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EUROPA

daheim

www.dasmfg.at

P.b.b. Verlagspostamt 3100 St. Pรถlten, 04Z035974M, 03/19, EURO1,50


W E I L DA S L E B E N E I N E B Ü H N E I S T . . .


MFG EDITORIAL

JOHANNES REICHL

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GURKENKRÜMMUNG

uropa schrankenlos“ lautete der Titel jener Ausstellung am Vorabend des österreichischen EUBeitritts, mit der St. Pölten 1994 nicht nur sein Europaengagement, sondern auch seine hoffnungsvollen Erwartungen an ein vereintes Europa zum Ausdruck brachte. Viele davon hat die EU erfüllt. Es ist daher geradezu irrwitzig, wenn heute von manchen noch immer alte Hüte wie die Gurkenkrümmung im Mund und als „Argument“ gegen die EU geführt werden. Abgesehen davon, dass Österreich schon in den 1960ern die Gurkenkrümmung geregelt hatte und die EU selbige 2009 auslaufen ließ, verhält es sich damit in etwa so, als würde man Marcel Hirscher nach 8 Gesamtweltcupsiegen, 7 mal WMGold und 2 mal Olympiagold vorhalten, dass er beim Nachtslalom in Schlad­ ming 2015 aber schon das 7. Tor ein bisserl zu direkt angefahren ist. Symbolisch steht die Gurkenkrümmung freilich für die Grundausrichtung der EU am Kapitalismus (denn die Gurken sollen ja gerade sein, damit möglichst viel in eine Schachtel passen – so banal ist das). Das mag nicht unbedingt romantisch klingen, hat sich aber als Grundvehikel bewährt: Wirtschaftliche Vernetzung bedeutet nämlich gegenseitige Abhängigkeit! Und diese wiederum, so hatten es Robert Schumann und Konrad Adenauer

1951 im Sinn, als sie die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl – quasi die Mutter aller europäischen Vergemeinschaftungsschlachten – aus der Taufe hoben, beugt Krieg vor. Europa ging freilich noch einen entscheidenden Schritt weiter, und der erst machte es wirklich zur Erfolgsgeschichte und zum großen Friedenswerk: Es entwickelte das anfangs kühle supranationale Wirtschaftskonstrukt zur Wertegemeinschaft weiter und schrieb ihm eine Erzählung, ja eine Seele ein, die im Artikel 2 des Vertrages von Lissabon, für alle Mitglieder verpflichtend, niedergelegt ist: „Die Werte, auf die sich die Union gründet, sind die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte einschließlich der Rechte der Personen, die Minderheiten angehören. Diese Werte sind allen Mitgliedsstaaten in einer Gesellschaft gemeinsam, die sich durch Pluralismus, Nichtdiskriminierung, Toleranz, Gerechtigkeit, Solidarität und die Gleichheit von Frauen und Männern auszeichnet.“ Was für eine Botschaft! Eingedenk der Tatsache, dass der Homo sapiens ein neidvolles Wesen ist und der Vergleich der Tod jeglicher Zufriedenheit hat man sich zudem gemeinsame verbindliche Standards verordnet. Sie sollen auf Sicht einen Ausgleich schaffen und das aktuell

noch bestehende Gefälle innerhalb der Gemeinschaft erträglich machen: Deshalb zahlen die Reichen etwa mehr als die Armen, deshalb haben EU-Bürger – egal wo sie in der EU arbeiten – im jeweiligen Mitgliedsland nicht nur dieselben Pflichten (z. B. Steuern), sondern auch dieselben Rechte – also z. B. Anspruch auf die landesübliche Kinderbeihilfe! Wer willkürlich einzelne Leistungen verwehrt und einseitig diskriminiert, stellt damit das gesamte Grundkonstrukt der EU in Frage und leistet gefährlichen Kettenreaktionen Vorschub. Vor allem begreift er nicht das große Ganze dahinter, das auf Solidarität und Gemeinschaft aufbaut. Und da schließt sich der Kreis zu Europa schrankenlos, dieser großen Hoffnung, die in Form der EU aber ein ganz konkreter und bislang erfolgreicher Gegenentwurf, ja eine Antwort auf zwei verheerende Weltkriege ist. Genau davon müssen wir den Menschen erzählen, vom Friedensprojekt EU, von ihrer Seele, und davon, wie diese wirkt, und zwar ganz konkret bei uns. Deshalb ist auch das Motto St. Pöltens zur Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt gut gewählt: „Europa daheim“. Und wenn mir jetzt noch einmal jemand mit der Krümmung der Gurken kommt, muss ich ihm selbige leider – freilich nur im übertragenen Sinne – auf die Birne knallen. Dann ist sie bestimmt krumm.

Offenlegung nach §25 Medien-Gesetz: Medieninhaber (Verleger): NXP Veranstaltungsbetriebs GmbH, MFG - Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten. Unternehmensgegenstand: Freizeitwirtschaft, Tourismus, und Veranstaltungen. Herausgeber/Geschäftsführer: Bernard und René Voak. Grundlegende Blattlinie: Das fast unabhängige Magazin zur Förderung der Urbankultur in Niederösterreich. Redaktionsanschrift: MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten; Telefon: 02742/71400-330, Fax: 02742/71400-305; Internet: www.dasmfg. at, Email: office@dasmfg.at Chefredakteur: Johannes Reichl Chefredakteur-Stv.: Michael Müllner Chefin vom Dienst: Anne-Sophie Müllner Redaktionsteam: Thomas Fröhlich, Sascha Harold, Johannes Mayerhofer, Michael Müllner, Michael Reibnagel, Andreas Reichebner, Thomas Schöpf, Beate Steiner, Thomas Winkelmüller Kolumnisten: Thomas Fröhlich, Michael Müllner, Tina Reichl, Roul Starka, Beate Steiner, Thomas Winkelmüller Kritiker: Helmuth Fahrngruber, Thomas Fröhlich, David Meixner, Michael Müllner, Clemens Schumacher, Manuel Pernsteiner, Michael Reibnagel, Johannes Reichl, Christoph Schipp, Robert Stefan Karikatur: Andreas Reichebner Bildredaktion: Elias Kaltenberger, Matthias Köstler Cover: Cranach/Adobe Stock Art Director & Layout: Mr. Shitakii Korrektur: Anne-Sophie Müllner Hersteller: NÖ Pressehaus Druck- und Verlagsgesellschaft mbH Herstellungs- und Verlagsort: St. Pölten Verlagspostamt: 3100 St. Pölten, P.b.b. Alle Rechte, auch die Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2. Urheberrechtsgesetz, sind vorbehalten. Alle Angaben ohne Gewähr. Für den Inhalt bezahlter Beiträge ist der Medieninhaber nicht verantwortlich.


INHALT EUROPA DAHEIM – Seite 8

ENDLICH BEIM RICHTIGEN SENDER – Seite 30

GASTRO-KÖNIGIN – Seite 42

DIE REISELEITERIN – Seite 54

THE RIDIN‘ DUDES – Seite 72

SKN PRÄSIDENT SCHWARZL – Seite 76

3 Editorial 6 In was für einer Stadt leben wir

URBAN

7 Shortcut Urban 8 Everything’s gonna be alright? 14 Europastadt 20 NÖROPA 26 S 34 – Gelebte Geschichte 30 Endlich beim richtigen Sender 36 Ein Roter sieht schwarz

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42 Gastro-Königin Yeliz Zwinz

KULTUR

46 Shortcut Kultur 48 Wir sind ein 360 Grad Orchester 52 Dietmar „Hasi“ Haslinger 54 Renate Kienzl – Die Reiseleiterin 58 Wie eine schöne Liebesgeschichte

SZENE

68 Marty McFly 72 The Ridin‘ Dudes

SPORT

76 SKN Präsident Helmut Schwarzl 82 Kritiken 83 Veranstaltungen 84 Außensicht 86 Karikatur

66 Shortcut Szene

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7. JUNI 2019

ab 16.03.2019

Österreichische Erstaufführung www.landestheater.net

von Elfriede Jelinek Inszenierung: Nikolaus Habjan

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. . . in der es in St. Pölten ab sofort auch um die Wurst geht. Da aber Nemetz nicht Niemetz ist, und St. Pölten nicht Schweden, wird hier­ zulande als neue lukullische Trade­ mark eben nicht auf Schwedenbom­ ben von Niemetz, sondern auf die St. Pöltner Schinkenwurst vom Nemetz gesetzt! Das war auch beileibe über­ fällig, immerhin harrt das St. Pöltner Brot längst eines g‘scheiten Belages. Und nachdem sich ein Fleischermei­ ster zwar vielleicht die Butter vom Brot, aber sicher nicht die Wurst nehmen lässt, hat Johann Nemetz eben die St. Pöltner Schinkenwurst kreiert. Womit St. Pölten auch end­ lich zu berühmten Wurstdestinati­ onen wie Wien, Krakau oder Braun­ schweig aufschließt. Und an alle Puristen, die lamentieren, dass eine Wurst doch rund gehört und nicht dreieckig wie die St. Pöltner: „Ihr Würschtln, das ist völlig Blunzn! Hauptsache die St. Pöltner schmeckt – alles andere is wurscht!“

VAZ ST. PÖLTEN

. . . in der das alljährliche „Grup­ penfoto“ beim Wirtschaftsempfang wieder vor Testosteron triefte – soll heißen, es war ein Gruppenbild ohne Dame. Nicht einmal mehr die „be­ rühmte Quotenfrau“ als, wie es ehe­ mals chauvilike formuliert wurde, „Aufputz“, schaffte es aufs Bild. Das ist wenigstens ein Fortschritt, denn Aufputz sind die Damen sicher nicht. Was wären dann die Männer – Abglanz? Wobei Quote ein gutes Stichwort ist: Offensichtlich bedarf es tatsächlich einer solchen, um die zum himmelschreiende Schieflage endlich zu entschärfen. Beim Wirt­ schaftsempfang war der Männer­ überhang augenscheinlich, beim Magistrat St. Pölten z. B. sind aktuell von 127 Funktionsdienstposten ge­ rade einmal 32 weiblich. Im Gemeinderat wurde mit der Be­ stellung Birgit Beckers nun wenig­ stens die 10-Damen-Schallmauer durchbrochen – bei 32 männlichen Kollegen! Ein kleiner Anfang.

. . . in der St. Pölten die erste Hürde auf dem Weg zur Europäischen Kul­ turhauptstadt 2024 genommen hat. Ende Jänner präsentierte man das so­ genannte Bidbook unter dem Motto „Europa daheim“, und schaffte es auf die Shortlist – darf sich also Ende des Jahres beim finalen Hearing um den tatsächlichen Zuschlag matchen. Was an der Präsentation bzw. der Zusammensetzung des Teams po­ sitiv auffiel, war, dass man manch Grundgedanken der Bewerbung be­ reits personell transportierte. So war das Geschlechterverhältnis mit fünf Männern und fünf Frauen ausgegli­ chen, und allen Präsentatoren wurde dieselbe Redezeit eingeräumt – egal ob Landeshauptfrau, Bürgermeister, Geschäftsführer oder Vertreterin der Plattform Kulturhauptstadt – was das klare Bekenntnis zur Partizipa­ tion unterstreichen sollte sowie den Schulterschluss zwischen Stadt und Land. Keine schlechten Vorausset­ zungen.

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FOTOS: PROCESS – STUDIO FOR ART AND DESIGN, TARZHANOVA/ADOBESTOCK, SERGEY NIVENS/ADOBESTOCK

IN WAS FÜR EINER STADT LEBEN WIR EIGENTLICH ...


FOTOS: SERGEJ NIVENS/KASTO/PETR (ALLE ADOBE STOCK)

SHORTCUT URBAN KOLUMNE MICHAEL MÜLLNER

SICHERLICH

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TRANSPARENT?

t. Pölten und Klosterneuburg sind Pilotstädte des „Förder- und Transferberichts“ auf offenerhaushalt.at. Dort stellen Städte nicht nur ihre Rechnungsabschlüsse online, sondern veröffentlichen auch automatisch in welche Bereiche Förderungen und Transfers fließen. Das mühsame Zusammensuchen aus haptischen Einzelberichten gehört damit der Vergangenheit an. Dadurch lassen sich nicht nur die Städte untereinander besser vergleichen, sondern man

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kann auch die Entwicklung der Fördergewichtung der einzelnen Bereiche (Soziales, Verkehr etc.) der Stadt selbst nachvollziehen. Was einem freilich im Sinne wirklicher Transparenz abgeht, ist eine detailliertere Ausweisung, an wen die Förderungen konkret fließen. Städte wie Salzburg, Linz, Wels u. a. legen dies über den Subventionschecker bereits offen. Das ist zwar mit Mehraufwand verbunden, wenn man es aber mit der Transparenz ernst meint, führt daran kein Weg vorbei.

2018

as vergangene Jahr wird der Stadt noch lange in guter Erinnerung bleiben. Tatsächlich war es ein absolutes Brummerjahr, das auf vielen Ebenen die Rekorde purzeln ließ. So freute sich z. B. die städtische Wirtschaftsservicestelle ecopoint über das erfolgreichste Jahr seit Bestehen. Dank dessen Aktivitäten konnten, wie der Magistrat berichtet, 515 neue Arbeitsplätze geschaffen sowie 465 weitere am Standort langfristig gesichert werden. Auch im VAZ St. Pölten knallten die Sektkoren, konnten doch bei rund 300 Veranstaltungen über 600.000 Besucher begrüßt werden – neuer Rekord! Über die höchste Zuwachsrate bei den Nächtigungsgästen in der Stadtgeschichte, nämlich um fast 27% gegenüber dem Vorjahr auf 174.798,

jubelte der Tourismus St. Pölten, und das Ö3 Weihnachtswunder, 2018 in St. Pölten, fuhr mit über 3,7 Millionen Euro ein Rekordergebnis ein. Ja selbst beim Wetter wurde ein Rekord gebrochen: St. Pölten durfte sich erstmals seit Messungsbeginn über 103 Sommertage freuen. Das ist zwar keine Leistung St. Pöltens, aber bekanntlich lacht den Tüchtigen die Sonne.

Das „subjektive Sicherheitsgefühl“ steht immer parat, wenn man eine Diskussion verloren hat. Man wolle doch nur, dass sich „die Menschen wieder sicher fühlen“ im Land. Da kann doch keiner dagegen sein? Tatsächlich haben wir jedes Recht, für unsere Gesellschaft jene Rah­ menbedingungen zu verlangen, die diese sicher und gerecht ma­ chen. Dazu gehören Maßnahmen, die wirken. Geld für Präventions­ arbeit, etwa um gewaltbereiten Menschen Alternativen zu zeigen. Geld für Strafverfolgungsbehör­ den, damit Opfer und Täter rasch zu ihrem Recht und ihrer gerech­ ten Strafe kommen. Gesetze, die auf ihre Wirkung hin evaluiert sind. All dies liefert derzeit niemand. Was die Schönscheinpolitik liefert, sind Schlagzeilen für eine vielfach gekaufte und verblödete Medien­ landschaft. Dabei kommen nicht nur Gewalt­ opfer zu kurz. Auch wir, die wir uns zwar nicht als Opfer fühlen, dafür aber umso empörter sind, sehen dabei zu, wie die Grundprinzipien unserer Gesellschaft in Frage ge­ stellt werden. Wer heute laut da­ nach schreit, dass Asylsuchende in Sicherheitshaft genommen wer­ den, der ebnet den Weg für eine Gesellschaft, in der Politik und Ver­ waltung über die individuelle Frei­ heit von Menschen entscheiden. Schutzhaft hieß diese Idee bei den Nazis und sie machte auch vor je­ nen nicht Halt, die sich lange als zugehörig gefühlt haben. Noch genießen die Mächtigen den Startvorteil erst kurz im Amt zu sein. In ein paar Jahren werden sie aber für Einzelfälle und Kollek­ tivversagen einstehen müssen. Es wäre schön, wenn man dann noch Kritik üben könnte, ohne gleich an Schutzhaft zu denken.

MFG 03.19

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MFG URBAN

EVERYTHING’S GONNA BE ALRIGHT?

Welche Wellen wird der Brexit in der Region St. Pölten-Krems schlagen? Wie blicken heimische Unternehmen auf die Geschehnisse? Und was sagen hier lebende Briten dazu? MFG hörte sich um. 8


TEXT: JOHANNES MAYERHOFER | FOTOS: NITO/ADOBESTOCK, WKNOE, FELIX BÜCHLE/IVNÖ, ZVG

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s ist viel zu nichtssagend, wenn über „die Auswirkungen“ des Brexit auf „die EU“ gesprochen wird. Realistischer ist eher die Annahme, dass die Scheidung der Briten von der Rest-EU zu vielen kleinen, mehr oder minder starken lokalen Tragödien – wirtschaftlich und sozial – führen wird. Nicht jedes EU-Land ist gleich eng mit dem Vereinigten Königreich verbunden, selbiges gilt für einzelne Regionen und Städte. Niederösterreich hatte mit den Briten ein Warenexportvolumen von 477 Millionen Euro im Jahr 2017, damit stehen sie lediglich auf Platz 11 der niederösterreichischen Auslandsmärkte. Laut dem Niederösterreichischen Wirtschaftspressedienst ergab die von der Industriellenvereinigung NÖ vierteljährlich durchgeführte Konjunkturumfrage unter den 34 größten Industrieunternehmen des Bundeslandes (mit insgesamt 16.000 Beschäftigten) im Oktober 2018, dass nur eine von zehn Firmen sich vom Brexit „stark“ oder „sehr stark betroffen“ sieht. St. Pölten oder Krems an der Donau etwa beheimaten zahlreiche exportorientierte Unternehmen. Wie blickt man hier auf den Ausstieg der Briten aus der EU? Ist die Lage sehr ernst oder halb so wild?

„Die spinnen, die Briten!“ Das war der erste Satz – auch bekannt aus dem Comic-Film „Asterix bei den Briten“ –, der Thomas Salzer durch den Kopf schoss, als am Abend des 23. Juni 2016 das Ergebnis des Brexit-Referendums über die Fernsehbildschirme flackerte. Eine hauchdünne Mehrheit von 51,5% der britischen Bevölkerung entschied sich dafür, aus dem Club „EU“ auszusteigen. Salzer hat einen doppelten Blickwinkel auf die Ereignisse, das politische Chaos und die Unsicherheit, die seitdem zwischen der Insel und dem Kontinent herrschen. Seit November 2015 ist Salzer Präsident der Industriellenvereinigung in Niederösterreich. Außerdem ist er selber Unternehmer, hat drei Firmen mit Sitz in St. Pölten: die Salzer Papier Gmbh (Papiererzeugnisse), Salzer

Formtech Gmbh (Verpackungsmaterial) und die Salzer Industrieservice Gmbh (Instandhaltung und Wartung von Industrieanlagen). Insgesamt sind 130 Menschen in der Unternehmenspruppe in Lohn und Brot. „Ich sage es mal so, früher hatten wir stärkere Handelsbeziehungen mit dem Vereinigten Königreich. Mittlerweile nicht mehr so stark“, erklärt der Firmenchef Salzer, wieso er derzeit kein Damoklesschwert über seiner Unternehmens-Gruppe hängen sieht. „Das hat unter anderem mit der Pfundentwicklung und den Rohstoffpreisen zu tun“, fügt er erläuternd hinzu. Alles in Butter also? Nicht ganz, denn neben Einbußen im direkten Handel mit dem Vereinigten Königreich können es vor allem indirekte Effekte sein, die einem das Genick brechen können. Salzer denkt da etwa an die Autoindustrie in Deutschland. Sollten wichtige Kunden niederösterreichischer Unternehmen im EU-Ausland durch den Brexit in Bedrängnis geraten, kann sich das natürlich auch auf das hiesige Geschäft auswirken. Was die Zukunft betrifft, ist Salzers Aussagen eine ebenso große Ratlosigkeit zu entnehmen wie sie auch in vielen Politikerinterviews und Journalisten-Analysen quer durch Europa herauszuhören ist. „Im Moment ist es wirklich schwer, irgendwelche fixen Statements zu machen. Wir haben ja keine Ahnung, wie die Situation sich entwickelt und ich finde, die größte Uneinigkeit, das größte Chaos ist eindeutig bei den Briten zu finden“, kritisiert der 50-Jährige. Eine der vordringlichsten Aufgaben sei für viele Unternehmen mit Handelsbeziehungen zum Vereinigten Königreich die Sicherstellung der Logistik. „Natürlich halten die betroffenen Unternehmen enge Rücksprache mit ihren Kunden und Partnern auf der Insel. Da ist vieles im Gerede, etwa auch das Einfliegen von Waren per Helikopter“, erzählt der niederösterreichische IV-Präsident. In den bald drei Jahren seit dem Referendum ist es den verantwortlichen Politikern nicht gelungen, eine stabile und zukunftsträchtige Perspektive für die Briten und die EU auf die Beine zu

stellen. Im Zentrum standen vor allem zwei Optionen, nämlich ein Brexit, bei dem das Vereinigte Königreich zwar formal aus der EU austritt, aber bis zum Ende einer Übergangsfrist in sämtlichen Strukturen (Stichwort Binnenmarkt) teilhat. Option zwei: Ein „Hard Brexit“, also ein ganz klarer EU-Ausstieg, bei dem der Handel zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU schlagartig wieder auf die alten Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) zurückfallen würden – das würde umfassende Zölle auf die ausgetauschten Waren bedeuten. Der ursprünglich ausgehandelte Brexit-Vertrag der britischen Premierministerin Theresa May scheiterte ja im Jänner grandios im britischen Parlament. Ein Plan B bleibt höchst nebulös und das Ergebnis des momentanen Versuchs einer Neuverhandlung des Brexit-Vertrages äußerst ungewiss. Wird es noch zu einem geordneten Brexit kommen? Oder doch zu einem Chaos-Brexit? Wird der Austritt möglicherweise bis zur EU-Wahl im Mai verschoben? Und unabhängig davon: Was kommt danach? „Mir wäre es natürlich am liebsten, es gäbe ein zweites Referendum und danach eine Mehrheit für den Verbleib in der Europäischen Union“, gibt Salzer zu verstehen. „Für wahrscheinlich halte ich das aber nicht.“ Don’t panic but prepare Wie sieht das Stimmungsbild bei anderen Industrieunternehmen in der Region Krems-HerzogenburgSt. Pölten aus? Nach mehrfacher Nachfrage kann das Resümee gezogen werden, dass man vonseiten der Wirtschaft keine oder nur minimalste Auskunft geben kann, oder will. Bei der Georg Fischer Casting Solutions Herzogenburg Iron Gmbh und der Georg Fischer Casting Solutions Herzogenburg HPDC Gmbh – hier werden Bauteile aus Eisenguss und Aluminium produziert – gibt man sich überaus verschlossen. Auf Anfrage um ein Statement heißt es dort nur lakonisch: „Machen wir nicht“, und auf weiteres Nachfragen richtet man noch aus: „Wir sind nicht MFG 03.19

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MFG URBAN

Es gibt keine Standard-Strategie, die für alle passt. SONJA ZWAZL, PRÄSIDENTIN WKNÖ

betroffen durch den Brexit.“ Auch beim Kremser Betrieb Eybl International sieht man das ähnlich: „Wir haben unseren Produktionsbetrieb in Krems schon geschlossen, daher ist die Frage des Brexits für uns nicht relevant.“ Gar keine Rückmeldung kam unter anderem von der Sunpor Gmbh in St. Pölten, welche Dämmund Verpackungsmaterial herstellt und zu den weltweit größten Styroporproduzenten zählt. Eindeutig entspannt zeigt sich die Kemira Krems. „Unser Handel mit den Briten ist nicht so vordergründig für uns. Wir haben relevante Handelspartner vor allem in Osteuropa und sind mit unseren Kunden am europäischen Festland gut aufgestellt“, ist auf MFG-Anfrage zu erfahren. Ähnlich gelassene Auskünfte erteilt Voest Alpine, die auch ein Werk in Krems betreibt. Das Unternehmen sei in 40 Ländern vertreten und müsse daher immer mit unterschiedlichsten Handelsbedingungen und Schwierigkeiten umgehen können. Gilt also: „Everything is gonna be alright“? Im Großen und Ganzen scheint das zumindest für die Region Krems-Herzogenburg-St. Pölten mehr oder weniger zuzutreffen. Good News! Zumindest, wenn man

die Auskünfte der befragten Unternehmen als legitime Anhaltspunkte nimmt. Immerhin beschäftigen allein diese wenigen Firmen rund 1.500 Mitarbeiter zwischen Krems und St. Pölten, sind also nicht „irgendwelche“ Arbeitgeber. Neben dem niederösterreichischen Industriellen-Chef Salzer hat auch Sonja Zwazl eine – relativ entspannte – Vogelperspektive auf den Brexit und seine Auswirkungen auf die Region und Niederösterreich. Die Präsidentin der niederösterreichischen Wirtschaftskammer verwehrt sich jedenfalls gegen die Darstellung, dass der Brexit als eine wie vom Himmel gefallene Katastrophe behandelt wird: „Der Brexit läuft seit 2016 und die Unternehmen setzen sich seither schon mit der Materie auseinander.“ Die Aussage, dass Unternehmen keine Strategien zur Bewältigung der potentiellen BrexitSchäden hätten, teilt Zwazl nicht. „Es gibt keine Standard-Strategie, die für alle passt.“ Unternehmen müssten sich viel individueller vorbereiten, als das vielleicht oft angenommen werde. „Wichtige Faktoren sind etwa die Größe der Unternehmen oder die Art des Produktes oder der Dienstleistung“, führt Zwazl aus. Ihr Motto-Vorschlag für Unternehmen in Niederösterreich: „Don’t panic, but prepare!“ Help, I need somebody Zur Zusammenarbeit zwischen Politik, Sozialpartnerschaft und Wirtschaft zur Bewältigung der Auswirkungen des Brexits meint IV-NÖ Präsident Salzer: „Mein Standpunkt ist: Die Sozialpartnerschaft arbeitet hierzulande generell gut.“ Für betroffene heimische Unternehmen und österreichische Staatsbürger, die ihren

Ein zweites Referendum der Briten wird es wohl kaum geben, aus meiner Sicht. KATHRYN MAYER

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Lebensmittelpunkt, ihren Arbeitsoder Ausbildungsplatz im Vereinigten Königreich haben, gibt es einige Anlaufstellen, um sich über die wichtigsten diesbezüglichen Fragen zu informieren. Ab 30. Jänner verstärkte etwa die Wirtschaftskammer ihr Info-Service für Exporteure und Importeure. So wird etwa eine ständig aktualisierte Checkliste online angeboten, die Unternehmen helfen soll, die Auswirkungen des Brexit für sich selbst abschätzen zu können. Die Liste bezieht sich vor allem auf Fragen der Anmeldung und Abwicklung von Zöllen und anfallende Kosten. Außerdem wurde ein Brexit-Infopoint eingerichtet, bei dem WKO-Fachleute Unternehmer telefonisch mit ihrer Expertise beraten. Im Gespräch mit Arnold Stivanello von der WKNÖ ist zu erfahren: „Wir haben in der ersten Woche seit dem Start unserer Info-Hotline rund 80 Anrufe von Unternehmern aus ganz Österreich hereinbekommen.“ Meist seien es kleine und mittelgroße Unternehmen, die um Rat ansuchen. Stivanello sieht den Grund darin, dass sich Konzerne sowieso eigene Wirtschaftsexpertise und entsprechende Berater leisten können. „Wir erleben momentan keinen großen Ansturm an Anfragen. Meistens drehen sich die Anrufe aber um Fragen nach Handelszöllen,


EUROPA DAHEIM – EVERYTHING’S GONNA BE ALRIGHT?

oder auf die Möglichkeit eines Hard Brexit. Oft werden wir auch nach der Gültigkeit technischer Normen gefragt. Oder nach dem Status von Mitarbeitern hier und im Vereinigten Königreich.“ Englishwoman in STP Die niederösterreichischen Unternehmen blicken der europäisch-britischen Scheidung also weitgehend gelassen entgegen. Doch wie sieht’s mit dem kleinen Mann und der kleinen Frau auf der Straße aus? Was sagen etwa „austrian people abroad“ und „british people over here“ zu den Entwicklungen? Kathryn Mayer ist geborene Britin, aber schon mehr als verwurzelt in Österreich. Kein Wunder: Ursprünglich aus North Hampton, lebt sie schon seit über 30 Jahren in Österreich, kam in den frühen 80er-Jahren ins „Land der Berge“. Anfangs arbeitete sie mit Pferden, heute gibt sie als „Native Speaker“ Englischunterricht an einer Sprachschule in St. Pölten. Kathryn, die mit einem Österreicher verheiratet ist, hat also die österreichisch-britischen Beziehungen vor dem EU-Beitritt Österreichs 1995 miterlebt. „Es war damals ziemlich schwer mit dem Aufenthalt, der Arbeit. Soviel kann ich sagen“, erklärt die 58-Jährige. Möglicherweise ist das auch einer der Gründe, weshalb sie das Projekt „Brexit“ als Ganzes kritisch betrachtet, vor allem, dass alles so chaotisch abläuft. „Das BestCase-Szenario wäre, wenn es einen Ausstieg mit Deal gäbe. Ein zweites Referendum der Briten wird es wohl kaum geben, aus meiner Sicht. Ich denke jedenfalls, dass das Vereinigte Königreich die Rechte der dort lebenden EU-Bürger aufrechterhalten wird“, mutmaßt Kathryn. Und was ist mit ihren Landsleuten, die „drüben“ leben, am Festland? Von deren Sorgen und Nöten konnte man sich erst kürzlich ein Bild machen, als bei einer Veranstaltung in St. Pölten zum Thema Brexit österreichische Politiker und britische Diplomaten aufeinandertrafen und auch rund 30 britische Expats anwesend waren. Bei etlichen Leu-

Mir wäre es natürlich am liebsten, es gäbe ein zweites Referendum und danach eine Mehrheit für den Verbleib in der Europäischen Union. THOMAS SALZER, PRÄSIDENT IV-NÖ

ten ginge es etwa um Pensions- und Versicherungsfragen. Im Falle eines Hard- oder No-Deal-Brexit könnten so manche Austro-Briten um Leistungen und Ansprüche umfallen oder müssten sich dann privat versichern. Bei einem Aufenthalt von unter fünf Jahren müssten sie eine „Rot-Weiß-Rot-Karte Plus“ beantragen, die einen zeitlich begrenzten

Aufenthalt und uneingeschränkte Arbeitserlaubnis für Drittstaatsangehörige regelt. Briten würden dann rechtlich auf demselben Level mit US-Amerikanern oder Bürgern eines afrikanischen Staates stehen. Bei Aufenthalten von über fünf Jahren müsse ein Daueraufenthalt beantragt werden, der aber an eine Reihe von Bedingungen – regelmäßiges EinMFG 03.19

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MFG URBAN KOLUMNE BEATE STEINER

PERSPEKTIVE

FOTO: PESHKOV/ADOBE STOCK

Interessant, welche Filter das Gedächtnis über die Erinnerung legt. „Die Brutalität gegenüber Frauen haben wir importiert“, behaupten meine Gesprächspartner. Ja, eh klar, dass jede Gesellschaft andere Verhaltensmodi lebt und messerzückende Machos eher nicht österreichische Namen tragen. Aber mein Gedächtnis hat offensichtlich anders gefiltert als das der beiden Männer. Denn mir fallen zahlreiche Brutalos ein, die urösterreichisch sozialisiert wurden und schon mörderisch nett zu Frauen waren, als unsere Politiker und Boulevardmedien das Wort Asylant noch nicht buchstabieren konnten und es hierorts als Fremde nur Gastarbeiter gab. Frauenverachtende Männlein sind auch nicht immer muslimischen Glaubens, wie unsere heimische Glaubensgemeinschaft bestätigt hat. Diese bedient sich ja seit Jahrtausenden besonderer Gedächtnis-Filter, die nach nach dem Prinzip wirken „Was nicht sein darf, auch nicht sein kann.“ Die katholischen Priester, die Nonnen als Freiwild betrachteten, glaubten bisher, sich nur vor Gott verantworten zu müssen. Und: Wenn ER auch alles sieht, erzählt ER’s doch keinem. Jetzt sind die Männer Gottes plötzlich irritiert: Die kirchliche Verschleierung wirkt nicht mehr. Die Welt sieht zu, nicht nur Gott! Ein Lichtblick in unserer Fake-News-Gesellschaft, dass Medien dieser Frau Aufmerksamkeit geschenkt und ihre Scheinwerfer auf die Enthüllungen der ehemaligen Nonne gerichtet haben. Das ist so bemerkenswert, weil viele Medien vermitteln, dass MachoAttitüden gesellschaftsfähig werden. Nicht nur, aber auch von Männern, die mit Wiener Schnitzel und Alpenrock aufgewachsen sind.

EUROPA DAHEIM – EVERYTHING’S GONNA BE ALRIGHT?

kommen in einer gewissen Höhe und das Vorliegen einer Versicherung sind nur einige davon – gekoppelt ist. Als Quasi-Österreicherin, die mehr als ihr halbes Leben in der Alpenrepublik verbracht hat, macht Kathryn nicht den Eindruck, als würde ein Hard Brexit sie – trotz einiger Sorgen – vor unlösbare Probleme stellen. Unter jenen Briten, die schon länger einen Aufenthalt im EU-Ausland geplant haben, gebe es aber einige, die sich nun doch eher für „Stay“ – also für’s Daheim-Bleiben- entscheiden würden. Und damit sind sie nicht alleine, denn umgekehrt gibt es auch Österreicher, deren Perspektive eines Studien- oder Arbeitsaufenthalts oder gar eines Umzugs in das Vereinigte Königreich sich durch den Brexit zumindest verkompliziert hat Eine von ihnen ist Katharina Meyer. Sie plant, den Studiengang „Philosophy, politics and economics“ an einer britischen Universität zu absolvieren. „Dieses Studium gibt es nur im Vereinigten Königreich und in Amsterdam. Aber ein Abschluss von einer britischen Uni hätte natürlich mehr Prestige“, erläutert die 19-Jährige ihre Gründe. Jetzt ist sie kritisch, ob ein ungeregelter Brexit die Qualität des Studiums verschlechtern könnte. Immerhin gibt es an britischen Universitäten viel Lehrpersonal aus dem EU-Ausland, für die der Forschungsund Lehrstandort Vereinigtes Königreich durch einen ungeregelten Austritt sicherlich nicht attraktiver werden wird. Außerdem steht die Frage im Raum, wie die Briten ohne Vertrag künftig am Wissenschaftsaustausch teilhaben werden. So könnte der Brexit Katharinas finanzielle Planung über den Haufen werfen: „Also an der Universität, die mir

An der Uni, wo ich mich beworben habe, sagen sie nur: „Wir können Ihnen nichts versprechen.“ KATHARINA MEYER

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auf meine Bewerbung geantwortet hat, würde ich 9.000£ (etwa 10.300 Euro, Anm.) im Jahr bezahlen. Britische und EU-Studenten sind bisher gleichgestellt. Sollten diese Regelungen nicht mehr gelten, könnten da Gebühren von 20.000 £ (22.800 Euro, Anm.) auf mich zukommen. Da gibt es dann noch zwei Möglichkeiten: Dass mich meine Eltern finanziell unterstützen, oder ich stehe nach dem Abschluss mit 30.000 Euro Schulden da“, schildert sie. Auf solch ein „US-amerikanisches Uni-Absolventenschicksal“ habe sie verständlicherweise keinen Bock. Es gäbe zwar britische Universitäten, die ihren EUStudenten gleiche Tarife wie unter der jetzigen Rechtslage garantierten. „An der Cambridge University machen sie das so. Aber da, wo ich mich beworben habe sagen sie nur: ‚Wir können Ihnen nichts versprechen.‘“ Welches Fazit kann man also ziehen? Die wenigen Pro-Brexit-Stimmen, die es 2016 auch noch in Österreich gegeben hat, sind mittlerweile verstummt. Aber verleiten Medienberichte über drohendes LWK-Chaos bei Calais, die mögliche Massenabwanderung von Unternehmen und heillos zerkrachte Politiker nicht auch zu übertriebenem Alarmismus? Egal in welcher Form die Scheidung der Briten von der EU nun kommt, die allgemeine Stimmung scheint zu sein: „There’s nothing to win in this game“ – es wird nur Verlierer geben in diesem Spiel.


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MFG URBAN INTERVIEW MATTHIAS STADLER

EUROPASTADT

„Europastadt“ nennen sich viele Kommunen, aber nur eine Reihe hat den Titel auch wirklich hochoffiziell seitens des Europarates verliehen bekommen – St. Pölten zählt dazu, auch wenn das wohl nur die wenigsten wissen. Wir plauderten mit Bürgermeister Matthias Stadler über vermeintlich abgenommenes Europaengagement, das große Friedensprojekt EU, Populismusfallen sowie eine europäische Frischzellenkur für die Stadt namens Bewerbung zur Europäischen Kulturhauptstadt 2024. Wenn man Ihre Biografie liest, dann sticht – noch aus ihrer Prä-Politzeit – immer auch ein großer europäischer Aspekt heraus: die Ausstellung Europa schrankenlos, die Sie für die Stadt 1994 kuratiert haben. „Europa schrankenlos“ haben wir anlässlich bzw. im Vorfeld des EU-Beitrittes Österreichs umgesetzt, um diesem historischen Moment Rechnung zu tragen. Die Stadt St. Pölten hat sich ja schon unter meinem Vorgänger ganz 14

klar zu Europa bekannt. Wobei es gar nicht nur um die Ausstellung ging, sondern unser Engagement umschloss ebenso das Bemühen, etwas Bleibendes, Zukunftsgewandtes auf den Weg zu bringen, weshalb in Folge auch das Kooperationsnetzwerk Europäischer Mittelstädte aus der Taufe gehoben wurde. Gegründet wurde es damals von acht Städten, heute umfasst es 34 Städte aus 13 Nationen. Der Grundgedanke war nach dem Fall des Eisernen Vorhangs am großen Friedensprojekt Europa mitzuwirken


TEXT: JOHANNES REICHL | FOTOS: JOSEF VORLAUFER

und mitzuhelfen, Demokratieprozesse sowie die Vision von sozialer Stabilität und Freiheit für alle am Kontinent auf den Weg zu bringen. Wobei, sagen wir die letzten 10-15 Jahre, der Eindruck entstand, dass St. Pölten in seinem Europaengagement nachgelassen hat, während man in den 90ern noch jedes „Fuzerl Europa“ groß aufgeblasen hat. Ich glaube, das täuscht. Vielleicht hat es nach außen hin bisweilen so gewirkt, weil wir halt gewisse Ziele – die auch symbolisch dargestellt werden konnten – erreicht haben. Ich denke da an das Europadiplom, die Europafahne, die Ehrenplakette und zuletzt den Europapreis. Eine höhere Auszeichnung durch den Europarat gab es danach nicht mehr. Deshalb haben wir aber in unserem Europaengagement nicht nachgelassen. Im Gegenteil, im Jahr 2004 haben wir Europa sogar in unser Logo mit aufgenommen. Seitdem prangt der Slogan „Mitten in Europa“ auf jeder Visitenkarte, jedem Briefpapier, jeder Werbebotschaft der Stadt. Ein klareres Bekenntnis gibt es nicht. Wobei viele – ich gestehe, ich zähle mich dazu – in dem Slogan, der heute mit der Bewerbung zur Kulturhauptstadt ja eine stringente Einschreibung gefunden hat, damals eher ein potemkinsches Dorf erblickten, das nur eine inhaltsleere geografische Verortung darstellt. Was wir zum Ausdruck bringen wollten war aber gerade die historische Dimension, dass wir nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, den wir uns immer gewünscht hatten, plötzlich tatsächlich von der Grenze „Europas“ sozusagen in die Mitte des Kontinents gerückt sind – eben nicht nur rein geografisch, was wir ja schon zuvor waren, sondern auch geopolitisch als Teil eines vereinten Europas, das nicht mehr in ein Ost und West zerfallen ist. Damit haben sich unzählige Perspektiven und Vorteile eröffnet – wirtschaftlich, verkehrslogistisch, kulturell, die aber für ein Land in der Mitte eben nur im Frieden zum Tragen kommen. Und tatsächlich gibt es kaum eine Region, die mehr vom EU-Beitritt profitiert hat als Ostösterreich. Wo würden wir heute stehen? Der jungen Generation kann man heute ja gar nicht mehr begreiflich machen, dass bei Bratislava, Znaim, die Grenze, ja in gewissem Sinne das Ende unserer Welt lag. Das heißt, das friedenstiftende Element ist nach wie vor das stärkste Argument für die EU? Für mich als Historiker, der um all die verschiedenen kriegerischen Ereignisse weiß, die unser Kontinent durchgemacht hat, stand der Friedensaspekt der EU seit je im Vordergrund – und er tut es bis heute! Und genau deshalb ist es so wichtig, dieses Europa – bei aller Skepsis, die man der EU bisweilen entgegenbringt, und bei ihrer ohne Zweifel zu Tage tretenden Unvollkommenheit – voranzutreiben. Wobei die Unvollkommenheit ja, das sei auch gesagt, eine systemimmanente ist, weil Europa nur so stark sein kann,

Wo würden wir heute stehen? Der jungen Generation kann man heute ja gar nicht mehr begreiflich machen, dass bei Bratislava, Znaim, die Grenze, ja in gewissem Sinne das Ende unserer Welt lag. MATTHIAS STADLER

wie es die Mitgliedsländer zulassen. Der Pferdefuß der EU ist letztlich gerade der, dass sie eben kein komplett durchdrungener Staatenbund ist, die Währungsunion nicht komplett bis in alle Winkel umgesetzt ist, es nach wie vor Konflikte zwischen großen und kleinen Staaten gibt, zwischen Ost und West etc. Die Antwort darauf kann aber nicht weniger Europa sein, sondern gerade umgekehrt, muss sie in einer noch stärkeren Vertiefung liegen. Wir brauchen ein vereintes Europa, um den Frieden auf unserem Kontinent zu sichern! Wir brauchen ein starkes Europa, um im Hinblick auf unsere globale Positionierung wettbewerbsfähig zu bleiben – da stehen uns heute nämlich die USA, China, erstarkende Staaten in Südamerika, Russland etc. gegenüber. Als kleiner Nationalstaat bist du da auf verlorenem Posten. Warum werden diese Aspekte, so hat man den Eindruck, aber nicht wirklich nachhaltig kommuniziert? Seitens der nationalen Politik, und zwar gar nicht nur der Populisten, scheint ja eher „Brüsselbashing“ an der Tagesordnung zu stehen. Diese unsägliche Strategie, dass man der Bevölkerung zuhause immer nur erzählt, was an der EU nicht gut ist – noch dazu bei Beschlüssen, die man in Brüssel selbst mit beschlossen hat – ärgert mich immens, nein mehr noch, sie macht mich betroffen. Da werden Bagatellen aufgebauscht und zu großen Themen gemacht, anstatt wichtige Zusammenhänge zu erklären. Oder es werden bewusst Äpfel mit Birnen verglichen und ein abstraktes Feindbild geschaffen, womit man Europa natürlich schwächt. Nehmen wir als Beispiel die aktuelle Diskussion rund um die Reform des österreichischen Vergaberechts. Da wird plötzlich so getan, als wäre die EU an unserem „Dschungel“ schuld. Man müsste sich aber nur anschauen, wie viele gesetzliche Vorgaben die EU macht – nämlich sehr wenige. Während in Österreich – weil jedes Bundesland, jede Lobby, jeder Verband seine Ausnahmeregelungen hinein reklamiert hat – die Materie auf gefühlte 100.000 Paragrafen aufgeblasen wurde. Geschimpft wird aber auf die EU, obwohl in Wahrheit Österreich selbst schuld an diesem gordischen Knoten ist. Und das ist nur ein Beispiel von vielen, wo wir unsere Unzulänglichkeiten in ein angeblich abgehobenes Brüssel projizieren – was natürlich sehr praktisch ist, weil man dann nicht Verantwortung übernehmen muss und „die anderen“ schuld sind. MFG 03.19

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MFG URBAN Umgekehrt schmückt man sich aber auch ganz gern mit fremden „Europa“-Federn. So wird in Österreich kaum der finanzielle EU-Beitrag, etwa bei Infrastrukturprojekten, kommunziert. Das ist natürlich verblüffend, ja fast erschütternd, wenngleich aus Sicht der Bundes-, Landes- und Kommunalpolitiker nachvollziehbar – die möchten gern selbst als die großen Wohltäter und Gönner da stehen. Da wird der Beitrag der EU dann ganz gern unter den Teppich gekehrt – das geht so weit, dass bei offiziellen Anlässen, wie etwa der Eröffnung der GZU, der Vertreter der EU zwar vorort ist, es aber trotzdem nicht einmal aufs offizielle Pressebild schafft. Ein österreichischer Mandatar würde sich das gar nicht gefallen lassen. Aber das sagt schon einiges über unseren Umgang mit der EU aus. Aktuell dreht sich der Streit ja vor allem um Flüchtlinge, Grenzen, Asyl. 2009 wurde zur Erinnerung an 20 Jahre Fall Eiserner Vorhang jenes Stück der Berliner Mauer, das schon bei „Europa schrankenlos“ gezeigt wurde, am Rathausplatz ausgestellt. Sie haben damals in einem Interview gemeint: „Dieses Stück der Berliner Mauer soll uns daran erinnern, dass es Reisefreiheit und Schengen-Grenze vor nicht allzu langer Zeit noch gar nicht gegeben hat.“ Heute, nur zehn Jahre später, sehen wir uns mit der teilweisen Aushöhlung der Reisefreiheit konfrontiert, Grenzbalken werden wieder hochgezogen – schmerzt Sie das? Dass man unsere Grenzen, und zwar wohlgemerkt die Außengrenzen, schützen muss, daran führt kein Weg vorbei. Aber innerhalb dieser Grenzen, also innerhalb Europas, ist etwa die Reisefreiheit eines unserer höchsten Güter. Ich kenne niemanden, der sich noch vorstellen kann und will, stundenlang an den Grenzen zu warten, kontrolliert zu werden, überall Geld umtauschen zu müssen etc. Genau dorthin treiben uns aber die Populisten, die das Hochziehen der Grenzen im Mund führen und dies nur – und das ist das politisch Abstoßende – aus dem Kalkül heraus, damit von wirklichen Problemen abzulenken und

EUROPA SCHRANKENLOS. LH Erwin Pröll und BGM Willi Gruber 1994 bei der Eröffnung der Ausstellung. Links Matthias Stadler.

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Wir brauchen ein vereintes Europa, um den Frieden auf unserem Kontinent zu sichern! MATTHIAS STADLER

billig Stimmen zu machen. Dabei gefährden sie ohne Skrupel alle unsere Werte und versuchen die Gesellschaft zu spalten, wobei ich eines diesen Menschen und jenen, die ihnen blind folgen, schon klar sagen möchte: An den Menschenrechten, am Rechtsstaat gibt es genau gar nichts zu rütteln! Damit spielt man nicht, damit taktiert man nicht – denn das ist immens gefährlich! Probleme und Herausforderungen gibt es aber in der Frage des Grenzschutzes, und – das ist offensichtlich – Europa findet bislang diesbezüglich keinen gemeinsamen, brauchbaren Weg. Hugo Portisch hat schon Ende der 80er die Möglichkeit von Flüchtlingsströmen prophezeit, auch Ratschläge gegeben, wie man dieser Entwicklung Vorschub hätte leisten können – allein es ist nicht passiert. Und heute ertrinken täglich Menschen im Mittelmeer, was diesem Europa, das sich auf die Menschenrechte und auf Rechtsstaatlichkeit beruft, absolut unwürdig ist. Europa muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass es die anstehenden Probleme nicht aktiv und nachhaltig löst. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass sich die Situation seit 2015 ja faktisch wieder sehr entspannt hat, die Flüchtlingszahlen rückläufig sind, und da ist die EU nicht viel anders als es unserer österreichischen Mentalität nachgesagt wird: Solange das Wasser nicht bis zur Zehenspitze reicht, tut sich nichts. Da gibt es viele salbungsvolle Worte, aber es passiert nicht viel – auch weil wirkliche Maßnahmen natürlich auch teuer sind. Wenn ich etwa Abkommen mit Afrika möchte, wie so oft kolportiert wird, dann müsste ich sofort in Afrika investieren und Initiativen setzen. Das passiert aber nicht. Wenn ich die Außengrenzen sichern möchte, muss ich sofort Frontex aufstocken, was Geld kostet. Das passiert aber nicht. Da ist plötzlich von frühestens 2024 die Rede, und das Groteske ist, dass jene, die am lautenden nach sicheren Grenzen rufen und vor Flüchtlingswellen warnen, jene sind, die diese Bemühungen torpedieren. Da steckt Kalkül dahinter. Inwiefern? Die Populisten versuchen halt, das Flüchtlingsthema hochzuhalten und die EU klopft den Quertreibern im Wissen, dass sie die einzelnen Nationalstaaten bei Einstimmigkeitsbeschlüssen mit an Bord braucht, nicht auf die Finger. Nehmen wir – ein Beispiel aus Österreich – etwa zuletzt die Präsentation der Zahlen abgeschobener Asylwerber. Da wurde vom Innenminister Afghanen, Syrer, Tschetschenen etc. anfgeführt. In Wahrheit sind aber 60% der Abgeschobenen aus EU-Ländern gewesen – Slowaken, Slowenen, Rumänen! Warum verschweigt er das? Das ist ja eine zum Himmel schreiende Scheinheiligkeit und Kal-


EUROPA DAHEIM – EUROPASTADT

EUROPASTADT. St. Pölten hat sich unter Willi Gruber, Matthias Stadler und Siegfrid Nasko schon früh um Europa bemüht. 2001 erhielt die Stadt für ihr Engagement den Europapreis. Die Bewerbung zur Europäischen Kulturhauptstadt setzt diese Europa-Tradition fort.

kül. Und dass man die Indexierung der Kinderbeihilfe an das jeweilige Heimatland des EU-Bürgers umgesetzt und damit wissentlich vor der EU-Wahl ein Vertragsverletzungsverfahren vom Zaum gebrochen hat – da frage ich mich schon, ob das wirklich Zufall ist oder nicht eher Kalkül dahinter steckt, um im EU-Wahlkampf sozusagen ein Ass im Ärmel zu haben von wegen „Unser Geld für unsere Leute“. Das Allerschlimmste daran ist, dass derlei Schwachsinn aufgeht und die Populisten Wahlen damit gewinnen. Man streut den Leuten Sand in die Augen. Aber – und das ist meine Hoffnung – man wird auf Dauer nicht damit durchkommen, auch wenn diese Populismuswelle jetzt schon relativ lange andauert.

An den Menschenrechten, am Rechtsstaat gibt es genau gar nichts zu rütteln! Damit spielt man nicht, damit taktiert man nicht – denn das ist immens gefährlich! MATTHIAS STADLER

Auch der Brexit wird zu einem Gutteil den Populisten angelastet, die den Leuten das Blaue vom Himmel versprochen hätten, ohne sie über die Konsequenzen zu informieren. Und – das ist das Mieseste – sich nach dem Referendum gleich aus dem Staub gemacht haben und für ihr Tun nicht die Verantwortung übernehmen. Ich bin einer von zwölf Österreichern, die im Europäischen Ausschuss der Regionen vertreten sind. Insgesamt gibt es dort 350 Mitglieder, und der Brexit war zuletzt natürlich oft Thema, weil er ja alle betrifft. Eines ist mir dabei aufgefallen und bezeichnend: Im Ausschuss ist kein einziger britischer Bürgermeister, der für den Brexit votiert hat. Im Gegenteil – bei allen herrscht große Betroffenheit, und im Grunde hoffen viele, dass es vielleicht doch nicht zum Ausstieg Großbritanniens aus der EU kommt. Der BREXIT ist jedenfalls ein Paradebeispiel dafür, wohin dumpfer Nationalismus im Schlagschatten einer von Populisten befeuerten „mir san mir“-Mentalität führt. Denn in einem sind sich sämtliche Experten einig: Vom BREXIT wird niemand – weder die Briten, noch Europa – profitieren, sondern er wird im Gegenteil großen Schaden anrichten. Und man sieht auch, wie brüchig die VerMFG 03.19

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MFG URBAN

EUROPA DAHEIM – EUROPASTADT

hältnisse sind. Dass plötzlich – allein unter dem Eindruck eines möglichen BREXIT – wieder ein Aufflammen des Nordirlandkonfliktes droht oder gar die Integrität Großbritanniens riskiert wird, weil etwa auch die Schotten wieder eine mögliche Abspaltung diskutieren und selbst walisische Separtisten auf den Plan treten, unterstreicht auch wieder die einigende Kraft Europas. Da könnte aus dem ehemaligen Großbritannien schnell ein Little Britain werden, und ich glaub nicht, dass das die Leute wollten, als sie für den Brexit gestimmt haben. Kommen wir zurück nach St. Pölten und Europa. Mit der Bewerbung zur Europäischen Kulturhauptstadt hat man ja wieder ein großes europarelevantes Ausrufezeichen gesetzt. Die Europäische Kulturhauptstadt führt einfach unseren Europafokus fort, zugleich ist sie auch so etwas wie der nächste logische Schritt. Die Hauptstadtentwicklung ist weitest abgeschlossen, die Institutionen sind in St. Pölten angesiedelt, die Stadt wächst – an Betrieben, an Bevölkerung, an Events, v. a. an Lebensqualität. Wir haben einen Wandel von der reinen Industrie- und Arbeiterstadt hin zur Dienstleistungs-, Bildungs-, Kultur- und Innovationsstadt durchgemacht. Für mich stellte sich die Frage, welchen Schritt wir als nächsten setzen möchten, welche Zukunftsperspektive wir uns sozusagen einschreiben. Plakativ gesprochen: Olympische Spiele waren aufgrund der Lage unrealistisch, aber die Europäische Kulturhauptstadt, das ist aufgrund unserer Geschichte und Entwicklung absolut schlüssig. Es ist die Chance, die letzten in Wahrheit nicht mehr zutreffenden negativen Facetten der Vergangenheit – von wegen St. Pölten ist grau, da stinkts, da ist nichts los – endgültig nach außen hin zu korrigieren und uns als das zu präsentieren, was wir sind: Eine lebenswerte, dynamische Mittelstadt, die wir mittels der Kulturhauptstadt auch zu einer positiven Modellstadt für ganz Europa entwickeln möchten. Wobei der Fokus inhaltlich bislang eher auf einer Nabelschau liegt. Wie wird man die Europadimension des Projektes einfangen bzw. kommunizieren? Unser Bewerbungsmotto ist „Europa daheim“, wobei mir die englische Übersetzung unserer Präsentation, demnach wir Europa ins Wohnzimmer holen möchten, noch besser gefallen hat, weil das diese Emotionalität noch stärker zum Ausdruck bringt. Es geht in der Grundidee um das Überwinden von Grenzen – gerade für St. Pölten gibt es da ein paar paradigma-

Die Europäische Kulturhauptstadt führt einfach unseren Europafokus fort, zugleich ist sie auch so etwas wie der nächste logische Schritt. MATTHIAS STADLER

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KULTURHAUPTSTADT. Die Zukunft lieg in Europa. Aktuell bewirbt sich St. Pölten um die Europäische Kulturhauptstadt 2024. tische Felder, wo wir dies schaffen möchten: Stadt – Land, Altstadt – Regierungsviertel, Stadt und gesamte Kulturhauptstadtregion, Österreich-Europa. Und es geht allen voran, im Wohnzimmer, eben bei uns daheim um Bewusstseinsbildung, was dieses Europa für uns bedeutet: Reisefreiheit, freier Waren- und Güterverkehr, ein gemeinsamer Währungsraum, gemeinsame Werte wie Freiheit und Demokratie etc. Mit unserer Ausrichtung ab 2004, „Mitten in Europa“, haben wir das ganz klar zum Ausdruck gebracht, und genauso schlüssig setzen wir diesen Gedanken jetzt fort: „St. Pölten 2024. Mitten in Europa. Mitten im Aufbruch.“

E U - D I S K U S S I O N : E U R O PA D A H E I M Am 24. April, 19 Uhr, findet unter der Leitung von ZIB 2 Moderator Martin Thür in der ehemaligen Synagoge St. Pölten die EU-Diskussion „Europa daheim“ statt. Es diskutieren: FRANZ FISCHLER. Ehemaliger EU-Kommissar und Bundesminister. Aktuell Präsident des Europäischen Forums Alpbach. ULRIKE GUEROT. Leiterin des Departments Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Uni Krems. SONJA PUNTSCHER-RIEKMANN. Politikwissenschaftlerin. Aktuell Vizepräsidentin des Europäischen Forums Alpbach. JAKOB REDL. Projektleiter der Bewerbung St. Pöltens zur Europäischen Kulturhauptstadt 2024.


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MFG URBAN

NÖROPA

Mit der Europäischen Union wird einem nie langweilig. Vertschüssen sich die Briten aus der EU? Stürmen die Nationalpopulisten das Europäische Parlament? Und, nicht minder interessant: Was haben wir niederösterreichischen „Nettozahler“ eigentlich Tag für Tag vom Dabeisein?

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gal ob Segen oder Teufelswerk, wer sich über die EU erkundigen möchte, der könnte beim „EDI“ beginnen. Die „EuropeDirect Infostelle“ im St. Pöltner Regierungsviertel ist eine von 500 Stellen dieser Art, die die Europäische Kommission in der ganzen EU betreibt, um Bürgerinnen und Bürger über die Union und ihre Mitgliedsstaaten zu informieren. Auch für Kinder und Schulen werden Inhalte speziell aufbereitet, gelegentlich finden Veranstaltungen zu Themenschwerpunkten statt. Auch das Land Niederösterreich informiert auf www.noe.gv.at unter dem Menüpunkt „Internationales & Europa“, wenngleich EU-Politik in Wahrheit natürlich auch Innenpolitik ist und sowieso alles miteinander verwoben ist. So teilen sich auch die

Mitglieder der Landesregierung gewisse EU-Agenden untereinander auf – auch wenn die prestigeträchtigsten Aufgaben natürlich bei der Chefin, Landeshauptfrau Johanna MiklLeitner (ÖVP), bleiben. Doch werfen wir zuerst einen Blick in die Schatzkammer, denn nicht zuletzt monetär bringt sich die EU hierzulande ganz schön spürbar ein. Money Maker So teilte die NÖ Landesregierung mit, dass im Jahr 2017 aus den Bereichen Regionalförderung und Landwirtschaft 495 Millionen Euro an EU-Förderungen ins Land geflossen sind. Förderschwerpunkte seien Innovation und Forschung gewesen. Im Jahr 2016 präsentierte die Europäische Kommission eine unabhän-

gige Studie über die Effekte ihrer Regionalförderung in Österreich: 11.000 neue Jobs, vorrangig in forschungsintensiven Projekten und Unternehmen, seien im Zeitraum 2007 bis 2013 geschaffen worden. In den letzten zwanzig Jahren sind laut Andreas Purt, dem Geschäftsführer von „Mostviertel Tourismus“ rund 15 Millionen Euro in Form touristischer Förderprojekte zur Stärkung des ländlichen Raums in die Region geflossen. 27 Millionen Euro war der Förderanteil zur Errichtung der St. Pöltner Güterzugumfahrung, die den Schienenschwerverkehr auf eine viergleisige Umfahrung verlagerte und somit auch neue Kapazitäten für einen ausgebauten Personennahverkehr in St. Pölten ermöglicht. Projekte gibt es, wohin man schaut.


TEXT: MICHAEL MÜLLNER | FOTOS: ANTON SOKOLOV/ADOBE STOCK, SERGEY NOVIKOV/ADOBE STOCK, SPÖ NÖ, FPÖ NÖ, FACEBOOK.COM

GEGEN MERKEL UND MACRON, FÜR SERBIEN Seit der Landtagswahl 2018 sitzt Vesna Schuster im Landtag, nun wurde sie von der FPÖ als „Spitzenkandidatin für Niederösterreich für die EU-Wahl“ präsentiert. Auf fünfter Stelle der Wahlliste sitzt sie auf einem „Kampfmandat“, ihr Einzug ist somit unsicher. Regelungen verstößt? „Ich finde, wir sollten miteinander wie in einer Familie umgehen. Zuerst das Gespräch suchen, nicht anklagen.“

VOM LANDTAG NACH BRÜSSEL? Ihre serbischen Wurzeln thematisiert Schuster ebenso wie ihre Erfahrungen als Alleinerziehende.

Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde Schuster erstmals im Jahr 2016, als sie mit einem Facebook-Posting für Proteste sorgte, weil sie darin eine Demonstrantin, die gegen den Bundespräsidentschaftskandidaten Norbert Hofer protestierte, als „dummer Nichtsnutz“ sowie als „Kreatur“ bezeichnete und forderte, dass dieser Person die Wahlberechtigung entzogen werden müsse, denn „wer nichts leistet, darf auch nichts bestimmen.“ In Folge meinte sie zwar, die Wortwahl sei überzogen und ein Fehler gewesen, in der Sache selbst sehe sie das aber noch genauso. Im Gespräch mit MFG erklärt die Melkerin, sie sehe es als ihre Pflicht an, bei dieser Wahl den anstehenden Kurswechsel zu unterstützen: „Als Frau, als Mutter und als Unternehmerin.“ Denn „die Merkel-Macron-Achse muss aufgebrochen werden.“ Was denn am bestehenden Kurs der EU so falsch sei? „Es kann nicht sein, dass wir diese horrenden Mitgliedsbeiträge zahlen, damit die EU dann die Gurkenkrümmung diskutiert oder festlegt, in welcher Flasche Olivenöl serviert werden darf. Sie muss für ihre 500 Millionen Bürger die zentralen Fragen beantworten: Sicherheit, Terrorismusbekämpfung, Migration.“ Und das ist die Schuld von Angela Merkel und Emmanuel Macron? „Aber sowas von! Die EU erfüllt derzeit ihren Zweck und ihren Sinn nicht. Vernünftige Lösungen werden blockiert.“ Was sie am konkreten Verhalten des EU-Parlaments in jüngster Zeit gestört hat? „Es kann doch nicht sein, dass man Länder, die auf ihr Volk schauen, die weder Zuwanderung noch importierte Gewalt wollen, dass man diese Länder bestraft. All diese Klagen und Verurteilungen sind falsch.“ Aber geklagt und verurteilt kann man ja nur werden, wenn man gegen gemeinsame

Serbien wünscht sich Vesna Schuster möglichst rasch in der EU, ihren Migrationshintergrund bringt sie aktiv in ihre politische Rolle ein: „Meine Eltern kamen in den Siebzigerjahren über eine Gastarbeiteragentur, die hatten schon einen Job, bevor sie noch in Österreich waren. Ich war das einzige Kind in meiner Volksschulklasse mit Migrationshintergrund. Heute haben wir eine völlig andere Situation, heute hat niemand mehr etwas von der laufenden Migration.“ Angesprochen darauf, dass die staatlich gesteuerte und somit geplante Migrationspolitik ja ein anderes Paar Schuhe sei, als die aktuell problematische Flüchtlings- und Asylthematik und man diese Effekte wohl eher mit der Fluchtbewegung in Folge des Balkankrieges vergleichen müsste, als mit Gastarbeitern der Siebzigerjahre, meint Schuster: „Die heutige Flüchtlingsbewegung kann man nicht mit dem Balkan vergleichen. Man braucht sich nur die Zahlen anschauen. Ich weiß auch nicht, wie viele Menschen Flucht- und Asylmotive nur vorschieben und in Wahrheit wegen anderer Gründe zu uns kommen. Und nach acht Kalenderwochen haben wir zehn Frauenmorde. Das hat natürlich auch mit der Kultur und Religion der Zuwanderer zu tun.“ Im Landtag macht ihr die Betreuung der Interventionsstelle des Freiheitlichen Landtagsklubs viel Spaß. „Ich habe in einem Jahr 400 Menschen kennengerlernt, die mir ihre Anliegen erzählt haben. Teilweise habe ich mit dem Menschen mitgeweint, zugleich ist es sehr erfüllend, wenn man Ansprechpersonen findet, die diesen Bürgern dann weiterhelfen können. Wir suchen Lösungen. 369 Anliegen konnten wir erfolgreich bearbeiten. Diese Tätigkeit möchte ich auch weiterhin ausüben, ich ziehe ja nicht nach Brüssel, wenn ich gewählt werde, sondern engagiere mich weiterhin in Niederösterreich.“

NICHTSNUTZ UND WAHLRECHT. Vesna Schuster ist im politischen Diskurs nicht zimperlich, der Parteikarriere schadet‘s nicht.

Es kann doch nicht sein, dass man Länder bestraft, die auf ihr Volk schauen. VESNA SCHUSTER, FPÖ

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MFG URBAN S C H A U P L AT Z - W E C H S E L , T H E M E N - G L E I C H H E I T Zwei Jahre lang hatte Günther Sidl seine beruflichen Zelte schon in Brüssel aufgeschlagen, zwischen 2007 und 2008 war er Büroleiter von Karin Scheele, als diese SPÖ-Delegationsleiterin im Europaparlament war. Nun möchte er selbst als Abgeordneter dorthin zurückkehren. in Form von Notverordnungen ein – aber auch im EU-Parlament ist das gerade auf der Agenda. Für mich ändert sich dann quasi der Schauplatz, aber die Themen sind gleich. Auch der Klimawandel ist ein Riesenthema. Für uns, aber ganz besonders für Länder, in denen ohnehin jetzt schon Wasserknappheit herrscht. Oder die Frage, wie wir mit Innovationen den Strukturwandel schaffen und zukunftssichere Jobs schaffen können.“ Welche jüngsten Entwicklungen der EU möchte er als Abgeordneter bekämpfen bzw. verbessern? „Ein großes Problem ist die mangelnde Handlungsfähigkeit der EU in manchen Bereichen, die ihre Ursache in den letzten großen Erweiterungsschritten hat, ohne dass die Strukturen grundlegend reformiert wurden. Es kann nicht sein, dass sich einzelne Länder bei schwierigen Themen einfach egoistisch zurückziehen. In so einem Fall soll es dann auch Konsequenzen geben – und diesen Ländern Fördermittel gestrichen werden“, spielt Sidl etwa auf einige osteuropäische Länder an, die keine Bereitschaft gezeigt haben, Flüchtlinge aufzunehmen.

GREIFBARE POLITIK. Umweltschutz als Herzensanliegen motivieren Günther Sidl für eine Rückkehr nach Brüssel. Mit dem dritten Listenplatz scheint ein Einzug auch ziemlich wahrscheinlich, hält die SPÖ doch aktuell bei fünf Mandaten. Was Sidl zu einem Wechsel nach Brüssel motiviert? „Die Entscheidungen auf EU-Ebene haben direkte Auswirkungen auf die Menschen in Niederösterreich, auch wenn für die meisten Bürger die Entscheidungen des Landtags oder des Nationalrats viel greifbarer sind. Alleine wenn man sich vor Augen führt, wie viele Lobbyisten in Brüssel herumlaufen, wird einem rasch klar, wie bedeutend die Entscheidungen der EU für uns alle sind. Es ist aus meiner Sicht natürlich möglich für die Interessen unseres Bundeslandes einzutreten, wenn man Abgeordneter zum Europäischen Parlament ist.“

Ob er auch den von vielen Beobachtern erwarteten großen Konflikt zwischen Pro-Europäern und Populisten bei dieser Wahl kommen sieht? „Europa ist nur so stark, wie die Nationalstaaten es zulassen. Leider gibt es manche Regierungen, die sich eine geschwächte Union wünschen und dabei Hand in Hand gehen, etwa mit China oder den USA und Donald Trump. Natürlich drohen Zugewinne von Rechtspopulisten, zerstörerischen Kräften und Demagogen. Dem müssen wir eine starke Sozialdemokratie entgegensetzen! Mein Weltbild ist, dass man Missstände ansprechen und gemeinsam Lösungen suchen muss. Aber diese Union ist entstanden, weil frühere Generationen genau das nicht gemacht haben. Nach zwei Weltkriegen sind wir nun gescheiter. Wir werden weiter konstruktiv die Union verbessern. Und wohin Populismus führt, sieht man derzeit in Großbritannien, wo sich jene, die die Stimmung aufgeheizt und große Töne gespuckt haben, mittlerweile von der Bühne verabschiedet haben und nun das Chaos herrscht.“

Der Politikwissenschaftler aus Petzenkirchen hat auch eine konkrete Agenda: „Meine Themen sind Umweltschutz, Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Ein Herzensanliegen ist etwa der Kampf gegen Umweltgifte. Da setze ich mich im Landtag etwa gegen die Rückkehr verbotener Stoffe über die Hintertür

Wohin Populismus führt, sieht man derzeit in Großbritannien. GÜNTHER SIDL, SPÖ

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EUROPA DAHEIM – NÖROPA

Wer die Suchbegriffe „EU“ und „Regionalförderung“ in seine Suchmaschine eingibt, findet gut aufbereitete Informationen über Projekte in seiner Nähe, die mit EU-Mitteln gefördert werden. In einem Bericht des Landes NÖ zur regionalen Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung wird auch detailliert der Nutzen der EU-Förderungen dargelegt. Im Zeitraum 2007 bis 2013, also der offiziellen Laufzeit eines EU-Förder-Programms, seien Gesamtinvestitionen von einer Milliarde Euro in rund 7.500 geförderten Projekten angestoßen worden. Grundgedanke dabei ist, dass sich die Projektbetreiber Förderungen vom Mitgliedsstaat und der EU holen. Für den genannten Zeitraum weist der Bericht im Bezirk St. Pölten-Stadt 31 Projekte aus, welche mit rund 25 Millionen Euro Gesamtförderungen unterstützt wurden – knapp 13 Millionen davon waren aus EU-Fördertöpfen. Die Projekte sind dabei vielfältig und bunt. Das Technologie- und Forschungszentrum Wiener Neustadt wird genauso als „Best Practice“-Beispiel dargestellt, wie die Investition in neue Produktionsabläufe bei der Brauerei Zwettl, die Neugestaltung des Hauptplatzes in Herzogenburg, der Ausbau des Hotels beim Sole-Felsenbad Gmünd oder der Hochwasserschutz für Pöchlarn. Für alle diese Projektbetreiber ist die Geschäftsstelle für EU-Regionalpolitik wohl ein willkommener Gesprächspartner. Das Ziel dieser Landeseinrichtung ist es, die von der EU bereitgehaltenen Regionalförderungsmittel durch Einsatz von Fachleuten möglichst vollständig auszuschöpfen und so wirksame Impulse für die Entwicklung des Landes und seiner Teilregionen zu geben. Auch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, also etwa mit der Tschechischen Republik, ist eine wesentlichen Aufgabe dieser bereits 25 Jahre alten Einrichtung. Brüssel Calling Sein 25-Jahr-Jubiläum feiert heuer auch das vom Land NÖ in Brüssel eingerichtete „Verbindungsbüro“. Was nach Agententhriller klingt, hält

INFORMIEREN UND NACHFRAGEN. Zahlreiche Broschüren informieren im Regierungsviertel über die EU. Sind Fragen offen, steht ein Telefon bereit für den heißen Draht nach Brüssel. auch im Englischen sein Versprechen – das „Liaison Office“ nimmt spezifische Interessen des Bundeslandes in Brüssel wahr und erfüllt unterschiedliche Aufgaben mit EU-Bezug. So soll das NÖ Verbindungsbüro in Brüssel (kurz NÖVBB) frühzeitig erkennen, welche Entscheidungen die Interessen des Bundeslandes betreffen und wieweit auf Entscheidungsabläufe Einfluss genommen werden kann. Infos fließen also einerseits an das Amt der NÖ Landesregierung, andererseits aber auch in möglichst verständlich aufbereiteter Form an die Landesbürger direkt. Generell will das Büro auch Wesen und Funktion der EU vermitteln, etwa durch die Betreuung von Besuchergruppen aus NÖ in Brüssel oder durch Informationsveranstaltungen daheim im Bundesland. Auch Partnerschaften, etwa mit anderen Regionen, werden vom NÖVBB betreut. Zudem tritt es als „Partnervermittler“ für heimische Akteure auf, wenn diese einen Projektpartner aus einem anderen EUMitgliedsstaat benötigen, um an gewisse EU-Fördertöpfe ranzukommen. Mitreden Doch welche Beziehung ist das eigentlich, zwischen der EU und dem Land Niederösterreich? Die Republik Österreich besteht aus Bundesländern. Diese sind tatsächlich Staaten, können beispielsweise auch

selbständig Staatsverträge schließen. Die Landeshauptfrau vertritt Niederösterreich in seinen Außenbeziehungen, so auch gegenüber der EU. Ein fixes Gremium dafür ist etwa der Ausschuss der Regionen. Das Gremium berät die Europäische Kommission, den Rat der EU und das Europäische Parlament insbesondere bei jenen Rechtsvorschriften, die lokale und regionale Gebietskörperschaften betreffen. Niederösterreich wird auch dort von der Landeshauptfrau und zusätzlich von Landesrat Martin Eichtinger vertreten. Darüber hinaus gibt es noch andere Netzwerke, teils auf Ebene der Politik, teils auf Ebene der Verwaltung, die sich laufend austauschen und meistens durch gemeinsame Sprach- und Kulturkreise verbunden sind. Häufiger Austausch findet etwa mit den Nachbarn in Bayern und Südtirol statt, dabei werden gemeinsame Anliegen identifiziert und vorangetrieben. Natürlich räumt auch die Bundesverfassung den Ländern Mitwirkungsrechte bei der Gesetzgebung ein. Niederösterreich kann sich also auch in jene Prozesse einbringen, die letztlich EU-Recht erzeugen, das dann in der ganzen Union gilt. Der Bund muss die Länder über alle Vorhaben, die ihre Interessen oder Wirkungsbereiche berühren, informieren und die Stellungnahmen der Länder bei Verhandlungen und AbstimMFG 03.19

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MFG URBAN mungen auch beachten. Bindend sind die Stellungnahmen nur teilweise, realpolitisch haben die Meinungen der Länder aber immer großes Gewicht. Ein Klassiker dabei ist auch die Subsidiaritätsprüfung, dabei rügen die Länder ein Vorgehen der EU, das nicht dem Prinzip der Bürgernähe entspricht. Grundsätzlich will die EU nämlich nur regeln, was durch sie sinnvoll zu regeln ist. Ist eine Regelung sinnvollerweise besser bei den nationalen Parlamenten (also dem Nationalrat) oder den regionalen Parlamenten (also dem Landtag) aufgehoben, so sollte es auch nur dort beschlossen werden – und nicht in Brüssel. Verletzungen dieses Prinzips können die Länder zum Gegenstand einer Stellungnahme machen. Mehr oder weniger Europa? Am 26. Mai 2019 findet in Österreich die Wahl der Abgeordneten zum Europäischen Parlament statt. Die heimischen Parteien nominieren Kandidaten, die für die nächsten fünf

EUROPA DAHEIM – NÖROPA

Jahre im gemeinsamen Parlament aller Mitgliedsstaaten der Union die direkte Volksvertretung übernehmen. Das Parlament hat sich in den letzten Jahren zunehmend aktiver gezeigt und mehr Einfluss auf den politischen Diskurs in Europa ausgeübt. Viele Entscheidungen werden mittlerweile (auch) im Parlament getroffen, wenngleich weiterhin die Regierungen der einzelnen Mitgliedsstaaten das Tempo und die grundsätzlichen Entscheidungen der EU bestimmen. Anders als bei der Nationalratswahl gibt es für die Wahl im Mai keine Landeswahlkreise, sondern nur einen Bundeswahlkreis. Und obwohl es eine „Europawahl“ ist, präsentieren die Parteien dennoch ihre „regionalen“ Kandidaten mit starkem Bundeslandbezug – quasi als Zugpferde vor Ort. Für die ÖVP ist Lukas Mandl der NÖ-Spitzenkandidat. Sein Startvorteil: Er ist bereits Abgeordneter im Europaparlament. Aus Termingründen stand er uns für ein längeres Gespräch nicht zur Verfügung,

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ließ jedoch wissen: „Im Europa-Parlament darf ich das heutige Europa, das ein Geschenk der Generationen für uns ist, für die Generation meiner Kinder weiterentwickeln. Das treibt mich an.“ Intensiv beschäftigte sich Mandl mit der Trinkwasserversorgung und dem Freiwilligensystem bei Feuerwehren und Rettung. Zur Tatsache, dass die eigene Partei mit der populistischen FPÖ in einer Bundesregierung sitzt, meint er: „Im Europa-Parlament gibt es keine Koalition. Mir sind Symbole wichtig. Dass manche sich demonstrativ hinsetzen, wenn die Europahymne erklingt, zeugt von schlechtem Benehmen und einer falschen Einstellung.“ Auch die NEOS haben mit Ulrich Mayer einen Kandidaten aus NÖ im Angebot – wenngleich er sich auf Listenplatz 11 befindet und seine Chancen auf einen Einzug somit nur theoretisch sind. Die Grünen hatten bis zum Redaktionsschluss ihren NÖ-Spitzenkandidaten noch nicht präsentiert.

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Grund zur Freude hatte dieser Tage Andreas Purt, Geschäftsführer des Mostviertel Tourismus. „Mit 1.145.988 Nächtigungen hatten wir das beste Ergebnis seit Aufzeichnungsbeginn im Jahr 1992 – das ist ein all time high!“

K

lassenbester“, wenn man es so formulieren möchte, war in absoluten Zahlen eindeutig die Landeshauptstadt mit über 83.000 Ankünften und 174.798 Nächtigungen. Das bedeutet ein Nächtigungsplus von fast 30% gegenüber dem Vorjahr! Einen der Hauptgründe ortet Purt in den neuen Low Budget Hotels St. Pöltens, „Das Alfred“ und „MOTEL 267“. „Die beiden neuen Hotels sind mit Sicherheit die großen Treiber bei den Nächtigungszuwächsen! Ab Juni („Das Alfred öffnete im April, Anm.) gab es ordentliche Nächtigungssteigerungen in allen Monaten!“ Bürgermeister Matthias Stadler verweist zudem auf die städtischen

Maßnahmen wie „gezielte Investorensuche, Etablierung eines Incoming Reisebüros & Convention Bureaus, die Auflage neuer Prospekte, die Bewerbung auf internationalen Messen sowie die bessere Vernetzung der Beherbergungsbetriebe in der Stadt durch das Tourismusbüro.“ Wie Purt führt er zudem die diversen Großveranstaltungen wie Ironman, Frequency oder das Ö3 Weihnachtswunder als Zugpferde an, was im Umkehrschluss auch der neue Besucherrekord im VAZ St. Pölten mit über 600.000 Besuchern im Jahr 2018 nahelegt. Auffallend für Purt sei zudem, „dass Gäste auch gerne einen Tag anhängen. Als Stop Over Station für

FOTO: MATTHIAS KÖSTLER

TOURISMUS BRUMMT

Besucher aus den östlichen Nachbarländern, z. B. Polen oder Ungarn, scheint St. Pölten an Attraktivität zu gewinnen.“ Last but not least könne man vom Tourismuserfolg auch auf eine prosperierende Wirtschaft schließen. „Der Wirtschaftsstandort St. Pölten scheint sehr stark zu brummen, da viele Seminare, Kongresse und Wirtschaftsnächtigungen in der Region stattfinden!“ Angesichts Ambitionen wie Europäische Kulturhauptstadt könnte dieser Positivtrend ein langfristiger werden!

REKORD. St. Pöltens Tourismus brummt, einer der Bringer: „Das Alfred“

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GELEBTE GESCHICHTE Der Bau der Traisental Schnellstraße (S 34) begleitet dieses Magazin fast seit seiner Gründung. In rund 30 Artikeln kam das Straßenprojekt mit seiner wechselhaften Geschichte vor. Nach der positiv abgeschlossen UVP-Verhandlung ist nun ein Ende in Sicht – oder?

A

m 22. Jänner endete ein weiteres Zwischenkapitel in der schon langen Geschichte der S 34. Seit November lag die Umweltverträglichkeitsprüfung des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie zur öffentlichen Einsicht vor. Im Zuge der mündlichen Verhandlung im Jänner wurden noch einmal strittige Punkte angesprochen, das Gutachten

präsentiert und Gegner des Projektes angehört. Die Asfinag rechnet damit, dass nach Prüfung aller Einwände ein positiver Bescheid erfolgen wird. „Die Gegner hatten die Möglichkeit ihre Stellungnahmen abzugeben und Bedenken ausführlich zu äußern“, so Leopold Lechner, Projektleiter bei der Asfinag. Durch die sehr lange Dauer sei die Straße eines der am besten geOberwagram Krems

ST. PÖLTEN

Gerersdorf

Anschlussstelle St. Pölten Ost

B1

B1 Anschlussstelle B1 Nadelbach

S 34

Stattersdorf

Knoten A 1 / S 34 L5160

Anschlussstelle Völtendorf

Völtendorf

B 20 Spange Wörth (Land NÖ) L5181

Halbanschlussstelle Hart

Wolfenberg Alt-

Wetzersdorf

Reitzing

L5105

L5107

St. Pölten / Hafing (B 1) – Knoten St. Pölten / West (A 1) – Wilhelmsburg Nord (B 20)

am Steinfelde

Gasten

Gesamtlänge:

Kreisberg

L5183

Steinfeld L5188

S 34 Handelberg L5188

L5102 L5116

Eggendorf Ganzendorf

ca. 9,0 km

Legende: Trasse in Planung Anschlussstelle Netzergänzung Landesstraßennetz

Anschlussstelle Wilhelmsburg Nord (B 20) Wegbach

WILHELMSBURG

Wilhelmsburg

B 20 0

500 m

1 km

Lilienfeld ASFINAG 04 - 2016

26

S 34 – A K T U E L L E R S TA N D Gesamtlänge 9 Kilometer Gesamtkosten ca. 196 Millionen Euro Geplanter Baubeginn B 1 bis zur Spange Wörth 2020 Geplante Fertigstellung B 1 bis zur Spange Wörth 2022 Geplanter Baubeginn Hart bis zur B 20 bei Wilhelmsburg Nord 2022

L5185

Pömmern

Bedenken Die Gegner der Bauprojektes kom-

L5108

Getzersdorf L5109 Schnabling

S 34 Traisental Schnellstraße

-Hart

St. Georgen

N

L5103

Brunn

Harland

L5102

S 34

L5185

L5101

Anbindung Betriebsgebiet

L5183

Badendorf

A1

L5102

Neu-

Gröben

Neustift

Wien

Knoten St. Pölten

Spratzern

B 39

Kotting

L5102

L5106

S 34

Gattmannsdorf

Abschnitt 2

Anschlussstelle St. Pölten Süd

Schwadorf

Harlander Bach

A1

Linz

S 33

L5101

L5151

Pummersdorf

B 39

HART (L5185) - WILHELMSBURG NORD B20)

B 1a

Traisen

L5151

Hafing

L5158

Traise n

Abschnitt 1

ST. PÖLTEN/HAFING - HART (L5181)

Eggsdorf

prüften UVP-Projekte. Dennoch rechnet er mit einer Beeinspruchung des Bescheids: „An sich ist das üblich – die letzten zehn UVP Verhandlungen sind beeinsprucht worden.“ Auf die Asfinag wartet, abgesehen von der möglichen Beeinspruchung eines Baubescheids, noch viel Arbeit bevor an den Baubeginn zu denken ist. Kaufverträge mit Zuschlägen für die Abwertungen der Felder müssen abgeschlossen werden und das Land Niederösterreich muss noch Landesstraßenverfahren und Umweltprüfverfahren abwickeln. Dann erst können alle Unterlagen in ein Bauprojekt zusammengefasst werden, das die Grundlage für die Bauausschreibung bildet. Sollte gegen einen etwaigen positiven Bescheid Einspruch erhoben werden, rechnet Lechner nicht vor 2021 mit dem Baubeginn.

ASFINAG 03 - 2017

Geplante Fertigstellung Hart bis zur B 20 bei Wilhelmsburg Nord 2024


TEXT: SASCHA HAROLD | FOTOS: ASFINAG, MARTIN SCHIMUNEK/ZVG

men aus verschiedenen Initiativen und haben sich gegen das Großprojekt zusammengeschlossen. Einige kämpfen bereits seit Jahren gegen den Bau der S 34. Bernhard Higer vom Verein Lebenswertes Traisental ist einer von ihnen. Er sieht im Bau der Schnellstraße vor allem ein politisches Projekt. „Würde die Republik ihre eigenen Versprechen und Anliegen Ernst nehmen, würde die S 34 nicht gebaut werden. Sie widerspricht den Klimazielen, der Alpenkonvention, der Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene und wurde nicht rechtmäßig in das Bundesstraßengesetz aufgenommen“, so Higer, der gemeinsam mit vielen anderen Initiativen alle zur Verfügung stehenden Rechtsmittel ausschöpfen möchte. Die größten Kritikpunkte, die bei der UVP-Verhandlung debattiert wurden, betreffen den Flächenverbau des Projekts, die Absenkung des Grundwassers und erhöhte Lärm- und Luftbelastung, die aus dem zu erwartenden Verkehrsaufkommen resultieren. Auch die Radlobby St. Pölten, die sich für die Stärkung des Radverkehrs in der Stadt einsetzt, hat sich gegen das Verkehrsprojekt gestellt. „Die S 34 ist zwar nicht das Kernthema der Radlobby, aber grundsätzlich stehen wir für eine Verlagerung vom PKW zum Fahrrad – das Projekt geht da genau in die verkehrte Richtung“, ist Maria Zögernitz von der Radlobby überzeugt. Die ökologischen Bedenken der Gegner kontert die Asfinag mit dem Ankauf von ökologischen Ausgleichsflächen, die auch außerhalb der Trassenbereiche in einem Korridor von rund einem Kilometer um die S 34 angekauft würden. Dass diese Ausgleichsflächen entscheidend gegensteuern können, bezweifeln wiederum die Landwirte, die den dadurch noch gesteigerten Flächenverlust beklagen. „Die ganze Last der enormen FlächenInanspruchnahme für das Projekt S 34 müssen die landwirtschaftlichen Familienbetriebe tragen, sie bleiben dadurch im wahrsten Sinne des Wortes verstümmelt auf der Strecke“, führt Anton Hieger, Bauernbund-Obmann St. Pölten aus.

Kulturhauptstadt? Die Politik steht weiterhin mehr oder weniger geschlossen hinter dem Projekt. Auf Landesebene stemmen sich einzig die Grünen gegen das Projekt, erst im Jänner wurde ein Antrag auf Einstellung des Bauvorhabens gestellt, der von den anderen Fraktionen aber nicht unterstützt wurde. Der zuständige Landesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP) ist jedenfalls von der Sinnhaftigkeit des Projektes ebenso wie seiner umsichtigen Umsetzung überzeugt. „Ich habe großes Verständnis dafür, dass Grundeigentümer und Anrainer dieses Projekt einer genauen Prüfung unterziehen. Genau diese Prüfung passiert im Rahmen des laufenden UVPVerfahrens, welches vom Bundesministerium durchgeführt wird. Es liegt daher in der Verantwortung der ASFINAG als Projektwerberin die Umweltverträglichkeit fachlich zu gewährleisten, auf Bedenken entsprechend einzugehen und die Vorteile des Projekts darzulegen. Hier sprechen wir etwa von einer besseren Anbindung des Traisen- und Gölsentals an den Zentralraum und einer Verkehrsentlastung für die Landeshauptstadt.“ Auch seitens der Stadt wird das Projekt nach wie vor als zentral erachtet. „Die an der Erstellung des Generalverkehrskonzeptes beteiligten Verkehrsexperten und Stadtplaner

sind sich einig, dass dieses Straßenprojekt für die positive Entwicklung der Stadt notwendig und sinnvoll ist“, so Bürgermeister Matthias Stadler, der zum Bau der Straße keine Alternative sieht. Die Zunahme des Verkehrs, die von Gegnern ins Treffen geführt wird, sei ein weltweites Phänomen, das von St. Pölten nicht gelöst werden könne, indem die S 34 nicht gebaut wird. Und auch Nationalrat Robert Laimer, der im Verkehrsausschuss des Parlaments sitzt, ist überzeugt „dass die S 34 für die weitere dynamische Entwicklung der Landeshauptstadt sowohl in verkehrspolitischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht unerlässlich ist!“ Naturgemäß anders sieht das die Gegenseite, die nun die Bewerbung als Kulturhauptstadt ins Spiel bringt. Die Straße, so die Argumentation, gefährde nicht nur die Natur, sondern die gesamte Kulturregion St. Pölten und untergrabe zudem eine nachhaltige Klimapolitik. Alternativen sehen die Initiativen vor allem im stärkeren Ausbau des öffentlichen Verkehrs – etwa der Traisentalbahn – und in der Förderung des Radverkehrs. Dass das Projekt noch scheitert, ist aus heutiger Sicht aber wenig realistisch. Sollte ein positiver Baubescheid erfolgen, wäre das – Einspruch oder nicht – wohl eines der letzten Kapitel in dieser nun schon lange dauernden Geschichte.

STOP S 34. Verschiedenste zivilgesellschaftliche Initiativen aus der Region St. Pölten machen gegen die S 34 mobil und fordern „klimaschonende Mobilität“.

MFG 03.19

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MFG URBAN

GELEBTE GESCHICHTE

H I S T O R I S C H E M F G - Z I T AT E Z U M B A U D E R S 3 4 „Die Traisental-Schnellstraße bringt eine zusätzliche Verkehrsbelastung mit sich.“ Prof. Hermann Knoflacher, TU Wien, 2006 „Knoflacher braucht keiner!“ Karl Bader, Bürgermeister Gölsen, 2006 „Das Projekt S 34/B 334 ist ein politisch verordnetes und kommt nicht aus den Bedürfnissen der hier lebenden Menschen.“ Bernhard Higer, Stopp Transit S34 (heute Verein Lebenswertes Traisental) 2008 „2014 startet der vierspurige Ausbau der S 34 Völtendorf-A 1-B 1“ Erwin Pröll, Landeshauptmann i.R., 2011 „Jeder Euro, der heutzutage in Autobahnen investiert wird, ist ein vergeudeter Euro.“ Harald Frey, Verkehrsplaner TU Wien, 2011 „Durch die S 34 wird eine leistungsfähige und verkehrssichere Anbindung des Traisentals an die hochrangige Verkehrsverbindung A 1 Westautobahn sichergestellt.“ Leopold Lechner, Projektleiter ASFINAG, 2013

„Die S 34 bringt zusätzlichen Lärm, Abgase, mehr Unfälle auf der B 20 und mehr Stau im Gesamtraum St. Pölten (…).“ Harald Frey, TU Wien, 2013 „Es geht nicht darum, ob ich persönlich für oder gegen den Bau der S 34 bin.“ Matthias Stadler, Bürgermeister St. Pölten, 2013 „In Zeiten, in denen Ressourcen – egal ob Treibstoff oder Geld – immer knapper werden, ist ein solches Verkehrsprojekt schlicht dumm.“ Nicole Buschenreiter, ehemalige Gemeinderätin Die Grünen, 2015 „Wir sind nicht prinzipiell gegen die S 34.“ Matthias Adl, Vizebürgermeister St. Pölten, 2016 „Die ganze Last der enormen Flächen-Inanspruchnahme für das Projekt S 34 müssen die landwirtschaftlichen Familienbetriebe tragen (…).“ Anton Hieger, Bauernbund-Obmann St. Pölten, 2019 „Für die Entlastung der Bevölkerung ist die S 34 unerlässlich.“ Matthias Stadler, Bürgermeister St. Pölten, 2019


J E TZ T N E U

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TROCKEN IM GESCHMACK

M SAFT E D T I M HIGER C S I E L F ROT ÄPFEL


MFG URBAN ANCHORMAN MARTIN THÜR

ENDLICH BEIM RICHTIGEN SENDER

In Österreichs Wohnzimmern ist Martin Thür längst kein Unbekannter. Nach Jahren als Aushängeschild des Privatfernsehens, ist der mehrfach ausgezeichnete Fernsehjournalist und Anchorman nun an prominentester Stelle beim ORF gelandet. Ein Portrait über das neue Gesicht der ZIB 2 – und was das alles mit seiner Heimatstadt St. Pölten zu tun hat. 30


TEXT: MICHAEL MÜLLNER | FOTOS: ELIAS KALTENBERGER

D

er Weg auf den Küniglberg führt uns durch schmale Gassen und neugeschaffene Einbahnen, von denen unser Navi nichts weiß. Mitten im Wohngebiet erhebt sich dann Österreichs Medientempel beeindruckend über die Bundeshauptstadt. Hier also sitzt sie, die geballte Macht des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Hier arbeiten mehr als tausend Menschen Tag für Tag, um unser Land zu unterhalten und zu informieren. Hier gehen Fernsehstars ein und aus. Als wir am Gebäude vorbeifahren, blickt ein junger Mann von einem riesigen Plakat auf uns herab: Martin Thür posiert neben dem Claim der aktuellen Kampagne – ORF. WIE WIR. Wie geht es einem, wenn man am täglichen Weg in die Arbeit als Testimonial des Dienstgebers auf Besucher und Arbeitskollegen blickt? „Desto mehr mit einem geworben wird, desto höher wird ja auch die Fallhöhe, wenn etwas schiefgeht. So gesehen wäre ich nicht traurig gewesen, wenn der ORF das etwas reduzierter angegangen wäre. Es war ein gewisses Risiko für das Haus, aber auch für mich. Jetzt, wo der Start gut gelungen ist, überwiegt aber natürlich schon die Freude, dass sich das Haus auch von Anfang an so prominent zu mir bekannt hat.“ Martin Thür ist zwar neu im ORF, aber nicht neu für Österreichs Fernsehpublikum. Der 36-Jährige war 15 Jahre beim österreichischen PrivatFernsehsender ATV und dort maßgeblich für die Informationsschiene des Senders mitverantwortlich. Er war das Gesicht des Privatfernsehens in diesem Land, besonders dann, wenn es um Wahlberichterstattung geht. Ein Fernseh-Vollblut-Profi also. „Diese ein bis zwei Minuten, wenn du allein im Studio stehst und weißt, jetzt gehst du das erste Mal mit der ZIB 2 am Sonntagabend für den ORF on air, jetzt gilt es… da ist mir schon ordentlich die Pumpe gegangen. Aber sobald das Rotlicht da war, war das alles weg und du machst einfach ganz normal deine Arbeit.“ Nicht gerade unerfahren Normal heißt in diesem Fall halt auch, dass neben den zwei Kameraleuten im Studio auch 894.000 Menschen vor

ALS MANN BEIM FALSCHEN SENDER bezeichnete Armin Wolf einst Martin Thür, als dieser noch für den Privatsender ATV tätig war. Quasi ein Ritterschlag. den Bildschirmen Thür bei seinem ersten Einsatz für den ORF zugeschaut haben. Jede ZIB 2 hat als Herzstück ein Live-Interview – neben Thür nahm niemand geringerer als Infrastrukturminister Norbert Hofer Platz. Was uns gleich zur nächsten Frage bringt: Wie bereitet man sich eigentlich auf Interviews vor – und sind Politiker besonders mühsam zu interviewen? „Ich bin ja nicht gerade unerfahren in der Innenpolitik. Norbert Hofer habe ich schon oft interviewt, nicht zuletzt dank des sehr speziellen Präsidentschaftswahlkampfes 2016. Dennoch bereitet man sich auf ein sechs bis sieben minütiges Interview stundenlang vor, an einem Sendungstag investiere ich rund 70 Prozent meiner Arbeitszeit für die Vorbereitung des Interviews. Man liest so viel über den Gesprächspartner. Meistens habe ich für so ein Gespräch dann einen Fragenkatalog, der zwei bis drei A4Seiten füllt. Das muss man im Gespräch dann auch alles spontan abrufen können, gerade wenn es um Zitate oder Fakten und Zahlen geht, müssen diese sitzen. Je nach den Antworten des Gesprächspartners ergeben sich dann Eventualfragen. Vorbereitung ist also das Um und Auf. Bei Politikern ist es meistens so, dass sie zu jedem Thema schon oft befragt wurden und man sich auf die Antworten einstellen kann. Da kann man sich dann überlegen, wenn er X antwortet, dann frage

ich ihn Y. Politiker sind Profis und daher sind ihre Reaktionen durchaus vorhersehbar. Schwieriger wird es aber bei anderen Menschen, die wenig oder gar keine Interviewerfahrung haben. Da ist es dann die Kunst sich auf seinen Gesprächspartner einzustellen. Man braucht Gespür. Wie nimmt man Nervosität? Wie liefert man Fragen, auf die man spannende Antworten bekommt? Es ist ein Handwerk.“ Dabei gerät Thür auch ins Schwärmen. An Armin Wolf bewundere er, wie er trotz jahrelanger Erfahrung noch immer derart präzise informiert in seine Interviews geht. An Lou Lorenz-Dittlbacher bewundert er ihre Fähigkeit sich blitzschnell auf Gesprächspartner einzustellen. Doch nicht nur den beiden österreichweit bekannten ZIB-2-Präsentatoren streut er Rosen. Dem ganzen Team ist er dankbar. „Ich hatte ein bisschen die Sorge, dass es ganz schlimm wird. So nach dem Motto, da kommt einer von außen? Na den schauen wir uns mal an… Tatsächlich habe ich mich sehr gut aufgenommen gefühlt. Ich bin wirklich beeindruckt von der unglaublichen Qualität der Arbeit, die in diesem Haus geleistet wird.“ Wobei gerade die Größe des Hauses die Frage aufwarf, ob man denn einen Nicht-ORFler wie Thür überhaupt für den Job brauche. „Manche im ORF tendieren dazu, dass sich immer alles im Haus selbst entwickeln muss. Ich MFG 03.19

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MFG URBAN hingegen bin überzeugt, dass eine gute Mischung den Erfolg bringt. Kommt jemand wie ich von außen herein, so wird die ganze Arbeit vielfältiger, man hinterfragt Dinge in einem positiven Sinn. Ich wurde etwa schon gefragt, wie ich gewisse Visualisierungen zustande gebracht habe – meine Antwort war, ich habe es einfach gemacht und hatte gar nicht am Schirm, dass das möglicherweise nicht gehen könnte.“ Ganz anders machen Das Einfach-machen ist wohl generell eine Grundhaltung von Thür. Vor seinem Wechsel zum ORF war er rund ein Jahr für Addendum tätig. Davor fünfzehn Jahre lang bei ATV. Sein Steckenpferd ist die Wahlberichterstattung. Thür ist in Journalistenkreisen berühmt für seine Excel-Listen. Wenn es um Wahlen in diesem Land geht, dann gibt es wohl kein Detail, das Thür nicht schon in Tabellenform erfasst und ausgewertet hätte.

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Doch woher kommt dieses Faible? „Bei ATV hatten wir defacto nichts, darum war es so spannend, hier eine neue Form der Wahlberichterstattung aufzubauen. Die erste Frage war, wie kommen wir am Wahltag an die offiziellen Daten, wie werten wir sie aus und bringen sie auf Sendung? Wir haben uns angeschaut, wie der ORF das macht und hatten dann zwei Ziele: Wir wollten es ganz anders machen, auch vom Erzählerischen. Und wir wollten schneller sein. Eben ein echtes zweites Angebot schaffen. Ja und dann ist es auch offen gestanden so, dass ich diese drei, vier Monate vor einer Wahl wirklich liebe. Ich mag diese wahnsinnige Aufgeregtheit, dass in dieser Zeit wirklich alles dramatisiert wird.“ Apropos Politik. Wie ist das denn jetzt wirklich mit den politischen Interventionen? „Da haben viele Leute eine falsche Vorstellung. Es ist ja nicht so, dass dich jemand anruft und dir sagt, das du etwas nicht berichten darfst.

Natürlich gibt es nach einer Sendung schon mal Feedback. Das ist aber auch völlig okay. Jeder kann meine Arbeit bewerten und sachliche Kritik üben. Es ist auch ein berechtigtes und übliches Spiel zwischen Journalisten und Pressesprechern, dass der Sprecher will, dass die Politik möglichst gut vorkommt. Aber das spielt für uns Journalisten keine Rolle. Ja, die Politik kann schon mal gut wegkommen, kein Thema. Aber es ist nicht unser Job, dass sie gut wegkommt, ebenso wenig wie es umgekehrt nicht unser Job ist, jemanden fertig zu machen. Wir wollen einfach neutral berichten, was wirklich Sache ist. Ich habe jedenfalls im ORF bis jetzt keinerlei Intervention mitbekommen. Außerdem wird das Thema hier im Haus wahnsinnig ernstgenommen. Die Redaktionen haben viel mitzureden. Ich kenne ja auch die Realität außerhalb des ORFs. Ich erinnere mich an Politiker, die bei meinem früheren Eigentümer angeru-


ENDLICH BEIM RICHTIGEN SENDER

fen haben und verlangt haben, meinen Chefredakteur zu feuern. Das passiert im Privatfernsehen ohne viel Aufsehen. Wenn das beim ORF passieren würde, gäbe es berechtigterweise einen gewaltigen Aufschrei, das würde sich niemand gefallen lassen, dafür machen die Leute hier einen viel zu guten Job.“ Und dennoch sehen viele Menschen die Entwicklung des ORF gefährdet. Blicke nach Ungarn oder Polen lassen Sorgen aufkommen, dass die Politik auch in Österreich den unabhängigen ORF an die Kandare nehmen wird. Thür sieht das unaufgeregt: „Als Mitarbeiter des Hauses warne ich natürlich vor bedenklichen Entwicklungen. Andererseits bin ich sehr stolz auf den breiten Rücken der Mitarbeiter. Da knickt niemand beim ersten Wind ein. Es gibt ein natürliches Spannungsfeld zwischen Medien und Politik, das war schon immer so. Ich werde den Eindruck nicht los, dass es schon immer geheißen hat, so schlimm war es noch

nie. Wir sollten nicht ständig in hyperventilierende Todesangst verfallen.“ Am Puls der Zeit Dennoch ist nicht alles eitel Wonne in der heimischen Medienlandschaft. Thür ist Mitorganisator der Österreichischen Journalismustage, er kennt die Szene bestens und blickt auch über die österreichischen Grenzen hinweg. „Meiner Meinung nach sind leider viele Kollegen in der Branche naiv, wenn es um die Zukunft ihrer Dienstgeber geht. Ich glaube nicht, dass es jedes Medium immer geben wird. Wir sind in einem brutalen, ständigen Überlebenskampf. Die Folge ist, dass wir uns täglich die Puste rauslaufen müssen, sonst werden uns die Leute nicht mehr am Abend einschalten. Und ja, es stimmt, gute Journalisten haben immer einen wahnsinnigen Druck, es ist ein verdammt harter Job und der geht sich nicht aus in 38,5 Wochenstunden. Wenn du an die Spitzenleute unserer Branche denkst, einen Armin Wolf, einen Florian Klenk, eine Anna Thalhammer… die arbeiten alle sechzig Stunden die Woche.“ Was einen Top-Innenpolitik-Journalisten ausmacht? „Du musst ständig am Puls der Zeit sein, du musst immer wissen, worum sich die politische Debatte in dem Land gerade dreht – am besten auch im hintersten Winkel. Wenn du nicht ständig verfolgst, worüber die Leute reden, dann fehlt dir das Basiswissen, dass du abrufen kannst, wenn du dann konkret gefordert bist. Wenn wir ein Interview planen, dann muss ich sofort aus meinem Gedächtnis abrufen können, wo ich nachschaue, wo ich nachlese, was jemand zu einem beliebigen Thema irgendwann irgendwo mal gesagt hat. Das ist die Grundlage für den Job.“ Ein Job, dessen Knochenarbeit hinter der Kamera und damit außerhalb der Wahrnehmung der Zuschauer passiert. Meist wird intensiv über die Studiogäste der nächsten Tage diskutiert. Wer in die ZIB 2 eingeladen wird, ist gerade für dieses Format eine entscheidende Frage. Doch eine Sendung besteht aus mehr als einem Interview. Ein rund zehnköpfiges Team produziert für die ZIB 2 die einzelnen Beiträge,

ZUR PERSON Martin Thür wurde 1982 in St. Pölten geboren und sammelte nach der Matura erste Medienerfahrung bei P3tv. Als Student zog er nach Wien und setzte seine Karriere als Fernsehjournalist bei ATV von 2002 bis 2017 fort. Für das von ihm entwickelte Format „Klartext“ erhielt er 2015 den JuryPreis der ROMY. Seit 2019 präsentiert er die ZIB 2 am Sonntagabend. Seine Bande zu St. Pölten ist Dank Familie und engen Freunden intakt, sein Verhältnis zu St. Pölten sei „typisch“, so Thür: „Ich bin der erste bei jedem St. Pölten-Witz, aber wehe jemand von außen schimpft auf die Stadt, dann verteidige ich sie mit Herzblut!“

die eigenen Geschichten zu den Themen des Tages. Auch Thür ist „Producer“ und produziert Geschichten für die Sendungen unter der Woche. Auf Sendung ist er dann immer am Sonntag – und zusätzlich unter der Woche, wenn er für Lou Lorenz-Dittlbacher oder Armin Wolf einspringt. Gerade dieses Geschichten-Machen ist auch eine Spezialität des gebürtigen St. Pöltners. „Ich habe nach der Matura am Gymnasium aufs Bundesheer gewartet und in dieser Zwischenzeit bei P3tv gearbeitet. Dort habe ich dank Rudi Vajda eine großartige Ausbildung bekommen. Ich denke, in großen Medienhäusern erhält man heute niemals so eine tolle Ausbildung, wie ich sie beim kleinen P3tv bekommen habe, gerade auch im technischen Handwerk, das war schon top. Und ja, man lernt im Lokaljournalismus auch zu Geschichten erzählen. ‚Mach einen Beitrag über die Eröffnung des Möbelhauses.‘ MFG 03.19

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MFG URBAN

ENDLICH BEIM RICHTIGEN SENDER

IM STUDIO MUSS MAN SICH WOHLFÜHLEN. Wie in seinem eigenen Wohnzimmer. Oder, sagen wir lieber, wie im eigenen Arbeitszimmer.

Da musst du dir schon was einfallen lassen, wenn der Beitrag dann auch interessant zum Anschauen sein soll. Mein erster Beitrag drehte sich um das Stadttheater. Der damalige FPÖ-Politiker Hermann Nonner – ich glaube, er war sogar Stadtrat, in St. Pölten wird ja jeder Stadtrat – hatte sich über irgendeine Aufführung aufgeregt oder so etwas. Ja, und da musst du dann was daraus machen.“ Sicherheit und Planbarkeit Das journalistische Erweckungserlebnis lieferte aber indirekt seine Liebe zum Film. Politische Eitelkeiten zwischen roter Stadt und schwarzem Land schienen damals ein Programmkino scheitern zu lassen, was Thür zu einem erbosten Leserbrief an das St. Pöltner Jugendmagazin „Joynt“ veranlasste. „Der Chefredakteur rief mich dann an und sagte, dass aufgrund des abgedruckten Leserbriefs der zuständige Kulturstadtrat Siegfried Nasko mit ihm und mir ein Gespräch führen wollte. Ich dachte: ‚Hey, cool, die Politik hört doch auf ihre Bürger!‘ In Wahrheit hat uns Nasko eine halbe Stunde lang angeschrien, was wir uns eigentlich einbilden. Danach war mir klar, ich mach was mit Journalismus.“ Thür zog bald nach dem Bundesheer nach Wien, schnupperte in ein Studium (Theater- und Kommunikationswissenschaften), heuerte aber dann bei ATV an. Und blieb fünfzehn 34

Jahre. „Als Journalist arbeitest du nie selbständig, du bist immer Teil eines Teams, nie ganz unabhängig. Doch bei ATV konnte ich sehr viel entwickeln und selber auf die Beine stellen. Besonders stolz bin ich auf das Interviewformat Klartext, bei dem ich alles selber entscheiden konnte – sofern ich das Geld dafür auch selber auftreibe.“ Schon bald war ihm klar, dass Privatfernsehen in Österreich nicht refinanzierbar ist. „Ich bin nun ein paar Wochen beim ORF und haben erstmals seit meiner Berufstätigkeit nicht die Sorge, ob es das Unternehmen, für das ich arbeite, in zwei Jahren überhaupt noch gibt. Diese Sicherheit und Planbarkeit haben für mich schon auch einen großen Wert, weil ich es eben überhaupt nicht gewöhnt bin.“ Der ORF sei schon immer irgendwie ein Ziel gewesen. „Obwohl ich sehr gerne bei Addendum war und mich für jedes weitere Medium, das es in Österreich gibt, wirklich freue, war immer klar, dass ich die Chance natürlich ergreife, wenn ich sie bekomme. Da auch im ORF derzeit ein großer Kostendruck herrscht und die Personalsituation nicht einfach ist, ehrt mich umso mehr, dass man mir diese Chance bietet.“ Die Bande zur Geburtsstadt hält Thür weiterhin aufrecht. „Mit dem Zug bin ich im Nu am St. Pöltner Hauptbahnhof. Vor kurzem habe ich entdeckt, dass es eine sensationelle Taktung nach St. Georgen gibt, wo

meine Eltern leben. Rund einmal im Monat bin ich bei meinen Eltern und bekomme natürlich mit, was sich in St. Pölten tut. Außerdem sind viele meiner besten Freunde St. Pöltner. Ich habe einen guten Draht etwa zum SKW. Dass sich nach all den Jahren endlich eine Lösung für den Sonnenpark ergeben hat, das hat mich wirklich unglaublich gefreut. Auch die Tatsache, dass sich St. Pölten um den Titel der Kulturhauptstadt 2024 beworben hat, ist ein gewaltiger Fortschritt, weil damit endlich alle Protagonisten gewürdigt werden, die schon bisher sehr viel geschaffen haben. Ich würde mich freuen, wenn sich St. Pölten durchsetzt!“ Noch eine Leidenschaft darf bei einem Thür-Portrait nicht unerwähnt bleiben: seine Einsätze in den USA. Gerade in Wahlkampfzeiten berichtete er für ATV über das Mutterland der politischen Berichterstattung: „Bei der visuellen Aufbereitung sind uns die Staaten einfach zehn Jahre voraus, was wohl daran liegt, dass sie so ein riesiger, homogener Markt sind, indem man auch einfach mal Dinge ausprobieren kann, woraus Innovationen entstehen, die erst später bei uns ankommen.“ Ob das schon eine Bewerbung als USA-Korrespondent ist? „Nein, ich bin bei der ZIB 2 gerade mehr als glücklich. Ich bin 36 Jahre alt, mal schauen, was die Zukunft bringt. Aber ja, der ORF ist auch dahingehend ein unglaublich attraktiver Arbeitgeber, weil man so ein einzigartiges, riesiges Betätigungsfeld hat. Wer weiß?“

COMING HOME Martin Thür leitet am 24. April, 19 Uhr, in der ehemaligen Synagoge St. Pölten die Diskussion „Europa daheim – Wie können wir den großen europäischen Herausforderungen im Kleinen begegnen“. Es diskutieren der ehemalige EUKommissar und Präsident des Europäischen Forums Alpbach Franz Fischler, die Politikwissenschaftlerin Sonja Puntscher-Riekmann, die Leiterin des Departments Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Uni Krems Ulrike Guerot sowie der Projektleiter der NÖ Kulturlandeshauptstadt St. Pölten GmbH Jakob Redl.


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MFG URBAN INTERVIEW SIEGFRIED NASKO

EIN ROTER SIEHT SCHWARZ

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TEXT: JOHANNES REICHL | FOTOS: KONSTANTIN KULIKOV/ADOBE STOCK, THOMAS LEHMANN/SPÖ PRESSE

Nur knapp 30 Kilometer von St. Pölten entfernt wurde vor 130 Jahren die SPÖ in Hainfeld gegründet. Kaum jemand hat sich damit sowie mit der historischen Entwicklung der Partei in Folge so intensiv auseinandergesetzt wie Siegfried Nasko, der nicht nur jahrzehntelang in verschiedenen politischen Funktionen für die Partei tätig war, sondern auch als einer ihrer renommiertesten Historiker gilt. Wir plauderten mit ihm über den aktuellen Zustand der Partei, Gründe ihres Abstieges, die neue Frontfrau sowie Chancen auf eine Trendumkehr in Zeiten des Rechtspopulismus. Ganz banal gefragt: Wie beurteilen Sie den aktuellen Zustand der SPÖ, die dieser Tage ja ihr 130-jähriges Gründungsjubiläum beging? Die SPÖ ist in meinen Augen in ihrer Geschichte steckengeblieben und präsentiert sich aktuell als Globalisierungs-Modernisierungsverlierer. Man ist stolz auf die Gründungsväter und auf das Erreichte – mit dieser selbstgefälligen Nabelschau hätte man aber spätestens in den 80ern abschließen müssen. Seit damals ist man nicht mehr als Arbeiterpartei wahrnehmbar. Warum gerade Ende der 80er? Durch den Fall des Eisernen Vorhangs hat die neoliberale Globalisierung ihren Siegeszug angetreten und das Fatale war, dass die sozialdemokratischen Verantwortlichen in Europa nicht nur keine Alternative zu dieser Entwicklung geboten haben, sondern ganz im Gegenteil Privatisierungen, Sparprogramme, Entstaatlichung etc. als Zielsetzungen in ihre Programme aufgenommen haben. Die SPÖ hat dadurch in der Nach-Kreisky-Ära sukzessive ihre eigenen Bastionen zerschlagen. Einen letzten „kreativen“, in Wahrheit bitteren Zucker hat diesbezüglich Christian Kern mit seinem Plan A gestreut, in dem es zahlreiche Tabubrüche gab – von der Studienplatzfinanzierung und damit einhergehend Zugangsbeschränkungen des freien Studienzuganges bis hin zu einer „Arbeitszeitflexibilisierung“, die schon bis an die Grenzen des 12-Stunden-Tages gegangen ist, den die nunmehrige Regierung jetzt umgesetzt hat. Aber waren das nicht notwendige

Kompromisse und Zugeständnisse an die Zeit? Die Welt, auch die Marktverhältnisse haben sich geändert. Wie ich den Markt regle – oder nicht – ist aber eine politische Entscheidung. Fakt ist, dass die Sozialisten überall federführend und in Regierungsverantwortung mitgewirkt haben, dass in den letzten Jahrzehnten die Reallöhne stagnierten, der Bildung kein Vorrang mehr gegeben wurde, die Schere zwischen Arm und Reich eklatant auseinandergegangen ist. Man kann sich als Kanzlerpartei nicht bloß des Machterhalts wegen permanent der Verweigerung des Koalitionspartners beugen. Mit einer derartigen Einstellung hätte die Sozialdemokratie 1918/20 wohl nie den 8-Stunden-Tag durchgebracht. 2008 war dann – gerade auch für die eigene Wählerschaft – der Moment des bösen Erwachens. Denn plötzlich wurden Milliarden in die Banken gepumpt, während es vorher keine Millionen für konstruktive menschliche Weiterentwicklung gegeben hatte.

Man hat sich vom ehemaligen Anspruch der aktiven Einbeziehung der Mitglieder und Wähler verabschiedet, auch von eigenen Formaten. Das ursprüngliche Leben in Bildungsvereinen etwa ist komplett erloschen. Die Partei hat keine eigenen Kanäle mehr, es gibt keine eigenen aktiven Arbeiterzeitungen mehr, keine aktive Suche und Einbindung des Nachwuchses und damit auch keine neuen Ideen. Aber es gibt doch nach wie vor die klassischen Sektionen. Die sind aber zu reinen Informationsund PR-Veranstaltungen verkommen, wo referiert wird, was „die Politik“ beschlossen hat, nicht aber ernsthaft gefragt wird, was sozusagen die Basis einbringen möchte und kann. Wenig verwunderlich also, dass auch das keinen mehr interessiert. Dabei hätte die Basis viel einzubringen, gerade etwa in Fragen leistbaren Wohnens – wo etwa ist der soziale Wohnbau geblieben? Es gibt ihn nicht mehr! – oder auch bei der Pflege, Gesundheit etc. Aber ist es nicht geradezu paradox, dass man – wenn ich Sie richtig verstehe – von einer gestörten Kommunikation zur Basis spricht, wo die neuen digitalen Möglichkeiten den direkten Draht zu den Bürgern doch eher erleichtern. Das ist der große Irrglaube. Natürlich erreiche ich heute vermeintlich mehr

Und das haben die Wähler abgestraft? Es machte sich v. a. das Gefühl breit, dass die SPÖ – im bequemen Verlassen auf die Kraft von Titanen wie Benya oder Kreisky in den 70er- und 80er-Jahren – den Bezug zur Basis, zu den Bedürfnissen der Menschen längst verloren hat und die SPÖ-Mannschaft auf Bundesebene zu einer Selffish-Gemeinschaft verkommen ist, der es v. a. um den eigenen Vorteil und Machterhalt geht, während die Basis und ihre Sorgen oft außen vor bleiben. Worin sehen Sie das manifestiert?

HISTORIKER. Kaum jemand kennt die SPÖParteihistorie besser als Siegfrid Nasko. MFG 03.19

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EIN ROTER SIEHT SCHWARZ

Leute, nur „erreiche“ ich sie nicht wirklich – digitale Einladungen etwa können den persönlichen Kontakt nie ersetzen, das ist eine ganz andere Qualität. Und daher ist es auch fatal gewesen, dass die SPÖ aus Gründen der Rationalisierung – schon zuvor – etwa vom persönlichen Kassieren der Mitgliedsbeiträge auf Erlagscheine umgestellt hat. Dadurch ist der unmittelbare Kontakt zu den Mitgliedern, wo man auch geplauscht und hineingehört hat, was die Leute so bewegt, verloren gegangen. Um den kümmert sich aktuell – quasi als letzte Bastion der ehemaligen drei Pfeile der Arbeiterbewegung – nur mehr die Gewerkschaft, die noch Lebenszeichen von sich gibt und am ehesten das repräsentiert, was man früher als sozialdemokratisch und links bezeichnet hat. Aber musste die SPÖ nicht notgedrungen in ihrer Entwicklung in die Mitte rücken – der klassische Arbeiter ist ja, jetzt ganz brutal formuliert, auch im Hinblick auf die zunehmende Digitalisierung und Robotisierung – ein „Minderheitsprogramm“. Der Selbstanspruch der SPÖ war aber immer der einer breiten Volks- und Massenpartei. Die SPÖ hat sich ja sogar selbst – als erster formulierte das Vranzitky – ganz bewusst als „Partei der Mitte“ definiert und aktiv die Mitte gesucht. Das heißt aber nicht notgedrungen, dass man sich von den Arbeitern und dem Wirken für diese verabschiedet – dieser Eindruck ist aber entstanden. Und diesen zuvor als links verorteten Teil der Arbeiterschaft hat – im Übrigen trotz aktuell gegensätzlicher, gar nicht arbeiterfreundlicher Regierungsmaßnahmen – v. a. die FPÖ absorbiert, weil sie mehr um sie gebuhlt hat. Schauen Sie sich an, wie die Freiheitlichen, ja selbst die ÖVP bzw. die Türkisen in klassischen Arbeiterbezirken wie etwa Floridsdorf ambitioniert und aggressiv auftreten – mit viel Jugend, Werbeständen, direktem Kontakt, während die SPÖ an dieser Frontarbeit kein Interesse zu haben scheint, ja eher den Eindruck vermittelt, man möchte gar nicht beim

Leberkäse-Semmel-Essen stören. Weil man sich dafür zu gut ist? Und nicht anders ist die Situation bei den Pensionisten. Auch hier haben „alte“ Sozialdemokraten den Manager-Alptraum an der Spitze der ehemaligen Arbeiterpartei als Verrat empfunden, was zu Frustration geführt hat. Auch hier sind viele zur FPÖ abgewandert. Was meinen Sie mit ManagerAlptraum? Auf der Suche nach personeller Erneuerung hat die SPÖ ja in der NachKreisky-Ära eine nahezu schizophrene Hand geführt. Man kann es als „zukunftsorientiert“ einordnen, dass man frühzeitig Manager an die Spitze holte, es waren allerdings v. a. Manager der Wirtschaft wie Vranitzky, Klima oder Kern. Aber nur weil einer ein guter Wirtschaftsmanager ist, heißt das ja noch lange nicht, dass er eine Partei mit ihren zahlreichen verschiedenen Menschen und Strömungen führen kann. Und allen Berufungen auf die glorreiche Vergangenheit zum Trotz hat etwa auch die Regierung Faymann in ihrer sprichwörtlichen Sparwut – ein banales Beispiel aus persönlicher Erfahrung, das aber schön die Symptomatik illustriert – etwa nicht einmal Geld für den soliden Weiterbetrieb ihres Karl Renner Museums in Gloggnitz locker gemacht. Heute muss man der schwarz-blauen Regierung dankbar sein, dass sie – wie im Übrigen auch das „schwarze“ Land Niederösterreich – auf das RennerMuseum schaut. Wobei mit Pamela Rendi-Wagner ja nun kein Manager, sondern eine Ärztin das Ruder in der Partei übernommen hat. Wobei es ja skurril ist, dass die SPÖ die Neubestellung Rendi–Wagners quasi als Inkarnation des Wieder-Auflebens des Erbes Viktor Adlers feiert, nur weil der auch Arzt war. Erstens war der Armenarzt, und zweitens sollte man sich, wenn man ihn schon „bemüht“, v. a. dessen Grundeinstellung ins Stammbuch schreiben und leben: „Man muss die Menschen gern haben.“ Bei der aktuellen Bundes-SPÖ

hat man eher den Eindruck, dass sie gar nicht so viel mit den Leuten zu tun haben möchte. Wenn Sie mich also fragen, was mit der Bestellung von Pamela Rendi-Wagner neu an die Spitze der SPÖ gekommen ist, dann würde ich das am ehesten mit „Sprachlosigkeit“ beantworten. Sie symbolisiert, dass der Charme der Arbeiterpartei längst vorbei ist und repräsentiert die urbane, höhere Mittelschicht. Das heißt Sie sehen schon in der Wahl der Frontfiguren ein falsches Signal? Auch. Vor allem aber in den Inhalten beziehungsweise den nicht vorhandenen Inhalten. Das ewige Herumfuchteln mit der Nazikeule, das ewige Herumtragen ehemaliger Meriten à la „Wir haben dem Faschismus Einhalt geboten“ und sind deshalb moralisch überlegen, das penetrante Verweisen auf glorreiche Zeiten in den 70erund 80er-Jahren, das versteht etwa die heutige Jugend ja gar nicht mehr. Das beantwortet auch nicht die brennenden Fragen der Gegenwart. Nicht zuletzt fehlen der SPÖ seit Ende der 80er-Jahre zunehmend die Kreativität und das kritische Potential der Künstler. Auch die aktuell an den Tag gelegte Wehleidigkeit in der Opposition sollte man endlich überwinden und nicht ständig vermitteln, was die anderen sozusagen falsch machen, sondern umgekehrt klar machen, was man selbst richtig machen möchte. Dazu bedarf es aber eines stringenten Programms, eines klaren authentischen Zieles! Da sehe ich aber nichts. Vielmehr macht sich der Eindruck breit, dass die SPÖ ihr Gespür für Erneuerung, das sie ehemals auszeichnete, verloren hat und im Maschinenzeitalter stecken geblieben ist. Aber es wurde doch ein neues Programm entwickelt und beschlossen. Schon, aber der ganze Prozess war eine Farce. Und unter der neuen Vorsitzenden wurde der Reformentwurf von Christian Kern und das, was man unter Einbindung der Basis endlich formuliert hatte, gleich wieder aufgeschnürt oder verschoben. Das war ein MFG 03.19

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verheerendes Signal.

BEWEGTE ZEITEN Im Auftrag von SP-Bezirksobmann Karl Gruber gestaltete Siegfried Nasko 1990 in winzigen Räumen in der Hessstraße 6 ein „Museum zur Geschichte der Arbeiterbewegung im St. Pöltner Raum“, das 2005 in den Wilhelm Steingötter-Hof in der Prandtauerstraße 4 mit einer doppelt großen Präsentationsfläche nicht nur übersiedelte, sondern von Nasko in Zusammenarbeit mit Absolventen der New Design University zeitgemäß adaptiert wurde. Im Zentrum symbolisiert die raumgreifende Installation „Bewegte Zeiten“ in drei Abschnitten mit Vitrinen, Exponaten und Dokumenten den Weg der Arbeiterschaft von Rechtlosigkeit und Verfolgung in den 1870er-Jahren bis in die Gegenwart. Besucher können diese Installation auch als Sitzgelegenheit nutzen. Die historischen Gewölbe weisen mit großflächigen Symbolbildern von Otto Rudolf Schatz „Streik“ und „Diktatur“ auf die Emanzipationskämpfe gegen Ausbeutung und für Demokratie hin. Von Rosa Jochmann ist eine im KZ Ravensbrück entstandene Puppe mit Originalhaaren, von Staatskanzler Karl Renner ist ein Gilet, von Vizekanzler Adolf Schärf sind Augengläser, von Bundeskanzler Bruno Kreisky ein Nadelstreifanzug, von Sportminister Fred Sinowatz sein Radfahrer-T-Shirt, von Bundeskanzler Franz Vranitzky ein Gastgeschenk aus Israel und von Bundespräsident Heinz Fischer sein Naturfreunde-Bergpickel ausgestellt. Regionale Einblicke vermitteln abschnittsweise lokale Organisationserhebungsbögen 1911/12, das heute noch bemerkenswerte St. Pöltner SDAP-Parteiprogramm 1919 oder Gemeindepräsentationen zu den Kommunalwahlen 2005 sowie Videos des St. Pöltner Stadtarchivs, während das Hologramm der nachempfundenen Totenmaske von Victor Adler moderne Museumstechnologie nutzt. Um das Museum „Bewegte Zeiten“ in der Prandtauerstraße 4 zu besuchen, ist der Obmann des Vereins zur Geschichte der Arbeiterbwegung Erich Hössinger telefonisch zu kontaktieren unter 02742-352134-12. Bei Voranmeldung sind auch Führungen möglich.

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Wobei die Mitbestimmung der Basis ja doch Eingang gefunden hat. Es ist ja nett, dass das neue 67 Seiten starke Grundsatzprogramm als „Reform“ auch eine schmale Mitbestimmung der Mitglieder ermöglicht, wenn 10% dieser sich auf die Beine stellen. Davon ausgeklammert hat man allerdings gleich einmal die Koalitionsentscheidung – da obliegt es dem Vorstand, ob er die Leute einbinden will oder nicht. Wie ernst nimmt man es dann mit der Mitsprache wirklich, wenn man sie nur hören möchte, wenn sie einem genehm ist? Und im gesamten Konvolut gibt es in Wahrheit keine klaren Wegweiser: Tritt man nun für Umverteilung oder Wohlstandswahrung ein? Für Einzelvorsorge oder Solidarität bis hin zur Selbstaufgabe? Außerdem hat man sich in der Flüchtlingsfrage den Rechten gebeugt – so heißt es im Programm „Integration vor Zuzug“. Das Programm enthält zwar die Klausel, dass die Pensionen weiter garantiert werden, gibt aber keine Antwort auf das „wie“. Gerade hier wäre die Notwendigkeit des Zuzugs zu betonen und auf den durch die Digitalisierung prognostizierten künftigen Mangel nicht nur an manueller Arbeit hinzuweisen. In Wahrheit bleibt man zukunftsorientierte Antworten schuldig, und mit alten Hüten, die man ab und an aus der Mottenkiste hervorzaubert, ist schwer etwas zu gewinnen. Wie wäre denn etwas zu gewinnen Ihrer Meinung nach? Die SPÖ muss sich radikal verjüngen und erneuern, indem sie aktiv ein neues Substrat aufbaut, neue Menschen sammelt, vor allem auch Junge und Frauen einbindet. Sie muss endlich wieder zu- und hinhören, aktiv auf die Leute zugehen – und zwar über die Wahlerfahrung hinaus. Warum wird der Jugend nirgends Priorität eingeräumt? Das ist ein schlimmer Fehler! Selbst die vermeintlich verzopfte ÖVP hat einen 30-jährigen zu ihrem Parteivorsitzenden gemacht, ja sogar zum Kanzler! Die SDAP St. Pölten erreichte im

Schwung der Republikgründung bei den Gemeinderatswahlen 1919 unter Bürgermeister Hubert Schnofl beachtliche 26 Mandate. Seither erfolgte 2016 die 19. Gemeinderatswahl. Im Kontrast zur de facto europaweiten Stagnation hat die SPÖ in St. Pölten unter Bürgermeister Matthias Stadler ihre absolute Mehrheit mit gleichfalls 26 Mandaten gehalten. Ich habe es vermisst, dass bei der Suche nach einer neuen Bundesspitze dieses Erfolgskriterium keine Rolle gespielt hat. Es bedarf jedenfalls wieder schillernder, authentischer Persönlichkeiten mit Charisma an der Spitze – Typen wie vom Schlage des ehemaligen KPÖ-Stadtrates Ernest Kaltenegger in Graz etwa. Menschen, die leben, was sie vermitteln und sagen, und nicht abgehoben und unglaubwürdig wirken. Bleibt als neue Hürde auf diesem Weg der erstarkte Rechtspopulismus, an den man ja die meisten Wähler verloren hat. Wie könnte man die zurückholen? Im Falle der SPÖ muss man als Antwort auf den Rechtspopulismus endlich in die Fußstapfen des englischen Labour-Chefs Jeremy Corbyn treten und sozusagen linkspopulistisch agieren. Die Partei muss endlich wieder klarer, pointierter, unterscheidbarer werden. Schweigen und Stille, wie aktuell an den Tag gelegt, sind jedenfalls auch im Zeitalter der Digitalisierung kein Erfolgsrezept!

„ALTE GARDE“. Nasko fordert seine Partei zu einer radikalen Verjüngung auf.


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DIE GASTRO-KÖNIGIN VON DEN PRINZEN-INSELN Yeliz Zwinz betreibt in St. Pölten fünf Restaurants mit unterschiedlichem Angebot — und es sollen noch mehr werden. Mit dem MFG sprach sie über ihre Leidenschaft, die Gastronomie.

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TEXT: BEATE STEINER | FOTOS: ELIAS KALTENBERGER, BEATE STEINER

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ie serviert fein-aromatischen türkischen Tee mit Gebäck, elegant gekleidet, im eleganten Ambiente ihres Privathauses. Und sie erzählt charmant plaudernd von ihrem Faible für die Gastronomie, fürs Kochen und Bewirten. Yeliz Zwinz ist die perfekte Hausherrin, nicht nur in ihren eigenen vier Wänden, sondern bereits in fünf unterschiedlichen Lokalen in St. Pölten – im Traisenpark mit dem italienischen Restaurant Divino, dem Café Mokka und dem Tex-Mex-Lokal Vamos. Zusätzlich betreibt sie in der Innenstadt das Café Pusch und das Mokka in der Aquacity. „Ich liebe es, gute Sachen zu kochen und zu essen, und ich bin eine leidenschaftliche Gastgeberin“, bestätigt die 40-jährige Senkrechtstarterin in der heimischen Gastro-Landschaft. Die Begeisterung der kleinen Yeliz für Küche und Gaststuben zeigte sich schon vor 35 Jahren auf den Prinzeninseln vor Istanbul. Damals „half“ sie ihren Onkeln in den Fischrestaurants. „Sie hatten die drei besten der Inseln, mein Vater war dort Koch.“ Vor 30 Jahren kam die Familie nach Österreich, der Vater kochte in einem PizzaKebab-Lokal in Tulln. Yeliz träumte weiter von der Gastronomie, lernte den St. Pöltner Klaus Zwinz im Warehouse kennen: „Ich hab’ sofort gewusst, das ist sie, ich will diese Frau heiraten.“ Yeliz sagte nach kurzem Zögern „Ja“, Sohn Klaus-Mert wurde 2011 geboren. „Zwei Jahre danach ist mir zuhause fad geworden“, erinnert sich Yeliz Zwinz. Sie erfuhr, dass TraisenparkManagerin Anita Bräunlich für den künftig vergrößerten Traisenpark ein italienisches Lokal suchte – und schlug zu. „Wir haben 2013 schon investiert, noch vor dem Umbau, also antizyklisch, und waren mit dem ‚Divino‘ bereits fertig, als der Traisenpark 2016 wieder eröffnete“, erzählt Klaus Zwinz, der Mann im Hintergrund des kleinen Gastro-Imperiums, des-

ZWEI BEGEISTERTE GASTGEBER. Yeliz Zwinz mit Koch Hubert Beaumont im Mokka in der Aquacity: „Er kocht sooo gut. Ich schau‘ oft, dass ich zum Mittagessen hier vorbeikomme.“ sen Familie seit 1972 ein Handelsunternehmen führt. „Ich habe mit der Gastronomie nix am Hut, ich bin für die strategische Ausrichtung und die Buchhaltung zuständig“, betont er. Welcher Art die Lokale sind, das ist eher Zufall. Das Divino lief bestens an, es folgte das Mokka, ein Kaffeehaus mit österreichischer Küche. Der Koch des Mokka hatte lange Jahre in Mexiko gelebt und gearbeitet, kannte einen mexikanischen Kollegen – und das Vamos war geboren. Ende vergangenen Jahres kam dann das Mokka in der Aquacity dazu. Das hübsch gestaltete Lokal bietet Speis und Trank für Badegäste, aber auch für Hungrige und Durstige aus der Umgebung. Das alte Café Pusch wird derzeit behutsam renoviert und setzt die Kaffeehaus-Tradition fort. „Mit dem Café Pusch sind wir jetzt ein mittelständisches Unternehmen mit 60 bis 70 Mitarbeitern“, erklärt Klaus Zwinz. Es sollen noch mehr werden, „zwei sind bereits budgetiert.“ In die Gastro-Kette mit den vielfältigen Gliedern würde zumindest ein weiteres Innenstadtrestaurant gut passen, sind Klaus und Yeliz Zwinz überzeugt: „St. Pölten entwickelt sich gut. Wir glau-

Ich liebe es, gute Sachen zu kochen und zu essen, und ich bin eine leidenschaftliche Gastgeberin. YELIZ ZWINZ

ben an die Kulturhauptstadt.“ Das richtige Lokal haben die beiden aber bis jetzt noch nicht gefunden. Erfolg dank persönlichem Einsatz und kluger Strategie Einige Gastro-Konzepte in St. Pölten sind in letzter Zeit nicht aufgegangen, das neue Kuckucksnest und das Egon zum Beispiel sind insolvent und geschlossen. Was also ist das Geheimnis des Zwinz’schen Erfolges? „Am besten funktionieren Betriebe, wenn die Gastronomen ein zweites Standbein, also ein weiteres Lokal, haben oder wenn die Gastwirtschaft so gut bespielt ist, dass auch Leute kommen, wenn sonst nichts los ist“, weiß etwa Mario Pulker, Tourismus-Spartenobmann in der Wirtschaftskammer. Das Gastro-Imperium von Yeliz Zwinz belegt diese Theorie. Das Gastro-Reich ist gut organisiert, mit einem eigenen Liefermanagement. Jeder der fünf Betriebe hat aber ein eigenes Konzept, bietet den Kunden, was am Standort passt: „Keine Hochpreisgastronomie, aber vernünftige Qualität zu leistbaren Preisen“, so die Gastronomin. Und in das Mokka in der Aquacity lockt Koch Hubert Beaumont mit zwei täglich wechselnden Menüs und saisonalen Schmankerln nicht nur Badegäste, sondern auch Beschäftigte und Bewohner der Innenstadt in der Mittagspause. Damit kein Bade-Feeling aufkommt, werden MFG 03.19

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DIE GASTRO-KÖNIGIN VON DEN PRINZEN-INSELN

KOLUMNE TINA REICHL

PAPA

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„Die Pubertät ist das Geschenk Gottes an die Eltern!“, hat mir meine liebe Freundin Uschi einmal verraten. „Denn da werden sie so deppert, dass du froh bist, wenn sie sich endlich schleichen!“ Was aber, wenn Eltern auf einmal flügge werden? Aber beginnen wir ganz von vorne: Aufgewachsen in einer liebevollen Familie war ich die verwöhnte Prinzessin mit blondem Engelshaar par excellence. Mein Vater las mir jeden Wunsch von den Augen ab. Später traf ich meinen Prinzen und zog mit ihm in ein Schloss. Der Vater der Braut war dabei immer an meiner Seite. Und dann? Dann kam die Pubertät! Die Erwachsenen-Pubertät. Dem Vater sprossen neue Haare an den Augenbrauen und allgemein bemerkte ich immer öfter ein Lächeln auf den Lippen, das ich bis dahin nicht wahrgenommen hatte. Am Telefon war er kurz angebunden und nach einiger Zeit verriet er auch den Grund dafür! Die Prinzessin sollte eine neue Stiefmutter bekommen (Schrei-Emoji). Mein Papa kleidete sich neu ein, stürzte sich ins Liebesabenteuer und war nur mehr im Chat. Nicht mehr mir galten seine Love-Emoticons sondern Maria, seiner Angebeteten. Zuerst war ich ein bisschen eifersüchtig, wie es Frauen auf andere Frauen zu sein pflegen. Doch dann besann ich mich und betrachtete meinen Vater näher, wie glücklich er doch war und mit welch sanfter Stimme er zu sprechen pflegte. Und es fiel mir wie Schuppen von den Augen: Der Vater war in der „Papatät“. Das Geschenk Gottes an die Kinder. Denn da werden sie so deppert, dass du dich von ihnen lösen und auf eigenen Beinen dein Leben meistern kannst.

ENTSPANNTE HAUSHERRIN. Yeliz Zwinz empfängt auch in ihrem Heim gerne Gäste. Jeder neue Koch muss hier mit einem Menü bestehen.

sogar die Temperaturen während der Essenszeiten gedrosselt. Yeliz Zwinz besucht täglich alle fünf Lokale, hilft mit, wenn Not an der Frau ist, bespricht Aktuelles mit dem Personal. Apropos Personal. Die gesamte Branche jammert, dass zu wenige Köche, Kellner, Hilfskräfte zu finden sind. Hat Yeliz Zwinz da keinen Engpass? „Klar ist es auch für uns schwer, gute Mitarbeiter zu bekommen. Aber es funktioniert. Vielleicht auch deshalb, weil wir kein klassischer Gastro-Betrieb sind“, meint die Gastronomin aus Leidenschaft. „Die Leute bekommen pünktlich ihr Geld, werden nicht bis aufs Letzte ausgequetscht. Wir sind aber auch wirtschaftlich profitabel. Es ist ein Geben und Nehmen.“ Da kann es schon mal vorkommen, dass die Chefin mit den Nerven fertig ist, weil ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeitern unglücklich ist und sich bei „Unternehmens-Mama“ Yeliz Zwinz ausgeweint hat. „Unsere Angestellten sind Teil unserer Familie. Allerdings landen auch die ganzen Probleme der Mitarbeiter bei mir.“ In der Zwinz’schen Unternehmenskultur gibt es noch ein interessantes Detail: Bevor ein Koch den Job in einem der

Lokale der Gastro-Kette bekommt, muss er die Chefin und ihren Mann von seinem Können überzeugen und bei der Familie zuhause kochen: „Ich würde niemals etwas anbieten, das ich selbst nicht essen würde.“ Erfolg durch Kompetenz und Freude an der Arbeit Yeliz Zwinz strahlt die Freude an ihrer Tätigkeit aus – das ist wohl auch eines der Geheimnisse ihres Erfolges. „Ich gehe jeden Tag mit Freude in die Arbeit. Zuerst bringe ich das Kind zur Schule, darauf kann sich mein Sohn verlassen. Dann gehe ich alle Geschäfte durch, helfe mit, wenn das notwendig ist.“ Ein Kindermädchen kümmert sich am Nachmittag um den begeisterten Jung-Fußballer KlausMert. „Am Abend haben wir dann wieder Zeit füreinander. Das Familienleben kommt nicht zu kurz.“ Im Arbeitsleben hatte sie als Frau noch nie Nachteile. Die Mitarbeiter akzeptieren die Chefin: „Wenn etwas nicht passt, löse ich die Probleme bestimmt aber freundlich. Mein Vorteil ist, dass ich mich auskenne. Ich könnte überall einspringen. Ich verschaffe mir Respekt über Kompetenz.“

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FOTOS: MILKOSAVA/ADOBESTOCK, TORBEN KUHLMANN, MARTIN WÖBER

KOLUMNE THOMAS FRÖHLICH

DER FRÜHE WURM „Ich glaube nicht, dass es eine gute Entwicklung ist, wenn immer weniger Menschen in der Früh aufstehen, um zu arbeiten …“ Es muss heraus: Ich danke unserem Bundeskanzler für diese wahren Worte zur rechten Zeit! Ehrlich! Ich bin nämlich in mich gegangen und habe gänsehäutig festgestellt: Ja, ich bin ein Sozialschmarotzer! Und was für einer! Ich stehe nämlich meistens erst so gegen 8 Uhr morgens auf, manchmal sogar noch später. Gut, ich hackel mitunter auch bis in die Nacht hinein – das ist aber, bundeskurz gesagt, blunzn! Denn der frühe leistungsgeile Vogel – und nur der – fängt den verdauungswilligen Frühstückswurm. Nachttaxifahrer, Kellnerinnen in Lokalen, die nicht schon um 16 Uhr schließen, überhaupt alle, die weit nach der Normarbeitszeit von 8 bis 4 (an die eh nur noch weltfremde Wappler glauben) ihr täglich Brot verdienen und deswegen u. U. später aufstehen: samt und sonders arbeitsscheues G’sindl! Beispiele? Schauen Sie sich doch Winston Churchill, Helmut Schmidt, Simone de Beauvoir oder Albert Einstein an: alles verbürgte Langschläfer! Was hätte aus denen werden können, wenn die Penner früher aufgestanden wären. Da lob‘ ich mir doch meine Lieblings-Nachbarin: Die hat mitten in unserer Wohngegend einfach ein privates Hundehotel hochgezogen. Und Punkt 6 Uhr früh lässt sie ihre durchwegs unerzogene und dauerkläffende Meute ins Freie. An Schlaf ist in der näheren Umgebung nicht mehr zu denken. Daher: Bitte, lieber Herr Kanzler, verleihen Sie dieser Frau einen Orden! Sie öffnet uns die Augen. Täglich. Frühmorgens. In diesem Sinne: Wuffwuff und kikeriki!

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DER MANN IM MOND

ie Mondlandung gehört zu jenen historischen Momenten, die sich wie der Fall des Eisernen Vorhangs, Tschernobyl oder 9/11 ins kollektive Gedächtnis eingegraben haben. Jeder Zeitzeuge weiß, was er an diesem Tag getan hat. In diesem Fall saßen die meisten gebannt vorm Fernseher, der freilich noch nicht in allen Haushalten Einzug gehalten hatte, weshalb die Mondlandung zum kollektiven Happening mutierte. Beim ehemaligen Elektro Reichl etwa trafen sich Jugendliche, die der Junior des Hauses ins Geschäftslokal eingeladen hatte, weil man dort

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das Ereignis schon in Farbe betrachten konnte! Der ORF übertrug die Mission der Apollo 11 im Übrigen unglaubliche 28 Stunden und 28 Minuten live! Was aus dem Mann im Mond wurde, diskutiert Reinhard Linke am 26. März im Rahmen des Zeitzeugen-Forums „Erzählte Geschichte. Mondlandung“ im Haus der Geschichte mit Astronom und Science-Buster Florian Freistetter, Kulturwissenschaftler Christian Rapp sowie Gottfried Gusenbauer, Kurator der Ausstellung „Wettlauf zum Mond! Die fantastische Welt der Science-Fiction“ im Karikaturmuseum Krems.

DAS VERLÄNGERTE WOHNZIMMER

or gut 20 Jahren war er einer der umtriebigsten Veranstalter St. Pöltens und Erfinder von Formaten – Aktivitäten, die Martin Wöber nicht etwa eingestellt, aber auf das Pielachtal erweitert hat. Ein „Baby“, mit dem er zuletzt anlässlich seines 50ers auch im St. Pöltner frei:raum gastierte, ist die Reihe „Das verlängerte Wohnzimmer“. „Ein Klavier (s. Bild), das ehemals in Stattersdorf stand, hat mich letztlich auf die Idee dazu gebracht“, verrät Wöber, der mit dem Musikvermittlungsprojekt als Reminiszenz an das Biedermaier das gemeinsame Mu-

sizieren quer durch alle Stilrichtungen und Altersschichten fördern möchte. Nächster Termin: 2. April „RockPop-Jazz. Best of Music School“ beim Harm in Ober-Grafendorf.


MFG ADVERTORIAL

FESTSPIELHAUS ST. PÖLTEN / BÜHNE IM HOF

AM ROOFTOP PANAMAS

„Oh wie schön ist Panama“ wussten Tiger und Bär schon in Janosch gleichnamigem Buch als Sehnsuchtsort zu schwärmen. Von ebendort zog auch Billy Cobham einst aus, um nicht nur den Jazz, sondern auch den Rock umzukrempeln, indem er einfach das eine mit dem anderen fusionierte und den Jazzrock ins Leben rief. Der Rolling Stone reiht ihn darob unter die 50 besten Drummer aller Zeiten ein, Cobham selbst musizierte mit allen Jazzgrößen von Miles Davis bis George Benson, und in Schubladen ließ sich der heute 75jährige sowieso nie stecken. Beweis ist etwa Cobhams wegweisendes Album „Crosswinds“, das der Großmeister am 23. März mit seiner Band in der Bühne im Hof zelebriert.

sa 06/04 Brasilpop

Salut Salon Liebe

Céu Tropix

fr 03/05 Balkan/Electro-Swing

sa 25/05 Folk

[dunkelbunt]

Mighty Oaks Céu © Luiz Garrido

Infos und Tickets unter www.festspielhaus.at |

/festspielhaus |

/festspielhaus.at

FOTOS: BELLA CONCERTS, KRISTOFFER JUEL POULSEN

sa 16/03 Pop

Crossover ist auch das Markenzeichen von Dreamers‘ Circus, die am 3. Mai gastieren und ihre „Rooftop Sessions“ zelebrieren. Dabei verweben sie Klassik und Folk zu einer magischen Mischung, die auf träumerischen Sohlen daherkommt und – Billy Cobham mag nachsichtig sein – ganz ohne Schlagzeug auskommt! Dafür packen die Herren die Lautengitarre, die Geige und das Akkordeon aus bzw. greifen ab und an in die Tasten des Klaviers. Und plötzlich, wenn man die Augen schließt, entschwebt man dem Innenraum der Bühne und findet sich am Rooftop wieder, wo sich ein weiter Horizont eröffnet, hinter dem – ganz bestimmt – auch der Sehnsuchtsort Panama liegt …

www.buehneimhof.at

MFG 03.19

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MFG KULTUR

WIR SIND EIN 360 GRAD ORCHESTER Die NÖ Tonkünstler unter ihrem Chefdirigenten Yutako Sado sind DAS Orchester des Landes Niederösterreich, noch dazu eines, das gleich drei Spielstätten für sich in Anspruch nehmen darf. Und es ist vielseitig wie nie zuvor, wofür auch Geschäftsführer Frank Druschel und Konzertmeister Vahid KhademMissagh Rechnung tragen.

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ch betrachte so einen Orchesterorganismus immer als et­ was Gesamtheitliches, wir sind ein 360 Grad Orchester, das die verschiedensten Facetten hat. Das ist aber nur möglich, weil wir drei starke Kooperationspartner haben: das Festspielhaus, Grafenegg und den Musikverein“, ist Frank Druschel, der Geschäftsführer der NÖ Tonkünstler, von den drei Residenzen des Orchesters begeistert. „Wir sind hier superprivilegiert, das Festspielhaus wurde ja mit der Intention gebaut, den Tonkünstlern als professionell arbeitendes Sinfonieorchester adäquate Räume, eine Heim­ stätte zur Verfügung zu stellen, ebenso Grafenegg. Hier wurden zwei Lokalitäten geschaffen, um das Orchester aufzuwerten.“ Druschel sieht das Festspielhaus aber als Homebase: „Wir haben seit der Eröffnung unser Büro hier, wir bekom­ men die Steuergelder von den Steuerzahlern aus Nieder­ österreich, worüber wir superdankbar sind, denn ein Be­ trieb wie ein Orchester, der aus 85 Prozent Personalkosten besteht, ist ein intensives Unternehmen.“ Ohne Zuschüsse des Landes wäre dies nicht zu finanzieren. Damit ist man in der Lage, ein qualitativ hochwertiges Kulturangebot bereit­ zustellen. „Wir können hier als Kulturschaffende auftreten und Kultur zu einem leistbaren Preis anbieten, das ist mir ein wichtiges Anliegen.“ St. Pöltner Publikum schätzt sein Orchester „Das Publikum im St. Pöltner Festspielhaus nimmt für uns Musikerinnen und Musiker eine besondere Stellung ein. Ich darf als Konzertmeister sagen, dass ich das Publikum in St. Pölten als aufgeschlossenes, warmherziges und aufmerk­ sames wahrnehme. Das Publikum schätzt die Tonkünstler als sein Orchester, das spüre ich bei den Konzerten sehr“, zeigt sich Vahid Khadem-Missagh stolz über die starke Bin­

Das St. Pöltner Publikum schätzt die Tonkünstler als sein Orchester, das spüre ich bei den Konzerten sehr. KONZERTMEISTER VAHID KHADEM-MISSAGH

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dung der St. Pöltner zum Orchester. Und auch wenn man weiß, dass die Tonkünstler im Musikverein spielen und auf Tournee gehen, sehen das die Menschen mit Stolz. Die NÖ Tonkünstler sind längst in St. Pölten angekommen. Histo­ risch betrachtet, sind sie seit 1945 das Symphonieorchester des Landes Niederösterreich. Man sieht sich zwar als ein klassisches, traditionelles Symphonieorchester mit Standard-Kernrepertoire der großen Romantik und Klassik bis hin zur zeitgenössischen Musik, nützt aber gerne die räumlichen und akustischen Qualitäten des Festspielhauses auch für Spezialprodukti­ onen, wie etwa „Schwanensee“, „Cinderella“ oder Stra­ winskis Ballett „Der Feuervogel“, das gemeinsam mit Mus­ sorgskis „Bilder einer Ausstellung“ von der Tanzkompanie Ballet Vlaanderen unter der Ägide des flämisch- marokka­ nischen Choreographen und Tanzmagiers Sidi Larbi Cher­ kaoui am 26. April zu sehen und zu hören sein wird. „Das ist immer eine besondere Herausforderung für das Orchester, denn meistens kommt bei solchen Produktionen die Musik vom Band. Hier im Hause ist es möglich, dass


das Orchester im Graben sitzt und wir live dazu begleiten“, freut sich Druschel. „Wir haben uns bei der Produktion mit Sasha Waltz sogar den Luxus erlaubt, die Stühle auszu­ bauen. Da saß das Orchester im Publikumsraum, hochge­ stuft wie in Bayreuth.“ Und natürlich können auch riesige Konzertprojekte wie Mahlers Achte im Festspielhaus auf­ geführt werden. „Das ist schon eine Besonderheit, was hier das Haus zu leisten imstande ist.“ Den zweiten Standort, das großzügige Areal in Gra­ fenegg mit der Open-Air-Bühne „Wolkenturm“ und dem Konzertsaal „Auditorium“, bespielen die Tonkünstler v. a. im Sommer. Aber auch unter dem Jahr dient Grafenegg mit dem „Schlossklängezyklus“ als Spielstätte. „Grafenegg ist für uns wie für die Wiener Philharmoniker die Salzburger Festspiele, unsere Sommerplattform und Sommerresidenz. Wir sind sehr stolz, wenn sich dort die Türen und Tore öff­ nen“, so Vahid Khadem-Missagh. Musikvermittlung & Tonspiele Eine weitere Schiene im Programm der Tonkünstler ist die Musikvermittlung. Mit dem Projekt „Tonspiele“ bemüht man sich schon seit 15 Jahren, klassische Musik einem jungen Publikum nahe zu bringen. Regelmäßig besuchen Musiker Schulen, halten Workshops ab und das Orchester bietet Konzertabende für die ganze Familie. Die Projekte „Tonmahlerei“, „Bonjour Camille!“ und „Die Königin der Farben“ decken die Altersgruppen vom Kindergarten bis zur Oberstufe ab. 45 Prozent der Musiker sind bei den Schulvermittlungskonzepten involviert, bei den Konzerten ist ohnehin der Orchesterapparat zugegen. „Es ist schön zu sehen, wenn unserem Schlagwerker Benedikt, unserem Pauker, der schon viele Workshops in Schulen gegeben hat, dann bei einem Konzert im Fest­ spielhaus von Schülern, die ihn in ihrer Schule erlebt ha­ ben, zugewinkt wird“, weiß Druschel um die Qualität der Musikvermittlungsprogramme. „In der heutigen Zeit ist es wichtiger denn je, Kinder mit Musik zu konfrontieren. Musik vermittelt Werte, die man durch andere Dinge wo­ anders kaum bekommt, wie Konzentration, Rhythmus und Gehör“, so Konzertmeister Khadem-Missagh, „da sind gute österreichische Traditionen etwas in Vergessenheit ge­ raten, andere Ländern haben mehr Angebote. Kinder sind ein ehrliches Publikum, wenn es ihnen gefällt, spürt man das, wenn nicht auch.“ Vor kurzem ist vom Tonkünstler-Team eine strategische Entscheidung bezüglich der Vermittlungsformate getroffen worden. „Nachdem wir mit den Tonspielen sehr diver­ gierend unterwegs waren, mit verschiedenen Museen ko­ operierten, konzentrieren wir uns nun auf das Haus. Das Festspielhaus hat ja eine superstarke Kulturvermittlungs­ kompetenz, wir docken hier an diese an und schaffen ei­ nen Mehrwert. Zusammen gestalten wir ein Portfolio, das wir der Bevölkerung, den Familien, den Kindergärten und Schulen anbieten können. Das ist eine ganz runde Sache, wo die Menschen über einen Kommunikationsweg ein Ver­ mittlungsangebot bekommen.“ Mit „Tonspiele on tour“ haben die NÖ Tonkünstler

STADTSAAL IM CITYHOTEL D&C KÜNSTLERISCHE LEITUNG: ROBERT LEHRBAUMER

die letzten meisterkonzerte DER SAISON Sonntag, 7. April 2019 • 19.30 Uhr GESANG & GITARRENKLANG DUO GRANATIERO/POMPILIO Lieder/Arien und Gitarrenmusik aus Italien, Spanien und Südamerika

Sonntag, 12. Mai 2019 • 19.30 Uhr BONUS-KONZERT JUNGE MEISTER Schülerinnen und Schüler der Musikschule St. Pölten, Benigna Quartett

2018•2019

Info, Abo- und Kartenverkauf: Magistrat der LH St. Pölten / Fachbereich Kultur und Bildung Prandtauerstr. 2, 3100 St. Pölten Tel.: 02742 333-2601 mail: meisterkonzerte@st-poelten.gv.at Einzelkarten: Vorverkauf: 20 Euro / Abendkassa: 24 Euro Weihnachts-Abo: 55 Euro (umfasst die letzten vier Konzerte)


MFG KULTUR

TEXT: ANDREAS REICHEBNER | FOTOS: NANCY HOROWITZ

RESIDENZORCHESTER. Die Tonkünstler Niederösterreich im Zuschauerraum des Festspielhauses, ihrer St. Pöltner Homebase. zusätzlich ein neues Format kreiert und gehen raus in die Gemeinden. Grundlegender Gedanke ist dabei, Eltern, die aufgrund des großen Angebotes der Schulen kostenmäßig überfordert sind, nicht überzustrapazieren. „Deswegen kommen wir in die Gemeinde, in diesem Jahr nach Breiten­ furt, Krems, Melk und Hollabrunn, wo wir einen Saal ge­ funden haben, und spielen so vor 200 bis 400 Kindern. Die erleben dann die Tonkünstler vor Ort in ihrer Gemeinde“, streicht Druschel die Wichtigkeit, junge Zuhörer zu interes­ sieren, hervor. „Wir sehen bei vielen Leuten – auch bei un­ seren Abonnenten – wenn man sie fragt, wann sie das erste Mal mit klassischer Musik in Kontakt gekommen sind, sagen sie: ‚Bei den Tonkünstlern‘. Da merkt man schon, dass da eine Verbindung da ist, und ich sage immer, die Initialzündung müssen wir im Jugendalter schaffen. Wenn Menschen in jungen Jahren einmal etwas außergewöhnlich Starkes, Emotionales erlebt haben, behalten sie das im Ge­ dächtnis und kommen wieder.“ Auch bei der Probenarbeit lässt man sich zuschauen. Aus logistischen Gründen probt man ja im Musikverein, aber es wird auch daran gedacht, ab und dann in Zukunft im Festspielhaus Proben abzuhalten und diese dann auch für das Publikum zu öffnen. Crossover Eine schöne Geschichte sind für die Tonkünstler zudem die Cross-Over-Projekte. „Gerade die sind superkompliziert, denn da geht es meistens um Unikatprojekte. Da werden Arrangements vergeben, speziell fürs Orchester kompo­ 50

niert. Bei Plugged-In Konzerten ist es mir wichtig, dass das Orchester in diesem Setting einen anspruchsvollen Part übernimmt“, so Druschel, der seit sechs Jahren hier in St. Pölten agiert. Die Programmplanung ist dabei eine spannende Ge­ schichte und absolute Teamarbeit. Ob nun mit Gastdiri­ genten Konzerte oder Cross-Over-Projekte kreiert werden. „Es gibt einen künstlerischen Orchesterbeirat, wo die Ideen des Orchesters miteinfließen. Vorschläge sind erwünscht“, so Konzertmeister Vahid Khadem-Missagh, der die Ton­ künstler als eines der interessantesten Orchester in Öster­ reich sieht. „Nach einem statt gefundenem Generationen­ wechsel ist es nun ein junges, professionelles Orchester, und ich sehe mit großer Freude in die Zukunft.“ Ins gleiche Horn stößt auch der Geschäftsführer: „Wir sehen uns auf dem Niveau der Wiener Sinfoniker, ver­ gleichbar mit jedem deutschen A-Orchester. Wenn wir gut sind, können wir auch mit den Wiener Philharmonikern mithalten. Unser Anspruch ist es, uns mit den besten Or­ chestern der Welt zu messen.“ Falls St. Pölten 2024 europäische Kulturhauptstadt wer­ den sollte, hat man schon einige Visionen. „Großes Thema wird die Partizipation sein, und die Projekte werden auf je­ den Fall umgesetzt“, blickt Druschel in die Zukunft. „Ich denke, wenn man die Neugier des Publikums noch weiter schärfen könnte, mehr Menschen motivieren kann, auch aus den ländlichen Gegenden ins Konzert zu kommen, dann ist es schön“, baut auch der Konzertmeister auf die Miteinbeziehung der Menschen vor Ort.


MFG ADVERTORIAL

MUSEUM NIEDERÖSTERREICH

MEINE JUGEND – DEINE JUGEND „Talking ‘bout my Generation“ gilt noch immer als zeitloser Schlachtruf jugendlichen Einforderns. Das Museum Nieder­österreich hat diesen aufgegriffen und – das ist das wohltuende – quasi wörtlich genommen.

Warum man sich gerade jetzt des Themas annimmt, erklärt der wissenschaftliche Leiter des Hauses der Geschichte, Christian Rapp, so: „Mit dem Smartphone und in sozialen Medien kann

Jetzt

KLIENng Förderrun! siche

erstmals eine ganze Generation weltweit miteinander in Kontakt treten und völlig neue Beziehungen pflegen. Ändert sich damit das soziale Verhalten junger Menschen? Verlieren traditionelle Beziehungen an Bedeutung? Zahlreiche Experten sind besorgt, andere sehen die Entwicklung entspannt – auch die Jugendlichen.“ Davon wird auch die Schau durch ihren jugendlichen Flow „MEINE JUG END – DEINE JUG zeugen, und sie wird noch END. EINE GENERATIO eines leisten: „Großeltern N SCHREI GESCHICHTE BT und Eltern erfahren hier “ Haus der Ges wie es ist, heute Teenachichte, Museum Nie derösterreich ger zu sein. Jugendliche 26. April 2019 – 19.1.2020 lernen die wilden Jahre www.museu mnoe.at ihrer Eltern und Großeltern besser kennen. Und beide bringen ihre Erfahrungen der Jugendzeit direkt in die Ausstellung ein.“ In diesem Sinne: Talking ‘bout my generation!

macht Photovoltaik smart.

* KLIEN Förderung 2019 bereits berücksichtigt. Preis gültig, solange die Fördergelder reichen. Preis inklusive Montage und joulie Energiemanagement-System.

FOTO: DANIEL HINTERRAMSKOGLER

Denn in der neuen Sonderausstellung „Meine Jugend – deine Jugend. Eine Generation schreibt Geschichte“ wird nicht etwa salbungsvoll von alten Experten ÜBER die Jugend doziert, sondern die Schau wurde zu einem Gutteil von Jugendlichen selbst mitgestaltet! Über 100 junge Menschen aus unterschiedlichsten Backgrounds – von der Landjugend über die Muslimische Jugend NÖ bis hin zu Schulen wie etwa dem Mary Ward Gymnasium oder der HTL St. Pölten – haben gemeinsam mit dem Kuratorenteam 13 Kernthemen herausgearbeitet, die von Sprache und Musik über Normen, Freundschaft und Engagement bis hin zu Sexualität, Leistungsdruck oder dem eigenen Zimmer als privater Rückzugsraum reichen.


MFG KULTUR

MIR PASSIEREN IMMER WIEDER SOLCHE DINGE Kult-Kellner, Höfefest-Organisator, Musik-Agent, Schriftsteller und Wein-Experte — in Dietmar „Hasi“ Haslingers Leben fügt sich eins ins andere. Ganz banal gefragt: Warum haben Sie den Roman geschrieben? Diese Frage kann ich genau so wenig beantworten wie „Warum hast Du ein Höfefest gemacht?“ oder „Warum hast Du eine Musikagentur gegründet?“ Solche Dinge passieren mir einfach. Wie ist Ihnen der Roman passiert? Ich hab’ bei einem meiner BrunelloFeste Geschichten erzählt, unglaubliche, aber wahre Geschichten aus meinem Leben. Meine Frau Renate hat dann am nächsten Morgen gemeint, das musst du aufschreiben. Dann habe ich förmlich Tag und Nacht durchgeschrieben, bis ich wieder mit Bands auf Tournee gehen musste. Da war das Buch aber noch nicht fertig? Nein, im Februar 2016 verbrachten meine Frau und ich einige Zeit in Montalcino, wo wir zur Jahrgangspräsentation Benvenuto Brunello eingeladen waren. Neben vielen Interviews habe ich auch dort Zeit zum Schreiben gefunden. Im Sommer waren wir wieder einige Wochen in der Toskana, auch da wurde viel geschrieben. Dann wieder im Februar 2017 bei der nächsten Benvenuto Brunello. Vor allem in den Sommern 2017 und 2018 auf der Terrasse eines total abgelegenen kleinen Häuschens an einem wunderschönen Strand im Nordwesten Siziliens habe ich den Roman vollendet. Wie haben Sie den Roman dann herausgebracht? Verlag habe ich keinen gefunden. Und ich hatte auch Schwierigkeiten mit den österreichischen Anwälten der Rolling Stones, die im Buch sehr präsent sind. Da ist mir dann aber glück52


TEXT: BEATE STEINER | FOTOS: MATTHIAS KÖSTLER

licherweise wieder etwas passiert – durch Kontakte von einem meiner Musiker gab es dann keine Probleme mehr. Ihr Buch erzählt von einem St. Pöltner Buben, der in einer reichen englischen Händlerdynastie aufwächst, am Rande des RockJet-Set, in Darjeeling genauso zuhause ist wie in Marrakesch, der Toskana und natürlich England. Wie viel St. Pölten steckt in dem Roman? Und wie viel HasiBiographie? Schon einiges, das herauszufinden überlasse ich aber der Phantasie der Leser und Leserinnen. Dann versuche ich das einmal, als Leserin des Romans. Sie haben bei mir mit der Beschreibung des Lokalkolorits der langweiligen Provinzstadt viele Erinnerungen an das St. Pölten im ausgehenden 20. Jahrhundert aufleben lassen und Bilder aufblitzen lassen von Menschen, die ich kannte. Sie haben aber auch Sehnsucht geweckt nach Reisen in die weite Welt, natürlich nach dem herrlichen Brunello-Land. Wie haben Sie sich das Wissen über die Geschichte des Brunello und all die interessanten Winzerpersönlichkeiten angeeignet? Ich beschäftige mich seit 30 Jahren mit dem Brunello di Montalcino. Also habe ich die Winzer per Mail und Telefon eingeladen. Ich habe sie um Interviews gebeten und hatte dabei nur positive Erlebnisse. Zum Beispiel mit dem Grafen Cinzano, der so begeistert war von der Idee hinter meinem Roman, dass er das geplante Interview kurzfristig in einen Tag mit Besichtigung des Weinguts, Weinverkostung, Dinner und interessanten Gesprächen verwandelte. Zurück nach St. Pölten. Sie sind

im Gegensatz zu früher selten in der Öffentlichkeit präsent, obwohl Sie hier leben. Sind Sie noch aktiv in Lokalen unterwegs? Eher selten, das liegt auch daran, dass ich auf Grund meiner ehemals großen Hundemeute lieber zu Hause geblieben bin. Wenn ich in Lokale gehe, dann untertags auf einen schnellen Espresso ins Schubert, Schau.Spiel oder Emmi, im Cinema Paradiso bin ich ja öfters mit Bands von mir. Das Wellenstein besuche ich auch viel zu selten und Vinzenz Pauli liegt leider völlig aus – meiner – Hand und der Figl hat leider immer dann, wenn ich Lust hätte, zu. Am Abend koche ich lieber zu Hause. Ich habe relativ hohe Ansprüche und denke mir immer „das kann ich auch.” Zudem hole ich dann meine Lieblingsweine aus dem Keller. Leider gibt es in St. Pölten kein Lokal mit wirklich guter Weinkultur, liegt natürlich auch an der Kundschaft. „Mein” Lokal gibt’s ja überhaupt nicht hier, das müsste ich selber machen – und wäre auch ein Erfolg, aber dafür fehlt mir das nötige Kleingeld. Also, wenn ein Investor dies lesen sollte – ich bin bereit! Wie oft im Jahr sind Sie eigentlich unterwegs mit „Ihren“ Künstlern? Ich begleite so 150 bis 200 Konzerte im Jahr. Bisher habe ich über 4.000 Konzerte überall auf der Welt organisiert. Planen Sie neben dem Musik­ agentenleben ein Schriftstellerleben? Welche Erwartungen haben Sie als Autor? Überhaupt keine. Aber wunderbar wäre es dennoch, einen Verlagspartner zu finden, der das Potenzial des Buchs erkennt, die Idee dahinter, und in einer sorgfältig nachlektorierten zweiten Ausgabe am deutschen Markt sicher zehntausend Bücher verkaufen könnte. Mit einer englischen Ausgabe in den USA und Großbritannien

Ich hatte Schwierigkeiten mit den österreichischen Anwälten der Rolling Stones, die im Buch sehr präsent sind. DIETMAR „HASI“ HASLINGER

ZUR PERSON Dietmar Haslinger, Jahrgang 1965, war in den 1980er- und 1990er-Jahren Kellner in der St. Pöltner Szenegastronomie, bis er 1994 die Musikagentur Weltenklang gründete. Mit „Weltmusik-Musikern“ war er seither bei über 4.000 Konzerten in ganz Europa unterwegs. Von 1993 bis 2003 programmierte er das Höfefest. Der Vater dreier erwachsener Töchter ist zum zweiten Mal verheiratet.

bestimmt dreißigtausend und in einer italienischen Übersetzung sicher auch einige tausend Stück. Es werden knappe neun Millionen Flaschen Brunello im Jahr verkauft. Ein Großteil dieser Konsumenten ist an der Geschichte des Brunello di Montalcino interessiert, und wenn nur ein Prozent der „Flaschen-Kontakte” das Buch kaufen würde, wären das neunzigtausend Exemplare! Sie sind auf den Geschmack gekommen! Die Idee dahinter ist eigentlich, in Folge-Romanen weitere Weingegenden vorzustellen. Ich habe auch schon begonnen, in der Wachau zu recherchieren. Da bin ich aber bei einem Weingut ziemlich abgeblitzt mit meiner Idee, die auch Brunello, Sex & Rock’n’Roll zugrunde liegt und mit der ich bei den italienischen Weinbauern willkommen war. Nämlich, den Namen und die Geschichte der Winzer und Weingüter in eine fiktive Geschichte einzubauen. Der F. X. Pichler hat mich und meine Frau rausgeschmissen. „Veltliner, Sex & Rock’n’Roll“ schlummert also noch. MFG 03.19

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MFG KULTUR

DIE REISELEITERIN Ohne sie wäre das kulturelle Leben in St. Pölten ärmer. Sie ist und war unter anderem Theatermacherin, Kulturvermittlerin, Zeitschriftenredakteurin, Lehrerin, Gärtnerin und nicht zuletzt Dramatikerin: Renate Kienzl. Ihr Theaterstück „Duell“ läuft noch bis 15. März unter ihrer Regie in der Freien Bühne Wieden. Gründe genug, die Kreative zum MFG-Interview zu bitten.

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as könnt‘ dir gefallen‘, meinte der St. Pöltner Künstler Hermann Fischl, als er mir das Buch ‚Duell‘ von Joost Zwagerman schenkte.“ Renate Kienzl sitzt mir gegenüber im St. Pöltner Cinema Paradiso-Café. Sie hat soeben eine Bühnenprobe hinter sich und entspannt sich bei einem Campari. „Und er wusste gar nicht, wie recht er hatte“, ergänzt sie lachend. Während des Lesens schwebte ihr nämlich sofort ein Theaterstück vor. „Und mir war klar: Das schreib‘ ich dem Reinhard Hauser auf den Leib.“ Hauser, ehemaliger Stadttheater-Intendant, regelmäßiger Gast auf St. Pöltens Bühnen und mit Kienzl gut befreundet, war von dem Kunstkrimi begeistert. „Und für die Gestaltung einer während des Stückes inszenierten graphic novel konnte ich den Marcello gewinnen.“ Mit dem Geiger Gregor Reinberg war dann familienmäßig der nächste St. Pölten-Bezug gegeben. Und Renate Kienzls Gatte und Künstlerbund-Mastermind Ernest durfte ein fiktives Bild des im Stück maßgeblichen Mark Rothko gleichsam als Auftragswerk malen. „Die Renate ist ein in Permanenz sprudelnder Ideenpool“, meinte der Buchhändler und Kulturvermittler Peter Kaiser schon vor Jahren. Und ihre Begeisterung ist durchaus ansteckend: „Theater, das ist Sprache, Bild, Licht, Musik und Bewegung. Es ist immer wieder spannend, sich in ein Thema 54


TEXT: THOMAS FRÖHLICH | FOTOS: ELIAS KALTENBERGER

DUELL Ein Kunstkrimi von Renate Kienzl / Mitarbeit Reinhard Hauser. Nach der gleichnamigen Novelle von Joost Zwagerman (Weidle Verlag), Uraufführung. Mit Reinhard Hauser und Eva Christina Binder. Regie: Renate Kienzl. Geige:  Gregor Reinberg. Graphic Novel: marcello. martin helge hrasko

IDEENPOOL. „Die Renate ist ein in Permanenz sprudelnder Ideenpool“, beschreibt der Kulturvermittler Peter Kaiser die St. Pöltner Künstlerin. Aktuell läuft ihr Stück „Duell“ in Wien.

zu verbeißen, sich darin umzusehen – hat was mit Leben zu tun. Das Ziel jeder Regiearbeit ist, dass man die viele Arbeit nicht merken darf, das fertige Stück soll Leichtigkeit ausstrahlen, oder wie Tabori sagte: ‚Don‘t push the river, it flows.‘ Alles andere ist Krampf.“ Theater sei eine Reise, die Menschen gemeinsam unternehmen. „Du begibst dich in ein Geheimnis.“ Ihre Theaterleidenschaft existiert schon länger. Aber der Reihe nach: Geboren im Jänner 1953 in St. Pölten maturierte sie 1971 im Neusprachlichen Gymnasium Josefstraße. Nach ihrer Lehramtsprüfung an der Pädagogischen Akademie Krems 1973 war sie 40 Jahre lang im Schuldienst tätig, davon 27 in Radlberg, die letzten 10 Jahre als Leiterin der „Kreativ Lernen VS Radlberg“. Und kreativ musste sie sein, mit einem gewaltig hohen Anteil nicht-deutsch-muttersprachlicher Kinder. „Zudem hatten wir wahnsinnig viele Flüchtlinge aus unterschiedlichsten Ländern!“ Mit denen spielte sie unter anderem – gemeinsam mit Gerhard Hönigl, mit dem sie zuvor schon Kindertheater und Workshops durchgeführt hatte – „Schwarzes Theater“: „Mit der Sprache wär’s nicht gegangen. Aber so waren alle dunkel angezogen und mussten in der Dunkelheit mit sich selbst und den Anderen auf der Bühne auskommen.“ Der davor vorhandene Aggressionspegel sank merklich. „Im ‚Paradies der Fantasie‘

in der Innenstadt haben wir das dann aufgeführt.“ Es war nicht das erste Mal, dass Kienzl mit dem Theater zu tun hatte. Parallel zu ihrer Lehrtätigkeit studierte sie Theaterwissenschaften an der Universität Wien, Schwerpunkt Regiearbeit. Ihre Regieassistenz am Stadttheater St. Pölten (dem heutigen Landestheater Niederösterreich) ließ sie in ihre Diplomarbeit einfließen. Im Anschluss daran arbeitete sie bei George Tabori in dessen „Kreis“. „Und dort lernte ich Gelassenheit. Er war kein Wüterich, seine Ruhe war großartig.“ Draußen vor dem Fenster des Cinema Paradiso wird’s langsam dunkel, Kienzl blickt kurz hinaus und meint: „Ich bin ja kein Nietzsche-Fan, aber von ihm stammt ein wunderbarer Ausspruch: ‚Alle gute Dinge haben etwas Lässiges und liegen wie Kühe auf der Wiese.‘“ 1991 gründete und leitete sie die „Freie Theatergruppe Movimento“ und bespielte damit etwa die Bühne im Hof, das internationale Clownsfestival in Clichy sowie das Donaufestival Krems und führte unter anderem auch am Stadttheater Regie. Von 1995 bis 2012 war sie Vorstandsmitglied in der Kulturplattform St.

Was passiert, wenn die Faust eines Museumsdirektors ein über 30 Millionen Euro teures Gemälde durchschlägt? Allerdings nicht im geschützten Museum, sondern bei der Wiederbeschaffung, nachdem das Bild verschwunden war. Aber: War es nicht doch dort, wo es hingehörte? Und: Wer oder was bestimmt eigentlich den Wert eines Gemäldes? Solche Fragen bringen das Kunstverständnis von Museumsdirektor Jelmer Verhooff ordentlich ins Wanken. „Duell“ ist eine gewitzte Satire auf den Kunstbetrieb, die in einer zum Teil absurden Verfolgungsjagd nach einem Mark-Rothko-Gemälde gipfelt. Mit hintergründigem Witz stellt das Stück Fragen zu den Themen Original, Fälschung, Marktwert und Ästhetik. Die Premiere findet wenige Tage vor der Eröffnung der Rothko-Ausstellung im Kunsthistorischen Museum statt! Vorstellungen: 1./6./7./8./9. & 12./13./14./15. März, jeweils 19.30 Uhr Freie Bühne Wieden Wiedner Hauptstrasse 60 b 1040 Wien Tel.: +43 (0)664 3723272 freiebuehnewieden@gmx.at

Pölten. Als Mitbegründerin und Namensgeberin der Literaturzeitschrift ETCETERA, die sie eine Zeitlang auch redigierte, schätzte sie vor allem die Interviews und Gespräche mit Autoren, aus denen sich mitunter auch Freundschaften entwickelten „mit Elfriede Gerstl etwa, HC Artmann oder Dario Fo.“ Im Nachlassband von

Alle guten Dinge haben etwas Lässiges und liegen wie Kühe auf der Wiese. FRIEDRICH NIETZSCHE

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MFG KULTUR

DIE REISELEITERIN

KOLUMNE ROUL STARKA

ST. PÖLTEN

FOTO: JOHANNES REICHL

Nicht, was sollte St. Pölten tun, dass es Kulturhauptstadt wird, sondern: Was kann ich für St. Pölten tun, dass es Kulturhauptstadt wird. Wo St. Pölten draufsteht, ist St. Pölten drin, also: hingehen. Oder: Drinnenbleiben, wenn man schon drin ist. St. Pölten sagen, St. Pölten schreiben, singen, schreien (im Auto), was auch immer. Die gute St. Pöltner Prandtauertorte essen und bei jedem Bissen sagen: St. Pölten! Wir St. Pöltnerinnen werden Gesetze der Energie anwenden, um Kulturhauptstadt zu werden. Wir sagen ab jetzt zu allen Gegenständen des täglichen Gebrauchs liebevoll: St. Pölten. Zahnbürste: Komm her, St. Pölten, lass uns schmusen. Zahnpasta: Komm, St. Pölten, lass dich drücken. Hände waschen: St. Pölten. Zu jedem Finger sagen wir St. Pölten, also: St. Pölten, St. Pölten, St. Pölten, St. Pölten, St. Pölten – links – St. Pölten, St. Pölten, St. Pölten, St. Pölten, St. Pölten – rechts. So. Bis jetzt glauben natürlich alle, das sei eine reine Schmunzelkolumne und diene nur der Unterhaltung. Ist es nicht. Andere machen das mit uns tausendmal ärger und intensiver, da finden wir es normal. Wie oft lesen wir den Schriftzug McDonald’s oder CocaCola? Eben. Warum sollen wir das nicht mit St. Pölten machen, wir mit uns, wir mit St. Pölten? Für andere Institutionen machen wir es gern und freiwillig – wir machen Werbung, immer für andere statt für uns. Für uns St. Pöltner. Der Kühlschrank heißt ab jetzt: St. Pölten. Fernseher: St. Pölten. Fernbedienung: St. Pölten. Handy: St. Pölten. St. Pölten, es funktioniert, hab dich lieb!

DUELL. Für „Duell“ hat Renate Kienzl die gleichnamige Novelle von Joost Zwagerman dramatisiert. „Mir war klar, das schreib‘ ich dem Reinhard Hauser auf den Leib!“

Gerstl, „Das vorläufig Bleibende“, wurde Kienzls Gespräch mit der Autorin abgedruckt. „Darauf bin ich schon stolz.“ Doch die innigste Freundschaft verband sie wohl mit dem Schauspieler, Musiker, Akkordeonsammler und Allroundkünstler Hannes Thanheiser, der mit seiner Jazz-Combo Café Schmalz des Öfteren auch in St. Pölten auftrat und 2014 mit 89 Jahren verstarb. „Ihn hab‘ ich bei den St. Pöltner ‚Restwochen‘ (einer etwas schrägeren Ergänzungsveranstaltung zu den damals doch recht braven Festwochen, Anm. d. Autors) Mitte der 70er kennen gelernt. Damals hab‘ ich in Neidling an der Volksschule unterrichtet und hatte Thanheisers Sohn in der Klasse. Irgendwann kam der Vater in die Schule und erklärte mir, dass sein Sohn für eine Zeitlang nicht dem Unterricht beiwohnen könnte, da ‚wir grad ein Baumhaus bauen – und da lernt er mehr als bei euch in der Schule.‘ Ich war etwas perplex.“ Kienzl lacht. „Ich hab‘ mir dann das Baumhaus angesehen und es war für mich wie eine Parabel zum Thema Lernen – auch hier gilt, let it flow … und es können Lebensfreundschaften dabei entstehen.“

Diese Freundschaft reichte auch ins Theater- und Literaturfestival „Blätterwirbel“ hinein, das sie vor elf Jahren mitbegründet hat und bei dem sie seitdem organisatorisch tätig ist – Thanheiser war dort gern gesehener Gast. Auch das Höfefest organisierte die Vielseitige jahrelang mit, 17 Jahre betrieb sie das Booking von Künstlern – die Kontakte hatte sie ja gleichsam schon in der Rückhand. Kulturarbeit und -vermittlung als Reiseleitung – irgendwie. Kienzl, der „das Gehen“ und „das Garteln“ ungeheuer wichtig sind, hat soeben den „‚Stattgarten‘ erfunden und gegründet – „was aus diesem Pflänzchen wird, werden wir sehen.“ 2006 erhielt sie den Förderpreis für Wissenschaft und Kunst der Stadt St. Pölten und sie hat noch viel vor. Derzeit geht ihre Reise vom Garten zur Bühne und wieder zurück. Ob sie und ihr Gatte Ernest einander künstlerisch mitunter in die Quere kommen? „Nur terminlich!“ Doch helfen sie einander – „Ich bin chaotisch, auch im Haushalt!“, gibt Renate Kienzl gerne zu. Aber ganz ehrlich: Eine Reiseleitung nach Schema F will sowieso niemand.

Theater ist eine Reise, die Menschen gemeinsam unternehmen. Du begibst dich in ein Geheimnis. RENATE KIENZL

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WIE EINE SCHÖNE LIEBESGESCHICHTE Vier Tanz-Kompanien von Weltruf standen unter seiner Ägide, unzählige internationale Festivals hat er mit seinen Choreographien erfolgreich bestückt und jetzt ist er dabei, der kleinen, aber feinen Institution des Europaballettes mit dem „Choreo Center Europe“ einen Stempel für zukünftige Visionen zu verpassen. Renato Zanella, italienischer Ballettstar ist in St. Pölten gelandet.

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s ist wie eine schöne Liebesgeschichte, dieses Projekt, dabei kann man am Anfang auch nicht sagen, wie viele Jahre die Ehe dauern wird“, so Renato Zanella über seine Liaison mit dem St. Pöltner Europaballett, „aber im Moment liebe ich es.“ Der seit Jahrzehnten international erfolgreiche, italienische Balletttänzer, Choreograph und Opernregisseur wird nach Engagements als Wiener Staatsopernballettdirektor, am Nationalballett in Athen oder an der Bukarester Staatsoper nun in St. Pölten, an der Musikschule, in deren Agenden das Europaballett fällt, angestellt. War das Jahr 2018 mit der Abhaltung von zwei Workshops noch eine frei Phase der Zusammenarbeit, ist Zanella seit Jänner 2019 nun einer der fixen Mitarbeiter beim Ballett in der NÖ Landeshauptstadt. Ob er das als Abstieg erlebt? „Es ist schön hier zu sein, mit den jungen Tänzern fange ich für mich bei null an. Ich habe das Glück gehabt, mit vier ganz

großen Kompanien in Wien, Athen, Verona und Bukarest zusammenzuarbeiten, auf der ganzen Welt Choreographien zu machen. Das ist für mich jetzt eine Karriereentscheidung. Viele Künstler wie ich, haben das Gefühl, dass sie etwas durch ihre Karriere bekommen haben, das sie nun weitergeben wollen.“ Als Vater von vier Kindern sieht er sich in einer Rolle, nicht nur mit einer professionellen Kompanie zu arbeiten, sondern etwas zu entwickeln, „als Eltern sind wir doch die besten Erzieher“, in seinem Projekt „Choreo Center Europe“ junge Tänzer und auch Choreographen auszubilden. „Ich weiß, wo ich bin.“ „Ich weiß schon, wo ich bin. Ich bin nicht hergekommen mit der Idee, ich habe fünf Millionen. Aber wir wollen für die Zukunft etwas aufbauen, das für die Stadt und vor allem auch für die Jugend wichtig ist“, sagt er und streut gleichzeitig der Arbeit des Europaballetts und Michael Fichtenbaum

PLATTFORM. Der bekannte Choreograph Renato Zanella möchte mit dem Europaballett in St. Pölten eine internationale Plattform für Ballett und Choreographie aufbauen. 58

Rosen. „Das Europaballett ist einzigartig in Österreich, der Fichtenbaum und sein Team haben hier etwas Tolles aufgebaut, ich schätze die Idee des Europaballettes sehr.“ Zanellas Beziehung zu St. Pölten besteht ja schon seit den 90er-Jahren. „Ich habe immer wieder Talente vom Fichtenbaum entdeckt und nach Wien gebracht, etwa Karina Sarkissova oder Kirill Kourlaev. Und meinen Prandtauer-Preis habe ich hier am Schreibtisch immer dabei.“ Schließlich hat er dem ehemaligen Bürgermeister Willi Gruber versprochen, den Kontakt zur Stadt nicht aufzugeben. Da ist es für Zanella nur schlüssig, jetzt in ein Fixengagement bei der Stadt zu kommen. Im Moment ist Zanellas Engagement und Projekt im Budget der Musikschule integriert. An die Möglichkeit, einen Förderverein zu gründen, wird gedacht. „In St. Pölten haben Tänzer die Möglichkeit eine 365-Tage-Ausbildung zu bekommen, mit dem choreographischen Zentrum schaffen wir eine komplementäre Form zu dem, was Fichtenbaum aufgebaut hat.“ Erste Resultate sind schon sichtbar, „der erste Workshop mit dem berühmten Mats Ek hat schon viel Enthusiasmus geweckt.“ Ein Enthusiasmus etwa, der helfen soll, weitere Steine auf dem eingeschlagenen Weg auf die Seite zu räumen. „Es gibt in St. Pölten eine Lage, die wir kennen. Wir haben eine Bühne, die gehört dem Land, und wir haben hier das Kulturhaus in Wagram, wo wir kleine Möglichkeiten haben. Die Frage wird sein, ob hier Synergien möglich sind, oder ob alles so bleiben soll, wie es ist“, denkt Zanella über Visionen in Hinblick auf das Kulturhauptstadtsein im Jahr 2024 nach. „Ich schätze die


TEXT: ANDREAS REICHEBNER | FOTOS: MATTHIAS KÖSTLER

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WIE EINE SCHÖNE LIEBESGESCHICHTE

Programmserien des Festspielhauses mit Masterklassen, wie der von Sasha Waltz, es ist sehr wichtig, dass es eine Sensibilität zu Choreographen gibt.“ In Richtung Kulturhauptstadt blickend wäre es für Zanella schön, „einen Pakt für St. Pölten 2024 zu schließen, wie eine Familie zusammenzuhalten. Das wäre doch ein Grund, diese Steine, zumindest für einen Moment, auf die Seite zu legen und dann zu sehen, ob wir das schaffen.“ Geschafft wäre es für das Europaballett, wenn „wir über eine Periode Raum und die große Bühne bekommen, wo dann unsere Veranstaltung stattfinden kann.“ Vision Neubau Auch der Vision eines Neubaus im Rahmen der Musikschule verschließt sich Zanella keineswegs. „Wir haben drei schöne Studios, können hier arbeiten, aber es gibt Probleme mit dem Ballettboden, mit der Feuchtigkeit. Und die Bühne ist wichtig, aber zu klein. Ich schätze das, was hier gemacht wurde, aber es war Anfang der 90er-Jahre, das ist fast 30 Jahre her. Es hat sich viel geändert, auch im Festspielhaus, viele Intendanten waren da, die einmal Ballett und dann nicht Ballett gemacht haben. Jetzt gibt es eine balancierte, respektvolle Beziehung zum Ballett, das wäre der richtige Moment, um das Gespräch über Synergien fortzusetzen.“ Daneben ist es Zanella auch wichtig, sein internationales Netzwerk einzusetzen, um die besten Choreographen nach St. Pölten zu bringen. Auch die

TALENTESCHMIEDE. Renato Zanella beim Training mit zwei außergewöhnlichen Tanz-Talenten: Rachel Carrier und Joao Ludwig.

Vision eines choreographischen Wettbewerbs in St. Pölten geht ihm durch den Kopf. „Es ist sicher interessant für die Stadt, hier eine internationale choreographische Plattform aufzubauen. Ich möchte das bauen, habe mit Michael Fichtenbaum und dem Direktor der Musikschule Alfred Kellner tolle Partner. Auch der Bürgermeister und Kulturamtsleiter Thomas Karl sind neugierig ob der Entwicklung“, gibt sich der Choreograph zuversichtlich. Als Zeithorizont zur Verwirklichung seiner Pläne hat er sich drei Jahre gesetzt. „Ich habe gerade angefangen und bin überzeugt, dass es funktioniert. Ich bin mit einem Lehrvertrag da, wie die anderen, ich bin keine Sonderperson“, so Zanella, „natürlich sind wir auf Unterstützung angewiesen, wir werden sehen, wie sich das mit der Kulturhauptstadt 2024 entwickelt.“ In Michael Fichtenbaum hat er einen wahren Aficionado des Balletttanzes an seiner Seite. „Es ist ein Blödsinn, wenn man sagt, Ballett ist tot. Es gibt

weltweit eine unheimlich große Community. Wenn der Malakhov in Paris einen Kaffee trinkt, wissen sie das in Grönland. Nur bei uns ist es anders, auf unseren Tourneen sind wir immer voll. Es ist nicht nur Tutu, wir sind auch zeitgenössisch unterwegs“, so Fichtenbaum. Zanella ist jedenfalls zuversichtlich: „Ich sehe mehr und mehr, dass Kreativität ein wichtiger Faktor der Menschheit ist, der stimuliert werden muss. Ballett hat die schnellste Entwicklung hinsichtlich neuer Ästhetik, Idee und Performance! Ich werde jetzt schon gefragt, ins Ausland zu gehen, um über dieses Projekt zu sprechen, das Feedback ist jetzt schon gut!“ Denn Tanz ist für Zanella auch eine Verbesserung der Seele und des Körpergefühls, deshalb rät er allen, auch älteren Menschen, zu ihm zu kommen. „Wir werden neben der professionellen Ausbildung auch für Menschen, die Nichttänzer sind, Workshops anbieten.“

Ballett ist in St. Pölten nicht nur Tutu, sondern auch zeitgenössischer Tanz. Eine Verbesserung der Seele und des Körpergefühls. RENATO ZANELLA

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WACHAU KULTUR MELK

Musik an den Höfen Europas, zum anderen die Charakteristik der Musik sowie ihre Bedeutung abseits der Höfe zu dieser Zeit thematisiert.

2019 stellt der Tenor und Künstlerische Leiter Michael Schade die Internationalen Barocktage Stift Melk unter das Motto „Lyrā et Gladio – König · Bürger · Bettelmann“. Das Publikum erwartet ein wahrhaft königliches Festival mit kontrastreichem Programm, das zum einen die

WELTSTARS ZU GAST Der Konzertbogen spannt sich thematisch von Musik am Hof über komponierende Herrscher bis hin zur Musik in himmlischen Sphären. Für außergewöhnliche Kontraste sorgt die Musik der einfachen Bevölkerung, die im Rahmen des Spezialformats OffRoad Barock unter dem Titel „Gypsy Baroque“ vorgestellt wird. Namhafte Ensembles wie z. B. Concentus Musicus Wien, L’Arpeggiata, die Barocksolisten München, La Risonanza oder auch ganz junge wie La petite écurie sorgen für außergewöhnliche Klangerlebnisse, und Weltstars wie Hiro Kurosaki, Meisterdirigent Daniel Harding, Kammersänger Michael Schade, Terry Wey, Giulia Semenzato oder Christopher Maltman garantieren höchsten Musikgenuss.

FAMILIENTIPP: „König Wickerl tanzt ein Stückerl“ und lädt Kinder von 5 bis 9 zum Mitmachkonzert ein. Das Publikum erwartet ein amüsanter Nachmittag mit Tanz, Humor und Musik von Jean-Baptiste Lully. INTERNATIONALE BAROCKTAGE STIFT MELK Pfingsten, 6. – 10. Juni 2019 INFOS & TICKETS: T +43 (0) 2752 / 540 60 E office@wachaukulturmelk.at www.barocktagemelk.at

FOTOS: DANIELA MATEJSCHEK, DEPOSITPHOTOS

INTERNATIONALE BAROCKTAGE STIFT MELK 2019


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FREUNDE DER KULTUR ST. PÖLTEN

FOTO: LISA RÖHRER/NÖN

„KUNSTVOLL“ AM KÖNIGSWEG

„Kunstvoll“ im Landestheater, v.l.n.r.: Fiedler, Rötzer, Habjan, Lohninger Der „Versprecher“ von Marie Rötzer, künstlerische Leiterin des Landestheaters Niederösterreich, hatte in gewisser Weise durchaus seine poetische Richtigkeit: So bezeichnete sie die vom Präsidenten des Vereins Freunde der Kultur St. Pölten Lothar Fiedler initiierte Kunstreihe „Kunstvoll“, im Zuge derer Künstler zum Hintergrundgespräch geladen werden, als „Kunstreise“. Und das ist das Format allemal, eine Reise in die Seelentiefen und Denkweisen von Künstlern und Kulturmanagern, oder, wie es Fiedler formulierte, „ein Einblick, wie das Gehirn arbeitet.“ Diesmal lud der Verein den Regisseur, Puppenspieler und Kunstpfeifer Nikolaus Habjan ins Landestheater Niederösterreich ein, und das nicht zufällig: Immerhin inszeniert der Shooting-Star der Theaterszene, der schon zwei Nestroy-Preise sein Eigen nennt und auf allen großen Bühnen des deutschsprachigen Theaters für Furore sorgt, ebendort Elfriede Jelineks „Am Königsweg“. Dies – wohlgemerkt – als österreichische Erstaufführung und, wie Habjan

im Gespräch mit NÖN Chefredakteur Daniel Lohninger verriet, auch auf Wunsch von Jelinek, „die St. Pölten schon länger im Visier hat, weil hier spannendes Theater gemacht wird.“ Fürs Puppentheater begeisterte sich Habjan schon früh, freilich fernab heutiger KinderKasperl-Klischees, sondern eher in der durchaus politischen Tradition der Vorkriegszeit. „Puppen sind freier, radikaler. Und du spielst zugleich mit Nähe und Distanz“, erläutert er die Faszination des Puppenspiels. Auch dass beim Puppenspiel die Sprache – auch ihre Melodie und Rhythmik – eine noch stärkere Fokussierung erfährt, begeistert ihn. „Die Schauspieler müssen ja sozusagen die fehlende Mimik mittels der Sprache noch genauer kompensieren. Dadurch wirkt vieles wie im Brennglas!“ Gerade in einem Stück wie „Am Königsweg“, ein Text Jelinekscher Sprachgewalt und -genialität mit vielen Perspektiven- und Ebenenwechseln „und wo ein Satz – ähnlich wie bei Shakespeare – plötzlich einen komplett neuen Kosmos öffnet“, könne das Wechselspiel zwischen Schau-

MITGLIED WERDEN und die zahlreichen Vereinsvorteile (Exklusivveranstaltungen, Previews, Künstlertreffen, Exkursionen, Ermäßigungen uvm.) genießen. Anmeldung und Infos unter T +43 2742 90 80 90-941, F +43 2742 90 80 94, freunde@kultur-stp.at

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spieler und Puppe die Schichten des Textes noch besser herausarbeiten. „Am Königsweg ist für mich einer der besten Texte Jelineks. Sie hat ihn noch in der Nacht, als Trump USPräsident wurde, geschrieben. Das hat mich schon immer an ihr fasziniert, wie schnell sie auf aktuelle Ereignisse reagiert und zugleich die Themen auf eine zeitlose, universale Ebene hebt – denn es geht natürlich nicht nur um Trump, sondern um Macht- und Machtgehabe, und unsere Verführbarkeit dafür. Es ist ein mutiger Text – ohne Kompromisse und knallhart!“, schwärmt Habjan und man darf gespannt sein, wie der Regisseur Jelineks Sprache auf die Bühne bringt. Neuland ist dies übrigens keines – immerhin hat er eine Elfriede Puppe kreiert, mit der er zuletzt etwa den Aufruf der Autorin zur Donnerstags-Demo vortrug oder mit der er schon manch Jelinek‘sche Dankesrede anlässlich einer Preisverleihung hielt, wenn die Autorin verhindert war. Auch in „Am Königsweg“ wird Elfriede zu sehen sein, ebenso wie abgehalfterte Muppet-Show Stars – doch mehr wird noch nicht verraten. Verraten hat der gebürtige Grazer Habjan Daniel Lohninger dafür noch, wie er die Chancen St. Pöltens als Europäische Kulturhauptstadt 2024 einschätzt. „Durchaus sehr gut! Ich war 2007 erstmals in der Stadt, damals für ein Projekt der capella incognita – seit damals hat sich enorm viel weiterentwickelt.“ Damit spricht er auch Präsident Lothar Fiedler aus dem Herzen, der sich besonders freut, „dass es die Bewerbung St. Pöltens auf die Shortlist geschafft hat und ‚wir‘ somit weiterhin ‚im Rennen‘ um die Kulturhauptstadt 2024 sind!“ Und das offensichtlich nicht schlecht: Die österreichische Erstaufführung eines Stückes einer Nobelpreisträgerin unter der Regie eines der aktuell gefeiertsten Regisseure – das kann sich wahrlich sehen lassen! 16. MÄRZ

Am Königsweg: Premiere Landestheater Niederösterreich

Weitere Termine unter www.landestheater.net

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MFG KULTUR 4. 4. – 22. 6. BIBLIOTHEKSGALERIE KREMS

ROBERT HAMMERSTIELAUSSTELLUNG IN KREMS Dem großen niederösterreichischen Künstler Robert Hammerstiel widmet das Kulturamt der Stadt Krems in Zusammenarbeit mit dem NÖ Kulturforum eine Ausstellung in der Bibliotheksgalerie in Krems. Robert Hammerstiel, 1933 in Werschetz im serbischen Banat geboren, bekam die Folgen der politischen Katastrophe des Zweiten Weltkriegs als Kind banatdeutscher Eltern – der Vater betrieb eine Bäckerei und war ein begabter Ikonenmaler – auf schwerzhafteste Weise zu spüren. Mit elf Jahren wurde er mit Mutter und Bruder vertrieben, in verschiedensten Lagern interniert und erfuhr die denkbar größte Not. Er überlebte als Kind in Verstecken und unter unglaublich entbehrensreichen Umständen. 1947 gelang ihm mit der Mutter und dem jüngeren Bruder die Flucht nach Niederösterreich. In TernitzPottschach fand die Familie eine neue Heimat. Hier erlernte er den Bäckerberuf und arbeitete dann als Stahlarbeiter im Ternitzer Edelstahlwerk, wo er Schwerstarbeit leistete. All das konnte nicht zerstören, was ihm an künstlerischen Anlagen von seinem Vater mitgegeben worden war. Er hat stets gezeichnet und war schon früh als Maler-Autodidakt tätig.

Liebe mfg-LeserInnen! mfg und das NÖ Kulturforum verbinden nun bereits viele Jahre der medialen Kooperation. In dieser Ausgabe darf ich Ihnen als dessen Obmann über unsere bunt gestreuten Aktivitäten als Kulturvermittler in NÖ berichten. „Kultur vor der Haustür“ sozusagen – gerne wecken wir neues Interesse und Lust an Kunst und Kultur an der Basis in den Regionen unseres Landes. In diesem Sinne mfg – mit freundlichen Grüßen, Ewald Sacher

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Seine traumatischen Kindheitserlebnisse verarbeitete er in seinen Holzschnitten. 1958 gewinnt er einen Förderpreis des ÖGB. In Folge wird seine Begabung durch den Besuch von Kunstseminaren und Weiterbildung in den Ateliers verschiedener namhafter Künstler weiter entwickelt. 1968 stellt er bereits in Wien, NÖ, Deutschland und anderen Ländern aus. Seit Anfang der 1970er-Jahre arbeitet er auch

Robert Hammerstiel. 4. April – 22. Juni Bibliotheksgalerie Krems/galeriekrems Körnermarkt 14

eng mit dem NÖ Kulturforum zusammen, wobei vor allem mit dem in Ternitz beheimateten Landeshauptmannstellvertreter Hans Czettel eine enge Freundschaft entsteht. Sehr nahe bekannt war er auch mit Bundespräsident Dr. Rudolf Kirchschläger, welcher ihm 1985 den Berufstitel Professor verlieh. Die Stadt Ternitz verlieh ihm die Ehrenbürgerschaft. Seit 1988 ist Robert Hammerstiel als freischaffender Künstler tätig, wobei er sich nach einem New York-Aufenthalt mit seinen farbkräftigen Bildern der Pop-Art annähert. Die sensiblen Holzschnitte und Ölbilder aus der jüngeren Schaffensperiode des nunmehr 86-jährigen Robert Hammerstiel sind in der Kremser Ausstellung, die von Prof. Gotthard Fellerer kuratiert wird, zu sehen. Dank Förderung des NÖ Kulturforums wird es auch einen Ausstellungskatalog geben.


KULTUR VOR DER HAUSTÜR – NÖ KULTURFORUM

EINE WÜRDIGUNG VON ERWIN PIPLITS ZUM 80. GEBURTSTAG

Jenem Mann, dem die Gründung und Existenz des Serapions-Theaters im Odeon in der Wiener Taborstraße zu verdanken ist, nämlich Erwin Piplits, widmet das NÖ Kulturforum den jüngsten Band der Serie „Aus Freude. Impulse zur Kreativität“. Erwin Piplits, 1939 als Arbeiter-

sohn geboren, erlernte ursprünglich den Beruf eines Textildruckers, bis er nach verschiedenen beruflichen Stationen in der freien künstlerischen Gestaltung seinen Weg und seinen Sinn fand. Gemeinsam mit Ulrike Kaufmann schuf er, gemeinsam mit dem SerapionsEnsemble, jeweils Gesamtkunstwerke auf der Bühne, die alle Sparten des Theaters betreffen und einen ungewöhnlichen Zugang zu tiefgründigem, sinnlichem Spiel vermitteln. Er wurde zu einer Ikone des Avantgardetheaters und ist in Fachkreisen weit über Österreich hinaus bekannt, anerkannt und unbestritten. Dem Wahlniederösterreicher Erwin Piplits und seinem Serapions-Ensemble, einem international vielbeachteten Herzeigemodell gelebter

Integration, widmet das NÖ Kulturforum diese von Gotthard Fellerer erstellte Broschüre. Erhältlich unter kulturforum@aon.at.

Ulrike Kaufmann und Erwin Piplits schufen Gesamtkunstwerke.

NÖ KULTURFORUM PRÄSENTIERT JOHANNES DOBNER IN KREMS Am 11. März 2019 eröffnet das NÖ Kulturforum im KS-KulturSozialZentrum KremsLerchenfeld, Hofrat-Erben-Straße 1, eine Ausstellung von Bildern des Kremser Malers Johannes Dobner. Unter dem Titel „Wachauer Ansichten“ sind Bilder des in Krems-Egelsee wohnhaften Künstlers zu sehen. Johannes Dobner, 1954 geboren, war Bibliothekar im

NÖ Landesdienst. Er absolvierte ein Kunstgeschichtsstudium und wandte sich, geprägt durch sein musisches Elternhaus, sehr früh dem Zeichnen und Malen zu. Bevorzugte Motive sind die historischen Orte der Wachau und der Stadt Krems, die er in abstrahierender Manier darstellt. Die Ausstellung läuft bis Anfang Mai.

KULTUR VOR DER HAUSTÜR

KUNSTFORUM LOOSDORF

In einer Sondernummer der Reihe „Aus Freude.Impulse zur Kreativität“ stellt das NÖ Kulturforum das Kunstforum Loosdorf vor. Anlässlich einer vielbeachteten Ausstellung von elf Künstlerinnen und Künstlern aus der Region übergab der Obmann des NÖ Kulturforums, Prof. Ewald Sacher, dem aktiven Verein diesen Katalog. Im Kunstforum Loosdorf haben sich Künstlerinnen und Künstler auf Anregung des langjährigen Bürgermeisters von Loosdorf, Josef Jahrmann, zusammengeschlossen, um ihre Arbeiten mittels dieser Plattform zu präsentieren. MFG 03.19

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SHORTCUT SZENE

FOTOS: OLIVIER LE MOAL/ADOBESTOCK, LUTZ STERNSTEIN, ZVG, RAWPIXEL-FOTOLIA.COM

KOLUMNE THOMAS WINKELMÜLLER

DAS, WAS FEHLT St. Pöltens Jugend wandert ab. Das ist kein Trend, sondern Tradition. Wer das Nest nicht ganz verlassen möchte, der fährt zumindest fürs Essen raus nach Wien und genießt dort, was die Provinz nicht bieten kann. Klar, eine Stunde im Tokyo Buffet schaufeln macht so lange Spaß, bis man aufsteht und heimrollt, aber könnte die Stadt nicht doch mehr? Eine kulinarische Goldader verläuft so gut wie unberührt durch die Stadt und wartet. Es müsste nur jemand kommen, der schürfen möchte: Ein junges, veganes Restaurant samt Café. Essen frei von Tierprodukten ist kein Trend, der einfach wieder verschwinden wird. Das steht mittlerweile fest. Nur gibt es in St. Pölten und Umgebung keinen Ort, wo man gleichzeitig gemütlich sitzen und gut vegan essen kann. Das Potenzial wäre da. Leider fehlt es dem Mandas ganz einfach an Platz, das Emmi ist nicht genug Restaurant und abgesehen von der unschönen Lage direkt hinter dem Bahnhof, riecht Evi’s wieder einen Hauch zu viel nach Pension. Nicht falsch verstehen: All diese Orte sind in Ordnung, es fehlt aber jedem etwas. Was würde es also brauchen? Ein junges Team, das bereit ist zu arbeiten, und die Lage in der Innenstadt. Wer im veganen Bereich ein guter Gastronom werden möchte, muss nur nach Wien schauen. Die Lokale der Hauptstadt zeigen massenweise vor, wie es funktioniert. Viel Platz, schlichtes, aber jugendliches Design und genau, veganes Essen. Demjenigen, der die Chance ergreift, wird die Jugend die Bude einrennen. Darauf wette ich und ich esse Fleisch!

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DESIGNAWARD & CO.

t. Pöltens Studenten und Schüler sprudeln nur so vor innovativen Ideen. So wurden Matthias Reichl – Student an der NDU – und Richard Zierhut für Ihre App „Smatterling“ beim German Design Award 2019 gleich zweimal ausgezeichnet. „Die attraktiv gemachte und einfach zu nutzende Smatterling App erleichtert das Kennenlernen neuer Leute – und zwar auf natürliche Weise im Alltag – und gibt damit dem berühmten ‚Zufall‘ wieder eine Chance.“, so die Jury. Bemerkenswert ist ebenso die von einem

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Maturantenteam der HTL St. Pölten, Abteilung „Informatik“, entwickelte Andorid App „Lies mal, Opa“ für schwerhörige Menschen. Diese setzt gesprochene Sprache mittels Spracherkennung in Textform um. Diesen können schwerhörige Menschen ablesen und so verstehen, was das Gegenüber sagt und mit diesem besser kommunizieren. „Soziale Ausgrenzung soll dadurch verhindert und das Zusammenleben – möglichst ohne Benachteilungen – gefördert werden!“, so die Schüler über ihre App.

NEUES VON DER MUSIKFRONT

t. Pöltens Musiker sind alles andere als untätig. Zuletzt hat etwa Martin Rotheneder mit seinem Projekt Soulitaire den Song „In my little bubble“ als Vorbote zum neuen Album, das im Herbst 2019 erscheinen soll, vorgelegt. Wie er den Blick auf die eigene kleine Welt verstanden wissen möchte, lässt er offen: „Geht es nur um Dankbarkeit für das (krisen)sichere Leben, in das man geboren wurde, oder steckt da auch (Selbst-)Kritik drin?“ In eine andere, aber keinesfalls weni-

ger interessante Kerbe schlägt Saitenvirtuose Harry Stöckl mit dem gleichnamigen Debutalbum seiner Band Nattastoy. Mit Gerald Schaffhauser am Bass und Benjamin Zissler am Schlagzeug liefert Stöckl ein Album, das sich vor allem mit dem Geschehen in Österreich und der Welt auseinander setzt. Die acht Songs klingen dabei allesamt sehr bluesig und rockig, teilweise kommt das Oeuvre auch etwas ruhiger daher oder überrascht mit runtergestimmten Gitarren.


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HALLO: AUFBRECHEN! Kreativwettbewerb des NÖ Kulturforums für junge Leute läuft noch bis Ende März. Hallo: Aufbrechen – der Kreativwettbewerb des NÖ Kulturforums läuft noch bis Ende März 2019! Junge Leute aus Niederösterreich haben also noch einige Wochen die Chance, ihre Kreativität unter Beweis zu stellen. Wir suchen Beiträge, die eine kritische, originelle, humorvolle oder irgendwie andere Auseinandersetzung mit dem Thema „Aufbrechen“ zeigen oder hören lassen. Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher im Alter von 16 bis 30 Jahren können ihre Ideen in den Bereichen Bildnerisches Gestalten, Literatur und Musik einbringen. ES WINKEN TOLLE PREISE: In jeder Kategorie gibt es einen Hauptpreis von 1000 €, weitere namhafte Preise winken! Informationen unter www.aufbrechen.at!

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ZWISCHEN ERNÄHRUNG, ERZIEHUNG UND ENTERTAINMENT Martin Schlatzer ist wohl das, was man als Tausendsassa bezeichnet. Dem Großteil der indigenen Bevölkerung – also jenen, die in den letzten Jahren auf diversen Parties in und um der Stadt unterwegs waren – ist er vor allem als DJ Marty McFly ein Begriff. Dass er aber auch Stadtbegleiter, Schauspieler und Ernährungsökologe ist, wissen nur die wenigsten.

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eboren wurde Martin 1979 in St. Pölten und ist – mit Ausnahme des obligatorischen Wien-Aufenthalts zum Zwecke des Studiums – der Stadt treugeblieben. Studiert hat er Ernährungswissenschaften und ist mittlerweile hauptberuflich als Ernährungsökologe am Zentrum für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit an der BOKU Wien tätig. Im Zuge dessen erforscht er hauptsächlich die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Landwirtschaft und Klimawandel und hat dazu auch das Buch „Tierproduktion und Klimawandel – ein wisschenschaftlicher Diskurs zum Einfluss der Ernährung auf Umwelt und Klima“ vorgelet. Dass dem sich seit mehr als 20 Jahren vegan ernährenden Wissenschaftler Umwelt und Nachhaltigkeit am Herzen liegen, merkt man auch im Gespräch sofort. „Die Ernährung hat große Auswirkungen auf Umwelt, Klima und Ressourcen. In Österreich essen wir im Schnitt um zwei Drittel mehr Fleisch als maximal empfohlen wäre. Durch einen pflanzenbetonte, vegetarische oder vegane Ernährung können wir bis zu 70% der Treibhausgase am Ernährungssektor einsparen, wodurch sich auch klare Benefits für unsere Gesundheit ergeben.“ Mit offenen Augen durch die Stadt Nebenbei ist Martin auch als Stadtbegleiter in St. Pölten unterwegs und zeigt dabei hauptsächlich Volksschülern die Geheimnisse der Stadt. „Ich wohn schon ewig in St. Pölten, wusste aber wenig über den geschichtlichen Hintergrund der Stadt. Das hat sich durch meine Arbeit als Stadtbegleiter natürlich komplett geändert. Heute begleite ich die Kinder im Schnitt ca. vier 68

„IN ZIVIL“. Auch das ist Martin Schlatzer: der seriöse Wissenschaftler, der sich mit Themen wie Ernährung, Umwelt und Klima auseinandersetzt. bis fünf Stunden durch St. Pölten. Es gibt einiges zu sehen und zu entdecken, wenn man mit offenen Augen durch die Stadt geht“, erzählt Martin. Ganz wichtig sei dabei im Übrigen der Spaß, mit dem das geschichtliche Wissen den Kindern vermittelt wird: „Das kommt besser an, als wenn man alles nur monoton runterbetet.“ Dabei versucht sich Martin immer auf die jeweilige Gruppe einzustellen, was für ihn aufgrund eines weiteren Talents wohl absolut kein Problem darstellt.

Auf den Brettern, die die Welt bedeuten Martin Schlatzer tritt nämlich auch als Schauspieler immer wieder in Erscheinung. Sein Interesse dafür entdeckte er bereits in jungen Jahren, wobei sein großes Vorbild immer Jerry Lewis war. Er wirkte in diversen Schultheaterstücken mit und stand bei internationalen Jugendtheaterfestivals auf der Bühne. Aufgrund einer ernüchternden Erfahrung auf einem Filmset sowie der geringen Jobchancen für Schauspieler entschied er sich aber irgendwann für


TEXT: MICHAEL REIBNAGEL | FOTOS: MATTHIAS KÖSTLER, PHOTON FOTOGRAFIE

den straighteren Weg. Als er mit 17 Veganer wurde, begann er sich auch bewusster mit Ernährung auseinanderzusetzen, was letztlich zum Studium der Ernährungswissenschaften führte. „Die Filmbranche ist im Endeffekt vielleicht gar nicht so spaßhaft, wie man glaubt. Für eine halbe Minute im Film benötigt man schon mal einen ganzen Drehtag. Ich habe mich daher in Zukunft als Ernährungswissenschaftler gesehen und bin davon ausgegangen, dass es dafür bessere Jobaussichten gibt.“ Völlig hat Martin die Schauspielerei freilich nicht hinter sich gelassen. Heute steht er immer noch ab und an auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Zwar nur als Hobby, aber doch auch mit einem ernsten Hintergrund. Er spielt immer wieder in Aufklärungsstücken des sogenannten Kontaktiertheaters. Dabei werden Themen wie Mobbing, Drogen Migration und ähnliches behandelt. Schulen können die Theatergruppe buchen und in zwei Stunden werden die jungen Erwachsenen – das Theater richtet sich hauptsächlich an Schülerinnen und Schüler der Oberstufe – an diese brisanten Themen herangeführt. Eine Stunde davon dauert das Stück an sich, die zweite ist für Diskussion und Nachbereitung gedacht. Da auch unter anderem Magersucht immer wieder vor den Vorhang geholt wird, ist es natürlich sehr von Vorteil, einen Ernährungswissenschaftler dabei zu haben, der bestens mit der Materie vertraut ist. Dabei geht es der Theatergruppe nicht primär darum, den Zeigefinger zu heben, sondern eher um Bewusstseinsbildung. „Die Kinder sollen unter anderem merken, dass Gruppenzwang gerade in jungen Jahren ein großes Thema darstellt. Man muss beispielsweise nicht rauchen, um cool zu sein!“ DJ aus Leidenschaft Doch das alles ist noch nicht genug. Marty McFly, so Martins DJ-Name,

DJ. Marty McFly ganz in seinem Element: In seiner goldenen Jacke – mittlerweile sein Markenzeichen – unterhält er die tanzwütige Menge bei der 15-Jahre Warehouse-Party.

ist seit einigen Jahren auch ziemlich erfolgreich hinter den Plattentellern unterwegs. Dabei hat alles relativ spontan begonnen, als er mit 17 Jahren seinen Bruder – damals selbst DJ – zu einer Auflegerei begleitete. „Mein Bruder brauchte noch jemanden zum Auflegen und ich sagte spontan zu – es war sozusagen der Sprung ins kalte Wasser, aber ich war von Anfang an begeistert und wusste, dass es nicht das letzte Mal sein würde.“ Ein paar Jahre später kam er dann in Kontakt mit Norbert „Pauli“ Bauer und seither ist Martin ein Fixstarter bei diversen Veranstaltungsreihen in St. Pölten und Umgebung. Am Seniorenfloor, bei Veranstaltungen im Cinema Paradiso oder Warehouse kann man Marty McFly hauptsächlich zu Gesicht bekommen. Die Musik der 80er-Jahre ist Martins Steckenpferd, aber auch den 70ern und 90ern ist er nicht abgeneigt. Wer ihn einmal in Aktion gesehen hat, weiß, dass für ihn das schnöde Abspielen der gewählten Songs nicht alles ist. Ein wichtiger Aspekt seiner Auflegerei sind die teils akrobatischen Tanzeinlagen, mit denen das Publikum animiert und motiviert werden soll. „Es muss bei meinen Sets immer einen roten Faden

Ich bin ja kein Wurlitzer, der wirklich alles spielt. Nicht einmal bei Hochzeiten! MARTIN „MARTY MCFLY“ SCHLATZER

geben. Viel wichtiger als der technische Übergang ist für mich dabei der dramaturgische“, erzählt Marty. Anders als so manch anderer DJ ist er dabei auch Musikwünschen gegenüber nicht abgeneigt. Diese müssen aber passen. Sei es vom Genre her, aber auch in den Drive und zum Publikum. Dass manche Lieder natürlich nicht gespielt werden, steht außer Frage. Helene Fischer, Andreas Gabalier und Konsorten wird man bei einem Marty McFly Set vergeblich suchen. „Ich bin ja kein Wurlitzer, der wirklich alles spielt. Nicht einmal bei Hochzeiten. Viele Leute vertrauen voll darauf, dass ich weiß, was ich tue. Manche sagen mir aber auch, welche Lieder unbedingt gespielt werden sollen.“ Passend zur Musik ist außerdem das Equipment, das er verwendet. Während viele der Kollegen schon auf Laptops und ähnliches umgestiegen sind, setzt McFly bewusst auf CDs und Platten, da diese für ihn die alten DJ-Werkzeuge darstellen. Dies, obwohl sich der Transport von dutzenden Platten oftmals etwas komplizierter und mühsamer darstellen kann. Da das alles noch nicht genug ist, kann man Martin als DJ für Hochzeiten und diverse Feierlichkeiten buchen. Und auch da wird man den roten Faden und die Tanzeinlagen nicht vermissen. Näheres zum Wissenschaftler, Künstler und vor allem Menschen Martin Schlatzer findet man unter www.martin-schlatzer.at. MFG 03.19

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MFG STUDIENGUIDE 2019

IMMER EINEN SCHRITT VORAUS! Im Studienjahr 2017/2018 studierten in Österreich über 382.000 Menschen an einer Fachhochschule, Privatuniversität oder öffentlichen Universität. Und auch im kommenden Herbst werden sich wieder Tausende junge Menschen anschicken, ein Studium in Angriff zu nehmen. Dabei hat man die Qual der Wahl: Alleine die österreichischen Fachhochschulen bieten mittlerweile 670 verschiedene Studiengänge an, das Studienangebot der Universitäten ist vielfältigst. Wohin sich also wenden, welches Studium passt zu mir und welche Berufsperspektive bietet es? Nachfolgend stellen wir einige der Top-Ausbildungsstätten unseres Landes vor. Bertha von Suttner Privatuniversität St. Pölten

ENTWICKLUNG FÜR GESELLSCHAFT Als moderne, offene Universität etabliert die Bertha von Su­ ttner Privatuniversität eine besondere Kultur für neues Ler­ nen, Lehren und Forschen. Mit ihren Departments Psycho­ therapie und Humanwissenschaften stellt sie den Menschen in den Mittelpunkt aller Überlegungen und Aktivitäten. Im Frühjahr und Herbst 2019 startet das berufsbegleitende Studienangebot mit den Bachelorstudien Psychosoziale In­ terventionen und Soziokulturelle Arbeit. www.suttneruni.at

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Fotos: Ludwig Schedl, Jürgen Grünwald, zVg FH St. Pölten, Wifi St. Pölten, Kraus Andreas, zVg

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ELVIS LEBT – UND DAS MITTEN IN NIEDERÖSTERREICH Sänger Ron Glaser ist in unseren Breiten wahrlich kein Unbekannter. Seit ein paar Jahren ist er gemeinsam mit local hero, Gitarrist Mika Stokkinen unter dem Namen The Ridin‘ Dudes unterwegs, um die frohe Kunde des Rock ‘n‘ Roll unters Volk zu bringen. Gehuldigt wird vor allem drei Säulenheiligen des Genres: Elvis Presley, Chuck Berry und Johnny Cash.

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egonnen hat die Erfolgsgeschichte der Ridin‘ Dudes im April 2015. Wobei neben Ron und Mika auch noch René Grohs, der Mika schon 25 Jahre kennt „weil er mir das Gitarrespielen beibringen wollte“, die Finger mit im Spiel hatte. René leitete damals mehrere Fitnessstudios, zudem managte er die St. Pöltner Footballmanschaft Invaders, für die er öfter auch erfolgreiche After-Game Parties mit diversen Rock ’n’ Roll-Bands auf die

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Beine stellte. „Mein Ziel war, dass zu uns mehr Leute kommen als auf den damaligen VSE-Platz. Das haben wir mit 1.800 auch geschafft“, erinnert er sich zurück. Als großer Elvis PresleyFan stieß er damals auch auf Ron Glaser, den er in Krems erstmals singen hörte und so begeistert war, dass er ihn vom Fleck weg gleich für drei Auftritte engagierte – der Beginn des Ridin‘ Dudes-Projekts, wie sich herausstellen sollte.

Der King & The Dudes In Folge wurden Bandname und Logo kreiert sowie ein Programmrepertoire erarbeitet, das heute in unterschiedlichsten Besetzungen funktioniert. Das reicht vom Duo Glaser-Stokkinen übers Trio bis hin zur Vollbesetzung mit fünf Mann hoch. Unterstützt werden die beiden dabei von Roman Leon Weiß am Klavier, Benji Hösel am Bass und Reini Schwarzinger am Schlagzeug.


TEXT: MICHAEL REIBNAGEL | FOTOS: ELIAS KALTENBERGER, ANDREAS WINTER/BILDERKABINETT

EIN LEBEN FÜR DIE MUSIK. An manchen Tagen werken The Ridin‘ Dudes 16, 17 Stunden – der Output ist enorm! Das eigene Label bringt auch andere (Nachwuchs)Künstler heraus. Zelebriert wird stets 100%ig authentischer, perfekt tanzbarer und abgerundeter Vintage-Sound, wobei neben Elvis Presley auch insbesondere Chuck Berry und Johnny Cash Tribut gezollt wird. Der King ist und bleibt aber das Maß aller Dinge, wovon alleine sieben Shows der Ridin‘ Dudes zeugen. Ron singt dabei nicht nur die Klassiker, sondern die Dudes bedienen sich aus dem gesamten Elvis-Repertoire von 711 (!) aufgenommenen Songs. Was auch wieder nicht verwunderlich ist, immerhin wurde Ron Glaser beim europäischen Elvis Contest 2016 in Bad Nauheim, wo der King stationiert war, als bester Elvis Interpret Europas ausgezeichnet. Ja, sogar Elvis Geburtsstadt Tupelo hat ihm 2018 die Ehrenbürgerschaft verliehen, im Übrigen auch René. „Die Leute denken sich immer, wie das alles zusammen passt. Ich schau ja gar nicht aus wie der Elvis“, so Ron, „dieser war ja doch sehr plakativ mit seinen Koteletten und dem weißen Anzug. Ich schau eher aus wie David Garrett, hab aber das Glück, wie Elvis zu klingen.“ René fügt noch hinzu: „Wir hatten die Chance bei Sun Records in Memphis aufzunehmen. Eine Stunde hatten wir gebucht, waren aber vier Stunden drin-

nen, weil der Techniker nicht glauben konnte, was er da hört und von der Stimme so begeistert war.“ Wobei Ron seiner eigenen Persönlichkeit treu bleibt. Das Publikum soll sich darauf einlassen, was es hört und erzählt bekommt und nicht etwa einen Elvis-Klon erwarten. Elvis lebt in der Musik und in den Anekdoten, die Ron während der Shows erzählt. Elvis Presley begleitet ihn dabei mittlerweile gut 30 Jahre und war auch der Grund, warum der Kremser überhaupt Musik macht. Seit seinen Jugendjahren wollte er klingen wie der King und hat es dabei zur absoluten Meisterschaft gebracht. „Die Leute fragen mich, warum ich so klinge, wie ich klinge. Das ist ganz einfach: Ich habe es mir gewünscht. Schon als Kind hatte ich die Vision, diese Stimme weiterzutragen.“ Da verwundert es auch nicht sonderlich, dass der Sänger schon in der Volksschule gewusst hat, dass Musik seine Bestimmung ist. „Die Schule hat mich nie interessiert. Ich bin zwar drinnen gesessen, hatte meinen Kopf aber immer wo anders.“ In AusnahmeBluesgitarristen Mika Stokkinen und Manager René Grohs fand er kongeniale Partner für seinen Traum.

Die Firma Ridin‘ Dudes Auch René hatte schon immer Musik interessiert. Da ihm aber, wie er freimütig gesteht, das musikalische Talent gefehlt hat, verschlug es ihn quasi hinter die Kulissen, ins Management. „Jeder hat hier seinen Platz. Wenn jeder singen wollen würde, fehlt derjenige, der sich um die Geschäfte kümmert. Wenn sich jeder nur um die Geschäfte kümmern will, steht niemand auf der Bühne“, erklärt Ron die Arbeitsaufteilung, die aufgrund des Erfolges zur Gründung einer eigenen Firma geführt hat, an der die drei zu jeweils gleichen Teilen beteiligt sind. So hat auch niemand das Gefühl, zu kurz zu kommen. „Musik ist ja im Endeffekt nichts anderes als ein Geschäft“, so Ron. Vor der Gründung der Ridin‘ Dudes ging jeder schon einen eigenen, nicht unerfolgreichen Weg. Ron Glaser war beispielsweis von 2011 bis 2015 als Schauspieler und Sänger bei den Melker Festspielen tätig, Mika Stokkinen mit seiner eigenen Band unterwegs und René betrieb einige Fitnessstudios in St. Pölten und Krems. Als das Projekt The Ridin‘ Dudes dann jedoch groß wurde und im Jänner 2016 die Firmengründung am Plan stand, sind alle mit einem guten Bauchgefühl „AllIn“ gegangen. „Wenn man von etwas 1000%ig überzeugt ist, geht das gar nicht anders. 16-/17-Stunden Tage sind bei uns keine Seltenheit und man muss auch privat ein wenig zurückstecken. Für ein höheres Ziel muss man halt manchmal auf manche Dinge verzichten“, erzählt René. „Ich hab schon immer viel gearbeitet und von damals einige gute Geschäftskontakte. Somit

16-/17-Stunden Tage sind bei uns keine Seltenheit und man muss auch privat ein wenig zurückstecken. RENÉ GROHS

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MFG SZENE

ELVIS LEBT – UND DAS MITTEN IN NIEDERÖSTERREICH

fällt der Start für so ein Projekt natürlich etwas leichter“, ergänzt er. The Ridin‘ Dudes: Fernsehstars Bereits im Jahr 2015 konnte die Band rund um Ron Glaser und Mika Stokkinen auch das erste Mal bei der legendären Brieflosshow im ORF das Publikum mit ihrer Musik begeistern. Unzählige weitere Aufritte folgten. Ein Highlight in der Bandgeschichte war beispielsweise ein Auftritt bei der „Licht ins Dunkel“-Gala 2016, der insofern besonders war, weil die Band sich weigerte Playback zu spielen. „Der ORF war ein wenig verstimmt. Weil: Wenn wir spielen, dann nur live, und das bedeutet natürlich einen viel höheren Aufwand. Aber es kommt live einfach viel ehrlicher und direkter rüber“, erzählt René schmunzelnd. Ein weiterer Höhepunkt, vor allem emotionaler Natur, war das Mitwirken bei der letzten Brieflosshow am 29. Dezember 2018, was nicht von ungefähr kommt, verbindet die Dudes seit 2015 doch eine tiefe Freundschaft mit Kultmoderator Peter Rapp. Ron hat Rapp, der selbst ein Rock ’n’ Roller durch und durch ist, über die Band kennengerlernt, Mika kannte ihn schon von früher. „Peter gibt mir immer wieder Tipps, worauf es ankommt. Vor allem natürlich auch moderationsmäßig. Er ist ein väterlicher Freund und am Anfang haben die Leute sogar wirklich geglaubt, dass ich sein Sohn bin. Wo kommt der Sohn auf einmal her? Warum singt der?“, erzählt Ron schmunzelnd. Heute steht Peter Rapp oft gemeinsam mit den Ridin‘ Dudes auf der Bühne – nicht nur als Gast, sondern

GLAUBENSBEKENNTNIS. The Ridin‘ Dudes sind nicht nur irgendeine Band, sondern ein Bekenntnis zum Rock ‘n‘ Roll und selbst am Arm von René Grohs als Tattoo verewigt!

sogar mit einem gemeinsamen Programm. Das sei natürlich nicht selbstverständlich, denn Peter Rapp sucht sich ganz genau aus, wo er mitmacht und wo nicht, betonen die Jungs. Die Ridin‘ Dudes bekommt man aber nicht nur im ORF zu Gesicht, sondern immer wieder auch auf Puls 4, wo sie als Fixstarter der österreichischen Version von „Hot oder Schrott“ am Start sind. Zustandegekommen ist das Engagement nach einem Aufruf des Senders, auf den hin sich die Dudes sozusagen „beworben“ haben. Und weil sie so sind, wie sie sind, kommen die Dudes extrem gut bei den Zusehern an und bescheren Puls 4 super Quoten. Die Dudes auf den Bühnen Neben all den Fernsehauftritten & Co. sind The Ridin‘ Dudes als waschechte und authentische Rock ’n’ Roll Band aber natürlich vor allem auf den Bühnen – ja mittlerweile – der Welt zu Hause. Nach einigen Auftritten in Österreich und dem restlichen Europa stehen heuer zum Beispiel erstmals ein paar Fanreisen an: Im April gibt es beispielsweise eine Schiffsreise von Wien nach Krems unter dem Motto „A Day with the Dudes“. Dabei können die

Mitreisenden ein wenig hinter die Kulissen blicken und lernen alle Facetten der Dudes kennen – vom Duo übers Trio bis hin zur vollen Besetzung. Davor gibt es noch etwas ganz Spezielles: Von 10. bis 19. März sind The Ridin‘ Dudes mit ein paar auserwählten Fans in Memphis Tennessee unterwegs, um dort auf den Spuren Elvis zu wandeln und in ein paar Clubs aufzutreten. Ein Highlight wird ohne Zweifel ein Gig in Tupelo, dem Geburtsort von Elvis Presley. Last but not least betreiben die Herren auch noch ihr eigenes Label „The Ridin‘ Dudes Records“. Dort erscheint zum Beispiel die Reihe „Best Of Rock ’n’ Roll Austria“, die immer wieder unter einem anderen Motto steht und unter anderem junge Nachwuchsbands featured und deren Machwerke auf CD presst. Diese zahlen dafür übrigens nichts, sondern müssen nur ein eigenes Lied liefern. Bei allen „Geschäften“ sind die Dudes aber vor allem geniale Musiker geblieben, die für ihre sensationellen Shows von den Fans geliebt werden, denn egal in welcher Formation die Partie am Start ist: Es wird gerock ’n’ rollt bis die Fußsohlen glühen!

Ich schau eher aus wie David Garrett, hab aber das Glück, wie Elvis zu klingen. RON GLASER

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MFG SPORT INTERVIEW SKN PRÄSIDENT HELMUT SCHWARZL

„IM FUSSBALL IST VIELES NICHT BERECHENBAR“ Bundesligist SKN St. Pölten steht sportlich so gut da wie noch nie, lockt aber durchschnittlich nur 3.400 Zuschauer an. Die Transfersperre durch die FIFA sorgte für Ernüchterung, die Namensänderung in „spusu“ SKN vor allem bei den Fans für Unmut. Präsident Helmut Schwarzl bezieht im „MFG“-Interview klar Stellung. Bei ihrem Amtsantritt haben Sie gesagt, dass Sie pro Woche rund zehn Stunden für den SKN aufwenden wollen. Geht sich das aus? Es ist ganz unterschiedlich. Es gibt Wochen, in denen es sehr intensiv ist. Im Schnitt passt es. Die Spiele rechne ich natürlich nicht dazu. Unsere Sitzungen machen wir regelmäßig hier in der NV Arena am späteren Abend. Nach dem Rücktritt von Gottfried Tröstl wurden sie ja sehr schnell Präsident. Er hat mir quasi das Banner gleich übergeben. Ich habe gesagt, dass ich es vorübergehend machen werde. Übernommen habe ich, weil ich an den SKN glaube. Es war damals keine einfache Zeit. Ich bin aber kein Mensch, der 76

das Handtuch wirft, wenn es schwierig ist. Natürlich gab es bei mir zu Hause intensive Diskussionen. Neben der Geberit habe ich noch einige andere Funktionen und Institutionen, die alle sehr viel Zeit brauchen. Meine Familie war am Anfang nicht erfreut über die Idee, obwohl alle absolut zum SKN stehen. Wir haben zwei Kinder, die 11 bzw. 14 Jahre alt sind, und es ist mir wichtig, dass ich als Papa für sie immer da sein kann. In einem Interview haben Sie auch gesagt, „die zwei wirklich schwierigen Aufgaben sind Kinder erziehen und richtig zu führen.“ Ist der Präsidentenjob jetzt noch die dritte schwierige Aufgabe? Definitiv, denn es ist ja auch eine Führungsaufgabe, aber


TEXT: THOMAS SCHÖPF, JOHANNES REICHL | FOTOS: MATTHIAS KÖSTLER

verbunden mit sehr viel Emotion. Und im Fußball ist vieles nicht berechenbar. Du hast die Fäden nur vermeintlich in der Hand, bist auf deine Mitarbeiter angewiesen. Es hilft beispielsweise überhaupt nix, wenn ich als Präsident zum Trainer hin gehe und glaube, ich muss ihm jetzt die Welt erklären. Die Öffentlichkeit, der du ausgesetzt bist, ist auch eine ganz eigene Kategorie, für mich natürlich sehr herausfordernd und spannend. Du gehst sprichwörtlich durch dick und dünn und, ich gebe zu, es ist schon etwas, was ein bisschen süchtig macht. Nach diesem Wochenende (nach einer 0:6-Cupniederlage gegen den LASK, Anm.) ist es gerade wieder weniger lustig. Wie sehen Sie generell die Amtsausübung eines Fußball-Präsidenten? Beim SKN dürfen „strategische Partner“ aus der Wirtschaft mitreden, das ist ja ziemlich einzigartig. Ein Fußballbetrieb ist eine Firma, eine GmbH, die nach den Gesetzmäßigkeiten eines Wirtschaftsbetriebes geführt wird. Wir haben regelmäßige Kostenberichte, sind transparent, hier ist nichts dem Zufall überlassen. Wir haben Geschäftsführer und haben die notwendigen Funktionen besetzt. Als Vorstand versuchst du, unterstützend zu wirken und am Ende des Tages die Entscheidungen zu treffen. Das System strategischer Partner ist ein Unikat. Das ist richtig. Es sind derzeit 16 Partner. Reden da nicht vielleicht zu viele mit? Die Verantwortung haben wir in den Statuten genau geregelt. Es gibt Entscheidungsbereiche, die abgestimmt werden müssen. Operativ nehmen die strategischen Partner natürlich keinen Einfluss. Eine Trainerbesetzung ist schon zu diskutieren und wenn es notwendig ist, wird abgestimmt. In sportlichen Fachfragen, wie zum Beispiel Transfers, wird nicht diskutiert. Darüber hinaus soll die strategische Partnerschaft ein Netzwerk von Wirtschaftstreibenden sein, die sich gegenseitig befruchten. Jeder kann seine Kontakte auch beruflich nutzen und wir schaffen einen Mehrwert. Die Partner müssen etwas einbringen und können selbst einen Nutzen generieren. War das für Sie auch ein persönlicher Beweggrund, den Präsidenten zu machen? Das steht nicht im Vordergrund. Mein persönlicher Anspruch ist, dass wir in der Landeshauptstadt St. Pölten einen attraktiven Fußballverein in der Bundesliga haben sollten. Natürlich habe ich als Partner und Sponsor das Interesse, dass wir mehr mediale Präsenz kriegen – natürlich positive Präsenz; und nicht jeden Tag nur über die Wiener Klubs geschrieben wird.

MR. PRESIDENT. Schwarzl, als GEBERIT-Geschäftsführer Chef von über 400 Mitarbeitern, ist seit einem Jahr auch SKN-Präsident.

Wie kann man mehr Präsenz bekommen? Das geht natürlich nur über das Sportliche, aber auch über das Gesamtpaket. Wir haben ein wunderbares Stadion, haben eine gute Situation hier, die man entsprechend vermarkten kann und soll. Das Ziel ist es schon, dass wir hier einzigartige Fußballerlebnisse schaffen und das Sportevent in der Landeshauptstadt St. Pölten sein wollen. Leider sind die St. Pöltner nicht so leicht zu begeistern, wie vielleicht andere. Wir waren ja gerade in Linz, da brennen die Leute für den Verein. Viel erfolgreicher kann man mit einem „kleinen“ Verein nicht sein. Richtig viel Leute kommen nicht ins Stadion, außer gegen Rapid. Das ist schon sehr bezeichnend. Seit Monaten spielen wir unter den Top 3 und in Wahrheit merkst du es beim Zuschauerschnitt gar nicht. Das war auch für mich persönlich sehr ernüchternd. Fehlt vielleicht eine Integrationsfigur? Das stimmt zum einen sicher. Vielleicht fehlt der oder die Figuren, die Zugpferde sind, wie es früher ein Mario Kempes war. In der Glanzzeit des VSE St. Pölten hat es schon ältere, klingende Namen gegeben, die bis zur „Pension“ einen guten Fußball geboten haben. Du brauchst klingende Namen, die vielleicht noch mehr den Namen SKN verkörpern und für junge Leute einen Idolcharakter haben. Oder man positioniert vielleicht den Trainer. Unser Trainer muss sich diesen Namen aber erst erarbeiten. Auch das ist eine Möglichkeit. Persönlich glaube ich, dass der Ranko Popovic das Zeug dazu hat. Er war in Graz zur Glanzzeit von Sturm einer der besten Spieler, weil er als Mensch ein cooler Typ ist und einen aufrechten Charakter hat.

Seit Monaten spielen wir unter den Top 3, und in Wahrheit merkst du es beim Zuschauerschnitt gar nicht. HELMUT SCHWARZL

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MFG SPORT sollen. Wir wollen eng kooperieren und eine sportliche Plattform für die Spieler bieten. Viele gehen ja schon mit 17 nach Deutschland, landen dort auf der Bank, kommen zurück und spielen ohne fertige Berufsausbildung in einer unteren Liga. Da gibt es Beispiele zur Genüge. Wenn sie zu uns kommen, können sie sich bei unseren Juniors entwickeln, parallel die Matura machen und wenn sie dann auch noch bei den Profis aufzeigen, ist immer noch ein internationaler Weg möglich.

MEDIENSPEKTAKEL FUSSBALL. „Die Öffentlichkeit, der du ausgesetzt bist, ist eine ganz eigene Kategorie und sehr herausfordernd.“

Ist die „Tradition“ des VSE St. Pölten sogar ein Hemmschuh? Das ist weder ein Hemmschuh noch ein Vorteil. Die Tradition ist nicht so sichtbar. Im Fanclub sind viele junge Menschen, die den VSE nicht mehr so wahrgenommen haben und viele der älteren Generation findet man bei uns gar nicht im Stadion. Ich sehe eher die Notwendigkeit, dass wir uns neu erfinden. Die Wurzeln dürfen wir nicht kappen, aber unsere Tradition müssen wir erst entwickeln. Wir sind ein anderer Verein, der vor einigen Jahren entstanden ist, der seine Identität in der Wahrnehmung der Bevölkerung erst finden muss. Ich glaube, man muss ein Sympathieverein werden. Ein heikler Punkt. Immer wieder sind beim SKN „Nebenschauplätze“ im Blickpunkt. Ja. Ich höre selbst auch oft, dass wir so abgehoben sind. Ich habe aber das Vertrauen in meine Leute, in die handelnden Personen. Wir sind alle ehrenamtlich hier und wenden unsere Zeit nicht auf, um uns selbst in den Mittelpunkt zu heben. Ich könnte mit meinen zehn Stunden auch anderes anfangen, in Wahrheit. Persönlich glaube ich an St. Pölten, obwohl ich Steirer bin. Die Stadt entwickelt sich, wacht auf aus dem Dornröschenschlaf, hat echtes Potenzial. Das ist natürlich eine Motivation in einer Stadt, die sich entwickelt, auch den Fußball mitzuentwickeln. Wäre dann nicht auch der nächste Schritt, Spieler von hier aus der Akademie zu holen? Das Wichtigste ist, dass wir die richtigen Spieler aus der Akademie für uns gewinnen. Ich bin nicht der Meinung, dass wir die Akademie unbedingt integrieren müssen. Wichtig ist die Zusammenarbeit mit der Akademie, die in der Vergangenheit nicht so passiert ist, wie sie hätte sein

Beobachtet der SKN dann auch regelmäßig die Spiele der Akademie-Teams? Ja. Sportkoordinator Marcel Ketelaer ist der direkte Ansprechpartner der Akademie. Wir haben zuletzt auch wieder zwei Spieler von dort in unser Trainingslager mitgenommen und lassen immer wieder welche mittrainieren. Die Zusammenarbeit muss eine Win-Win-Situation für die Akademie und uns sein. Wenn wir die Spieler wieder weiterverkaufen, kann die Akademie ja auch einen Nutzen daraus haben. Fakt ist, es kommen immer wieder gute Leute aus der Akademie. Daher kann es für unseren Verein nur ein Ziel sein, Spieler von dort zu bekommen. Ein großes Damoklesschwert ist die Transfersperre der FIFA. Wir sind mit Anwälten fleißig am Kurbeln und lassen das Verfahren beim CAS neu aufrollen. Das war ja noch unter Schinkels’ Zeiten. Da wundert man sich schon, dass nach Jahren geklagt wird. Wenn wir im Verein einen Spieler hätten, der woanders unterschreibt, würden wir jedenfalls nicht lange warten, bis wir uns einmischen. Außerdem sind wir nie eingeladen worden, persönlich ein Statement abzugeben. Wie eine Keule ist das auf uns niedergegangen. Diese Beweislastumkehr gibt es ja sonst in keinem Verfahren, wir müssen quasi die Unschuld beweisen. Dubios. Klares Ziel ist, die Transfersperre bis zum Sommer gekippt zu haben. Überhaupt nicht nachvollziehbar ist auch, dass die Sperre alle Spieler bis hin zu den Schülern betrifft. Wir haben einen Wiener, der extra die Schule gewechselt hat, um hier zu spielen, und darf jetzt nicht zu uns. Wahnsinn. Der zweite große Aufreger war die Logo-Änderung. Können Sie die Reaktionen der Fans verstehen bzw. mitfühlen? Im Prinzip habe ich Verständnis für die Wolfbrigade, wir haben ja auch eine gute Gesprächsbasis. Ich erinnere an die Autokennzeichen-Diskussion in Österreich, schwarz gegen weiß, da hat sich ja sogar der Hundertwasser reingehängt. Letztlich muss ich sagen, ich kann als Präsident nicht in die Vergangenheit schauen und muss Entscheidungen treffen, die unsere Zukunft sichern. Wir haben

Ranko Popovic hat das Zeug zur Integrationsfigur, weil er als Mensch ein cooler Typ ist und einen aufrechten Charakter hat. HELMUT SCHWARZL

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IM FUSSBALL IST VIELES NICHT BERECHENBAR

Wir müssen mittelfristig schauen, die 10-Millionen-Hürde zu nehmen, also noch 25 Prozent dazulegen. HELMUT SCHWARZL

den Wolf absolut in den Mittelpunkt gerückt, der unser Wappentier ist und auch die Verbundenheit mit St. Pölten symbolisiert und die Farbtreue gehalten. Wir haben es im Vorstand intensiv diskutiert. Ich gebe gerne zu – ich habe dann am Ende ein Machtwort gesprochen. Haben die strategischen Partner in der Frage auch mitgeredet? Nein. Wenn du hier 16 Leute mit einbindest, verlierst du. Das haben sie auch vollkommen verstanden und wir haben sie rechtzeitig informiert, bevor es öffentlich geworden ist. Was am Ende rausgekommen ist, kann man reinen Gewissens präsentieren. Die Wurzeln sind erhalten geblieben und es wird symbolisiert, dass wir Visionen haben und das kannst du nur mit Tradition nicht. Bitte fair sein, rein mit Tradition kannst du nicht weitergehen. Wo ist die Tradition in der Masse? Wir haben ja nicht tausende Menschen, die damit verbunden sind. Diese Masse ist nicht da.

Fühlt ihr euch dann auch ein bisschen unverstanden, schließlich sollt ihr ja auch gute Spieler holen, die nicht billig sind? Für mich ist das in Ordnung. Es kann gern jeder seine Meinung kundtun, sofern das Thema dann auch irgendwann auch wieder begraben wird. Wenn wir in Tradition untergehen, hat keiner etwas davon. Wir haben auch viele Sponsoren verloren, die uns nur eine Zeit unterstützen wollten. Spusu hilft uns enorm. Es ist eine wesentliche Sponsoreinnahme, auch für die Lizenzierung. Welches Level wollen Sie beim Budget erreichen? Vom Budget zählen wir zu den letzten drei Vereinen. Hartberg hat am wenigsten, dann kommen wir schon bald. Wir müssen mittelfristig schauen, die 10-Millionen-Hürde zu nehmen, also noch 25 Prozent dazulegen. Das ist eine Riesen-Herausforderung, weil die Wirtschaftskraft in St. Pölten nicht so groß ist. Viele niederösterreichische Firmen unterstützen wiederum lieber die Wiener Vereine. Ich sehe das auch bei mir in der Firma: Viele sind Rapid- oder Austria-Fans und man geht halt einmal, wenn es gerade passt, zum SKN. Diese Probleme hat ein Verein wie der LASK beispielsweise nicht, aber das ist halt einmal so. In der Politik ist das Engagement auch nicht so groß, weil wir in Niederösterreich sehr viele Vereine haben. In Graz ist Landeshauptmann Hermann Schützenhofer Stammgast bei Sturm. Unsere Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner hat halt nicht die Affinität; wir verstehen uns jedoch sehr gut. Erwin Pröll hat sein Netzwerk eingebracht und dem Verein gute Dienste erwiesen. Das geht uns jetzt ab. Die Kooperation mit dem portugiesischen Klub Aves gibt es noch? Die Kooperation ist tot. Wir orientieren uns anders, versuchen aber weiter in Richtung Internationalisierung zu arbeiten und mit anderen Vereinen zu kooperieren. Die Transfersperre hat uns da natürlich zurückgeworfen. Wir hatten schon einige Angebote von Leihspielern aus Deutschland. Solche Partnerschaften sind in Zukunft ein Thema. Schwerpunkt ist Deutschland, da ist die Integration der Spieler viel einfacher. Wenn einer auch kein einziges Wort Englisch kann, wie beispielsweise Alhassane Keita, dessen Ex-Klub uns ja bei der FIFA die Transfersperre eingebrockt hat, kannst du es in Wahrheit vergessen. Und auf welchem Platz soll der SKN zu Saisonende stehen? Wir wollen den vierten Platz. Das ist nicht unrealistisch. Die Mannschaft hat Charakter und Potenzial. MFG 03.19

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REMISE AMSTETTEN

KULINARIK FESTIVAL Ende März heißt es für alle Gourmets auf nach Amstetten, wenn in den wettergeschützten Lokhallen der Remise vom 29. bis 31. März das „Kulinarik Festival“ stattfindet! Der Slogan ist Programm: „Genuss und Leidenschaft“

FEST IM FEST. Dabei kommen auch die Bierafficionados auf ihre Rechnung, findet doch – quasi als Fest im Fest – auch das 2. Mostviertel Craft Fest statt. Produzenten handwerklich hergestellten Biers und Ciders präsentieren am Freitag, 29. März beim großen Tasting von 18.00 bis 20.00 Uhr ihre Produkte. Die Foodtrucks und Streetkitchen sorgen für die köstlichen Speisen dazu. BAKE & STYLE. Ebenfalls zum zweiten Mal wird im Rahmen des Festivals auch BAKE & STYLE by Villa No9 durchgeführt. Unter anderem gibt Bianca Wohlgemuth, Finalistin der Sat.1-Backschow „Das Große Backen“, Tipps

SHUTTERSTOCK

So warten auf die Besucher gediegene Foodtrucks, verheißungsvolle Delikatessenstände mit regionalen Spezialitäten von handverlesenen Manufakturen, heimischen Betrieben sowie Bier- und Ciderproduzenten. „Der Trend zu qualitativ hochwertigen Produkten aus ökologischer Landwirtschaft und fair gehandelten Erzeugnissen steigt, ebenso die Nachfrage nach handgemachten Originalen. Genussvolles, bewusstes und regionales Essen als Gegenbewegung zu Einheitsbrei und lieblosem Fastfood steht dabei im Vordergrund“, verrät Esther Lehsiak die Grundausrichtung. und Tricks. Zudem können Hobbybäcker mit ihren mitgebrachten MotivTorten am großen Contest teilnehmen! Last but not least ist auch für den idealen Klangteppich gesorgt, wenn „A Night of Soul feat. Shelia Michellé“ am Samstag ab 19 Uhr die Hits von Stevie Wonder, Etta James oder Earth Wind and Fire zum Besten geben. Kurzum: Ein Fest für alle Sinne ist garantiert – na dann: Prost & Mahlzeit. KULINARIK FESTIVAL 29. März – 31. März, Remise Amstetten, Info: dieremise.at


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ZUM HÖREN Manshee | mikeSnare | Thomas Fröhlich | Dr. Schramek | Rob.STP | Dr. Ray B. (von links nach rechts)

NATTASTOY

Saitenmaestro Harry Stöckel, Bass-Virtuose Gerald Schaffhauser und Drummer-Boy Benjamin Zissler haben mit ihrer Band Nattastoy ein Album in die Welt gesetzt, das nur so vor musikalischer Vielfalt strotzt. Bluesiger Mundart-Rock, der nicht um den heißen Brei herumredet und „ned auf de Goschn gfoin is“. Alles in allem „a sehr guade Scheibm“, die rockige Gitarren-Riffs und Austro-Kultur verbindet.

ALL

YANN TIERSON

SURVIVOR BLUES WALTER TROUT

Eine ekklektische Vision war ihm Geleit: Abseits der namhaften Gassenhauer machte sich die Blueslegende Trout zwischen Chicago und Mississippi auf die Suche nach musikalischem Kleinod. Aus den Originalversionen wurden 12 neue, edle Songs (Highlight: seine Version von Jimmy Dawkins: „Me, My Guitar and The Blues“!), die alle Stärken des Blues zu bündeln vermögen – das ist Covern auf höchstem Niveau.

JOHN HOLT

BENNY L REMIX

BITTER-SWEET BRYAN FERRY & HIS ORCHESTRA

Der letzte Dandy übt sich in nostalgischer Rückschau, die aber gar nicht so nostalgisch ist. Roxy Music- und Bryan Ferry-Songs der letzten Jahrzehnte erhielten ein 1920er-Jahre-Mäntelchen, das frischer klingt als manche „zeitgenössische“ Produktion: Nie hat Ferry gebrochener gesungen, selten klangen verlorenes Liebesglück so traurig und Dekadenz so schön. Beim Hören bitte Abendkleid und Anzug tragen! Ach ja, und Gamaschen …

FERAL ROOTS RIVAL SONS

Yann Tierson ist und bleibt ein Magier. Spätestens nach dem dritten Takt befindet man sich auf Fantasiereise, wobei All etwas Universelles auszudrücken scheint, das sich v.a. aus der Natur speist, die immer wieder auch „original“ mitspielt: Vogelgezwitscher aus dem Redwood Nationalpark wechselt etwa mit bretonischen Texten. Und es schält sich eine Empfindung von Natur aus den Sphärenklängen – möglicherweise die eigene.

Mit dem Remix von „Police in Helicopter“ wurde Benny L unlängst zum King of the rollers, obwohl dieser Titel schon als Bandname vergeben ist. Diskussionen sind entbrannt, ob „Roller“ nun ein eigenes Sub-Genre von Drum&Bass darstellt, was möglicherweise damit zu tun haben könnte, dass „Police in Helicopter“ der erste Drum&Bass Tune ever ist, der die Nummer 1 in den Beatport Gesamt-Charts erreichen konnte.

ZUM SCHAUEN

ZUM SPIELEN

ZUM LESEN

Manshee | C. Schuhmacher

Christoph Schipp

H. Fahrngruber | M. Müllner

EIN GAUNER UND GENTLEMAN

APEX LEGENDS

Auf ihrem bereits sechsten Album besinnen sich die kalifornischen Blues Rocker Rival Sons ihren, wie der Name schon sagt, ungezähmten Wurzeln. Diese sind – und das hört man der Platte sofort an – unter anderem im Hard Rock der 70er-Jahre zu finden. Mal treiben die Songs so richtig nach vorne, ein anderes Mal kommen sie eher als Ballade daher. Was aber auf keinem der elf Songs fehlt, sind die knackigen Gitarrenriffs.

RETROLAND

DAVID LOWERY

RESPAWN ENTERTAINMENT

VALENTIN GROEBNER

Der 70-jährige Gentleman Forrest Tucker wird auch im fortgeschrittenen Alter nicht müde, eine Bank nach der anderen auszurauben. 17 Mal saß er dafür schon hinter Gittern. Als ihm die Polizei wieder einmal auf den Fersen ist, trifft er zufällig die Farmbesitzerin Jewel. Er entdeckt in ihr die Liebe seines Lebens und ändert sein Leben ... oder doch nicht?

„Apex Legends“ erfindet Battle Royale nicht neu. Teil einer Drei-Spieler-Gruppe zu sein, fühlt sich in der Praxis vom Start bis zum hoffentlich triumphalen Sieg gut, ausgeglichen und kooperativ an. Die Action ist schnell, die Technik solide, die Helden sind sympathisch. Das Game erschien völlig überraschend. Und nach dem Test steht fest: Es ist auch überraschend gut!

Auf der Suche nach unverfälschten Landschafen und historischen Stadtbildern ziehen die Tourismuskarawanen rund um den Globus. Authentische Bergdörfer inmitten grüner Wiesen und sonniger Berggipfel entfachen genauso wie glänzende Innenstadtkulissen die Sehnsucht nach dem Lebensgefühl einer Vergangenheit, die nicht wieder kommt.

THE BEACH BUM

ANTHEM

100 KARTEN, DIE DEINE SICHT AUF...

Der Kiffer Moondog will sein Leben nur nach seinen eigenen Regeln gestalten. Doch plötzlich kommt seine wohlhabende Frau Minnie ums Leben. In ihrem Testament erklärt sie, dass Moondoog nur dann etwas vom Erbe erhält, wenn er innerhalb eines Jahres sein seit vielen Jahren geplantes Buch vollendet. Also begibt er sich auf die Suche nach Inspiration ...

Wenn doch nur Mikrotransaktionen das größte Ärgernis in Anthem wären! Das Actionspiel punktet mit wilden Gefechten und einem tollen Fluggefühl – aber technische Probleme, absurde Designentscheidungen und eine seltsam sterile Atmosphäre verderben einen großen Teil des Spaßes. Zum Start jedenfalls ist „Anthem“ leider nur bessere Durchschnittskost.

... die Welt verändern“, präsentiert faszinierende Fakten zum Weltgeschehen auf 100 unterhaltsamen und zugleich informativen Karten. Wie viel Milch gibt eine Kuh heute im Vergleich zu früher? Wo finden sich jene 14 Länder dieser Welt, in die Großbritannien noch nicht einmarschiert ist? Überraschende Irrtümer sorgen für Staunen und Schmunzeln.

HARMONY KORINE

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BIOWARE

KATAPULT

FOTOS: ZVG

NATTASTOY


HIGHLIGHT VAZ St. Pölten

DREI IM AUFTRAG IHRER MAJESTÄT Foto: Nicky Webb Photography

27. APRIL Das stimmgewaltige Trio Nazide Aylin, Maya Hakvoort und Sandra Pires präsentiert live die berühmten Film-Melodien und Hits aus 24 James Bond Filmen und garantiert einen unvergesslichen Abend. Begleitet wird das Star-Trio von der WW Allstars Big Band unter der Leitung von Werner Wurm. Namhafte Künstler wie Paul McCartney, Duran Duran, A-ha oder Adele haben unsterbliche Songs geschrieben, die das Publikum begeistern. Freuen Sie sich auf einen exklusiven Abend mit musikalischen Hits, Smokings und verführerischen Abendkleidern sowie mit lustigen Anekdoten rund um Superhelden und Stilikonen.

THE ART OF REPRODUCTION

THE GALLOWS FELLOWS

AUFHOHRCHEN

WISA MESSE

7. MÄRZ – 11. APRIL Das Festival „The Art Of Reproduction“ wartet mit Performances, Diskussionen, Rauminstallationen uvm. zu den Themenbereichen Entscheidung, Replika, Transhuman, Gebären und Wilde Reproduktion auf. Mit dabei sind u. a. Komponistin Elisabeth Schimana, akka miau oder die russische Theremin-Spielerin Olesya Rostovskaya.

15. MÄRZ Bereits zum sechsten Mal öffnet Bürgermeister Matthias Stadler anlässlich des St. Patrick‘s Days sein Büro, um den irischen Nationalfeirtag gemeinsam zu feiern. Heuer werden The Gallows Fellows mit Dudelsack, Fiddle und Banjo das Publikum begeistern – vom schunkelnden Pubsong über feinfühlige Balladen bis hin zu rasanten Tunes.

30. MÄRZ Diesmal präsentiert die Reihe aufhOHRchen der Volkskultur Niederösterreich Lieder und Weisen, die sich um das Thema Handwerk und Meisterstücke ranken. Von der Mühe und dem harten Leben handeln die schon fast vergessenen Zunft- und Gesellenlieder, aber auch von Lebenslust und der Hoffnung auf die „Sunn­ seitn“ im Leben.

5. – 7. APRIL Die WISA ist DER Treffpunkt für Bau- und Sanierungswillige und all jene, die ihre eigenen vier Wände noch schöner gestalten möchten. Die Themenbereiche Energie & Heizen, Garten, Freizeit sowie die Autohalle runden mit TopAnbietern das Messeangebot ab. Zudem gibt es wieder einen großen Vergnügungspark, der bereits am 4. April öffnet!

WAHLBÜRO XX TÉCHNE 6.0 | FESTIVAL

RATHAUS, BGM ZIMMER

| KONZERT

MEISTERKONZERT

JOSH. & BAND

7. APRIL Das erfolgreiche Duo rund um das junge Stimmphänomen Veronica Granatiero und den Gitarristen Luciano Pompilio beeindruckt im Rahmen des Meisterkonzertes mit romantischen Liedern und Arien sowie mit rassiger Gitarrenmusik bekannter italienischer, spanischer und südamerikanischer Meister: Rossini, Donizetti, Granados, Manuel De Falla und andere.

9. MAI Seine Single „Cordula Grün“ ist im Radio im Powerplay zu hören, das dazugehörige Video ein absoluter Renner auf YouTube. „Josh.“ erzählt Geschichten, die man kennt und in denen man sich wiedererkennt. Als Support fungieren die Lokalmatadoren Lukascher mit ihrem Album „Reggaeonal“, das jedes Reggae­ herz höher schlagen lässt.

| KONZERT

VAZ ST. PÖLTEN

| MESSE

VAZ ST. PÖLTEN

VAZ ST. PÖLTEN

KONZERTE | EVENTS | MESSEN | KONGRESSE

| KONZERT

PHIL COLLINS

EROS RAMAZZOTTI

2. JUNI Mit 100 Millionen verkauften Alben, weltweiten Nr.1Alben und Songs, die Millionen von Menschen schon ihr Leben lang begleiten, ist Phil Collins eine Legende! Nun kommt er im Rahmen seiner Europa-Tour nach Wien und präsentiert seine größten Hits wie „Easy Lover“ oder „Another Day In Paradise“. Special Guest: Mike + The Mechanics.

27. JULI Der erfolgreichste und bekannteste italienische Musiker überhaupt hat bereits 16 Alben veröffentlicht und weltweit über 50 Millionen Platten verkauft. Mit seinem Album „Vita Ce N’é“, aber auch mit seinen größten Hits im Gepäck geht der italienische Superstar Eros Ramazzotti 2019 auf Welttournee und stattet Klagenfurt einen Besuch ab.

ERNST HAPPEL STADION | KONZERT

WÖRTHERSEE-STADION

FR 15.03. // 19:30

DIE STEHAUFMANDLN DO 21.03. // 20:00

ALF POIER DO 16.05. // 20:00

INA REGEN FR 17.05. // 20:00

SASO AVSENIK & SEINE OBERKRAINER

Fotocredit: Nina Stiller

STADTSAAL D&C HOTEL

| KONZERT

FESTSPIELHAUS

Tickets im VAZ St. Pölten, ticket@nxp.at, www.vaz.at, 02742/71 400 in allen Raiffeisenbanken, Geschäftsstellen von www.oeticket.com und unter www.noen.at/ticketshop

| KONZERT

MFG 03.19

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MFG

AUSSENSICHT

FÖRDERUNGEN – WIE TRANSPARENT IST TRANSPARENT? Es gibt schlicht keine guten Gründe, warum geheim bleiben sollte, wer wofür öffentliches Geld bekommt.

Bis zur kleinsten Subvention über 100 Euro für einen Fahrradtrolley macht Bregenz alles öffentlich.

Also: Einerseits ist es wunderbar, dass St. Pölten jetzt bei offenerhaushalt.at öffentlich macht, wieviel Geld aus dem Stadtbudget für welche Zwecke eingesetzt wird, welche Sektoren (Bildung, Soziales, Verkehr,…) wie viel Förderungen bekommen. Erst die Hälfte aller Gemeinden legt ihr Budget auf der Plattform offen, da ist es gut, wenn Landeshauptstädte mit gutem Beispiel voran gehen. Andererseits ist es ein Witz, dass der Gipfel der Transparenz sein soll, ebendort zu erfahren, dass Unternehmen rund 3,4 Millionen Euro aus der St. Pöltner Stadtkasse zur Unterstützung öffentlichen Verkehrs erhalten haben, dass 39.018 Euro an Studienbeihilfen an Private geflossen sind und gemeinnützige Organisationen 319.761 Euro für „Musikpflege“ überwiesen wurde. Das sind viel zu breite Kategorien, und auch wenn sich in manchen Fällen erahnen lässt, wer der Empfänger ist (welcher Verein wird wohl die 233.800 Euro für „Neubau Rotkreuz-Bezirksstelle“ erhalten haben?), bleibt allzuoft im Dunkeln, wer hier Steuergeld bekommt. Es gibt schlicht keine guten Gründe, warum Unternehmen, Vereine und in letzter Konsequenz auch Privatpersonen, die öffentliches Geld bekommen, geheim bleiben sollten. In einem Hochsteuerland wie Österreich ist es keine Schande, sich Geld vom Staat zurückzuholen – und es würde die politischen Entscheidungen, wer wieviel wofür bekommt, nachvollziehbar machen, den Hautgout der Freunderlwirtschaft bekämpfen, den Entscheidungen, die im Dunkeln getroffen werden, immer mit sich tragen. Ein best-practice-Beispiel kommt, wenig überraschend, nicht aus Österreich, sondern aus der EU: Wer im Jahr mehr als 1.250 Euro an Agrarförderung erhält, wird mit vollem Namen und Postleitzahl offengelegt. So kann jeder auf transparenzdatenbank.at erfahren, dass Leopold Zu­ lechner in St. Pölten 2017 1.361,61 Euro aus den EU-Fördertöpfen bekommen hat, die K&K-GmbH in Oberzwischenbrunn dagegen mehr als 70.000 – und wofür genau. In einer modernen Verwaltung müssen diese Daten über alle Förderungen ohnehin längst elektronisch erfasst sein. Es spricht nichts dagegen, sie alle offenzulegen. 84

JAKOB WINTER

Aufgewachsen in St. Pölten, emigriert nach Wien, Redakteur beim „profil“.

Es ist eines der größten Mysterien Österreichs: Der Verbleib von jährlich knapp 16 Milliarden Euro an Fördergeldern, die Bund, Länder und Gemeinden ausschütten. Wohin die Milliarden konkret fließen? Darüber rätseln selbst Experten. Die Geheimniskrämerei befördert das Misstrauen ins Finanzgeschick der öffentlichen Hand. Medien schreiben vom „Förder-Dschungel“ und Forscher überbieten sich mit Berechnungen, wie viel bei den Subventionen einzusparen wäre. Absurditäten werden herumgereicht, wie etwa eine Förderung für Trachten (Kärnten) oder für Mehrwegwindeln (Niederösterreich). Überhaupt gibt sich Niederösterreich bedeckt: Wie Protokolle der Landesregierung zeigen, förderte das Land etwa ein „internationales wissenschaftliches Symposion“ mit 158.700 Euro oder haftet für ein anonymisiertes Unternehmen mit 15 Millionen Euro. Wer die Begünstigten sind, darüber gibt es keine Auskunft. Nur die Neos versuchen im Landtag, die Fördergeheimnisse zu lüften – die übrigen Parteien dürften sich mit der Intransparenz abgefunden haben. Das alles nährt den Verdacht: Da wird richtig viel Geld verprasst. Würden die Fördergeber ihre Ziele und die Empfänger endlich öffentlich machen, wäre schnell klar, dass ein Gutteil der Gelder in sinnvolle Kanäle fließt – etwa in den Ausbau erneuerbarer Energie oder in Kunst-Projekte, die auf dem freien Markt nicht finanzierbar wären. Es ist also gut, wenn die Städte St. Pölten und Klosterneuburg nun über das Portal offenerhaushalt.at einen Einblick in ihre Förderpraxis gewähren. Interessierte erfahren dort etwa, dass St. Pölten 540.000 Euro für Sportförderungen locker machte; und Klosterneuburg 317.000. Das schafft Vergleichbarkeit. Den vollen Durchblick bieten die beiden Städten allerdings nicht: Wer konkret von den Geldern profitierte, bleibt geheim. Als Vorbild sollte ihnen Bregenz dienen – bis zur kleinsten Subvention über 100 Euro für einen Fahrradtrolley macht die Stadt alles öffentlich. So weit muss Transparenz gehen.

FOTOS: LUIZA PUIU, SEBASTIAN REICH

GEORG RENNER

Der Wilhelmsburger arbeitet als Journalist bei der „Kleinen Zeitung“.


Medieninhaber + Veranstalter: FMS Real Estate GmbH & CoKG, Foto: Chris Singer

Foto: Christian Koller

KREMSER

MUSIK FRÜHLING OPEN AIR

Kaffa & kOmmII

präsentiert:

Wolfgang Ambros & die Nummer 1 vom Wienerwald

freitag

24.MAI 2019

Samstag

25.MAI 2019

OPEN AIR Südtiroler Platz , KREMS

Hansi Hinterseer & Tiroler Echo

support: Hollerstauden

OPEN AIR Südtiroler Platz , KREMS Tickets bei:

Infos: www.kaffa-kommii.com

, e n n o S , r e Somm

! k c e d Sun

Sobald St. Pölten von den ersten warmen Sonnenstrahlen geküsst wird, eröffnen wir unser Sundeck inklusive FRISCH Ötscherblick AUF wieder für euch! ALFREDs TISCH

Knackige Salate, herzhaft überbackene Brote oder einfach würzige Nachos zum Snacken. ALFREDs neue Speisekarte bietet Schmankerl für jeden Geschmack!

Das ALFRED - Design Budget Hotel & Lounge Bar Rödlgasse 11 | 3100 St. Pölten | +43 27 42 28 990 | office@dasalfred.at | www.dasalfred.at


REICH(L)EBNERS PANOPTIKUM

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Johnny Bruck, Der Unsterbliche. Ein ganzes Sonnensystem vom Untergang bedroht – nur Perry Rhodan kann die Rettung bringen, Nr. 19 aus der Serie Perry Rhodan, der Erbe des Universums, Covergestaltung © Pabel-Moewig Verlag GmbH

WETTLAUF ! D N O M M ZDieUfantastische Welt der Science-Fiction 24.02.– 27.10.2019

v

karikaturmuseum.at


AKTUELLES PROJEKT: St. Pölten – St. Georgen – Wiesenfeldstraße Haus C, 16 Wohneinheiten

ReDie Der Reinigungsdienst der Wohnungsgenossenschaft St.Pölten Verlässlich, genau, gründlich

Allgemeine gemeinnützige WOHNUNGSGENOSSENSCHAFT

Tel.: 02742/77288-0

Josefstraße 70/72 3100 St.Pölten

wohnungsberatung@wohnungsgen.at

e.Gen.m.b.H. in St.Pölten

www.wohnungsgen.at

BESTE QUALITÄT, BESTE LAGEN: Die Wohnungsgenossenschaft St. Pölten schafft in ganz NÖ zukunftsweisende Wohnprojekte.

Profile for MFG

MFG - Das Magazin / Ausgabe 69  

MFG - Das Magazin in hochwertiger Ausführung, durchgehend 4c auf aufgebessertem Papier mit attraktivem Content. Dies alles aus der Region, f...

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