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W e i l da s l e b e n e i n e b Ăź h n e i s t . . .


MFG EDITORIAL

JOHANNES REICHL

O

h mein Gott, jetzt ist es passiert! Ich kann mich noch gut erinnern, als ich vor nicht allzu langer Zeit (also vor ungefähr drei Jahrzehnten) immer die Augen verdreht habe, wenn ältere Semester ab 45 Plus sich über Anglizismen in der ach so hehren deutschen Sprache echauffierten. Dann erntete ich ein stichelndes „Kids, was soll denn das heißen? Wir waren noch Kinder“, und Ausdrücke wie Prime Time sorgten gar für Zornesröte, „weil das Hauptabendprogramm heißt!“ Gut, dachte ich für mich, ihr habt ja auch noch um Mitternacht auf FS1 der Nationalflagge beim Flattern zugesehen und dazu leis‘ die Bundeshymne mitgesummt, bevor nach Sendeschluss der Krieg der Ameisen ausbrach – ihr alten Säcke! Und jetzt? Jetzt ertappe ich mich – obwohl selbst kein Kind von Anglizismen-Traurigkeit – immer öfter dabei, dass ich selbst am Neudeutschen herumnörgle. Kurzum, mein schöngezeichnetes Selbstbild vom coolen, noch hippen Mitvierziger zerbröckelt gehörig Richtung sprachlich altes Eisen. Und plötzlich begreife ich auch den Argwohn der Älteren von damals: Man versteht schlicht manches nicht mehr, und das tut weh, weil es einem das Älterwerden vor Augen führt. Die Kids sprechen in ihrer eigenen Sprache. In einer Story mit Start-up Gründern, die jetzt übrigens Founder heißen,

CIAO! hievte ich mich bei manchen Ausführungen, Verständnis vortäuschend, in den Wackel-Dackel-Modus und dachte heimlich: Verdammt, kann mir bitte jemand einen Simultanübersetzer zur Seite stellen oder zumindest ein Lösungsheft? Das abschließende „stay tuned“ quittierte ich mit einem gequälten Lächeln. „Äh ja, ihr mich auch.“ Dabei sind Anglizismen natürlich Alltag, etwa in der Arbeitswelt. Aber ein senior CFO (Chief Of Finance) beim Hängemattenknüpfer im tiefsten Waldviertel – und das ist nicht einmal die Oma! Hallo?! Und vom Hausbesorger wusste man wenigstens noch, was er konkret macht – aber der Facility Mananger? Klingt ja alles irgendwie wichtig und tut dem Ego gut … aber das „kompensiert“ der Arbeitergeber dann oft mit niedrigerem Gehalt – also Obacht junge Padawans! Englisch in der Werbung ist sowieso nicht mehr wegzudenken. So shoppten wir zuletzt am Black Friday (okay, „Schwarzer Freitag“ würde auch zu sehr an Börsencrash erinnern, nicht gerade verkaufsfördernd), dem Cybermonday (da drehe ich mich immer ängstlich um, weil ich jeden Moment den Angriff der Borg „Widerstand ist zwecklos!“ erwarte – Star Trek lässt grüßen), und dann natürlich Woman Day! Apropos Woman. Ein gutes haben die Anglizismen dann doch: Sie umschif-

fen die teils völlig sinnbefreiten bis paranoiden Diskussionen um Binnen-I, *, _ (GründerInnen, Gründer_innen, Gründer*innen) und damit die Verhunzung sowie Unlesbarkeit/Unverständlichkeit der Sprache. Oder hätten Sie schon einmal Anreden gehört wie „Liebe Founderinnen und Founder“? Wenn man auf Deutsch krampfhaft nach geschlechtsneuralen Begriffen sucht, bewirkt man häufig das glatte Gegenteil. Zuletzt las ich vom „Studierenden-Ausweis“. Zu meiner Zeit (Ha, sehen Sie, ich mache das auch schon. Zu meiner Zeit …) war das noch der Studentenausweis, und niemals in 100.000 Jahren wäre ich auf den Gedanken verfallen, dass damit nur Männer gemeint sein könnten. Erst der fundamentalistische Tunnelblick und die krampfhaft-bizarre Suche nach Ersatz haben dem Wort ein Geschlecht eingeschrieben, denn in Wahrheit ist Sprache v. a. eines: Das, was wir aus ihr machen und womit wir sie aufladen. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein ander mal erzählt werden. Sprache ist jedenfalls ein lebendiger Organismus, übrigens auch punkto Anglizismen – da orte ich ja eine Gegenbewegung. Mein Sohn, zarte neun, findet neuerdings nämlich alles „übelst“. Wir sagten noch cool dazu. Aber wie auch immer, wenigstens die Grußformeln bleiben deutsch, was beruhigend ist. In diesem Sinne, Ciao!

Offenlegung nach §25 Medien-Gesetz: Medieninhaber (Verleger): NXP Veranstaltungsbetriebs GmbH, MFG - Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten. Unternehmensgegenstand: Freizeitwirtschaft, Tourismus, und Veranstaltungen. Herausgeber/Geschäftsführer: Bernard und René Voak. Grundlegende Blattlinie: Das fast unabhängige Magazin zur Förderung der Urbankultur in Niederösterreich. Redaktionsanschrift: MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten; Telefon: 02742/71400-330, Fax: 02742/71400-305; Internet: www.dasmfg. at, Email: office@dasmfg.at Chefredakteur: Johannes Reichl Chefredakteur-Stv.: Michael Müllner Chefin vom Dienst: Anne-Sophie Müllner Redaktionsteam: Thomas Fröhlich, Sascha Harold, Johannes Mayerhofer, Michael Müllner, Michael Reibnagel, Andreas Reichebner, Thomas Schöpf, Beate Steiner, Thomas Winkelmüller Kolumnisten: Thomas Fröhlich, Michael Müllner, Tina Reichl, Roul Starka, Beate Steiner, Thomas Winkelmüller Kritiker: Helmuth Fahrngruber, Thomas Fröhlich, David Meixner, Michael Müllner, Clemens Schumacher, Manuel Pernsteiner, Michael Reibnagel, Johannes Reichl, Christoph Schipp, Robert Stefan Karikatur: Andreas Reichebner Bildredaktion: Elias Kaltenberger, Matthias Köstler Cover: Rockenbauer Art Director & Layout: Mr. Shitakii Korrektur: Anne-Sophie Müllner Hersteller: NÖ Pressehaus Druck- und Verlagsgesellschaft mbH Herstellungs- und Verlagsort: St. Pölten Verlagspostamt: 3100 St. Pölten, P.b.b. Alle Rechte, auch die Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2. Urheberrechtsgesetz, sind vorbehalten. Alle Angaben ohne Gewähr. Für den Inhalt bezahlter Beiträge ist der Medieninhaber nicht verantwortlich.


INHALT MIT ENERGIE ZUM KLIMAZIEL – Seite 8

STEINE DER ERINNERUNG – Seite 22

LIEBE IST DIE ANTWORT – Seite 40

LORD OF SKELETON – Seite 60

ST. PÖLTEN SCHARF MIT ALLES – Seite 68

MICHAEL STEINER – Seite 72

3 Editorial 6 In was für einer Stadt leben wir

URBAN

7 Shortcuts Urban 8 Mit Energie zum Klimaziel 14 Bunte Gedanken über Klimaschutz & Co. 16 Wenn sich der Wind dreht 22 Krems zwischen Verdrängung und Aufarbeitung

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26 Steine der Erinnerung 30 Drogenprobleme? 36 Prüfet alles, das Gute behaltet 40 Liebe ist die Antwort – Bischof Alois Schwarz

KULTUR

46 Shortcuts Kultur 48 Kreuz & quer 58 Master of Living 60 Lord of Skeleton

SZENE

66 Shortcuts Szene 68 St. Pölten scharf mit alles

SPORT

72 Michael Steiner 74 Kritiken 75 Veranstaltungen 76 Außensicht 78 Karikatur

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#FREETHEATER

. . . in der ab sofort – einzigartig in Österreich – Studenten der FH St. Pölten dank der Initiative #freetheater nicht etwa ermäßigt, sondern komplett gratis die Vorstellungen des Landestheaters besuchen können. Möglich macht dieses Novum eine Kooperation zwischen Theater und der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) der FH St. Pölten. Peter Hackl-Lehner, ÖH-Vorsitzender, sieht damit auch gleich ein Vorurteil ausgeräumt: „Entgegen des Klischees fauler Studierender gibt es ein sehr großes Kunst- und Kulturinteresse bei uns jungen Erwachsenen. Wir setzen ein Zeichen für die Interessensvielfalt der Studierenden und ermöglichen ihnen und uns großartige Möglichkeiten.“ Vielleicht ja der Weckruf für „Nachahmungstäter“ – es muss ja nicht immer gleich gratis sein, aber attraktive Angebote würden die doch etwas dezentral gelegenen Studenten wohl öfter in die City locken – zum Vorteil aller.

. . . in der St. Pölten heuer ein Weihnachtswunder erlebt, also um ganz genau zu sein, das Ö3 Weihnachtswunder. Zwar muss die Stadt dafür ordentlich in die Tasche greifen, aber das ist es allemal wert. Zum einen wird die niederösterreichische Kapitale eine Woche lang, von 19.-24. Dezember, per Radiowellen & Co. in den österreichischen Äther befördert – ein unglaublicher Werbewert angesichts 2,5 Millionen täglichen Ö3-Hörern! Zum anderen geht’s v. a. auch um die gute Sache, geht der Reinerlös der Aktion doch an Licht ins Dunkel. Robert Kratky, Sandra König und Andi Knoll werden insgesamt 120 Stunden lang direkt aus dem Glas-Studio vorm Rathaus senden und jede Menge prominente Gäste begrüßen. Der Starreigen ist bekanntlich groß, und dies ist hoffentlich auch das Spendenaufkommen! Gespendet werden kann direkt vorort oder am Ö3 Spendentelefon. Tun Sie das!

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T H E

G A M E

B E G I N

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FOTOS: ANATOLII/ADOBE STOCK, WOLFGANG PFLEGER/OE3

… in der neue Gewerbegebiete sprießen, die oft beschworene Fußläufigkeit aber hintennach läuft. So jüngst zu beobachten rund um das Einkaufszentrum Süd, wo Merkur und Mediamarkt neuerdings links und rechts von Fachmärkten flankiert werden. Doch wer von A nach B will, der nimmt am besten das Auto, denn Zebrastreifen sucht man vergeblich. Zwar wurden, wie es aus dem Magistrat heißt, für Fußgänger teilweise die Gehsteigkanten abgeschrägt – ein Segen für Leute, die mit Rollstuhl oder Kinderwagen unterwegs sind. Für Zebrastreifen braucht es aber eine hohe Frequenz an Menschen, die die Straße kreuzen. Die dafür nötigen Zählungen könnten im Jänner erfolgen. Bleibt zu befürchten, dass dann mangels attraktiver Querungshilfen der schnelle Spaziergang der kurzen Autofahrt zum Opfer fällt. Und dann im alten Henne-Ei-Muster erst recht kein Bedarf an Zebrastreifen gemessen werden wird.


FOTOS: ZVG/AQUACITY, JOSEF VORLAUFER, OLLY/ADOBE STOCK

SHORTCUT URBAN KOLUMNE MICHAEL MÜLLNER

BRANDHEISS & SAU NAH

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SAUNACITY

indy City, Smartest City, Fittest City. St. Pölten gibt sich viele City-Namen, dieser ist definitiv der heißeste: saunacity. Rund 1,7 Millionen Euro hat sich die Stadt die komplette Neugestaltung der Saunalandschaft kosten lassen, und damit – wie Bürgermeister Matthias Stadler verspricht – auf „4-Sterne oder 5-Sterne“Niveau gehoben wurde. Ab sofort stehen den Saunagästen auf zwei Ebenen und über 1.000 qm eine Eventsauna, Biosauna, Finnische Sauna, Sole- und

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Kräuterdampfbad, Infrarotkabine, Kaltwasserbecken, Warmbecken mit Massagedüsen etc. zur Verfügung, auf dass ordentlich geschwitzt wird. Berappen muss man für den Spaß, so die neuen erhöhten Preise, 19 Euro fürs Tagesticket bzw. 13 Euro fürs 4-Stunden Ticket, Benutzung des Hallenbades inklusive. Neu sind übrigens auch Saunabuffet sowie das Badrestaurant, das Yeliz Zwinz übernommen hat. Fürs Design desselben sorgte Maria Muschik. In diesem Sinne: Gut Schwitz!

OH MEIN SCHILLER

er Schillerplatz bleibt ein Aufreger. Ehemals grüner „Park“, der den Namen verdiente, mutierte er mit der Errichtung des „Hotel Metropol“ samt Anlegen der Tiefgarage darunter zur Betonwüste. Endlich, vor einigen Jahren, keimte Hoffnung auf eine attraktive Neugestaltung auf, doch auch diese versandete bzw. besser „verschotterte“ alsbald: Der gute alte Schiller wurde zwar versetzt, mehr als schnöden Kies ringsum gönnte man ihm aber nicht. Nun nimmt die Stadt einen neuen Anlauf und macht zur Behübschung des Platzes 80.000 Euro locker, v. a. in Hochbeete soll investiert werden. So bleibt die Schelte des Dichters vielleicht doch erspart. „Wer nicht die Schönheit tapfer kann beschützen, verdient nicht ihren goldnen Preis.“

GASTFREUNDSCHAFT Der Kunde ist angeblich König. Ich erinnere mich an ein einschlägiges Seminar, das ich vor zehn Jahren in den USA besucht habe. Da wurde über Checklisten, Ablaufpläne und auswendig gelernte Standardsätze gefachsimpelt. Alles musste messbar gemacht werden, damit jeder Mitarbeiter auf Szenario A exakt mit Reaktion B antwortet. Das Best-Practice-Szenario eines Vorstellungsgesprächs schien mir erst wie ein ironischer Beitrag, war aber tatsächlich ernstgemeint. Genauso aufgesetzt „freundlich“ waren dann auch die dressierten Mitarbeiter: perfekt trainiert, aber geradezu entmenschlicht. Ein paradiesisches Spielfeld für jenen Typ Gast, der leider auch hierzulande wächst und gedeiht: Der König ohne Manieren. Überheblich und ungeduldig marschiert er ein, anstatt zu grüßen lädt er gleich mal eine Ladung Frust ab. Er verlangt Leistung auf Champions-League-Niveau benimmt sich aber selber wie tiefste Provinzliga. Keine Frage: Ein Betrieb macht nur Sinn, wenn er sich den Bedürfnissen seiner Kunden verschrieben hat. Aber andererseits: Wenn sich mein Gegenüber fragt, ob hier wo eine versteckte Kamera ist, dann bin wohl eher ich das Problem, oder? Kurz gesagt: Was wäre denn ein König ohne Hofstaat? Was täten wir ohne Kellner, Verkäufer, Kassierer? Vielleicht sollten wir uns weniger um Rezensionen auf Google und Facebook kümmern, sondern mehr um unseren Umgang mit anderen? Denn immerhin gehört zur Gastfreundschaft auch der Gast – der auch willkommen ist. Denn: Zufriedenes Personal ist genauso wertvoll wie zufriedene Kunden.

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MFG URBAN

MIT ENERGIE ZUM KLIMAZIEL

Der ökologische Fußabdruck der Landeshauptstadt ist durchaus herzeigbar – beim Umweltschutz und bei Nachhaltigkeit punktet St. Pölten in vielen Bereichen.

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reitag, 13. April, war heuer nationaler „Overshoot Day“. An diesem Tag haben die Österreicher alle Natur-Ressourcen aufgebraucht, die ihnen, weltweit betrachtet, zustehen. Seither naschen wir bei den anderen mit. „Welterschöpfungstag“ war heuer am 1. August. An diesem Tag haben die Menschen mehr aus der Natur verwendet, als unser Planet erneuern kann, etwa durch 8

Überfischung und Abholzung, und seither blasen wir mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre, als Ökosysteme absorbieren können. Die Menschen nutzen die Natur also 1,7 mal schneller als Ökosysteme sich erneuern können. Mit vielfältigen Folgen für die Umwelt: Klimawandel, WetterKapriolen, Artensterben, leer gefischte Meere, schrumpfende Wälder. Alle können mithelfen, dass der „Earth

Overshoot Day“ wieder nach hinten im Kalender rückt, sagen die Experten von Global Footprint Network. Zum Beispiel, wenn sie das Auto stehen lassen. Denn ein Drittel der heimischen, klimaschädlichen CO2-Emissionen stammt aus dem Auspuff. Weltweit betrachtet würde eine Halbierung des CO2-Ausstoßes den Welterschöpfungstag um 89 Tage verschieben, denn 14 Prozent des CO2-Abdrucks der Menschheit macht der persönliche Transport aus. Und bei Halbierung aller Nahrungsmittelabfälle wäre die Erde elf Tage später erschöpft.


TEXT: BEATE STEINER | FOTOS: JOSEF VORLAUFER, SDECORET/ADOBE STOCK, ZVG

Wie aber stehen die St. Pöltner in diesem Szenario da? Gar nicht so schlecht, im nationalen Vergleich. So hat St. Pölten die Umfrage des World Wildlife Fund als ökologischeste Landeshauptstadt gewonnen. Vor allem die Fernwärme, das Abschalten der Standby-Funktionen bei Elektrogeräten und die regional-saisonale Wahl der Lebensmittel haben den heimischen ökologischen Fußabdruck verringert. Das war allerdings schon 2006, ein Jahr, bevor der LUP-Bus gestartet ist, als eines der Vorzeigeprojekte der Stadtverwaltung. Aber die Stadtentwicklung ist in diese Richtung weitergegangen. Denn St. Pölten hat es sich zum Ziel gesetzt, „Fittest City of Austria“ zu werden – und das gilt nicht nur für die Sportlichkeit der Bewohner, sondern auch für eine „umwelt-fitte“ Stadt. Die Umwelt-Häuptlinge am Magistrat Klimaneutralität, Klimaziele, Umweltschutz, nachhaltiger Lebensraum – das sind Themen, die in jeden Lebensbereich hineinspielen. Daher sind diese natürlich auch in allen Abteilungen der Stadtverwaltung mal mehr, mal weniger relevant. Wer in St. Pölten allerdings über Umweltschutz spricht, der denkt an Ingrid Leutgeb-Born: Die Leiterin des Referates Umweltschutz-Lebensraum hat den Überblick über die Nachhaltigkeits-

UMWELTSCHUTZ. Ingrid Leutgeb-Born ist Leiterin des Referates Umweltschutz.

LUP. Der LUP hat den öffentlichen Verkehr auf eine neue Ebene gehoben. Eine Ausweitung ins Umland wird angstrebt, um den Individualverkehr weiter zu reduzieren. aktivitäten im Magistrat, bei ihr laufen alle Fäden zusammen, sie vernetzt die verschiedenen Bereiche. „Ich gebe Empfehlungen“, sagt sie. Nach außen ist Ingrid Leutgeb-Born das Gesicht für die städtischen Tätigkeiten als Klimabündnisgemeinde, als Vorsitzende des Umweltschutzkomitees und natürlich auch, weil sie seit Jahrzehnten mit unzähligen Aktivitäten das Bewusstsein der jungen und auch älteren St. Pöltner für einen schonenden Umgang mit unseren Ressourcen schärft. So lobt sie jedes Jahr den Umweltpreis für Schulen zu einem bestimmten Thema aus, als Projekt im Rahmen des Klimabündnisses. Denn schon seit 27 Jahren ist St. Pölten Klimabündnisgemeinde. Das Klimabündnis ist in 26 Ländern in Europa aktiv mit einer Vision: In der Welt soll Klimaschutz selbstverständlich sein, die Ressourcen sollen gerecht verteilt werden und alle Menschen sollen sozial, ökologisch und ökonomisch verantwortungsvoll leben. Gemeinsam unterstützen Klimabündnis-Akteure indigene Völker am Rio Negro beim Erhalt des Regenwaldes. Auch der St. Pöltner Stadtsenat hat in seiner Oktobersitzung einer weiteren Unterstützung des Projekts zugestimmt. Vor Ort setzt sich das Klimabündnis aktiv für Klimaschutz, Klimagerechtigkeit und einen nachhaltigen Lebensstil ein. Städte, Gemeinden, Schu-

len und Betriebe können Mitglieder dieses Bündnisses sein, werden in der praktischen Umsetzung von Vorhaben unterstützt. Da hat St. Pölten einiges vorzuweisen. Im heurigen Jahr zum Beispiel Geschwindigkeitsbegrenzungen im Siedlungsbereich zwischen Josefstraße und Mariazeller Straße sowie am Spratzerner Kirchenweg: „Damit soll die Lebensqualität der Anrainer erhöht und mehr Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer gewährleistet werden“, so die Begründung. Apropos Radfahrer: Der Radtag hat schon lange Tradition in St. Pölten, heuer wurden auch Erleichterungen für Radfahrer realisiert, wie die Erlaubnis, in der Wiener Straße gegen die Einbahn zu fahren, im Kindergarten !Biku Villa und in der HTL wurden Radworkshops veranstaltet. Und vom „Radland NÖ“ hat die Stadt St. Pölten sogar einen Mobilitätspreis erhalten, in der Kategorie Infrastruktur für die Bike & Ride-Anlage am Hauptbahnhof. Für Umweltaktivitäten ausgezeichnet wurde die Landeshauptstadt schon öfter, etwa 2001 mit dem Sonderpreis beim Klimabündnis Gemeindewettbewerb zum Thema „Klimaschutz in der Landwirtschaft“ mit einer Förderung für Gülleausbringung mit Schleppschlauchsystem – „damit war St. Pölten Vorreiter“, bestätigt Ingrid Leutgeb-Born. Der größte Klima-Erfolg MFG 11.18

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MFG URBAN der Stadt aber ist die 31 Kilometer lange Fernwärmeleitung von Dürnrohr nach St. Pölten. Der „Meilenstein in der Energieversorgung der Stadt“ (copyright Bürgermeister Matthias Stadler) macht St. Pölten weniger abhängig von Heizöl und Erdgas und brachte Stadt St. Pölten und EVN dank seiner Energieeffizienz, verbunden mit Wirtschaftlichkeit und Klimafreundlichkeit den „Climate Star“, die europaweite jährliche Auszeichnung des Klimabündnisses für herausragende klimafreundliche Projekte. Denn durch die Umwandlung von Abwärme in Fernwärme können jährlich rund 40.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Durch die Reduktion

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von Feinstaub leistet Fernwärme einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität. Nicht jedes Jahr zieht die Landeshauptstadt solch ein Riesenprojekt durch. Aber auch kontinuierliche Aktivitäten in unterschiedlichen Bereichen verbessern das Klima, wie der jährliche Klima-Check für den Klimabündnis-Ausweis beweist. Dieser zeigt, wie viele der insgesamt 80 möglichen Klimaschutzmaßnahmen die Gemeinde bereits umgesetzt hat. Ein Plus zum Topwert A++ fehlt der Landeshauptstadt noch. Das „technische Pendant“ zu Ingrid Leutgeb-Born arbeitet auch daran. Thomas Zeh, Leiter „Technischer

Umweltschutz“ im Magistrat ist Energie-Beauftragter der Stadt und unter anderem verantwortlich für die Umsetzung des Energieleitbilds. Darin hat die Stadt umweltrelevante Ziele festgelegt, die sie bis zum Jahr 2020 erreichen will, etwa die Nutzung lokaler Energiequellen – seit 2015 ist St. Pölten dank der Windkraft bereits energie-autonom – weiters die bereits realisierte Fernwärmeleitung aus Dürnrohr sowie das Fernkälteprojekt fürs Universitätsklinikum. Aber auch die Energiebuchhaltung bei öffentlichen Gebäuden, die Verbesserung des städtischen Mikroklimas und die Sensibilisierung der Bevölkerung fürs Energiesparen und für Klimaschutz


MIT ENERGIE ZUM KLIMAZIEL

finden sich als Ziele im Energieleitbild (das findet sich übrigens auf www.stpoelten.gv.at). Und bei letzteren Vorhaben haben sich in den letzten Monaten interessante Dinge entwickelt. Smart Pölten und die smarten Bürger Die Stadt hat nämlich gemeinsam mit dem Verein „Smart Pölten BürgerInnenbeteiligung“ das SmartCity-Projekt „Stadtoase“ gegründet. Smart-City-Projekte sollen Städte umweltbewusst und mit sozialer Verantwortung gestalten. Ressourcenschonung und Reduktion von Emissionen spielen dabei eine Rolle wie Inklusion, Barrierefreiheit und Nahversorgung.

Die „Stadtoase” konzentriert sich auf die Grünraumgestaltung und lädt zu Workshops, bei denen die Bürger ihre Ideen etwa zur Begrünung und Beschattung der Kremser Gasse einbringen können. Schon im nächsten Jahr sollen die ersten Projekte umgesetzt und die nächsten sieben geplant werden. „Wir wollen mit den Bürgern grüne Oasen der Ruhe und der Lebensqualität schaffen, um die sich die eingebundenen Bürger auch kümmern wollen“, erläutert Christoph Rauchberger vom Zukunftsbüro der Stadt. Das hat noch ein futuristisches Projekt auf der Agenda, nämlich die Vertical-Farming-Studie „wolkenfarm“: Am und im Gebäude der Po-

lytechnischen Schule könnte Gemüse angebaut werden. „Mit diesem urbanen Anbauprojekt wird die Energie-Effizienz des Gebäudes gesteigert. Außerdem kann die vertikale Farm im Lehrplan des Poly genutzt werden“, erklärt Christoph Rauchberger. Und mit Vertikal-Anbau müssen keine zusätzlichen Flächen versiegelt werden. Bis Salat an der Poly-Hauswand wächst, wird allerdings noch viel Wasser die Traisen runterfließen. „Das Thema Boden mit Bodenverbrauch und Bodenrückgewinnung wird allerdings 2019 im Mittelpunkt des Umweltschutzkomitees stehen, bei dem der Verein ‚Smart Pölten BürgerInnenbeteiligung‘ Mitglied wird“, erklärt Ingrid Leutgeb-Born. Vorbildliche Industriebetriebe mit Responsible Care In St. Pölten legen auch die Industriebetriebe sehr viel wert auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Zum Beispiel erzeugt Sunpor mit EPS ein Material, das dämmt, ohne bei der Herstellung die natürlichen Ressourcen der Erde und das Klima zu belasten. Und diese Produkte werden auch nach dem „Responsible Care“-Standard erzeugt, der weltweit als die anspruchsvollste Verpflichtung in der chemischen Industrie gilt. „Bei Salzer Papier hat Nachhaltigkeit eine andere Dimension, wenn man darüber nachdenkt, dass am Standort seit 1469 durchgehend und seit 1798 unter dem Eigentum der Familie Salzer Papier hergestellt wird. Ein Betrieb, der seit Generationen an einem Standort geführt wird, kann nur im Einklang mit der Umgebung und den Menschen, die hier leben, tätig sein“, erklärt Geschäftsführer Thomas Salzer. Dank aktivem Umweltmanagement ist der große Papierbetrieb in St. Pölten kaum mehr spürbar. Themen wie Wasserschutz, lokale Luftverschmutzung wegen des eigenen Zellstoffwerks und Abfälle, die vor Jahrzehnten im Vordergrund stanWOLKENFARM. Vertical Farming in verdichteten Wohnräumen zur Verbesserung des Mikroklimas sowie Lebensmittelgewinnung wird auch in St. Pölten diskutiert.

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MFG URBAN „ E I N PA A R B L U M E N T Ö P F E W E R D E N N I C H T R E I C H E N I M G R O S SVO L U M I G E N WO H N B AU “ Plattform-2020-Obmann Josef Wildburger über nachhaltige Zukunfts-Visionen im Masterplan und wie diese weiterentwickelt werden. Umweltschutz, Klimaziele, Nachhaltigkeit sind Themen, die unsere Zukunft betreffen. Sie haben schon im Masterplan 2006 eine wichtige Rolle gespielt. Eine der Zukunftsvisionen der Stadt: St. Pölten will „Fittest Ciy of Austria“ werden. Dahinter stehen nicht nur sportlich aktive Bewohner, sondern auch eine nachhaltig gepflegte Stadt mit guter Luft.

Wir haben in der Vision für St. Pölten die Gesundheitsstadt als wesentliches Zukunftsbild entwickelt und dieses Bild auch dem Masterplan zu Grunde gelegt. Die Fittest City kann zwingend nur in einem Umfeld entstehen und leben, das Umweltschutz, Klimaziele und Nachhaltigkeit in allen Bereichen ernst nimmt und auch alle kommunalen und regionalen Aufgaben darauf ausrichtet: Raumplanung, Energie- und Wasserversorgung, Abfallwirtschaft, Verkehrswesen, Bauwesen müssen von diesen Zielsetzungen durchdrungen sein.

Welche neuen Ansätze gibt es in einem geplanten Visionspapier für St. Pölten?

Es wird eine Fortschreibung und Weiterentwicklung geben. Dafür braucht es keine neuen Ansätze, es braucht nur die reale Umsetzung schon lange bekannter notwendiger Dinge.

Stichwort Verkehr und Verkehrskonzept: In der Stadt St. Pölten sind niederösterreichweit am zweitwenigsten Autos pro Person angemeldet. Es führt Wiener Neustadt. Wie kann sich die Hauptstadt da noch verbessern? St. Pölten ist, wie im Masterplan ausführlich dargestellt, die Stadt der Fußgänger. Das müssen wir sowohl innerstädtisch als auch in den Stadteilen weiter vorantreiben und in die Region tragen. Der Knoten Bahnhof, der LUP und ein optimiertes

den, spielen kaum mehr eine Rolle. In den letzten Jahren lag der Fokus des Industriebetriebes daher auf der Senkung des Wasser-, Wärme- und Stromeinsatzes je Tonne produziertes Papier. „Nachdem uns ein Berater 2007 konstatiert hat, dass wir insgesamt 1,5% Energie – mit sehr hohen Investitionen – sparen können, haben wir uns die Sache etwas genauer angesehen und alle Prozesse redesignt. So konnte bei Salzer Papier in den letzten zehn Jahren der Stromverbrauch je Tonne Papier um 3,5% und 12

Radwegenetz sind dafür eine wesentliche notwendige Unterstützung. Auch die entsprechende Nutzung und Gestaltung des öffentlichen Raums spielt eine entscheidende Rolle.

Stichwort „Smart Pölten“: Wie können die bemühten Versuche, St. Pölten zu „begrünen“, erfolgreich sein? Sind das Konzept „Wolkenfarm“ und die „Stadtoase“ nicht nur Augenauswischerei, um wieder einmal das Ziel „fittest city“ in die Medien zu bringen?

Auch der reichliche Grünraum zählt zu unseren „Bodenschätzen“, die uns von vielen anderen Mittelstädten unterscheiden: Eine (noch fertig zu sanierende) Promenaden-Allee umschließt die Altstadt in der Innenstadt, in der sich nach wie vor viele Grünflächen und Gärten befinden. Dieser urbane Kern grenzt an Villenviertel, Stadtwald, Sparkassenpark, Hammerpark und Traisen. Diese zieht sich mit ihren Auen durch die ganze Stadt. Unser Seengebiet ist für jeden leicht erreichbarer Erholungsraum. Wir müssen als wachsende Stadt allerdings aufpassen, dass wir darüber schon in der Planung die Notwendigkeit nicht übersehen, die Stadt vertikal zu entwickeln und übermäßige Flächenversiegelung vermeiden: Unsinnigkeiten wie die nur eingeschoßige Rathausgarage dürfen nicht mehr passieren. Die Stadt muss von unten nach oben optimiert werde. Das Mikroklima und seine Entwicklung spielen dabei eine große Rolle, ein paar Blumentöpfe werden im großvolumigen Wohnbau nicht reichen. Hier sind wir gefordert, vertikale Gärten zu errichten, die Dachflächen entsprechend zu gestalten, über effiziente Kühlsysteme nachzudenken und vieles mehr. Der öffentliche Raum, seine Nutzung und seine kühle und grüne Gestaltung werden zur wichtigen Zukunftsaufgabe. Die grünen Lungen der Stadt müssen sich verästeln und die Stadt durchdringen.

der Wärmeverbrauch je Tonne Papier um knapp 17% gesenkt werden“, so Thomas Salzer. Nebenbei konnte auch der Faserverlust und Wasserverbrauch weiter optimiert werden. Da die verbrauchte Energie fast ausschließlich aus dem lokalen Gaskraftwerk kommt, sank dadurch auch der spezifische CO2-Ausstoß. Andere Länder haben auch smarte Städte Unter den Smart Cities gilt die dänische Hauptstadt als die smarteste.

Kopenhagen hat weltweit den geringsten CO2-Ausstoß pro Person. Ein System namens Copenhagen Connecting verbindet Daten aus dem Mobilfunk, GPS-Systeme aus Bussen und Sensoren in der Kanalisation und Mülleimern. So soll durch ein intelligentes Entsorgungssystem und verkürzte Fahrtzeiten noch mehr CO2 eingespart werden. Das soll auch mit einem intelligenten Parksystem gelingen, mit dem Nutzer per App freie Parkplätze finden können, ohne lange herumzufahren.


MIT ENERGIE ZUM KLIMAZIEL

Wie in Kopenhagen ist auch in Amsterdam das Rad das bevorzugte Fortbewegungsmittel. Der Amsterdam Energy Atlas trägt das gesamte Energiepotential der Stadt auf einer Karte zusammen. Die niederländische Hauptstadt verarbeitet außerdem in der Initiative Amsterdam Smart City frei verfügbare Daten und betreibt damit mehr als 70 Projekte. Dazu gehören die Living Labs, Testgemeinden, in denen neue Ideen vor dem stadtweiten Einsatz ausprobiert werden. So gibt es zum Beispiel das Projekt SmartWork@Ijburg, das kostenloses WLAN und Co-Working-Büros zur Verfügung stellt, damit die Einwohner arbeiten können, ohne pendeln zu müssen. Und außerdem gibt es den TrafficLink, wo Daten zur Verkehrslage aus privaten und öffentlichen Quellen zusammengetragen werden. Daraus lässt sich der schnellste und umweltfreundlichste Weg von A nach B errechnen. Auch London gehört zu den Smartest Cities in Europa. Denn die britische Hauptstadt ist eine der Metropolen für grüne Bauweise. Da gibt es zum Beispiel eine Schule, die mehr CO2 aufnimmt, als sie verbraucht und umliegende Häuser mit überschüssiger Energie versorgt. Oder einen Supermarkt, wo alle Lebensmittelabfälle in Energie umgewandelt und in das Stromnetz gespeist werden. Ebenfalls in London ansässig ist das BowZed-Haus, ein Wohnkomplex, der so gut isoliert ist, dass er keine Zentralheizung benötigt und mit Solarzellen und Windturbinen Strom erzeugt. Die Smart Cities von morgen In einer Dokumentation präsentiert das „Zukunftsinstitut“ die Stadt der nahen Zukunft. Zum Beispiel, dass das wachsende Verkehrschaos das Mobilitätsverhalten verändern wird: „Wer in der Stadt schnell von A nach B kommen will, steigt bereits jetzt zunehmend auf Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel um. Und die junge Generation in den Städten macht es vor: Für diese Generation ist Nutzen statt Besitzen eine weitaus flexiblere Möglichkeit,

ihren mobilen Lebensstil zu gestalten.“ Oder: „Wichtiger Treiber für die neuen Mobilitätsstrategien ist die zunehmende Digitalisierung, die Mobilität dank Apps, GPS und Ubiquitous Computing in den Alltag integriert. Doch nicht nur die horizontale Mobilität ist ein entscheidender Faktor für die Zukunftsfähigkeit der Städte. Vertikale Mobilität ist der Schlüssel zur Effizienz einer Stadt. Mobilität innerhalb der Gebäude wird nicht nur Personen befördern, sondern das System „Haus“ steuern. Die Auslastung der vertikalen Mobilität stellt die Berechnungsgrundlage für Strombedarf, Kühlung, Heizung und Wasserverbrauch dar: Optimal gesteuert, ermöglicht es die ressourceneffiziente Nutzung des gesamtstädtischen Systems.“ Oder: „Die Zukunft der westlichen Städte liegt in ihrer Erneuerung von innen heraus, in einer sukzessiven Optimierung der bestehenden Strukturen – sozusagen dem permanenten Update der Stadt. Die „Hardware“ – Infrastruktur und Gebäudebestand – in den gewachsenen Städten der westlichen Länder besteht bereits. Trotz der Renaissance der Städte ist auf Grund des bereits hohen Urbanisierungsgrades der westlichen Städte das Flächenwachstum künftig gering. Damit steht eine Frage im Vordergrund: Wie weiter bauen? Die Zeit der großen „OneIdea-fits-all“-Masterpläne, bei denen großflächig ganze Stadtteile aus dem Boden gestampft wurden, ist vorbei. An- und Weiterbau statt Abriss und Neubau bestimmen einen Paradigmenwechsel in der Planungsstrategie, der maßgeblich vom Megatrend Neo-Ökologie beeinflusst ist. Heute entwickeln Stadtplaner und Architekten Pläne für den Umgang mit dem Bestand, statt wie bislang alles wegzureißen. Nachverdichtung, das heißt Bauen.“ Oder: „Intelligente Stadtkonzepte und smarte Designs vereinen die Potenziale von Natur und Technik.“ Nach diesen Kriterien hätte St. Pölten durchaus das Potenzial zu einer Stadt der Zukunft.

U M W E L T- S P L I T T E R • Seit 27 Jahren ist die Stadt Klimabündnisgemeinde und unterstützt seither jährlich das Projekt Rio Negro. Dadurch ist es den indigenen Völkern gelungen ein zusammenhängendes Gebiet Regenwald, größer als Österreich, zu schützen und in seiner Ursprünglichkeit zu bewahren. • Die Stadtgärtnerei verzichtet bei der Unkrautbekämpfung auf Glyphosat. • Die Gemeindestraßen- und Wasserbauverwaltung der Stadt hat einen Heißdampferzeuger angekauft, um das Unkraut entlang von Gehsteigen bzw. Geh und Radwegen (Pflasterritzen) umweltschonend entfernen zu können. • Altstofftrennung wird seit Jahren durch das System der Sammelstellen und Sammelinseln vorbildlich und weit über das Maß der Umlandgemeinden durchgeführt und forciert. • Beim Neubau der Sauna in der Aquacity und dem damit verbundenen Energie-Contracting stand die Energieeinsparung und Energieeffizienz im Vordergrund • Im Rahmen der Umweltbildung kauft die Stadt jährlich Bildungsschecks vom Klimabündnis Niederösterreich. Damit können Schulen im Stadtgebiet umweltrelevante Themen im Unterricht als Workshops einbauen. Darüber hinaus lobt die Stadt jährlich einen Schulwettbewerb zu einem Umweltthema aus. • Seit der Gründung der Immo St. Pölten vor zehn Jahren wurden laufend die städtischen Wohnobjekte thermisch saniert und damit nicht nur Heizkosten gespart, sondern ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz geleistet. • Die Stadt fördert die thermische Solarenergie und Wärmepumpen im Privatbereich. • Beim Greenpeace Landeshauptstädte-Mobilitätsranking, das sich am Pariser Klimaabkommen orientiert, erreichte St. Pölten den 2. Platz hinter Wien. Positiv hervorgehoben wurden die Verbesserungen beim LUP-Bus, negativ bewertet wurde, dass „die gesetzten Maßnahmen im Sinne der Mobilitätswende eher kontraproduktiv sind, da versucht wird, dem motorisierten Individualverkehr ausreichend Parkraum zur Verfügung zu stellen.

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MFG URBAN BUNTE GEDANKEN ÜBER KLIMASCHUTZ & CO. SP-Umweltstadträtin Renate Gamsjäger, VP-Umweltsprecher Josef Brader, FP-Stadtrat Klaus Otzelberger und der Grüne Gemeinderat Markus Hippmann über Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Klimaziele in der Landeshauptstadt.

Welche Ziele sollte die Stadt in Sachen Umweltschutz haben?

Was trägt eine Realisierung des Verkehrskonzepts zu angestrebten Klimazielen bei? Könnte es auch E-Busse geben? Gibt es Überlegungen zu einem Dieselverbot in der City?

RENATE GAMSJÄGER

Die Klimaziele finden sich im Energieleitbild der Stadt formuliert. Dabei geht es um Einsparungen von Energie und damit CO2. Das Energieleitbild wurde vor zehn Jahren erstellt und vom Gemeinderat beschlossen. Im kommenden Jahr wird es evaluiert und aus der Evaluierung werden neue Ziele abgeleitet. Aufgrund der Stromproduktion durch Windräder, Laufkraftwerke und Photovoltaik-Anlagen ist die Stadt – theoretisch – bei Strom energieautark.

Der nicht motorisierte Individualverkehr – also Rad und Fußgänger – sowie der öffentliche Verkehr werden gefördert mit dem Ziel, den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren. Dazu ist es notwendig, die Netze auszubauen, zum Beispiel das Radwegenetz oder das Busnetz. So stehen derzeit etwa 200 km Radwege zur Verfügung. Und das Netz wird laufend erweitert. Ein Dieselverbot ist aufgrund der Größe der Stadt im Alleingang nicht machbar.

JOSEF BRADER

Derzeit erreichen wir die Energieautarkie nur mit Hilfe der privat errichteten Windräder. Weitere Anstrengungen der öffentlichen Hand sind notwendig, z. B. Photovoltaik auf allen öffentlichen Gebäuden als Ziel. Wenn Abfall achtlos auf die Straße geworfen wird, sollten Strafen verhängt werden. Das Traisenufer beim Radweg ist verwildert. Die Uferböschungen sollten gepflegt und für Menschen nutzbar gemacht werden, siehe Radwege in der Wachau.

Buslinien sollten schrittweise erweitert werden, auch in das Umland. Mehr Elektro-Tankstellen sollten geschaffen werden, und das Radwegenetz sollte in die umliegenden Gemeinden erschlossen werden. Ein Dieselfahrverbot macht keinen Sinn, weil das nur punktuell für die Innenstadt angedacht ist. Dies begründet sich umso mehr, weil die geplante Transitroute S34 durch das Stadtgebiet führen soll und somit ein Vielfaches an CO2-Ausstoß mit sich bringt.

KLAUS OTZELBERGER

Diesbezüglich sind der Ausbau und die Pflege des Naherholungsgebiets Ratzersdorfer See sowie die Erhaltung des Sonnenparks anzuführen. Im Bereich Reduzierung des Energieverbrauchs der Haushalte könnte die Stadt aktiver fördern und die eigenen Immobilien energieoptimieren. Im Bereich öffentlicher Verkehr wird zwar auf ein funktionierendes Bussystem gesetzt. Innovative Projekte zur Erhöhung des Anteils an der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel fehlen.

Ein Dieselverbot löst nichts. Weniger Individualautoverkehr wäre die Lösung. Weniger Verkehr, weniger Abgase, weniger Staub und Lärm. Das Ziel wäre Erhöhung der Mobilität und des Komforts für den einzelnen, und Reduktion des Autoverkehrs. Eine Herausforderung, aber möglich. Hierzu benötigt es jedoch mutige und innovative Schritte. Danach sieht es mit der derzeitigen Mehrheitspartei jedoch nicht aus, ob das gelingen könnte.

MARKUS HIPPMANN

Eine Auto-freie Innenstadt, also alles innerhalb der Promenade samt Einbahnregelung für den öffentlichen Verkehr. Verbesserung des Mikroklimas, also mehr Grünflächen oder Bäume, auch vertikale Begrünung. Ausrüstung öffentlicher Gebäude mit Photovoltaikanlagen. Vermeidung von Plastikmüll, generelles Recycling, E-Mobilität, Ausbau des Radnetzes, Schaffung neuer Parkanlagen, nachhaltiger Wohnbau, Förderung regionaler Lebensmittel etc.

Öffentlicher Verkehr ist dem Individualverkehr vorzuziehen. Es gibt einen grünen Konzeptvorschlag für Park & Ride-Anlagen an den Stadtzufahrten, mit Shuttledienst zum Bahnhof. Positiver Nebeneffekt ist ein fließender Verkehr und keine Staubildung. Der Bus alleine ist für die Zukunft sowieso zu wenig. St. Pölten benötigt eine effziente Nord/Süd-Verbindung, wohl über den klassischen Schienenverkehr. Einem Dieselfahrverbot kann ich nichts abgewinnen.

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MIT ENERGIE ZUM KLIMAZIEL

Was bringen Konzepte wie „Smart City“?

Was können gelungene Umweltschutzprojekte zu einer erfolgreichen Bewerbung als Kulturhauptstadt beitragen?

Natürlich sind alle Projekte, die das Kleinklima der Stadt positiv beeinflussen und der Überhitzung entgegen wirken, begrüßenswert. Dazu kommen soziale Aspekte. All das entspricht vorbildhaft der Umsetzung der Klimabündnis-Ziele. Vor allem aber werden der Umweltschutzgedanke, Strategien gegen den Klimawandel und Klimaanpassung in die Bevölkerung getragen. Nur wenn sich viele aktiv etwas tun, kann Veränderung entstehen.

Innovative Projekte wie die Wolkenfarm verändern die Kulturtechnik des Pflanzenanbaus und der Nahrungsgewinnung. Daher glaube ich, dass die Smart City durchaus unterstützend und positiv für unsere Bewerbung als Kulturhauptstadt sein kann.

Solche Konzepte sind sehr positiv, weil nachhaltig und für die Nachkommen von großem Nutzen.

Auengebiete und die Seen-Landschaften bieten Biotope als Lernpotential für Kinder und Jugendliche, die Seen vielfältige kulturelle Möglichkeiten. Mehrere Windschutzgürtel im Zuge von Flurbereinigungsverfahren ermöglichen Brutstätten für Vogelarten, Schutz für Wildtiere und verhindern Erosion. Generell ist der sorgsame Umgang mit unserer Lebensgrundlage, der Natur, ein Gradmesser dafür, in welcher kultivierten Gesellschaft wir uns befinden.

St. Pölten kann mit dem Konzept der Smart City den Fokus auf den Umgang mit Umweltverschmutzung, demographischen Wandel und Bevölkerungsentwicklung legen.

Umweltschutzprojekte können mit entsprechenden Konzepten zum besseren und nachhaltigeren Leben in der Stadt beitragen. Dazu gehören auch Konzepte des Teilens, zum Beispiel Car-Sharing oder mehr Bürgerbeteiligung bei Projekten der Stadt.

Jedes Konzept, welches sich mit der Lebensqualität und dem Miteinander beziehungsweise der nachhaltigen Entwicklung der Stadt beschäftigt, hat seine Daseinsberechtigung. Je mehr es davon gibt, desto eher bekommen die Einwohner ein Gefühl dafür, und natürlich ist es toll, wenn man sich als Einzelperson auch einbringen und seine Ideen mit anderen austauschen kann.

Ich denke, dass das Gesamtbild für dieses Jahrhundertprojekt passen muss. Natürlich trägt jedes Umweltschutzprojekt zur Identifizierung mit der Stadt bei.

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WENN SICH DER WIND DREHT

Hört man in St. Pölten den Namen Trauttmansdorff, denkt man unweigerlich an Schloss Pottenbrunn sowie die von den Nazis ermordeten Widerstandskämpfer Josef und Helene Trauttmansdorff. In Hinkunft wird man noch etwas unverwechselbar mit der Familie assoziieren: Wind! Dafür zeichnet Windkraftpionier Johannes Trauttmansdorff mit seiner „ImWind“ verantwortlich.

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as Hauptquartier der Firma, die auch einen Ableger in Wien hat, befindet sich gleich neben dem Schloss in der alten Hofmühle. Während draußen ein altes, seine Kreise ziehendes Mühlrad an die ehemalige Nutzung erinnert, überrascht das Innere nach vormaliger kompletter Entkernung mit einem modern-stylischen Ambiente. Von den Büros sowie vom Besprechungszimmer im oberen Geschoss aus, wo wir uns mit Johannes Trauttmansdorff zusammensetzen, genießt man einen herrlichen Blick auf 16

Schloss und Schlossgarten und kann morgens und mittags das lebendige Treiben der Kinder der benachbarten Montessori-Schule beobachten – es gibt wahrlich schlimmere Arbeitsplätze. Wirtschaftlich betrachtet war die Sanierung des alten Gemäuers, um es euphemistisch auszudrücken, teure Liebhaberei, im Sinne der Tradition und Erhaltung alter Substanz aber vorbildlich. „Und wenn nicht einmal wir uns das leisten, wer hätte es sonst tun sollen?“, fragt Trauttmansdorff, der im neugeschaffenen Hauptquar-

tier im Übrigen auch eine kleine Kantine für die Mitarbeiter eingerichtet hat, wo ein Koch – auf Kosten des Arbeitgebers – „täglich frisch und bio kocht. Das schmeckt erstens besser, fördert die Kommunikation, weil wir zusammensitzen, und es ist natürlich gesünder.“ Und gesunde und zufriedene Mitarbeiter sind wieder motivierter und besser für das Unternehmen, so die Grundüberlegungen des Chefs. Man ahnt schon, wie Trauttmansdorff tickt. Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Verantwortungsbewusstsein sind nicht nur Schlagworte, sondern Lebensphilosophie, die er von Anfang an in all seinen Betrieben großschreibt – zuallererst im elterlichen Land- und Forstwirtschaftsbetrieb. Der Familie Trauttmansdorff gehören rund um Pottenbrunn etwa 350 ha Land, davon 250 ha Wald sowie 100 ha Äcker.


TEXT: JOHANNES REICHL | FOTOS: ROCKENBAUER, MARIUS HÖFINGER

Heute würde man von Workaholic sprechen, wobei es Trauttmansdorff in Sachen Selbstausbeutung sozusagen irgendwann übersieht und zweimal ins Burnout schlittert. „Ich brauchte in Folge professionelle Hilfe“, erzählt er „und habe in der Zeit viel über mich selbst und mein Leben gelernt.“ In einer der Stressphasen, er muss kurzfristig nach Spanien, vergisst er das Maislager nach nächtlicher Belüftung morgens wieder zu schließen. „Als ich nachhause gekommen bin, hat es schon in ganz Pottenbrunn nach verschimmeltem Mais gerochen.“ Gut 50% der Ernte gehen verloren, „und da habe ich gewusst, ich muss etwas ändern!“ In Folge bewirtschaftet Trauttmansdorff den Betrieb mit einem Partnerbauern über den Maschinenring, später folgt die komplette Verpachtung, um sich voll und ganz auf die Windenergie zu konzentrieren.

Die Sache mit dem Mais Schon der Vater ist, was man klischeemäßig wohl vordergründig weniger mit Adel assoziiert (aber doch immer ein Kerngeschäft ist), Forst- und Landwirt. Der Junior wächst ganz selbstverständlich in diese Welt hinein. „Ich bin schon als kleiner Bub meinem Vater im Wald hinterher gestolpert und auf dem Traktor gesessen.“ Als einziger Sohn – Trauttmansdorff hat drei Schwestern – ist zudem klar, dass er einmal den Betrieb übernehmen wird. „Das habe ich auch nie in Frage gestellt“, räumt er ein, und so studiert Trauttmansdorff nach Besuch der Volksschule Pottenbrunn sowie des Stiftsgymnasiums in Melk Landwirtschaft im deutschen Weihenstephan, „weil die Uni einen hervorragenden Ruf genossen hat.“ In kürzester Dauer zieht der Jugendliche das Studium durch und über-

nimmt, back home, 1994 im zarten Alter von nur 23 Jahren den elterlichen Betrieb. „Ich kann mich noch erinnern, wie mein Vater mit mir ins Büro im feucht-kalten Keller hinunter gegangen ist und nur gesagt hat: ‚So, da ist dein Schreibtisch!‘ Das einzige elektronische Gerät darauf war ein Taschenrechner!“ Voll neuer Ideen und Visionen stürzt sich der Jungbauer „radikal“ in die Modernisierung des Betriebes, „wobei mir von Anfang an biologische Landwirtschaft und Nachhaltigkeit ein Anliegen waren.“ „Nebenbei“ wird noch geheiratet, das erste Kind wird geboren und – späterhin – kommt auch noch das Herzensprojekt Windkraft hinzu. „Meine Mutter hat gesagt, ich bin in der Zeit nie gegangen, sondern immer nur gelaufen, und ich selbst bin mir vorgekommen wie ein Hendl, das kopflos durch die Gegend läuft.“

Die Sache mit dem Wind Wobei auch da Mais indirekt eine Rolle spielt. Beim Maisverkauf nämlich trifft er einen befreundeten Bauern „und was tun zwei Bauern, wenn sie sich sehen? Sie jammern“, lacht Trauttmansdorff. Damals beklagen sich beide über die eingebrochenen Maispreise nach dem EU-Beitritt Österreichs. „Vorher bekamen wir 4,65 Schilling pro Tonne, nachher war es nur mehr 1 Schilling. Es gab zwar Förderungen, aber wir haben uns gefragt, wie lange diese wohl laufen werden?“ Es stellt sich also die Frage nach Alternativen. „Ich hab mich damals schon mit Wind­ energie beschäftigt, und mein Freund hatte zufälligerweise tags zuvor ein gebrauchtes Windmessgerät gekauft.“ Am folgenden Tag fahren die beiden schon auf die höchste Erhebung Pottenbrunns, graben dort ein Loch, bestücken eine zugeschnittene Fichte mit dem Windmessgerät und stellen den Baum wieder auf, um in luftiger Höhe die Windstärke zu messen – der Beginn einer neuen Ära und definitiv der Aufbruch ins Ungewisse, denn Windkraft „galt damals als absolutes Hirngespinst. Die Fachwelt hat der Technologie keine Chance gegeben.“ MFG 11.18

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IMWIND. Das Hauptquartier von ImWind ist in der ehemaligen Hofmühle des Schloss Pottenbrunn situiert und verbindet Tradition mit Moderne. Es widerspiegelt auch die Werte Johannes Trauttmansdorffs: Nachhaltigkeit, Mut, Umweltschutz und Verantwortungsbewusstsein.

Trauttmansdorff lässt sich davon aber nicht beirren und läuft in Folge „von Pontius zu Pilatus“, um eine Finanzierung aufzustellen und Fördergeber zu finden. „Windkraft ist ja extrem kapitalintensiv. Heute muss man mit Herstellungskosten von etwa fünf Millionen Euro pro Windrad rechnen, ein Windpark kommt da schon auf gut 20-25 Millionen“, rechnet er vor. Zwar werden damals noch kleinere Brötchen gebacken, „aber auch die 35 Millionen Schilling, die unser erster Windpark gekostet hat, waren für uns eine schier unvorstellbare Summe. Wir haben gewusst, wenn das schief geht, dann sind wir Haus und Hof los. In Wahrheit hatten wir nur unseren Idealismus, aber kein Budget.“ Aber auch ein Fieber und eine Leidenschaft, die ansteckend sind. So können sie etwa den damaligen Bürgermeister Willi Gruber für die Idee eines Windparks begeistern, der die Windkraftpioniere „wir waren gerade einmal fünf Mann hoch“ zu einem Termin beim Landeshauptmann be18

gleitet – und Zeuge eines Desasters wird. Der LH zeigt kein Verständnis für die vermeintlich abstrusen Ideen und komplimentiert die Jungspunde, um es elegant zu formulieren, unsanft aus seinem Büro. „Umso überraschender kam dann, dass zwei Wochen später der damalige ÖVP-NÖ-Klub­ obmann Ernst Strasser angerufen hat und wir in ein Förderprogramm gerutscht sind.“ Der erste Windpark entsteht 1998 in Pottenbrunn, wobei viele das Scheitern der „Spinner“ erwarten – das freilich ausbleibt. Das erste Windrad läuft gut, so gut sogar „dass die EVN anfangs drei Mal den Zähler ausgetauscht hat, weil sie den Zahlen nicht geglaubt hat“, schmunzelt Trauttmansdorff.

Wind wird sexy Der Erfolg gibt den Pionieren sprichwörtlich Aufwind. Sie schließen sich zur IG Windkraft zusammen und sind, „weil es sich bei der Materie ja um völliges Neuland gehandelt hat“ auch in die Entstehung einer Gesetzgebung aktiv miteingebunden. „Eine harte Zeit, weil sich das Gesetz anfangs ja alle zwei Jahre geändert hat und wir uns immer wieder neu anpassen mussten.“ Auch die damalige Diskussion um Bundesförderungen ist ein Wechselbad der Gefühle. Während Wirtschaftsminister Martin Bartenstein „obwohl er vorher Umweltminister gewesen ist, praktisch alles abgedreht hat“, bringt sein Nachfolger Reinhold Mitterlehner das wegweisende Ökostromgesetz auf Schiene. Das Fahrwasser werden also ruhiger

Jeder begreift, dass es den Klimawandel gibt, nur Leute wie ein blondierter Präsident in Übersee offensichtlich nicht. JOHANNES TRAUTTMANSDORFF


WENN SICH DER WIND DREHT

und Investoren und Banken – „in der Anfangszeit allen voran Franz Frosch von der damaligen Creditanstalt“ – beginnen an die Pioniere zu glauben und Windkraft-Projekte zu finanzieren. Nach der Finanzkrise 2008/2009 ist das Standing der jungen Branche mittlerweile so gestiegen, „dass die Banken auf der verzweifelten Suche nach guten, sicheren Projekten v. a. auch in Windkraft investiert haben.“ Diese gilt mittlerweile als solides Investment mit vernünftiger Rendite. Tatsächlich sind Effizienz und Wirtschaftlichkeit extrem gestiegen. Hatte der erste Windpark in St. Pölten mit fünf Windrädern noch eine Leistung von 5x500 kW, „so hat heute allein ein einzelnes Windrad die 6-fache Leistung davon!“, umreißt Trauttmansdorff den Entwicklungssprung. In Folge baut sein Unternehmen Windpark um Windpark oder beteiligt sich an solchen, außerdem wird man in Nachbardisziplinen wie Wasserkraft und Photovoltaik aktiv – und zwar nicht nur in Österreich, sondern auch in ganz Europa und Übersee. Am Ende des Tages steht ein Investitionsvolumen von unglaublichen 750 Millionen Euro. Man hat Windkraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 500 MW errichtet, die eine Million Menschen mit Strom versorgen. 2008 holt Trauttmansdorff, bislang mehr oder weniger als One-ManShow unterwegs, mehrere Partner mit an Bord und tariert das Unternehmen neu aus. „Wir haben einen Teil der Windparks verkauft, um besser zu diversifizieren.“ Heute ist „ImWind“ neben dem Kerngeschäft auch in der Immobilienentwicklung tätig – aktuell baut man etwa ein Design-Outletcenter in Bordeaux „das wir dann auch vermieten.“ Weiters investiert man in Start-ups wie Mercadeo, hält Anteile an n26, der größten onlinebank Europas, oder – Trauttmansdorff ein besonderes Anliegen – setzt auf old economy. Vor einem Jahr ist man z. B. mit über 25% beim österreichischen Tradtionsunternehmen Trodat (Stempel) eingestiegen. Selbstredend betreibt man aber nach wie vor Windparks und ist immer wieder in neue Projekte involviert. Das

größte entsteht aktuell in Kolumbien, „wo perfekte Bedingungen für Windkraft herrschen und ein Windpark in der Größenordnung von 600 MW errichtet wird.“ Und auch wenn die Errichtung von Windparks nach wie vor ein teures Unterfangen ist, produzieren sie mittlerweile aufgrund des niedrigeren Wartungsaufwandes sowie der gestiegenen Effizienz billiger Strom als die Konventionellen. „An Topstandorten produzieren wir Strom um zwei bis drei Cent und sind damit billiger als alle anderen Energieformen. Sogar in Österreich mit weniger guten Standorten als in Kolumbien oder Chile liegen die Gestehungskosten für Windenergie und Photovoltaik mittlerweile bei 6 bis 8 Cent, je nach konkretem Standort – und das ohne jeden Cent Förderung. “ Am falschen Dampfer? Stellt sich freilich die Frage, warum dann noch immer auch konventionelle, als schmutzig und gefährlich geltende Technologien gefördert werden. Liegt es an den starken Lobbys? „Eher an dummen Politikern“, ist Trauttmansdorffs trockener Kommentar. „Jeder begreift, dass es den Klimawandel gibt, nur Leute wie ein blondierter Präsident in Übersee offensichtlich nicht“, spielt er auf den Ausstieg der USA aus dem UNOKlimavertrag an. Aber auch Deutschland setzt seiner Meinung nach – auch wenn man sich zum Ausstieg aus der Atomenergie bekannt hat – aufs falsche Pferd. „Unser lieber Nachbar fördert zum Beispiel nach wie vor Braunkohle – das ist der allerschlimmste lokale Verschmutzer überhaupt!“, schüttelt er den Kopf. Ebenso wenig nachvollziehbar ist ihm, dass weltweit noch immer mehr als die Hälfte der Förderungen in Atomenergie und kalorische Kraftwerke fließen. Noch dazu, wo diese – wie etwa im Falle der Atomenergie – leicht ersetzbar wären. „Atomstrom deckt unter 5% des Weltenergiebedarfs ab!“ Trotzdem soll – was schwer umstritten ist und deshalb aktuell im Standby-Modus verharrt – das englische Kraftwerk Hinkley Point einen neuen Reaktor bekommen, gefördert auch aus Steuer-

mitteln. „Dort hat man, wertgesichert, einen Abnahmepreis von 11,2 Cent/ kwH auf 35 Jahre zugesichert. Bei uns, zum Vergleich, liegt der Stromfördertarif bei sieben bis acht Cent, nicht wertgesichert wohlgemerkt! Und das auch nur auf 13 Jahre, dann müssen wir uns am freien Markt behaupten!“ Wo man aber ohnedies auf der Überholspur ist. „Über 50% des Energiekapazitätszubaus kommen mittlerweile aus erneuerbaren Energien“, so Trauttmansdorff. Tendenz weiter steigend, weshalb er auch das Lamentieren über einen zu langsamen Fortschritt für unangebracht hält. „In Wahrheit geht der Wandel sogar abartig schnell voran. Und grundlegende Transformationsprozesse dauern eben ihre Zeit. Wir sind gut unterwegs.“ Das attestiert er auch einer, wenn man es so möchte, verschränkten Disziplin: der E-Mobilität. Jüngste Pflänzchen wie aktuell in Wien, wo E-Scooter an Hotspots situiert werden, zeigen wohin die Reise geht. „Ich bewege mich mit den Öffis, und wenn ich aus der U-Bahn steige, fahre ich mit dem Rad oder dem E-Scooter weiter. In Zukunft wird man in großen Städten also kaum mehr ein eigenes Auto brauchen.“ Zudem sei die Klimabilanz umweltfreundlicher als jene

PIONIER. Johannes Trauttmansdorff glaubte als einer der ersten an Windkraft. MFG 11.18

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MFG URBAN konventionell betriebener Fahrzeuge – so der Strom aus grünen Technologien kommt. „Beim E-Auto gehen 95% der aufgebrachten Energie direkt in den Antrieb, beim Diesel oder Benziner sind es hingegen gerade einmal 45%. Der Hauptteil geht durch Abrieb, Hitze etc. verloren“, erklärt Trauttmansdorff. Zudem verweist er die gern am Stammtisch verbreitete Weisheit, dass man für so viele Stromfresser ja gar nicht genug Strom erzeugen könne, ins Reich der Fantasie. „Der weltweite Gesamtenergiebedarf wird mit den neuen Ansprüchen um etwa 10% steigen. Das ist mit erneuerbaren Energien leicht zu schaffen. Die Herausforderung ist eher die Schaffung eines Netzwerkes mit Schnellladestation, das auch zu Spitzen Verfügbarkeit garantiert – aber auch das sollte schaffbar sein.“ Point of no return? Das größte Problem in Sachen CO2Ausstoß ortet Trauttmansdorff aber ohnedies nicht nur im Verkehr, son-

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WINDPARK POTTENBRUNN. Dank Trauttmansdorffs Pioniergeist zählt St. Pölten zu den Pionierstädten in Sachen Windkraft.

dern v. a. auch in der Landwirtschaft. „Über 25% der Treibhausgase werden durch Rindermägen produziert! Ein Molekül Methan entspricht einem Äquivalent von 32 Molekülen CO2“, erklärt er. Um hier gegenzusteuern bedürfte es einer kompletten Umstellung

der Ernährungsgewohnheiten, wofür er schwarz sieht, „weil der Mensch zu bequem und zu gierig dafür ist.“ Das Problem sei, dasss wir aber „schon schon jetzt viel zu viel CO2 in der Luft haben – und der Ausstoß wird in den nächsten zehn Jahren sogar


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noch steigen! Ich glaube es gibt einen point of no return, und den haben wir möglicherweise schon überschritten“, so seine fatalistische Einschätzung. Ein Indiz dafür ortet er auch in jüngsten, besorgniserregenden Entwicklungen. „Heuer hat man zum Beispiel eine Verlangsamung der Ozeanströme konstatiert.“ Dadurch sei weniger Wind entstanden, Niederschlag sei ausgeblieben, die Hitzewelle hätte sich ungewöhnlich verlängert, Extreme seien an der Tagesordnung gestanden. „Zum einen hatten wir etwa in unseren Breiten monatelang keinen Regen, zugleich ist aber Kärnten abgesoffen.“ Nur Klima-Ausreißer, wie es sich manche schönreden? Trauttmansdorff ist skeptisch. „Wenn das öfter passiert, dann gnade uns Gott. Denn wenn der Golfstrom, auch das ist theoretisch möglich, völlig zum Erliegen kommt, werden nicht die Afrikaner zu uns kommen, sondern werden umgekehrt wir in den Süden flüchten.“ Die großen Völkerwanderungen der Geschichte seien immer klimaindizierte gewesen und „Menschen, die hun-

gern, haben keine andere Wahl – die marschieren los. Die sind auch nicht aufzuhalten.“ Auch ein worst case Szenario zeichnet Trauttmansdorff. „Ich befürchte, wenn wir so weitermachen, werden wir die Kurve nicht kratzen. Wobei es nicht so sein wird, dass wir sozusagen die Erde zerstören, wie es immer formuliert wird, sondern die Erde wird gut sieben Zehntel von uns Menschen abwerfen.“ Apokalypse now? Klingt nicht gerade zuversichtlich, wobei Trauttmannsdorf die Hoffnung „um mich nicht falsch zu verstehen“ noch lange nicht aufgegeben hat „weil warum sollten wir uns sonst anstrengen, so wie wir es tun?” Nach unserem Gespräch fährt er etwa gleich nach Neuseeland, wo man an großen Aufforstungsprojekten arbeitet, in denen er überhaupt einen Mosaikstein zum Gegensteuern sieht. „Ich bin ein großer Verfechter von Aufforstung! Es gibt so viele Flächen, die brach liegen, dort könnte man Wälder pflanzen,

weil diese kleinräumig CO2 binden. Außerdem könnte man damit der einheimischen Bevölkerung vielfach eine wirtschaftliche Grundlage geben.“ Wobei Trauttmansdorff einschränkt, dass die Forstwirtschaft wohl häufig mit Landwirtschaft einhergeht – womit man wieder bei einer anderen CO2-Quelle landet. Kurzum: Es ist, wie es dereinst Fred Sinowatz ehrlich formulierte, kompliziert. Dreht sich also tatsächlich alles nur im Kreis, wie die großen Rotorblätter im Wind? Und doch sind gerade diese ein mächtiges Symbol für Hoffnung und eine Manifestation konkreten Wandels, der manchmal dann doch schneller kommt als man denkt und die Welt zum Positiven hin verändert. Trauttmansdorff gibt sich jedenfalls kämpferisch: „Wir dürfen nichts unversucht lassen, um das Ruder doch noch herumzureißen!”, appelliert er. Vielleicht dreht sich der Wind also doch noch. Pioniere wie Johannes Trauttmansdorff zeigen den Weg vor, wie es funktionieren könnte – wir sollten ihnen folgen.

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KREMS ZWISCHEN VERDRÄNGUNG UND AUFARBEITUNG Heute eine weltoffene Stadt, bekannt für Bildung und Kultur, damals Nazi-Hochburg, Gauhauptstadt und Schauplatz von NS-Verbrechen. Was erinnert hier noch an die NS-Zeit und ihre Opfer? Einige Fallbeispiele.

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rinnerung passiert nicht einfach, Erinnerung muss man aktiv betreiben. Dieser Leitspruch gilt nicht nur für das private, sondern auch für das gesellschaftliche Leben. In Krems ist es u. a. der Stadtpark, der Auskunft darüber gibt, in welche Erinnerungen die Stadt in vergangenen Jahrzehnten investieren wollte. Das „Denkmal der Sappeure und Pioniere“ ziert die östliche Ecke des Parks und ist gut fünf Meter hoch, im Park steht ein Denkmal zu Ehren eines KK Feldmarschalls. Sogar dem Wehrmachtsgeneral Karl Eibel hat man 1959 einen Stein gewidmet. Und dann natürlich ein Denkmal, das mahnt: „Südtirol nicht vergessen.“ Ganz in der Nähe, einer der prominentesten Plätze der Stadt, der Südtiroler Platz. Dabei könnten Straßennamen und Denkmäler auch eine ganz andere Geschichte erzählen. Etwa jene der über 1.600 Sowjetsoldaten, die man bei Kriegsende 1945 im Kriegsgefangenenlager Stalag XVII B im nörd-

lich Krems gelegenen Gneixendorf wortwörtlich verrotten ließ. „Die sowjetischen Besatzer beschlossen, der Kremser Bevölkerung diese Verbrechen direkt vor Augen zu führen. Sie exhumierten die Toten, setzten sie am Südtiroler Platz, direkt vor dem Gebäude des heutigen Landesgerichts bei und errichteten einen Obelisken mit rotem Stern“, erzählt der in Krems geborene Historiker Robert Streibel. Ende der 50er Jahre beschloss die Stadt Krems unter dem deutschnationalen Bürgermeister Franz Wilhelm, dieses „Denkmal der Schande“ wieder entfernen zu lassen. Die Leichen wurden exhumiert und fanden schließlich am Kremser Friedhof ihre letzte Ruhe. Heute erinnert an dieser Stelle nichts mehr an die Toten von Gneixendorf. Dunkle Anfänge der Winzer Krems Beim Thema „NS-Zeit in Krems“ ist wohl kaum jemand so bewandert wie Streibel. Erst im September 2018 sorgte er mit seinem Dokumentar-

„SCHANDFLECK“. Der Obelisk mit rotem Stern am „Südtiroler Platz“ erinnerte an Sowjetsoldaten, die Nähe Krems umgebracht wurden. 1959 ließ die Stadt Krems ihn entfernen.

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Roman „Der Wein des Vergessens“ – den er gemeinsam mit dem Historiker Bernhard Herrmann geschrieben hatte – für Furore. Die beiden Autoren zeigen darin die Geschichte des jüdischen Weinhändlers Paul Robitschek und seines Lebensgefährten August Rieger auf, deren Betrieb „arisiert“ und später zur international bekannten Weingenossenschaft „Winzer Krems“ wurde. „Die Winzergenossenschaft Krems würde es nicht geben, wenn es nicht die Arisierung des Weingutes von Paul Robitschek gegeben hätte. Die Gründungsgeschichte dieser Genossenschaft ist bis jetzt im Trüben geblieben, um es nobel zu formulieren“, bemüht sich Streibel um Diplomatie. Robitschek, der homosexuelle Jude mit einem der wichtigsten Weinbetriebe Österreichs, war den Kremser Nazis ein besonderes Feindbild. Wie in „Wein des Vergessens“ zu lesen ist, versuchte Robitschek seinen Betrieb durch einen Trick zu retten, indem er ihn im April 1938 an seinen nichtjüdischen Lebensgefährten verkaufte. Doch keine Chance: Gerade der Verkauf an Riegler wurde im juristischen Prozedere als Argument „Spekulation“ gegen Robitschek verwendet. Am Ende des Prozesses, nach all der Verächtlichmachung und Verleumdung – bei der auch die Homosexualität Robitscheks eine Rolle spielte – stand ein etwa zehn Zentimeter dicker „Arisierungs-Akt“. Wie reagierte man bei den Winzern Krems auf die Ankündigung des Doku-Romans? „Anfangs wollte man davon nichts wissen“, erzählt Robert Streibel. Auf eine Gesprächsanfrage hin reagierte der Geschäftsführer Franz Ehrenleitner telefonisch: „Ich bin nicht verantwortlich für das, was passiert ist, Punkt! Aus! Lassen Sie uns in Frieden. Es geht doch immer um Wiedergutmachungen, um Zahlungen. Das ist doch immer so, da müssen dann die Firmen zahlen. Lassen Sie uns in Frieden. Wen interes-


TEXT: JOHANNES MAYERHOFER | FOTOS: ARCHIV STREIBEL

DER KREMSER „JUDENTEMPEL“. Er überstand Schändungen, Demolierungen, das Novemberpogrom 1938 und die verheerenden Luftschläge auf Krems im April 1945. Dennoch wurde die alte Synagoge nicht unter Denkmalschutz gestellt, sondern im März 1978 abgerissen.

siert das heute?“ Es wurde von Seiten der Winzer Krems wohl nicht damit gerechnet, dass das Buch über die dunklen Anfänge dieser international renommierten Weingenossenschaft dermaßen viel Medienaufmerksamkeit erfahren würde. „Letztlich haben sie nun angekündigt, ihre Vergangenheit von einer Historikerin aufarbeiten zu lassen und ihre Homepage entsprechend zu verändern. Das Buch hat gewirkt“, berichtet Autor Streibel. Eine historische Aufarbeitung ist u. a. deshalb wichtig, weil es sich bei „Der Wein des Vergessens“ eben nicht um ein historisches Sachbuch, sondern um einen dokumentarischen Roman handelt. „80 Prozent der Geschichte“, so Streibel, „sind jedoch durch Dokumente, Briefe und Aussagen belegt.“ „Krems hatte eine Synagoge?“ So reagieren viele Kremser, wenn sie vom früheren „Judentempel“ der um 1900 rund 200 Köpfe zählenden jü-

dischen Gemeinde der Stadt hören. Tatsächlich stand bis ins Jahr 1978 eine Synagoge in der Kremser Dinstlstraße Nummer 3, ganz in der Nähe des Bahnhofes. Sie war die einzige weitgehend unbeschadete Synagoge der Nachkriegszeit in Niederösterreich. Und das grenzt aus mehreren Gründen fast an ein Wunder. Einerseits überstand sie die Pogromnacht im November 1938 – in der zahlreiche Synagogen niedergebrannt wurden – und sogar den Bombenangriff auf Krems im April 1945, der die meisten benachbarten Gebäude dem Erdboden gleichmachte. Andererseits gab es auch schon Jahre und Jahrzehnte vor der Pogromnacht und sogar vor dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland eine Stimmung in Krems, die den Juden alles andere als freundlich gesinnt war. Nahe legt das etwa ein Statement des Kremser Gemeinderates Hermann Stingl, der im Gemeinderat 1892 zum geplanten Bau der Synagoge folgendes zu Pro-

tokoll gab: „Ich bin drei Jahre in Krems und verfolge die Entwicklung der Stadt, aber eine solche Judenstadt war Krems noch nie. (…) Sie wissen ja ferner, was die religiösen Bräuche der Juden für ein Geschrei verursachen. Wollen Sie nun, dass in der Ringstraße sich dieses erhebe? Ich hasse keinen Juden, aber ich sage, der Boden ist christlich-germanisch und da hat kein Jude etwas zu schaffen.“ Fakt ist: Krems war Jahrzehnte nach dieser Rede eine herausragende Nazi-Hochburg. „Es gab hier bereits in den 1920ern eine Nazi-Partei und Adolf Hitler kam 1921 nach Krems und hielt eine Rede“, beschreibt StadtHistoriker Ernst Kalt. Den genauen Ort dieser Veranstaltung wolle er aber nicht verraten: „Das könnte das heutige Etablissement wohl schädigen.“ Letztlich gab es mit Franz Retter bereits Anfang der 30er-Jahre einen NSDAPler als Kremser Bürgermeister. Die NS-Geschichte beginnt in Krems also nicht erst mit dem März 1938, MFG 11.18

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MFG URBAN

KREMS ZWISCHEN VERDRÄNGUNG UND AUFARBEITUNG

KOLUMNE BEATE STEINER

PSEUDO-WITZIG

FOTO: LKESKINEN/ADOBE STOCK

Gratulation an den ORF! Das muss einem Medium heutzutage gelingen – die Menschen zur Primetime vor die Glotze zu locken und dann noch die TVthek-Zugriffe in die Höhe zu treiben. Und das mit einer einzigen Idee: Uralt-Klischees als Satire zu verfilmen. Da bleibt kein Auge trocken, wenn ein abgetakelter Schirennläufer und ein aufgeblasener ORF-Reporter im sonnenbeschienenen Glaskubus auf dem Waidhofner Schlossturm ihre Gehirnwindungen glühen lassen. Direkt über der Ausstellung „Gerichtsbarkeit“ fällen die beiden ihr Urteil über das weite Land Niederösterreich, seine Eingeborenen im Großen und Ganzen sowie seine Hauptstadt im Speziellen. Humorfrei wühlen Sykora und Settele dabei in Floskeln und Bildern, lassen keinen Gemeinplatz aus. Auf vorgestrigen Traktoren, Goldhauben-geschmückt, Erdäpfel essend und nach fossilen Schätzen grabend, kommen sie ziemlich retro daher, die Weinviertler, Waldviertler, Mostviertler und Industrieviertler. Und die St. Pöltner, die kommen gar nicht daher, weil denen ist Kaiser-Kurier Hanno Settele auf seiner Minutenfahrt durch die City nicht begegnet. Aber dass St. Pölten keinen Traktorausflug wert ist, hat ja Ex-Schifahrer Thomas Sykora als Niederösterreich-Experte schon im überhitzten gläsernen Turm dem Reporter zugezwinkert. Und Kameramann und Cutter haben brav mitgemacht. Die ORF-Bilder, die in der Pseudo-Satire „Kurier des Kaisers“ über den Schirm geflimmert sind, haben ein Nieder­ österreich-Bild gezeigt, das auch 30 Jahre hätte alt sein können – in St. Pölten hat nur der Schwenk zur Glanzstofffabrik mit Hinweis „Da stinkt’s“ gefehlt.

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„PRIORITÄTEN“. Die Synagoge musste einem Büro- & Geschäftsgebäude weichen.

nicht erst mit der Ernennung zur Gauhauptstadt von Niederdonau. Angesichts dieser Tatsachen überrascht es nicht, dass es in Krems bereits zwei Monate vor den 1938er NovemberPogromen zu Übergriffen gegen Juden kam. Die Nazis trieben die Juden der Stadt zusammen, zwangen sie, die Synagoge aus zu räumen, um Platz zu schaffen für die sudetendeutschen Flüchtlinge aus der Tschechoslowakei. „Vor der Synagoge stand der Pöbel Spalier. Die Juden wurden bespuckt, getreten und gedemütigt, die Inneneinrichtung weitgehend zerstört“, erzählt Kalt. Etliche Bürger wollten sich das „Spektakel“ nicht entgehen lassen. Man wollte „Juden einmal beim Arbeiten sehen“, so manche Wortlaute. Mit bitterer Stimme bekräftigt er seine Überzeugung: „Die Synagoge hätte nicht abgerissen werden müssen.“ Schändungen, Verwüstungen, Pogrome, Bombenangriffe – nach einem komplexen behördlichen Verfahren musste der „Judentempel“ 1978 einem Büro- und Geschäftsgebäude weichen. Juden? Die gab es ja schließlich nicht mehr in Krems. Heute beherbergt die Dinstlstraße 3 ein Wettlokal. Es ist in erster Linie Leuten wie Kalt und Streibel zu verdanken, dass 2016 eine Gedenkstelle mit dem Abbild der alten Synagoge errichtet wurde.

„Manchmal reicht es nicht, Tee zu trinken“ Fünf Gehminuten weiter, beim bekannten „Steiner Tor“, befindet sich ein kleiner Teeladen. Hier pflegt man einen sehr offenen Umgang mit der NS-Geschichte von Krems. Vor dem Krieg befand sich im Gebäude der Schwedengasse 2 der Wäscheladen der jüdischen Familie Neuner. 1938 wurde das Geschäft von der SA geplündert, die verhassten Inhaber wurden auch körperlich attackiert, zusammengeschlagen. Nach dem gescheiterten Versuch, in Palästina ein neues Leben zu beginnen, kehrten sie nach Nazi-Deutschland zurück und wurden 1942 nach Minsk und Theresienstadt deportiert. „Ich habe der Filialleiterin die Geschichte der Familie Neuner erzählt und war überrascht, wie positiv dieses Feedback aufgenommen wurde“, erzählt Streibel. Das Ergebnis: Heute berichten Gedenktafeln vom Schicksal der Neuners und einer zweiten jüdischen Familie. Auf Streibels Initiative hin verkauft das Geschäft seinen „Glückstee“ nun als „Mazel Tov“-Tee. „Mazel Tov“ ist ein Glückwunschspruch bei jüdischen Hochzeiten. Die Rückseite der Verpackung ziert ein Foto des jüdischen Hochzeitspaares Jakob und Katharina Sachs. Beide heirateten in Krems, kamen aber später in Auschwitz um. Robert Streibel zeigt sich froh über die Offenheit und Initiative, mahnt jedoch: „Manchmal reicht es nicht, einfach Tee zu trinken. Es ist wichtig, gegen Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit aufzutreten!“

„MAZEL TOV“-TEE. Sonnentor-Filialleiterin Patricia Rabl und Historiker Robert Streibel.


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MFG URBAN

STEINE DER

ERINNERUNG

Blättert man in der Broschüre „Steine der Erinnerung“, kommen einem unweigerlich die Tränen – der Holocaust ist und bleibt unfassbar. Nun hat man begonnen, für die 575 ermordeten Angehörigen der jüdischen Kultusgemeinde St. Pölten an ihrer jeweils letzten freiwilligen Wohnadresse Gedenksteine zu setzen. Wir sprachen mit Initiatorin Martha Keil, Leiterin des Instituts für jüdische Geschichte Österreichs. Die Idee, den ermordeten Juden mit Erinnerungssteinen zu gedenken, wurde schon viele Jahre gewälzt. Warum hat es solange mit der Umsetzung gedauert? In der Vergangenheit gab es aufgrund des Terminus „Stolpersteine“, die es ja anderswo gibt, von offizieller Seite bisweilen das falsche Bild, man könne über derlei Gedenksteine tatsächlich stolpern. Außerdem drehte sich die Diskussion auch um die generelle Frage der Form des Gedenkens. Manche stoßen sich daran, dass man bei den im Boden eingelassenen Steinen ja quasi auf diese steigt, Hunde drüber laufen. Tafeln an Wänden, was auch alternativ diskutiert wurde, gehen aber oft unter im Erscheinungsbild – außerdem sind Erinnerungssteine inso26

fern leichter umsetzbar, weil sie sich auf öffentlichem Grund befinden. Bei einem Haus hingegen könnte ein Besitzerwechsel Probleme bereiten. Den letzten Schub gab im Juni 2016 ein Nachkommentreffen, wo das Projekt „Steine der Erinnerung“ präsentiert wurde und die Zustimmung der Angehörigen fand – und die Zufriedenheit der Angehörigen ist das Wichtigste! Wie kann man sich die Arbeitsteilung bzw. Finanzierung vorstellen? Die Stadt hat das Verlegen übernommen, den Rest haben wir uns seitens des Institutes sozusagen erschnorrt. Die Freunde der Kultur St. Pölten haben uns finanziell unterstützt, ebenso Altbischof Klaus Küng, der evangelische Superintendent, und wir beka-

men Mittel aus dem Nationalfonds und dem Zukunftsfonds. Wobei es in St. Pölten nicht die bekannten „Stolpersteine“ Gunter Demnigs geworden sind. Eine eigene Lösung war uns wichtig. Gunter Demnig hat sich große Verdienste erworben, aber man kann auf das Erinnern kein Monopol haben, weil es um etwas ganz anderes geht, nämlich um die Angehörigen, um die Erinnerung. Warum sind derartige Gedenksteine generell wichtig? Für die Hinterbliebenen sind sie eine Art Ersatzgrabstätte, weil es ja keine Gräber gibt, die sie besuchen könnten. Zugleich sind die Steine eine bewusste


TEXT: JOHANNES REICHL | FOTOS: INJOEST/ZVG

Sichtbarmachung, dass die Ermordeten nicht vergessen werden! Im Oktober wurden die ersten Steine verlegt. Ja, zwölf Steine an acht Adressen für 28 Menschen. Es waren viele Angehörige da, aus der Schweiz, den USA, England, Österreich und Argentinien. Wir haben zu jedem Stein ein Foto mit den Ermordeten gegeben, eine weiße Rose hingelegt und ich habe ein bisschen etwas über die Menschen erzählt. Das war sehr emotional – wir haben alle mitgeweint. Aber auch „schön“ insofern, weil die Anteilnahme so groß war. Ja. Es sind viele Menschen mitgegangen, auch der Bürgermeister hat am Rathausplatz für Moritz Frischmann eine Rose hingelegt. Das war das letzte in St. Pölten geborene jüdische Kind, am 13. Juni 1939. Am 26. Jänner 1942 wurden er und seine Schwestern mit den Eltern nach Riga deportiert und dort ermordet. Die Hausbesitzer in der Lederergasse 8 haben zudem selbst ein Fenster gestaltet, Kerzen aufgestellt, die Hinterbliebenen hereingebeten – das war sehr bewegend! Außerdem ist mir aufgefallen, dass manche Hausbesitzer offensichtlich nach wie vor Blumen hinlegen und die Steine, wie es scheint, putzen – ganz von selbst. Apropos putzen: Wie funktioniert die laufende Betreuung? Im Hinblick auf die Instandhaltung wäre es schön, wenn wir Paten fin-

den, die sich um die Steine kümmern – vielleicht auch Schulklassen. Und natürlich hoffen wir auf weitere Paten im Hinblick auf die Finanzierung. Wir möchten ja für jeden Ermordeten einen Stein setzen – da ist der Wunsch, dies bis 2024 zu bewerkstelligen. Das ist durchaus eine Herausforderung. Welche „Baustellen“, wenn man es so nennen möchte, sind noch offen in Sachen einer würdigen Erinnerungskultur in St. Pölten? Was es bis heute nicht gibt, ist ein Mahnmal für alle ermordeten Juden in Niederösterreich, da würde sich die Landeshauptstadt als Standort anbieten. Für die St. Pöltner Gemeinde selbst haben wir zwar eines hier bei der Synagoge, aber auch da wäre eine exponiertere Stelle wünschenswert. Im Argen liegt es mit den jüdischen Friedhöfen der Stadt. Zwar gibt es mittlerweile ein Gesetz und auch Geld seitens des Nationalfonds, aber es fehlt noch immer eine Vereinbarung zwischen Stadt und Israelitischer Kultusgemeinde im Hinblick auf die Betreuung des Friedhofes – wobei es da vor allem bislang an Haftungsfragen scheitern dürfte sowie der Frage der laufenden Betreuung. Ich denke, dass mit gutem Willen auf beiden Seiten eine Lösung möglich sein sollte, im Übrigen auch für den alten jüdischen Friedhof in der Pernerstorferstraße – auch dort ist ein angedachtes Erinnerungsprojekt wieder eingeschlafen. Andere Städte und Orte wie etwa Stockerau oder Lackenbach haben zuletzt ihre jüdischen Friedhöfe anständig renoviert, das sollte auch die Landeshauptstadt zusammenbringen. Könnte diesbezüglich die Kulturhauptstadt ein Türöffner sein? Ja, das Wunderjahr 2024! Ich denke, es ist schlüssig, dass sich die Stadt der Besonderheit der Synagoge besinnt – es gibt ja nur mehr zwei erhaltene in ganz Niederösterreich: St. Pölten und

NIE VERGESSEN. Der St. Pöltner Moritz Frischmann wurde mit 2 Jahren ermordet.

BROSCHÜRE Für die Begleitbroschüre „Steine der Erinnerung in St. Pölten 1/2018“ haben auch Nachkommen Beiträge geliefert, wie etwa Elisabeth Schusser. Die Broschüre ist im Injoest in der Ehemaligen Synagoge erhältlich. Die Verwandten Ein paar Zahlen, waren es Jahre, Schwarz auf Weiß sind sie geschrieben, Lang‘ ist’s her, nichts ist geblieben. Namen, Straßen, ich sag‘ dir – sie haben gelebt, in einer Stadt nicht weit von hier wo, wie damals auch heute, die Zeit noch vergeht. Und ich zähle, zähl’s dir vor, sechs Menschen leben dort In einem Haus, sie nannten Heimat, an einem vertrauten Ort. Nichts weiß ich von ihnen, man sagt mir, es waren Verwandte. Zerstört, vernichtet hat man sie, Kinder, Onkel und Tante. Elisabeth Schusser (Urgroßnichte von Hermine Gelb und Franziska Weiss) Wien, im August 2018

Baden. Und das Interesse der Bevölkerung und der Touristen ist groß. Immer wieder läuten Personen an, welche die Synagoge und die Ausstellung besichtigen möchten – im Sommer hatten wir über 1.400 Besucher. Eine ganzjährige Benützbarkeit der Synagoge, die aktuell nicht gegeben ist, wäre wünschenswert, zumal die Synagoge genau auf der Achse zwischen Innenstadt und Regierungsviertel liegt, die bekanntlich verbessert werden soll. Wo liegt der aktuelle Forschungsschwerpunkt des Institutes? Mauer-Öhling, das hat mir schon lange so auf der Seele gebrannt! Dort

Für die Hinterbliebenen sind die Steine auch eine Art Ersatzgrabstätte, weil es keine Gräber gibt, die sie besuchen könnten. MARTHA KEIL

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MFG URBAN

STEINE DER ERINNERUNG

verdrängt, weil sich viele Angehörige schuldig fühlten, weil sie ihre behinderten Verwandten ins Heim gegeben hatten. Nur sie taten es damals ja in der Regel, weil es zum einen ganz üblich war und zum anderen, weil sie den Angehörigen helfen wollten. Doch dann wurden diese ermordet.

GEWÜRDIGT. Das Institut für jüdische Geschichte Österreichs, gegründet 1988, erhielt heuer den Würdigungspreis für Wissenschaft des Landes. Leiterin Martha Keil (m.) und ihr Team.

wurden während des NS-Regimes über 1.800 Patienten ermordet – entweder direkt in der Anstalt oder in Hartheim. Man hat dort regelrecht den Holocaust „versuchsweise“ im Kleinen durchexerziert. Eine ganz schlimme Geschichte, die all die menschlichen Abgründe offenbart. Philipp Mettauer, der das erforscht, hat in einem ersten Schritt einige 1.000 Krankenakten von damals aufgearbeitet.

STEINE DER ERINNERUNG UNTERSTÜTZEN • durch finanzielle Patenschaften (Institut für jüdische Geschichte Österreichs, IBAN: AT87 2025 6000 0005 6655, BIC: SPSPAT21, Verwendungszweck: Steine der Erinnerung) • durch Pflegepatenschaft (auch von Schulklassen oder Betrieben) • durch Anregung von Steinsetzungen in kleineren Orten bei der zuständigen Gemeinde.

MEMORBUCH • Unter www.juden-in-st-poelten.at finden Sie das Memorbuch über die ehemalige jüdische Gemeinde St. Pölten. • Unter www.injoest.ac.at finden Sie Informationen zur Arbeit des Instituts für jüdische Geschichte Österreichs.

Wie waren die Reaktionen in Amstetten auf die Nachforschungen? Das hat natürlich regelrecht eingeschlagen und ist ein ganz heißes Eisen. Wir hatten bereits mehrere Veranstaltungen, da sind immer über 200 Personen gekommen. Das Interesse ist riesig, und man merkt, wie notwendig es ist, dieses Thema aufzuarbeiten. De facto war damals ja der ganze Ort involviert, das Krankenhaus war der größte Arbeitgeber der Stadt. Das ging praktisch durch alle Familien, wobei da auch die ganze Täter-Opfer-Thematik aufpoppt. Inwiefern? Zum einen war es für viele Angehörige ein Tabu, darüber zu sprechen, weil in ihrer Familie quasi ein geistig Behinderter war. Viele gingen damit den Nazis auch nach deren Ende noch auf den Leim, weil sie deren Diktion übernahmen – denn zu welchen Zwecken und mit welchen Mitteln wurde denn „diagnostiziert“? Patienten wurden als geistig behindert, und damit als „lebensunwert“ eingestuft, die etwa einen Schlaganfall gehabt hatten, die Epileptiker oder suchtkrank waren und so fort. Zudem wurde das Thema

Und die Täter? Es gab nach dem Krieg Prozesse, im Zuge deren Mauer-Öhling-Pfleger wegen Beihilfe zum Mord verurteilt wurden, weil sie Patienten bewusst falsch medikamentiert hatten oder regelrecht verhungern hatten lassen. Auf Anordnung der Ärzte, die sich diesen Prozessen dann sehr geschickt durch Flucht und andere Maßnahmen entzogen haben, oder in einer Grauzone von Handlungsfreiheit, das ist die Frage. Es gibt da wirklich ganz grausliche Geschichten, die einen erschüttern. Wir haben diesbezüglich ein sehr spannendes Projekt mit der Fachschule Amstetten laufen, im Zuge dessen es auch darum geht zu begreifen, wie man im Pflegeberuf verführt und manipuliert werden kann und worauf man achten muss, um sich davor vielleicht zu schützen. Würden Sie sagen, dass Antisemitismus heute eher rückläufig ist? Das würde ich nicht sagen. Ich hatte erst unlängst eine Diskussion mit Rabbiner Schlomo Hofmeister und dem ehemaligen Präsidenten der IKG, Ariel Musicant – die werden tagtäglich beschimpft und diffamiert. Zum einen ganz konkret face to face, und dann natürlich auch in den neuen Medien, das geht bis hin zu Morddrohungen – so betrachtet ist also sicher keine Abnahme, sondern eher eine Zunahme konstatierbar. Das mag aber auch daran liegen, dass derlei Angriffe heute mehr angezeigt werden als früher, dass die Diffamierten begreifen, dass sie sich das nicht gefallen lassen und nicht einfach hinnehmen müssen.

Was es bis heute nicht gibt, ist ein Mahnmal für alle ermordeten Juden in Niederösterreich, da würde sich die Hauptstadt anbieten. MARTHA KEIL

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DROGENPROBLEME? Seit 1. November ist der St. Pöltner Stadtpark eine sogenannte Schutzzone. Laut Polizeit würden dort vor allem Drogen und Diebstähle Probleme machen. Hat die Stadt ein Suchtmittelproblem? aus dem Großraum St. Pölten die Zugverbindung nach Vorarlberg nutzten, um dort Cannabis zu verkaufen. Auch in St. Pölten werden, ganz im österreichischen Trend, vor allem Cannabisprodukte sichergestellt, was aber auch daran liegt, dass synthetische Drogen oft schwieriger auffindbar sind. Während Dealer auf der Straße oft ausländische Staatsbürger sind, agieren österreichische Staatsbürger häufiger im Darknet. Der Betrieb von Cannabisplantagen, in Niederösterreich, immerhin 208, wurde 2017 nur von österreichischen Staatsbürgern durchgeführt.

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n der jährlichen Anzeigenstatistik der Polizei haben Suchmittel einen Fixplatz. Dort lässt sich ablesen, dass in Österreich 2017 mehr als 1.600 Kilogramm Cannibisprodukte sichergestellt wurden und dass es insgesamt 42.610 Anzeigen nach dem Suchtmittelgesetz gab, was einen Anstieg um 17,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. In Niederösterreich gab es mit 5.516 Anzeigen gar ein Plus von 31,7 Prozent. Hier spielen allerdings auch Aufgriffe am Flughafen Schwechat eine Rolle. Generell ist es schwer, von der bloßen Anzeigenstatistik auf die Größe des Problems zu schließen. Stadtpolizeikommandant Franz Bäuchler erklärt: „Wir hatten im letzten Jahr etwa 500 Kriminalfälle in diesem Bereich, dabei muss aber betont werden, dass Suchtgiftmittelkriminialität immer so aktiv ist wie die Polizei. Die Anzeigenstatistik alleine lässt keinen seriösen Rückschluss auf den tatsächlichen Drogenkonsum zu.“ Dass der Stadtpark nun in den Fokus ge30

rät ist keine Überraschung, sind die Probleme dort doch schon länger bekannt. „Der Stadtpark wird schon seit längerem immer wieder überwacht, die Schutzzone ist ein Instrument, um hier noch stärker kontrollieren zu können“, so Bäuchler. Die polizeiliche Arbeit ist im Bereich der Suchtmittelkriminalität oft mühsame Kleinstarbeit. Beweise sind nur schwierig zu sammeln, zu Mitteln wie der Telefonüberwachung kann erst gegriffen werden, wenn es handfeste Hinweise auf ein Vergehen gibt. Stecken größere Strukturen hinter einzelnen Aufgriffen wird zudem österreichweit mit verschiedenen Dienststellen zusammengearbeitet. Laut Lagebericht der Polizei wurde 2017 etwa registriert, dass syrische und afghanische Staatsangehörige

Bestrafen oder Helfen? Für Drogenabhängige gibt es in St. Pölten mehrere Anlaufstellen. Das Gesundheitsamt betreibt ein sogenanntes Drogenersatzprogramm, das in den letzten Jahren immer mehr in Anspruch genommen wird. „Wir haben im Drogenersatzprogramm seit zehn Jahren jährliche Steigerungsraten von etwa zehn Prozent. Diese Steigerung ist jedoch großteils nicht hausgemacht in St. Pölten, sondern ergibt sich durch Zuzug der Patienten aus dem Umland“, erklärt Amtsarzt Edmund Entinger. Auf Landesebene ist die Fachstelle für Suchtprävention NÖ die Drehscheibe für Suchtarbeit (siehe Infobox). Leiterin Dr. Ursula Hörhan spricht von einer stabilen Situation von Suchtmittelmissbrauch in den letzten Jahren, „im Bereich problematischen Opioidkonsums ist sogar ein leichter Rückgang zu verzeichnen.“ Wobei Hörhan betont dass „entgegen den Erwartungen der Bevölkerung die legalen Substanzen bei

Immer noch werden Suchtkranke stigmatisiert. Sucht zählt jedoch schon lange zu den anerkannten und behandelbaren Krankheiten. DR. URSULA HÖRHAN


TEXT: SASCHA HAROLD | FOTOS: VICTORIA M/ADOBE STOCK, ZVG

den Abhängigkeiterkrankungen die größte Rolle spielen.“ Im Vergleich seien etwa über eine Million Menschen nikotinabhängig. Wohl dem neuen Zeitgeist geschuldet legt man in der primären Suchtprävention aktuell zudem verstärkt „Augenmerk auf Verhaltensabhängigkeiten im Bereich der Neuen Medien und des Glücksspiels.“ Prinzipiell versucht die Suchtprävention zur Vermeidung von Abhängigkeitserkrankungen über verschiedene Module sogenannte Lebenskompetenz zu fördern, „jährlich erreichen wir an die 40.000 Personen.“ Eine wichtige Aufgabe sieht man zudem in der Aufklärung. „Immer noch werden Suchtkranke stigmatisiert, indem man ihnen die Schuld für ihre Sucht unterstellt. Sucht zählt jedoch zu den anerkannten und behandelbaren Krankheiten.“ Eine gesellschaftliche Bewusstseinsänderung sei auch deshalb wichtig, weil dann Suchtkranke die Angebote leichter annehmen würden. Auch die Caritas richtet sich an zehn Standorten in Niederösterreich, sogenannten Suchtberatungsstellen, an Personen mit problematischem Suchtmittelgebrauch bis hin zur Suchterkrankung. Am häufigsten zu tun habe man dabei freilich mit einer Substanz, die zwar nicht illegal ist, aber genauso großen Schaden anrichten kann – Alkohol. „Der Großteil der Betroffenen mit einer Suchterkrankung bzw. problematischem Konsum konsumiert Alkohol. Im Falle von illegalen Drogen handelt es sich um Betroffene mit polytoxikomanem Konsum – Mischkonsum – mit Beteiligung von Opiaten oder Cannabis“, führt die Leiterin der Suchtberatung Ulrike Gerstl aus. Oft sei die Inanspruchnahme der Suchtberatung gerichtlich verordnet. Die Zahl der Betroffenen und Angehörigen, die das Angebot der Suchtberatung in Anspruch nehmen, steige jährlich. Wie auch die Polizei weist sie darauf hin, dass in den letzten Jahren v. a. durch den Onlinehandel vermehrt Substanzen konsumiert würden, deren chemische Zusammensetzung sich stetig ändere.

Hilfestellungen werden dadurch schwieriger möglich. Von der Politik wünscht sie sich unter anderem vermehrt schadenminimierende Ansätze wie etwa Spritzentauschprogramme oder Drug-Checking Angebote. Keine klare Position Politisch bewegen sich die Ansätze in der Suchtarbeit zwischen Law and Order und dem Bieten von Hilfestellungen. FPÖ Stadtrat Klaus Otzelber, der auch den Zuzug aus dem Ausland für die Probleme mit verantwortlich macht, meint: „Die Erfahrungen aus anderen Ländern haben gezeigt, dass bei der Eindämmung der Drogenproblematik nur eine Null-ToleranzPolitik zum Erfolg geführt hat.“ Von einer Legalisierung weicher Drogen wie Cannabis halte er nichts, da sie als Einstiegsdroge dienen könnten. Auch Vizebürgermeister Matthias Adl, ÖVP, sieht in einer Legalisierung keine Lösung: „Aus gesundheitlicher Perspektive geht es nicht um eine Legalisierung diverser Substanzen, sondern darum, Personen mit einer chronischen psychatrischen Erkrankung ein attraktives Behandlungssystem anzubieten.“ Den Fokus will er v. a. auf Aufklärung und Beratung der Jugend legen. SPÖ Vizebürgermeister Franz Gunacker wiederum ist von der Schutzzone im Stadtpark nicht restlos überzeugt: „Ob diese das Problem lösen kann, wird sich weisen. Erfahrungen aus anderen Städten zeigen, dass es nur zu einer Verlagerung kommt – prinzipiell sollte man nicht die Auswirkungen der Drogenproblematik bekämpfen, sondern deren Ursachen.“ In punkto etwaiger Legalisierung weicher Drogen sieht er die Zuständigkeit auf Bundesebene. Der grüne Gemeinderat Markus Hippmann schlägt diesbezüglich in dieselbe Kerbe: „Die Tendenz in Europa geht, etwa im Bezug auf Cannabis, in Richtung Legalisierung – ich halte aber nicht viel von dieser Möglichkeit.“ Die niederösterreichischen Angebote im Bereich der Suchthilfe, die vermehrt in Anspruch genommen würden, beurteilt er positiv. Der Schlüssel zur Lösung des Problems liegt aber v. a. in der Aufklärung.

FA C H S T E L L E N Ö

DR. URSULA HÖRHAN Institutionell ist in Niederösterreich die Fachstelle für Suchtprävention erste Anlaufstelle für alle Belange der Suchtarbeit. Seit 1998 kümmert sie sich im Auftrag des Landes Niederösterreich für alle Belange der Suchtarbeit, seit 2013 kam die Sexualpädagogik als Aufgabenfeld dazu. Die Einsatzbasis liefert die NÖ Suchtstrategie 2016 – sie definiert die Ziele erfolgreicher Suchtarbeit und beschreibt das Aufgabenfeld. Die Fachstelle NÖ führt jährlich rund 6.000 Einheiten, Vorträge, Workshops etc. durch und erreicht damit fast 40.000 Personen. www.fachstelle.at Beratungsstelle für Alkoholprobleme bap@st-poelten.gv.at ​ Jugendsuchtberatung der „Antlas“ Ges.m.b.H. jugendsuchtberatung@antlas.at, www.antlas.at Suchtberatungsstelle der Caritas St. Pölten​ sb.goeber@stpoelten.caritas.at  Verein Angehörige Drogenabhängiger office@angehoerigen-hilfe.at,  www.angehoerigen-hilfe.at Entzugsstation LK Mostviertel Amstetten-Mauer drogen@mauer.lknoe.at

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MFG URBAN

DROGENPROBLEME?

„DIE CHANCEN SIND PRINZIPIELL GUT“ Das Anton Proksch Institut ist eine der führenden Suchtkliniken Europas. Wolfgang Preinsperger leitet die Abteilung für illegalen Substanzenkonsum. Mit dem MFG spricht er über Suchtfaktoren und Wege der Besserung. Lässt sich sagen, welche Personengruppen vor allem zu Ihnen kommen?

Familie und Umfeld können beides sein: Ressource und Schutz gegen die Entwicklung einer Suchterkrankung, wenn es problematisch ist, aber auch begünstigender Faktor in der Entstehung und Aufrechterhaltung einer Suchterkrankung.

In das Anton Proksch Institut gesamt kommen Personen, die ein Suchtproblem mit Alkohol, Medikamenten oder illegalen Substanzen entwickelt haben. Daneben auch von Spielsucht, Internetsucht, Kaufsucht oder von anderen nichtstoffgebundenen Süchten Betroffene. Wir behandeln Männer und Frauen in allen Altersgruppen, von sehr jungen Erwachsenen bis hin zu älteren Menschen.

Lassen sich Chancen für die Genesung abschätzen, gibt es auch nach erfolgreicher Therapie ein Restrisiko?

Sie leiten die Abteilung für illegalen Substanzenkonsum – um welche Substanzen geht es vor allem?

Der größere Teil unserer Patienten ist von mehreren Substanzen abhängig. Opiate spielen bei den meisten die Hauptrolle, daneben konsumieren viele aber auch zusätzlich Medikamente – vor allem Tranquilizer – erheblich Alkohol und andere illegale Substanzen. Wir behandeln auch Menschen mit problematischem oder abhängigem Konsum von allen übrigen illegalen Substanzen wie z.B. Cannabis, Kokain oder Ecstasy.

Gibt es Menschen, die stärker gefährdet sind süchtig zu werden?

Grundsätzlich können Menschen aus allen sozialen Schichten Suchterkrankungen entwickeln. Sozial belastende Bedingungen – wie Arbeitslosigkeit, finanzielle Probleme oder Obdachlosigkeit – können jedoch wesentliche begünstigende Faktoren für das Entstehen einer Abhängigkeit, aber auch deren Folgen sein. Gewalt- oder Missbrauchserfahrungen, Depressionen und andere psychische Erkrankungen oder Probleme sind ebenso häufig Hintergrund von Suchterkrankungen. Viele unserer Patienten und Patientinnen haben bereits an einer Suchterkrankung leidende Väter oder Mütter.

Welche Rolle spielen Netzwerke wie Familie und Freunde für die Betroffenen?

Die Chancen auf eine Genesung sind prinzipiell gut. Je früher man Behandlung sucht, umso besser. Wichtig ist es aber, dranzubleiben, nach einer stationären Behandlung sich unbedingt in eine ambulante Weiterbehandlung zu begeben, im Alltag weiter an sich zu arbeiten. Suchterkrankungen sind potentiell chronische Erkrankungen, das heißt, es kann zu Krankheitsrezidiven (Rückfällen, Anm.) kommen. Sind diese kurzdauernd und noch nicht so schwer, kann eine ambulante Unterstützung ausreichend sein für eine Stabilisierung der Situation. Sind die Rezidive schwerer, kann eine neuerliche stationäre Behandlung erforderlich und sinnvoll sein. Ein Rezidiv muss aber nicht bedeuten, dass eine Behandlung erfolglos oder sinnlos war. Sie kommen im Lauf von Suchterkrankungen vor, sind ein Symptom der Erkrankung und können gut behandelt werden.

Könnten Sie von erfolgreichen Beispielen der Rehabilitation erzählen? Ich wüsste nicht, wo ich beginnen soll. Mir fallen Patienten ein, die nach der Behandlung ihrer Drogenabhängigkeit eine Ausbildung, eine Lehre oder ein Studium begonnen und abgeschlossen haben. Andere haben Partner gefunden, die ihren positiven Weg unterstützt haben und mit denen sie Kinder haben, die heute in stabileren Verhältnissen aufwachsen können als sie selbst. Ganz allgemein gibt es viele Geschichten von Menschen, deren Leben während und nach einer Behandlung wieder freudvoller, sinnvoller und lebendiger – einfach schöner geworden ist.

Die Chancen auf eine Genesung sind prinzipiell gut. WOLFGANG PREINSPERGER

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MFG URBAN W E R T E V E R H Ä LT N I S S E Ein Gespräch mit einem Dealer über Geld, Schuld und den Traum vom freiwilligen Aufhören.

DROGENSZENE. In St. Pölten werden v. a. Marihuana und Chemie „vercheckt“.

Also erzähl einmal: Wie kommt ein junger St. Pöltner dazu Drogen zu verkaufen?

Das hat eigentlich voll langsam angefangen. Ich hab so wie die meisten Jugendlichen einfach immer wieder mit meinen Freuden ein paar Ofen geraucht und so lernt man dann einmal die ersten Dealer kennen. An die Wiesen muss man ja auch irgendwie kommen und mit der Zeit geht das schon auf die Geldbörse, auch wenn der Grammy nur einen 10er kostet. Meine ersten Dealer waren vor allem Bekannte und die haben das Geldproblem eigentlich nie gehabt und drum hab ich mir gedacht, wenn die das können, kann ich‘s auch. Und ganz ehrlich? Man fühlt sich schon irgendwie cool. Du bist nicht der Gangster mit einer Puffn in der Hand, aber wenn man mit 16 schon Weed verkauft, kommt man sich einfach hart vor.

Also du hast mit Marihuana begonnen und dann?

Ja voll. Ich hab das eigentlich ziemlich lange gemacht und so meinen Konsum finanzieren können und mir auch immer was auf die Seite gelegt und dann sind irgendwann chemische Sachen gekommen. Ich hab tatsächlich Chemie verkauft, bevor ich sie konsumiert hab. Meine erste E war mehr oder weniger von mir selbst.

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Warum bist du dann auf die Chemie umgestiegen?

Es war ja mehr ein Erweitern als ein Umsteigen. Ich hab nach wie vor Wiesen verkauft und nicht wenig, aber mehr Geld zu holen ist schon ganz eindeutig in der Chemie. Du musst einmal denken, der Gramm Weed kostet einen 10er und den bekomm ich selber um einen 5er circa, je nachdem. Eine E bringst aber schon schnell um einen 20er oder 30er an, wenn sie gut ist und sich die Leute nicht so auskennen. Die kauf ich aber auch um maximal einen 5er ein. Verstehst was ich meine?

Du hast gerade gesagt, „wenn sie sich nicht so gut auskennen“. Also zockst du deine Kunden auch manchmal ab?

Eigentlich nicht wirklich. Meine Freunde und Stammkunden nie, aber wenn ich irgendwelchen 14-Jährigen, die ihren ersten Ofen rauchen wollen, bisschen Wiesen verkauf, dann gebe ich ihnen einfach 0,7 ins Baggie. Denen fällts eh nicht auf und so geht’s jedem am Anfang, auch bei mir hat keiner Rücksicht genommen.

Hast du ein schlechtes Gewissen oder Bedenken, wenn du Leuten Drogen verkaufst, oder berührt dich das nicht wirklich?


TEXT: THOMAS WINKELMÜLLER | FOTOS: SYDA PRODUCTIONS/ADOBE STOCK

Noch nicht. (lacht kurz). Ich wüsste von keinem, der deswegen gesundheitliche Probleme bekommen hat und wenn sie von der Polizei gemaiert werden, dann kann ich auch nichts dafür. Ganz ehrlich? Ich fühl mich deswegen nicht schlecht. Die Leute bekommen ihre Drogen so oder so. Wo ist für sie jetzt der Unterschied, ob ich sie ihnen gebe oder jemand anderem? Gezwungen hab ich noch nie wen, muss ich auch gar nicht.

Okay, dann wieder zurück zu deinen Geschäften: Wieviel Geld machst du denn im Monat?

zwar eine Stunde auf die nächste Verbindung gewartet, aber das Risiko wollt ich nicht eingehen. Man braucht schon ein belastbares Herz für den Job.

Glaubst du denn nicht, dass du vielleicht überwacht wirst?

Nein. Ich kann es nicht wissen, schon klar. Aber aus dem Bauchgefühl sag ich nein, weil ich alles nach bestem Gewissen mache.

Ist das Dealen das Risiko und den Aufwand wirklich

Puh, das ist schwer zu sagen. Kommt darauf an, wie fleißig ich wert? bin und wie Angebot und Nachfrage gerade liegen. Aber ich sag einmal, im Monat mach ich DROGEN-CHARGON so durchschnittlich 800 Euro Gewinn, aber das kann voll variieren. Es ist im Endeffekt Wiesen: Marihuana jetzt kein Vermögen, aber ein netter NeOfen: Joint benverdienst, sag ich einmal, und meine Verchecken: verkaufen Drogen gehen mir eigentlich auch nie Gemaiert werden: von der Polizei wirklich aus. erwischt werden Damit das alles gut klappt muss man aber wirklich gut organisiert und flexibel sein, Speck: Speed sonst dreht man irgendwann durch mit Eine E: Ecstasy dem ganzen Stress. Aber ich mach es ja Afterhour: das gemeinsame jetzt auch nicht hauptberuflich und schaue, Beisammensitzen nach dem Fortgehen dass es nicht zu groß wird.

Wie kann man sich das Dealen vorstellen, wie läuft denn so dein kleiner 08/15-Drogendeal ab?

Es ist jedenfalls einfach überhaupt nicht so wie im Film ehrlich gesagt. Also, entweder die Leute kommen zu mir nachhause oder umgekehrt. Manchmal trifft man sich auch einfach irgendwo in St. Pölten, genauer möchte auf die Spots jetzt aber nicht eingehen (lacht). Und ja, sonst vercheck ich beim Fortgehen in Wien oder St. Pölten. Da muss man dann schon oft selber Leute ansprechen, ob sie was wollen. Das ist erstens eine anstrengende Arbeit und obendrein nicht ganz ungefährlich. Auszahlen kann sie sich trotzdem. Ich geh dann meistens schnell aufs Klo oder raus mit ihnen, aber eher ersteres.

Bist du da schon mal in eine brenzlige Situation geraten, also musstest zum Beispiel vor der Polizei weglaufen? Zum Glück noch nicht wirklich (klopft dreimal auf den Holztisch). Ich versuch das alles immer sehr diskret zu machen und an Orten, wo man nur wenig Leute trifft. Knapp wars ehrlich gesagt nur einmal, aber das hatte wenig mit der Polizei zu tun. Ich bin einmal mit einer sehr großen Menge Weed im Zug gefahren und du musst wissen, das riecht manchmal unmenschlich stark. Den Geruch hast du dann im ganzen Abteil und wenn ihn jemand kennt, riecht er ihn auch sofort. In der Kurzfassung: Ein Passagier hat mich beim Schaffner verpfiffen und wollte mich maiern. Ich hab das aber mitbekommen und bin bei der nächsten Station aus dem Zug. Ich hab dann

Nein. Aber ich mag den Adrenalinkick und das Geld. Das klingt dumm und ist es auch.

Hast du denn überhaupt keine Angst, einmal von der St. Pöltner Polizei gefasst zu werden? (lacht) Die Polizei in St. Pölten macht mir eher wenig Angst. Sie maiern zwar immer wieder Leute, aber da ich das Ganze so vorsichtig wie es geht mache, glaube ich nicht, dass sie mich erwischen. Wenn ich das glauben würde, wär ich ja nicht im Geschäft oder?

Wie schaut denn die Drogenszene in St. Pölten überhaupt aus?

Ich versuch mich aus der Stadt eher fernzuhalten, aber naja. Drogen sind schon ziemlich viele im Umlauf muss ich sagen. Am meisten Wiesen, so wie überall. Chemie gibt es auch vermehrt, aber die wird eher beim Fortgehen oder der Afterhour danach konsumiert. Also eine Nase Speck um länger wach zu bleiben zum Beispiel. Ich will aber nicht genauer auf das eingehen.

Zur Stadt und ihrem Vorgehen: Was sagst du eigentlich zu der Schutzzone Sparkassenpark, die am 1. November in Kraft getreten ist? Macht das Sinn?

Wusste gar nicht, dass der Park jetzt auch Schutzzone ist. Naja, betrifft mich nur am Rande. Ich würd dort nicht verchecken, um ehrlich zu sein. Das Gelände ist komplett offen. Da gibt’s wirklich bessere Spots.

Wann hast du vor aufzuhören?

Das kann ich noch nicht sagen. Es läuft gerade ganz okay, also sehe ich wenig Grund gerade in nächster Zeit aufzuhören, aber früher oder später muss es wohl ein Ende haben. Ich hoffe die Entscheidung kommt dann auch von mir alleine.

Letzte Frage: Was wolltest du eigentlich als Kind werden?

Nicht Drogendealer, falls du das meinst (lacht). Ich weiß nicht, ich übe ja eh auch einen echten Beruf aus. Aber du wirst lachen. Als Kind gab es tatsächlich mal eine kurze Phase in der ich Polizist werden wollte.

Ich mag den Adrenalinkick und das Geld. Das klingt dumm und ist es auch. CHRISTOPH S. (NAME VON DER REDAKTION GEÄNDERT)

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PRÜFET ALLES, DAS GUTE BEHALTET

Aus dem St. Pöltner Kontrollamt wird ein Stadtrechnungshof. Neben neuen Türschildern soll man das im St. Pöltner Rathaus vor allem an unabhängiger Kontrolle und unterstützender Beratung bemerken. Nachhaltige Korruptionsprävention inklusive.

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anfred Denk hat vor Jahrzehnten im Rathaus angefangen, als kleiner Rechnungsprüfer. Nun zeichnet sich am Horizont langsam sein Karriereende ab. Neun Jahre hat er noch bis zur Pension – doch bis dahin hat er noch viel vor. Denn Manfred Denk ist nun wieder Rechnungsprüfer, aber kein kleiner. Er leitet den neuen „Stadtrechnungshof“ und hat sich nicht nur eine korrekte Verwaltung zum Ziel gesetzt, sondern auch noch gleich eine umfassende Organisationsentwicklung im Rathaus vorgenommen. 36

Stolz präsentierte St. Pöltens Bürgermeister Matthias Stadler (SPÖ) seinen neuen „Stadtrechnungshof“. Als erst vierte Stadt in Österreich würde St. Pölten schon bald nicht mehr ein Kontrollamt, sondern einen Stadtrechnungshof vorweisen können. Was auf den ersten Blick wie das simple Austauschen eines Türschilds ausschaut, offenbart sich bei einem genaueren Blick als durchaus ambitioniertes Projekt. Manfred Denk leitet seit Anfang 2018 das städtische Kontrollamt. Es ist organisatorisch beim Magistrat

angesiedelt, also der Rathausverwaltung. Verantwortlich ist es aber dem Gemeinderat, es prüft im Auftrag des Gemeinderats, ob die Verwaltung ordnungsgemäß arbeitet. Bisher recht unspektakulär und unumstritten. Warum also alles neu und anders? Das liegt wohl sehr stark an der Person Denk. Nebenberuflich schloss er einschlägige Studien ab. Seine Bachelorarbeit analysierte etwa, wie weit das bestehende Kontrollamt in St. Pölten alle Leitlinien im Hinblick auf volle Unabhängigkeit erfüllt – definiert nach dem strengen Maßstab der „Internationalen Organisation der Obersten Rechnungskontrollbehörden“. Ganz könne man diesem Maßstab nicht gerecht werden, da ein städtisches Kontrollorgan keine


TEXT: MICHAEL MÜLLNER | FOTOS: MAKIBESTPHOTO/ADOBE STOCK, JOSEF VORLAUFER

ZAHLENWERK. In seiner Dezember-Sitzung beschließt der Gemeinderat das Budget. echte wirtschaftliche Unabhängigkeit erreichen könne, betont Denk. Doch auch wenn sein neuer Stadtrechnungshof organisatorisch in den Magistrat eingebunden bleibt, so ist er von der Unabhängigkeit seiner Einrichtung überzeugt: „Wir haben mit dem Stadtrechtsorganisationsgesetz die rechtliche Grundlage. Aber einige Bereiche sind nicht präzise genug geregelt. Deshalb habe ich eine Kontrollordnung für den Stadtrechnungshof entworfen, die der Bürgermeister dem Stadtsenat zur Beschlussfassung vorlegen wird.“ Ähnlich einer Geschäftsordnung werden somit die Spielregeln für die Kontrolleinheit präzisiert und erweitert. Künftig ist etwa klargestellt, dass jeder Magistratsmitarbeiter dem Rechnungshof alle Auskünfte geben muss – nicht nur der Vorgesetzte. Der neue Name soll auch als Symbol für die Bedeutung der Einrichtung verstanden werden, so Denk: „Wir wollen damit die Botschaft senden, dass uns diese Institution sehr wichtig ist.“ Wobei es Denk nicht nur auf Kontrolle ankommt, sondern auch auf Beratung. Seine Tätigkeit sieht er nicht nur als „Innenrevisor“, sondern auch als Helfer beim Erkennen von Verbesserungspotential. Gerade das Netzwerken ist ihm dabei sehr wichtig, sollen doch bei Prüfungen auch Best-Practice-Erfahrungen anderer Städte mit den Abteilungen besprochen werden. Generell sei ihm das Miteinander wichtig – der Stadtrechnungshof soll nur sinnvolle, umsetzbare Empfehlungen abgeben, von denen jeder etwas hat. Doch was wird denn genau geprüft? Und wie streng überhaupt?

Im jährlichen Pflichtprogramm wird laut Gesetz der Rechnungsabschluss der Stadt auf seine Ordnungsmäßigkeit geprüft. Auch „unvermutete“ Kassenkontrollen gibt es. Besonders wichtig sind aber die themenbezogenen Prüfungen, bei denen Denk als Leiter des Stadtrechnungshofes völlig freie Hand hat, was er prüft und wie er prüft. Dabei betont er seine Unabhängigkeit, dass er als Kontrollorgan weisungsfrei agieren kann. Schon bisher war die Kritik der Opposition, dass das Prüfprogramm eine Mehrheitsentscheidung des Gemeinderats ist. Die Prüfer sind dem Gemeinderat verantwortlich und dort hat die SPÖ eine absolute Mehrheit. Will der Gemeinderat dem Stadtrechnungshof also eine Zusatzaufgabe stellen und ihm einen konkreten Prüfauftrag erteilen, so ist dies weiterhin nur mit der Stimmenmehrheit im Gemeinderat möglich. Es sei denn die Opposition überzeugt den Rechnungshofleiter himself, denn der kann ja frei entscheiden, was er von sich aus prüfen möchte. Die spannendste Frage wird also sein, wie Denk die neun Jahre bis zu seiner Pension inhaltlich angeht und ob sich im Kontrollausschuss des Gemeinderats Unstimmigkeiten mit der Opposition ergeben. Einen Fortschritt verspricht der frischgebackene Rechnungshof-Chef aber bereits. Künftig werden jährliche Tätigkeitsberichte

FA K T E N Stadtrechnungshof Nach Graz, Wels und Wien hat nun auch St. Pölten einen Stadtrechnungshof. Zuvor wurde das Prüfwesen vom „Kontrollamt“ wahrgenommen, welches 1936 gegründet wurde. Rechnungshof Die Verfassung richtet „den“ Rechnungshof als unabhängiges Organ zur Finanzkontrolle von Bund, Ländern und Gemeinden ein. Die Prüfer schauen auch in St. Pölten vorbei, sie agieren unabhängig vom städtischen Prüfungswesen. Gegründet wurde der Rechnungshof zur Zeit Maria Theresias, also vor über 250 Jahren. Landesrechnungshof Der Landesrechnungshof prüft im Auftrag des niederösterreichischen Landtags die Finanzgebarung des Landes – gegründet 1998 ist diese Einrichtung erst zwanzig Jahre alt.

des Stadtrechnungshofs veröffentlicht, die alle Prüftätigkeiten zusammenfassen. Neben all der Prüftätigkeit hat sich Denk aber noch ein zweites Thema vorgenommen. Und auch das hat wieder mit einem Studienabschluss zu tun – seine Master-Arbeit schrieb er nämlich über nachhaltige Programme zur Schulung von Mitarbeitern im Bereich der Korruptionsprävention. Zentrale Aufgabe des Stadtrech-

STRENGE RECHNUNG. Das Kontrollamt wird weiterentwickelt. Bürgermeister Matthias Stadler, Stadtrechnungshof-Leiter Manfred Denk und Magistratsdirektor Thomas Dewina. MFG 11.18

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PRÜFET ALLES, DAS GUTE BEHALTET

S T A D T B U D G E T: H A U P T S TA D T W E R D U N G , Z W E I T E R A K T. St. Pöltens Bürgermeister Matthias Stadler hat für 2019 ein weiteres Wachstumsbudget vorgelegt. 273 Millionen Euro sind in Bewegung, dank der Bewerbung um den Titel der Kulturhauptstadt 2024 gibt es zum Zahlenwerk auch eine schöne Erzählung. Mit dem Stadtbudget ist es eine ambivalente Geschichte. Obwohl es natürlich die „in Zahlen gegossene“ Politik widerspiegelt, spielen sich rund um die jährliche Budgetpräsentation keine großen (parteipolitischen) Dramen ab. Als Stadtchef legt Stadler dem Gemeinderat ein Budget vor, welches von der absoluten SPÖ-Mehrheit natürlich auch beschlossen wird. Realpolitisch gibt es also im Gemeinderat nicht viel zu diskutieren. Doch auch ein sachlich-nüchterner Blick lohnt sich.

geglättet haben. St. Pöltens Finanzchef Thomas Wolfsberger weist auch darauf hin, dass rund ein Drittel der St. Pöltner Arbeitnehmer in Betrieben arbeitet, die von der Kommunalsteuer befreit sind: So erhält etwa die Gemeinde keine Kommunalsteuer für Arbeitsplätze in der Landesverwaltung, dem Landesklinikum oder an Bundesschulen.

Wo Einnahmen steigen, da sind in der Regel auch die Ausgaben im Steigflug. Gesetzliche Lohnerhöhungen und zusätzliches Personal für neue KindergarWie jede Gemeinde finanziert sich St. tengruppen erhöhen den städtischen Pölten über Steuern und Abgaben. Dabei Personalaufwand. Zudem investiert die hat die Stadt Stadt auch im nur einen bekommenden 202.605.500 Euro grenzten SpielJahr umfangraum, wie sie reich in die plant die Stadt St. Pölten im Jahr mit den sogeInfrastruktur, 2019 einzunehmen und auszugeben. nannten „geweshalb Bürmeindeeigegermeister 70.000.000 Euro nen“ Abgaben Stadler auch ihre Bürger die „enorme kommen an Umsatz dazu, wenn besteuert. Das We r t s ch ö p man auch die ausgelagerten wirklich große fung in der ReGesellschaften mitrechnet Geld kommt gion“ betont, a u t o m a t i s ch die durch die (Abfallbehandlung, Bestattung, in die StadtFachhochschule, Immobilien St. Pölten, Aufträge der kasse – der FiStadt entsteht. Marketing St. Pölten GmbH). nanzausgleich Be a ch t l i ch e regelt immer Summen für für mehrere Jahre, wie sich Bund, Länden Ausbau der Zukunftsthemen Bilder und Gemeinden das Steuergeld der dung und Infrastruktur sind nicht neu, Bürger aufteilen. Läuft die Wirtschaft zunehmend sichtbar wird aber auch die gut, sprudeln auch die SteuereinnahBemühung der Stadt sich gemeinsam men. So freut sich St. Pölten etwa über mit dem Land NÖ als Kulturhauptstadt rund 71 Millionen Euro an Ertragsanteizu bewerben. So finden sich im Budget len des Bundes, die für 2019 budgetiert für 2019 auch zahlreiche Investitionen, sind. Immerhin fünf Millionen mehr als die schon im Hinblick auf die zukünftige noch im Vorjahr veranschlagt waren. Die Rolle als Austragungsort argumentiert kontinuierliche Steigerung bei der Komwerden. Und auch für die Bewerbung munalsteuer zeigt auch, dass die St. Pölselbst macht die Stadt eine halbe Million tner Wirtschaft breit aufgestellt ist. Auch Euro im nächsten Jahr locker. Generell Jahre mit größeren Firmenschließungen ist der „frei gestaltbare“ Spielraum im (etwa der legendären „Glanzstoff“) finBudget mit rund zehn Prozent knapp det man nicht als Ausreißer in der Stabemessen – der Großteil ist gesetzlich tistik, da andere Betriebe diese Effekte geregelt und somit fix vergeben.

AUSGERECHNET. Bürgermeister Stadler und Finanzdirektor Thomas Wolfsberger. nungshofs wird es also auch sein die Magistratsmitarbeiter zu schulen. Im Frühjahr 2019 soll ein Verhaltenskodex präsentiert werden, zudem wird Manfred Denk auch behördenintern als „Antikorruptionsbeauftragter“ präsentiert. Auch ein Hinweisgebersystem harrt der Umsetzung, bei dem es darum geht, dass Mitarbeiter melden können, wenn sie Probleme sehen. Auch Schulungsprogramme und abteilungsinterne Kontrollsysteme sollen ausgebaut werden. „Es geht glücklicherweise um Prävention, nicht um Korruptionsbekämpfung – weil die haben wir ja nicht“, lacht Denk. Wobei ihm schon auch bewusst ist, dass er ein heikles Feld beackert. Wer ein reines Gewissen hat, versteht oft nicht, warum man sich mit etwas beschäftigen muss, was ohnehin klar ist. Wer wirklich etwas dreht, der wird auch von Schulungsmaßnahmen nicht sonderlich beeindruckt sein. Denk ist aber davon überzeugt, dass klare Sanktionen und das Bekenntnis zu Transparenz sehr effektiv sind: „Transparenz ist das schärfste Mittel gegen Korruption“, fasst er zusammen. Dass er mit seiner Mission mitten im Großkampfgebiet Organisationsentwicklung aufschlägt, nimmt Denk gelassen. Neun Jahre sind ein schöner Zeithorizont für erste Erfolge – auch wenn der Weg wie in jeder Organisation ein langer ist und man wohl nie wirklich so ganz am Ziel ankommt.

Transparenz ist das schärfste Mittel gegen Korruption. MANFRED DENK, STADTRECHNUNGSHOF

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MFG ADVERTORIAL

HTL ST. PÖLTEN

SMART HTL ST. PÖLTEN – DIE AUSBILDUNG DER ZUKUNFT! Unsere Gegenwart ist smart – unsere Zukunft noch smarter. Egal ob im Privatoder Berufsleben, unser Umfeld wird immer mehr von Technologie bestimmt. Industrie 4.0, Smart Home, künstliche Intelligenz, virtuelle Realitäten, CyberSecurity, Autonomous Technology sind keine Fremdwörter mehr. Die HTL St. Pölten mit ihrem breit gefächerten Ausbildungsangebot, das von Maschinenbau, Elektrotechnik, Informatik, Elektronik und technischer Informatik bis hin zu den Wirtschaftsingenieuren reicht, gestaltet diese Zukunft mit.

Den HTL-AbsolventInnen stehen vielseitige Berufsmöglichkeiten offen.

Immer kleiner werdende, multifunktionale Geräte machen es den Anwendern schwer deren Nutzen und Gebrauch zu erkennen. Um dem entgegenzuwirken bietet die HTL St. Pölten als einzige Ausbildungsstätte in Niederösterreich im Fachbereich Maschinenbau die Spezialisierung Industriedesign an. Die SchülerInnen lernen von Designern, aus deren Berufsalltag, mit diesen Herausforderungen umzugehen. Das Ziel ist es Gestaltungsprobleme rechtzeitig zu erkennen und in den Konstruktionsprozess einzubinden. Ab dem 2. Jahrgang werden schon

Die HTL St. Pölten bietet eine Ausbildung zum Industrie-Designer. seit 15 Jahren Darstellungsmethoden, Gestaltungsmethoden und Präsentationstechniken gelehrt. Die erlernten Techniken bilden somit eine Brücke zwischen der klassischen Ausbildung im Bereich Technik und dem Anspruch der künstlerischen Gestaltung.

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Voranmeldungen und die Vereinbarung von Schnuppertagen sind an der HTL St. Pölten ab sofort möglich. Anmeldungen für das Schuljahr 2019/2020 können bis 22. Februar online unter www.htlstp.ac.at abgegeben werden.

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MFG URBAN BISCHOF ALOIS SCHWARZ

LIEBE IST DIE ANTWORT

Das mächtige Schmiedeisentor ist noch immer so schwer wie vor elf Jahren, als ich das letzte Mal hier war, und auch die übergroßen Klostergründer Adalbert und Ottokar stehen eisern wie ewige Wächter an derselben Stelle im Eingangsbereich. Wenn man dann durch die nächste Türe tritt, findet man sich plötzlich im wohl schönsten Stiegenaufgang der Stadt wieder – jenem, der zum Bischofshaus hinaufführt, in die Räumlichkeiten von Bischof Alois Schwarz.

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ben im Foyer empfängt uns schon Katharina Brandner, frischgebackene Leiterin des Kommunikationsreferates sowie Mediensprecherin des Bischofs. „Ja, da hat sich nicht allzu viel verändert“, lacht sie über meinen Hinweis auf die zeitlose Architektur und fischt ihr Handy vom Boden, das sie an einer Steckdose zum Aufladen angesteckt hatte. „Das schwere Schmiedeeisentor wird man übrigens bald nicht mehr aufziehen müssen, es ist als Eingangstür ja eher ungeeignet. Der entstehende zentrale Eingang über das neue Diözesanportal am Domplatz wird in alle Büros führen – auch zum Herrn Bischof“, verrät sie uns. Entwicklung, Veränderung gibt es also doch in den hehren Hallen der ewigen Institution Kirche, und am augenscheinlichsten schlägt sich diese in ihrem wechselnden Personal nieder. Alois Schwarz hat sein Amt mit 1. Juli in St. Pölten angetreten und damit Bischof Klaus Küng beerbt, der anno dazumal die „Konkursmasse“ seines streitbaren Vorgängers Kurt Krenn übernommen hat und die Diözese wieder, wie beim Abschied aus dem Amt betont wurde, befriedete. Die in der Krenn-Ära in Scharen geflüchteten Schäfchen konnte zwar auch er nicht mehr zurückholen, aber ihm gelang 40

es zumindest die zuvor überproportionale Kirchen-Austrittswelle auf ein österreichweites Durchschnittsmaß zu senken. Während Küng gemeinhin als eher konservativer Vertreter seiner Zunft galt, was viele am stärksten in seiner Opus Dei-Mitgliedschaft manifestiert sahen, wird Schwarz eher dem liberal-gemäßigten Lager zugeordnet. Der Bischof kommt uns aus seinem Büro entgegen, das schlicht gehalten ist: Unspektakulärer Arbeitstisch, an der Rückseite eine Bücherwand, jede Menge Schriftstücke, die auf genug Arbeit schließen lassen – kein Computer! Allzu viel konnte oder wollte der „Neue“ im Vergleich zu seinem Vorgänger noch nicht ändern, zumindest hängen aber schon zwei neue Bilder an der Wand, eines von der Kärntner Künstlerin Lisa Huber. „Die war höchstselbst da, weil sie wissen wollte, wo ihre Bilder jetzt hängen“, lächelt Schwarz und nimmt uns die Jacken ab. Auch den Mokka serviert der Bischof selbst. Eitel ist das nicht, eher – wie er vielfach beschrieben wird – unprätentiös und entspannt.

Wir machen es uns im großzügigen Warte- oder Besprechungszimmer gemütlich, von Heiligen, Märtyrern und Aposteln umzingelt, die uns von den großen Wandgemälden aus beobachten. Schwere Schinken, wie allerorts barocke Fülle, woran sich der neue Bischof, im Übrigen wie sein Vorgänger, erst gewöhnen musste, „wobei es ein wunderschönes ehemaliges Kloster ist.“ Was Schwarz jedenfalls schon am neuen Wirkungsort zu schätzen gelernt hat, ist der Umstand, dass er trockenen Fußes in den Dom kommt. „In Kärnten habe ich 15 Minuten mit dem Auto in den Dom gebraucht“, schmunzelt er. Hier in St. Pölten hingegen ist das Bischofshaus über einen Gang direkt mit der Domkirche verbunden – regenfrei sozusagen. Die Heimkehr nach Niederösterreich Mit seinem Amtsantritt in St. Pölten ist Schwarz nach langer Reise im Dienste des Herrn wieder in seine Heimat Niederösterreich zurückgekehrt. 1952 wurde er in Hollenthon

Unser Grundprogramm ist gut. Was wir haben, ist eher ein Marketingproblem. ALOIS SCHWARZ


TEXT: JOHANNES REICHL | FOTOS: MATTHIAS KÖSTLER

in der Buckligen Welt geboren, „zuhause“, wie für damals üblich. „Ich bin auf einem klassischen Einschichthof aufgewachsen. Wir hatten Felder, Wald, Kühe, Schweine – ein Vollerwerbsbetrieb, was er auch heute noch ist“, so Schwarz. Für die Kinder war es ganz selbstverständlich „dass wir in der schulfreien Zeit zuhause am Hof mitgearbeitet haben.“ Weniger üblich war, dass nicht Schwarz als Ältester den Hof übernommen hat, sondern sein jüngster Bruder, was aber auf die damals ebenfalls wohl eher unübliche Einstellung der Eltern zurückzuführen war „dass der Älteste studieren soll.“ So führt sein Weg nach der Volksschule ins humanistische Gymnasium nach Sachsenbrunn, eine Zeit „an die ich mich heute noch gerne zurückerinnere.“ Gerade das Internatsleben, für manche eher traumatisierende Lebenserfahrung, war für Schwarz ein positives Erlebnis, „auch wenn es hieß, dass ich nur Allerheiligen,

Weihnachten, Ostern und im Sommer nachhause gekommen bin. Aber wir hatten eine großartige Gemeinschaft und haben viel gemeinsam unternommen.“ Schwarz spielt Fußball, im Übrigen als knallharter Verteidiger, lernt Oper und Theater bei gemeinsamen Fahrten – vornehmlich nach Graz – kennen, ja spielt selbst Theater und lernt Bassflügelhorn. Selbstredend, dass er vier Jahre lang auch in der Blasmusikkapelle musiziert hat. Die Sache mit Gott Dass es kein längeres „Engagement“ wird, hängt v. a. damit zusammen, dass er nach der Schule ins Priesterseminar nach Wien wechselt. Ob es für diesen Schritt irgendein religiöses Erweckungserlebnis gab, oder eine besondere religiöse Vorprägung? „Ich glaube, zum einen lag es daran, dass ich im Gymnasium gute Vorbilder hatte, die mir vorlebten, dass das eine schöne Aufgabe ist. Zum anderen

habe ich es mir aber im eigentlichen Sinne nicht ausgesucht. Es war eher ein Gefühl, ein Ergriffensein von der Gegenwart Gottes in mir, so dass ich gar nicht anders konnte. Diesen Weg wählt man nicht.“ Nach nur sechs Jahren wird Schwarz zum Priester geweiht und kommt zunächst als Kaplan nach Gloggnitz, „wo ich v. a. viel in der Kinderseelsorge tätig war und unterrichtet habe.“ Diese Station erweist sich aber nur als Intermezzo, denn bald wird er von Kardinal Franz König als Assistent an die KatholischTheologische Fakultät der Universität Wien geholt. „Eine trockene Zeit, weil ich mehr mit Büchern denn mit Menschen zu tun hatte“, erinnert er sich zurück „aber ich habe auch unterrichtet.“ Als Dissertation schreibt er ein „Handbuch der Predigt.“ Worauf es da eigentlich ankommt, beim Predigen? „Eine Predigt muss ein persönliches Wort enthalten und ein gutes MFG 11.18

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Diesen Weg wählt man nicht. ALOIS SCHWARZ

am Stephansplatz gewohnt habe.“ In dieser Funktion versucht er allgemeine Themen und Programme zu entwickeln, führt verschiedene Österreich-Konferenzen durch bis hin zum „Dialog für Österreich“ – also jener kircheninternen Initiative, die in Folge der Skandale rund um Kardinal Hans Hermann Groer und einer darob aufgewühlten bis aufmüpfigen Herde die Wogen glätten bzw. einen Dialog kirchenintern wie auch nach außen hin in Gang setzen sollte.

BAROCK. Im Bischofshaus empfängt einen barocke Pracht und Opulenz. Der Weg in die Räumlichkeiten wird aber bald über ein zentrales Diözesanportal am Domplatz erfolgen. Bild geben. Und sie muss emotional sein! Der Hörer muss merken, dass der Prediger von seiner eigenen Ergriffenheit erzählt – dann pfeift‘s!“, ist der Bischof überzeugt, „und natürlich gibt es ein paar rhetorische Grundsätze, die man beachten sollte.“ Seelsorger mit Leidenschaft Auch Schwarz selbst zieht es nach dem Studium wieder zum Predigen, zu den Leuten zurück. Er wird Pfarrer in Krumbach, „das war eine 2.000 42

Katholiken-Gemeinde. Eine wunderschöne Zeit!“, schwärmt er. „Als Pfarrer lebst du ja in der Gemeinde mit, begleitest die Menschen auf ihrem Lebensweg, das beginnt bei der Taufe, beim Beginn des Lebens, und geht bis hin zum Tod, zum Begräbnis. Ich war und bin Seelsorger mit ganzer Leidenschaft!“ Davon nimmt auch Wien Kenntnis, so dass Schwarz nach neun Jahren zum Seelsorgeamtsleiter der Diözese Wien bestellt wird, „und ich plötzlich

Pragmatismus Schwarz erwirbt sich in dieser Zeit den Ruf eines „Mann des Dialoges“ sowie Pragmatikers. Er selbst definiert sich „als zukunftsorientiert – letztlich muss man das tun, was den Menschen hilft, muss das Eingliedernde vor das Ausgliedernde, das Aufbauende vor das Zerstörende stellen.“ Die Wege dorthin seien aber, wie er einschränkt, nicht immer nur in neuen Antworten und Wegen zu finden „manchmal ist durchaus auch das Traditionelle, das Festhalten am Alten das adäquatere Mittel, ein anderes Mal gilt es hingegen loszulassen.“ Wenn Schwarz davon spricht, dass es „um Aufgeschlossenheit der Kirche“ geht, dass es „Spielräumen bedarf, wo man auch etwas ausprobieren kann“ oder davon, „dass man sich etwas zutrauen muss“, dann klingt das alles andere denn nach Dogmatikern der alten Schule, die vielfach in der Kritik stehen, den Bezug zum Leben verloren zu haben. Auch Sätze wie „Leben ist wichtiger als die Lehre. Erfahrung ist wichtiger als die Botschaft. Change is the future!“ sind nicht gerade dazu angetan, im Handbuch ultrakonservativer Kleriker Niederschlag zu finden. Es verwundert daher wenig, dass Schwarz etwa – um einen Dauerbrenner exemplarisch herauszugreifen – in der Frage der Aufhebung des Zölibats nicht reflexartig ein kategorisches Nein von sich gibt, sondern einräumt „dass man natürlich darüber reden darf, welche Lebensform


LIEBE IST DIE ANTWORT

für einen Priester die richtige ist.“ Dass mit einer Aufhebung des Zölibats aber alle Sorgen – Stichwort Priestermangel – gelöst würden, glaubt er nicht. „Schauen wir uns etwa die Evangelische Kirche an – da dürfen Priester heiraten, haben Kinder, und es herrscht trotzdem Priestermangel. Auch bei den Christlich-Orthodoxen ist dies teils möglich.“ Worüber sich die Katholische Kirche vielmehr Gedanken machen müsse „ist, wie wir die seelsorgliche Grundversorgung sicherstellen können angesichts weniger Priester.“ Kurzum, wie und in welchen Bereichen Laien – und auch da klingt v. a. Pragmatismus und Realitätssinn durch – Aufgaben von Priestern für die Pfarrgemeinde übernehmen können. Man vermeint herauszuhören, dass es für Schwarz eher mehr denn weniger Agenden sein dürften, Hauptsache man findet die richtigen „auskunftsfähigen Christen“, welche die Botschaft zu vermitteln verstehen. Und diese hält er noch immer, wenn man es so formulieren möchte, für unerreicht und absolut. „Wie wird der Mensch ein Liebender in der Liebe Gottes. Wenn wir uns danach richten, wird auch die Kirche genesen“, ist er überzeugt, denn „unser Grundprogramm ist gut. Was wir haben, ist eher ein Marketingproblem!“ Wir ist größer als Ich Als positives Beispiel, wo sich der Grundgedanke niederschlage, wo man sich der Armen und Schwächeren in Liebe annimmt, nennt Schwarz etwa die Caritas. „Mensch, du bist vom Menschen geliebt. Dahin müssen wir kommen! Und das passiert vielfach. Die Caritas Autos sind landauf landab unterwegs, und darauf prangt die Botschaft: Wir ist größer als Ich!“ Ein Auslaufmodell sei das jedenfalls nicht. Auf meinen Einwurf, dass es aber immer weniger Katholiken und Kirchgänger gibt, kontert er „die Statistik ist das eine. Jene aber, die in Gott leben, die selbstlos helfen, die in der Familie vielleicht die Angehörigen pflegen, ehrenamtliche Dienste für Schwächere übernehmen, das ist das andere.“ Auch die Pilgerbewegung, „die noch vor 20 Jahren in dieser Di-

mension undenkbar gewesen wäre“, weise auf ein nach wie vor spirituelles Grundbedürfnis hin, „denn die Leute schauen ja nicht nur in der Gegend herum, sondern gehen in sich, reden mit Gott – da spielt sich ungemein viel ab!“ Das Interesse an Religion als solcher sei jedenfalls „sicher nicht weniger geworden“, das Wissen darüber sogar größer – damit freilich auch jenes über andere Glaubensgemeinschaften. Daher müsse die Kirche in ihrer Kommunikation wieder differenzierter auftreten und propagieren, wofür man wirklich stehe, fordert der Bischof. „Wir müssen den Mensch als Mensch betrachten – nicht nur aus technischem, strategischem, politischem Blickwinkel. Der Mensch ist kein Kostenfaktor“, übt er handfeste Kapitalismuskritik. „Wir müssen uns fragen, wie geht es ihm, wie ist es um seine Gefühle, um seine Sehnsüchte, um seine Gesundheit bestellt. Wir müssen auf ihn in Liebe schauen, so wie Christus in Liebe für uns Mensch geworden ist. Gott ist Liebe – das ist die Grundbotschaft – und die vertritt keine andere Religion!“ Ganz bewusst hat er in diesem Sinne auch seinen Leitspruch als Bischof gewählt: „Das Wort ist Fleisch geworden!“

Kirche mit dem Aufarbeitungsprozess der verschiedenen Missbrauchsskandale bis heute beschäftigt. „Man hat darüber lange Zeit nicht geredet. Es ist auch schwierig, aus heutiger Sicht das Damals zu beurteilen – es herrschten andere Erziehungsmethoden, es fehlte an psychologischer Schulung. Fakt ist jedenfalls, es wurden Fehler gemacht, die unentschuldbar sind, und es ist unsere Aufgabe, dass wir heute präventiv agieren, dass so etwas nie wieder passiert. Wir müssen viel hellhöriger damit umgehen.“ Und das tue man auch. Als konkrete Lehre und Reaktion habe man etwa, was Schwarz für einen wichtigen Schritt hält, die Ombudsstelle für Opferschutz ins Leben gerufen. Die sogenannte KlasnicKommission hat tausende Fälle von sexuellem Missbrauch innerhalb der Katholischen Kirche aufgearbeitet „ein Instrumentarium, das herzeigbar ist, und das sich auch andere – aktuell etwa die USA – anschauen.“ Zudem, dies seien wichtige symbolische Akte gewesen, habe „Papst Johannes Paul II. im Jahr 2000 um Vergebung gebeten, und auch Kardinal Schönborn im Rahmen eines eigenen Gottesdienstes im Stephansdom.“ Nüchtern fügt Schwarz hinzu: „Die Kirche ist eine real verfasste Gemeinschaft, in der es

Fehlbarkeit Freilich macht es die Kirche ihren Schäfchen in Sachen Liebe, weil sie mitunter selbst lieblos, ja grausam agiert, nicht immer leicht. Dazu muss man nicht erst in finstere Zeiten von Kreuzzügen, Inquisition oder Hexenverbrennungen zurückblättern, sondern es genügt ein Blick auf die jüngste Geschichte, ja Gegenwart – allen voran auf die zahlreichen Missbrauchsvorfälle, die seit Jahren immer wieder publik werden. Zuletzt standen die englischen Priester und jene in den USA im Fokus, erst kürzlich entschuldigten sich die polnischen Bischöfe, und auch in Österreich ist die

Leben ist wichtiger als die Lehre. Erfahrung wichtiger als die Botschaft. Change is the future! ALOIS SCHWARZ

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MFG URBAN

GESCHICHTSTRÄCHTIG. Das Gemälde zeigt großzügige Umbaupläne für den heutigen Dom, die in dieser Größenordnung nie umgesetzt wurden. 1785 wurde St. Pölten zum Bistum erhoben. Alois Schwarz ist der 18. Bischof der Diözese St. Pölten. oft zu späte Entscheidungen und Reaktionen gibt, wo man erkennt, man hätte es anders machen müssen. Es ist eine Gemeinschaft aus Menschen. Wir sind nicht unfehlbar. Das soll aber keine Entschuldigung für das Fehlverhalten Einzelner sein.“ Gurker Schatten Mit dem Vorwurf der Fehlbarkeit sieht sich der Bischof aktuell auch selbst konfrontiert. Nach seinem Abgang aus Gurk, wo er 17 Jahre lang Bischof gewesen war, wurden ihm – worüber NEWS ausführlich berichtete – u. a. Verschwendungssucht, Günstlingswirtschaft, Bespitzelung, Deckung von Missbrauch und dergleichen mehr nachgesagt. Wie er diese Vorwürfe ehemaliger Weggefährten aufgenommen hat? „Es hat mich ehrlich gesagt verwundert. Wir haben doch immerhin 17 Jahre lang zusam44

mengearbeitet, vieles auch gemeinsam auf den Weg gebracht. Man könnte auch zuvor intern den Dialog suchen, dann hätte sich wohl vieles geklärt – an die Medien hätte man, so man das wollte, noch immer gehen können“, schüttelt Schwarz den Kopf und fügt hinzu. „Der Weg zueinander bleibt einem aber ohnedies nie erspart, darauf kommt es an, richtig im Interesse der Menschen zu handeln.“ Näher möchte er zum aktuellen Zeitpunkt aber, so wie er es bislang in der Causa gehandhabt hat, nicht eingehen und bittet dafür um Verständnis: „Aktuell wird alles geprüft, was ich begrüße. Ich möchte aber diesen Erkenntnissen nicht vorgreifen. Solange es keinen Prüfbericht gibt, ist es also wenig sinnvoll, darüber etwas zu sagen. Mir liegt nichts daran, über die Medien zu kommentieren, und mir liegt viel am persönlichen Dialog.“ Dass die

Berichte in der Diözese freilich für einigen Gesprächsstoff sorgen, kann er nachvollziehen. „Die Aufregung und Unsicherheit, die ich mit diesen Medienberichten hier in der Diözese St. Pölten verursacht habe, tun mir leid. Und ich bin dankbar über die vielen Begegnungen und persönlichen Gespräche, die ich hatte, sowie das Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde. Eine Leitungsposition inne zu haben, bedeutet manchmal auch, Entscheidungen zu treffen, die hie und da auf Unverständnis stoßen. Gleichzeitig muss ich im Nachhinein schon sehen, dass ich heute manches anders machen würde. Ich hoffe jedenfalls sehr, dass durch die Prüfung Klarheit und Klärung für alle Beteiligten entsteht.“

Wir sind nicht unfehlbar. ALOIS SCHWARZ


LIEBE IST DIE ANTWORT

Hinaus ins Umland, in die Tiefen seiner 400 Pfarren umfassenden Diözese, führen ihn auch die nächsten Wege, wo er vorort „in den Dekanaten mit den Pfarrern, Diakonen, Pfarrgemeinderäten und den Gläubigen reden möchte.“ Auch hier ist sein Credo allen voran die Seelsorge „da müssen wir uns fragen, wie wir diese – auch bei weniger Pfarrern – sicherstellen können, denn die Pfarre ist der Nahversorger für die Seele!“ Ein Kanal wird zudem wohl auch über die NÖN laufen, deren Mehrheitseigentümer die Diözese ist, und die Schwarz „für sehr wichtig“ hält. Für private Vergnügungen bleibt da vorerst jedenfalls wenig bis gar keine Zeit. Den Besuch am SKN-Platz hat der Fußballfan auf April verschoben, und auch die Kulturinstitutionen in St. Pölten werden noch einige Zeit auf seinen Besuch warten müssen. Selbst die geliebten Spaziergänge in die Natur und die Berge, „die ich sehr liebe und ab und an brauche, um Abstand zu gewinnen“ müssen aktuell hintanstehen – der Terminkalender ist zu voll, was uns auch Frau Brandner signalisiert. Der nächste Besuch wartet. Den abschließenden Wordrap haben wir aber ohnedies rasch durch, weil der Bischof lachend ausweicht. „Wenn ich Ihnen jetzt sage, welche Lieblingsblumen ich habe, was ich am liebsten esse oder welche Musik ich am liebsten höre, bekomme ich in Hinkunft immer dasselbe geschenkt und vorgesetzt.“ Nur beim Lieblingsbuch gibt sich Schwarz weniger zugeknöpft. „Das ist selbstverständlich die Bibel“, lächelt er und verschwindet nach einem festen Händedruck im Nebenraum. Als ich unten das schwere Schmiedeeisen-Tor wieder hinter mir zuziehe und durch den Brunnenhof Richtung Domplatz schlendere, fallen mir die Transparente auf den Bauzäunen der im Entstehen befindlichen Informationsstelle auf: „Sehnsucht stillen“, „Liebe entzünden“, „Gottes Liebe entdecken“. Die Marketingmaschine ist schon angeworfen. Die beste Werbung für die Kirche sind aber immer noch, wie es Schwarz formuliert hat, „liebende Menschen.“

KOLUMNE ROUL STARKA

WINTER Und Winter der Menschheit. Es wird kalt. Klima warm, Mensch kalt. Merkwürdig. Last Christmas goes Tofu, toll wurde mega. Leise hechelt das Schneeflockerl um Anerkennung, Rechtschreibung wurde zu Plastilin, es regieren der Hass und sein grinsendes Zahnfleisch. Metoo-Schreie steigern sich paradoxerweise mit katastrophalen Aussagen eines sexistischen Präsidenten um die Wette, und ich behaupte das Grausigste an all diesen Tatsachen: Diese Art Staatsoberhäupter werden weltweit immer öfters gewählt, nicht „obwohl“ sie so furchtbar sind sondern „weil“. Heil Scheitel. Dazwischen spielen beleidigte Kinder mit Bärten ein bombiges Spiel, krabumms! Wer mehr Blut macht, hat gewonnen. Glattrasierte feine Herren beanspruchen Wasser als Privateigentum, das sie ab jetzt teuer verkaufen wollen. Übrigens: Da dieses Geschäftsmodell noch schleppend anläuft, unterstützen wir diese Herren mit 70 Euro pro Kilo Kaffee und schmeißen die leeren Kaffeekapseln einem süßen Delphin auf den Schädel. Facebook hilft: ein Hundi, ein Katzi, ein Quixi, ein Quaxi. So. Und jetzt wieder schön brav runter mit ABS und weihnachtlicher Vorfreude in meiner geheizten St. Pöltner Wohnung mit vollem Kühlschrank und Zuversicht. Danke, dass ich da sitzen und schreiben darf. Danke, dass ich sagen und meinen darf, was ich will. Und ich will für mich und meine Familie, dass das so bleibt. Darum werde ich zum ersten Mal in meinem Leben demonstrieren. Natürlich ist Liebe das Wichtigste, aber ab und zu braucht es zur Liebe auch Sauerstoff.

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FOTO: WEYO/ADOBE STOCK

St. Pölten Jetzt wolle er sich voll und ganz auf St. Pölten konzentrieren. „Erst heute war ich am Markt, um meine neuen Nachbarn zu begrüßen“, erzählt er und verweist auf seinen vollen Terminkalender, der von Antrittsbesuchen nur so wimmelt. In St. Pölten habe er sich jedenfalls „von Anfang an sehr willkommen gefühlt“, und die Stadt, die er vormals nur vom Regierungsviertel und vom Hippolythaus her kannte, habe ihn mit „ihrer traumhaft schönen Innenstadt“ durchaus überrascht. Auch die allerorts aus dem Boden schießenden Kräne sind dem Neo-St. Pöltner nicht entgangen, die er „als Hoffnungszeichen der Wirtschaft und der Zukunft“ deutet. Eine Zukunft, in die er sich als Oberhirte der Diözese aktiv miteinbringen möchte, weshalb Schwarz auch manchem Begehr der Kommune gesprächsbereit gegenübersteht – etwa im Hinblick auf die etwaige Realisierung einer Tiefgarage unterm Bischofsgarten. „Da bin ich offen und habe gesagt: Prüft es, ob es überhaupt machbar ist, und wenn ja, dann schauen wir uns das an!“ Auch die Domplatz-Neugestaltung ist selbstredend Thema, „weil sich das ja alles vor unserem Haus abspielt – der Domplatz soll ein Ort der Kommunikation, der Kultur, des Marktes und des Austausches sein. Wir sind jedenfalls bereit, unsere Tore zu öffnen und auch unsere Innenhöfe zu bespielen“, lässt er auf ein aktiveres und offensiveres Hinzugehen auf die Leute schließen. Ganz konkret entsteht aktuell etwa im Brunnenhof ein neuer Empfangskubus „wo sich die Menschen hinwenden und informieren können“ samt sichtbarem Zugang für das doch für viele eher schwer zu findende Diözesanmuseum. Gerade was die Kultur der Kirche betrifft, sieht Schwarz viele positive Inputs für die Stadt „wenn wir etwa auch an unsere wunderbare Dommusik denken.“ Er ist deshalb auch Feuer und Flamme für die Idee der europäischen Kulturhauptstadt und Kulturhauptstadtregion, im Zuge derer man auch die Schätze der Kirche, „auch die schönen Stifte und Klöster im Umland mitdenken sollte!“

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SHORTCUT KULTUR

FOTOS: HERMANN RAUSCHMAYR, SCHORN/HENZL, CANJOENA/ADOBE STOCK

KOLUMNE THOMAS FRÖHLICH

HORROR 2018 „Every day is Halloween.“ (Type O Negative). Es ist eine blutige Tatsache: Horror boomt, ob im Film, in der Literatur oder auch im Theater. Das Landestheater Niederösterreich etwa wartet kommendes Jahr mit einer Frankenstein-Adaption auf, im Kino metzelt sich soeben unser liebster Serienkiller Michael Myers durch die neblige Halloween-Nacht, „Suspiria“ lässt uns schreckensbleich um eine Gruppe weiblicher Internatszöglinge zittern und die LitGes St. Pölten widmet ihre aktuelle ETCETERA-Ausgabe „Körper. Teile“ der Frankenstein-Schöpferin Mary Shelley und ihrem 200-jährigen Monster. Was lange Zeit eher in der Schmuddelecke verortet wurde, scheint nun endgültig im Mainstream angekommen zu sein. Das wiederum gefällt „natural born“ Horrorfans mitunter gar nicht: Denn diese ungewohnte Akzeptanz des früher zumindest scheel Betrachteten ist etwa genauso sexy wie von den Eltern beim Kiffen erwischt zu werden und toleranzumflort erklärt zu bekommen: „Ja, wir haben das auch gemacht!“ The thrill is irgendwie gone. Und wenn in Filmen wie „The Dark“ Horrorelemente nur noch dazu dienen, langweilige Familienaufstellungen aus dem Sozialpädagogen-Kränzchen ins Kino zu überführen, gähnt sich der wahre Aficionado am liebsten gleich zurück in den „Midnight Meat Train“, wo Bahnfahren wenigstens noch ein echtes (wenngleich recht finales) Abenteuer darstellt. Doch seien wir ehrlich: Gegen manche Polit-Lemuren heimischer und internationaler Provenienz stellt sogar der Jigsaw-Killer eine reizende Alternative dar. Also: Herzblut für alle – es ist genug da!

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I

IN MEMORIAM MIMI WUNDERER

hr Tod kam für viele überraschend. Schnell waren Kondolenzen in den Äther gestreut – von jenen, die sie mochten ebenso wie von jenen, die sie nicht so mochten, was zumeist auf Gegenseitigkeit beruht hatte. Denn Mimi Wunderer war ein streitbarer Mensch, der keinen kalt ließ. Streitbar besonders für die Kultur, für die sie brannte. Sie erzählte gerne die Geschichte von Josef Hader, der mehr im Spaß gemeint hatte, wenn jemand St. Pölten kulturell urbar machen könne, dann jemand ihres Kalibers. Für Wunderer war das Ansporn, und irgendwann spielten sie dann alle in „ihrer“ Bühne im Hof, die zuvor einen Bogen um das „Kaff“ gemacht hatten. Dieses Verdienst ist ihr

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nicht hoch genug anzurechnen, ebenso wie die Etablierung der Sparte Tanz im Festspielhaus! Wunderer war für die Kultur St. Pöltens stets beharrlich, unnachgiebig, lästig – ein unbequemer Kämpfertypus, der gerade im Hinblick auf die Kulturhauptstadtambitionen St. Pöltens schmerzlich abgeht. Und sie war ein Mensch in ihrem Widerspruch. „Ich bin leicht beleidigt. Und ich sage frei heraus, was ich mir denke“, bekannte sie im MFG-Interview einmal. Sie sei also ein grader Michl? „Nein, eher ein Trottel, weil das manche natürlich vor den Kopf stößt diese Direktheit“, so die lachende Antwort. Mit der kleinen Mimi ist eine Große St. Pöltens gegangen.

EINFACH WELTKLASSE!

s gibt verschiedene Methoden, sich eine Region „anzueignen“. Man kann sie immer und immer wieder besuchen. Man kann sie in Liedern besingen, oder aber – wie es Edelzeichner Hubert Schorn und Hans Rankl, diesmal um Herbert Thumpser zum Trio erweitert – man kann sie in Bildern und Texten festhalten. Diesmal haben sie sich das Traisen- und Gölsental vorgeknöpft. „Weltklasse!“ nennen sie

selbiges im Titel, und machen damit um ihre Sympathie für den Raum erst gar kein Hehl. Es sind darin mit viel Liebe und Humor Persönlichkeiten, einmalige Geschichten und Geschichterln ebenso verewigt wie die Schönheit des Raumes! Und weil die Herren konsequent sind, hat man auch gleich Produzent und Druckerei aus dem Raum engagiert – Henzl Media aus St. Georgen. Erhältlich ist das Buch ebendort, bei Thalia, Schubert & Co.


MFG ADVERTORIAL

FESTSPIELHAUS ST. PÖLTEN / BÜHNE IM HOF

Mit Riesenschritten in Richtung

WEIHNACHTEN

DIE RUSSEN KOMMEN

Für schöne gemeinsame Momente im Advent und darüber hinaus: Im Festspielhaus-Programm ist für jeden das Passende dabei!

Zeitgenössischer Tanz der unter den Nägeln brennt

Die Berliner Star-Choreografin Sasha Waltz bringt am 8. Dezember filigrane Schönheit auf die Bühne. In „Kreatur“ tanzt ihr Ensemble in Meisterwerken der niederländischen Stardesignerin Iris van Herpen.

„Tatort“, „Das Boot“ & „Die unendliche Geschichte“

Was haben diese drei Kino-Highlights miteinander am Hut? Die Musik, denn die stammt von Klaus Doldinger. Am 14. Dezember zeigt die JazzLegende im mittlerweile 60. Bühnenjahr ihr Können am Tenorsaxophon.

Brassige Weihnachtsgrüße aus London

Vier Trompeten, vier Posaunen, ein Horn und eine Tuba - Christmas with London Brass verspricht am 20. Dezember weihnachtliche Klassiker in jazzign Arrangements.

Dee Dee Bridgewaters Tochter tritt aus dem Schatten ihrer Mutter

Nach musikalischen Ehrerbietungen an Größen wie Dinah Washington und Billie Holiday präsentiert die amerikanische Jazz-Sängerin China Moses am 11. Jänner eine Mischung aus Vintage-R ’n’ B und subtilem Jazz.

„Kreatur“ von Sasha Waltz & Guests © Sebastian Bolesch

Infos und Tickets unter www.festspielhaus.at |

/festspielhaus |

/FestspielhausSTP

Es ist schöne Tradition, am Ende des Jahres Rückschau zu halten – und wenn man dies am 8. Dezember gemeinsam mit Hunderten anderen tut, und sich dabei noch vom scharfen Blick Gerald Fleischhackers, Guido Tartarottis sowie anderen Kabarettisten leiten lässt – tja, dann kann der vergangene Wahnsinn letztlich trotzdem nur gut ausfallen. Immerhin arbeiten die Dame und die Herren Skandale wie Doping beim Curling, schwere Fälle von Liederbetätigung, eine 4.500 km lange Lauberhornabfahrt sowie ähnlich Skurrilles aus Politik und Alltag auf – dass dabei Trump & Co. nicht fehlen können, versteht sich von selbst.

Und wer weiß, vielleicht ist auch der jüngste Aufreger – russischer Spion in Österreich aufgedeckt – ein Thema. Wobei ganz und gar nicht in geheimer Mission kommen die Russen Georgij Makazaria („Russkaja“), Aliosha Biz („Dobrek Bistro“), Alexander Shevchenko („Klezmer Reloaded“) und Roman Grinberg daher, sondern räumen gleich hochoffiziell mit dem Klischee auf, das Gentlemen Clubs eine englische Erfindung wären. Von wegen, immerhin haben sich die Musiker zum Russian Gentlemen Club zusammengeschlossen und durchmessen als solcher am 30. Jänner all die Tiefen und Weiten ihrer Heimat, auf dass einem vor höchstem Jubel und tiefster Schwermut all die großen Emotionen so richtig durch die Knochen fahren. Ganz großes Kino!

www.buehneimhof.at

MFG 11.18

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MFG KULTUR

KREUZ & QUER Leicht ist es ihm nie gemacht worden. Kämpfen musste er immer, schon von Kindesbeinen an. Vielleicht ist er deshalb – neben vielem Anderen – auch der Genussmensch, als den man ihn kennt. Der St. Pöltner bildende Künstler und PrandtauerPreisträger Josef Friedrich Sochurek ist unbeirrbar seinen Weg gegangen, tut das heute noch. Seine aktuelle Station: Stift Melk.

D

as Kreuz ist ein Symbol, das sich querstellt“. Dieser Ausspruch von Dom Orlando Dotti, dem Bischof von Vacaria, gefällt dem Künstler und Querdenker Josef Friedrich Sochurek, von Freunden gern auch „Fritz“ genannt, aus verschiedenen Gründen. Erstens, weil dieses „quer“ gut zu seiner Haltung passt, und zweitens, weil seine Ausstellung CRUX im Stift Melk, die bis Ende 2018 zu besichtigen ist, eine Annäherung ans Motiv des Kreuzes birgt, ein Motiv, mit dem er sich auch schon in früheren Arbeiten immer wieder beschäftigt hat: „Es ist ein weltweites Symbol, dessen Bedeutung unterschiedliche Bereiche des Lebens und der Kunst durchdringt, definiert nur durch eine vertikale und horizontale Linie.“ Und Sochurek ergänzt: „Das Kreuz im europäischkulturgeschichtlichen Kontext als wesentliches und starkes Zeichen des

Christentums“ sei ihm genauso präsent wie „das Kreuz als Feindbild von immer mehr Gruppierungen, was mir persönlich, als katholisch erzogenem und in einem christlichen Kulturraum aufgewachsenen Bürger, zunehmend Sorgen bereitet.“ Das „Verschwinden“ von Kreuzen in Krankenhäusern etwa durch intolerante Anhänger einer ebenso intoleranten politischen Religionsauslegung unter den toleranten Augen hiesiger Verantwortungsträger findet er sehr irritierend. Obwohl Sochurek selbst ein weltoffener, genussfreudiger und unterschiedliche Lebensentwürfe bejahender Mensch ist, hält er manches schlichtweg für eine Fehlentwicklung. Mit der ihm eigenen Bildsprache und unterschiedlichen Materialien in Form von Bildern, Bildobjekten, Readymades und Installationen hat er einen begehbaren Werkblock mit dem Titel CRUX

STAIRWAY TO ART HEAVEN. Josef Friedrich Sochureks Atelier ist nicht nur Arbeits-, sondern auch Nachdenk- und Genussraum. 48

geschaffen, der entrückt, verwirrt, beunruhigt, beglückt und mitunter auch verstört. So lässt etwa die riesenhafte Glas(splitter)- und Stahl-Konstruktion „Nuntius et Signum – Message and Signs“ die Besucher kurz einmal tief Luft holen ob der Unmittelbarkeit, mit der sie den Raum gleichsam zerschneidet. Doch dazwischen gibt’s immer wieder künstlerische Momente, die zum meditativen Verweilen einladen. Ein Kreuzgang der höchst eigenwilligen Art. Eigenwilligkeit ist auch genau das, was „Fritz“ Sochurek ausmacht. Ich selbst traf ihn um das Jahr 2000 herum das erste Mal. Die Literarische Gesellschaft St. Pölten war in Sochureks damaligem Atelier in einer Halle der in jenen Tagen noch aktiven „Glanzstoff“ eingeladen. Das Ambiente seiner in grandioser Industriearchitektur platzierten Objekte, Artefakte und Werkzeuge sollte uns beim Schreiben inspirieren. Rohe Industrieästhetik traf auf geerdete Spiritualität. Es funktionierte prächtig. Up & Downs and ups Dieser Mix aus unterschiedlichen Elementen ist es nicht zuletzt, der das Leben Josef Friedrich Sochureks durchzieht. Geboren 1945 in Krems an der Donau erhielt er 2015 den Jakob Prandtauerpreis der Landeshauptstadt St. Pölten, was wohl ein bissl so etwas wie einen Adelsschlag darstellt. Sein Lebenslauf bis dahin war jedoch ein dorniger, zwar mit vielen künstlerischen Höhen, jedoch auch emotionalen Tiefen ausgestaltet. „Kriegsende. Wir waren fünf Kinder“, resümiert Sochurek bei einem hervorragendem Glas Rotwein in seinem jetzigen Atelier in Ober-Grafendorf, in dem ich ihn vor einigen Monaten besuchen durfte. „Hauptschule. Hat mich nicht sehr gefreut. Bei einem Eignungstest des Arbeitsamtes kam meine Begabung zutage. ‚Geh‘ auf die Graphische‘, hieß es dann ...“ Wenn Sochurek zu erzählen beginnt, ist das


TEXT: THOMAS FRÖHLICH | FOTOS: ELIAS KALTENBERGER

Nicht nur Talent und Kreativität sind nötig, sondern das unbedingte Wollen, seine Ideen auch trotz widriger Umstände umzusetzen. J. F. SOCHUREK

immer überschäumend, mitunter atemlos, genauso wie er über Kunst, Leben, zukünftige Pläne oder seine Kinderund Jugendzeit spricht: begeistert, begeisternd, mit einem Elan, der Zwanzigjährigen gut zu Gesicht stünde: „Mit vierzehn machte ich eine Aufnahmeprüfung als Schriftsetzer in einer Druckerei.“ Sein Vater, der als Bautechniker unter anderem in Atatürks Türkei von 1925 bis 1940 beim Brückenbau tätig war, verstarb 1962 an Krebs. „Ich leistete frühestmöglich meinen Präsenzdienst ab, um Abstand zu gewinnen. Kam nach Salzburg zur Fliegerkompanie. Ging in Horn aufs Aufbaurealgymnasium – die Schriftsetzerei

war nichts für mich.“ Er stellte einen Antrag auf eine Waisenpension, die abgelehnt wurde – mit der Begründung, er hätte ja einen Beruf erlernt. „Da verbrachte ich einmal eine Nacht im Wald. Ich war verzweifelt.“ Er wandte sich an einen Armenanwalt: „Was anderes konnte ich mir nicht leisten! Und der argumentierte, sein Mandant habe den Beruf nur deshalb gelernt, um nachher auf die Hochschule für Angewandte Kunst gehen zu können, um eine Basis zu haben.“ Doch sollte es noch zwei Jahre dauern, bis ein einsichtiger Richter meinte: „‚Meinetwegen – wenn er die Aufnahmeprüfung schafft, zahlen wir ihm seine Pension!‘ Und die hab‘

ich geschafft.“ Seine Haltung Behörden gegenüber habe diese Zeit jedoch stark geprägt. Auf der Angewandten belegte er Bühnen- und Filmgestaltung, dann stieg er auf Illustration und Grafikdesign um. Nach Studienabschluss und freiberuflicher Tätigkeiten in Wien zog er 1977 nach St. Pölten, wo er Art Director im Niederösterreichischen Pressehaus wurde, eine Lehrtätigkeit als Kunsterzieher aufnahm und auch als Karikaturist brillierte. 1977 begann er, sich auch (wieder) als Künstler zu betätigen. 1985 sollte er zum St. Pöltner Künstlerbund stoßen, 1990 wurde er als Mitglied des Wiener Künstlerhauses bestätigt. 2001 „verkleidete“ Sochurek den Beton- und Stahlklotz beim Tor zum Landhaus mit einer Installation, bestehend aus Schläuchen, deren Bezeichnungen („Herz-Tor“, „Kraft-Tor“) den Bezug zum Landhaus herstellten. „Es war von vornherein als temporäre MFG 11.18

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MFG KULTUR Installation geplant. Leider wurde sie vorzeitig vandalisiert.“ Zuvor hatte er mit seinem Freund Walter Brandstetter die Wettbewerbsidee einer hohen, schmalen, längsgeteilten Hauptstadtpyramide, errichtet neben der Autobahn. Aus deren Riss sollten Pflanzen emporwachsen. Die Stadt gratulierte zum 1. Platz, versprach Realisierung, doch schien man letztendlich kalte Füße bekommen zu haben und man nahm Abstand von der Idee. Doch Rückschläge gehören zum Leben. Und Sochurek kann auf eine Unzahl an Einzelausstellungen von der Kremser Galerie Stadtpark über die New Yorker Galerie DIDA, das Wiener Künstlerhaus bis eben hin zum Stift Melk zurückblicken, von Beteiligungen an Ausstellungen und Kunstmessen in Katalonien, Belgien, Japan und vielen mehr abgesehen. Derzeit bereitet er eine Ausstellung in Zittau vor, die 2019 dortselbst stattfinden und mit weiteren europäischen Künstlern als Wechselausstellung in jenen Ländern gezeigt werden soll, aus denen die Mitwirkenden stammen. „Eine Vorbereitung für Zittaus Bewerbung als Kulturhauptstadt 2025 mit mir als einzigem Österreicher“, freut er sich. Hutblumen und andere Erlebnisse Es ist etwas an „Fritz“, das sofort klar macht: Hier sitzt uns kein Bewohner eines Elfenbeinturms gegenüber – der Pfeifenraucher und Rotweingenießer

FARBEN TRAGEN. Kunst darf auch in Technicolor leuchten.

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KREUZ & QUER

ZEICHEN SETZEN. Mit den unterschiedlichsten Materialien verwirklicht der Künstler seine Ideen und Visionen. lebt gern und schöpft seine Lebens- die beiden dann doch nur um drei in freude auch aus der Begegnung mit der Früh den Greißler des Ortes raus, Menschen. Seit 1984 mit seiner Part- um dessen komplettes Schokolade-Sornerin Beate verheiratet (drei Söhne timent zu plündern. Das wurde dann wurden geboren) erinnert er sich im Wirtshaus der ‚Hutblume‘ auf den etwa nach wie vor Tisch geleert. Geleert mit Begeisterung an wurden natürlich seinen Abend mit auch weitere Glasln dem (alt)österrei– versteht sich.“ Am chischen Literaten nächsten Tag war DOM O. DOTTI HC Artmann, „der „Fritz“ pünktlich sich damals – also im Pressehaus – wie Ende der 1980er-Jahre – mit seiner sich der Morgen für Artmann gestalFreundin nach Gföhleramt im Wald- tete, dürfen wir nur vermuten. Und viertel auf einen alten Bauernhof zu- Sochurek ergänzt: „Das Plakat wurde rückgezogen hat. Ich war damals beim dann mit einem Preis ausgezeichnet.“ NÖ Pressehaus: Artmann hatte sich Da nimmt man doch einmal Kopfweh grad‘ mit dem Residenz-Verlag über- gern in Kauf. worfen und wir hätten den gern bei Und wie das Kreuz-Symbol nimmt uns gehabt. Der Marketingchef des auch der Wein im Werk von „Fritz“ eiPressehaus-Buchverlags und ich hat- nen immer wiederkehrenden Platz ein, ten eine Plakatidee. Artmann beißt in nicht zuletzt bei seinen so genannten ein Buch – und der Text ging ungefähr Rotwein-Bildern, die vor allem bei Priso: ‚Artmann hat Bücher zum Fressen vatsammlern sehr begehrt sind. gern.‘ Wir besuchten ihn mit einem „Weißt du, nicht nur Talent und KreFotografen im Schlepptau; und nach- ativität sind nötig, sondern das unbedem wir alle Weinvorräte des Hauses dingte Wollen, seine Ideen auch trotz geleert hatten – Werbechef und Foto- widriger Umstände umzusetzen“, regraf hatten sich bereits verabschiedet sümiert der Künstler, der seit sieben –, führte uns HC zum Gasthaus Prinz. Jahren Dozent an der Malakademie St. Dort allerdings machte sich einer der Pölten ist. Gäste über den mit einer Rose geschmückten Hut seiner Freundin mit Und leben: kreuz und quer. der Bezeichnung ‚Hutblume‘ lustig. Artmann forderte ihn auf, mit ihm vor die Tür zu gehen. Ich befürchtete eine I N F O : www.jf-sochurek.at ordentliche Schlägerei, doch läuteten

Das Kreuz ist ein Symbol, das sich querstellt.


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FREUNDE DER KULTUR ST. PÖLTEN

EINEN BEITRAG LEISTEN 28. FEBRUAR

Probenbesuch und Kulturgespräch „Am Königsweg“ Landestheater Niederösterreich

7. MÄRZ

Sonderführung „gestorben, begraben, vergessen – St. Pöltner Friedhöfe erzählen“ Stadtmuseum St. Pölten

14. MÄRZ FOTO: INJOEST/ZVG

Erika Pluhar & Bossa Quartett Bühne im Hof

20. MÄRZ

Preview der Ausstellung „Stechen. Kratzen. Beißen. – mit den Waffen der Natur“

Die 575 ermordeten Mitglieder der ehemaligen Israelitischen Kultusgemeinde St. Pölten erhalten Erinnerungssteine vor ihren letzten Adressen. Das Gedenkjahr neigt sich dem Ende zu – und es gab viele Anlässe und Gelegenheiten, sich mit verschiedenen einschneidenden historischen Momenten auseinanderzusetzen. Zahlreiche unserer Institutionen taten dies auf vielfältige Weise, die Freunde der Kultur waren in erster Fußreihe dabei. Die 1. Republik wurde 1918 ausgerufen. 1968 brachte, wenngleich abgemildert, auch in Österreich in den Folgejahren zahlreiche gesellschaftliche Veränderungen mit sich. Vor 80 Jahren, 1938, erfolgte nicht nur der Anschluss Österreichs, sondern im November desselben Jahres brannte im Zuge des Novemberpogroms auch die St. Pöltner Synagoge und wurde völlig devastiert. Am Ende dieses antisemitischen Wahnsinns sollten 1945 allein für die Israelitische Kultusgemeinde St. Pölten 575 ermordete Juden stehen. Es war uns daher geradezu eine Verpflichtung als größter Kulturverein der Stadt mit über 600 Mitgliedern dem Ersuchen der so engagierten Dr. Martha Keil vom Institut für jüdische Geschichte Österreichs nachzukommen, als sie uns um einen finanziellen Beitrag für die „Steine der Erinnerung“ ersuchte. Im Zuge dieses Projektes sollen bis 2024, dies der ehr-

geizige Plan, für alle 575 ermordeten Juden der IKG St. Pölten an ihrer letzten jeweils freiwilligen Adresse Gedenksteine gelegt werden. Alleine in St. Pölten betrifft dies etwa 60 Adressen. Die ersten 12 Steine an 8 Adressen für 28 ehemalige St. Pöltner wurden nun im Oktober unter dem Beisein zahlreicher Verwandter und Angehöriger, die über die ganze Welt verteilt sind, verlegt. Rührende, schmerzvolle Momente, aber auch solche im Zeichen des Erinnerns, des Verzeihens, des Gedenkens und der klaren Mahnung: Nie wieder! Die Angehörigen haben nun eine Gedenkstätte für ihre verstorbenen Verwandten, die Stadt bekennt sich ganz klar dazu, ihrer ermordeten Mitbürger zu gedenken und sie nicht zu vergessen. So erfüllen die Steine sowohl eine Gedenk- als auch eine Mahnmalfunktion. Dass wir mithelfen durften, dieses so wichtige Projekt finanziell zu unterstützen, erfüllt mich mit Freude und Demut. Wer ebenfalls etwas zu den „Steinen der Erinnerung“ beitragen möchte, ob in finanzieller Hinsicht oder als Pate, der sich der Pflege eines Steines annimmt, kann sich gerne an das Institut für jüdische Geschichte Österreichs (www.injoest. ac.at) wenden.

MITGLIED WERDEN und die zahlreichen Vereinsvorteile (Exklusivveranstaltungen, Previews, Künstlertreffen, Exkursionen, Ermäßigungen uvm.) genießen. Anmeldung und Infos unter T +43 2742 90 80 90-941, F +43 2742 90 80 94, freunde@kultur-stp.at

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Museum Niederösterreich

14. APRIL

Domkantorei St. Pölten / Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem Festspielhaus St. Pölten

24. APRIL

Preview der Ausstellung „Meine Jugend – deine Jugend“ Museum Niederösterreich

11. MAI

Roberto Fonseca Quartet Festspielhaus St. Pölten

4. JUNI

Kinder des Olymp Landestheater Niederösterreich Im Anschluss an die Veranstaltungen wird zum Empfang geladen.

Ich danke Ihnen für Ihre Unterstützung Ihr

Lothar Fiedler

(Präsident Freunde der Kultur St. Pölten)

INFORMATIONEN

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2018•2019 Info, Abo- und Kartenverkauf: Magistrat der LH St. Pölten / Fachbereich Kultur und Bildung Prandtauerstr. 2, 3100 St. Pölten Tel.: 02742 333-2601 mail: meisterkonzerte@st-poelten.gv.at Einzelkarten: Vorverkauf: 20 Euro / Abendkassa: 24 Euro Weihnachts-Abo: 55 Euro (umfasst die letzten vier Konzerte)


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Ö3 WEIHNACHTSWUNDER KOMMT Das Hitradio Ö3 sendet vom 19.12. um 10.00 Uhr bis 24.12. um 10.00 Uhr fünf Tage lang rund um die Uhr sein Programm aus einem gläsernen Studio, das vor dem Rathaus in St. Pölten stehen wird!

Gerade das Zusammenrücken ist auch eine der Besonderheiten, die Ö3 Moderator Robert Kratky besonders schätzt: „Beim Ö3-Weihnachtswunder habe ich immer das Gefühl, dass das ganze Land im wahrsten Sinne des Wortes zusammenrückt. Alle, die uns am Rathausplatz in St. Pölten besuchen, erwartet ein Spendenfest und das besondere Gefühl, dass Weihnachten nicht nur einen Abend lang dauert, sondern fünf Tage!“ V. a. erwarten die Besucher auch zahlreiche Stars, die nach St. Pölten kommen. Die Chance beim Schopf gepackt hat man auch gleich im Hinblick auf die Attraktivierung des traditionellen Christkindlmarktes, der heuer vor der Franziskanerkirche situiert sein wird und mit neuen Hütten, neuen

FOTO: JOSEF VORLAUFER

„Wir sind sehr stolz, dass St. Pölten den Zuschlag für das diesjährige Ö3Weihnachtswunder bekommen hat. Ich bin davon überzeugt, dass wir in St. Pölten aber auch in ganz Niederösterreich ein großes Herz für Familien in Not haben. Jeder Cent des Weihnachtswunders geht ja an den ‚Licht ins Dunkel Soforthilfefonds‘, freut sich Bürgermeister Matthias Stadler, der auch auf die strategische Partnerschaft mit der Niederösterreich-Werbung und Landesrätin Petra Bohuslav verweist. Geballte Kraft für die gute Sache. Ö3-Chef Georg Spatt, Robert Kratky, LR Petra Bohuslav, BGM Matthias Stadler (v.l.n.r.) Gläsern sowie einem „märchenhaften“ Zentrum für die Kleinsten aufwartet. Bis zum Beginn des Weihnachtswunders am 19.12. werden wieder Schulen und Kindergärten mit Darbietungen auf der Sparkassenbühne für Weihnachtsstimmung sorgen, Donnerstag bis Sonntag ist jeweils ab 17.30 Uhr bzw. 18 Uhr Live-Musik. In der Woche des Weihnachtswunders öffnet der Markt bereits um 10 Uhr, und auch am 24. Dezember ist bis mittags geöffnet. St. Pölten feiert damit mit 2,5 Millionen Ö3-Hörern! Aktuelle Informationen zum Weihnachtswunder unter www.oe3.at.

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Und wieder ist … nicht Freitag der 13., sondern der traditionelle St. Pöltner Hauptstadtball. Und auch wenn Kinderschokolade den Slogan „Spiel, Spaß, Spannung und Schokolade“ für sich in Anspruch nimmt, so kann man diesen für den Hauptstadtball abwandeln in „Tanz, Musik, Stimmung und beste Unterhaltung“. Die Fakten sprechen Bände: 5.500 Personen und damit alljährlich das „ausverkauft“-Schild – man sollte also tickettechnisch schnell sein! Getanzt wird auf 10.000 Quadratmetern, es gibt 25 Bars, Finediningrestaurant, Fingerfood, zwei Discos, fünf Bands, Jazzkeller und und und. Der Hauptstadtball ist eben DAS Ballerlebnis des Jahres schlechthin. Man trifft Leute, die man schon ewig nicht mehr gesehen hat. Man sieht nur fröhliche, ausgelassene und bestens gelaunte Menschen. Man bekommt sozusagen Best Of The Best, von Haubenküche über Fingerfood bis hin zu prämierten Getränken, kredenzt von Meistern ihres Faches. Das trifft insbesondere auch auf den diesjährigen

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Hauptstadtwein zu, den die „Frauenzimmer“ gekeltert haben und der schlüssigerweise „Die St. Pöltnerin“ heißt. Auch das Rahmenprogramm kann sich wieder sehen lassen: Eröffnung mit „Ballsirenen“ und Operettenliedern, Fächerpolonaise, große Tombola (wie wärs mit einem Urlaub in Mallorca?). Jazz mit „The Ridin‘ Dudes“, eine Mitternachtseinlage made in STP etc. Und obendrein wird man dank NÖN beim Nachhausegehen wieder mit einem Frühstück verabschiedet. In diesem Sinne, um es mit FALCO zu sagen: „Heben Sie hoch das Bein treten Sie ein, unser Tanz der muss der nächste sein“ – am Hauptstadtball 2019 im VAZ St. Pölten.

HAUPTSTADTBALL 2019 Sa, 12. Jänner 2019 Beginn: 20:30 Uhr Einlass: 19:00 Uhr VAZ ST. PÖLTEN

Sitzplatzreservierungen werden telefonisch unter 0664/6100065 gerne angenommen.

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VAZ St. Pölten • oeticket • Buchhandlung Schubert • Sparkasse NÖ Mitte West AG, Domgasse 5 und im Zentrum am Schwaighof • Leiner St. Pölten • Betriebsrat/Universitätsklinik • Betriebsrat/Landesregierung • Tourismusbüro St. Pölten


MFG KULTUR

BIER, ERDÄPFEL UND FRIEDHOFSGESCHICHTEN Es haben erst die Blätter literarisch in der Stadt gewirbelt, da rauschen schon die nächsten indigenen Bücher unter den Gabentisch. St. Pöltens Autoren zeigen sich einmal mehr „bunt“.

W

enn sich etwa der St. Pöltner Journalist Reinhard Linke, vielen als ORF-Redakteur, Buchautor sowie versierter Moderator der Zeitzeugen-Gespräche im Museum Niederösterreich bekannt, und der Neulengbacher Kunsthistoriker Hannes Etzlstorfer zusammentun, dann kann nur ein literarischer Leckerbissen herauskommen. Und dies ist durchaus wörtlich zu verstehen, immerhin spüren die beiden den Genüssen des Waldviertels nach, wobei sich Band 1 und 2 – wie sollte es anders sein – dem Bier und der Erdäpfel widmen. Begleitet werden die beiden auf dieser kulinarisch-gesellschaftlichen Reise von Autoren wie Franzobel, Thomas Sautner, Lotte Ing-

risch, Hannes Steindl uvm., und selbstredend dürfen auch Kochrezepte nicht fehlen. Freuen Sie sich also auf Weisheiten wie etwa jene Franzobels: „Und Bier. Was ist Bier? Nein, keine Angst vor einem Bauch.“ In ganz andere Sphären begibt sich die St. Pöltner Autorin Corinna Bergmann in ihrem Buch „Das Unheil geschehe“, das im „Verlag am Rande“ erschienen ist. Vor allem Gruselfans und Freunde des gediegenen Nackenhaaraufstellens werden damit ihre Freude haben, sorgen doch die im Band enthaltene Friedhofsnovelle sowie 23 weitere makabere Geschichten für Gänsehaut. Alle Bücher sind u. a. bei Thalia St. Pölten erhältlich!

MFG 12.18

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MFG KULTUR

MASTER OF LIVING „Vergiss nicht, man benötigt nur wenig, um ein glückliches Leben zu führen“ (Marc Aurel) oder „Wenn du liebst, was du tust, wirst du nie wieder in deinem Leben arbeiten“ (Konfuzius). Das sind Sprüche, die man vielleicht nicht gerade mit einer Wohnungsgenossenschaft verknüpfen würde, außer … ja außer deren Obmann heißt Willi Gelb. 58

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s ist ein grauer Novembertag (angesichts dieses Herbstes eine Sensation!), als wir den Jung 70er – Gelb hat die Woche zuvor gerade seinen runden Geburtstag gefeiert – vorm Eingang der „Wohngalerie N3“ in der Praterstraße treffen, der wir näher auf den Grund gehen möchten. Gelb, ganz in schwarz, hat einen gelben Schal lässig um den Hals geschwungen und öffnet mit einem Lächeln die Tür zu „seinem Baby“. Die „Information beim Vorbeifahren“, wie er die Location nennt, war ja seine ureigenste Idee „weil das Gebäude schon vorhanden war und es schade gewesen wäre, es zu schleifen, solange noch nicht gebaut wird.“ Stattdessen hat er dem ehemaligen Blumenladen neues, wohnungsgenossenschaftsan-

gereichertes Leben eingehaucht, wobei eine derartige „Wohngalerie“ wahrlich alles andere denn üblich in der Branche ist. Dafür ist sie auffällig, und hat damit schon einen Hauptaspekt ihrer Bestimmung erfüllt. „Man sieht N3 ja schon von weither oder wenn man bei der Ampel steht, wobei wir immer“, dabei verweist Gelb auf die großen Informationstafeln vorm Haus „ein ganz bestimmtes Projekt, eine ganz konkrete Wohnung vorstellen.“ Nachsatz: „Und zwar eine, die man wirklich mieten kann – das ist nicht Fake News oder nur ein Schmäh!“ Das trifft auch auf die ausgewiesenen Kosten zu, die im Vergleich zum St. Pöltner Durchschnittsmarkt moderat sind. Das aktuell beworbene Objekt etwa kostet 443 Euro Monatsmiete


TEXT: JOHANNES REICHL | FOTOS: ELIAS KALTENBERGER

Wohnen ist ein Schlüssel für gesellschaftlichen Frieden. Und es ist ein Ort der Kommunikation. WILLI GELB

TRADITION. Willi Gelb auf den Spuren von Gründer Hubert Schnofl.

für eine 68 Quadratmeter Wohnung „das sind aber die Gesamtkosten, also inklusive Heiz- und Betriebskosten“, betont Gelb. Versteckte Kosten, wie bisweilen anderswo üblich, gibt’s nicht, womit Gelb mittels N3 auch die Kernbotschaft des gemeinnützigen Genossenschaftswohnbaus und seiner Kernaufgabe unters Volk bringen bzw. beweisen möchte: Die Schaffung leistbaren Wohnraums. „Und den stellen wir seit über 90 Jahren in St. Pölten sicher!“, betont der Jubilar, womit wir uns auch der Auflösung des vermeintlich kryptischen Namens der Galerie, N3, nähern. N steht nämlich für Niederösterreich „wir sind waschechte Niederösterreicher“, die 3 wiederum für die Registrierungsnummer. Kurzum „die St. Pöltner“, wie man sich heute oft nennt, war die dritte eingetragene Wohnungsgenossenschaft Niederösterreichs. Mittlerweile ist sie auch die älteste noch bestehende des Landes. Ein Erbe, das Gelb zufolge verpflichtet: „Wir bauen in kleinen Einheiten, in hoher Qualität, mit Blick auf die Leistbarkeit“, zeichnet er in aller Kürze die Grundphilosophie seiner Wohnungsgenossenschaft nach, wobei es zugleich – und da kommt Gelbs ureigenster philosophischer Ansatz hinzu, der auch mittels N3 zum Ausdruck kommen soll – um Lebensfreude geht. „Zu gutem Wohnen gehört auch gute Kultur in

einem ganzheitlichen Sinne, es geht um die schönen Momente im Leben.“ Für Gelb nicht zuletzt ein relevanter Schlüssel für den gesellschaftlichen Zusammenhalt schlechthin, weshalb auch der große, auf einer Tafel prangende Slogan „Genossenschaft sind WIR“ programmatisch zu verstehen ist. „Vom Wohnen, v. a. wie man wohnt, dass man es sich überhaupt leisten kann, hängt ja enorm viel ab. Wohnen ist ein Schlüssel für gesellschaftlichen Frieden. Und es ist ein Ort der Kommunikation.“ Auch dies soll N3, womit man in den Innenraum kommt, vermitteln. In der Mitte des Raums findet sich ein Sesselkreis als Zeichen des miteinander Redens. Dieses könnte in Hinkunft vielleicht bei Ausstellungen oder kleinen Seminaren gepflegt werden. Und dann sind da die großformatigen Bilder an den Wänden mit eingangs erwähnten philosophischen Sprüchen, die quasi einen Querschnitt durchs Wohnen und Leben darstellen. Alles made by Willi Gelb. „Die Fotos sind Handybilder von mir, und die Texte sind so Grundsätze, die mir gefallen. Da geht’s v. a. auch darum, alles ein bisserl mit einem Smiley zu ver-

sehen, mit ein bisserl Humor. Gerade heute tut das wieder not, wo vieles grau in grau ist.“ In diesem Sinne soll N3, des Nachts hell beleuchtet, ein ganz bewusster Farbtupfer sein „und wenn jemand vorbeigeht und hineinschaut, dann soll er lächeln und sich vielleicht ein bisserl besser fühlen“, wünscht sich Gelb. Leben – so die Grundbotschaft von Gelbs Bildern, die er auf der ganzen Welt, aber auch in der „Hometown St. Pölten“ aufgenommen hat – entfaltet sich v. a. in den kleinen Dingen: in der Natur, einem Duft, einem lieben Menschen oder etwa gutem Essen. So steht neben einem Bild von verlockenden Mohnnudeln: „Ich esse nicht einfach Mohnnudeln. Ich gebe Kalorien ein Zuhause!“ Autor unbekannt. Willi Gelb lächelt schelmisch und zeigt uns noch eine Urkunde, die ihm der Bürgermeister bei der Eröffnung überreicht hat. „Ich wurde zum Master of Living ernannt!“ Und das ist er – ein Meister nicht nur des Wohnens für tausende St. Pöltner, sondern auch ein Meister des Lebens in einem ganzheitlichen Sinne. Es ist beruhigend, wenn solche Geister an der Spitze von großen Wohnbauträgern stehen.

WOHNGALERIE. N3 ist nicht nur eine Information, sondern ein Gesamtkunstwerk – die Botschaft: Leben mit allen Sinnen!

MFG 11.18

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MFG KULTUR

LORD OF

SKELETONS

Manche nennen ihn den Herren der Skelette. Mag sein, dass es elegantere Beinamen gibt, nur – unzutreffend ist er nicht. Ronald Risy, Chefarchäologe der Stadt St. Pölten und Leiter der Domplatz-Ausgrabungen, hat ebendort bislang sage und schreibe mehr als 20.000 Skelette freigelegt! Eine archäologische Sensation.

U

rsprünglich haben wir nicht mit dieser Dimension gerechnet. In ganz Europa gibt es nichts Vergleichbares und keinen mittelalterlichen Friedhof, der so genau untersucht werden konnte! Das Bemerkenswerte daran sind nicht nur die 20.000 sterblichen Überreste, sondern der lange Zeitraum, in dem die Bestattungen am Friedhof stattfanden!“ Die ältesten lassen sich bis ins 9. Jahrhundert datieren, die letzten Bestattungen fanden 1779 statt. Die Toten zahlreicher Generationen aber blieben, und zwar weitest „unberührt“ – für Forscher so etwas wie ein Lottosechser. „Man bekommt durch die große Anzahl einen repräsentativen Querschnitt“. Kurzum Substanz! So können fundierte Schlüsse über Medizin, gesellschaftliche Riten, zur Ernährung und zur Anthropologie der jeweiligen Epoche gezogen werden. In St. Pölten konnte etwa erstmals nachgewiesen werden, dass Syphilis nicht – wie zuvor allgemeine Lehrmeinung – erst durch Kolumbus nach Europa eingeschleppt wurde, sondern bereits zuvor auch hierzulande in bestimmten Syphilis-Stämmen existierte. Medizinisch interessant waren auch Funde von sogenannten Fontanellenblechen, „die bei bestimmten Krankheiten am 60

In ganz Europa gibt es nichts Vergleichbares! RONALD RISY

Oberarm über eine künstlich angelegte Wunde als Verband angebracht wurden. Durch einen in die Wunde eingebrachten Fremdkörper wurde diese ständig zum Eitern gebracht“, erklärt Risy. „Da ist man schon froh, in der heutigen Zeit mit unserem Gesundheitssystem zu leben.“ Archäologie macht auch demütig. Wobei die Archäologen freilich nicht nur Schlüsse aus Skelettfunden, sondern ebenso aus Gebäuderesten ziehen. Auch diesbezüglich brachten die Ausgrabungen am Domplatz neues Licht ins Dunkel bzw. manch

Neuentdeckung. So weiß man heute, dass sich einst bis zu vier sakrale Gebäude gleichzeitig am Platz befanden, und – aus früherer Epoche – konnte vor Kurzem ein spätantiker römischer Verwaltungskomplex aus dem 4. Jahrhundert nach Christus freigelegt werden, „was uns doch überraschte, weil wir in Aelium Cetium nicht mit dem Sitz des zivilen Statthalters von Ufernoricum gerechnet haben.“ Damit dürfte die Stadt als Verwaltungssitz durchaus eine vergleichbare Bedeutung wie Carnuntum oder Lauriacum eingenommen haben.


TEXT: JOHANNES REICHL | FOTOS: ELIAS KALTENBERGER

Auch der endgültige Nachweis für das frühmittelalterliche Traisma konnte im Rahmen der Domplatz-Grabungen erbracht werden. Domplatz in der Zielgeraden Für Risy stellt Archäologie deshalb nicht etwa nur eine rein rückwärtsgewandte historische Aufarbeitung dar, sondern hat ebenso Relevanz für die Gegenwart. Im konkreten Fall, so ist er überzeugt, tragen die Ausgrabungen zu einer noch stärkeren Identitätsbildung und damit einhergehend einem positiveren Image St. Pöltens bei „weil eine derart lange Historie der Stadt schon bemerkenswert ist.“ Zwar sähen nicht alle Bürger die Ausgrabungen so positiv, „es gab auch Leute, die uns quasi Leichenfledderei vorwarfen oder generell meinten, wozu wir das überhaupt brauchen“, das Gros der Bevölkerung sei aber aufgeschlossen, ja fasziniert. Und geduldig waren die St. Pöltner natürlich auch – immerhin wird am Domplatz seit 2010 gegraben. „Da bin ich auch der Politik sehr dankbar, die die Ausgrabungen immer voll mitgetragen hat.“ Keine Selbstverständlichkeit, wie Risy betont. Aber man war sich der einzigartigen Chance bewusst, Substanzielles zutage zu fördern „und es gibt halt nicht mehr so viele Möglichkeiten in der Innenstadt, derart genau zu forschen.“ Beendet werden die Grabungsarbeiten am Domplatz, die bislang 7,7 Millionen Euro gekostet haben, übrigens im kommenden Jahr. Ob ihn das absehbare Ende mit Wehmut erfüllt? „Nein, da ist kein weinendes Auge“, schüttelt Risy den Kopf. „Ich bin froh, wenn wir die Ausgrabungen zum Abschluss bringen – wenn es noch lang weiterginge, drohte auch die Stimmung zu kippen. Und es geht doch auch sehr an die Substanz. Aber ich bin jedenfalls sehr dankbar, dass ich das Projekt in dieser Form durchführen durfte und wir konnten ja auch wirklich einiges Bemerkenswertes zutage fördern.“ Panikattacken Fad wird Risy als Stadtarchäologe – eine Funktion, die im Österreichvergleich übrigens selten ist – aber

bestimmt nicht. Aktuell wird etwa in größerem Ausmaß am Karmeliterhof gegraben bis wohin sich Aelium Cetium erstreckte, und auch die nächste größere „Baustelle“ scheint sich schon anzukündigen: Stadt und Diözese ventilieren gerade die Möglichkeiten einer Tiefgarage unter dem Bischofsgarten. Dass die Grabungen auch dort, wie manche befürchten, zeitlich ausufern könnten, hält Risy für unwahrscheinlich. „Zwar befinden wir uns dort ebenfalls im Gebiet der ehemaligen römischen Siedlung, aber wir haben keinen Friedhof.“ Realistischerweise müsse man im Fall der Fälle wohl rund ein Jahr für die Grabungsarbeiten veranschlagen. Zu den im Stadtbild offensichtlichen Tätigkeiten Risys gesellt sich auch ein weniger sichtbares „business as usual“. Als Stadtarchäologe ist er nämlich – ein besonderer Service der Stadt – auch Ansprechpartner für all jene, die auf sogenannten historischen „Verdachtsflächen“ bauen möchten. Die erste Reaktion, wenn potenzielle Bauherren davon erfahren, ist „meistens Panik, weil sie glauben, dass sie jetzt gar nicht bauen dürfen, enteignet werden oder sie durch etwaige Grabungen pleitegehen“, lacht Risy, um im selben Atemzug zu beruhigen:. „Denkmalschutz bedeutet aber nicht, dass man auf diesem Gelände nichts bauen darf. (Außer es handelt sich, wie im Falle des Domplatzes, um eine

sogenanntes Bodendenkmal, das in seiner Grundsubstanz erhalten bleiben muss – deshalb ist am Domplatz auch keine Tiefgarage möglich, sondern nur eine Oberflächengestaltung. Anm. d. Redaktion) Ich habe seit 2010 sicher über 100 Bauvorhaben von ganz groß bis klein belgeitet, und kein einziger Bauherr hat nicht bauen dürfen. Auch Bauverzögerungen können bei guter Planung weitest verhindert werden.“ Und genau dabei ist er als Profi, der weiß, was vorort archäologisch Sache ist, behilflich und fungiert – kostenlos – als Schnittstelle zwischen Denkmalschutz, Bauherr und Grabungsfirma. „Was nicht immer einfach ist, weil sich die Interessen der verschiedenen Akteure ja eigentlich nicht wirklich miteinander vertragen“, schmunzelt Risy, „aber wir kommen immer auf einen grünen Zweig.“ Die Kosten der Grabungen trägt übrigens dem Verursacherprinzip gemäß der jeweilige Bauherr, wobei bei kleineren privaten Projekten bisweilen das Bundesdenkmalamt mit einer Subvention helfend unter die Arme greift. Spurensuche und Rätsel Ein weiterer Bereich Risys ist last but not least die Vermittlung der Funde und Ergebnisse. Zum einen wissenschaftlich – erst im November etwa war wieder ein großer Archäologenkongress in St. Pölten – zum anderen auch öffentlichkeitswirksam. So fin-

„JACKPOT“. Aufgrund der großen Menge von 20.000 Skeletten können fundierte Schlüsse über Medizin, gesellschaftliche Riten, Ernährung und Anthropologie gezogen werden. MFG 11.18

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MFG KULTUR den historisch relevante Stücke Eingang in die Dauerausstellungen des Stadtmuseums oder werden im Zuge von Sonderausstellungen präsentiert. Aktuell läuft etwa „Verstorben, begraben und vergessen? St. Pöltner Friedhöfe erzählen“, in die selbstverständlich auch die jüngsten Erkenntnisse aus den Domplatz-Grabungen mit eingeflossen ist und die Aufschluss über den Wandel von Bestattungsriten im Laufe der Jahrhunderte gibt. Die Römer etwa bestatteten ihre Toten außerhalb der Stadt entlang der Ausfallsstraßen, während die Christen im Mittelalter v. a. Friedhöfe im unmittelbaren Umfeld der Kirche, und damit symbolisch zu Gott, anlegten. In der Frühbronzezeit wurden Männer häufig mit dem Kopf Richtung Norden und Frauen mit dem Kopf Richtung Süden bestattet, und sehr lange war es üblich, den Kopf Richtung Osten zu neigen, sozusagen mit Blick Richtung Sonnenaufgang „und zur Kirche, die häufig Richtung Osten ausgerichtet bzw. wo der Altar im Osten platziert war.“ Während Grabbeigaben bis ins 10./11. Jahrhundert üblich waren, was bis zu Fleischbeigaben als „Wegzehrung“ reichte, nahm dieser Brauch zwischenzeitig ab und flammte erst im 15./16. Jahrhundert wieder vermehrt auf, als der Tod als ewiger Schlaf interpretiert wurde und den Toten Ge-

Wir arbeiten auf einem Tatort! RONALD RISY

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LORD OF SKELETON

ENDSPURT. Seit 2010 wird am Domplatz gegraben. Im kommenden Jahr soll Schluss sein. Insgesamt haben die Grabungskosten bisher 7,7 Millionen Euro ausgemacht. wänder und persönliche Gegenstände mit ins Grab gelegt wurden. Zudem gibt es auch Fälle, etwa zur Zeit der Kelten, „als Gräber wieder geöffnet wurden – freilich nicht von Grabräubern, sondern als Teil des Ritus!“ Ein anderer Brauch aus dem 17./18. Jahrhundert, den man auch bei einem Kind am Domplatz nachweisen konnte, war die Beigabe einer Totenkrone. Diese wurde jungen Ledigen und Kindern beigelegt und fungierte symbolisch als Hochzeitskrone. Noch im 20. Jahrhundert gab es den Brauch, „dass den Trauerzug unverheirateter Männer eine Trauerbraut, die eine zerbrochene Kerze in Händen hielt, sowie eine Hochzeitsbraut, die einen Myrthenkranz trug, begleiteten“, erzählt Risy. „All diese Riten hatten Sinn und sind v. a. Ausdruck einer starken Gemeinschaft. Wir kennen auch Bilder von Beerdigungen in St. Pölten, wo Hunderte den Toten von zuhause zum Dom und danach zum Friedhof hinauf begleiteten.“ Heute sei das Sterben hingegen schneller und anonymer geworden, so Risy, „der Tod wird stärker verdrängt als früher.“ Nachdenklicher Nachsatz: „Da macht man sich schon auch seine Gedanken und fragt sich, ob man das auch so möchte.“ Nicht alle Riten und Bräuche kann man heute nachvollziehen, vieles bleibt rätselhaft, und gerade darin steckt wohl der besondere Reiz für

Archäologen. Risy, der v. a. durch eine Griechenlandreise während der Schulzeit sowie die Maturareise nach Sizilien, „wo ich eher zu jenen gehörte, die sich alle antiken Stätten angesehen haben anstelle nur am Strand zu feiern“, mit dem Archäologie-Virus infiziert wurde, vergleicht seine Arbeit oft mit einem Puzzlespiel. „Da hast du auch oft 20, 30 Teile, die ‚gleich‘ wirken – etwa der Himmel, eine Wiese – und doch passt jeder Stein nur an eine ganz bestimmte Stelle.“ Herausforderung des Archäologen sei es, die Steine sozusagen bestmöglich zu setzen, wobei er sich zugleich auch immer ein größeres Ganzes imaginieren muss. Das ist freilich nicht immer einfach. „Wir arbeiten ja sozusagen auf einem Tatort, der vielfach durch Baugeschehen, Natur, äußere Einflüsse ordentlich durcheinander gewühlt ist.“ Und der, wie im Falle des Domplatzes, voller Toter sein kann. Bleibt zuletzt die Frage, was mit den rund 20.000 Skeletten eigentlich passiert? „Sie werden eine neue Ruhestätte finden, wobei es da v. a. um eine pietätvolle Aufbereitung geht, die zugleich auch weitere Forschungsarbeit erlaubt“, wünscht sich Risy. Ideen dafür gäbe es schon, druckreif seien diese aber noch nicht. Man darf mutmaßen, dass sie auch mit der Domplatz-Neugestaltung zu tun haben, wo ein Fenster in die Vergangenheit der Stadt entstehen könnte.


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EIN WETTBEWERB DES NÖ KULTURFORUMS Eingereichte Beiträge werden von der Jury begutachtet und bewertet. Die ausgewählten Arbeiten werden im Rahmen einer Preisverleihung und einer nachfolgenden Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert und in einer Publikation gewürdigt. In jeder Kategorie (bildende Kunst, Literatur, Musik) werden € 1.000 (1. Preis), € 750 (2. Preis) und € 500 (3. Preis) vergeben. Außerdem gibt es in jeder Kategorie fünf Anerkennungspreise zu je € 100. „Ziel des Wettbewerbs ist, junge Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher im Alter von 16 bis 30 Jahren zum künstlerischen Tun zu motivieren und ihnen die Möglichkeit zu bieten, mit ihren Arbeiten an die Öffentlichkeit zu gehen“, so Obmann Prof. Ewald Sacher. Medial unterstützt wird der Wettbewerb von der NÖN in Medienpartnerschaft mit dem NÖ Kulturforum. Die Finanzierung erfolgt aus den Mitteln, die dem NÖ Kulturforum von der NÖ Landesregierung/Abteilung Kultur und Wissenschaft dafür bereitgestellt wurden. Mag. Marianne Plaimer, Projektleiterin von „Aufbrechen“ mit dem Obmann des NÖ Kulturforums, Prof. Ewald Sacher

Das Nö Kulturforum schreibt den Wettbewerb AUFBRECHEN für Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher im Alter von 16 bis 30 Jahren aus. Gesucht werden Beiträge, die eine kritische, originelle oder humorvolle Auseinandersetzung mit dem Thema AUFBRECHEN zeigen oder hören lassen. Aufbrechen zu Neuem, in das Unbekannte, in die Zukunft? Aufbrechen von Altem, von Überkommenem, von Strukturen? Egal, wie das Thema aufgefasst oder interpretiert wird, jede persönliche Bearbeitung ist spannend und von Interesse. Dabei sind alle bildnerischen, literarischen und musikalischen Ausdrucksweisen erlaubt: Malereien, Grafiken, Collagen, Objekte, Fotos, Kurzfilme/ Kurzvideos, Kurzgeschichten, Prosa, Lyrik, Aufsätze, Songtexte, Songs, Musikstücke. 64


KULTUR VOR DER HAUSTÜR – NÖ KULTURFORUM

AUSSTELLUNG IN KREMS: GERDA JAEGGI-CHRIST „SECRET PLACES“

Das NÖ Kulturforum zeigt noch bis Ende Jänner 2019 im KS-Zentrum Volkshaus Lerchenfeld in Krems eine Ausstellung der Fotokünstlerin Gerda Jaeggi-Christ unter dem Titel „Secret Places”. Die national und international bekannte und preisgekrönte Fotografin, die in St. Pölten lebt und arbeitet, widmet sich seit 30 Jahren der künstlerischen Fotografie. Seit dem

Jahr 2000 arbeitet sie vor allem im Bereich digitaler Fotografie und digitaler Bildbearbeitung. 1989 erreicht Gerda Jaeggi-Christ als erste Frau in Österreich den Titel „Einzelstaatsmeisterin“ bei der Österreichischen Staatsmeisterschaft für künstlerische Fotografie. Sie ist darüber hinaus als Kulturvermittlerin aktiv: Ihr Wissen und Können gibt sie als Dozentin an der NÖ Kreativakademie St. Pölten in der Sparte Fotografie für Jugendliche von 12 bis 19 Jahren weiter und führt Workshops an Schulen und Akademien für junge Menschen durch. Diese stehen auch im Mittelpunkt der in Krems zu sehenden Ausstellung, in der sie jugendliche Models in wunderschönen Locations mit großem Einfühlungsvermögen und hoher Sensibilität abbildet. Das NÖ Kulturforum hat dazu auch einen Ausstellungskatalog herausgegeben, der unter kulturforum@aon.at bestellt werden kann.

Das Kulturforum zeigt die Ausstellung „Secret Places“ von Gerda Jaeggi-Christ.

KULTURFORUMS-VORSTAND: KULTUR VOR DER HAUSTÜR Der Vorstand des NÖ Kulturforums zog in seiner jüngsten Sitzung Bilanz über nunmehr 45 Jahre Tätigkeit des Kulturforums in NÖ. Das heurige Jahr ist ganz besonders geprägt von der Kulturarbeit mit und für die jungen Menschen. Sozusagen als „Jubiläumsprojekt” im 45. Bestandsjahr des NÖ Kulturforums bezeichnet dessen Obmann Prof. Ewald Sacher

den Jugend-Kreativwettbewerb „Aufbrechen”, der im Oktober gestartet wurde und bis ins Frühjahr 2019 laufen wird. Mag. Marianne Plaimer, Bildnerische Erzieherin am BORG St. Pölten und erfahren im Umgang mit Jugendprojekten, ist federführend bei diesem Projekt, bei dem sehr attraktive Preise auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer warten. (s. S. 64)

Neue CD

„WANN, WENN NICHT JETZT“

Mitglieder des Vorstandes des NÖ Kulturforums können auf 45 Jahre Kulturarbeit des NÖ Kulturforums zurückblicken und zugleich voller Ideen in die Zukunft schauen: v.l. Landesrätin Ulli Königsberger-Ludwig, Elisabeth Schwarzinger, Prof. Gotthard Fellerer, Prof. Ewald Sacher, Mag. Klaus Bergmaier, HR Dr. Hans Angerer, Mag. Thomas Lösch, Mag. Thomas Pulle

Das Kremser Musikduo Klaus Bergmaier (Klavier) und Angelika Sacher (Gesang) hat sich seit Jahren auf das Genre des politischen Liedes spezialisiert. ArbeiterInnen- und Friedenslieder bekannter Autoren und Komponisten, aber auch aus eigener Feder, werden mit Förderung des NÖ Kulturforums auf mittlerweile 6 CD´s präsentiert. Die jüngst erschienene CD trägt den Titel „Wann, wenn nicht jetzt“ und weist überaus aktuelle Bezüge zur politischen Gegenwart in Österreich auf. Neben traditionellen Arbeiterliedern wird das Album auch Lieder auf Jiddisch sowie im Dialekt enthalten, zudem ist eine Vertonung eines Gedichtes von Peter Turrinis auf Sigi Maron drauf. MFG 11.18

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SHORTCUT SZENE

FOTOS: GÜNTER HIEGER, SF/ZVG, ALPHASPIRIT/ADOBE STOCK

KOLUMNE THOMAS WINKELMÜLLER

DIE SCHUTZSTADT Und wo kaufen Sie Ihre Drogen? Vermutlich nicht im Sparkassenpark. Bereits Süchtige und ambitionierte Beginner dealen und konsumieren dort nur im Notfall. Der Sparkassenpark ist eine No-GoArea für sie und er war es schon lange vor der Schutzzone, die am 1. November offiziell in Kraft trat. Zu offen, zu verrufen, zu viele Menschen. Die meisten Jugendlichen mit Vorliebe für Marihuana und Chemisches meiden ihn bewusst und finden andere Orte. Ihre Joints rauchen sie zu Hause, Tabletten schmeißen sie im Club ein und Lines ziehen sie danach. Und das Dealen? Vereinzelt stellen junge Männer im Stadtpark noch die berühmte „brauchst du was“Frage. Bei ihnen verschwimmt aber die Linie zwischen Mut und Leichtsinn. Und zuletzt das schwächste Argument, dessen Inhalt aber sicher eintreten wird: Die Drogen finden ihren Weg, Schutzzone hin oder her. St. Pölten ist groß genug, und die ganze Stadt zur Schutzzone erklären, würde das Ganze wohl ad absurdum führen. Ob die neue Schutzzone nun notwendig ist oder das Budget dafür in der Suchthilfe besser angelegt wäre? Darüber könnten Anrainer und Besucher des Parks wohl lange streiten. Die Behörden setzen damit jedenfalls ein klares Zeichen: St. Pölten will illegale Drogengeschäfte unterbinden. Das ist eine berechtigte Nachricht an alle Konsumenten und Dealer, nur leider nicht viel mehr. Die Zeit des Sparkassenparks als Drogen-Hotspot ist vorbei und liegt weit vor der Schutzzone. Ein ambitioniertes Unterfangen, das etwas spät kommt und wohl nur in den Jahresberichten etwas ändern wird.

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V

GLAMOUR CHRISTMAS

on wegen Advent ist die ruhigste Zeit im Jahr. Im VAZ St. Pölten kracht es gleich an zwei Wochenenden gehörig. Am 7. Dezember wird für alle Electronic-Fans zur „Beatpatrol presents WINTER EDITION“ geladen. Tags darauf am 8.12. verwandelt sich das Haus beim SENIORENFLOOR zum größten Weihnachtsclubbing Niederösterreichs. Unter dem Motto „Glamour Christmas“ (also werft euch gefälligst in Schale – Glamour, Glitzer, chic-elegant ist angesagt) kredenzen die Seniorenfloor-Residents DJane Sims, DJ Marty Mc Fly, DJ

P

Soundchamelon, DJ NotQuite sowie Gast DJane Ginger Red Wohlfeiles von Classic Disco, NDW über 80er & 90er bis hin zu Club-Hits und Pop. Am 15. Dezember steigt schließlich noch der MELTING POT auf 3 Floors. 4 Bands und 7 DJs haben es dank eures Votings auf die Bühnen geschafft und werden es krachen lassen. Zudem treten JOSH. & Band sowie Luke Andrews auf. Und die feierwütigen Ü25, die eine Woche zuvor noch nicht genug bekommen haben, dürfen sich auf den Club „Gestern war‘s schöner“ freuen. Na dann: Frohe Weihnachten!

UGLY FRITZ TRIT T ZURÜCK!

ressetexte schaffen es an sich ja nicht völlig ungefiltert ins MFG. Diesmal wollen wir aber eine Ausnahme machen: „Im mittlerweile 31. Jahr geht die Kultveranstaltung für alle Freunde der gepflegten Peinlichkeiten über die Bühne und noch immer geht es ausschließlich um Unterhaltung pur für die Fans! Diesem Credo wird alles untergeordnet, vor allem aber auch Kunst und Kultur! Mit ihrer Übersiedlung in die Jugendkulturhalle St. Pöltens ‚frei:raum‘ feiern UGLY FRITZ & THE SPANNERS eine, Ihrem Alter entsprechende, fulminante Neuauflage der legendären HEWI-X-MAS-SHOW! Vor allem eines hat sich geändert: Statt

wie bisher höchstes Vergnügen auf tiefstem Niveau, wird dem Zuseher diesmal erstmalig primitivster Witz auf höchstem Niveau dargebracht!“ Noch Fragen? Ach ja, genau: „UGLY FRITZ tritt zurück! – Back 2 Hewi X-Mas“, 14.12.2018, frei:raum.


Bands

Brutecast Copperwell The invisible Least Wanted

DJs

Kismet Mr. Bruce Wayne DJ Martini.B & DJ Frank.K Not Quite Musikantenstadler Flimgedda Kyuz

BOWLING BILLARD CAFÉ-BAR LOUNGE RESTAURANT 3100 ST. PÖLTEN HNILICKASTRASSE 10 WWW.NXP-BOWLING.AT

MFG 11.18

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MFG URBAN

ST. PÖLTEN SCHARF MIT ALLES

Die Kebabrestaurants der Landeshauptstadt expandieren, und obwohl sich immer mehr Dönerspieße um die eigene Achse drehen, bekommen die St. Pöltner einfach nicht genug davon. Ein Stimmungsbild aus drei türkischen Imbissen.

D

anke und bis bald bester Kebabmann“, verabschieden sich die letzten Gäste von Ugur Kalkan. Er unterbricht kurz das Interview und gibt allen Vieren die Hand bevor sie gehen. Was heute mancher als rassistisch empfinden könnte, freut den Chef des Kristall-Restaurants. Als junger Mann kam Ugur 1992 nach St. Pölten und stieg dort aus dem Bus, wo er heute Kebab und andere orientalische Speisen verkauft. Sein Resümee über das Döner-Geschäft in der Stadt teilt er mit den anderen Gastronomen: „Alles läuft bestens.“ 68

Der Kebab-Laie könnte annehmen, dass der Markt irgendwann voll ausgelastet sein müsste. Fast 20 Imbisse und Restaurants versorgen bald 60.000 Einwohner mit Döner, Dürüm und mittlerweile sogar Kebab-Boxen. Ein Ende des Geschäfts sehen Ugur und seine Kollegen trotzdem noch lange nicht. Jeder bekomme sein Stück vom Kuchen – oder Kebab, wie man es nehmen möchte – und Konkurrenzdenken existiere sowieso nicht. „Das Gegenteil ist der Fall. Nein, in St. Pölten halten wir zusammen“, sagt Ugur, „Wenn mir einmal die Spieße ausge-

hen, laufe ich rüber zum nächsten Restaurant und hole mir einen. Paar Tage später bekommen sie dann wieder einen neuen zurück.“ Sein Geheimnis Die meisten Kebabstände haben ihr eigenes Rezept für das Dönerfleisch. In Österreich allein gibt es rund 20 Fabriken, die spezifische Spieß-Rezepturen anfertigen und dann liefern. „Wir sagen ihnen einfach, wieviel Salz, welche Gewürze und was wir sonst rein wollen. Mein Rezept behalte ich aber für mich“, sagt Ugur. Es sei sein eigenes kleines Erfolgsgeheimnis. Jeder wolle das Fleisch ein wenig anders, am Ende des Tages verschwimmt der Unterschied zwischen den Kebabs allerdings.


TEXT: THOMAS WINKELMÜLLER | FOTOS: ELIAS KALTENBERGER, THOMAS WINKELMÜLLER

St. Pölten ist schon eine Kebab-Stadt. Die Leute brauchen ihren Döner, denn ohne geht’s irgendwie nicht. METE KEM

Im Vergleich Österreich-Türkei sieht das ganz anders aus. Den Döner in Sandwich-Form erfanden DeutschTürken. Jenseits des Bosporus servieren die Köche das geschnittene Fleisch auf einer Platte, manchmal mit Gemüse, manchmal ohne und nur selten im Brot. „Der Döner gehört auf einen Teller, deswegen fällt hier ja auch immer alles raus“, scherzt Ugur. Aber warum lieben die St. Pöltner ihren Döner so sehr? „Er ist Gesundheit“, erklärt es sich Ugur. Frisches Fleisch, viele verschieden Gemüsesorten und selbstgemachtes Brot. Mehr brauche ja niemand. Der Trend liegt obendrein im Fast-Food. Ugur hat selbst lange bei McDonalds gearbeitet und möchte weiter auf der Fast-FoodWelle mitschwimmen – nur mit gesünderen Produkten. Knapp die Hälfte seiner Speisekarte ist vegetarisch oder vegan. Darin sieht er die Zukunft: „Wir dürfen nicht auf der alten Tradition sitzen bleiben, sondern müssen uns für die Jungen weiterentwickeln.“ Neue Konsumenten würden immer öfter nach Alternativen zu Fleisch, Zwiebel und Joghurtsauce suchen. Er und andere Stände setzen deswegen

„KEBAPMANN“. Ugur Kalkan leitet das Res­ taurant „Kristall“. Dürüm nennt er gerne „Fetzenkebab“.

vermehrt auf Ziegenkäse, Melanzani und Fisolen anstelle von Hühner- oder Kalbsfleisch im Kebab. Seit ein paar Jahren gibt es sogar das erste Dürüm-Takeaway für vegetarisches Publikum: Cigköftem. Es gehört derselben Familie, die das ehemalige „Deniz“ übernommen hat. Die beiden Lokale helfen sich gegenseitig: Wollen die Kunden Fleisch im Kebab, schicken die Mitarbeiter von Cigköftem sie weiter ins eigentliche Restaurant gegenüber der Promenade und umgekehrt. Mete Kem ist Kellner im ehemaligen „Deniz“ und leitet gemeinsam mit seinem Vater und dessen Bruder die Geschäfte. Momentan suchen sie nach einem neuen Namen dafür. Ideen gebe es, nur spruchreif sei noch nichts. Geschichtestunde „St. Pölten ist schon eine KebabStadt“, findet Mete, „die Leute brauchen ihren Döner, denn ohne geht’s irgendwie nicht.“ Das hat schon früh begonnen. Am Abend des Interviews mit Mete sitzt ein Herr mittleren Alters am Nebentisch und mischt sich ins Gespräch. Seine Statur erinnert an einen orientalischen Mike Tyson: Großgewachsen mit rasierter Glatze. Aus dem Kragen seines Anzugs schlängelt sich ein Tattoo den Nacken entlang nach oben. Er wohnt schon lange in St. Pölten und hat die Gründung des ersten Kebabstandes am Domplatz miterlebt. „Das war Ahmet Dogan. Zwischen 1988 und 1989 hat er begonnen in einem Wagen dort Kebab zu verkaufen“, erinnert er sich mit einer Stimme so tief, dass die restlichen Tische beinahe mitvibrieren. Damals holte die Glanzstoff Arbeiter aus den südanatolischen Provinzen Erzincan und Tunceli. „Sie haben Leute in guter gesundheitlicher Verfassung aus diesen Orten nach einem Auswahlverfahren nach St. Pölten mitgenommen. Deswegen kommen die Besitzer der Kebabstände heute fast alle aus

KURTIS. Narin Kurt leitet gemeinsam mit ihrem Mann das Lokal „Kurtis“ neben dem Traisenpark. Ihren Kebab isst sie am lieb­ sten scharf.

derselben Region. Für die wurde damals sogar noch applaudiert.“ Mitte der 90er-Jahre habe der Döner-Markt dann begonnen aufzublühen. Bis heute hat sich daran wenig geändert. Das Gegenteil ist der Fall: St. Pöltens Kebabimbisse expandieren laufend. Güzel Ocak, der ehemalige Besitzer des Deniz, plant ein neues Restaurant in der Linzerstraße, der „Kebab King“ hat renoviert und auch „Kurtis“ baut aus. Zwei neue Lokale stampft Narin Kurt gemeinsam mit ihrem Mann und seinem Bruder aus dem Boden. In einem, neben dem Traisenpark, verkaufen sie bereits Kebab und Fladenbrot, das andere eröffnet bald unter der Leitung des Schwagers in Viehofen. Für ihren ersten Kebabladen in der Herzogenburgerstraße renovierten sie 2005 eine alte Trafik und der ist vor allem FH-Absolventen in Erinnerung geblieben. „Die Studenten waren einfach verrückt nach unseren Saucen und dem Fleisch“, erzählt Narin. Mittlerweile sind sie voll ausgelas­ tet und haben ihr ehemaliges Restaurant verpachtet. Das Kebablokal wird weiter wachsen. Dafür werden alte und neue Gastronomen mit Vorliebe für das orientalische Sandwich sorgen, denn an einem zweifelt kaum jemand: Solange sich die Erde weiterdreht, werden es auch St. Pöltens Kebabspieße. MFG 11.18

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MFG SPORT SPORTLICHER LEITER MICHAEL STEINER

DIE MÄDELS MÜSSEN BESEELT UND LEIDENSFÄHIG SEIN. Gleich vier Trainer mit UEFA-Pro-Lizenz kümmern sich (nebst Athletiktrainern, Physios, Masseuren etc.) im Nationalen Zentrum für Frauenfußball in St. Pölten um aktuell 54 Mädels von 14 bis 19 Jahren, die alle Profispielerinnen werden wollen. Der sportliche Leiter Michael Steiner zollt ihnen größten Respekt und möchte mithelfen, viele Persönlichkeiten und A-Teamspielerinnen zu formen.

B

imbo-Binder-Promenade 9, NV Arena. Seine Büro-Anschrift ist die gleiche wie beim letzten „MFG“-Besuch vor vier Jahren. Damals war Michael Steiner Trainer des SKN St. Pölten. Heute ist er sportlicher Leiter vom Nationalen Zentrum für Frauenfußball und Teamchef der ÖFB-U19-Frauen, die es gerade in die Eliterunde der EM-Qualifikation geschafft haben, und arbeitet eng mit ÖFB-Frauen-Teamchef Dominik Thalhammer zusammen. Denn oberstes Ziel des Nationalen Zentrums für Frauenfußball ist es, Spielerinnen für das A-Nationalteam auszubilden. Oder wie Steiner es formuliert: „Unser Hauptauftrag ist es die Benchmark voranzutreiben und A-Spielerinnen zu entwickeln, die auch auf europäischer Ebene den Unterschied ausmachen können.“ Bei der Frage, wie ihm das gefällt, strahlt Steiner und bringt’s auf den Punkt: „Mir taugt’s.“ Der ehemalige UEFA-Cup-Finalist (1994 mit Austria Salzburg unter Trainer Otto Baric und Mitspielern wie Adi Hütter, Heimo Pfeifenberger oder Marquinho) wollte in seinen „ersten zehn Trainerjahren die Pro-

Lizenz machen und alles durchprobieren“. Die höchste Prüfung hat der heute 44-Jährige absolviert, im Nachwuchs von Red Bull Salzburg alle Kinder- und Jugend-Mannschaften trainiert und nach seinem Engagement als Co-Trainer und Trainer beim SKN St. Pölten bei Rapid die U16 und Rapid II in der Regionalliga Ost. Dort ernannte Steiner zur Überraschung vieler den erst 17-jährigen Maxi Wöber zum Kapitän und begleitete u.a. auch Dejan Ljubicic auf dessen Weg zum Profi. Wöber spielt nun mit 20 Jahren bei Ajax und im ÖFB-Nationalteam, Ljubicic (21 Jahre) in der Ersten von Rapid und ist eine Stütze im U21-Nationalteam. Beim Job-Vergleich wird Steiner nachdenklich: „Der Bundesliga-Bereich ist für Trainer sehr, sehr schwierig. Dort schaust du oft nur, dass du Woche für Woche überlebst und entscheidest zwangsläufig passiv. Für mich ist die Leistung eines Karl Daxbacher gar nicht hoch genug einzuschätzen. Was der Vereine hochgebracht hat und in wie vielen Ligen der Karli erfolgreich war! Mir fällt sonst keiner ein, der in Österreich über ei-

Künftig werden wohl fast alle A-Teamspielerinnen aus dem Nationalen Zentrum für Frauenfußball kommen. MICHAEL STEINER

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nen längeren Zeitraum immer wieder einen Job hatte. Ich selbst hatte das Glück, dass ich bislang nur einmal für ein paar Wochen arbeitslos gemeldet war.“ Umso schöner sei es jetzt, junge Spielerinnen über einen längeren Zeitraum entwickeln zu dürfen. Die Arbeit ist fordernd und komplex, größere Umfänge bei der Athletik bei gleichzeitiger Verletzungsprophylaxe sind große Anliegen von ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel. „Das Technische, Taktische, Physische machen viele ja schon sehr gut, obwohl auch in diesen Bereichen noch Luft nach oben ist. Frauen müssen wegen der Östrogene ja mehr Kraft trainieren als Männer“, weiß Steiner, „uns interessiert aber auch das mentale, persönliche, der ganze Lifestyle, wie du als Persönlichkeit vorbereitet wirst. Du brauchst Selbstvertrauen unter Druck und Mut, möglichst richtige Entscheidungen zu treffen, wenn schwierige Spiele anstehen.“ Alles beginnt mit Sudoku „Am Montag spielen wir immer Sudoku“, scherzt Steiner. Die Spielerinnen kommen von ihren Vereinen zurück und sind am Wochenende unterschiedlich belastet worden. Dementsprechend individuelle Trainingspläne gilt es am Wochenbeginn zu erstellen. Das Wichtigste aber ist die Schule. „Es kann durchaus auch sein,


TEXT: THOMAS SCHÖPF | FOTOS: ÖFB/GEPA PICTURES, JAMES STEIDL/ADOBE STOCK

dass ein Mädel gar nicht mittrainieren darf, wenn die Leistung in der Schule nicht passt“, sagt Steiner, der die „herausragende Zusammenarbeit“ mit BORGL-Direktorin Gabriele Schletz und Internatsleiter Manfred Kurz lobt, die er „überaus schätzt“. Den Mädchen sei auch voll bewusst, dass sie „künftig kaum Millionen verdienen werden.“ Das ist der wesentliche Unterschied zu den Burschen, die oft nur an die Kicker-Karriere denken, während die Mädchen stets einen konkreten Plan B immer im Hinterkopf haben. Überhaupt zollt Steiner den Mädels größten Respekt. „Sie müssen sehr leidensfähig sein. Wenn du hier ins Internat gehst, musst du schon sehr überzeugt sein und es wirklich, wirklich wollen. Während deine Freundinnen was anderes machen, gehst du immer nur kicken.“ Von Montag bis Donnerstag wird im Zentrum trainiert, Freitag beim Klub und am Wochenende wird gespielt. In einer Saison kommen die Mädchen mit Meisterschaft, Cup, Tests und Länderspielen auf 40 oder noch mehr Matches. Steiners U19-Frauen kicken vornehmlich in der Bundesliga. In der EM-Gruppenphase haben seine Schützlinge im Oktober Montenegro (8:0), Lettland (3:1) und Russland

(3:0) bezwungen und dürfen im Frühjahr in der „Eliterunde“ um ein EMTicket spielen. Die Gegnerinnen sind dort die Schweiz, Israel und Lettland, alle Spiele werden in Österreich stattfinden. „Das sind die Spiele, bei denen man sehr viel lernen kann. Das wird ihnen auf dem möglichen Weg ins ANationalteam weiterhelfen“, weiß Steiner. Generell erfreut sich der FrauenFußball eines großen Wachstums, auch in Österreich. Für Steiner besteht jedoch „kein kausaler Zusammenhang“ mit den jüngsten Erfolgen des A-Teams (EM-Dritter 2017). Auffällig sei, dass „die Spielerinnen bei der Sichtung immer besser werden.“ 70 Mädels im Alter von 13 Jahren stehen derzeit im Fokus. Nur zehn von ihnen werden im nächsten Schuljahr aufgenommen. „Sie können hier stets mit den Besten trainieren. Künftig werden wohl fast alle A-Teamspielerinnen aus dem Zentrum kommen“, glaubt Steiner, der die Zukunft der Profi-Fußballerinnen in Österreich sehr positiv sieht. „Es wird immer mehr investiert und es kommen auch immer besser ausgebildete Trainer. Wir haben viel Potenzial und die nächste Generation, die, die jetzt anfängt, hat schon richtig gute Chancen einmal vom Traumjob leben zu können.“

SPORTCHEF & TRAINER. Steiner mit seinen Schützlingen bei einer Einheit in der NV Arena.

KOLUMNE TINA REICHL

WERBUNG „Max, magst du einen Smoothie?“ „Jaaaa, aber nur …. mit Joghurt, super fruchtig allemal, s wie schmeckt gut und sehr milde, angenehm und optimal!“, singt das Kind vergnügt. Fahr ich zum Hofer, fängt er an die Melodie aus der Werbung zu pfeifen. Ähnliches bei Media Markt – Wo kommt der Spaß her?, Billa – sagt der Hausverstand, Hornbach – Sag nicht Projekt, wenn du nicht Hornbach meinst!, Kika – I bin a Kika! oder Möbelix – kost fast nix. Dasselbe bei Getränken, ganz egal ob jemand Tee trinkt – die Teekanne macht den Tee, Red Bull – verleiht Flügel, Römerquelle – belebt die Sinne, Nespresso – What else? Das setzt sich natürlich auch bei Nahrungsmitteln fort: Haribo – macht Kinder froh, Manner – mag man eben, Milka – die zarteste Versuchung, seit es Schokolade gibt oder Fruchtzwerge – so wertvoll wie ein kleines Steak. Stolz ob der Merkfähigkeit meines Sohnes lächle ich dabei immer milde. Von wem er das hat, ist mir ein Rätsel, aber wohl eher von mir – weil ich ein Mädchen bin. Dafür bekommt er etwas mit Spiel, Spaß, Spannung und Schokolade. Seit das Kind allerdings die always Slipeinlagen auf der Toilette entdeckt hat und mich dann abends ganz überrascht coram publico fragt: „Mama, leidest du leicht an Blasenschwäche?“ bin ich ins Grübeln gekommen. Wie lautet dann die nächste Frage? „Hast du Papa auch bei Parship kennengelernt?“ Ganz zu schweigen vom Erklärungsbedarf bei der Vagisan Feuchtcreme gegen Scheidentrockenheit und dem Amorelie Adventkalender der besonderen Art. Bei Werbung schalte ich ab sofort um! Ich bin doch nicht blöd!

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MFG KRITIKEN ZUM HÖREN Manshee | mikeSnare | Thomas Fröhlich | Dr. Schramek | Rob.STP | Dr. Ray B. (von links nach rechts)

CARI CARI

Die Songs auf Anaana sind zeitlos und modern zugleich. Man bekommt melancholischen Pop, ein bisschen Elektronik, orientalisch-alternative Töne und natürlich eine kräftige Portion Rock. Über allem liegt das Licht einer untergehenden Sonne. Die Vocals sind teils scheinbar gelangweilt, teils verschwörerisch, dann wieder hypnotisch. Cari Cari ist wie ein Klangkonzept, in dem jedes einzelne Lied zum vorherigen passt.

ARTMANN

WILLI RESETARITS

SHIROI

MANSUR BROWN

Seines Zeichens Gitarrist bei Triforce und Yussef Kamaal beschert uns Mansur Brown mit seinem Debutalbum ein hörbares Zeichen seiner Kreativität und Eigenständigkeit. Sein virtuoses, rhythmisch souveränes Spiel lässt Prince, Hendrix oder vielleicht auch John Frusciante vorbeiziehen, stilistisch kurvt das Instrumentalalbum durch Jazz, R‘n‘B, Funk und Soul-Gefilde. Die Londoner JazzSzene ist um ein wichtiges Album reicher.

PIVOT

CAMO & KROOKED REMIX

Es gehört schon Mut dazu H.C. Artmann zu vertonen. Die Texte des genialen österreichischen Poeten, der auch in Mundart dichtete, sind voll kleiner Gesten, Melancholie, Bösartigkeiten, makabren Anspielungen, Sehnsüchten und tiefgründigen Beobachtungen. Genau da schwimmen Resetarits und Stubn­blues aber auf einer Wellenlänge und haben ein feines poetisches Album und damit eine Hommage auf Artmann geschaffen.

Das zweite Album von Mefjus bekommt jetzt „remix-treatment“. Die erste Auskoppelung „Pivot“ ist für mich im Original eine Hommage an die guten alten Wormhole-Zeiten, wo das „Funk“ in Neurofunk entscheidend war. Remixer sind Mefjus´ und unser aller Landsmänner Camo&Krooked, die die Essenz des Originals perfekt aufgreifen und einen sehr liebevoll und detailliert produzierten Remix liefern.

VENEZIA

ALLERSEELEN

War das Ein-Mann-Projekt von Gerhard Hallstatt in früheren Zeiten Garant für krachigen Industrial in Militärästhetik, so strotzen die letzten Hervorbringungen vor (dunkler) Romantik und teils surreal anmutenden Klanglandschaften. „Venezia“ (strictly Vinyl) beruht auf einer vor Jahren erschienenen CD, massiv erweitert und neu abgemischt. Großartiges Kopfkino für imaginäre Spaziergänge (und Tänze!) durch die Lagunenstadt.

FIRE BY THE SILOS TOSKA

Mit Fire By The Silos liefern die drei von Youtube bekannten Musiker Rabea Massaad, Dave Hollingworth und Ben Minal ihr erstes Longplayalbum ab. Darauf geben die Vollblutmusiker aus Brighton feinsten Progressive Metal zum Besten. Nur mit Gitarre, Bass und Schlagzeug, aber gänzlich ohne Gesang wird gezeigt, wie es gemacht wird. Unbedingte Empfehlung für alle, die auf instrumentale Rockmusik stehen.

ZUM SCHAUEN

ZUM SPIELEN

ZUM LESEN

Manshee | C. Schuhmacher

Christoph Schipp

H. Fahrngruber | M. Müllner

GEGEN DEN STROM

RED DEAD REDEMPTION 2

WARUM ES UNS NOCH NIE SO ...

Die alleinstehende Halla ist 50 und führt ein gemächliches Dasein in Island. Doch hinter der Fassade führt sie ein Doppelleben als leidenschaftliche Umweltaktivistin und bekämpft unter dem Decknamen „Die Bergfrau“ die nationale Aluminiumindustrie. Als werdende Mutter plant sie ihre letzte und kühnste Aktion als Retterin des isländischen Hochlands.

Red Dead Redemption 2 zeigt eindrucksvoll, wie gut Rockstars Erfolgsformel nach wie vor zieht. Die Welt des Open-World-Action-Games ist extrem stimmig und lebendig, die Charaktere werden glaubwürdig dargestellt und die Optik liegt auf höchstem Niveau. Das ergibt, vermischt mit dem spaßigen und toll inszenierten Gameplay, einen fantastischen Western.

... gut ging und wir trotzdem ständig von Krisen reden. Früher war alles schlechter, und der Weltuntergang findet doch nicht statt. Anhand nüchterner Zahlen und Statistiken zu weltweitem Wohlstand, Zustand der Umwelt und globalen Konflikten kommt der Soziologe Martin Schröder zum Schluss: Alles nicht so schlimm! Wir jammern auf hohem Niveau.

MORTAL ENGINES: KRIEG DER STÄDTE

FALLOUT 76 BETHESDA

DORON RABINOVICI, FLORIAN KLENK

In einer fernen Zukunft sind die Ressourcen der Erde so knapp, weshalb Metropolen mobil gemacht wurden und sich fortan auf Rädern über den verwesten Planeten bewegen, um die letzten Rohstoffe zu bergen. Natürlich will jede Stadt etwas für sich haben und somit kommt es immer wieder zu gigantischen Schlachten zwischen den urbanen Ungetümen.

Für Bethesda wird das Game zu einem Langzeitprojekt. In der aktuellen Verfassung blitzt zwar immer wieder das Potenzial durch, allerdings überdeckt eine schwarze Wolke aus technischen Fehlern und Designmacken diese Lichtblicke. Zweifellos besitzt das Endzeit-Abenteuer ein besonderes Flair und motiviert mit seiner interessanten Spielwelt.

Wie gefährlich ist die Rechtspopulismus-Welle, die durch Europa fließt und die ihre Vertreter derzeit in Führungspositionen spült? Nach einer Idee des Falter-Chefredakteurs Florian Klenk hat Schriftsteller Doron Rabinovici zahlreichen Politikern genau aufs Maul geschaut. Das entstehende Mosaik lässt tief in die Pläne der Protagonisten blicken.

BENEDIKT ERLINGSSON

CHRISTIAN RIVERS

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ROCKSTAR

MARTIN SCHRÖDER

ALLES KANN PASSIEREN!

FOTOS: ZVG

ANAANA


MFG VERANSTALTUNGEN HIGHLIGHT VAZ St. Pölten

WEIHNACHTEN MIT PECORARO & PECORARO Foto: René Langer Photography

18. DEZEMBER Kammersänger Herwig Pecoraro zaubert mit seinem Sohn Mario von der großen Bühne feierliche Weihnachtsstimmung in die Herzen des Publikums. Begleitet von Marios Band und einem kleinen Orchester bringen die beiden dieses Mal auch traditionelles österreichisches Weihnachtsgut in die Konzertsäle dieses Landes: von „Stille Nacht“ und „Oh Tannenbaum“ über „Ave Maria“ bis hin zu „The Little Drummer Boy“ uvm. Ein musikalisches Fest zum Eintauchen in die schönsten Lieder und Geschichten zur Weihnachtszeit. Ein Abend, an dem sich die europäische Weihnachtstradition mit populärer Kunst verbindet.

EIN AMERIKANER IN PARIS

SPIELESPEKTAKEL

ECSTATIC DANCE

WIEN GRÜSST BERNSTEIN

Premiere 25. NOVEMBER Das Ballettmusical von George und Ira Gershwin feiert im Musiktheater Linz seine deutschsprachige Erstaufführung. Gershwin-Evergreens wie „I Got Rhythm“, „’S Wonderful“ und „They Can’t Take That Away From Me“ sowie Tanz- und Steppnummern (TANZLIN.Z) versprechen beste Unterhaltung für die ganze Familie.

8. – 9. DEZEMBER Die BrettSpielWölfe St Pölten laden, in Zusammenarbeit mit der Stadt St. Pölten, zum bereits 4. SpieleSpektakel. Familien mit Kindern kommen bei über 400 Brettspielen wieder voll auf ihre Kosten, aber auch Vielspieler werden Expertenspiele vorfinden. Spannende und lustige Turniere, Tombola uvm. runden das Event ab.

9. DEZEMBER Nun hat die weltweite (Barfuß)Tanz-Bewegung auch St. Pölten erreicht. Ziel ist es das schöpferische Potential in der Gemeinschaft zu erleben – äußerlich wie innerlich. Alter und Herkunft sind egal, es gibt nur drei Richtlinen zu beachten: 1. Kein sprechen am Dancefloor 2. Respektiere den Raum des anderen 3. kein Alkohol und keine Drogen.

9. DEZEMBER Im Gedenken an Leonard Bernstein, der heuer seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, werden Anna Baxter (Sopran), Jörg Schneider (Tenor) und Jimmy Chiang (Klavier) u.a. Bernsteins Musical „West Side Story“ bekannten Melodien und Liedern aus Wiener Operetten wie etwa Zigeunerbaron, Wiener Blut oder Fledermaus gegenüberstellen.

| THEATER

KULTURHAUS WAGRAM | SPEKTAKEL

HAUS DER BEGEGNUNG

MUSIKTHEATER LINZ

KLAUS DOLDINGER

BERNHARD FIBICH

14. DEZEMBER Er ist einer der Erfinder des „Jazz made in Germany“, der breiten Masse jedoch durch ein anderes Genre bekannt: Klaus Doldingers „Tatort“-Titelmelodie läuft seit 1970 im Fernsehen und genießt Kultstatus. Nach 60 leidenschaftlichen Bühnenjahren ist er seinem Credo immer noch treu geblieben: „Spielen – und nicht zu einseitig sein!“

16. DEZEMBER Mit neuen Advent- und Weihnachtsliedern im Gepäck ist der beliebte österreichische Kinderliedermacher wieder auf Tournee. Kinder und Erwachsene werden in das Konzert spielerisch miteinbezogen und dürfen sogar auf die Bühne kommen. Und Bernhard Fibich weiß, wovon er singt: Er ist Vater von drei Kindern. Ein Mitmachkonzert – ab 3 Jahren.

FESTSPIELHAUS

| KONZERT

VAZ ST. PÖLTEN

KURT OSTBAHN

3. FEBRUAR Feiere mit den Invaders die Super Bowl Party des Jahres und sieh dir im bequemen Kinosessel die LIVE Übertragung auf der Leinwand an. Im Ticket inkludiert: Heineken, Popcorn oder Nachos, Touchdown-Aktionen und eine Gewinnchance auf eine private Kinovorstellung für dich und deine Freunde. Mehr Super Bowl Stimmung geht nicht.

23. & 25. AUGUST Massenheilungen an kurtologischen Feiertagen beim Klassentreffen auf der Kaiserwiese erwartet! Trotz angekündigter „Kassenreform“ ist der Fortbestand der Musiktherapie nach und mit Dr. Kurt Ostbahn nicht gefährdet. Einziger Wermutstropfen: Die Kaiserwiese im Wiener Prater ist noch immer nicht in Kurtlwiese umbenannt worden.

| PARTY

KAISERWIESE WIEN

STADTSAAL D&C HOTEL

| KONZERT

VAZ ST. PÖLTEN

KONZERTE | EVENTS | MESSEN | KONGRESSE

| KONZERT

SUPER BOWL PARTY

HOLLYWOOD MEGAPLEX

| PARTY

DO 31.01. // 19:30

COMEDY HIRTEN DO 07.02. // 17:00

BIBI BLOCKSBERG DO 16.05. // 20:00

INA REGEN SA 05.10. // 20:00

THE CHIPPENDALES Tickets im VAZ St. Pölten, ticket@nxp.at, www.vaz.at, 02742/71 400 in allen Raiffeisenbanken, Geschäftsstellen von www.oeticket.com und unter www.noen.at/ticketshop

| KONZERT

MFG 11.18

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MFG

AUSSENSICHT

ST. PÖLTEN & DER KLIMAWANDEL WAS MUSS SICH ÄNDERN? St. Pölten ist gut unterwegs – jetzt wird es Zeit für das nächste Level.

Niemand würde heute in St. Pölten dafür eintreten, den Rathausplatz wieder für Autofahrer zu öffnen.

Also: Wie Sie in diesem Heft bereits gelesen haben, ist St. Pölten auf einem ganz günstigen Weg, was die klimatechnische Nachhaltigkeit angeht – oder, sagen wir, zumindest auf einem günstigen Weg im österreichischen Vergleich. Kompakte Städte haben da einen Startvorteil gegenüber zersiedelten Dorflandschaften, was etwa Verkehrsplanung (mehr öffentlich als individuell) und Leitungsplanung (mehr Fernwärme statt böser Einzelheizungen) angeht; und ja, die Landeshauptstadt ist ganz gut dabei, diesen Vorteil auszunutzen. Das sollte aber keine Aufforderung sein, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen. St. Pölten mag ganz gute Voraussetzungen haben und mag eine solide, nachhaltige Basis für ein emissionsarmes Leben aufgestellt haben – aber jetzt wartet der nächste Level, und der heißt zumindest: überregionale Verkehrsplanung. Das ist um einiges anspruchsvoller als „nur“ im eigenen Gemeindegebiet zu wirken, weil es eine Vielzahl an Akteuren braucht, die alle eigene Interessen (und Budgets) haben: Stadt, Land und ein gutes Dutzend Gemeinden im Traisen-, Pielach- und Perschlingtal, für die St. Pölten das regionale Zentrum ist, in (oder zumindest durch) das Arbeiter, Schüler oder Shopper xmal wöchentlich pendeln. Wer aus den Umlandgemeinden nach St. Pölten fährt, kennt zig Probleme: zu kleine Park- and Ride-Anlagen in den Gemeinden und der Stadt, zu wenige Zugverbindungen am Abend, die langsame Traisentalbahn und so weiter. Jetzt ist es vielleicht unfair, St. Pölten diese Herausforderungen umzuhängen – aber wenn wir von flexiblen, mobilen Menschen ausgehen, die in der Heimat leben, im regionalen Zentrum arbeiten und vielleicht ab und zu nach Wien fortgehen wollen, wird die Stadt nicht darum herumkommen, sich auch für deren Anliegen stark zu machen. Gerade St Pölten und seine nächste Umgebung sind schon durch die flache Landschaft wie geschaffen dafür, auf (auch E-)Fahrradverkehr zu setzen. Mit einer regionalen „Pendlerstrategie“ fänden sich da sicher noch einige Ansätze, St. Pölten und seine Umgebung noch klimafreundlicher zu organisieren. 76

JAKOB WINTER

Aufgewachsen in St. Pölten, emigriert nach Wien, Redakteur beim „profil“.

Es ist furchtbar leicht, ein Klimasünder zu sein. Mit dem Auto zum Shoppen in die City brettern, bei jedem Einkauf ein Plastiksackerl verschwenden, mit der Billig-Airline in den Süden fliegen – das alles ist praktisch und bequem. Klimaschonend ist es nicht. Wer denkt schon gerne an die Umwelt, wenn das letztlich darauf hinausläuft, persönlich zu verzichten? Schuldzuweisungen an Einzelne greifen allerdings zu kurz: Viele Menschen können gar nicht anders, als ihren ökologischen Fußabdruck zu vergrößern. Kolonnen von Pendlern sind auf ihr Auto angewiesen, um rechtzeitig zum Arbeitsplatz zu kommen – das öffentliche Angebot ist nicht immer attraktiv. Und so manche Mieterin kann sich ein Umrüsten ihrer Gasheizung nicht leisten. Klimapolitik ist nur dann wirkungsvoll, wenn sie vernünftige Anreize setzt. Wenn der Umstieg aufs Fahrrad sicher ist und die Fahrt mit dem Bus leistbar. Die Preisreduktion des Wiener Öffi-Tickets auf 365 Euro im Jahr 2012 belegt das: Die Zahl der Jahreskartenbesitzer verdoppelte sich seither, der Anteil des öffentlichen Verkehrs am Gesamtaufkommen stieg. Klar: Busse und U-Bahnen sind ein Minusgeschäft für die Stadtkassa. Die Alternative lautet aber: Noch mehr Autos und noch mehr Abgase. Nicht alles lässt sich mit Anreizen lösen. Dann braucht es Verbote. Niemand würde heute in St. Pölten ernsthaft dafür eintreten, den Rathausplatz wieder für Autofahrer zu öffnen. Der autofreie Hauptplatz steigert die Lebensqualität aller Innenstadtbesucher. Wie lange wird es noch dauern, bis das auch für den Domplatz gilt? Manchmal erfordert Klimapolitik eben auch Mut – entgegen aller Widerstände. Wie es geht, das zeigt der Ausbau der Westbahnstrecke anschaulich: Die schnelle Zugstrecke ist für Fahrgäste derart attraktiv, dass der Flugverkehr zwischen Linz und Wien mit Ende Oktober vollständig eingestellt wurde. Die Vorstandsvorsitzende des Flughafen Linz sprach damals von einer „bedauerlichen“ Entwicklung. Aus Sicht des Klimas ist das alles andere als bedauerlich. Auf der Westbahnstrecke ist es nun furchtbar leicht, kein Klimasünder zu sein.

FOTOS: LUIZA PUIU, SEBASTIAN REICH

GEORG RENNER

Der Wilhelmsburger arbeitet als Journalist bei der „Kleinen Zeitung“.


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2024. Die Folgen des Klima-Wandels sind in St. Pölten unübersehbar und ermöglichten auch im Hinblick auf die Kulturhauptstadt-Bewerbung völlig neue, herzerwärmende Ansätze.

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