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Inhalt Contents

8.

12. 14.

On the Cover: Alonzo King Lines Ballet, Courtney Henry in Constellation © RJ Muna

PEOPLE MATTHEW BOURNE The 25th Birthday with his Re-Imagining of Ballet Classic Sleeping Beauty DIE LANGZEITDIREKTOREN Petipa, Balanchine, Béjart, Neumeier Regisseur Zhang Xian über Gleichförmigkeit und Roland Barthes China-Tagebuch

KOMPANIEN

16. ALONZO KING LINES BALLET 20. JASMIN VARDIMON COMPANY

BUCH

26. Xin Peng Wang

Der Meister des “Dortmunder Ballettwunders”

SPEZIAL

30. STEFAN SIXT SPEZIAL Tanzstudio gekauft, jetzt geht die Post ab!

32. SCHOOL FOCUS

Australian Ballet Schools

BALLROOM

35. Rumba

Tanz des Jahres 2013 www.danceforyou-magazine.com

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dance for you! magazine

Tanzpapst Walter Laird Ballett und Stage Dance erobern die Rumba Top-Trainer Christian Fahn über neuste Entwicklungen

impressum ISSN 1613-8988

PERFORMANCE 39. Switzerland’s new dance season 40. Xin Peng Wangs Traum der roten Kammer in Dortmund

41.

Goyo Monteros Faust in Nürnberg Mauro de Candias Incanto in Osnabrück

42. Silvana und Mario Schröder

machen mobil mit 27 und Eine Weihnachtsgeschichte in Gera und Leipzig

44. Helsinki Dance Company mit You make me im Theater im Pumpenhaus Münster

Herausgeber / Publisher: MIVI Verlag Rotkreuzstr. 58a 85435 Erding, Germany Tel. +49 (0)8122-8471 669 Fax +49 (0)8122-8471 670 www.danceforyou-magazine.com Redaktion / Editor: Mihaela Vieru, Isabell Steinböck Redaktion Ballroom: Ute Fischbach-Kirchgraber redaktion@danceforyou-magazine.com Ständige Korrespondenten, Permanent correspondents: Claudia Brufau, Allessandro Bizzotto, Volkmar Draeger, Julia Davies, Diana Dicker, Dagmar Ellen Fischer, Susanne Frost, Oliver Peter Graber, Ute Fischbach-Kirchgraber, Michael Crabb, Marieluise Jeitschko, Lucia Lacarra, Christine Lehmann, Vesna Mlakar, Diarmaid O´Meara, Jenifer Sarver, Stefan Sixt, Hartmut Regitz, Jane Simpson, Nicolae Vieru, Judith Cruickshank, Hans-Theodor Wohlfahrt Anzeigen/Advertising: ads@danceforyou-magazine.com

45. Christopher Wheeldons neue

Leser-Service, Info/ subscription, info Tel. +49 (0)8122-8471 669 Fax +49 (0)8122-8471 670 E-Mail: info@danceforyou-magazine.com

46. Sergej Vanaevs Schwanensee in

Abo online ganz einfach unter: www.danceforyou-magazine.com Abo & Service

Cinderella in Amsterdam Bremerhaven

47.

Bayerisches Staatsballett München: Forever Young

3.

Editorial Start-up und news

24.

Kalender – Performances

28. Schulindex 48.

News

Erscheinungsweise / frequency: Das Jahresabo (6 Ausgaben, Versandkostenfrei) kostet 36,00 € inkl. 7% MwSt. Weltweit kostet das Jahresabo 49,00 Euro, inkl. 7% MwSt. zzgl. Versandkosten. Bitte beachten Sie: Die Kündigung beträgt 6 Wochen zum Ende des Bezugszeitraums, ansonsten verlängert sich das Abonnement um ein Jahr. Die Kündigung bedarf der Schriftform (Post, Fax, E-Mail). Subscription: dance for you magazine is issued 6 times a year. The Subscription costs 36 Euro (Germany only) Worldwide 49 Euro (plus postage). The Subscription may be cancelled 6 weeks before the end of the year. Verkauf und Abo: MIVI Verlag, Buch- und Zeitschriftenhandel, Hoser & Mende KG in Stuttgart, Leserauskunft GmbH, HARRASSOWITZ GmbH & Co. KG in Wiesbaden. Verbreitung im In-und Ausland. Distributed: national and international Druckunterlagen und Anzeigenschluss: der 15. des Vormonats vor Erscheinung Printing data and deadline for adverts: the 15th of the previous month Nachdruck nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlages und unter voller Quellenangabe. Für eingesandte Manuskripte und Bildmaterialien, die nicht ausdrücklich angefordert wurden, übernimmt der Verlag keine Haftung. Die mit Namen gekennzeichneten Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Please do not send original photographic material by post. Photos sent by email need to be 300 dpi and should be clearly captioned in File Info. We cannot be held responsible for items which go astray in transit.

Fotos: Simon Annand, RJ Muna, Alastair Muir, Thomas Kirchgraber, Angela Sterling, Sakari Siika, Monika Ritterhaus

© MIVI Verlag • Alle Rechte vorbehalten.


januar / februar 2013

editorial

Nun beginnt sie wieder, die aufregende Zeit der Auditions – eine wichtige Bewerbungszeit für junge Tänzer, in die hoffentlich nur die wenigsten Kandidaten mutlos und verschüchtert hineingehen. Sicher, es ist leichter gesagt als getan, Tanzfreude und Persönlichkeit auszustrahlen, wenn man unter zahllosen Teilnehmern nur eine Nummer ist und womöglich schon nach den ersten Übungen aussortiert wird. Aber genau darum geht es, wenn man in Zeiten nie enden wollender Spardebatten an Theatern bestehen will. Mag die Pirouette auch mal unsauber sein, wenn der Ausdruck stimmt, lässt sich der ein oder andere Patzer verzeihen. Dasselbe gilt für Kreativität und Ideenreichtum, schließlich geben heute immer weniger Choreografen die Schritte genau vor, sondern erwarten von ihren Tänzern, dass sie sich einbringen, mit Freude alles geben und letztlich ein gutes Team bilden.

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MOVIMENTOS 2013

In diesem Sinne: Einen phantastischen Sprung ins neue Jahr, viel Energie und Begeisterung für das, was uns ja letztlich am Herzen liegt, wünscht Ihre dance for you Redaktion

Prof. Birgit Keil bleibt Ballettdirektorin des STAATSBALLETTS KARLSRUHE bis Sommer 2016

Prof. Birgit Keil © Frank Eppler

Klos leitet die einstige Primaballerina des Stuttgarter Balletts das Karlsruher Ensemble bereits im zehnten Jahr sehr erfolgreich. Seit der Spielzeit 2003/04 lenkt das Duo Keil/Klos die Geschicke des STAATSBALLETTS und hat auf dem von ihnen so benannten „Karlsruher Weg“ vor allem die individuellen Kapazitäten des Ensembles gefördert. Obwohl es mit knapp 30 Tänzerinnen und Tänzern zahlenmäßig nicht zu den großen Compagnien Deutschlands gehört, beherrscht das STAATSBALLETT das ganz große klassische, wie auch moderne Repertoire.

Vladimir Klos © Jochen Klenk

Erst kürzlich wurde dem Ballettensemble des STAATSTHEATERS KARLSRUHE der Titel des STAATSBALLETTS verliehen, jetzt unterzeichneten Birgit Keil und Vladimir Klos ihre Verlängerungsverträge bis zum Sommer 2016 und vereinbarten so mit Generalintendant Peter Spuhler eine weitere künstlerische Arbeit am STAATSTHEATER KARLSRUHE. Zusammen mit ihrem Stellvertretenden Ballettdirektor Prof. Vladimir

Dabei sind große, klassische Handlungsballette nur mit Unterstützung der AdT – der Akademie des Tanzes in Mannheim – möglich, deren Leitung ebenfalls bei Birgit Keil liegt. Durch ihre private Tanzstiftung verfügt Birgit Keil über die finanziellen Mittel, um den hervorragenden Nachwuchs aus aller Welt mit Stipendien nach Mannheim zu holen. Neben der Zusammenarbeit mit etablierten Choreografen fördert Birgit Keil nachdrücklich junge Choreografen. Zu ihren Entdeckungen zählen u.a. Terence Kohler, Thiago Bordin, Flavio Salamanka sowie Humberto Teixeira und Tim Plegge.

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Die Autostadt in Wolfsburg veranstaltet vom 2. April bis 5. Mai 2013 zum elften Mal die Movimentos Festwochen. Unter der Schirmherrschaft von Bernd Osterloh, Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzender der Volkswagen AG, treten Tanzensembles aus aller Welt mit zahlreichen Deutschlandpremieren sowie einer Europa- und einer Weltpremiere auf. Klassik-, Jazz- und Popkonzerte, szenische Lesungen und Theateraufführungen bringen große Künstlerpersönlichkeiten nach Wolfsburg, Braunschweig und Königslutter. Den Auftakt des Festivals gestalten die jungen Tänzer der Movimentos Akademie mit ihrer eigenen Produktion zum Festivalmotto „Toleranz“.

Das Landestheater Linz steht kurz vor der Eröffnung seiner neuen, langersehnten Spielstätte: des Musiktheaters am Volksgarten. Einzigartiges Konzept. Nebst seinen außergewöhnlichen technischen, architektonischen und ökologischen Beschaffenheiten, wartet das neue Musiktheater noch mit einer weiteren Besonderheit auf: Das Landestheater Linz wird um eine Musicalsparte mit eigenem Ensemble unter der Federführung von Matthias Davids erweitert! Im Zusammenspiel mit den schon bestehenden vier Sparten des Landestheaters werden mehrere Musical-Produktionen pro Saison erstellt. Erfahrungsschatz. In den vergangenen Jahren hat das Landestheater Linz Erfahrungen mit Projekten gesammelt, die Zukunft haben.

São Paulo Companhia de Danca; Coreographie: Bachiana No.1 © Wilian Aguiar

news


dance for you! magazine Mei Hong Lin: © Theater Linz

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MEI HONG LIN

ÜBERNIMMT DIE BALLETTDIREKTION AM LANDESTHEATER LINZ

Die Direktorin des Tanztheaters am Hessischen Staatstheater Darmstadt wechselt zur Spielzeit 2013/14 nach Linz in Oberösterreich. Damit tritt in der Eröffnungsphase des neuen Musiktheaters am Volksgarten eine Choreografin mit internationaler Erfahrung und Ausstrahlung an die Stelle von Jochen Ulrich, der Anfang November gestorben ist. Nicht zuletzt die kollegiale Verbundenheit zwischen den beiden Künstlern war ausschlaggebend für das Zustandekommen des Engagements. Mei Hong Lin wurde in Taiwan geboren und ließ sich dort zunächst in klassischem chinesischem Tanz ausbilden. Anschließend studierte sie in Rom und bei Pina Bausch in Essen an der Folkwang-

schule. Schon früh wurden ihre Choreografien, die in ihrer Heimat entstanden, nicht nur in Taipeh sondern auch in Hongkong und in den USA gezeigt. 1991/92 war sie erstmals Ballettchefin an einem deutschen Theater, in Plauen. Von 1997 bis 2002 leitete sie das Ballett der Städtischen Bühnen Dortmund, und seit 2004 ist sie Direktorin und Chefchoreografin am Staatstheater Darmstadt. Neben ihrer Tätigkeit als Tanztheaterchefin hat sie zahlreiche Ballettabende, Choreografien für Oper, Operette, Musical und Schauspiel geschaffen und sich als Regisseurin für Oper und Musical profiliert. Der Radius ihrer Arbeit ist inhaltlich und geographisch weit gespannt. So gastierte sie an Opernhäusern

The Göteborg Opera’s environmental work - a pioneer in Europe

wie in Toulon, Leipzig, Dresden, Göteborg und Madrid als Choreographin für Operninszenierungen. An der Staatsoperette Dresden startete sie erfolgreich die deutsche Erstaufführung des Musicals The Beautiful Game und auf den Erfurter Domstufen inszenierte sie eine spektakuläre Aufführung von Jesus Christ Superstar eben dieses Komponisten. Außerdem erreichte sie mit Glucks Orpheus und Eurydike, Bizets Carmen und der Grammy-gekrönten Oper Ainadamar von Osvaldo Golijov große Erfolge. 2011 und 2012 wurde Mei Hong Lin für ihre choreographischen Arbeiten Die Brautschminkerin und Romeo und Julia (in neuer Version) für den Deutschen Theaterpreis DER FAUST nominiert.

As the first opera house/theatre in the Nordic region and only the second in Europe, The Göteborg Opera‘s environmental work has been registered in compliance with the European Regulation on Environmental Management and Audit Schemes: EMAS. EMAS is based on ISO 14001 but sets stricter requirements for the scrutiny of environmental work. Since 2001, The Göteborg Opera has been doing continuous environmental work with the main purpose of constantly making improvements. It has a firm base in both the decision-making and executive sections, and permeates the entire organisation.

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has been promoted to the rank of Principal Dancer with American Ballet Theatre. The promotion, which becomes effective immediately, was announced by Artistic Director Kevin McKenzie. Simkin was born in Russia to ballet dancers Dmitrij Simkin and Olga Aleksandrova and was raised in Wiesbaden, Germany. From the age of six, Simkin often appeared onstage dancing alongside his father. He began his formal ballet training at age 10, under the direction of his mother. At age 12 he began participating in ballet competitions and galas around the world. After joined the Vienna State Opera Ballet as a demi-soloist in 2006 he danced his first principal role, Basilio in Don Quixote, as a guest with the Lithuanian National Opera. Simkin’s awards include First Prize at International Ballet Competitions in St. Pölten, Austria (2000); Vienna, Austria (2001); Perm, Russia (2004); and Varna, Bulgaria (2004), where he also won the Gold Medal. He won the Grand Prix at the International Ballet Competition in Vienna in 2004 and in Helsinki in 2005. In 2006, he won the Senior Gold Medal at the USA International Ballet Competition in Jackson, Mississippi. Simkin joined American Ballet Theatre as a Soloist in October 2008.

Stefan Sixt: DANCE 2012 Die Tanzstadt München hat mit ihrem Traditionsfestival DANCE im November 2012 einen Neuanfang definiert. Neue Kuratoren, ein verkürzter Zeitrahmen und der Anspruch, mit DANCE 2012 wieder in der Champions-League mitzuspielen. Keine leichte Aufgabe also für die Doppelspitze Nina Hümpel und Dieter Buroch, die unter dem Titel „zeigen was wichtig ist“ ein sinnliches Programm präsentieren wollten. Man hätte es sich denken können: In München, so meint zumindest die Münchner Tanzpresse, bestimmt immer noch die Münchner Tanzpresse was wichtig ist. Und das obwohl Feuilletons geschlossen werden, festangestellte Redakteure entlassen werden, und der Tanz in Münchner Zeitungen deshalb meist unter „Vermischtes“ abgerutscht ist. Zum Festival jedoch eroberten die alteingesessenen Autoren wieder Spaltenplatz zurück und schrieben was sie für wichtig oder weniger wichtig hielwww.danceforyou-magazine.com

ten. „Olle Kamellen“ war da unter anderem zu lesen. So einfach kann man große Namen respektlos verreißen. Dem Publikum hingegen hat‘s gefallen. Es drängte sich an den Kassenhäuschen, feierte spät nachts im Festivalzentrum und jubelte den Vorstellungen zu. Mit 90 % Auslastung und einer Verdoppelung der Publikumsnachfrage auf über 7500 zahlende Zuschauer hat das Duo Hümpel/Buroch eine neue Benchmark gesetzt. Und die heißt Publikumserfolg. Herzlichen Glückwunsch dazu, denn ohne Publikum hat der Tanz keine Zukunft. Ich hasse Vorstellungen, in denen ich die meisten Zuschauer bei Vornamen kenne. Deshalb werde ich dieses Thema in einem der nächsten Hefte als ‚Spezial‘ aufgreifen. Was das Münchner DANCE-Festival 2014 anbelangt freue ich mich jedenfalls schon jetzt auf alte und neue Kamellen, vor allen Dingen aber auf Tanz, Tanz und nochmals Tanz.


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Betsy Gregory announced that she will step down from the post of Artistic Director of Dance Umbrella next autumn, at the conclusion of the Dance Umbrella 2013 festival. She decided for personal reasons that the 2013 festival will be her last andsheI will step down as Artistic Director in November next year. By then, I will have completed 16 wonderful years at Dance Umbrella, seven of them as Artistic Director.

„The 2012 festival marked a major shift for Dance Umbrella, both artistically and organisationally. There were many firsts: this was the first time the festival programme was co-curated, the first time the festival was devoted to investigating a very particular ‘slice’ of what dance makers are doing right now, and the first time the festival has taken place almost entirely in a single venue, the new Platform Theatre at UAL’s Central Saint Martins College of Arts and Design. Houses were full and feedback from the audience was overwhelmingly positive.“ The 2013 festival will continue the trajectory of innovation: bringing the new; developing audiences and the art form; doing what others don’t. Next year we will return to a more expansive festival format, working with multiple partners across the city to present new work and collaborate on unique projects which would not happen otherwise. „Dance Umbrella will continue its work into the future, under the leadership of a new Artistic Director. We look forward to a wonderful 35th festival in 2013.” Dance Umbrella brings brave new dance to London. It thrives on the dynamism and openness of the city and brings together artists and events which surprise and thrill audiences of all kinds. It commissions, produces and presents dance events and each year stage one of the world’s leading international dance festivals. Dance Umbrella opens out the dance experience by presenting a range of affordable and free-to-view events in unusual spaces.

OLAF SCHMIDT WIRD 2013 LÜNEBURGER BALLETTDIREKTOR

Zur Spielzeit 2013/2014 bekommt das Theater Lüneburg einen neuen Ballettdirektor. Olaf Schmidt, bis Sommer 2012 Ballettdirektor am Theater Regensburg, übernimmt die Leitung der Sparte Tanz. Er tritt die Nachfolge von Francisco Sanchez Martinez an. Sanchez Martinez hatte 2010 das Ensemble übernommen, das derzeit aus vier Tänzerinnen und vier Tänzern besteht. „Ich freue mich sehr, dass wir mit Olaf Schmidt einen so erfahrenen und vielseitigen neuen Ballettdirektor gewinnen konnten,“ sagt Intendant Hajo Fouquet. Neben dem neuen Musikdirektor Thomas Dorsch ist Olaf Schmidt damit ab der nächsten Spielzeit das zweite neue Gesicht im Team von Hajo Fouquet, der kürzlich seinen Intendantenvertrag bis 2019 verlängert hat. BIO Olaf Schmidt studierte zunächst in seiner Heimatstadt Berlin Sport und Biologie, bevor er sich 1984-87 an der Ballettakademie Hans Vogel in Berlin zum Tänzer ausbilden ließ. Daneben arbeitete er als Tänzer und Schauspieler an der Freien Volksbühne Berlin. 1987-88 folgte ein Engagement am Bremer Theater sowie als Tänzer am Stadttheater Bern (1988-90). Es folgten Engagements als Solotänzer am Ulmer Theater (1990-91) und am Nationaltheater Mannheim unter Philippe Talard (1991-92). Schon früh begann Olaf Schmidt auch als Choreograf zu arbeiten. Von 1992

Olaf Schmidt © J. Zitzlsperger (www.neverflash.com)

bis 1997 wirkte er als Choreograph und Ballettdirektor am Pfalztheater Kaiserslautern. In derselben Position ging er anschließend ans Badische Staatstheater Karlsruhe. Im Anschluss an das Karlsruher Engagement arbeitete er vier Jahre frei als Tänzer, Ballettmeister und Choreograph in Brasilien, bei der Lisa Torun Company in London, in Zaragoza, an der Oper Bonn und am Nationaltheater Mannheim. Als Gastchoreograph arbeitete er an der Guangdong Modern Dance Company (China), am Theatro Amazonas in Manaus (Brasilien), am Ballet de Zaragoza (Spanien), bei den IMPERFECT Dancern (Italien), an der CIA. Sociedade Masculina und am Bale da Cidade in Sao Paulo. Seit Beginn der Spielzeit 2004/2005 war Olaf Schmidt Ballettdirektor am Theater Regensburg. Seine Ballette dort (u.a. Ein Sommernachtstraum, Dornröschen, Mozart – Requiem, Endstation Tennessee, Orlando – Zwei Biografien, Schwanensee, Der Spiegel im Spiegel, Hundert Jahre Einsamkeit, Die Geschichte Lilith, Romeo und Julia und Nussknacker) waren jeweils Uraufführungen, die er speziell für das Regensburger Ballettensemble entwickelt hat. Unter seiner Leitung und mit seinen Choreographien verschaffte er dem oberpfälzischen Tanzensemble überregional Glanz und sorgte für exzellente Auslastungszahlen. Mit dem Intendantenwechsel 2012 wurde sein Vertrag nicht verlängert.


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Twelve Ballet Dancers Make Genée International Ballet Competition Final

Twelve young dancers, ten female and two male, have been named as Finalists of the Royal Academy of Dance’s (RAD) prestigious Genée International Ballet Competition.

Gold medallists Montana Rubin and Aurelian Child-de-Brocas © Evan Li

In Wellington on Wednesday 12 and Thursday 13 December, 71 Semi-finalists from all over the world competed against one another in what is often referred to as the ‘Olympics of ballet’. The chosen Finalists will now compete for gold, silver and bronze medals on the evening of Saturday 15 December at the St James Theatre in Wellington, New Zealand.

This is the first time the annual competition has been held in New Zealand. The event has previously been staged in Sydney, Athens, London, Singapore, Hong Kong, Toronto and Cape Town. The Genée is a stepping-stone to a professional career in ballet according to RAD president and British ballet superstar, Darcey Bussell: ‚For dancers who aspire to turn their passion into a profession, the experience of competing internationally is very important. Ballet is extremely competitive and dancers who are serious about a career need to not just have the technical and artistic ability but also the drive and stamina to go all the way. Competitors in the Genée have the bonus of being judged by Artistic Directors from top ballet companies, and as a result many of the medallists are offered contracts. Past winners have gone onto join many of the best ballet companies in the world.‘

Finalists will perform in front of a judging panel of top international ballet professionals, including: Artistic Director of Queensland Ballet and author of Mao‘s Last Dancer, Li Cunxin; Artistic Director of Australian Ballet, David McAllister; and Artistic Director of Scottish Ballet, Christopher Hampson.

Anna Grip to leave Cullberg Ballet next summer Anna Grip, Artistic Director at Cullberg Ballet, is opting to leave her post when her appointment expires next summer. Riksteatern, The Swedish National Touring Theatre, of which Cullberg Ballet is a part, is now beginning recruitment for a new Artistic Director.

Anna Grip came to Cullberg Ballet in 2006 as Ensemble Manager. In the summer of 2008 she took over as Acting Artistic Director when Johan Inger left, and since January 2010 she has been the company’s Artistic Director. During her time at Cullberg Ballet, Anna Grip has invited several choreographers to create works for both the big and small stage. She has also broadened the work of the company www.danceforyou-magazine.com

to include site-specific works and works for settings other than the traditional stage. Under Grip’s management, the company has taken steps to invest in future generations of dancers, choreographers and audiences, and today it offers places on a training programme to students including those in their final year.

The 2012 Genée International Ballet Competition Finalists. Photo: Evan Li.

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MATTHEW BOURNE Celebrates the 25th Birthday of New Adventures with his ReImagining of Ballet Classic Sleeping Beauty.

Š Simon Annand

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Diana Dicker saw the world premiere of Sleeping Beauty at Plymouth Theatre Royal on 7th November, 2012 before it launched on an international tour throughout Britain until May 2013 then heading to Italy and Moscow. www.danceforyou-magazine.com


people

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The Company of Matthew Bourne’s Sleeping Beauty, © Simon Annand

M

The company is renowned for its family atmosphere. “I love those people (the dancers),” says Bourne. “I love nurturing that talent, especially in the beginning of their careers.”

“After 25 years I looked at this anniversary year and revived my earliest pieces which I used to dance and were made on my own body,” Bourne says.

And the dancers love him and many stay for their dancing lives and beyond including Mikah Smillie, now based in Scotland, a dancer with Bourne for 10 years, who documents the company photographically and returning to perform in the recent revival of Highland Fling (La Sylphide).

atthew Bourne celebrated the silver jubilee of his New Adventures dance companies during 2012. But he did not rest on any laurels for this 25th birthday. The anniversary year launched with a revival of his earlier, shorter works and the finale was a fresh look, with new dance language from Bourne, at Sleeping Beauty.

And the new work is inspired by the bodies of his dancers with a mix of ballet, contemporary and musical theatre training. “I look for something different (in my dancers) not a perfect body or technique but passion – that little bit extra, bit of magic,” says Bourne. “I like individuality with all sizes and shapes, not clones, like ordinary people.”

According to Bourne, “I love working with the company and the family of dancers. It is a privilege to have a company. And I still get enormous pleasure form the work we do together.” Sleeping Beauty was created while the company was on tour with the revival trilogy so Bourne was www.danceforyou-magazine.com


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“in working mode and so busy and it was less nerve wracking to be creative. Looking at my early work I saw my language and was proud of it. It made me fearless.” It was while visiting Tchaikovsky’s rural retreat at Kiln, outside Moscow, that Bourne was inspired to return to the classic ballet music composer for his own radical version of Sleeping Beauty. And the silver birches seen from Tchaikovsky’s bedroom window are integrated into the woodland set. This new work completes Bourne’s re-working of ballet’s beloved trio of masterworks with Nutcracker, created in 1992 and revived for its 20th anniversary, and Swan Lake, Bourne’s international signature piece.

Sleeping Beauty has more pure dancing than most New Adventures shows with each of the three eras dictating the movement style. A classic love-conquers-all tale, the story is driven by the score. Always a consummate showman, Bourne brings vibrant life and unusual interpretation to Petipa’s classic work – but the variations are highly recognisable. The prince metamorphoses into Leo, the gamekeeper, who loves Aurora before the sleeping curse kicks in. Count Lilac, King of Fairies, is a vampire and his bite keeps Leo and his love alive for eternity so he is there to kiss his beloved awake

Christopher Marney as Count Lilac in Matthew Bourne’s Sleeping Beauty © Simon Annand

Dominic North as Leo and Hannah Vassallo as Aurora in Matthew Bourne’s Sleeping Beauty © Simon Annand

He draws on Perrault’s timeless fairy tale of the young Aurora cursed to sleep for 100 years and a supernatural love story that inspired the original 1890 ballet. Bourne’s gothic romance follows the

traditional three acts. The first is the Christening, a gothic fantasy of fairies and vampires with a dance and design style reminiscent of the Russian ballet. The coming of age second act bathes in the glory of the Edwardian era with waltz and cake wake inspiration from Bourne’s idol, Fred Astaire. And the ballet concludes in the present day with Bourne’s iconic funky high heels and red dresses.

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The Company of Matthew Bourne’s Sleeping Beauty, © Simon Annand

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100 years later. The fairies transmute into Ardor, Fairy of Passion; Hibernia, Fairy of Rebirth; Autumnus, Fairy of Plenty; Feral, the Fairy of Spirit; and Tantrum, Fairy of Temperament. The evil Carabosse now has a sinister son, Caradoc. This is a small cast challenging the dancers with multi-parts and quick changes. The male lead has moments to transpose from puppeteer to dancer and the flouncy fairies have four minutes to get into garden party frocks. New Adventures uniquely survives as a semi-commercial company with some funding and if current economics demand cut-backs in dancers it inspires artistic creativity in Bourne, “We have to be cleverer to make it work,” he says. “And the dancers love being busy!” Unusual on the London dance scene, the company draws primarily on British born or UK trained dancers such as Liam Mower, original child star in Billy Elliott, whose stunning fifth variation, better known as the pointy Finger f-Fairy, with reference to Petipa reveals his Royal Ballet School training. Apart from Twilight, the piece is free of Bourne’s trademark nod to the movies. But there is self ref-

erence with the ravens as the black version of his feathered swans. Classical ballet is honoured, if Bournesized, with Giselle mad scene moment, tragic rose adagio and characteristic Petipa motifs. Stunning period costumes and set design, including a moving Travelator pavement gliding dancers along in a mystical way, are the creation of longtime collaborator Lez Brotherston. Sleeping Beauty: A Gothic Romance has a clear narrative similar to the familiar fairy tale with a unique view and dance language. According to Bourne, “it takes a long time to create a new work (about a year). When it is done I always think it’s my last and all my ideas have been done then a few months later I’ll be browsing bookshops and a new idea will come.” And his audience is ready, waiting and interested in his new ideas as they come to stages around the world. Bourne is in the habit of opening new shows in Plymouth, Devon. And at this premier the audience were on their feet howling for more. “We love our audiences,” Bourne says, “and love to make them happy.”

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DIE LANGZEITDIREKTOREN Von Dagmar Ellen Fischer

George Balanchine, The George Balanchine Trust

New York City 1935 bis 1983

Als Georgi Balantchiwadse kam er 1904 in St. Petersburg zur Welt, an der Kaiserlichen Ballett-Akademie wurde er ausgebildet, machte 1921 sein Examen. Ein Jahr später trat er als Choreograf in Erscheinung, eckte jedoch häufig bei seinen traditionalistischen Vorgesetzten an. Während einer DeutschlandTournee tanzte er 1924 Serge Diaghilew vor und blieb bei dessen „Ballets Russes“ im Westen. Zehn Jahre später lud Lincoln Kirstein ihn in die USA ein, und 1935 gab das „American Ballet“ sein Debüt in New York City. Nur ein Jahr danach wurde das Ensemble an die Metropolitan Opera engagiert, mit Balanchine als Chefchoreografen. Über Zwischenstationen entstand 1948 das „New York City Ballet“. Die Musik war für Balanchine zentrale Inspirationsquelle, auf Handlung und Bühnenbild verzichtete er gern; Kostüme verschwanden zugunsten von Trikots. Er gilt als Meister des abstrakten Balletts, Purismus und klare Linien kennzeichnen seinen Stil, den Neoklassizismus. Sein Satz „Ballet is a Woman“ ist so legendär wie die Tatsache, dass er sich regelmäßig in seine Ballerinen verliebte und vier von ihnen heiratete. Durch ihn taucht Nordamerika als ernst zu nehmende Größe in der internationalen Ballettwelt auf. Œvre: Ca. 425 Choreografien, u.a. „Serenade“ 1934, „Theme and Variations“ 1947, „Episodes“ 1959, „Jewels“ 1967 sowie Musicals und Operninszenierungen.

Divertimento No. 15 New York City Ballet © Paul Kolnik

1818 in eine Tänzerfamilie geboren, erhielt er von seinem Vater Jean Antoine Unterricht und trat in dessen Balletten auf; schon als Tänzer begann er zu choreografieren. Ob die revolutionären Unruhen in Frankreich oder sein geringer Erfolg als Tänzer Grund für die Auswanderung nach Russland war, bleibt ungewiss; Tatsache ist, der Hof des Zaren in St. Petersburg bot attraktive, weil stabile Arbeitsbedingungen für Künstler. Petipa begann dort 1847 als Solist, avancierte zum Assistenten des Ballettmeisters und gab 1855 sein Debut als Choreograf. Er stieg auf der Karriereleiter stetig nach oben, heiratete zwei russische Tänzerinnen und entwickelte aus seinem französischen Erbe und den Einflüssen italienischer Ballettmeister den als russische Schule bekannten Stil: Die Ballerina steht im Zentrum des Werks, das einen Wechsel aus pantomimisch vermittelter Handlung und virtuos getanzten Sequenzen zeigt, erweitert um Charaktertänze. Höhepunkt der aufwändig ausgestatteten Petipa-Ballette war der (Grand) Pas de deux, der die technischen Fertigkeiten der Protagonisten präsentiert. Legendär war die Zusammenarbeit mit Tschaikowsky, dem er präzise Vorgaben zu Tempi, Takt und Dauer der zu komponierenden Musik machte. Marius Petipa bediente perfekt den Geschmack der russischen Zarenfamilie und eines adeligen Publikums bis zu seinem unfreiwilligen Rückzug. Œvre: Ca. 50 Ballette, u.a. „Don Quixote“ 1869, „La Bayadére“ 1877, „Dornröschen“ 1890, „Schwanensee“ 1895 (mit Lew Iwanow), „Raymonda“ 1898. Szene aus “Raymonda” im Marien-Theater, St. Petersburg 1898, Gravure 2. Marius Petipa im Jahr 1898, Fotografie

„Hamburg Ballett“. Länger als er hielten es nur drei historische Größen mit einem Ensemble aus: Marius Petipa, George Balanchine und

George Balanchine

St. Peterburg 1855 bis 1904.

Eberhard Rebling (Hg.), Marius Petipa - Meister des klassischen Balletts. Selbstzeugnisse, Dokumente, Erinnerungen, Wilhelmshaven 1980

Marius Petipa

John Neumeier ist der dienstälteste aktive Ballettdirektor weltweit, in der aktuellen Spielzeit feiert er das 40-jährige Jubiläum mit seinem

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Maurice Béjart.* Die Vier haben mehr gemeinsam, als man denkt; sie alle schreiben nicht nur als leitende, sondern auch als choreografierende Chefs ihrer Truppe Tanzgeschichte. Damit wirken sie stilbildend auf das Profil des Genre Ballett ein. Und der große Erfolg stellte sich für alle vier nicht im Heimatland ein: Der

Compagnie leitete, ab 1973 das „Hamburg Ballett“ aufbaute. Und wo sind die Unterschiede zwischen den Langzeitdirektoren?

* August Bournonville wirkte auch über 40 Jahre in Kopenhagen, allerdings mit Unterbrechungen

John Neumeier

John Neumeier © Steven Haberland

1927 in Marseille als Maurice-Jean Berger geboren, debütierte er im Alter von 14 Jahren an der Pariser Oper. Die erste Choreografie entstand 1951 mit „L’Inconnu“; „Le Sacre du Printemps“ führte 1959 zur Gründung des „Ballet du XXième Siècle“ in Brüssel. Béjart etablierte ein „spectacle total“, ein Gesamtkunstwerk, in dem neben Ballett auch Tanztechniken anderer Kulturen zum Einsatz kommen sowie gesprochene Worte und weitere Elemente des Theaters, auch des Musiktheaters. Richard Wagner inspirierte ihn besonders, aber auch zeitgenössische und atonale Kompositionen begleiteten seine Inszenierungen. Ohne Berührungsängste bediente sich Béjart bei Stilen und Genres, was ihm 1998 eine Plagiatsklage einbrachte. Bei ihm steht der männliche Tänzer im Mittelpunkt, der auch in Jeans auftreten darf – ein Novum in den 1960er Jahren. Auch wenn er (meist) keine Geschichten im üblichen Sinn erzählt, kreisen seine Werke um thematische Schwerpunkte, machen mitunter auch vor Mystik und Pathos nicht halt. Mit seinen sinnlichen Inszenierungen gewann er ein neues, junges Publikum für Ballett als Bühnenkunst – keine andere Compagnie habe die internationale Ballettszene nachhaltiger beeinflusst, so der Ballettkritiker Horst Koegler. Œvre: Ca. 250 Werke, u.a. „Symphonie pour un homme seul“ 1955, „Bolero“ 1961, „Messe pour le temps présent“ 1967, „Bhakti“ 1968, „Nijinsky, Clown Gottes“ 1972, „Notre Faust“ 1975, „Ring um den Ring“ 1990.

Der heute über 70-jährige Choreograf und Ballettintendant kam als Student aus der nordamerikanischen Provinz nach Europa, um Tänzer zu werden. Ab 1963 gehörte er zum Stuttgarter Ballett unter John Cranko, dessen Matineen „Junge Choreographen“ boten ihm eine erste Plattform. 1973 übernahm er das Ballett der Hamburgischen Staatsoper. Untypisch für seine Generation, kreierte er abendfüllende Handlungsballette, allerdings mit einer bis dahin nicht gesehenen Feinabstimmung bei der psychologischen Figurenzeichnung – seine Choreografien brauchen Tänzer-Darsteller. Oft liegt Literatur diesen erzählenden Werken zugrunde, von Shakespeare oder Dumas, Tennessee Williams oder Thomas Mann. Konsequent zum Bekenntnis, „Tänzer und Christ“ zu sein, schuf Neumeier Werke zu geistlicher Musik, die bis dahin als untanzbar galt, so beispielsweise J. S. Bachs „Matthäus-Passion“. Ein neues Genre etablierte er, indem er ganzen Sinfonien eine tänzerische Ebene hinzufügte, weder abstrakt noch narrativ gestaltet, sondern atmosphärisch ergänzt. Zu Gustav Mahlers Werk besteht hier eine besondere Beziehung: Neumeier choreografierte sämtliche Sinfonien des Komponisten, die „Dritte Sinfonie“ wurde zum Signaturstück der Compagnie. Œvre: Ca. 150 Ballette, u.a. „Dritte Sinfonie von Gustav Mahler“ 1975, „Die Kameliendame“ 1978, „Matthäus-Passion“ 1981, „Othello“ 1985, „Odyssee“ 1995, „Die kleine Meerjungfrau“ 2007. Matthäus-Passion Chr. John Neumeier © Holger Badekow

Hamburg seit 1973

Maurice Béjart © Béjart Ballet Lausanne

Brüssel und Lausanne 1959 bis 2007

Nicolas le Riche in Bolero © Béjart Ballet Lausanne

Maurice Béjart

aus Marseille stammende Petipa machte in St. Petersburg Karriere; der Russe Balanchine wanderte in die USA aus; der Franzose Béjart gründete sein Ensemble in Belgien, verlagerte den Standort später in die Schweiz; und der US-Amerikaner Neumeier übersiedelte nach Deutschland, wo er zunächst in Frankfurt eine

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Masse Mensch

Von Isabell Steinböck

„Stupid, Dance!“ : Regisseur Zhang Xian von „Zuhe Niao“ aus Shanghai über Gleichförmigkeit und Roland Barthes China-Tagebuch

Massenparaden sind auf einen Gaze-Vorhang projiziert, schwarz-weiß gedrehte Filme, in denen unzählige Paare chinesische Volkstänze zeigen, Flaggen hissen, Tücher schwenken – Mao lässt grüßen. Das Performancekollektiv „Zuhe Niao“ aus Shanghai bringt Gleichförmigkeit auf die Bühne und konterkariert sie sogleich. Im „Theater im Pumpenhaus“, Münster, feierte „Stupid, Dance!“ Premiere, eine Koproduktion vom tanzhaus nrw und chin-A-moves, Düsseldorf. Zhang Xian leitet sein „Niao Kollektiv“ in Shanghai außerhalb des reglementierten Kulturbetriebs und ist dafür bekannt, mit seinen Stücken soziale, politische oder kollektive Strukturen zu hinterfragen. Bevor Zhang Xian die Kompagnie 2005 gründete, schrieb er Theaterstücke, litt jedoch beständig unter der staatlichen Zensur. „Nach 20 Jahren habe ich mich deshalb entschlossen, Tanztheater zu machen“, sagt Zhang Xian. „Wenn man keine Worte gebraucht, ist man künstlerisch freier.“ Dennoch gibt es auch in „Stupid, Dance!“

Texte, Zitate aus Tagebüchern des französischen Philosophen und Schriftstellers Roland Barthes. „Carnets du voyage en Chine“ spiegeln Impressionen einer Chinareise, die Barthes in den 1970er Jahren unternahm. Wie in den Szenen zuvor, geht es auch hier um Gleichförmigkeit, die das fünfköpfige Ensemble hinter und vor dem Vorhang, auf den die Zitate im Original und in Übersetzung projiziert sind, immer wieder aufs Neue lächerlich macht. Etwa, wenn Zhang Xian seine Künstler mit militärischer Attitüde Cha-Cha-Cha tanzen oder mit gebeugten Oberkörpern auf der Stelle treten lässt; kreischend und kichernd, wirken sie wie Comicfiguren. Formal interessiert den Regisseur auch das Bildhafte dieser Texte: „Deshalb habe ich diese auf die Bühne projiziert und lasse die Darsteller hinter einem Gazevorhang - in der Enge - agieren“. Auf diese Weise gelingen Abbilder von Texten, mal eins zu eins, mal interpretiert durch Bewegung, Kostüme und Mimik, die für uns Europäer nicht immer leicht zu entschlüsseln sind. Zhang

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Xian selbst windet sich verständlicherweise um eine Aussage, auch wenn er sagt, dass der Philosoph das Wesen Chinas tief erfasst habe: „Die Bedeutung soll das Publikum selbst für sich herausfinden.“ Zur Kompagnie gehören neben Tänzern und Schauspielern auch Medienkünstler und Musiker. Von ihren Auftritten zu leben, sei unmöglich, so der Regisseur, zumal der zeitgenössische Tanz in China noch in den Kinderschuhen stecke: „Wenn man bei uns eine Tanzkompagnie gründet, muss man sich kommerziell registrieren lassen. Wir haben uns dagegen entschlossen, tief in den Untergrund zu gehen, als unabhängige, illegale Künstlergruppe. So werden wir auch nicht staatlich gefördert.“ Doch Geld sei ohnehin nicht der Motivator, auf die Bühne zu gehen, sagt der Regisseur: „Die Kunst ist Teil unseres Lebens, macht uns glücklich und hilft uns, zu überleben.“ Ihr Brot verdienen die Performer als Journalisten, Architekten, als einfache Arbeiter oder, wie er selbst, als Lektor, Lehrer und Drehbuch-Schreiber für TV-Serien. Performances zeigen die Künstler nach der Arbeit, in Form von sozialem Theater: open-air, in der Universität oder privat, zu Hause, in Clubs, in der Metro oder im Bahnhof - wenn sie nicht gerade durch Deutschland touren. Bemerkenswert in Zhang Xians aktueller Produktion ist der Einsatz von Medientechnik, die auch originelle, witzige Momente zulässt. Etwa, wenn ein Ballett mit

Hilfe eines Projektors verändert, auf die Gazewand geworfen wird. Da robben plötzlich überdimensionale Spielzeugraupen übers Bild, Nischen werden aufgemalt oder wilde Kreise, stellvertretend für die Dynamik des Tanzes, die hier kaum zu interessieren scheint. Ästhetik, und sei sie noch so schön, bekommt letztlich den Ausdruck des Starren, Einheitlichen. Die Persönlichkeit des Einzelnen findet sich nur im privaten Raum, wenn die Künstler, in Nahaufnahme gefilmt, zu sehen sind. Auf der öffentlichen Bühne müssen sie sich beugen, mitunter gar eine Halskrause tragen, wie Hunde – beängstigend.


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EXZELLENT IN CHOREOGRAFIE UND TANZ DAS ALONZO KING LINES BALLETT GASTIERTE IM PFALZBAU LUDWIGSHAFEN Victor Mateos Arellano in Resin © RJ Muna

Von Volkmar Draeger

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der Ensembles weltweit finden, andere durch Europas Festivals tourten. Dank seinem expressiven Personalstil, einem durch Jazz und Modern Dance erweiterten, neoklassisch von immenser Dichte, Brillanz, Virtuosität, ohne je in bloße Artistik abzudriften, ausgeführt mit rasantem Tempo, gehört das Alonzo King LINES Ballet als Tanzbotschafter aus San Francisco zu den innovativsten Gruppen Nordamerikas. Ende 2012 hatte „Constellation“ Premiere. Für die halbstündige Arbeit wirkte King mit dem Lichtdesigner Jim Campbell zusammen. Der entwarf eine reizvoll sich verändernde Bühne aus Beleuchtungseffekten. Sechs grüne Irrlichter schweben über einem grün schimmernden Boden. Einzeln greifen sich Tänzer Lampen, beziehen sie in ihre geschmeidige Aktion ein, bis sich der Schleier vor dem Hintergrund hebt, dort

Victor Mateos Arellano in Resin © RJ Muna

elch eine Company: originelle Choreografien, Zusammenwirken von Tanz mit anderen Künsten, eine exzellente Tänzermann-schaft aus formidablen Solisten. Gerade ist bei Arthaus Mu-sik zum 30-jährigen Bestehen eine DVD mit drei neueren Arbeiten von Alonzo King erschienen. Im Pfalzbau Ludwigshafen gastierte die Gruppe selbst. Gegründet wurde sie 1982 von Alonzo King, dessen Familie sich gegen Rassendiskriminierung engagierte und der bedeutende Institute wie Harkness School, Alvin Ailey Dance School, School of American Ballet absolvierte, und der in der Harkness Youth Company, im Alvin Ailey American Dance Theatre, im Dance Theatre of Harlem, nach der Rückkehr aus Europa bei Bella Lewitzky in Los Angeles tanzte. Mehr als 100 Werke hat er für seine Company kreiert, von denen sich einige auch im Repertoire führen-

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Victor Mateos Arellano in Resin © RJ Muna

ein quadratisches Lämpchenraster aufleuchtet, dessen Lichter sich flimmernd verändern, bisweilen einen Vogelzug simulieren. Auf all diese Lichtspiele reagieren die je fünf Frauen und Männer mit so präzisen wie plastischen Soli, die einander ablösen, ineinander übergehen, manchmal interagieren, stets jedoch von atemberaubend souveränem Umgang mit dem Körper künden. Was die Tänzer zu Solos, kämpferischen Duos, intensiven Trios treibt, mit weiten Schrittausfällen, peitschend geworfenen Beinen, flinken Touren bei aus der Achse ausgelenktem Kopf, den Körperverschränkungen und Ferndialogen, ist eine ungewöhnliche Musikcollage. Gesänge der russisch orthodoxen Kirche stoßen auf elektronische Klänge, ein Richard-Strauss-Lied, Arvo-Pärt-Klavierimpressionen und, im Finale, eine barocke Duett-Arie von Antonio Vivaldi. Was das Tänzerpaar dazu an Ringkampf, Verstrickung, wechselseitiger Abhängigkeit zelebriert, in engem Körperkontakt und mit Schleuderformen wie aus dem Eiskunstlauf, macht ihr Duo zum Kernstück von „Constellati-on“ als einer intimen Begegnung mit dem Raum und auch mit Religion.

grane Bewegungsgebilde an, als habe jeder auf seinem Weg in die Diaspora höchst individuelle Erfahrungen gesammelt. Vibrierend energetisch vollzieht sich das, doch nirgendwo mit forciertem Tempo. Kaum je tanzen die fünf Männer, sechs Frauen synchron; immer wieder kommt es zu körperdichten Zwiegesprächen in Kings Erfindungspracht. In den steten Bewegungsfluss hinein rieselt der Sand der Zeit, der sich zur bühnenbreiten Kaskade ausweitet, den Boden körnt. Über den Duos im Hintergrund und dem Diskurs eines Paars vorn fällt der Vorhang, die Wanderung aber geht weiter. Mit Zitaten, etwa indischen Tanzes, bringt King hier wieder Weltkulturen zusammen, vermittelt durch Tänzer, deren exorbitanter Technik nichts unmöglich scheint.

Mit fast 60 Minuten etwas lang, fällt „Resin“ von 2011 aus, was „Harz“ meint und sich traditionelle sephardische Musik zur Basis erwählt hat, Musik jener Juden, die sich seit der Vertreibung von der iberischen Halbinsel nach 1500 in ganz Europa angesiedelt haben. Klagvoll ist, was sie spielen und in vielen Sprachen, meist indes Hebräisch, singen. Wieder hat Robert Rosenwasser knappe Kostüme, Slips für die Männer, Bodys für die Frauen, entworfen, die bestens zur Geltung bringen, was King vermitteln will. Einem weißen Stoffkokon entschlüpft ein Mann, bewegt sich organisch und ruckfrei in eine fremde Welt hinein. Wie ein Endlosfries schließen sich, unangestrengt, mit überdehnter, dann jäh abbrechender Körperlinie und grundiert von jeweils andersfarbigem Licht, fili-

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Constellation © Margot Moritz

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EXZELLENT, AUCH IN DER AUSBILDUNG

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(schriftlicher Ausdruck), Sprechen und Rhetorik, Mathematik, Anatomie / Kinesiologie, Sozialwissenschaften, Ethik und ein Kulturelles Erbe - Kolloquium.

Der Unterricht findet sowohl in San Rafael wie auch in San Francisco statt. Der Lehrplan umfasst Ballett, modernen Tanz, Volkstanz, Gyrotonic ® / Gyrokinesis ®, Tanzgeschichte, Improvisation, Komposition, Schlagzeug, expository

Ein wesentlicher Teil eines jeden Semesters nimmt das Studium der Choreografien von Alonzo King ein. Choreografen aus der Tanz Community und aus dem Ausland werden eingeladen, Werke für die Studenten zu entwickeln und ihre Erfahrungen weiter zu geben. Höhepunkt der kreativen Arbeit dieses Programms ist ein sogenanntes „Senior Project“. Aufbauend auf die vermittelten Kenntnisse und Fähigkeiten, entwickeln Studierende ein choreografisches Werk, das in einer öffentlichen Veranstaltung vorgestellt wird. Alles in allem bietet der Vier-Jahres-Bachelor of Fine Arts - Studiengang durch seine hervorragende künstlerische und akademische Ausbildung eine beispiellose Gelegenheit, sich als Künstler und als Mensch zu entdecken.

er Clou: Die Dominican University of California und Alonzo King LINES Ballet School bietet seit 2006 ein einzigartiges gemeinsames, pädagogisches und künstlerisches Ausbildungsprogramm, das mit einem Bachelor of Fine Arts (BFA) in Dance endet. Das Programm vereint eine intensive Ballettausbildung mit Improvisation und Komposition. Die Direktorin des BFA-Programms, Marina Hotchkiss, ist der Ansicht, dass in der professionellen Welt des Tanzes, eine breite Palette von Fähigkeiten und Wissen gefordert sei. Heutige Ballett-Tänzer müssten auch improvisieren können und sich an kreativen Prozessen des Tanzes beteiligen, in größerem Maße als je zuvor.

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Jasmin Vardimon © Alstair Muir

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Jasmin Vardimon Company and new work Freedom

By Diana Dicker

Jasmin Vardimon is British-based, Israeli-born, creating provocative and quirky dance theatre with a daring physicality. Her dance language style is Pilates meets army gym instructor and, artistically, she is the “daughter” of Pina Baush. The company was founded in 1997; she is an Artistic Associate at Sadlers Wells and the Guest Artistic Director for the National Youth Dance Company 2013. In 2012 she opened a new permanent production space in a leisure centre in Ashford, Kent which is both the working home of the company and an educational training centre awarding a Professional Development Certificate. And her www.danceforyou-magazine.com

current show is the first to be created in the luxury of having a dedicated studio and being able to stay in one place to work on creating a piece. Passionate and political, her new work, Freedom, explores freeing the imagination and includes animation and nudity. Her choreography is inspired by exploring the human condition and how people make sense of their experiences. It opens in a dreamlike swamp full of evocative tropical sounds and flitting fireflies of light as a dancer climbs over a leafy rock, a living set of dancers huddled under a jungle net. It progresses with passion, danger, laughter and fear.


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A raw, complex narrative demands endurance from the dancers and is both disturbing and delightful for the audience. The training is Pilates core strength with the dancers connecting to “the animalistic self” described by the rehearsal director Christine Gouzelisas as “behaving the role.” The show includes spoken text, Indonesian-style puppetry and technology including a choreographed projection of a pet gecko lizard dancing on a performer’s body. An inventive, inter-active set of washing lines and white, plastic, corrugated extractor pipes swishes around the dancers who

employ props such as applying great swirling, fluffy veils of shaving foam. Six dancers fearless hurl themselves through air, diving down to the stage in improbable body slams, rebounding before impact with fluid rolls and folds. High energy and dangerous lifts integrate with Tai chi smoothness and twirling oriental hands. According to Laban-trained dancer Luke Burrough, “Jasmin works from her ideas and our improvisation. She challenges us to challenge each other. Then (she) polishes those organic movements into the choreography.” It takes a year to brew the ideas and three months in stu-

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dio to create the finished work. To the sounds of the sea, on walks a surfer dude. His board a stiff dancer, who he rides through the waves. Another witty moment is the ballet spoof with a ballerina in a white tutu, pointe shoes and Swan Lake arms flying aloft through the tubes of the set. But the fun decays into bestiality, the dancer becomes a bone on which the dogs chew. Cruelly, a girl callously bursts her boyfriend’s balloons with her lighted cigarette. Bondage with a willing prisoner, whips, flagellation and male violence on women investigates the torture of relationships.

FREEDOM © Alstair Muir


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The joy of the idyllic rainforest, beach and freely flowing frocks, the dream, contrasts with the oppressive nightmare of the dark violence and a trapped, bare-breasted mermaid. A giggling doll character keeps promising to tell us a story – but never does. The work has the urgency of a story that needs to be told. There is a narrative, but it is not clear and the viewer must make up their own story. For French dancer

Estéban Fourmi in FREEDOM © Alstair Muir

According to British dancer David Lloyd, “we explore all (the emotions) in extremis to understand (the bright) we explore the dark side. Audiences are challenged but a free imagination is elusive – it includes the freedom to be trapped.” Vardimon does not choreograph to music which is introduced later as a soundscape, including Roy Orbison and heavy metal, to create atmosphere and environment.

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Estéban Fourmi the tale is “of magic, altered states.” Diana Dicker saw Freedom at the soldout show on November 9th, 2012 at Exeter Northcott Theatre. Freedom is on a world tour through the summer including dates throughout the UK; New Jersey, USA and France. For more information check out: www.jasminvardimon.com


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Come and join us in celebrating together our 20th anniversary! We are looking for enthusiastic and highly energetic people to animate our famous characters. If you have a good dance level, you can participate in our wonderful 20th birthday parades.

Candidates must speak English or French and be a minimum of 18 years old. Please bring a non-returnable CV in French or in English, and a pen. Wear comfortable clothing as you will be asked to participate in a movement/dance combination. Candidates must be available until 6pm. Please note that we do not reimburse any transportation costs to attend the audition. Anybody unable to attend this audition is invited to consult our website for future audition dates www.disneylandparis-casting.com/en www.danceforyou-magazine.com

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Possible contract start dates between March and July 2013 for a minimum of 4 consecutive months. All heights are welcome. Housing possibilities.

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11 TH FEBRUARY 2013 AT 10am

Stage School Hamburg PoolstraĂ&#x;e 21 - 20355

HAMBURG germany


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Januar-Februar 2013

PERFORMANCE KALENDER

ON TOUR

Deadline für die Ausgabe März-April : 10.02.2013 Alle Informationen bitte nur an E-Mail: performance@danceforyou-magazine.com senden.

In dem Performance-Kalender könnte auch Ihre Tanzveranstaltung stehen! Wir freuen uns über Ihre Hinweise auf Premieren, Uraufführungen und sonstige Tanz-Veranstaltungen. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir grundsätzlich nur Termine aufnehmen können, die uns rechtzeitig gesendet werden und uns eine redaktionelle Auswahl bzw. Bearbeitung der Hinweise vorbehalten. Alle Angaben ohne Gewähr.

Deutschland

Bayerisches Staatsballett www.bayerisches.staatsballett. de 10.01: La fille mal garde 12.01: Goldberg –Variationen / Gos and Gods 18,26.01 : Forever Young 3,8,10,19.02 : Steps & Times 15,22,28.02 : Zugvögel Staatsballett Berlin www.staatsballett-berlin.de 11.01: The Open Square 12.01: La Peri 15,29.01;15.02 : Oz- The Wonderful Wizard 27,30.01;9.02 : Tschaikowski 3,4,6.02 : Peer Gynt 12,20,22,25,26.02 : Schwanensee 19,21.02 : Rund um Ballets Russes Theater Bielefeld www.theater-bielefeld.de 18,19, 24-26,31.01; 1, 2,1416,20-23.02: Trau, Schau, wem? Theater Bremen www.theaterbremen.de 11,26,29.01: Funny, Wow? Staatstheater Braunschweig www.staatstheaterbraunschweig.de 18.01: Forest / Clear and Discorder 23.02 : Hype Stadttheater Bremerhaven www.stadttheaterbremerhaven. de 10,12,25.01;3,14.02: Schwanensee 24.02 : Die drei kleinen Schweinchen Theater Chemnitz www.theater-chemnitz.de 13,20,25.01 : Nussknacker und

Mausekönig Deutsche Oper am Rhein – Ballett am Rhein www.deutsche-oper-am-rhein.de 17.01 : b.13 2,3,5,16.02 : b 14 Staatstheater Darmstadt www.staatstheater-darmstadt.de 13,19,26.01;15.02 : Lala auf der Couch 2,8,17.02 : Romeo und Julia Anhaltisches Theater Dessau www.anhaltisches-theater.de 18,26.01;15.02 : Der Sturm Sächsische Staatsoper Dresden www.semperoper.de 12,18.01;7,10.02 : Les Ballets Russes – Reloaded 19,20.01 : Junge Choreografen Theater Dortmund www.theaterdo.de 19.01;1.02 : Schwanensee 26.01;9,22.02 : Der Traum der roten Kammer Aalto Ballett Theater Essen www.theater-essen.de 11.01 : Zeitblicke 20.01;23.02 : Tanzhommage an Queen 26.01;1.02 : Max und Moritz Landestheater Eisenach www.theater-eisenach.de 16.02 : Der Nussknacker 27.02 : Tanz-Thür The Forsythe Company www.theforsythecompany.de On Tour Theater Freiburg www.theater.freiburg.de 12, 13,18.01: One Hour whith

All-Eaters 19,20.01 : Philia 2,5,8,10.02 : Spaziergang 15,16.02 : Run/Run

20,29.01;3,13,15.02 : Sisi

Gauthier Dance www.theaterhaus.com 11-13.01 : Future 6

Theater und Orchester Heidelberg www.theaterheidelberg.de 10.01 : Soiree 19,24,26.01;24.02 : Zero 17,27.02 : Requiem

Theater & Philharmonie Thüringen Bühnen der Stadt Gera www.tpthueringen.de 11.01 : 27 17.01 : Gala des Thüringen Staatsballetts

Badisches Staatstheater Karlsruhe www.staatstheater.karlsruhe.de 12.02;3.02 : Der Nussknacker, Eine Weihnachtsgeschichte 20,27,29.01 : Giselle 1,8.02 : Schwanensee

Staatstheater am Gärtnerplatz www.gaertnerplatztheater.de 26,28-31.01;1-3.02 :Dornröschen

ballettKIEL www.theater-kiel.de 13.01;15.02 : Requiem 27.01 : Der Nussknacker

Stadttheater Gießen www.stadttheatergiessen.de 13.01 : Dornröschen 19.01;23.02 : Hypnotic Poison Dinge die ich keinem erzählte 16,21.02 : Hemingways Party

Oper Leipzig www.oper-leipzig.de 12.01 : Jim Morrison 17,18,20.01; 2,3.02 : Chaplin

Hamburg Ballett www.hamburgballett.de 11-13.01 : Preludes CV 16,18.01 : Tod in Venedig

Theater Magdeburg www.theater-magdeburg.de 12.01;21.02 : Carmina Burana 25.01 : Don Quichote 3.02: Französische Rhapsodie 16,23.02 : Romeo und Julia

Theater Hagen www.theater-hagen.de 17.01 : Der Nussknacker 3,13,16,23.02 : Dorröschen (Reloaded)

ballettmainz www.staatstheater-mainz.de 17,20,23.02: Schwanensee

Opernhaus Halle www.opernhaus-halle.de 19,25.01; 28.02: Der Tod und das Mädchen / The Show must go on 20.01 : Die Schneekönigin Ballett der Staatsoper Hannover www.oper-hannover.de 17,23,26.01 : Alice in Wunderland

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Nationaltheater Mannheim www.nationaltheater-mannheim. de 11.01: Tree to One 19.01: Romeo und Julia 29.01 : R.A.W. 16.02 : Othello Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin www.theater-schwerin.de 12.01 : Coppelia

Theater Nordhausen www.theater-nordhausen.de 11,15,20.01 : Don Quichotte 8,13,20.02 : Kameliendame Staatstheater Nürnberg www.staatstheater.nuernberg.de 10,19,27.01;2.02 : Faust 7,9,13,17,22,23.02 : Der Nussknacker Theater Osnabrück www.theater-osnabrueck.de 11,20.01 : Incanto 16,22.02 : Corop d Anima Oldenburgische Staatstheater www.staatstheater.de 10,12.01 : Das Blaue 19,30.01;15.02 : Plafona 19.02 : Die Geschichte vom Soldaten Pfalztheater Kaiserslautern www.pfalztheater.de 12,20,27.01 : Engelslieder 15,25.01 : Dornröschen fabrik Potsdam Internationales Zentrum für Tanz und Bewegungskunst www.fabrikpotsdam.de 10,12,13.01 : Made in Postdam Theater im Pfalzbau www.theater-im--pfalzbau.de 23.01 : Proximity 25,26.01 : La Relazioni Periculose 21.02: Ballet de Lorraine Nancy Theater Pforzheim www.theater-pforzheim.de 26,31.01;6,17,19 : Quartet Theater Regensburg www.theaterregensburg.de 26.01;1,17.02 : Ich, WagnerSehnsucht


news

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Zeitgenössische Tanzausbildung Folkwang Universität der Künste | Institut für Zeitgenössischen Tanz > Studiengänge: B.A. (8 Sem.) Tanz | M.A. (4 Sem.) Tanzpädagogik und Tanzkomposition (Choreographie, Bewegungsnotation/Bewegungsanalyse, Interpretation) In Zusammenarbeit mit dem Folkwang Tanzstudio keine Studiengebühren > Weiterbildung: „Folkwang Tanz“ (2 Sem.) | Gebührenpflichtig > sinnlich | fordernd | kreativ | praxisnah | aufregend > Projekte 12/13: Pina Bausch, Susanne Linke, Stephan Brinkmann, Henrietta Horn, Mark Sieczkarek, Malou Airaudo, Fang-Yu Shen, Urs Dietrich > Aufnahmeprüfungen: 22. und 23. Mai (M.A.) und 1. - 5. Juli 2013 (B.A.) Anmeldeschluss: 1. April 2013

Foto: Georg Schreiber

Information, Aufnahmevoraussetzungen & Anmeldeformulare: Folkwang Universität der Künste | Klemensborn 39 | 45239 Essen tanz@folkwang-uni.de | www.folkwang-uni.de/izt

Saarländisches Staatstheater www.theater-saarbrücken.de 12,17,19,25.01;8,10,12,16,19,24, 26.02 : Liebe,Schwarz-Weiß 29,31.01 : Casa Azul 21,22.02 : 10 Jahre Donlon Dance Company : eine Retrospektive Stuttgarter Ballett www.stuttgart-ballet.de 18,19.01 : Young Choreogrpher 2013 2,7,9,16,18,19.02 : Tanz / Toene 23,26.02 : Romeo and Juliet Schleswig Holsteinische Landestheater www.sh-landestheater.de 10,25.01 : Al son del Tango – solange der Tango spielt 27.01;10,15.02 : Der Nussknacker Tanzhaus nrw www.tanzhaus-nrw.de 10.01 : Accumulated Layout&Holistic Strata 11.01 : Filter 15.01 : Proximity 17.01 : Absurdus 20.01 : Swan Lake 1.02: Facing the Blank Page 3.02 : O Snap 16.02 : Juste Debout Germany 21.02 : Warning 28.02 : Kore-a-Moves : Actuell Theater Ulm www.theater.ulm.de 2.02 : Palmpest-TanzspurenÜbermalt

Theater Vorpomen www.theater-vorpommern.de, 13.01 : Die Schöne und das Biest 18,20.01 : Ballettlandschft XI 19,26.01;1,3,23,24.02 : 111m² Tanz Tanzspeicher Würzburg www.tanzspeicherwuerzburg.de Tanztheater Wuppertal www.pina-bausch.de On Tour

Österreich

Ballett der Wiener Staatsoper und Volksoper www.dasballett.at 11,18,25.01;2,9.02 : Manon 20,23,26.02 : Tanzperspektiven Innsbruck: Tiroler Landestheater und Orchester GmbH Innsbruck www.landestheater.at 10,12,17.01;8.02 : Kaleidoskop 19.01;10.02 : Carmen 23.02 : Faust Landestheater Linz www.landestheater-linz.at 11,13,16,18,20.01;3,17.02 : Peter und der Wolf 28,30.01 : Zaubernacht / Die sieben Todsünden Brüssels Kaaitheater www.kaaitheater.be 10,11.01 : Zeit 15.01: Still Standing You 16.01: Pas de deux

18,19.01 : Cantatas 26,27.01 : From B to B 30,31.01; 1,2.02 : Elena’s Aria 7-9.02: Couting to one Hundred / one Flute Note 22-24.02: The Untitled Still Live Collection Royal Ballet of Flanders www. koninklijkballetvanvlaanderen.be 6-9,22-24.02 : Mixed Bill

Kanada

Compagnie Marie Chouinard www.mariechouinard.com On Tour National Ballet of Canada www.national.ballet.ca Les Grands Ballet Canadien de Montréal www.grandsballets.com 21-24.02: Raise the Red Lanterne

Dänemark

The Royal Danish Theatre www.kglteater.dk 15.12 – 17.04.13: Hübberiet

England

The Royal Ballet www.roh.org.uk 11.01 : The Firebird / Raymonda Akt III English National Ballet www.danceforyou-magazine.com

www.ballet.org.uk On Tour Rambert Dance Company www.rambert.org.uk On Tour Birmingham Royal Ballet www.brb.org.uk On Tour Sadler‘s Wells www.sadlerswells.com 29.01;5,12.02 : Matthew Bourne’s Sleeping Beauty 30.01-3.02 : Tango Fire 14-25.02 : Tanz Theater Pina Bausch Scottish Ballet www.scottishballet.co.uk On Tour

Estonia

Estonian National Opera www.opera.ee 10,24.01: Rosalinde 12,18,20.01;3.02: The Nutcracker 27.01;28.02 : Manon 1,16.02 : Cinderella 8.02 : Spartacus 21.02 : Snow White and the 7 Dwarfs

Finnland

Finnish National Opera www.operafin.fi

Frankreich

Aix-en-Provence Centre Chorégraphique National www.preljocaj.org On Tour Maison de la danse www.maisondeladanse.com 10-12.01: Ballet de Lorraine 15,16.18,20.01 : A.T.de Keermaeker 24-26.01 : Josette Baiz 29-31.01;3.02 : J C Gallota 7-20.02 : Luc Petton 12-16.02 : NDT 2 14-15.02 : Michele Noiret 19-22.02 : Peeping Tom Marseille Ballet National de Marseille www.ballet-de-marseille.com On Tour Paris Ballet de L´Opéra www.opera-de-paris.fr 1-17.02 : Kaguyahime Strasbourg/Mulhouse/Colmar Opéra National du Rhin www.opera-national-du-rhin. com On Tour Théâtre du Capitole www.theatre-du-capitole.org 21-24.02 : Rythmes de danse

Italien Mailand


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dance for you! magazine

Buch

aten euphorisch als Meister des „Dortmunder Ballettmeisters“. In den Textbeiträgen des Buches wird Wangs Arbeit in teilweise sehr blumiger Ausdrucksweise beschrieben, interpretiert und analysiert. Als „Feste der Differenz“ beschreibt Rebecca Schönsee, Ex-Tänzerin und nun Germanistin in Wien, die Ballette. Da regiere „ein Fesselspiel von Grazie und Eleganz... in einer Sphäre des Artifiziellen als Zauber ewiger Gegenwart“. Zwischenüberschriften tragen den von Christian Baier gewohnten Telegrammstil: „Körper. Stimmen. Lesen“ - „Tänzer. Träumen. Lieder“. Das Theater Xin Peng Wangs sei „hineingestellt in das Minenfeld zwischen den labyrinthisch mäandernden Kreationen des be- wie entrückend Schönen“, meint Baier. Choreografisch sei er „neoklassizistischer Ikonografie verpflichtet“, spiele „an der Oberfläche auf der gängigen Klaviatur abendländischer Wohltemperiertheit. Tiefere Schichten seiner Arbeiten jedoch gehorchen noch der

Der Meister des “Dortmunder Ballettwunders”

von Marieluise Jeitschko

„Xin Peng Wang“. Rund 100 Doppelblätter in japanischer Broschur mit Softcover, 72 Illustrationen. Herausgeber Theater Dortmund. Druck und Verlag Peter Pomp GmbH, Bottrop 2012. 28,-- Euro (an der Theaterkasse Dortmund oder über die Hotline 0231 - 5027222). Der großformatige broschierte Bildband, erschienen zum zehnjährigen Jubiläum von Xin Peng Wang als Dortmunder Ballettchef, besticht durch seine schlichte Aufmachung. Nur der Name des Chinesen steht in schwarzen Druckbuchstaben auf dem mattierten hellgrauen Pappcover. Auf der Rückseite ist in kursiv ein Zitat von ihm abgedruckt: „Ich möchte nicht von gestern reden. Heute entscheidet sich unsere Zukunft. Was die Vergangenheit wert ist, zeigt sich immer erst morgen...“. Freilich modifiziert er die Aussage: „Mir geht es nicht darum, mit Traditionen zu brechen. Im Ballett ist es wichtig, nie die Basis zu vergessen, auf der die Tanzkunst fußt. Diese Basis ist der Mensch.“ (zitiert im Vorwort von Dramaturg Christian Baier und Manager Tobias Ehinger). Rund 70 farbige und schwarz-weiße Fotos legen Zeugnis ab vom bisherigen Schaffen des Choreografen Wang, geben Einblick in die Probenarbeit mit der Dortmunder Kompanie und gewähren Blicke auf den Menschen - darunter ein hinreißendes Porträt des Kindes. Wang war Solist im Chinesischen Nationalballett, bevor er seine Heimat 1989 nach dem Massaker auf dem „Platz des Himmlischen Friedens“ verließ. An der Essener Folkwang Hochschule absolvierte er ein Zusatzstudium in zeitgenössischem Tanz und Choreografie. Nach kurzem Engagement als Gruppentänzer in Essen startete er eine internationale Karriere als freier Choreograf. 2001 wurde er Ballettdirektor in Meiningen, 2003 wechselte er mit Opernintendantin Christine Mielitz nach Dortmund. Hier hat er mit eigenen Balletten - bis hin zu „Schwanensee“ in zwei unterschiedlichen Versionen und dem China-Epos „Der Traum der Roten Kammer“ - das zeitgemäße Handlungsballett maßgeblich gestärkt, durch rigide Aufbauarbeit seiner Kompanie und die Zusammenarbeit mit Gastchoreografen aus aller Welt das Ballett Dortmund auf einen vorderen Platz in Deutschland gebracht. Publikum und lokale Presse feiern den Asi-

seismografischen Pentatonik des fernöstlichen Melos“. Die Berliner Tanzautorin Dorion Weickmann bestätigt „seine Vertrautheit mit uralten theatralischen Camouflage-Techniken“, unterstreicht die Bedeutung seines Wissesn um die „Zerreißprobe“ von Mensch gegen Masse Mensch im gegenwärtigen Umschwung seiner Heimat und hebt schließlich seine Nutzung technischer Neuerungen durch die Folkwangschule und -schulung hervor. Eine Liste der über 50 bisherigen Choreografien liegt als loses Doppelblatt hinten im Buch. Bausteine für ein „work in progress“? Es sei „ein ruhiges Buch“ geworden, bemerkte Grafiker Matthis Eilers bei der Vorstellung sehr richtig. Optisch wird es der unaufgeregten, öffentlichkeitsscheuen, bescheidenen Art Xin Peng Wangs gerecht. Colombo-neu-o-Text_Layout 1 04.12.12 13:47 Seite 1

www.hf-buehnentanz.ch

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januar / februar 2013

Danceforyou_Danceforyou 03.12.12 17:40 Seite 1

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AUFNAHMEPRÜFUNG für die Ballettschule des HAMBURG BALLETT Schuljahr 2013/2014

Sonntag, 24. März 2013 Ausbildungsklassen 11-16 Jahre (für die Aufnahme in das Internat) Theaterklassen 16-18 Jahre

John Neumeier Pädagogische Leitung Marianne Kruuse/Gigi Hyatt Direktor

Die Ballettschule des HAMBURG BALLETT bildet Jugendliche aus aller Welt für den Bühnentanz aus. Schwerpunkt für die Ausbildung ist der Klassisch-Akademische Tanz. Daneben wird großer Wert auf eine gute Ausbildung in moderner Tanztechnik und Folklore-Tanz gelegt. Die Ballettschüler wirken regelmäßig in Aufführungen des HAMBURG BALLETT mit.

Anmeldung und Information Ursula Ziegler Ballettzentrum Hamburg – John Neumeier Caspar-Voght-Straße 54 | D-20535 Hamburg schule@hamburgballett.de

www.hamburgballett.de

Teatro alla Scala www.teatroallascala.org 14,16,19,21.02 : Notre Dame de Paris Aterballetto www.aterballetto.it On Tour

Niederlande Amsterdam Het Nationale Ballett www.het-ballet.nl On Tour

Arnhem Introdans Ensemble for Youth www.introdans.nl On Tour Maastricht Theatre an het Vrijthof www.theateraanhetvrijthof.nl 15.01 : Big Girls do Big Thing 22.01: To loves duets 29.01: Adio alla fine 15.02 : Dame de Pic 23.02 : Triple Bill 26.02 : NDT1 Rotterdam Scapino Ballet www.scapinoballet.nl 11.11-01.12: Romeo & Julia 15-28.02 : Le Chat Noir

Polen

Teatr Wielki-National Opera www.teatrwielki.pl 25.01: And the Rain will pas… 1-3.02 : The Biblical Parables

8.02 : Love and Fear

Rumänien

Opera Nationala Bucuresti www.operanb.ro 10.01 : Tango, Radio and Juliet 13,23.01; 6.02: Spărgătorul de nuci 16.01;27.02 : Don Quijote 19.01 : Seară de Balet 26.01 : Corsarul 31.01; 21.02: Frumoasa din pădurea adormită 3,24.02: Albă ca zăpada și cei 7 pitici 9.02: Giselle

Russland

Mariinsky Ballet www.mariinskiy.com 10,16.01 : Don Quixote 12,13.01 : Le Magic Nut / Carmen Suite 15,31 .01 : The Joung Lady and the Hooligan / Schéhérazade 17,18.01 : Cindarela 19.01 : Firebird / Petrouchka 21,23.01;23.02 : Swan Lake 22.01 : Le Carnaval / Schéhérazade 24.01 : Les Noces / Le Rossignol 25.02 : Le Park 27.01;22.02: The Nutcracker Bolshoi Ballet www.bolshoi.ru 10.01: Moidodyr 15-17.01;2,3.02: Swan Lake 24,26,27,29,31.01 : La Bayadere 5.02 : Giselle

Spanien

Compania National de Danza www.cndanza.mcu.es On Tour

Schweiz

Theater Basel www.theater-basel.ch 12,17,21,28.01;2,6,10,12,14,24,2 7.02 : Eugen Onegin Kurtheater Baden www.kurtheater.ch 30.01 : Nil Stadttheater Bern www.stadttheaterbern.ch 24,25.01; 8, 15,16.02: V:Dance to Live Theater St. Gallen www.theatersg.ch 19.01 : Nachtzug / Alberto, der Mann der geht Bejart Ballet Lausanne www.bejart.ch On Tour Compagnie Linga www.linga.ch On Tour Zürich Opernhaus www.opernhaus.ch 16.01;10,24.02: Schwanensee 31.01;1.02: Romeo und Julia 16,20,22,23.02 : Ballettabend

Schweden The Cullberg Ballet www.cullbergballet.se

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On Tour Göteborg Ballet www.opera.se

Türkey

Ankara State Opera and Ballet www.dobgm.gov.tr 14,17.01: Amazonlar 16.01 : Alongside River Arda 21.01: Bdt töre 24,26.01: Hunchback of Notre Dame 30.01 : Harem Istanbul State Opera and Ballet www.dobgm.gov.tr 10,12.01: The Sufferings of Young Werther 15.01 : Fusion 2,5,7,9,12,14.02 : 2 Senfoni / Minyatür

USA

New York City Ballet www.nycballet.com 15,16,18,19,26.01 : Serenade / Mozartiana / Tshaikovsky Piano Concerto 2 17,19,20,22,23.01 : Swan Lake / Allegro Briliante / Tshaikovsky Suite No.2 24-26.01 : Divertimento from „ Le Baiser de la Fee“ 13-24.02 : Sleeping Beauty Cedar Lake www.cedarlakedance.com On Tour

Pacific Northwest Ballet www.pnb.org 1-3,7-10.02 : Romeo et Juliette The Georgia Ballet www.georgiaballet.org 25.01 : Swirling Soiree Miami City Ballet www.miamicityballet.org On Tour

Ungarn Nationales Tanztheater Budapest www.dancetheatre.hu 13.01: Nutcracker 16.01 : Ball,or the rejoing dance 17.01 : Aunt Holle 18.01: Chess 24.01 : The Shoemaker’s Dream 25.01 : Listmania 28.01: Carmina Burana 29.01 : Zorba 30.01 : Danse Macabre 31.01 : The Adventure of Vackar

Australien The Australian Ballet www.australianballet.com. On Tour

Neuseeland Royal New Zealand Ballet www.nzballet.org.nz Feb.- März: On Tour: Made to Move


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dance for you! magazine

Tanzausbildung 0 Postleitzahlbereich

HOCHSCHULE FUR TANZ

PALUCCA HOCHSCHULE FÜR TANZ DRESDEN Hochschule für Tanz, Basteiplatz 4, 01277 Dresden Tel. +49 (0)351-25906-0, Fax + 49 (0)351-25906-11 einzige eigenständige Hochschule für Tanz in Deutschland mit Studiengängen Bühnentanz, Choreografie und Tanzpädagogik www.palucca.eu

1 Postleitzahlbereich

DanceEmotion - freiburger akademie für tanz Bühnentanz und Tanzpädagogik / BaföG; Humboldtstr. 3; 79098 Freiburg Tel.: 0761/72524 Fax: 0761/7071238 akademie@danceemotion.de; www.danceemotion.de Tanz- und Theaterwerkstatt e.V. Kurse, Projekte, Produktionen, Hindenburg Str. 29; 71638 Ludwigsburg, Tel. 07141-92 05 14, info@tanzundtheaterwerkstatt.de, www.tanzundtheaterwerkstatt.de

8 Postleitzahlbereich IWANSON INTERNATIONAL Ausbildung für Bühnenreife und Tanzpädagogik, Fortbildung, Adi Maislinger Str. 12 – Tel:089-7606085, 81373 München www.iwanson.de/schule@iwanson.de

Staatliche Ballettschule Berlin Erich-Weinert-Straße 103, 10409 Berlin Tel. +49 030-405779-70; Fax +49 030-405779-19 Berufsbildung mit integrierter Schulausbildung Klasse 5 bis Abitur und Studiengang Bühnentanz

BALLETTAKADEMIE ROLEFF-KING · Bühnentanz u. Tanzpädagogik Enhuberstr. 8 · 80333 München · Tel. 089/521207 · Fax 089/3105231 www.ballettschule-roleff-king.de · roleff-king@arcor.de

2 Postleitzahlbereich LOLA ROGGE SCHULE Leitung: Christiane Meyer-Rogge-Turner - Staatlich anerkannte Berufsfachschule f. Tanz und Tänzerische Gymnastik im Lehrberuf. Dauer 3 Jahre; 1jährige berufsbegleitende Weiterbildung T-an-S Tanz an Schulen. D-22087 Hamburg, Landwehr 11-13, Tel.+49-40-444568, Fax 4103341 und Elbchaussee 499, Tel. +49-40-863344, info@lolaroggeschule.de www.lolaroggeschule.de TANZPARTERRE Himmelstr. 10-16, 22299 Hamburg, Tel. +49-40-475865 Leitung: Mona Brandenburg, Prof. Training täglich 11-13 Uhr in Modern und klass. akad. Tanz CDSH-CONTEMPORARY DANCE SCHOOL HAMBURG Staatlich anerkannte Berufsfachschule für zeitgenössischen Tanz, Bafög anerkannt, Stresemannstraße 374; 22761 Hamburg, Tel. +49 40 41924560 info@cdsh.de www.cdsh.de Ballettschule des HAMBURG BALLETT Caspar-Voght-Str. 54; 20535 Hamburg, Tel: +49 40 21118830/31; Fax: +49 40 21118888, E-Mail:Schule@hamburgballett.de; www.hamburgballett.de

3 Postleitzahlbereich BALLETTSCHULE ILONKA THEIS Staatlich anerkannte Berufsfachschule für Bühnentanz und Tanzpädagogik; Georgstraße 20, 30159 Hannover, Tel/Fax+49-511-323032

BALLETTSCHULE CHRISTA MAYER - Ausbildungsschule für Bühnentanz Dr.- August-Einsele-Ring 12, 82418 Murnau · Tel. 08846/717, info@ballettschule-murnau.de · www.ballettschule-murnau.de Ballett und Tanzzentrum Augsburg Morellstr. 33, 86159 Augsburg; Tel.: +49 (0)821 38115, Fax.: +49 (0)821 314186, E-Mail: info@ otevrelschule.de, Webseite: www.otevrelschule.de

9 Postleitzahlbereich BALLETT VIERU Ang. Ausbildungsschule für Bühnentanz Professionelle Ballettausbildung, Modern, Contemporary, Früherziehung Berufsbegleitende Tanzpädagogik-Fortbildungen, Späteinsteiger-Kurse Landwehrstr. 44, 97421 Schweinfurt Tel. 0151 – 230 788 88 E-Mail: vieru@ballettvieru.de ;www.ballettvieru.de BALLETTFÖRDERZENTRUM Nürnberg e.V. Gleißbühlstr. 12; 90402 Nürnberg Tel: 0911/992399 Fax:0911/24655 BallettNuernberg@t-online.de; www.ballettförderzentrum.de AMERICAN ART BY-BUHL SCHOOL OF MODERN CREATIVE DANCE Tanzausbildung und Fortbildung, Kumpfmühler Str. 14, D-93047 Regensburg Seestr. 10, D-92355 Velburg, Tel. +49(0)9182-931981, www.buhldance.de

Schweiz

4 Postleitzahlbereich

TANZ AKADEMIE ZÜRICH Zürcher Hochschule der Künste Baslerstrasse 30, CH-8048 Zürich, Schweiz Tel: +41 43 446 50 30 E-mail: info.tanz@zhdk.ch URL: http://www.tanzakademie.ch

Akademie Off-Theater nrw gGmbH Salzstr. 55 41460 Neuss/Düsseldorf Tel.: 02131/83319; www.off-theater.de; info@off-theater.de

6 Postleitzahlbereich

Österreich

Staatliche Hochschule für Musik und Darstellenden Kunst Mannheim Akademie des Tanzes - N7, 18 - 68161 Mannheim, Tel. 0621/292-3515 , Fax 0621/292-2238, adt@muho-mannheim.de; www.akademiedestanzes.de

BALLETTSCHULE DER WIENER STAATSOPER Mit Internat/Kinder ab 10 Jahren, Gymnasium/ Abitur; Künstlerische Leitung: Manuel Legris. Geschäftsführende Direktorin: Simona Noja; A-1010 Wien, Goethegasse 1; Tel.+43-1-51444-2641, Fax -2631; ballettschule@wienerstaatsoper.at; www.opera-balletschool.com; www.wiener-staatsoper.at

7 Postleitzahlbereich New York City Dance School Leitzstr. 4, 70469 Stuttgart (Tanzhaus Stuttgart); Tel.: 0711-856316 Fax: 0711-857816; dance@nycds.de www.nycds.de

EUROPA BALLETTKONSERVATORIUM ST.PÖLTEN und Youth company BALLETT ST.PÖLTEN; Leitung: Michael Fichtenbaum, Tel.+ 43 2742/230000 Fax+20; 3100 A, St. Pölten, Oriongasse 4; st.poelten@ballett.cc, www.ballett.cc Konservatorium Wien Privatuniversität, Johannesgasse 4a, 1010 Wien Abteilung Tanz, Leitung Nikolaus Selimov; www.konservatorium-wien.ac.at Telefon: +43-1-512 77 47 -0; E-Mail: n.selimov@konswien.at

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PraBesTime Productions präsentiert:

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10 Jahre TANZOLYMP

TANZOLYMP Berlin 17. Februar 2013 - Jubiläumsgala

10. Internationales Tanzfestival TANZOLYMP im Admiralspalast

25. März 2013 - „Vivat TANZOLYMP“ Internationale Ballett-Grand-Gala in der Komischen Oper

Kartenvorverkauf: Admiralspalast Friedrichstraße 101, 10117 Berlin (BHF Friedrichstraße) Tel.: 030 325 331 30, mail@admiralspalast.de Tickets & Info Hotline: Tel.: 030 479 974 99 Komische Oper Tageskasse: Unter den Linden 41, 10117 Berlin Abendkasse: Behrenstraße 55-57, 10117 Berlin Tel.: 030 479 974 00, karten@komische-oper-berlin.de www.danceforyou-magazine.com

www.tanzolymp.com | www.prabestime.com


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dance for you! magazine

Stefan Sixt Spezial

STUDIO GEKAUFT

jetzt geht die Post ab

Ein gutes Geschäft kann nur funktionieren, wenn beide Partner damit zufrieden sind. So hatte ich das im letzten Heft geschrieben. Und das gilt für Käufer und Verkäufer. Warum sollte ein junger Tanzpädagoge, der sich selbständig machen will, ein bestehendes Studio kaufen, statt ganz einfach einen Raum zu mieten und loszulegen? Ein klassischer Zielkonflikt, denn der Besitzer des Studios glaubt fest an die Einzigartigkeit seines Betriebes während der prädestinierte Nachfolger klammheimlich vorhat, quasi alles zum Besseren hin zu ändern. Warum also kaufen? Die Antwort auf diese Frage ist zwangsläufig ein wirtschaftliches Kalkül. Es gilt, zwei Modelle zu vergleichen. Modell 1 heißt: „Kauf zum Preis x“, Modell 2 heißt: Neuanfang. Leider ist auch der Neuanfang nicht kostenlos. Zunächst vergehen Monate auf der Suche nach einer geeigneten Immobile. Ist sie dann gefunden, tauchen unmittelbar zwei Überraschungen auf: Zunächst will der Makler 3 Monatsmieten als Provision und der Vermieter übergibt nicht mehr als ein besenreines Gebäude. Kein Vergleich mit einer Mietwohnung! Hier muss in der Regel Infrastruktur eingebaut werden, von der Beleuchtung über die Lärmdämmung bis zur Sanitäranlage. Eine Daumenregel ist, dass jede Wasserstelle, also zunächst mal egal, ob Waschbecken, Dusche oder Toilette, 5000 Euro kostet. In der einfachen Ausführung. Das läppert sich zusammen, vor allen Dingen, wenn Freunde und architektonische Berater zu Wort kommen. „Also das brauchst Du einfach“, heißt es dann unisono, und: „wie sieht denn das sonst aus?“ Und vor allen Dingen: „das kannst Du ja abschreiben!“ Was heißt hier abschreiben fragt sich der junge Unternehmer, zunächst geht es vor allen Dingen mal ums Bezahlen! Und dann hab ich Licht und Dusche und Klo und so weiter, aber ich wollte ja kein Schwimmbad eröffnen, sondern ein Tanzstudio! Also beginnt das Spiel von vorne. Den Schwingboden sieht man nicht, aber er kostet gut und gerne 200 Euro pro Quadratmeter, je nach Immobilie und Ambitionsniveau also 20.000 bis 50.000 Euro. Die Spiegel sind überraschend günstig, die Installation hingegen kostet das Dreifache. Muss halt sein, oder wollen Sie, dass die runterfallen und ein Kind... Nein, das wollen wir natürlich nicht.

Dann blinken gut und gerne 1500 Euro pro 3-Meter-Stange auf dem Monitor. Trotzdem, so sagen die Freunde, sei das kein Problem. Kann man schließlich alles abschreiben. Wer jetzt denkt, ich wolle junge Tanzunternehmer abschrecken, hat nicht richtig hingeschaut. Denn in Wirklichkeit ist es viel schlimmer. Jede Steckdose, jede Zwischentür, jedes Sonnenrollo, jedes Sicherheitsschloss und jeder Feuerlöscher werden einzeln abgerechnet. Am Ende kommt eine stolze Summe zusammen, die je nach Umfang der geplanten Schule und Ausbaustufe des Mietobjektes, eine hohe, fünfstellige, bei größeren Projekten auch eine mittlere sechsstellige Summe ausmachen kann. Schließlich aber wird das neue Studio eröffnet, alle Freunde kommen, gratulieren und stoßen mit einem Glas Sekt (kann man abschreiben) auf das neue Projekt an. Und dann beginnt der Alltag. Von den 100 Schülern, die sich fürs Profitraining angekündigt haben, kommen gerade mal sieben. Aus der Nachbarschaft gibt es erfreulich viel Anfragen für Kindertanz. Unglücklicherweise wollen die einen Ballett, die anderen Hip-Hop und die dritten was im Stil von DSDS . Die Kinder sind zwischen 4 und 17 Jahre alt und haben unterschiedliche Vorkenntnisse. Maria und Melanie singen am Donnerstag, Anna-Lena und Sophie können nur Montag und Susanne und Daniela immer, aber nicht vor 16 und nicht nach 17 Uhr. Also, der ganz normale Wahnsinn. Noch einmal: Ich will niemanden davon abraten, ein Tanzstudio zu eröffnen. Ganz im Gegenteil! Aber genau so läuft es in der Praxis, und ich habe eher unter- als übertrieben. Wirtschaftlich ausgedrückt, heißt das für den Existenzgründer, dass er viele Monate lang Miete, Zinsen für die Investitionen und gegebenenfalls Honorare bezahlen muss, ohne dass die Einnahmen aus Unterrichtsgebühren diesen Aufwand decken. Mit anderen Worten: Es wird Monat für Monat privates Geld aufs Schulkonto einbezahlt. Diese Durststrecke kann viele Monate dauern, ich kenne Kollegen, bei denen es 2 Jahre gedauert hat, bis unter dem Strich endlich etwas übrig blieb. „Break Even Point“, oder auch „Gewinnschwelle“, nennen die Wirtschaftler diesen Moment, in dem die Einnahmen endlich die Ausgaben decken. Das heißt aber nicht, dass die Schule jetzt endlich Gewinn erwirtschaftet, schließlich, hat der junge Studiobesitzer lange Monate lang zugeschossen. Erst wenn dieser nicht unerhebliche Betrag ausgeglichen ist, sind wir mit dem neuen Studio im grünen Bereich angekommen.

Der Gedanke, als Musikanlage das ausgediente Modell von Zuhause zu nehmen, kommt bei den Experten ebenfalls nicht gut an. Ein Studio ist kein Wohnzimmer! Da braucht man eine professionelle Beschallungsanlage mit allem drum und dran, da soll man auch nicht sparen bei vergoldeten Klinkensteckern, ist besser für den Sound und die Haltbarkeit. Ja, und dann wären da noch die Stangen. Die können nicht viel kosten. Außer, man hätte sie gerne stabil, mobil, praktisch und haltbar.

Genau diese schwierige Anlaufzeit macht den Kauf eines bestehenden Studios so attraktiv. Statt darauf zu hoffen, dass sich nächste Woche wieder ein paar Kinder anmelden, hat der neue Chef des übernommenen Studios von Anfang an sichere Einnahmen. Leider kann er oder sie auch hier nicht gleich ein Cabrio bestellen; das verdiente Geld wird dringend gebraucht um Kredit und Zinsen abzustottern. Was ist nun die bessere von den beiden Möglichkeiten? Kauf oder Neustart? Darauf gibt es keine verbindliche Antwort. Eines immerhin kann man sagen: Wenn Großkonzerne in einen neuen Markt expandieren, fangen sie nicht damit an, Läden zu mieten und Personal einzustellen. Sie kaufen stattdessen eine besehende Firma vor Ort und beginnen ihr Ge-

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spezial

januar / februar 2013

schäft vom ersten Tag an mit voller Kraft und mit vollem Volumen. Zurück in die Tanzwelt. Der gefahrlose Weg zur eigenen Schule führt zweifellos über stundenweise angemietete Pfarr- oder Gemeindesäle. Risiko und Investitionen stehen bei Null, nebenher wird fleißig im Turnverein und an der Volkshochschule unterrichtet, um einen eigenen Schülerstamm aufzubauen. Wer dies über viele Jahre durchhält, und keinen Streit mit Pfarrer oder Bürgermeister anfängt, verdient dabei gutes Geld und kann darauf warten, dass sich eine geeignete Immobilie findet und dann den Startschuss geben. Wer allerdings von Anfang an von einer großen Schule mit mehreren Unterrichtsräumen und ein paar hundert Schülern träumt, kann seinen Traum von einem Tag auf den anderen nur verwirklichen, indem er einen bestehenden Betrieb kauft. Der Kaufpreis ist dabei, wenn richtig gerechnet und finanziert wurde (siehe letztes und nächstes Heft) nicht das zentrale Problem. Denn der neue Besitzer wird ja auch vom ersten Tag an ein Gehalt beziehen, Gewinn machen – und wenn er gut wirtschaftet, die Schule nach 20 oder 30 Jahren erneut an einen Nachfolger veräußern. Gute Karten für den Käufer also, außer er hat die Katze im Sack gekauft. Deshalb hier noch einmal die Checkliste für den Käufer: 1. Stimmt der Mietvertrag? 2. Kann man wirklich auf den ehemaligen Chef verzichten? 3. Hat die Schule (nicht der alte Chef ) einen guten Ruf? Und schließlich 4. Kann man den Kaufpreis in überschaubarer Zeit zurückverdienen? Wenn Sie das mit JA beantworten können, steht einem guten Geschäft für beide Seiten nichts im Wege. Im nächsten Heft schauen wir uns an, wie das in der Praxis funktioniert.

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UNIVERSITY OF MUSIC AND PERFORMING ARTS

STAATLICHE HOCHSCHULE FÜR MUSIK UND DARSTELLENDE KUNST MANNHEIM – Akademie des Tanzes – Leitung: Prof. Birgit Keil

Aufnahmeprüfung 2013/14 Bachelor of Arts Tanz/Bachelor of Arts Tanzpädagogik am 23. März 2013 Anmeldeschluss: 15. Februar 2013

Master of Arts Tanz

am 6. Juli 2013 Anmeldeschluss: 15. Juni 2013

Aufbaustudiengang Tanzpädagogik für professionelle Tänzer nach Vereinbarung

Onlinebewerbung ab 15. Dezember 2012 möglich: www.akademiedestanzes.de

Vorstudium (mit Internat)

Infotag am 20. April 2013 und nach Vereinbarung (Anmeldeformular im Internet: www.akademiedestanzes.de) Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim Akademie des Tanzes • N 7, 18 • 68161 Mannheim • Germany Tel.: +49 621 292-3515 • Fax: +49 621 292-2238 E-Mail: adt@muho-mannheim.de

ANZEIGENSCHLUSS FÜR DIE AUSGABE 2/2013 ERSCHEINT MITTE MÄRZ 2013

ADVERTISING DEADLINE FOR OUR 2ND ISSUE/2013 PUBLISHED MIDDLE OF MARCH 2013

FEBRUAR

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RUß

EINE GESCHICHTE VON ASCHENPUTTEL Ballett von Bridget Breiner PREMIERE 19. Januar 2013, Kleines Haus WEITERE TERMINE 26. Januar 2013 1., 8., 16., 24. Februar 2013 | 1., 3. März 2013 WWW.MUSIKTHEATER-IM-REVIER.DE KARTENTELEFON 0209. 40 97-200

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How far away is actually the Aussie ballet school? In recent years we’ve seen among the winners of international competitions exceptional young ballet dancers coming from countries of a lesser tradition, such as Brazil, Israel or Argentina. Somewhere in the middle between the newcomers and the long established schools lay Australia, whose national centre for elite vocational classical dance is the Australian Ballet School in Melbourne, founded back in 1964, just 15 months after its parent company, the Australian Ballet. At a closer look, this is a natural evolution, since the school combines all the ingredients (and challenges) of success, among which excellent purpose-built facilities, varied genetic heritage of the students, solid financial and artistic management and, last but not least, a few teachers trained at the Vaganova Academy in the USSR. Most of the staff includes former graduates that boast impressive careers overseas, mainly in Europe and the USA. Since there are only three ballet companies in Australia (the other two smaller sisters are Queensland Ballet in Brisbane and West Australian Ballet in Perth), there is little national market for the graduates, therefore some of them will join contemporary dance companies or become teachers. Nevertheless, such is the standard of excellence that within six months of graduating, 90% of students gain contracts. Just in 2011, for example, they were hired by the New Zealand Ballet and a series of companies in Asia and the USA, while in Europe most contracts were offered by German theatres, the Norwegian Royal Ballet and the Paris Opera – a choice that speaks for itself. Let alone the national absorption capacity, Aussie dancers are aware that big careers are developed mainly overseas: that’s where the most famous choreographers are based,

where dancers get more visibility and coverage by specialized media, not to mention more freedom of artistic expression in the case of members of sexual minorities. Yet many of them will come back at some point in life and become teachers, ballet masters or artistic directors. Since the School of Australian Ballet receives only one third of its funding from the Federal Government while the rest is raised through fees, philanthropic support and performances, the annual production (in 2013 it is the Nutcracker) is a welcome occasion for the students to be joined on stage by their highly accomplished teachers. Did they have a recognizable, specific style when they left the continent? It’s hard to say: during their performing career it was often forgotten that Lisa Pavane, David McAllister, Janet Vernon or Ross Stretton had perfected their professional education down under, they were simply “dancers of the world”. Graeme Murphy, Stephen Baynes or Meryl Tankard have brought back home works from the classical repertoire giving them new meaning, and often making them more directly accessible for the audiences. Other times, they dug for inspiration in the local traditions, choreographing to Aboriginal music or stories. Unlike the vast majority of the schools on the continent, where hip-hop and jazz are often predominant, the curriculum at Australian Ballet School includes courses such as Injury prevention, Performance psychology, Nutrition, Introduction to dance history, Cultural studies, Dance perspectives, Mime, and Career management, while competitiveness is encouraged through participating in contests such as the ones in Lausanne, Tokyo and Beijing, and in the exchange opportunities with Canadian and American schools. www.danceforyou-magazine.com

This blending of artistry and technicality in a holistic approach produces sometimes astonishing results, such as Steven McRae winning the Lausanne International Ballet Competition in 2003 with a virtuoso tap dance where he even performed chaînés spinning on the tip of his shoes. Yet, the few national ballet companies are not entirely made up of Aussie graduates, since the federal laws no longer restrict the hiring of foreign dancers, as it was the case until very recently. The younger Aussie generation in particular is a great ballet lover and fills the auditoriums, much to the difference of ancient Europe. In order to please the audiences, not over-exacting or picky but happy to indulge in visual delight, the average dancer needs to acquire versatility and ease in any style, contemporary or classical, achieve purity of execution and convey emotions rather than impress through technical prouesse. Good physique, musicality, a beautiful cou-depied and a medium or above amplitude of movements are also part of the portrait. In the relaxed Australian society, less affected by the world economic crisis, ballet is thriving, keeping intact its appeal for both male and female students and for their teachers, eager to pass on their knowledge and experience to the future generations of stars. Vivia Sandulescu


Die deutschen 10-Tänze Professionalmeister Boris und Madeleine Rohne Š Thomas Kirchgraber

Ballroom

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Franco Formica, vormaliger Amateur-Weltmeister, und Oxana Lebedew Š Thomas Kirchgraber

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Rumba

der Tanz des Jahres 2013

von Ute Fischbach-Kirchgraber

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änze gibt es unendlich viele. Und jedes Jahr werden es mehr, denn immer wieder wird Neues kreiert. Vor allem die Tanzschulen buhlen um die Gunst ihrer dem Modediktat nicht abgeneigten Klientel. Viele dieser Modetänze geraten auch ebenso schnell wieder in die wohlverdiente Vergessenheit. Um auch die „Klassiker“ der Standard- und lateinamerikanischen Tänze wieder aufzupolieren und sie wirkungsvoll ins Scheinwerferlicht zu setzen, wird nun seit 2006 der Tanz des Jahres ausgerufen. Angefangen hatte es mit dem vermeintlich einfachsten und dann doch so schwierigen Wiener Walzer. Es folgten Cha Cha Cha, Swing (also Lindy Hop, Jitterbug, Boogie-Woogie), Salsa, Tango und Discofox sowie zuletzt der Foxtrott für die Tanzschüler (parallel der Quickstep für Turniertänzer). Und nun ist für 2013 die Rumba dran – der sexiest dance alive. Denn nirgendwo sonst dürfen die Hüften so lasziv kreisen wie in diesem lateinamerikanischen Tanz. Heißt Rumba auf spanisch doch nichts anderes als gemeinsames Musizieren und vor allem: nächtliches Fest. Kein Wunder, dass es in der Rumba vor allem um eines geht: um Gefühl pur, das Werben von Mann und Frau. Ein erotisches Spiel also mit Locken, sich Versagen, einander Umtänzeln. Wobei die Frau durchaus als gleichberechtigte Flirt-Partnerin auftritt. Sie ist es, die den Herrn erst anmacht und dann stehen lässt. Die Wurzeln der uns bekannten Rumba reichen weit zurück – bis ins Kuba des 16. Jahrhunderts, wo die ersten afrikanischen Sklaven auf den Baumwollfeldern ackerten und ihre kongolesischen Trommeln nebst rhyth-

mischem Tanz mitbrachten. Kombiniert mit der Habanera der spanischen Kolonialherren entstand so der Bolero. Flamenco-Gesangseinflüsse kamen dazu. Daraus und aus einigen anderen Komponenten entwickelte sich dann Ende des 19. Jahrhunderts die uns bekannte Rumba. Als Modetanz in New York anno 1914 begann sie ihren internationalen Siegeszug. Wobei sie Anfang der 30er-Jahre Europa erreichte und natürlich prompt von den Nationalsozialisten als „entartete Kunst“ verboten wurde. Allerdings konnte ihr das ebenso wenig anhaben wie die verschiedenen Versuche davor, ihr den Garaus zu machen. 1925 sprach Kubas Präsident Machado ein letztes Mal einen Bann aus, denn dieser ursprünglich wilde und offen sexuelle Tanz verstoße gegen die guten Sitten und die öffentliche Ordnung. Aber das wurde ignoriert, zumal die Rumba für die weiße „upper class” modifiziert, also „entschäft” wurde. Was heute jedoch nicht unbedingt für das Turniergeschehen gilt. Wem das gerade im Formationstanzen zur Schau gestellte affektierte Gehabe parodistisch vorkommt – der liegt bei der Rumba gar nicht ganz daneben. Denn zu den Ursprüngen gehört auch die „rural Rumba”, die schlicht und einfach das Balzverhalten von Farmtieren – vor allem Hühner und Truthähne – tänzerisch imitierte. Dass die Rumba Weltkarriere machte, lag nicht nur an Bandleader Emil Coleman, der Rumba-Rhythmen in New York präsentierte. Auch nicht am „The Peanut Kendo“-Song von Don Azpiazu`s Havanna Casino Orchestra, der zum Hit wurde. Der Erfolg ging von Hollywood aus. Einer der ersten vertonten www.danceforyou-magazine.com

Filme nach der Stummfilm-Ära hieß „Rumba”. George Raft spielte 1935 darin einen Tänzer, der seine Lady, Carole Lombard, durch sein Tanzen erobert. Wie heißt es so schön: die Rumba erzählt eine Geschichte voller Liebe, voller Leidenschaft zwischen einem starken männlichen Lover und einer spröden, herausfordernden Frau. Sex sells, das gilt eben auch in der Tanzwelt. Wobei die weltbesten Lateintänzer es schaffen, bei der Rumba eine Art „zweiter Unschuld” zu generieren. Riccardo Cocchi und Yulia Zagoruychenko, den derzeitigen Weltmeister der Professionals, etwa gelingt es, ihre Emotionen so zu präsentieren, dass das Tanzen ganz selbstverständlich, souverän und unaufdringlich wirkt. Das Geheimnis dahinter scheint jedoch im Tanzverständnis der beiden zu liegen. In einem Interview sagte Riccardo Cocchi: „What we try to do is dancing together because that is what we believe in Latin American. That is what we try to push in what we are doing – a dancing couple not individuals... You cannot teach a woman to be feminine, you cannot teach a man to be a man. It is something you feel. It is something in the genes, in the DNA something you cannot develop by image, by copying.”


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Bei der deutschen 10 Tänze-Meisterschaft der Professionals © Thomas Kirchgraber

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Tanz-Papst-Walter Laird Walter Laird ist, was die lateinamerikanischen Tänze angeht, so viel wie der Papst. Seine 1961 erschienene „Technique of Latin American Dancing” (die er 1964 noch einmal überarbeitete) stellt die Grundlage dar, nach der heutzutage alle lateinamerikanischen Tänze unterrichtet werden – von den Anfängern in der Tanzschule über die Turnierszene bis hin zu den Professionals. Er startete seine Karriere als professioneller Tänzer 1946 und wurde schließlich 1962 mit seiner Partnerin Lorraine Rohdin Weltmeister der Professionals in den lateinamerikanischen Tänzen – ein Titel, den er drei Jahre lang erfolgreich verteidigte. In den fünf Jahren, die er mit Lorraine tanzte, blieb er in allen Turnieren ungeschlagen. Ein Erfolg der ihn dazu prädestinierte, anschließend als Tanzlehrer zu arbeiten und nicht nur die besten Paare der Welt zu trainieren, sondern auch ein grundlegendes technisches Lehrbuch zu den lateinamerikanischen Tänzen herauszugeben. Was ihn so einzigarwww.danceforyou-magazine.com

tig machte, war, dass er sich schon sehr früh wissenschaftlich mit den Lateintänzen beschäftigte. Das ließ ihn eine eigene Technik entwickeln. Sein Tanzstil setzte sich durch und gilt nun weltweit als „International Style”. Natürlich forschte er ständig weiter an seinem Werk, bezog technische Neuerungen mit ein, so dass alle fünf Jahre eine überarbeitete Auflage herauskam; damit nicht genug, erschien 1997 ein Ergänzungsband mit weiteren Figuren. Postum kam dann 2003 „The Laird Technique of Latin Dancing – The Commemorative Edition” heraus, die zusammen mit dem „Supplement” bis heute alles bestimmt: Tanzlehrer, Trainer und Wertungsrichter richten sich nach Walter Laird. Er selbst sah die Dinge nicht unbedingt sklavisch. „Technique is there to support you, not to be there as an end product“, meinte er. Und: „Technique must be looked upon as a useful tool to aid the development of good dancing and not be used to kill individual expression and natural development.“


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Ballett und Stage-Dance erobern die Rumba

Franco Formica, vormaliger Amateur-Weltmeister, und Oxana Lebedev © Thomas Kirchgraber

Die Rumba hat schon eine bewegte Geschichte hinter sich und ist noch lange nicht an einem Endpunkt angekommen. Die Bestrebungen des Amateurverbandes, Tanzen mehr in die Sportecke zu rücken und noch dynamischer zu gestalten, hat den Tanz weiter verändert. Wir unterhielten uns mit dem internationalen Ex-Professional-Tänzer und derzeitigen Erfolgstrainer Christian Fahn über die Rumba von heute. Christian Fahn, hat die derzeitig getanzte Rumba noch etwas mit ihren Ursprüngen zu tun? Christian Fahn: Die Turnierrumba hat gar nichts mehr mit der kubanischen Rumba zu tun. Auch die Musik nicht, die ist genau genommen ein Bolero. Wie alle lateinamerikanischen Tänze ist auch die Rumba zum Salontanz umfunktioniert worden. Das sind alles stilisierte und erfundene Bewegungen. Alles was Rumba ist an der Rumba, ist der Rhythmus. Das gilt ebenso für die Samba. Ich habe mir das in den Sambaschulen in Rio de Janeiro angeschaut: das hat null Komma null mit unserem Tanzen zu tun. www.danceforyou-magazine.com

Top-Trainer Christian Fahn © Thomas Kirchgraber

Gespräch mit Top-Trainer Christian Fahn über neueste Entwicklungen


Bei der deutschen 10 Tänze-Meisterschaft der Professionals © Thomas Kirchgraber

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Zur Charakteristik der Rumba

Der unumschränkt anerkannte Figurenkatalog von Walther Laird ist also eine reine Erfindung? Walther Laird hat sogar die Figurennamen erfunden! Die jedem Tanzschüler vertraute Bota Fogo zum Beispiel ist die Benennung eines an der Wasserseite gelegenes Stadtteils von Rio. Rumba oder Bolero werden original nur im Knie getanzt. Es gibt keine gestreckten Beine, wie wir sie heute im Turnier sehen. Kubanische Rumba ist ein sehr intimer Tanz, ohne offene Form. Allerdings sollte man bedenken, dass eine Turnier-Rumba eine Kunstform ist. Nur das kubanische Original zu tanzen, wäre sehr eintönig. Was geblieben zu sein scheint, ist jedoch das Thema des Tanzes, das Werben von Mann und Frau. In der derzeitigen Turnier-Rumba wird das Werben in einer komplexen Choreographie gezeigt mit vielen Spiraldrehungen, die aus dem Ballett übernommen worden sind. Andrea Beer (Zehn Tänze-Weltmeisterin) hat diese Rumba-Pirouette erfunden. Da gibt es keine Seiten- oder Hüftdrehungen, alles wird sehr hoch auf Ballen getanzt und auch auf Ballen beendet. In der Rumba geht es ähnlich zu wie bei Tango und Tango Argentino. Der sehr intime Tanz wurde auf Show getrimmt. Bei der Entwicklung der Rumba kam es ja von 1956 bis 1963 zum sogenannten Rumba-Krieg, bei dem es darum ging, ob in der Rumba nun der Wiegeschritt oder das Karree vorherrschend sei. Wobei man sich dann darauf geeinigt hat, dass beides erlaubt ist. Wie geht es nun mit der Rumba weiter?

Früher gab es nur verschiedene Figuren und Rhythmen. Heute wird die Rumba als sehr komplexes Gebilde mit vielen Rhythmen getanzt. Gab es früher nur Geschwindigkeit und Pose, so sind das jetzt hintereinander abfolgend Rhythmen mit End-Pose. Alle Posen kommen aus dem Ballett oder Stage-Dance. Spagat etwa. Jetzt, da das Tanzen ja nach dem Willen der World Dancesport Federation immer sportlicher werden soll, tanzen die Herren zehnfach Drehungen, stationäre Pirouetten. Die Damen bleiben da mehr im Hintergrund – sie werden auch nicht so sehr bewertet. Sie sind eher geführtes Beiwerk, leben von der Flexibilität ihrer Körper. Da die Herren weniger Schrittmaterial haben, gibt es dafür mehr Solos für sie. Da hat sich viel verändert. Das entwickelt sich wie eine rhythmische Sportgymnastik. Eine schlechte Rumba fällt von einem Spagat in den anderen. Vielleicht sollte man wieder etwas mehr back to the roots. Der Tanz lebt von der Emotion. Aber nur noch Leiden und Herzschmerz sind auch zu wenig. Dazwischen will man auch Tanzen sehen. Gibt es auch andere Entwicklungs-Ansätze? Joanna Leunis (amtierende Europameisterin) geht noch weiter weg vom Lateintanzen, hat aber sehr kreative Momente. Ruud Vermey war der erste, der mit Energiewechseln gearbeitet hat. Er hat Laban integriert und alternative Formen. Er hat auf Laut und Leise gesetzt und uns auch mal flüstern und schreien lassen. Eine super Sache, aber erst dann, wenn man seine Basic-Techniken beherrscht.

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Zu den innovativsten Köpfen, die sich nach Walther Laird mit den lateinamerikanischen Tänzen beschäftigt haben, gehört Ruud Vermey. Er ist wohl der erste, der Lateintanzen ebenso ernst betrachtet wie das Ballett. Was sicher auch daran liegt, dass er, der Holländer, nach einer Bühnen-Tanzkarriere in Frankreich, Portugal, Hongkong und Amerika eine weitere als professioneller BallroomTänzer begann, die ihn bis in Finale der Europa- und ins Semifinale der Weltmeisterschaften in den Lateintänzen der Professionals führte. Seitdem gilt er als überragender Trainer (bei dem sich viele Professionals den letzten Schliff holen). In seinem Buch „Thinking, Sensing and Doing in Latin American Dancing” stellt er seine Gedankenwelt einer breiten Öffentlichkeit vor. Ihm widerstrebt das „much ado about nothing”, das Tanzen nur als buntes Oberflächen-Phänomen betrachtet. Zum Tun fordert er auch Denken und Fühlen ein. So geht es Ruud Vermey viel um Energieflüsse und Kreativität. Zur Basic-Charakteristik der Rumba bemerkt er unter anderem Folgendes: Body: „Physically, the emphasis is given to the hips. The woman emphasizes her hips trough movement, tending and focussing an awareness of this effect. The male emphasizes his hips trough movements and through awareness of his movements, but focuses on his partner”. Action: „In the Rumba, the walks do not serve to create ,traveling´, but to serve the weight transference.” Space: „Choreographically, the dance does not travel in space but is created in space via encircling, sliding and passing of the couples around… There is more emphasis on shaping and design.” Dynamics: „The dance gives into gravity with a characteristic movement quality of heaviness, combined essentially with free flow and sustained and flexible qualities.”


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39 Züricher Ballett, Yen Han und Olaf Kollmannssperger in Romeo und Julia. Ch. Christian Spuck © Monika Ritterhaus

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SPRING AWAKENING 2013 Welcome Switzerland’s new dance season By Christine Lehmann

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nce the holiday season is over, daily life is back. Maybe, you made many New Year’s resolutions such as taking more classes, eating healthier or even trying to be a better colleague to your fellow dancers or are you among those who prefer starting the New Year without making resolutions? Whether you are sticking to them or not, we were busy finding out Switzerland’s brand new dance programme. Enjoy reading our selection of some of the most promising shows. And yes, should one of your resolutions be going to more performances, you should definitely stick to it!

Onegin as well as Hot Blood. The latter is a community project and a cooperation between Basel Ballet, Education projects Basel and the Kammerorchester Basel. It shows the

outcome of a workshop given to children and teenagers. Le Ballet du Grand Théâtre de Geneva will present Igor Stravinskys’ Le Sacre du printemps, rechoreographed by Andonis Foniadakis and Les Noces, rechoreographed by Didy Veldman. Beside Switzerland’s own dance companies, there will be also worthwhile shows by guest companies in 2013: The Russian State Ballet will show Swan Lake in the Kongresshaus Zurich in January. Rasta Thomas’ Rock the Ballet will be back to Zurich with a brand new programme for those of you who like it trendy.

Züricher Ballett, William Moore und Katja Wünsche in Romeo und Julia. Ch. Christian Spuck © Monika Ritterhaus

Let’s begin with the Zurich Ballet. Why not starting the New Year with an outstanding love tragedy? Christian Spuck’s Romeo and Julia will be back in January for all the unlucky ones queuing up to find out that there were no tickets left. Spoerli’s renowned Swan lake will be back too and of course, the new season starts with two premières: Leonce and Lena by Spuck and Ballettabend that will show choreographies by William Forsythe, Edward Clug and Paul Lightfoot / Sol Léon. In June, there will be also five evenings dedicated to show the work of young choreographers. The Basel Ballet will show Stijn Celis’ Cinderella, Richard Wherlock’s Eugen

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And last but not least a “Tango Fire” to avoid the cold January temperatures. The Buenos Aires tango company Tango Fire will show their new production Flames of Desire. The young dancers will present several tango styles and are accompanied by live musicians, the Quareto Tango Fire. As you can see, the new dance season offers something for everybody’s taste. Stick to your New Year’s resolutions and broaden your dance horizon! Happy New Dance Year to all of you!


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Traum der roten Kammer © Bettinna Stöß

Der Traum der roten Kammer

Von Isabell Steinböck

In Kooperation mit dem Hong Kong Ballett hat Ballettchef Xin Peng Wang erstmalig den bedeutendsten Nationalroman seiner Heimat in Choreografie übersetzt. “Der Traum der roten Kammer” („Hóng Lóu Mèng”) von Cáo Xuequín kam am Theater Dortmund als bildgewaltiges, geradezu cineastisches Handlungsballett auf die Bühne (Konzept und Idee: Christian Baier). Beeindruckend sind vor allem die Ensembleszenen in Frank Fellmanns aufwändig ausgestatteter Bühne, pompös, mitunter auch pathetisch, aber unwiderstehlich schön. Die Musik, versiert gespielt von den Dortmunder Philharmonikern, stammt von Michael Nyman, der durch Soundtracks zu „Das Piano“, „Prosperos Bücher“ oder „Gattaca“ weltbekannt wurde; für Kostüme, Lichtdesign und chinesischen Tanz wurden Künstler eigens aus China engagiert. Xin Peng Wang zufolge ist die Wirkung der Geschichte um den Aufstieg und Fall des reichen Hauses Kia mit europäischen Romanen unvergleichlich. Der Ballettchef beschreibt Literatur im Programm als „Herzkammer Chi-

nas“, aus dem sein Volk bis heute kulturelle Identität schöpfe. Im Zentrum steht die unglückliche Liebe von Pao Yü, ausdrucksstark dargestellt von Mark Radjapov, zu Lin Dai Yü. Monica Fotescu-Uta tanzt die zarte, kränkelnde Dichterin mit Sinn für Dramatik, zeigt klassische Linien, um sie alsbald zu brechen. Hustend, mit angewinkelten, stotternden Füßen, stirbt sie schließlich an Tuberkulose und gebrochenem Herzen. Pao Yü leidet an

den Folgen von Enteignung und Krieg, die im Zeitraffer an ihm vorüberziehen. Xin Peng Wangs Bekenntnis zu Individualität und Selbstbestimmung führt über die Mao-Zeit einer gesichtslosen Gesellschaft mit staatlicher Zensur bis ins anonyme, kalte 21. Jahrhundert. Da erscheint „Die rote Kammer“ als letzte Zuflucht am Ende tatsächlich wie ein Traum ...

Goyo Montero setzt mit „Faust“ seine Linie in Nürnberg fort von Anke Hellmann

Faust, Carlos Lázaro, Ensemble © Jesús Vallinas

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änzerinnen treten in bunten Kleidern und meterlangen, hauchdünnen Ärmeln auf. Inmitten rot-goldener Säulen und schwerer Samtvorhänge drapieren sie die Tücher auf ihren Unterarmen, lassen sie fliegen. Das Dortmunder Ballett zeigt eine Ballszene im China des ausgehenden 17. Jahrhunderts. Es geht um das vom göttlichen Schicksal bestimmte Leben des jungen Adeligen, Pao Yü: Der junge Mann wächst mit zwei Cousinen auf; die eine liebt er, die andere muss er heiraten. Erst als Bettler ist es ihm vergönnt, Ruhe im Jenseits zu finden.

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Als Kindsmörderin im langen Kerkerkleid tanzt sie mit Faust im zweiten Akt einen immer noch intimen und gleichzeitig doch hoffnungslosen Pas de deux. Fausts alter ego ist der wirre „Meister“, fabelhaft interpretiert von Saúl Vega. Aus einem der multifunktionalen Rollkästen windet er sich im Anstaltshemd und mit Mütze (bestickt mit einem gelben M) heraus, stolpert, stürzt und strauchelt analog zur Stimme aus dem Off. Diese stottert bekannte Passagen aus Goethes „Faust“ wie „Da bin ich nun ich armer Tor …“. Viel von seiner Eindrücklichkeit hat Monteros „Faust“ der Komposition von Lera Auerbach zu verdanken. Ein Konglomerat aus Walzer und Choral, Soli und Kammermusik, Selbstkreiertem und SchostakowitschAdaptionen, stimmungsvoll zwischen Melancholie, flimmernder Leidenschaft und düsterer Bedrohung changierend und gelungen gespielt von der Staatsphilharmonie Nürnberg. Auerbach selbst interpretiert den goethischen Faust am Klavier auf der Bühne, während Violine (Stanko Madic) für Mephisto und Violonchello (Arita Kwon) für Margarete stehen. Trotz erdrückender Wortlast gab´s tosenden Schlussapplaus.

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Vielseitig Mauro de Candia und seine neu formierte Compagnie am Theater Osnabrück Von Isabell Steinböck

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it fließend-weichen, teils gebrochenen Bewegungen schiebt sich die Tänzerin rückwärts über die dunkle Bühne, vorbei an einer Kulisse aus knittrigem Papier. In Wellen zieht sich das Material über die Bühne, bildet Nischen, aus denen Tänzer hervortreten und wieder verschwinden. Aus dem Off ertönen Geräusche: Seiten, in denen jemand blättert, bevor sie zerknüllt werden. „Incanto“ (übersetzt: Zauber, Verzauberung, Bezauberung) ist der erste Tanzabend des neuen Leiters der „Dance Company Theater Osnabrück“, Mauro de Candia. Ursprünglich hatte der 31-jährige Italiener, der bis dato international freischaffend als Choreograf engagiert war, das Stück für die Münchener Compagnie, Ballett im Theater am Gärtnerplatz, kreiert. In seiner ersten Zusammenarbeit mit dem neu formierten, zehnköpfigen Osnabrücker Ensemble entstand daraus ein überarbeitetes, abstraktes Stück mit dem Titel „Papier de Chair II“ („Papier der Haut II“). Wie Teilchen einer Masse agieren die Tänzer miteinander, wenn sie einander in die Weite dehnen oder in athletischem Tanz immer neue, ästhetische Gebilde formen. Dass es dem Choreografen laut Programm auch um den Ausdruck von Gefühlen geht, erschließt sich kaum. Evidenter wirkt dagegen die www.danceforyou-magazine.com

Incanto © Jörg Landsberg

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chauspielerin Julia Bartolome als Mephistopheles-Figur war dem Publikum des Nürnberger Staatstheaters aus Goyo Monteros „Don Juan“ (Dance for you berichtete) bereits bekannt. Neu waren weitere Teufelsfiguren, die der Nürnberger Ballettdirektor neben Goethe bei Michail Bulgakow und Thomas Mann für seine „Faust“-Uraufführung fand: Asasello, Popota und Voland, interpretiert von Sayako Kado, Natsu Sasaki und Simon van Heddegem, agieren wie die Gruppentänzer mit bleichen Gesichtern, dunklen Augen und schwarzen Gothic-Gewändern (Kostüme: Angelo Alberto und Goyo Montero). Verena Hemmerleins graphitähnliche Quaderarchitektur auf der Bühne komplettiert Monteros düster-groteskes Gesamtkunstwerk aus Musik, Tanz und Sprache. Wobei letztere dominiert: Sprachgewand und in ihrer wunderbaren herben Art tritt Bartolome mit Gott, den Figuren und dem Publikum in Dialog. Carlos Lázaro verkörpert im braunen Hausmantel jenen – in diesem Fall wortlosen – Wissenschaftler, der den Pakt mit dem Teufel schloss. Ist sein oft geneigtes Haupt ob der Erkenntnis seiner folgenreichen Tat, die er an Margarete (Marina Miguélez) begann, so schwer geworden? Diese überzeugt mit ihrem präzisen, anschmiegsamen Bewegungsduktus.

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Ausgangsidee von Origami: Veränderung der Form durch kunstvolle Bewegung. Wie vielseitig die Compagnie ist, zeigt der zweite Teil des Abends. „Purple Fools“ („Hochtrabende Idioten“), ursprünglich choreografiert für das Milwaukee Ballett, ist vor Bewegung sprühendes Tanztheater im Stil einer Groteske. Zu Klassikern aus Opern- und Orchestermusik werden Theater und Künstler selbst persifliert: Tänzerinnen mimen dramatischen Gesang (großartig in Ausdruck und Tanz: Saori Ando), schütteln sich den Staub aus überdimensional großen Haarknoten oder landen buchstäblich auf der Nase. In de Candias rasanter Choreografie jagt das Ensemble auf rollbaren Stühlen über die Bühne, Tänzerinnen werden von Tänzern durch die Luft gewirbelt, hysterische Frauen wehren um sie buhlende Männer gewaltsam ab. Überdreht-clowneske, grandios getanzte Szenen, die neugierig machen auf das, was noch kommt...


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Zeitgleich: Die Geschwister Schröder machen mobil Von Volkmar Draeger

von The Doors. Eigentlich wirkt er, als sei er Rocker-Nachfahre und bewusst hineininszeniert. Zwischen den Bahnen der Hintergrundaushängung tauchen Köpfe auf und suggerieren die Geburt der Legenden. Auch im Weiteren sind sie immer wieder zu sehen, im Interview und im Live-Konzert zu hören, die verblichenen Sterne des Musikhimmels. Schröder setzt eine Flut choreografischer Bilder in Gang, die das Wollen der Neu-Hippies illustrieren, Reminiszenz an die Verstorbenen sind.

27, Ch. Silvana Schröder © Thüringen Ballet

Nicht als nachbuchstabierte Vita, aber emotionale Quintessenz aus der tödlichen Spirale rauschhafter Auftritte und verqueren Privatlebens. Gleißendes Licht hebt sie von der Masse ab, Qualm vernebelt ihre Sinne, wie Schnee regnen Drogen, der trügerische Ausweg aus persönlichen Krisen und dem Zwang, am nächsten Abend wieder alles zu geben. Schröder löst das durch fulminante Soli und Duette, technisch knifflig im Mix klassischer, moderner, jazziger, akrobatischer Elemente, emotional in den gestalterischen Forderungen an die Tänzer, von ihnen exzellent bewältigt.

Silvanas „27“ beim Thüringen Ballett: Leb schnell, stirb jung Mut besitzt Silvana Schröder, Chefin des Thüringen Balletts mit Sitz in Gera. Kein geringeres Thema hat sie sich für ihre Uraufführung ausgesucht als Leben und Sterben der Mitglieder vom Club 27, jenen Sangesbarden meist der Rockszene, die sich mit 27 aus dieser Welt verabschiedet haben, vornehmlich durch eine Überdosis an Drogen. Erstes Opfer dürfte Brian Jones von den Rolling Stones gewesen sein, als er 1969 tot in seinem Pool aufgefunden wurde; vorerst letztes Amy Winehouse, die es 2011 erwischt hat. Dazwischen Promis wie Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison, Kurt Cobain, die Deutsche Alexandra, der singende US-Schauspiel-Star

Heath Ledger und weniger Populäre. Rettende Klammer, um keine getanzten Bios auf die Szene zu bringen, ist eine Sicht von heute aus: Fans wollen es ihren Idolen gleichtun und so auch zum Club 27 gehören. Am Eisernen Vorhang hockt rauchend ein Mann mit Kapuze; Fetzen dokumentarischer Gesprächstexte laufen vom Band, werden durch das Adagio aus Gustav Mahlers 9. Sinfonie erstickt. Dazu Fotos in der Projektion: Hendrix, Joplin, Cobain, Winehouse. Die von Jim Morrison bleibt stehen; wo sein Mund ist, öffnet sich eine Tür, durch die der Mann in eine lärmende Welt zu treten sucht, vorerst klemmen bleibt, mit dem Eisernen ein Stück aufwärts fährt, weil der Rahmen zu eng scheint für das, was er will, dann doch abspringt ins gewünschte Leben. Als der Eiserne sich senkt, kommt durch die Tür der finnische Gitarrist Arto Mäkelä, der live spielt, wofür Schröder die Rechte nicht erhielt: Titel www.danceforyou-magazine.com

Liebe, Aggression, Verzweiflung, Einsamkeit, Trug drücken sich aus, all das, wofür der Tanz prädestiniert ist. „Marijuana“ singt Nirvana, „Summertime“ und ihr grandioses „Cry baby“ kommt von Joplin, „My body is a cage“ klagt Sara Lov und, nochmals zu einer der schlüssigsten Szenen, Peter Gabriel. Ein Hauch von Woodstock liegt bisweilen über der Bühne und geht aus von der Gefahr, die ein Leben bis zur Grenzerfahrung in sich birgt. Es ist die Spannung zwischen Musikbegeisterung und einem Zuviel an Identifikation mit Ausnahmegestalten, die die jungen Leute im Stück treibt und den Abend trägt. Heath Ledgers vibrierend interpretiertes „Hallelujah“ ist der Sterbesang eines Todwunden und endet auch im Stück mit dem Tod der Figur; „The winner is“, im Mitschnitt einer Preisvergabe, klingt da wie Hohn. Im Finale brennt Hendrix‘ Gitarre, steigert sich der Taumel, rieselt der „Schnee“ vom Plafond. Zu Musik wie ein Sterbeschrei senkt sich der Eiserne, sinkt der Mann dem Gitarristen an die Schulter. „This is the end, my friend“ hallt es lakonisch vom Band. Musik und Tanz in fesselndem Miteinander, trotz der strapaziösen 90 Minuten ohne Pause.


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Marios „Eine Weihnachtsgeschichte“ in Leipzig: Kühle Ästhetik, futuristischer Schick Schon einmal hat Charles Dickens‘ „Eine Weihnachtsgeschichte“ die Tanzbühne erobert: 1988 in Bonn und in der Choreografie von Youri Vámos, verfugt damals mit Tschaikowskis „Nussknacker“, ein Langzeiterfolg dann in vielen Theatern. Nun geht Dickens allein auf den Parcours: In Leipzig transponierte Mario Schröder die 1843 veröffentlichte sozialkritische Story um die Läuterung eines Geizhalses in ein Erlebnis für die gesamte Familie, gliederte den Inhalt in 18 Bilder und ordnete ihnen sinfonische Musik zu: von Engländern wie Britten, Elgar und Bridge, dazu „Festlands-Leihgaben“ von Grieg, Sibelius, Ravel, Saint-Saëns, Chabrier, Webern, Smetana sowie vom Amerikaner Michael Torke. Farbe bringt auch Andreas Auerbachs und Paul Zollers Ausstattung ein. Wie von Zauberhand verwandeln sich Dekorationen, machen Umbauten zum Teil des Tanzes. Auch bei den Kostümen dominieren Rot und Blau, in kühl heutiger Ästhetik und mit futuristischem Schick. Schröder verzichtet auf sentimentale Einfärbung, erzählt ohne pantomimische Elemente, entrollt einen szenisch-sinfonischen Bilderbogen statt einer prallen Mitbang-Story. Emotion bringt das Tanzvokabular ein, artistisch wie eh, klassisch basiert, modern erweitert, in den Schleudern großer Duos und Trios mit cleveren Anleihen aus dem Eiskunstlauf. Wie passfähig das literarische Sujet umgesetzt ist, macht den Abend zum ganz eigenständigen Wurf.

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Schmetterling auf Spitze und mit Flügeln aus Dollarnoten. Schlafend erlebt der Fabrikant dann alptraumartig Stationen seines Weges. Er sieht sich als Jungen, den uniformierte Mitschüler hänseln, der sich in Bella verliebt und doch dem glatzköpfigen Millionär folgt, weil der Reichtum verheißt. Das Trio des Liebespaars mit dem alten Scrooge und deren Doppel-Duett mit dem Millionär ist erster erfinderischer Höhepunkt. Zwischen Wolkenkratzern, deren Fenster zwinkern, macht der Junge Karriere, feiert Weihnachten mit Reichen unterm hängenden Christbaum aus Lichtern. Als Vision sieht er ins Haus seines armen Vorarbeiters, dessen Sohn im Sterben liegt; der Christbaum wird da zum Stern von Bethlehem, hinten findet die heilige Familie Zuflucht in einem Geschenkkarton. Noch legt Scrooge resolut den Steuerknüppel um, das Begräbnis des Vorarbeiter-Sohnes im Schattenriss erschreckt ihn dennoch. Dann folgt der Blick in die eigene Zukunft. Einsam ragen seine Beine aus dem Grab, der tote Leib wird Spielball von Gerippen, die, effektvolle Einlage, mit schwebenden Gliedmaßen tanzen. Verwandelt erwacht Scrooge. Hatte er die Arbeiter bisher nur traktiert, begrüßt und umarmt er nun jeden, streift sich den Weihnachtsmantel über und zieht mit schwerem Geschenkesack zur Bescherungstour durch den Saal ab. Dass so viel humanistische Einkehr nicht simpel wirkt, dafür sorgt neben den comicartig stilisierten Kostümen Schröders bei aller

Eine Weihnachtsgeschichte © Bettinna Stöß

Umzuwerfen hat auch Fabrikant Scrooge jeweils zu Schichtbeginn den Steuerknüppel, damit die Herstellung von Weihnachtsmännern aus Schokolade floriert. Seine Armee chaplinesk schnauzbärtiger Arbeiter schuftet sich an personifizierter Schokomasse ab, drapiert sie weihnachtlich, was die Leckereien steif wie ihre essbaren Kollegen macht, und stellt sie aufs Fließband. Rohre dampfen, am Rand räkelt sich Scrooge auf Geldsäcken. Der Neffe, knallig pink bis zum kecken Schopf, hier keine Jammergestalt, kommt mit seiner Einladung zum Fest schlecht an, weil der Onkel lieber mit Geld tanzt: einem

ernsten Absicht gern auch ironisch-groteske Zeichnung. So wird die Mär vom geheilten Geizkragen doch kein weltfremdes Menschheitsbesserungsidyll, wohl aber zum Appell an jeden, im Kleinen Gutes zu tun. Tomáš Ottych als Scrooge und Tyler Galster als sein geschmeidiger Neffe leihen dem kurzweilige 80 Minuten durchlaufenden Abend besondere Akzente, bestens präsentiert sich die Gruppe; das begleitende Gewandhausorchester, hier unter William Lacey, ist ohnehin stets ein Genuss.

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44 You make me, Helsinki Dance Company © Sakari Siika

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& Co machte im „Theater im Pumpenhau“, Münster, Station. Ihre Deutsche Erstaufführung von „You make me“ zeigt sich verspielt: Wie oft hintereinander kann das Publikum ein Musikstück hören, ohne dass es sich langweilt oder gar einschläft?, fragen die Darsteller. Und: Weshalb macht ein Song depressiv? Wie unterschiedlich kann man ein Lied covern - und vor allem tanzen? Eine Tänzerin und vier Tänzer setzen diverse Stimmungen in Bewegung um und verzichten mitunter auch ganz auf Musik, ohne dass Kvarnströms ausgereifte Choreografien, die fließende Bewegungen gekonnt miteinander verbinden, an Spannung verlieren. Langweilig wird es tatsächlich nie, dafür ist der Tanz dieses versierten Ensembles viel zu schön.

Grotesk und tiefschwarz

Die Deutsche Erstaufführung „You make me“ der „Die Helsinki Dance Company“ Von Isabell Steinböck

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wenn sie sich kokett eine Haarsträhne um den Finger wickeln oder verschämt kichern wie Schulmädchen. Aus dem Off tönt Nina Simone: „You know how I feel“ - ein witziges, ironisches Tanzstück, das Männer wie Frauen gleichermaßen ins Visier nimmt. Die Helsinki Dance Company von Kenneth Kvarnström

Marie-Agnès Gillot and Benjamin Pech in Woundwork 1 © Anne Deniau

ine groteske Szene: Vier Tänzer stehen mit langhaarigen, schwarzen Perücken, in braven Hemdblusenkleidern auf der Bühne und lassen die Köpfe kreisen wie Hardrocker. An der Bühnenseite verbreitet eine Windmaschine Höllenlärm. Momente später wirken sie schüchtern und brav,

Skurrile Ideen und phantastische Kostüme scheinen ein Markenzeichen der finnischen Kompagnie zu sein; großartig, wie Kvarnström seine Tänzer durch Ganzkörper-Anzüge unkenntlich macht oder sie in schwarzen Federmänteln und Zylindern auftreten lässt, wie elegante Todesboten. Mutet der Tanz zunächst grotesk an, so wird es allmählich immer düsterer, ohne die ironische Distanz zu brechen, etwa, wenn Kvarnström einen Tänzer seine Partnerin in die Höhe stemmen lässt, bis die Muskeln zittern. Oder wenn Johanna Elovaara mit ausgebreiteten Armen auf nur zwei Holzklötzen liegend wie gekreuzigt, an die Grenzen ihrer Kraft gerät. So kehrt sich schließlich das Innerste nach außen, und das geht tiefer, als man zunächst vermutet hätte.

William Forsythe and Trisha Brown in Paris The end-of-the-year mixed bill at the Opéra Garnier by Alessandro Bizzotto www.danceforyou-magazine.com


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hree William Forsythe ballets, created for the Paris Opéra, were presented again at the Palais Garnier this season. Taken in the spirit of a celebration, it is not unusual at all. The Paris Opéra Ballet has always been dreadfully proud of its status as one of the companies for which contemporary choreographers create their new (interesting or not) works the most. In the Middle, Somewhat Elevated, Woundwork 1 and Pas./Part were brought on stage in a mixed bill along with Trisha Brown’s O Złożony / O Composite, created for the French company as well in 2004. In the Middle’s exploration of the limits of the physique and of the classical technique undoubtedly suits Parisian dancers, lead by Fabien Révillion, Christelle Granier and the new première danseuse Valentine Colasante. Movements are executed with intense power, the pointe work has the necessary toughness and most of the scenes have remarkable visual beauty. The feeling the ballet would be far more fascinating without Thom Willems music, though, lingers still. The aggressive

musical experiment, after more than twenty minutes, ends up being too noisy and maddening. Trisha Brown pas de trois was probably the least agreeable of the four ballets. O Złożony / O Composite combines movements and music in a hardly understandable way: steps and torsions of the bodies follow one another without an apparent link, making it hard for the audience to emotionally connect with the choreography. Created for two male dancers and a ballerina, Brown’s ballet is set on a beautiful backdrop which recalls a galaxy, with its bright points on a dark surface. But the music by Laurie Anderson is monotone, its vocal murmurings are annoying, and the whole score makes O Złożony / O Composite even more difficult to be understood and appreciated, despite Isabelle Ciaravola’s elegance and Nicolas Le Riche’s strong charisma. No wonder the audience of the Opéra Garnier welcomed Forsythe’s Woundwork 1 with greater enthusiasm. Created in 1999, the ballet presents a series of variations on the pas de deux, a combination of smartly

Cinderella tanzt nicht in Sack und Asche Christopher Wheeldon interpretiert Prokofieffs Ballett in Amsterdam Von Hartmut Regitz

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intertwined movements for two couples. The choreography coerces classical steps into the service of contemporary aesthetics and starts off in a more chic setting, flood with yellow light, while the whole ballet is charged with an intensity and an elegance which matches the luminous pastel colours of the costumes. Partnered by Benjamin Pech, étoile MarieAgnès Gillot shines magnificently. Nicolas Le Riche follows première danseuse Eleonora Abbagnato’s movements with mastery and inspiration. Pas./Part is a phrenetic course of solos, duets, trios, quartets and ensemble pieces. It investigates the limits of ballets, but celebrates above all dancers’ ability to go beyond them enjoying the pleasure of dancing. Unfortunately, the delirious mess of the choreography probably makes it more pleasant for the dancers themselves than for the audience. In the cascade of entrances and exits, première danseuse Nolwenn Daniel is a luminous presence, exquisite and confident in technique.

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rei Nüsse gibt’s diesmal nicht für Aschenbrödel. Aber in der neuen “Cinderella”-Inszenierung von Christopher Wheeldon übernimmt ein Baum die Funktionen seiner Früchte: Benetzt von den Tränen eines kleinen Mädchens, das in jungen Jahren seine Mutter verliert, wächst er innerhalb kürzester Zeit nicht nur zu imponierender Größe heran; wann immer Cinderella ihrer bedarf, entsteigen ihm mit Ernst Meisner, James Stout, Rink Sliphorst und Jared Wright vier Schutzengel, ihr Schicksal wieder in die richtigen Bahnen zu lenken was in diesem Fall durchaus wörtlich zu verstehen ist: Am Ende des ersten Aktes jedenfalls, sobald das Jahreszeiten-Ballett vorüber ist, verwandeln sich die dienstbaren Geister auf wundersame Weise in einen Wagen, der etwas Visionäres hat und doch ganz Natur ist.

Het Nationale Ballet, Cinderella © Angela Sterling

Ein starkes Bild, das selbst dann noch im Gedächtnis haftet, wenn die anderen Szenen allmählich verblassen. Und es gibt viele davon. Wie Terence Kohler in Helsinki greift auch Christopher Wheeldon auf das Grimmsche Märchen zurück, das dem Komponisten Serge Prokofieff in der veränderten Fassung von Charles Perrault vorgelegen hat, und zeigt erst einmal das Familienidyll, das wie eine Folie wirkt, vor der sich später das Aschenbrödel-Dasein Cinderellas abhebt. Doch die Mutter ist krank. Kaum dass sie das Taschentuch blutig hustet, siecht sie auch www.danceforyou-magazine.com


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schon dahin. Nur der Grabstein bleibt der Heranwachsenden als Erinnerung, und der wird mehr und mehr zum Ort, auf den sich das Geschehen konzentriert. Dazwischen geblendet hat Wheeldon die Welt des Prinzen, der bei ihm sogar einen Namen trägt. Und so wie Siegfried in “Schwanensee” seinen Benno hat, stellt ihm der Choreograf (d. h. der Librettist Craig Lucas) mit Benjamin einen Freund zu Seite, mit dem er erst einmal gehörig über die Stränge schlagen darf, bevor ihn König Albert zur Ordnung ruft. Die ist offenbar nur durch eine Heirat garantiert, und deshalb machen sich die beiden auf den Weg, selbst nach geeigneten Kandidatinnen zu suchen - nicht ohne zuvor allerdings ihre Rollen zu tauschen. Als Bettler verkleidet, erkennt der Prinz so zum ersten Mal das wahre Gesicht seiner späteren Gattin.

Matthew Golding & Anna Tsygankova © Angela Sterling

All das ist schnell erzählt, und der Artistic Associate des Londoner Royal Ballet choreografiert seine Geschichte denn auch so schlüssig und dabei so leichtfüßig, ja geradezu witzig, dass das Publikum daran seine helle Freude hat. Wie im Flug wechseln die Schauplätze, und Julian Crouch ist gemeinsam mit dem Video-Künstler Daniel Brodie Fantastisches eingefallen, um den Lebensbaum ganz lebendig erscheinen zu lassen und die Natur so natürlich, wie das in einem klassisches Ballett überhaupt möglich ist. Anna Tsygankova jedenfalls tanzt keinesfalls in Sack und Asche, selbst wenn sie sich ein anderes Dasein ersehnt, und Matthew Golding, ohnehin schon ein Sympathieträger des Het Nationale Ballet, gibt den Prinzen weniger abgehoben als in anderen “Cinderella”-Choreografien, ja fast schon etwas bürgerlich-hemdsärmelig. Selbst die beiden Stiefschwestern, von Megan Zimny Gray und Nadia Yanowsky verkörpert, sind letztlich zum Verlieben, und das geschieht denn auch im Fall von Clementine und Benjamin. Wir gratulieren.

Schwanensee Schwanensee Ch. Sergej Vanaev © Heiko Sandelmann

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Von Karin Hiller

„Der König ist tot – es lebe der König“ ertönt eine Stimme aus dem Off und Sergei Vanaevs ungewöhnliche Interpretation der klassischen Schwanensee-Geschichte nimmt ihren Lauf.

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wei ungleiche Brüder konkurrieren nach dem Tod des Vaters um den Thron. Die Mutter bevorzugt Siegfried, den Älteren. Der aber kämpft mit seiner zweiten Natur und verwandelt sich, von José Martinez Grau impulsiv vertanzt, unter epileptischen Zuckungen in ein schwanenähnliches Wesen. Doch nicht nur Siegfried hat ein gespaltenes Ich, auch die Damen der Hofgesellschaft tragen Masken mit zwei Gesichtern. Vanaevs Botschaft: kein Mensch ist nur eindimensional geprägt, jeder Charakter trägt auch konträre Seiten in sich. Minimalistisch, auf wenige Handlungselemente fokussiert, führt Vanaev die Protagonisten ein. Gegenspieler Siegfrieds ist sein jüngerer Bruder Henry. Er versucht mit Hilfe einer Spionin Siegfrieds Anderssein zu entlarven. Siegfried flieht und gelangt an einen See, wo er Schwanenwesen findet, die ihm gleichen. Auf der Bühne markiert eine große Spiegelfläche als Instrument der Selbsterkennung den See. Schräg gestellt bietet sie Möglichkeiten für halsbrecherische Bewegungsabläufe der Compagnie. Dahinter sieht man drei hohe Türme, die innen beklettert werden können, die Zufluchtsorte für die Wesen. Vanaev, selbst lange als klassischer Tänzer auf der Bühne, hat im Laufe der Jahre seine eigene choreographische Sprache entwickelt mit sehr akrobatischen Elementen, die Kraft und Dynamik vermitteln. Doch auch die klassische Basis geht dabei nicht verloren. So stehen Handstand und Flic Flac neben Fouettés und Spagatsprüngen. www.danceforyou-magazine.com

Langeweile kommt nicht auf. Nach erster Ablehnung akzeptieren der Hüter des Sees (großartig: Oleksandr Shyryayev) und sein Schwanengefolge den Eindringling als ein gleichartiges Wesen. Aber auch bei Vanaev gibt es kein Happy End, denn Henry, der seinem Bruder gefolgt ist, tötet Siegfried. Die Schwäne rächen den brutalen Mord. Vanaevs Affinität zu Handlungsballetten ist unverkennbar. Ihn fasziniert es alte Sagen und Geschichten umzudeuten und für bekannte klassische Stoffe eine neue choreographische Umsetzung zu finden. Die Themen drehen sich immer wieder um die Suche des Menschen nach sich selbst. Starke Individualisten, die abseits der Gesellschaft stehen, sind nicht selten die Protagonisten in Vanaevs Choreographien. Für den düsteren Plot seiner „Schwanensee“ Fassung ist die Bühne (Johannes Bluth) ganz in schwarz getaucht. Mit Hilfe riesiger beweglicher Elemente kann der Raum unterteilt werden und durch die entstehenden Öffnungen farbiges Licht strahlen. Hoch zu loben ist die tänzerische Qualität der kleinen Compagnie. Hier gibt es keine Nebenrollen, alle Tänzer wirken hoch motiviert und überzeugen neben technischer Sicherheit durch physische Kraft, Kondition und Emotionalität. Allen voran José Martinez Grau als sensibler, seelisch zerrissener Prinz Siegfried, Jason Franklin, der kraftvoll den von Eifersucht und Ehrgeiz zerfressenen Bruder Henry gibt und Elizabeth Towles als mitfühlende Schwanenfrau Odette, die sich in Siegfried verliebt. Musikalisch hält sich Vanaev an Tschaikowskys Original, ändert jedoch die Reihenfolge und kürzt. Dadurch kommt es zu Brüchen in


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strafungsszene des Brudermörders. Eingesperrt in einen Käfig wird Henry hoch in den Bühnenhimmel gezogen und stößt dabei angsterfüllt markerschütternde Schreie aus. Speziell in dramatischen Szenen wie dieser

Qualität von Lucia Lacarra, nahm das Stück sehr für sich ein. Das nächste große Werk José Limóns, „The Moor’s Pavane“, eines der großen Meisterwerke modernen Repertoires, komprimiert Shakespeares Legende von Othello in Form einer Renaissance: Tanz auf Barock-Musik von Henry Purcell. Mit barocken, farbenintensiven Kostümen ist Limóns Tanz eine Balance zwischen Erdverbundenheit und Schwerelosigkeit. Die Kombination zwischen Aufwärtsbewegungen in entgegengesetzten Richtungen, mit Kurven und kreisförmigen Bewegungen, während die Tänzer eine feste Stabilität und einen aufrechten Oberkörper halten müssen, ist hier charakteristisch. Als Tänzer begeisterten Cyril Pierre (Mohr), Séverine Ferrolier (seine Frau), Tigran Mikayelian (sein Freund), und Gözde Özgur (dessen Frau).

Premiere beim Bayerischen Staatsballett

Forever Young

Choreartium, Lukáš Slavický, Ilana Werner, Javier Amo © Charles Tandy

Von Mihaela Vieru

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ür immer jung? Ob man selbst für immer jung bleiben kann, das steht außer Frage. Die Antwort lautet: Nein! Menschen altern, Kunstwerke bleiben. Sicher ist auch, dass (Tanz-)Kunstwerke, auch wenn sie in die Jahre gekommen sind, sich nicht auf dem Prüfstein stellen müssen um die Frage, ob sie modern, spannend, aufregend oder aktuell sind, zu beantworten. Sie bleiben ewig jung, weil der Maßstab für die Qualität eines Künstlers auch immer die Qualität seiner Werke bleibt. So konzipierte das Bayerische Staatsballett ihre jüngste Tanzpremiere, bestehend aus drei Balletten: Russell Maliphants „Broken Fall“ (Premiere 2003), José Limóns „The Moor´s Pavane“ (Premiere 1949) und Léonide Massines „Choreartium“, Premiere 1933

zeigt sich Vanaevs Begabung atemberaubende Atmosphäre zu erzeugen. Das lässt keinen kalt und so entlädt sich am Ende der Aufführung die Spannung des Publikums in einen begeisterten Applaus.

am Alhambra Theatre in London und am 17. November 2012 an der Bayerischen Staatsoper – schlicht und einfach präsentiert, vor einem weißen Panelvorhang zu Beginn des Abends. In seinem Trio „Broken Fall“, 2003 eigens für Sylvie Guillem und zwei Tänzer kreiert, beschäftigt sich Rusell Maliphant mit der Idee des Fallens. Ein hochkompliziertes, akrobatisches Pas de trois, dass enorme Körperspannung fordert, durch Balancieren auf Schultern oder Handflächen, Heben und Fallen, meist ohne große Geschwindigkeit. Stephanie Hancox, Matej Urban, Nikita Korotkow - die geänderte Besetzung des Abends, verursacht durch einen Unfall Marlon Dinos am Vorabend der Premiere, gelang ein insgesamt guter Auftritt. Wenn auch nicht in der www.danceforyou-magazine.com

Zum Schluss erlebte Leonide Masines zweites symphonisches Werk, das abstrakte Ballett „Choreartium“ auf Brahms‘ Sinfonie Nr. 4 in e-Moll, ein Revival. „Choreartium“ ist ein Wahrzeichen von Massines Auseinandersetzung mit symphonischer Musik, transponiert auf abstrakte Bewegung. Abwechselnd tänzerische Phrasen, interpretiert durch zarte expressive Bewegungen der Frauen, und robustere Passagen der Männer ergeben ein fesselndes Zusammenspiel zwischen männlichen und weiblichen Bewegungen. Seiner Zeit voraus, war Massine ein Gigant, einer der bedeutendsten Choreografen des 20. Jahrhunderts. Dramatisch und wunderschön anzusehen waren Lucia Lacarra und Lisa-Maree Cullum, die das Münchner Publikum zu Recht begeisterten, welches am Ende tosenden Applaus bescherte.

The Moor’s Pavane, Cyril Pierre, Tigran Mikayelyan, Gözde Özgür, Séverine Ferrolier © Day Kol

der üblichen szenischen Zuordnung, was zu einem neuen, ungewohnten musikalischen Gesamteindruck führt. Ein starkes Bild, das kurz vor dem Schluss noch einmal intensive Spannung aufbaut, findet Vanaev in der Be-

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news

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MusicTheatre NOW: Weltweiter Wettbewerb für Neue Oper und Musiktheater gibt Gewinner bekannt

The Australian dancer Remi Wörtmeyer will be promoted to principal dancer from January 2013. Wörtmeyer (Adelaide) joined the company in 2010 as a grand sujet and was promoted to soloist the following year. And now he is promoted to principal. His strong technique and sparkling personality make him one of the striking dancers within the Dutch National Ballet. Wörtmeyer will make his debut as a principal dancer in the Best of Balanchine programme which will premiere on 7 February 2013 at the Amsterdam Music Theatre.

Remi Wortmeyer © Angela Sterling

The Australian dancer Remi Wörtmeyer (Adelaide) joined the Dutch National Ballet in 2010 as a grand sujet and was promoted to soloist the following year. He trained at the Australian Ballet School and went on to dance with The Australian Ballet in Melbourne and with American Ballet Theatre in New York for a year. He won the Walter Burke Award in 2005 and silver at the 8th Asian Pacific International Ballet Competition in 2001. In 2011, the leading dance magazine Dance Europe placed Remi fifteenth in their top 100 international dancers who performed outstandingly. Wörtmeyer is also active as a choreographer. For the Dutch National Ballet he created works such as La Source, as part of the programme Stardust (September 2012) which toured throughout the Netherlands and Magdalene, or, In Defence of Beauty (2011), of which a making of documentary was screened during Cinedans 2011.

Das Internationale Theaterinstitut (ITI) hat die auswählten Produktionen beim Wettbewerb Music Theatre NOW bekannt gegeben. Eines der Kernziele des deutschen Zentrums des ITI, der weltweit größten Organisation für die Darstellenden Künste, ist die Förderung des Austauschs von Künstlern und Veranstaltern. Über 400 Produktionen neuer, nach dem 1. Januar 2008 uraufgeführter Werke aus mehr als 35 Ländern wurden eingereicht. Am Wettbewerb nahmen Komponisten, Librettisten, Verlage, Dirigenten, Regisseure und Veranstalter teil. In ihrem Statement lobte die fünfköpfige Jury die hohe Qualität der eingesandten Produktionen. Die Jury, Theaterleute aus fünf Kontinenten, haben 17 Werke ausgewählt und die künstlerische Teams zum Meeting Music Theatre NOW eingeladen, das im Mai 2013 im Rahmen der Schwedischen Biennale für die Darstellenden Künste in Jönköping stattfinden wird. Dort haben die 17 Teams Gelegenheit, ihre Arbeit in Form eines Vortrags einem Fachpublikum zu präsentieren – und die Chance, Gastspieleinladungen zu erhalten. Während des Meetings werden zusätzliche Preise – Einladungen von anderen Festivals und Gastspieleinladungen zu Theatern – vergeben. Weitere Informationen zum Wettbewerb auf www.mtnow.iti-germany.de

SZENENWECHSEL Erstmals schreibt die Robert Bosch Stiftung gemeinsam mit dem Internationalen Theaterinstitut das das Förderprogramm SZENENWECHSEL aus, um internationale Kooperationen in den Darstellenden Künsten mit Partnern aus Osteuropa oder Nordafrika zu unterstützen. SZENENWECHSEL fördert den interkulturellen Austausch von Theatern, die angeregt werden, aktuelle Diskurse und gesellschaftliche Veränderungen in den Ländern Osteuropas und Nordafrikas aufzugreifen und in der hiesigen Theaterlandschaft sichtbar zu machen. Angesprochen sind Theater und freie Theatergruppen aus allen Bereichen der Darstellenden Künste wie Schauspiel, Tanz, Musiktheater, Puppentheater und Performance aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Fokus des Förderprogramms liegt auf der direkten Zusammenarbeit der Kooperationspartner. Eine bestehende Kooperation kann ausgebaut oder eine neue Kooperation initiiert werden. Die Partner sollen sich auf Augenhöhe begegnen und gemeinsam neue Erfahrungsräume erschließen. Die Mitwirkung qualifizierter Übersetzer ist willkommen. Die Förderprojekte sollen anschließend im deutschen Sprachraum öffentlich präsentiert werden, eine Präsentation im Partnerland ist gleichermaßen wünschenswert. Es können 10-12 internationale Kooperationen mit bis zu 15.000 Euro gefördert werden. Über die Auswahl der Förderprojekte entscheidet eine unabhängige Jury. Förderanträge können online bis zum 15. Februar 2013 gestellt werden. Kontakt: Zentrum Bundesrepublik Deutschland des Internationalen Theaterinstituts e.V. (ITI) Jeannette Franke, j.franke@iti-germany.de, Telefon +49 (30) 611 07 65

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TANZ DES JAHRES 2013

SCHOOLS OF AUSTRALIAN BALLET 52

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JANUAR / FEBRUAR 2013 • ISSN 1613 - 8988

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Das Tanzmagazin stellt den Künstler mit seinen Erfolgen, Zielen und Idealen in den Mittelpunkt. Korrespondenten aus ganz Europa informieren...