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10 | Aus aller Welt

MAZ | DIENSTAG, 21. MAI 2013

KURZ & KNAPP

Dutzende Tornados wüten in USA WASHINGTON | Eine Serie schwerer Tornados hat im Mittleren Westen der USA mindestens zwei Menschen in den Tod gerissen. Über 20 Menschen wurden verletzt. Meteorologen sagten weitere Unwetter voraus. Die Unwetterfront raste am Sonntagabend über die Bundesstaaten Oklahoma, Kansas sowie Iowa und Illinois. Hausdächer wurden abgedeckt, Bäume entwurzelt und Autos umgestürzt. Besonders schwer getroffen war das Gebiet um den Ort Shawnee etwa 50 Kilometer östlich von Oklahoma City. Dort wurde ein Wohnwagenpark völlig verwüstet. Zwei Menschen werden in der Region noch vermisst.

Das Geschäft mit der Sehnsucht Seit mehr als 20 Jahren verkauft der Hamburger Makler Farhad Vladi Inseln. Die Hälfte seiner Kunden sind Deutsche

Wahl-Russe Depardieu will Café eröffnen MOSKAU | Der französische Schauspieler und Wahl-Russe Gérard Depardieu ist seit Montag auch offizieller Unternehmer: Er sei in Saransk in der 650 Kilometer östlich von Moskau gelegenen Region Mordwinien registriert worden, sagte der Direktor des russischen Kinoarchivs, Nikolai Borodatschew. Depardieu will in der vor allem als Standort vieler Straflager bekannten Region ein Café aufmachen. Depardieu ist seit Januar Russe.

Ballon stürzt nach Crash in der Luft ab ISTANBUL | Beim Absturz eines

Heißluftballons in der Türkei sind am Montag drei Touristen aus Brasilien ums Leben gekommen. 22 weitere Menschen verletzt, nachdem der Ballon über den Felsenlandschaften Kappadokiens mit dem Korb eines zweiten Ballons zusammengeprallt war, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Bei der Kollision war die Hülle aufgerissen. Der Ballon stürzte aus etwa 300 Metern Höhe zu Boden. An Bord seien Urlauber aus Spanien, Brasilien und Argentinien gewesen

Tausende Fans beim Wave-Gotik-Treffen LEIPZIG | Schwarzes Leder, aufblasbare Reifröcke und schrille Maskeraden: Mehr als 20 000 Wave-Gotik-Fans aus aller Welt haben sich am Pfingstwochenende in Leipzig versammelt. Die 200 Konzerte an 40 Orten seien sehr gut besucht gewesen, berichteten die Veranstalter. Viel Zuspruch hätte auch das Rahmenprogramm mit Führungen über Friedhöfe, Lesungen und Aufführungen von WagnerOpern gefunden. Viele Geschäfte gestalteten Teile ihrer Schaufenster als Gruß an die Gäste.

Erste Frau aus Pakistan erklimmt den Everest ISLAMABAD | Eine 22-jährige Pakis-

tanerin hat als erste Frau ihres Landes den Gipfel des Mount Everest bestiegen. Samina Baig erreichte den Gipfel des höchsten Berges der Welt am Sonntag, sagte ein Sprecher des pakistanischen Alpinclubs. Baig sei die jüngste von bislang nur drei Pakistanern, die den Everest erfolgreich erklommen haben. Laut Medienberichten bestieg Baig den Berg gemeinsam mit ihrem Bruder. Am Samstag erst hatte die 25-jährige Raha Moharrak aus Saudi-Arabien den 8848 Meter hohen Berg bezwungen.

Yahoo kauft Blogging-Plattform NEW YORK | Mit einer milliarden-

schweren Übernahme der aufstrebenden Blogging-Plattform Tumblr buhlt der US-Internetkonzern Yahoo um die Gunst der jungen Internetnutzer. Wie Yahoo gestern erklärte, soll Tumblr ein eigenständig arbeitendes Unternehmen bleiben. Beide Firmen würden aber „gemeinsame Möglichkeiten“ im Anzeigengeschäft schaffen. Den Kaufpreis von 1,1 Milliarden Dollar (855 Millionen Euro) begleicht Yahoo den Angaben zufolge fast vollständig aus flüssigen Guthaben. Der Kauf ist die bislang größte Finanztransaktion unter Yahoo-Chefin Marissa Mayer, die den Posten im vergangenen Sommer angetreten hatte.

Herzenssache: Eine Insel ist viel mehr als eine Geldanlage für Gutbetuchte. POTSDAM | Farhad Vladi hat schon

2000 Inseln veräußert. Sein Tipp: Neuseeland. Da gibt es schönes Wetter und keine Mücken. MAZ: Herr Vladi, wenn andere an Inseln denken, denken sie an Urlaub. Denken Sie nur noch an Arbeit? Farhad Vladi: Nein. Ich habe als 20-Jähriger als Inselmakler angefangen, weil ich mir selber eine Insel kaufen wollte. Nach zehn Jahren hatte ich sie, in Kanada. Heute besitze ich eine in Neuseeland, mit einer kleinen Schaffarm. Nach einer Nacht dort fühlte ich mich wie nach zwei Wochen Urlaub. Eine eigene Insel, das ist auch ein eigenes kleines Reich. Vladi: Ja. Hier sind Zäune, Schilder, Leute, man ist nicht frei. Da haben Sie Ruhe – auch wenn Sie nicht alles machen dürfen, was Sie wollen. Ich kann zwar bestimmen, wer auf die Insel geht. Ich kann anziehen, was ich will. Aber wenn ich zum Beispiel ein Haus bauen will, brauche ich eine Baugenehmigung, die Nachbarn werden angehört. Ich sage immer: Sie kaufen auch bei einer Insel ein soziales Umfeld. Wer mit der Kultur der Menschen an den Versorgungspunkten nicht zurechtkommt, sollte es lieber lassen. Was ist Ihren Kunden vor einem Kauf wichtig? Vladi: Erst mal geht es immer um die Geografie. Der Kunde sagt: Ich möchte ins Warme, ich möchte nach Florida, weil ich da Verwandte habe, eine Oma lebt in Kanada oder so. Die zweite Vorgabe ist die wichtigste: das Budget.

Wie hoch ist das im Schnitt? Vladi: Das geht meist von 200 000 bis zu fünf Millionen Euro. Wie viel sollte man mindestens investieren? Vladi: 100 000 Euro – für eine gute Insel, unbebaut, das spart Kosten. Die Natur ist ein guter Verwalter, erst mal verlangt sie nichts. Sie zahlen nur eine Grundsteuer, und die hält sich in Grenzen. Welche Region empfehlen Sie? Vladi: Gerade kann man in der Bretagne günstig kaufen, in Kanada, Skandinavien, Australien, aber vor allem in Neuseeland – das ist das Land der Zukunft, das ganze Jahr schönes Wetter, politisch stabil. Es ist weit weg, hat aber den Vorteil: Es gibt keine Mücken. Sie haben 1971 Ihre erste Insel verkauft. Was hat sich verändert? Vladi: Damals waren die Inseln meist unbebaut, viele unberührt.

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Und die Preise? Vladi: 1971 kostete eine Insel in den Seychellen 300 000 Euro, heute würde sie 30 Millionen kosten. Wie kommt das? Vladi: Die persönliche Verbindung ist sehr stark, man verkauft nicht so schnell wieder. Außerdem werden viele Inseln heute von Staaten erworben und von Naturschutzorganisationen und verschwinden so vom Markt. Und dann gibt es Leute, die bauen ein Hotel darauf oder 26 Stockwerke Eigentumswohnungen – so eine Insel ist für die private Nutzung verloren. Das Angebot wird immer weniger.

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K Das Wichtigste, was man beim Inselkauf beachten sollte, ist laut Heinrich Stüven, Vorsitzender des Grundeigentümer-Verbands in Hamburg vor allem: „Lage, Lage, Lage“ – wie bei anderen Grundstücken auch. Wie komme ich dorthin? Wie kann ich mich versorgen? Wie weit ist es bis zu den Nachbarn? K Zudem gilt es, mögliche Auflagen zu beachten, etwa was Natur- oder Denkmalschutz angeht.Wenn die Bedingungen stimmen, kann sich eine solche Investition durchaus

Fans der Oldtimer-Busse aus Ungarn trafen sich bei Chemnitz, um die Erinnerung an die in der DDR allgegenwärtigen Gefährte aufzufrischen freunde aus ganz Deutschland sind am Samstag zur dritten Auflage des „Ikarus”-Treffens ins mittelsächsische Hartmannsdorf bei Chemnitz gekommen. Insgesamt 23 Busse der Baujahre 1962 bis 1990 waren zu sehen. Es ist ein Erfolg für die Interessengemeinschaft Freundeskreis „Ikarus“, die in Sachsen und Thüringen aktiv ist. Zu den zehn Mitstreitern gehört der 27-jährige René Junghans aus dem Erzgebirge. Ihn interessiert an den Bussen, die in der DDR den Stadt- und Regionalverkehr geprägt haben, vor allem die Technik. Er habe auch noch Erinnerungen an Fahrten in „Ikarus“-Bussen, die bis nach der Wende im Einsatz waren. Mit Megafon und in Uniform der Volkspolizei weist Andreas Hollerit „Ikarus“-Busse auf dem FOTO: DPA Parkplatz ein.

Wer sind Ihre Kunden? Vladi: Etwa 50 Prozent sind Deutsche. Ich habe an Prominente verkauft, an Nicholas Cage etwa, Tony Curtis und Mariah Carey, aber in den meisten Fällen sind unsere Kunden nicht die Superreichen, sondern eher der gehobene Mittelstand, viele Freiberufler. Der Makler Farhad Vladi ist selbst stolzer Insel-Besitzer. FOTO: TRÄGER Wie groß ist der Markt heute? Vladi: Als ich anfing, gab es geschätzt 20 000 private Inseln weltweit, die man nutzen konnte, nicht nur irgendwelche Felsen. Mittlerweile sind wir runter auf 9000. Aber in vielen Ländern dürfen Ausländer auch nicht kaufen, in Indonesien, Thailand, Malaysia, China, Russland – wenn sich das ändert, erhöht sich das Angebot. Wo ist es gerade besonders teuer?

Lage, Lage, Lage: Was beim Inselkauf zu beachten ist

Fasziniert vom „Ikarus“ HARTMANNSDORF | Hunderte Bus-

Vladi: In den Virgin Islands kostet eine Insel 20, 40 Millionen Euro. Das ist neben den Seychellen das teuerste Gebiet.

Sie hatten einen Infrastrukturnachteil, kein Telefon, keine Schulen oder Supermärkte. Deshalb war der Drang zu verkaufen groß. Vielen hielten mich für verrückt, weil ich kaufen wollte. Aber dann entstanden die Umweltprobleme auf dem Festland, Abgase, Asthma, die Strände wurden voller. Es gab plötzlich dieses Inselgefühl, frische Luft, Ruhe, und so kam ich in den Markt.

„Man kennt sich in der Szene“ sagt Roy Glaser, der das Treffen mit einem Budget von nur 1000 Euro mit auf die Beine gestellt hat. Zwei Busse sind aus Ungarn gekommen, einer aus Prag. Neben Linien- und Reisebussen rollten auch echte Raritäten an. Glaser zeigt einen Bus, den die DDR-Regierung beschafft hatte. „Er gehörte einst Politbüromitglied Harry

Tisch.“ Wohin der SED-Spitzenfunktionär und DDR-Gewerkschaftschef damit reiste, sei nicht bekannt. Im Innern sind bequeme Polstersitze längs zur Fahrtrichtung angeordnet, im Heck gibt es ein Küchenabteil. Nebenan steht ein blau-weißer Reisebus. Das Öffnen der schweren Tür von Hand weckt Kindheitserinnerungen. „Der Bus ist Baujahr 1977 und gehörte einst zum Fuhrpark der Nationalen Volksarmee“, sagt Besitzer Lars Gersten. Das Fahrzeug befinde sich nahezu im Originalzustand und laufe reibungslos. Der Nachrichtentechniker aus dem sächsischen Mügeln besitzt mehrere historische Busse, die er auch für Ausflüge anbietet. Für ostalgische Schwärmerei sind die „Ikarus“-Freunde nicht zu haben. Sie finden es ganz in Ordnung, dass die Zeit der „Ikarus“-Busse mit ihren unbequem steilen Einstiegen vorbei ist. Aber das Erinnern und Erhalten, das sei trotzdem schön.

lohnen, sagt Gerd Fleischmann von der Grundstücksauktionen AG in Berlin, die auch Grundstücke und Immobilien im Auftrag des Bundes versteigert: Über einen Zeitraum von fünf Jahren könne man bei Objekten in Deutschland etwa mit Gewinnen von 25 bis 30 Prozent rechnen. K Wer in der Heimat kaufen will, muss allerdings geduldig und sehr aufmerksam sein: „Höchstens einbis zweimal“ im Jahr hätten sie ein solches Objekt im Programm, sagt Fleischmann. emt

Wie kommen Sie an die Inseln, die Sie verkaufen? Vladi: Ich gehe da systematisch vor. In der Bretagne zum Beispiel habe ich mir jede Insel vorgenommen, festgestellt, wem sie gehört, eine Akte mit Preisen, Besitzern und so weiter angelegt – mein Archiv enthält 12 000 solcher Akten von Inseln weltweit. Das war früher, ohne Internet, alles schwieriger. Teils geben die Behörden Auskunft oder die Bürgermeister. Wie lange behalten die Leute die Inseln ungefähr? Vladi: Manche wechseln schon nach zehn Jahren, aber im Schnitt sind es 20 Jahre. Häufige Verkaufsgründe sind der Tod des Besitzers, eine Scheidung, Krankheit oder Konkurs. Und wenn man nur investieren will? Vladi: Sie können schon nach drei bis fünf Jahren mit Gewinn verkaufen, relativ unabhängig von der Region. Das Dumme ist nur, dass Sie sich verlieben werden in die Insel. Und dann sagen Sie nach fünf Jahren: Verkaufen? Lieber nicht. Interview: Eva-Maria Träger

Familiendrama in den Niederlanden Verschwundene Brüder Julian und Ruben tot aufgefunden UTRECH | Knapp zwei Wochen nach ihrem Verschwinden sind zwei Kinder in den Niederlanden ermordet aufgefunden worden. Der Täter war mit größter Wahrscheinlichkeit ihr Vater, der anschließend Selbstmord beging. Die Leichen der sieben und neun Jahre alten Brüder Julian und Ruben wurden am Sonntag nach Hinweisen eines Passanten von der Polizei aus einem Wassergraben bei der Ortschaft Cothen unweit ihrer Heimatstadt Zeist geborgen. Der 38-jährige Vater der Brüder war am 7. Mai in einem Waldgebiet unweit von Zeist (Provinz Utrecht) tot aufgefunden worden. Nach Polizeiangaben hat er sich erhängt. Der Mann hatte die Kinder am Vortag bei deren Mutter zu einem Ausflug abgeholt. Von ihnen fehlte seither jede Spur. Das Verhältnis der seit 2008 geschiedenen Eltern galt als äußerst gespannt. Die Eltern waren für den 7. Mai zu einem Gespräch ins Jugendamt

Trauer um die Brüder.

FOTO: AFP

bestellt worden. Dabei ging es um die Frage, ob die Erziehungsrechte der Eltern eingeschränkt werden müssen. Der Vater habe zuvor mehrfach mit einem „Familiendrama“ gedroht. Seit dem Verschwinden der Kinder hatten Hunderte Polizisten – unterstützt von mehr als 1000 Freiwilligen – nach ihnen gesucht. Es war die bislang größte Aktion dieser Art in den Niederlanden. Gesucht wurde auch in grenznahen Gebieten Deutschlands und Belgiens.

Maerkische allgemeine optimiert