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Donnerstag, 21. März 2013, Nr. 68

PRIVATE BANKING 29

EINE BEILAGE DER SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG

Wie wär’s mit einer Insel? Es gibt sie tatsächlich zum Kaufen. Aber gute Objekte kommen immer seltener auf den Markt

Was tun, wenn man schon alles hat? Man kauft sich ein Stück Land, besser noch eine Insel. Etwa 9000 Eilande stehen derzeit weltweit zum Verkauf.

VON EVA-MARIA TRÄGER

I

n Eutin gibt es noch eine Chance. Dort, im Osten Schleswig-Holsteins, wartet eine Insel auf einen neuen Besitzer. Eigentlich sollte die Fasaneninsel im Großen Eutiner See am 11. März schon zwangsversteigert sein, 21 220 Quadratmeter groß, mit mehreren Häusern und Häuschen bebaut, „überwiegend in einem rohbauähnlichen Zustand“, wie es in der Beschreibung des Objekts heißt. Doch dann haben die Stadtverordneten beschlossen, bauliche Veränderungen in diesem Gebiet nicht mehr zuzulassen, also „neue Fakten“ zu schaffen, wie Rechtspflegerin Marianne Schnepel es ausdrückt. Der Termin wurde abgesagt, ein Gutachter bestimmt den Verkehrswert – bisher 335 000 Euro – neu. Wann versteigert wird, ist noch offen. Bei manchen ist es die Sehnsucht nach Ungestörtheit, nach Ruhe und Abgeschiedenheit, die sie nach einer Insel Ausschau halten lässt. Andere treibt der Wunsch nach einer lohnenden Geldanlage an. Aber wer glaubt, der Traum von der eigenen In-

sel lasse sich leicht erfüllen, wenn nur genug Geld vorhanden ist, irrt – vor allem auf deutschem Boden. Solche Objekte sind selten, egal ob sie sich in Flüssen und Seen befinden, in Nord- oder Ostsee. „Küstengrundstücke gibt es immer mal“, sagt Alexander Blazek, Verbandsdirektor bei der Eigentümerschutz-Gemeinschaft Haus & Grund Schleswig-Holstein in Kiel. „Aber komplette Inseln, auch die kleineren Halligen, gehören meistens mehreren Eigentümern oder dem Staat.“ Auch Gerd Fleischmann, im Vorstand bei der Deutschen Grundstücksauktionen AG in Berlin, sagt, solche Verkäufe seien eine Besonderheit. Das Unternehmen, das Grundstücke und Immobilien auch im Auftrag des Bundes versteigert, hat „höchstens ein-, zweimal im Jahr“ eine Insel im Programm, und in manchen Jahren auch gar nicht. Thorsten Grützner, Sprecher der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in Bonn, gibt 2005 als das Jahr an, in dem das Unternehmen, das für die Vermietung und Veräußerung bundeseigener Liegenschaften zuständig ist, zuletzt Inseln angeboten

hat: Langlütjen I und II, künstlich angelegt, als Festungen in der Wesermündung vor Bremerhaven. Wer in heimischen Gefilden sucht, muss außer Kapital also vor allem eines mitbringen: viel Geduld. Fernreisewillige haben bessere Chancen auf ein Inselglück, wenngleich die weltweite Auswahl ebenfalls begrenzter geworden ist. „Der Markt ist kleiner geworden“, sagt Farhad Vladi. Der auf Inseln spezialisierte Grundstücksmakler aus Hamburg, auf dessen Unternehmen wohl jeder im Internet recherchierende Interessent stößt, ist zu Beginn der Siebzigerjahre in das Geschäft eingestiegen. 20 000 Inseln habe es damals noch weltweit gegeben, die privat genutzt werden konnten und gewissen Qualitätsansprüchen genügten, sagt Vladi. „Jetzt sind wir vielleicht runter auf 9000.“ War vor 40 Jahren der Drang noch groß, die Inseln wegen ihrer „Infrastrukturnachteile“ aus dem Familienbesitz zu veräußern, gewann die Lage an den einst so wichtigen Wasserstraßen später wieder an Bedeutung. Die fehlende Anbindung ans Festland wurde zum Standortvorteil – parallel

Die Edlen Das Bankhaus Metzler stellt hohe Ansprüche – auch an seine wohlhabenden Kunden Das Bankhaus Metzler hat allen Grund zur Freude. Die Geschäftszahlen stimmen, die Eigenkapitalpolster sind gut gefüllt und über weglaufende Kunden oder irgendwelche Skandale muss sich das Haus auch keine Sorgen machen. Während andere Institute immer noch mit den Aufräumarbeiten der Finanzkrise beschäftigt sind und zahlreiche Mitarbeiter entlassen, kann sich das altehrwürdige Frankfurter Bankhaus eine Haltung und einen Anspruch leisten, von dem andere wohl nur träumen. Wie kann das Bankhaus Metzler so erfolgreich sein? Eine Bank, die nur Vermögensverwaltungsmandate vergibt, was mehr ist als reine Anlageberatung und im Private Banking als Königsdisziplin gilt. Eine Bank, die nur in Aktien, Renten und Cash investiert und die über ein kaum nennenswertes Einlagen- und Kreditgeschäft verfügt. Eine Bank, die einst aus einem Tuchhandel entstand und seit 339 Jahren ununterbrochen in Familienhand ist. Emmerich Müller, persönlich haftender Gesellschafter der Bank, freut sich offenbar über die Frage, was den Erfolg des Hauses ausmache, obwohl er sie in jüngster Zeit bestimmt schon öfters gehört hat. Müller führt inzwischen das Tagesgeschäft,

cherheiten vorzuhalten oder auf riskante Geschäfte zu verzichten. Metzler tut dies jedoch alles schon seit langem. Die Vermögen der Kunden werden risikoavers angelegt. Und Johannes Reich, ebenfalls persönlich haftender Gesellschafter beim Bankhaus Metzler, ergänzt: „Wir achten darauf, dass wir keine Interessenskonflikte eingehen. Wir haben uns daher bewusst gegen den Eigenhandel in Aktien entschieden.“

„Bei uns gibt es intern keinen Wettbewerb um Zahlen.“ Wenn andere Banken nun dem folgen und ihr riskantes Geschäft zurückfahren, muss dies dem kleinen, aber feinen Bankhaus wie eine Bestätigung oder eine Auszeichnung vorkommen. Dass andere nun versuchen könnten, das eigene Geschäftsmodell zu kopieren, befürchtet man zwar nicht. Zu sehr im Fokus stehen will die kleine Privatbank mit einer Bilanzsumme von 3,8 Milliarden Euro aber auch nicht. Im Zuge des Libor-Skandals sah sich das Haus gezwungen, gegen die Deutsche Bank zu klagen – rein präventiv. Metzler

Friedrich Metzler (1749-1825) machte aus dem ursprünglichen Handels- und Speditionshaus eine bedeutende Privatbank. FOTO: OH während Friedrich von Metzler, der die Bank in elfter Generation leitet, das Institut mehr nach außen repräsentiert. „Wir denken in 15- bis 25-Jahres-Zeiträumen“, erklärt Müller. Wohl wissend, dass in der Finanzkrise Banken auch ins Strudeln kamen, weil sie nur auf den schnellen Profit aus waren und sich das Geld für mehrjährige Kredite vor allem kurzfristig besorgten. Das Bankhaus Metzler verfolgt ein anderes Konzept, das sich in der Krise als Erfolgsmodell entpuppt hat – mit Vorbildcharakter. Inzwischen gibt es strengere Regeln für die Branche. Banken sollen gezwungen werden, langfristiger zu denken, mehr Si-

hat sich in den USA einer Sammelklage angeschlossen, da die eigenen Kunden zu den Geschädigten zählen könnten. Journalisten inspirierte das zu der Schlagzeile „David gegen Goliath“. Dem Bankhaus Metzler ist das fast schon unangenehm. Man will in der Frankfurter Bankenszene auch nicht nur als die Edlen von der Großen Gallusstraße gelten. In der unmittelbaren Nachbarschaft würde das wohl nicht so gut ankommen. Das Bankhaus Metzler bezeichnet sich selbst daher auch nicht als Krisengewinner – auch wenn das Institut von der frühen Festlegung auf eine risikoaverse Anlagestrategie profitiert.

„Wir investieren für unsere Privatkunden nicht in Zertifikate und auch in keine strukturierte Produkte“, betont Müller. Bei Metzler verkauften die Berater den Kunden also auch vor der Krise keine solchen komplexen Produkte. Das weiß die eher konservative Klientel zu schätzen. Zu den Kunden zählen neben vermögenden Privatanlegern auch institutionelle Investoren sowie mittelständische Unternehmen. Diese wollen in erster Linie ihr Vermögen erhalten. Rendite spielt da keine so große Rolle. Die Privatbank mit 750 Mitarbeitern, einem Jahresüberschuss von 22,3 Millionen Euro und einem Gewinn von 2,3 Millionen Euro (Angaben von 2011) hat sich auf fünf Geschäftsbereiche festgelegt: Asset Management (Anlagegüterverwaltung), Corporate Finance (Unternehmensfinanzierung), Equities (Aktienhandel), Financial Markets (Finanzmarktgeschäfte) und Private Banking (Vermögensverwaltung und Beratung vermögender Kunden). Zum Überschuss trägt vor allem das Provisionsergebnis bei. Welcher der Bereiche am besten läuft, möchte die Bank nicht sagen. Nur soviel: „Wenn ein Bereich schlechter läuft, dann sorgen wir gemeinsam dafür, dass es wieder besser wird“, meint Müller. Friedrich von Metzler ist in Finanzkreisen dafür bekannt, dass er bei der Auswahl von Führungskräften eine gute Hand hat. Mitarbeiter und Partner bleiben dem Haus in der Regel viele Jahre verbunden. Auch dies ist eine bewusste Strategie – nicht unüblich für ein Familienunternehmen. Eine langjährige Betriebszugehörigkeit fördert den Zusammenhalt. Wer gefördert wurde, soll sein erlangtes Wissen auch im Unternehmen einbringen. Viele Traditionshäuser denken so. Mit dieser Erwartung kann in einem Unternehmen jedoch auch ein gehöriger Druck entstehen. Mitarbeiter müssen die Philosophie des Hauses zu 100 Prozent mittragen können, sonst sind sie fehl am Platz. Ein Händler, der sich in den Mittelpunkt drängt und andere durch seine Ergebnisse aussticht, würde wohl nicht zum Stil von Metzler passen. „Bei uns gibt es intern keinen Wettbewerb um Zahlen“, sagt Müller. Wer das Vertrauen der Kunden gewinnen wolle, müsse auch intern das Vertrauen seiner Mitarbeiter haben. „Wir bestimmen auch nicht den Gewinner der Woche. Damit zerstören Sie eine Vertrauenskultur“, meint Müller. Metzler gebe den Mitarbeitern keine überhöhten Renditeziele vor. Wenn es aber um das Geld der Kunden geht, legt die Bank die Latte hoch. Drei Millionen Euro müssen Kunden mindestens mitbringen, wenn sie ein Vermögensverwaltungsmandat erwerben wollen – und zwar flüssig. KATHARINA WETZEL

Private Banking Verantwortlich: Werner Schmidt Redaktion: Marianne Körber, Katharina Wetzel Anzeigen: Jürgen Maukner

zur steigenden Handtuchdichte an den öffentlichen Urlaubsstränden. Dass sich die Anzahl der Inseln, die sich für Privatnutzer eignen, so reduziert hat, liegt laut Vladi auch daran, dass viele Grundstücke durch staatliche Käufe für immer vom Markt verschwinden und dass Investoren dort Hotels bauen und so eine private Nutzung verhindern. 20 Jahre behalten seine Kunden

Man muss sich eines klarmachen: „Jeder Kasten Bier muss rübergeschippert werden.“ ihre Inseln im Schnitt, schätzt Vladi, viele Grundstücke kommen nur durch Konkurs, Scheidungen, Krankheiten oder den Tod des Besitzers wieder auf den Markt. Das geringere Angebot hat aber auch sein Gutes – die Preise steigen: „Etwas Besseres als eine Qualitätsinsel als Geldanlage gibt es nicht“, will Vladi Investoren überzeugen. Er empfiehlt aktuell die europäische Atlantikküste und die Ostküste von Kanada. Teuer seien die Seychellen und

FOTO: DPA

die Virgin Islands. Viele Länder kämen nicht infrage, etwa Malaysia, Indonesien, Indien, China, Russland, Myanmar und die Philippinen, weil Ausländern dort der Bodenerwerb untersagt ist oder schwer gemacht wird durch die Vielzahl zu erfüllender Genehmigungen oder eine hohe Grunderwerbsteuer. 100 000 Euro sollte man nach Ansicht des Inselmaklers mindestens investieren. Die Flächen sollten schön gelegen sein, in politisch stabilem Terrain, unbebaut, um laufende Kosten neben der Grundsteuer zu vermeiden. Nach drei bis fünf Jahren könne man das Land mit Gewinn wiederverkaufen, meint Vladi. Seine Kunden gäben aber meist mehr aus – zwischen 200 000 Euro und fünf Millionen. Für Heinrich Stüven, Vorsitzender des Grundeigentümer-Verbands in Hamburg, zählt beim Inselkauf wie bei anderen Immobilienanlagen vor allem eines: „Lage, Lage, Lage“. Wie komme ich auf die Insel? Gibt es öffentliche Verkehrsmittel, brauche ich ein eigenes Boot? Wo kann ich anlegen? Wie versorge ich mich? Wie weit sind die Nachbarn entfernt? „Und natürlich

muss ich mich mit den rechtlichen Gegebenheiten auseinandersetzen“, sagt Stüven. „In Deutschland läuft ein solcher Kauf über Notare. Das Risiko, da etwas falsch zu machen, ist relativ gering. Aber das ist nicht in allen Ländern so.“ Auskunft über das richtige Vorgehen beim Grundstückserwerb liefere zur Not auch die Botschaft des jeweiligen Landes. Gerd Fleischmann von der Deutschen Grundstücksauktionen AG rät, sich immer klarzumachen: „Auf eine Insel muss jeder Kasten Bier mit einem Boot rübergeschippert werden.“ Wer bauen will, muss mögliche Auflagen beachten, etwa durch Natur- oder Denkmalschutz. Stimmen die Bedingungen, sei eine solche Investition zumindest im deutschen Raum aber „eine attraktive Geschichte“. Über einen Zeitraum von fünf Jahren könne man mit Gewinnen von 25 bis 30 Prozent rechnen, sagt Fleischmann. Doch nicht alle Inselbesitzer handeln rational. „Das Dumme ist, dass Sie sich verlieben werden in Ihre Insel“, sagt Makler Vladi. „Und nach fünf Jahren sagen Sie dann: verkaufen? Lieber nicht.“


Süddeutsche Zeitung: Wie wär's mit einer Insel?