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Das Wohlfühl- und Nachhaltigkeitsmagazin der

01/2016

ERNÄHREN Die Winterzeit stellt unseren Organismus auf eine harte Probe. Also ran an die Nährstoffe!

BEWEGEN Dürfen wir bitten? Tanzen ist das perfekte Programm für Körper, Seele und Geist.

Alles Routine Warum wir den Alltag nötiger haben, als wir glauben


oekom Rating 2015: Die Migros ist die nachhaltigste Detailhändlerin der Welt.

Wir versprechen Giosua, unser Sortiment für Allergiker bis Ende 2016 um 30% zu vergrössern. In der Migros gibt es immer mehr klar gekennzeichnete Produkte ohne Laktose, Gluten und andere Unverträglichkeitsauslöser. Mit diesem und zahlreichen weiteren verbindlichen Versprechen engagieren wir uns für die Generation von morgen.

Unsere Allergiker-Produkte sind in ausgewählten Migros-Filialen und bei LeShop.ch erhältlich.

Mehr auf generation-m.ch


EDITORIAL

Liebe Leserin,lieber Leser

Lust auf Neues Schöner schauen

© Titelfoto: © Tommy Ton / Trunk Archive

Für mich gibt es – vor allem im Winter – kaum einen schöneren Ort als ein Museum. Ich mag diese besondere Stimmung, den Raum, den man einem umgesetzten Gedanken, einer Idee, einem Gefühl gibt. Ich mag auch die Ruhe in den Museumsräumen. Hier hat man die Möglichkeit, die Welt in anderen Bildern zu sehen. Mein Tipp: Noch bis zum 20. März läuft im Zürcher Museum Rietberg die Ausstellung «Magie der Zeichen – 3000 Jahre chinesische Schriftkunst». Eine beeindruckende Welt aus Poesie, Schrift und Malerei. Faszinierend die Arbeit der Künstlerin Cui Fei, die aus Weinreben filigrane Schriftzeichen setzt.

Ich kenne den Mann nicht. Aber ich sehe ihn mehrmals täglich. Dann nämlich, wenn ich ein internes Computerprogramm aufstarte, erscheint er als Werbebild für eine Bürosituation. An sein graues Sweatshirt und die rötlich-blonden Haare habe ich mich so gewöhnt, dass ich wohl einen Computervirus vermuten würde, wenn plötzlich eine langhaarige Blondine dort sässe. Dieser namenlose Mann gehört zu meinem Alltag wie Zähne putzen, Zimmer lüften, Zeitung lesen, Kaffee trinken um 10 und 14 Uhr (ja, mein Biorhythmus ist festgefahren) und ein paar Minütchen Klatschblätter online lesen (meine virtuellen Rauchpausen sozusagen). Klingt das langweilig? Nun, es kommt noch dicker: In der ersten VivaiAusgabe 2016 stimmen wir ein Loblied auf den Alltag an. Es geht dabei um die vielen Aspekte, aus denen dieser Teppich gewoben ist, auf dem wir durch den Tag und letztlich auch durchs Leben gleiten. Manche brauchen diesen Teppich für ihre Standsicherheit, einigen wird er unfreiwillig unter den Füssen weggerissen, andere wiederum tun alles dafür, dass er möglichst viele Löcher hat, und suchen bewusst den Ausbruch aus dem Stand-by-Modus des Alltags. Jeder von uns hat ein Gefühl für den Alltag. Ich komme ja aus einer Gegend – und mittlerweile sage ich auch: aus einer Zeit –, wo der Sonntag in hartem Kontrast zu den anderen sechs Tagen steht. Geschlossene Läden, Kirchgang, Sonntagskleidung, stille Starre im Winter, sattes Dösen im Sommer – gepflegte Langeweile eben. Ich kann Ihnen sagen: Es ist erholsam. Folgerichtig widmen wir diese Ausgabe nicht nur dem Werksalltag, sondern auch diesem berühmten siebten Tag namens Sonntag (mehr dazu ab Seite 52). Vivai begleitet Sie sieben Tage in der Woche. Dabei wünsche ich Ihnen viel Freude!

Chefredaktorin Vivai 1/16

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Hilfe bei unangenehmem Mund- und Körpergeruch Dass wir jemanden «riechen können» – oder eben nicht – kommt nicht von ungefähr. Der Geruch eines Menschen ist mit entscheidend, ob wir sie oder ihn sympathisch finden und in unserer Nähe haben möchten. Mit 400 Riechrezeptoren ist die Nase eines der wichtigsten Sinnesorgane unseres Körpers. Wissenschaftler glauben, dass sie rund 10 000 verschiedene Gerüche wahrnehmen kann.

Momenten trauter Zweisamkeit, aber auch im sozialen oder beruflichen Umfeld als störend empfunden werden. In diesen Situationen helfen die 1001 Blattgrün® Tabletten und Dragées. Sie enthalten Chlorophyllin, einen Wirkstoff, der aus dem grünen Farbstoff der Pflanzen gewonnen wird. Sie wirken wie ein Deodorant von Innen und helfen, störenden Mundund Körpergeruch zu neutralisieren. Für ein kussfrisches Têteà-Tête oder ein gepflegtes Auftreten am Business-Meeting Nun sind bekanntlich nicht alle Düfte, die der menschliche oder beim Bewerbungsgespräch. Körper ausströmt, gleich angenehm. Wer Knoblauch und Zwiebeln oder stark gewürzte Nahrungsmittel zu sich nimmt, 1001 Blattgrün® Tabletten und Dragées werden in der Alkohol oder Tabak konsumiert, trägt diesen Geruch auch Schweiz hergestellt und sind rezeptfrei erhältlich in über die Poren der Haut an die Öffentlichkeit. Das kann in Apotheken und Drogerien.

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INTERN

Impressum Herausgeber: Migros-Genossenschafts-Bund Leiter Migros-Medien: Lorenz Bruegger Verlagsleiter: Rolf Hauser Publizistische Leitung: Monica Glisenti Chefredaktorin: Susanna Heim Stellvertreterin: Christine Kunovits Redaktion: Lukas Hadorn, Imelda Stalder, Daniel Stehula Übersetzung und Produktion: Sylvie Castagné (F), Cora Gianolla (I) Art Direction: Dora Siegenthaler Bildredaktion: Cornelia Thalmann Bildbearbeitung: Reto Mainetti Korrektorat: Patrizia Villiger Redaktion und Verlag: Vivai, Limmatstrasse 152, Postfach 1766, 8031 Zürich vivai@migrosmedien.ch migros.ch/vivai

ist so ein schönes Heft! Das 28 Vivai Kompliment geben wir gern weiter, etwa an die Stylistin Katja Rey und die beiden Fotografen André Roth (l.) und Marc Schmid (r.).

Prägnante Fotoporträts einer ausdrucksstarken Tänzerin? Unsere Bildredaktion musste nicht zweimal überlegen: ein Fall für Christoph Köstlin.

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Druck: Vogt-Schild Druck AG, CH-4552 Derendingen Papier: holzfrei, FSC-Mix Zur CO2-Kompensation wird ein FSCProjekt in Brasilien unterstützt. ISSN: 1663-716X Gesamtauflage Vivai: 249 492 Exemplare D: 172 264 Ex., F: 61 931 Ex., I: 15 297 Ex.

«Den Alltag gibt es nicht. Er wird täglich neu von uns gemacht.»

© Marion Nitsch

Die Experten

Bestellen Sie Vivai kostenlos: abo.vivai@migrosmedien.ch oder Telefon 0800 180 180

David Fäh ist Ernährungsphysiologe und Dozent an der Uni Zürich. Ab Seite 28 schreibt er über Ernährung und Wohlbefinden im Winter.

Melanie Alexander ist Bühnentänzerin und Tanzlehrerin. Sie hat uns inhaltlich – und optisch – in der Umsetzung der Tanzstrecke (ab S. 42) unterstützt.

Mischa Gallati erforscht an der Uni Zürich die Alltags- und die Sozialgeschichte des Menschen. Quasi ein Experte für das tägliche Leben. Mehr ab S. 10. Vivai 1/16

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DAS FREUT UNS

Rezepturen ohne Palmöl Im Rahmen ihres Nachhaltigkeitsprogramms Generation M hat die Migros versprochen, in ihren Lebensmittelprodukten nur noch physisch nachhaltig produziertes Palmöl zu verwenden. Gleichzeitig arbeitet sie daran, Palmöl möglichst oft durch andere pflanzliche Öle zu ersetzen. So wurde das Öl Anfang Jahr aus der Rezeptur vieler Fertiggerichte, Suppen und Saucen genommen, etwa bei allen Flüssigsuppen und bei 22 von 27 Beutelsaucen.

GeMeinnützig Wie gross ist der gesellschaftliche Nutzen von Firmen und Organisationen in der Schweiz? Diese Frage beantwortet der «Gemeinwohl Atlas», in dessen Rahmen die Universität St. Gallen mehr als 5000 Personen zu 52 Organisationen befragte. Die Migros trägt demnach sehr stark zum Gemeinwohl bei: Hinter der Spitex und der Rega landete sie auf Platz 3. gemeinwohl.ch

PROF. DR. FOOD Dass beim langen und komplizierten Weg eines Lebensmittels auf den Teller des Konsumenten oft unnötig viele Nahrungsmittel, Ressourcen und viel Energie verloren gehen, ist ein erkanntes Problem. Eine neu an der ETH Zürich eingerichtete Assistenzprofessur für Sustainable Food Processing erforscht die Entwicklung neuer Verfahren, damit die Produktion von Lebensmitteln umweltverträglicher und nachhaltiger wird. Gemeinsam mit der Firma Bühler unterstützen die Migros-Industrieunternehmen die Professur mit fünf Millionen Franken.

DAS RECHNET SICH Welch grossen Unterschied eine vermeintlich klitzekleine Anpassung machen kann, hat kürzlich die zur M-Industrie gehörende Milchverarbeiterin Elsa-Mifroma bewiesen. Sie konnte das Gewicht der Kafirähmli-Verpackungen von 0,94 auf 0,8 Gramm senken und die Dicke der Deckfolie um 3 Mikrometer, also 0,003 mm, reduzieren. Pro Jahr spart sie damit nicht weniger als 20,6 Tonnen Polystyrol und 2,8 Tonnen Aluminium ein. 6

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DAS GEFÄLLT UNS

Der Migros - Steampunk Durch einen internen Tipp sind wir auf das Schaffen von Daniel Tännler aufmerksam geworden, einem Produktentwickler und Tüftler im Migros-Produktionsbetrieb Midor in Meilen. Wenn dieser nicht gerade an neuen Biscuits und Glacesorten herumtüftelt, stellt er Maschinen und Apparate her, die aussehen, als hätte Jules Verne persönlich sie konzipiert. «Steampunk» heisst das retrofuturistische Genre, das gleichzeitig kulturelle Bewegung, Lebensstil und Subkultur ist. Und Dani Tännler respektive «Dan Aetherman» oder «The Chocolatist», ist einer der ganz Grossen in der Szene. Unter anderem stellt er in aufwendiger Handarbeit Steampunk-Chocoladen nach einem Rezept von 1826 her und hat einen weggeworfenen Rechner mit einer antiken Schreibmaschine zu einem Steampunk-Computer umfunktioniert. Genial kreativ!

© Illustration: Martin Haake, Fotos: Christine Benz, Getty Images

thechocolatist.com

24 : 59, 24 : 58, 24 : 57. . .

Leider bleiben wir auch bei Vivai vom Multitasking-Wahn der modernen Informationsgesellschaft nicht gefeit. Hier ein Mail, da eine Kurznachricht, dort ein Pop-up. Alles schreit gleichzeitig nach Aufmerksamkeit. Dabei wollten wir doch nur in Ruhe diesen Text schreiben. Zum Glück sind wir über die PomodoroTechnik gestolpert, eine Methode des Zeit-Managements, die die Arbeit in Konzentrationsphasen und Pausen unterteilt. Während der 25-minütigen «Pomodori» – benannt nach dem tomatenförmigen Küchenwecker des Begründers – ist Ablenkung verboten. Danach gibts 5 oder 15 Minuten Pause. Und fertig ist der Text. Diverse Websites und Apps bieten Pomodoro-Timer an, zum Beispiel moosti.com.

Bittersüsser Lesestoff Der Mensch hat es sich über die Jahrtausende angewöhnt: Was bitter schmeckt, ist ungeniessbar, unverträglich oder gar gesundheitsschädlich. Darum: Finger weg. Mit ein Grund, warum Lebensmittel wie Artischocken, Radicchio oder Grapefruit nicht zu den grossen Publikumslieblingen zählen. Wie schade das ist, beweist das neue Buch der australischen Köchin Jennifer McLagan. In «Bitter» singt sie ein Loblied auf den «gefährlichsten Geschmack der Welt»: bildgewaltig, opulent, aufregend. Einmal den Endiviensalat an Sardellensauce, bitte! exlibris.ch (Das Buch ist nur auf Englisch erhältlich.)

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ALLTAG

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So gleich und doch so verschieden Wir alle haben ihn. Oft mögen wir ihn nicht besonders, manchmal hassen wir ihn sogar. Dabei geht es nicht ohne ihn. Er ist überlebenswichtig für © Getty Images, Gallery Stock, SRF (Montage: Vivai)

uns. Auch wenn es ihn eigentlich gar nicht gibt: den Alltag.

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DOSSIER

ALLTAG

Als Begriff gibt es den Jahrhundert. Obwohl wir in erster Linie die täglich verrichtete Arbeit mit ihm verbinden, umfasst er mehr als das. Er hält der Gesellschaft den Spiegel vor. Text: Daniel Stehula

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en Wecker abstellen, aufstehen, sich entkleiden, duschen, sich ankleiden, frühstücken, das Haus verlassen, auf dem Weg zum Büro eine Flasche Wasser kaufen und schliesslich den Computer einschalten – so beginnt der Tag des Autors dieser Zeilen. Der Arbeitstag. Der Alltag.

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ei Alltagsforscher Mischa Gallati ist es ähnlich und doch anders: Er steht auf, schaltet die Kaffeemaschine an, setzt sich hin und blickt fünf Minuten lang aus dem Fens-

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ter. Später verlässt er die Wohnung, geht zur Arbeit, schaltet den Computer ein, grüsst die Kollegen. Der Alltag jedes Menschen unterscheidet sich, und doch ist Alltag gleichzeitig etwas Übergeordnetes, das dem Einzelnen Sicherheit und Orientierung gibt und die Gesellschaft am Laufen hält. Vor allem ist Alltag so normal, dass vieles an ihm Routine ist, die niemand mehr hinterfragt. Er rhythmisiert das Leben, dabei gibt es den Alltag von sich aus nicht. Gallati, der an der Uni Zürich im Bereich Alltags- und Sozialgeschichte forscht, sagt: «Er wird von uns jeden Tag gemacht, und dadurch wird er erst zum Alltag.» Indem man morgens den Bus nimmt, eine Zeitung kauft, sich in der Pause ein Gipfeli gönnt.

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s gibt Menschen, die zu dieser Leistung nicht fähig sind. Zu ihnen gehörte nachweislich auch das Jahrhundertgenie Albert Einstein. Der theoretische Physiker hielt sich nicht mit den alltäglichen Dingen auf. Er trug keine Socken, ging kaum zum Friseur, räumte nicht auf. Er kokettierte damit, in der Stube keine Uhr aufstellen zu können, obwohl er sich ständig mit RaumZeit-Problemen beschäftige. Sein Sohn Hans Albert nannte ihn einmal einen «hoffnungslos unpraktischen Menschen». Doch weil sich niemand dem Alltag entziehen kann – auch wenn er sich nicht darum schert –, haben Einsteins Frauen seinen Alltag organisiert: seine erste Frau Mileva in Bern und Zürich, die zweite, Elsa, in Berlin und schliesslich seine Sekretärin Helene in den USA.

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hne Alltag geht es nicht. «Man muss aufstehen, auch wenn es nicht immer schön ist, aber es ist wichtig, damit nicht alles zusammenbricht», sagt Alltagsforscher Gallati.

© Laif, Fotalia (Montage: Vivai), Getty Images

Alltag erst seit einem


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ALLTAG

Routine ist negativ belegt, stellt der Alltagsforscher fest. Positiv wird der Ausbruch aus dem Alltag bewertet.

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as ist denn nun dieser Alltag, der für den Menschen so wichtig ist? Gallati drückt es wissenschaftlich aus: «Alltag ist ein besonderer Erfahrungsraum, den wir alle haben. Wir schaffen durch Routine Sicherheit für unser Leben, auch über das Individuum hinaus. Dies ist nicht räumlich oder zeitlich bestimmt.»

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er Alltagsforscher hinterfragt die selbstverständlichen Dinge des täglichen Lebens und beobachtet, wie sich die Gesellschaft gegenüber dem Alltag verhält. Er sieht, dass sich die Menschen stark auf Erlebnisse und Events hin ausrichten. «Alles Routinierte ist sehr negativ belegt», sagt Gallati, «nicht nur gleichförmige Arbeit. Auch wer lange auf dem Sofa sitzt, setzt sich der Kritik aus.» Positiv bewertet wird der Ausbruch aus dem Alltag, das Individuelle, Spontane. Diese Einteilung ist wahrscheinlich so alt wie das Wort Alltag selbst.

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handenen Bewusstsein der eigenen Ausbeutung und Unterdrückung bei.» Das Arbeitsleben ist auch heute noch etwas, aus dem viele ausbrechen möchten, weil sie es als monoton und belastend empfinden. Eine Möglichkeit sind die unzähligen Arten, sich abzulenken. Events, Aktivitäten oder Ausflüge, die aus den Ruhe- und Feiertagen Erlebnistage machen. Ein anderer Weg, dem Alltag zu entfliehen, ist die Gestaltung des Arbeitslebens. Indem man zum Beispiel nur drei Tage die Woche arbeitet, so bleibt Zeit für Hobbys oder Projekte, und man kann sich dort verwirklichen. Oder man nimmt ein Sabbatical und verbringt ein Jahr in einer anderen Umgebung, um danach wieder an den alten Arbeitsplatz zurückzukehren.

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ls Begriff taucht der «Alltag» erst um 1900 auf. Im Zuge der Industrialisierung lernen viele Menschen das Leben in der Fabrik kennen. Noch in den Fünfzigerjahren malen französische Soziologen den Alltag der Fabrikarbeiter in dunklen Farben. Philippe Guillaume etwa: «Der Arbeitstag ist aufreibend, beschwerlich, trübsinnig, manchmal unerträglich; er ist lang und seelisch unausgeglichen, treibt abwechselnd in tiefe, völlige Erschöpfung und Momente künstlicher Aufregung.» Oder Georges Vivier: «Auch das Versinken in täglicher Monotonie, das Entwickeln von Gewohnheiten, sich in seiner Funktion einzurichten, tragen zu einer gewissen Beruhigung und zur Entlastung vom durchaus vor-

in Alltagsforscher konzentriert sich auf die vordergründig unscheinbaren Dinge. Er sagt: «Am Unscheinbaren wird stark offenbar, wie die Gesellschaft funktioniert.» Derzeit beschäftigt ihn unter anderem das Phänomen der Smartphone-Nutzung im öffentlichen Raum. Die Schweizer sind eine ausgeprägte Pendlergesellschaft, viele Menschen verbringen viel Zeit in öffentlichen Verkehrsmitteln. Da fragt der Alltagsforscher: «Was machen sie dort?» Und untersucht, wie die Menschen die Zeit in der S-Bahn mit Sinn füllen. «Meist greift man zum Smartphone», sagt Gallati und ergänzt: «Im Moment sehen wir uns extremen Verschiebungen gegenüber. Mit Digitalisierung und Globalisierung wird der Alltag neu gestaltet.» Wer auf sein Smartphone blickt, scheint oft konzentriert oder geschäftig – egal ob er ein Spiel spielt, sich in Social Media aufhält, online einkauft oder Mails checkt. Am Ende überlässt man es einem Algorithmus, einem die Langeweile zu vertreiben – anstatt die kleinen Pausen im alltäglichen Leben selbständig mit Sinn zu füllen. l

© Getty Images, Shutterstock (Montage: Vivai)

Das erkannte auch der britische Polarforscher Ernest Shackleton, als er mit seiner Mannschaft auf seiner dritten Südpolexpedition 1915 vom Packeis eingeschlossen wurde und schliesslich das Schiff aufgeben musste. Wochenlang suchten die Männer nach einem Weg aus der Eiswüste, und schliesslich fuhren sechs Männer in einem Ruderboot los, um Hilfe zu suchen. 22 blieben zurück in Schnee und Eis. Für sie war es überlebenswichtig, einen Alltag im improvisierten Lager einzuführen, um die stumpfe Monotonie des Wartens aufzulockern. Sie schufen einen Koch- und Haushaltsplan, führten einen Ausguckdienst ein, organisierten Robben- und Pinguinjagden, feierten Geburtstagspartys und immer samstags – man hatte ein Banjo im Camp – gab es Konzerte. Vier Monate lang ging das so, bis sie gerettet wurden.


DOSSIER

ALLTAG

”Kei ne Routi nen? Unvorstellbar „ ”Gewohnheiten sind ein wichtiger Teil unseres Alltags„, sagt Psychologe Daniel Hausmann. Ohne sie wären wir permanent überfordert. Interview: Lukas Hadorn Foto: Marion Nitsch

Wenn man über den Alltag spricht, fällt oft der Begriff Routine. Aber was ist das überhaupt, Herr Hausmann?

Routinen sind Verhaltensweisen, die wir automatisch und wiederholt ausführen, ohne uns gross Gedanken darüber zu machen – also unbewusst. Nehmen Sie zum Beispiel das Autofahren. Lernt man es neu, muss man sich auf jede Bewegung konzentrieren und führt die Handlungen bewusst aus. Mit der Zeit wird es aber zur Gewohnheit. Man überlegt sich nicht mehr, was man tut. Warum geschieht das?

Um unser Hirn zu entlasten. Es kann sich dann um andere Dinge kümmern. Ein routinierter Autofahrer kann beispielsweise mit dem Beifahrer plaudern oder die schöne Landschaft betrachten. Es gibt Untersuchungen, die darauf schliessen lassen, dass rund die Hälfte 14

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unseres alltäglichen Verhaltens auf Gewohnheiten basiert. Klingt schrecklich.

Im Gegenteil, das hat nichts mit Langeweile oder Alltagstrott zu tun. Routinen sind lebensnotwendig für uns. Ohne sie wären wir im Alltag ständig blockiert und kognitiv überfordert. Leider gibt es nicht nur gute, sondern auch schlechte Gewohnheiten.

Aus Sicht der Wissenschaft nicht, nein. Eine Gewohnheit ist weder gut noch schlecht, sie entwickelt sich einfach. Aber klar, es kann sein, dass sie uns zu stören beginnt oder dass wir von anderen Menschen auf ein unerwünschtes Verhalten hingewiesen werden. Und was dann? Wie werden wir unliebsame Routinen wieder los?

Wir werden sie nicht los. Gewohnheiten kann man nicht löschen, die Gedächtnisspuren brennen sich tief ins Gehirn ein. Das hat aber auch sein Gutes. Wir können Handlungsabläufe, die wir in der Kindheit gelernt haben, auch Jahre später noch abrufen. Ski fahren zum Beispiel kann man auch dann noch, wenn man zehn Jahre nicht auf den Brettern gestanden hat. Das bedeutet aber auch, dass man sich schädliches oder ungesundes Verhalten nie abgewöhnen kann.

Aber man kann sich neue Gewohnheiten aneignen. Stellen Sie sich eine Routine, die Sie loswerden möchten, wie eine Passstrasse vor, über die Sie immer fahren, wenn Sie von A nach B möchten. Die Idee ist nun, einen Tunnel zu bohren, der uns ebenfalls von A nach B bringt, aber auf einem anderen Weg.


Irgendwann gewöhnen wir uns daran, durch den Tunnel zu fahren. Die Passstrasse ist dann zwar noch da, aber wir benutzen sie nicht mehr.

Daniel Hausmann

ist Psychologe FSP. Er arbeitet an der Uni Zürich im Bereich angewandte Entscheidungsforschung mit medizin- und gesundheitspsychologischem Schwerpunkt.

Klingt einfach.

Ist es aber nicht. Sich eine neue Gewohnheit anzutrainieren, ist ein langer und schwieriger Prozess. Ob es gelingt, hängt davon ab, ob wir die Veränderung unbedingt wollen und wie fest wir daran glauben, es zu schaffen. Es braucht also unter anderem Einsicht und Durchhaltevermögen. Nehmen wir an, meine Routine besteht darin, abends nach Hause zu kommen und mich beim Anblick der Fernbedienung sogleich mit einer Schüssel Chips vor den Fernseher zu setzen. Wie ändere ich das?

Schauen wir zuerst einmal das B am Ende des Tunnels an, um bei meiner Analogie zu bleiben. Das ist die Belohnung, die auf die Routine folgt.Woraus besteht sie in Ihrem Beispiel? Aus einem Gefühl der Entspannung. Aus Genuss und Zufriedenheit.

Gut. Jetzt gilt es, entweder den Reiz, der die unliebsame Routine auslöst, zu eliminieren oder den Kontext zu ändern. Entweder verstecken Sie die Fernbedienung, um sich gar nicht mehr vor den Fernseher zu setzen. Oder Sie kaufen Gemüse und Früchte statt Pommes-Chips ein. Wichtig ist, dass auch die neue Routine letztlich nach B führt, also zur Belohnung in Form von Entspannung, Zufriedenheit oder Genuss. Mein Tunnel wäre gewissermassen mit Rohkost gepflastert.

Das kann für Sie so sein, für andere Menschen funktioniert das nicht. Vielleicht gewöhne ich mir auch an, abends Sport zu treiben und mich danach mit einem schönen Bad zu belohnen. Auch das kann zu einer neuen Routine werden, wenn man sie oft genug wiederholt.

”Routinen sind weder gut noch schlecht. Sie entwickeln sich einfach.„

Welche neuen Gewohnheiten haben Sie eworben?

Ich habe mir einen Arbeitsplatz abseits meines Computers eingerichtet, weil ich die Gewohnheit entwickelt habe, ständig meine Mails zu checken, sobald ich den Bildschirm anschaue. Ich vermeide den Auslösereiz also bewusst. Funktionierts?

«Die Macht der Gewohnheit»

von Charles Duhigg. Buchtipp für all jene, die noch genauer erfahren möchten, warum wir tun, was wir tun.

Bestens, ja. Man muss natürlich wie bei jeder Verhaltensänderung bereit sein, die Konsequenzen zu tragen. Wenn ich mich bewusst vom Computer entferne oder das Handy in der Tasche lasse, um ungestört arbeiten zu können, gehe ich das Risiko ein, etwas zu verpassen. Ich habe kürzlich einen spontanen Nikolaus-Apéro bei uns am Institut verpasst, weil ich die kurzfristige MailEinladung nicht gesehen hatte (lächelt). Aber damit kann ich leben. l Vivai 1/16

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DOSSIER

ALLTAG

Allt agsbetrachtungen Das tägliche Leben ist Gegenstand von Kultur und Wissenschaft. Das Beobachtungsspektrum ist gross. Text: Lukas Hadorn

”Métro, bo ulot, dodo „ Es ist das M Grossstadt a ntra des schlechthinmenschen schuften, s : pendeln, Wor tfolge schlafen. Die einem Ged ta mmt aus zösischen Sicht des franPierre Béar chriftstellers und w ird n n (19 02 –2 0 04 ) Frankreich icht nur in für die Gle als Sy nony m des A lltagsichför migkeit Im Orig ina ver wendet. sogar noch l ist die Zeile „Métro, bo präg nanter: mégots, do ulot, bistro, pendeln, scdo, zéro” – rauchen, sc huften, essen, hlafen, fer t ig.

”Aber was, wenn es kein Morgen gibt ? Heute gab es nämlich auch keins.„ Phil Connors (Bill Murray) in «Und täglich grüsst das Murmeltier» (1993)

Wie es wäre, im immergleichen Alltag gefangen zu sein, zeigte 1993 der Film «Und täglich grüsst das Murmeltier». Bill Murray spielt einen zynischen TVAnsager, der in einer Zeitschleife feststeckt und jeden Morgen am 2. Februar erwacht. Urkomisch – und irgendwie furchteinflössend.

Joggen, bis der Kopf schmerzt? Die Ergänzungsvorschläge der Google-Suche legen nahe, dass sich viele Menschen alltäglich Gedanken zur körperlichen Fitness machen. Nur nicht zu angestrengt, bitte. 16

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Alltag? Viellei cht hi

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2033 Fürs «MigrosMagazin» hat der Zukunftsforscher Georges T. Roos vor einiger Zeit den Alltag skizziert, wie er im Jahr 2033 aussehen könnte. Unter anderem gibt es Buffalowürmer statt Burger zum Znacht. https:// goo.gl/9UENsB

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© snack-insects.com, Getty Images, iStock, Shutterstock

Und was glaubst du?

Jeder sechste Schweizer und jede elfte Schweizerin trinken täglich Alkohol. Das zeigt: Der Begriff Alltagsdroge hat durchaus seine Berechtigung.

1 7% 9%

Religion verliert im Alltag des Einzelnen laufend an Bedeutung. Zu diesem Schluss kommt ein Forschungsprogramm des Schweizerischen Nationalfonds im Rahmen einer gross angelegten Studie. Von 2000 bis 2010 stieg der Anteil Menschen ohne Religion in der Schweiz von 11,2 auf 20,1 Prozent.

Männer

Frauen

Die Liebe ist rot, die Hoffnung grün, die Treue blau. Und der Alltag? Der ist grau. Zumindest im Volksmund. Vivai 1/16

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ALLTAG

Ei n Allt ag i m Leben von . . . Wann schaut der Bauer morgens auf sein Handy? Wie plant die Künstlerin ihren Tag? Und was stresst die Pfarrerin? Wir haben nachgefragt.

© Getty Images

Interviews: Petra Koci Fotos: Véronique Hoegger

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... einem CEO Matthias Fürer ist seit 2002 Geschäftsführer der Delico AG, einem in der Foodbranche tätigen KMU. Erst kürzlich hat er die Firmenstruktur reorganisiert und seine vielen Arbeitsstunden reduziert. Wann und wie starten Sie in den Alltag?

Früher war ich der Erste im Büro. Heute stehe ich auf, wenn ich aufwache, in der Regel zwischen 7.15 und 7.30 Uhr. Viermal in der Woche trainiere ich eine halbe Stunde auf dem Stepper. Ich esse ein wenig Joghurt und Müesli und komme zwischen 8.30 und 9 Uhr ins Büro. Wann schauen Sie das erste Mal auf Ihr Handy?

Ich versuche, mich daran zu halten, meine Mails auf dem Handy erst im Büro zu kontrollieren. Pflegen Sie ein Alltagsritual?

Ich dusche lange. Unter der Dusche fällt es mir irgendwie leicht, nachzudenken und auf Ideen zu kommen. Viele Anliegen und Probleme lösen sich unter der Dusche. Wissen Sie schon am Morgen, wie Ihr Tag aussehen wird?

Die Termine sind geplant, ja. Das sind Kunden- und Lieferantenbesuche, Abendevents, Einladungen. Mit welcher Tätigkeit verbringen Sie die meiste Zeit bei der Arbeit?

Mit Telefonieren. Ein Anruf bringt mehr als drei E-Mails. Mit dem persönlichen Gespräch pflege ich mein Netzwerk aus Kunden und Lieferanten. Fühlen Sie sich im Alltag manchmal gestresst?

Seit ich mehr delegiere und meinen Mitarbeitern noch mehr Kompetenzen übertragen habe, sehr viel weniger als früher. Ich plane besser – gehe zum Beispiel lieber zu früh los zu einem Treffen, als dass ich stets unter Zeitdruck bin. Wie verbringen Sie Ihre Arbeitspausen?

Tradition hat bei uns die 10-Uhr-Kaffeepause für alle. Da ist es verboten, über das Geschäft zu reden. Für mich habe ich den Mut zur Lücke gefunden: Auch als CEO muss ich nicht immer anwesend sein, sondern kann zwischendurch etwa mit unserem Hund einen ausgedehnten Spaziergang machen. Mit welchen Begriffen verbinden Sie Alltag?

Mit keinen bestimmten. Ich kenne keine typische Alltagsstimmung, der Montagmorgen fühlt sich für mich genauso gut an wie der Freitagabend. Welches ist Ihre liebste Zeit im Alltag?

Der Abend.

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ALLTAG

... einem Bauer Christian Hauri bewirtschaftet mit seiner Familie und einem Lernenden in Seon AG einen Milchwirtschaftsbetrieb. Zu seinen fünfzig Kühen schaut er sieben Tage die Woche. Wann und wie starten Sie in den Alltag?

Um 5 Uhr gehe in den Stall, um die Kühe zu melken. Gegen 8 Uhr frühstücke ich mit meiner Frau und dem Lernenden; unsere drei Kinder sind dann schon in der Schule.

Mit welcher Tätigkeit verbringen Sie die meiste Zeit bei der Arbeit?

Mit der Stallarbeit, der Betreuung der Tiere. Ich melke am Morgen und am Abend. Vor dem Mittag und nach 21 Uhr mache ich einen Kontrollrundgang, schiebe frisches Futter zu und reinige den Liegebereich. Fühlen Sie sich im Alltag manchmal gestresst?

Wann schauen Sie das erste Mal auf Ihr Handy?

Um 5 Uhr, um es anzuschalten. Der Rest muss bis um 8 warten.

Es kann stressig werden, wenn zum Beispiel das Wetter die Getreideernte unsicher macht. Dann muss man Gas geben – und trotzdem auch die Stallarbeit machen.

Pflegen Sie ein Alltagsritual?

Mit welchem Begriff verbinden Sie Alltag?

Das gemeinsame Frühstück ist schon ein Ritual. Dann nehme ich mir auch eine halbe Stunde Zeit und lese die Zeitung – mich interessiert die Politik, das Weltgeschehen und auch der Sport. Wissen Sie schon am Morgen, wie Ihr Tag aussehen wird?

Den Ablauf kenne ich. Aber der Tag wird auch bestimmt vom Wetter und von den Tieren. Wenn es mit den Kühen nicht rundläuft oder ein Kalb krank ist, dann dauert alles etwas länger.

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Rhythmus. Tägliches, wiederkehrendes Arbeiten. Können Sie nach der Arbeit gut abschalten? Nicht immer. Wenn es den Tieren nicht so gut geht, dann denke ich lange darüber nach und suche nach Lösungen. Ich habe eine Beziehung zu meinen Tieren, und es beschäftigt mich, wenn eines der Tiere krank ist. Oder auch wenn eine ältere Kuh, die lange auf dem Hof war, gehen muss.


... einer Ärztin Dr. med. Radka Novotny ist Anästhesieärztin an der Klinik Hohmad in Thun und in der Praxis Brunnmatt in Liestal. Sie ist Mutter zweier Kinder.

miere ich mich im Voraus über das OP-Programm. Ich weiss in etwa, was mich erwartet, aber nicht, wie der Tag laufen wird. Denn in der Anästhesie läuft nicht immer alles nach Plan.

Wann und wie starten Sie unter der Woche in den Tag?

Mit welcher Tätigkeit verbringen Sie die meiste Zeit bei der Arbeit?

Ich stehe um 5 oder Viertel vor 6 Uhr auf und setze zuerst Wasser auf – für meinen Incarom-Kaffee und den Tee für die Kinder. Meist wecke ich sie, bevor ich aus dem Haus gehe. Ausser wenn ich ganz früh raus muss, dann telefoniere ich später nach Hause und bespreche mit ihnen den Tagesablauf. Wann schauen Sie das erste Mal auf Ihr Handy?

Als Erstes am Morgen – das Handy ist mein Wecker. Pflegen Sie ein Alltagsritual?

Ja, ich grüsse meine Kollegen am Morgen jeweils freundlich. Ich möchte ihnen vermitteln, dass ich mich auf die Arbeit mit ihnen freue. Und bevor ich gehe, schaue ich jeweils bei der entsprechenden Abteilung vorbei. Ich will hinausgehen und sicher sein, dass alles geklärt und in Ordnung ist. Wissen Sie schon am Morgen, wie Ihr Tag aussehen wird?

Nein. Ich werde einem Operationssaal zugeteilt. Meistens infor-

Mit der Betreuung der Patienten im Operationstrakt.

Gibt es Aufgaben in Ihrem Beruf, die Ihnen zur Routine geworden sind?

Spritzen und Ampullen aufziehen. Aber auch die Überwachung der Patienten, wenn sie stabil sind. Ich höre – oft auch unbewusst –, ob alle Signale regelmässig sind oder sich verändern; dann schaue ich sofort auf den Monitor. Ist Ihr Alltag oft hektisch, fühlen Sie sich manchmal gestresst?

Es gibt stressige und belastende Tage, etwa wenn viele Operationen anstehen und ich schnelle Wechsel anbieten muss. Dann müssen wir im Team gut planen. Zudem kann ich die Patienten nicht einfach überfallen, ich muss jedem Zeit geben zum Ankommen. Ich muss stets Ruhe vermitteln, selbst wenn ich selbst im Stress bin. Vivai 1/16

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ALLTAG


... einem Strassenverkäufer Seit fünfzehn Jahren verkauft Ruedi Kälin an sechs Tagen die Woche das Arbeitslosenmagazin «Surprise» und führt soziale Stadtrundgänge in Zürich. An einem guten Tag verkauft er 25 Magazine. Schon als Jugendlicher musste er finanziell für seine Mutter und die Schwestern sorgen. Jahrelang schlief er auf der Strasse, seit zwei Jahren wohnt er in einem Zimmer in Chur. Wann und wie starten Sie in den Alltag?

Ich stehe um 4 Uhr auf. Um 5.09 Uhr nehme ich den Zug von Chur nach Zürich. Während der Fahrt mache ich «Büroarbeit», also die Tages- und die Standortplanung. Nach einem kurzen Frühstück beginne ich um 7 Uhr mit dem Verkauf. Wann schauen Sie das erste Mal auf Ihr Handy?

Um 5.10 Uhr – sobald ich im Zug sitze. Ich organisiere den Tag. Wir sind eine Gruppe von Verkäufern, wir arbeiten zusammen. Kann einer mal nicht arbeiten, dann übernehme ich temporär seinen Standort. Pflegen Sie ein Alltagsritual?

Ja, bei mir muss schon morgens Musik laufen. Bevor ich aus dem Haus gehe, drehe ich die Hymne des HC Davos auf, die gibt mir Energie. Wissen Sie schon am Morgen, wie Ihr Tag aussehen wird?

Immer. Ich plane viel voraus, weiss schon lange vorher, an welchem Tag ich wo sein werde. Es kommt oft vor, dass ich am Morgen in Zürich bin, am Nachmittag in Zug und abends in Chur. Fühlen Sie sich im Alltag manchmal gestresst?

Nein, nie. Die Verkaufsstandorte sind klar verteilt, da gibt es keinen Stress. Es stresst mich auch nicht, wenn ich mal weniger Magazine verkaufe. Das spornt mich eher an, es am nächsten Tag besser zu machen. Wie verbringen Sie Ihre Arbeitspausen?

Oft zusammen mit meinen «Surprise»-Kollegen. Am Vormittag treffen wir uns für eine halbe Stunde zur Kaffeepause in der SBBKantine im HB Zürich. Von 14 bis 15 Uhr machen wir Mittagspause und gehen zur SBB oder in die Migros. Was unternehmen Sie nach Feierabend?

Manchmal gehe ich mit Kollegen etwas trinken. Seit ich in Chur wohne, habe ich gelernt, am Sonntag länger zu schlafen. Ich erhole mich auch, wenn ich laufen gehe – ich mag Seen und Berge – und Sport schaue. Können Sie nach der Arbeit gut abschalten?

Ich kann super gut abschalten. Ich schlafe sehr gut, auch wenn ich Probleme habe. Mit welchen Begriffen verbinden Sie Alltag?

Stress. Zum Glück nicht für mich, ich kann ruhig bleiben. Aber ich sehe viele Leute, die am Morgen gestresst sind, am Mittag und am Nachmittag. Vivai 1/16

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... einer Pfarrerin Barbara Amon ist reformierte Pfarrerin in Horgen. Der sonntägliche Gottesdienst ist nur ein kleiner Teil ihrer selbst organisierten 50-Stunden-Woche. Den Montag hält sie sich frei. Wann und wie starten Sie in den Alltag?

Ich stehe um 7 Uhr auf, koche Kaffee, frühstücke und lese Zeitung. Dann nehme ich mir einen kurzen Moment zum Innehalten, bevor ich mich an den Computer setze.

Die Gottesdienstvorbereitung ist mir wichtig, dafür reserviere ich mir genug Zeit. Daneben versuche ich, die Balance zwischen administrativer Arbeit am Computer und den vielen Sitzungen und Besuchen – im Altersheim, bei Familien zu Hause, im Spital – zu halten. Gibt es Aufgaben in Ihrem Beruf, die Ihnen zur Routine geworden sind?

Wann schauen Sie das erste Mal auf Ihr Handy?

Beim Frühstück kontrolliere ich kurz, ob Anrufe gekommen sind.

Für mich ist jeder Tag neu. Ich versuche stets, auf jede Familie einzugehen, mich in die Menschen hineinzudenken, Rituale persönlich zu gestalten. Ich möchte der Routine entgegenwirken.

Pflegen Sie ein Alltagsritual?

Fühlen Sie sich im Alltag manchmal gestresst?

Ja, ich mache am Morgen, am Mittag und am Abend jeweils eine kurze Meditation. Ich beginne mit einigen Körperwahrnehmungsübungen, um zur Ruhe zu kommen. Dann lese ich eine Tageslosung, einen Vers. Es ist ein Moment des Innehaltens, des Sichsammelns. Wissen Sie schon am Morgen, wie Ihr Tag aussehen wird?

Die Tage sind sehr vollgepackt, das ist schon auch stressig und belastend. Es werden viele Erwartungen an mich herangetragen, und neben dem Gottesdienst, dem Unterricht und der Seelsorge kommen stets neue Aufgaben dazu. Es ist nicht immer einfach, Prioritäten zu setzen. Welches ist Ihre liebste Zeit im Alltag?

Viele Aufgaben sind definiert, ja. Aber natürlich gibt es Unvorhergesehenes, etwa wenn jemand spontan für ein Gespräch vorbeikommen möchte.

Der Nachmittagsspaziergang. In der Natur sortiere ich meine Gedanken, schaue, was war und was noch kommt und was die Menschen brauchen.

Mit welcher Tätigkeit verbringen Sie normalerweise die meiste Zeit bei der Arbeit?

Was benötigen Sie im Alltag am meisten?

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Empathie. Gut zuhören können. Klar artikulieren können.


ALLTAG

... einer Künstlerin Myriam «Mizzo» Gämperli arbeitet als freie Künstlerin, gestaltet Auftragsgrafik und doziert an der Kunsthochschule St. Gallen. Ihre Bilder, Inszenierungen, Objekte und Illustrationen werden in renommierten Galerien ausgestellt . Wann und wie starten Sie in den Alltag?

Ich stehe um 8 Uhr auf, mache Kaffee und lasse mir gut eine Stunde Zeit, um herumzutrödeln. Ich starte den Alltag gewissermassen mit etwas Freizeit. Wann schauen Sie das erste Mal auf Ihr Handy?

Direkt nach dem Aufwachen, denn mein Handy weckt mich. Ich habe aber weder Internet zu Hause noch ein Mailprogramm auf meinem Handy. Ich lese nur Textnachrichten. Diese Abgrenzung mache ich bewusst. Wissen Sie schon am Morgen, wie Ihr Tag aussehen wird?

Sobald ich im Atelier den Tagesplan für meine Auftragsarbeiten mache, weiss ich es. Der Plan hat allerdings sehr viel Platz für Spontanes. Bei der Kunst gibt es keine Planung, da weiss ich nicht, was kommt. Mit welcher Tätigkeit verbringen Sie die meiste Zeit bei der Arbeit?

Tragischerweise mit E-Mails-Schreiben und Telefonieren. Wenn ich hingegen Kunst mache, befasse ich mich ganz damit. Ich schaue, was passiert, was «es» mit mir macht.

Gibt es Aufgaben in Ihrer künstlerischen Tätigkeit, die Ihnen zur Routine geworden sind?

Meine Routine ist, etwas nicht fix machen zu wollen. Ich gehe auf die Situation, den Augenblick ein. Reagiere auf das, was passiert, auf Ideen, die kommen, auf Dinge, die herumliegen. Fühlen Sie sich manchmal gestresst?

Mich stressen organisatorische Arbeiten. Stress, keine Idee zu haben, kenne ich nicht. Ich finde es sogar gut, dass ich ruhen kann, wenn ich es brauche. Denn es gibt Zeiten, da ist so viel Energie in mir, da muss ich einfach produzieren. Mit welchem Begriff verbinden Sie Alltag?

Mit Ruhe. Der Alltag ist wiederkehrend, das gibt mir Ruhe. Man ist ebenerdig, geht auf bekannten Pfaden. Das ist etwas Heimisches. Das ist Heimat. Welches ist Ihre liebste Zeit im Alltag?

Die erste Stunde am Morgen, die habe ich ganz für mich.

DOSSIER


DOSSIER

ALLTAG

So macht die Migros unseren Allt ag . . . Text: Lukas Hadorn Illustrationen: Jacqueline Diedam

... sprachgewandter Strapazierte Haare? Capelli strapazzati! Was man in der Badewanne, auf dem Klo oder am Frühstückstisch nicht alles lernt – den dreisprachigen Verpackungsaufschriften sei Dank! Sie sorgten auch immer wieder für Lacher in verschiedenen Landesteilen der Schweiz. Etwa, als die Schweizer Bratbutter mit «Beurre à rôtir suisses» übersetzt wurde: Butter, um Schweizer zu braten.

... farbiger Motivationsloch? Kreativitätstief? Ab in die Gemüse- und Früchteabteilung der Migros! Nirgends ist die Welt farbiger – gerade im Winter. Und Farben wirken bekanntlich auf unsere Psyche. Rot etwa soll unsere Aufmerksamkeit steigern. Hier! Jetzt! Tomate!

.. . nachhaltiger Versprochen? Versprochen! Die Migros engagiert sich für die Generation von morgen, indem sie mehr als sechzig Vorsätze aus Bereichen wie Konsum, Gesundheit, Umwelt oder Gesellschaft in Form von konkreten Versprechen formuliert und festgehalten hat. Das ist gelebte Nachhaltigkeit – Schritt für Schritt. 26

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. . . sauberer PET oder Plastik? Im Zweifelsfall in die Migros damit! Bei den Rücknahmestellen können neben Getränkeflaschen auch CDs und DVDs, Batterien, Leuchtmittel, elektrische und elektronische Geräte und diverse Sonderabfälle entsorgt werden.


.. . sportlicher 10 000 Schritte pro Tag? Dieses Mass der täglichen Bewegung verfolgen viele. Schliesslich gilt: Wer sich täglich bewegt, lebt gesünder. Ob man im MigrosFitnesspark schwitzt, im Klubschule-Tanzkurs swingt oder durch den Golfpark spaziert, spielt keine Rolle. Den Schrittzähler gibts übrigens bei SportXX.

... lehrreicher Ach so, Sie sprechen kein Chinesisch. Macht nichts, muss ja nicht sein. Und wenn doch, finden sie an der Klubschule Migros garantiert den passenden Kurs. Insgesamt stehen rund 600 verschiedene Kurse und Lehrgänge im Angebot. Der chinesische Satz im Bild heisst übrigens: Genug gegessen?

.. . kulinarischer Nach einem langen Arbeitstag noch stundenlang am Herd stehen? Eher weniger. Wer seine kulinarischen Ansprüche trotzdem erfüllen möchte, greift am besten zur «Saisonküche». Sie liefert in jeder Ausgabe Rezepte für «Schnelle Teller» in der Alltagsküche. Da wird der Feierabend zum Gaumenschmaus.

.. . gesünder Fliegende Verpflegung? Für viele Berufstätige leider ein alltägliches Muss. Dank der DélifitLinie ist ausgewogene Ernährung auch ausser Haus garantiert. Das mit Unterstützung von Ernährungsberatern und -beraterinnen entwickelte Angebot setzt auf frische und möglichst naturbelassene Zutaten. En Guete!

. . . gehaltvoller

... mobiler

Erste Geige? Erste Klasse! Nicht nur mit Konzerten und anderen Kulturaufführungen, auch mit Projekten und Engagements in Bildung, Gesellschaft und Wirtschaft sorgt das Migros-Kulturprozent dafür, dass unser Alltag etwas kunst- und gehaltvoller wird. Die Idee geht auf den MigrosGründer Gottlieb Duttweiler zurück. Sie zündet noch heute.

Kein Auto? Kein Problem! Auf der Onlineplattform sharoo.com lässt sich schon ab wenigen Franken stundenweise ein Privatfahrzeug mieten. Oder das eigene Auto vermieten. Einsteigen, bitte!

... leichter Bein gebrochen? Krank im Bett? Dank leshop.ch funktioniert das tägliche Einkaufen auch per Mausklick. Rund 12 000 Migros-Produkte stehen zur Auswahl, man kann sie sich bequem nach Hause liefern. Heute bestellt, morgen geliefert – und das in der ganzen Schweiz.


ERNÄHREN

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IM WINTER

ückblende: Vor 150 Jahren war die Schweiz ein Land von Selbstversorgern. Die meisten Menschen ernährten sich von dem, was Feld und Garten hergaben. Wer aber nur von der Hand in den Mund lebte, hatte kaum Chancen, alt zu werden. Zu lange und zu hart waren die Winter. Das zwang unsere Vorfahren dazu, erfinderisch und clever zu sein. Sie mussten planen und organisieren, aber auch tüfteln und ausprobieren. Nur wer vorsorgte, überlebte. Kühltechnik gab es noch lange nicht. Also mussten die Menschen andere Wege finden, um die in Spätsommer und Herbst angelegten Vorräte vor dem Verderben zu schützen. Dem Fleisch wurde durch Salzen und Räuchern Wasser entzogen, so wurde es haltbar gemacht. Auch Obst wurde gedörrt und eignete sich, trocken aufbewahrt, als prima Energielieferant. Andere Lebensmittel wurden zuerst absichtlich «guten» Bakterien ausgesetzt, bevor schädliche Mikroorganismen sie zersetzen konnten. Heute nennen wir den Vorgang Fermentation, früher hiess es Vergärung. Dadurch konnten auch viele wertvolle, aber empfindliche Nährstoffe konserviert werden. Sauerkraut, also vergorener und gesalzener Kohl, enthält noch immer eine beträchtliche Menge Vitamin C. Mehr noch: Im Kraut befinden sich Milchsäurebakterien, die unsere Verdauung und unser Immunsystem auf Trab halten. Probiotika sind also keine Erfindung der Neuzeit. Hefen und Bakterien halfen auch, den Saft von Früchten sowie Milch haltbar zu machen. Das Endprodukt Käse lieferte Eiweiss, Kalzium und etwas Vitamin D, von dem wir im Winter selber zu wenig produzieren. Dieser wichtige Nährstoff blieb auch in Sole-Eiern erhalten, also in gekochten Eiern, die in einer starken Salzlösung eingelegt wurden. Und für den Nachwuchs gab es regelmässig 28

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Winterhilfe F체r unsere Vorfahren stellte der Winter ern채hrungstechnisch eine grosse Herausforderung dar. Die Not machte erfinderisch: Vom einst erlangten Wissen profitieren wir bis heute. Die kalte Jahreszeit stellt aber auch den modernen Menschen auf eine harte Probe. Text: David F채h Fotos: Roth und Schmid

Styling: Katja Rey

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ERNÄHREN

IM WINTER

Gesund und wohlgenährt, auch im Winter

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Kohl

Kürbis

Dieses typische Wintergemüse ist im Spätherbst und Anfang Winter erntebereit. Dann ist es besonders nährstoffreich und preisgünstig. Neben Vitamin C enthält Kohl auch Kalium, den Gegenspieler von Natrium, das im Kochsalz vorkommt. Damit kann Kohl den Einfluss salziger Speisen auf den Blutdruck teilweise ausgleichen. Fein geraffelt, ergibt Kohl einen faserreichen Salat. Kohl lässt sich aber auch wunderbar dämpfen oder zu Suppen verarbeiten. Dabei ist der Zubereitungsgrad auch Geschmackssache: Je länger wir Kohl kochen, desto stärker entwickelt er den charakteristischen, leicht schwefligen Geruch.

Kürbisse sind besonders reich an Betacarotin, was im Körper in Vitamin A umgewandelt wird. Dieses Vitamin brauchen wir, um gut sehen zu können. Das ist vor allem für ältere Personen wichtig, die im Dämmerlicht der dunklen Jahreszeit mit Sichtproblemen zu kämpfen haben. Betacarotin verleiht der Haut aber auch einen gesunden Teint, und das ganz ohne schädigende UV-Strahlen. Besonders reich an diesem Farbstoff ist die Kürbisschale. Beim Hokkaido-Kürbis darf sie mitgegessen werden.

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Nüsse Nüsse sind wahre Nährstoffbomben. Zwar enthalten sie viele Kalorien, aber eben auch eine Fülle von Stoffen, die für den Betrieb und den Aufbau des Körpers nötig sind. Manche von ihnen, etwa Omega-3-Fettsäuren und Vitamin E, sind besonders im Winter nützlich. Sie halten das Blut flüssig. Damit vermindern sie das Risiko, dass sich Gerinnsel bilden, die ein Gefäss verstopfen können. In der kalten Jahreszeit kommt das häufiger vor. Aus der Nährstoffoptik betrachtet, ist die Walnuss die Königin der Kerne. Gesund sind sie aber alle.

Wasser oder ungesüsster Tee Auch wenn wir nicht so stark schwitzen wie im Sommer: Weniger trinken dürfen wir im Winter nicht. Ist die Luft trocken und kalt, verlieren wir mehr Wasser mit der Atemluft als in der warmen Jahreszeit. Die Atemwege müssen die Luft ständig anfeuchten, damit der Gasaustausch in den Lungen funktioniert. Auch die Nasenschleimhaut muss feucht bleiben, damit sie sich gegen Viren wehren kann. Starkes Heizen macht die Wohnungsluft trocken. Eine tiefere Raumtemperatur und Luftbefeuchter können das Problem entschärfen.


Nüsslisalat Der Nüsslisalat wächst vergleichsweise langsam. Entsprechend viel Zeit hat er, um Nährstoffe aus dem Boden aufzunehmen und selber Vitamine zu bilden. Nüsslisalat ist ein guter Lieferant von Eisen, Folsäure und Vitamin B6, allesamt wichtig für die Blutbildung. Fehlt nur noch das Vitamin B12, damit rote Blutkörperchen entstehen können – es kommt nur in tierischen Produkten vor. Also her mit den gebratenen Speckwürfeln!

© iStock

Rübengewächse Aus ihnen kann eine ganze Pflanze neu entstehen. Logisch also, dass da viele verschiedene Nährstoffe drinstecken müssen. Rüebli und Randen, Pastinaken und Peterliwurzel, Schwarzwurzel und Topinambur enthalten aber auch Wasser, Stärke und Ballaststoffe. Diese machen mit wenigen Kalorien lange satt. Am meisten vom Inhalt, aber auch vom Geschmack hat, wer die Wurzeln abwechselnd roh und gekocht isst. Schon mal ein RandenCarpaccio oder rohe PeterliwurzelStängeli probiert?

einen Löffel Lebertran. Übelriechend und verhasst, aber eben auch wertvoll und nährreich, mit viel Vitamin D, kostbaren Fettsäuren und sogar Jod, das vor der Salzjodierung in vielen Gebieten der Schweiz Mangelware war. Unsere Vorfahren wussten aber auch Unverarbeitetes aufzubewahren. Sie vergruben Knollengewächse wie Randen, Sellerieknollen, Rüben und Kartoffeln im Sand, was das Keimen und das Verderben bis ins Frühjahr hinauszögerte. Selbst Äpfel, Birnen und Nüsse hielten kühl, trocken und dunkel gelagert einige Wochen. Auch lebendiges Vieh stellte einen Vorrat an Nährstoffen dar. Im Gegensatz zu heute nutzte der Störmetzger früher praktisch das ganze Tier. Das war auch gut so. Eisen und Zink kamen von der Blutwurst, die Leberwurst sorgte zusätzlich für eine Vielzahl an Vitaminen. Um vorrätiges Frischfleisch ohne Kühlung haltbar zu machen, bediente man sich eines Tricks. Das ausgelassene Fett aus der Schwarte des Tiers diente dazu, das Fleisch luftdicht aufzubewahren. Die guten Stücke blieben im fest gewordenen Schmalz lange essbar, und dieser diente gleich noch zum Anbraten. Wenn das nicht schlau ist! Die Metzgete, wie es sie im Herbst und Winter immer noch gibt, kann auch heute noch dazu beitragen, wichtige Nährstoffe für die kalte Jahreszeit zu bunkern. Gerade Eisen bleibt ein Element, mit dem vor allem Frauen knapp versorgt sind. Wie bei allen anderen Nährstoffen hätten wir es heute aber viel leichter, einem Mangel vorzubeugen. Dank Kühlschränken und Gewächshäusern bekommen wir auch im Winter alles, was unser Körper begehrt. Trotzdem macht es Sinn, zu Saisonalem zu greifen (siehe links). Früchte und Gemüse bilden mehr Nährstoffe, wenn sie saisongerecht angepflanzt werden, auch kommen sie so mit weniger Pflanzenschutzmitteln aus, sind günstiger und umweltfreundlicher. Der Winter bleibt für viele Menschen eine schwierige Jahreszeit – trotz oder

vielleicht gerade wegen der vielen Annehmlichkeiten. Vor einem Jahrhundert reichte es im Schnitt für gerade mal fünfzehn Grad Raumtemperatur, heute sind die Räume um bis zu zehn Grad wärmer geheizt. Das trocknet die Raumluft aus und macht es Viren einfacher, über die Atemwege in unseren Organismus zu gelangen. Auch hindert es den Körper daran, sich zu akklimatisieren, selber Wärme zu produzieren und damit Kalorien zu verbrennen. Und das wäre überaus willkommen. Denn frostige Temperaturen und der Mangel an Tageslicht machen uns zu Stubenhockern und verändern unser Essverhalten. Das Bedürfnis nach Süssem und Fettigem wächst. Werden wir diese Kalorien nicht los, setzen wir Winterspeck an. Eine solche Ernährung kann auch zu Verstopfung führen. Um dies zu verhindern, sollten wir reichlich Flüssigkeit zu uns nehmen. Ideal sind heisse Tees. Frischer Ingwertee wärmt gleich doppelt, indem er mit seiner Schärfe die Wärmeproduktion des Körpers ankurbelt. Dieser Effekt lässt sich auch mit einer rassig gewürzten Gemüsesuppe erzielen. Das Beste beider Welten nutzen

Gute Eiweissquellen – etwa aus Milchprodukten, Geflügel, Fisch und Fleisch, aber auch Hülsenfrüchten und Nüssen – sind im Winter besonders wichtig. Denn rund ein Drittel der darin enthaltenen Energie wird vom Körper in Wärme umgesetzt. Bei Fett und Zucker sind es deutlich weniger. Besonders Walnüsse liefern das ideale Winternährstoff-Komplettpaket mit hochwertigen Fetten, Vitaminen, Spurenelementen und Nahrungsfasern. Dabei machen Nüsse trotz dieser geballten Ladung nicht dick, solange wir sie so geniessen, wie es unser Urgrosi gemacht hat. Nämlich ungesalzen, ungeröstet und selber geschält. Am besten kommen wir durch den Winter, indem wir die Annehmlichkeiten der modernen Ernährung schätzen und bewusst in Anspruch nehmen – ohne den Erfahrungsschatz unserer Vorfahren ganz zu vergessen. l Vivai 1/16

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NACHHALTIG

ORANGENSAFT

Oh, O-Saft ! Viel Vitamin C, Nahrungsfasern und bioaktive Substanzen: Orangen sind kleine Kraftwerke und sorgen gerade im Winter für den nötigen Gesundheitsboost. Und das nicht nur als Frucht, sondern auch als Saft. Text: Marianne Botta Diener Foto: Yves Roth

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ine grosse oder zwei kleine Orangen decken unseren täglichen Vitamin-C-Bedarf. Vitamin C ist aber nicht alles, was Orangen in der kalten Jahreszeit zu beliebten Begleitern macht. Sie enthalten auch eine gute Portion Folsäure sowie Nahrungsfasern, die im Verdauungstrakt eine wichtige Rolle spielen. Orangen sättigen zudem mit relativ wenig Kalorien (40 pro 100 Gramm). Daneben enthalten sie auch Carotinoide und andere bioaktive Substanzen, die als gesundheitsfördernd gelten. Zu den Carotinoiden gehören Betacarotin, aus dem das für die Sehkraft wichtige Vitamin A gebildet wird, aber auch Stoffe wie Lutein und Zeaxanthin, die zum Zellschutz beitragen. Auch der Saft aus Orangen liefert all das, hat aber wegen seines hohen Zuckeranteils einen weniger guten Ruf als die ganze Frucht. Meist kommt der Saft in unseren Gläsern nicht von frisch gepressten Orangen, sondern ist aus Konzentrat hergestellt. Dabei wird frisch gepresstem Orangensaft unter Vakuumbedingungen und bei niedrigen Tempera-

turen so viel Wasser entzogen, dass nur noch ein Sechstel seines ursprünglichen Volumens übrig bleibt. Die zahlreichen geschmacksgebenden Aromastoffe werden vom Saft getrennt, das Konzentrat wird tiefgefroren. Nach einer Reise von Tausenden von Kilometern – neunzig Prozent des in der Schweiz aus Konzentrat hergestellten Saftes stammen aus Brasilien – fügt der hiesige Fruchtsafthersteller dann wieder zusammen, was in der Ferne getrennt wurde. Es dürfen keine weiteren Zutaten zugegeben werden, insbesondere kein Kristallzucker. Beim Zucker, der bei den Nährwertangaben auftaucht, handelt es sich ausschliesslich um die natürlichen Zuckerarten der Orangen. Das sind etwa 9 bis 12 Gramm pro Deziliter Orangensaft. Jüngst verkündeten Forscher der Universität Hohenheim gar, der süsse Saft sei gesünder als die Frucht selbst. Ein Team vom Lehrstuhl Technologie und Analytik pflanzlicher Lebensmittel hat im November dieses Jahres eine kleine, aber beeindruckende Studie veröffentlicht. Sie besagt: Orangensaft ist kei-

neswegs so ungesund wie Cola, was oft behauptet wird. Julian Aschoff, einer der involvierten Doktoranden, sagt: «Bei unseren Untersuchungen konnten wir feststellen, dass aus pasteurisiertem Orangensaft ungefähr doppelt so viele Carotinoide aufgenommen werden wie aus einer handelsüblichen Orange.» Denn Orangenschnitze enthalten wesentlich mehr Nahrungsfasern als Saft. Sie behindern die Aufnahme der Carotinoide im Darm. Und sowieso seien die Zähne einer Saftpresse unterlegen, so Aschoff: «Viele Zellen bleiben beim Kauen intakt und schliessen die Carotinoide ein – das erschwert ihre Aufnahme und Verwertung.» Aller Vorteile zum Trotz: Als reiner Durstlöscher eignet sich Orangensaft mit seinen rund 100 Kalorien pro 2-dl-Glas nicht. Aschoff empfiehlt, den Konsum auf ein Glas pro Tag zu beschränken. «Wenn man den Saft zu einer ausgewogenen Hauptmahlzeit trinkt, bremsen die anderen Lebensmittel den Blutzucker- und Insulinspiegelanstieg.» Gleichzeitig deckt diese Menge bereits rund Dreiviertel des Tagesbedarfs an Vitamin C. l

Seit letztem Jahr sind die Gold- und M-Classic-Fruchtsäfte der Migros Fair-Trade-zertifiziert. Um die Arbeitsbedingungen in Brasilien, dem grössten Produzenten und Exporteur von Orangensaftkonzentrat, zu verbessern, arbeitet 32

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die Migros mit Kooperativen zusammen und hat auf Fair Trade umgestellt. Das heisst unter anderem: demokratisch organisierte Kooperativen, festgelegte Mindestpreise, Fair-Trade-Prämie, keine Kinderarbeit, Sicherheit am Arbeitsplatz.

© Dreamstime (Hintergrund)

Faire Fruchtsäfte


Fair produziert

Vitamine und bioaktive Substanzen

Ein Glas pro Tag

© xxxxxxx

genügt

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NACHHALTIG

PUTZEN

Putzige Ansichten Von wegen mühsame Alltagspflicht! Saubermachen ist eine gute Alternative zur Gesprächstherapie. Über die meditative und reinigende Wirkung des Putzens. Text: Susanna Heim Illustrationen: Anja Kroencke

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ie Sehnsucht ist hier gut versteckt: Sie liegt unter einem Berg aus Papier, hängt zwischen den Ritzen der schmutzigen Computertastatur und klebt auf der leicht schmierigen Kunststoffplatte: Es ist die Sehnsucht nach Sauberkeit und Ordnung. Bei dem müllbergähnlichen Objekt handelt es sich um den Bürotisch der Frau, die diese Zeilen schreibt. Eigentlich könnte alles anders sein. Denn die Frau kennt die

heilsame Wirkung, die eine aufgeräumte Umgebung hat. Sie erinnert sich auch an die Zufriedenheit, die sich einstellt, wenn sich beim Blick in den Küchenschrank eine Armada von ordentlich gestapelten Dosen präsentiert (am liebsten noch mit dem Etikett nach vorne). Ganz zu schweigen von der Erfahrung, die sie mal an einem sonnigen Frühlingstag machte, als sie die Fenster streifenfrei geputzt hatte: Plötzlich sah sie die Welt glasklar vor

Augen. So sieht das also da draussen aus! Zur Ehrrettung der Frau soll erwähnt werden: Ihr Badezimmer ist hygienetechnisch mit einem Operationssaal vergleichbar. Glänzende Kacheln, kalkfreie Lavabos und der Duft von Zitronenwasser sind für sie erholsamer als ein Aufenthalt im Spa. Ein bekanntes Phänomen: Man denkt an jemanden, und schon ruft er oder sie an. So erging es der Frau mit dem Putzen. Vivai 1/16

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NACHHALTIG

PUTZEN

Plötzlich winkten ihr überall Putzlappen zu, oder Eimer standen ihr im Weg. Die Supermarktregale schienen voll zu sein mit neuen Reinigungsprodukten. Am nachhaltigsten aber wirkte ein Büchlein, das ihr – eben kein Zufall – unlängst in die Hände gefallen war: «Die Kunst des achtsamen Putzens». Geschrieben hat es der japanische Zen-Mönch Keisuke Matsumoto. Auch Lifestyle-Journalistinnen und Fitnesstrainer haben schon gute Argumente fürs Putzen gefunden («Baut Stress ab!», «Trainiert den Körper!», «Verbrennt Kalorien!») – doch der Mönch fand den schönsten Satz: «Wir entfernen den Schmutz, um den Geist von weltlichen Sorgen zu reinigen.» Zwei Drittel des Tages sollen die Zen-Mönche mit Putzen und Aufräumen

verbringen. Es lehrt sie, achtsam zu sein und den Dingen, die sie umgeben, Aufmerksamkeit zu schenken. Matsumoto beschreibt nicht nur die geistige Haltung, die das Saubermachen braucht, sondern auch praktische Dinge wie den richtigen Putzlappen oder die passende Kleidung. Auf den Geist der Frau wirkte das Büchlein reinigend. Tatsächlich träumte es ihr, alle Dinge in ihrer Wohnung wären fein säuberlich in den richtigen Schubladen sortiert. Sie wachte zufrieden auf und merkte: «Oh nein, alles ist noch so wie vor dem Einschlafen.» Staub auf der Kommode und überquellende Schubladen. Sie griff zu dem Büchlein und, siehe da, der Mönch wusste es bereits: «Es gibt Menschen, die im Traum eifrig häusliche Arbeiten erledigen und auf-

wachen, wenn sie glauben, endlich damit fertig zu sein, nur um in der realen Welt noch einmal von vorne anfangen zu müssen.» Genau. Und ich gehe jetzt putzen! l

Buchtipp Eine Ode ans Putzen

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In seinem Buch «Die Kunst des achtsamen Putzens» zeigt Keisuke Matsumoto, wie

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WER KAUFT HIER EIN

DER PSYCHOLOGE RÄTSELT . . .

Sudoku im Supermarkt Unser Ernährungspsychologe ist kein Mann der Superlative. Trotzdem hat er uns verraten, dass ihn noch kein Laufbandfoto so gefordert hat wie dieses. Ob er sich am Schluss für die richtige der vielen Eventualitäten entscheidet? Fotos: Nik Hunger

d

ie diversen Backzutaten fallen mir zuerst auf. Drei Kilo Weissmehl, fünf Packungen Kochbutter, Puderzucker, Vanilleschoten und Gewürznelken sind eindeutige Hinweise, dass dieser Einkauf auch den Zweck hat, mit Guetsli und Gebäck die kalte Jahreszeit zu versüssen. Wer hinter dem bunten Wintereinkauf steckt, ist damit aber noch nicht beantwortet. Je länger ich analysiere, desto mehr erinnert mich das Lauf-

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bandfoto an ein schwieriges Sudoku. Ein paar Ziffern lassen sich leicht ausfüllen. Andere kann ich auch nach intensiven Detailanalysen und Kombinationsversuchen nicht bestimmen. Eindeutig erkennbar ist, dass kein Einzelhaushalt vorliegt, sondern sicher für mindestens zwei erwachsene Personen eingekauft wurde. Sie haben teilweise unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten und Geschmacksvorlieben, sonst

wären Milch und Milchprodukte nicht in zwei verschiedenen Fettstufen eingekauft worden. Vermutlich sind ihre Präferenzen auch bei den Getränken unterschiedlich. Die Halbliterflaschen könnten ein Hinweis für ältere oder jüngere Personen sein. Doch Vorsicht, ich darf mich nicht zu früh auf einen Personenkreis festlegen, sonst bestätige ich nur noch meine Vermutungen. Deshalb lege ich zuerst meine Hauptfragen auf den Tisch. Wes-


Eingekauft wurde in der Migros in Altstätten SG.

halb liegen Vorzugsbutter und Käse, aber kein Brot auf dem Band? Warum wurde die Bouillon in Würfeln und nicht in einer Grosspackung gekauft? Das sind mehr Fragen, als ich überzeugende Antworten finden kann. Klar ist immerhin, dass im gesuchten Haushalt nicht nur gebacken, sondern regelmässig gekocht wird. Doch welche Stärkeprodukte werden zu Gemüse und Fleisch gegessen? Weder Teigwaren noch Mais, Reis oder andere Getreideprodukte finden sich auf dem Band. Vielleicht werden die Guetsli verschenkt, und es wird eine kohlenhydratreduzierte Ernährung eingehalten? Oder sind allenfalls noch genügend Stärkeprodukte vorrätig? Beim Sudoku würde ich mich fragen: Stimmt die eine oder die andere Zahl? Helfen mir vielleicht die vielen Früchte, das «Mini Nuss Schinkli» von Terra Suisse und die zwei Gläser Gewürz-

„Einfach nicht

zu früh festlegen, sonst bestätige ich nur noch meine Vermutungen.

Der Ernährungspsychologe Dr. Robert Sempach ist Projektleiter Gesundheit beim Migros-Kulturprozent. Sein aktuelles Projekt: «Tavolata» – Tischrunden für ältere Menschen. Infos: www.tavolata.net

gurken weiter? Sie verraten, dass nicht immer genügend Zeit zum Kochen bleibt und manchmal eine rasche Mahlzeit auf den Tisch gezaubert werden muss. Eine Familie mit berufstätigen Eltern? Aber da gibt es auch diverse Hinweise, die für einen Seniorenhaushalt sprechen. Auch ein Mehrgenerationenhaushalt ist denkbar. Ein wirklich kniffliges Laufband! Nach Abwägung aller Fakten und Eventualitäten schwanke ich zwischen einem Paar und einem Mehrgenerationenhaushalt. Mein intuitiver Schlusskompromiss lautet: ein Mann und eine Frau in reiferen Jahren. Beide legen Wert auf gesunde Ernährung und eine gepflegte Erscheinung. Sie mag Kaffee, er Lindenblütentee oder umgekehrt. Und sie kochen und backen leidenschaftlich gern für ihre Freunde und Enkelkinder. Wer wars? Zur Auflösung umblättern. Vivai 1/16

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WER KAUFT HIER EIN

Die Auflösung Eingekauft hat Käthi Büchel (64). Sie lebt mit Mann Fredi (68) in Hinterforst SG und kocht oft für ihre Enkelinnen. Von links: Levia (7), Yuna (3) und Noena (6).

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nglaublich, was Herr Sempach nur aufgrund des Fotos unserer Einkäufe herausgefunden hat! Es stimmt, wir sind ein Zwei-PersonenHaushalt mit viel Besuch. Unser Sohn und seine Frau leben mit ihren drei Mädchen in der Nähe. Wenn sie bei uns Zmittag essen, dann gibt es immer ein Dessert, aber kein Schleckzeug. Yuna, die Kleinste, hilft mir beim Kuchenbacken oder beim Vanillecreme-Anrühren, bevor die anderen Mädchen von der Schule und vom Kindergarten kommen. Meine Grosskinder lieben Milchreis, die viele Milch habe ich dafür eingekauft.

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Auch unsere zwei erwachsenen Töchter besuchen uns häufig. Eine mag Milchdrink im Kaffee, manchmal trinkt jemand zur Abwechslung Rivella. Unser Standardgetränk ist Most von den Apfelbäumen im Garten. Dort pflanze ich auch Gemüse und Tee an. Und eigenes Brot backe ich. Es ist mir wichtig, dass wir uns gesund ernähren. Fertigprodukte kommen nicht auf den Tisch, sogar die Pommes frites machen wir selber. Den Kartoffelvorrat füllt mir mein Bruder auf, er ist Landwirt. Sein Sohn produziert übrigens die Rüebli, die ich in der Migros eingekauft habe. l Aufgezeichnet von Ueli Bischof.


LEICHT & GESUND

ERNÄHREN

Gut im Winter

Glaubt man den Geschichten, werden dem Sanddorn seit je heilende Kräfte nachgesagt – vor allem bei Seekrankheit und hohem Fieber. Das Mark, mit heissem Wasser angerührt, hilft aber auch einfach unserem Immunsystem im Winter.

Das Früchtchen hats in sich Sanddorn enthält rekordverdächtig viel Vitamin C. Von den reichhaltigen Ölen in Kernen und Fruchtfleisch profitiert auch die Kosmetik. Text: Imelda Stalder

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Rezept: Anja Steiner Foto: Pia Grimbühler Illustration: Paula Sanz Caballero

b man es nun ein Früchtchen oder ein Beeri nennen möchte – beim Sanddorn stimmt beides nicht so wirklich. Lediglich aussehen tun die Früchte der Sanddornpflanze wie Beeren. Sie gehören aber zu den Ölweidegewächsen. Das leuchtet ein, wenn man weiss, dass die Kerne wie auch das Fruchtfleisch von Sanddorn reichhaltige Öle enthalten. Deshalb ist Sanddorn eine wichtige Komponente in der Kosmetikherstellung. Sanddornöl wirkt beruhigend bei entzündeter Haut und Hautirritationen, schützt vor UV-Strahlung und wird gar bei Neurodermitis eingesetzt. Doch Sanddorn

kann auch innerlich viel bewirken. Die Früchte sind bekannt für ihren aussergewöhnlich hohen Gehalt an Vitamin C. 100 g Fruchtfleisch können bis zu 800 mg Vitamin C enthalten, eine Zitrone kommt auf 52 mg. Es bietet sich also an, im Winter neben all dem anderen Obst und Gemüse auch Sanddorn als tatkräftigen Abwehrstoff gegen Grippeviren zu nutzen. Zudem findet man eine geringe Menge an Vitamin B 12, das sonst fast nur bei tierischen Produkten vorhanden ist. Der Geschmack ist kräftig säuerlich, die Konsistenz vom Saft samtig. Der Ursaft ist sehr sauer, das Elixier wiederum sehr süss.

Sanddorn-Joghurt-Creme für 4 Personen / 4 Gläser à ca. 2 dl

5 dl Rahm 360 g Joghurt, nature 150 g Sanddornmark (erhältlich in der Migros) 2 Getreidestängel, z. B. Honig-Farmer Rahm steif schlagen und mit Joghurt in einer Schüssel verrühren. Sanddornmark separat in einer Schüssel glatt rühren. Joghurt-Creme mit dem Sanddornmark in die Gläser verteilen. Getreidestängel grob hacken, auf der Creme verteilen und sofort servieren. l Vivai 1/16

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BEWEGEN

TANZEN

Möchten Sie tanzen? Zur Verehrung von Göttern, als Mittel gegen Ärger oder um einen Ehepartner zu finden: Der Tanz wird in all seinen Formen für vieles eingesetzt und wirkt positiv auf Körper, Geist und Seele. Text: Imelda Stalder Fotos: Christoph Köstlin

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ie Augen schliessen, sich ganz der Musik hingeben, den Körper im Takt mit dem Rhythmus bewegen. Tanzen hat Wirkungen, die oft mit Worten nicht zu beschreiben sind. Wer sich schon mal dem Tanzen hingegeben hat, kennt das befreiende Gefühl und die euphorische Stimmung, die das rhythmische Bewegen zu Musik auslösen kann – ob allein oder mit einem Tanzpartner ist dabei egal. «Dank dem Tanzen komme ich in einen Zustand von Ganzheit und Losgelöstheit. Es hat Platz für jegliche Gefühle. Manchmal bin ich zum Beispiel wütend mit der Welt, dann kann ich diese Wut beim Tanzen ausleben», beschreibt Melanie Alexander, professionelle Tänzerin und Tanzlehrerin aus Zürich, das Gefühl. Seit Menschengedenken wird auf der ganzen Welt getanzt; bei archaischen Ritualen vor Tausenden von Jahren bis heute an beliebten Talentshows mit Prominenten namens «Let’s Dance» oder «So You Think You Can Dance». 42

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Mit Tanzstilen ist es wie mit der Mode. Gibt es Stile, die schon lange bestehen und noch heutzutage sehr beliebt sind, so gibt es auch Tanzarten, die aus der Mode gekommen sind oder sich zu ganz neuen Stilen entwickelt haben. Ballett oder Tango sind beispielsweise traditionelle Tanzstile, die schon seit Jahrhunderten getanzt werden. Modern Dance heisst wiederum ein zeitgenössischer Stil, der sich teilweise aus den traditionellen Tänzen entwickelt hat. Tanz als Partnervermittlung «Noch bevor die Menschen schreiben konnten, tanzten sie», heisst ein Sprichwort. Die Motivation, warum getanzt wurde, war bei Weitem nicht überall dieselbe. Tanz war und ist in vielen Kulturen Teil von spirituellen, religiösen oder traditionellen Ritualen. Es wurde und wird zur Verehrung von Göttern oder zur Vertreibung böser Geister getanzt. Auch als Bestandteil von Festen oder gesell-

schaftlichen Anlässen ist das Tanzen nicht wegzudenken und spielte schon immer eine wichtige soziale Rolle, nicht zuletzt bei der Paarfindung. Bereits an den französischen Ballnächten im 17. Jahrhundert tanzte man, und zwar hauptsächlich, um dem anderen Geschlecht näher zu kommen und zur Unterhaltung. Die modernen Pendants dieser gesellschaftlichen Anlässe sind beispielsweise die Tanztreffs, die in vielen Städten in der Schweiz organisiert werden: Das Tanzen, der Plausch und das Kontakteknüpfen stehen dabei im Mittelpunkt. «Tanzen ist eine künstlerische Ausdrucksform mit grosser sozialer Bedeutung und ist mittlerweile zu einer beliebten Freizeitbeschäftigung geworden», sagt Melanie Alexander. Glücksgefühle und Hirntraining Tanzen heisst, seine Beine und Arme koordinieren, dem Rhythmus der Musik folgen, die Körperhaltung beherrschen


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BEWEGEN

TANZEN

und sich trotzdem ganz dem Flow hingeben und – das zumindest ist für viele erstrebenswert – dabei eine gute Figur machen. «Um zu tanzen, braucht man den Willen, sich etwas Gutes zu tun. Auch ein bisschen Mut gehört dazu, den ersten Schritt in den Tanzsaal zu wagen. Den Anspruch auf Perfektion sollte man ablegen, um das befreiende Gefühl des Tanzens geniessen zu können, das lohnt sich», so die Profitänzerin. Denn Tanzen ist mehr als reine Fitness. Es ist erwiesen, dass durch das Erlernen von Choreografien die rechte und die linke Gehirnhälfte aktiviert, die Konzentration gestärkt und die eigene Körperwahrnehmung und die Motorik verbessert werden. Zudem werden die Glückshormone Serotonin und Endorphin ausgeschüttet, und dadurch wird Lebensfreude geweckt. Eine Langzeitstudie vom Albert Einstein College of Medicine in New York City mit Senioren ab 75 Jahren hat erwiesen, dass Paartanz sogar das Demenzrisiko reduzieren soll – und zwar um 76 Prozent – und damit weitaus besser wirkt als Kreuzworträtsellösen (47 Prozent) oder Lesen (35 Prozent). Zudem hat eine Studie der ETH gezeigt, dass Tanzen eine sehr gute Sturzprävention sein kann für ältere Menschen. Bereits nach einem mehrwöchigen Training auf einer speziellen Tanzplatte verbesserte sich das Gangbild der Senioren. Viel Potenzial vorhanden Sich ganz dem Tanz hinzugeben, kann zur Leidenschaft werden, zu einer Liebe fürs Leben. Tanz kann fremde Menschen und Kulturen verbinden und eine Ausdrucksform sein für Menschen, die sich anders nicht ausdrücken können. «Tanz ist eine Weltsprache, damit können wir unabhängig von Nationalität, Kultur oder sozialer Schicht miteinander kommunizieren», fügt die Tanzlehrerin hinzu. Schliesslich fühlt sich Tanzen für den Menschen einfach gut an: Nicht grundlos pilgern überall auf dieser Welt Millionen von Menschen Wochenende für Wochenende an Partys und schwingen das Tanzbein bis in die frühen Morgenstunden. l 44

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Die Frau im Bild: Melanie Alexander, 38 Mit der diplomierten Bühnen­ tänzerin und Tanzlehrerin wurde die Bildstrecke in die­ sem Artikel umgesetzt. Kann Tanz Menschen ver­ ändern?

Er kann nicht, er tut. Tanzen hilft bei der Entfaltung des eigenen Potenzials, ganz egal, wo dieses liegt. Es ist ein natürliches und effizientes Mittel, weil Tanzen uns berührt. Bei allen Klienten, die ich habe, erlebe ich eine Transformation. Was bewirkt Tanz bei Ihnen?

Wir sind zu kopflastig geworden und leiden immer mehr darunter. Wenn ich wegen Kopflastigkeit den Boden unter den Füssen verliere, tanze ich. Und es hilft. Immer. Wo hilft uns Tanzen?

Tanzen ist wie kleine Ferien im Alltag. Ich verkünde vor dem Eintreten in den Tanzsaal gern: «Lasst eure Sorgen draussen. Wenn ihr wollt, könnt ihr sie nach der Stunde wieder mitnehmen.» Meistens hat sich nach dieser Stunde bei den Menschen bereits etwas verändert – in die positive Richtung.

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Mehr Informationen zu Melanie Alexander: melaniealexander.ch Eine Anfänger-Tanzstunde bei Melanie Alexander gibt es unter anderem im Tanzwerk 101 der Klubschule Migros in Zürich. Mehr Infos: tanzwerk101.ch

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TANZEN

Von Plié bis Country Ballett: Königin aller Tänze

Plié! Arabesque! Grand jeté! Ballett­ schüler auf der ganzen Welt wissen genau, welche Bewegungen mit diesen Begriffen gemeint sind. Dabei geht es um Präzision, Eleganz und Haltung. Bis zu einem gewissen Mass kann Ballett in jedem Alter erlernt werden. Nur eine Profikarriere beginnt in den meisten Fällen bereits im Kindesalter. Ballett hilft, die Körperhaltung und die Flexibiltät zu verbessern, und ist vor allem bei Menschen mit einer Vorliebe für klassische Musik beliebt.

© Getty Images, Gallery Stock

Tango: Stolz, Haltung und Feuer

Zwei Körper, die miteinander kom­ munizieren, sich einander entgegen­ setzen, um sogleich wieder mitein­ ander zu verschmelzen. Einem Tango­ tanz zuzusehen, kann so faszinierend sein, wie das Wellenspiel am Meer zu beobachten. Viel Stolz, Eleganz und das Gegenspiel zwischen Mann und Frau machen den Tango aus. Für Menschen mit einer Liebe zu süd­ amerikanischen Rhythmen und einer Leidenschaft für den Paartanz.

Modern Dance: Die freiere Art

Dynamischer und manchmal auch lockerer bewegen sich Tanzende von Modern Dance, einer Tanzrichtung, die als Gegenbewegung zum Ballett entstand. Die Ausdrucksform ist freier und vielseitiger als beim Ballett und stammt aus den USA. Modern Dance ist für Menschen, die Freude haben, sich umfassender und fliessender zu bewegen, auszubrechen, zu impro­ visieren und dadurch mehr Ausdrucks­ stärke zu finden. Country-Line: Wie im wilden Westen

Cowboyhut auf, Westernstiefel und kariertes Hemd an und Daumen am Gurt eingehakt: So stellen sich die Country­Line­Dancer in einer Linie auf und tanzen synchron die Schritte und Drehungen der Choreografie – ohne direkten Tanzpartner. Auch ohne die Westernausrüstung kann getanzt werden – und das wird immer öfter gemacht. Dieser Tanzstil ist für gesel­ lige Menschen, die Country mögen, gern Spass haben und Menschen tref­ fen wollen. l

BEWEGEN

Tanzfestival Steps 7. April bis 1. Mai 2016

Das Migros-KulturprozentTanzfestival Steps ist in der Schweiz

einzigartig: Seit 1988 lädt das internationale Festival für zeitgenössischen Tanz alle zwei Jahre Tanzcompagnien aus der ganzen Welt zu einer Tournee durch die Schweiz ein. 2016 wird die Biennale das Schweizer Publikum mit 82 Vorstellungen von 11 Compagnien in 36 Schweizer Städten für den Tanz begeistern. Die Eröffnung findet am 7. April im Théâtre Équilibre in Freiburg mit der Candoco Dance Company aus Grossbritannien statt. Dieses Ensemble zählt zum Spannendsten, was die internationale Tanzszene derzeit zu bieten hat. Aus der Schweiz zu sehen ist unter anderem auch das Ballet Junior de Genève. Das Genfer Ensemble kombiniert strahlenden Tanznachwuchs mit choreografischer Extraklasse und ermöglicht mit den bei Steps gezeigten Stücken ausserdem einen Einblick in die lebendige israelische Tanzszene. Das gesamte Programm sowie Informationen zum Ticketing finden Sie unter steps.ch.

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TANZEN

”Ich tanzte jeden Tag in meinem Leben„ Trudi Schmuki, geboren 1925 in England, verschrieb sich dem Tanz mit Haut und Haar, Herz und Seele. Text: Imelda Stalder Foto: Pablo Tys

Trudi Schmuki (90) führte in Zürich rund 52 Jahre lang eine Tanzschule. Zusammen mit ihrem Mann engagierte sie sich für die Entwicklung des professionellen Tanzes und die Berufsausbildung von Tanzlehrern und -lehrerinnen in der Schweiz. Selber tanzte sie bis ins Alter von 83 Jahren.

Können Sie das Gefühl beschreiben, das Sie haben, wenn Sie tanzen?

Nein, eigentlich nicht. Es ist sehr persönlich. Hatte ich Ärger, konnte ich mich mit Tanzen abreagieren. Als ich traurig war, zum Beispiel als meine Mutter starb, tanzte ich. Ich konnte nicht anders, und es hat mir immer geholfen. Nach dem Tanzen war alles weg. Hatten Sie jemals in Betracht gezogen, mit dem Tanzen aufzuhören?

Nein. Bis ich wegen des Alters aufhören 48

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Man sagt, Tanzen hält jung. Stimmts?

Ich denke, das stimmt schon. Ich bin geistig noch sehr gesund und denke, das muss in einer Weise mit dem Tanzen zu tun haben. Sich die Schritte merken, die Choreografien, das hält die Zellen fit. Mental mache ich noch die grössten Kombinationen und weiss, wie gut sie sich anfühlen würden zum Tanzen. Aber ausführen kann ich sie nicht mehr. Spüren Sie das viele Tanzen ihrem Körper noch an?

Ich tanzte mein ganzes Leben lang jeden Tag und habe auch immer auf meine Gesundheit und mein Gewicht geachtet. Meine Körperhaltung, das sagen mir zumindest die anderen, ist nach wie vor sehr aufrecht, und ich habe wenig Beschwerden. Aber tanzen kann ich nicht mehr. Ich würde in den Spiegel schauen und sehen, wie das bei mir vor vierzig Jahren aussah, und wäre frustriert. Lieber gar nicht mehr tanzen.

Wie kamen Sie zum Tanzen?

Es gibt Bilder von mir, wie ich bereits als Sechsjährige tanze. Mit 12 Jahren genoss ich an einer Mädchenschule in England ersten Tanzunterricht in Gesellschaftstanz, mit 16 Jahren begann ich, die Theorie zu studieren. Schon da wusste ich, dass ich tanzen möchte. Und das habe ich mein Leben lang auch gemacht. Profitänzerin war ich in der kleinen Schweizer Turnierszene schnell, und als ich meinen Mann kennenlernte, tanzten wir sofort an der Spitze der Schweizer Meisterschaften mit.

Wenn man das mal erlebt hat, dann will man dieses Gefühl immer wieder erleben. Und das innere Feuer, die Liebe zum Tanz. Das ist etwas sehr Schönes.

Erbrachten Sie Opfer für das Tanzen?

musste mit 83 Jahren. Aber bis dahin war es nie ein Thema. Ich hatte immer viel Freude am Unterrichten, am Turniertanzen, auch am Ausbilden. Es gab Momente, in denen ich haderte, weil ich als Jurorin merkte, dass es in der Turnierszene Tänzer gibt, die nicht der Liebe zum Tanz wegen tanzen, sondern lediglich des Geldes und des Ruhmes wegen. Was macht den Paartanz aus?

Die Kommunikation zwischen den Körpern. Bei allen Tänzen kommt diese Kommunikation aus dem Hara, der Körpermitte. Weil man zu zweit ist, fühlt sich der Tanz nicht für beide gleich an. Eine hundertprozentige Übereinstimmung gibt es vielleicht einmal im Jahr.

Ja, ich habe mich gegen Kinder entschieden, das Tanzen war mir wichtiger. Ich habe es keine Sekunde bereut, diese Entscheidung getroffen zu haben. Was ist die Rolle der Frau beim Paartanz?

Vor dem Krieg war der Mann klar der Dominante, die Frau war nur für das schöne Bild zuständig. Mit dem Krieg veränderte sich vieles, und die Frauen begannen, sich zu entwickeln und auch Hosen zu tragen. Mit dem Rock ’n’ Roll konnten sich die Frauen immer mehr ausdrücken. Die Entwicklung der Musik und des Tanzes geht für mich Hand in Hand mit der Emanzipation. Aber beim Paartanz ist es immer der Mann, der führt. Es können auch nicht zwei Personen zur gleichen Zeit ein Auto fahren. l

© Christoph Köstlin (Schatten)

BEWEGEN


Migros-Marken treffen den Schweizer Geschmack.

Michael Erismann, Projektleiter Frey

www.vonuns-vonhier.ch


MIGROSKIND

In die Migros immigriert Dass man nicht in der Schweiz geboren sein muss, um ein waschechtes Migroskind zu sein, beweist Kevin Ashbrook (31) aus Zürich. Der Koch hat in der Migros eine neue, aber auch ein Stück alte Heimat gefunden. Text: Stephanie Rebonati Foto: Christian Schnur (Montage: Vivai)

Sie sind Chefkoch und Geschäftsführer eines Restaurants. Auf welches Migrosprodukt schwören Sie?

Auf die Frischhaltefolie. Die von der Migros klebt genauso gut wie jene, die wir im Gastgewerbe verwenden, um etwa Schüsseln abzudecken. Haben Sie in Ihrer Freizeit überhaupt Lust, einkaufen zu gehen?

Das tue ich sogar bewusst, denn als Koch ist es wichtig, dass man sich nicht nur auf seine Lieferanten verlässt. Ich gehe regelmässig in die Migros, um das Angebot der Frischprodukte zu studieren. So erkenne ich, was saisonal und regional ist, und komme manchmal gar auf neue Rezeptideen für den Betrieb. Welche Migrosfiliale suchen Sie am liebsten auf?

Die in Altstetten am Lindenplatz, weil sie eine riesige Auswahl an sogenannten niederwertigen Fleischstücken hat. Dort werden nicht nur, wie vielerorts, Filet und Entrecôte angeboten, sondern auch Haxe, Milke, Kuttel und Hühnermagen. Für mich als Koch natürlich ein Paradies. Seit wann sind Sie ein Migroskind?

Seit ich acht Jahre alt bin. Damals siedelten wir von England in die Schweiz über. Meine Mutter ist Schweizerin und selbst ein Migroskind. Ich hatte keine andere Wahl, als mich auch darauf einzulassen.

Erinnern Sie bestimmte Migrosprodukte an Ihre Zweitheimat England?

Ja, die Soft Cakes. In England heissen sie Jaffa Cakes. Das sind Guetsli, bestehend aus einem Biskuitboden und einer Marmeladeschicht, und das Ganze ist mit Schokolade überzogen. Sie erinnern mich an meine frühe Kindheit in Chester.

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Snack

für spätabends

Wenn Migroskind Kevin Ashbrook um Mitternacht den Kühlschrank öffnet, ist der Hüttenkäse schon wach.

Haben Sie Kindheitserinnerungen an die Migros?

Als Kind trank ich fast ausschliesslich Ice Tea Light Classic, den man mit Pulver und Wasser anmischt. Meine Mutter verdünnte ihn immer mit viel Wasser, um meinen Zuckerkonsum in Grenzen zu halten. Ich trank ihn jeden Tag. Welches ist heute Ihr Lieblingsprodukt in der Migros?

Ich liebe Cottage Cheese! Bei uns fehlt der nie im Kühlschrank. Dazu kaufe ich stets die Crackers, die wie kleine Schiffchen aussehen. Das ist mein Mitternachtssnack, wenn ich spätabends vom Restaurant nach Hause komme. Kürzlich sind Sie zum ersten Mal Vater geworden. Wird aus Ihrem Sohn auch einmal ein Migroskind?

Er hat keine andere Wahl! Er wird automatisch in das hineinwachsen. Er kommt ja jetzt schon in den Genuss, da wir seine Windeln und Feuchttücher in der Migros einkaufen.l

Sind auch Sie ein Migroskind? Melden Sie sich! vivai@migrosmedien.ch

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”Mein

Facts

& Figures

Mit seiner Liebe zum Cottage Cheese ist unser Migroskind nicht allein. Pro Jahr verkauft die Migros mehr als zehn Millionen Becher Hüttenkäse in verschiedenen Grössen, Qualitätsstufen und Geschmacksrichtungen.


Immer wieder sonntags

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SONNTAG

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ch, hallo! Der gute alte Bekannte: der Sonntag. Wir laufen uns re­ gelmässig über den Weg, mehr oder weniger geplant, wenn auch nicht ungern. Meistens wissen wir nicht so recht, was wir miteinander anfangen sol­ len. Denn nett ist er, aber nicht wirklich interessant. Halt etwas blass und eintönig. Ganz im Gegensatz zum Samstag. Der ist charmant, umtriebig. Lebendig genug, dass wir uns am Tag danach gern vertun: Ausschlafen, dann ausgiebig brunchen, Wochenendzeitungen lesen, mit ofenwarmem Zopf aus der Bäckerei, die bis Sonntagmittag geöffnet hat. Und dann? Dann beginnt der Sonn­ tagnachmittag. Ohne Verpflichtung, ohne Termine. Leer ist die Sonntagsspalte in der guten altmodischen Agenda. Die nur halb so breite Spalte, die sich an den rech­ ten Rand zwängt, macht uns klar: Wir dümpeln bereits auf der Zieleinfahrt des Wochenendes. Dahinter erkennbar der Schatten des Montagmorgens. So sind die Stunden zwischen Sonntagsbrunch und Sportpanorama nicht nur ein Zeitfenster – sie sind auch eine Gemütslage. Früher, in unserer Jugend, da war der Sonntag die Ruhe nach dem Sturm. Und wir hatten ein nettes Programm für die­ sen lahmen siebten Tag gefunden: Die Flucht in die Disco. Obwohl sich der Höhepunkt der Woche, die Party in der Samstagnacht, erst gerade mit Blitz und

Donner entladen hatte, zuckten wir tags darauf wieder auf dem Dancefloor. Voller Sehnsucht, unseren Gefühlsrausch auf­ zuwärmen. Natürlich war da meist nicht mehr als ein lauwarmer Kater. Und der stampfende Beat, der die Intensität der vergangenen Nacht betäubte. Das darf so sein, das weiss ich heute. Der Sonntag ist das Format für die leisen Töne. Die Woche soll nachhallen, sich setzen und schliesslich verstummen. Wurde der Sonntag nicht extra dafür an­ gelegt, dass wir in Ruhe Gott und die Welt betrachten? Statt mit der Familie in Schlangen vor dem Skilift oder vor dem Kino zu stehen? Verordnet wurde die Sonntagsruhe schon im Jahr 321, vom römischen Kaiser Konstantin I. Am Tag der Sonne, dem «dies solis», sollten alle die Arbeit nieder­ legen ausser die Arbeiter auf den Feldern. Erst viel später, als im Zuge der Indus­ trialisierung die Woche sieben Werktage zählte, kam die gesetzliche Verankerung, etwa im Schweizer Fabrikgesetz aus dem Jahr 1877. Viele verabscheuen das auferlegte kollektive Stillhalten. Der Sonntag macht etwas mit uns. Er führt in Versuchung, so viel Hobby und Harmonie wie möglich in diese kurze Spanne Freiheit reinzustop­ fen. Gleichzeitig legt er sich als Stolper­ stein unserer Allzeit­Betriebsamkeit in den Weg. Bietet sich versöhnlich als

REISEN

Retraite an. Wieso nicht eine Pause vom Konsum, vom Leistungszwang einlegen? Auch von den digitalen Medien. Nur ein kleines Päuschen. Vorzugsweise am Sonntagnachmittag, wenn die aufkom­ mende Ruhe unruhig zu machen beginnt. Nur wer sich erholt, ist leistungsfähig, das wissen Leistungssportler und Hirn­ forscher schon lange. Der Weg der Kontemplation hat Tra­ dition über Jahrhunderte und über Kul­ turen hinweg. Er zeigt uns, die Welt beschaulich zu betrachten. Die eigene Nostalgie genauso wie literarische Zu­ kunftsszenarien. Den Himmel vor dem Fenster genauso wie Pipilotti Rists Raum­ landschaften. Er lässt in Gesellschaft von Jo Nesbø, Ernest Hemingway, «Brigitte» oder «Gala» auf dem Sofa lümmeln. Oder noch besser, in der «Enzyklopädie der Faulheit» von Wolfgang Schneider blät­ tern. Angeleitet von den Gedanken selbst ernannter Faulpelze wie Oscar Wilde oder Charlie Chaplin, kommt die Lust aufs Nichtstun ganz von selbst. Also. Geben wir dem Sonntag sein kleines bisschen Ruhe. Seien wir acht­ sam, betrachten wir beschaulich – wel­ chen Duft, welche Farbe und welche Ton­ lage hat der Sonntagnachmittag? Meiner schmettert einen alten Hit von ABBA. Er duftet nach nassem, dampfendem Asphalt, wenn der Regen nach einem heftigen Sturm noch auf der Strasse glänzt. l

Wir sehnen uns nach ihm und umarmen ihn dann doch nicht selten mit einem gedämpften Gefühl: den Sonntag. © Laif, Keystone, iStock

Text: Petra Koci

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REISEN

SONNTAG

Tipps für gemütliche und beschauliche Sonntage Teezeremonie

Postkartenwünsche

«Mit der Schale Tee reiche ich meinen Gästen auch seelische Ausgewogenheit», sagt die japanische Teemeisterin Soyu Mukai. Beides gibts in einer Zeremonie jeden zweiten Sonntag im Museum Rietberg in Zürich. rietberg.ch Am Monte Verità ob Locarno wird sogar Tee angebaut. Am Sonntag sind das japanische Teehaus und der philosophische Tee-Weg im Garten von 13.30 bis 17 Uhr offen. monteverita.org

Ausstellungen

Belle-Epoque-Nostalgie Kandersteg dreht die Zeit zurück in die Belle Epoque. Mit stilgerechter Kleidung und Skiausrüstung, der Bar Magique, Ausstellungen und Paraden von anno dazumal. 24. bis 31. Januar 2015. kandersteg.ch 54

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Bewusst einen weniger bekannten Kulturort wählen und sich überraschen lassen: ● Der ehemalige Radiosender Beromünster ist heute ein faszinierendes Kunstuniversum. Hingehen und staunen. Öffentliche Führung jeden Sonntag um 14 Uhr und parallel dazu eine unterhaltsame Kinderführung. kklb.ch ● Sunday Gallery, Galerie für zeitgenössische Fotografie in Zürich. sunday.gallery ● Das 2005 neu eröffnete m.a.x. museo in Chiasso gehört zu einem aufstrebenden Kulturzentrum mit internationaler Ausstrahlung. maxmuseo.ch ● Das Musée de Carouge bei Genf liegt in einem historischen Gebäude aus dem 18. Jahrhundert mit schönem Innengarten und öffnet nur viermal jährlich während der Ausstellungen. carouge.ch/lieux-culturels

© Silas Kreienbühl, Getty Images, iStock, Shutterstock, Kandersteg.ch, Hotel Villa Honegg

Facebook und Co. vergessen. Stattdessen Postkarte mit handgeschriebenen, persönlichen Wünschen oder lustigen Zitaten an Freunde von nah und fern versenden.


Stadtspaziergänge

Afternoon-Tea

Lust auf Wärme? Mit einem Tageseintritt in den Spa von Luxushotels gibts Feriengefühle inklusive. Einige der schönsten Hotels sind das «Dolder Grand» in Zürich, die «Villa Honegg» auf dem Bürgenstock, das «La Réserve» in Genf, das «Park Hotel Vitznau», das «Panorama Resort & Spa» Feusisberg oder das «Kempinski Grand Hôtel des Bains» in St. Moritz. Vielleicht eine Idee für den Valentinstag, der in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt (14. Februar).

Foto-Exkursion Smartphone oder Kamera einpacken und spannende Motive einfangen – ganz gleich ob verschneiter Wald oder urbanes Graffiti. Sofort hat der Sonntagsspaziergang seinen Reiz.

Im historischen Fischerhaus in der Nähe der Basler Hafenanlagen serviert Butler James stilgerecht britischen Afternoon-Tea. Einmal monatlich. afternoontea-basel.ch Afternoon-Tea in edlem Ambiente bieten etwa die Hotels «Trois Rois» in Basel, «Baur au Lac» in Zürich, «Parkhotel» in Zug oder «Bellevue Palace» in Bern. Oder wieso nicht zu Hause Freunde oder Verwandte zum Teekränzchen einladen?

Nur am Sonntag hat man das Gefühl, die Stadt gehöre einem selbst. Der beste Grund, durch die City zu wandern und sich mit offenen Augen den Kleinigkeiten zu widmen: ● Sich in ein schönes Café setzen und bei heisser Schokolade «Passanten gucken». ● Den Blick die Fassaden hochklettern lassen, Türmchen, Erker, Baustile entdecken. Übrigens: Kirchen sind nicht nur Orte zum Beten. Sie sind auch Meisterwerke der Architektur. ● Tourist sein in der eigenen Stadt: Ein weniger bekanntes Stadtviertel oder einen Stadtpark wählen und auf Expedition gehen.

Brocante Stille Das Kurszentrum Felsentor auf der Rigi bietet eine offene halbstündige Meditation für alle. Jeden Sonntag um 17 Uhr. felsentor.ch

Flanieren zwischen Antiquitäten und Flohmarkt-Siebensachen. Brocante de la Gruyère am Sonntag, 31. Januar 2016, und Foire à la Brocante et Antiquités im Cerm in Martigny am Sonntag, 21. Februar 2016.

Wasserkalligraphie Die Chinesen malen mit einem nassen Riesenpinsel Schriftzeichen und Zitate auf den Boden. Eine schöne Idee. Den Pinsel kann man selbst basteln. Einfach ein grosses Stück Schaumstoff in die Form einer Pinselspitze zuschneiden und auf ein Isolierrohr kleben. Vivai 1/16

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MEIN ORT

ESTHER MATTLE

«Ich liebe es, die Leute zu beobachten und zu überlegen, wohin sie verreisen oder woher sie kommen.»

Esther Mattle, 39, lebt mit ihrer Familie am Walensee. Sie hat Tourismusmanagement studiert, führt eine Reiseagentur und hat grosse Teile der Welt bereits bereist. Nordamerika will sie erst erkunden, wenn sie für abenteuerliche Trips zu alt ist. Über ihre Reisen schreibt sie auf ihrem Blog travel-sisi.com.

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s gibt einen Ort, den ich absolut toll finde: Den Flughafen Zürich! Das ständige Kommen und Gehen dort fasziniert mich. Ich liebe es, die Leute zu beobachten und zu überlegen, wohin sie verreisen oder woher sie kommen, und studiere dafür ihre Koffer­ etiketten. Meistens bin ich ja auch eine der vielen Travellers und freue mich auf meine Destination und darauf, etwas Neues zu entdecken. Prinzipiell bin ich lieber auf Reisen als zu Hause. Ich suche das Abenteuer, das ganz krass andere. Indien fasziniert mich, dreimal war ich 56

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dort. Häufig lese ich in Reisemagazinen, und wenn ich dabei auf einen Ort stosse, den ich noch nicht kenne, macht sich das Fernweh bemerkbar. Kürzlich habe ich einen Artikel über Okinawa gelesen. Da habe ich die Inseln, die zu Japan gehören, gleich auf der Karte gesucht und nach­ geschaut, wie ich dorthin komme. Die Schweiz ist eine gute Homebase, man erreicht schnell viele Orte. Gleichzeitig kann ich hier gut zur Ruhe kommen, meine Tausenden Fotos ordnen und in der Natur die Eindrücke von meinen Reisen verarbeiten. Etwa am Walensee, meinem

Lieblingsort im Sommer. Mit dem Reisefieber ist es so eine Sache: Es gibt immer etwas Neues zu sehen, die Welt ist gross und schön. Meine erste weite Reise ging nach Australien und Neuseeland. Ich war sechs Monate allein mit dem Rucksack unterwegs. Mittlerweile kenne ich ganz Südostasien, einen Grossteil von Afrika, Südamerika. Aber ich komme stets gern zurück und lande bevorzugt im Gate E: Heidi, Kuhglocken und Jodelchörli ab Tonband im Zug schaffen es jedes Mal, mir ein Lachen ins Gesicht zu zaubern. l Aufgezeichnet von Daniel Stehula.

© Markus Bertschi

Flughafen Zürich, Gate E


Wiederholungsreise – Aufgrund grosser Nachfrage vom letzten Jahr! Nur bei uns – Azoren Rundreise mit Thomas Kröling

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das versteckte Inselparadies

Ihr Reiseleiter Thomas Kröling Thomas Kröling ist vor 20 Jahren aus Deutschland ausgewandert und lebt seither auf den Azoren. Als Kunstgeschichtler kennt er nicht nur die Kultur und Historie dieser aussergewöhnlichen Inselgruppe, sondern wird als Landeskenner mit vielen Informationen Ihre Reise bereichern. Er begleitet Sie auf dieser Rundreise.

Auf halbem Weg zwischen Europa und Amerika sind die Azoren immer noch eine besondere Welt, die jahrhundertelang Treffpunkt für Piraten, Atlantiksegler, Walfänger oder Abenteurer waren. Millionen von Hortensien, beeindruckende Kraterseen, eigene Weine und die aussergewöhnliche Küche sind nur einige Highlights dieser einmaligen Rundreise. REISEPROGRAMM VON TAG ZU TAG 1. Tag: Zürich – Lissabon. Flug nach Lissabon, Stadtrundfahrt und Übernachtung. 2. Tag: Lissabon – Ponta Delgada. Flug nach Ponta Delgada und Transfer zu Ihrem Hotel. 3. Tag: Sete Cidades & Ponta Delgada. Ausflug in die wunderschöne Landschaft Sete Cidades. Vom Aussichtspunkt erblicken Sie die zwei bekanntesten Seen Lagoa Azul (blau) und Lagoa Verde (grün). Je nach Wetter kleine Wanderung am Kraterrand. Danach Besuch von Ponta Delgada. 4. Tag: Vulkanismus hautnah. Besuch der bekannten Pilgerstätte von Saõ Miguel und des kleinen Ortes Furnas, wo sich hier die bereits in 200 m Tiefe brodelnde Erde Luft verschafft. In Gorreana besichtigen Sie die

einzige Teeplantage Europas. 5. Tag: Insel Faial & Insel Pico. Flug auf die Insel Faial, die für ihre vielen Hortensien bekannt ist. Sie erkunden den Vulkan Capelinhos und das charmante Städtchen Horta. Überfahrt auf die Insel Pico. 6. Tag: Walbeobachtungen. Tag zur freien Verfügung. Möglichkeit zu einem fak. Bootsausflug zu Wal- und Delfinbeobachtungen (kostenpflichtig). 7. Tag: Rebberge & Walfang. Sie fahren durch wechselhafte Landschaften und erreichen Lajes, das ehemalige Walfangzentrum der Insel. Besuch des Walmuseums und Fahrt zur letzten walverarbeitenden Fabrik auf den Azoren, heute ein sehenswertes Museum. 8. Tag: Insel Terceira. Flug nach Lajes auf der Insel Terceira und Fahrt nach Angra do Heroismo. Sie lernen

Inbegriffene Leistungen: • Flüge Zürich-Lissabon-Ponta Delgada / TerceiraLissabon-Zürich mit TAP Portugal und Inlandflüge in Economy Class • Sämtliche Flughafentaxen (Stand Januar 2016) • 10 Übernachtungen in guten Mittelklasshotels • Stadtrundfahrt in Lissabon • Halbpension • Alle erwähnten Transfers, Besichtigungen und Eintritte gemäss Programm Zuschläge: • Einzelzimmerzuschlag CHF 380.- (Reise 1-4), CHF 440.- (Reise 5) Alle Preise pro Person in CHF bei Doppelbelegung. Mindestteilnehmerzahl: 10 Personen. Änderungen vorbehalten.

diese historische Stadt (UNESCO Weltkulturerbe) bei einem Rundgang kennen. 9. Tag: Inselrundfahrt. Inselrundfahrt auf der Insel Terceira. Sie fahren nach Sao Sebastião. Im schmucken Hafenstädtchen, Praia de Vitória, haben Sie Zeit für einen Spaziergang. Weiterfahrt zum grössten Krater des Archipels: dem Vulkanschlot Algar do Carvao. Sie besuchen das einzige Weinmuseum der Azoren und geniessen eine Degustation. 10. Tag: Monte Brasil. Kleine Wanderung auf den Hausberg der Stadt Angra do Heroismo, den sogenannten "Monte Brasil". Auf dem Weg lernen Sie das Fort Saõ Joan Baptista kennen. 11. Tag: Insel Terceira – Zürich. Morgens Fahrt zum Flughafen und Rückflug über Lissabon nach Zürich. Reisedaten + Sofortpreise bei Buchung bis 29.02.16 Nr. von/bis Sofortpreis 01 06.06. – 16.06.16 3440 02 20.06. – 30.06.16 3440 03 11.07. – 21.07.16 3400 04 15.08. – 25.08.16 3400 05 05.09. – 16.09.16* 3710

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Vivai 1/16

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