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P.b.b. Verlagspostamt 3100 St. Pรถlten, 04Z035974M, 09/13, EURO1,50

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MFG EDITORIAL

wetterkapriolen von Johannes Reichl

So schön hätte alles sein können, ja der Himmel hing doch eben gerade noch voller Geigen. Das Frequency Festival fegte die Stadt auf die Titelblätter der Nation und riss Teenager (junge Menschen!) zu facebook-Hymnen auf die Traisenmetropole hin, wie z. B. „st. pölten ist die beste stadt zum leben, die st. pöltner sind einfach die besten leute.“ Genau! Endlich erkannte man unser wahres Ich. Auch der Kanzler schien uns plötzlich ganz lieb zu haben und ließ sich ganz, ganz oft anschauen, wofür er auch gleich mit sechs Fotos in der Gemeindezeitung belohnt wurde, was selbstverständlich nichts mit der nahenden Nationalratswahl zu tun hat, sondern ausschließlich mit unserer Bedeutung. Das Wiener Szenemagazin – Wien und Szene! „The Gap“ interviewte den Bürgermeister, unseren Bürgermeister, und kam dafür sogar extra nach St. Pölten! In die Seedose, zum Viehofner See, weil so etwas Schönes gibt’s nur bei uns! Bei der Abfahrt sollen die Redakteure geweint haben, weil sie nach diesem Ausflug in die große Welt wieder ins schirche Wien zurückfahren mussten. Selbst das NEWS-Bezirke-Ranking, das St. Pölten auf den 112. Platz von 117 Bezirken reihte, konnte uns nicht aus der Fassung bringen. NEWS – na eh scho wissen ... Und dass das Ganze auf Statistiken fußte, entriss uns nur ein nonchalantes „Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“. Böswillige Sticheleien wie „St. Pölten hat wahrscheinlich deshalb so wenig Sonnentage, weil die Feinstaubbelastung so hoch ist“ ignorierten wir nicht einmal. Selbst zur Selbstironie waren wir fähig und lachten bei Michael Niavarani mit, als er uns via ORF aufs Korn nahm: „Mein Freund hat gesagt: ‚Fahr wohin, wo’s nichts gibt. NICHTS!‘ Hab ich mir gedacht: St. Pölten ...“ Haha ... nix los ... haha ... Ja, wir waren schon soooo weit – und dann DAS! Eine Wetterkarte ohne St. Pölten. Verstehen Sie?! EINE WETTERKARTE OHNE ST. PÖLTEN!!! Und das auf Servus-TV, dem meistgesehenstem Sender der Erde. Da kippte der Bürgermeister aus den Latschen. Da schrillten im Magistrat die Alarmglocken – verstieß das nicht gegen das Rundfunkgesetz,

den Landeshauptstadtgleichbehandlungsgrundsatz, zumindest irgendeine UN-Konvention? Der Bürgermeister verfasste jedenfalls ein Schreiben, voll der Empörung, und die Presseabteilung schickte seine Botschaft unter dem ungemein originellen Titel „Ein Wetter ohne Hauptstadt ist wie ein Gulasch ohne Saft“ in die Welt hinaus. Alle sollten von dieser Ungeheuerlichkeit erfahren! Das Stadtoberhaupt, ganz Staatsmann, ließ darin uns verwirrte, nein verängstigte Bürger wissen: „Ein Schreiben an die Redaktion ist bereits unterwegs, denn es ist nicht akzeptabel, dass St. Pölten als Landeshauptstadt gänzlich negiert wird und damit auch kein ‚Wetter‘ hat. Ich glaube nicht, dass das ‚zufällig‘ passiert. Deshalb habe ich die zuständigen Redakteure nach St. Pölten eingeladen. Es gibt hier so viel zu entdecken, dass sie später sicher nicht mehr auf St. Pölten vergessen.“ Da taten sich ja Abgründe auf! Das Ganze passierte NICHT zufällig, sondern war ein gezieltes Komplott gegen den Mittelpunkt Europas? Und die Spitze – wir liefen gleich hinaus um nachzuschauen – man hatte unser Wetter geklaut?! Und da wurden in den Medien Kinkerlitzchen wie die Aktivitäten der NSA breitgetreten, während in Wals-Himmelreich eine Weltverschwörung im Gange war?! Als die Servus-Redakteure das Schreiben erhielten, waren sie wohl wie vor den Kopf gestoßen. Zerknirscht. Reuemütig – mit dieser Schuld muss man erst einmal leben können. Und man reagierte umgehend, setzte uns auf die Wetterkarte. Vielleicht ein bisserl zu klein ... Gab uns unser Wetter zurück! Und nein, nein, nein – der Bürgermeister hätte nicht einfach nur zum Telefonhörer greifen und anrufen können, ohne die ganze Welt von seiner welthistorischen Tat – wahrscheinlich die bedeutendste seiner bisherigen Amtszeit – in Kenntnis zu setzen. Das war schon wichtig, denn wir sind doch bittesehr wer, sind voller Selbstbewusstsein, offen und urban, quasi das Stadt gewordene Gegenteil von provinziell und kleinkariert. Wobei, eine Frage stellt sich schon: Wer zum Teufel zahlt jetzt eigentlich die Kosten für den Journalistenbesuch?

Offenlegung nach §25 Medien-Gesetz: Medieninhaber (Verleger): NXP Veranstaltungsbetriebs GmbH, MFG - Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten. Unternehmensgegenstand: Freizeitwirtschaft, Tourismus, und Veranstaltungen. Herausgeber/Geschäftsführer: Bernard und René Voak MBA. Grundlegende Blattlinie: Das fast unabhängige Magazin zur Förderung der Urbankultur in Niederösterreich. Redaktionsanschrift: MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten; Telefon: 02742/71400-330, Fax: 02742/71400-305; Internet: www.dasmfg.at, Email: office@dasmfg.at Chefredakteur: Johannes Reichl Chefredakteur-Stv.: Michael Müllner Chef vom Dienst: Anne-Sophie Settele Redaktionsteam: Thomas Fröhlich, Gotthard Gansch, Sascha Harold, Siegrid Mayer, Althea Müller, Michael Käfer, Thomas Karl, Mario Kern, Michael Müllner, Marion Pfeffer, Andreas Reichebner, Michael Reichl, Thomas Schöpf, Anne-Sophie Settele, Beate Steiner, Katharina Vrana, Manfred Wieninger Kolumnisten: Herbert Binder, Thomas Fröhlich, Althea Müller, Michael Müllner, Primadonna, Rosa, Roul Starka, Beate Steiner Kritiker: Ebru Erez, Helmuth Fahrngruber, Thomas Fröhlich, Wolfgang Hintermeier, Michael Müllner, David Meixner, Manuel Pernsteiner, Johannes Reichl, Robert Stefan, Katharina Vrana, Markus Waldbauer Karikatur: Andreas Reichebner Bildredaktion: Simon Höllerschmid, Hermann Rauschmayr Coverfoto: Shitaki Art Director & Layout: Mr. Shitakii Hersteller: NÖ Pressehaus Druck- und Verlagsgesellschaft mbH Herstellungs- und Verlagsort: St. Pölten Verlagspostamt: 3100 St. Pölten, P.b.b. Alle Rechte, auch die Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2. Urheberrechtsgesetz, sind vorbehalten. Alle Angaben ohne Gewähr. Für den Inhalt bezahlter Beiträge ist der Medieninhaber nicht verantwortlich.


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INHALT

Urban 6

S E

KULTUR 40

P S SZENE 58

SPORT 70

URBAN 8 10 12 20 24 30 34

NICHT MEHR MEINER UNSERE MÄNNER FÜR DEN BUND DADDY COOL – VÄTER IN KARENZ REGIONALFÖRDERUNG DIE WELT VON STYX TRANSPARENZ WEIDINGER – VOLL DAS LEBEN

KULTUR 42

44 50 54

FASZINATION MITTELALTER ALS DIE BILDER LAUFEN LERNTEN DER WEISSE HAI IN ST. PÖLTEN

SZENE 59 64 62

SOLDATE JEANNETTE Vom 5-Uhr-Tee zum Frequency VODJANOI – WASSERMUSIK

SPORT

CLEMENTINE SKORPIL

70

6 7 40 58 76 77

IN WAS FÜR EINER STADT SHORTCUTS URBAN SHORTCUTS KULTUR SHORTCUTS SZENE KRITIKEN VERANSTALTUNGEN

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FRAUENFUSSBALL

D D S

S H O W FAC TO RY P R Ä S E N T I E RT

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In der Heribert und Sophie Weidinger der leidigen (parteipolitischen) Diskussion um die aktuelle Gestaltung des Herrenplatzes (Teilfelder waren als Provisorium bis zur Neupflasterung asphaltiert worden) ein buntes Ende setzten: In einer (angemeldeten) Nacht & Nebel-Aktion sprayten sie einfach einen Teppich auf den Asphalt und entlarvten damit unser aller Engstirnigkeit – denn wer sagt denn, dass Asphalt notgedrungen schwarz und schirch sein muss?! Die Aktion schlug jedenfalls voll ein und macht Gusto auf mehr. Warum die magic carpets nicht gleich „institutionalisieren“ und in regelmäßigen Abständen wechseln. Damit würde man sich nicht nur die teure Neupflasterung sparen, sondern zugleich eine neue Attraktion in der City schaffen. Beim Magistrat winkt man allerdings ab und nennt zig Gründe, warum es nicht geht – nur ... es geht ja! Wie auch immer: Die Aktion war eine der genialsten und originellsten, welche die Stadt seit langem erlebt hat. Wie schrieb ein FB-Poster: „Die Stadt braucht viel mehr Weidinger.“ Er hat absolut recht!

In der der FPÖ Landesgeschäftsführer eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft einbrachte, weil ihm ein Funktionär der Jungen Generation mit Nettigkeiten wie „Wir kriegen euch schon. Ihr seid lauter Nazis. Ihr gehört ausgerottet“ bedacht haben soll. Der mutmaßliche rote Verbalrabauke ließ via KURIER wissen, dass man mit der FPÖ nicht disktuieren könne „man wird umgehend selbst in deren extremistisches Fahrwasser gezogen.“ Aha – dann war also die FPÖ schuld an seinen Aussagen?! Die Junge Generation ihrerseits verwehrte sich „gegen die pauschalen Verunglimpfungen der Jungen Generation“ und drohte mit rechtlichen Schritten. Über den „Einzeltäter“ verlor man kein Wort. Den Vogel schoss aber die ÖVP St. Pölten ab, die eine Presseaussendung so einleitete: „Die FPÖ erhebt schwere Vorwürfe gegen einen Funktionär der Jungen Generation SPÖ St. Pölten.“ Äh ja, und was hat das mit der ÖVP zu tun? Dem Bürgermeister warf man vor „auf dem linken Auge blind zu sein.“ Leider sind es unsere Politiker immer öfter auf beiden ...

Spielzeit 13/14

Premieren Auswahl

Open House 20./21.09. 2013

T 00 43 2742 90 80 80-600

Franz Grillparzer Weh dem, der lügt! Regie: Alexander Charim ab 25. 1. 2014 ..................................................................................................... Klaus Mann Geschwister Regie: Irmgard Lübke ab 8. 3. 2014 ..................................................................................................... Attila Bartis Meine Mutter, Kleopatra Deutschsprachige Landestheaters Nieder-österreich mit der Bühne Baden ..................................................................................................... Erstaufführung Regie: Róbert Alföldi ab 29. 3. 2014 ..................................................................................................... Henrik Ibsen Die Wildente Regie: Daniela Kranz ab 7. 12. 2013 ..................................................................................................... Pierre Corneille Horace Regie: Katrin Plötner ab 24. 4. 2014 ..................................................................................................... Julya Rabinowich Tagfinsternis Uraufführung Gastspiele, Lesungen, Blätterwirbel 2013, Regie: Markus Schleinzer ab 17. 1. 2014 ..................................................................................................... Arthur Miller Hexenjagd Regie: Cilli Drexel ab 4. 10. 2013 ................................................................................................. Johann Nestroy Einen Jux will er sich machen Regie: Bettina Hering ab 11. 10. 2013 Eine Koproduktion des

Bürgertheater, Kindertheater, Klassenzimmerwww.landestheater.net theater und vieles mehr…

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In der NEWS den „besten Ort zum Leben“ suchte. St. Pölten belegte dabei nur den 112. Platz von 117 Bezirken. Während die Stadt vielfach passabel abschneidet und es vernachlässigbar ist, ob auf 1.000 Einwohner „nur“ 4,01 Ärzte (Eisenstadt 6,14), 0,54 Kindergärten (Reutte 1,07), 0,96 Schulen (Reutte 1,67) kommen, offenbaren sich auch Problemfelder. Muss man die Zahl der Sonnenstunden (1.862 gegenüber 1.967 in Neusiedl) hinnehmen, so schneidet St. Pölten bei einigen Parametern schwach ab: Arbeitslosenrate 8,9% (Urfahr-Umgebung 1,9%), Geburtenrate -19 auf 1.000 Einwohner (+34,7 Dornbirn), Studienabschlüsse auf 1.000 Einwohner 2,62 (Graz 6,34), Feinstaub 58 µg/m³ Tagesmittel (Lienz 24), Zahl der Verletzten/Toten im Straßenverkehr 8,39 auf 1.000 Einwohner (Wien Liesing 2,24). Im Rathaus misst man dem Ranking nicht allzu viel Bedeutung zu: „Es kommt darauf an, welche Zahlen man heranzieht und wie man die Schwerpunkte gewichtet. Deshalb glaube ich nur an jene Statistik, die ich selbst gemacht habe!“, so der Bürgermeister. Na wenn das so ist ...

Fotos: René Voak, Stefan Fuchs, Ingo Bartussek/apops (alle Fotolia.com), zVg

In was für einer Stadt leben wir eigentlich...


SHORTCUT URBAN

Abgesandelt

Hebi

Logisch?

Fotos: René Voak, Stefan Fuchs, Ingo Bartussek/apops (alle Fotolia.com), zVg

Die Domplatz-Neugestaltung bleibt ein Dauerthema. Was passiert etwa mit den Ausgrabungsfunden? Schafft man, wie das Gerücht geht, einen fixen „Ausstellungsraum“? Dazu die Stadt: „Derzeit prüfen Fachleute, in welcher Form die Funde unter Berücksichtigung der Funktionalität des Platzes präsentiert werden können.“ Auch das Thema „Verparkung“ ist nach wie vor umstritten. „Parken soll am Domplatz weiterhin möglich sein“, betont die Stadt. Für viele eine vertane Chance. „Die Autos gehören nicht auf den Platz, sondern in eine Tiefgarage darunter!“, meint etwa St. Pölten-Urgestein Josef Weidinger und zieht Parallelen zur Einführung der Fußgängerzone oder zum Rathausplatz. „Damals konnte sich auch keiner vorstellen, dass am Riemerplatz keine Autos mehr fahren oder der Rathausplatz autofrei wird. Könnten Sie es sich heute umgekehrt vorstellen?“ Eine Tiefgarage unterm Domplatz kommt aber definitiv nicht, „weil er vom Bundesdenkmalamt zum ‚Bodendenkmal‘ erklärt wurde“, wie die Stadt erklärt. Zudem wird die Sinnhaftigkeit einer weiteren Tiefgarage prinzipiell in Frage gestellt, weil schon die bestehenden „nur zu etwa 60% ausgelastet sind.“ Klingt logisch. Warum dann aber Parkplätze am Domplatz?

SWAP-Gerüchteküche Als im Sommer ein Verhandlungstermin im Prozess „St. Pölten gegen Raiffeisen-Landesbank NÖ-Wien“ kurzfristig abgesagt wurde, kochte die Gerüchteküche über: Es gäbe einen „neuen“ Richter – hat da am Ende die

Stadt St. Pölten interveniert? Im Rathaus betont man, sich nie beschwert zu habe und von der Objektivität des Gerichts überzeugt zu sein. Auch der zuständige Richter, Martin Ogris, weiß weder von Beschwerden noch Interventionen. Was war passiert? Der Fall sollte kurzfristig tatsächlich einem anderen Richter zugewiesen werden, da Ogris einen neuen Aufgabenbereich übernimmt und somit routinemäßig offene Fälle vom Personalsenat per Los ausgewählt und an andere Richter übertragen werden. In Anbetracht bereits durchgeführter, umfangreicher Einvernahmen entschied der Personalsenat, diesen Fall doch bei ihm zu belassen. Nächster Verhandlungstag: wohl ein Dienstag im November.

Herbstlicher Saisonbeginn mitten in einem eher faden Wahlkampf. Aber, Hand aufs Herz, hätten wir‘s wirklich gerne brutaler? Business as usual daher wohl auch hierorts – aber schon mit ein paar kleinen Musts: Die Fußballer, landesmittelverwöhnt, werden sich überlegen müssen, was die in Großstädten wie Grödig und Mattersburg eigentlich besser machen als wir in St. Pölten. Von unseren Hochkultur-Managerinnen muss Frau Hering eilends bis Oktober für’s Landestheater Nestroys Jux (in der Sommerarena in Baden aber so was von fad) gewissermaßen umfrisieren von Pudel auf Windhund. Und Kollegin Fürle nimmt sich vor, im Festspielhaus mit deutlich weniger Veranstaltungen deutlich mehr Akzeptanz zu erreichen. Beiden Ladies gelten unsere guten Wünsche! Nicht gerade brüllend dürfte die Reputation St. Pöltens im Lebensmittelhandel sein: Anstelle des allseits erwarteten BILLA-Corso, eines einer Landeshauptstadt adäquaten Feinkosttempels, verpasste die REWE der City in der Kremser Gasse mit immensem Umbauaufwand ein Allerwelts-Outlet mit dem Flair eines Bahnhofskiosks. Möglicherweise wird ihnen Leere eine Lehre sein … Volle Kontinuität hingegen im Rathaus. Unser sympathisch musischer Bürgermeister wird über einem soliden sozialdemokratischen cantus firmus weiter publikumstaugliche Variationen eines aufgeklärten Absolutismus im demokratiefernen Klangraum musizieren. Der Applaus sollte ihm auch in Hinkunft sicher sein. Etwas unterhaltsame Wahl-Dramatik könnte aber vielleicht doch noch aufkommen: Der ÖGB-Präsident müsste nur seinem Parteifreund im Sozialministerium über die Medien ausrichten lassen, Österreich sei sozial abgesandelt …

MFG 09.13

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MFG URBAN

Nicht mehr meiner

Gleich zwei alt-eingesessene St. Pöltner Familien-Unternehmen wurden in den vergangenen Monaten verkauft. Leiner und Rosenberger, die beide ihre Hauptsitze in der Landeshauptstadt haben, sind von deutsch-südafrikanischen bzw. chinesischen Investoren übernommen worden. Noch bevor jemand danach fragen konnte, folgte Beschwichtigung: Es werde sich nichts ändern, für Mitarbeiter bleibe alles beim Alten. Wir fragten nach.

S

eit 1910 bildet die Leiner Filiale am Rathausplatz einen Teil der Geschichte der Stadt, und legte gleichzeitig den Grundstein für ein erfolgreiches Familienunternehmen. Noch vor Kurzem feierte der Möbelhändler das 100-jährige Jubliäum, nun folgte um kolportierte 500 Millionen Euro der Verkauf an die südafrikanische Steinhoff-Gruppe. Eine MFG-Interviewanfrage zu Hintergründen und möglichen Konse8

quenzen wurde seitens des Büros von Paul Koch leider lapidar mit „Kein Kommentar” abgelehnt. Ende Juni gab sich der Geschäftsführer und Sohn des bisherigen Aufsichtsratspräsidenten Herbert Koch gegenüber “Format” noch gesprächiger: „Wir hätten diesem Deal als Eigentümerfamilien nicht zugestimmt, wären wir nicht der festen Überzeugung, dass Steinhoff kika/Leiner in eine aussichtsreiche Zukunft führen wird.“

Er selbst werde weiter Geschäftsführer bleiben, für die Mitarbeiter gebe es keine Konsequenzen, die Steinhoff-Gruppe habe bereits in der Vergangenheit ähnliche Käufe durchgeführt. Tatsächlich gilt auch in Expertenkreisen der Verkauf von kika/ Leiner als kluger Schachzug. „Die Familie Koch hat zum richtigen Zeitpunkt das Richtige gemacht!“ Dass alles beim Alten bleibt, halten viele jedoch für unwahrscheinlich. Chri-


TEXT: Sascha harold, katharina vrana | Fotos: johannes reichl

stian Wimmer von Service & More etwa ist laut „Wirtschaftsblatt“ überzeugt, dass sich kika/Leiner stärker Richtung Billigsegment orientieren wird, was umgekehrt dem Fachhandel zugute kommen werde. Wimmers Kalkül: „Da die kika/Leiner-Kette umsatzmäßig weniger als ein Fünftel der Steinhoff-Gruppe ausmacht, seien deutliche Anpassungen an die Konzernstruktur zu erwarten. Solche Phasen führen üblicherweise zu großer Verunsicherung unter den Mitarbeitern. Wimmer geht deshalb davon aus, dass es zu großen personellen Veränderungen kommen wird. Die Konsumenten würden dies an einer deutlich geringeren Beratungsqualität in diesen Häusern spüren – und zum Fachhändler gehen.“ Ob da nicht eher der Wunsch eines Konkurrenten Vater des Gedankens ist? Leiner-Zentralbetriebsrat Karl Vogl will von Unruhe im Unternehmen jedenfalls nichts wissen und erklärte in einer Lokalzeitung, dass es nicht zu großartigen Veränderungen kommen werde, die Stimmung unter den Mitarbeitern entspannt sei. Die Stadt St. Pölten wiederum hat mit dem neuen Eigentümer schon Kontakt aufgenommen, wie Christoph Schwarz von der Wirtschaftsservice-Stelle ecopoint bestätigt. „Bürgermeister Stadler hat signalisiert, wie wichtig das Unternehmen für St. Pölten ist!” Und das ist es allemal. 450 Mitarbeiter hat Leiner in St. Pölten angestellt, davon alleine 300 in der Zentrale, mit dementsprechenden Auswirkungen etwa auf die Kommunalsteuer. Selbstredend hofft man deshalb, dass auch unter dem neuen Eigentümer die Zentrale in St. Pölten verbleibt. „Aber warum sollte man sie anderswohin übersiedeln?“, fragt Schwarz hypothetisch, und auch seitens der Steinhoff-Gruppe signalisiert man Kontinuität. Konkrete Pläne könnten allerdings noch nicht kommentiert werden, da die Übernahme noch von diversen Kartellgerichten überprüft werden muss. Nach außen hin gelassen gibt sich die Konkurrenz. So meint Thomas

Salinger, Unternehmenssprecher von Branchenprimus XXXLutz: „Für uns war die Übernahme etwas überraschend, grundsätzlich erwarten wir aber keine Veränderungen.” Abfahrt Rosenberger Ebenfalls über den Ladentisch – angeblich um 20 Millionen Euro – ging der St. Pöltner AutobahnraststättenBetreiber Rosenberger. Auch bei diesem zeigte man sich gegenüber unseren Anfragen zugeknöpft. Die genauen Hintergründe für den Verkauf des Familienunternehmens sind nicht bekannt, Kris Rosenberger deutete aber gegenüber dem „Standard“ finanzielle Engpässe für die Weiterentwicklung an. „Es braucht Bankenpartner. Man tut sich heute als Familienbetrieb schwer, die Finanzmittel aufzubringen, will auch privates Risiko reduzieren.“ In einem heiß umkämpften Markt wie Österreich mit 100 Autobahnraststätten ist die Luft dünn. Ohne Background scheint da nichts mehr zu gehen, wobei Rosenberger betont, dass die neuen chinesischen Eigentümer keine „Heuschrecken“ seien. „Sie kommen aus unserem Bekanntenkreis, haben gute Absichten. Es ist für alle die vernünftigste Lösung.“ Mit dem Verkauf endet eine über 40-jährige Familienbetriebsgeschichte, die nicht immer friktionsfrei ablief. So wurde das Rosenberger-Imperium nach Familienstreitigkeiten 2004 zwischen dem Geschwisterpaar Kris und Belinda Rosenberger sowie dem Cousin Wolfgang Rosenberger, der einige der Filialen als „Landzeit” weiterführt, aufgeteilt. Der nunmehrige Landzeit-Chef sieht die Abgabe des Familienunternehmens mit Wehmut: „Der Verkauf von Rosenberger an ausländische Investoren tut mir persönlich sehr leid. Schließlich ist das Unternehmen ein Teil unserer Familiengeschichte. Es ist schade, dass das Familienunternehmen nach zwei Generationen Aufbauzeit nun in fremden Händen ist.” Traurig auch für St. Pölten, dass Werbungen wie „Der Leiner ist meiner“ durchaus auch in einem realen

Leiner 1910 Rudolf Leiner eröffnet Bettwarengeschäft am Rathausplatz. 1948 Rudolf Leiner junior übernimmt den Betrieb und baut das Sortiment aus. 1973 Herbert Koch gründet kika-Handelsgesellschaft. 2008 Firmengründer Rudolf Leiner verstirbt, Herbert Koch übergibt Firmenführung an Sohn Paul Koch. 2010 100-jähriges Jubiläum. 2013 Leiner wird nach vier Generationen an südafrikanischen Steinhoff-Konzern verkauft. Kika/Leiner beschäftigt ca. 7.500 Mitarbeiter an 73 Standorten. In St. Pölten sind es ca. 450 Mitarbeiter, 300 davon in der Zentrale. Jahresumsatz ca. 1,2 Milliarden Euro.

Rosenberger 1972 Heinz Rosenberger eröffnet das erste Autobahnrasthaus in Völlerndorf bei St. Pölten. 1999 Firmengründer Heinz Rosenberger verstirbt. 2004 übernimmt Cousin Wolfgang Rosenberger einen Teil der damaligen Raststationen und führt sie unter der Marke „Landzeit“ weiter (2012 800 Mitarbeiter/rd. 50 Millionen Euro Umsatz). 2012 Die Raststationskette Rosenberger der Geschwister Kris und Melinda Rosenberger feiert 40-jähriges Jubiläum. 2013 Rosenberger wird nach zwei Generationen an chinesische Unternehmer verkauft. Die Rosenberger Restaurant GmbH mit Sitz in St. Pölten/Harland betreibt 20 Restaurants, 3 Motels und 7 Tagungs-Center. Sie beschätigt rund 740 Mitarbeiter. Im Jahr 2011 wurden rund 39 Millionen Euro umgesetzt.

Sinne verstand. Mit dem Verkauf der Familienbetriebe geht auch ein Stück Identifikation verloren. Inwiefern der Verlust zudem ein ökonomischer werden könnte, ob allen voran die Firmenzentralen hier situiert bleiben, wird die Zukunft weisen. Ein mulmiges Gefühl bleibt bestehen, denn die Entscheidungen werden in Hinkunft nicht mehr (nur) in, und schon gar nicht mit Rücksicht auf St. Pölten getroffen werden. Ob sie das freilich bisher taten, ist auch keine ausgemachte Sache. MFG 09.13

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MFG URBAN

Unsere Männer für den Bund An der Nationalratswahl kommt man natürlich nicht vorbei. MFG hat daher nachgeforscht, wer sich im Nationalrat für die Region eingesetzt hat – und wer dies in Zukunft tun will.

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9. September 2013. Tag der Entscheidung. Über neun Parteien. Und 37 niederösterreichische Mandate. 439 Landes-Bewerber laufen um’s Nationalratsleiberl, nur 171 davon sind weiblich. Wenige kommen aus der Region, noch weniger aus der Landeshauptstadt. In der abgelaufenen Periode stellte ein einziger St. Pöltner seinen Mann im Nationalrat. Aber diesmal bekommt er Konkurrenz. DIE LOKALEN KANDIDATEN Er ist St. Pölten im Nationalrat. Anton Heinzl, mächtiger und umtriebiger Abgeordneter aus Harland, ist seit 16 Jahren als „Nationalrat“ in der heimischen Lokalpresse präsent. Und darauf ist der rote Langzeit-Politiker „schon ein wenig stolz“. Immerhin hat er als Vorsitzender des parlamentarischen Verkehrsausschusses „viele Projekte für den Bezirk auf den Weg gebracht“, etwa den Neubau des Bahnhofs, die Donaubrücke bei Traismauer, die Güterzugumfahrung. „St. Pölten ist für mich jedenfalls zum politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herzen Niederösterreichs geworden“, sagt Anton Heinzl, der in der kommenden Legislaturperiode „weiterhin an einer erfolgreichen Entwicklung des niederösterreichischen Zentralraums“ mitwirken will.

Doch auf dem Wahlzettel bekommt der rote St. Pöltner Polit-Solitär schwarze Konkurrenz. Jörg Summer, kreativer heimischer Erfolgsunternehmer, betritt das glatte Politparkett und wirbt um VP-Vorzugsstimmen mit ungewohnten Ansprüchen. Wadlbeißer mag er nicht, konstruktive Lösungen schon. Etwa eine Regionalisierung von Gründerund Förderprogrammen. Die Idee: Die zahlreichen Bildungseinrichtungen der Stadt mit Unternehmern vernetzen, die auch an Fachhochschule, Design-Uni oder HTL unterrichten sollten. Was der Nationalrat damit zu tun hat? „Die Rahmenbedingungen öffentlicher Institutionen kann man bundesweit fördern.“ Warum er in der ÖVP politisch aktiv wird, ist für Jörg Summer klar: „Ich mag nicht bevormundet werden. Die VP steht für Freiheit der Entscheidung und für christliche Werte.“ Für die Piraten, die sogar ihr Bundesbüro in St. Pölten haben, geht der 40-jährige St. Pöltner Unternehmer Albert Gugerell auf Stimmenfang. Auf lokaler Ebene ist ihm eine nachhaltige Energieversorgung und den Ausbau des öffentlichen Verkehrs wichtig: „Der sollte zu möglichst vielen Zeiten schneller als der Individualverkehr sein.“ DIE REGIONALEN KANDIDATEN Der Bezirk St. Pölten ist mit einem zweiten Mann im Nationalrat vertreten. Auch er sitzt wie Toni Heinzl für die SPÖ im Parlament. Hans Hell, Vizebürgermeister von Böheimkirchen und ÖBB-Instruktor, ist überzeugt, dass seine Partei die soziale Schere nicht weiter aufgehen lässt. Er mag den di-

ANTON HEINZL

JÖRG SUMMER

ALBERT GUGERELL

HANS HELL

J. HÖFINGER

FRITZ OFENAUER

SPÖ

ÖVP

PIRATEN

SPÖ

ÖVP

ÖVP

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TEXT: BEATE STEINER, MICHAEL KÄFER | Fotos: ZVG

rekten Kontakt mit Menschen, möchte deren Anliegen und auch die der Gemeinden im Parlament einbringen, und er ist stolz darauf, dass St. Pölten mit seiner Unterstützung zur Eisenbahn-Ausbildungsstätte geworden ist – mit der ÖBBLehrwerkstätte Wörth und dem Eisenbahn-Studiengang an der Fachhochschule. Nach der Wahl möchte Johann Hell im Nationalrat mitbeschließen, dass der öffentliche Verkehr rund um die Landeshauptstadt ausgebaut wird. Der einzige ÖVP-Nationalratsabgeordnete aus dem Wahlkreis Niederösterreich-Mitte, zu dem die Bezirke St. Pölten, Lilienfeld und Tulln gehören, ist der Sieghartskirchner Bürgermeister Johann Höfinger. Er will die Entwicklung der „dynamisch wachsenden Region rund um die Landeshauptstadt auch weiterhin begleiten und geordnet vorantreiben.“ Mit einer Partei, die für ihn „aktuell die besten Ideen für die Zukunft hat.“ Mit diesem Background kämpft auch der Markersdorfer Bürgermeister Fritz Ofenauer um einen Sitz im Parlament. Er weiß die gute Zusammenarbeit mit dem Land NÖ zu schätzen und ist überzeugt, dass auch auf Bundesebene wichtige Entscheidungen für die Region getroffen werden. Familie, Arbeit und Wohnen sind seine Themen: „Der Staat soll Partner der Familien sein, nicht deren Vormund.“ Für Vielfalt und Autonomie im Bildungssektor treten auch die NEOS ein, allerdings mit einem Zusatz: „Parteibücher raus aus den Schulen.“ Die neue politische Kraft will die Regionen stärken, Entscheidungen möglichst nah beim Bürger fällen. Konkret treten Wolfgang Grabensteiner und Ulrich Mayer (beide aus dem Bezirk St. Pölten) für die NEOS im Wahlkreis Mitte (das sind die Bezirke St. Pölten, Lilienfeld und Tulln) an. Diesen findet Christian Hafenecker, FP-Kandidat der Region, sehr „spannend“, weil „die drei Bezirke so unterschiedlich strukturiert sind.“ Während in Hafeneckers Heimatbezirk Lilienfeld die Abwanderung gestoppt werden sollte, sind in St. Pölten „Zuwanderung mit Ghettobildung, hohe Wohnkosten und Gebühren“ Themen, die der FP-Mann aufgreifen möchte: „Es geht um die Stärkung des Mittelstandes“. Für Christian Hafenecker konkret auch um den raschen Bau der S34. Und der blaue Nationalratskandidat ist überzeugt: „Auch als Oppositionspolitiker kann

man vieles erreichen, um den Menschen zu helfen.“ Das will auch die KPÖ – klarerweise mit konträren Vorstellungen zur FPÖ. Als Listenerster im Wahlkreis findet sich dabei der Karlstettner Psychotherapeut Andreas Reitbauer. „Ich schätze ihn nicht nur wegen seiner hohen sozialen Kompetenz, sondern auch wegen seiner Fähigkeit, komplizierte Sachverhalte einfach darzustellen“, sagt Landeskandidat Nikolaus Lackner über den Neuzugang. Dieser hofft, dass seine Partei auf Bundesebene wieder zum Einsatz kommt: „Wenn uns alle diejenigen wählen, denen unser Programm gefällt, dann wird vieles anders werden. Wählen die Menschen wieder nur das geringste Übel, so bleibt alles halt entsprechend übel.“ DIE ÜBERREGIONALEN KANDIDATEN Die niederösterreichischen Grünen starten mit dem Badener Dieter Brosz bei der Nationalratswahl. Seine St. Pölten-Themen sind „ökologischer Hochwasserschutz für die Traisen“, und, wenig überraschend: „Wir werden weiterhin gegen die S34 eintreten.“ Robert Lugar vom Team Stronach sieht die Landeshauptstadt als politische Zentrale des Landes: „Wir wollen hier bei der nächsten Gemeinderatswahl ein kräftiges Zeichen geben.“ Die Landesgeschäftsstelle ist schon auf den St. Pöltner Rathausplatz übersiedelt. Im Parlament will sich das Team Stronach für einen weiteren Ausbau des öffentlichen Verkehrs rund um die Stadt einsetzen. Was aber nur als Intervention möglich ist, sagt dazu BZÖ-EU-Abgeordneter Ewald Stadler. Denn Regionalpolitik hat mit Bundesgesetzgebung nichts zu tun. „Was von den Regionen ausgeht und tatsächlich Bundessache ist, ist Verwaltungseinsparung.“ Für den BZÖ-NÖ-Kandidaten mit Büro in der Landeshauptstadt ist es zum Beispiel überflüssig, dass sich St. Pölten als Statutarstadt eine eigene Verwaltung leistet: „Das sind doppelte Verwaltungskosten“ – und könnte verändert werden, wenn das BZÖ mitbestimmt in der nächsten Legislaturperiode. Also: 29. September, neun Parteien, und Kandidaten unterschiedlichster Lebensanschauung – aber mit einer herausragenden Gemeinsamkeit – laut(er)starke Männer, mit herrlichen Netzwerken . . .

DIE QUAL DER WAHL. Im Gegensatz zu diversen Fernsehformaten kann bei der Nationalratswahl (zum Glück) niemand raus-, dafür aber reingewählt werden.

W. GRABENSTEINER CH. HAFENECKER

DIETER BROSZ

ROBERT LUGAR

EWALD STADLER

NEOS

GRÜNE

TEAM STRONACH

BZÖ

FPÖ

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MFG URBAN

DADDY COOL

In der Theorie klingt ja alles eitel Wonne, und der Staat hat mit Einführung der verschiedenen Karenzmodelle in den letzten Jahren tatsächlich grundlegende Weichen gestellt, um „Väterkarenz“ hierzulande nicht nur möglich, sondern auch Wirklichkeit werden zu lassen. Dennoch hinkt Mann in Österreich im internationalen Vergleich nach wie vor eklatant hinterher.

W

ährend nämlich im diesbezüglichen Vorzeigeland Schweden mittlerweile fast 90% (!) der Väter in Karenz gehen und sich der gesellschaftliche Spin ehemals konservativer Jahrzehnte praktisch in sein Gegenteil verkehrt hat („Mittlerweile ist die Väterkarenz gesellschaftlich so anerkannt, dass nur wenige Väter es wagen würden, sie nicht in Anspruch zu nehmen“, erklärt hierzu Ulrika Hagströmt von TCO gegenüber dem „Standard“), während etwa auch in unserem Nachbarland Deutschland immerhin schon 27% der Väter eine Zeitlang Kind & Haushalt schupfen, während

Die Karenzmodelle 30 + 6: 1 Elternteil maximal bis zum 30. Le-

bensmonat, Verlängerung um maximal 6 Monate, wenn die Eltern sich die Betreuungszeit aufteilen. Summe: ca. 436 Euro pro Monat

20 + 4: 1 Elternteil maximal bis zum 20. Le-

bensmonat, Verlängerung um maximal 4 Monate, wenn die Eltern sich die Zeit aufteilen. Summe: ca. 624 Euro pro Monat

15 + 3: 1 Elternteil maximal bis zum 15. Le-

bensmonat, Verlängerung um maximal 3 Monate, wenn die Eltern sich die Betreuungszeit aufteilen. Summe: ca. 800 Euro pro Monat

12 + 2 pauschal: 1 Elternteil maximal bis zum 12. Lebensmonat, Verlängerung um maximal 2 Monate, wenn die Eltern sich die Bezugszeit aufteilen. Summe: ca. 1.000 Euro pro Monat 12 + 2 einkommensabhängig: 1 Elternteil maximal bis zum 12. Lebensmonat, Verlängerung um maximal 2 Monate, wenn die Eltern sich die Zeit aufteilen. Summe: 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens, mindestens 1.000 und maximal 2.000 Euro.

12

die Gattin arbeiten geht, stagniert die Zahl in Österreich bei etwa 5%. Wahrlich nicht aufregend, wenngleich die Tendenz – was hoffen lässt – unverkennbar steigend ist.

ben bzw. der Rolle des Öffentlichen Dienstes als Experimentier- bzw. Pionierfeld. So ist es im Öffentlichen Dienst etwa seit 2011 auch möglich, einen Papamonat zu nehmen.

Wunsch und Realität Grund zur Hoffnung bietet auch der Umstand, dass – wie etwa im Zuge der 2010 vorgelegten Studie „Elternorientierte Personalpolitik mit Focus auf Väter in Niederösterreich“ im Auftrag des Landes NÖ und der WKO NÖ eruiert – „62% der befragten Männer grundsätzlich die Bereitschaft signalisieren, in Karenz zu gehen. 75% könnten sich sogar vorstellen, Teilzeit zu arbeiten, um sich verstärkt an der Kinderbetreuung zu beteiligen.“ Allein – Bekenntnis und Realität klaffen weit auseinander: „Tatsächlich haben sich 6% der befragten Männer für Väterkarenz entschieden und 7% der Väter haben ihre Arbeitszeit aus Gründen der Kinderbetreuung reduziert“, lässt die selbe Studie wissen. Dass hier der Prozentsatz sogar höher als der Österreichschnitt liegt, ist Folge einer anderen österreichischen Realität: Im öffentlichen Dienst (eine große Gruppe der Befragten stand im Landes- oder Gemeindedienst) gehen proportional mehr Väter in Karenz als in der Privatwirtschaft. Offensichtlich vertraut man im Öffentlichen Dienst mehr darauf, wirklich wieder am alten Arbeitsplatz zu denselben Bedingungen zu landen als in der Privatwirtschaft. Möglicherweise mag dies auch mit einer prinzipiell stärkeren Förderung zu tun ha-

Karrierek(n)ick Gerade die Angst vorm sogenannten „Karriereknick“ lässt viele Männer nämlich davor zurückschrecken, ihren Wunsch nach Väterkarenz zu realisieren. Dabei fußt diese weniger – wie neueste Studien belegen – auf Fakten, als vielmehr irrationalen Ängsten. Während im Musterland Schweden etwa Väterkarenz mittlerweile aktiv von den Unternehmen gefördert wird „denn kein Unternehmen will als altmodisch gelten“, wie Finanzexpertin Annika Creutzer im „Standard“-Gespräch erklärt, wird das Vorurteil auch für Österreich durch die brandaktuelle Studie „Karenzväter in Zahlen“ des Joanneum sowie des Zentrums für Wirtschaftsund Innovationsforschung widerlegt: „Wie unsere Daten zeigen, ist in weiten Teilen des akademischen Beschäftigungsfeldes die häufig geäußerte und in der Literatur dokumentierte Sorge von Männern, dass sie zwar gern in Karenz gehen würden, jedoch nicht können, weil Einkommensund/oder Jobverlust drohen, nicht begründet.“ Ja, es ergibt sich sogar fast so etwas wie ein Karrierekick, heißt es doch weiter: „Im Vergleich zu Akademikern ohne Karenzunterbrechung verdienen Karenzväter zwei Jahre nach der Karenz durchschnittlich sogar etwas besser.“ Dies auch deshalb, weil sie sich während der Karenz neue Fähigkeiten an-


TEXT: Johannes REichl| Fotos: Simon Höllerschmid, Hermann Rauschmayr, ZVG

» Martin Frischmann

der Pionier Möglichkeit bietet, deinem Kind beim Wachsen zuzuschauen, mit ihm wirklich viel Zeit zu verbringen – und diese Chance bietet sich eben nur einmal im Leben!“ Ob man sie ergreift, müsse jeder für sich selbst entscheiden, „aber schau dir klassische Karrieretypen mit 40, 50 Jahren an. Wieviel haben die mitgekriegt vom Aufwachsen ihrer Kinder? Man muss schon wissen, was es mir wert ist.“ Die Karenz sei jedenfalls ein Stück Lebensqualität, zugleich Lebensschule. „Natürlich ist es auch eine große Herausforderung – ich hab im Vorfeld sicher unterschätzt, wie tagesfüllend und anstrengend das wird“, schmunzelt Frischmann. „Mein Ehrgeiz war ja, den Haushalt auf dem selben Standard zu schupfen wie meine Frau – wenngleich es da schon unterschiedliche Auffasungen gab: Denn was für mich sauber war, war es für meine Frau noch lange nicht“, lacht er, „aber wir sind auf ei-

„Da ist der ‚Kleine‘“, lacht Martin Frischmann, als Sohnemann

nen grünen Zweig gekommen. Am Anfang war es jedenfalls

Patrick seinen Wuschelkopf bei der Tür hereinsteckt. Der

ganz schön hart – ich musste ja alles erst lernen, bügeln, wa-

„Kleine“ ist mittlerweile 16 Jahre, arbeitet bereits und hat ge-

schen, kochen. Bei mir war das Fleisch immer schon durch,

rade das „Frequency“-Wochenende hinter sich gebracht.

wenn die Pommes noch tiefgekühlt waren.“ Frischmann lernte

Der Phrasenklassiker „An den Kindern sieht man, wie die Zeit

aber auch die „kleinen Freuden des Hausmannes“ kennen:

vergeht“ drängt sich auf, immerhin ist es schwer vorstellbar,

„Um mich nicht falsch zu verstehen: Die Zeit mit dem Junior

dass der junge Mann seinen Vater dereinst während der Ka-

war genial, aber es war auch schön, wenn er Mittags sein ein-

renz ordentlich auf Trab gehalten hatte. Damals, Ende der

stündiges Schläfchen hielt und ich während des Bügelns eine

90er, „galt man schon noch ein bisserl als bunter Papagei“,

CD anhören konnte.“

wie es Frischmann formuliert, wenn man als Mann den Beruf

Patrick steckt noch einmal seinen Kopf herein. „Tschüss, ich

gegen Windelwechseln und Haushalt eintauschte. Tatsächlich

geh noch fort“, verabschiedet er sich. Frischmann blickt nach-

war Frischmann, der schon damals am Magistrat arbeitete,

denklich drein: „Die Zeit vergeht schon verdammt schnell!“

einer der Pioniere, „möglicherweise sogar der erste Mann überhaupt bei uns in der Verwaltung, der in Karenz gegangen ist.“ Die „Altherrenriege“ hätte damals schon die Stirn gerunzelt, „und hinter meinem Rücken wurde sicher blöd geredet, aber mir war das wurscht. Zählen muss bei der Entscheidung sowieso nur, was die Familie möchte, ob du es dir zutraust und ob es auch vom Job her möglich ist.“ Denn, so schränkt Frischmann ein, „wenn du Angst hast, dass du zwei Tage später deine Position los bist oder wenn es finanziell einfach nicht drin ist, weil du vielleicht einen Kredit laufen hast, geht es sowieso nicht.“ In diesem Sinne sei er auch kein „Hardcorefanatiker, der Väterkarenz um jeden Preis einfordert.“ Er selbst sei Beispiel für beide Fälle, hat er bei seinem zweiten Kind doch auf Väterkarenz verzichtet, „weil ich damals auf einer neuen Position war, wo ich mich gerade zu setteln begann – die wollte ich nicht aufs Spiel setzen.“ Im Falle von Patrick stimmten aber die Parameter – wobei auch hier persönliche Überlegungen miteinflossen, wie Frischmann unverhohlen zugibt: „Ich war damals nicht unbedingt zufrieden in meinem Job, da war die Karenz auch ein willkommener Anlass, etwas zu verändern. Dadurch ergab sich eine win-win Situation.“ Und dass die Karenzzeit ein unglaublicher Gewinn ist, steht für Frischmann außer Streit. „Karenz ist extrem lässig, weil sie dir die

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MFG URBAN

» Charly Zöchling

der Wiederholungstäter Zum anderen ist Zöchling nicht nur zwei Monate zuhause, sondern hat mit seinem Arbeitgeber ein Sabbatical von drei Monaten ausgemacht. „Raiffeisen ist da einfach großartig! Es gibt ein eigenes Programm für Familien, für Väterkarenz – das wird sehr gefördert!“ Und zwar nicht nur am Papier. Unvergessen ist Zöchling die Reaktion seiner Vorgesetzten, als er sie in Kenntnis vom nahenden Nachwuchs (damals Emil) setzte: „Alle haben mir gratuliert und die erste Frage war ‚Gehst eh in Karenz?‘ Da hab ich wirklich Gänsehaut bekommen. Das war so eine unglaubliche Wertschätzung – das könnte keine Gehaltserhöhung zum Ausdruck bringen!“, schwärmt er noch heute. Ein Aspekt, den sich väterkarenzskepitsche Arbeitgeber ins Stammbuch schreiben sollten, denn das Entgegenkommen (obwohl gesetzlich gar keines) kommt doppelt zurück. „Das ist eine unglaubliche Motivation!“ Freilich räumt Zöchling ein, „dass es für Klein- und Mittelbetriebe sicher schwieriger ist, einen Mitarbeiter eine Zeit lang zu ersetzen“, andererseits sei vieles auch eine Frage der Organisation und der Solidarität. „Da kann ich meinen Kollegen einfach nur danken, die meine Agenden derweil übernehmen. Und man ist ja nicht aus der Welt, wir stehen laufend in Kontakt. Aber diese Unterstützung ist schon genial!“ Genial wie die Väterkarenz an sich. „Ich bin davon überzeugt, dass die Karenz extrem viel bringt – und zwar nicht nur dem Kind, sondern vor allem auch einem selbst. Die Beziehung zum Kind wird gefestigt und gestärkt, ebenso wie jene zum Partner, denn erst so bekommst du überhaupt erst einen Begriff davon, was Frauen wirklich leisten und kannst nachvollziehen – was dich vorher vielleicht gewundert hat – warum sich Frauen

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Als wir an einem herrlichen Augusttag Charly Zöchling zuhause

verändern.“ Mag sein, so mutmaßt Zöchling, dass gerade die

in den Pampas des Tullnerfeldes besuchen, fühlt man sich ein

Angst vor der Arbeit sowie der großen Verantwortung man-

bisschen an „Schöner Wohnen“ erinnert: Der dreijährige Emil

che Männer abschreckt, „denn natürlich ist es anstrengend

düst auf seinem Elektromobil durch den schön angelegten

den Haushalt zu schupfen und das Kind zu umsorgen. Dazu

Garten, die kleine Lea kuschelt selig auf Papas Arm, Princesa –

kommt noch der Schlafentzug, den man bei kleinen Kindern

wie Zöchling seine Gattin nennt – serviert Kaffee und Kuchen,

oft hat“, andererseits sei es aber „einfach nur cool, gemein-

und im Hintergrund tuckelt gemächlich ein Traktor über den

sam Zeit zu verbringen. Ich würde es sofort wieder machen!“

Acker. Die Familie wirkt extrem entspannt. „Ich war schon bei

Einen fundamentalen Aspekt im Hinblick auf Väterkarenz

Emil in Karenz und es war für uns ganz selbstverständlich, dass

bringt zuletzt noch Princesa ein, die sich zu uns gesetzt hat:

ich auch diesmal eine Zeitlang zuhause bleibe“, erzählt der

„Kindererziehung ist ja nach wie vor sehr weiblich geprägt. Für

Topmanager, und erklärt auch gleich warum: „Ich finde die

die Kinder ist aber auch die männliche Seite extrem wichtig,

gemeinsame Zeit extrem wichtig, denn es ist doch so: Wenn

weil Väter mit Kindern zum Teil ganz andere Dinge machen

du arbeiten gehst, hast du als Vater die Kinder ja relativ wenig.

als Mütter, zum Beispiel herumschrauben, im Auto sitzen oder

In der Früh schlafen sie oft noch, am Abend vielleicht auch

– wie erst heute der Fall – auf dem Traktor mitfahren. Männer

schon wieder, d. h. die wirkliche gemeinsame Zeit beschränkt

ticken anders, und wo ich vielleicht die schlimmsten Befürch-

sich aufs Wochenende.“ Für Zöchling, seines Zeichens Präsi-

tungen hege, was alles passieren könnte und deshalb etwas

dent des Raiffeisenclubs Wien/Niederösterreich, eindeutig zu-

nicht erlaube, darüber denkt Charly gar nicht erst großartig

wenig, wobei seine Karenz ein paar Besonderheiten aufweist.

nach, sondern sie machen es einfach. Umgekehrt ist es ge-

So sind seine Frau und er gemeinsam zuhause. „Wir sind in der

nauso. Der Mix ist einfach wichtig, das tut den Kindern sicher

glücklichen Lage, dass wir uns das leisten können – und das

gut!“ Wie zur Bestätigung verkündet Emil, dass er jetzt AC-DC

wissen wir auch zu schätzen! Das Schöne ist dabei, dass wir

schauen möchte und macht das Rock & Roll Zeichen. Dreimal

dadurch als Familie viel Zeit gemeinsam verbringen können.“

darf man raten, von wem er das gelernt hat...


DADDY COOL

» Joe Dollfuss

der Rookie

Joe Dollfuss begrüßt uns mit dem kleinen Jonas am Arm. Der

sie ist Kindergartenpädagogin – besser drauf hat. Aber bislang

Blondschopf hat vor zwei Wochen seinen 1. Geburtstag ge-

waren wir noch nicht wirklich in der Situation, dazu ist Jonas

feiert, als größtes Geschenk hat er sozusagen seinen Papa für

glaub ich noch zu klein – das kommt erst.“

die nächsten zwei Monate nonstop bekommen. „Für mich

Was dahingegen gegangen ist, sind dumme Vorurteile ge-

war völlig selbstverständlich, dass ich das machen möchte,

genüber Vätern in Karenz à la Weichei, unmännlich & Co.,

obwohl ich fast ein bisschen ein schlechtes Gewissen hatte,

wie Dollfuss überzeugt ist.. „Also da hat sich schon ein Mei-

weil es für eine kleine Firma wie unsere schon auch eine Be-

nungswandel vollzogen. Ich wäre für mich auch gar nie auf

lastung ist. Aber es helfen zum Glück alle zusammen“, so der

die Idee gekommen, mich so zu fühlen. Ganz im Gegenteil

technische Direktor von NXP, wo Väterkarenz eine Selbstver-

bin ich sogar ein bisschen stolz, weil es ja auch eine Challenge

ständlichkeit ist. Länger als zwei Monate wollte Dollfuss dann

darstellt: ‚Wie werde ich den Laden schupfen?’“

aber aus Rücksicht auf die Kollegen auch nicht nehmen, zu-

Unter lautem kirren wirft Jonas zum gefühlten 100. Mal den

dem sei die 12+2 Variante für die Familie auch die finanziell

Turm aus Bausteinen um, den sein Papa immer wieder aufs

sinnvollste. „Wir waren ja beide voll berufstätig. Da macht

Neue vor ihm aufbaut. Also wir finden, er schupft den Laden

die einkommensabhängige Variante am meisten Sinn.“ Was

super!

Dollfuss weniger nachvollziehen kann, ist die Tatsache, „dass es beim Kinderbetreuungsgeld keine Inflationsanpassung gibt – das sollte selbstverständlich sein.“ Und er sieht Paare mit extremen Gehaltsunterschieden zwischen den Partnern als benachteiligt an, „denn dadurch ist es – in der Regel dem Mann – fast unmöglich, in Karenz zu gehen, überhaupt wenn man vielleicht noch einen Kredit laufen hat.“ Prinzipiell müsse man aber froh sein, „dass es so etwas überhaupt gibt in Österreich. Früher war das gar nicht möglich. Das ist heute schon großartig!“ Dieser Meinung ist auch der kleine Jonas, der seinen Papa – wie sich das gehört – völlig in Beschlag genommen hat. „Also, ich muss gestehen, ich hatte es mir tatsächlich etwas gemütlicher vorgestellt“, lacht Dollfuss, der sich quasi noch in der Warm-Up-Phase befindet. „Du bist eigentlich ununterbrochen unterwegs, es gibt immer irgendetwas zu tun: wickeln, waschen, saugen, aufwischen, einkaufen, kochen – und bist du mit etwas fertig, könntest du, wie Sisyphus, damit schon wieder von vorne beginnen.“ Eine erste große Lektion hat er allerdings schon gelernt – es bedarf auch einer gewissen Gelassenheit. „Man muss halt akzeptieren, dass das Wohnzimmer jetzt ein großer Kinderspielplatz ist. Und wir machen im Haushalt alles so, dass es für Mama gerade noch durchgeht“, zwinkert er seinem Sohnemann zu, der – als wollte er die Ausführungen seines Papas bestätigen – gerade damit beginnt, die untere Küchenlade auszuräumen. Missen möchte Dollfuss die gemeinsame Zeit jedenfalls nicht. Ganz im Gegenteil hat er sich schon fix vorgenommen, auch nach der zweimonatigen Karenzzeit zumindest zwei Vormittage in der Woche Kinderdienst zu übernehmen, und so es geht, verbringt er auch jeden Mittag mit seiner Familie und kommt abends nicht zu spät nach Hause: „Ich finde es einfach extrem wichtig, dass ein Kind beide Eltern um sich hat. Es kriegt dadurch zwei unterschiedliche Lebensweisen mit. Und die Eltern können sich auch gut ergänzen – spielen vielleicht good cop und bad cop.“ Und wer ist wer? Dollfuss lacht. „Ich glaube, Manu ist schon die Strengere, weil sie das vom Beruf –

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MFG URBAN

QWahl

Beate Steiner Warum nur, warum fällt es unseren Politikern so schwer, Klartext in ihrer Muttersprache zu reden? Nicht einmal auf den Wahlplakaten gibt es eindeutige Sager – obwohl das Zweideutige durchaus schon wieder etwas Originelles hat. Zum Beispiel: „Kanzler für Optimisten“. Schön für die ÖVP, dass sie so optimistisch in die Zukunft mit einem Bundeskanzler Spindelegger blickt. Oder: Wenn die Grünen „Weniger belämmert als die anderen“ sind, dann sind sie auch be…. ?! Richtig. Werner Faymann will Österreich mit „sicherer Hand“ weiter leiten – Herz und Hirn braucht’s nicht? Die „Moderne Mitte“ des BZÖ im orangen Retro-Design kommt auch nicht wirklich echt rüber. Die NEOS wollen „Den Kindern die Flügel heben“ – also, abgesehen davon, dass mir dazu sofort Marionetten einfallen, sind fliegende Kinder ein Albtraum. Genauso wie „Heiland“ HC Strache, der das Gebot der Nächstenliebe selektiv auslegt. FRANK Stronach erklärt uns, dass Politiker dem Land dienen müssen. Hätt eher gedacht, den Menschen, die da leben. Wundert mich immer wieder, dass die sich von den plakativen Botschaften nicht verarscht fühlen und bei jeder Wahl brav ihr Kreuzerl machen. Wahrscheinlich, weil wir von klein auf an nichtssagende Phrasen gewöhnt wurden. Wir finden es ja normal, dass in Politmeldungen die Mitbewerber verunglimpft werden und nicht eine klare Aussage zum grad aktuellen Thema kommt. Ist natürlich einfacher und bringt Emotionen ins Volk. Wie die vielen VorwahlBilderl unserer Vertreter – nein, nicht auf den Politikseiten, sondern in den Klatschspalten. Da reicht es, wenn ein flotter Sager zum feschen Foto serviert wird, Bieranstich oder schmückender C-Promi inklusive. Am 29.9. ist dann der Tag – leider nicht der Wahrheit, sondern der EntTäuschung …

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DADDY COOL

eignen, die sie auch beruflich weiterbringen. Begründeter als „Karenz-Abschreckung“ ist da schon die Angst vorm Einkommensverlust während der Karenzzeit. „Für rund zwei Drittel (63%) der Befragten stellt der befürchtete Einkommensverlust das größte Hindernis dar, Berufsarbeit zugunsten von Kinderbetreuung in Form von Karenz oder Teilzeitarbeit zu reduzieren“, lässt bereits erwähnte Landesstudie wissen. Insbesondere für einkommensschwache Familien „stellt der finanzielle Aspekt eine beträchtliche Hürde bei der Entscheidung für Väterkarenz oder –teilzeit dar.“ Zwar hat der Gesetzgeber mit dem 12+2 Karenzmodell (s. Kasten)

sicht eines Vaters reagieren würden, während fast die Hälfte der Befragten davon ausgeht, dass männliche Kollegen und Vorgesetzte [in der Regel ebenfalls Männer, Anm.] eher nicht erfreut wären.“ Da scheint sich schon eher das in Wahrheit auf irrationale Ängste basierende Machogehabe durchzuschlagen, wonach Karenzgehen unmännlich ist. Eine krasse Fehleinschätzung, wie die Statistik nachweist. „Der Karenzvater wird grundsätzlich positiv konnotiert. Der Großteil der Befragten beurteilt den Karenzvater als verantwortungsbewusst, als gutes Beispiel und mutig!“, heißt es in der Studie des Landes dazu. Kurzum, es gibt kaum Gründe ge-

WKN

ECHTE MÄNNER GEHEN IN KARENZ. Trotz großangelegter Info-Kampagnen des Bundes, ist Österreich bezüglich Väterkarenz im EU-Vergleich noch immer ein Entwicklungsland.

reagiert (die Langversion schließt Einkommensschwache aber de facto aus), ein soziales Gefälle ist dennoch nachweisbar. So gehen gut verdienende Väter häufiger in Karenz als einkommensschwache. Dass dies teilweise auch mit tradierten Geschlechterrollen (Männer arbeiten, Frauen hüten Heim und Kind) zu tun hat, die sich in einkommensschwächeren Schichten resistenter halten, legen manch Studien aber ebenfalls nahe. Der „überholte“ Mann Jedenfalls einem alten männlichen Rollenbild geschuldet scheint der der Glaube, „dass Kolleginnen zum Großteil positiv auf die Karenzab-

gen die Väterkarenz, umso mehr aber dafür – durchaus auch im volkswirtschaftlichen Sinne. So schreibt Gudrun Osterman im „Standard“: „Die Vorteile einer gerechten Verteilung von Arbeit und Kinderbetreuung werden von Studien untermauert: Die Scheidungsrate ist deutlich niedriger, wenn auch der Vater in Karenz geht, die Väter sind gesünder. Familien, in denen beide Eltern in Karenz gehen, haben häufiger ein drittes Kind. Und: Auch die unbezahlte Hausarbeit wird nach der Elternkarenz beider fairer aufgeteilt.“ In diesem Sinne meine Herren: Echte Männer gehen in Karenz, alle anderen sind Weicheier!


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Trabant oder schon Teil?

St. Pölten ist eigentlich schon Wien. Auch wenn der gelernte Wiener das mit großstädtischem Beißreflex mindestens ebenso vehement zurückweisen wird wie der eingefleischte St. Pöltner, der angesichts der Entwicklung in den vergangenen Jahren doch so etwas wie Heimatstolz entwickeln durfte: Zu leugnen ist kaum mehr, dass man Teil eines durchgängigen städtischen Komplexes ist. Den größten Anteil daran hat die Verkehrsanbindung: Von St. Pölten aus ist man heute schneller im Wiener Stadtzentrum als von Floridsdorf, Liesing oder vielen anderen Wiener Bezirken aus. Die Folgen sind vielfältig: Etwa die Mietpreise, die in den vergangenen Jahren in St. Pölten sogar schneller angezogen haben als in Wien. Oder die Verschränkung der Verkehrssituation: Wenn Wien die Parkpickerlzone ausweitet, quellen in St. Pölten die Park-and-Ride-Anlagen über. Im Positiven steht dem der enorm gewachsene Zugang zu den Bildungs-, Arbeits- und Kulturangeboten

der Metropole gegenüber: Wer heute in St. Pölten lebt, kann in Wien studieren, arbeiten oder fortgehen, ohne dass damit nennenswerte Einbußen der Lebensqualität verbunden wären. Dieses Zusammenwachsen, das in den kommenden Jahren noch stärker und schneller fortschreiten wird, wird am besten gelingen, wenn es gesteuert wird. Es wird der Politik nicht erspart bleiben, Fragen zu beantworten wie: Ist es sinnvoll, einen millionenschweren Kulturbezirk in St. Pölten zu erhalten, wenn das gesamte Angebot Wiens genauso leicht erreichbar ist? Müssen in die Planung des öffentlichen Verkehrs in der Region wirklich fünf unterschiedliche Akteure involviert sein - oder wäre die Steuerung aus einer Hand sinnvoller? Und, in letzter, langfristiger Konsequenz: Hat es Sinn, dass St. Pölten politisch eine eigene Stadt bleibt? Georg Renner, 30, ist Redakteur im Inlandsressort der Tageszeitung „Die Presse“ und Chef vom Dienst der „Presse am Sonntag“. Der Wilhelmsburger besuchte das BG Josefstraße und passiert St. Pölten täglich als Pendler.  @georg_renner

FEILSCHEN UM DEN ROSSMARKT

N

un geht’s los mit der Verwertung des Wallner-Areals mitten in der Innenstadt, sagt Peter Nikolaus Lengersdorff. Vor rund drei Jahren hat der Bau-Tycoon gemeinsam mit Partner Michael Rieder von der Stadt die Option für den Kauf des rund 7.000 Quadratmeter großen Grundstücks in bester City-Lage erworben, und „bis jetzt auch einiges investiert.“ Und schon 2010 ein Projekt mit Tiefgarage plus Ausgang auf den Rathausplatz, Wohnungen und Büros präsentiert. Wenn möglich mit Anbindung an die Linzer Straße. Jetzt, drei Jahre, drei geplante Projekte und zahlreiche Dispute zwischen der Stadt und den Käufern später, könnten die Vertragspartner doch eine Einigung erzielen, hoffen Lengersdorff und Rieder. „Ein sinnvoller Mix aus Geschäften, Büros, Wohnungen und Gastro“ soll hinter dem Rossmarkt entstehen. Und diese Definition birgt den Keim für 18

FILETSTÜCK. Das ehemalige Wallnerareal ist eine der größten zusammenhängenden Flä-

chen in der City – seine Verwertung sorgt für Unstimmigkeiten zwischen Investoren und Stadt.

die Unstimmigkeit zwischen den Investoren und der Stadtgemeinde. Denn laut einer von der Stadt in Auftrag gegebenen Studie kann nur mehr ein einziges zusätzliches Einkaufszentrum in der Innenstadt erfolgreich sein – und das am besten in Bahnhofsnähe.

Lengersdorff und Rieder wollen aber in ihrem Projekt auch Handelsflächen anbieten. Wie viel – das dürfte noch ausgehandelt werden müssen. Bürgermeister Matthias Stadler möchte sich jedenfalls zu den laufenden Verhandlungen noch nicht äußern.


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Mobbing

am Regionalförderplatz Da jubelte Landtagsabgeordneter Martin Michalitsch: „1.932.951 Euro an Mitteln der Regionalförderung sind in den Bezirk St. Pölten geflossen!“, ließ er via Presseaussendung wissen. Als St. Pöltner konnte man sich den Jubel getrost sparen. Gemeint ist der Bezirk St. Pölten-Land. Die Haupstadt ist nach wie vor aus der Regionalförderung ausgeschlossen. 20


TEXT: Sascha Harold, Michael käfer, Johannes Reichl | Fotos: ZVG

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ir schreiben das Jahr 1986. St. Pölten wird Landeshauptstadt von Niederösterreich, zahlreiche Investitionen – allen voran für Regierungsviertel samt Kulturbezirk – fließen in die Traisenstadt. Von rund 7 Milliarden Schilling ist die Rede. Um die niederösterreichischen Regionen gleichermaßen zu befriedigen und ihnen die Angst vorm alles absaugenden Moloch St. Pölten zu nehmen, wird zugleich das Regionalfördergesetz verabschiedet, das 1987 in Kraft tritt: Die gleiche Summe soll über die nächsten 20 Jahre verteilt direkt in die Regionen fließen. St. Pölten wird aus diesem Topf explizit ausgeschlossen. In die Länge gezogen Die ursprüngliche Vereinbarung wurde mittlerweile schon zweimal verlängert und läuft aktuell bis 2020. Selbstredend das St. Pölten ausgeschlossen bleibt. Aber warum eigentlich? Sollten nach 34 Jahren nicht wieder die gleichen Voraussetzungen für alle gelten? Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav verweist auf eine Kontinuität des Regionalfördergedankens: „Die ursprüngliche Ausrichtung, ein Ausgleich im Verhältnis zur Landeshauptstadt zu sein, wurde beibehalten.“ Die entsprechenden Landtagsbeschlüsse dazu fielen im Übrigen allesamt einstimmig. Neu ist ein Wandel der Regionalförderung insofern, dass sie mittlerweile kongruent zur EU-Förderung von Regionen geht, d. h. die Projekte werden von der EU kofinanziert. Das wiederum schließt St. Pölten auch aus diesen Töpfen aus, wie Bürgermeister Matthias Stadler bestätigt: „Es ist eine Tatsache, dass St. Pölten keine Regionalförderung bekommt. Es ist auch eine Tatsache, dass die Stadt St. Pölten nur wenige Möglichkeiten hat, Förderungen aus Mitteln der EU zu bekommen.” Verzerrter Wettbewerb Die Folgen sind beträchtlich und stellen für die Stadt ebenso wie für ihre Unternehmer zum Teil eine fundamentale Benachteiligung dar. Besonders augenfällig zeigt sich dies etwa

am Beispiel der Messeförderung, aus der St. Pölten explizit ausgeschlossen ist. Das erfolgreiche und, im Unterschied zu anderen vergleichbaren Institutionen, gänzlich privat geführte Veranstaltungszentrum erhält aufgrund dieser Regelung keinen einzigen Cent Messeförderung vom Land – die niederösterreichischen Mitbewerber aber sehr wohl. Was dies u. a. bedeutet, erklärt VAZ-Geschäftsführer René Voak: „An Standorten wie Tulln und Wieselburg konnten durch die Landesförderungen beispielsweise Infrastruktur-Erweiterungen laufend realisiert werden. Dies führte dazu, dass uns, bevor die Halle C ersetzt wurde, Kunden verloren gingen. Aber nicht etwa, weil die Nachfrage so gering gewesen wäre oder die Formate nicht funktionierten, sondern ganz im Gegenteil, weil wir den gestiegenen Flächenbedarf nicht erfüllen konnten.“ Einer, der genau unter diesen Auswirkungen zu leiden hat, ist Messeveranstalter Manfred Henzl, der im VAZ Formate wie die Wunderwelt Modellbau oder die Seniorenmesse durchführt. „Bestes Beispiel ist die Wunderwelt, die wir im nächsten Jahr zum neunten Mal durchführen werden. Wir haben sie toll eingeführt, sie ist ein absoluter Publikumsmagnet, aber irgendwann konnten wir uns aufgrund der eingeschränkten Hallensituation in St. Pölten nicht weiterentwickeln. Die Folge war, dass wir Großaussteller mit dementsprechendem Platzbedarf, den wir nicht mehr bieten konnten, an eine neue Modellbaumesse in Wels, das mit Hilfe des Landes Oberösterreich massiv ausgebaut worden war, verloren. Für uns ist die Halle C, die im Vorjahr durch die Stadt St. Pölten eröffnet wurde, fünf Jahre zu spät gekommen!“ Hätte das Land das VAZ St. Pölten, wie andere Messestandorte in Niederösterreich, unterstützt, wäre eine befriedigende Hallenlösung rechtzeitig gekommen. Stattdessen nährte das Land unter dem Schlagwort „VAZ neu“ die Hoffnung auf eine neue, große Messelösung in der Hauptstadt, die sich im Nachhinein als große Seifenblase entpuppte. Was Henzl vor allem aufstößt, ist

eine durch die ungleiche Förderung der Standorte künstlich herbeigeführte Wettbewerbsverzerrung, die für Privatunternehmer existenzbedrohend sei. „Es kann doch nicht sein, dass mit zweierlei Maß gemessen wird! Sind wir St. Pöltner Unternehmer weniger wert als jene in Tulln, Wieselburg oder Wiener Neustadt? Entweder alle bekommen Subventionen oder, was auch ein Ansatz ist, niemand. Aber so ist es einfach nur diskriminierend!“ Dass St. Pölten trotz des Wettbewerbsnachteils bislang funktioniere, liege an der Attraktivität des Standortes „der als Messestandort einfach prädestiniert und ungemein nachgefragt ist“ sowie am Durchhaltevermögen der privaten Messeveranstalter: „Gäbe es die privaten Initiativen von Frank Drechsler (WISA), NXP oder Henzl Media nicht, wäre St. Pölten de facto ein schwarzes Loch im Messewesen.“

Regionalförderung History • 1986: Der Niederösterreichische Landtag beschließt 1986 parallel zum Hauptstadterhebungsgesetz das Regionalisierungsprogramm. Da für die Hauptstadt 7 Milliarden Schilling (500 Millionen Euro) für den Bau des Regierungsviertels, der Landessportschule, des Kulturbezirks etc. beschlossen wurden, soll die gleiche Summe in den nächsten 20 Jahren auch in die Regionen fließen. Diese jährliche Summe von 25 Millionen Euro wird in der Regionalförderung angesiedelt. • 1998: Das „Fitnessprogramm für die Regionen“ in Höhe von 4,06 Millionen Euro wird als Vorbereitung auf die EU-Erweiterung in der Regionalförderung angesiedelt. Somit stehen für die Regionen jährlich 29,06 Millionen Euro zur Verfügung. Die Umsetzung erfolgt über die ecoplus, die Wirtschaftsagentur des Landes Niederösterreich. • 2006: Das Regionalisierungsprogramm wird auf die Dauer der EU-Programmplanungsperiode 2007 – 2013 verlängert. • 2011: Entschluss zur Verlängerung der Regionalförderung nach 2013 für die Periode 2014 – 2020 im Zuge der Regierungsklausur 2011 Die Ziele der Regionalförderung formuliert Gregor Lohfik von ecoplus so: „Neben der Landeshauptstadt St. Pölten auch die Regionen ‚zum Blühen zu bringen‘; Förderung des Tourismus, der Wirtschaft sowie Aufbau des Technologiestandorts.“

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Wahl-Pflicht

Michael Müllner

Fotos: Gina Sanders/Fotolia.com

Während sich andere bei Krimi-Serien vor dem TV entspannen, schalte ich derzeit nur auf Sender, die Politiker zeigen. Das ist nicht ganz normal, ich weiß. Zumindest nicht, wenn man 33 Jahre alt ist und nicht in irgendeiner Parteijugend oder Vorfeldorganisation sozialisiert wurde. Doch ich brauche weder Naheverhältnis noch Versorgungsjob, um mich für österreichische Innenpolitik zu interessieren. Und ich bin der Meinung, dass alle, die sich überhaupt nicht dafür interessieren, einen Schaden haben. Man muss nicht jede Fernsehdiskussion verfolgen oder alle Tweets von Rudi Fußi und Armin Wolf faven. Auch muss man gar nicht von einer Partei überzeugt sein (oft reicht das geringste Übel). Aber man sollte sich doch bitte zumindest alle fünf Jahre eine Meinung bilden, wie dieses Land geführt werden soll. Und da argumentiere ich jetzt gar nicht mit der Gnade, die wir täglich genießen, weil wir in dieses westlich geprägte, demokratische Land geboren wurden. Anderswo riskieren Menschen bekanntlich heute ihr Leben um überhaupt eine Wahl zu haben. Ich argumentiere lieber damit, dass es einem doch nicht völlig egal sein kann, wie sich diese Gesellschaft in den nächsten Jahren entwickelt. Natürlich ändern Wahlen etwas, natürlich kann man als Bürger verlangen, dass Politiker auch in den Lauf der Dinge eingreifen. Welche Steuern will ich zahlen? Welche Bildung will ich für meine Kinder? Welche Pension erwarte ich mir im Alter? Ich bleibe dabei: Wer dazu keine Meinung hat, der hat einen Schaden. PS: Johann Höfinger (ÖVP) und Anton Heinzl (SPÖ) waren im Regionalwahlkreis NÖ-Mitte „unsere“ Abgeordneten. Beide haben vor rund einem Jahr für das Abdrehen des U-Ausschusses zur Klärung von Korruptionsvorwürfen gestimmt. @muellner

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DA KOMMST DU NICHT REIN. St. Pölten ist nach wie vor aus der Regionalförderung ausgeschlossen.

„Im Grunde ist es so, als müssten wir beim 100 Meter Lauf 40 Meter weiter hinten starten als die Mitbewerber“, veranschaulicht es Voak plastisch, wobei er, ganz allgemein, den Grundgedanken der Regionalisierung durchaus nachvollziehen kann. „Aber man muss halt im Sinne des Steuerzahlers und der Wirtschaft schon auch hinterfragen, wo sie Sinn macht und in welcher Höhe sie gerechtfertigt ist.“ Startvorteil Bei den geförderten niederösterreichischen Messe-Standorten sieht man die Causa naturgemäß anders und unterstreicht die Notwendigkeit der Förderung. Werner Rohrer vom Messestandort Wieselburg etwa verweist auf die zahlreichen Erweiterungen – erst dieses Jahr wurde die Ostarrichi Halle mit Unterstützung des Landes um rund 542.443 Euro saniert – und den damit verbundenen Anstieg in Qualität und Umfang der Veranstaltungen. Dem Argument, es würde ein künstlicher Markt geschaffen, hält Wolfgang Strasser, Leiter der Tullner Messe, Zahlen entgegen: „Sowohl 2011 als auch 2012 wurden Gewinne erzielt, auch für 2013 wird ein positives Ergebnis erwartet. Messe Tulln ist damit neben Messe Wien/Salzburg der einzige große Messeveranstalter Österreichs, der in den genannten

Jahren positive Geschäftsergebnisse erzielt.” Dass aber die Messeförderung fundamental dazu beiträgt, liegt auf der Hand. Und noch 2009 sah die Welt gar nicht so rosig aus – die Messe Tulln hatte schwer Schlagseite und fuhr einen Bilanzverlust von 1,6 Millionen Euro ein! Hilferingend wandte man sich damals an das Land Niederösterreich, um den Standort durch notwendige Sanierungsmaßnahmen zu sichern – und wurde erhört. So war 2011 in der Wiener Zeitung zu lesen. „‘Wir sind ebenfalls daran interessiert, den Messestandort zu erhalten, indem er wettbewerbsfähig bleibt‘, heißt es dazu aus dem Büro von Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav. Investitionen auf den Messegeländen in Tulln, Wr. Neustadt und Wieselburg würden generell zur Hälfte gefördert – ob das Land auch diesmal einspringt, müsse allerdings erst ein Gremium der Wirtschaftsagentur des Landes (‚ecoplus‘) entscheiden.“ Heute weiß man: Es springt ein. Insgesamt werden in die Messe Tulln mit Unterstützung des Landes Niederösterreich neun Millionen Euro investiert! Hauptstadttopf Während die Diskrepanz im Messebereich besonders augenfällig ist, sieht das offizielle St. Pölten die Gesamtsituation differenzierter. „Grundsätzlich


MOBBING AM REGIONALFÖRDERPLATZ

steht die Stadt zur Regionalisierungsvereinbarung“, lässt Stadler wissen, schränkt allerdings ein: „Man muss sich jedoch anschauen und hinterfragen, wo die Schwerpunkte der Regionalisierung gesetzt werden.“ Denn durch die massive Förderung in gewissen Bereichen anderswo entstünden für St. Pölten Wettbewerbsnachteile, „und es ist schwierig, das als Stadt auszugleichen.“ Tatsächlich hat der Magistrat im Versuch, den negativen Absaugeffekten entgegenzuwirken, eine Reihe von Komplementärförderprogrammen zum Land entwickelt, wie z. B. die städtische Baurechtsaktion, die Wirtschaftservicestelle „ecopoint“, diverse Bildungsinitiativen etc. Faktische, bisweilen auch irrational anmutende Manifestation einer Art „Regionalisierung um jeden Preis“ kann man damit aber nicht verhindern. So weint St. Pölten noch heute der Etablierung der Donau Uni in Krems nach oder schüttelt über die Torpedierung der Ansiedlung der Sigmund Freud Uni (dem Betreiber

wurde Krems nahegelegt, Praktikums­ plätze am Landesklinikum verwehrt) in St. Pölten den Kopf. Ebenso blickt man neidvoll auf die mit Landeshilfe etablierten Technologiezentren in Wieselburg-Land, Krems, Tulln und Wiener Neustadt und kann über Jubelmeldungen der „ecoplus“ anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der niederösterreichischen Regionalförderung 2012, demnach „seit dem Start der Regionalförderung über 16.500 Arbeitsplätze im ganzen Land geschaffen und gesichert und über 2.250 Projekte mit einem Investitionsvolumen von 2,5 Milliarden Euro abgewickelt“ wurden, nur bitter lächeln. St. Pölten kommt nicht vor. Wird St. Pölten also benachteiligt? Der Bürgermeister – in seiner Rolle als SP-Landesparteivorsitzender nunmehr auch den Regionen verpflichtet – gibt sich diplomatisch: „Grundsätzlich profitiert St. Pölten von der Hauptstadtentwicklung, und durch die gute Zusammenarbeit mit dem Land können zahlreiche Projekte realisiert wer-

Fördervolumen Für die Periode 2014-2020 stellt das Land Niederösterreich jährlich 29,06 Millionen Euro an Regionalfördermitteln zur Verfügung. „Gemeinsam mit dem von der Europäischen Union zu erwartenden Fördervolumen geht es für Niederösterreichs Regionen um ein gesamtes Fördervolumen von 250 Millionen Euro“, führte Landeshauptmann Erwin Pröll Ende 2012 aus.

den. Man muss aber auch festhalten, dass die Stadt dadurch einen höheren Aufwand hat.“ Eine Idee, wie man einen gerechten Ausgleich im Fördersystem schaffen könnte, hat er auch parat: „Vielleicht sollte man über einen ‚Hauptstadt-Topf‘ für Sondermaßnahmen nachdenken. Damit wäre die Finanzierung der dritten Phase der Hauptstadtentwicklung mit dem Ausbau der zentralen Infrastruktur und der Verwirklichung von Sonderprojekten, wie z. B. die Verwertung des Glanzstoff-Areals, gesichert.“ Für St. Pölten, und fürs Bundesland!

Bei den Preisen läuft etwas schief: wir fordern gerechte Preise, damit leBen und wohnen leistBar sind.

mehr über unsere forderungen finden sie auf noe.arbeiterkammer.at

gerechtigkeit muss sein

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WOLFI UND DIE

Schokoladenfabrik Als ich um 8:30 Uhr auf das Gelände der Firma Styx in Obergrafendorf komme, sehe ich einige neue Hallen und denke mir, „ziemlich gewachsen seit meinem letzten Besuch“. Wolfgang Stix erwartet mich bereits im neuen Bistro, wo er gerade an der Kaffeemaschine herumhantiert, um uns Kaffee zuzubereiten. Seit 8 Uhr ist er – wie jeden Tag – am Gelände, nachdem er sein morgendliches halbstündiges Ergometer- und Hanteltraining absolviert hat.

Styx Naturcosmetics ist heute eine weltweite Marke. Wieso haben Sie sich für eine Karriere im Bereich Kosmetik entschieden und nicht für die üblichen Männer-Berufe wie Mechaniker, Schlosser oder, aktuell auch ziemlich bekannt, Werkzeugmacher?

Das ist einfach erklärt: Natur und Kräuter interessieren mich seit meiner Kindheit, mein Urgroßvater war ein anerkannter Heilkräuterspezialist im Waldviertel, und mein Vater begann sich bereits 1965 mit den alten Rezepturen meines Urgroßvaters zu beschäftigen. Dieser familieneigene Virus hat auch mich infiziert. Bereits als Kind habe ich mit Düften zu experimentieren begonnen, womit meine Mutter keine allzu große Freude hatte, weil ich aus ihren und den Parfüms meines Vaters meine eigenen Kreationen gemacht habe! (lacht) Während meiner Schulzeit im Gymnasium haben mich dann besonders Chemie und Physik begeistert. Andere Gegenstände, wie zum Beispiel Deutsch und Geschichte, eher nicht. Ich habe die Schule schließlich sein lassen und habe eine Ausbildung zum Drogisten gemacht. Als eingefleischter St. Pöltner wahrscheinlich bei der damals bekannten Innenstadtdrogerie Vieröckl?

Nein, ich war ja ein Exil-St. Pöltner und habe bis zu meinem 19. Lebensjahr die meiste Zeit in Wien verbracht. 1977/78 bin ich dann nach St. Pölten umgezogen. Dort habe ich das Verkaufshandwerk von der Pieke auf 24

gelernt und war nach verschiedenen anderen Stationen zwei Jahre lang als Kosmetikaußendienstmitarbeiter für die Firma Wella tätig. Danach begann ich gemeinsam mit meinem Vater das Elternhaus in der Mariazellerstraße umzubauen. Da wir damals nur sehr geringes Kapital hatten, machten wir fast alles selber. Nach erfolgtem Umbau haben wir die anstehenden Aufgaben aufgeteilt, er war für die Produktion zuständig und ich bin in ganz Österreich verkaufen gefahren. Ich konnte dabei bald Erfolge erzielen, und so entwickelte sich aus dieser Basis die Firma Styx. So einfach wie es jetzt klingt war es aber wahrscheinlich nicht, oder?

Ja stimmt, es war sogar sehr schwierig, da die Menschen damals ein sehr ausgeprägtes Markendenken hatten! Aber ist das nicht heute noch viel ausgeprägter als damals? Sogar Schulkinder werden ja bereits auf Markenbewusstsein getrimmt.

Der Unterschied ist, dass wir heute eher ein Luxusmarkendenken haben. Damals gab es aber ein viel stärker ausgeprägtes „Consumermarkendenken“. Man war etwa der landläufigen Meinung, Kosmetik muss jahrelang eingeführt sein und einen klingenden Namen haben, wie zum Beispiel Nivea. Das war für uns natürlich ein sehr großes Hindernis beim Verkauf. Einschneidender in dieser Zeitwar für mich jedoch, dass mein Vater leider Gottes 1984 innerhalb von nur sechs

Monaten verstorben ist und ich auf einmal ganz alleine mit der Firma dagestanden bin. Wie alt waren Sie damals, und hatte das einschneidende Folgen?

Ich war 25 Jahre alt. Wirklich einschneidend war der Termin mit einem Mitarbeiter der kreditgebenden Bank. Wir hatten damals „sagenhafte“ 300.000 Schilling Schulden, und ich wollte diesen Kredit auf mich umschulden lassen. Beim nächsten Treffen fragte mich der Banker, wie ich denn glaubte, gegen diverse internationale Marken antreten zu können. Meine Antworten dürften ihn wohl nicht überzeugt haben, denn nach diesem Gespräch wurde mir mehr oder weniger mein Kredit fällig gestellt – auf einmal stand ich ohne Bankkarten und nur mit 20 Schilling im Hosensack wieder draußen vor der Tür! Ich war dann gezwungen, selbst Geld aufzustellen – aber das sind halt Dinge, die dich absolut prägen. Glauben Sie, der Bankbeamte wollte Sie aufgrund Ihres Alters vor einem möglichen Misserfolg bewahren?

(lacht) Nein, der wollte mich vor meinem Erfolg bewahren! Aber mit dieser Aktion hätte der Bankbeamte damals fast die gesamte nachfolgende positive Entwicklung verändert bzw. verhindert! Da sieht man leider, dass man – selbst wenn man erfolgreich sein möchte und bereit ist viel dafür zu hakeln – nicht immer den Sup-


TEXT: MICHAEL REICHL | Fotos: SIMON HÖLLERSCHMID

port bekommt, den man bräuchte. Besonders gefreut hat mich in diesem Zusammenhang die staatliche Auszeichnung im Jahr 2000 als größter Kosmetikbetrieb. Weil, Styx ist einzigartig, und wir haben keine Mitbewerber, sondern nur Marktbegleiter!

nen müssen, wer ein wahrer Freund ist und wer doch nicht! Es war schon eine besondere Herausforderung, aber ich hab mir gesagt, wenn du es in St. Pölten schaffst, schaffst du es auf der ganzen Welt! Und so ist es ja dann auch gewesen.

Ja, aus heutiger Sicht sicher, doch damals war das ja noch nicht so absehbar?

Sie haben den St. Pöltner Standort aber relativ bald aufgegeben?

Das stimmt schon – damals hat ganz St. Pölten über mich und meine Aussage, ich werde erfolgreich mit Naturkosmetik, gelacht. Das Schwierigste war das komplette Unverständnis der Leute für meine Vision. Ich habe oft versucht, sie zu begeistern, meist jedoch ohne Erfolg! Außerdem habe ich in dieser Zeit schmerzhaft erken-

Ja, 1991 habe ich einen neuen Produktions-Standort in Ober-Grafendorf zu bauen begonnen. Dies war dringend notwendig, da wir bereits in die Schweiz und Deutschland exportierten und auch in Österreich einen wachsenden Kundestamm hatten. Wieso gerade Ober-Grafendorf?

Der Erstkontakt kam über einen ge-

meinsamen Bekannten zustande. Die anschließenden Gespräche wurden sehr offen und ehrlich geführt, Bürgermeister Vogel war wirklich an mir und meinem Betrieb interessiert. Der Unterschied zwischen den beiden Grundstückspreisen war ein weiterer Mitentscheidungsgrund. So hat der m²-Gewerbegrund in St. Pölten ca. 1.500 Schillig gekostet, in Ober-Grafendorf lag er bei 200 Schilling! Sobald diese Entscheidung gefallen war, begannen wir Schritt für Schritt den Betrieb hier auszubauen. Apropos Betrieb, wie war Ihr Umsatz im vorigen Jahr, auf welchen Märkten wurde er erwirtschaftet?

Wir haben letztes Jahr auf unserem Heimatmarkt knapp acht MillioMFG 09.13

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nen Euro umgesetzt und auf unserem Weltmarkt ca. 21 Millionen. Styx hat zurzeit eine Exportquote von 70%, davon 40% auf unserem wichtigsten Markt in Russland, wo wir seit fast 20 Jahren tätig sind. Aber auch Märkte wie Kasachstan, Thailand, Ukraine, Österreich, Deutschland usw. bringen ihre Umsätze. Wie schaut es mit China oder USA aus?

Um in den USA einen relevanten Marktanteil zu erhalten, sind sehr hohe Marketingkosten verbunden, die ich nicht ausgeben möchte. China wäre interessant, ist jedoch zurzeit noch mit ziemlichen Markthürden verbunden. Mal sehen, wie es sich dort weiterentwickelt. Wenn Sie die Marketingkosten ansprechen: Was machen Sie, um Styx noch bekannter zu machen, oder halten Sie es auch mit der volksüblichen Meinung von Henry Ford „50 % meiner Werbung ist ‚sinnlos‘, jedoch ich weiß nicht welche.“

Das unterschreibe ich sofort! Aber im Ernst: Unser Marktetingbudget liegt zwischen 10-15 % vom Umsatz. Wir nützen praktisch alle Kanäle, die man so für einen optimalen Werbe-Mix braucht. Wichtig sind auch nach wie vor Messen. Z. B. sind wir dieses Jahr auf der „Cosmo Prof“ in Asien vertre-

ERFOLGSSTORY. Die Firma Styx hat im Vorjahr am Heimmarkt knapp 8 Millionen Euro und am Weltmarkt ca. 21 Millionen Euro umgesetzt. Die Exportquote des Unternehmens liegt bei 70 %!

ten, wo wir, um österreichisches Flair zu vermitteln, eine typische Almhütte hinstellen. Wie Sie vielleicht wissen, fahre ich seit 20 Jahren mit der Lederhose zu meinen Messen. Auf der Vertriebsseite habe ich einen sehr guten Leiter und gute Außendienstmitarbeiter. Als weiteres besonderes „Goody“ erhalten unsere Hotelkunden für ihre Mitarbeiter die Wellness-Dienstkleidung von uns gratis. Dies kommt sehr gut an und aufgrund der steigenden Nachfrage habe ich eine eigene Stickerei auf dem Firmengelände eingerichtet. Für unsere Plakate und anderen Drucksorten habe ich eine hauseigene Druckerei. Eigene Stickerei, eigene Druckerei – sogar ein Biomasseheizwerk gibts?

SCHOKOLADE. Mit Marillen-Schokolade

hat alles begonnen, heute gibt es 25 Sorten!

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Dadurch ersparen wir der Umwelt jährlich 60 Tonnen CO2. Die Biomasse kaufen wir in einem Umkreis von 25 km ein, so unterstützen wir auch die Region und schaffen eine inländische Wertschöpfung anstatt ausländisches Gas zu kaufen. Ich bin auch Pionier bei E-Fahrzeugen. Zurzeit fahre ich selbst einen Opel Ampera, und im Rahmen des Fuhrparkes haben wir zwei weitere Fahrzeuge: ein „Spaßfahrzeug“ für meine Mitarbeiter zum Postfahren und einen Lie-

ferwagen für Auslieferung in einem Radius von 100 km. Zusätzlich ist seit eineinhalb Wochen unsere eigene 700m² Photovoltaikanlage im Betrieb, mit der wir knapp 60 % unseres Stroms selber erzeugen. Wir werden immer autarker, und ich hoffe, dass unser Beispiel andere zum Nachdenken anregt … Wie sieht es da eigentlich mit diversen Förderungen aus, welche ja sehr oft in Politikergesprächen vorkommen?

Die Förderungslandschaft ist sehr schwierig, du brauchst fast immer Experten, und auch die Zahlungszusagen werden nicht unbedingt eingehalten. Als Beispiel: Für unsere Biomasseheizung haben wir 2011 eine Förderungszusage erhalten – diese wurde bis heute nicht ausbezahlt, dabei haben wir mittlerweile weitere 15.000 Euro nachinvestieren müssen, um neue Auflagen zu erfüllen. Zusammengefasst: Die Förderlandschaft hier bei uns ist für einen Kleinunternehmer ein absoluter Dschungel. Außerdem handelt es sich meiner Meinung nach bei den meisten Förderungen um ein zinsloses Darlehen auf vier Jahre, wenngleich ich der Fairniss halber erwähnen möchte, dass ich für ein Elektroauto 5.000 Euro Förderung erhal-


Wolfi und die Schokoladenfabrik

ten habe. Das ist „nice to have“. Aber wenn die Politiker die Förderungen beschränken und stattdessen die Abschreibungsmöglichkeiten verkürzen würden, hätte ich eine riesengroße Freude damit. Das ganze Thema ist etwas, was mich immer wieder beschäftigt. Als Beispiel: Ich bin nun 54 Jahre und muss bereits Abschreibungen auf 36 Jahre planen, obwohl ich heute gar nicht weiß, ob ich überhaupt 90 werde. Mein Vorschlag wäre die Abschreibung von Blechhallen auf 10 Jahre und für eine gemauerte Halle auf 15 Jahre zu verkürzen. Rein theoretisch dürfte ja kein Unternehmer nach seinem 40. Lebensjahr weiter expandieren, weil er ja nicht weiß, wie lange er noch lebt und möglicherweise seine Erben mit den damals getroffenen Entscheidungen belastet.

Wie ist es um Ihre soziale Ader bestellt?

Ich denke mir, man soll etwas an die Gesellschaft zurückgeben, wenn es einem gut geht. Ich fördere meistens Projekte, die mit viel Idealismus betrieben werden, die eine wichtige Funktion im öffentlichen Bereich haben oder die mir selber am Herzen liegen. Hier am Land ist es üblich, diversen Vereinen oder auch Blaulichtorganisationen ein bisschen unter die Arme zu greifen, das mache ich sehr gerne. Zudem sitzt meine Frau im Vorstand des Wifki und wir unterstützen dieses seit einigen Jahren, weil ich persönlich die Anliegen dieses Vereines für gut halte. Weiteres bin ich Hauptsponsor bei den Basketballern vom UBC St. Pölten – ich hoffe die nächste Saison wird besser, schau ma mal…

Was planen Sie für die Zukunft?

Wir werden die Betriebsbesuche forcieren, daher haben wir auch das Bistro hier gebaut, sodass wir zwei Betriebsführungen machen können: eine um 11 Uhr und eine weitere um 15 Uhr. Außerdem ist es der ruhigste Raum zurzeit, und man kann hier Journalisten empfangen. (lacht) Ein weiteres Projekt für die nächsten Jahre wird die „gläserne Kosmetikfabrik“ sein – lassen Sie sich überraschen! Ideen gibt es bei mir immer viele! Wir stehen kurz vor der Wahl. Ihnen werden auch gute Kontakte in die Politik nachgesagt?

Also der beste Förderer für deine Anliegen bist noch immer du selbst. Wir haben das Glück, dass wir uns in Niederösterreich in einem sehr

Sie erzeugen mittlerweile auch Schokolade – wie ist es dazu gekommen?

Die Idee entstand durch die Zusammenarbeit mit einem ehemaligen Kunden. Da der Fachhandel stirbt und fast alles nur mehr über Supermärkte läuft, kamen wir auf die Idee, Eigenshops zu kreieren mit dem Produkt­ sortiment Kosmetik und Lebensmittel. Von meiner Seite kam die Kosmetik, er war für die Lebensmittel zuständig – da er ein Schnapsbrenner aus der Wachau war, kamen von ihm auch die Schnäpse. 2006 eröffneten wir den ersten Shop in St. Pölten, sehr schnell folgten weitere in Dürnstein und Krems. Das Shop-Konzept entwickelte sich in relativ kurzer Zeit erfolgreich. Die ersten Schritte in der Schokoladenproduktion begannen im „Goldenen Strauß“ und mit sehr einfachen Mitteln. Es gab dort eine Küche, und in dieser haben wir mit einer Konditormeisterin begonnen, Schokolade herzustellen – und zwar Marillen Schokolade aus Wachauer Marillen. Mittlerweile gibt es über 25 Sorten! Das passt auch sehr gut zu meiner Hauptproduktlinie Kosmetik, da auch Schokolade ein beliebtes Frauenthema ist (lacht).

VISIONÄR. In den 80ern wurde Wolfgang Stix‘ Vision noch belächelt, heute ist STYX Naturcosemtic weltweit führender Anbieter in Sachen Naturkosmetik mit biologischem Hintergrund.

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Wolfi und die Schokoladenfabrik

guten Umfeld bewegen. Das heißt für mich, dass hier die Lebensqualität stimmt. Was ich mir nach dieser Wahl von den Gewinnern wünschen würde, ist eine etwas unternehmerfreundliche politische Landschaft, weil wir ja das Rückgrat der Wirtschaft sind. Außerdem gehen mir diese Neiddiskussionen ziemlich auf die Nerven, weil eines muss man schon sagen: Wir leben von produzierenden Betrieben, und die Gewerkschaften in Österreich haben es geschafft, dass wir heute keine Textilindustrie mehr haben. Es ist sicher legitim, sich für diverse Arbeitnehmerinteressen einzusetzen, nur auf der anderen Seite gibt es auf der ganzen Welt genug Plätze, wo es weder fünf Wochen Urlaub oder eine 40 Stundenwoche gibt. Daher finde ich die Forderung nach sechs Wochen Urlaub absolut sinnlos – dadurch würden sich die Produktionskosten erhöhen, und um weiterhin marktfähig zu bleiben würden dann halt noch mehr

UMWELTBEWUSST. Wolfgang Stix lebt den grünen Gedanken: Elektro-Autos im Fuhrpark, eigenes Biomasseheizwerk am Gelände, 700 Quadratmeter Photovoltaikanlage, Kräutergarten ...

Firmen ihre Standorte aus Österreich auslagern müssen! Gilt das auch für Styx, gehen Sie vielleicht stiften?

Nein, ich bin sehr gerne in Österreich und ich bin auch weiterhin kein Stif-

Plakat_A1_BIBI_Plakat A1 02.03.12 16:41 Seite 1

21. 09. 13 VAZ St. Pölten

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ter, sondern ein braver Steuerzahler. Andererseits gibt es für mich bedenkliche Tendenzen, was sowohl den Arbeitsmarkt als auch die Asylthematik betrifft: Ich finde zum Beispiel sehr leicht Hilfskräfte, jedoch fast keine gut ausgebildeten Fachkräfte mehr!


spannung


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St. Pölten, MERKUR

Roul Starka

Foto: zVg

Meine Frau und ich waren heute beim Merkur. Frisch-Fleisch-Wurst, die Damen freundlich, die jüngeren sogar ohne Handy, ohne Stöpsel im Ohr. Wir gingen weiter, meine Frau wollte Erdäpfel kaufen. Nur: Wir fanden sie nicht; sind ja ein ausgefallenes Gewächs. Wir fragten zwei grün gekleidete Jungbuben: „Entschuldigen Sie!“, sagte meine Frau. „Hä?“, sagte ein gewisser ‚Staudmayer‘. Sein Kollege, der ‚Floribert‘, sagte: „Brauchn Sä wos?“ „Jo, brauch ma, Erdäpfin“, meine Frau. „Ha, ha, ha, do gibt’s heit kane mehr, die san aus, ha, ha!“, lachte der Staudmayer. Meine Frau sah mich sehr weiblich an und sagte: „Wos schaust‘n so? Find sofurt Erdäpfin, weu sunst wiar i narrisch!“ Ich sah mich um, locker, elegant. Da sagte der Staudmayer: „Wos woin Sä? Erdäpfin san aus!“ Ich spürte ein Ziehen in meinem Bauch. Meine Frau zum Staudmayer: „Na guat, i loss Ihna des volle Wagerl do stehn, des interessiert mi sicher ned, glaubn’S ma des“, und stapfte davon. Ich: „Den Geschäftsführer, bitte.“ „Herr Dangl, bitte in die Gemüseabteilung, Kunde wartet“, hörte man durch die Lautsprecher. Der Dangl kam. Ich fragte ihn, ganz leise: „Bin ich hier richtig bei dem, für den es verdammt hart ist, der Beste zu sein?“ „J…ja.“, der Dangl. Ich: „Schauen Sie, dem REWE-Konzern ist es herzlich wurscht, ob wir uns hier streiten und uns die Gosch…nhn; aber: Meine Frau will ja nur Erdäpfel, keine Pommes mit glücklicher Kindheit. Sie verstehen mich, Herr Dangl, ja?“ Dangl: „Ja.“ Ich: „Jo?“ Dangl: „Jo.“ Ich: „Na daunn, wos damma?“ „Es tut mir leid, wirklich – Erdäpfel sind aus. Darf ich Ihnen einen ZehnEuro-Gutschein anbieten?“, sagte der Dangl. „Ja, gern, danke!“, ich. Meine Frau machte dann Chili. Es ist verdammt hart, die Beste zu sein.

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Darf’s ein bisserl mehr sein?

„Gläserner Staat statt gläserner Bürger!“ Bei diesem Schlachtruf sind sich meist alle einig, schließlich gäbe es in Politik und Verwaltung ja ohnedies nichts zu verbergen. Bei der anstehenden Gesetzesänderung machen unsere Volksvertreter aber dennoch nur einen kleinen Schritt. Bleibt es bei Sonntagsreden?

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efeuert von Politikverdrossenheit und der gesteigerten Wahrnehmung von Korruption im Großen wie Kleinen der heimischen Innenpolitik, hat sich die Forderung nach mehr Transparenz von der Bundespolitik und ihren abgedrehten Untersuchungsausschüssen auch bis in die Mühen der Gemeinde- und Lokalpolitik vorgearbeitet. Gerade wo eine Partei allein regiert, beklagen Oppositionspolitiker Schikanen in der täglichen Arbeit. MFG berichtete bereits über paradoxe Situationen, so dürfen Einladungen zu Sitzungen an die vom Bürger gewählten Volksvertreter

nicht per Email ausgeschickt werden. Auch das Zusenden von Unterlagen, die seriöse Mandatare im Vorfeld einer Abstimmung gerne gesehen und verstanden hätten, sei aus rechtlichen Gründen nicht möglich. Einsicht nehmen kann der Gemeinderat zwar vor Ort, eine Kopie der Unterlage kostet pro Blatt dann aber 50 Cent. In Zeiten von PDF-Anhängen, TwitterKommunikation und Live-Streams ist das aktuelle NÖ Stadtrechtsorganisationsgesetz (STROG) ein Relikt längst vergangener Tage. Nach monatelangen Streitereien schafften St. Pöltens Gemeinderats-


TEXT: MICHAEL MÜLLNER | Foto: OLLI/FOTOLIA.COM

fraktionen als Minimalkonsens eine einstimmige Resolution an den NÖ Landtag: Es solle in Zukunft möglich sein, Mandataren nötige Unterlagen im Vorfeld auch per Email zuzuschicken. Es mag zwar dem Bürger per se wurscht sein, wie der gut bezahlte Mandatar an seine Informationen kommt – dennoch zeigt es, wie wenig die Idee von Transparenz in der Gemeindeverwaltung angekommen ist. Auch der gemeine Gemeindebürger hat es schwer. Möchte er das Protokoll der öffentlichen (!) Sitzung des letzten Gemeinderates nachlesen, so muss er dafür im Rathaus vorstellig werden. Auf der Website wird das Protokoll nicht veröffentlicht, da man es laut Gesetz nur den „Stadtbürgern“ zugänglich machen muss – im Internet hingegen könnte ja jeder daher kommen und nicht nur der „Stadtbürger“. Neue Bundesgesetze, beispielsweise der Stabilitätspakt oder die neu geschaffenen Landesverwaltungsgerichte, machen nun auch beim geltenden Landesrecht Änderungen

nötig. Dabei scheint man auch auf ein paar Forderungen in Sachen „Ruf nach Transparenz“ einzugehen, wenngleich die gemachten Änderungen wohl nur als Mini-Schritt durchgehen werden, der in erster Linie den eigenen Leuten, also den gewählten Mandataren, entgegen kommt. St. Pöltens lautester Rufer in Sachen Transparenz war bis dato Florian Krumböck, Pressesprecher der St. Pöltner ÖVP und Obmann der Jungschwarzen: „Die angedachten Änderungen sind ein erster Schritt in die richtige Richtung. Es bedarf aber mehr. Für uns sind Punkte wie Transparenz von Amtsberichten zu Punkten der Gemeinderatstagesordnung oder auch elektronische Aktenübermittlung weiterhin wichtige Anliegen.“ Auch St. Pöltens Bürgermeister Matthias Stadler hielt im Rahmen einer Tagung mit den anderen, von der gleichen gesetzlichen Grundlage betroffenen niederösterreichischen Statutarstädten Krems, Waidhofen an der Ybbs und Wiener Neustadt fest, dass wir „Gesetze brauchen, die Transparenz möglich machen“. Es fehlen klare Regelungen beispielsweise in Bezug auf Emails oder die Möglichkeit Gemeinderatssitzungen via Internet live zu übertragen. Bevor ein Gesetzesentwurf dem NÖ Landtag vorgelegt wird, gibt es eine öffentliche Begutachtung. In diesem offiziellen Rahmen blieben die Stadtvertreter dann aber bescheiden, mutige Vorderungen nach einem Mehr an Transparenz liest man in den Stellungnahmen ans Land nicht. Optimisten vermuten hinter den Kulissen ein zähes Ringen um mehr Transparenz – Pessimisten erkennen in den öffentlichen Transparenzbekundungen aber wohl nur mehr Sonntagsreden. Im St. Pöltner Rathaus betont man, dass für den Herbst weitere Gespräche zwischen Land und Statutarstädten vorgesehen sind. Die Rathausjuristen weisen auch auf das Spannungsfeld zwischen Transparenz auf der einen Seite und anderen Rechtsmaterien wie dem Recht auf Datenschutz oder dem Recht aufs eigene Bild, etwa bei Sitzungsübertragungen im Internet,

hin. Und auch Florian Krumböck will das Thema noch nicht an den Nagel hängen, hinter den Kulissen sei bereits von einer „größeren“ Gesetzesänderung im Frühjahr 2014 die Rede. Und wenn mit einer neuen Bundesregierung auch auf dieser Ebene wieder Schwung in die Debatte um eine mögliche Abschaffung des „Amtsgeheimnisses“ kommt, dann erleben wir am Ende doch noch irgendwann sowas wie Transparenz bei politischen Entscheidungsprozessen und Verwaltungsakten.

Was kommt? • Tagesordnungen für öffentliche Sitzungen des Gemeinderates dürfen in Zukunft im Internet veröffentlicht werden. (In St. Pölten passiert dies bereits.) • Protokolle öffentlicher Sitzungen des Gemeinderates dürfen in Zukunft im Internet veröffentlicht werden. (In St. Pölten passiert dies bis dato nicht.) • Der Budget-Voranschlag sowie der Rechnungsabschluss müssen in Zukunft im Internet veröffentlicht werden. (In St. Pölten passiert dies bereits.) • Der mittelfristige Finanzplan einer Stadt muss zukünftig nicht für vier, sondern für fünf Jahre erstellt werden. • Gemeinderäte dürfen in Zukunft zu Sitzungen auch via Email eingeladen werden, was Verwaltungskosten sparen soll.

Was (noch) nicht kommt? • Live-Übertragungen von Gemeinderatssitzungen via Internet kommen doch (noch) nicht. • Berichte und Unterlagen, die Grundlage für Entscheidungen im Gemeinderat waren, müssen nicht veröffentlicht werden. • Jene Unterlagen, die als Grundlage für geplante Abstimmungen im Gemeinderat dienen, müssen nach wie vor nicht den Mandataren per Email übermittelt werden. Die Mandatare müssen vor Ort in die Unterlagen Einsicht nehmen und für Kopien zahlen. • Ausschusssitzungen, in denen zu konkreten Fachbereichen wie Verkehr, Finanzen, etc. diskutiert wird, bevor Entscheidungen in einer öffentlichen Gemeinderatssitzung fallen, werden weiterhin nicht öffentlich zugänglich sein. So soll ein Austausch von Standpunkten möglich sein, ohne dass die Mandatare dabei auch auf ihre Außenwirkung Rücksicht nehmen müssen.

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Kennen Sie das? Sie kaufen in einem Baumarkt voll Tatendrang Elektromaterial ein und kehren alsbald, weil „das Klumpert“ nicht passt, entnervt zurück, um sich bei einem Mitarbeiter zu informieren – tja, wenn Sie den nur finden könnten. Und wenn Sie ihn dann endlich gefunden haben, meint er nur lapidar: „Bei mir sans foisch, homs es scho in der XY-Abteilung probiert.“ Das treibt Sie in den Wahnsinn? Dann werden Sie das Servicecenter von Klenk & Meder lieben. Oldschool is good school – Reparatur im Haus Egal ob „Weißware“ wie Kühlschränke oder „Braunware“ wie Fernseher – Anton Stiefsohn (seit 40 Jahren im Haus) und sein Team reparieren defekte Haushaltsgeräte! „Bei uns muss sich der Kunde seine Ersatzteile nicht selbst zusammensuchen, wir übernehmen die komplette Reparatur“, so Stiefsohn. Kaffeemaschinen etwa werden direkt im Haus repariert, nicht irgendwohin eingeschickt. „Wir garantieren bestmögliches Service!“

Darf’s was Neues sein?

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er Kunde ist König. Deshalb wird der Eintretende bei Klenk & Meder gleich an zentraler Stelle in Empfang genommen. Egal ob man eine neue Waschmaschine benötigt, die geliebte Kaffeemaschine streikt und einer Reparatur bedarf oder eine passende Alarmanlage sucht – man wird sofort betreut und in die Obhut des zuständigen Kollegen übergeben. „Wir wollen, dass der Kunde die kürzestmögliche Wartezeit hat, daher sind wir nun räumlich zusammengewachsen und bieten so unsere Leistungen kompakt auf einer Ebene“, erklärt Roman Kothmeier das neue Serviceprinzip. Der Verkaufsleiter von Klenk & Meder ist bereits seit 33 Jahren im Haus und kennt sich Bestens in allen Bereichen aus – so wie das gesamte Team von Klenk & Meder, allesamt erfahrene Elektrotechniker und -verkäufer. Jeder für sich ein Spezialist im jeweiligen Segment, die nunmehr in Kompetenzzentren zusammengefasst sind. Kompetentes Service- und Reparaturpersonal, gute Beratung und Zeit für die Kunden sind selten geworden in der Elektronikbranche. Doch bei Klenk & Meder findet man diese Tugenden noch – und das macht den großen Unterschied. „Es ist verdammt hart, der Beste zu sein“, heißt der Slogan eines Lebensmittelhandels. In der ElektroBranche trifft er eindeutig auf Klenk & Meder zu!

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Josef „Sepp“ Weidinger

Voll das Leben

Er ist einer der „großen Alten“ der Stadt: Josef „Sepp“ Weidinger. Der legendäre „rote“ Baumeister führte zu Spitzenzeiten nicht nur ein Bauimperium mit fast 1.000 Mitarbeitern, sondern erlebte noch Systemzeit und Zweiten Weltkrieg hautnah mit, gehörte dem sagenumwobenen Club 45 an und erfand sich beruflich mit 65 Jahren notgedrungen nochmals neu. Über einen 89-jährigen Jungspund.

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enn man ein bisschen erahnen möchte, wie Josef Weidinger tickt, braucht man nur das seinen Memoiren vorangestellte Zitat zu lesen: „Körperlich ist er leistungsfähig und gewandt, zeigt jedoch nur geringe straffe Haltung. Großer Unfleiß und unentschuldigtes Fernbleiben vom Unterricht sind die Ursachen für den minderen Gesamterfolg des nur mäßig begabten Jungen.“ Das sind nicht, wie unschwer erkennbar, die hochtrabenden Weisheiten eines Philosophen, sondern es handelt sich um die Beurteilung Weidingers durch seinen Klassenlehrer der 6. Klasse. Da schimmert schon ein bisschen dieser feine, lebensbejahende Humor durch, mit dem Weidinger auf die Welt um sich blickt, gepaart mit einem Schuss Verschmitztheit. Zugleich wirkt es wie eine dem damaligen Lehrer, der zugleich das eigene Schicksal verkörpert, unter die Nase geriebene Antwort: „Da bist du aber schön falsch gelegen. Schau her, was aus mir geworden ist!“ Ein junger alter Mann von 89 Jahren, 34

der durchaus gelassen auf ein erfülltes, wenngleich herausforderndes Leben zurückzublicken scheint, das er mit folgender, dem Buch vorangestellter Zeile, so zusammenfasst: „Wundervolle und stürmische Jahre voller Leben“. Ein Herz in Wagram Ein Leben, das sich – obwohl Weidinger die halbe Welt bereist hat – wohn- und herzenstechnisch immer um den Kristallisationspunkt Wagram-Purkersdorferstraße abgespielt hat, wo er noch heute in seinem in den 80’er Jahren selbst errichteten Haus lebt. Nur einen Katzensprung davon entfernt wirft die ehemalige Zwetzbachermühle ihre Schatten in den Garten herüber, als wären es zugleich die Schatten der eigenen Vergangenheit – immerhin wurde Weidinger im ersten Stock der Mühle geboren. „Dahinter war ein großer Bauernhof, das war unser Spielplatz.“ Dort verbrachte der Junior vornehmlich seine Zeit, wenn er nicht gerade im Wirtshaus im Erdgeschoss steckte – freilich nicht als

Gast, sondern interessierter Beobachter der Szenerie sowie helfende Hand, führte seine Mutter doch den Betrieb. Der Vater wiederum war Baumeister, selbstredend dass das Unternehmen nur einen Steinwurf von der Mühle entfernt lag. Mit der Zwetzbachermühle wuchs der kleine Sepp zugleich, nichts ahnend, in einem sehr politischen Umfeld auf. Immerhin war Josef Zwetzbacher, der Christlichsozialen Partei zuzählend, Landeshauptmann Stellvertreter von Niederösterreich. Da konnte es schon vorkommen „dass Engelbert Dollfuss, wenn das große Tor zugesperrt war, durch die Wirtsstube durchmarschierte.“ Viel Aufsehen erregte dies allerdings nicht, da faszinierte den etwa zehnjährigen Buben die Bildhauerarbeit von Wilhelm Frass, der im Zwetzbacher Hof die große Dollfuss-Säule für den Domplatz schuf, schon mehr. Obwohl im Wirtshaus der Mutter sowohl Bauern als auch Arbeiter anzutreffen waren, „die sich im Großen gut verstanden haben, eine einigende Klammer war diesbe-


TEXT: Johannes Reichl | Fotos: Archiv Weidinger/Erich Hebenstreit, Simon Höllerschmid

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Es konnte schon vorkommen, dass Dollfuss durch die Wirtsstube spazierte.

züglich die Feuerwehr“, bekam der Junge doch auch die allmähliche Radikalisierung der Gesellschaft mit. „Einmal etwa spielte im Pavillon im Park eine Musikkapelle auf. Als sie den Freiheitsmarsch anstimmte, mussten sich die Musiker rasch verstecken, weil man sie verprügeln wollte.“ Und auch auf den Baustellen des Vaters schlägt sich der Riss durch die Gesellschaft unmittelbar durch. „Mein Vater hatte 1936 den Auftrag bekommen, einen Teil der Berufsschule zu bauen, und stellte dafür Maurer aus Wagram an. Immer wenn der damalige Vizebürgermeister Müllner zur Kontrolle auftauchte, nahmen die Wagramer Reißaus, weil sie nicht der Vaterländischen Front angehörten.“ Eine „wilde“ Zeit Eingebrannt hat sich Weidinger auch der Einmarsch der deutschen Wehrmacht im März 1938. „Da war ein unvorstellbarer Jubel auf den Straßen. Ich wollte mir auch gleich ein kleines Hakenkreuz anheften, weil mir das so gefallen hat – aber das haben mir meine Eltern verboten.“ Freilich nicht aus Antipathie gegenüber dem neuen Regime, „son-

dern aus Respekt vor Zwetzbacher.“ Den Nazis standen die Weidingers durchaus positiv gegenüber. „Es waren ja fast alle pro Hitler. Da war einfach eine große Hoffnung spürbar, dass jetzt alles besser wird. Es gab ja damals zig Arbeitslose – bei uns im Wirtshaus sind sie gesessen, und konnten sich gerade mal ein Viertel Most leisten – mehr war nicht drin.“ Als Weidinger 1942 im Alter von 18 Jahren – der vermeintliche Blitzkrieg ist mittlerweile Alltag geworden – zu den Panzerpionieren in Klosterneuburg einrücken muss, glaubt er „nach wie vor wie die meisten von uns an den Endsieg.“ Er gelangt nach Frankreich, wo er bei einer Brückenkolonne eingesetzt wird. „Das waren rund 150 LKW! In Süd-Lyon haben wir etwa eine 120 Meter lange Brücke über die Loire gebaut. Nach 24 Stunden war sie fertig und der erste Königstiger, damals der schwerste Panzer, konnte drüberfahren“, ist er noch heute von der Ingenieurskunst fasziniert: „Dort habe ich eigentlich erst richtig bauen gelernt.“ Es ist ein böser Zynismus des Schicksals – in gewisser Weise auch

GASTHAUS DANZINGER. Hier erlebte der kleine Sepp (im Hintergrund, mitte, die Eltern) „un-

beschwerte Jahre“. Arbeiter und Bauern verkehrten, noch, einmütig, auch dank der Feuerwehr.

Ausdruck eines kriegsimmanenten Alltagsirrsinns – dass er am 8. März, also kurz vor Ende der Kriegshandlungen, in ein Gefecht mit Folgen verwickelt wird. „Unser Feldwebel war so betrunken, dass er anstelle Richtung Deutschland – wie unser Befehl lautete – unabsichtlich genau in die Gegenrichtung fuhr, also dem Feind direkt in die Arme.“ Weidingers Tross gerät unter Beschuss. „Ich bin vom Lastwagen hinunter gehechtet, habe mich hinterm Hinterrad verschanzt und wurde von einem Explosivgeschoss gestreift.“ Als er sich wieder hervorwagt, liegen auf dem Lastwagen fünf tote Kameraden, und seine rechte Hand scheint nur mehr Matsch zu sein. Weidinger kommt ins amerikanische Kriegslazarett, „wo 20.000 Verwundete von rund 3.000 Ärzten versorgt wurden – die meisten waren deutsche Ärzte in Kriegsgefangenschaft.“ Glück im Unglück für Weidinger, denn ein Arzt namens van Ackeren kann seinen rechten Arm vor der Amputation retten. Den Ringfinger verliert er aber dennoch. Erst Ende 1945 kehrt der junge Mann aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Wenn man ihn heute nach einem Fazit über die Kriegsjahre fragt, meint er fast lakonisch: „Es war eine wilde Zeit.“ Und dann kam Emmi „Eine schreckliche Zeit“ werMFG 09.13

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DIE GROSSE LIEBE. 1966 heiratet Weidinger seine Emmi. Noch heute leuchten seine Augen, wenn er von ihr erzählt. „Sie war nicht nur unheimlich hübsch, sondern v. a. blitzgescheit!“

den für ihn, wie er es formuliert, auch die ersten Nachkriegsjahre. „Ich musste ja plötzlich alles mit links machen – links zeichnen, links schreiben lernen – das kann ich bis heute nicht sehr gut.“ Trotzdem beißt sich der junge Mann auf der technischen Hochschule durch und avanciert 1956 zum staatlich geprüften Baumeister. Dass er trotz seiner Behinderung nicht vor „Selbstmitleid“ zerfließt, verdankt er seiner robusten, stets lebensbejahenden Art. „Ich war immer ein positiver Mensch! Außerdem gab es doch so viele schöne Mädchen und Vergnügungen“, lächelt er verschmitzt. Die schönste von allen war aber Emmi, die er gegen Ende der 50’er Jahre bezeichnenderweise in der „Kurvenbar“ – auch diese selbstredend in seinem Wagramer Grätzel situiert – kennen und lieben lernt. „Emmi war die große Liebe meines Lebens“, schwärmt er, und noch heute beginnen seine Augen zu leuchten, wenn er von seiner verstorbenen Gattin erzählt. „Sie war nicht nur unheimlich hübsch, sondern vor allem blitzgescheit.“ Die ehemalige RAVAG Journalistin, die späterhin selbst zur St. Pöltner Ikone avancierte, weil sie mit ihrer Boutique EMMI quasi die Haute Couture in St. Pölten einführte, bringt drei Kinder in die Beziehung 36

mit ein – für damalige Verhältnisse, wir befinden uns im SechzigerjahreMief einer prüden Provinzstadt, Grund genug für echauffiertes Getuschel hinter vorgehaltener Hand. Die Nonkonformisten Sepp und Emmi lassen sich davon aber nicht entzweien, und heiraten schließlich – wenngleich geheim – 1966 in Salzburg. Der Beginn einer lebenslangen Ehe. Als Emmi 2002 überraschend stirbt, ist das „der größte Schmerz meines Lebens“, wie Weidinger gesteht. Wieder ist es seinem lebensbejahenden Naturell zu danken, dass er die tiefe Trauer schließlich überwindet. „Ein Mensch muss das aushalten“, sagt er heute fatalistisch, und seine „Bibi“, wie er seine Frau nannte, scheint nach wie vor allgegenwärtig. Nicht nur, dass bereits das Haus selbst, das zum Großteil von ihr geplant worden war, Ausdruck ihres weltoffenen und großzügigen Charakters darstellt, hat Weidinger zudem überall Bilder des gemeinsamen Lebens aufgehängt. Auch ihr Zimmer hat er so belassen, wie es war. Der „rote“ Baumeister Emmi hat auch Weidingers gesamtes Berufsleben, alle Höhen und Tiefen, von Anfang an miterlebt und mitgelebt. Als Weidingers Vater 1959

stirbt, übernimmt der Sohnemann gemeinsam mit seiner Schwester den väterlichen Betrieb. Was wie eine Selbstverständlichkeit wirkt, ist vor allem eine Herzensangelegenheit. „Am Bauen hat mich eigentlich alles interessiert: Das Handwerk, die Baustoffe, das Planen, die zwischenmenschlichen Prozesse.“ In seinem Buch, und das gibt durchaus Einblick in seinen Zugang zum Beruf, hat er dem Kapitel über das Bauunternehmen folgendes Zitat vorangestellt: „Du musst geben, bevor du nimmst, und bauen, bevor du wohnst.“ Bauen als Prozess, „in dem es immer um ein Miteinander geht.“ Und auch um Netzwerken, Umgarnen, Einkochen – eine Klaviatur, die der gesellige und leutselige Baumeister ausgezeichnet zu spielen versteht: „Das war sicher eine Stärke von mir. Im Grunde genommen war ich ja mein Leben lang auf Auftragssuche.“ Aufträge, die er mit Fortdauer der Jahre mit zunehmendem Maße vor allem von SPÖ-nahen Institutionen, Genossenschaften, Gemeinden und Betrieben bekommt, was ihm alsbald den Titel „roter Baumeister“ einträgt. Eine politische Punzierung, die aber weniger parteipolitischer Überzeugung, denn kühler Pragmatik geschuldet scheint. „Ich bin in Wahrheit kein politischer Mensch! Tatsächlich ist die ganze Parteipolitik ja kindisch. Es geht immer nur ums Gewinnen, nie ums Teilen. Aber durch die Politik haben sich Zugänge erschlossen. Und da die schwarze Hemisphäre damals schon von Julius Eberhardt besetzt war, blieb mir nur die rote“, schmunzelt er. Club 45 In dieser steigt er bis in die höchsten Kreise auf. Parteisekretäre, Gewerkschaftsbosse, Spitzenfunktionäre, Bürgermeister, Genossenschaftspräsidenten, ja selbst Bundeskanzler Kreisky und sein Stab zählen zu Weidingers Gästen und Freunden. Auch im berühmt-berüchtigten Club 45 von Udo Proksch wird er Mitglied,


Voll das Leben

inmitten von „Künstlern, Ministern, Bankdirektoren, Industriekapitänen – das war ein buntgemischtes Publikum.“ An Udo Proksch selbst erinnert sich Weidinger „als guten Gastgeber. Er war ein sehr auffälliger Typ.“ Für einen Mörder hält er ihn hingegen nicht. „Er wollte einen Versicherungsbetrug inszenieren, weil er Geld brauchte. Dass am Schiff auch noch die Mannschaft war, als sie es versenkten, war glaub ich ein Unfall, nicht Vorsatz.“ Und wie stand es um die angeblichen Ausschweifungen im Club 45? Da schüttelt Weidinger herzhaft lachend den Kopf. „Also, mag ja sein, dass manche Herren nachher noch irgendwohin auf ein Gspusi entschwunden sind, aber dort in den Räumen des Demel ist sicher nix gewesen. Das war ja eine hochseriöse Angelegenheit, wo es regelmäßig Veranstaltungen gesellschaftlicher Natur gegeben hat – auch Emmi war oft mit. Und es gab die besten Schinkenfleckerl der Welt!“ Vor allem sei der Club 45 aber ein idealer Ort zum Netzwerken gewesen, wo man rasch und unkompliziert ins Gespräch kam. „Ich kann mich etwa erinnern, dass die VOEST für die Stadt Wien Fertigteilhäuser bauen sollte, und wir konnten das genausogut. Da hab ich Rüdiger Proksch, den Bruder von Udo, gebeten,

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Im Grunde genommen war ich mein ganzes Leben lang auf Auftragssuche.

mir einen Termin bei Bürgermeister Gratz einzufädeln. Dieser kam auch tatsächlich zustande und war eine Angelegenheit von gerade mal fünf Sekunden. Gratz meinte nur: ‚Jo, des mach ma!‘, und ich hatte plötzlich einen Auftrag für 500 Häuser in der Tasche!“ Gut geschmiert? Inwiefern, was der Baubranche ja gerne nachgesagt wird, zur Erlangung derartiger Großaufträge auch geschmiert werden musste, ist wohl eine Frage des Blickwinkels. Weidinger erzählt dazu folgende Geschichte: „Ich habe dem Marsch – das war der Parteisekretär vom Kreiksy und ein guter Freund von mir – einmal als Dankeschön 100.000 Schilling als Parteispende mitgebracht. Da hat er gemeint ‚Das ist lieb Sepp, aber steck das wieder ein. Das ist bei uns nicht erwünscht.‘“ Kleinere Dienste, wie etwa das Aufstellen von Wahlplakaten oder manch Robe für die Damen seiner Geschäftspartner „deren Konfektionsgrößen Emmi alle kannte“, waren für Weidinger hingegen Selbstverständlichkeiten. „Mit Korruption

ROTER BAUMESITER. „Die schwarze Hemisphäre war von Eberhardt besetzt, da blieb mir nur die rote.“ In dieser steigt Weidinger ganz nach oben, ist auf Du & Du mit den Parteigranden.

hatte das aber nichts zu tun. Das ist ja das Jämmerliche heute. Früher hat man nichts dabei gefunden, wenn man einem Freund geholfen bzw. sich für Hilfe bedankt hat. Es war alles viel ehrlicher. Heute hingegen traut sich keiner mehr irgendetwas. Dadurch gehen aber die freundschaftlichen Beziehungen flöten, die Lockerheit ist verloren gegangen“, ortet er einen übertriebenen Kontrollzwang und ein too much an political correctness, die in Wahrheit verlogen sei „weil die wirklichen Gfrasta, wo es um 100.000e Euro und mehr geht, sowieso nicht erwischt werden.“ Dass man umgekehrt seine Kontakte nutzte, was heute gemeinhin unter dem ebenfalls in Verruf geratenen Begriff „Lobbying“ verstanden wird, sei nicht nur selbstverständlich, sondern existenziell gewesen. „Ich war ja immer unterwegs in fishing for Aufträge, da konnte man sich nicht zurücklehnen.“ Gefallener Engel Trotz all seiner Beziehungen kann Weidinger aber nicht verhindern, dass sein Unternehmen und bisheriges Lebenswerk – immerhin gilt er mit seinem Stoff „Prefab“ u. a. auch als Pionier der Fertigteilbranche in Österreich – in einer Art kalter Enteignung Ende der 80’er verloren geht – das Ergebnis einer Intrige, wie er überzeugt ist. Nach Einstieg seiner Hausbank BAWAG bei der Neuen Reformbau wird seine Firma zum „Problemfall“. Plötzlich ist einer zu viel im Genossenschaftsteich – und der zu viel bzw. das schwächste Glied in der Kette ist Weidinger. „Wir hatten damals zwar hohe Schulden, zugleich aber volle Auftragsbücher – die Umsatzzahlen erreichten die Milliarden-Grenze, der Personalstand bewegte sich um 1.000 Mitarbeiter.“ Fast traumatisch hat sich ihm jener „unMFG 09.13

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schöne Tag“ eingebrannt, als er und seine Schwester nichts ahnend einer „Einladung“ von BAWAG Generaldirektor Flöttl nach Wien folgen und sich in dessen Büro plötzlich einem regelrechten Tribunal aus Bankern gegenüber sehen. Noch vorort wird Weidinger vor die Alternative gestellt: Entweder er stimmt zu, dass die BAWAG seine Baufirma übernimmt, oder es wird Konkurs verhängt. „Da hab ich unterschrieben.“ Noch am selben Tag fahren in St. Pölten „in einer Wild West Attacke“, wie es Weidinger formuliert, die Banker vor und besetzen die Büros. „Nur mich haben sie komischerweise in Ruhe gelassen“. Mit einem Mal fällt der rote Baumeister von ganz oben nach ganz unten. Von den honorigen Genossen und Bussifreunde ist nichts mehr zu sehen „weil sie sich nicht mit der Gewerkschaft anlegen wollten. Es war, als hätte ich plötzlich überhaupt keine Freunde mehr“, erinnert er sich zurück. Und während andere im Alter von 65 Jahren ihren wohlverdienten Ruhestand antreten, heißt es für den Baumeister nochmals zurück zum Start: „Ich hatte ja noch Schulden am Haus, musste also arbeiten.“ Im Keller seines Hauses richtet 38

er sich „als Alleinunterhalter“ ein Architektur- und Planungsbüro ein. Seinen ersten Auftrag erhält er – die St. Pöltner Genossen haben ihren Sepp im Gegensatz zu den Wienern nicht vergessen – von der Wohnungsgenossenschaft St. Pölten: „Da habe ich praktisch vom ersten Krawattenknopf bis zur letzten Türklinke alles selbst gezeichnet“, erzählt er nicht ohne Stolz. Und er macht seine Sache so gut, dass alsbald das Geschäft wieder floriert. Auch ein Schuss Genugtuung widerfährt ihm: Bald nach der Übernahme seiner Firma meldet sich nämlich der Generaldirektor der Neuen Reformbau bei ihm. Offensichtlich ist man zur Erkenntnis gelangt, dass man zwar den Feind aus dem Weg geräumt, mit ihm aber auch den talentierten Auftragsfischer und seine lukrativen Kontakte verloren hat. „Daher hat er mir einen Konsulentenvertrag angeboten. Für jeden an Land gezogenen Auftrag sollte ich ein Honorar in Höhe von 3% der akquirierten Summe erhalten – das hat mir natürlich sehr gefallen“, schmunzelt Weidinger.

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Unruhestand In den Ruhestand ist er daher nie wirklich getreten, „und selbst heute fühl ich mich nicht als Pensionist, obwohl ich natürlich einer bin – alles andere ist ja lächerlich!“ Aber „Ruhestand“ trifft es nun wirklich nicht. Nach wie vor läuft Weidingerst Geist wie ein DuracelHäschen und lässt die meisten Jüngeren einigermaßen alt aussehen. Auch körperlich trotzt er, so gut es eben noch geht, dem Zahn der Zeit: „Jeden Tag in der Früh setze ich mich für eine halbe Stunde auf den Heimtrainer.“ Im Anschluss fährt er mit dem Auto ins Punschkrapferl zum Frühstücken, danach frönt er dem, was er immer am meisten liebte: Dem Kontakt mit Menschen, dem „Netzwerken“, „wobei einer der großen Vorteile des Alters darin besteht, dass man sich seine Gesprächspartner aussuchen kann“, lacht er. Solch gern gesehene Gesprächspartner und Gäste sind unter anderem seine ehemaligen Klassenkameraden, die alljährlich – seit 1946 – bei Weidinger das Klassentreffen zelebrieren. Mitte September ist es wieder soweit, Weidinger ist schon mitten in der Planung. Wie viele da überhaupt noch kommen? Weidinger setzt sein verschmitztes Lächeln auf, überlegt kurz, und meint dann in Anlehnung an den Filmklassiker „Das dreckige Dutzend“: „So ungefähr das letzte Dutzend!“ Seinen Humor, seinen Optimismus und seine ungebrochene Neugierde hat sich Weidinger bis heute erhalten, ebenso wie sein Gespür für die Schönheiten des Lebens. Sie halten ihn jung. Als er inmitten des Gesprächs plötzlich fragt „Und, trink ma an Champagner?!“, und das an einem Montag um 14 Uhr herum, kann die Antwort daher nur lauten: „Unbedingt!“ Voll das Leben eben – und das steckt immer im Moment, nie im Alter.

Ein Vorteil des Alters ist, dass man sich seine Gesprächspartner aussuchen kann.


Das „WEIDINGER-St. PÖLTEN“ (AUSWAHL)


SHORTCUT KULTUR

Klingendes Österreich

Thomas Fröhlich

Man trägt Bisenz

Expansionsdrang Es kommt nicht so oft vor, dass „St. Pöltner“ Geschäftsmodelle in die Welt hinausgetragen werden: Aktuell expandieren aber gleich zwei renommierte Kultur- bzw. Unterhaltungsbetriebe. Zunächst eröffnen Alexander Syllaba

und Clemens Kopetzky im Beethovenkino Baden einen Ableger ihres Cinema Paradiso. Grundkonzept, Programmierung und Fördersitutaion sind ähnlich wie in St. Pölten. „Wir wollen auch in Baden gesellschaftlicher Treffpunkt werden“, verrät Syllaba gegenüber der „Presse“, was sicher gelingen wird. Nach Graz wiederum verschlägt es NXP. Dort eröffnet man Ende des Jahres einen Ableger von LASERTRON. „Wir haben die Europalizenz für LASERTRON“, so NXP Geschäftsführer René Voak, „von Beginn an war der Plan, das Format europaweit zu positionieren. Jetzt passen die Parameter für den ersten Step hinaus aus St. Pölten – läuft dieser erfolgreich, lässt dies viel Fantasie für die Zukunft offen!“

© die damen Foto: Wolfgang Woessner VBK 2013

Als Kabarettist ist Alexander Bisenz ein Begriff. Weniger bekannt ist, dass der St. Pöltner auch mit seiner Leidenschaft zur Bildenden Kunst, der er ab etwa Mitte der 90er Jahre verfällt, immer größere Erfolge feiert. Malt Bisenz mit der ihm ureigensten Technik zu Beginn ganz „klassisch“ Bilder, erweitert er seinen „Aktionsspielraum“ sukzessive. Seit zwei Jahren widmet er sich z. B. auch dem Möbeldesign, und so nimmt es wenig Wunder, dass immer mehr Flächen und Medien Bisenz tragen: vom Auto über Möbelstücke und Böden bis hin zu Pools und Objekten im Öffentlichen Raum. Während Bisenz als Kabarettist quasi zum „Lautsein“ verdammt ist, stellt die Kunst eine Art Rückzugsraum dar, wie er 2012 in einem Interview verriet: „Die Malerei, mit der ich mich ja sehr intensiv beschäftige, ist im Gegensatz dazu ja ein sehr stilles Medium, sie ist defensiv.“ Kabarett spielt er aber selbstredend auch noch! Aktuell ist er mit seiner Best Of Tour „Bisenz is Letzte“ unterwegs und gastiert damit am 30. November in der Bühne im Hof. www.bisenz.at

Fotos: Simon Höllerschmid, Bisenz, zVg

2013. Ganz St. Pölten ist in den Händen elektronischer Musikschaffender und Alternative/Indie-Klangerzeuger. Ganz St. Pölten? Nein. Denn obwohl das oben Erwähnte auf recht hohem Niveau die Ohren der Zuhörerschaft erfreut (ob als heimische Acts oder im Rahmen eines internationalen Festivalaufgebots), existiert eine – gar nicht so – kleine unbeugsame Szene, die der mehr oder weniger rein akustischen Tonschmiedekunst den Vorzug gibt. Lyra statt Laptop, Fiedel statt Festplatte, wenn man so will. Man darf gerne auch Folk dazu sagen. Wobei es durchaus Unterschiede gibt: Für die etwas gesetzteren Semester (30+) haben wir zum Beispiel den fein-erdigen Folk(rock)-Sound á la Opfekompott, für die stürmende und drängende Jugend etwa den skandinavisch geflavourten Pagan bzw. Crossover Folk von Vodjanoj. Wer jetzt „Retro!“ ruft, liegt jedoch falsch. Es geht hier eher um eine sehr direkte musikalische wie emotionale Kommunikation mit dem Publikum, die nicht zuletzt über eine starke handwerkliche Komponente verfügt. Die Beherrschung der jeweiligen (Natur-) Instrumente dient hier gleichsam als Interface. Die Folk-Musikerinnen und -Musiker selbst sind selten Puristen – nicht wenige verfügen über einen recht befruchtenden Rock-, Metal- oder Elektronik-Background bzw. agieren regelmäßig in einem solchen Umfeld. Und dennoch zieht es sie immer wieder zurück zum Akustischen. Vielleicht entspringt dieser neue Folk einer Form von Sehnsucht – nach Überschaubarkeit, nach einer No Tricks-Haltung, die uns eh immer mehr abhanden kommt. Und, ehrlich gesagt, die alte Apfelsorte vom heimischen Obstgarten schmeckt halt auch besser als das AgrarindustrieKlumpert.

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Weisheiten

GrüSSe aus Chinatown, NÖ

Sie lebt im Neulengbach des 21. Jahrhunderts und gleichzeitig im Shanghai der 1920er Jahre. Sie ist eine Wanderin zwischen den Ost- und Westwelten. Sie schreibt außergewöhnliche, historische Krimis, die sie gerne auch in St. Pölten präsentiert: Clementine Skorpil. Und so manches kommt ihr Chinesisch vor.

Primadonna

Foto: zVg

„Hallo Liebling, du, mach dir jetzt keine Sorgen, aber ich bin grad nach einem Stromschlag im Krankenhaus. Wollt den Boiler reparieren, und hab eh den FI abgeschalten – nur, der Boiler hat einen eigenen Stromkreis!“ „Ist mir schon klar, warum sich ihr Handy aufgehängt hat, da sind viel zu viele Programme offen! Drehen sie das Gerät auch hin und wieder ab? Einmal in der Woche sollte man das jedenfalls machen!“ „Ähh ... aha!“ Da wächst man mit so vielen Weisheiten auf, wird von Eltern und Lehrern gebrieft fürs Leben, und dann weiß man solch essentielle Sachen nicht? Ich weiß etwa, dass mein WehWeh wieder gut wird, bis ich heirat und ich nach dem Essen ruhn oder tausend Schritte tun soll. Mir wurde gelernt, dass der Klügere nachgibt, ich mir den Magen verpick, wenn ich vom rohen Teig nasche, ich nicht so viel fernsehen soll, weil ich sonst viereckige Augen bekomme und die­se sowieso stecken bleiben, wenn ich schiele. Aber HALT! Ich werde diesen Teufelskreis durchbrechen: Mein Sohn wird die ultimativen Tipps mit auf den Weg bekommen: Er soll wissen, wie man einen Erlagschein ausfüllt, die Steuererklärung macht und sein facebook Profil nur für Freunde sichtbar macht. Er wird eine Glühbirne ohne Stromschläge wechseln können und ein perfektes Dinner mit gefalteten Schwan Servietten hinlegen können. Er wird nicht nur zehn Dinosaurierarten kennen sondern auch zehn Komponisten und zehn Varianten eine Frau sexuell zu befriedigen. Wichtig wären dann noch die Basics zum Bau eines eigenen Hauses und wie man in der freien Natur überlebt. Puh! Mir schwirrt der Kopf, bei so viel Wissen muss ich sofort mit dem Unterricht beginnen: “MAXIMILIAN! Mach jetzt weiter und iss auf, damit morgen die Sonne scheint!!!”

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hanghai 1926. Eine ehrwürdige, ältere Frau vom Lande trifft ein, um nach ihrer verschwundenen Enkelin zu suchen. Der Weg führt sie durch eine vorrevolutionäre Stadt, die sich die europäischen Kolonialherren und Firmen untereinander aufgeteilt haben. Die Spur führt in prunkvolle Herrschaftspaläste, verdreckte Armen-Baracken sowie noble (und auch weniger noble) Kurtisanenhäuser. Je weiter sie sich vor wagt, desto mehr gerät sie in einen Strudel aus Gewalt, Hoffnungslosigkeit, Unterdrückung und Widerstand, letzterer personifiziert durch einen jungen, idealistischen Studenten, der soeben die Schriften von Marx und Lenin entdeckt hat und der Frau vom Lande bei ihren verzweifelten Ermittlungen hilft. „Die damalige Situation ist ja durchaus mit der jetzigen, globalen vergleichbar“, meint die Sinologin und Schriftstellerin Clementine Skorpil zu ihrem zweiten – soeben beim Ariadne-Verlag erschienenen – Roman „Gefallene Blüten“. Wien 2013. Skorpil und der Schreiber dieser Zeilen sitzen im Ostwind, einem chinesischen Lokal, das authentische Szechuan-Küche anbietet, die – nicht nur punkto Schärfe – vom handelsüblichen Chinalokal-Einheitspampf so weit entfernt ist wie, sagen wir, Skorpils Krimis von der regional- und gegenwartsfixierten Formelhaftigkeit eines Großteils heimischer Genreware. Ein wunderbarer Ort für ein Interview mit einer Frau, die Infotainment im besten Sinne bietet. In ihren beiden Krimis, „Fuchsgeister“ und – aktuell im Ariadne-Verlag erschienen -– „Gefallene Blüten“, ge-

währt sie neben einer spannenden Krimihandlung nämlich auch hervorragende Einblicke in die Geschichte des „Reiches der Mitte“ und macht so die brüchige Beziehung zwischen Ost und West für die Leserinnen und Leser erfahrbar. Vor einigen Wochen durfte man sich auch im Rahmen einer Lese-Matinee im Cinema Paradiso davon überzeugen. „Für mich hat‘s immer geheißen: Ex oriente lux. Die Europäer sind ja nicht die einzigen, die eine Zivilisation zustande gebracht haben.“ Sie ergänzt: „Sprachen mit einer anderen Schrift haben immer schon einen großen Reiz auf mich ausgeübt. Erst dachte ich an Arabistik – aber mir wurde gesagt, dass man das nur erlernen könnte, wenn man lange Jahre dort verbringt … und am besten einen arabischen Freund hat. Hatte ich nicht.“ Lacht. „Also wenn schon nicht der Nahe, dann gleich der Ferne Osten.“ Sie grinst sich eins. Das Essen wird serviert; und während die Gewürze langsam ihre Wirkung zeigen und – vor allem beim Interviewer – für temporäre Stimmausfälle sorgen, hier also einmal die Biografie der Schriftstellerin im Schnelldurchlauf: Geboren 1964 in Graz, studierte Skorpil Sinologie und Geschichte an der Universität Wien. Während des Studiums absolvierte sie ein Auslandssemester an der Shifan Universität in Taiwan. In ihrer Diplomarbeit untersuchte sie den Topos des Todes in der chinesischen Lyrik des 17. Jahrhunderts. Für diese Arbeit übersetzte sie sechzig Gedichte ins Deutsche, von denen ein Großteil bis dato in keiner anderen europäischen


TEXT: Thomas Fröhlich | Fotos: Helmut Skorpil

Sprache vorliegt. Seit 2000 ist Skorpil selbständige Journalistin und Publizistin, seit 2008 auch Lektorin der Tageszeitung Die Presse. Sie lebt mit ihrem Gatten und ihren beiden Kindern in Neulengbach. Nach glücklich überlebter Hauptspeise nun die Frage, weshalb sich die Autorin so intensiv mit dem Thema des Todes beschäftigt hat: „Ich suchte etwas, das in allen Kulturen Grundsätzliches darstellt. Das sind Liebe und Tod. Und die Liebe war mir zum Beackern etwas zu umfangreich.“ Skorpil lacht – wieder einmal. Sie selbst sieht das recht gelassen: „Lu Hsun hat sinngemäß gesagt: ‚Da der Tod nur einmal im Leben geschieht, lässt sich das aushalten.‘“

Der Tod ist in ihren Krimis allgegenwärtig. Zum Schreiben sei sie ja über die Sinologie gekommen – „ich wollte mich mit Geschichte nicht nur von der wissenschaftlichen Seite her beschäftigen, sondern das mit Hilfe der Literatur auch erlebbar machen.“ Und da sie aus einer sehr literaturaffinen Familie stammt (ihr Onkel Herbert Eisenreich aus dem DodererUmfeld etwa), „waren – neben meinen Kurzgeschichten – Krimis die einzige Gattung, derer sich noch niemand in der Familie angenommen hatte.“ Sie ergänzt: „Da konnte ich auch dem Erwartungsdruck ein we-

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nig ausweichen.“ Generell seien für sie beim Schreiben einmal eine gute Story und ein glaubwürdiges Setting mit lebendigen Charakteren wichtig. Von aufgesetzten Belehrungen halte sie wenig, „aber wenn jemand beim Lesen meiner Bücher Parallelen zur Gegenwart zieht“, sei das nicht schlecht. Denn „heute wie damals leben wir in einer Krise. Wenn ich mir die billigen Arbeitskräfte in den Sweatshops ansehe … und in diesem sozialen Elend sind immer die Kinder die ersten Opfer.“ Sie taucht in die Welt ihrer Protagonisten ein, bewertet deren Verhalten allerdings nicht aus einer hundert Jahre später angesiedelten Besserwisserei heraus. Das kann die Leserschaft, wie bei „Fuchsgeister“ etwa, gelegentlich auch etwas befremden, wenn beispielsweise das windelweich Prügeln von minderjährigen Dienern zur selbstverständlichen Normalität zählt. Aber genau diese – scheinbar – distanzlose Erzählebene ist es, die ihre Bücher letztendlich so faszinierend machen. Hier werden nicht aus Gründen fadenscheiniger political correctness Fakten verdreht oder zugunsten einer leichteren Konsumierbarkeit abgemildert. Zudem zeigt die Autorin, dass detailfreudige Akkuratesse der Spannung ganz und gar nicht abträglich sein muss – im Gegenteil. „Vom Schreiben leben zu können ist aber dennoch derzeit eher unrealistisch.“ Dazu sei sie zu sehr ihrer selbst gewählten Nische verhaftet. Als Ausgleich „singe ich. Im Chor, wo ich auch meinen Mann kennen gelernt habe.“ Im Stimm- und Klangkollektiv eines Chores sei auch immer etwas vom Konfuzianismus zu spüren, der das Individuum – anders als in unserer Kultur – nicht über die Gemeinschaft stellt. Gelassenheit ist da ein zentraler Punkt. Denn jetzt wird die Nachspeise serviert ...

Die Europäer sind nicht die einzigen, die eine Zivilisation zustande gebracht haben. MFG 09.13

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MFG KULTUR

Faszination

Mittelalter 44


TEXT: Mario Kern| Fotos: SIMON HÖLLERSCHMID, ZVG

Als 1159 St. Pölten zur Stadt erhoben wurde, war alles anders. Damals war St. Pölten nicht größer als die heutige Innenstadt und beherbergte unter anderem eine mittelalterliche Markthalle, kleinteilige Wohnbauten, einige Turmhäuser und wenige tausend Bewohner. Rund um die Traisenstadt residierten Ritter und Burgfräulein in den Adelssitzen Goldegg, Viehofen, Ochsenburg sowie auf der Burg Hohenegg.

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ditionen philosophiert, beginnen seine Augen zu leuchten: „Das Ganze ist wie Detektivarbeit, denn die Aufzeichnungen waren sehr ungenau.“ Was man von damaligen Musikern wie Walther von der Vogelweide oder Oswald von Wolkenstein weiß, sind Texte und Melodien. Notenwerte allerdings wurden im Mittelalter nicht wie im heutigen Sinne vermerkt. Was heutzutage als Mittelalter-Musik zu Gehör gebracht wird, ist nur eine Interpretation verfügbarer Quellen. „Auch haben die Instrumente früher anders geklungen“, erklärt Binder und stimmt seine Drehleier, bis ihre Sai-

einerzeit wagte wohl keiner der damaligen St. Hippolytaner, mehr als 850 Jahre weit in die Zukunft zu blicken. Zumindest verbürgen die historischen Quellen keinen St. Pöltner Nostradamus. Der hätte auch womöglich seinen Augen nicht getraut, wenn er in einer geistigen Schau Autos, Handys und Hochgeschwindigkeitszüge erblickt hätte. Was ihn aber durchaus mehr erstaunen hätte können, wäre der Anblick von vertrauten Gestalten, die sich hie und da in der großen Stadt und in der weiten Region um das ehemalige St. Hippolyt blicken lassen. Von modernen Menschen, die mittelalterlich gewandet ihre Faszination am dunklen Zeitalter zur Schau tragen oder unscheinbar im stillen Kämmerlein über verstaubten Geschichtsbüchern brüten. Von Zeitgenossen, die sich auf Mittelalter-Märkten im Bogenschießen üben, auf alten Ruinen Schwerter schwingen oder zu den Klängen einer Drehleier in heroischen Epochen versinken.

Mit Pauken und Trompeten „Wirklich im Mittelalter leben will heute niemand mehr“, sinniert Christina Gaismeier über die ferne Vergangenheit. „Aber eintauchen in eine magische Märchenwelt, die uns irgendwie verloren gegangen ist.“ Ihr selbst sei der Zugang zu zauberischen Gefilden über die Musik gegeben, sagt die bei Mitmusikern und Fans als „Feengeigerin“ bekannte Musikerin. Während sie bei der St. Pöltner Fantasy Folk-Institution Ballycotton seit zwölf Jahren ihrer Geige verzaubernde Folk-Töne entlockt, stimmt die Herzogenburgerin als Mitglied der Gruppe Gasslspieler auch Melodien an, die bis ins Mittelalter zurückreichen. Beim gemeinsamen Musizieren mit dem Wantendorfer Percussionisten und Saitenmusiker Harald G. Binder, ebenso in den Reihen der Ballycotton–Musiker vorzufinden, dem Wiener Andreas Neumeister, dem Rabensteiner Matthias Ihrybauer und dem Haager Stefan Reisenzahn stößt sie auf Gstanzln, Moritaten und Jahrhunderte alte Liebeslieder. Die Spielleute ziehen die historischen Grundlagen oftmals als Eckpfeiler für eigene Kompositionen heran. „Ich bin kein Historiker, ich beschäftige mich nur liebend gerne mit dem Mittelalter und alten Instrumenten“, bemerkt Harald G. Binder. In seinem Haus in Wantendorf bei Ober-Grafendorf hat der begeisterte Sammler 21 Saiteninstrumente und zahlreiche Trommeln untergebracht. Wenn Binder über alte musikalische Tra-

MITTELALTERLICHE KLÄNGE. Christina Gaismeier und Harald Binder tauchen gerne in die musikalische Welt des Mittelalters ein.

ten schnarren und die ersten fast meditativen Melodien erklingen. „Authentische mittelalterliche Musik könnte man sich heutzutage vielleicht gar nicht anhören.“ Ihre klingenden Weisen intonieren die Gasslspieler auf Mittelalter-Märkten, bei weihnachtlichen Burg-Events und in Konzertsälen. „Mir ist es egal, ob ich in einem Fünf-Sterne-Hotel oder auf einem Mittelalter-Markt spiele. Die Musik bringt mich dorthin, wo alles wesentlich ist“, erklärt Christina Gaismeier. Abseits aller musikalischen Ansätze seien die Lieder vergangener Jahrhunderte ein Hort faszinierender Geschichten. Legenden und Märchen, die mit ihren Wortbildern über strahlende Helden und weise Zauberer innere Saiten anrühren. „Das sind Anteile von uns, Archetypen“, weiß die „Feengeigerin“. So sei die Faszination vieler am Mittelalter als Möglichkeit zu verstehen, auf einer abgesteckten Plattform in diese Rollen zu schlüpfen. „Da klingt ein bisschen die Narrenfreiheit durch, die Troubadoure im Mittelalter hatten und die ich auch ein bisschen fühle.“ Mit Feder und Pergament Die Lust an längst Vergangenem und der Vergleich mit der modernen Welt stellten für den Asperhofener BurMFG 09.13

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Wie bei der Musik möchte der Musiker und Lyriker aber nie nur rezitieren, sondern Legenden und Welten seinen wortgewandten Stempel aufdrücken. Mit dem Mittelalter oder anderen Epochen beschäftigt er sich nicht, um historische Fakten wiederzugeben. „Mein Zugang ist künstlerisch. Ich lasse mich inspirieren und versuche mit der Inspiration etwas Neues zu machen. Als Musiker lasse ich mich weder von zeitlichen noch von regionalen Grenzen bremsen.“

SPIELLEUTE. Die „Gasslspieler“ intornieren ihre klingenden Weisen auf Mittelalter-Märkten, weihnachtlichen Burg-Events und in Konzertsälen.

khard Bärner die Triebfeder für seine Beschäftigung mit dem Mittelalter dar. „Man lernt dadurch ein bisschen besser zu verstehen, warum unsere Gesellschaft so funktioniert und woher verschiedene Bräuche kommen.“ Bis vor zwei Jahren hatte sich der Sprachkünstler als Sänger, Texter und Komponist der ehemaligen St. Pöltner Gruppe Satara mit der Andersartigkeit Alter Musik beschäftigt. „Wir hatten zu diesem Zeitpunkt einige Mittelalterbands aus Deutschland für uns entdeckt und wollten unbedingt in diese Richtung losstarten.“ Sehr bald erschloss sich für die jungen Musiker aber eine breitere Musik-Landschaft, in der das Mittelalter nur ein Aspekt ihrer Kreativität wurde. Das Genre, so wie von zahlreichen deutschen Gruppen vertreten, empfanden die St. Pöltner bald als zu einengend. „Das Feuer, das in mir für das Mittelalter brannte, habe ich durch die extrem konservativen Richtlinien auf Mittelaltermärkten verloren. Ich heiße es nicht gut, wenn sich Künstler Grenzen stecken.“ Mittelalterliche Klänge gab es weiterhin im Portfolio von Satara zu hören, allerdings wechselte der Fokus zu anspruchsvoller Volksmusik. Genau da knüpft Burkhard Bärner auch mit seiner neuen Formation Vodjanoj an. Hier widmen sich die Folk-Musiker stark der skandinavischen Volksmusik. Die eigene, einzigartige Interpretation von traditionellen Melodien steht dabei für Bärner eindeutig im Vordergrund. Als Student der Skandinavistik, Germanistik und Bildungswissenschaft lässt der geborene Neulengbacher sein Faible für alte Sprachen in seine Texte einfließen. „Bei Satara waren es noch deutsche Texte über wilde Gelage, leidvolles Unglück und etwa Sagen wie den jüdischen Golem.“ Für Vodjanoj schreibt Bärner einen Deut archaischer und widmet sich etwa in einem Text in urgermanischer Sprache dem Pferd als Symbol antiker Kulturen. 46

Mit Schwert und Schild Die regionalen Grenzen haben auch die Wölfe zu Dunkelstein längst überschritten. Ihr Ruf als ansehnliche Mittelaltertruppe eilt ihren eisernen Schritten weit voraus. Sie sind in den alten Gemäuern der Ruine Hohenegg in Hafnerbach zu finden, wirken aber weit über die Gemeindegrenzen hinaus. Die derzeit rund 30 Mitwirkenden nehmen an Festen teil oder veranstalten die­se selbst, bringen der Jugend das Mittelalter in Schulen nahe und sind überdies mit Mittelalter-Vereinen aus ganz Österreich und darüber hinaus im mitteleuropäischen Raum vernetzt. Warum die Wölfe zu Dunkelstein in ihrer Freizeit in mittelalterliche Gewandung schlüpfen, Rüstungen tragen, Schwerter schwingen und gemeinsam am Lagerfeuer sitzen, erklären Hauptmann Walter Zeller und seine rechte Hand Michael Staudinger: „Rüstungen zu tragen und Waffen zu führen ist ein Teil der Erfahrung, die zum

RITTER AUS LEIDENSCHAFT. Walter Zeller und seine „Wölfe“ schlüpfen gerne in ihre Rüstungen und schwingen ihre Schwerter.


Faszination Mittelalter

GESCHICHTSKUNDE. Wenn die „Wölfe“ nicht gerade fechten, bringen sie ihr mittelalterliches Wissen unters Volk.

Mittelalter gehören. Natürlich fasziniert uns die alte Gemeinschaftsform, beim Lagerfeuer zu sitzen und gemeinsam Lieder zu singen.“ Für die Wölfe ist das mittelalterliche „Zweitleben“ keine Flucht, sondern vielmehr ein Hineinfühlen in die Alte Zeit, in der die Menschen auch ohne Computer, Handys und Fernseher ihren Alltag zu meistern vermochten. „Das ist schon etwas Besonderes, irgendwie in die Fußstapfen unserer Vorfahren zu treten und durch diese Handlung ihre Lebensweise nachempfinden zu können. Und natürlich lernen wir dadurch viel über unsere eigene Kultur und ihre Vergangenheit.“ Wenn die Wölfe nicht gerade fechten, über dem Feuer kochen oder Lieder singen, widmen sie Büchern, Gemälden, Museen und auch dem Wissen anderer Vereine ihre Aufmerksamkeit. Kurzum allem, was mehr Aufschluss über die Historie gibt und das eigene Wissen erweitert und ergänzt. Was die Wölfe zu Dunkelstein über das Fechten wissen, geben sie beispielsweise selbst weiter und betreiben so im Rahmen der Sportunion St. Pölten eine Fechtschule. „Wir bringen die Geschichte und ihre vielfältigen Aspekte gerne unters Volk. Das ist so etwas wie der Grundgedanke hinter unserem Verein“, erklärt Walter Zeller. Die erste Berührung mit dem Mittelalter hatte Zeller bei einem Besuch eines Ritterfestes in Kaltenberg. Seit nunmehr mehr als neun Jahren begeistert er seine Truppe, immer mehr Mittelalterinteressierte scharen sich um ihn. Die Kunde von den Wölfen und ihren Aktivitäten verbreitet sich jedenfalls wie ein Lauffeuer über die bewaldeten Hügel der Traisenregion. „Wir freuen uns immer über neue Gesichter.“ Mit Rock-Musik und Zeltlagern Kein neues Gesicht in der Mittelalter-Szene ist der Kapellner Imado. Als Bogenschütze und Pilger zwischen den Welten bereist er gut acht Märkte im Jahr, schickt

seine Pfeile ins Stroh und hatte vor einigen Jahren einen eigenen Stand mit Waren. „Anfangs war es sicher die Lagerfeuerromantik, die mich zu diesen Märkten hinzog.“ Mittlerweile sind zwar die unzähligen Treffen am Lagerfeuer geblieben, allerdings stehen nun fachkundige Gespräche über das Mittelalter, sein Gildenwesen, seine Bräuche und seine Menschen im Vordergrund. Der Austausch über die Historie ist für Imado wie ein teures Treffen alter Freunde. „Das ist eine große, bunte Welt, in die man gerne eintaucht.“ Viel Zeit dafür hat Imado unter anderem am 30. November und 1. Dezember. An diesen beiden Tagen wird das VAZ St. Pölten mit Gewandeten übervoll sein. Im Zuge des ersten Indoor-Mittelaltermarktes Österreichs werden Lagrguppen, Gaukler, Wahrsager, Gerber, Schaukämpfer, Spielleute und Händler der Szene das Veranstaltungszentrum bevölkern. Mit dabei: Imado, der mit der Bogengilde Arduinnas Gefährten das Spektakel bereichert. Und spätestens dann würde es einem St. Pöltner Nostradamus wohl die Freudentränen in die mittelalterlichen Augen treiben. Wenn er sähe, wie der Geist des Mittelalters nach all diesen Jahrhunderten  immer noch sein Unwesen treibt  und  zu Kompositionen, Gedichten und Heldentaten inspiriert. Dann würde er gerührt zu der Einsicht kommen: St. Pölten ist anders geworden, aber das Mittelalter hat überlebt...

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DAS Festspielhaus lädt zum Verweilen ein

Nach dem Sommer der Temperaturrekorde führt uns das Festspielhaus St. Pölten in einen ebenso heißen Herbst. In der neuen Saison bringt Brigitte Fürle frischen Wind sowie spannende neue Produktionen von Weltrang in unsere Hauptstadt.

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rigitte Fürle hat in ihrer neuen Funktion als Künstlerische Leiterin ein klares Bild für das Festspielhaus St. Pölten vor Augen, was sich in ihren Plänen für die kommende Saison widerspiegelt: Das Haus soll nicht nur Kultureinrichtung sein, sondern auch ein Zuhause für Künstler und Publikum gleichermaßen. Um die berühmte österreichische Gemütlichkeit zu fördern, finden sich im Foyer des Festspielhauses nun – ähnlich den Enzis im Wiener Museumsquartier – samtrote Twin-Sitzmöbel, die zum Verweilen einladen. Open Studios, Previews und Künstlergespräche geben Einblick in die Produktionen. Ergänzt wird das Kulturprogramm bei ausgewählten Veranstaltungen mit erlesenen Weinen der Traisentaler Winzer, die nach den Vorstellungen verkostet werden können.

Ein Fest für alle Sinne

befinden. Die Emotionen und Stimmungen der Tänzerinnen werden insbesondere durch die Kostümkreationen des bekannten Couturiers Azzedine Alaïa und die Ausstattung der Designerin Constance Guisset unterstrichen. Ein Fest für alle Sinne, das nach der Vorstellung noch – ganz nach dem Motto der Saison – weiterhin zum Verweilen einlädt. Im Anschluss gibt die belgische Sängerin Natacha Atlas, die sich neben Samy Bishai und 79D für die Musik von „Les Nuits” verantwortlich zeichnet, ein Konzert im Kleinen Saal. DJ Samir H. Köck sorgt in der Dance Lounge für Stimmung und um das leibliche Wohl kümmern sich die Traisentaler Winzer bei den „Weininseln”. Ein weiteres Highlight ist die Hörspiel-Installation von „Tausendundeiner Nacht” der Berliner Regisseurin Sanders-Brahms mit den Stimmen von Eva Mattes, Ben Becker u.v.a.

Einer der weltbesten Klangkörper Der Saisonauftakt am Eröffnungswochenende am 27./28. September verspricht bereits einen Vorgeschmack auf die hochkarätigen Performances und Gäste, die das Festspielhaus in der Saison 2013/14 präsentiert: Mit einer sinnlich visuellen Reise in den Orient startet die Saison mit der zeitgenössischen Ballettproduktion und Österreich-Premiere „Les Nuits” auf höchstem Niveau. Der französische Choreograf Angelin Preljocaj holte sich für die­se Produktion Inspiration von den berühmten Erzählungen aus „Tausendundeiner Nacht”. Seit Jahrhunderten regen diese orientalischen Märchen ihre Leser zum Träumen an. Die erotische Komponente der Geschichten wird von Preljocaj in den farbenprächtigen Kontext des Geheimnisvollen und der Faszination, die der Orient ausstrahlt, gestellt. Im Mittelpunkt stehen die weiblichen Figuren, die sich in einem Vexierspiel mit ihren männlichen Konterparts 48

Klassikfans kommen im Festspielhaus 2013/2014 voll auf ihre Kosten. Ein Gustostückerl klassischer Musik auf höchstem Niveau ist der Konzertabend des London Symphony Orchestras. Es gilt als eines der weltweit führenden

Fotos: Jean-Claude Carbonne, Alberto Venzago, Javier del Real, Tristram Kenton

Kein bisschen leise geht es sodann am Tag darauf weiter: Das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich eröffnet unter der Leitung von Andrés Orozco-Estrada die Konzertsaison. Der diesjährige Kompositionsauftrag der Tonkünstler ging an den bedeutenden österreichischen Komponisten Kurt Schwertsik, dessen Werk „Leicht flüchtig” uraufgeführt wird. Rudolf Buchbinder, der bereits in der letzten Saison für Beifall sorgte, übernimmt in Rachmaninows PaganiniVariationen die Solistenrolle. Richard Strauss’ „Ein Heldenleben” bildet den krönenden Abschluss.


Orchester, unterhält langjährige Beziehungen zu bedeutenden Künstlern und Häusern weltweit und zeichnet sich durch sein außergewöhnliches Engagement für musikalische Bildung aus. Wem das London Symphony Orchestra noch immer nichts sagt, der erinnert sich vielleicht an die Musik von Filmklassikern wie „Star Wars”, „Harry Potter”, „The King’s Speech” und „Superman”, um nur einige der hunderten von Filmen zu nennen, für die das Orchester die Filmmusik eingespielt hat. Am 9. November gastiert das London Symphony Orchestra zum ersten Mal im Festspielhaus St. Pölten. Unter der Leitung von Valery Gergiev ist das Konzert zur Gänze der Musik von Hector Berlioz gewidmet und spannt den Bogen von seiner „Waverly-Overtüre” über die „Symphonie fantastique” bis zum Liederyzklus „Les nuits d’été”. Die schottische Mezzosopranistin Karen Cargill, die in den großen Konzertsälen von London bis New York zu Hause ist, leiht „Les nuits d‘été” ihre Stimme und garantiert einen außergewöhnlichen Musikabend.

einer Choreografie, die den Gefangenen-Chor aus Verdis „Nabucco”, den Pilger-Chor aus Wagners „Tannhäuser” sowie Stücke aus Werken wie „La Traviata”, „Die Meistersinger” oder Verdis „Requiem” in einem spannenden Reigen auf die Bühne bringen. Ein besonderes Rahmenprogramm dazu findet am 10. Oktober statt: Junge Tanzschaffende haben die Gelegenheit an einer Masterclass mit Mitgliedern von Alain Platels Compagnie les ballets C de la B teilzunehmen.

Rhythmus im Blut

Aber nicht nur die Konzerte lassen das Kulturherz im Herbst höher schlagen. Das Tanzprogramm verspricht Emotionen und visuelle Sensationen kombiniert mit künstlerischer Virtuosität.

Fotos: Jean-Claude Carbonne, Alberto Venzago, Javier del Real, Tristram Kenton

Chor und Herz

Hinter dem Wortspiel „C(H)ŒURS”, das die französischen Wörter für Chor und Herz kombiniert, versteckt sich die erfolgreiche Tanz- und Musiktheaterproduktion des belgischen Choreografen Alain Platel, die er im Auftrag Gerard Mortiers für das Teatro Real Madrid erarbeitete, und die am 12. Oktober im Festspielhaus Österreich-Premiere feiert. In Zusammenarbeit mit dem Tonkünstler-Orchester Niederösterreich stellt Platel die großen Chorpartien von Giuseppe Verdi und Richard Wagner in den Mittelpunkt des Abends. Welche Energie wird freigesetzt, wenn Menschen in einem Kollektiv gemeinsam für eine Sache kämpfen? In einer Zeit, die von politischen Veränderungen, Kriegsszenarien, Occupy Wall Street und Wutbürgerbewegungen geprägt ist, fasziniert Platel die Aktualität großer Werke. Rund 80 Chorsänger und Chorsängerinnen sind Protagonisten

„Ich glaube, dass nur Menschen, die selbst Tango tanzen, die Kraft dieses Tanzes verstehen können und die Freude, die damit verbunden ist. Meine Frage ist also: Wie kann ich das in einer Art auf die Bühne bringen, damit das Publikum das Gefühl hat, es tanzt selbst?” (Sidi Larbi Cherkaoui) Sidi Larbi Cherkaoui und das Festspielhaus St. Pölten verbindet eine besondere Beziehung. Als vormaliger Artist in Residence zieht es ihn regelmäßig ins Haus zurück. Das Festspielhaus präsentiert am 15./16. November die Österreich-Premiere seines neuen Stückes, in dem er die Antwort auf seine Frage gibt. Mit „m¡longa“ entführt er das Publikum in das Tango-Universum der Milongas – den allabendlichen Tanzereignissen in den Ballrooms von Buenos Aires und erforscht den Tango Argentino gemeinsam mit zehn Tango-Tänzern und -Tänzerinnen aus der argentinischen Hauptstadt, einem zeitgenössischen Tänzer und einer zeitgenössischen Tänzerin sowie einer fünfköpfigen argentinischen Band. Der flämisch-marokkanische Choreograf erkundet dabei den traditionellen Tanz ebenso wie die zeitgenössischen Strömungen, die sich in der jungen Club-Szene von Buenos Aires entwickelt haben und interpretiert diese mit seiner eigenen Handschrift. In der anschließenden Dance Lounge ist das Publikum herzlich eingeladen, selbst das Tanzbein zu schwingen.

Ein Blick ins Programm zahlt sich aus www.festspielhaus.at MFG 09.13

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MFG KULTUR

Als die Bilder laufen lernten Vor 100 Jahren öffnete das erste fixe Kino in St. Pölten seine Pforten. Die Geschichte der laufenden Bilder in der Stadt setzt allerdings noch einen Tick früher ein. Über die Anfänge des Kinos in St. Pölten.

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atsächlich ist es schon 107 Jahre her, dass im alten St. Pöltner Schützenhaus, den heutigen Stadtsälen, im Juni 1906 nachgewiesener Maßen erstmals kinematographische Vorführungen stattfanden. Diese erfreuten sich allerdings über 14 Tage hindurch keines allzu großen Zuspruchs. Mehr Erfolg war da schon dem Wiener Louis Geni, einem der bekanntesten Wanderkinobesitzer der Monarchie, beschieden, der mit seinem „Kino-Zelt“ regelmäßig am Stadlmayerplatz (heute Gewerkschaftsplatz) gastierte. 50

Dennoch sollte es noch bis 1913 dauern – für Österreich, wo bereits annähernd 200 Kinos existierten, also relativ spät – bis es zur Errichtung erster fixer Kinobetriebsstätten in St. Pölten kam. Dafür ging es dann Schlag auf Schlag. Elitekino vor den Toren der Stadt Das erste Kino auf heutigem Stadtgebiet wurde im Jänner 1913 in der damals noch selbstständigen Gemeinde Wagram eröffnet: Es handelte sich dabei um das „Elitekino“. Einem Bericht der St. Pöltner Zeitung zufolge war es modernst aus-

gestattet und entsprach allen Sicherheitsanforderungen. So sei es „ganz ausgeschlossen, dass dort bei einem eventuellen Filmbrande nur die leiseste Gefahr für den Besucher vorhanden wäre“, verfüge es doch über vier entsprechend große Notausgänge. Was allerdings nichts daran änderte, dass das Kino bereits am Morgen des 30. August Raub der Flammen wurde. Als Ursache wurde Brandstiftung vermutet. Hatte man sich seitens der Stadtverantwortlichen zunächst gegen die Verleihung einer Kinolizenz ausgesprochen, weil man das Kino als be-


TEXT: THOMAS KARL | Fotos: STADTARCHIV ST. PÖLTEN

ELITEKINO. Im Jänner 1913 wurde das erste Kino auf heutigem Stadtgebiet eröffnet.

drohliche Konkurrenz für das Stadttheater erachtete, musste man alsbald einsehen, dass man den Zug der Zeit nicht aufhalten konnte. So bewarb man sich schließlich selbst um eine Lizenz, die der Stadt allerdings verwehrt wurde. Allerdings erhielt sie ein Mitspracherecht bei der Auswahl des Konzessionsnehmers. Interessanterweise entschied man sich aus zwei Bewerbern aber nicht für den schon stadtbekannten Louis Geni, sondern für den kaiserlichen Rat Karl Wohlmuth, der in Verbindung mit zwei größeren Wiener Kinounternehmungen stand. Dies würde, so die Hoffnung der Stadt, gewährleisten, dass in St. Pölten nur würdige und anständige Kinovorführungen „zur Darstellung“ gelangten. Darüber hinaus hatte sich Wohlmut verpflichtet auf seiner Bauparzelle 90/2 in der Heßstraße ein schönes Kino nach Wünschen der Stadtgemeinde zu errichten. Baugrund und Gebäude sollten der Stadtgemeinde verkauft werden. Bis zur vermeintlichen Herstellung des Neubaus wurden Wohlmut für seine Kinoveranstaltungen – eine kleine Ironie im Hinblick auf die ursprünglichen Ängste – die Räume des Stadttheaters zur Verfügung gestellt. Er hatte dafür einen Jahrespachtzins von 4.000 Euro zu bezahlen, die Vorstellungen sollten in der Zeit außerhalb der Theatersaison, also von Ostern bis September, stattfinden. „Jockey aus Liebe“ Obwohl die k.k. Statthalterei Wohlmut erst am 26. Mai 1913 die Kinolizenz erteilte, fand schon am 23. März im Stadttheater die Eröffnungsveranstaltung statt. Am Spielplan stand un-

ter anderem der Streifen „Jockey aus Liebe“ mit Kinoliebling Max Linder. Ab 12. April präsentierte Wohlmut erstmals einen Film-Zyklus mit der damals wohl bedeutendsten Schauspielerin Asta Nielsen, der so erfolgreich war, dass er ihm gleich einen zweiten folgen ließ. Im Juni bescherte er St. Pölten mit „Quo Vadis“ schließlich den ersten Blockbuster der Filmgeschichte. An dem Streifen hatten über 5.000 Statisten mitgewirkt, zudem dauerte er – ein absolutes Novum zu jener Zeit – über zwei Stunden. Bombastisch war auch das Drumherum zu „Quo Vadis“: Nie wieder in der Geschichte St. Pöltens wurde ein Film so intensiv beworben. Ganzseitige Einschaltungen in den Wochenzeitungen sowie entsprechend ausführliche Berichterstattung über mehrere Wochen hindurch dürften letztlich dazu beigetragen haben, dass sich die erhöhten Akquisitionskosten, von denen die St. Pöltner Zeitung berichtet, letztlich für Karl Wohlmuth rentierten. Dass Wohlmuth dieses hohe Anfangsniveau auf Dauer nicht halten konnte, versteht sich fast von selbst.

So findet man in Folge den üblichen Programmmix jener Zeit, der vor allem aufgrund der Kürze der Filme zustandekam: Die Vorführungen umfassten Naturaufnahmen, Sportveranstaltungen, Historisches, Possen, Lustspiele, Detektivgeschichten, Dramen etc. Später kamen noch die „MeßterWochenschauen“ sowie im Ersten Weltkrieg natürlich die umfangreiche Kriegsberichterstattung hinzu. Darüber hinaus finden sich auch immer wieder Beiträge lokaler Filmschaffender: So wurde etwa im Mai 1913 der St. Pöltner Film „Aus meinem Skizzenbuch“ von Josef Emil Spora gezeigt oder im August 1913 der lokalhistorisch bedeutsame Film „Unser Kaiser bei den Schützen in St. Pölten“ aus dem Jahr 1910. Louis Geni schlägt zurück Neben dem Stadtkino und dem Elitekino etablierte sich ab April 1913 ein drittes Kino auf heutigem Stadtgebiet: Louis Geni, dem ja die Konzession für St. Pölten verweigert worden war und dem in Folge sogar untersagt wurde, sein Zeltkino wie früher am Stadlmayerplatz aufzustellen, etablierte es kurzerhand unmittelbar vor der

REITHALLENKINO. 1923 errichtete die Stadt in einer ehemaligen Reithalle ein eigenes Kino mit 1000 Sitzplätzen. Es war das größte Kino Niederösterreichs.

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MFG KULTUR

LOUS GENI. Der Kinopionier errichtete 1913 am Mühlweg in Neuviehofen sein Kino.

Stadtgrenze am Mühlweg in Neuviehofen. Die lokale Presse berichtete über den Erfolg, fänden „doch die Aufführungen von Herrn Geni allgemein größtes Lob, würden sowohl die Reinheit der Bilder als die Exaktheit in der Vorführung derselben als auch die Sorgfalt in der Zusammenstellung des Programmes von den zahlreichen Besuchern lobend anerkannt“. Bereits im Juli schrieb die St. Pöltner Zeitung dann vom Bau eines gemauerten Kinos neben dem Zeltkino durch Architekt Robert Wohlmeyer, das ein „Meisterstück der Raumverteilung und der praktisch=schönen Bauart werde“. Wenige Monate später, am 15. November, konnte Louis Geni bereits die ersten Gäste in seinem neuen Etablissement willkommen heißen. Todfeind des Theaters Weniger Erfolg war hingegen Karl Wohlmuth beschieden. Anders als ursprünglich vorgesehen, musste sein Stadtkino bereits im August 1913 zur sogenannten Stadt-Kino-Nachsaison in die Stadtsäle übersiedeln, wo am 26. Oktober mit „Quo Vadis“ die erste Saison des Stadtkinos beschlossen wurde. Es sollte zugleich Wohlmuths letzte sein – sein neues Kino in der Hessstraße wurde nie realisiert. 52

Als die Bilder laufen lernten

Die Gründe dafür sind unklar, Wohlmuths Vertrag wurde jedenfalls nicht verlängert, stattdessen der Hotelier und Landtagsabgeordnete Franz Pittner mit der Führung des Stadtkinos beauftragt. Dieser situierte es im ehemaligen Kaisersaal seines Hotels in der Kremser Gasse, wo es am 12. April 1914 – nicht ganz unumstritten – eröffnet wurde. So brachte nur zwei Wochen nach der Eröffnung die St. Pöltner Zeitung in sehr drastischer Manier ihren Unmut über die Entscheidung der Stadt zum Ausdruck: Auch wenn Landtagsabgeordneter Pittner, dessen spekulativer Geschäftsgeist solange nicht geruht hätte, bis er das Kino in seinem Hotel unterbrachte, alle Verpflichtungen des Kaiserlichen Rates Wohlmuth übernommen hätte, so käme die Gemeindevertretung nicht über die Tatsache hinweg, dass sie sich mit dem Kino im Hotel einen gefährlichen Feind gegen das eigene Stadttheater in die Welt gesetzt hat. Denn das Kino sei und bleibe der Todfeind des Theaters und das Pittner-Kino werde wohl auch im Winter spielen, wofür überhaupt keine Notwendigkeit bestünde, würden doch jene, „die auch in der Theatersaison nicht des Kinos entraten können“, vor den Toren der Stadt in Genis Viehofner Kino „mit seinem stattlichen Bau und abwechslungsreichem, zugkräftigem

Programme jederzeit freundliche Aufnahme finden“. In diesem Sinne werde das Stadttheater, das sich unter Bauers tüchtiger Leitung zu einer erfreulichen Höhe emporgearbeitet habe, zu einer „schlechtbesuchten Schaubude herabsinken, und das Pittner-Kino vielleicht auch nur ein armseliges Dasein fristen“. Ganz so schlimm wie befürchtet kam es dann doch nicht – sowohl Theater, als auch Pittner-Kino konnten nebeneinander bestehen. Das relativ neue Medium „Kino“ boomte. So sehr, dass die Stadt 1923 in einer vom St. Pöltner Reiterbund erworbenen ehemaligen Reithalle sogar ein eigenes Kino errichtete, dessen Reinerlös der Jugendwohlfahrt zu Gute kam. Mit 1000 Sitzplätzen war das sogenannte „Reithallenkino“, das ab 1934 „Parkkino“ hieß, das größte Kino Niederösterreichs. Damit erreichte die Kinolandschaft St. Pöltens ihren ersten Zenit. Die Bilder laufen weiter Diesem sollten in der über 100-jährigen Kinogeschichte der Stadt noch weitere folgen, ebenso wie Krisen und tief schürfende Veränderungen. Was aber in all den Jahren immer ungebrochen blieb, war die Faszination des Mediums, so dass die Bilder – mittlerweile in 3D und HD und Dolby Surround – noch immer laufen.

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W PTTNER-KINO. Am 12. April 1914 wurde das Stadtkino im ehemaligen Kaisersaal des Hotel Pittner in der Kremser Gasse neu eröffnet.

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Der WeiSSe Hai in St. Pölten Von Manfred Wieninger

N

atürlich konnte ich mir nur die zweite Reihe leisten, die billigste Reihe, Genickstarre vorprogrammiert. Die Leinwand im Pittner-Kino, das den diskreten, leicht heruntergekommenen Kino-Charme der späten fünfziger Jahre versprühte, erschien mir riesig und als der Haijäger Quint mit den Füßen voran, langsam aber sicher in das Maul, in die Jaws des Weißen Hais hineinrutschte, hatte der etwa gleichaltrige Bub am Sitz vor mir, in der ersten, genau so billigen Reihe die mitgebrachte Wodkaflasche bereits etwa zu drei Viertel geleert. Als schließlich Roy Scheider die Druckluftflasche im Maul der Bestie mit einem gezielten Gewehrschuss doch noch zur Explosion bringen konnte, dürfte die Alkbottle fast leer gewesen sein. Mitten im Abspann gingen die gnadenlos hellen Deckenlichter an, der brechend volle Kinosaal erhob sich diszipliniert, fast wie ein einziger Mann. Auch der Bursche vor mir stand wie ein Zinnsoldat auf, fiel dann allerdings wie ein Stein um, nach vorne, auf die Leinwand zu. Das Eintreffen von zwei Rettungssanitätern mit Bahre beim Ohnmächtigen ein paar Minuten später war für mich damals fast ein ebenso denkwürdiges Spektakel wie „Der Weiße Hai“ selbst. Irgendwie, so mein Eindruck nach all den Jahren, war das die Kultur, in der ich in den 70er Jahren in St. Pölten aufgewachsen bin, jedenfalls pars pro toto. Sonst gab es ja nicht viel. Außer die routiniert wie am Fließband abgespulten, goldenen und silbernen Operetten im Stadttheater und die Soft-Pornos und Spaghetti-Western in einem weiteren Kino in der südlichen Vorstadt. Ich erinnere mich auch an das alljährliche Volksfest bei der sogenannten Rennbahn, an das Bierzelt, in dem nicht nur die Original Oberkrainer und ähnliche Perlen österreichischer (Volks)Kultur dudelten, sondern auch gelegentlich offizielle Boxkämpfe in einem aus ein paar Brettern

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notdürftig zusammengenagelten Ring in der Zeltmitte stattfanden, von den inoffiziellen im Rest des Festzeltes ganz zu schweigen. Zum geistig-kulturellen Klima jener Jahre passte auch, dass mein – im Übrigen vorzüglicher – Geschichtsunterricht am St. Pöltner Gymnasium in der Josefstraße exakt im Jahr 1922, beim Vertrag von Rapallo endete. Dagegen wurde dem Vernehmen nach in einer Parallelklasse die „deutsche Physik“ der späten dreißiger und frühen vierziger Jahre im Unterricht einer anderen Lehrkraft in den höchsten Tönen gelobt. Ein Biologieprofessor lehrte uns im letzten Jahr vor seiner Pensionierung nichts mehr über die Anatomie des Maiglöckchens und das Verhalten der Wildkatze, sondern rekapitulierte Stunde um Stunde nur mehr seine Erlebnisse während der Schlacht von Narvik, die ihn offenbar auch Jahrzehnte danach nicht losließen. Die Kontrapunkte waren spärlich. Mein verehrter Religionsprofessor, ein ehemaliger Wehrmachtskaplan, erzählte uns im Unterricht eines Tages unter bitteren Tränen, wie er dazu gezwungen war, einen angreifenden sow­jetischen Soldaten im Nahkampf zu erschießen. Von Weinkrämpfen geschüttelt zeichnete er unendlich mühselig den eigenen Schützengraben, die Angriffslinie der sowjetischen Infanteristen und den Schusskanal seiner Waffe mit Kreide an die Schultafel. Nie zuvor und nie mehr danach ist mir so eindringlich das fünfte Gebot – Du sollst nicht töten – nahe gebracht worden. Es scheint, so kommt es mir im Rückblick vor, eine Zeit alter böser Männer gewesen zu sein. In meiner Erinnerung tauchen sie jedenfalls immer wieder auf. Ein rüstiger Greis mit Habichtsnase und dicken Krankenkassenbrillen versuchte in einer Warteschlange am Gesundheitsamt mir und weiteren Impfwilligen in einem verwickelten, genealogischen Monolog seine angebliche


Verwandtschaft über vierzehn Waldviertler Ecken und Enden mit Adolf Hitler zu belegen. Seine blauroten Lippen glänzten vor Stolz. Am Hauptbahnhof spuckte ein uralter, gelbgesichtiger Mann im grünen Lodenmantel und mit grauen Filzhut quasi rituell auf eine Marmortafel mit den Namen in der NS-Zeit hingerichteter St. Pöltner Eisenbahner, nicht ohne sich zuvor sorgfältig vergewissert zu haben, dass eh genug Reisende, also Zuschauer, darunter auch ich, in der Nähe des unscheinbaren Mahnmals vorhanden waren. In der Küche der Großmutter eines Schulfreundes erzählte mir deren Nachbar, ein vierschrötiger, übergewichtig-hypertonischer Pensionist mit stolzgeschwellter Brust und breitem Grinsen, wie er Anfang April 1945 in der Traisenau am Stattersdorf gegenüber liegenden Flussufer einen Russen, wahrscheinlich einen entflohenen, verängstigten Zwangsarbeiter, erschlagen und an Ort und Stelle verscharrt hatte. Die Synagoge in der Dr.-Karl-RennerPromenade war geschändet, eine mit Brettern verschalte Ruine, die abgerissen werden sollte. Die Grabsteine des vergessenen Israelitischen Friedhofes am Pernerstorferplatz waren in Fundamente und Keller eingemauert worden. Am Hauptfriedhof in der Goldegger Straße lag ein unbezeichnetes Massengrab mit über 200 zu Tode gekommenen Zwangsarbeitern, Deserteuren, Plünderern und Juden, ein Stück eingeebnete Wiese ohne jeden Hinweis auf die hier verscharrten Menschen. Das, was vor 1945 geschehen war, kam im öffentlichen Diskurs nicht vor, die Wörter Gedenkoder Erinnerungskultur waren hier in der Provinz gänzlich unbekannt. Nur ein paar Veteranen plauderten gelegentlich heldisch über Stalingrad und im Suff auch schon mal über die polnischen, weißrussischen, ukrainischen und russischen Dörfer, die sie heimgesucht und mitsamt deren Bewohnern abgefackelt und eingeebnet hatten. Noch immer wurden gelegentlich St. Pöltner Straßen und Gassen nach ehemaligen Nazis benannt. Those were the days, das war im Wesentlichen die Kultur, in der ich aufgewachsen bin. Seither hat sich enorm viel geändert in der Landeshauptstadt. Das 1988 im Kantorhaus der ehemaligen Synagoge angesiedelte Institut für jüdische Geschichte Österreichs leistet hervorragende Arbeit,

sowohl als hochaktive Forschungseinrichtung wie auch im Bereich der Volksbildung. Das weitgehend virtuelle Mahnmal Viehofen (www. mahnmal-viehofen.at) von Tatiana Lecomte und Catrin Bolt arbeitet detailliert die Geschichte zweier ZwangsarbeiterInnen-Lager in St. Pölten-Viehofen auf. Eine neuere Stadtgeschichte, eine längst überfällige Publikation, widmet sich wenigstens in einem Kapitel der NS-Zeit in St. Pölten. Christoph Linds Projekt einer Neugestaltung des alten jüdischen Friedhofs in St. Pölten ist im Laufen. Die alten bösen Männer leben nur mehr in meinen Albträumen. Mein bald dreijähriger Sohn wird im Heranwachsen eine völlig andere kulturelle Luft schnuppern, von Bobby McFerrin im Festspielhaus über das Cinema Paradiso und das VAZ bis hin zum Frequency-Festival. Irgendwie beneide ich ihn darum.

MFG 09.13

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Herbstprogramm für Vereinsmitglieder

FÖRDERVEREIN

Innen und AuSSen

Fr, 27. September, 19.30 Uhr Festspielhaus St. Pölten Saisoneröffnung Angelin Preljocaj: Les Nuits, Im Anschluss öffentlicher Empfang

Mo, 30. September, 19.30 Uhr Festspielhaus St. Pölten Rachmaninow/Strauss/Schwertsik Tonkünstler NÖ, Solist Rudolf Buchbinder Im Anschluss exklusiver Empfang

Mi, 09. Oktober 2013, 19.30 Uhr Landestheater Hexenjagd von Arthur Miller Im Anschluss exklusiver Empfang

Do, 10. Oktober 2013, 18.30 Uhr Landesmuseum Zu Gast beim Förderverein Dr. Sabine Haag (Generaldirektorin Kunsthistorisches Museum Wien) im Gespräch mit Landesmuseumsdirektor Mag. Carl Aigner

Sa, 26. Oktober 2013, 19.30 Uhr Festspielhaus St. Pölten Orquesta Buena Vista Social Club Im Anschluss exklusiver Empfang.

Sa, 02. November 2013, 11.30 Uhr Landestheater Probenbesuch Pippi Langstrumpf Im Anschluss Schnupperworkshop.

Di, 12. November, 18.30. Uhr Stadtmuseum St. Pölten Preview „Gott und Kaiser. 100 Jahre ehemalige Synagoge St. Pölten.“ Im Anschluss exklusiver Empfang.

Do, 28. November, 18.30 Uhr Landesmuseum Niederösterreich Broncia Koller-Pinell und die Ausnahmefrauen Im Anschluss exklusiver Empfang.

Do, 19. Dezember, 19.30 Uhr, Landestheater Die Wildente von Henrik Ibsen Im Anschluss weihnachtlicher Empfang.

Mitglied werden und die zahlreichen Vereinsvorteile (Exklusiveranstaltungen, Previes, Künstlertreffen, Exkursionen, Ermäßigungen uvm.) genießen. Anmeldung und Infos unter 02742/908080812, foerderverein@kulturbezirk.at

A

uch wenn der Förderverein Und nicht minder freue ich mich auf Kulturbezirk, wie schon dem die Fortsetzung der vor zwei Jahren Namen quasi als programma- ins Leben gerufenen Reihe „Zu Gast tisches Monogramm eingestickt, die im Förderverein“, im Zuge derer wir Förderung der St. Pöltner Mitglied-In- außergewöhnliche Kulturmenschen stitutionen als großes, übergeordnetes nach St. Pölten einladen. Nachdem Ziel zugrunde liegt, so ist uns zugleich wir auf diese Weise bereits Staatsoschon immer ein Brückenschlag wich- perndirektor Dominique Meyer näher tig gewesen. Dieser war in kennenlernen durften, ebenso Vergangenheit nicht nur wie Musikvereins-Intendant stadtintern gegeben, indem Dr. Thomas Angyan, besucht man den Kulturbezirk von uns am 10. Oktober Dr. Sader rein geographischen Defibine Haag, die Generaldireknition hin zu einer logischen torin des Kunsthistorischen Zugehörigkeitsbegrifflichkeit Museums Wiens sowie der weiterentwickelte, wodurch Kunstkammer Wien. Sie wird auch die Aufnahme von ohne jeden Zweifel spanBei uns zu Gast: Mitgliedern außerhalb des nende Einblicke in ihr Schafehemalig einschränkenden Dr. Sabine Haag fen und den Museumsbetrieb örtlichen Begriffs möglich wurde, son- in der Weltstadt Wien geben. dern unser Brückenschlag ist auch ein Kultur wirkt nach innen, identitätsinstitutionenübergreifender und über stiftend, zugleich auch öffnend und die Stadtgrenzen hinausreichender. horizonterweiternd. Es ist eine schöne So freuen wir uns diesen Herbst etwa Herausforderung für den Förderverschon sehr auf den 12. November, ein Kulturbezirk, beiden Ansätzen wenn wir zu Gast im Stadtmuseum St. ehest möglich und gleichzeitig gerecht Pölten sein dürfen, um gemeinsam die zu werden! Preview zur Ausstellung „Gott und Ihr Kaiser. 100 Jahre ehemalige Synagoge Lothar Fiedler St. Pölten“ zu erleben.

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Ob feurige Küchenhelfer, heiße Liebe, herbstliche Vitamine oder stürmische Begegnungen im Weinherbst: in der insBesondere Innenstadt St. Pölten erwarten Sie kulinarische Schmankerl, coole Trends, aufregende Kultur und mehr. Wir wünschen genussvolle Stunden. Für alle, die das Besondere suchen. Darf‘s ein bisschen mehr sein? www.insbesondere.at © insBesondere Innenstadt St. Pölten – eine Initiative von:

Generalsponsoren und Förderer:

Info & Markt & Fest Samstag, 12.10. 2013, 10:00–19:00 Stadtmuseum St. Pölten 3100 St. Pölten, Prandtauerstraße 2 paradiseinthecity.wordpress.com


SHORTCUT SZENE

Rosa reicht es!

Rosa

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Progressive FACTORY

Die „progressive FACTORY“ ist nach ihrem Selbstverständnis ein Ort, an dem Kunst und Technologie ineinander verschmelzen. Der Output wird als „Techart“ bezeichnet. „Gute Entwicklungen und Kreativität brauchen Platz, Freiraum und Zeit, um sich entfalten und reifen zu können – dieser Raum für gute Entwicklungen ist in der FACTORY gegeben”, erklärt Mastermind Christian Munk. Das Tätigkeitsfeld der Factory erstreckt sich über die Bereiche Produktentwicklung & -design, Leiterplattenherstellung, Fotografie, 3D-Druck, Grafik & Sound Design bis hin zur Programmierung. „Alle Produkte, die in der FACTORY entstehen, sind ‚made for a future‘ – kurz: konzipiert für lange Lebensdauer.“ Bis 3. November läuft im Klangturm noch eine Sound-Installation der Factory, „die die Glockenklangwelten Niederösterreichs wider spiegelt”. www.progressivefactory.com

Rob Holiday Am 16. November macht ein außergewöhnliches Clubbing-Format Stop im Warehouse St. Pölten: „ClubWildstyle & The Modern Primitives DJ Set” vereint DJs & Performer aus mehr als zehn Ländern zu einer spektakulären

Clubbing-Produktion! Mit von der Partie ist dabei niemand Geringerer als Rob Holiday! Obwohl er in erster Linie als Gitarrist von The Prodigy und ehemaliger Bassist von Marilyn Manson bekannt ist, hat er eine ebenso lange Laufbahn als DJ in den heißesten Clubs sowie Rock-Fashion Shows vorzuweisen. Dort legt er vor allem „die Sachen auf, die mir selbst gefallen. Was den anderen gefällt, ist mir egal“, wie er in einem Interview ausführt. Aber keine Angst, damit trifft er genau den Geschmack des Publikums. In St. Pölten wird er übrigens gemeinsam mit ZOMBIE BOY seinen Beat­ mix aus Industrial Rock & Metal, Alternative Rock, Electronic & New Prog auf die Crowd loslassen.

Fotos: olly/Fotolia.com, zVg

Ich hab es so satt, immer häufiger und immer offensichtlicher über den Tisch gezogen und verarscht zu werden. Rosa muss hier und jetzt Dampf ablassen. Ich finde es erschreckend und zum Kotzen, wie mit uns als Kunden, Touristen oder Konsumenten umgegangen wird. Kaum war Rosa auf dem Rückweg von ihrem wohlverdienten Sommerurlaub, erlebte sie an der Raststätte Unglaubliches. Da muss man für ein vertrocknetes panino ohnehin schon 5 – in Zahlen FÜNF – Euronen hinlegen und dann fehlt die Hälfte dessen, was eigentlich drinnen sein sollte. Was macht Rosa? Am besten direkt mit der panino-schmierenden-Autogrill-signora darüber reden. „Da fehlt der Käse, meine Gute“! Antwort: „Der ist beim Aufwärmen sicher geschmolzen“. Langes hin und her in entsprechend südländischer Akustik machte sie Rosa auch noch dafür verantwortlich, das an sich tadellose panino nun wegschmeißen zu müssen, nur weil Rosa nicht auf ihren bezahlten Käse verzichten wollte ... Schon klar, diese Kunden können aber echt nerven. Rosa jedenfalls hat dann das panino ohne Käse gegessen, hat aber immerhin 90 Cent zurück erkämpft. Es geht ja schließlich ums Prinzip. Und was ist mit dem Bioladen, der so „günstig“ an der Westbahnstrecke liegt. Warum sollte Rosa dort weiterhin ihr vermeintlich niederösterreichisches Bio-Fleisch kaufen (bei genauerem Lesen kam es aus Kärnten), wenn es das Henderl vom gleichen Schlachter auch beim anonymen Supermarkt gibt. Die 400 Gramm statt für 10 um 6 Euro. Was ist mit dem Altwarenverkauf in Viehofen, der am Mittwoch von Rosa 50 Euro für ein altes Gitterbett haben wollte! Von sozial kann doch hier nicht mehr die Rede sein. Da kauft Rosa in Schweden billiger! Die Kolumne ist zu Ende, der Grant noch lange nicht. Rosa ist enttäuscht. Es reicht wirklich.


MFG SZENE

Soldate Jeannette

Der österreichische Film hat in letzter Zeit einen kleinen Aufschwung erlebt. „Soldate Jeannette“ schickt sich an, diese Entwicklung fortzusetzen, hat man doch bereits Preise einheimsen können.

S

oldate Jeannette handelt von zwei starken Frauen, die aus ihrer jeweiligen Umgebung ausbrechen: Die gutbürgerliche Fanni, gespielt von Johanna Orsini-Rosenberg, lässt das gutbürgerliche Stadtleben und den üppigen Lebensstil hinter sich und findet Anna, gespielt von Christina Reichsthaler, welche die vermeintliche Bauernhofidylle satt hat. Der Plot des Films erinnert stark an die Biographien der beiden Hauptdarstellerinnen: So entstammt Orsini-Rosenberg einer Familie aus dem Hochadel, Reichsthaler wiederum verrichtete nach Abschluss der Studien der multimedialen Künste Lohnarbeit auf einer Biohühnerfarm gegen Kost und Logis. Diese Parallelen sind kein Zufall, so suchte der aus der Loich stammende Regisseur Daniel Hoesl explizit nach zwei starken Frauen mit interessanten und fesselnden Lebensgeschichten, die schließlich mit einer Portion Fiktion verwoben das stilisierte Grundgerüst des Films bilden. Ohne Moos Dieser Zugang erscheint sehr unkonventionell und war auch mit einigen

Problemen verbunden. So existierte kein Drehbuch im herkömmlichen Sinne, lediglich grobe skizzenhafte Ideen für die Handlung. Deshalb konnte man aber auch nicht um „große“ Beträge bei der Filmförderung ansuchen, wie die in Böheimkirchen lebende Produzentin Kathi Posch leidvoll berichtet: „Beim Drehstart im Oktober 2012 hatten wir noch keine einzige Förderzusage. Wir wussten nicht, ob der Film ausfinanziert ist.“ So trugen sie zu dritt anfangs selbst das finanzielle Risiko. Schließlich kamen 65.000 Euro an Förderungen der öffentlichen Hand zusammen. Selbst im Vergleich zu österreichischen Spielfilmen mit Mindestbudgets ab 1,5 Millionen, eher ab 2 Millionen Euro, ist das ein verschwindend kleiner Anteil. „Das war eigentlich totale Selbstausbeutung, sowas machst du nur einmal im Leben“, ergänzt Posch.

„Daher war das Team sehr klein, statt 40 Leuten waren nur sieben bis acht am Set. Alle bekamen aber Geld, wenn auch nicht viel. Jeder von uns hat zudem einen Beruf, dem er nebenbei nachging.“ Gerade dadurch wirkt der Film mit seiner offenen Kapitalismus- und Gesellschaftskritik noch authentischer, weil man selbst finanzielle Risiken auf sich nahm. Ausgezeichnet Dieses Risiko hat sich bezahlt gemacht: Neben einer bedeutungsvollen Einladung zum US-amerikanischen Sundance Film Festival, einem der größten und wichtigsten Festivals für unabhängige Produktionen, gewann der Film sogar den Tiger Award beim International Film Festival Rotterdam, dem europäischen Pendant zum Sundance. Auch für die Schauspieler oder die Musik gab es Preise, wie bei der Diagonale, dem Festival des österreichischen Films in Graz. Weitere Festivaltermine folgen nun, Auszeichnungen wohl auch. Premiere feiert der Film am 3. Oktober im Cinema Paradiso in St. Pölten, er wird aber auch in anderen Bundesländern zu sehen sein. Wem beim Filmgenuss manche Schauplätze bekannt vorkommen, der hat gutes Auge bewiesen: Es wurde im Waldviertel nähe Zwettl, Lilienfeld und St. Pölten gedreht.

INFOS

www.soldatejeannette.com MFG 09.13

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Warehouse

ACCESS ALL AREAS

28.09.

Bei der neuen Partyreihe Access All Areas werden die besten, im Warehouse stationierten Events zusammen geführt und auf zwei Floors präsentiert. Heißt: Zu moderaten Preisen bekommt man zwei Partys zum Preis von einer – und je nach Lust und Lauen kann zwischen den Musikrichtungen ge­ switcht werden. Am 28.09. treten ELECTRO SWING CARNEVAL vs. WHATEVER HAPPENED TO THE 80ies zu AAA an.

20.09.

CITY OF BASS

STP

PLAYGROUND

Der Freitag wird in Zukunft zur Spielwiese für heimische DJs verschiedenster Musikrichtungen. Abwechselnd werden musikalische Schwerpunkte gesetzt, so kann in Zukunft Freitags zu verschiedensten Musikrichtungen abgetanzt werden. Am 20.09. haben die Drum’n’Bass und Jungle DJs das Zepter in der Hand.

31.10.

CITY OF BASS lädt zur Horror-Halloween-Party auf drei Floors mit internationalen und nationalen Deejays, MC’s und VJ’s ein. Musikalisch wird neben dem üblichen Reggae-, Dancehall-Floor oder dem Drum’n’Bass Floor diesmal auch ein eigener Jungle & Tek Floor angeboten. Das Ganze gibt es zu einem fairen Preis von 5 € vor 23 Uhr und 7 € danach.

web / www.w-house.at FACEBOOK / www.facebook.com/warehouseSTP

PROGRAMM SEPTEMBER

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FR 13.09. / 1 Floor STP PLAYGROUND

SA 14.09. / 2 Floors HOLI AFTER PARTY

FR 20.09. / 1 Floor STP PLAYGROUND

Techno, Deephouse, Electro

Indietronic, Mash-Ups, Techno, Electro, Drum&Bass

Jungle, Drum&Bass

SA 21.09. / 2 Floors ACCESS ALL AREAS

FR 27.09. / 1 Floor STP PLAYGROUND

SA 28.09. / 2 Floors ACCESS ALL AREAS

Hip Hop, RnB, Dubstep, Electro, UK Bass

Reggae, Dancehall, Hip Hop

70ies – 80ies, Electro Swing, Swing House, Techno


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FH ST. PÖLTEN

Die Europäische Nacht der Wissenschaft St. Pölten im Bann der Forschung. Mitreißende Shows, spannende Experimente sowie vielzählige Workshops und Vorträge rund um Forschung und Wissenschaft – in mehr als 300 Städten Europas präsentieren Forschungseinrichtungen am 27. September ihre größten und spannendsten Forschungsprojekte auf innovative, informative und unterhaltsame Weise. An mehreren Plätzen im Herzen der Landeshauptstadt lockt die Europäische Nacht der Wissenschaft Wissbegierige von Jung bis Alt mit einem vielfältigen Programm.

Vor zwei Jahren schon war St. Pölten mit den Räumlichkeiten der Fachhochschule Schauplatz der European Researchers‘ Night. Dieses Jahr laden Standorte in der St. Pöltner Innenstadt zu einem abwechslungsreichen Abend auf hohem Niveau. Unter dem Motto „Destination Future“ präsentiert die Fachhochschule zu den Themen Medien, Gesundheit, Wohnen, Mobilität, Leben, Geschichte und Technologie ihre Projekte unter Koordination von FH-Rektor Hannes Raffaseder. Die Projekte zeigen den Beitrag von Forschung und Innovation zum Bewältigen der gesellschaftlichen Herausforderungen der Zukunft. Barocke Visionen – Zukunft MEDIEN Von komplexen Möglichkeiten experimentell-kreativer Medientechnologien über Medienkunst bis zu heute nicht mehr wegzudenkenden Informationstechnologien: Das Programm der Rubrik „Zukunft MEDIEN“ unterhält mit spannenden und innovativen Beiträgen. Mit „Barockvision“ bringen FHStudierende und -mitarbeiterInnen die Franziskanerkirche durch die Projektion selbstentwickelter Animationen zum Schwingen.

bote laden die BesucherInnen der Europäischen Nacht der Wissenschaft zum Informieren, Entdecken und Aktivwerden ein. Ideenwettbewerb und Clubbing Bei einem Science Slam präsentieren kommunikative Studierende und ForscherInnen ihre Projekte kurz, bündig und unterhaltsam auf der Bühne. Den Abschluss des Ideenwettbewerbes bildet die Prämierung der kreativsten Einfälle für eine bessere Zukunft. Eine Abendgala im Landestheater und das anschließende Science Clubbing im Cinema Paradiso bilden den feierlichen Ausklang der European Researchers‘ Night. Die European Researchers‘ Night ist eine Initiative der Europäischen Kommission im Zuge des 7. Rahmenprogramms für Forschung, Technologische Entwicklung und Demonstration.

Vital im Leben – Zukunft GESUNDHEIT Workshops zum Thema „Fit in Job und Freizeit“, ein elektronischer Einkaufsberater für zuckerbewusste Ernährung und ein musikalisch-physiotherapeutisches Feedbacksystem, das (Hobby-)SportlerInnen durch die richtige Musik im Ohr zu Höchstleistungen motivieren kann, sorgen für Unterhaltung zum Forschungsbereich Gesundheit. In die Rolle von SozialwissenschaftlerInnen zu schlüpfen, das eigene ökologische Traumhaus zu konzipieren oder am Lokfahrsimulator einen Zug durch Österreich zu lenken – diese und viele weitere abwechslungsreiche Programmange-

Das gesamte Programm der European Researchers‘ Night und weitere Informationen auf www.destinationfuture.eu MFG 09.13

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The blood, the sweat, the ink Mit Tränen in den Augen freut sich der diese Zeilen schreibende Teilzeit-Wahl-St. Pöltner, dass das bunte Spektakel full of sex, ink and rock’n’roll bald auch unser Städtchen überrollt: Die Wildstyle & Tattoo Messe schippert am 16. und 17. November mit all ihren Tätowierern, Freaks, Beauties and Beasts an Bord im VAZ ein.

J

ochen Auer, Drahtzieher und Macher des Veranstaltungsformats mit Biss, freut sich auf Niederösterreich – kein Wunder, war seine exzentrische Messe heuer bereits in Wien und Salzburg unterwegs und dabei bestens besucht. Kreischende Mädchen, die sich um ein Foto mit dem Zombie Boy anstellen, sind mir als Verfasserin dieser Zeilen zwar nach wie vor suspekt, doch mit der Mexican Vampire Woman war im

„Ich möchte wenn, dann etwas Besonderes tätowiert haben, das muss reifen, das braucht Zeit, und ich werde meine Entscheidung nicht überstürzen.“ Claudkatz, 30 J., blank wie Gott sie schuf

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verträumten Salzburg auch mir nach einem Foto – ganz ohne Gekreische, dafür in Bewunderung ihres Belphegor-Shirts. Und ja, ich freue mich sehr aufs Wiedersehen in STP. Meiner Meinung nach, als Dr. Dr. Woswasi, lässt sich der Besucherstrom einer Messe wie der Wildstyle & Tattoo Messe in drei grobe Kategorien einteilen: die, die es geil finden, die, denen es wurscht ist, die aber nichts verpassen wollen, und die, die es einfach nur scheisse finden und deshalb kommen, um rumzuschimpfen. Alle drei Kategorien habe ich persönlich sehr lieb und kann ihnen versichern: Egal, aus welchem Grund ihr kommt – ihr werdet belohnt werden.

Zum einen präsentiert sich uns hier eine ausgewählte Garde an österreichischen und internationalen Tattoo Artists – mit viel Glück ergattern die Besucher hier einen der begehrten Termine, um sich gleich vor Ort verschönern zu lassen. Die anderen können zuschauen, sich (ehr)fürchten – oder bei Zweifeln, Panikattacken oder schlicht: abwartendem Modus

„Seit ich dieses Tattoo habe, muss ich in der Früh nur in den Spiegel sehen und es anschauen, und ganz egal, wie beschissen es gerade rennt – es baut mich auf!“ HR, 31 J., wenig aber hübsch tätowiert

sich auf den Geschmack bringen lassen. Unter anderem rinnt uns bei Namen wie Bernie Luther und seiner Tattoo Demon Crew, True Fellas Tattoo oder Tattoos to the Mäx ganz heimatver-


TEXT: ALTHEA MÜLLER | Fotos: ZVG

liebt das Wasser im Mäulchen zusammen. Eingeflogen in die STP Rockcity werden außerdem Sido und sein Studio mit dem entzückenden Namen „Ich und meine Katze aus Berlin“, Augustine Nezumi aus Singapur, Suga aus Japan, Vatea aus Tahiti oder Chris Danley aus den USA, um uns allen auf herrlichste Art und Weise wehzutun. Im traditionellen Pacific Tattoo Style tätowiert wiederum Brent McCown aus Neuseeland, darüber hinaus sind noch zig andre Künstler vor Ort. Ein im wahrsten Sinne des

„Heut hat eh schon jeder Volltrottel eine Tätowierung, früher waren’s wenigstens die Häfinger oder die Verliebten.“ danke, lieber Papa, 75 J., untätowiert

Wortes multikulturelles Treiben also, dessen Quintessenz die Nadel ist, die wertvolles Machwerk für die Ewigkeit sticht.

Beautiful freaks Getaktet unterhält uns außerdem die Modern Primitives Freakshow, bei der sich Männer an Fleischerhaken hochziehen lassen (was ich aktuell sehr begrüße und goutiere),

„Das Brustbein hab ich mir deshalb tätowieren lassen, weil man hier gut die absolute Schmerzgrenze austesten kann.“ Felix, 33 J., relativ viel tätowiert

schöne Damen nur mittels Tüchern von der Decke schweben oder muskelbepackte Artisten zeigen, wie viel Kraft mensch entwickeln kann, wenn er oder sie seine Zeit abseits von Couch, TV und Joghurt verbringt. Heiße Lack- und Ledergirls, wenngleich (natürlich) leider nicht ganz nackt, verdrehen uns ebenfalls die Köpfe, genauso wie bereits erwähnter Zombie Boy auftanzt und -legt. Ja, auflegen, Stichwort, denn: DJs wie Rokko Ramirez (ein Freund von mir, also Schnauze und hingehen, danke und Bussi!) und die Vampire Woman, über deren Outfit wir weiter oben bereits sprachen, sorgen artgerecht für musikalische Unterhaltung. Und dann wären da noch die drallen Piercerinnen und die vielen hübschen Standln, bei denen sich allerhand schöne Anziehsachen und mehr erwerben lassen. Hübsches Zeug, in das man den tätowierten oder blanken Körper einwickeln kann. Sowas halt. Nehmt Geld mit oder jemanden, der

Geld mithat. Außer, ihr steht nicht auf Kleidung, Schuhe, Taschen, Schmuck und sonstige Accessoires, die alle miteinander schräg sind. Dann natürlich nicht. Dann kauft euch halt was zum Essen.

„Wenn ich höre, dass meine Tätowierungen später, wenn ich alt bin, schirch aussehen, sage ich immer ‚Später, wenn ich alt bin, ist meine Haut alt. Und nachdem ich tätowiert bin, wird sie alt und tätowiert sein.’ Außerdem werde ich dann nicht mehr die Einzige meiner Generation sein, die im Altersheim bunt herumlauft.“ Silvia, 33 J., an so ziemlich allen Körperstellen tätowiert

So oder so werdet ihr Spaß haben jawohl: Spaß! Ob ihr es plant oder nicht. Außer natürlich, ihr geht mit einem Sack überm Kopf durchs VAZ. Aber bitte – wer macht denn so etwas? Eben.

Jeder 5. Österreicher ist tätowiert Da hammas. Knapp jeder fünfte von uns trägt aktuell ein Tattoo. Knapp 30 % der 16bis 29-Jährigen geben zu, verschönert zu sein, ganze 26 % sind es auch noch bei den alten, gebrechlichen 30- bis 49-Jährigen. Als Beweggrund wird vor allem die Möglichkeit genannt, seine Persönlichkeit auszudrücken. (Facts by APA, August 2013)

Wildstyle & Tattoo Messe 16. bis 17. November 2013, VAZ St. Pölten www.wildstyle.at

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MFG SZENE

Vom Fünf-Uhr-Tee zum Frequency So lautet der Titel einer für 2014 geplanten multimedialen Großausstellung über die St. Pöltner Musikszene von den 60er Jahren bis heute. Wie es zu der Idee kam und was die Besucher erwartet, darüber gibt einer der Ausstellungsmacher himself, Stadt-Jugendkoordinator Wolfgang Matzl, höchstpersönlich Auskunft.

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ie Geschichte beginnt typisch österreichisch: im Kaffeehaus. Wohl auch nicht zufällig im Café Schubert, einem dieser zentralen Kristallisationspunkte, wo so etwas wie ein „Wir-Gefühl“, das für die kulturelle Entwicklung einer Stadt so wichtig ist, entstehen und gedeihen kann. Da wären wir schon bei einem wichtigen Punkt in einer Retrospektive über die Szene St. Pöltens, ihre vorhandenen, öfter aber noch fehlenden Locations … aber dazu später. Ich hatte gerade einige VHS-Bänder aus dem großartigen Archiv des nicht minder großartigen Werner Sandhacker digitalisiert und DVD‘s 64

davon gebrannt. Werner hatte mir dazu einige Aufnahmen meines Freundes Fredi Berger, Szenekennern als „Chico“ bekannt, zur Verfügung gestellt, darunter Auftritte beim Spatenstich des Regierungsviertels, im legendären Lokal „Glasnost“ und in der Wirtshausbühne Eschenau, allesamt Anfang der 90er Jahre gespielt. Die besten Musiker dieser Zeit standen mit Chico auf der Bühne, fast alle heute noch erfolgreich in der Branche, sei es als Musiker oder an den Schalthebeln: Mario Berger, Silvio Berger, Peter Pansky, Dieter Libuda, Bernhard Moshammer, Christian Deix, Oliver Jung, Bernd Tenner, Werner Sandhacker … alle-

samt großartige Künstler, trotz der Lo-Fi Aufnahmen mit dem kleinen Kameramikrofon tolle Dokumente von tollen Konzerten. Einige Nummern stellte ich auf Youtube online, die entstandenen DVD’s brachte ich den Musikern vorbei, das Feedback schwankte zwischen Begeisterung und Rührung über die Aufnahmen, nicht jedem war bekannt, dass es überhaupt Aufnahmen von diesen Gigs gab. Und bald kam man ins Plaudern, ich bekam Geschichten von damals erzählt, Anekdoten, Insiderinfos, Erinnerungen an Gelungenes und weniger Gelungenes, Hoppalas zu manchen Szenen … Zu Hause schaute ich mir die Kommentare zu den Youtube-Videos an: „DANKE für‘s Hochladen“; „Super, da werden Erinnerungen wach“; „Jö, da war ich dabei“; „Jössas, das Glasnost!“; „Gibt‘s da noch mehr davon?


TEXT: WOLFGANG MATZL | Fotos: ZVG

Das alles erzählte ich meinem Freund Rudi Ohnesorge bei einem Kaffee im Schubert. Und wie wir so plauderten und zurückblickten auf vergangene Jahre und Jahrzehnte, auf Bands, Musiker, Lokale und Events, da waren wir uns bald einig: Allen Unkenrufen zum Trotz, die St. Pöltner Musikszene war immer lebendig, es gab immer schon, von den 60er Jahren bis heute, national und international erfolgreiche Musiker und Bands, angefangen von den Swing Boys und der Malformation über Espresso, Peter Pan, Chico, bis hin zu Matthias Jakisic, Mario Berger, Ben Martin, Body&Soul, Lukascher und Bauchklang. Aber als gelernter St. Pöltner ist man ja eher darin geübt zu beklagen, was man alles nicht hat, anstatt zu erkennen, was da ist. Eigentlich, meinte der Rudi, müsste man einmal eine Ausstellung machen und das alles darstellen. Damit war die Initialzündung gegeben. RETROSPEKTIVE AUSSTELLUNG Wenn es eine Person in St. Pölten gibt, mit der man über diese Idee und ihre Umsetzung reden muss, dann ist das ohne Zweifel zuallererst einmal der Didi Prochaska. Ich weiß, er mag das Wort nicht so gern, wurscht, er ist ein Urgestein der Szene. Immer aktiv, in allen erdenklichen Positionen. Als Künstler, Musiker, Kabarettist, Journalist, Kolumnist, Manager, Veranstalter, Kritiker, Berater und Unterstützer war und ist er der Musikszene der Stadt immer verbunden, dabei immer kritisch und direkt, ohne aber negativ oder untergriffig zu werden.

REVIVAL. Im Frühjahr 2014 startet die Aus-

stellung zu 60 Jahren St. Pöltner Musikszene.

LEGENDÄRE BANDS. „Als gelernter St. Pöltner ist man ja eher darin geübt zu beklagen, was man alles nicht hat, anstatt zu erkennen, was da ist“, so Wolfgang Matzl.

Er war es auch, der den Boom der St. Pöltner Retro-Bands ausgelöst hat, mit seiner „Beat Generation Ol‘Star Band“ füllte er die Säle, und nicht zuletzt das von ihm veranstaltete 80er Revival im Jahr 2006, bei dem die St. Pöltner Bands der 80er Jahre vor begeistertem Publikum in einer ausverkauften Bühne im Hof aufspielten, qualifizieren ihn mehr als jeden anderen für eine zentrale Position bei einer retrospektiven Ausstellung.Also bei nächster Gelegenheit den Didi auf die Idee angesprochen, und siehe da: Er hatte die selbe schon vor einiger Zeit. Wie es oft so ist, entstehen manche Ideen zu gleichen Zeiten an verschiedenen Orten. Auch dem Didi war es immer schon ein Dorn im Auge, dass die St. Pöltner Szene zwar von außen immer respektvoll betrachtet wurde, aber in der Stadt lange diese „mia haum nix, bei uns gibt‘s nix, do is so fad“ Mentalität vorhanden war, mit der man sich nur allzu oft selber im Weg stand. Die Zeit scheint also reif für einen Rückblick, eine Werksschau der Szene, ein Aufzeigen und Aufzählen der Bands, Künstler und Kollektive, der Events und Locations und des Umfelds. Dass so ein umfangreiches Projekt auch finanzielle Mittel und vor allem passende, großflächige Räumlichkeiten benötigt, liegt auf der Hand

und war die größte Herausforderung. Glückliche Fügung: Der Freiraum wird, bedingt durch die Übersiedelung der Arbeiterkammer von Wien nach St. Pölten, neu gebaut, und zwar unmittelbar beim zugehörigen Parkhaus. Das Ausstellungsprojekt wurde der AK vorgestellt und angefragt, ob eine Durchführung im Parkhaus möglich wäre – rasche Antwort: Ja, und das Projekt gefällt so gut, dass die AK uns auch finanziell unterstützen will. Nächste Frohbotschaft: Auch die Sparkasse ist als Partner mit an Bord. Also: Startbudget gesichert, Location fix, und damit geht‘s richtig los. Termin der Ausstellung: Frühjahr/ Sommer 2014, hunderte Quadratmeter Platz, eine Konzertbühne in unmittelbarer Nähe, die idealen Voraussetzungen also. Neugierig geworden? Folgen sie uns im mfg oder auf unserer Facebook-Seite: www.facebook.com/ Vom5UhrTeeZumFrequency Und wer noch heißen Vintage-Stuff hat – nur her damit. Bitte an stp.ausstellung@gmail.com

In der nächsten Ausgabe Wie alles begann. Von Schlurfs, Swing-Boys und Matinées

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MFG ADVERTORIAL

NDU

NDU: Tapetenwechsel für das Glanzstoffareal St. Pölten Vier Jahre lang stand das Gelände der ehemaligen Glanzstoffwerke leer. Seit einem Jahr nutzt die New Design University (NDU) Teile der Fabrik – und machte sich im Rahmen einer Summerschool Gedanken, wie das Gelände sinnvoll weiter verwendet werden kann. Im Oktober werden die Ergebnisse in einer öffentlichen Ausstellung am Areal präsentiert.

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as tun mit den Glanzstoff­ werken? Immerhin boten sie bis 2008 vielen St. Pölt­ ner Familien einen Arbeitsplatz. Au­ ßerdem versprüht die Industriebrache einen außergewöhnlichen Charme. Es wäre schade dieses Potential nicht auszuschöpfen. So setzten sich An­ fang September Studierende von un­ terschiedlichen Universitäten und Lehrende in einer Summerschool drei Tage lang intensiv mit der Frage aus­ einander, wie die historische Fabrik­ architektur erhalten werden kann. Mehr noch, wie sie sinnvoll weiter genutzt, wie sie architektonisch und gestalterisch spannend erweitert wer­ den kann. Denn die Umgestaltung des Glanzstoffareals soll auch frischen Wind in die Architekturlandschaft von St. Pölten bringen und beispielge­ bend sein für europäische Städte ähn­ lichen Maßstabs. Ideenvielfalt für die Zukunft „Es müssen nicht nur architektonische und gestalterische Aufgaben gelöst werden. Es tun sich auch soziale und kulturelle Fragen auf“, weiß Univ. Prof. Dieter Spath, Studiengangslei­ ter des MA Innenarchitektur & 3D Gestaltung an der NDU. „Immerhin soll sich das Areal mit seinen neuen Nutzungsformen in die Stadt St. Pöl­ ten eingliedern.“ Die Studierenden der NDU, der Universität für Bodenkultur 66

und der Technischen Universität Wien näherten sich mit den Lehrenden the­ oretisch, experimentell und installativ dieser Herausforderung. „Die Welt von morgen braucht Quer­ denker.“ Getreu diesem Motto der NDU betreuten neben NDU-Profes­ soren auch ein Performer, eine Urba­ nistin und ein Landschaftsarchitekt die Summerschool. Sie lieferten unter­ schiedliche Blickwinkel, öffneten die Augen für Neues und ließen den auf­ kommenden Ideen freien Raum. Feedback und Meinungen erwünscht Die Summerschool war Teil des dies­ jährigen New Design Festivals, das die NDU bereits zum siebenten Mal veranstaltet. Auf ein Symposium und einen Workshop Anfang Oktober folgt die Ausstellung „Erlebnis St. Pöl­ ten - Experience the City“. Am 5. und 6. Oktober können von 10 – 17 Uhr die Ergebnisse und Vorschläge zur Nachnutzung der Glanzstoffwerke angesehen werden. „Wir laden alle St. Pöltnerinnen und St. Pöltner ein, sich unsere Vorschläge anzusehen und auch das Glanzstoffgelände selbst zu besichtigen. Wir sind schon gespannt auf ihre Reaktionen und Feedback“,

freut sich NDU-Rektor Dr. Stephan Schmidt-Wulffen auf den Dialog mit der Bevölkerung und hofft auf viele Besucher.

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Wassermusik Seit 2009 geht der Wassermann in St. Pölten um. Rein musikalisch, versteht sich. Da ist nämlich eine Band umtriebig, die aus den Flüssen der Vergangenheit und Gegenwart gleichermaßen schöpft und der man getrost eine hervorragende Zukunft voraussagen darf: Vodjanoj. Belebt die (Hör-)Sinne.

A BANDPORTRÄT

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lso, was wir nicht machen, ist keltische oder gar Mittelalter-Musik!“ stellt die Sängerin und Drehleierspielerin von Vodjanoj, Vicky Heßl, gleich zu Beginn klar. Wir sitzen im „Kultig“ beim Kaiserwald und sprechen gerade über Pagan Folk, Wassergeschöpfe und Sprachen, die keiner versteht. Wir, das sind besagte Vicky, Sänger und Geiger Burgl Bärner, Dominik Kraushofer, der für Bass und

(ebenfalls) Gesang zuständig ist, sowie der Schreiber dieser Zeilen. Live bietet die Band, mit Thomson Kraushofer an der Gitarre und Chris Weniger an den Percussions, ein mitreißendes Gebräu aus – zumeist – nordischen Folktunes und wenigen, aber präzise eingesetzten Rockelementen, wie man sich etwa heuer bereits im St. Pöltner BarRock und im Wiener Replugged überzeugen durfte. Aber wer oder was ist Vodjanoj eigentlich?


TEXT: Thomas Fröhlich| Fotos: zvg

Burgl, der sich soeben eine Zigarette dreht, meint nach kurzem Überlegen: „Die Grundidee war eigentlich ein akustisches Gemisch aus verschiedenen Kulturen. In letzter Zeit kamen sehr viele skandinavische Elemente hinzu.“ Was vielleicht auch daran liegt, dass Burgl unter anderem Skandinavistik studiert. Die Auswahl bestehe aus neu interpretierten Volksliedern, Coverversions und Eigenem, „wobei jeder in der Band was einbringt“. Gesungen wird auf schwedisch, finnisch – „ein Lied sogar auf urgermanisch.“ Und Vicky ergänzt: „Ja, englisch oder deutsch passt überhaupt nicht zur Musik.“ Sie grinst, wie noch oft an diesem Abend: „Hauptsache, man versteht‘s nicht!“ Zustimmendes Gelächter von Burgl und Dominik. Ah ja. Die Grundformation besteht seit 2009. Benannt wurde die Band nach einem Wassergeschöpf, dem Vodjanoj, einer liebenswert-sinistren Sagengestalt aus dem slawischen Raum, vergleichbar etwa mit unserem Wassermann: Manchmal scheint er den Menschen freundlich gesinnt zu sein, mitunter treibt er aber auch seine üblen Scherze mit ihnen. Zudem hält er sich gerne in und an Mühlbächen auf, was ihm in St. Pölten wiederum kein unwesentliches Territorium verschafft. Aber warum ausgerechnet Vodjanoj? „Keine Ahnung,“ gibt Vicky zu: „Ich hab‘ da geschlafen.“ Und lacht recht vernehmlich. Auch Burgl ist sich bezüglich der Namensgebung nicht so sicher: „Ehrlich xagt, das ist irgendwie passiert.“ Aber, ja doch, eine Erklärung gibt’s – möglicherweise: „Wasser verbindet Kulturkreise – wie etwa die Donau. Und das machen wir auch in der Musik.“ Und woher kommt die Beschäftigung mit nordischem Folk? Im (Black) Metal ist ja eine Affinität zum Finnischen, Norwegischen etc. schon seit Jahren gang und gäbe. Aber ansonsten hätte früher kein Mensch finnisch gesungen (außer

Finnen). „Klar, das Hören von Black und Folk Metal hat uns den Zugang ermöglicht,“ meint Vicky, die jedoch wie die anderen Band-Mitglieder – bis auf Burgl und Thomson – keinen aktiven Metal-Background besitzt. Initialerlebnis sei dann 2007 ein Konzert der schwedischen Folkband Hedningarna gewesen. „Da wussten wir, in der Richtung wollen wir was tun.“ Ihren ersten Mehr-als-AchtungsErfolg durften sie 2011 im St. Pöltner „frei:raum“ im Rahmen der Pagan Folk Night einfahren, damals noch mit dem Death Metal-affinen Aram Balajan an den Percussions.

NORDISCHER FOLK. Bei Vodjanoj wird auf schwedisch und finnisch gesungen.

Was gleich die nächsten Frage aufwirft: Sind Vodjanoj Teil der Pagan Folk-Szene? Und – für Außenstehende: Was ist überhaupt Pagan Folk? Heidnisch? Antichristlich? Burgl lacht: „Nein, also schwarze Messen halten wir definitiv keine ab.“ Und Vicky ergänzt: „Religion spielt bei uns überhaupt keine Rolle. Wir sind weder pro- noch antichristlich.“ Und setzt hinzu: „Eigentlich gibt’s für die Art von Musik, die wir machen, keine Bezeichnung. Das Mäntelchen Pagan Folk wird derzeit gerne über alles Mögliche gestülpt, was nirgendwo rein passt.“ Und Burgl präzisiert: „Man könnte ja auch Volksmusik oder einfach Folk

dazu sagen. Aber bei Volksmusik denken halt viele gleich an den Musikantenstadl.“ Und als Abgrenzung zur mitunter doch recht biederen (Post-)68er-Folkbewegung dürfte das kleine Wörtchen pagan ganz gut funktionieren. „Eigenständig – so übersetzt man‘s wahrscheinlich am besten.“ Danke, Vicky. Apropos: Es gibt ja bekanntlich immer noch Zeitgenossen, die Folk, speziell mit tendenziell nordischer Ausrichtung, als ausschließlich rückwärts gewandt abtun. Dazu Burgl: „Weißt du, in Österreich oder Deutschland muss man das immer gleich rechtfertigen, wenn man auf derlei zurückgreift. In Norwegen etwa ist das überhaupt kein Thema.“ Er resümiert: „Hat klarer- und auch verständlicherweise mit unserer Geschichte zu tun.“ Und Dominik ergänzt: „Wir spielen ja Folk nicht 1:1 nach.“ Darauf nochmals Burgl: „Wir stellen das ja in einen zeitgenössischen Kontext.“ Folk sei nie etwas Statisches gewesen, habe sich immer weiter entwickelt. Und Vicky lässt – sinngemäß – durchblicken, dass jeder, der ihre Musik, die ja im besten Sinne Kulturen verbindend sei, in ein seltsam riechendes Eck stellen würde, sowieso einen an der Waffel habe. Einige ausgewählte Gigs, darunter einer rund ums Castlefest in Holland, sind schon fix für 2013. Für den kommenden Herbst steht zudem die Produktion der ersten CD an. „Mit Tom Stockinger, einem supertollen Tontechniker!“, wie Dominik schwärmt. Und er setzt hinzu: „Tom hat auch unser Logo gestaltet – in Word!“ Deshalb „schrauben wir in dem Jahr auch unsere Auftrittsdichte ein bissl runter,“ wie Vicky meint, „da wir die CD in Eigenproduktion machen.“ Und setzt wieder ihr ziemlich ansteckendes Vicky-Grinsen auf: „Eigenständig. So richtig pagan halt.“ Wobei wir wieder beim Thema wären: ein fließender Übergang im besten Sinne, sozusagen.

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MFG SPORT

FRAUEN FUSSBALL

Projekt Meistertitel

Mit Goldketterln bestückt und im Armani-Anzug – wer da an einen männlichen Fußballtrainer an der Outlinie tippt, hat meist richtig gedacht. Brigitte Entacher, die Trainerin des Champions League Teams FSK Simacek St. Pölten-Spratzern, steht im sportlichen Trainingsanzug am Spielfeldrand – einer der vielen bemerkenswerten Unterschiede zwischen Damen- und Herrenfußball.

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ährend SKN-Trainer Martin Scherb vor Kurzem sein Projekt „Gipfelsturm 4.1“ schon nach den ersten Runden ad acta legen und den Trainersessel räumen musste, befindet sich das St. Pöltner Frauenfußballteam beim Kampf um den österreichischen Meistertitel voll auf Kurs. „Nach dem Cup-Titel und dem Genuss jetzt auch in der Champions League zu spielen, wäre der Meistertitel noch mein größter Wunsch“, so Brigitte „Gitti“ Entacher, die seit 2011 den FSK Simacek St. Pölten-Spratzern trainiert. Die Tirolerin, die zehn Jahre lang im österreichischen Na70

tionalteam spielte und seit über 20 Jahren schon Frauenteams trainiert, arbeitet mit ihrer „Frauschaft“ hart für das kollektive Ziel. Viermal in der Woche wird auf dem ehemaligen Stattersdorfer Fußballplatz das Training abgehalten. Die meisten der Spielerinnen müssen dafür eine mehr als eineinhalbstündige Anreise in Kauf nehmen. Sie kommen mit dem von den Spielerinnen getauften „Party-Bus“ von Wien, in dem gelernt, gechilled oder einfach nur gruppendynamisch geplaudert wird. Geld gibt es nur wenig und das auf Entschädigungsbasis, einer der Hauptunterschiede


TEXT: Andreas Reichebner | Fotos: KARL STADLER, Gerhard Möhsner

zwischen Damen und Herren. „Die Gagenverteilung ist nach wie vor eine Frechheit. Während sich die Burschen sogar in den untersten Klassen mit dem Kicken etwa das Studium finanzieren können, müssen unsere Spielerinnen zusätzlich noch arbeiten“, echauffiert sich Entacher über fehlende finanzielle Unterstützung. Never ending story Linksverteidigerin Nina Klima, österreichische Nationalteamspielerin und Studentin der Sportwissenschaften, sieht das genauso: „Es ärgert mich schon, wenn ich sehe, wie männliche Kollegen gut davon leben. Schließlich ist das Fußballspielen auf dem Niveau schon ein Job an sich. Da gehört schon eine irrsinnige Leidenschaft dazu.“ Auch die zweikampfstarke Julia Tabotta, die mit fünf Jahren schon Fußballprofi werden wollte, findet diesen Umstand traurig: „Ich denke, Frauenfußballerinnen leisten viel mehr, sie arbeiten, studieren … ich würde gerne nur Fußball spielen.“ Tabotta ballestert übrigens auch im Nationalteam. So wie insgesamt 14 Spratzerner Spielerinnen, die in Nationalteams engagiert sind. Auch die fehlende Wertschätzung etwa seitens des Fußballverbandes ist zurzeit eine „never ending story“. Hier ortet Trainerin Entacher noch einen extrem großen Nachholbedarf: „Frauenfußball ist nach wie vor nicht mehr als ein Anhängsel des ÖFB“. Attraktiver Fußball Ins gleiche Horn stößt auch die sportliche Leiterin des FSK Simacek St. Pölten-Spratzern, Katahrina Ehart: „In den letzten fünf bis zehn Jahren hat es im Frauenfußball eine extreme Steigerung gegeben, tolle Leistungssprünge. Da kann man einfach nicht mehr wegschauen.“ Zuschauen wäre eher das Credo, und das tun immer mehr Leute. Bei Topspielen kommen 500 Zuschauer auf den Voith-Platz, den die Frauen in dieser Saison zeitweise bespielen. „Wir haben eine Kooperation mit dem SKN. Deren Abonnenten können bei uns auch zuschauen kommen. So beleben wir den ehrwürdigen Voith-Platz.“ Beim Spiel gegen Innsbruck, das 3:0 gewonnen wurde, sah man auch eine nicht unbeträchtliche Anzahl alter SKN-Stammzuschauer rund um die Bierausschank. Alte vertrottelte Wortspenden wie „Leiberltausch“ oder „des is jo ka Fußball“ waren gestern. Jetzt hört man von den Zuschauerbänken eher Akklamationen wie „Super, wie die reingeht“, „Schauts, wie die die Räume ausnutzen“ oder „die lassen den Ball aber schön laufen“. Trainerguru Entacher weiß um die zunehmende Attraktivität von Frauenfußball, nicht nur wegen der augenscheinlichen, weiblich-figuralen Ästhetik. „Männer, die uns vorher noch nie spielen gesehen haben, von denen bekomme ich oft Feedback wie ‚ihr spielt ja stark!‘ und so.“ Das macht sie stolz auf ihre durchwegs junge Truppe. „Natürlich sind uns Männer in punkto Dynamik und Schnelligkeit überlegen, aber im taktischen und technischen Bereich haben wir extrem aufgeholt“, gibt sich

Nina Klima, die nächstes Jahr während eines Studienjahres im Ausland zu Ajax Amsterdam wechseln möchte, selbstbewusst. „Männer haben halt mehr Muskeln, aber unsere Partien sind auch temporeich, ich denke, im Vergleich zu Spielen in der österreichischen Meisterschaft, durchaus anschaulicher“, geht Julia Tabotta noch ein Stückchen weiter und verweist auf die Cup-Finalpartie gegen die ewigen Rivalinnen aus Neulengbach. Ewige Rivalinnen „Da habe ich mir gedacht, Erdboden tu dich auf und lass mich versinken“, so die Gitti. Was war passiert? Während des gesamten Spieles wurden die Dauerrivalinnen diktiert und ein 3:0 Vorsprung herausgeschossen, der in den letzten Minuten versemmelt wurde. „In der Kabine war Emotion pur, einige haben geweint, manche haben gegen alle Dinge getreten, die sie gefunden haben. Wir waren am Boden zerstört“, erinnert sich die Trainerin an diesen Moment. „Die Neulengbacherinnen sind gleich auf dem Platz geblieben, waren sich schon siegessicher.“ Es kam zum Elfmeterschießen. „Wir haben das natürlich schon vorher trainiert.“ Kapitänin Monika Matysová hatte sich immer beharrlich geweigert, einen Elfmeter zu schießen. „Aber im letzten Training hat sie einen Elfmeter direkt ins Kreuz gejagt“, erzählt Entacher, „da hab ich ihr gesagt, du musst schießen, aber als letzte. Und sie hat das entscheidende Ding genauso wie im Training reingemacht. Dann sind die Emotionen übergegangen.“ Der im Jahr 2006 gegründete Vizestaatsmeister FSK Simacek St. Pölten-Spratzern besiegte die Favoritinnen aus Neulengbach und kürte sich zum ÖFB Ladies Cup Sieger 2012/13. Die ewigen Zweiten holten sich damit ihren ersten Titel in der höchsten Spielklasse in Österreich. „Der Neulengbacher Trainer hat mir gratuliert und sogar am nächsten Tag noch eine SMS geschickt“, so die Röntgen-Assistentin Entacher über die Rivalität zwischen den beiden Spitzenteams. Jetzt ist das Projekt Meistertitel am Laufen – und da führt nur der Weg über die ewigen Rivalinnen. „Meine

FRAUENPOWER. Viermal pro Woche wird trainiert. Die meisten Spielerinnen müssen dafür eine lange Anreise in Kauf nehmen.

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MFG SPORT

Zwicken, Beißen und Ellbogen ins Gesicht rammen, findet man äußerst selten. „Die Mädels sind da nicht so fies wie die Burschen“, weiß Entacher. Auch Nina Klima, die sich gerade nach einem Kreuzbandriss wieder ins Team kämpft, wundert sich öfters über ihre männlichen Freunde und deren Tipps: „Du musst zwicken und beißen, sagen sie zu mir oder Ärgeres. Auf diese In der Champions League Ideen würde ich nie kommen.“ Ehrgeizig ist auch Nicole Billa, die seit einem Tja, Geld verdirbt bekanntlich den ChaJahr beim Verein spielt. Die junge Tirolerin rakter, und da die männlichen Kicker ja ist im Frauen-Nachwuchszentrum in der bereits in den „Schutzgruppen“ die Euros Sportwelt NÖ untergebracht. „Meine ganze Woche besteht aus Lernen und Fußball“, ereinsackeln, wird da bei weitem unfairer zur läutert die zweikampf- und kopfballstarke Sache gegangen. Stürmerin. „Mein großes Ziel ist es die zwei Und auch das Vorurteil, wonach „AufbQuali-Runden in der Champions League zu rezerln“ fürs Spiel und die Öffentlichkeit überstehen und in die Endrunde zu komwichtiger als bei den Männern ist, strafen men.“ Denn aufgrund der starken Leistungen die gelackten, mit Unmengen an Gel aufgerichteten, modischen und teils skurrilen der Rivalinnen aus Neulengbach darf der ViHerrenfrisuren bei den kickenden Möchtezestaatsmeister aus St. Pölten heuer auch im FRONTWOMAN. Trainerin gernmodels Lüge. So etwas findet man selKonzert der ganz großen Teams des Frauen- Brigitte „Gitti“ Entacher. fußballs mitspielen. „Da profitieren wir von unseren Kon- ten bei den Frauen – entweder sportliches Kurzhaar oder kurrentinnen.“ Dafür nimmt die junge Angreiferin viel in lange Haare, gebändigt mit einem Zopf, so präsentiert Kauf. „Meine Familie in Tirol sehe ich kaum, aber Fuß- sich der Großteil des Teams zweckorientiert. ball bedeutet mir einfach sehr viel.“ Ehrgeiz bei den Fußballerinnen artet aber im Vergleich „Wie Weiberleut ticken“ zu den männlichen Kollegen nicht in hinterfotziger Bru- Zurzeit hat der FSK zwei Teams – das A-Team kämpft in talität am Platz aus. Versteckte und gemeine Fouls á la der Frauenliga, während das B-Team etwa vorige Saison den vierten Platz in der 2. Frauenliga Ost/Süd erreichte. Also eine Menge Frauen, ob da lesbische Beziehungen Thema sind? „Die Mädchen gehen da sehr trocken damit um. Es ist kein Thema bei uns und wird nie angesprochen. Aber natürlich gibt es das, wie bei allen anderen Teamsportarten. Solange die Beziehungen hinhauen und damit auch die Leistungen passen, gibt es keine Probleme“, erläutert die Trainerin nüchtern. Mit Homosexualität unter männlichen Spielern wird da im Allgemeinen nicht so entspannt umgegangen. Als weibliche Trainerin sieht sie selbst den Vorteil des besseren Hineindenkens in ihre Spielerinnen. „Ich weiß, wie Weiberleut ticken, verstehe die Emotionen besser. Manchmal fahr ich rein, dann und wann muss ich sensibler sein. Ein Mann würde da eher drüberfahren“, sieht Entacher aber nicht nur Vorteile in ihrer eher kumpelhaften Art. „Ich lasse auch Mitspracherecht zu, aber dabei kommt es immer wieder zu vielen Diskussionen. Warum spiele ich im B-Team, warum …, aber das krieg ich immer besser in den Griff.“ Die FSK-Trainerin ist während des Spiels keine Leise. Um ihre bereits angegriffene Stimme zu entlasten, hat sie seit Kurzem ein Pfeiferl. Damit holt sie sich die Aufmerksamkeit beim Training, wenn es darum geht, ihrem jungen Team mit einem Altersschnitt um die 20 Jahre, neue Spielsysteme einzutrichtern. „Grundsätzlich spielen wir 4-4-2, aber es kommt auf die Gegnerinnen an. Ich will aber auf jeden Fall über die Viererkette nach vorne mitspielen. Mir ist die Kontrolle auf dem Platz, speziell beim Spielaufbau, Spielerinnen sind aber ehrgeizig, mindestens so wie die Männer, vielleicht sogar zielorientierter, aktiver und ernster. Während die Burschen lässig eine Volleypartie abziehen, so auf cool, sind die Mädels da entschlossener“, findet Entacher

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Projekt Meistertitel

SIEG. Der FSK Simacek St. Pölten Spratzern holte sich den Titel „ÖFB Ladies Cub Sieger 2012/13“.

besonders wichtig. Im Vergleich zu Neulengbach fehlt uns die Ruhe und Abschlussstärke vor dem Tor. Aber das werden wir durch mehr Routine hinkriegen.“ Bei den Spratzernerinnen gibt es auch das Projekt Mädchenfußball in St. Pölten, das von Katharina Ehart betreut wird. „Da ist unser Ziel junge Mädchen für das runde Leder zu begeistern und ein reines Mädchen-Team in einen Meisterschaftsbewerb einzugliedern“, berichtet Ehart. Man könnte also meinen, eine reine Mädelspartie beim FSK. Nicht ganz, so hat Manager Wilfried Schmaus eine bedeutende Rolle. „Ohne den Willi geht fast nix, er hat immer ein offenes Ohr für uns und ist lösungsorientiert, geradlinig“, streut Gitti dem „typischen Manager“ Rosen. Mit Arnold Kraushofer betreut ein Mann das B-Team und assistiert Entacher. Die Physios sind ein gemischtes Team mit Manuel Walzel und Dani Gsenger, während Reinhard Dietl die Torfrauen trainiert. So arbeitet man bei FSK auch mit Männern daran, dass Frauenfußball noch attraktiver und professioneller wird. Vielleicht spielen die jungen Mädels vom Projekt Mädchenfußball dann auch einmal in der NV-Arena – dort, wo das jetzige A-Team auch gern spielen würde.

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Nächste Spiele: Champions League gegen TORRES Calcio (9. Oktober, 19 Uhr, Voithplatz St. Pölten); Bundesliga-Heimspiel gegen Soccer Women (13. Oktober, 13 Uhr, Sportplatz Spratzern)

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you got to slow down…

Wer sich entschleunigen oder den Anblick der Natur genießen will, der setze sich in die schmalspurige Mariazellerbahn. Langsam und gemächlich zuckelt sie durch das Pielachtal bis nach Mariazell. Uns bringt Sie nach Kirchberg an der Pielach. Von dort geht es mit dem Auto steil bergauf weiter „zum Fuxsteiner“.

Die ausgebildete Edelbrand-Sommeliere Melanie Fuxsteiner empfängt uns schwungvoll im Präsentationsraum des Familienbetriebes. Hier oben am Bergbauernhof wird nicht nur die ganze Palette des Dirndl- und Edelbrandsortiments präsentiert, sondern auch zahlreiche Medaillen, Pokale, Urkunden, Auszeichnungen, die Familie Fuxsteiner bei diversen Verkostungen eingefahren hat. Melanie Fuxsteiner ist stolz auf diese Erfolge und auf ihre Familie: „Der Schwiegervater hat vor 50 Jahren begonnen mit der Direktvermarktung, er hat Obst ausgekreiselt bis in die Steiermark, mit ‚Bugl74

korb und Moped‘. Wir haben diese Tradition übernommen, die Produkte veredelt, und das kommt bei den Leuten sehr gut an. Uns schmeckt es natürlich selber auch, und dann verkauft man es auch viel lieber. Das schätzen die Kunden.“ Es gibt sehr viele verschiedene Produkte, allein an die 40 verschiedene Edelbrände stehen zur Auswahl, und dann die ganze Range der DirndlProdukte: Dirndl-Marmelade, DirndlSirup (zum Verdünnen mit Soda, Leitungswasser oder für den Pielachtaler Dirndl-Spritzer mit Weißwein, als regionale Antwort auf den Aperol-Spritz),

Dirndl-Cremehonig, Dirndl-Likör und natürlich der Original Pielachtaler Dirndlbrand als weltweit geschützte Marke, Dirndl-Schokolade und heuer neu auch Dirndlsenf, der besonders gut mit Weißwürstel harmoniert. Aktuell ist gerade Erntezeit, wobei die Dirndln auch Wald­oliven genannt werden, wie Fuxsteiner erklärt. Kein Zufall: Das Ernteverfahren ist ähnlich,


TEXT: Siegrid Mayer | Fotos: SIMON HÖLLERSCHMID

allerdings mit einem kleinen Unterschied ... „Im August werden Netze unter den Bäumen, die meist auf steilen Hängen stehen, aufgelegt, und wir ernten täglich die abgefallenen reifen Früchte. Das ist sehr aufwendig, macht sich aber dann in der Qualität bemerkbar.“ Es wird also nichts abgeklopft, wie etwa bei den Oliven? „Nein, weil die Frucht sonst nicht reif ist. Der wilde Dirndlstrauch braucht um die 40-50 Jahre bis er einmal richtig ertragreich ist. Eigentlich arbeiten wir also bio, aber ohne Zertifizierung“, so Fuxsteiner. Dirndlkönigin im Dirndldirndl. Vor etwa 20 Jahren ist in der Region die Entscheidung gefallen, die hier beheimatete Dirndl – auch Kornelkirsche genannt – zu vermarkten. Zielsetzung war Identitätsstiftung für die Region mit daraus resultierender Wertschöpfung für Landwirtschaft und Tourismus. Der Weg zum Dirndlkirtag

war dann nur mehr ein kurzer. Als besondere Attraktion des alljährlich in einer anderen Mitgliedsgemeinde stattfindenden Festes wurde alsbald die Idee zur Wahl einer Dirndlkönigin geboren. Die erste amtierende war von 2004 bis 2006 Fuxsteiner. In dieser Zeit und Funktion hat sie die Region bei diversen Präsentationen in Niederösterreich, Berlin, Italien oder der

Schweiz vertreten. Damals, wie auch heute noch, trug sie mit Freude das typische Pielachtaler Dirndldirndl oder die Dirndltal Tracht. Gibt es eigentlich Rückmeldungen seitens der Betriebe an die früher amtierende Dirndlkönigin, die sagen: „Ja, es geht dadurch was weiter im Fremdenverkehr?“ Fuxsteiner ist davon überzeugt. Das beste Zeichen dafür sei etwa die Landesausstellung 2015. „Diese hätte es sicher nicht in die Region geschafft, wenn die Marke ‚Dirndltal Pielachtaler Genussregion‘ nicht so publik gewesen wäre.“ Weitere Besätigungen des Weges seien die neue „Himmelstreppe“ oder der Umstand, dass sich immer mehr Betriebe an die Marke binden, wie z. B. der Dirndlhof oder der Dirndltaler Fleischer. „Das ist schon eine große Wertschätzung“, gerät Fuxsteiner ins Schwärmen. Das Leben am Berg. Was gibt es sonst noch im Leben der ehemaligen Dirndlkönigin außer Dirndln, was ist ihr wichtig? „Also an allererster Stelle steht bei mir natürlich die Familie. Ich bin ein Familienmensch und darum macht mir auch die Arbeit im Familienbetrieb so Spaß“, verrät Fuxsteiner, und kommt damit unbewusst wieder auf die Dirndl als offensichtlich alles durchdringenden Lebensaspekt zurück. „Ich bin ja mit 15 Jahren in den Betrieb gekommen und habe hier meinen Gatten kennengelernt. Unsere Jungs zeigen auch Interesse, das macht natürlich Freude. Wir werden sehen, wohin die Reise geht. Wir haben jedenfalls noch einige Visionen im Kopf, auch bezüglich der Landesausstellung“, verrät sie, und fügt voll Tatendrang hinzu: „Ja, ich freue mich schon auf die neuen Herausforderungen …“ Apropos Herausforderung: Wo bzw. wie gehen die Buben von hier oben aus eigentlich in die Schule? Fuxsteiner wirkt ob der „städtischen“ Frage amüsiert. „Also das ist einfach: Sie besuchen die Hauptschule Kirchberg, und im Winter, wenn Schnee liegt, fahren sie mit den Schiern zum Bus.“ Alles easy also im Dirndltal, und es scheint tatsächlich so, als habe sich ein

Pielachtaler Dirndlkirtag Am 5. und 6. Oktober feiert das Pielachtal bereits zum achten Mal seinen Dirndlkirtag. Schauplatz ist heuer Ober-Grafendorf. Die Mariazellerbahn wird an beiden Tagen ihre Intervalle verdichten und Sonderzüge einsetzen. Kulinarisch verwöhnt der Dirndlkirtag mit typischen Pielachtaler Dirndl-Spezialitäten, die es an zahlreichen bunten Ständen zu kaufen und zu verkosten geben wird. Als Rahmenprogramm gibts geführte Wanderungen mit den Naturfreunden Ober-Grafendorf, Dirndl-Modeschauen, Schau-Spinnen und verschiedenste musikalische Darbietungen. Programm-Höhepunkte sind zudem ein Oldtimertraktor-Treffen, die Edelbrandprämierung, ein Frühschoppen mit Blasmusik sowie die Präsentation eines neuen Dirndlkochbuches. Zudem finden stündlich Betriebsbesichtigungen in der Firma  STYX Naturcosmetic inklusive Schokoladeverkostung „all you can eat“ (pro Person € 7,-) statt.

Mostviertel Tourismus T +43 7416 521 91, F 530 87 office@mostviertel.at www.mostviertel.info www.pielachtal.info

neues Selbstverständnis und Selbstvertrauen in der Region entwickelt. Melanie Fuxsteiner ist jedenfalls, obwohl lebhaft, eine ausgewogene Frau: „Ich liebe meine Heimat, weiß wo die Vorzüge, die Sehenswürdigkeiten liegen.“ Von Landflucht in die Stadt kann also keine Rede sein. „Wir kommen schon auch in die Stadt, aber nur zum Bummeln und Einkaufen. Uns geht sicher nichts ab. Wir sind gerne hier oben. Daheim im Dirndltal. Und stolz darauf.“ Zu Recht.

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MFG KRITIKEN

ZUM HÖREN

Manshee, mikeSnare, Thomas Fröhlich, Dr. Schramek, Rob.STP, dieKatha (von links nach rechts)

Self Titelt

... FIRSTBORN. Wie ein Pfeil startet das junge Quartett mit frischem, aufregenden und rumpeligen Garagepop los. Launig, waghalsig und mit einer enormen Portion Selbstvertrauen präsentieren sich die vom Garagen-Punk-Rock der siebziger und vom Beat der sechziger Jahre infizierten Jungspunde. Stücke wie „Bloodsucker“ sind eine Verschmelzung aus Sonics, Stooges, The Velvet Underground, Pavement und dem ersten Weezer-Album ... also einfach grandios!

JONNY LANG FIGHT FOR MY SOUL

Okay, der gute Mann hat sich reichlich Zeit gelassen: Nachdem er 2006 mit „Turn Around“ den Grammy abstaubte, ließ er seine Fans sieben Jahre lang schmachten. Doch Warten hat sich gelohnt! „Fight For My Soul“ kommt voller Druck daher und wabert ordentlich in den Eingeweiden. Spielt Jonny Blues, spielt er Rock, gar Funk und Soul? Sinnlose Etikettierungen. Das, meine Lieben, ist Jonny Lang, der Retter des BluesAbendlandes, so Jonny: „Fight For My Soul“!

ZUM SCHAUEN Manshee, Ebru Erez

HORRORSHOW

King amongst many Das dritte Album des Duos aus Sydney bringt Hip Hop aus eigenem Anbau. Will heißen: Von Platitüden und Hitrezepturen befreit gibt‘s hier 15 Tracks, die zwar weniger zum blindwütigen Abtanzen als viel mehr zum beschwingten Zuhören und Mitnicken verleiten. Recht stilsicher verpackt erzählt Rapper Solo hier von der Lebensrealität junger Menschen down under: sozialkritisch, reflektiert und einem ausgefuchsten Flow - natürlich im „strine“ Akzent. G‘Day!

SUBFOCUS Torus LP

Nun ja, 4 Jahre hat´s gedauert bis der neue Longplayer von Nick Douwma jetzt in die Läden kommt. Es hat sich ja schon durch die gelegentlichen Releases in letzter Zeit abgezeichnet, jetzt ist es leider amtlich: Einer der größten Innovatoren der Szene hat sich dazu entschieden, ein recht gehaltloses Happy-Pepi Album rauszubringen. Worüber sich trotzdem nicht streiten lässt, ist die hohe Produktionsqualität, zumindest deswegen sollte man jedenfalls mal reinhören!

ZUM SPIELEN Markus Waldbauer

Elvis at Stax Elvis at Stax

In den 1960ern und -70ern war Stax neben Motown und Atlantic DAS Soul-Studio und -Label. Dorthin – nach Memphis – zog es vor genau 40 Jahren King Elvis. Das Ergebnis: Zum Niederknieen schöne Blues-, Country- und Soulnummern, zum Teil erstveröffentlicht, allesamt geadelt durch Presleys Stimme in Bestform und die wunderbaren StaxStudiomusiker. Tipp: Unbedingt zum Deluxe 3-CD-Set greifen: Hier zählt wahrlich jede Sekunde!

Left Boy

Get it Right EP „Left Boy‘s Coming“: Ferdinand Sarnitz aka. Left Boy ist das Künstlertum ja quasi in die Wiege gelegt worden – als Sohn von André Heller. Mit seinen Samples und dem Spiel mit verschiedensten Genres, bringt er frischen in die Hip Hop Szene. Auf das erste Album warten Fans noch immer sehnsüchtig. Doch seit 29. August gibt es einen kleinen Vorgeschmack: Die „Get it right EP“ ist mit zwei Remixes von „Rusko“ und „Hucci“ sowie der Single „Left Boy‘s Coming“ erschienen. Like!

ZUM LESEN

H. Fahrngruber, W. Hintermeier

FRANCES HA

Xcom: Enemy Unknown

Noah Baumbach

Firaxis Games

BLACKOUT – Morgen ist es zu spät

Seit Woody Allens „Manhatten“ hat kein Film, der in New York spielt, so verzaubert. Mit 27 Jahren will sie Tänzerin werden. Doch eigentlich ist sie zu alt für diesen Job. Auch sonst läuft einiges schief in Frances’ Leben. Dann zieht auch noch die Freundin aus der Wohnung aus und die Männer sind auch nicht der Hammer. So zieht Frances durch WGs, hangelt sich von einem Job zum nächsten.

XCOM: Enemy Unknown ist eine Neuauflage des gleichnamigen Klassikers von 1994. Bei diesem rundenbasierten Strategiespiel mit Taktik-Einsätzen, kann man auf eine gut inszenierte Alienjagd gehen, um den Planeten vor einer Invasion zu beschützen. Das Prinzip ist einfach: Aliens finden, Aliens umlegen! In der Basis darf man mit umfangreichen Upgrades die eigene Ausrüstung für den nächsten Einsatz aufpeppeln.

Mitten im Winter legt ein großflächiger Stromausfall innerhalb kurzer Zeit ganz Europa lahm. Nacheinander brechen Energie- u. Wasserversorgung zusammen, Verkehr und elektronische Kommunikation kommen zum Erliegen. Was anfangs nach einem technischem Gebrechen aussieht, stellt sich als planmäßiger Angriff auf die vernetzte europäische Infrastruktur heraus. Nach und nach kollabiert das soziale Gefüge…

THOR 2 – THE DARK KINGDOM

Rayman Legends

Guten Morgen, Revolution ...

Statt des Iren „Kenneth Branagh“ übernahm diesmal Alan Taylor die Regie und erzählt die erneute Rückkehr des Donnergottes Thor. Taylor konnte dabei zuletzt Erfahrungen im Bereich des fantastischen sammeln, als er mehrere Episoden der erfolgreichen „HBO“–Serie Game of Thrones in Szene setzte. Sein letztes Filmprojekt liegt mit dem Drama „Kill the Poor“ allerdings schon mehr als 10 Jahre zurück.

Mit Rayman Origins feierte Ubisofts Maskottchen ein bombastisches Comeback. Im Nachfolger wird nun noch viel mehr Spaß aus der klassischen HüpfFormel gekitzeln: Es gibt durchgeknallte Musik-Abschnitte, schwere Online-Prüfungen und auf der Wii U sogar erstaunlich spaßige Touchscreen-Levels. Man hüpft und hastet sich durch die malerische 2D Grafik und prügelt auf alles ein, was sich einem in den Weg stellt.

... du bist zu früh! Als Nora, etablierte Akademikerin, erfährt, dass ihre Tochter bein einer Blockade gegen Atomtransporte verhaftet wurde, ist sie entsetzt, obwohl sie selbst als Studentin keine Demo ausließ. Um ihr zu helfen, trommelt sie ihre alten Kampfgefährten aus den 80ern zusammen, sieht sich den unterschiedlichetn Lebensgeschichten gegenüber und muss ihr Leben in Frage stellen.

ALAN TAYLOR

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Ubisoft Montepellier

MARC ELSBERG

Kirsten Ellerbrake

Fotos: zVg

MOZES & THE ...


MFG VERANSTALTUNGEN

HIGHLIGHT VAZ St. Pölten

WILDSTYLE & TATTOO MESSE  Die Wildstyle führt verschiedene Kulturen und Künstler, Tätowierer und Aussteller aus 4 Kontinenten und über 20 Länder auf eindrucksvolle Art & Weise zusammen! Mit Tattoos, Piercings, extravaganter Mode, Schmuck & Accessoires, Dessous, Custombikes, Airbrush, TattoomodelLiveshootings & Casting, und einem ebenso spektakulären und gleichermaßen einzigartigen NonStop Showprogramm – gestaltet vom Circus of Rock und The Modern Primitives Freakshow wird die Wildstyle auch 2013 das Publikum begeistern. 16. & 17. November 2013 

07.09.–05.10.

Anton Zascek

„Kunst ist „suchen, schauen, experimentieren, psychisches Aufarbeiten und ständige Beschäftigung mit dem Kunstgeschehen“, so Anton Zacsek. Als Jünger der schwarzen Kunst bestimmt die Monotypie sein Schaffen. Seine Arbeiten sind meist expressive Abstraktionen. Finissage im Rahmen der Langen Nacht der Museen am 5. Oktober: mit Live Malaktion.

20. & 21.09.

Einen Schwerpunkt zur jüdischen Kultur setzt das Cinema Paradiso ab 18. 9. Das Programm umfasst Filmvorführungen mit anschließenden Gesprächen. Neben den Filmen, kann man bei einer Buchpräsentation und einer Matinee prominente Gäste treffen und Gespräche mit Zeitzeugen führen. Nähere Infos: www.cinema-paradiso.at

Zwei Tage öffnet das Landestheater N i e d e rö s t e r re i c h seine Türen und bietet die Möglichkeit das Haus umfassend kennen zu lernen. Auf literarischen Wegen werden Sie durchs Theater geführt, können selbst auf der Bühne stehen, erfahren was ein Schnürboden ist, am Requisitenflohmarkt Kostüme erstehen und noch vieles mehr!

KUNST:WERK

20.–29.09. SZENE BUNTE WÄHNE

25.10.

WIRTEBALL

Das 23. internationale SZENE BUNTE WÄHNE Theaterfestival steht heuer unter dem Motto „Stadt der Träume“. Jungen Zuschauern werden in acht niederösterreichischen Städten (Horn, Langenlois, Krems, Zwettl, Pürbach, St. Pölten, Waidhofen/ Thaya & Gars) 19 Produktionen aus Simbabwe, Österreich, Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden zeigt.

Der „Wirteball für alle Gäste und Freunde“ feiert heuer sein 10-jähriges! Musikalisch darf man sich auf „Life Brothers 4“ und die Special Guests: „Infamous“ mit Punk & Grunge aus Österreich freuen. Natürlich werden auch kulinarische Köstlichkeiten geboten! Einlass & Sektempfang: ab 19:30 Uhr, Eröffnung durch die Tourismusschule St. Pölten.

FESTIVAL

02.11.

Galerie Mahringer

Ab 18.09. Jüdische Kulturtage

AUSSTELLUNG

ausstellung

St. Pölten u.a.

BAUCHKLANG

Sie rocken weltweit Clubs und Festivals – schön, dass die St. Pöltner Beatboxer trotzdem Zeit für ein Heimspiel finden. Erstmals im Rahmen des Jugendklubs, gewähren sie diesmal ganz besondere Einblicke in ihre atemberaubende Technik. Wie immer umgeben sich die Lokalmatadore auch in diesem Jahr mit spannenden Gästen aus unterschiedlichen Genres. KONZERT

Festspielhaus

OPEN HOUSE

Reisen

Mitglieder des St. Pöltner Künstlerbundes und Gäste zeigen ihre vielfältige Auseinandersetzung mit dem Thema „Reisen“. Die Ausstellung ist Donnerstag und Freitag von 16.00 – 18.30 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 10.00 – 12.30 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. Zu den Öffnungszeiten ist jeweils ein Künstler für Gespräche und Diskussionen anwesend.

13.09.–13.10.

BALL

18.11.

VAZ ST. PÖLten

Simon Philipps

Einer der wohl bekanntesten Schlagzeuger der Welt, kommt mit seiner Band „Protocol II“ nach St. Pölten! Seit Jeff Pocarnos Tod ist er nicht nur Schlagzeuger von Toto, sondern wurde auch ein ständiges Bandmitglied. Er arbeitete mit Künstlern wie Mick Jagger, Pete Townshend, Peter Gabriel, Roxy Music, Gary Moore und Mike Oldfield um nur einige zu nennen. KONZERT

SCHWERPUNKT

Cinema Paradiso

Landestheater

OPEN HOUSE

VAZ ST. PÖLTEN

KONZERTE | EVENTS | MESSEN | KONGRESSE

FR 11.10. // 20.00

CHIPPENDALES FR 08.11. // 20.00

DIE ITALIENISCHE NACHT DO 14.11. // 20.00

OTTFRIED FISCHER & DIE HEIMATLOSEN FR 15.11. // 20.00

LANGE NACHT DES KABARETTS SA 30.11. - SO 01.12. // 10.00

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vaz st. pölten

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Reich(l)ebners Panoptikum

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RICHTIGSTELLUNG. Nach dem Fauxpas von Servus TV, St. Pölten auf der Wetterkarte zu vergessen, hat die Stadt nunmehr eine eigene Karte vorgelegt, welche ihre wahre Größe im Konzert der österreichischen Hauptstädte zum Ausdruck bringt.

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R V z z 4 N N


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MFG - Das Magazin / Ausgabe 47