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www.dasmfg.at MFG Ausgabe 09/21


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JOHANNES REICHL

KREISVERKEHR

S

eit Start des MFG Magazins 2004 begleiten wir die Diskussion rund um die S34, und ich gestehe, dass ich mir bis heute kein Urteil anmaße, ob die Schnell­ straße nun der richtige oder der falsche Weg ist. Das hängt vielleicht auch mit einer nicht unmittelbaren Betroffenheit zusammen. Ich wohne am Kremserberg, vermeintlich weit entfernt, wenngleich auch dem Nord­ westen dereinst eine Verkehrsdebatte blühen könnte, wenn nach S34 Realisierung die Westspange bis Vie­ hofen weitergeführt werden soll. Was ich sagen möchte, und dies ist gar nicht als Vorwurf gemeint, sondern als nüchterner, allzumenschlicher Befund: Es regiert meist das Florianiprinzip „Heiliger St. Florian verschon‘ mein Haus, zünd‘ andere an.“ Wenn sich jetzt etwa Harlander, Stattersdorfer & Co., deren Straßen als B20 Ausweich­ routen herhalten müssen, verständlicherweise für den Bau der S34 stark machen und damit Gegner der S34-Gegner auf der anderen Traisenseite sind, so wäre die Konstella­ tion – hätte man den ursprünglichen Plan einer Osttrasse von der Anschlussstelle S33 über Brunn bis Wörth wei­ ter verfolgt – wohl genau umgekehrt. Alle Protagonisten – Anrainer, Bauern, Wirtschaft – haben in der S34-Causa also ihre, wie mir scheint, sehr stichhaltigen und nachvoll­ ziehbaren Argumente. Und egal wie die Sache ausgeht – es wird Verlierer geben. Der Verkehr auf der B20 wird dabei langfristig auch mit der S34 nicht überall weniger, sondern es verhält sich eher so wie in Sachen Erderwärmung: Man versucht den Kol­ laps – in dem Fall durch Verteilung der Verkehrsströme – zu verhindern. Faktum ist nämlich, dass der zusätzliche Verkehr „hausgemacht“ ist. Der Stadtteil St. Georgen ent­ wickelt sich prächtig, es entsteht viel Wohnbau, was wie­ derum, wie es so schön heißt, Verkehr induziert. Zugleich wurde mittlerweile auch das Gewerbegebiet Industrie­ zentrum NOE Central aufgeschlossen, in gewisser Weise ehemals ein Vabanquespiel der Stadt, denn wenn die S34 nicht kommt, würde das Areal, für das schon ein eigener

Zubringer geschaffen wurde, quasi in der Luft hängen. Der Grundfokus der Debatte müsste sich also eigentlich um die Frage drehen, wie man den Autoverkehr generell reduziert. Das heißt allen voran, wie man jene, für die es möglich ist – und das sind potenziell viele, weil die B20 parallel zur Traisental-Bahnstrecke verläuft – im wahrsten Sinne des Wortes auf Schiene bringt. Dazu bedarf es dem­ entsprechender Infrastrukturmaßnahmen (zweite Spur, Elektrifizierung), kurzer S-Bahn-Takte, vieler Haltestellen, neuer Wagengarnituren etc. Das kostet viel Geld, keine Frage, aber man erwischt sich schon beim Gedanken, was man in diese Richtung wohl mit 208 Millionen Euro (so viel ist für die S34 veranschlagt) alles anstellen könnte. Und tatsächlich wurde im Juni angekündigt, dass endlich in die Bahn investiert werden soll, was äußerst positiv wäre. Angesichts salbungsvoller, aber leerer Lippenbe­ kenntnisse diverser Politiker in Vergangenheit hegt man aber noch so seine Zweifel, ob das Versprechen auch hält und vor allem, wann und wie es realisiert wird. Denn eines fragt man sich schon: Warum so spät? Wäre die Poli­ tik bereits früher auf den Zug aufgesprungen, würden wir heute vielleicht schon über eine Redimensionierung des S34-Projektes diskutieren können. Hätti-Wari ... Ein klares Bekenntnis zur unmittelbaren Dringlichkeit des S-Bahn-Ausbaus im NÖ Zentralraum hätte man sich al­ len voran auch von der grünen Klimaschutz-Ministerin erwartet, stattdessen bekam die Stadt auf eine diesbe­ zügliche Resolution eine weitere Larifari-Antwort ohne konkreten Planungshorizont. Das führt in gewisser Weise aber die gesamte Evaluierung der S34 ad absurdum, denn gar nichts tun ist gar keine Lösung. Und auch der Kanz­ ler liegt mächtig falsch, wenn er in Sachen Umweltschutz treuherzig meint, dass eh alles ohne Verzicht vonstatten gehen wird. Wird es nicht. Zur Mobilitätswende müssen wir alle beitragen. Andernfalls werden wir uns wie bei der S34 weiterhin im Kreis drehen, bis im wahrsten Sinne des Wortes alles steht – nicht nur der Verkehr.

Offenlegung nach §25 Medien-Gesetz: Medieninhaber (Verleger): NXP Veranstaltungsbetriebs GmbH, MFG - Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten. Unternehmensgegenstand: Freizeitwirtschaft, Tourismus und Veranstaltungen. Herausgeber/GF: Bernard und René Voak, in Kooperation mit dem Kulturverein MFG. Grundlegende Blattlinie: Das fast unabhängige Magazin zur Förderung der Urbankultur in Niederösterreich. Redaktionsanschrift: MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten; Telefon: 02742/71400-330, Fax: 02742/71400-305; Internet: www.dasmfg.at, Email: office@dasmfg.at Chefredakteur: Johannes Reichl Chefredakteur-Stv.: Michael Müllner Chefin vom Dienst: Anne-Sophie Müllner Redaktionsteam: Leonie Danek, Thomas Fröhlich, Sascha Harold, Johannes Mayerhofer, Michael Müllner, Andreas Reichebner, Thomas Schöpf, Beate Steiner, Thomas Winkelmüller Kolumnisten: Thomas Fröhlich, Michael Müllner, Tina Reichl, Roul Starka, Beate Steiner, Thomas Winkelmüller Kritiker: Helmuth Fahrngruber, Thomas Fröhlich, David Meixner, Michael Müllner, Clemens Schumacher, Manuel Pernsteiner, Christoph Schipp, Robert Stefan, Thomas Winkelmüller, Timo Wöll Karikatur: Andreas Reichebner Bildredaktion: Matthias Köstler, Hannah Strobl Cover: stock.adobe.com Art Director & Layout: a.Kito Korrektur: Anne-Sophie Müllner Hersteller: Walstead NP Druck GmbH Herstellungs- und Verlagsort: St. Pölten Verlagspostamt: 3100 St. Pölten, P.b.b. Alle Rechte, auch die Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2. Urheberrechtsgesetz, sind vorbehalten. Alle Angaben ohne Gewähr. Für den Inhalt bezahlter Beiträge ist der Medieninhaber nicht verantwortlich.


DIE UNENDLICHE GESCHICHTE – Seite 8

DIE ERSTE! – Seite 18

IN RENDL VERITAS – Seite 30

NACHRUF MANFRED WIENINGER – Seite 40

ST. PÖLTEN – STUDENTENSTADT? – Seite 46

EIN SCHRITT ZURÜCK VOR? – Seite 50

3 Editorial 6 In was für einer Stadt leben wir

URBAN

7 Shortcut Urban 8 Die unendliche Geschichte 12 S34: B20-Entlastung oder „Highway to Hell“ für Bauern? 14 S34 – Das Streitgespräch 18 Gerda Holzinger-Burgstaller 22 Weil eine Gruppe möchte ich sein 26 Queer Szene – Coming out again

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SZENE

42 Shortcut Szene 44 No Place to be 46 St. Pölten – Eine Studentenstadt?

58 Kritiken 59 Veranstaltungen 60 Außensicht 62 Karikatur

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50 Andreas Blumauer – Ein Schritt zurück vor? 56 An der Traisen wird mit Filzkugeln nun auch gepadelt

34 Shortcut Kultur 36 So ein Wirbel! 40 Nachruf Manfred Wieninger

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… in der eine Verordnung des Bürgermeisters das Partygeschehen einschränkt. Bekanntermaßen verhinderte die Stadt das Frequency-Festival mit einer eigenen Verordnung, indem sie mehrtägige Outdoor-Veranstaltungen mit mehr als 3.000 Personen untersagte. Waren die Rathausjuristen dabei übermotiviert? „Für eine Gartenparty mit zwei Freunden aus zwei verschiedenen Haushalten, bräuchte ich einen COVIDBeauftragten, ein Präventionskonzept und einen 3G-Nachweis“, stellte Universitätsassistent Paul Eberstaller auf Twitter fest, nachdem er die Verordnung gelesen hatte. Im Nachrichtenmagazin Profil kündigte das Rathaus daraufhin eine „Reparatur“ an, hielt nun auf MFG-Anfrage aber „nach eingehender Prüfung“ an der Erstversion fest, da es keiner Änderung bedürfe. Einfach gesagt regle die Verordnung ja nur Zusammenkünfte im privaten Wohnbereich, der nicht (!) der Stillung eines unmittelbaren Wohnbedürfnisses diene. Wer die Nachbarschaft in seinen Garten einlade, der soll sich sinngemäß auch an die bekannten Covid-Spielregeln halten. Eberstaller bleibt dabei, die Verordnung sei mehrfach problematisch. Sie dürfte maximal zehn Tage gelten, sei aber vom 28. Juli bis 30. September 2021 in Kraft. „Auch inhaltlich halte ich sie für einen unverhältnismäßig schweren Eingriff unter anderem in das Recht auf Privat- und Familienleben.“ 6

... in der sich neuerdings Politiker in Bürgerinitiativen und Plattformen wie Pro S34 stark machen. Nun ist das per se natürlich in keinster Weise verboten und im Fall persönlicher Betroffenheit auch nachvollziehbar – auch Politiker sind ja Bürger und haben das Recht ihren Protest kundzutun, zumal wenn die offizielle Stadtlinie ihrer persönlichen widersprechen mag. Bei der Plattform Pro S34 hingegen engagieren sich gleich mehrere SP- und VP-Mandatare sowie politische Interessensvertreter für eine Sache, die ohnedies – teils von ihnen selbst – im Gemeinderat in ihrem Sinne beschlossen wurde. Und auch wenn die Botschaft Richtung Ministerin Gewessler geht, welche eine Evaluierung der S34 angeordnet hat, so gerät eine derart aufgezogene Kampagne rasch in den Geruch parteipolitischer Vereinnahmung, für die Parteimitglieder quasi wahllos zwangsvergattert werden, was manch potenziellen, wirklich überzeugten Mitstreiter abhalten mag, mitzumachen. Vielleicht kommt die Petition Pro S34 auch deshalb mit bislang unter 300 Unterstützern (gegenüber fast 6.600 der – freilich länger laufenden – Stopp S34 Petition) nicht so recht vom Fleck. Bürgerinitiativen sollten, wie es der Name sagt, aus der Bevölkerung selbst hervorgehen. Die Politik hat genügend andere Artikulationsmöglichkeiten und „Waffenarsenale“, um sich Gehör zu verschaffen.

…  in der zuletzt der Spruch „Wir sind Las Vegas“ in der Haupstadt und über der Donau in Krems die Runde machte. Okay okay, klingt abgekupfert (ist es auch – sie erinnern sich an den berühmten BILDTitel „Wir sind Papst!“, als Joseph Ratzinger Pontifex wurde), aber ein bisschen freuen darf man sich schon, wenn zwei gebürtige St. Pöltner mit Hauptwohnsitz Krems (wenn sie nicht gerade rund um den Globus unterwegs sind) eine derartige Weltkarriere hinlegen: So haben die beiden Magieweltmeis­ ter Thommy Ten & Amélie van Tass im August einen waschechten Vegas-Vertrag unterzeichnet und wandeln quasi auf den Spuren von David Copperfield, Siegfried & Roy, Elvis und Co. Ab November stehen sie als Headliner der America’s Got Talent Live Las Vegas Show im Luxor Hotel Vegas auf der Bühne – zweimal am Tag, fünf Tage die Woche, insgesamt für 500 Shows. Dazwischen spielen sie im April ihre Österreichtournee fertig. Übrigens: So ganz nebenbei gastierten sie Ende August auch als erste Magier überhaupt in den hehren Hallen der Wiener Staats­ oper, wo sie mit der eigens kreierten Show „Magic in Vienna“ für Standing Ovations sorgten. Klingt grandios, aber auch nach Stress. Wie sie damit umgehen? Darauf bekommt man dieselbe Antwort, wie wenn man sie fragt, wie dieser oder jener Trick funktioniert: „Eigentlich ganz gut!“

FOTOS HELGE WÖLL, WEB, AGT/CLAIRVOYANTS

IN WAS FÜR EINER STADT LEBEN WIR EIGENTLICH ...


FOTOS: COVIDFIGHTERS, ÖLV/ALFRED NEVSIMAL, STOCK.ADOBE.COM

COVID FIGHTERS

KOLUMNE MICHAEL MÜLLNER

BEREIT FÜR DEN ABSPANN

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artialisch geht es in der Bekämpfung von Covid seit Beginn der Pandemie zu. Nachdem in den Schulen der Ninja-Pass im Einsatz ist, kämpfen die COVID Fighters an vorderster Testfront (bisweilen auch an der medialen gegen Vorwürfe politischer Verbandelung). Seit September hat das Unternehmen seine Zelte auch im VAZ St. Pölten aufgeschlagen, wo man ein Hochleistungslabor mit 21 LaborRobotern und Hunderten Mitarbeitern im Schichtbetrieb hochgezogen

hat, in dem die PCR-Tests der Schulen ausgewertet werden. „Wir können mit unseren PCR-Geräten bis zu 300.000 Tests pro Tag auswerten“, so COVID Fighters Geschäftsführer Boris Fahrn­ berger, und weiter „Die Auswertung muss rasch erfolgen. Wir haben ein Zeitfenster von 12 bis 14 Stunden, das wir gut nutzen.“ In diesem Fall wünscht man den COVID Fighters sozusagen viel Glück, dass sie kein Glück haben bei den Tests und nur wenige positive Fälle bei den Proben dabei sind.

HERO

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ine ganz Große des Sports hat ihre Spikes an den Nagel gehängt. Beate Schrott beendete im August ihre Karriere, und die ist reich an Höhepunkten. So holte sich die Athletin zehn Mal den Staatsmeistertitel über 100m-Hürden, ihre Parade-Disziplin. 2012 pulverisierte sie in 12,82 Sekunden nicht nur den bis heute gültigen österreichischen Rekord, sondern holte in Helsinki – wie sie kurioserweise erst vier Jahre später bestätigt bekommen sollte – EM-Bronze. Hatte sie das Podest vermeintlich um eine Hundertstelsekunde verpasst, wurde die Siegerin wegen Dopings späterhin disqualifiziert. Unvergessen auch ihr Finaleinzug bei den Olym-

pischen Spielen 2012. „Wenn ich an die einzigartige Atmosphäre beim Finallauf im Olympiastadion denke, bekomme ich heute noch Gänsehaut – der schönste Moment meiner Laufbahn.“ Gänsehaut, welche die studierte Frau Doktor der Medizin auch ihren Fans bescherte. Vielen Dank!

Was dachten Sie, als Sie im März 2020 im ersten Lockdown daheimsaßen und sich über Corona informierten? Ich konnte mir nicht vorstellen, wie ein weitgehender Stillstand unserer Gesellschaft über mehrere Wochen funktionieren würde. Ein Jahr später musste ich über diese Naivität lächeln, Corona hat uns gezeigt, was alles möglich ist. Und heute, eineinhalb Jahre später, denke ich an Netflix. Die Folge ist zu Ende, ich kann klicken: Abspann ansehen? Oder die nächste Folge starten? Wenn ich nicht wähle, etwa weil ich eingeschlafen bin, dann beginnt nach ein paar Sekunden einfach die nächste Folge. Und so fühle ich mich, wenn ich an den Herbst denke und mich frage, wieso zum Teufel dieser Zirkus kein Ende findet. Wenn wir uns darauf einigen, dass die Sonne im Osten auf und im Westen untergeht, dann müssen wir uns einig sein, dass wissenschaftlicher „common sense“ klare Antworten hat. Die Impfungen sind ein Wunder der Technik, ein Beweis für die Kraft menschlicher Vernunft. Die Tatsache, dass viele weiterhin mit Sorgen kämpfen, ein Beweis für die Defizite unserer Medien- und Informationsgesellschaft. Fakten belegen, dass wir diese Pandemie beenden, wenn sich jeder impfen lässt (der dazu gesundheitlich in der Lage ist). Was sagt es über unsere Gesellschaft aus, wenn so viele aus Bequemlichkeit in einem halbinformierten Zustand verharren und lieber noch „zuwarten“? Wenn wir uns vor unwahrscheinlichen Nebenwirkungen einer Impfung mehr fürchten als vor wahrscheinlichen Schäden einer Infektion? Also ich wäre jedenfalls bereit für den Abspann.

MFG 09 21

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DIE UNENDLICHE GESCHICHTE

WIDERSTAND. Über 6.600 Personen haben bislang gegen die S34 unterschrieben.

Auf dem Papier existiert die Traisentalschnellstraße schon lange. Wird sie je das Licht der Welt erblicken?

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igentlich waren die Verfahren rund um die S34 bereits weit fortgeschritten. Das Naturschutz- und Landesstraßenverfahren des Landes wurde positiv abgeschlossen (Beschwerden dagegen sind noch anhängig), der Bescheid der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) des Klimaschutzministerium (BMK) vom 30.10.2019 ist nach dem Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichts (BVwG) bereits rechtskräftig und zu den Beschwerden gegen den UVP-Bescheid des Landes NÖ wird im Winter 21/22 eine Entscheidung erwartet. Doch dann wurde im Juli offiziell, was das BMK in der MärzAusgabe des MFG Magazins bereits 8

angedeutet hatte: Alle noch im Bau befindlichen Neubau- und Erweiterungsprojekte werden gemeinsam mit der Afinag erneut überprüft. Wann mit einer Entscheidung gerechnet werden kann, dazu gibt es derzeit keine Informationen aus dem Ministerium. Vonseiten der Asfinag heißt es, dass die noch anhängigen Verfahren vorerst wie geplant weitergeführt würden, alles weitere werde man abwarten. Gegnern und Befürwortern der Schnellstraße gab die Entscheidung Gelegenheit, noch einmal alle Geschütze aufzufahren. In einem offenen Brief forderte der TUProfessor und langjährige Gegner der S34 Herbert Knoflacher Bundes-

ministerin Leonore Gewessler auf, die Evaluierung in nachvollziehbarer Form offenzulegen. Kurz darauf reagierte auch die Gegenseite, ebenfalls mit offenem Brief. Josef Wildburger, leitender Masterplaner zur Zukunft der Stadt St. Pölten ließ die Ministerin wissen, dass die notwendigen, rechtsstaatlich begründeten Verfahren im Wesentlichen erledigt seien und ein klares Ergebnis erbracht hätten. Das Projekt sei also umzusetzen. Pro & Kontra Seine Einwände gegen die erneute Bauverzögerung der S34 begründet Wildburger folgendermaßen: „Das Projekt ist schon lange ausevaluiert und hat auch schon eine UVP hinter sich. Die Genehmigungsverfahren, die vor allem auch die Wahrung der


TEXT: SASCHA HAROLD | FOTOS: STOPP S34, ASFINAG

Schutzinteressen erfüllen müssen, sind weitgehend abgeschlossen. Das aktuelle Generalverkehrskonzept ist, wie viele weitere Planungen und Konzepte, vom Green Deal der EU bis zu den Landesstrategien, Grundlage der – ökologischen – Entwicklung der Mobilität in der Stadt und im NÖ-Zentralraum, die Umfahrung S34 ein unabdingbarer Bestandteil des Ganzen.“ Das Argument, aufgrund der immer wieder thematisierten Flächenversiegelung vom Bau der neuen Schnellstraße abzusehen, lässt er nicht gelten. Natürlich führe ein Straßenbau immer

zu Flächenversiegelung, das lasse aber den Umkehrschluss, dass gar keine Straßen mehr gebaut werden dürften, nicht zu. Dem Argument, dass mehr Straßen zu mehr Verkehr führen würden, hält Wildburger entgegen: „Es handelt sich um eine Umfahrungs- und Zubringerstraße mit verkehrsoptimierender Wirkung aus dem ökologisch orientierten Generalverkehrskonzept und nicht um eine verkehrsgenerierende neue Durchzugsstraße.“ Herbert Knoflacher sieht das anders. In einem Gutachten hat er im Auftrag der ÖBB sowie der

DAS FÜR UND WIDER – STIMMEN DER GEGNER UND BEFÜRWORTER Verkehr • Die S34 stellt eine leistungsfähige Anbindung des Traisentals an die A1 sicher. Es handelt sich dabei um eine Umfahrungs-Zubringerstraße, die deshalb keine verkehrsgenerierende Wirkung habe. Asfinag, Josef Wildburger • Eine Umlenkung des Verkehrs belastet nur andere Regionen und Gebiete wie St. Georgen. Die B20 wird auch nach Bau der S34 nicht für LKWs gesperrt werden können, es kommt daher nicht zu einer wesentlichen Reduktion des Schwerverkehrs. Plattform S34.at • Schienenausbau kann Straße nicht ersetzen, auch strom- und wasserstoffbetriebene Fahrzeuge werden auf befestigten Straßen fahren müssen. Josef Wildburger • Es gab in den letzten Jahren keinen signifikanten Anstieg des Verkehrs auf der B20, durch den Ausbau des Schienennetzes könne das Verkehrsaufkommen stark reduziert werden. Plattform S34.at, Hermann Knoflacher Wirtschaft • Der Bau der S34 schafft mehr als 500 Arbeitsplätze und 260 Millionen Euro Wertschöpfung, außerdem werde der Wirtschaftsraum besser angebunden, was zusätzliche Wertschöpfung generiere. Wirtschaftskammer St. Pölten • Autobahnausbau belebt nicht grundsätzlich die Wirtschaft. Klein- und Mittelbetriebe haben durch den Ausbau keinen Vorteil. Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs generiert mehr Arbeitsplätze als der Ausbau von Autobahnen. Plattform S34.at, Verkehrsclub Österreich (VCÖ) Klima & Umwelt • Der Bau der S34 reduziert Emissionen im urbanen Bereich, sowohl bei Lärm und Schadstoffen als auch bei Treibhausgasen. Josef Wildburger • Der Bau widerspricht den Klimazielen, denen sich Österreich verpflichtet hat. Hermann Knoflacher • Straßenbau führe immer zu Flächenversiegelung, das dürfe im Umkehrschluss aber nicht heißen, dass gar keine Straßen mehr gebaut werden dürfen. Josef Wildburger • Durch Natur und bäuerliches Kulturland gefräste Schnellstraßenschneisen sind verheerende Kristallisationsachsen für wuchernde Gewerbegebiete und Zersiedelung. Öko-Pionier Bernd Lötsch

NÖ-Landesregierung bereits 1987 festgestellt, dass das Projekt keiner Verkehrslösung diene, sondern dem bequemen und raschen Bau im Grünland, ohne Rücksicht auf die Folgewirkungen. Zu den aktuellen Evaluierungen befragt, weist er auf historische Vorbilder hin: „Es ist nie zu spät zu erkennen, dass man in der falschen Richtung unterwegs ist. Zwentendorf und Hainburg, wenn man nur diese beiden Projekte erwähnt, beweisen das.“ Die Gegenargumente von Wildburger lässt er nicht gelten, er verlangt jedenfalls als Grundlage jedes Gutachtens den Nachweis der Unbefangenheit. „Verkehr ist kein Schicksal und vor allem auch kein Naturgesetz, sondern vom Menschen gemacht und daher veränderbar. Verkehrsprobleme kann man bekanntlich nicht mit der Methode lösen, mit der man sie seit 70 Jahren erzeugt“, so Knoflacher. Das ewige Hin und Her Die Reaktionen auf die Entscheidungen des BMK waren zahlreich. Neben den bereits angesprochenen Briefen gab es noch einen dritten offenen Brief von Gegnern der S34 an den St. Pöltner Bürgermeister Mathias Stadler. Darin wurde er aufgefordert, für eine zukunftsorientierte Verkehrspolitik und gegen den Bau der Schnellstraße einzutreten. Aufseiten der Befürworter wiederum startete man eine Petition die einerseits Schienenausbau und andererseits die Entlastung der innerstädtischen Straßen durch die S34 verlangt – mit weniger als 300 Unterzeichnern bis Ende August blieb der Rücklauf allerdings bescheiden. Neben den grundsätzlichen Argumenten für bzw. gegen den Bau der S34 (siehe Infobox) gibt es seit der Entscheidung des BMK auch ein neues Argument: „Die Errichtung ist volkswirtschaftlich sinnvoll – jahrzehntelang haben sich Experten grundlegend damit beschäftigt. Eine nachträgliche Bewertung und allenfalls Untersagung bereits genehmigter Projekte ist dabei unseriös und rechtsstaatlich nicht tragbar“, erläutert Mario Burger, Obmann der MFG 09 21

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DIE UNENDLICHE GESCHICHTE

MEILENSTEINE S34 SEIT 20 08

Anschlussstelle B1

A1

Linz

Februar 2021 – mündliche Verhandlungen zum Naturschutzund Landesstraßenverfahren (Nsch- & Lstr.) Land NÖ März 2021 – Naturschutz- und Landesstraßen-Bescheid Mai 2021 – Beschwerden gegen Nsch- & Lstr.-Bescheid April 2021 – Positives Erkenntnis BVwG Juni 2021 – BMK verkündet Evaluierung von Straßenneubauund -erweiterungsprojekten Herbst 2021 – Verhandlungen beim BVwG zum Naturschutzund Landesstraßen-Bescheid 2023 – geplanter Baubeginn Abschnitt 1

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Traisen

Knoten A 1 / S 34

Anschlussstelle St. Pölten Süd

L5160

L5106

Anschlussstelle Völtendorf

Völtendorf

B 20

L5181

Wolfenberg

L5101

L5105

L5103

Brunn

Harland

L5102

L5109

L5108

Getzersdorf Schnabling

L5107

Anbindung Betriebsgebiet

Neu-

Gröben Alt-

Wetzersdorf

Reitzing

L5102

Spange Wörth (Land NÖ)

Halbanschlussstelle Hart

S 34 Traisental Schnellstraße

-Hart

S 34

St. Pölten / Hafing (B 1) – Knoten St. Pölten / West (A 1) – Wilhelmsburg Nord (B 20)

L5183

St. Georgen am Steinfelde

Gasten

Gesamtlänge:

Kreisberg

L5183

Steinfeld L5188

S 34 Badendorf

Wien

Knoten St. Pölten

A1

Spratzern

B 39

Neustift

L5102

Schwadorf

S 34

Kotting

S 33

Stattersdorf

L5151

Pummersdorf

Handelberg L5188

L5102 L5116

ca. 9,0 km

Legende: Trasse in Planung Anschlussstelle Netzergänzung Landesstraßennetz

Eggendorf Ganzendorf

PROJEKT. Die ge-

Anschlussstelle Wilhelmsburg Nord (B 20)

plante S34 wird rund neun Kilometer lang sein. Kostenfaktor ca. 208 Millionen Euro.

Wegbach L5185

L5185

Pömmern

n

2019 – UVP-Bescheid und Beschwerden gegen diesen Bescheid September 2020 – mündliche Verhandlung beim Bundesverwaltungsgericht (BVwG)

B 1a L5101

Traise

2014 – Einreichung zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP)

S 34

Gattmannsdorf

Abschnitt 2

2014 – Zustimmung des BMVIT zum Vorprojekt

Nadelbach

B 39

HART (L5185) - WILHELMSBURG NORD B20)

2013 – Gutachten Harald Frey (TU Wien): Mängel in Strategischer Prüfung der Schnellstraße 2009

L5151

Hafing

L5158

Harlander Bach

Abschnitt 1

2010 – Vorlage des Vorprojektes beim BMVIT (heute BMK – Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität...)

ST. PÖLTEN/HAFING - HART (L5181)

Seit 1970er Jahren Planungen für Traisental-Schnellstraße

2008 – Entscheidung für WestVariante der S34

Anschlussstelle St. Pölten Ost

B1

B1

Eggsdorf

1987 – Gutachten Hermann Knoflacher (TU Wien): S34-Ausbau als „ungünstigste Variante“

Oberwagram Krems

ST. PÖLTEN

Gerersdorf

WILHELMSBURG

N

Wilhelmsburg

B 20 0

500 m

1 km

Lilienfeld ASFINAG 04 - 2016

Wirtschaftskammer St. Pölten. Dass der verordnete „Baustopp“ einigen sauer aufstieß, zeigten auch die scharfen Reaktionen von Bundeskanzler bis Landeshauptfrau. St. Pöltens Vizebürgermeister Harald Ludwig kündigte ebenso wie die Wirtschaftskammer NÖ an, rechtliche Schritte gegen die Entscheidung zu prüfen. Eine Prüfung, die allerdings bis heute andauert. Die Grundsatzfrage dabei: Sollen und dürfen Projekte, in die bereits viel Zeit und Geld geflossen sind und die die vorgesehenen Prüfverfahren bereits abgeschlossen haben, von Grund auf neu evaluiert werden? Im BMK wird man die Frage vermutlich mit einem klaren Ja beantworten, begründet wurde die Neuevaluierung schließlich unter anderem mit den CO2-Zielen des Bundes, die sich seit Projektbeginn deutlich verändert haben. Auf der

ASFINAG 03 - 2017

anderen Seite besteht die Gefahr, dass rechtsstaatliche Verfahren an Wert verlieren – schließlich kam einer der positiven UVP-Bescheide für den Bau der S34 aus dem BMK selbst. Wildburger fasst zusammen: „Jede weitere Verzögerung des Baubeginns der S34 zerstört das Vertrauen in unseren Rechtsstaat und unsere Behörden und Experten. Warum sollte man in Zukunftsprojekte investieren, wenn willkürliche sogenannte „Evaluierungen“ deren Verhinderung jederzeit erlauben?“ Aus dem Ministerium gibt es derzeit keinen Kommentar zum Status der S34-Evaluierung. Für einige der geprüften Projekte wurden bereits Entscheidungen getroffen – positive wie negative. Ob die neuerliche Wendung in der Geschichte der S34 nur ein weiteres der vielen oder vielleicht doch das letzte Kapitel sein wird, bleibt abzuwarten.

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S34: B20-ENTLASTU „HIGHWAY TO HELL I

m Westen von St. Pölten ist der Protest gegen das Schnellstraßenprojekt S34 kaum zu übersehen. Besucher legen hier nicht einen Kilometer zurück, ohne nicht an einem „Stopp S34“-Banner oder einer anderen symbolischen Protestbekundung vorbeizukommen. Das gilt vor allem für den von Feldern und Höfen geprägten Streifen zwischen Schwadorf, Wolfenberg, Wetzersdorf und Reitzersdorf, ergo: das Gebiet, durch welches künftig möglicherweise die S34 verlaufen wird.

Manche Landwirte verlieren mehr als Häfte ihrer Flächen „Ich sag‘s so: Es ist wie beim Schach. Die Bauern opfert man als erste“, sagt etwa ein Landwirt aus Wetzersdorf. „Ich werde vor­ aussichlich mehr als zehn Prozent meiner eigenen Fläche von etwa 20 Hektar verlieren.“ Mit der einen Hand deutet er auf ein nahes Maisfeld, mit der anderen auf ein weiter weg gelegenes Waldstück. Das Feld werde etwa um bis zu einen Hektar kleiner, der Wald werde voraussichtlich quer von der künftigen S34 durchschnitten. „Was da links und rechts davon übrig bleibt, ist nicht überlebensfähig“, zeigt er sich pessimistisch. Insgesamt bearbeite er 35 Hektar, doch auch von den 15 Hektar Pacht werde vermutlich einiges verloren gehen. Dabei gehe es bei jedem Quadratmeter um mehr als nur um Kapital. Die Anzahl der Tiere, die ein Bauernbetrieb halten darf, ist an die Fläche gebunden. „Fast alle Landwirte hier haben auch Tiere, daher trifft uns das alles stark. Es gibt hier auch Bauern, die verlieren mehr als die Hälfte ihres Bodens.“ Die geplante Absenkung des Grundwassers um sieben bis acht 12

Das Thema S34 sorgt für jede Menge politischen Streit. Im Bund, im Land NÖ und in St. Pölten. Was sagen die Bewohner der direkt betroffenen Dörfer zum Projekt?

Meter werde den Landwirten, vor allem hinsichtlich der Viehhaltung, auch das Leben schwerer machen, so die Prophezeihung. Die Frau des Landwirten kommt hinzu. „Ein weiteres Problem ist, dass die dörfliche Struktur hier durch die S34 komplett verworfen wird. Im Rahmen der S34 ist ein 17 Meter hoher Damm geplant. Da würde man nicht mal mehr bis zur Nachbarortschaft, mit der man in der gleichen Pfarrgemeinde ist, rüberblicken können.“ Auch was die Frage der wirtschaftlichen Kompensation betrifft, sei noch alles in der Schwebe. „Der ehemalige Truppenübungsplatz bei Völtendorf wurde von der Stadt angekauft und zu einem Naherholungsgebiet gemacht. Wir dachten ursprünglich, dass hier et-

was als Tauschfläche infrage käme, aber das war ein Irrtum“, zeigt sich das Landwirten-Paar enttäuscht. Die Frau unterstreicht: „Egal, wie die Flächenfrage geregelt wird, es wird kompliziert werden. Mit einer 30 Kilometer entfernten Fläche können wir nix anfangen und wenn man allen Landwirten Flächen hier in der Umgebung anbietet, werden die Preise raufschießen.“ Von Geldangeboten wolle man nichts wissen. „Wir brauchen Boden, kein Geld.“ Was sagen die Betroffenen zu den Argumenten der S34-Befürworter? „Ich gehe davon aus, dass die Verkehrsproblematik durch die S34 einfach um ein paar Kilometer verschoben wird. Dann wird es sich künftig eben in Wilhelmsburg stauen.“ Auch die Beteuerungen, die S34 werde Fir-


TEXT: THOMAS WINKELMÜLLER | FOTOS: MATTHIAS KÖSTLER

NG ODER “ FÜR BAUERN?

menansiedlungen und Arbeitsplätze bringen, sehen sie skeptisch. „Man muss sich anschauen, was das für Unternehmen sind, die hier so siedeln. Da sind viele Transportunternehmen, Speditionen, Lagerhallen, aber kaum personalintensives produzierendes Gewerbe.“ Wenn man 15 Minuten braucht, um „die Mariazeller“ zu queren Zu behaupten, der St. Pöltner Westen sei fest in der Hand der Anti-S34Bewegung, ist aber weitab der Realität. Wenige Kilometer ostwärts der direkt betroffenen Landwirte, sind auch andere Töne zu vernehmen. Das scheint vor allem für Menschen zu gelten, die alltäglich die B20 nutzen. MFG hörte sich vor allem in Hart, St. Georgen und Steinfeld um. Mehrere Harter befürworten, das Projekt, wollen, dass es „endlich durchgezogen wird.“ „Wenn Sie nicht von hier sind, können Sie sich das vermutlich nicht so ganz vorstellen, aber der Zustand mit der B20 ist

echt kein Spaß“, sagt ein Bewohner Mitte Fünfzig auf MFG-Nachfrage. „Ich bin oft mit dem Rad hier unterwegs. Und manchmal braucht man 15 Minuten, um die Mariazellerstraße zu überqueren.“ Zwei weitere Harter bestätigen außerdem, dass das Autovolumen mit Ausbruch der Corona-Pandemie noch ein Stück gewachsen sei. „Manche Leute wollten sich nicht mit Maske für eine Stunde in den Zug setzen“, theoretisiert da einer. „Manche stiegen auf das Auto um, weil sie sich in den Öffis vor der Gefahr einer Infektion mit dem Virus gefürchtet haben“, meint eine Frau. Alles was „den Verkehr von der B20 wegbringt“, sei ihr herzlich willkommen. Ganz einig, ob dieses Versprechen hält, ist man sich nicht. „Ich denke, dass die S34 haufenweise Verkehr anziehen wird. Das wird nichts mit der Entlastung“, meint ein weiterer Herr. Auch jene Bewohner, welche die S34 „endlich durchgezogen“ sehen wollen, tragen jedoch auch zwei Herzen in ihrer

Brust. „Ich schätze Bäume sehr, vor allem wenn sie in meiner direkten Umgebung stehen.“ Dann deutet er mit dem Finger in Richtung der künftigen S34-Baustelle. „Diese Bäume sind zwar weiter weg, aber irgendwo tut mir das trotzdem weh, wenn ein Viertel davon verschwinden muss. Ich unterstütze das Projekt trotzdem und weiß, dass das ein Widerspruch ist.“ Auch ein Steinfelder Bürger zeigt sich zerrissen. „Dieses Straßenprojekt ... ich habe da eine gemischte Sichtweise.“ Die Situation der B20, die er häufig nutzt, sei nicht mehr tragbar. Er hätte aber für die ursprüngliche Variante eines Verlaufs bei Ochsenburg plädiert. Aufgrund der vielen Siedlungen – andere meinen „aufgrund der vielen potentiellen Wähler“, die man hätte vergraulen können – habe man sich für die andere Seite entschieden. Hiobsbotschaften, etwa über mehr Lärm, hält er zumindest für seinen Abschnitt nicht für realistisch. „Die S34 geht dort in einen Berg und ich glaube der Lärm wird eher nach oben gehen, als in die Ortschaft.“ Weiters verspricht er sich durch das Projekt eine Besserung der Hochwasserproblematik, unter der er regelmäßig leide. „Wenn die Straße gebaut wird, müssen die ein Rückhaltebecken anlegen. Möglicherweise bleibt mir dann das ein oder andere Hochwasser erspart.“ Eine ganze Reihe weiterer Passanten halten sich sehr kurz auf die Frage nach der S34. „Ich habe keinen sachlichen Einblick, ob die Straße notwendig ist oder nicht“, sagt eine alte Dame und fährt fort, „aber ich liebe die Ruhe hier. Und mein Bauchgefühl sagt mir, dass dieser Straßenbau nicht gut ist.“ MFG 09 21

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S34 – DAS STREITGESPRÄCH MFG holte S34-Befürworter und Gegner an einen Tisch um zu diskutieren: Ist die S34 ein Segen für geplagte B20-Anrainer oder ein anti-ökologisches und unzeitgemäßes Infrastrukturprojekt?

DIE DISKUTANTEN.

Bernhard Higer von der Initiative „STOPP S34“ (links) und Friedrich Kapusta vom Personenkommitee „Pro S34“ (rechts) im MFG-Streitgespräch.

MFG: Bevor wir ins Inhaltliche gehen, möchten wir gerne wissen, warum Sie sich zum Thema „S34“ engagieren? FRIEDRICH KAPUSTA: Ich lebe seit 40 Jahren in St. Georgen im Kreuzungsbereich B20/Schubertstraße. Ich kenne also die Entwicklung dieser Straße und alle damit verbundenen Probleme. Ich habe dort ein Haus übernommen, es wurde damals schon davon gesprochen, dass die B20 verkehrsberuhigt werden würde. Darauf haben sich viele, ich eingeschlossen, verlassen. Vor 30 Jahren kam der Gendarmerieposten weg und der B20-Verkehr sollte von einer Ampel geregelt werden. Da ha14

ben wir uns damals massiv dagegen gewehrt. Heute sind wir, mit dem Verkehrsaufkommen, froh über die Ampel. Unter anderem vor diesem Hintergrund unterstütze ich die S34 und das Personenkomitee „Pro S34“. BERNHARD HIGER: Ich bin aus Wilhelmsburg, habe das Haus meiner Eltern übernommen und saniert. In das Thema „S34“ bin ich eingestiegen, als ich erfuhr, dass 20 Meter von meinem Haus entfernt diese Schnellstraße gebaut werden sollte. Man sagte uns damals: „Verkaufen Sie das Haus, solange noch niemand was von der S34 weiß“. Für mich ist die S34 ein rein politisches Projekt, und auch wenn sie nach aktuellem

Plan nicht mehr an meinem Haus vorbeiführt, kenne ich viele Leute, die darunter leiden werden. Ich bin Techniker von Beruf und Mitbegründer der Bürgerinitiative „Stopp Transit S34“, war auch in allen Verfahren wie der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) involviert. Ich bin aber auch von der B20 betroffen. Nicht so direkt wie Herr Kapusta, aber ein permanentes Surren hören wir dennoch. Meine Befürchtung ist, dass man durch die S34 nur eine Verlagerung des Verkehrs bewirkt, und damit das Problem nicht löst. Außerdem denke ich, dass die S34 mehr Autoverkehr induzieren wird. Wir haben in Wilhelmsburg durch die S34 plus 32 Prozent zu erwarten. Ich glaube, dass wir wesentlich mehr Entlastung zustande bringen, wenn wir in den öffentlichen Verkehr investieren. KAPUSTA: Wir reden heute davon, dass der Verkehr mehr geworden ist, induzierter Verkehr hin oder her. Bei gleichbleibendem Straßenbestand. Auf der Schubertstraße haben wir ein Vielfaches an Verkehr im Vergleich zu vor fünf Jahren, weil wir dort viele Wohnungen gebaut haben. Auch aufgrund der Gewerbegebiete ist der Verkehr gestiegen. Kurzum: Das Volumen steigt sowieso. Und damit die S34 positiv wirkt, braucht


TEXT: JOHANNES MAYERHOFER | FOTOS: MATTHIAS KÖSTLER

es begleitende Maßnahmen. Wenn das nicht passiert, und man gleichzeitig die B20 so belässt, wie sie ist, wird sich tatsächlich nicht viel ändern. Die B20 muss rückgebaut, mehr Fläche für Fahrradverkehr geschaffen, eine 30er-Zone eingeführt werden und vieles mehr. HIGER: Aber Herr Kapusta, diese Zusatzmaßnahmen haben wir ja nicht. Die sind auch nicht im Projekt vorgesehen. KAPUSTA: Ja, da muss sich das Land halt dazu bekennen. Zur Frage des Öffentlichen Verkehrs, den Herr Higer angesprochen hat: Züge sollten schnell elektrifiziert werden. Die ÖBB-Züge sind teilweise 40 Jahre alt, fressen 80 Liter Diesel pro 100 Kilometer, haben keine Filter, die Haltestellen schauen zeitweise auch mies aus. Also, hier muss man anpacken, wenn der Öffentliche Verkehr attraktiver werden soll. Ein weiterer Umweltaspekt: Auf der B20 haben wir in meinem Bereich fast ausschließlich Stop-and-Go-Betrieb im Bereich der Ampel. Das erzeugt eine unglaubliche Umweltbelastung, was Feinstaub anbelangt, auch was den toxischen Abrieb von Bremsen betrifft. Oder der Reifenabrieb, der ungefiltert ins Grundwasser geht ... HIGER: Na, und mit einer S34 geht es dann noch mehr ins Grundwasser. Im Rahmen des Naturschutzverfahrens wurde uns gesagt, dass das nicht gefiltert werden kann.

S34 ADÉ? Friedrich Kapusta hofft, dass die S34 keinem „Tauschhandel“ zum Opfer fällt, Bernhard Higer befürwortet Re-Evaluierung.

Meine Hoffnung ist, dass durch die Beseitigung dieses Stopand-Go-Betriebes eine wesentliche Verminderung des Energieverbrauches und eine Reduktion der CO2Emissionen erreicht werden kann. Ein Auto, das ständig startet und wieder abbremst, hat natürlich die meisten Emissionen. HIGER: Und hat eines, dass mit 100 km/h rollt, mehr Emissionen, als eines, dass mit 50 km/h rollt? In der UVP wurde festgestellt, dass die Ausstöße um 0,1 Prozent steigen werde im Österreich-Wert. Ich bin der Meinung, dass es, wenn schon von Entlastung gesprochen wird, eine moralische Pflicht gibt, das alles in Studien zu prüfen. Und KAPUSTA:

es gibt Modellrechnungen bezüglich des Verkehrsaufkommens, wo nur wenige Bereiche „grün“, also entlas­ tet sind. Dafür gibt es viele „rote“ Bereiche, unter anderem in Wilhelmsburg mit plus 30 Prozent. Und das beschäftigt mich als Anrainer. KAPUSTA: Darum sage ich ja, dass man die Öffis elektrifizieren und preislich attraktiver machen muss, denn solange das Autofahren attraktiver und bequemer ist, werden die Menschen mit dem Auto fahren. HIGER: Ja, und mit einer S34 macht man es noch attraktiver! KAPUSTA: Es wird beides brauchen, S34 und günstigere Öffis. Den LKW-Verkehr wird man nie auf die Schiene verlagern können.

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HIGER: Wir

haben 6,3 Prozent LKWVerkehr auf der B20, das sind Zahlen vom Land NÖ und der Asfinag. KAPUSTA: Ja, da würde ich gerne mal die Frau Gewessler oder einen Mitarbeiter einladen, um sich gemeinsam zu mir in den Garten zu setzen. Und dann schauen und hören wir uns den Verkehr, der da vorbeirauscht, einfach mal zusammen an. Ich hab‘ ja auch keine Freude mit einer neuen Straße, so umweltbewusst denke ich ja schon. Aber was ist die Alternative? Wir haben in St. Veith ein Gewerbezentrum, in St. Pölten auch. Wo sollen die Autos hin? Die müssen ja alle bei uns vorbei, weil es nur eine Straße nach St. Pölten gibt. Das ist ja die Tragödie. HIGER: Statt für die S34 hätte ich lieber 200 Millionen Euro für die Attraktivierung der Traisentalbahn. KAPUSTA: Da bin ich ja voll bei Ihnen. Aber ich denke wir brauchen beides. Wie sich der Autoverkehr entwickelt, hängt nicht nur von einer Straße ab, sondern auch davon, wie die Treibstoffpreise sich entwickeln etc. Das ist alles volatil und steuerbar. HIGER: Ja, und ich finde die Politik sollte in die Richtung steuern, dass nur mehr der Öffentliche Verkehr gefördert wird. Bei der S34 hat die Asfinag in der Alternativenprüfung die Effekte vom Ausbau bei den Öffis, den Ausbau im Streckennetz, gar nicht weiter verfolgt, ohne Angabe von Gründen.

MFG: Nun zur wirtschaftlichen Seite dieses Projektes. Im Westen von St. Pölten werden zahlreiche Landwirte durch die S34 zwischen zehn Prozent und über 50 Prozent ihrer Flächen verlieren. Das ist eine weitere Seite der negativen Kollateraleffekte dieser Straße. Diese Fragen sollten eigentlich alle Verantwortlichen in sich gehen lassen: Muss diese Straße derartig groß sein? Muss die unbedingt vierspurig sein? Braucht es ein Voralpenkreuz von der Größe der gesamten St. Pöltner Innenstadt, das alleine fünf Kilometer Autostrecke braucht? Muss man dafür elf Hektar Grund von Bauern entziehen, nur damit dort Autos fahren können? Muss man Leuten Lärmsituationen bereiten wie jene, unter denen Herr Kapusta heute schon leidet? Und dann muss man sich mal überlegen: Das Flugfeld von Mateschitz wird untertunnelt. Der bekommt eine Grünbrücke, aber Landwirte werden enteignet. Und man senkt das Grundwasser um sieben Meter ab. Das ist einerseits ein Problem für Landwirte, denen das Einbußen auf den Feldern bringt und denen man sagt, sie sollen das halt zivilrechtlich einklagen, was ich für Irrsinn halte. Aber es gefährdet auch die Versorgung von Wäldern, weil das Grundwasser die Wurzeln nicht mehr erreicht und es wird teilweise sogar vor Versteppung gewarnt. KAPUSTA: Ich verstehe die Landwirte voll und ganz, niemand hat gerne, dass jemand über seinen Acker fährt. Aber dazu gibt es ja UVPs, um sagen zu können, dass Infrastrukturprojekte in einem bestimmten Rahmen akzeptabel sind. HIGER: Nein, die UVP schaut sich nur an, ob das Projekt mit den Umweltgesetzen in Einklang ist, nicht ob die HIGER:

Umwelt geschädigt wird. KAPUSTA: Ja, aber wir haben ja auch das Naturschutzverfahren des Landes NÖ, das auch positiv ist. HIGER: Da geht es um die Umweltgesetze des Landes Niederösterreich. Wir sind uns ja einig, dass Bodenversiegelung ein Problem ist, oder? Tja, und in den Umweltgesetzen gibt es diesen Begriff nicht mal, daher ist das auch in diesen Prüfverfahren nie Thema. KAPUSTA: Ich stimme jedenfalls zu, dass die derzeitige Lösung, den Bauern Geld für ihre Flächen zu geben, auch nicht optimal ist. Die Geldbeträge, die da kolportiert werden, sind zwar, soweit ich weiß, erheblich. Aber ein Bauer will natürlich Bauer bleiben und braucht dafür Boden. HIGER: Ja, und es gibt auch keine Ausgleichsflächen. KAPUSTA: Es gab Interesse am ehemaligen Truppenübungsplatz, heute ein Naherholungsgebiet, als Ausgleichsfläche. Aber das wurde abgelehnt und ich bin auch froh darüber. Wenn das Biotop monokulturellen Maisflächen oder ähnlichem gewichen wäre, hätte das dem Naturschutz auch nicht gerade gedient. MFG: Nun ist die UVP bereits abgeschlossen und alles juristisch in „trockenen Tüchern“. Herr Higer, welche Perspektive hat denn der Anti-S34-Protest jetzt noch? HIGER: Die S34 kann jetzt nur noch durch die Politik abgewendet werden. Die S34 sollte aus dem Bundesstraßengesetz herausgenommen werden. KAPUSTA: Ich finde es gut, dass die S34 in dem Gesetz steht. Das Industrie- und Gewerbegebiet Nieder­ österreich-Mitte ist keine Fiktion, das existiert ja wirklich und etliche Firmen bauen dort hin. Unterm

Die müssen ja alle an uns vorbei, weil es nur eine Straße nach St. Pölten gibt. Das ist ja die Tragödie. FRIEDRICH KAPUSTA 16


S34 – DAS STREITGESPRÄCH

Ich bin froh, dass endlich jemand das Rückgrat hat und sich diese politische Farce genauer anschaut. BERNHARD HIGER

Strich muss es darum gehen, diesen LKW-Verkehr weg zu bringen, und den bringt man nicht mit Bahn oder Bus weg. HIGER: Nur die Politik kann den Güterverkehr auf die Schiene bringen. KAPUSTA: Herr Higer, man darf nicht naiv sein und glauben, dass von Firmen wie Georg Fischer oder von Neuman alle LKW-Transporte auf die Schiene verlagert werden können. Also ich glaube nicht, dass wir beide das noch erleben. Eben weil der Öffentliche Verkehr so ausgehungert ist. Wenn der Personenverkehr schon so weh beisammen ist, dann gilt das für den Güterverkehr erst recht.

Lobautunnel auch die S34 einer erneuten Evaluierung unterziehen. Halten Sie es für möglich, dass das Projekt jetzt noch politisch gestoppt werden kann? KAPUSTA: Das ist schwer zu sagen, aber ich fände es jedenfalls schade, wenn das Projekt einem politischen Tauschhandel zum Opfer fallen würde. Mein Wunsch wäre, dass man die S34 plus Begleitmaßnahmen durchdenkt und erkennt, dass es ein Sowohl-als-Auch braucht. Und das betone ich besonders. Ohne Begleitmaßnahmen ist das alles eine halbe Sache. HIGER: Ich wünsche mir auch keinen politischen Tauschhandel, bin aber sehr froh, dass jetzt endlich mal jemand politisch das Rückgrat hat und sich diese politische Farce einmal ge-

MFG: Umweltministerin Leonore Gewessler will neben dem

nauer anschaut. Aber wie gesagt, die S34 ist mit politischem Willen als Projekt ins Leben gerufen worden, und ist daher auch nur mehr durch politischen Willen zu stoppen. Und eines dürfen wir nicht vergessen: Die Entscheidungen, die wir jetzt treffen, werden die Mobilität der nächsten 20 bis 30 Jahre bestimmen.

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TEXT: BEATE STEINER | FOTOS: MARION PAYR, SPÖ, MONIHART, ZVG

GERDA HOLZINGER-BURGSTALLER

DIE ERSTE! Männer besetzen 178 von 192 Vorstandsposten in börsennotierten österreichischen Unternehmen, Frauen 14. Darunter eine ganz an der Spitze: Die St. Pöltnerin Gerda Holzinger-Burgstaller ist Vorstandsvorsitzende der Erste Bank. Ein Gespräch über Managerinnen-Qualitäten, Frauen-Chancen, den Blick über den Tellerrand und Mountainbiken. Was wollten Sie als Kind werden, von welchem Beruf haben Sie als Schülerin geträumt? Als Kind wollte ich die Welt erforschen und wollte eine Abenteuerin sein. Ich hatte das Glück, am Land aufzuwachsen, da konnte ich mit meinen Freunden oft im Wald und auf den Feldern spielen. Da gab es viel zu entdecken. Mit 41 Jahren sind Sie dann Vorstandsvorsitzende der Erste Bank Österreich geworden und damit eine Ausnahme-Erscheinung in der heimischen Bankenwelt. Warum, glauben Sie, gibt es noch immer so wenige weibliche Führungskräfte in Österreichs Banken? Der Mangel an weiblichen Führungskräften in Österreich ist auffällig und ich bin davon überzeugt, dass es nicht an der Qualität der Frauen liegt. In 15 Vorständen der großen börsennotierten Unternehmen sitzt gar keine Frau. Aber die Frauen in Spitzenpositionen werden allmählich mehr und das ist gut so. Ich sehe es auch als meine Aufgabe, Diversität in all ihrer Vielfalt im eigenen Haus zu fördern. Wir waren in der Erste Bank hier immer Vorreiter und haben bereits eine 40-Prozent-Quote. Diverse Teams sind einfach erfolgreicher, und ohne Quote wird es in einer Übergangsphase nicht gehen. Wir Frauen sind gekommen, um zu bleiben. Welche Qualitäten braucht es, um an der Spitze eines Unternehmens erfolgreich zu sein? Welche Eigenschaften haben Ihnen auf Ihrem Karriereweg geholfen? Ich bin sehr geradlinig und eine explizite Teamplayerin. Ich wollte immer Teil der Lösung sein. Mir geht es um die Bank und um das große Ganze. Diese Sichtweise ist sicher hilfreich, wenn man sich weiter entwickeln möchte. Was mich außerdem ausmacht, ist der ständige Blick in die Zukunft und über den Tellerrand hinaus. Ich frage mich immer, wie kommen wir weiter, wie können wir Mut machen. Manche Kollegen bezeichnen diese Eigenschaft fast als notorisch. Sind Sie jemals diskriminiert worden, weil Sie eine Frau sind? 18

Nein, ich persönlich habe diese Erfahrung Gott sei Dank nie gemacht und hatte immer Kolleginnen und Kollegen, die mich unterstützt haben. In den Geschäftsführungen der 200 umsatzstärksten Unternehmen Österreichs finden sich neun Prozent Frauen – Tendenz langsam steigend. Und der Gender Pay Gap verringert sich kontinuierlich, aber ebenfalls sehr langsam. Noch immer verdienen Frauen pro Stunde um 19,9 Prozent weniger als Männer. Damit liegt Österreich deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 14,1 Prozent. Frauen bekommen also noch immer rund ein Fünftel weniger aufs Konto als Männer, weil sie auf schlechter bezahlten Positionen und in schlechter bezahlten Branchen und außerdem oft Teilzeit arbeiten. Wie kann sich an dieser Realität was ändern? Ich werde nicht müde für Gleichstellung zu kämpfen. In Österreich werden Frauen von der Gesellschaft stark unter Druck gesetzt, zu Hause zu bleiben, wenn sie ihr erstes Kind bekommen. Frauen mit Kindern unter 15 Jahren arbeiten fast zu 75 Prozent in Teilzeit. Bei Vätern tun das nur sechs Prozent. Das spiegelt sich nicht nur beim Gehalt, sondern auch in der Höhe der Pension wider. Frauen sind oft gefährdet, in die Altersarmut zu schlittern. Umso wichtiger ist es, dass Frauen sich mit dem Thema Finanzen und Vorsorge auseinandersetzen. Das ist eine wichtige Investition in die Zukunft. Hier gibt es einen großen Wandel, und besonders junge Frauen sind an Finanzbildungsangeboten sehr interessiert. Finanzielle Selbstverantwortung und Unabhängigkeit sind immens wichtige Themen, die ich nicht müde werde, voranzutreiben. Sollten Frauen speziell gefördert werden? Was spricht für eine Frauenquote für SpitzenPosten, was dagegen? Wenn wir davon ausgehen, dass Intelligenz, Begabungen, Stärken, Schwächen normalverteilt sind zwischen Männern und Frauen, dann ist es einfach keine effiziente und gute Nutzung von Humanressourcen, auf die Talente von Frauen zu verzichten. Das hieße ja, auf die besten Köpfe


TEXT: XXXXXXXXXXXXXXXX | FOTOS: XXXXXXXXXXXXX

LEBENSLAUF Die St. Pöltnerin Gerda Holzinger-Burgstaller (42) ist seit 1. Jänner 2021 Vorstandsvorsitzende der Erste Bank. Davor hat sie rund zwei Jahrzehnte Erfahrung in der Finanzbranche gesammelt. Holzinger-Burgstaller begann ihre Karriere bei der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA), bevor sie 2006 zur Erste Bank kam und dort verschiedene leitende Positionen innehatte. Zwischen 2017 und 2019 war sie ehrenamtlich im Vorstand der sozial orientierten „Zweiten Wiener VereinsSparcasse“ tätig. Sie hat an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien studiert und hält ein Doppeldiplom in Wirtschaft (2003) und Recht (2010).

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und Talente zu verzichten. In der Erste Bank haben wir uns für eine selbstverpflichtende Frauenquote in Führungspositionen von 40 Prozent entschieden. Ohne Zielwerte wird der Übergang wahrscheinlich nicht machbar sein. Allerdings: Quote allein schafft noch keine Veränderung, deshalb bauen wir auch auf eine Vielzahl von Mentoringprogrammen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die Bank ermutigt Frauen ausdrücklich, sich auf Führungspositionen zu bewerben. Was raten Sie jungen Frauen, die Karriere in Unternehmen machen wollen? Macht euch sichtbar und seid mutig. Gerade wenn Frauen fast ausschließlich von Männern umgeben sind, sollten sie sich daran erinnern, ihre Fähigkeiten und Leistungen in den Vordergrund zu stellen. Nur keine falsche Bescheidenheit. Wie entspannen Sie in Ihrer Freizeit? Am besten entspanne ich mich am Wochenende beim Mountainbiken. Das macht auch meinen Kopf frei für neue Ideen. Außerdem bin ich ein Familienmensch und verbringe gerne und viel Zeit mit meiner Familie.

SAG‘ MIR, WO DIE FRAUEN SIND Auf nur 7,3 Prozent der österreichischen Chefsessel sitzt eine Frau. Daran hat sich seit dem Vorjahr nichts geändert. In den Aufsichtsräten sind Frauen mit einem Anteil von 28,6% vertreten. Die seit 2018 vorgeschriebene Quote von 30 Prozent erfüllt ein Fünftel der österreichischen Unternehmen nicht. St. Pöltner Unternehmen passen ins Bild: Auf den Vorstandsfotos der großen Betriebe finden sich kaum Frauen. Und auch im öffentlichen Dienst sagen Männer, was Sache ist. Zum Beispiel: • Sunpor: In leitender Funktion sind sechs Männer und eine Frau. • Salzer Papier: neun leitende Menschen, darunter zwei Frauen • Egger: drei Gruppenleiter, drei Männer • Geberit: zwei Geschäftsleiter • Universitätsklinikum: Die Klinikleitung teilen sich zwei Männer und eine Frau. Den klinischen Abteilungen stehen 17 Männer und eine Frau vor. • Magistrat der Stadt St. Pölten: Keine einzige Stabsstelle am Magistrat der Landeshauptstadt wird von einer Frau geleitet. Die Stadtprokuratur ist allerdings in vier Departments gegliedert, in dreien gibt es Chefinnen. • Fachhochschule: Die Geschäftsführung an der FH teilen sich drei Männer, Leiter des FH-Kollegiums ist ein Mann. • New Design Uni: An der NDU sind Rektor und Geschäftsführer männlich. • Gemeinderat: Ein Drittel der 42 Mandate halten Frauen. Von den 25 Sitzen der SPÖ wurden neun an Frauen vergeben, drei Frauen und sieben Männer sind für die ÖVP im Stadtparlament, mit je einer Frau und zwei Männern sind die Grünen und die FPÖ im Gemeinderat vertreten, die NEOS mit einem Mann.

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UN Wie Renate Gamsjäger (SPÖ), Romy Windl (ÖVP), Christina Engel-Unterberger (Grüne) und Irene Höfner (FPÖ) zu Frauenfragen stehen: • Was muss passieren, damit Frauen in unserer Gesellschaft gerechter behandelt werden und Männer nicht mehr bevorzugt? • Inwiefern ist das Thema „Benachteiligung von Frauen“ für Sie von persönlichem Interesse? • Brauchen wir eine Frauen-Quote? Warum ja, warum nein? Stadträtin RENATE GAMSJÄGER Grundsätzlich hängen die Ungleichbehandlungen von Frauen mit den Rollenerwartungen und -bildern von Frauen in unserer Gesellschaft zusammen. Nirgends in Eu­ ropa ist zum Beispiel der Anteil der Teilzeit beschäftigten Frauen so hoch wie in Österreich. Immer noch werden Frauen, die nicht beruflich für die Familie zurückstecken, schief angeschaut. Die Angebote zur Entlastung von Familien sind immer noch stark ausbaufähig. Auch wählen Mädchen immer noch die typischen Berufe, die per se schlechter bezahlt sind und schlechtere Aufstiegschancen haben. Unter diesen Voraussetzungen ist es klar, wo man ansetzen muss: Viel mehr Unterstützung von Mädchen und Burschen, um stereotype Berufswahlen aufzubrechen! Finanzielle Aufwertung „frauentypischer“ Berufe (vom Kindergarten bis zur Pflege), damit sie auch für Männer interessanter werden beziehungsweise die Lohnschere sich schließt. Ausbau von Familien unterstützenden Einrichtungen (Kindergärten, schulische Tagesbetreuung) mit hohem Qualitätsanspruch und kostenlos. Die Trennung von gratis-“pädagogischen“ Zeiten am Vormittag und einer kostenpflichtigen Nachmittagsbetreuung in den Kindergärten in NÖ ist die perfekte Hürde, um die Kinder nur halbtags in den Kindergarten zu geben und drängt damit die jungen Mütter geradezu in die Teilzeitarbeit. Wie könnte dieses Thema nicht von Interesse für mich sein? Es zeigt sich, dass Quoten sehr hilfreich sind. Immer wieder erlebe und beobachte ich, dass Männer in Führungspositionen immer nur an Männer denken, wenn es um Nachbesetzungen geht. Die Quote zwingt dazu, Frauen – seien sie noch so taff – nicht nur als „Sekretärinnen/Zuarbeiterinnen“ wahrzunehmen.


DIE ERSTE!

SER E VO LK SVERTRETERINNEN Gemeinderätin ROMY WINDL Meiner Meinung nach sind wir auf einem guten Weg, dürfen aber nicht müde werden, immer wieder auf Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen. In mancher Hinsicht denken Frauen anders, es muss in Zukunft möglich sein, auf die Bedürfnisse der Frauen einzugehen. Oft werden immer noch alle CareTätigkeiten, sei es die Kinderbetreuung oder die Pflege der Eltern, von den Frauen übernommen. Das hat viele Auswirkungen zum Beispiel auf die Pension oder wenn es um die Besetzung von Frauen in höheren Positionen geht. Unsere Gesellschaft entwickelt sich langsam, das ist kein Sprint, sondern ein Marathon, bei dem wir immer wieder reflektieren müssen, wo noch an Schräubchen gedreht werden muss. Ich bin in einer Familie mit fünf Frauen aufgewachsen, wir waren immer in der Überzahl und ich habe mich immer als Frau in meiner Meinung ernst genommen gefühlt und hatte auch starke Frauen als Vorbilder. Ich finde es aber großartig, dass es bereits so viele Projekte und Initiativen gibt, wie „Orange the World“ oder das Projekt, bei dem jetzt Spar die Nummer der Gewaltschutzhotline auf die Kassenbons druckt. Ich würde mir wünschen, dass es keine Quoten braucht. Wenn wir mit Quoten Druck erzeugen, erzeugen wir auch irgendwo Gegendruck. Das würde dann oft genau das Gegenteil von dem bewirken, was wir eigentlich wollen. Frauenquoten bedeuten außerdem immer, dass nachher die Frau dem Vorwurf ausgesetzt ist, sie wäre nur dort wegen der Quote. Frauen haben oft ganz großartige Qualitäten, die durch Quoten bei der Anerkennung nicht gemindert werden dürfen. Stadträtin CHRISTINA ENGEL-UNTERBERGER Was für eine komplexe Frage, auf die ich nur zu gerne die eine Antwort hätte. Prinzipiell denke ich die Zielrichtung muss sein: Wir müssen alle Menschen als gleichwertig verstehen und einander auch so begegnen. Auf dem Weg dorthin wurde schon viel erkämpft. Heutzutage geht es darum, Einkommensunterschiede und die ungleiche Verteilung unbezahlter Arbeit zu bekämpfen. Es geht darum, Kinderbetreuung auszubauen und einen Rechtsanspruch darauf zu schaffen. Es geht darum, Diskriminierung am Arbeitsplatz zu

bekämpfen. Es geht um Arbeitszeitverkürzung und einen gesetzlichen Mindestlohn. Um die Bekämpfung von Altersarmut. Es geht um den Ausbau der Zusammenarbeit zwischen Behörden, Gerichten und Gewaltschutzzentren. Es muss also sehr viel passieren und ich denke auf dem Weg dorthin braucht es gute Frauennetzwerke. Wir müssen also weiter Banden bilden. Sagen wir so: Viele auf den ersten Blick „persönliche“ oder „private“ Themen wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Betreuung von Angehörigen oder die Höhe von Einkommen und Pension sind meines Erachtens sehr „politisch“. Vielleicht zur Veranschaulichung ein paar Beispiele: 1) Als Partnerin ist es mir wichtig, in einer gleichberechtigten Beziehung zu leben, also gemeinsam für die Kinder und den Alltag zu sorgen und wirtschaftlich unabhängig zu sein. 2) Als Mutter ist es mir wichtig, dass meine Kinder frei von Angst und Gewalt aufwachsen können und dass sie ihre Potenziale entfalten können, unabhängig von ihrem Geschlecht. 3) Als berufstätige Person finde ich massive Lohnunterschiede zwischen einzelnen Branchen ungerecht. Ich bin ausgebildete Sozialarbeiterin – der weiblich dominierte Sozial- und Pflegebereich ist arg unterbezahlt. Aus all diese Gründen kann ich den Satz „Das Private ist politisch“ unterschreiben. Die Umsetzung von diesen „privaten“ Themen ist nämlich abhängig davon, welche Rahmenbedingungen es gibt. In Gemeinderäten, Parlamenten und Vorständen sind in der Regel mehr Männer als Frauen vertreten. Ich finde das sollte sich ändern. Das erledigt sich aber nicht von allein, daher halte ich Quoten in bestimmten Bereichen für sehr sinnvoll. Ich denke, das hat auch Vorbildwirkung für Mädchen und junge Frauen. Auch ich selbst orientiere mich an anderen Politikerinnen und merke, dass ich mich mit Frauen in der Politik viel eher identifizieren kann als mit Männern. Um das Recht von Frauen auf Mitbestimmung umzusetzen, halte ich deshalb gerade für öffentliche Funktionen eine Frauen-Quote für sehr sinnvoll. Gemeinderätin IRENE HÖFNER Wir müssen endlich ein faires Lohnsystem schaffen und gute gesetzliche Rahmenbedingungen für Mütter beziehungsweise Alleinerzieherinnen, die länger bei ihren Kindern zu Hause bleiben wollen. Es darf nicht sein, dass Frauen trotz Doppelbelastung durch Job, Haushalt und Kindererziehung am Existenzminimum leben müssen. Für eine Postenbesetzung muss die Qualifikation ausschlaggebend sein, nicht eine Quotenerfüllung um jeden Preis, also NEIN zur Frauen-Quote.

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WEIL EINE GRUPPE MÖCHTE ICH SEIN

Verbringst du genügend Zeit in den richtigen Facebook-Gruppen, bekommst du garantiert mit, was St. Pölten bewegt. Egal ob Klatsch und Tratsch, Erfahrungsaustausch und Hilfestellung oder die heißesten News – knapp ein Drittel der St. Pöltnerinnen und St. Pöltner ist online dabei. Doch wissen alle, worauf sie sich dabei einlassen?

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martphones verbinden uns rund um die Uhr mit dem Internet. Soziale Medien wie Facebook begleiten uns durch den Tag und sind zu universellen Kommunikationsinstrumenten geworden: Wir informieren uns im Newsfeed über Neuigkeiten aus aller Welt, bekommen mit, was sich im Freundeskreis tut und chatten mit Kollegen. Besonders die sogenannten Gruppen hat Facebook in den letzten Jahren weiterentwickelt und herausgeputzt. Mit Erfolg, wie mehr als 16.000 Mitglieder in St. Pöltens größter

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Facebook-Gruppe („Was ist los in St. Pölten“) zeigen. Gut moderierte Gruppen mit einer kritischen Größe an aktiven Usern nehmen es locker mit der Bedeutung von regionalen Zeitungsausgaben auf, wie Medienwissenschaftler Jan Krone im nebenstehenden Interview ausführt. Doch was macht ihren Reiz aus und was treibt die Admins an? Was ist los in St .Pölten? Seit 2013 stieg Ricardo Zanot schleichend zum Admin auf, als sich die Gründerin von „Was ist los in St.

Pölten“ zurückzog. Heute ist er Herr über 16.000 Mitglieder. „Dass eine Diskussion über Corona nicht ausartet, dem musst du schon gewachsen sein“, lacht er, wenn er auf die kontroversesten Themen der letzten Jahre zurückblickt. „Das Potential der Gruppen ist das Bedürfnis der Menschen, sich mitzuteilen. Menschen wollen loswerden, was sie betrübt. Bei uns wird man als Mitglied aufgenommen, erst dann kann man mitlesen und schreiben. Das schafft etwas Intimität und die Leute reden sehr offen, teilweise zu offen. Als Moderator muss ich dann bremsen und an die Spielregeln erinnern.“ Aber kann man es allen recht machen? „Es gibt immer auch Kritik. Anfangs wurde ich oft als Diktator beschimpft, aber langsam checken die Leute, dass es mir nicht um Zensur geht, sondern um die Art und Weise, wie man formuliert. Ich akzeptiere beispielsweise keine pauschalen Beschimpfungen von Bevölkerungsgruppen. Und momentan kommt es sehr häufig vor, dass bei anfangs ganz unverfänglichen Themen plötzlich irgendwer in die Corona-Richtung überleitet und dann geht es ab. Reizthemen sind derzeit: Corona, Impfen und Ausländer. Zum Moderieren braucht man einen guten Überblick, was in der Stadt passiert. Bei hitzigen Diskussionen muss man eine gewisse Ruhe reinbringen. Dass es bei uns unterm Strich relativ gesittet zugeht, das ist hart erkämpft.“ Die Kunst ist den richtigen Moment zu erkennen, wann man eingreift. Manche Themen eskalieren rasch: „Es kann sein, dass ich eine Stunde nicht aufs Handy schau und schon beschimpfen sich fünfzig Leute gegenseitig.“ Greift er dann ein, folgen Fragen: Warum wurde das Posting vom Moderator überhaupt freigeschal-


TEXT: MICHAEL MÜLLNER | FOTOS: STOCK.ADOBE.COM, CLAUDIA MANN, GEORG KOPPELMÜLLER, RAINER SCHODITSCH

FAC E BOOK-GRUPPEN ALS RELEVAN TE PLAYER IM GESEL LSCH AFTLI CHEN DI SKU RS FH-Professor Jan Krone forscht und lehrt an der FH St. Pölten, Department Medien und Digitale Technologien. Welchen Stellenwert haben Facebook-Gruppen mit 16.000 Mitgliedern für eine Stadt mit rund 55.000 Einwohnern? Es handelt sich dabei wohl um eine Mischung aus kommunikativ-gesellschaftlichen Systemen und publizistischen Mediensystemen. Technisch gesprochen ist der Rezipient gleichzeitig auch Kommunikator. Bei klassischen Medien hat man den passiven Leser oder Zuseher, bei Facebook-Gruppen sind die Nutzer sowohl lesende Empfänger als auch aktiv schreibende oder Likes-gebende Sender. Wenn wir nun von einer Reichweite mit 16.000 Mitgliedern ausgehen, dann ist das bei einem Verbreitungsgebiet wie St. Pölten zweifelsfrei eine signifikante Plattform zur Information und Meinungsbildung. Möglicherweise ist diese Plattform damit sogar „stärker“ als die St. Pöltner Stadtausgaben von NÖN oder den Bezirksblättern. Auch wenn diese Gruppen in der Medienforschung noch unzureichend erfasst sind, haben sie zweifelsfrei den Charakter von starken Lokalmedien. Überschätzt man nicht die Bedeutung solcher Gruppen? Eher wird die Wirkung unterschätzt. Meiner Meinung nach ist die sogenannte „Medienwirkungsvermutung“ sogar größer als bei klassischen Medien, da Facebook-Gruppen ein hohes „Nutzer-Involvement“ haben. In diesen Gruppen herrscht ein Gefühl der Nähe, die Partizipation ist einfach – ganz ohne viel Aufwand für den Nutzer. Quasi beiläufig entstehen so relevante Player für den gesellschaftlichen Diskurs. Also gehört die Zukunft des Diskurses Facebook & Co? Klassische Medien neigen jedenfalls dazu, das Geschehen und den Stellenwert dieser Gruppen zu unterschätzen oder zu dämonisieren, vielleicht auch weil man sich im Wettbewerb zu sozialen Medien wähnt. Die Entwicklung ist jedenfalls nicht abgeschlossen. Facebook etwa gilt als „dying platform“,

die junge Zielgruppe ist dort nur mehr sehr schwach vertreten, sie hält sich lieber auf Instagram oder TikTok auf. Außerdem besteht das vergleichbare Phänomen der „Dark Social“-Gruppen, also geschlossener Informationskanäle bzw. Messenger-Gruppen wie WhatsApp, Signal oder Telegram. Dort finden sich zudem jüngere Zielgruppen ein. Facebook baute die Gruppen-Funktionalität zuletzt aus und scheint auch aus wirtschaftlichen Motiven auf große Gruppen zu setzen. Für die Plattformbetreiber haben diese Gruppen natürlich eine besondere ökonomische Bedeutung, weil die Nutzer regelmäßig in diese Gruppen zurückkehren und durch das Mitlesen eine lange Verweildauer entsteht. Zudem erhalten die Konzerne valide soziodemographische Daten, die sie für ihre personalisierte Werbevermarktung gut gebrauchen können.

auch inhaltlich oder sprachlich angepasst kommuniziert. Gerade dieses Bewusstsein scheint aber oft schwach ausgeprägt, dass man in FacebookGruppen eben nicht mehr im privaten Rahmen agiert. Es ist etwas anachronistisch, dass für Kommunikationsplattformen noch nicht exakt die gleichen Gesetze gelten wie für redaktionelle Medienunternehmen. Manche Haftungen sind etwa noch eingeschränkt. Dabei wirken viele SocialMedia-Plattformen mit CommunityRegeln und AGBs genauso redaktionell auf Inhalte ein wie klassische Medien­ unternehmen. In meiner Wahrnehmung sind sich Moderatoren oder Administratoren von derartigen Gruppen oft der Dimension ihres eigenen Wirkens gar nicht bewusst. Sie haben de facto die Funktion einer Chefredaktion, nur ohne Bewusstsein oder gar Ausbildung dafür.

Und welchen Nutzen hat die Gesellschaft insgesamt? Neben dem Informationsgewinn im Lokalen wird dem User auch oft eine aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Diskurs und auch an demokratischen Prozessen ermöglicht. Eine Vertiefung von Informationen ist kanaltypisch. Es ist eine durchaus zentrale Frage, dass wir als Gesellschaft diese Bedeutungen auch erfassen können. Und die Menschen selber müssen unterscheiden können zwischen privater, halböffentlicher und öffentlicher Kommunikation. Denken wir an die beliebte Metapher mit dem Wirtshausbesuch. Wenn Privates privat bleiben soll, dann verlangt öffentliche Kommunikation nach entsprechendem Bewusstsein, dass man jetzt eben nicht mehr privat kommuniziert – und somit vielleicht

Moderatoren haben oft die Funktion einer Chefredaktion. Nur ohne Bewusstsein dafür. MFG 09 21

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ONL INE GELTEN DI E G LE IC HE N REGELN WIE O FFLI N E Paul Eberstaller forscht als Universitätsassistent am Institut für Innovation und Digitalisierung im Recht der Universität Wien vor allem im IT-Recht. Welche Spannungsfelder entstehen online? Sehr häufig geht es um Beleidigungen oder üble Nachrede. Dabei gelten online im Wesentlichen die gleichen Regeln wie offline. Auch im Internet darf ich niemanden beleidigen. Der Unterschied ist meistens die Öffentlichkeit. Am Stammtisch kriegt es der Beleidigte vielleicht nicht mit, oder er ist weniger geneigt, die Beleidigung gerichtlich zu verfolgen. Im Internet erreicht man schnell mehr Menschen – und es ist gespeichert und leicht nachlesbar. Dazu kommt, dass man als Inhaber eines Social-Media-Accounts Medieninhaber im Sinne des Mediengesetzes ist. Das heißt, wenn ich auf meinem Profil etwas behaupte, dann gilt der gleiche Maßstab wie bei klassischen Medien. Das ist beispielsweise relevant, wenn man schreibt, dass ein Politiker verurteilt wurde. Da macht der Zusatz, dass die Verurteilung noch nicht rechtskräftig ist, einen gewaltigen Unterschied. Denkbar ist dann etwa eine Klage nach dem Mediengesetz, diese wird meistens zivilrechtlich vom vermeintlich Geschädigten angestrengt, aber vor einem Strafgericht verhandelt. Da geht es dann im Wesentlichen um Entschädigungszahlungen als Form von Schadenersatz und natürlich um die Kosten für derartige Verfahren – das kann mitunter teuer werden. Aber auch strafrechtliche Konsequenzen können drohen. So stehen etwa auf Beleidung im Extremfall bis zu drei Monate Haft, auf üble Nachrede sogar bis zu sechs Monate. Wie kann man sich gegen unliebsame Postings wehren? Alle Medien, auch Facebook-Gruppen, benötigen ein Impressum. Dort findet man die verantwortlichen Ansprechpersonen und kann sie kontaktieren. Grundsätzlich ist auch eine Haftung der Administratoren oder Moderatoren denkbar, beispielsweise wenn sie Inhalte stehen lassen, die auch für einen Laien als rechtlich problematisch erkennbar sind. Jedoch sind diese Betreiber nicht verpflichtet von sich aus ständig alle Kommentare zu überwachen. Da muss man dann schon aktiv werden und den Admin darauf ansprechen oder Beiträge melden. Sobald der Admin den relevanten Kommentar sieht und er auch als Laie ein Problem erkennen kann, müsste er handeln, um nicht ebenso haftbar zu sein. Was müssen Moderatoren unter dem Aspekt der Meinungsfreiheit zulassen und was dürfen sie zensurieren? Grundsätzlich sind nur Staaten an die Meinungsfreiheit gebunden, sofern es nicht zulässige Einschränkungen gibt, etwa zum Schutz von Persönlichkeitsrechten. Private Betreiberfirmen wie Facebook selbst oder Administratoren, die Gruppen verwalten, sind dahingehend nicht gebunden. Sie können sich aussuchen, welche Meinungen oder Inhalte sie zulassen – und was oder wem sie eben keinen Raum geben wollen.

Auch im Internet, darf ich niemanden beleidigen. 24

RICARDO ZANOT. Verfolgt auf seinem Handy das Geschehen in der Gruppe. ten, warum ein kritischer Beitrag gelöscht? „Eine Linie zu finden, die für die Allgemeinheit erträglich ist und die noch administrierbar ist, das ist die echte Herausforderung“, so Zanot, dem dabei hilft, sich in die Menschen hinein zu versetzen, um möglichst viel Verständnis zu haben, denn: „Große Gruppen sind immer heterogen, da muss man auch ertragen, dass manche andere Meinungen haben oder sich schwer tun, ihre Meinung zu artikulieren. Doch genau diesen Diskurs zu fördern, ist der eigentliche Zweck dieser Gruppe.“ Und ein paar wenige Aufhusser und Randalierer muss man nach erfolglosen Verwarnungen letztlich vor die virtuelle Tür setzen. Das Durchsetzen von Spielregeln ist auch Eigenschutz. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, auch virtuelle Kommentare können verletzten oder verärgern – bis hin zu rechtlichen Konsequenzen für die Beteiligten. Zanot: „Vieles ist rechtlich relevant. Wir versuchen dann alle zusammenzubringen. Dank der Gruppe lassen sich Lösungen oft viel rascher erzielen, als wenn man alles offline regeln müsste.“ Auch die Polizei liest in der Gruppe mit und tauscht sich mit dem Admin aus. „Kaum gibt es eine Schießerei, wird schon darüber geschrieben – lange bevor die ersten Pressemeldungen kommen. In Kooperation mit der Polizei können wir aktuell informieren, was wirklich Sache ist.“


WEIL EINE GRUPPE MÖCHTE ICH SEIN

Leben in STP & Umgebung Was früher der Tratsch nach dem Kirchgang oder der Blick in die Lokalzeitung war, ist heute das Surfen in der Facebook-Gruppe. Romana Drexler hat im Juli 2019 ihre Gruppe „Leben in St. Pölten & Umgebung“ gegründet und mittlerweile über 8.000 Mitglieder. „Damals hatte ich im Beruf viel zu tun und irgendwann habe ich bemerkt, dass ich dadurch wenig vom Geschehen um mich herum mitbekomme. Das war meine Intention die Gruppen zu gründen, ich wollte über Alltägliches am Laufenden bleiben und einen Ort schaffen, an dem Menschen ihre Meinungen austauschen. Drexler und Zanot kennen sich seit Jahren und stehen im freundschaftlichen Austausch, beide Gruppen scheinen ihren Platz gefunden zu haben. Was denn die größten Aufregerthemen in St. Pölten sind? „Am häu-

ROMANA DREXLER. Erfährt dank ihrer Facebook-Gruppe sofort Neuigkeiten.

figsten kommt das Zu-Betonieren, insbesondere im Hinblick auf Wohnungsbau. Und natürlich: Corona und Fremdenfeindlichkeit – man muss immer damit rechnen, dass irgendwo ein Kommentar kommt und dann geht es los.“ Auch über Dienstleistungsbetriebe wird liebend gerne diskutiert – vom höchsten Lob bis zur niederschmetternden Kritik ist alles dabei. „Gerade wenn jemand kritisiert wird, geht es mir um eine ausgewogene Diskussion. Ich bin für Meinungsfreiheit, aber die Gruppe soll nicht dazu dienen, dass man anderen etwas Schlechtes tut. Online fehlt uns das Menschliche, die Mimik, die Gestik – umso wichtiger ist ein guter Ton und respektvoller Umgang“, erklärt Drexler ihren Zugang. Doch ist es nicht schlicht menschlich, dass uns „bad news“ besonders interessieren? „Ganz sicher nicht. Ich beobachte die Reichweite der einzelnen Beiträge. Lob und positive Geschichten werden sehr gerne gelesen und bekommen viele Likes. Bei Negativem gibt es vielleicht mehr Kommentare, aber die Reichweite insgesamt ist nicht höher.“ Den Erfolg der Gruppe kann man am Schlusssatz der Administratorin festmachen: „Wenn mir heute jemand etwas Neues erzählen will, dann weiß ich das schon immer – aus meiner Gruppe“, lacht sie. Und freut sich besonders über Berichterstattung lokaler Medien, wenn diese Themen aus ihrer Facebook-Gruppe aufgreifen.

KOLUMNE BEATE STEINER

FRAUEN FEHLEN

Was ist los in St. Pölten?

Leben in St. Pölten & Umgebung

Mitglieder 16.202 Personen

Mitglieder 8.242 Personen

Erstellt 1. November 2011

Erstellt 27. Juli 2019

Mastermind Ricardo Zanot

Mastermind Romana Drexler

Beiträge im August 2021 743 Beiträge

Beiträge im August 2021 410 Beiträge

FOTO STOCK.ADOBE.COM

FAKTENKASTEN – DIE STP-GRUPPEN IM PORTRAIT

„Jetzt haben wir wirklich andere Probleme – Frauen fühlen sich doch immer benachteiligt.“ Ist verlässlich zu hören, wenn es um Gleichberechtigung geht. Frauen fühlen sich allerdings nicht nur so – sie sind’s noch immer: Im EU-Ranking über Frauen in Führungsebenen scheint Österreich auf Platz 17 auf, als Entwicklungsland bei der Gleichstellung von Frauen. Das zeigt sich nicht nur auf Bildern von Vorstandsund Aufsichtsräten, sondern auch am Gehaltszettel. Frauen verdienen um 19 Prozent weniger, obwohl mehr Frauen als Männer eine höhere Schule oder ein Studium abgeschlossen haben. Auch in unserer kleinen St. Pöltner Welt funktionieren die MännerNetzwerke bestens. Im Gemeinderat sitzen doppelt so viele Räte wie Rätinnen. Natürlich sind in fast allen Parteien Männer on top – nur bei den Grünen ist eine Frau an der Spitze. In der FH sind die beiden Frauen aus den Führungsgremien verschwunden, im Magistrat gibt es keine einzige Stabsstellenleiterin mit Höchstbezug. „Der Vormarsch der Frauen in den gesellschaftlichen Machtbastionen ist nachhaltig“, prophezeit Zukunftsforscher Matthias Horx. Wird vermutlich noch ein Zeiterl dauern, bis in Österreich Johanna Dohnals „Vision der menschlichen Zukunft“ Wirklichkeit wird und Frauen und Männer gleiche Chancen haben. Es bringt übrigens mehr Solidarität in unsere Gesellschaft, wenn Alleinerzieherinnen und Pensionistinnen nicht mehr unter der Armutsgrenze leben müssen – und fehlende Solidarität ist ja in Zeiten der Ich-AGs und der Pandemie wohl ein aktuelles Thema.

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QUEER SZENE

COMING OUT AGAIN

M

itte Juni schwappt ein kleines buntes Meer aus Regenbogenfahnen durch St. Pölten. „Queer is beautiful“ und „protect trans kids“ steht auf Plakaten. Glitzer, Make-up und knappe Kleidung sind der inoffizielle Dresscode. Von der Kremsergasse bis zum Rathausplatz marschiert ein Demozug, den die Stadt so noch nie erlebt hat. Die erste Pride versammelte 200 Menschen, vor allem junge Leute aus der stadteigenen LGBTIQ-Community. An diesem Tag feierten sie ohne Scham ihre Diversität. So sichtbar waren sie noch nie. Die Pride brachte St. Pöltens queere Szene wieder ins Rollen. Zuvor war sie an ihrem eigenen Tiefpunkt angelangt. Queeriosity, ein Verein zur Förderung von LGBTIQMenschen hatte sich aufgelöst,

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In St. Pölten formiert sich die queere Szene neu. MFG hat sie ein Stück ihres Weges begleitet und mit Mitgliedern über ihre bevorstehenden und vergangenen Herausforderungen gesprochen. ebenso die St. Pöltner Beratungsstelle von Tabera. Während des Lockdowns schloss das Emily Rose seine Tore. Es war das letzte Szenelokal der Stadt. Heute blickt die Community – wenn auch mit Vorsicht – optimistisch in ihre Zukunft. Eine kleine Gruppe von queeren Stadtbewohnern versucht ihrer Szene wieder Leben einzuhauchen. Georg Bayerl sitzt um einen Heurigentisch im Sonnenpark. Er hat Chips und alkoholfreie Getränke mitgebracht, alle sollen es gemütlich haben. Mit ein wenig Verzögerung setzen sich die ersten Menschen zu ihm. Inklusive dem Sozialpädago-

gen Bayerl werden es heute acht sein, die den Stammtisch der STP Queers besuchen. Die meisten etwa Anfang bis Mitte 20. Noch sind sie nicht viel mehr als eine WhatsApp-Gruppe, deren Mitglieder sich regelmäßig im Park der Vielfalt treffen und dort Filme schauen oder diskutieren. Sie sprechen über ihre Coming-out-Geschichten und warum manche ihre Sexualität bis heute nicht allen in ihren Familien offengelegt haben. So manche Großeltern würde ein Outing ins Grab bringen, scherzen sie. Heute nicht mit dabei ist Oskar Beneder. Er war Gründer von Café Queer, einer Talk-Reihe, die sich


TEXT: THOMAS WINKELMÜLLER | FOTOS: SJÖ, MATTHIAS KÖSTLER

KONTAKTE & ADRESSEN • Coming-Out Geschichten an st.prides@gmail.com • STP Queers WhatsApp-Gruppe https://chat.whatsapp.com/ BiCxY0TfwFGK4esQhd2YT9

• Kontakt zum Büro für Diversität diversitaet@st-poelten.gv.at 02742 / 3332035

2015 im Sonnenpark formierte und Vorgänger des Queeriosity Vereins war, dessen späterer Vorsitzender Beneder wurde. Gemeinsam mit Bayerl hat er auch die neue Gruppe ins Leben gerufen. Beim Interview am Tag davor erzählt Beneder von der Gründung. Bayerl war an ihn herangetreten und wollte den alten QueeriosityVerein wiederbeleben oder gleich etwas Neues schaffen. „Das war einen Tag vor der Pride. Wir haben dann noch schnell einen Link zur WhatsApp-Gruppe erstellt, auf Flyer gedruckt und sind dann damit durch die Menge.“ Beim ersten Treffen sei der Andrang am stärksten gewesen. Sie hätten Werwolf gespielt und über aktuelle Themen gesprochen. „Der Anspruch ist einmal recht niederschwellig anzufangen. Babyschritte“, sagt Mitgründerin Alexandra Pesler. Mittlerweile pendelt sich die Mitgliederzahl pro Termin auf fünf bis fünfzehn ein. Damit seien Pesler und Beneder zufrieden. Bei Queeriosity waren sie die letzten beiden aktiven Mitglieder. „Damals haben wir zu schnell zu viel gewollt.“ Darauf einigen sich beide. „Wir wollten Anlaufstelle und Plattform für ganz Nieder­ österreich sein, regelmäßige Treffen

bieten und ein eigenes Vereinslokal haben“, sagt Beneder. Ehrgeiz, der das Projekt als Ganzes scheitern ließ. Auch das Engagement von jemandem wie Bayerl, der als Sozialpädagoge arbeitet, habe ihnen damals gefehlt. Manche Mitglieder hätten mehr und vor allem professionelle Hilfe gebraucht. „Wir haben unterschätzt, wie präsent das Thema psychische Krankheiten in der LGBTIQCommunity immer noch ist“, sagt Pesler, „wir sind keine Sozialarbeiter. Als Freundinnen können wir beraten, aber nicht als Verein.“ Die Zahlen geben Pesler und Beneder Recht. Im Vergleich zur heterosexuellen Gesamtbevölkerung leiden queere Menschen deutlich häufiger an stressbedingten Krankheiten. Ein Grund dafür sind Diskriminierungserfahrungen. In St. Pölten seien Beschimpfungen oder Übergriffe in der Öffentlichkeit heute eine Seltenheit. Und dann sei da noch das „ewige Coming-out“, wie es Pesler und Beneder nennen. In jedem neuen Job, an Unis oder in der Ausbildung, die Fragen seien immer dieselben. „Seit wann weißt du, dass du lesbisch bist? Wie geht das mit dem Sex? Welche Praktiken machst du? Das wollen Kollegen im Detail wissen. Aus Naivität und Neugierde, nicht aus Bösartigkeit“, sagt Pesler. Es sind Fragen, die niemand einer heterosexuellen Person in einem Arbeitskontext stellen würde. Vielen würde schlichtweg der Bezug zu Menschen aus der LGBTIQ-Community fehlen, woraufhin sie eine „naive Faszination mit unserem Sexleben“ packe. „Ich weiß, das sind an sich tolerante Menschen. Darum sage ich immer: frag einfach. Du kannst eh keine blöde Frage mehr stellen, die ich nicht schon zehnmal gehört habe.“ Um einen Safe Space vor negativen Erfahrungen zu bieten, hätten sie damals Queeriosity und heute

STP Queers gegründet. Eine Anlaufstelle, bei der sich niemand über das ewige Coming-out oder Anfeindungen Gedanken machen müsse, sagt Beneder. Aufklärungs- und Vernetzungsarbeit in diesem Bereich leistet das Büro für Diversität in St. Pölten. 2012 legte die Stadt hier die Aufgabenbereiche Frauen, Behinderungen, Menschen anderer Herkunft, Weltreligionen und sexuelle Identität zusammen. Themen, die alle in sich zusammenhängen. Im öffentlichen Dienst sei das einzigartig gewesen. Drei Mitarbeiterinnen kümmern sich hier um fünf riesige Themenfelder. Um die Stadtbewohner stärker für das Thema sexuelle Identität zu sensibilisieren, veranstalten sie Events, zeigen Filme im Cinema Paradiso und haben den AchtsamkeitsPodcast „Zeit für mich“ ins Leben gerufen. Am wichtigsten seien aber Workshops für Schulen und Unternehmen. „Für junge Leute in der Stadt ist es meistens ganz normal, dass es verschiedene Gender- und sexuelle Präferenzen gibt. Sie kennen das aus Serien und Filmen“, sagt

Der Anspruch ist niederschwellig anzufangen. Babyschritte ALEXANDRA PESLER MFG 09 21

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COMING OUT AGAIN

Man muss sich ein hartes Fell anlegen.

KOLUMNE TINA REICHL

OSKAR BENEDER

Herbstferien!

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FOTO STOCK.ADOBE.COM

WATTEBAUSCHERL Ich liebe Buchstaben, Schriften und Wörter. Ich liebe sprachliche Doppeldeutigkeiten, Wortspiele und Oxymora. Wer kennt es nicht, mein Lieblingsgedicht: „Dunkel war´s, der Mond schien helle, als ein Wagen blitzeschnelle, langsam um die Ecke fuhr….“ Auch Verkleinerungsformen haben es mir angetan. Wattebauscherl zum Beispiel kann ich nicht sagen, ohne dabei zu lächeln, ist das nicht einfach süß? Gspusi und Pantscherl klingen auch so harmlos und liebevoll, was kann daran verkehrt sein? Oder Zwutschgerl und Rawuza. „Nau, du kleiner Rawuza, jetzt hab ich dich aber!“ Ich verwende aber diesen Ausdruck nicht für die Absonderungen meiner Nase, sondern als eine Art Kosenamen für meinen kleinen Schlingl, also für meinen Sohn. Also jetzt nicht mehr so oft, er ist ja auch schon größer als ich. Auch das Wort „Wattebauscherl“ hab ich schon lang nicht mehr ausgesprochen. Es gibt ja jetzt nur mehr die Wattepads! Wie schade! Genauso geht’s den Sackerln an den Kragen. Kein Mensch fragt dich heute mehr, ob du ein Sackerl willst. Zumindest ist es nicht mehr gratis! Schwammerl ist auch lieb. „Gemma Schwammerl brocken?“ Oder Lackerl. „Pfiati Lackerl!“ Wenn ich aber ein Lieblingswort nennen soll, bin ich im Wiglwogl! Ich sollte mir mal eine Liste machen und immer, wenn mir eines einfällt, es sofort notieren. Hab mir eh schon einen kleinen Taschenkalender gekauft und trage mir schon die wichtigsten Termine darin ein. Moment, jetzt weiß ich es! Mein neues Lieblingswort heißt:

Martina Eigelsreiter vom Büro für Diversität, „diese Selbstverständlichkeit führt aber dazu, dass viele nicht verstehen, warum ein eigener Pride Month mit allem Drum und Dran notwendig ist.“ Deswegen würden Eigelsreiter und ihr Team die Geschichte über die Verfolgung der LGBTIQ-Community und der Pride erzählen und erklären, warum Solidarisierung nach wie vor notwendig sei. Aber auch in Österreich war Homosexualität bis 1971 strafbar. Erst seit 2004 ist die Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung gesetzlich verboten. Dieses Wissen sei wichtig, um zu verstehen, warum die Regenbogenfahne das zweite Jahr infolge auf dem Rathaus weht. Abgesehen von der Aufklärung vernetzt das Büro die Szene unter sich. „Für queere Menschen sind wir Ansprechstelle und versuchen sie dann an Einzelpersonen weiterzuleiten, da es ja momentan keinen Verein gibt.“ Monatlich würden sich rund zehn Personen bei ihnen melden und um Vernetzung oder Hilfe bei medizinischer Beratung bitten. Das gehe von Psychotherapie bis hin zu Geschlechtsanpassung. Früher konnten sie dem Verein Queeriosity sogar eigene Räumlichkeiten im Saal der Begegnung bieten, heute ist dort eine Teststraße. Beschwerden aufgrund von Übergriffen würden das Büro kaum noch erreichen. Trotzdem sei St. Pölten keine Insel der Seligen, sagt Eigelsreiter. „Das Hissen der Fahne ist immer wieder ein Thema. Außerdem wollten sich lange Zeit viele nicht in St. Pölten outen, sondern in größeren Städten.“ Der Mit-Organisator der Pride, Peter Schicho, bestätigt das. Auch er stand erst zu seiner Sexualität, als er in Wien zu studieren begann. Heute fühlt er sich in St. Pölten relativ

wohl, sagt Schicho. „Es gibt Räume, an denen es völlig okay ist als queere Person dort zu sein. Ich denke da an das Cinema oder den Sonnenpark. Wie es abseits dieser bildungsnahen, linken Bubble aussieht, ist eine andere Geschichte.“ Mit der Pride habe St. Pölten jedenfalls ein Zeichen gesetzt. Mehr noch, die Stadt hat einer neuen Generation von queeren Menschen die Chance geboten, sich selbstbewusst zu zeigen. Auch Schicho ist heute Teil der STP Queers. Gemeinsam organisieren sie ein Magazin über Comingout-Geschichten von St. Pöltnern. In den kommenden Monaten wollen sie die LGBTIQ-Community weiter sichtbar machen. Früher hätten sie noch mehr Bedenken über ihr Auftreten in der Öffentlichkeit gehabt, das scheint sich geändert zu haben, sagt Schicho. „Die neue Generation, die ich auf der Pride gesehen habe, gibt mir Hoffnung, dass es auch in St. Pölten irgendwann keine Rolle mehr spielt, ob wir queer sind oder nicht. Diesen Weg wollen wir jetzt weitergehen.“


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IN RENDL VERITAS

GASTFREUNDSCHAFT. Katja Rendl und Thomas Schwaiger vor dem legendären Rendl-Keller.

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anana, jetzt mal nicht so schnell mit den jungen Pferden: Die hohe Zeit des St. Pöltner Weinanbaus – den selbigen gab es in grauer Zeit sehr wohl – mag zwar lange vorüber sein. Aber erstens versuchen sich noch immer ein paar Hobbywinzer am Keltern edler Reben in der Hauptstadt, und zweitens haben wir vor allem die Rendl-Keller-Gasse, formerly known as Mamauer Kellerweg. Und die ist schlichtweg einmalig. Und bevor jetzt der nächste Einwand kommt: Ja, die Keller dort sind keine klassischen Weinkeller, sondern es handelte sich dabei vornehmlich um Eiskeller – also die Kühlschränke von anno dazumal sozusagen. Nachgewiesen sind diese übrigens zumindest bis ins 19. Jahrhundert, hat man bei Renovierungsarbeiten doch Ziegel mit der Jahreszahl 1856 gefunden. Späterhin, im Zweiten Weltkrieg, mussten die Gewölbe dann u. a. als Luftschutzkeller herhalten, um danach „munter“ vor sich hin zu bröckeln, bis sie Fred Rendl, wie es seine Tochter Katja formuliert „aus dem Dornröschenschlaf erweckte.“

Wachgeküsst Damit ich eine Vorstellung bekomme, legt mir die Chefin des Rendl Kellers beim Besuch im Restaurant alte schwarz-weiß Fotografien vor. „So hat es früher hier ausgesehen!“, zeigt sie auf die vergilbten Bilder, die graue, verfallene Keller zeigen, die eher wie Erdlöcher anmuten. Nie und nimmer würde man glauben, dass aus diesen Ruinen dieses Zauberland entstanden ist. Verantwortlich dafür zeichnete allen voran 30

Wo liegt Österreichs schönste Kellergasse? Erraten Sie nie, deshalb sage ich es Ihnen: In St. Pölten natürlich! „Wie bitte“, werden jetzt einige Puristen erstaunt bis empört einwenden „Die haben ja nicht mal Wein in St. Pölten!“


TEXT: JOHANNES REICHL | FOTOS: MATTHIAS KÖSTLER, JOSEF VORLAUFER, ZVG

Katjas Vater Fred Rendl, der in den in den 70er-Jahren den ersten Keller kaufte und diesen ab Beginn der 90er zu renovieren begann. „Damals war meint Vater 60 Jahre alt, mittlerweile ist er 90!“ Seine Grundidee damals war, einen Ort der Kommunikation zu schaffen – geworden ist daraus ein wahres Kleinod, das nicht nur zum Mekka für Weinliebhaber, sondern auch zur „Bühne“ für eines der schönsten Kellergassenfeste der Republik geworden ist. Früher sah die Sache freilich ganz anders aus und es braucht wohl nicht hinzugefügt werden, dass der Unternehmer – er ist Gründer des noch heute im Familienbesitz befindlichen gleichnamigen Hafnermeister- und Fliesenleger-Betriebes – in den Anfangszeiten von Freunden und Indigenen, formulieren wir es einmal freundlich, „belächelt“ wurde. „Das hat Vati aber nie etwas ausgemacht. Er hat sein Ding einfach durchgezogen. Bauen war und ist seine große Leidenschaft.“ Dass im Übrigen auch die Tochter relativ früh vom Keller-Virus infiziert wurde „obwohl ich früher an sich überhaupt nichts damit am Hut hatte“, lässt sich daran ablesen, dass Katja bereits im Alter von 26 Jahren einen der Keller in der Gasse erwarb. „Meine Mutter hat nur kopfschüttelnd gemeint ‚andere kaufen sich in deinem Alter eine Küche – du einen alten verfallenen Keller.‘“ Dominoeffekt Nach und nach polierte Fred Rendl nicht nur den ersten Keller auf Hochglanz auf, sondern erwarb in Folge weitere, die er – nach eigenen Fassadenentwürfen – mit viel Liebe, Herzblut und hohem finanziellen Aufwand in Stand setzte. So entstand mit der Zeit, auch weil die Besitzer anderer Keller in der Gasse dem Beispiel folgten, ein großartiges, einheitliches und unverwechselbares Ensemble. Zugegeben nichts historisch Gewachsenes im engeren Sinne, wie man auf den ersten Eindruck mutmaßen würde, dafür aber etwas völlig Neues-Originäres. Eine idealtypische Kellergasse made by Rendl, die heute zu den anmutigsten

und schönsten Flecken St. Pöltens zählt und in ruhigen Momenten fast etwas Sakrales ausstrahlt. Denn wie wenn man an einem Wochentag einen leeren Kircheninnenraum betritt und sofort von Stille verschluckt wird, taucht man auch in der RendlKeller-Gasse in eine andere, fast hermetische Welt ein. Während wenige Meter entfernt das Stadtleben in all seiner Hektik und seinem Lärm brodelt, neigen sich hier sattgrüne Bäume von den Lehmterrassen herab, durch die die Sonne blinzelt, und alles, was man hört, ist bestenfalls Vogelgezwitscher oder das leise Rascheln der Blätter, wenn der Wind leicht hineinfährt. In Kombination mit dem in sanften Pastellfarben gehaltenen Kellerensemble strahlt all das eine gewisse Friedlichkeit aus. Eine Ruheoase – mitten in der Stadt! Wie es sich für eine solche gehört, aber zum Glück auch mit einer „rettenden“ Labestation ausgestattet – dem Rendl-Keller, Restaurant und Vinothek in einem. Bacchus in der Kellergasse Denn auch wenn der Wein in grauer Vorzeit nur zu Kühlzwecken in den alten Gemäuern gelagert haben mag, so wurde die Gasse von den Rendls sukzessive mit dem Thema „Wein“ aufgeladen, was ganz allgemein einem gewissen Turnaround in Sachen „Hauptstadt und Rebensaft“ Vorschub leistete. „Früher sind wir St. Pöltner ja alle wie ‚Verrückte‘ nach Krems gefahren, wenn es um

WACHGEKÜSST. So sahen die Keller vor Fred Rendls Engagement aus. Wein ging“, erinnert sich Katja Rendl zurück. Heute hingegen begrüßt man im Rendl Keller nicht nur Gäste aus der Region, sondern ebenso aus Krems oder aus Wien, „einfach weil sie das einzigartige Ambiente und unser Angebot schätzen.“ Tatsächlich mauserte sich der Rendl Keller so allmählich vom vinophilen Insidertipp zur überregional bekannten „Wein-Marke“, woran insbesondere auch Katjas Lebensgefährte Thomas Schwaiger gewichtigen Anteil hatte „weil er das Thema forcierte.“ Katja, selbst lange Zeit im Verkauf bei einem heimischen Limonadenhersteller angestellt, teilte die Leidenschaft „einfach weil ich Wein nicht nur gerne trinke, sondern weil er reine Emotion ist.“ Irgendwann ließ sie den Job schweren Herzens sausen und widmete sich ganz der Vinothek und dem Gastronomie-Betrieb. Zudem machte sie die Ausbildung zur Sommelière „was vor allem bei der Beschreibung des Weines hilft.“ Kredenzt wird im Rendl Keller dabei die ganze österreichische Bandbreite, von den besten Tropfen des vor den Toren St. Pöltens gelegenen Weinbaugebietes „Traisental“ über MFG 09 21

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Wir kennen fast alle unsere Winzer persönlich, weil es mir wichtig ist, die Philosophie sowie die Historie hinter den Persönlichkeiten und ihren Produkten zu verstehen. KATJA RENDL

HOMMAGE.

Zu Ehren Fred Rendls (Bild Mitte) wurde der Kellerweg in Rendl-Keller-Gasse umbenannt.

Kamptal, Kremstal, Südsteiermark, Thermenregion, Carnuntum und Burgenland bis hin zur nahen – nona – Wachau „weil St. Pölten ja auch die Hauptstadt der Wachau ist!“, so Rendl augenzwinkernd. Darüber hinaus finden sich im Weinkeller auch Vertreter ausländischer Weinbaugebiete, vor allem aus Italien, Deutschland, Schweiz und Frankreich. Kurzum: Das Programm ist – wie man so schön sagt – gut sortiert. „Wir schenken aber nichts aus, was wir nicht selbst verkostet haben“, erklärt Rendl ihren Grundzugang „und wir kennen fast alle unsere Winzer persönlich, weil es mir wichtig ist, die Philosophie sowie die Historie hinter den Persönlichkeiten und ihren Produkten zu verstehen!“ Als Beispiel erzählt sie von einem Weinbauern, der die Riede jetzt wieder per Pferd pflügt, oder einem anderen, der seinen Wein „Peccatum“, also Sünde getauft hat, weil man dafür einen Großteil der fast reifen Trauben ausdünnt, „was die Alten als Sünde bezeichnet haben.“ Aber erst diese Reduktion macht die Einzigartigkeit und Qualität des Tropfens aus und erklärt auch die Höhe des Preises. „Das sind Geschichten, die man wissen muss, um den Wein zu verstehen“, so Rendl, und fügt hinzu „und 32

um den Gästen Wein als Gesamterlebnis vermitteln zu können.“ Dieser Zugang gilt im Übrigen auch fürs Personal, das jeweils als erstes im Haus den Wein verkostet. „Man muss ja wissen, wovon man redet. Muss den Geschmack kennen, um so die Gäste bestmöglich beraten und zufriedenstellen zu können.“ Und zufrieden sind diese in höchstem Maße. Zum einen kommen heute viele Stammgäste, „weil sie wissen, dass sie bei uns einen guten Tropfen verkosten, oder, wie es einmal ein Gast formuliert hat ‚etwas Geiles‘ probieren können“, schmunzelt Rendl. Zum anderen hat man auch viele Gruppen im Haus – von Firmen, die mit der Belegschaft Wein verkosten, bis hin zu Hochzeitstafeln und Geburtstagsfeiern, die in den gediegenen, mit viel Liebe zum Detail ausgestatteten Kellerräumen einen Rundum-Genuss erleben. Wenig verwunderlich jedenfalls, dass aus der anfänglichen reinen Veranstaltungslocation und Vinothek irgendwann eine fixe Gaststätte wurde, wo man heute jeweils von Donnerstag bis Sonntag bewirtet wird. Seit dem

Vorjahr übrigens auch den gesamten Sommer hindurch „weil es die Gourmetmeile am Rathausplatz nicht mehr gegeben hat“, so Rendl, die damit auch den positiven Effekt dieses Umstandes auf die hiesige Gastronomie verdeutlicht. Last but not least haben Thomas und Katja auch einen Weinhandel aufgebaut und beliefern mittlerweile Gastronomiebetriebe „bis nach Westösterreich, Schweiz und Deutschland hinaus!“ Die Sache mit den Packerln Corona hat freilich nicht nur der „Fressmeile“ am Rathausplatz den Garaus gemacht – für viele kein allzugroßer Verlust – sondern selbstredend auch den Rendl-Keller zwischenzeitig in künstlichen Tiefschlaf versetzt. „Das waren keine leichten Monate“, gesteht Rendl „und im Hinblick auf Hochzeiten und ähnliche Veranstaltungen, die wir notgedrungen verschieben mussten, haben sich teils wahre Dramen abgespielt.“ So erinnert sie sich etwa an eine in Tränen aufgelöste Braut, „die schon die gesamte Deko gebastelt hatte.“ Aber Rendl ließ sich nicht unter-

RENDL-KELLER-GASSE. Für viele die schönste Kellergasse Österreichs, wo alljährlich das Kellergassenfest stattfindet – und das mitten in St. Pölten.


IN RENDL VERITAS

riationen beilegen, „weil wir auch viele Gäste mit Hunden haben!“ Aus dem Corona-Provisorium wurde so jedenfalls ein komplett neuer Geschäftszweig, frei nach dem Motto „Gekommen, um zu bleiben!“ WEIN-MEKKA. In der Vinothek kann man die besten Tropfen aus Österreich und dem Ausland verkosten.

kriegen und bewies Kreativität. „Ich hab gesagt, wir müssen irgendetwas machen, um die Zeit zu überbrücken – nicht nur in finanzieller, sondern vor allem auch in emotionaler Hinsicht.“ Und so begann sie Geschenk- und Weihnachtspackerl zu kreieren, edle Kartons voll mit hochwertigen Produkten aus der Region. Die Nachfrage danach war so hoch, dass sich in Folge auch Osterpackerl und Muttertagspackerl hinzugesellten. Mittlerweile gibt es sogar solche für „Herrl und Hund“, in denen die Rendls ihre eigenen Hundekeksva-

Kellergassenfest Gekommen, um zu bleiben galt anno dazumal auch für das mittlerweile legendäre Kellergassenfest. Einst von Fred Rendl ins Leben gerufen, von der ÖVP als LeopoldiKirtag-Kellergassenfest mehrere Jahre durchgeführt und seit mittlerweile 13 Jahren von der Stadt veranstaltet, hat es sich zum vielleicht schönsten Fest St. Pöltens überhaupt entwickelt, das trotz steten Wachstums aber nie seinen Charme und seine Heimeligkeit einbüßte. Alljährlich im November (im kommenden Jahr ist zusätzlich eine Frühlingsedition geplant) öffnen sich zahlreiche Keller in der Gasse und Winzer aus ganz Niederösterreich – zuletzt wa-

ren es rund 15 an der Zahl – schenken höchstselbst ihre edlen Tropfen aus. Musikanten ziehen durch die Gasse, a guate Jausen sorgt für a gscheite Unterlag‘ und ein Maroniofen unter Sternenhimmel lässt Romantik aufkommen. Ob die vielfach gesichteten roten Wangerl der Besucher nun von der Hitze oder doch eher vom reichlich verkosteten Rebensaft herrühren, sei einmal dahingestellt. Die Stimmung ist jedenfalls gelöst, weinselig wie man so schön sagt – und das Urteil der Gäste eindeutig. „Das ist die schönste Kellergasse Österreichs!“ Und Hand aufs Herz – wir alle wissen doch: In vino veritas! Eben!

St. Pöltner Kellergassenfest 13. November 2021 Rendl-Keller-Gasse

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FOTOS: STOCK.ADOBE.COM, MATTHIAS REISCHER

HÖFEFEST KOMMT 2022 WIEDER

KOLUMNE ROUL STARKA

HERBST, JAHRESZEIT ODER PLANET? „Herr, es ist Zeit, der Sommer war sehr groß…“ (Rilke, Herbsttag). Frau, es ist spät, das Klima ist noch größer. Wie komm ich vom schmelzenden Grönland, Corona-Deltavariante und Taliban-deppert-wieimmer-Variante zum gemütlichen St. Pöltner Traisenstrand? Zusätzlich wollen wir wissen, ob es „der Salzstreuer“ oder „die Salzstreuerin“ heißt, einstweilen sterben Kinder zwischen Vollbärten. Im Lebensmittelhandel müssen wir uns – oh Schreck – Masken aufsetzen und sollten uns impfen lassen. Bin zweimal geimpft und sehr froh, dass ich mir etwas zu essen kaufen kann. Den St. Pöltner Kastanien ist das alles wurscht, sie werden reif und glänzen in ihrer grünen Stachelwohnung. Dann klackern sie auf den Boden, mein dreijähriger Enkel hebt sie auf, lacht – und hält mir stolz eine Kastanie ins Gesicht. Ich muss sie einstweilen für ihn einstecken. In meiner rechten Hand drehen sich die Kastanien in meiner Jackentasche, ein Gefühl meiner eigenen Kindheit, es beruhigt und macht glücklich. Gerade will ich erwachsene Buchstaben in meinem Hirn zusammenbasteln, bringt mir mein Enkel weitere Kastanien. „Opa, schau, einstecken!“ „Ja, mein Schatz!“ Unten lacht ein junges, göttliches Geschöpf, oben ein alter, weiser Hammerpark, dazwischen Enten und Ziegen und Gänse. Sie alle reden mit mir, streicheln mit ihren Tönen. Dann muss er wieder nach Hause, mein kleiner Kastaniengott. „Opa, ich liebe dich!“, ruft er mir aus dem Auto noch nach. Meine Tränen sieht niemand, nur die Kastanien.

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S

t. Pölten muss heuer aufs Höfefest verzichten. „Es ist uns nicht leicht gefallen abzusagen, aber es ist eine sorgfältig überlegte Entscheidung und die vernünftigste“, sagt HöfefestOrganisatorin Patrizia Liberti angesichts der steigenden Corona-Zahlen und in Erinnerung an den enormen personellen und bürokratischen Covid19-Auflagen-Aufwand fürs Höfefest 2020 mit mehr als 30 Konzerten von über 60 Künstlern. Das Flanieren von Hof zu Hof, Musik und Kultur genießen, unbeschwert Kommen und

Gehen können: All das wäre dieses Jahr wegen der Zutrittskontrollen und der Nachweispflicht nicht möglich gewesen. Die gute Nachricht: St. Pöltens schönstes Innenstadtfest kommt nächstes Jahr wieder, „mit vielen Neuerungen und mit jenem Flair, das es einzigartig macht“, so Liberti, die sich schon die Zusage von Sponsoren für 2022 gesichert hat. „Wir versprechen, dass wir mit vielen Neuerungen die Bühnen bespielen werden und dann wieder in einer einzigartigen Atmosphäre sind.“

MULT ILA T ERA LE

D

arf ich dir meine Briefmarkensammlung zeigen?“ Zugegeben, der Anmachspruch aus Großmutters Zeiten mag nicht mehr ganz taufrisch sein, Briefmarken als begehrtes Objekt der Sammlerbegierde haben von ihrer Faszination aber nichts eingebüßt. Zuletzt wurde etwa die „British Guiana One-Cent Magenta“ um unglaubliche 8,3 Millionen Euro versteigert! Diese wird man zwar im Zuge der Briefmarkenausstellung „Multilaterale“ anlässlich des 100. Geburtstages des Österreichischen Philatelistenverbandes von 24. – 26. September im VAZ St. Pölten nicht sehen, dafür aber jede Menge andere philatelistische Leckerbissen wie Sondermarken, Sonderstempel, Jubliäumsblock uvm. Aussteller aus gleich

sieben Ländern zeigen ihre Welt der Briefmarken! Außerdem wartet man auch für Nicht-Philatelisten mit einem spannenden Rahmenprogramm samt Sonderschauen und Themenpark auf. Übrigens: Wenn Sie bei der Multilaterale jemand fragt, ob Sie seine Briefmarkensammlung sehen möchten, dann meint er es genau so!


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FESTSPIELHAUS ST. PÖLTEN / BÜHNE IM HOF

ERZÄHLEN

HALS ÜBER KOPF ... ... INS NÄCHSTE VIERTELJAHRHUNDERT! 25 Jahre Amour fou: Wir feiern faltenfreie silberne Hochzeit mit unseren Safari-SerengetiZebrasesseln, dem spacig-leuchtenden FassadenAlien, unserem Rotweinflecken-trotzenden weißen Teppichboden, dem einmalig schrägen Vorplatz, mit St. Pölten, unserer Perle an der Traisen, und natürlich mit euch allen da draußen! Kommt vorbei und seid dabei!

Ganz ehrlich und unumwunden: Wir lieben Ernst Molden! Haben Sie etwa seine Balkonkonzerte in Zeiten Coronas mitbekommen? Das ist keiner, der die Flinte ins Korn wirft, sondern ganz im Gegenteil auch noch vom eigenen Zuhause herab Lieder für die anderen trällert. Und was für welche – Wiener Lieder, die unter die Haut gehen, vom Leben in all seinen Facetten erzählen. Und zu erzählen hat Molden viel, auch in seinem neuen Programm „Neiche Zeid“, das er in St. Pölten am 24. September mit dem Frauenorchester – von Molden kurzerhand als „Mörderband“ geadelt – spielt.

Highlights im Herbstprogramm: SA., 25. & SO., 26.09. Ballet Preljocaj Schwanensee (Tanz ab 8 Jahren)

SA., 09.10. Pina Bausch . Germaine Acogny & Malou Airaudo Das Frühlingsopfer/common ground[s] (Tanz)

SO., 17.10. The Queen‘s Cartoonists (Jazz/Trickfilm ab 8 Jahren)

FR., 22.10. Helge Schneider FR., 29.10. Vokal Sampling . Tonkünstler FOTO José Montalvo: Gloria am 28/01/22 © Patrick Berger

Cuban Voices (Musik/Vokal)

SA., 06.11. Dee Dee Bridgewater (Jazz/R‘n‘B)

Alle Veranstaltungen der Saison: www.festspielhaus.at

Zwei, die sich ebenfalls seit jeher aufs Schreiben und Erzählen, insbesondere auch auf den kritischen Diskurs verstehen, sind FALTER Chefredakteur Florian Klenk und Kabarettist Florian Scheuba. Unter dem Motto „Sag du, Florian …“ sprechen die beiden am 25. November quasi Klartext und nehmen die Zustände der vermeintlichen „Insel der Seligen“, Österreich, genauer unter die Lupe. Und auch wenn einen das mitunter sprachlos macht, muss man doch darüber reden! In diesem Sinne. Kommen Sie ins Gespräch!

www.buehneimhof.at Infos: www.festspielhaus.at | Tickets: www.festspielhaus.at

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FOTOS DANIELA MATEJSCHEK, KLENK

(Jazz/Comedy)


SO EIN WIRBEL! Wenn Christoph Ransmayr am 7. Oktober im Stadtmuseum den diesjährigen „Blätterwirbel“ eröffnet, mag man gar nicht so recht glauben, dass besagtes Literatur- und Theaterfestival schon ins 16. Jahr geht, also sich gleichsam mitten in der Pubertät befindet.

U

nd obwohl sich der „Blätterwirbel“ frisch wie eh und je präsentiert, darf man inzwischen durchaus von einer lieb gewonnen Tradition sprechen, die auch die St. Pöltner Bevölkerung jedes Mal mit sehr guten Auslastungen und ebensolcher Stimmung quittiert. Angefangen hat’s, ja wie so oft, im Wirtshaus – im damals noch existierenden EGON, um genau zu sein, an einem lauschigen Augustabend des Jahres 2005. Eine Gruppe, bestehend aus Kunstschaffenden und -vermittlern, sollte hier auf Anregung des ehemaligen St. Pöltner Kulturchefs Thomas Karl einen Kulturentwicklungsplan (KEP) für den Bereich Literatur/Theater schmieden.

VERLUST. Der heuer verstorbene Hugo Schöffer war Seele des Blätterwirbel. 36

Gesagt, getan. Doch stand der Gruppe, zu der maßgeblich auch die damalige Intendantin des Landestheaters Niederösterreich Isabella Suppanz und der zeitlebens äußerst umtriebige und in diesem Jahr leider verstorbene Hugo Schöffer zählten, nicht der Sinn nach grauen Theoriepapieren für amtliche Schubladen. Man entwickelte, gleichsam als „Kollateralnutzen“ und ausgehend von der Landesbuchausstellung, die Idee eines unkonventionellen, Spielstätten und Ausdrucksformen übergreifenden Literaturfestivals, den „Blätterwirbel“. Von Anfang an lag die Intention des Festivals in der Förderung zeitgenössischer regionaler und überregionaler Literatur auf der Grundlage unterschiedlicher Vermittlungsweisen, vom Poetry Slam über Autorenlesungen, Literaturverfilmungen, dramatisierter Prosa bis hin zu Workshops mit Jugendlichen und Kindern. Stadt und Land zeigten sich interessiert – und so gestaltete die „EGON-Runde“ im Oktober 2006 unter der Ägide des Landesthe-

aters die erste derartige literarische Woche der Stadt. Und die war ein Riesenerfolg. Und ging in Serie. Renate Kienzl, ebenfalls Blätterwirbel-Urgestein, erinnert sich an den vor Kurzem erst verstorbenen Hugo Schöffer, den sie seit Jahrzehnten kannte und schätzte und ohne den es wohl keinen „Blätterwirbel“ in der Form, wie wir ihn kennen, gegeben hätte. „Er vermittelte, er war der geborene Mediator, er spielte sich nie in den Vordergrund, konnte zuhören, konnte erklären, konnte seine Meinung schlüssig darlegen und konnte lachen. Seine Meinung galt viel und sein umfangreiches Wissen zu allem, was mit BUCH zu tun hatte, war beeindruckend. Hugo hielt Wort, nicht selbstverständlich heutzutage. Wenn er sagte: ‚Mach ich. Ich bin da. Ich kümmere mich darum.‘ Dann wusste ich, wir kriegen das hin, er hilft mir. Ein Fels im Blätterwirbel.“ Kienzl, selbst Autorin und Kunstvermittlerin, ist nach wie vor eine


TEXT: THOMAS FRÖHLICH | FOTOS: RENATE KIENZL/ZVG, JOSEF VORLAUFER

jener Personen, die schon bei der „Blätterwirbel“-Gründung dabei waren, und stellt jedes Jahr viele der Einzelveranstaltungen von der Idee bis zur Durchführung auf die Beine: „Für mich muss es einen Grund und einen Bogen von der Thematik her geben, auch wenn er zunächst nur für mich sichtbar ist. Zur Eröffnung Christoph Ransmayr, das macht mir schon eine große Freude, dass es mir gelungen ist, diesen Ausnahmeschriftsteller nach St. Pölten ins Stadtmuseum zu bekommen. Der Grund ist sein neuer Roman, der ein Manifest gegen den Wahnsinn der Welt ist, wie sie ist und wie sie sein wird und die Faszination des Archaischen in seinen Romanen. Seine Wucht des Erzählens ist sicher nicht nur für mich einzigartig.“ Die von Kienzl

LITERATURFESTIVAL. Beim Blätterwirbel warten im Oktober Lesungen, Ausstellungen, Künstlergespräche, Poetry Slam...

12.9.–8.10.2021

Festival Musica Sacra

St. Pölten Herzogenburg Lilienfeld Kartenvorverkauf und Infos: Festival Musica Sacra +43 677 61274462 office@festival-musica-sacra.at

Für mich muss es einen Grund und einen Bogen von der Thematik her geben. RENATE KIENZL

kreierte Schiene „Hubert Wachter im Gespräch mit ...“ wartet diesmal mit Herbert Lackner auf. Und um noch eine ihrer Veranstaltung heraus zu greifen: „Um mystische Frauenfiguren und abbrechende Eismassen geht es im Gedichtband ‚kalben‘ von Maria Seisenbacher. Vertont wurden die Gedichte von 3 knaben schwarz. Hier schließt sich der Kreis zu Ransmayr, schrieb er doch auch über die Schrecken des Eises und der Finsternis.“ Sie ergänzt: „Na ja, das ist vielleicht ein bisschen weit hergeholt.“ Doch auch abseits der von Kienzl organisierten Events präsentiert sich Spannendes. Im Cinema Paradiso etwa heißen der frisch gebackene Sherlock Holmes-Autor Tibor Zen-

Konzerte 12.9., 18.00 Uhr, Dom zu St. Pölten

» Lacrimosa «

W. A. Mozart: Requiem KV 626 & Franz Thürauer: „Löscht den Geist nicht aus“ (UA) cappella nova graz / Domkantorei St. Pölten / L’Orfeo Barockorchester

Die Details entnehmen Sie www.landestheater.net/de/ blaetterwirbel/blaetterwirbel-2021 Ein Wirbel: aber einer, der sich lohnt.

Gottesdienste

200 Jahre Schubert in St. Pölten Sonntag, 19. September, 9.30 Uhr Stiftskirche Lilienfeld

Franz Schubert: » Messe in G, D 167 «

Stiftschor Lilienfeld / Karen De Pastel, Orgel Florian Pejrimovsky, Leitung

19.9., 16.30 Uhr Stiftskirche Lilienfeld

Sonntag, 26. September, 10.00 Uhr, Sonntag der Völker Dom zu St. Pölten

Werke von Josquin Desprez und Thomas Daniel Schlee L‘ultima parola (Vocalensemble)

Jugendensemble der Dommusik / Ludwig Lusser, Orgel / Otto Kargl, Leitung

26.9., 18.00 Uhr Dom zu St. Pölten

Sonntag, 26. September, 10.00 Uhr Schlosskapelle Ochsenburg

» Hommage à Josquin «

» Verleih uns Frieden «

Werke von Heinrich Schütz Dresdner Kammerchor Hans-Christoph Rademann, Leitung

2.10., 19.30 Uhr Stiftskirche Herzogenburg

» Wie im Himmel «

Werke von Krieger, Biber und Caldara Markus Forster, Alt Schwanthaler Trompetenconsort

Robert Ray: » Gospel-Mass «

Franz Schubert: » Deutsche Messe, D 872 & Johann Simon Kreuzpointner (UA) « Johann Simon Kreuzpointner, Leitung Sonntag, 3. Oktober, 14.30 Uhr Stiftskirche Herzogenburg

Franz Schubert: » Messe in B, D 324 «

Motettenchor & Orchester der Stiftskirche Herzogenburg / Johannes Zimmerl, Leitung

8.10., 16.30 Uhr Ehem. Synagoge St. Pölten

Sonntag, 3. Oktober, 10.00 Uhr Dom zu St. Pölten Rundfunkgottesdienst

Werke von Bach und Webern Ensemble Prisma Veronika Grossberger, Moderation

Franz Schubert: » Messe in C, D 452 «

» Bach and more « Folgen Sie uns auf Facebook!

ker (Sohn des „Kottan“-Erfinders Helmut Zenker) und der Multiinstrumentalist Marcus Hufnagl ihr Publikum im Rahmen von schön schaurigen (Schwarzweiß-)Filmnächten willkommen. Das Landestheater Niederösterreich lädt unter anderem zu außergewöhnlichen Autorenabenden, etwa mit Thea Dorn. Dazu kommen als Locations Startraum, Thalia und die NÖ Landesbibliothek. Vieles davon gibt‘s bei freiem Eintritt.

Domchor & Domorchester Ludwig Lusser, Orgel / Otto Kargl, Leitung

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FREUNDE DER KULTUR ST. PÖLTEN

PROGRAMM HERBST 2021 9. September

AUF DEN SPUREN DER KUNST Irgendwie reibt man sich ja noch ein bisschen ungläubig die Augen, wenn man auf das geplante Programm blickt. Zehn Veranstaltungen wollen wir in den kommenden Wochen gemeinsam genießen. In und sozusagen mit unseren Häusern. Und auch wenn natürlich stets ein bisschen Unsicherheit mitschwingt, wollen wir zuversichtlich sein, dass sie auch stattfinden. Aktiv ist unser Verein ja schon wieder seit geraumer Zeit. So durften wir etwa zuletzt – hier nochmals ganz herzlichen Dank an Carl Aigner – einen Ausflug in die Albertina Modern und das Künstlerhaus Wien unternehmen, wo uns Geschäftsführer Knut Neumayer empfing und wir vom Präsidenten des Freundesvereins Künstlerhaus Wien Richard Rella bestens betreut wurden. Gespräche mit verschiedenen relevanten Kulturschaffenden wie etwa dem Leiter des Be-

reichs Kultur und Bildung der Stadt St. Pölten, Alfred Kellner, weiters dem künstlerischen Leiter von St. Pölten 2024, Christoph Gurk, oder der künstlerischen Leiterin der Bühne im Hof, Daniela Wandl, stehen ebenso am Programm wie jede Menge Kulturhighlights. Besonders freue ich mich etwa schon auf einen gemeinsamen Spaziergang durch St. Pölten, wo wir am 15. Oktober auf den Spuren des Kunst im Öffentlichen Raum-Projekts „In This Together“ wandeln. Im Zuge dessen wird uns die in St. Pölten lebende Kuratorin Lisa Ortner-Kreil, die u.a. auch im Bank Austria Kunstforum aktiv ist sowie an der Angewandten und Uni Wien lehrt, zu den öffentlichen Interventionen von Borjana Ventzislavova und Aldo Giannotti führen. Die beiden Künstler haben sich mit dem Thema „25 Jahre Österreich in der EU“ auseinandergesetzt – was dabei sozusagen herausgekommen ist, schauen wir uns gemeinsam an. Auf den Spuren der Kultur wandeln, wieder Konzerte und Theater genießen, sich mit Kunst auseinandersetzen, die grauen Zellen sozusagen in Schwung bringen oder sich einfach nur hingeben, all das wünsche ich Ihnen diesen Herbst und freue mich auf ein baldiges Wiedersehen

Am 20. August hieß Geschäftsführer Knut Neumayer die Freunde der Kultur St. Pölten im Künstlerhaus Wien willkommen.

Ihr

Lothar Fiedler

Stadtmuseum St. Pölten 17. September

„Othello“ von William Shakespeare Landestheater Niederösterreich 30. September

Erwin Steinhauer & seine Lieben Bühne im Hof inkl. Gespräch mit der künstlerischen Leiterin Daniela Wandl 7. Oktober

Exklusives Preview für unsere Mitglieder der Ausstellung „Wildnis Stadt“ Haus für Natur im Museum NÖ 15. Oktober

Kuratorinnenführung IN THIS TOGETHER

Öffentlicher Raum in St. Pölten mit Lisa Ortner-Kreil 22. Oktober

Erzählte Geschichte: „Der Gürtel des Walter Fantl“

Haus der Geschichte im Museum NÖ 23. Oktober

„Das kleine Gespenst“ von Otfried Preußler

Landestheater Niederösterreich 12. November

Von Luft und Liebe – eine Opernverführung mit Nikolaus Habjan Festspielhaus St. Pölten 8. Dezember

John Lennon Tribute Bühne im Hof

17. Dezember

Peter Simonischek . Federspiel . Academy Singers Festspielhaus St. Pölten

(Präsident Freunde der Kultur St. Pölten)

MITGLIED WERDEN und die zahlreichen Vereinsvorteile (Exklusivveranstaltungen, Previews,

Künstler*innentreffen, Exkursionen, Ermäßigungen uvm.) genießen. Anmeldung und Infos unter T +43 2742 90 80 90-941, F +43 2742 90 80 94, freunde@kultur-stp.at

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Begegnung mit Alfred Kellner (Leiter des Bereichs Kultur und Bildung der Stadt St. Pölten) & Christoph Gurk (Künstlerischer Leiter von St. Pölten 2024)

INFORMATIONEN

www.freundederkultur-stp.at, Tel.: 0 2742 90 80 90-941


JETZT SPIELT’S GRANADA Und wie! Aufgrund des großen Erfolges im Frühjahr übersiedelt die beliebte Tischlerei Melk Kulturwerkstatt von 9. bis 18. September wieder open air in die grandiose Wachauarena am Fuße des Stift Melk. „Mit ‚Tischlerei goes Wachauarena‘ haben wir als einer der ersten Veranstalter in Niederösterreich eine Alternative zu unserem Indoor-Programm angeboten. Die vielen positiven Rückmeldungen haben uns gezeigt, dass das Projekt eine Fortsetzung verlangt“, bringt es Alexander Hauer, künstlerischer Leiter der Tischlerei Melk Kulturwerkstatt, auf den Punkt. Und das Programm ist mit Größen wie Gernot Kulis, Josef Hader und Granada famos!

09. 09. SCIENCE BUSTERS 10. 09. MASCHEK 11. 09. VOODOO JÜRGENS

& BUNTSPECHT 12. 09. GERNOT KULIS 16. 09. JOSEF HADER 18. 09. GRANADA Infos & Karten: tischlereimelk.at

heindldesign · Fotos: © stellaswork.at, Lukas Beck, Hans Leitner, Ingo Pertramer, Alexi Pelekanos, Foto-Alex-Gotter_Collage-Florentin-Scheicher

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FOTO: STELLASWORK.AT

GOES T IS C H L E R E I N A E WAC H A UA R

Ab Ende September öffnet sich dann nach Corona-Zwangspause auch endlich wieder die markante rote Tür der Tischlerei Melk Kulturwerkstatt und man darf sich indoor auf das Æquinox Jazz Festival, Katharina Straßer, Martin Puntigam, Garish, Scheuba & Klenk und viele mehr freuen.

ÖNB/Wien, Rübelt „Jubel der Zuschauer über ein Tor des legendären „Wunderteams“, 1930 / Bezahlte Anzeige

www.tischlereimelk.at

DAS NDERT JAHRHU RTS O P S S E D

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Edi Finger

in Kooperation mit

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museumnoe.at

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NACHRUF MANFRED WIENINGER

EINER, DER GEGEN DAS VERGESSEN UND VERDRÄNGEN SCHRIEB „Beim Schneeglöckerl brocken in der Viehofner Au“, wie mir Manfred Wieninger einmal in einem Gespräch erzählte, stieß er auf Betonpfeiler und Reste eines Stacheldrahtzaunes. Andere wären ob der unerwarteten Behinderung wütend gewesen, nicht so der historisch affine St. Pöltner Autor, der mittels darauffolgender Recherchearbeit, aus einem Freizeitvergnügen heraus, die Existenz zweier Zwangsarbeitslager sichtbar machte und dokumentierte. Dieses seinem Wesen immanente Stöbern, Fragen und nachdenkliche Recherchieren war Zeit seines Lebens, das am 13. Juli dieses Jahres leider abrupt ein Ende fand, gegenwärtig.

I

m Laufe meiner journalistischen Tätigkeit durfte ich Manfred Wieninger öfters begegnen und mit ihm über laufende und abgeschlossene Projekte sprechen, dabei lernte ich den Autor sehr zu schätzen – einerseits seine Ernsthaftigkeit und seinen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und andererseits seinen trockenen und spitzfindigen Humor. Deswegen sei hier erlaubt, diesen Nachruf etwas persönlicher zu gestalten. „Albträume hab ich gehabt, das Geschehen immer wieder in Gedanken miterlebt“, erzählte Wieninger mir damals, als er auf einen Gedenkstein für 223 Ermordete in Hofamt Priel stieß. Er stellte sich die Frage „Wer sind die?“ und begann nachzuforschen. Die Begegnung mit dem Stein zwang ihn, den zeitgeschichtlichen Roman „223 oder Das Faustpfand“ über das Massaker von Hofamt Priel, wo im Mai 1945 die Waffen-SS ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter ermordete, zu verfassen. „Ich kann nicht anders, ich muss darüber schreiben“, war seine Begründung, „obwohl es mir lieber wäre, diese Bücher wären schon geschrieben.“ Die „intentio autoris“ spielte dabei für ihn nicht die große Rolle. Wieninger stellte sich nicht in den Vordergrund, auch nicht beim Enthüllen historischer Gräueltaten, die von österreichischer Verdrängungspolitik jahrzehntelang zugedeckt wurden. Und doch blieben seine Entdeckungen und Aufbereitungen nicht ohne Wirkung. Seine Recherchen und literarische Arbeit über die beiden Zwangsarbeitslager in Viehofen und am Glanzstoff-Gelände waren Initiation zu einer Aufarbeitung dieses finsteren Kapitels der St. Pöltner Stadtgeschichte und einer künstlerischen Auseinandersetzung – zum Beispiel durch die Orientierungstafeln von Catrin Bolt am Viehofner See. Manfred Wieninger legte seine Finger auf nässende, eiternde Wun-

UNVERGESSLICH. Manfred Wieninger war ein Humanist, ein präziser Schreiber und unermüdlicher Nachforschender. 40


TEXT: ANDREAS REICHEBNER | FOTO: SIMON HÖLLERSCHMID

hof seines Domizils erträgt, ist legendär. Scharfzüngig und mit dem ironischen Blick auf die gesellschaftlichen Zustände in Österreich, zeigte Wieninger in mehreren Bänden, dass Krimis nicht nur oberflächliche Unterhaltung sein können. „Die Tragikomödie, so ziemlich das Schwierigste der verschiedenen Genres, taugt mir”, erzählte er. Er, der von sich behauptete, „ohne groß nachzudenken, ich bin ein Bauchschreiber”, ans Werk ging. „Lieber Andreas, ich habe leider noch nicht die geringste Ahnung, worum es im neuen Marek Miert gehen wird, außer vermutlich auch um ihn selbst. Also wenn Du eine Idee hättest ... Ich werde vermutlich erst am 1. 1. 2017 um 0 Uhr nachzudenken beginnen, worum es im neuen MM gehen wird. LG Manfred“ war eines Tages in meinem Mailaccount zu lesen – dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Als Zwölfjähriger durchkämmte er per Fahrrad die Gassen und Straßen seiner Heimatstadt. Fazit: Jahre später durfte sich St. Pölten über ein Lexikon mit dem Titel „St. Pöltner Straßennamen erzählen“ freuen. 2013 erhielt er den TheodorKramer-Preis für sein Werk, aber er hätte sich eigentlich viel mehr an Preisen und Ehrungen verdient. Aber wie gesagt, in den Vordergrund stellte sich der stille, nachforschende, präzise Literat und Humanist par excellence, nie. In seinem letzten Buch „Sportmärchen“ (Literatur­edition NÖ), einer kecken satirischen Aufarbeitung seiner Beziehung zum Sport, schreibt er aus seiner Jugendzeit: „Mitten in einem Spurt im gegnerischen Angriffsdrittel hakte sich die Kelle eines Schlägers von hinten in meine linke Kufe. Zuerst krachte mein Kinn auf das pickelharte Eis, gefühlte eineinhalb Sekunden später der Rest meines schon damals massigen Körpers. … und mehrere meiner Mitspieler fragten mich, wie es mir gehe (eine nette Form von unterlassener Hilfeleistung), aber da war ich schon fast bewusstlos. Eishockey in der Provinz. Wunderschön.“ Manfred Wieninger und weitere Texte werden uns sehr fehlen.

KOLUMNE THOMAS FRÖHLICH

UN-ENDLICH

FOTO STOCK.ADOBE.COM

den, die eine Nachkriegszeit, fern einer Auseinandersetzung mit der Nazizeit, zudeckte. Der studierte Germanist und Pädagoge, der am Magistrat St. Pölten für die Blaulichtorganisationen zuständig war, stieß als fragender und sensibler Mensch immer wieder auf „Sachen, die bis dato weniger bekannt waren“. So auch, als er in einer Gewerkschaftszeitung einen dreizeiligen Artikel mit Foto über den Feldwebel Anton Schmid, der jüdische Mitmenschen vor dem gewaltsamen Tode zu retten versuchte, selbst später hingerichtet wurde und als einer der wenigen Wehrmachtssoldaten von der israelischen Holocaust-Erinnerungsund Forschungsstätte Yad Vashem als „Gerechter unter den Völkern“ ausgezeichnet wurde, entdeckte. Nach akribischen Recherchen, die ihn mit dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Nazijäger Simon Wiesenthal, der Enkelin des Feldwebels und einem Zeitzeugen zusammenarbeiten ließen, brachte er den Dokumentarroman mit erzählerischen Passagen – „alles andere wäre Hirnwichserei“, wie er damals anmerkte – „Die Banalität des Guten. Feldwebel Anton Schmid“ zu Papier. „Es ist ein Buch über die Freiheit des menschlichen Willens“, sprach er, und nahm etliche Jahre des Stöberns in Archiven und eine beschwerliche Reise nach Wilna dafür auf sich. Auch in seinem Buch „Aasplatz – Eine Unschuldsvermutung“ machte er eindringlich auf verdrängte Abscheulichkeiten während des Tausendjährigen Reiches aufmerksam. Er schrieb gegen das kollektive Vergessen an. Manfred Wieninger war ein unter Anlehnung an Feldwebel Schmid ein „Gerechter unter den Schreibern“, aber auch ein vortrefflicher Kriminalautor. Seine literarische Figur des sympathisch-cholerischen „DiskontDetektives” Marek Miert, der als Schnüffler in der Provinzhauptstadt Harland sein deprimierendes, prekäres Leben sarkastisch geprägten, erhobenen Hauptes, mit tiefgründigem Rotwein und der einen oder anderen Grillerei im tristen Innen-

Manches Leben dauert wohl ewig. Zumindest denken wir das, wenn Menschen einfach so sehr zu unserem Umfeld zählen, sodass dieser Ort für uns gleichsam an Gegenwart verlieren tät‘, wenn wir sie nicht mehr um uns hätten. Weil sie etwa diese Stadt mit ihrer Person beseelen. Und dann, plötzlich, gibt es sie nicht mehr. Lapidar heißt das: verstorben. Gleich drei Menschen, die uns im besten Sinne bereichert haben, sind in den letzten Monaten von uns gegangen: Musiker Toni Wegscheider, Stadthistoriker und Krimiautor Manfred Wieninger und Allround-Kulturvermittler Hugo Schöffer. Dreimal Tod, wo es zuvor Atem gab. Wo uns Musik, dargebracht mit Herzblut, einen traurigen Tag erträglich machen konnte. Wo uns Geschriebenes über den Umweg der Fiktion die Wirklichkeit begreifen ließ. Wo jemand, uneitel und mit größter Selbstverständlichkeit, für eine gute Sache da war, auch wenn’s manchmal an die eigene Substanz ging: „Mach‘ ich schon. Kannst Dich drauf verlassen.“ Und auf einmal kann nichts mehr gemacht werden. Und wir, die Überlebenden, die wir es gewohnt waren, uns zu verlassen, sind verlassen. Und doch bleibt etwas da, eingebettet in der geistigen Architektur dieser Stadt: ein Vermächtnis, wenn man so will. Ein wenig Unsterblichkeit in der Endlichkeit. Während ich diese Zeilen schreibe, erfahre ich, dass der Drummer Charlie Watts gestorben ist: ein jahrzehntelanger Begleiter, der mir aus der Ferne so manchen Lebensrhythmus vorgegeben hatte. Jedoch: „The song has ended, but the melody lingers on!“ Danke, Toni, Manfred und Hugo!

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FOTOS: STOCK.ADOBE.COM, HELGE WÖLL, JANA KÖNIGSKIND

BEATPATROL GOES MARX HALLE

KOLUMNE THOMAS WINKELMÜLLER

HASSLIEBE Ich gestehe, in dieser Ausgabe bekritteln wir St. Pölten stark für den Umgang mit der eigenen Jugend. „Beating a dead horse“, lautet eine Redewendung, die mir in diesem Kontext einfällt. Seit jeher verteidigen junge St. Pöltner:innen nach außen ihre Stadt, um dann zuhause erst recht auf sie zu schimpfen. Dabei finde ich, dass die Stadt sich um ihre Jugend bemüht. Der neue Vinyl-Sampler hat Musiker:innen auf die Bühne geholt. St. Pöltens Jugendsozialarbeit läuft gut. Der Sonnenpark bietet diverse Freizeitprogramme. Trotzdem stehe ich immer wieder aufs Neue in der Innenstadt und frage mich, was ich hier machen soll. Ein Kaffee im Cinema oder doch lieber der Rausch im Kastl. Das mag fünf Jahre lang nett angemutet haben. Irgendwann reicht es aber. St. Pölten bemüht sich und trotzdem geht irgendwie nichts weiter. Woher rührt diese gefühlte Ambivalenz? Ich glaube: St. Pölten kann mit der Konkurrenz durch Wien und Linz niemals mithalten, ganz gleich was es bietet. Wir sind gefangen zwischen zwei Riesen der österreichischen Jugendszene. St. Pölten macht ein Event - in Wien gibt es dasselbe in besser oder größer. Damit müssen wir uns ein Stück weit abfinden und uns in Genügsamkeit üben, auch wenn es wehtut. Das soll Misserfolge und Versäumnisse aber nicht relativieren. Gerade wegen diesem Umstand muss sich St. Pölten doppelt anstrengen. Innovative Ideen und radikale Maßnahmen sind gefragt, um attraktiv zu sein. Mir fällt auf, jetzt kritisiere ich die Stadt erst recht wieder, aber das liegt uns hier wohl im Blut.

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he Beat Goes On“, lautet der Slogan des Beatpatrol Festivals. Im Vorjahr musste es coronabedingt ausfallen und ließ Mastermind Norbert Bauer viel Zeit, um über die Zukunft des Formates nachzudenken. Das Ergebnis ist aus St. Pöltner Sicht ambivalent. Nach elf Auflagen in St. Pölten übersiedelt das Festival heuer am 25. Oktober nach Wien in die Marx Halle. Die Frage nach dem Warum beantwortet Bauer philoso-

phisch: „Evolution braucht Veränderung!“ Beim ersten Facebook-Posting klang das so: „Die BEATPATROL ist zurück – neue Location, schnellere Beats, härtere Bässe und du mitten drin!“ Auch ein erster Name ist schon durchgesickert: Dimitri Vegas & Like Mike. Ganz auf BeatpatrolFlair muss übrigens auch St. Pölten nicht verzichten. So verspricht Bauer für Winter eine „fette BEATPATROL Winteredition“ im VAZ St. Pölten.

J UGENDK LUB

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erbstzeit ist im Festspielhaus St. Pölten für alle zwischen 15 bis 25 Jahren auch JUGENDKLUBZeit. Heuer finden daher wieder in geballter Form von 29. Oktober bis 1. November eine Reihe von coolen Workshops statt, die auf klingende Namen wie „Aufnahme läuft“, „Back To The Club“, „Body & Park­ our“, „Körperchaos“, „Olé Oida“ etc. hören. Geboten wird praktisch das ganze künstlerische Spektrum, von Dance und Parkour über Songwriting, Comic & Illustration bis hin zu Storytelling und „Lichtspiele“. Selbstredend gibt es eine Abschlussvorstellung, wo das Erlernte darge-

boten wird, und obendrauf ist im 15-Euro-Ticket auch der Besuch der australischen Akrobatik-Riege „Gravity & Other Myths“ inkludiert. Anmeldung unter jugendklub@festspielhaus.at


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NO PLACE TO BE Das alte Büro der Sozialistischen Jugend (SJ) Place war Vereinslokal und Freiraum für die St. Pöltner Jugend zugleich. Seit dessen Aus klafft ein Loch im Leben der Innenstadt – für Jugendliche und den SPÖ-Nachwuchs gleichermaßen.

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s ist bittere Ironie des Schicksals. Was früher die St. Pöltner Räumlichkeiten der Sozialistischen Jugend waren, gehört heute René Benko. Schießen Linke auf Österreichs Mächtige, trifft es schnell den Immobilienmogul und nun (ver)fällt der Altbau zwischen Café Roma und Leiner inklusive ebendiesen in Benkos Besitz. Bald wird hier ein Komplex mit Hotel, Wohnungen und einem Möbelgeschäft stehen. Dieser von langer Hand geplante Verkauf der Stadt steht für zwei größere Probleme. Eines nagt an der Sozialdemokratie und das andere am Lebenswert der Landeshauptstadt für Jugendliche. Wie fast überall ringt die SPÖ auch hier um Nachwuchs. Zeitgleich verschwinden die letzten Freiräume für Jugendliche aus der Innenstadt. Wer verstehen

MEHR ALS STANGELN UND PARTY. Im Place fanden regelmäßig Themen­ abende statt. 44

OFFENE TORE. Von außen war das Place selten einladend. Die weißen Eingangstore waren aber stets offen.

möchte, was dieses Place war und warum seine Geschichte so bezeichnend für Genanntes ist, muss dabei gewesen sein oder diejenigen fragen, die es waren. „Das Place war eine Institution. Ein Freiraum für junge Menschen, der gleichzeitig politisch aufgeladen war“, beschreibt es Marie Chahrour. Sie war Co-Vorsitzende der St. Pöltner Stadt-SJ, als sie die rote Tür ihrer Räumlichkeiten endgültig schließen mussten. Seit Beginn der zweiten Republik war die SPÖ hier eingemietet, Eigentümer war die Stadt. In den letzten Jahrzehnten sei es ein Ort von und für junge Menschen gewesen. Niederschwellig und ohne Konsumzwang, dafür links-politischer Diskurs. Zumindest in der Theorie standen seine Tore jedem offen. „Zu meiner Zeit war es keine Mitgliederschmiede“, sagt Chahrour, „wir hatten Che Guevara an der Wand, das Branding war klar, aber was wir geleistet haben, war jungen Men-

schen einen Raum zu geben, in dem sie feiern, diskutieren und einfach sein konnten.“ Immer wieder kamen Jugendliche durch Zufall oder als Mitbringsel. Sie erhielten einen Freiraum, um sich auszuleben und die SJ Sympathisanten und Mitglieder. Das äußere Erscheinungsbild entwickelte sich entsprechend der Offenheit des Hauses. Im Boden Mulden so groß wie Autoreifen, beschmierte Wände und alte Sofas. Es roch nach kaltem Rauch, die Schuhe blieben wegen verschüttetem Bier am Boden kleben. Einen gewissen rustikalen Charme hätte man dem Place an dessen Ende nicht absprechen können, erinnert sich Max Wallner. Der SPÖ-Gemeinderat war von 2002 bis 2007 Vorsitzender und einer der Vorgänger von Chahrour. Damals renovierte Wallner die Räumlichkeiten, riss den alten Teppichboden raus und brachte das Place auf Vordermann. Über die Jahre wirtschaftete die SJ den Raum wieder runter, allge-


TEXT: THOMAS WINKELMÜLLER | FOTOS: SJÖ, MATTHIAS KÖSTLER

FREIRAUM. Der heruntergekommene Charme war der Faulheit der Organisation geschuldet, sagt Max Wallner.

mein war das ganze Haus baufällig. Schon 2004 war klar, dass es die Stadt irgendwann verkaufen würde. Die Rentabilität, es zu erhalten, habe gefehlt, sagt Pressesprecher Thomas Kainz. Heute steht das Place leer. Die SJ zog im August 2015 vom Altbau am Rathausplatz in den Keller der Passage. Darüber besitzt die SPÖ Räumlichkeiten. Eine Nähe zur

Partei, die der Niederschwelligkeit schadet. Anrainer beschweren sich bei Lärm, feiern kann man hier nicht mehr. Zwischen dem Aus- und dem Umzug inklusive Umbau verging ein halbes Jahr ohne Vereinslokal. „Das war wirklich fatal und wirkt sich bis heute aus. Das hat uns Mitglieder und Sympathisanten gekostet“, sagt Chahrour. All das brach der StadtSJ das Genick. Heute gibt es sie nur noch im Bezirk. Wallner sieht den Grund dafür etwas anders. „Wäre die Organisation auf besseren Beinen gestanden, hätte sie das weggesteckt.“ Die Großwetterlage sei zum Nachteil der SJ gewesen, die Gruppe habe nicht mehr funktioniert. So hat er es von außen beobachtet. Ganz gleich wer Recht behält: Auch den unparteiischen Jugendlichen fehlt der Ort. Im Sommer verschwindet der Rathausplatz zwischen Gastgärten, im Winter verschüttet ihn St. Pöltens Adventmarkt. Soziale Einrichtungen wie

der Steppenwolf oder Nordrand erfüllen ihren Teil, selbstgestaltete Freiräume junger Menschen ohne Konsumzwang inmitten der Stadt fehlen aber. Eine Lücke, die das Place offenließ. Heute mutet es bedauerlich an, dass ein Platz, der so vielen jungen Menschen am Herzen lag, symptomatisch für die Probleme ihrer Stadt steht.

STARKE SJ. Früher war die SJ der Stadt auf einem Höhepunkt. Heute versucht sie sich wieder zu formieren.

Erfahre, was das Leben kann. Entfalte, was Du kannst. Erlerne, was nur ein Pro kann. MFG 09 21

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ST. PÖLTEN – EINE STUDENTENSTADT? Als junger Mensch stolpert man von einem großen Meilenstein im Leben zum nächsten. Der erste Schultag, das erste Zeugnis, Lehre und Arbeit oder weiter in der Schule bis zur Matura. Tja, und irgendwann landet man vielleicht in St. Pölten – um zu studieren.

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atsächlich hat sich die nieder­ österreichische Kapitale – wenn man jetzt einmal rein von der Zahl der Studierenden aus­ geht – seit den 90er-Jahren zur Stu­ dentenstadt entwickelt. Über 4.200 junge Menschen – Tendenz steigend – treiben sich hier mittlerweile in den Hör- und Seminarsälen von Fachhochschule, New Design Uni­ versity oder – jüngstes Hochschul­ baby – Bertha von Suttner Privatuni herum. Das sind immerhin fast so viel wie 10% der hiesigen Bevölke­ rung. Nur, und das ist das Paradoxe: Die Studenten werden im Stadtbild nicht sichtbar – wie ist das möglich?

Die Sache mit der Geografie Ein Grund, der schon beim Stand­ ortentscheid für die FH Thema war, betrifft die Geografie. „Wir sind hier in der Pampa“, bringt es Alexander trocken auf den Punkt. Tatsächlich sind sowohl FH als auch NDU nicht zentrumsnahe, sondern eher an der Peripherie situiert. Und auch wenn – wie in diversen Masterplänen ein­ geräumt wird – der tatsächliche Weg von der FH zum Bahnhof „nur“ in etwa 10-15 Minuten in Anspruch nimmt, so ist er doch für viele zu weit „um etwa in einer Freistunde schnell in die Stadt zu huschen, eine Kleinigkeit zu essen oder sich auf ei­ nen Kaffee zusammenzusetzen. Das geht sich nicht aus!“ Die Sache mit dem Pendeln Ein anderer Aspekt betrifft St. Pölten als „Studenten-Wohnstadt“. Zwar kommen viele mittlerweile aus ganz Österreich und teils der Welt, es wird 46

STUDENTENSTADT. Studieren ist in St. Pölten aufgrund des Angebots durchaus beliebt, viele Studierende pendeln aber lieber ein anstatt hier auch zu wohnen.

auch laufend das Angebot an Stu­ dentenwohnheimen, Studentenzim­ mern und billigen Wohnungen in der Umgebung ausgebaut, aber dennoch pendeln viele lieber zum Studium als sich in St. Pölten anzusiedeln. Oder – noch schmerzhafter – manche nehmen sich zwar zu Studienbeginn eine Bleibe, brechen nach dem ersten Semester aber die Zelte wieder ab und pendeln lieber von – meistens – Wien ein. „St. Pölten ist halt klein und die Optionen sind begrenzt“, findet Hanna. „Große Städte wie Wien, Graz oder Linz können ihren Studenten vom kulturellen Angebot über allgemeine Freizeitmöglich­ keiten bis hin zum Nachtleben ein­ fach viel mehr bieten!“ Die Sache mit der Infrastruktur Womit man zu Faktor drei kommt. Viele bemängeln Angebot und In­ frastruktur. „Das beginnt vor allem

schon bei uns rund um den Campus. Bis auf ein Lokal, das ‚Rosis‘, und die Mensa sieht es etwa mit Essens­ möglichkeiten oder alternativen Ge­ gebenheiten in direkter Umgebung wirklich schlecht aus“, beklagt Pe­ tra. Auch die Nachtgastronomie, für junge Menschen klarerweise ein wichtiges Thema, bekommt von den Studenten ein eher ernüchterndes Zeugnis ausgestellt. „Wenn du Party machen willst, dann gibt es eigent­ lich nur das Studentenheim oder das La Boom und Warehouse – und die sind am anderen Ende der Stadt!“, so Alexander, und Anna ergänzt „das ist für zu Fuß einfach zu weit weg.“ Und was ist mit den Öffis, der LUP fährt doch mittlerweile sogar in den Abendstunden? „Ja, aber nur bis 22.30 Uhr. Danach fährt kein Bus mehr. Viele Studenten feiern aber vor, die sind um die Zeit noch gar nicht unterwegs. Und nachhausekommen


TEXT: LEONIE DANEK, ANDREAS REICHEBNER | FOTOS: FOTO KRAUS, WIFI, NMPB, KONSTANTIN TAUFNER-MIKULITSCH

in der Nacht ist dann sowieso eine Challenge.“ Dass es auch ein An­ rufsammeltaxi gibt, das man in der Nacht bestellen kann, davon hören die meisten zum ersten Mal. Andere, wie Peter, sind vom Konzept für seine Zwecke nicht überzeugt „weil ich weiß ja eine halbe Stunde vorher noch nicht, dass ich nachhause will – da dann vorbestellen oder so, funk­ tioniert nicht.“ Bleibt als Alternative nur mehr das Taxi, „aber das jedes Mal in Anspruch nehmen belastet das Budget doch sehr.“ Und wie steht es um das allge­ meine Angebot, auch so tragisch? Diesbezüglich fällt auf, dass es im Gespräch durchaus Punkte für St. Pölten auf der Habenseite gibt. „Die Seen sind zum Beispiel super. Mit ei­ ner Decke im Gepäck, lässt es sich gut für ein paar Stunden an der fri­ schen Luft lernen“, so Anna. Auch das Kinoangebot mit Megaplex und Cinema Paradiso sei „durch­ aus okay.“ Was freilich einmal mehr als Kritik kommt – in unmittelbarer Nähe sehe es mau aus. Vielleicht auch, diesen Eindrucks kann man sich nicht erwehren, weil die Stu­ denten viel zu wenig über die Mög­ lichkeiten der Stadt Bescheid wissen. Die Sache mit der Kommunikation Versuche, diese bewusst zu machen, gibt es dabei durchaus. Die Studi­ envertretung ÖH etwa ist bemüht, immer wieder Angebote zu stellen und Benefits für die Studenten he­ rauszuschlagen – von verbilligten Fitnessstudioabonnements bis hin zur Kooperation mit dem Landes­

NDU. Die Privatuni im Süden zählt mittlerweile 600 Studenten.

PRIMUS. Heuer wird der Zubau der FH eröffnet, wohin auch die Bertha von Suttner Privatuni übersiedelt. Auf Sicht bietet der Campus Platz für rund 5.000 Studenten.

theater. Und auch das offizielle St. Pölten startete 2018 gemeinsam mit der Fachhochschule eine Charme­ offensive und legte einen „Survival Guide“ auf, um den Studierenden die Stadt schmackhaft zu machen. Außerdem werden aktuell auf dem Instagram-Account der FH einzelne Hotspots der Stadt präsentiert. Be­ mühungen sind also da, oft hat man aber den Eindruck, dass es sich eher um Eintagsfliegen denn um eine Dauerbrautwerbung handelt – und dieser bedürfte es. Überhaupt wenn man den Spieß einmal umdreht und die bald 5.000 Studenten auch als knallharten Wirtschaftsfaktor begreift. Dass man etwa von Wirt­ schaftseite und Kaufmannschaft her dieses Potenzial bislang kaum aktiv beackert, ist zumindest erstaunlich. Die Sache mit der Zukunft Oder ist es sowieso sinnlos? Muss man sich damit abfinden, dass viele Studenten St. Pölten zwar durchaus zum Studieren schätzen, es zum Le­ ben aber „zu unsexy“ finden? Muss man nicht! Erstens: Jede Braut lässt sich gern umgarnen und wird – bei richtigem Angebot und ehrlichem Interesse – vielleicht zu­ mindest zeitweilig schwach. Dau­ erwerbung ist angesagt! Und zwei­ tens kann auch die ursprünglich vermurkste FH-Standort-Wahl mit ihren dementsprechenden negativen Auswirkungen ausgebügelt werden. So entsteht am benachbarten ehe­

maligen Glanzstoff-Areal auf Sicht ein komplett neuer Stadtteil. Die FH wird dann nicht mehr am Rand lie­ gen, sondern – wenn geschickt um­ gesetzt – Teil eines neuen Bezirks sein. Die gut 5.000 Studenten und ihre Bedürfnisse sollte man daher in den Planungen von Anfang an berücksichtigen. Sie könnten das Lebenselixier für das neue, hippe Glanzstoffviertel werden, und viel­ leicht wird dann auch die studen­ tische Kritik an der Stadt weniger, weil St. Pölten endlich nicht nur mehr von der Studierendenzahl, son­ dern auch vom Herzen her eine rich­ tige Studentenstadt geworden ist.

STUDIEREN IN ST. PÖLTEN • Fachhochschule St. Pölten, ca. 3.500 Studierende. Studiengänge in den Bereichen Medien, Digitale Technologien, Wirtschaft, Informatik, Bahntechnologie und Gesundheit. • New Design University, ca. 600 Studierende. Studiengänge in den Bereichen Design, Technik und Business • Bertha von Suttner Privatuniversität, ca. 100 Studierende. Studiengänge in den Bereichen Psychotherapie, Soziales, Pädagogik und Wirtschaft.

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ST. PÖLTEN – EINE STUDENTENSTADT?

„DASS IN ST. PÖLTEN N I CHTS LO S I ST, Z ÄHL E ICH ZU DEN U RBAN LEG EN DS“ St. Pölten zeigt sich gerne als Schul- und Studentenstadt. Schüler sieht man viele in St. Pöltens Zentrum, aber wie ist das mit den Studierenden? Erstreckt sich ihr Wirkungsbereich vorderhand zwischen Bahnhof und FH? Wir haben Jugendgemeinderat Gregor Unfried (SPÖ) gefragt, was die Stadtpolitik so im Austausch mit Studierenden unternimmt. geht es schon lebhaft zu.

Gibt es seitens der Stadtpolitik eine Agenda für die Zielgruppe FH-Studenten, NDU ...? Prinzipiell wird versucht, in St. Pölten beste Ausbildungsvoraussetzungen für Studierende zu schaffen. Mit dem neuen Campus bei der FH wird dieser Bereich auf ein neues, sehr hohes Niveau gehoben. Steht man mit dieser Gruppe in Kontakt, gibt es ein aktives Zugehen? Wir stehen durchaus mit der studentischen Szene in Kontakt. Studierende sorgen für viele Facetten im St. Pöltner Kunstbereich. Die NDU bespielt ja in der Wiener Straße einen Galerieraum und auch im Rahmen der Kulturhauptstadtbewerbung haben sich Studenten sehr eindrucksvoll eingebracht. Gerade fand etwa hinter dem Bahnhof das Projekt North Side Gallery von Nord­ rand Mobile Jugendarbeit statt, wo es um die Gestaltung der Mauern mit Graffitis gegangen ist, auch hier haben FH-Studenten mitgewirkt. Man kriegt sie schon wohin. Und so trifft man Studenten natürlich auch in der St. Pöltner Gastronomie und in den Veranstaltungsräumlichkeiten zum Diskurs. Warum, glauben Sie, sind Studierende in der Stadt nicht wirklich sichtbar? Empfinde ich nicht so. Vor Corona hatten wir das Beislfest, wo wir mit dem Bummelzug und extra Guides, wie etwa dem Hennes Beitl, Studenten von der FH in die Innenstadt gebracht haben. Obwohl das Wetter schlecht war, wurde die Aktion gut angenommen. Am Riemerplatz gab es dann ein großes Abschlussfest. Ist aus Ihrer Sicht St. Pölten eine Stadt zum Leben auch für Studen-

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Was kann ein Jugendgemeinderat bewirken? Ich bin ja selbst erst einige Monate Jugendgemeinderat, möchte gerne die Beisltouren wieder aufleben lassen, wenn es coronabedingt geht.

tinnen und Studenten? Und wenn ja, warum? Auf jeden Fall, schon allein wegen der Natur und des kulturellen Angebotes. Von den Freizeitmöglichkeiten her spielt St. Pölten alle Stückerl. Auch die Beislszene ist gut, und wenn man wirklich eine riesengroße Party feiern will, Wien ist auch schnell erreichbar. Dass in St. Pölten nichts los ist, zähle ich übrigens zu den „urban legends“. Wie holt man sie ab bzw. könnte die Politik sie abholen? Vor dem Lockdown war eine Beisltour geplant, wo man Studierenden das gastronomische Angebot von St. Pölten näherbringen wollte, das konnte leider nicht durchgeführt werden. Aber die FH veranstaltet immer wieder Welcome-Feste. Die Gruppe der Studierenden ist ja nicht homogen, manche studieren berufsbegleitend, einige sind nur unter der Woche da und viele pendeln von Wien hierher. Die schnelle, öffentliche Anbindung in die Bundeshauptstadt ist dabei Fluch und Segen. Aber am Campus selbst, im Domus,

Spielt das Potenzial von einigen tausend jungen Menschen in der Stadt eine Rolle? Früher ist man zum Studieren nach Wien gegangen und dort auch geblieben. Aber ich sehe, dass zum Beispiel in meiner Generation viele, die in Wien studiert haben, jetzt wieder nach St. Pölten zurückkommen. Diesen Zwischenschritt zu vermeiden, wäre schön, aber da sind wir auf gutem Wege. Mit den SMARTUP Stipendien geben wir Studierenden die Möglichkeit, sich in der Wirtschaft zu etablieren. St. Pölten bietet auch viele Praktikumsmöglichkeiten für Studierende, gerade auch im sozialen Bereich in den verschiedenen Jugendzentren und -organisationen. Unser Ziel ist es, nach St. Pölten eine öffentliche Volluniversität zu bekommen, dafür setzt sich der Bürgermeister besonders ein, um den „Brain drain“ vermehrt hierher zu lenken. Die FH ist auch einer der größten Arbeitgeber in St. Pölten und ist international extrem anerkannt, hat viele internationale Kooperationen. Gerade im Bereich der IT-Security und Mobilität, also zukunftsorientierter Studienrichtungen, sind wir sehr gut aufgestellt. Wie kann man diese Gruppe vielleicht zum hier Wohnen und Bleiben bewegen? Wir haben in St. Pölten große Studentenwohnheime mit günstigen Mieten und auch WGs, hier kann man noch um einiges billiger wohnen als in Wien.


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ANDREAS BLUMAUER

EIN SCHRITT ZURÜCK VOR? Keine Frage. Der SKN hat schon bessere Zeiten erlebt. Nach fünf Jahren im Oberhaus musste man im Frühling absteigen, und auch in der zweiten Liga gestaltete sich der Start äußerst holprig. Enttäuschung und Unmut bei den Fans sind dementsprechend groß.

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ir sprachen – frei nach dem Motto „Geh zum Schmied und nicht zum Schmiedl“ – mit Generalmanager Andreas Blumauer über Erfolg und Misserfolg, die Vereinsstruktur, den Umgang mit Rücktrittsforderungen, medialen Druck, diverse Stammtisch(Verschwörungs-)Theorien sowie die Mission Wiederaufstieg.

Werfen wir vielleicht einen Blick zurück. Sie sind vor sieben Jahren zum SKN gekommen, waren zuvor Geschäftsführer von Red Bull Motorsport sowie Sportbeirat beim LASK. Was hat Sie an St. Pölten gereizt? Der SKN war ein spannender Verein mit Perspektive – hier wollte man etwas aufbauen. Ich bin 2014 ja mit dem Ziel geholt worden, den Klub zu professionalisieren und mittelfristig in die Bundesliga zu führen. Ich habe mich damals intensiv mit dem Verein auseinandergesetzt, habe Bench­ markanalysen durchgeführt, hab‘ geschaut, wo die Potenziale liegen. Und was war das Ergebnis? Dass es im Sponsoringbereich sowie im Ticketing viel Luft nach oben gab und dass wir praktisch keine Einnahmen aus Transfer-Erlösen erzielten. Zudem galt es die Marke zu stärken – wir waren ja in jeder Hinsicht die graue Maus, auch im Hinblick auf die mediale Berichterstat50

tung. Es musste einfach mehr Geld in die Kasse, um das Ziel – Bundesliga – zu erreichen. Was dann aber relativ rasch gelungen ist. Ich habe damals – aus Überzeugung – Frenkie Schinkels zum SKN geholt, weil er mit seiner Art und Weise Farbe in den Verein brachte, sportlich kompetent war und in St. Pölten lebte. Auch Karl Daxbacher, der ja mit der Region verwoben ist, konnten wir als Wunschkandidaten an die Traisen lotsen. 2016 wurden wir Meister. Natürlich haben wir uns riesig über den Aufstieg gefreut, zugleich hatten wir noch gar nicht damit gerechnet. Wir mussten in Folge quasi den zweiten Schritt vor dem ersten machen. Der Aufstieg kam zu früh? Wir waren jedenfalls der Verein mit dem niedrigsten Budget und haben die erste Saison nur knapp überlebt. Wir hatten noch viele Spieler unter Vertrag, die zwar für die zweite Liga gut waren, aber nicht bundesligatauglich. Der SKN war und ist

zudem kein klassischer Mitgliederverein, wo jedes Wochenende das Stadion ausverkauft ist und es in der Kasse klingelt, oder wo 500 stimmberechtigte Mitglieder mitreden. Wir brauchten daher neue Strukturen, um wachsen zu können, kurze Entscheidungswege zu gewährleisten und vor allem unsere Partner langfristig an uns zu binden – auch in budgetärer Hinsicht. Das war die Geburtsstunde der „strategischen Partner“, vielen bis heute ein nicht ganz durchschaubares Konstrukt. Können Sie es vielleicht kurz erklären?

Fußball ist halt einfach unglaublich schnelllebig und leider nicht planbar. Weder in die eine, noch in die andere Richtung. ANDREAS BLUMAUER


TEXT: JOHANNES REICHL | FOTOS: JOHANNES REICHL, SKN

regionale Partner für den Verein begeistern, indem wir ihnen den SKN als Plattform anbieten, wo sie sich austauschen und vernetzen können. Präsident des Businessklubs ist Erwin Pröll, der natürlich über exzellente Kontakte verfügt, und dem der SKN bekanntermaßen ein Anliegen ist. Das heißt – was manche wohl nicht gerne hören werden – es geht vor allem ums liebe Geld. Ich verstehe die Fußballromantiker, die damit ihr Problem haben, und wir wollen und müssen die Fans so gut es geht mitnehmen, weil sie für die Emotionen sorgen, ja das Erlebnis Fußball überhaupt erst ausmachen. Zugleich muss man aber auch die Realität anerkennen, dass ohne solide Finanzierung ein Profibetrieb schlicht unmöglich ist und du nicht überleben kannst. Wir bewegen uns da in einem sehr herausfordernden Wettbewerbsumfeld.

Die strategischen Partner sind im Grunde der Aufsichtsrat des Vereins. Sie bringen nicht nur Geld ein, sondern auch ihr Know-how, ihr Netzwerk, und ziehen – so der Wunsch – ihrerseits wieder neue Partner an Land. Begonnen haben wir ehemals mit neun Partnern, mittlerweile sind es 25, von großen Sponsoren und Konzernen wie etwa Geberit, Hypo NÖ oder NV bis hin zu einer Steuerberatungskanzlei oder einem St. Pöltner Anwalt. Für den Verein sind sie enorm wichtig, sonst könnten wir nicht auf dieser Ebene mithalten. Das Modell heißt also, nüchtern formuliert, Geld und Know-how gegen Mitsprache? Wie viel muss ein strategischer Partner zahlen, und was hat er davon? Die strategischen Partner bringen sich einmalig mit 50.000 Euro ein und tragen dann jährlich 10.000 Euro bei. Dafür erhalten sie viertel-

jährlich ein wirtschaftliches, sportliches und Marketing-Reporting. Sie genießen in ihrer Branche Exklusivität und sollen im Idealfall natürlich durch die Zusammenarbeit untereinander einen geschäftlichen Benefit haben. Aus den Reihen der strategischen Partner wiederum wird der Vereinsvorstand gewählt, das heißt, sie bestimmen direkt mit. Dann gibt es noch die SKN St. Pölten GmbH, deren Geschäftsführer Sie sind. Was hat es mit der auf sich? Die GmbH ist eine 100% Tochter des Vereines und rein für den Profibetrieb zuständig. Das ist von der Bundesliga so vorgeschrieben – da geht es um Transfers, Lizenzierungsfragen etc. Alle anderen Bereiche wie etwa Kinder- und Jugendarbeit sind hingegen im Verein verankert. Außerdem forcieren wir noch unseren Businessklub. Auch hier möchten wir

Sie meinen im Vergleich zu anderen Vereinen? Ich vergleiche uns da nach wie vor mit den Erstligavereinen, weil dort wollen wir ja wieder hin. Wir als SKN hatten in der Bundesliga etwa acht Millionen Euro Umsatz im Jahr. Salzburg zum Vergleich hat einen Umsatz von 120 Millionen Euro jährlich, Rapid in etwa 40 Millionen Euro, LASK und Sturm auch immer noch 20 Millionen. Da klafft also eine Riesenschere auf, was sich im Übrigen nicht nur im Spielerkader, sondern etwa auch im Mitarbeiterstand niederschlägt. Wir kommen beim SKN in der Verwaltung mit sechs fixen Mitarbeitern aus – bei Salzburg oder Rapid reden wir da in etwa von 100! Das macht es klarerweise schwierig, mitzuhalten. Was zuletzt ja nicht mehr gelungen ist, der SKN ist abgestiegen. Viele empfanden das quasi als Tüpfelchen auf dem i einer Bundesliga-Ära unter dem Motto „Pleiten, Pech und Pannen“, wofür man auch Management und Vorstand verantwortlich macht. Für uns war das natürlich alles anMFG 09 21

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WIEDERAUFSTIEG? Routiniers wie Deni Alar und Sponsoren wie Gottfried Denner, der seinen Beitrag in der 2. Liga sogar erhöhte, sollen beim Wiederaufstieg helfen. dere als a Gaudi. Ich habe auch, wie der gesamte Vorstand, die Vertrauensfrage gesellt. Natürlich sind in der Vergangenheit auch Fehler passiert, da brauchen wir gar nichts beschönigen – manches ist uns aber auch einfach umgehängt worden, wenn wir etwa an die Rasengeschichte zuletzt denken. Oder auch die leidige Transfersperre. Keine Frage, das sind Dinge, die absolut peinlich für den Verein sind – aber ich wüsste nicht, wie wir sie hätten verhindern können. Es ist halt schade, dass derlei Sachen die positiven Aspekte oft überdeckten, wobei das vielleicht auch ein Kommunikationsproblem ist. Okay, dann nutzen wir die Chance. Was würden Sie auf der Habenseite verzeichnen? Wir haben uns 2019 fürs Meisterplayoff qualifiziert, das ist neben uns und Hartberg keinem kleinen Verein bislang gelungen, weder Altach noch Admira. Wir waren die letzten drei Jahre zweimal der beste

niederösterreichische Verein. Wir konnten mit spusu einen potenten Hauptsponsor gewinnen, sportlich haben wir – wenn auch schon länger her – als Meister der 2. Liga einen bis heute gültigen Punkterekord aufgestellt, und wir haben erste lukrative Transfers erzielt, wenn man etwa an Chieko Dieng oder Husein Balic denkt. Wir konnten die Zahl der strategischen Partner erhöhen und den damit zusammenhängenden Umsatz. Wir haben Schulden abgebaut, umgekehrt in den Jahren der Bundesliga das Budget um 40% erhöhen können. Außerdem haben wir mit dem ehemaligen Fußballplatz in Stattersdorf – dank Unterstützung der Stadt – endlich ein eigenes Areal für unsere U8-U12 Mannschaften zur Verfügung. Es ist also durchaus auch viel Gutes passiert. Umgekehrt müssen wir uns natürlich die Kritik gefallen lassen, dass wir die negative sportliche Entwicklung nicht aufhalten konnten.

Und vor allem, so ein häufiger Vorwurf, keine Konstanz hineinbrachten. Das ist uns – das muss man selbstkritisch eingestehen – schlicht nicht gelungen, stimmt. Dabei haben wir redlich versucht eine klare Sportstrategie und Spielidee zu etablieren, mit Trainern, von denen wir wirklich überzeugt waren. Wir haben auch auf erfahrene Sportdirektoren gesetzt, wenn man etwa an Schupp oder Zellhofer denkt – das sind ja absolute Experten. Trotzdem haben wir es nicht geschafft, weil es zumeist die Situation nicht zugelassen hat. Natürlich kannst du sagen, wir setzen auf Konstanz und halten am Trainer fest, bis der Knopf aufgeht. Aber wenn du zehnmal hintereinander verlierst, dann wird der Druck von den Fans und den Medien einfach enorm – irgendwann musst du dich dem beugen. Die Folge war ein regelrechtes „Trainerkarussell“, wobei zuletzt auch Ihr Kopf gefordert wurde. Wie gehen Sie damit um? Sicher geht’s dir da manchmal so richtig dreckig, und natürlich stellst du dir die Sinnfrage, hinterfragst dich selbst, ob du überhaupt weitermachen sollst. Ich habe wie bereits erwähnt auch offen die Vertrauensfrage im Vorstand gestellt. Aber wenn ich dann wieder zwei Jahre zurückdenke – da marschierten wir ins Obere Play-off und waren 15 Spiele lang ungeschlagen, konnten Kühbauer lukrativ verkaufen. Fußball ist halt einfach unglaublich schnelllebig und leider nicht planbar. Wir sind aufgestiegen, als wir nicht damit gerechnet hatten, jetzt sind wir abgestiegen, obwohl wir auch nicht damit gerechnet haben. Verstehen Sie aber den Unmut der Fans?

Natürlich sind in der Vergangenheit auch Fehler passiert, da brauchen wir gar nichts beschönigen – manches ist uns aber auch einfach umgehängt worden. ANDREAS BLUMAUER 52


EIN SCHRITT ZURÜCK

Natürlich verstehe ich die Fans, die zu den Spielen kommen, die sich identifizieren, mitleiden, Emotion für den Verein aufbringen. Was ich hingegen nicht verstehe sind Leute, die seit Jahren nicht mehr am Platz waren und groß von „ihrem“ Verein reden und sich in social media auskotzen. Die Behauptungen verbreiten, die völlig an den Haaren herbeigezogen sind. Nichtsdestotrotz müssen wir schauen, dass wir alle wieder für den SKN begeistern, dass die Fans wieder ins Stadion kommen. Ist der neue Fanbeirat dazu eine Art ausgestreckte Hand? Nach dem Abstieg haben wir die Situation sehr genau und offen analysiert und wissen natürlich, dass unser Image in der Stadt und bei den Fans aktuell nicht das Beste ist. Ein Vorwurf war unter anderen, dass wir zu wenig mit den Fans kommunizieren. Deshalb haben wir Florian Bruckner von der Wolfbrigade gefragt: Wie können wir die Situation verbessern? Er kennt den Verein gut, versteht unsere Philosophie, kennt die Fanszene – deshalb ist er als Beirat bei verschiedenen Sitzungen dabei, soll als Drehscheibe zu den Fans fungieren, deren Wünsche und Kritik direkt an uns herantragen. Kurzum: Die Botschaft ist angekommen. Wir wollen es in Hinkunft besser machen! Identifikation ist überhaupt ein Dauer-Thema. Zuletzt wurde etwa behauptet, beklagt, dass der ganze Verein auf Führungsebene ein Retortenverein sei. Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Wir hatten in Vergangenheit viele St. Pöltner oder St. Pölten-nahe Mitarbeiter, ich denke an Schinkels, Daxbacher, Brunnauer, Fallmann, Scherb – noch immer Nentwich. Und vielleicht wird es auch in Zukunft wieder mehr geben – ich kann aber immer nur schauen, wer gerade am Markt frei ist und zum Verein, zur Philosophie, und zur aktuellen Situation passt. Aber zu behaupten, der Verein als solcher sei kein „St. Pöltner Verein“,

das ist völlig absurd. Unser oberstes Gremium, die strategischen Partner, setzt sich ja zum Gutteil aus St. Pöltner Unternehmern oder solchen aus der Region zusammen. Und diese wiederum wählen aus ihren Reihen den Vorstand. Wer sitzt da aktuell drin? Präsident ist Helmut Schwarzl, Geschäftsführer von der in Pottenbrunn situierten Geberit. Sportvorstand ist Thomas Nentwich, eine SKN-Legende. Andreas Ubl ist Eigentümer des Facility Management Unternehmens IFMS. Gottfried Denner aus Laa/Thaya ist Chef von­ druckmittel.at, ein im positiven Sinne Fußballverrückter, der in der zweiten Liga als Sponsor seinen Beitrag sogar erhöht hat. Christoph Bachleitner ist von Raiffeisen Salzburg, der sehr gute Kontakte zu Red Bull genießt, und Toni Hintermeier ist der bekannte St. Pöltner Anwalt. Ein Name, der da gar nicht auftaucht, hinter vorgehaltener Hand aber immer als eine Art graue Eminenz im Hintergrund bezeichnet wird, ist Spielervermittler Frank Schreier. Ja, das höre ich auch immer wieder, dass „Schreier den Verein regiert“ – ganz ehrlich, verzeihen Sie mir die Ausdrucksweise, aber das ist einfach Bullshit! Schreier ist ja nicht einmal strategischer Partner und schon gar nicht im Vorstand. Tatsächlich habe ich ihn vor zwei Jahren kennengelernt, als er Stefan Stangl vermittelte. Wir sind damals über den SKN, unsere Ideen und Ziele ins Gespräch gekommen, auch über unsere Absicht einer stärkeren Institutionalisierung, wo wir klare Schwächen hatten. Schreier hingegen hat ein irres internationales Netzwerk, und irgendwann war klar, dass er uns bei unseren diesbezüglichen Bemühungen helfen kann. Es war Schreier, der uns die Rutsche direkt zu den Vereinsbossen von Bayern München, Wolfsburg und Juventus Turin legte. Ohne seine Vermittlung wäre der Deal mit Wolfsburg wohl nicht zustande gekommen.

Und Schreier als Spielervermittler? Böse Zungen bezeichnen den SKN ja als „Schreier-Verein“. Auch das stimmt nicht. Natürlich haben wir „Schreier“-Spieler, aber ebenso welche von fünf weiteren Vermittlungsagenturen. Und welche Spieler geholt werden, ist rein Sache des Trainerteams gemeinsam mit Sportvorstand Thomas Nentwich, und ich gebe sozusagen die Finanzierung dafür. Sonst redet da überhaupt niemand mit. Wenn wir schon bei Spielern sind. Viele begreifen nicht, warum nicht mehr AkademieSpieler beim SKN landen. Ja, das hören wir immer wieder, „warum nehmt ihr nicht die Leute von der Akademie?“ Die einfache Antwort: Weil wir sie uns nicht leisten können! Natürlich versuchen wir, die besten Spieler zum SKN zu lotsen, ihnen die Vorteile schmackhaft zu machen, die Nähe zum Wohnort, die gute Infrastruktur, die Aussicht, vielleicht bald in der zweiten Mannschaft zu spielen. Aber wenn neben dir Salzburg und Rapid, manchmal auch internationale Vereine stehen, und als Perspektive in Raum stellen, dass du über Liefering und Salzburg irgendwann bei Leipzig in der deutschen Bundesliga landest, dann bist du schlichtweg Zweiter. LONELY AT THE TOP. Bei Misserfolg wird es einsam an der Spitze.

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EIN SCHRITT ZURÜCK

Wobei Transfers & Co. nach dem Abstieg wohl nicht leichter geworden sind. Wie ist es finanziell um den SKN bestellt? Unser Budget hat sich praktisch halbiert. Ich bin überzeugt, dass mancher Verein das nicht überlebt hätte – aber wir sind zum Glück gut aufgestellt, vor allem weil uns unsere Sponsoren – wenn auch bei teils gekürzten Beiträgen – die Treue gehalten haben. Zudem ist der Deal mit dem VFL Wolfsburg in dieser Situation so etwas wie ein Jackpot gewesen. Inwiefern? Weil Wolfsburg vom Gesamtpaket her quasi unser finanzstärkster Partner ist. Sie finanzieren Spieler, sie implementieren Infrastruktur und sie haben VW als Sponsor mitgebracht! Welche Idee steckt prinzipiell hinter der Kooperation? Durch den Deal sind wir jetzt praktisch Teil eines Champions League Vereines. Um mich nicht falsch zu verstehen – natürlich sind wir der eigenständige SKN, mit eigenem Wappen, eigenen Vereinsfarben etc. – aber wir spielen jetzt auch in den strategischen Überlegungen von Wolfsburg eine Rolle. Dort probiert man ein ähnliches Modell hochzuziehen, wie es – anders strukturiert – Red Bull Salzburg praktiziert. Hier der Champions League Verein, dort der „Entwicklungsverein“. Während das bei Salzburg Liefering ist, sind das für Wolfsburg in gewisser Weise jetzt wir. Das heißt konkret? Dass jede Saison Talente von Wolfsburg an die Traisen kommen und sich bei uns weiterentwickeln sollen, um auf Sicht in der deutschen Bundesliga zu bestehen. Auch neue Wolfsburg-Spieler aus Übersee sollen sich zunächst bei uns akklimatisieren, die Kultur, die Sprache, die Mentalität kennenlernen. Wir haben dafür einen eigenen Integrationsmanager installiert. Zugleich scouten wir für Wolfsburg den österreichischen Markt, womit wir – wenn wir 54

Der Aufstieg ist das klare Ziel. Aber ob das in einem, zwei, drei Jahren passiert … darauf legen wir uns nicht fest. ANDREAS BLUMAUER

jetzt auf die Akademie zurückkommen – in Hinkunft auch diesbezüglich eine neue Perspektive bieten können und sich dadurch vielleicht unsere Chance auf Engagements erhöht. Neues Trainingsequipment, das wir uns selbst nie leisten könnten, umfasst die Kooperation ebenso wie einen Austausch in allen Belangen des Vereinslebens – also etwa punkto Verwaltung, Marketing, Digitalisierung. Da fungieren wir wie eine Art Echtzeitlabor, wo neue Trends getestet werden. Davon können wir enorm profitieren! Wolfsburg ist also Teil einer neuen Gesamtstrategie. Wie sieht die aus? Uns ist wichtig, einen klaren Weg zu gehen, uns neu und solide aufzustellen. In der ersten Liga haben wir ja meistens gegen den Abstieg gespielt. Da hast du keine Zeit, etwas in Ruhe aufzubauen, sondern da geht’s ständig ums nackte Überleben. Dieser Druck fällt jetzt weg. Das heißt trotz mauen Starts in Liga 2 keine Trainerdiskussion?

Sicher nicht. Die Zeit, die Helm und Pogatetz brauchen, bekommen sie. Wir glauben an dieses Trainerteam und seine Philosophie und Spielidee, die wir auf Sicht im gesamten Verein durchziehen möchten, also auch in der zweiten Mannschaft und später in den Jugend- und Kinderteams. Jetzt liegt aber der Fokus einmal auf der Kampfmannschaft. Vom Papier her jedenfalls eine schlagkräftige Truppe – wann steigt der SKN wieder auf? Das ist das klare Ziel. Aber ob das in einem, zwei, drei Jahren passiert … darauf legen wir uns nicht fest. Wichtig ist, dass wir eine langfris­ tige Strategie verfolgen, damit wir – wenn wir aufsteigen – dann wirklich konkurrenzfähig sind. Das ist auch eine Lehre aus 2016. Als wir damals aufgestiegen sind, mussten wir notgedrungen quasi den zweiten Schritt vor den ersten setzen. Jetzt machen wir umgekehrt einen Schritt zurück, um dann aber wirklich gut aufgestellt zu sein und nicht gleich wieder gegen den Abstieg zu spielen.


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DIE BILCIKS. Alex, Anna und Werner Bilcik am neuen „Rebound Ace“, dahinter die zwei Padel-Courts.

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piel, Satz und Sieg, Bilciks! Die Tennis-Familie Anna & Werner Bilcik und ihr Sohn Alex schießen dieser Tage wieder ein Ass und eröffnen in ihrem Allround Tenniscenter Stattersdorf zwei Padel-Courts. Die Trendsportart Padel-Tennis, eine Mischung aus Squash und Tennis (mit identer Zählweise), boomt mittlerweile auch hierzulande gewaltig. Die Bilciks springen quasi auf den fahrenden Zug auf, hatten aber schon seit Jahren vor, Padel in ihr Angebot zu nehmen. „Mit Christoph Krenn (Österreichs Padler Nummer 1, Anm.) hatten wir uns schon länger ausgetauscht. Durch Corona haben wir die Idee quasi wieder aufgegriffen“, erzählt Anna Bilcik. Die Courts in der Putzgasse 325 (Tel.-Nr. 02742/253338) nahe der Traisen können täglich bis 22 Uhr bespielt werden, je nach Witterung auch über den ganzen Winter. Die Platzmiete beträgt 20 Euro pro Stunde (also 5 Euro pro Person), selbst in den Abendstunden bei Flutlicht. Schläger und Bälle können gratis ausgeliehen werden.

US-Open-Feeling in der Putzgasse Bereits seit einigen Wochen können in Stattersdorf die zwei neuen Tennis-Freiplätze bespielt werden, die mit dem Belag „Rebound Ace“ versehen worden sind, auf dem unter anderem auch die „US Open“ ausgetragen

AN DER TRAISEN WIRD MIT FILZKUGELN NUN AUCH GEPADELT Das 1978 eröffnete „Allround Tenniscenter Stattersdorf“ wurde wieder modernisiert und hat auch zwei Padel-Courts zu bieten. Auf ihren Tennis-Freiplätzen hat Familie Bilcik als erste in Österreich den „Rebound Ace“ aufziehen lassen. werden. „Im Laufe der Jahre haben wir wirklich schon jeden Belag gehabt“, sagt Werner Bilcik, der gerade sein 40. Jahr in Folge die Kinder der Neigungsgruppe der Stadt trainiert hat, „aber auf diesen Belag sind wir besonders stolz.“ Jener ist besonders elastisch, daher gelenkschonend und die Farben blau-grün ideal für das (Tennis)-Auge. Hier kostet die Platzmiete 14 Euro pro Stunde. Ende September beginnen in der Tennishalle traditionell auch die Winter-Abos. Da hat das Allround immer bis 24 Uhr geöffnet. Für eine gute Gastro ist somit auch für die Padler bis in die Nacht gesorgt.

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TEXT: THOMAS SCHÖPF | FOTOS: HANNAH STROBL (LINKS), SKN ST. PÖLTEN FRAUEN

BEIM SKN SIND DIE FRAUEN DER HEADLINER

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ach dem Champions-LeagueAus in Turin im Qualifikations-Finale gegen Juventus (1:4) haben die Wölfinnen des SKN ihre Wunden geleckt und nehmen nun den Schlager gegen die Austria Wien Frauen ins Visier. Am 4. Spieltag der Bundesliga bestreiten erstmals die männlichen „Wölfe“ das Vorspiel (gegen SKU Amstetten) und die SKN-Frauen sind der Hauptact in der NV Arena (24.9.). „Im Stadion zu spielen ist natürlich eine große Freude“, sagt Trainerin Liése Brancão. Gegen die Austria werden vor allem „die Details entscheidend sein“, denn die Wienerinnen sind nicht weit weg vom Serienmeister. In der vergangenen Saison, in der die SKN Frauen alle Spiele gewannen, war der 2:1-Heimsieg gegen die damals noch vom Obergrafendorfer Johannes Spilka betreuten Wienerinnen die knappste aller Partien.

Die Liga wird überhaupt immer stärker“, freut sich Brancão, „wir müssen nach dem ChampionsLeague-Aus jetzt halt wieder viele kleine Schritte gehen. Aber das ist nicht schlecht, so kommt man auch immer weiter voran.“ Die Saisonziele sind die erfolgreiche Titelverteidigung in der Meisterschaft und im Cup. Vor dem Hit gegen Austria dürfen mit Torfrau Isabella Kresche, Kapitänin Jasmin Eder und den Stürmerinnen Lisa Makas und Stefanie Enzinger gleich vier Wölfinnen Österreich vertreten. Dieses SKN-Quartett wurde von Teamchefin Irene Fuhrmann zum WM-Quali-Doppelpack in Lettland (17.9.) und Nordmazedonien (21.9.) einberufen. Recht nett war die Begegnung der Wölfinnen mit Christiano Ronaldo im Juventus-Hotel, der wenige Tage später für Manchester United unterschrieb: „Wir haben

WELTSTAR. SKN-Verteidigerin Alexandra Bíróová beim Plauscherl mit Cristiano Ronaldo in Turin.

alle ein bisschen mit ihm geplaudert, er war sehr sympathisch und hat uns alles Gute gewünscht.“

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ZUM HÖREN Manshee | mikeSnare | Thomas Fröhlich | Thomas Winkelmüller | Rob.STP | Timo Wöll (von links nach rechts)

CHET FAKER

Chet Faker alias Nick Murphy ist zurück mit einem neuen Album. „Hotel Surrender“ ist eine Mischung aus geschmackvollem, aber unvergesslichem Coffee-Table-Pop, kraftvollen Basslinien und elektrisierenden Melodien. Musikalisch zeigt Murphy hier, dass er an seinem eigenen Sound gewachsen ist. Soul hat er um Funk, Jazz und unerwartete Elemente wie Streicher erweitert. Die Basis bleibt aber gewohnt smooth und lässig.

RAINBOW BRIDGE 3 SEMATARY

STILL SLIPPING JOY ORBISON

Wow, Überraschung – 12 Jahre nach seiner Debutsingle „Hyph Mngo“ schraubt sich nun endlich das erste Album des umtriebigen Briten in den musikalischen Orbit. Wobei, Album ist relativ – die 45 Minuten von „Still Slipping“ wirken eher wie ein Mixtape. Musikalisch schwebt Peter „Orbison“ O‘Grady zwischen IDM-Electronica, Downtempo, D‘n‘Bass und Techno - doch stets ohne Bierernst oder zu starrer Festlegung.

TIMEWARP (DIMENSION REMIX)

Übersteuerte Trap-Beats mit Black-Metal-Gitarren und Lyrics über Mord. Sematary aka Grave Man veröffentlicht mit Rainbow Bridge 3 ein Mixtape, das eigentlich nicht gefallen kann. Trotzdem: Lieder wie Toothtaker oder Chainsaw Party ratteren als Ohrwurm durch den Kopf. Das Album knebelt und fesselt den Hörer mit Texten über Nekromanie und Tod, das Ganze frisch frittiert mit Südstaaten-Slang und -Ästhetik.

Subfocus‘ Timewarp ist einer der ikonischen Drum&Bass Tracks einer der Giganten, die das Genre gewissermaßen als Ganzes umschreiben und definieren. Solche Tracks zu remixen ist fast unmöglich, dennoch hat man es bei RAM Records versucht. Subfocus‘ Landsmänner Dimension und Wilkinson liefern jeweils durchaus gelungene Twists des Originals ab, wobei mir der Ansatz von Dimension besser gefällt.

SUBFOCUS

ANOTHER FLOWER ROBIN GUTHRIE / HAROLD BUDD

Ende 2020 verstarb der damals 84jährige Pionier der Ambient- und Minimal Music, Harold Budd. Gemeinsam mit der Dream Pop/Drone-Ikone Robin Guthrie nahm er davor ein letztes Album auf, das mit schwerelos schwebenden Instrumentalklängen zu bezaubern weiß: melancholische Schönheit pur. Könnte endlos so weitergehen, was aber leider ganz und gar unmöglich ist.

RAINDROPS

MARCEL KAISER

Be What You Be – Das ist das Motto von Marcel Kaiser. Der 21-jährige Herzogenburger ist der geborene Entertainer und wurde durch Castingshows wie DSDS und Starmania bekannt. In seiner ersten Single „Raindrops“ ruft er die Menschheit auf, offener gegenüber der Gesellschaft zu sein. Der deutsche Pop-Song hat definitiv Ohrwurmgefahr. Er arbeitet derzeit an weiteren Songs, welche noch dieses Jahr veröffentlicht werden.

ZUM SCHAUEN

ZUM SPIELEN

ZUM LESEN

Manshee | C. Schumacher

Christoph Schipp

H. Fahrngruber | M. Müllner

THE FATHER

ALIENS – FIRETEAM ELITE

SHENZHEN – ZUKUNFT MADE IN CHINA

Anthony ist ein stolzer Mann, der sich trotz seines hohen Alters weigert, Hilfe anzunehmen. Was er dabei nicht begreift und nicht begreifen kann, ist, dass er sich im Endstadium einer Demenz­ erkrankung befindet. Als Anthony die Pflegerin aus seiner Wohnung wirft, die seine Tochter für ihn eingestellt hat, muss diese eine schwerwiegende Entscheidung treffen.

„Aliens – Fireteam Elite“ ist solide Kost, die trotz einfacher spielerischer Strukturen keinen Charme und Reiz einbüßen muss. Die Stärke liegt im kooperativen Spiel. Doch selbst im Alleingang kann es richtig Spaß machen. Das Kampfkraftsystem ist zeitgleich sehr motivierend für mehrfache Runden und steigert so den Langzeit-Spielspaß.

In der chinesischen Megacity Shenzhen findet Zukunft statt. Telekom-Giganten und die Big Player der Drohnen-Industrie sind hier ebenso zu Hause wie millionenschwere Tech-Startups. Inmitten einer grünen Hightech-Infrastruktur ist E-Mobilität selbstverständlich, ebenso die umfassende staatliche Überwachung der Bevölkerung mittels modernster Technik.

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F1 2021

DIE LETZTEN TAGE VON HONGKONG

Wer das Glück hatte ihn schon zu sehen, spricht vom größten Film des Jahres (ja, trotz des neuen Bonds): Schlachten, Intrigen, beeindruckende Bilder und Effekte – all das finden wir in „DUNE“ wieder, das sich als Mischung aus „Star Wars“, „Game of Thrones“ und „Mad Max“ entpuppt und doch etwas ganz Eigenes, ganz Neues ist.

Mit „F1 2021“ kehrt der größte fahrende Zirkus der Welt zurück. Im Gepäck hat die Rennsimulation eine ganze Wagenladung an Neuerungen dabei: Der Modus Breaking Point bietet etwa ein spannendes neues Story-Erlebnis. Die Karriere kann künftig in Koop mit einem Freund gespielt werden. Für Fans der Königsklasse ein Muss!

Der Schriftsteller Marko Martin nimmt zum Jahreswechsel 2019/2020 in Hongkong an Protesten der Demokratiebewegung teil – es werden die letzten Proteste sein. In wenigen Tagen geht zwar viel Freiheit verloren, doch mit seinem intimen Portrait der Stadt und ihrer Menschen entsteht ein lautstarker Einspruch gegen die Ignoranz der Diktatur.

DUNE

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MARKO MARTIN

FOTOS ZVG

HOTEL SURRENDER


HIGHLIGHT VAZ St. Pölten

JANOSCH - OH, WIE SCHÖN IST PANAMA

FOTO kdh film

1. NOVEMBER „Wie gut“, sagte der kleine Tiger, „wenn man einen Freund hat, der ein Floß bauen kann. Dann braucht man sich vor nichts zu fürchten.“ Das beliebte Kinderbuch „Oh, wie schön ist Panama“ von Janosch nimmt seit 1978 kleine und große Abenteurer mit auf eine unglaubliche Reise um die Welt – und zeigt ganz nebenbei, worauf es im Leben wirklich ankommt. Die neue Musical-Adaption des Klassikers „Oh, wie schön ist Panama“, basierend auf dem gleichnamigen Zeichentrick-Film von 2006, kommt nun auf die Bühne. Eine Abenteuer-Reise für die ganze Familie. Empfohlen ab 4 Jahren.

EIN CLOWN – EIN LEBEN

METAL WEEKEND

SCHUBERT200 BEIM BISCHOF

DER ZAUBERBERG

21. SEPTEMBER Als Clown Zippo wurde Bernhard Paul weltberühmt. Nun will er mit dem jungen, talentierten Clown Chistirrin aus Mexico das Comeback wagen. Während Paul sich in Zippo verwandelt, hält der Film Rückschau auf sein außergewöhnliches Leben. Archivaufnahmen aus seiner Kindheit verweben sich mit Pauls Erzählungen von damals.

24. & 25. SEPTEMBER Nach der Corona-bedingten Absage 2020 konnten die Veranstalter neun der zehn für 2020 gebuchten Bands auch für das STP METAL WEEKEND 2021 gewinnen. Als Headliner fungieren ROADWOLF und THEOTOXIN. Außerdem dabei: Vinegar Hill, Epsilon, Aeons Of Ashes, Interregnum, Fearancy, Küenring, Flesh Remains uvm.

28. SEPTEMBER Das Solisten­ ensemble des Konservatoriums wird im Festsaal des Konservatoriums für Kirchenmusik Schuberts Musik erklingen lassen, Annette Seiler wird seine Musik im Originalklang in der Stiftsbibliothek hörbar machen und der St. Pöltner Tenor Johannes Bamberger singt die „3 Gesänge eines Hafners“ im bischöflichen Sommerrefektorium.

AB 30. SEPTEMBER Regisseurin Sara Ostertag interpretiert den intellektuellen Abenteuerroman „Der Zauberberg“ von Thomas Mann als Parabel auf den Zustand unserer Wohlstandsgesellschaft. Mit Musik von Clara Luzia wird „Der Zauberberg“ als internationale Koproduktion mit dem Grand Théâtre de la Ville de Luxembourg auf die Bühne gebracht.

| FILM

| KONZERTE

FREIRAUM

LANGE NACHT DER MUSEEN

INSIEME

2. OKTOBER Neben anderen St. Pöltner Institutionen beteiligt sich auch das Stadtmuseum wieder an der „Langen Nacht der Museen“: Die Besucher erwarten Sonderführungen durch die Ausstellung „Schätze aus dem Depot – Archäologie“, in der außergewöhnliche, aber selten gezeigte Objekte aus der archäologischen Sammlung des Stadtmuseums zu sehen sind.

9. OKTOBER Erik Arno, Monika Ballwein, Christian Deix und Rene Velazquez-Diaz präsentieren als Gruppe „Insieme“ wieder „Una Notte Italiana – Die Italienische Nacht“ mit neuen Songs und dem Besten, was die italienische Musik zu bieten hat. Mit Klassikern wie Azzurro, Ti Amo, Volare, That´s Amore, Adesso Tu, Vivo Per Lei uvm. Italo Pop Non Stop!

DIV. MUSEEN

| AUSSTELLUNGEN

VAZ ST. PÖLTEN

| KONZERT

JEDERMANN RELOADED

WAS GESCHAH MIT BABY JANE?

15. OKTOBER Philipp Hochmair ist Jedermann. Getrieben von Gitarrenriffs und experimentellen Sounds der Band Die Elektrohand Gottes verwandelt er das 100 Jahre alte Mysterienspiel in ein apokalyptisches Sprech-Konzert. Mit Elisabeth Fuchs und der Philharmonie Salzburg wird diese gefeierte Jedermann-Interpretation zu einer Symphonic-Fassung erweitert.

6. NOVEMBER Kinderstar Jane lebt mit ihrer querschnittgelähmten Schwester Blanche in Hollywood. Die zwei alternden, einst gefeierten Diven verstricken sich in einen Psychokrieg. Immer mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Liebe und Hass. Ein Psychothriller mit den faszinierenden Puppen des Nikolaus Habjan, gespielt von Manuela Linshalm.

FESTSPIELHAUS

| MUSIK

BÜHNE IM HOF

| THEATER

BISTUMSGEBÄUDE

| KONZERTE

LANDESTHEATER

| THEATER

VAZ ST. PÖLTEN

KONZERTE | EVENTS | MESSEN | KONGRESSE

SA 09.10.21 // 16:00

KINDERLIEDERMACHER BERNHARD FIBICH SO 10.10.21 // 18:00

POXRUCKER SISTERS FR 15.10.21 // 19:30

EVERYBODY WANTS TO ROCK‘N‘SOUL FR 15.10.21 // 20:00

THORSTEN HAVENER – DER GEDANKENLESER SA 16.10.21 // 19:30

LADY SUNSHINE & MISTER MOON

Fotocredit: Zoe Goldstein

CINEMA PARADISO

Tickets im VAZ St. Pölten, ticket@nxp.at, www.vaz.at, 02742/71 400 in allen Raiffeisenbanken, Geschäftsstellen von www.oeticket.com und unter www.noen.at/ticketshop VERANSTALTUNGSBETRIEBS GMBH

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FOTOS: LUIZA PUIU, SEBASTIAN REICH

AUSSENSICHT

BRAUCHT ES DIE TRAISENTALSCHNELLSTRASSE S34? GEORG RENNER

Aufgewachsen in St. Pölten, emigriert nach Wien, Redakteur beim „profil“.

„Wer im Ortszentrum wohnt, dürfte bald kein Auto mehr brauchen.“

„Hoffnung auf evidenzbasierte Entscheidungsgrundlage“

Die S34 – als Wilhelmsburger quasi „meine“ Schnellstraße – ist so ein Thema, bei dem ich merke, wie sich meine Meinung schleichend ändert. Ich habe das Projekt über Jahre verteidigt; als jemand, der die meisten Tage auf der B20 unterwegs ist, weiß ich um den Graben, der sich durch St. Georgen und Spratzern zieht. Der Gedanke, das über eine Umfahrungsstraße abseits der Ortschaften zu lindern, scheint mir schlüssig. Aber je länger ich darüber nachdenke, umso mehr frage ich mich auch, ob es diese Schnellstraße wirklich braucht. Denn das mittlere Traisental gäbe eigentlich eine gute Modellregion dafür ab, wie man Mobilität im suburbanen Raum in Zukunft organisieren könnte: Die Ortschaften – Spratzern, St. Georgen, Wilhelmsburg, Traisen, Lilienfeld – sind fein säuberlich aufgefädelt an Straße, Schiene und Radweg. Und: die Ortskerne relativ kompakt. Jetzt wird kaum jemand vernünftiger sagen, dass Straßen in einer nicht näher definierten Mobilitätszukunft keine Rolle spielen werden. Aber die Idee, dass jemand, der nicht in einer weit außen liegenden Siedlung wohnt, sondern im zentralen Wohngebiet einer Gemeinde, ein Auto eigentlich nur ausnahmsweise brauchen sollte, scheint mir ressourcentechnisch ebenso verfolgenswert wie machbar. Mir scheint realistisch, dass in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren das autonome Auto Realität wird. Damit lässt sich das „last mile“ Problem günstig und effizient lösen – also die Frage, wie man schnell zum nächsten Öffi-Knotenpunkt kommt. Wer für eine solche Zukunft plant, muss eine Entlastungs-Schnellstraße wie die S34 in Frage stellen – und sich stattdessen überlegen, wie man die öffentlichen Verbindungen so ausbaut, dass die Leute, die in den Ortstkernen wohnen, gar kein Auto mehr brauchen, um in der Region von A nach B zu kommen. Wenn das wirkt, fällt auch die Überlastung der B20 weg – und damit der Ausgangspunkt für die S34 an sich. 60

JAKOB WINTER

Der Wilhelmsburger arbeitet als Journalist bei der „Kleinen Zeitung“.

Ganz ehrlich: Ich habe mir noch keine abschließende Meinung zur S34 gebildet. Die Sache ist ja auch alles andere als einfach gelagert. Und doch gibt es für Unentschlossene wie mich eine gute Nachricht. Auf der einen Seite stehen die Bewohner des Traisentals, die in Ermangelung eines dichten Öffi-Netzes vielfach auf ihr Auto angewiesen sind – und mit der Mariazellerstraße derzeit eine Strecke vorfinden, die gleichermaßen anfällig für Staus wie Unfälle ist. Auf der anderen Seite zwingt uns der Klimawandel dazu, neue Straßenbauprojekte kritisch zu hinterfragen. Insbesondere dann, wenn – wie im Fall der S34 – die ersten Pläne dafür aus den 1970er-Jahren stammen. Seither hat sich einiges getan: Die Sorge vor einer rasanten Erderwärmung ist zu einem der wichtigsten politischen Themen aufgestiegen. Und sogar bei der Asfinag gab es einen Bewusstseinswandel. Als zentrales Argument für den Bau der Schnellstraße führt die Autobahngesellschaft ausgerechnet diesen Punkt an: „Weniger Verkehr und mehr Lebensqualität entlang der B20 Mariazeller Straße“. Man darf davon ausgehen, dass eine zusätzliche Schnellstraße insgesamt mehr Verkehr bedingen würde. Wenn aber selbst die Asfinag in ihrer PR die Verkehrsberuhigung in den Fokus rückt, zeigt das nur, wie unpopulär motorisierter Individualverkehr geworden ist. Das heißt freilich nicht, dass deshalb jedes Straßenbauprojekt zu verteufeln wäre. Der Bahnhof Tullnerfeld macht nur Sinn, weil Zubringerstraßen und großzügige Parkflächen dazu gebaut wurden. In Einzelfällen können neue Straßen sicher auch Staus vermeiden und damit CO2-Ausstöße verringern. Doch das müssen Straßenbauverfechter heute penibel nachweisen, wenn sie nicht als Betonierer dastehen wollen. Was also tun mit der S34? Ich halte den Klimacheck für sinnvoll, den die grüne Verkehrsministerin Leonore Gewessler im Juni allen Straßenbauprojekten der Asfinag verordnet hat. Bleibt zu hoffen, dass das Gutachten eine evidenzbasierte Entscheidungsgrundlage bietet – und keine plumpe Agitation wird. Im Herbst wissen wir mehr.


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MFG - Das Magazin / Ausgabe 78  

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