amerikanisch „Polizist“ (Kurzwort); 40. persisches Saiteninstrument ring Gewinner gab‘s natürlich auch beim letzten kreuzmoritzel und dem Filmrätsel! Kathleen (anastasia18@...) gewinnt zwei Kinofreikarten, Marcus Vollmer den legendären moritz-Kaffeebecher. Ihr könnt Eure Gewinne zu den Sprechzeiten im AStA-Büro oder im moritzBüro (Wollweberstraße 4) abholen.

moritz-Zeichenwettbewerb auf dem Markt der Möglichkeiten

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„Gut getroffen“ befand er höchstpersönlich! Jolanta Ceplinskaita und Katja Böhm gewinnen je eine Freikarte für‘s CineStar. Ihr könnt Eure Gewinne im AStA-Büro oder im moritz-Büro abholen.

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kurzgeschichte

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Eine süße Italienerin

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Oh ja, wir hatten Spaß. Jeden Tag. Auch heute, bis: „Marie, wo ist das Nutellaglas?“ Es war Felicitas, die mich so überfiel. „Nutella? Glas? Wie?“ „Ja, genau! Sag mal!“ Das war nun Judith. Nutella ist eine sehr gute, sehr fette Schokocreme aus dem sonnigen Italien. Da ist nichts dabei, außer dass man dick von dem Zeug wird und ihr werdet euch sicherlich wundern, wenn ich nun erzähle, dass mir damals mit einem Schlag heiß wurde und meine Stimme sehr leise. Wurde ich rot? Auf jeden Fall konnte ich den Anderen nicht mehr ins Gesicht sehen.Wie sie da saßen und mich erwartungsvoll anstarrten. „Ich... weiß auch nicht. Warum?“ „Doch, tust du.“ Meine Güte, vier gegen eine, das war nicht fair. Sie waren fordernd, durchbohrten mich regelrecht mit ihren Blicken. „Ich hab es nicht.“ Feindliches, verächtliches Murren. Mann, was sollte das? Aber dann schienen sie ihre Taktik zu ändern, denn Judith setzte nun eine verständnisvolle Miene auf: „Wenn du das Glas mit zur Arbeit genommen hast, ist das nicht schlimm. Bring es nur wieder mit. Bitte!“ So, das reichte! Ich sammelte alle meine Kräfte, holte tief Luft und setzte mich aufrecht hin. „Nein, ich hab es nicht mit zur Arbeit genommen. Ich hab`s weggeschmissen.“ Allgemeines Lachen. „Guter Versuch, Marie, gib`s doch halt zu!“ „Als ob du Schokolade wegschmeißen würdest.“ Meine Güte, wir lebten nun schon so lange zusammen und sie hielten mich nicht nur für eine Diebin und Egoistin, sondern auch für eine Lügnerin. Ich musste mich noch dreimal wiederholen, bis ich ernstgenommen wurde. „Ich hab‘s doch auch für Euch getan, denkt an eure Figuren!“ „Oh nein, Marie! Du, du kannst doch nicht einfach so Schokolade wegschmeißen.“ Das war Fee, die das nun stotterte. „Dann bitte hol sie wieder raus.“ Ich wurde immer leiser. Da redeten diese Mädels von Diäten und fehlender Disziplin und jetzt machten sie so einen Aufstand wegen um die Ecke gebrachter 750 Gramm Schokocreme, von denen ich zugegebenermaßen ohnehin schon vorher mindestens 400 Gramm gegessen hatte. „Es geht nicht, ich hab‘s getrennt! Nutella und Glas in den Restmüll, Plastikdeckel in den Plastikmüll.“ Ja, soviel zu meinem Umweltbewusstsein, aber das nur am

Rande, denn ich hatte nun vor mir eine furchtbar entsetzte Runde sitzen, die es irgendwie wieder zu beruhigen galt. Agi, Fee, Judith, Barbara. Sie alle starrten mich an, als hätte ich ihnen erklärt, die Welt sei untergegangen und nicht nur das, alle Läden um uns herum hätten mindestens die nächsten drei Tage geschlossen und der Winterschlussverkauf sei sowieso abgeschafft worden. Meine Verlegenheit wandelte sich nun in Mitleid um und ich hatte plötzlich das Gefühl, ihnen vielleicht doch erklären zu

müssen, was und warum da so etwas Unbegreifliches geschehen war. Dass ich letzte Woche endlich meine heißersehnte Reise gemacht hatte, wussten sie ja. Aber was dort vorgefallen war und wie es seitdem in meinem Inneren aussah, hatte ich ihnen nicht erzählt. Nun packte ich aus: Es war entsetzlich gewesen. Essen, Essen, Essen überall und immer, egal ob Morgens, Halbmittags, Mittags, Nachmittags oder Abends. Eine Woche lang. Ich konnte am Ende nicht mehr, weil ich mich einfach nicht hatte zurückhalten können und so war ich eines Nachts mit furchtbar schlechtem Gewissen wieder nach Hause gekommen mit Plänen im Kopf für einen kommenden gaaaanz enthaltsamen Lebensstil. Aber anstatt nun sofort ins Bett zu fallen und mich auf die kommende schwere Zeit vorzubereiten, stolperte ich schnurstracks in die Küche. Praktisch durch

magische Anziehung. Intuition eines ohnehin schon wandelnden Kühlschrankes. Nur so, um mal zu schauen, ob sich etwas während meiner Abwesenheit verändert hatte. Ich glaubte natürlich nicht daran, aber als ich die Türschwelle überschritten hatte, da sah ich sie. Groß, formvollendet, braun wie alle Italienerinnen. Mit einem Traumgewicht von 750 Gramm und fast voll! Ja, woher wusste ich das? Genau, ich hatte meine Hände nicht mehr unter Kontrolle, fingerte an ihr herum.Aber so ging das nicht. Pfui, das war ja unanständig, so mit den Fingern in ihr. Ich brauchte einen Löffel! Und dann war es um uns geschehen. Wir in der Küche, die ganze Nacht vor uns. Ich war wie im Rausch. Es dauerte lange und als ich mich wieder unter Kontrolle hatte, wieder von ihr abließ, war es da: das schlechte Gewissen. Mit diesem und meinem Schokobauch kugelte ich mich nun in mein Bett. Jetzt ärgerte ich mich. Das gab es doch gar nicht. Wie konnte ich nur? „Das machst du jetzt nicht mehr, Marie! Lass die Anderen das Glas leeren und dick werden.“ Lange lag ich wach und organisierte: morgen Äpfel und Paprika. Übermorgen dann Karotten und am Montag vielleicht auch schon wieder Knäckebrot. Denkste. Am nächsten Tag ging es ebenso weiter, wie es aufgehört hatte: Nutella- Löffel-Rausch So ging das nicht weiter! Nicht nur ich, alle WG-Grazien klagten über ihre Figur und zu viel Nahrung in der Bude, dass sie nichts dagegen machen könnten und immer am Essen seien. Also schmiedete ich einen Plan ... Am nächsten Morgen musste ich früh aus dem Haus. Alle schliefen noch. Bevor ich jedoch die Wohnung verließ, ging ich noch einmal zum Tatort zurück. Ich visierte, packte und nahm sie mit nach unten, wo ich sie, nachdem ich ihren Plastikdeckel abgeschraubt hatte, in den Restmüll warf. Der Deckel landete sodann in der gelben Tonne. Wir waren fünf Personen zu Hause. Jeder hätte es gewesen sein können, hätte ich es geschafft zu leugnen. Am nächsten Tag habe ich dann ein neues 750-Gramm-Glas gekauft. Für teure 4,95 Euro. Aber ein letztes Mal noch verteidigte ich meine Aktion. Mein Edding half mir dabei: „dick!“, „Bikini?“, „Nana“, „Schwanger“. So ein Riesenglas hatte doch eine große Schreibfläche zu bieten und meine kleinen Drohungen wirkten: Jedenfalls wurde das originalverschlossene Glas lange Zeit nicht angerührt, bis, ja bis ich nicht mehr konnte und es anbrach. ilia


arvids kolumne

„Und da stehen sie wieder“ Die legendarische Genese einer Idee Von Arvid Hansmann „Mahlzeit!“ – „Mahlzeit. Wasser oder Sprite?“ – „Sprite. Danke.“ – „Bitte.“ „Servietten sind nicht mehr.“ – „OK. Kann man nichts machen.“ „Vorsicht!“ – „Oh! ’Schuldigung!“ – „Macht nichts.“ „Na, da ist er ja endlich.“ – „Das ist wirklich ein echter Kampf da durchzukommen.“ – „Ich will mal nicht so sein. Mein Rucksack kann ja auch unten stehen.“ – „Danke. Sehr großzügig! – Ach, endlich sitzen.“ „Das sieht ja mal wieder ziemlich einheitlich aus.“ – „Na was willst du sonst nehmen?“ – „Stimmt. An Ausgabe vier hätte ich mich auch nicht angestellt. Der Milchreis ist eigentlich ganz lecker, aber da wird man ja auch nicht satt.“ – „Man kann ja auch eine Schüssel nehmen.“ „Ist euch schon aufgefallen, dass die in letzter Zeit immer weniger Beilagen draufpacken?“ – „Ja, genau. Die Pommes scheinen sie wirklich schon abzuzählen und durch das Püree konnte man gestern auch den Teller sehen.“ - „Ja, ja. Überall muss gespart werden. Jetzt auch schon beim Essen.“ „Apropos sparen. Gestern war ja wieder so eine Senatssitzung. Da haben sie im Vorfeld wieder ordentlich demonstriert.“ – „Und du wieder mittendrin, oder was?“ – „Na ihr wolltet ja nicht mitkommen.“ – „Das ist doch alles nur Pillepalle. Solange ihr nicht anfangt, Mülltonnen anzuzünden und Autos umzuwerfen, brauche ich auch nicht mitzumachen.“ – „Oha! Das ist ein bisschen sehr

krass.“ – „Wieso? Denkst du, die Politiker schauen sich ernsthaft irgendwelche Transparente und Pappschilder an? Und auch die Leute selber werden bestimmt bald keinen Bock mehr haben, sich mit Trillerpfeifen irgendwo hinzustellen.“ „Aber das ist ja genau das Ding. Natürlich wollen die Politiker die DemoLeute nicht sehen. Deswegen ist es ja gerade wichtig, sie weiter zu nerven.“ – „Aber wenn man jemandem zu sehr auf den Geist geht, kann sich das auch negativ auswirken. Ich glaube, das bringt alles nichts.“ – „Ja, ich glaube auch. Wir sollten die „große Fächervielfalt“ nutzen, solange wir sie noch haben. Die ganzen Pläne gehen uns doch eigentlich eh‘ nichts mehr an.“ – „Oh, der alte Mann meldet sich auch mal zu Wort!“ – „Na, wer muss denn hier noch seine Scheine zusammenkriegen?“ „Moment mal! Wegen der großen Fächervielfalt. Vielleicht müssen wir den Spieß einfach umdrehen!“ – „Hä?“ – „Ich meine eine ‚Positiv-Kampagne’.“ – „Was für eine Kampagne?“ – „Vielleicht sollten wir nicht immer nur meckern, sondern den Leuten zeigen, was die Uni momentan alles zu bieten hat.“ – „Und wie willst du das machen? Willst du ein Foto in die Lange Straße hängen und drunter schreiben: ‚Ich studiere Ukrainistik, weil es das nur hier gibt.’?“ „Na wieso nicht? Man müsste vielleicht versuchen, ein breites Spektrum an Personen zu portraitieren, möglichst großformatig und vor allem in Farbe.“

„Also mich erinnert das irgendwie an diese komische ‚Du-bist-Deutschland’Sache.“ – „Ja genau. Da machen doch auch irgendwelche Klofrauen und Arbeiter genauso wie der Günther Jauch mit.“ – „Ja. ‚Du bist die Hand. Du bist 82 Millionen.’ Ganz toll.Wer sich das ausgedacht hat.“ – „Neulich habe ich gesehen: ‚Du bist das Huhn’.“ – „Ja, ja, ‚Huhn, Huhn, Runkel, Huhn ... Hör zu, Runkel, leih mir deine Zange...“ „Helge ist schon ’n Chef – aber mal im Ernst. Vom Prinzip her ist die Sache schon in Ordnung – ‚und was die können, können wir schon lange’. Wir müssen dem Abstraktum der Lehrstühle und Institute ein ‚Gesicht’ geben!“ – „Du meinst: ‚Ich bin der Professor Sowieso. Ich finde Greifswald soo toll. Bitte kürzt mich nicht weg!’?“ „Eigentlich meine ich genau das. Die Abstraktion und Verschleierung, die Rektor und Co. mit den Zahlen treiben, kann man so vielleicht aufbrechen. Wir brauchen ‚Ikonen’ die man dem Gegner schützend entgegenhalten kann.“ – „‚Ikonen’. Da spricht schon wieder der Kunsthistoriker.“ – „Ja, gut. Man denkt halt in solchen Kategorien.“ – „‚Die heilige Gottesmutter von Greifswald’“ – „Na du erst. Aber du kennst dich ja da in Russland besser aus als wir.“ – „Er hat recht. Genau solche ‚Galionsfiguren’ brauchen wir.“ „Es gibt doch genügend Leute, denen etwas daran liegen könnte, dass hier nicht alles den Bach runtergeht.“ – „Ja genau. Günther Grass kommt Hand in Hand mit der schwedischen Königin und sagt den Leuten: ‚Das ist aber gar nicht gut, was ihr hier macht!’“ – „Na warte mal ab, es ist ja noch ein halbes Jahr hin. ‚Man weiß nie was so passiert...’“ „So, nun sieh zu! Dein Essen wird kalt. – Wollen wir noch in die Cafeteria?“ – „Wieso nicht.“– „Ja. Ich beeile mich.“

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das greifswalder studentenmagazin Essen und Trinken november 2005 nr. 52 moritz testet: Brötchen, Kaffee und Cafés Ende der Geisteswissensch...

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