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Dieses Gebetsbuch wurde von Heinrich Fahrngruber am Tag nach dem Novemberpogrom 1938 aus den Ruinen der Synagoge geborgen und auf dessen Wunsch 1998 wieder zurĂźckgebracht.


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MFG EDITORIAL

Namen-Los

von Johannes Reichl

Von meinem Fenster aus blicke ich direkt auf die ehemalige Synagoge. Jetzt im Spätherbst, wenn die Mittagssonne das rotgelbe Laub in sanftes Licht taucht, wirkt sie besonders romantisch, ja geradezu friedlich. Zugleich erstehen vor meinem geistigen Auge Bilder von St. Pöltnern, welche antisemitische Hetzlieder absingen, Steine werfen, in den Tempel eindringen und in blinder Wut alles zerstören, was ihnen in die Finger kommt, ihn zuletzt anzünden. All dies spielte sich im November 1938 direkt vor meiner Wohnung ab, und ich denke mir, wie es damals gewesen wäre – hätte ich verstohlen hinausgeschaut, oder die Vorhänge zugezogen, weggeschaut? Hätte ich mir gedacht, der arme Rabbiner, was tut man meinen Nachbarn, meinen Mitbürgern an?! Hätte ich geschaut, wen ich im Mob erkenne? Oder, eine schlimme Vorstellung, wäre ich gar – so wie heute – Journalist gewesen und hätte nachher einen antisemitischen Jubelartikel verfassen sollen? Es sind Gedanken, die man 75 Jahre später leicht mit „Nein, ich sicher nicht“ wegwischt, aber weiß man das so genau? Nachgeboren sein ist eine Gnade – eine Gnade, die zu Demut und Verantwortung ebenso verpflichtet wie zum Gedenken an diese Gräuel, an deren Ende, 1945, 369 ermordete Juden der St. Pöltner Kultusgemeinde standen. Das offizielle St. Pölten versucht seine historische Pflicht wahrzunehmen – die aktuelle, von der so wichtigen Martha Keil vom Institut für jüdische Geschichte Österreichs kuratierte Ausstellung über „100 Jahre Synagoge“ im Stadtmuseum belegt dies. Und doch wünscht man sich als Bürger noch mehr Nachdruck, mehr uneingeschränktes Bekenntnis in Form einer nachhaltigen Pflegevereinbarung mit der IKG Wien über die Betreuung der jüdischen Friedhöfe – für jenen in der Karlstettner Straße ebenso wie für den ehemaligen am Pernerstorferplatz. Dessen Grabsteine kamen nach der Arisierung unter der „Obhut“ der damaligen Friedhofsverwaltung „abhanden“, damit auch die Namen der Toten, die aber bekannt sind. Diese wieder sichtbar zu machen ist eine historische Bringschuld gegenüber unseren ehemaligen Mitbürgern. Da es keine Verwandten mehr

gibt, weil sie ermordet oder vertrieben wurden, sind wir Nachgeborene deren nächste Angehörige. Ebenso betrifft dies die Nennung jener 223 jüdischen Zwangsarbeiter, die auf ihrem Todesmarsch nach Mauthausen in Hofamt/Priel im April 1945 erschossen und im Anschluss in einem Massengrab in St. Pölten verscharrt wurden. Heute verweist ein Gedenkstein am desolaten Schachtgrab auf deren Existenz, aber das ist zu wenig angesichts der Tatsache, dass ihre Namen mittlerweile historisch erforscht sind. Geben wir diesen Menschen, diesen Seelen ihre Würde zurück, indem wir einen Grabstein schaffen, der ihre Namen trägt. Dann kann es nicht mehr passieren, dass mich ein Friedhofsbeamter auf die Frage nach besagtem Massengrab zu jenem der Widerstandskämpfer des Naziregimes schickt. Das Massengrab für die jüdischen Zwangsarbeiter, das nur wenige Hundert Meter von seinem Büro liegt, ist ihm unbekannt. Jenes der Widerstandskämpfer aber kennt er, weil die Opfer einen Namen tragen, und weil es die Friedhofsverwaltung, die Stadt St. Pölten pflegt und erhält. Diese Selbstverständlichkeit schulden wir allen, die Opfer desselben Terrorregimes geworden sind. Viktor Frankl, der Auschwitz überlebte, hat über die vernichtende Systematik der Namenlosigkeit und die Reduzierung auf eine Nummer im KZ geschrieben: „Das ‚Leben‘ der ‚Nummer‘ ist irrelevant. Was hinter dieser Nummer, was hinter diesem Leben steht, ist noch weniger erheblich: das Schicksal – die Geschichte – der Name eines Menschen.“ Lassen wir diese Auslöschung nicht zu, eingedenk des Wortes von Thomas Mann: „Die Seele ist ein Stück des Seins und der Seele“, denn mit einem hat Historiker Christoph Lind absolut recht. „Sich an die jüdischen Gemeinden wieder zu erinnern, an jeden einzelnen Menschen, diesem wieder einen Namen, eine Geschichte zu geben – das empfinde ich als Sieg über die Nazis!“ Diesen Sieg dürfen wir nicht auslassen, nein – müssen ihn wahrnehmen. Er ist eine moralische Verpflichtung gegenüber unseren ermordeten Mitbürgern und all jenen HolocaustOpfern, die in St. Pöltner Erde ruhen.

Offenlegung nach §25 Medien-Gesetz: Medieninhaber (Verleger): NXP Veranstaltungsbetriebs GmbH, MFG - Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten. Unternehmensgegenstand: Freizeitwirtschaft, Tourismus, und Veranstaltungen. Herausgeber/Geschäftsführer: Bernard und René Voak MBA. Grundlegende Blattlinie: Das fast unabhängige Magazin zur Förderung der Urbankultur in Niederösterreich. Redaktionsanschrift: MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten; Telefon: 02742/71400-330, Fax: 02742/71400-305; Internet: www.dasmfg.at, Email: office@dasmfg.at Chefredakteur: Johannes Reichl Chefredakteur-Stv.: Michael Müllner Chef vom Dienst: Anne-Sophie Settele Redaktionsteam: Thomas Fröhlich, Gotthard Gansch, Sascha Harold, Siegrid Mayer, Althea Müller, Michael Käfer, Michael Müllner, Marion Pfeffer, Andreas Reichebner, Michael Reichl, Thomas Schöpf, Anne-Sophie Settele, Beate Steiner, Katharina Vrana, Manfred Wieninger Kolumnisten: Herbert Binder, Thomas Fröhlich, Michael Müllner, Primadonna, Rosa, Roul Starka, Beate Steiner Kritiker: Ebru Erez, Helmuth Fahrngruber, Thomas Fröhlich, Wolfgang Hintermeier, David Meixner, Manuel Pernsteiner, Johannes Reichl, Mr. Shitakii, Robert Stefan, Katharina Vrana, Markus Waldbauer Karikatur: Andreas Reichebner Bildredaktion: Simon Höllerschmid, Hermann Rauschmayr, Karl Stadler Coverfoto: Hermann Rauschmayr Art Director & Layout: Mr. Shitakii Hersteller: NÖ Pressehaus Druck- und Verlagsgesellschaft mbH Herstellungs- und Verlagsort: St. Pölten Verlagspostamt: 3100 St. Pölten, P.b.b. Alle Rechte, auch die Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2. Urheberrechtsgesetz, sind vorbehalten. Alle Angaben ohne Gewähr. Für den Inhalt bezahlter Beiträge ist der Medieninhaber nicht verantwortlich.


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INHALT

Urban 6

KULTUR 40

SZENE 58

SPORT 64

URBAN 8 14 16 22 24 26 28 32 36 38

ST. PÖLTNER JUDEN HISTORIKER CHRISTOPH LIND DER LETZTE JUDE DAS DUNKLE UND DAS KALTE ERINNERUNGSKULTUR GELD-ZURÜCK-GARANTIE? NICHT DIE NERVEN VERLIEREN VOITH – DIE DEMONTAGE FORUM XXIII OTTO SCHWARZ – WIRT & MEHR

B d S

KULTUR 42 44 50

SZENE 50 52 54 56 60

6 7 40 48 68 69

JUBILÄUM LANDESBIBLIOTHEK KULTUR TRIFFT WIRTSCHAFT 40 JAHRE NÖ KULTURFORUM

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In der es ätzend ist, wenn die ÖVP jeden noch so dünnen Strohhalm ergreift, um dem Bürgermeister ans Bein zu pinkeln. Nicht minder ätzend ist es umgekehrt, wenn der Bürgermeister praktisch jede Kritik seitens der ÖVP als Nestbeschmutzung abzutun versucht (SWAP-Geschäfte, Aquacity oder Gemeindeaufsichts-Beschwerde): „Die neue Taktik einiger ÖVP Kollegen, die Stadt bei jeder Gelegenheit zu vernadern, schadet vor allem den 57.000 St. Pöltnerinnen und St. Pöltnern.“ Man möge bitte die Kirche im Dorf lassen – und uns Bürger außen vor. Erstens „vernadert“ die ÖVP nicht die Stadt, sondern die SPÖ bzw. den Bürgermeister, das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Zweitens wäre es demokratiepolitisch ein Schaden, wenn die Opposition ihre ureigenste Aufgabe als Kontrollorgan nicht wahrnimmt. Wenn sie dabei Kritik mit Vernaderung verwechselt – was leider bisweilen geschieht – schadet sie v. a. sich selbst, weil die Bürger das durchschauen! Fairplay von beiden Seiten wäre also wünschenswert, aber wer das ernsthaft zu hoffen wagt, hat wohl einen Schaden.

In der um den Klangturm selbst im Falle des Einstellens des Kulturprogrammes noch viel Lärm um nichts gemacht wird. Denn nach außen erklungen ist das gute Stück praktisch nie – das hatte sich die arbeitende Bevölkerung vorort rasch ausbedungen. Auch trendig-urbane Ansätze wie Clubbings verpufften aufgrund der ungeeigneten Architektur sowie wenig lärmresistenter Nachbarschaft rasch wieder wie Seifenblasen. Und die Audioart-Projekte waren ... eh lieb, um es einmal höflich zu formulieren, jedenfalls schweres Minderheitenprogramm. So rutschte der Klangturm alsbald unter die (nicht nur akustische) Wahrnehmungsgrenze. Jetzt so zu tun, als bedeute die Demontage der Klanginstallationen das Ende des Abendlandes mutet lächerlich an. In Wahrheit wird ein Euro-Grab geschlossen. Und es genügt vollauf, wenn man von oben die nette Aussicht genießen kann und den Turm als Wahrzeichen für das neue St. Pölten anerkennt: Hoch ambitioniert in der Idee, in den Untiefen der Ebene aber bisweilen mit Pleiten, Pech und Pannen konfrontiert.

In der es sich bei „Burgermasta“ nicht etwa um das mostviertlerische Idiom von Bürgermeister handelt, sondern um Georg Loichtls neuestes Gastronomiekonzept in Sachen Fast-Casual-Food, „das Produkte bietet, die so schnell zubereitet werden können wie im Fastfood-Laden, aber qualitativ so hochwertig schmecken wie im Restaurant.“ Nachdem Loichtl beim Kulturfestival am Rathausplatz mit seinen selbstgebauten Burgern für Furore gesorgt hatte, und in der Gastronomie zusehends systematisierte Abläufe bei gleichzeitig hoher Speisenqualität gefordert sind, hat er das Burgermasta-Konzept entwickelt: In seine Burger kommen nur hochwertigste regionale Produkte, und alles so frisch wie möglich. Rundherum hat er für Franchisenehmer ein gesamtes Shop-Konzept geschmiedet, von der Küche über die Einrichtung bis hin zum Speiseangebot. Der erste „Burgermasta“Laden soll schon 2014 in Wien eröffnen, danach möchte Loichtl die Hauptstädte erobern. Dann könnte unser Burgamasta bald beim Burgermasta dinieren. www. conda.at/project/burgermasta

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Fotos: Luis Louro / fotomek (alle Fotolia.com), Vorlaufer, heavystudios, zVg

In was für einer Stadt leben wir eigentlich...


SHORTCUT URBAN

Römerrheuma

Hebi

Windy City

Während die US-Metropole Chicago diesen Beinamen aus wenig schmeichelhaften Gründen zugedacht bekam (man spielte damit auf die ehemals windigen Machenschaften korrupter Politiker und Gangster an), darf ihn St. Pölten voll Stolz tragen: Mit aktuell 16 Windkraftanlagen ist St. Pölten schon jetzt Österreichs Windhauptstadt. Und diese wächst weiter! In Pottenbrunn werden 2014 vier neue Windräder aufgestellt, die pro Jahr je 3.200 kW Strom liefern – das sind umgerechnet 4.350 PS Energie. Die vier 143-Meter-Türme mit einem Durchmesser von 114 Metern sparen jährlich 16.000 Tonnen CO2 ein – so viel, wie 8.000 Pkw ausstoßen! „Damit werden ab 2015 unsere dann 20 Windräder insgesamt 75% unseres Haushaltsstrombedarfes decken. Das ist ein wichtiger Schritt für unser Ziel einer unabhängigen, sauberen und zukunftsorientierten Energieversorgung“, so Bürgermeister Matthias Stadler. St. Pölten ist übrigens windbegünstigt, „weil hier Ost- und Westwinde aufeinander treffen“, erklärt Stefan Hantsch von Benevento, dem ÖkostromanlagenBetreiber. Und während manch Anrainer an exponierter Lage über das „Windloch“ St. Pölten schimpft, stellt sich der vermeintliche Fluch energiepolitisch als Segen dar.

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Schmied, nicht Schmiedl Nach wie vor wünschen sich viele einen verkehrsbefreiten Domplatz mit Tiefgarage darunter (siehe S. 39). MFG fragte quasi beim Schmied und nicht beim Schmiedl nach, warum dies nicht möglich sein soll. So erklärt Landes-

konservator Hermann Fuchsberger: „Die nachgewiesenen archäologischen Zeugnisse zur Stadtgeschichte St. Pöltens und ihrer kirchlich-religiösen Entwicklung sind von so großer Bedeutung, dass die Feststellung des öffentlichen Interesses an der Erhaltung der dokumentierten Ruinen auf dem gesamten Domplatz wegen ihrer geschichtlichen und kulturellen Bedeutung gem. §3 des Denkmalschutzgesetzes erfolgte.“ Kurzum: Die Ruinen dürfen nicht zerstört werden. Dies könnte übrigens auch benachbarte Areale (z. B. den Brunnenhof), die bisweilen als Tiefgaragen-Alternativstandorte ins Spiel gebracht werden, betreffen. So sei dort „ebenfalls mit archäologisch relevanten Befunden zu rechnen.“

Seit durchgesickert ist, dass die NSA nicht nur Frau Merkels Handy, sondern auch die Kommunikationsstruktur der Landeshauptstadt angezapft hat, steht Meinung gegen Meinung: Die einen jubeln: „Yahoo, wir sind wer!“, die anderen mahnen zur Vorsicht. So saugten die Amis aus den persönlichen Daten auch eines St. Pöltner Abgeordneten. Seit Jahren kontrolliert dieser in internationaler Mission die demokratischen Spielregeln in aller Welt, bis Nordkorea. Die Recherchen ergaben allerdings weniger nachrichtendienstliche, denn touristische Aspekte. Beim politischen Gegenüber, den (whatever) „Bürgerlichen“, müsse es aber doch so was wie eine raffiniert verdeckte Strategie geben – Codewort „Aquacity“. Wie sonst wäre es denkbar, dass der öffentliche Anspruch der betreffenden Partei inzwischen fast ausschließlich unter dieser Chiffre wahrgenommen wird. Staunen soll bei den Yankees nicht zuletzt herrschen über unsere Einstellung zu Forschung und Entwicklung. Man kann und soll über die Jahre hinweg Millionen investieren in die „unterirdische Wissenschaft“. Va bene! Ob die Römer Rheuma hatten, mag interessant sein. Aber ob (oberirdisch) St. Pöltens größter Industriebetrieb im letzten Jahrzehnt überhaupt noch herzeigbare F+EKennzahlen präsentieren konnte und vor allem warum nicht, das scheint kaum jemanden gekratzt zu haben. Aber jetzt ist ohnehin zunächst einmal Lausch-Pause. Nicht an unserer Spionage-Abwehr, nein, justament an unserem traisentalerischen Idiom seien zuletzt transatlantisch sowohl Entschlüsselungs-, als auch Übersetzungssoftware gescheitert. Eines unserer beiden natürlich auch abgehörten Nobelhotels hätte – shit! – per Internet-Telefon „sbsteckzspätbstöd“.

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St. Pöltner

Am treffendsten hat es noch immer Historiker Christoph Lind auf den Punkt gebracht, als er für den Titel seines ersten Buches über die jüdische Gemeinde St. Pöltens ein Zitat des vertriebenen Zwi Gol wählte: „Es gab so nette Leute dort.“ Vor 1938 zählt die Kultusgemeinde St. Pölten über 800 Mitglieder, davon lebten alleine in St. Pölten rund 400. Heute leben noch zwei Juden in St. Pölten!

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ach fast 200 Jahren Ansiedlungsverbot für Juden in Niederösterreich brachte die Revolution 1848 wieder freie Niederlassung. Vor allem aus Mähren, Böhmen und Westungarn zogen Juden nach St. Pölten. Bereits 1851 richteten sie einen Betraum ein, 1859 erwarben sie den Friedhof am Pernerstorferplatz, der heute nur mehr als Grünfläche existiert. Seit 1906 werden die Toten auf dem Friedhof in der Karlstettner Straße 3 8

begraben. Die offizielle Gründung der Israelitischen Kultusgemeinde, welche sich von Traismauer bis St. Aegyd, von Krummnußbaum bis Hadersdorf-Weidlingau erstreckte, erfolgte 1863. Damals zählte sie ca. 300 Mitglieder. Aufgrund der stetig wachsenden Gemeinde wurde mit der Zeit der Betraum zu klein, weshalb 1907 ein Tempelbauverein gegründet wurde. Am 17. August 1913 konnte schließlich die Kaiser Franz Joseph Synagoge ihrer Bestimmung

übergeben werden. Bis 1938 war die Zahl der Gemeindemitglieder auf über 800 Personen angewachsen. Sozialstruktur und Vereinsleben „Sehen Sie, in ganz St. Pölten gab es 80 jüdische Familien, und wenn man im Theater gerufen hätte: ‚Juden raus!‘, dann wäre das ganze Theater leer gewesen.“ (Zwi Gol) Die Mitglieder der IKG St. Pölten gehörten größtenteils der Mittelschicht an, sie waren hauptsächlich kleine bis mittlere Kaufleute. Bis auf vier Fabrikanten und zwei größere Geschäftsleute fielen nur die sechs Juristen und fünf Ärzte aus dem durch jahrhundertelange Berufsverbote geprägten Rahmen. Neben den Aktivitäten in der Synagoge, entfaltete sich reges jüdisches (Vereins)Leben. So bestand seit 1859 eine St. Pöltner Chewra Kadischa


TEXT: Kompilation - johannes Reichl* | Fotos: INJOEST, Stadtarchiv

RABBINER. Adolf Aron Schächter, im Bild mit seiner Frau Rosa, leitete die IKG bis 1933.

(Heilige Gemeinschaft). Diese nahm sich der Sterbebegleitung, der Bestattung der Verstorbenen und der Armenfürsorge an. Auch der 1902 gegründete Frauenwohltätigkeitsverein bezahlte wie die IKG und die Chewra Kadischa in die Armenkasse ein, aus der bedürftige Gemeindemitglieder sowie arme durchreisende Juden unterstützt wurden. Neben dieser organisierten Wohltätigkeit war die private nicht minder relevant und Beleg für den starken Zusammenhalt der Juden untereinander wie Zwi Gol, vormals Hermann Hahn, aufsührt: „Es gab in St. Pölten keine armen Juden. Die Armen, die sich als solche deklariert haben, für die tat man alles [...].“  1904 gründete Rabbiner Adolf Schächter den Jüdischen Literaturverein, der u. a. Vortragsabende mit bekannten Schriftstellern veranstaltete und Beweis für das aktive kulturelle Leben der Gemeinde war.

Ab Beginn der 1920er Jahre begann der „Bund Zionistischer Jungwanderer“ jüdischen Kindern und Jugendlichen zionistische Ideologie zu vermitteln und die Auswanderung nach Erez Israel, dem damaligen Palästina, zu propagieren. Eine intensive zionistische Tätigkeit in St. Pölten entfaltete sich aber erst ab 1928 unter dem Einfluss des Wiener »Brith Trumpeldor« (Betar), der Jugendorganisation der Rechtszionisten. 1921 wurde, nachdem jüdische Kinder in St. Pöltner Sportvereinen Opfer antisemitischer Angriffe geworden waren, der Turnverein Makkabi gegründet, wobei es nicht immer

nur um sportliche Ziele ging, wie sich Zwi Gol erinnert: „Das Schwimmbad in St. Pölten, zu dem hat auch eine kleine Sportecke gehört. Und die Burschen vom Christlich-Deutschen Turnverein, das waren schon alles richtige Nazis, haben dort geturnt. Wir gingen rundherum und sahen, daß der Turnverein mit dem Weitspringen anfing. Wir fragten sie, ob wir springen durften, und jemand von uns sprang zwei Meter über der Höchstleistung. Sie kochten. Sie hatten ja gelernt, daß Juden feig und untüchtig sind, und jetzt sprang ein Jude zwei Meter weiter als sie.“ Im Jänner 1935 gründeten ehemalige jüdische Weltkriegssoldaten den Bund Jüdischer Frontsoldaten. Sein Ziel war die Abwehr des Antisemitismus und die Verteidigung der jüdischen Ehre. Die Leistungen der jüdischen Soldaten im Ersten Weltkrieg wurden besonders betont. Im April 1937 wurde zudem eine Frauengruppe gegründet. NS-Zeit “Der Hitler ist an unserem Haus vorbeigezogen mit dem Auto, und am Riemerplatz stand das Volk und brüllte den ganzen Tag ‚Ein Volk, ein Reich, ein Führer‘. Wir haben halt die Fenster fest zugemacht.“ (Olga Willner)

TURNVEREIN MAKKABI. Nachdem es in manchen St. Pöltner Sportvereinen zu antisemi-

tischen Übergriffen gekommen war, wurde 1921 der jüdische Turnverein Makkabi gegründet.

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Am Abend des 11. März 1938 strömte eine Menschenmenge am Rathausplatz zusammen. Unter »Sieg Heil«-Rufen wurden am Rathausturm zuerst eine kleine und schließlich eine große Hakenkreuzfahne gehisst. Die St. Pöltner Zeitung wurde am 14. März als nationalsozialistisches Parteiblatt »im Sinne der neuen Zeit« weitergeführt. Sie berichtete höhnisch von privaten Überfällen auf Julius und Jakob Körner und Ernst Schulhof. Mitglieder der St. Pöltner SS drangen in die Wohnungen von Julius und Hilde

für Juden versehen mit einem großen »J«. In alle Dokumente musste der Zusatzname »Sara« oder »Israel« eingetragen werden. Juden wurden systematisch aus dem gesellschaftlichen Leben ausgegrenzt. Bei Zuwiderhandlung drohte die Verschickung in das KZ Dachau. Der größte Teil der jüdischen St. Pöltner verlor seine Existenzgrundlage. Um den in Not geratenen Menschen zu helfen, richtete die Kultusgemeinde das „Referat für Fürsorge und Auswanderung“ ein, das den Emigranten die notwendigen Bestä-

1938. Der Anschluss bedeutete den Anfang vom Ende. Vor 1938 lebten in St. Pölten rund 400 Juden, heute sind es noch zwei. 369 Mitglieder der IKG St. Pölten waren ermordet worden.

Frischmann, Betty Frischmann, Hermann Schwarz sowie Ernst und Rosa Schulhof ein und raubten Schmuck, Geld und Wertgegenstände. Die Entrechtung der Juden erfolgte Schlag auf Schlag: Am 20. Mai 1938 wurden die »Nürnberger Rassengesetze« eingeführt, die jeden zum Volljuden erklärten, der drei jüdische Großeltern hatte. Juden wurde der Beamtenstatus und die Befugnis zum Rechtsanwalt entzogen. Am 23. Juli 1938 verordnete der Reichsminister für Inneres die Kennkartenpflicht, 10

tigungen ausstellte und versuchte, sie auch finanziell zu unterstützen. Karton 3 des Stadtarchivs St. Pölten enthält rund fünfzig Ansuchen um Unterstützung. Die meisten der verarmten Juden brachten das Geld für die Flucht allerdings nicht auf und wurden deportiert und ermordet. Höhepunkt der Stigmatisierung war die Verordnung vom 1. September 1941, den gelben Stern außen sichtbar an der Kleidung zu tragen. Zu dieser Zeit waren die St. Pöltner Juden schon nach Wien zwangsüber-

siedelt, die IKG St. Pölten aufgelöst. In der Sitzung des Stadtrates am 17. Oktober 1941 verkündete Oberbürgermeister Emmo Langer, dass St. Pölten nun nicht nur „judenfrei“, sondern auch „zigeunerfrei“ sei. Novemberpogrom „Mitten in einer deutschen Stadt – und das ist doch Sankt Pölten, oder nicht? – erhebt sich da ein morgenländisches Gebäude, krause Schriftzeichen ‚zieren‘ seine Vorderfront und ein Stern erhebt sich auf der Kuppel, den wir in unserem Himmel gerne entbehren. Wenn dieser Bau einmal ohne Sinn und Zweck dasteht, und das wird er bald (es ist klar, hier ist die Ostmark beispielgebend), dann wird er einem ‚repräsentativen‘ Gebäude Platz machen!? Ist es uns gelungen, das Geschäftsleben in unserer Stadt von Fremden zu säubern, so müssen auch die äußeren Erscheinungen folgen.“ Diese unverhohlene Aufforderung zur Zerstörung der St. Pöltner Synagoge schrieb der St. Pöltner Anzeiger bereits am 5. November 1938. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 drangen mehrere Personen, wahrscheinlich Angehörige von SA und SS, in das Kantorhaus neben der Synagoge ein, legten Feuer und zerschlugen die Fensterscheiben. Am Vormittag des 10. November versammelten sich vor dem Haus rund 300 bis 400 Personen, unter ihnen Angehörige von SA, SS, HJ, Reichsarbeitsdienst sowie St. Pöltner Schüler unter Führung ihrer Lehrer. Das Innere der Synagoge wurde unter dem Absingen politischer Lieder vollständig zerstört. Die Fenster wurden eingeschlagen, die Inneneinrichtung und die Thorarollen verbrannt, Wasserleitungsrohre, Beleuchtungskörper und Türpfosten aus den Wänden gerissen. Bücher und Akten wurden auf die Straße geworfen, mit Benzin übergossen und unter Bravo-Rufen verbrannt. Selbst der Davidstern auf der Kuppel wurde demontiert. Der Sicherheitsdienst berichtete: „Die Ak-


St. PÖLTNER

AUSGRENZUNG. Ab 1938 durften Juden nicht mehr in Parks, Bäder, Cafés, Sportstätten, Veranstaltungen etc.

tionen gegen die Juden werden von der Bevölkerung durchwegs mit Zustimmung aufgenommen.“ In der Stadt und ihrer Umgebung wurden 137 Juden im Alter zwischen 18 und 60 Jahren verhaftet, unter ihnen die Brüder Rudolf und Hermann Gelb. Sie wurden nach Wien und viele von ihnen in das KZ Dachau verbracht. Paradoxerweise rettete die Haft in Dachau vielen das Leben, denn sie wurden unter Vorlage eines Visums und der Auflage entlassen, bis Jahresende auszureisen.

eingesetzt wurden. Rückblickend auf die ersten Tage in einem solchen ›Arbeitslager‹, geleitet von zwei bestialischen und heimtückischen SS Leuten – da war viel Verzweiflung, viel Schläge, besonders für die, die sich nicht sofort so gut zu schwerer körperlicher Arbeit anstellen konnten. Die waren nur da, uns zu demütigen, uns herabzusetzen, zu schinden und schikanieren. So manche brachen zusammen, nicht nur körperlich, sondern auch seelisch fertiggemacht.“ (Ernst Wulkan)

Oft ist der Eintrag auf einer Deportationsliste das letzte Zeugnis vom Schicksal eines Menschen. Über sein Leiden und Sterben im Ghetto oder Lager gibt es nur selten konkrete Nachrichten. Der Großteil der österreichischen Juden wurde zwischen Frühjahr 1941 und Herbst 1942 deportiert. Die Transporte vom Herbst 1939 nach Nisko am San und des Jahres 1944 nach Theresienstadt und Auschwitz markieren Anfang und Ende der Ermordung von 369 St. Pöltner Juden. Nur wenige Menschen kehrten aus den Konzentrationslagern zurück. Leo Holzer, Elly Kohn und Valerie Nagl überlebten Theresienstadt. Oskar Groß war ab Mai 1944 in Auschwitz inhaftiert. Im Februar 1945 gelang ihm aus dem KZ Groß-Rosen, Außenkommando Wüstegiersdorf, die Flucht und er konnte sich bis Kriegsende verstecken. Kurt Sauerquell aus der St. Pöltner Familie Hoffmann war einer der nur 18 Überlebenden eines Transports von 1200 Deportierten nach Riga. Seine Mutter wurde sofort bei der Ankunft erschossen. Er überlebte die Konzentrationslager Kaiserwald, Stutthof und Buchenwald. Ernst Wulkan und Walter Fantl Brumlik wurden über Theresi-

Deportation und Vernichtung „Die Ankunft in Auschwitz-Birkenau war ein Schock, von dem wir uns lange nicht erholten. Die tägliche Routine war verheerend, mit stundenlangen Appellen, Abzählen, Strafestehen. Nach ungefähr einer Woche wurden Transporte zusammengestellt, nach gewissen Berufen eingeteilt, Tischler, Schlosser, Schweißer, Metallarbeiter – so wurde ich mit einer Gruppe von diesen Facharbeitern in das KZ Gleiwitz I transportiert, wo wir sofort zur Ausbesserungsarbeit an Frachtwaggons

NOVEMBERPOGROM. 1938 wurde die Synagoge komplett zerstört. Danach diente sie als Möbellager, Auffanglager, Getreidespeicher, Taubenschlag. 1980-1984 wurde sie restauriert.

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enstadt nach Auschwitz deportiert und kehrten aus dem Außenlager Gleiwitz I zurück. Herta und Leopoldine Maurer waren in Theresienstadt inhaftiert und starben 1946 bzw. 1947, nur knapp über dreißig Jahre alt, an den Spätfolgen der Lagerhaft. Überleben als U-Boot „Zweieinhalb Jahre war ich allerweil eing’sperrt, auch die Lebensmittelversorgung war schwer, aber das wär ja noch nicht das Ärgste g’wesen. Die Angst, man hat ja unter ständiger Angst gelebt. Ich bin oft in der Nacht wach geworden, in Schweiß gebadet, da hat mir geträumt, ich höre Militärstiefel. Man hat ja auch nicht gewußt, wie es ausgehen wird. Ich hab g’sagt, der Tag, an dem die siegen, das wär der Tag g’wesen, wo ich mich umbringen hätt’ müssen. Ich hätt’ ja nicht ewig versteckt sein können.“ (Wera Heilpern) Im Jahr 1923 nahmen Wenzel und Maria Jindra aus Viehofen die acht Monate alte Wera, uneheliches Kind jüdischer Eltern, als Pflegekind auf.

Das Mädchen wuchs wie die anderen Kinder der Familie auf, nur dass sie neben dem katholischen auch den jüdischen Religionsunterricht besuchte. 1933 wurde sie plötzlich von vier leiblichen Tanten weggeholt und hatte nur noch heimlich mit ihrer Pflegefamilie Kontakt. Nach dem „Anschluss“ wurde Wera Heilpern zum jüdischen Arbeitsdienst nach Deutschland verpflichtet. Die unmenschlichen Bedingungen und die ständig drohende Deportation trieben einige ihrer Leidensgenossinnen in den Wahnsinn. Am 17. September 1942 wurde auch Heilpern von der Gestapo zum Transport nach Wien angefordert. Als der Zug in St. Pölten hielt, sprang sie aus dem Waggon, riss sich den gelben Stern vom Kleid und ging nach Viehofen, um sich von ihrer Pflegefamilie zu verabschieden. Doch diese ließ sie nicht mehr weggehen, sondern versteckte sie am Dachboden, tagsüber oft stundenlang im Bett. Nur im Dunkeln konnte die Jugendliche ins Freie, und während der Bombenangriffe musste sie im Haus bleiben. Als ihre Pflegemutter am 1. September 1944 starb, wurde Wera noch in derselben Nacht vom ältesten Sohn Franz abgeholt und bis zum Ende der Kondolenzbesuche am Dachboden seines Hauses in Wagram versteckt. Auch Anna Reiß und ihre Tochter Johanna Glaser überlebten als U-Boote drei Jahre bei der Familie Straßmayer in Nadelbach. Friedrich Wellisch und Oskar Graf wurden von Freundinnen versteckt. Überleben in Misch-Ehe „Zittert hat man allweil, net, da sind allweil die Gerüchte kommen, jetzt kommen wir auch dran.“ (Otto Wellisch)

U-BOOT. Wera Heilpern überlebte die

Shoah als U-Boot bei der Familie Jindra.

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Einige Juden überlebten vorort. Jüdische Elternteile eines „Mischlings“ sowie kinderlose jüdische Ehefrauen in aufrechter Mischehe wurden großteils nicht deportiert. Auch jüdische Ehemänner von „arischen“ Frauen

genossen mehr Schutz. Insgesamt überlebten so sieben St. Pöltner Juden in ihrer Heimatstadt oder in Wien in geschützter Mischehe: Melanie Benedikt, Rudolf Bondy, Anna Mattes, geb. Gelb, Ernestine Jeschko, Alfred Kirchenberger, Else Maurer und Otto Wellisch. Als Otto Wellisch im Jahr 1937 seine nichtjüdische Frau Maria heiratete, fragte der Standesbeamte die Braut: „In dieser Zeit tun Sie noch einen Juden heiraten?“ Nach dem Novemberpogrom wurde Wellisch verhaftet und zehn Tage in Wien gefangen gehalten und misshandelt. Seine nichtjüdischen „Spezln“ – obwohl Nationalsozialisten – und seine Ehefrau bewahrten ihn vor der Deportation. Während des Krieges war Wellisch Zwangsarbeiter in Eisenerz. Seine Frau musste an ihrer Wohnungstür in Wien einen „Judenstern“ anbringen, in allen Ausweisen stand „Gatte Jude“ und der Luftschutzwart ließ sie nicht in den Luftschutzkeller. Anna Mattes wiederum, die Tochter von Wilhelm und Mathilde Gelb aus Ratzersdorf, war durch ihre Ehe mit dem Nichtjuden Johann Mattes geschützt. Mattes arbeitete zuerst bei Bauern, dann in einem Rüstungsbetrieb. Der Leiter, obwohl Nazi, schützte sie vor Übergriffen. Die Deportation drohte, als sie von einer ehemaligen Schulfreundin denunziert wurde, weil sie den gelben Stern nicht trug. Doch der Gendarm verwarnte Anna nur und leitete die Anzeige nicht weiter. Ihre Tochter Hilde arbeitete späterhin ebenfalls in der Fabrik: „Im Großen und Ganzen hab ich einerseits normal gelebt, aber natürlich mit vielen Schwierigkeiten, net in die Schul gehen dürfen, nix lernen dürfen, na und die anderen G’schichten, daß amal ein Erntedankfest gwesen ist und ich auch dort gwesen bin und der HJ-Führer g’schrien hat: ‚Das Judenmädl soll sofort den Platz verlassen!‘ Darauf ist sein Vorgesetzter, der oberste HJ-Führer, zu mir kommen und hat g’sagt: ‚Kumm her, jetzt tanz i mit dir.‘ Und ich hab gsagt: ‚Sag, bist du deppert, du kannst doch net mit mir tanzen.‘ Sagt er: ‚I kann!‘“


St. PÖLTNER

Nach dem Krieg „Sachwerte kann man ersetzen. Aber bei uns sind die Leute umgebracht worden, die kann man nicht mehr ersetzen.“ (Stella Morgenstern) „Julius und Adele Körner werden aufgefordert, vor dem gefertigten Gerichte zu erscheinen oder auf andere Weise von sich Nachricht zu geben.“ Solche makabren Aufrufe erließ ordnungsgemäß das St. Pöltner Amtsblatt nach Kriegsende, um das Verfahren zur Todeserklärung von verschollenen Juden einleiten zu können. Julius und Adele Körner waren am 19. Mai 1942 wahrscheinlich nach Minsk deportiert worden. Am 14. November 1945 ordnete die Landeshauptmannschaft Niederösterreich die Erfassung „arisierter“ und entzogener Vermögen an. Die neuen Besitzer waren verpflichtet, diese anzumelden. Die Überlebenden

oder deren Erben erhielten ihr Eigentum zurück oder schlossen mit den „Ariseuren“ Vergleiche ab. Viele geflohene Juden waren allerdings nicht bereit, nach St. Pölten zurückzukehren, und verkauften den Besitz. Bis zum Ende des Jahres 1948 waren die meisten Häuser rückgestellt. Mit den Rückstellungen war zynischerweise Dr. Leo Schinnerl betraut, der während der NS-Zeit noch Sachbearbeiter für die „Liegenschaftsentjudung“ gewesen war. Nach dem Krieg kehrten nur die Familien Allina, Kohn und Morgenstern nach St. Pölten zurück. Insgesamt waren während der Shoah 369 jüdische Mitbürger ermordet worden. Die St. Pöltner Gemeinde war gänzlich ausgelöscht. Heute leben noch zwei Juden in St. Pölten ... *Dieser Text wurde aus bestehenden von Martha Keil und Christohp Lind auf www. juden-in-st-poelten.at kompiliert.

VERGESSEN. Bis 1906 befand sich der jüdische Friedhof am Pernerstorfer Platz.

Richtungsweisend für St. Pölten Historikerin Martina Rödl vom Landesarchiv NÖ hat die wichtige Rolle Julius Fischers für die St. Pöltner Stadtpolitik herausgearbeitet. Für MFG hat sie einen Kurzabriss über Fischers Vita verfasst.

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ulius Fischer wurde 1882 in Libochovic (CSR) geboren und studierte Jus an der Universität Wien. Im Mai 1913 ließ er sich als „Advokat“ in St. Pölten nieder. Aus dem im historischen Meldearchiv aufbewahrten Meldezettel können wir auch ein wenig Privates über ihn erfahren: Er heiratete am 4.8.1914 Hilde Stern, mit der er zunächst eine Wohnung in der Parkpromenade bezog. 1927 beauftragte er den Architekten Rudolf Wondracek mit dem Bau eines modernen Einfamilienhauses in der Heidenheimerstraße. Julius Fischer war nicht nur Mitglied der IKG St. Pölten; er war v. a. in der Stadtpolitik sehr aktiv. Zwischen 1919 und 1927 bekleidete er die Funktion des Fraktionssprechers der St. Pöltner Sozialdemokratischen Arbeiterpartei sowie die des Finanz-

stadtrates. In diese Zeit fällt auch die Herausgabe des „Arbeitsprogramms für Kommunalentwicklung“, für das Fischer federführend tätig war. Dieses Programm beinhaltete einen „Leitfaden“, welche Maßnahmen ergriffen werden müssten, um St. Pölten zu modernisieren. Nach 1927 dürfte er sich ausschließlich auf seine Arbeit als Rechtsanwalt konzentriert haben. Immer wieder wird er als Verteidiger von sozialdemokratischen Parteigenossen herangezogen. So z. B. 1931, als er die Verteidigung der angeklagten Betriebsräte der Steingutfabrik Wilhelmsburg übernahm. Im Februar 1934 wurde er Pflichtverteidiger von Viktor Rauchenberger, dem gemeinsam mit Johann Hois der Prozess vor dem Standgericht St. Pölten gemacht wurde. Im Zuge der Februarunruhen wurde auch Fischer am 18.4.1934

verhaftet und ins Anhaltelager nach Wöllersdorf verbracht. In den Akten, die zur Rechtfertigung seiner Anhaltung dienten, wird Fischer von der Sicherheitsdirektion für NÖ als „einflussreicher“ Stadtrat bezeichnet. Gegen die Verhaftung Fischers wurde international interveniert. Letzlich kam es am 6.8.1934 zur Enthaftung. Durch die politischen Umwälzungen im März 1938 änderte sich alles für Julius Fischer. Es kam zur Entziehung der Berufsausübungsberechtigung und am 10.11.1938 zu einer neuerlichen Verhaftung. Fischer sollte so zum Verkauf seines Hauses gezwungen werden, was schlussendlich auch gelang. Der Kaufvertrag mit der Stadt St. Pölten wurde am nächsten Tag unterzeichnet, Fischer kam frei. Das Ehepaar übersiedelte nun in eine Wohnung in der Josefstraße, bevor es sich im Mai 1939 nach Paris abmeldete. Von dort ging es weiter in die USA, nach New York, wo Fischer am 5.9.1943 verstarb. MFG 11.13

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MFG URBAN

Forschen im menschlichen Abgrund Der St. Pöltner Historiker Christoph Lind, 2013 mit dem Wissenschaftspreis des Landes geehrt, hat sich wie kein anderer mit der IKG St. Pölten sowie der weiteren 14 jüdischen Gemeinden in Niederösterreich beschäftigt. Wir sprachen mit ihm über Wurzeln und Formen des Antisemitismus, den Holocaust sowie einen späten Sieg über die Nazis. Wie kann man sich die St. Pöltner jüdische Gemeinde vorstellen. War das eine in sich homogene Gruppe? War sie integriert?

Es gab schon verschiedene Strömungen innerhalb der Gemeinde, die sich im Vergleich aber nicht so stark ausdifferenzierten wie etwa im großen Wien. Es gab sehr traditionelle, streng religiöse Juden, es gab Zionisten, die weniger von der Religion als von einem Nationsbegriff her kamen, es gab Säkuläre etc. Und diese Gruppen waren in sich auch wieder vermischt. Prinzipiell waren aber alle St. Pöltner – ob sie nun mehr oder weniger gläubig waren, spielte keine Rolle. Und man musste die Juden auch nicht integrieren – sie waren Teil der Gesellschaft, fest verankert im Stadtleben, in Vereinen, im Geschäftsleben oder auch bei der Feuerwehr. Die spielte dann mit ihrer Blasmusik auf Begräbnissen für die verstorbenen jüdischen Kameraden.

Antisemitismus hat ja eine lange religiöse Tradition – auch in St. Pölten gibt es bereits im Jahr 1306 ein erstes Pogrom. Ab wann kippte es in Richtung Rassismus?

Rassenantisemitismus ist in etwa ab den 1880’er Jahren salonfähig geworden und Hand in Hand mit dem Auf14

stieg der Christlichsozialen gegangen. In Wien war deren exponiertester Vertreter Bürgermeister Karl Lueger, aber auch Josef Scheicher, der die St. Pöltner Zeitung – die heutige NÖN – aufbaute, spielte eine ganz bedeutende Rolle. Von Beginn an befeuerte er über seine Zeitung den Rassenantisemitismus. Warum konnte das auf fruchtbaren Boden fallen? Die „Theorie“ war ja völlig abstrus?

Man spielte ganz bewusst mit einer Wahnvorstellung, verbreitete Gerüchte über die Juden, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun hatten. Nehmen wir das Bild vom reichen Juden. In Wien waren gerade einmal Großfamilien wie die Rothschild oder Gutmann reich, während 10.000e Juden von der Hand in den Mund lebten. Auch in St. Pölten waren ganz wenige wohlhabend, reich niemand – trotzdem verfing sich diese Lügen, verband sich irgendwann mit der eigenen Frustration, und

plötzlich wurde aus dem Wahn vermeintliche Realität. Selbst heute höre ich noch Leute von den „reichen Juden“ reden. Wie konnte sich dieser Wahnsinn zum Holocaust auswachsen?

Wissenschaftlich betrachtet gibt es viele Herleitungen. Prinzipiell war es ein Zeitalter großer Veränderungen. Die Industrialisierung etwa löste eine Verdrängung der kleinen Handwerksleute aus, sie waren sozusagen Verlierer. Auch eine neue Gewerbeordnung befeuerte diesen Prozess. Das Wahlrecht wurde sukzessive ausgeweitet, Demagogen wie Lueger nutzten dies aus und gingen mit antisemitischen Parolen auf Stimmenfang – mit großem Erfolg. In Kunst und Wissenschaft gab es große Umbrüche, denken wir nur an den Juden Sigmund Freud, der plötzlich das Unbewusste und Sexuelle in den Fokus rückte – für die Konservativen war das ein Anschlag auf ihr traditionelles Weltbild.


TEXT: JOHANNES REICHL | Fotos: NLK Pfeiffer

Generell muss man aber aufpassen: DEN Antisemitismus gibt es nicht, jener in den 1890’er Jahren war ein ganz anderer als jener in den 1930’er Jahren. Hierzulande spielte zudem der Zerfall der Monarchie eine große Rolle. Kaiser Franz Joseph galt – wenn späterhin auch mystifiziert – als personifizierter Hüter der Verfassung und Garant für Rechtssicherheit. Wobei Antisemitismus auch während der Monarchie grassierte.

Selbstverständlich, wobei wir da eine gewisse Widersprüchlichkeit beobachten können: So führten viele Vereine etwa sogenannte Arierparagrafen ein, die Juden vom Vereinsleben ausschlossen, zugleich erhielten diese Vereine aber – auch vom St. Pöltner Gemeinderat, wobei das dann schon in der ersten Republik war – genau aus diesem Grund keine öffentlichen Förderungen. Oder in der Politik gab es quer durch alle Lager Antisemiten, auch unter den Sozialdemokraten, dennoch wurde der Jude Julius Fischer einer der herausragendsten sozialdemokratischen St. Pöltner Stadträte der Zwischenkriegszeit. In zunehmendem Maße mussten die Juden aber für alles und jedes als Feindbild herhalten: Entweder sie waren die jüdischen Kapitalisten, oder sie waren die jüdischen Bolschewisten. Diese Widersprüchlichkeit begleitet die gesamte Zwischenkriegszeit. Ganz übel wurde es dann ab Beginn der 30’er Jahre mit der Wirtschaftskrise und dem damit parallel einhergehenden Aufstieg der Nazis. Schon damals fanden die ersten Übergriffe statt, etwa Schmierereien auf die Synagoge oder Tränengas-Attentate auf Geschäfte. Die IKG St. Pölten etwa überlegte damals den Beschluss, die Fenster zu vergittern,

„Sich an die Gemeinden wieder zu erinnern, an jeden einzelnen Menschen, diesem wieder einen Namen, eine Geschichte zu geben – das empfinde ich schon als Sieg über die Nazis!“

weil es immer wieder zu Steinwürfen und Vandalenakten gekommen war. Nach dem Anschluss ließen die Nazis dann alle Hemmungen fallen. Warum gab es eigentlich so wenig Widerstand. Haben tatsächlich alle – überspitzt formuliert – mit den Nazis sympathisiert?

Man kann sicher nicht sagen, alle waren Nazis und Mörder. Ein ganzes Volk dreht nicht kollektiv von einem Tag auf den anderen durch. Von Kollektivschuld halte ich überhaupt nichts, die bringt einen nicht weiter, vielmehr geht es darum, wie sich der einzelne verhalten hat. Die Nazis waren von Anfang an eine Mörderbande, schon lange vor ‘33 – die sind über Leichen gegangen. Nach ihrer Machtergreifung, die in Deutschland ja keine gewaltsame, sondern Ergebnis einer konservativen Intrige war, haben sie sofort ein Mord- und Terrorregime aufgezogen. Es ist also nachvollziehbar, dass sich viele schwer taten, widerständig zu sein. Man wusste ja, was ablief – während des Krieges etwa wurden jede Woche große rote Plakate affichiert, auf denen die Namen der hingerichteten Regimegegner aufgelistet waren. Allein in der Wehrmacht gab es 20.000 Exekutionen. Im Vergleich dazu ging diese Zahl bei Engländern oder Amerikanern gegen null! Viele hatten also Angst. Dadurch aber, dass sie nichts taten, konnte letztlich passieren, was passiert ist – der Holocaust! Das ist unsere Geschichte, der wir uns stellen müssen – so oder so. Österreich galt ja bis zur Waldheim-Affäre 1986 als Weltmeister im Verdrängen. Ist der Umgang Ihrer Meinung nach mittlerweile ein ehrlicherer geworden?

Es hat sich schon sehr viel zum Positiven gewandelt, denken wir nur in St. Pölten an verschiedene Aktionen, aktuell etwa die Ausstellung anlässlich 100 Jahre Synagoge oder die Initiative für Stolpersteine. Da hat sich schon eine Sensibilisierung, ein echtes Interesse bei der Bevölkerung in den letzten 20 Jahren herausge-

bildet. Provokant könnte man von einer „Normalisierung“ insofern sprechen, dass das Wissen über die jüdische Gemeinde wieder zurückkommt. Die Nazis haben ja an deren Auslöschung, im Verwischen der Spuren sehr erfolgreich gearbeitet. Als ich Mitte der 90’er Jahre meine Forschung zur St. Pöltner Gemeinde begann, wurde mir erst im Zuge der Recherche offensichtlich, dass es 14 weitere jüdische Gemeinden in Niederösterreich gegeben hatte – die waren vergessen! Sich an diese wieder zu erinnern, auch an jeden einzelnen Menschen, diesem wieder einen Namen, eine Geschichte zu geben – das empfinde ich schon als Sieg über die Nazis! Haben wir in diesem Sinne aus der Geschichte gelernt?

Das kann ich nicht beantworten. Ich denke, die Herausforderungen an die Menschheit und den Menschen als Individuum stellen sich zu jeder Zeit neu und in anderen Konstellationen. Das zivilisierte Leben müssen wir uns sozusagen jeden Tag aufs Neue erkämpfen. Und wenn man sieht, wie viele Menschen die FPÖ wählen, obwohl diese Partei nach wie vor in regelmäßigen Abständen ihr Nazigeschwätz von sich lässt, hegt man so seine Zweifel. Da kann einer wie Martin Graf mit den Stimmen von SPÖ und ÖVP 2. Nationalratspräsident werden, obwohl er Mitglied der rechtsradikalen Studentenverbindung Olympia ist und Veranstaltungen beiwohnt, wo ein Sänger „Bei sechs Millionen Juden fängt der Spaß erst an“ singt – und nichts passiert! Was schockiert Sie nach wie vor am Holocaust?

Was ich nach wir vor ganz arg finde ist der Gedanke, dass man alte Menschen weggeholt und in einen Zug gesteckt hat, wo sie stundenlang sitzen mussten, nur um sie dann irgendwo fernab der Heimat herauszuholen und in ein Erdloch hineinzuschießen ... Das ist der Holocaust! Daher bin ich fassungslos, wenn so etwas wie im Fall Graf passiert ... MFG 11.13

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MFG URBAN

Der letzte Jude

„1937 – “ prangt in schwarzen Lettern unter dem Namen Dr. Hans Morgenstern auf dessen Familiengrab am jüdischen Friedhof. Als ich den derart bereits zu Lebzeiten Verewigten frage, ob es sich dabei um eine jüdische Tradition handelt, lacht Hans Morgenstern. „Nein, das habe ich mir abgeschaut. Aber da ich ja niemanden mehr habe, keine Familie, keine Gemeinde, da dachte ich mir, ich erledige das schon vorher – ich hoffe nur, dass jemand nach meinem Tod das Sterbejahr anbringen lässt.“

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atsächlich sind Hans Morgenstern und sein um einige Jahre älterer Cousin Hans Kohn die letzten in St. Pölten lebenden Juden der ehemals hier situierten Kultusgemeinde. Zwar wohnt noch eine aus Wien zugezogene alte Dame, die vor Jahren aus der IKG ausgetreten ist, in der Stadt, „aber die ist keine Jüdin mehr“. Würde man es anders betrachten, ginge man auch 75 Jahre nach dem Holocaust noch der absurden Rassendiktion des Naziregimes auf den Leim, wie es eine Wiener Freundin Morgensterns einmal in einem Gespräch monierte. „Es gibt 16

keine Viertel- oder Halbjuden. Das ist die perfide Sprache Hitlers. Entweder man ist Jude oder man ist keiner.“ Morgenstern präzisiert das perfide Denkgebäude. „Der Rassenantisemitismus war ja im Grunde erst wieder ein religiöser, denn wie bestimmte man denn, wer ein Jude war? Man zog die Mitgliedschaft der IKG, auch der Vorgängergenerationen, heran.“ Hans Morgenstern ist Jude, wenn auch, wie er ausführt, „weniger in einem religiösen, sondern mehr in einem bekenntnishaften Sinne.“ 1937 wird er als letzter männlicher Jude in den Geburtsmatriken der

IKG St. Pölten eingetragen. „Nach mir ist nur noch ein Mädchen, Gertrude Hahn, verzeichnet. Sie lebt heute in Israel“ Danach bleiben die Seiten leer. Stumme Zeugen der völligen Auslöschung der St. Pöltner

„Nach dem Anschluss 1938 ging es Schlag auf Schlag. Zuerst wurde mein Vater mit Berufsverbot belegt, dann wurden wir aus unserer Wohnung geworfen – gnadenhalber durften wir in der Kanzlei wohnen.“


TEXT: Johannes Reichl | Fotos: Hermann Rauschmayr, INJOEST

EMIGRATION. Der kleine Hans Morgenstern mit seinem älteren Cousin in Palästina.

jüdischen Gemeinde. Dass Morgenstern sozusagen auch ihr letzter Toter werden könnte, nimmt der bekennende Agnostiker mit einem gewissen Fatalismus zur Kenntnis. „Ich habe keine Kinder. Vielleicht will ja der Liebe Gott, dass es aufhört. Ich weiß es nicht.“ 1937 Als Morgenstern im Dezember 1937 zur Welt kommt, wird er in ein behütetes Zuhause hineingeboren. Sein Vater, Dr. Egon Morgenstern, ist berühmter Anwalt und hoch angesehene Persönlichkeit in der Stadt, was nicht nur mit seiner fachlichen Kompetenz zu tun haben mag (u. a. macht er sich als Rechtsvertreter sechs sozialdemokratischer Angeklagter nach den Februarunruhen 1927 einen Namen), sondern auch dem beeindruckenden Umgang mit seiner Behinderung: „Mein Vater war ja schwer körperbehindert. Er hatte mit einem Jahr Kinderlähmung, die Beine waren völlig verkümmert. Daher brauchte er Lederstützen und Stahlschienen, um den Bauch trug er einen Gurt – so konnte er sich mittels Krücken und Stock fortbewegen.“ Seine Kanzlei hat Dr. Morgenstern im Haus seiner Mutter, in der Kremsergasse 17. „Gewohnt haben wir aber in der damaligen Schubertstraße, das ist heute die Dr. Theodor Körner Straße – das Haus gehörte der Mutter meiner Mutter.“ Von ihrer Konfession her sind die Morgensterns Juden und Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde

St. Pölten. „Besonders religiös waren sie nicht. An den höchsten Feiertagen, das war zwei Mal im Jahr, sind sie aber in die Synagoge gegangen.“ Nach dem Krieg hört sich auch das auf, freilich aus ganz anderen Gründen. „In St. Pölten gab es ja keine Kultusgemeinde mehr, die Synagoge war komplett zerstört, und der Weg nach Wien wäre für meinen Vater aufgrund seiner Behinderung zu beschwerlich gewesen.“ Die Welt der Morgensterns ist in diesen Dezembertagen des Jahres 1937, wenn schon nicht heil – „Antisemitismus gab es sicher genug, aber ich glaube, wir haben das nicht zu spüren bekommen“ – so doch noch einigermaßen in Ordnung. Nur drei Monate später wird sie nicht mehr bestehen. Die Zerstörung „Nach dem Anschluss 1938 ging es Schlag auf Schlag. Zuerst wurde mein Vater mit Berufsverbot belegt, dann wurden wir aus unserer Wohnung geworfen – gnadenhalber durften wir in der Kanzlei wohnen.“ Dabei hätte der Vater noch Glück im Unglück gehabt, weil er aufgrund seiner Behinderung nicht wie die meisten anderen verhaftet und ins KZ Dachau gekommen sei. „Er sagte einmal zu mir, das sei das einzige Mal in seinem Leben gewesen, dass ihm seine Behinderung einen Vorteil gebracht hätte. Aus Dachau, das damals noch kein Vernichtungslager war, kam man erst wieder raus, wenn man ein gültiges Visum vorweisen konnte.“ Um ein solches bemüht sich freilich auch Egon Morgenstern umgehend – „nur ein Visum wollten zu dem Zeitpunkt alle, das waren Abertausende, die sich vor den diversen Botschaften in Wien anstellten, um irgendwie rauszukommen.“ Die Morgensterns erhalten zwar von den Engländern die Zusage für ein Visum nach Palästina, „das konnte man aber ausschließlich in Basel, wo das sogenannte Palänstina-Amt situiert war, beantragen – wir durften aber nicht ausreisen. Es war sehr kompliziert, und mein Vater sehr verzwei-

felt – mit einem Mal hatte er keinen Beruf mehr, kein Einkommen, keine Wohnung und er sollte seine Familie ernähren. Die Zukunft war völlig ungewiss.“ Dank eines nichtjüdischen Freundes, der die Bestätigungsdokumente aus der Schweiz besorgt, klappt es dann doch noch mit der Emigration. „Im März 1939 sind wir mit dem Zug nach Basel gefahren, um die Visa am Palästina-Amt abzuholen. Danach ging es via Mailand nach Triest, wo wir eingeschifft wurden und schließlich nach Haifa übersetzten, wo uns eine Flüchtlingsorganisation willkommen hieß.“ In Tel Aviv finden die Morgensterns schließlich ein neues Zuhause – eine Heimat sollte es für den Vater aber nie werden. „Für ihn war es sehr hart. Er konnte die Sprache nicht, er durfte seinen Beruf nicht ausüben, weil der österreichische Rechtsanwaltstitel in Palästina nicht anerkannt wurde, und das Klima setzte ihm böse zu. Das erste halbe Jahr war er völlig zum Nichtstun verdammt.“ In dieser Zeit bringt Morgensterns Mutter, Stella, die Familie als Haushaltshilfe über die Runden.

FAMILIE MORGENSTERN. Hans, Stella und

Egon Morgenstern (v.l.n.r.)

Schließlich bekommt Egon Morgenstern eine Stelle als Bibliothekar am britischen Kulturinstitut, die Familie zieht in eine größere Wohnung in einen Vorort von Tel Aviv um. Der kleine Hans, noch ein Baby, bekommt „von dem ganzen Elend nichts mit.“ Für ihn wird Palästina die logische Heimat. „Mir hat es gut gefallen. Ich bin in den KindergarMFG 11.13

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MFG URBAN

ten gekommen, habe Hebräisch gesprochen, war integriert – meine Eltern hingegen beherrschten nur ein paar Brocken Hebräisch, fühlten sich isoliert. Sie waren Flüchtlinge.“ Auch die ständige Angst um die Verwandten, die Ungewissheit setzt den Eltern zu. Während die Familie eines Onkels von Morgenstern, die Familie Kohn, ebenfalls in Tel Aviv landet, und einem Cousin die Emigration nach London gelingt, sind die Großmütter in St. Pölten zurückgeblieben und eine Tante ist nach Prag emigriert. „Anfangs haben sie noch geschrieben – zunächst aus St. Pölten, dann aus Wien, weil die St. Pöltner Juden ja nach Wien zwangsübersiedelt wurden. Im Jahr 1942 ist der Kontakt dann aber völlig abgerissen.“ Da ist eine schlimme Befürchtung, „die sich spätestens nach dem Krieg, als sie sich nicht meldeten, als

mannsstadt den Tod. „Wie sie genau umgekommen sind, weiß man nicht – ob in der Gaskammer oder schon vorher durchs Lagerleben.“ Die Rückkehr Trotz der Vertreibung aus der alten Heimat sowie der an den Juden be-

„Da war immer ein Gefühl von Trauer in mir, auch eine gewisse Einsamkeit, dass es hier keine jüdische Gemeinde mehr gibt.“ gangenen Gräueltaten durch die eigenen Landsleute beschließen Morgensterns Eltern 1947 nach Österreich zurückzukehren. „Mein Vater war einfach Österreicher. In Palästina hat er sich nie wohl gefühlt.“ Den neunjährigen Hans, der zu diesem Zeitpunkt die dritte Klasse Volksschule

ES BLEIBT MIR EIN RÄTSEL. Über die Hälfte von Morgensterns Bibliothek ist voll mit Büchern zum Holocaust, eine Antwort auf die Frage nach dem Warum hat er aber nicht gefunden.

Gewissheit entpuppte: Sie waren alle umgekommen.“ Während die Urgroßmutter 1941 in Wien stirbt „wodurch ihr Gott sei dank die Deportierung erspart geblieben ist“, werden die eine Großmutter sowie die Tante nach Theresienstadt deportiert und schließlich in Auschwitz ermordet. Die zweite Großmutter findet in Litz18

besucht, lassen sie in dem Glauben, es gehe nach Jerusalem. „Sie hatten einfach Angst, dass ich etwas ausplaudere: Wer zu den Nazis zurückkehrte, galt in Israel als charakterlos!“ In einem von der UNICEF organisierten Flüchtlingstross geht es zunächst nach Port Said, „wo wir zwei Monate in einem Zeltlager festsa-

ßen, weil das englische Militärschiff aufgrund der Verminung des Mittelmeeres zwei Monate Verspätung hatte.“ Als es endlich eintrifft, setzen sie nach Venedig über. Von dort geht es „per Bahn in einem Viehwaggon nach Wien, wo wir am Südbahnhof von Leopold Figl empfangen wurden und es ein Paar Würstel gab – wir wurden als Flüchtlinge begrüßt, die in die Heimat zurückkehren.“ Die ersten drei Wochen verbringen die Morgensterns in Wien, wo es ein freudiges Wiedersehen mit einem überlebenden Onkel gibt. „Der Bruder meiner Mutter hat in Prag in Mischehe überlebt. Hätte der Krieg länger gedauert, hätten sie wohl auch ihn noch geholt. Meine Tante wurde immer wieder von der GESTAPO vorgeladen und unter Druck gesetzt, sie solle sich scheiden lassen. Aber sie weigerte sich und sagte ‚Ich bin keine Mörderin!‘ – eine Scheidung wäre für die Juden in Mischehe ja einem Todesurteil gleichgekommen.“ Während die meisten heimgekehrten Juden, auch jene aus den Bundesländern, sich in Wien eine neue Existenz aufbauen, zieht es Egon Morgenstern zurück nach St. Pölten. „Das war für viele unverständlich, denn dort gab es ja keine jüdische Gemeinde mehr, wir waren sozusagen allein. Aber ich glaube, mein Vater fühlte sich aufgrund seiner Behinderung in St. Pölten einfach sicherer als in der Großstadt, und er war in St. Pölten ein angesehener Anwalt gewesen und hoffte es wieder zu sein – in Wien wäre er nur einer von vielen gewesen.“ Ein Jahr später kehrt auch die Familie Kohn aus Israel nach St. Pölten zurück, „dadurch waren wir nicht mehr ganz allein“, und auch die Familie Allina siedelt sich wieder in der Heimatstadt an. Drei jüdische Familien – von ehemals etwa 80! Das erste halbe Jahr sind die Morgensterns im Hotel Böck einquartiert, „dort hatten wir zwei Zimmer, in einem davon hat mein Vater sofort wieder seine Kanzlei eröffnet – auch seine ehemalige Sekretärin hat wieder für ihn gearbeitet.“ Die Restitution der ehemaligen Gebäude gestaltet


DER LETZTE JUDE

LEBENSLÄNGLICH. Sein ganzes Leben lang hat sich Dr. Morgenstern mit der jüdischen Ge-

meinde St. Pölten beschäftigt, u. a. hat er ein Album mit ihren Mitgliedern zusammengetragen.

sich hingegen schwierig. Das Haus in der Kremsergasse gehört mittlerweile einem Deutschen und gilt somit als ehemaliges deutsches Eigentum, auf das die Sowjets Anspruch erheben. „Das hätten wir wohl frühestens nach Unterzeichnung des Staatsvertrages zurückbekommen, mein Vater verkaufte es daher an den nunmehrigen Besitzer.“ Zu einem Bruchteil des ehemaligen Wertes. Das Haus in der Schubertstraße wiederum hatte einen Bombenvolltreffer abbekommen, „wir bekamen daher nur mehr eine Entschädigung für das Grundstück.“ Eine neue Heimstatt, in der Hans Morgenstern noch heute wohnt, findet seine Familie schließlich in der Heßstraße, wo der Vater auch seine Anwaltskanzlei situiert – Egon Morgenstern vertritt zu dieser Zeit u. a. vertriebene St. Pöltner Juden bei ihren Ansuchen um Rückstellung ihres enteigneten Eigentums. Hans kommt in die dritte Klasse der Daniel Gran Volksschule „die ich aber zweimal absolvieren musste, weil ich zwar gut Deutsch reden, es aber nicht schreiben oder lesen konnte.“ Danach besucht er, nach erfolgreich bestandener Aufnahmeprüfung, das Gymnasium. Ein „normales“ Leben

nimmt allmählich seinen Lauf. Unter Mördern? Ein Leben freilich, das – bis heute – unter dem Eindruck des Holocausts steht, der zum steten Existenz- und Reflexionshintergrund für Morgenstern wird, zu einer Art vegetativem Grundgewebe des Lebens. Als der Bub älter wird und allmählich zu begreifen beginnt, fängt er an,

Fragen zu stellen, sich für die Geschichte seiner Familie, für den Holocaust zu interessieren. „Als Gymnasiast habe ich ja – freilich nicht in der Schule, da wurde das totgeschwiegen – viel aus den Zeitungen erfahren, da habe ich zum ersten Mal das ganze Ausmaß mitbekommen. Meine Eltern haben mir dann erzählt, was passiert ist, und wenn Verwandte oder Bekannte auf Besuch gekommen sind, wollte ich auch von diesen alles ganz genau wissen.“ Je mehr er aber weiß, desto größerer Widerspruch regt sich im Jugendlichen. „Irgendwann habe ich meine Eltern gefragt, warum sie eigentlich in ein Land voller Mörder zurückgekehrt sind.“ Der Vater antwortet dem Sohn damals mit beeindruckender menschlicher Größe, die auch Hans Morgenstern zeit seines Lebens auszeichnen wird. „Es waren nicht alle Mörder. Und es war ein Gewaltregime damals.“ Dennoch ruft das Wissen um das Vorgefallene, besonders in der direkten Konfrontation mit den Tätern von damals gemischte Gefühle hervor. „Es war schon manchmal unangenehm, wenn man auf der Straße ging und wusste, der ist ein Nazi gewesen, und der, und der ... aber es war kein allzu großes Problem.“ Opfer und Täter begegnen einander

SCHICKSAL. 1939 musste Hans Morgenstern nach Palästina emigrieren, wo er bis 1947 lebte. Nach der Rückkehr maturierte er am Gymnasium und wurde späterhin Hautarzt.

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MFG URBAN

in diesen ersten St. Pöltner Nachkriegsjahren nach außen hin unverbindlich. „Eigentlich waren die Nazis ganz freundlich zu uns, haben uns ins Gesicht gelächelt. Ob sie hinterrücks geschimpft haben, weiß ich natürlich nicht. Aber vielleicht lag es auch daran, dass die Nazis in St. Pölten nicht so fanatisiert waren wie anderswo. In Polen etwa wurden viele jüdische Heimkehrer ermordet – von einem Teil der Bevölkerung, die zwar keine Nazis, aber schlimme Judenhasser waren.“ Hass, der für die Familie Morgenstern – obwohl er nur allzu verständlich gewesen wäre – nie eine Kategorie darstellte, vielleicht, weil sie trotz allem an eine Art Läuterungsfähigkeit des Menschen glaubten. „Mein Vater hat zum Beispiel regelmäßig Dr. Thums getroffen, der ein überzeugter Nazi gewesen war. Thums hat späterhin begonnen, viele Bücher jüdischer Autoren zu lesen. Da war ein echtes Interesse da – ich glaube nicht, dass er das getan hätte, wenn er noch ein Nazi gewesen wäre bzw. wenn er nicht eingesehen hätte, dass er einen Fehler begangen hat – obwohl ich es natürlich nicht weiß. Aber ein echter Nazi hätte nie mit einem Juden verkehrt, und umgekehrt war es für viele Juden undenkbar, sich mit einem Nazi abzugeben.“ Zuletzt schreibt das Leben in dieser Beziehung noch ein berührendes, vielleicht versöhnliches Kapitel. Denn nach dem Tod Dr. Thums, des Nazis, schenkt seine Witwe Hans Morgenstern, dem Juden, dessen umfangreiches Theaterlexikon „in dem ich immer zwecks Recherche für mein jüdisches Lexikon nachgeschlagen hatte.“ Eine kleine Geste mit einer möglicherweise großen, unausgesprochenen Bitte – zu verzeihen. Auf seinem späteren Lebensweg wird Hans Morgenstern, der mittlerweile als Hautarzt in der ehemaligen Kanzlei seines Vaters ordiniert, immer wieder mit derart historisch aufgeladenen Begegnungen konfrontiert. „Eines Tages etwa kam eine prominente St. Pöltnerin zu mir in die Ordination, die eine fanatische 20

FIXPUNKT. Fast täglilch nimmt Hans Morgenstern seinen Kaffee im cinema paradiso zu sich und schmökert in der FAZ, der Süddeutschen Zeitung und dem Spiegel.

Nazi gewesen war, Hitler vergöttert hatte. Während ich sie untersuche, erzählt sie mir plötzlich – ohne dass ich sie danach gefragt hätte – dass sie in Wien eine Cousine gehabt hätte, die mit einem Juden verheiratet gewesen war. Aber was wollte sie mir damit sagen? Was half das? Ihre Cousine war sicher kein Nazi – aber sie war eine gewesen.“ Lebenslänglich Letztlich steht die Frage der Schuld, wenn oft auch unterschwellig und unbewusst, immer im Raum, ebenso jene, wie man damit umgeht: als Täter mit der eigenen, als Opfer mit jener der Täter. Hans Morgenstern hat diesbezüglich nie etwas von Sippenhaftung gehalten, und die Vorstellung einer Kollektivschuld lehnt er kategorisch ab. Einstellungen wie diese haben ihm – was eine besondere, fast übermenschliche Leistung darstellt sowie Beleg menschlicher Größe ist – befähigt, zu verzeihen. Gerade der Erhalt dieser möglicherweise höchsten aller menschlichen Tugenden, die sich Menschen wie Morgenstern – trotz allem – nicht von den Nazis haben rauben lassen, hat sie in all der Tragödie letztlich über diese ob-

siegen lassen. „Manche Nazis haben eingesehen, dass es ein Fehler war – das kann ich verzeihen“, bekennt Morgenstern sodenn und versucht sogar so etwas wie Verständnis aufzubringen. „Viele haben in gewisser Weise nichts dafür können, denn sie sind von Klein auf so sozialisiert worden. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass, wenn Hitler nicht die Juden ausgewählt und verfolgt hätte, auch etliche Juden Nazis geworden wären. Es zeigt einfach nur, dass der Mensch eben doch nicht so frei ist, wie wir uns das wünschen würden. Er ist, wie er sozialisiert und erzogen wird.“ Umgekehrt entbindet ihn dies aber nicht von seiner individuellen Verantwortung für sein Tun. So, wie es keine Kollektivschuld gibt, ist auch eine Kollektivamnestie nicht möglich. „Wer heute noch ein Nazi ist – das ist unverzeihlich!“ Dabei haben die Nazis und ihre Sympathisanten den Juden nicht nur unendliches Leid angetan, sie ermordet, vertrieben, gequält, ihre Existenz und ihre Würde zerstört, sondern sie haben den Überlebenden zugleich ein lebenslanges Leitthema aufgezwungen – die eigene Geschichte. Hans Morgenstern ergeht es da nicht anders. Schon früh beginnt er,


DER LETZTE JUDE

sich auf die Suche nach den Mitgliedern der ehemaligen jüdischen Gemeinde St. Pöltens zu begeben. Er stellt Kontakt zu den in alle Weltteile verstreuten St. Pöltner Juden her, ersucht sie um Fotos ihrer selbst und ihrer ermordeten Verwandten. Stück für Stück trägt er so die Gemeinde wieder zusammen, lässt ein berührendes Album entstehen, das späterhin zu einer der wichtigsten historischen Quellen für die weitere Erforschung der St. Pöltner Kultusgemeinde wird. „Irgendetwas war da in mir, das mich zu dieser Auseinandersetzung angeregt hat, ja dem ich mich gar nicht entziehen konnte – bis heute nicht.“ Wie kein anderer kämpft er gegen eine Art zweite Auslöschung der Gemeinde an, gegen ihr Vergessen. So ist es nicht zuletzt Morgensterns nimmermüdem Engagement zu danken, dass die Synagoge 1980 restauriert wird, und auch die Errichtung einer Gedenktafel für die St. Pöltner Holocaust-Opfer geht auf seine Initiative zurück. Irgendwie scheint es, als wollte sich Morgenstern, der Entwurzelte, seiner Wurzeln versichern, als versuchte er, die ausgelöschte Gemeinde wieder greif- und sichtbar zu machen, sie für sich in gewisser Weise wiederherzustellen, damit aber auch ein Stück seiner eigenen Identität. Es ist seine Art, mit dem Unbeschreiblichen umzugehen, seine ganz persönliche Form von Trauerarbeit. „Eine Rolle spielte sicher, dass ich aufgrund des Holocausts meine Großeltern nie kennenlernen konnte – da war immer ein Gefühl von Trauer in mir, auch eine gewisse Einsamkeit, dass es hier keine jüdische Gemeinde mehr gibt.“ Dieser „Wiederherstellungsversuch“ endet freilich nicht auf lokaler Ebene, sondern Morgenstern spürt dem Jüdischen, den Juden weltweit nach. „Bereits im Alter von 18 Jahren habe ich damit begonnen, Biografien berühmter jüdischer Persönlichkeiten zu sammeln.“ Im Laufe der Jahre trägt er so über 6.000 Lebensgeschichten zusammen, die schließlich 2011 als „Jüdisches Biographisches Lexikon“ im Lit Verlag erscheinen.

Da ist vor allem eine Frage, ein Widerspruch, der ihn zeit seines Lebens nicht loslässt: Warum? Wie konnte so etwas wie der Holocaust passieren? „Ich habe das nie verstanden – die Juden haben einen so bedeutenden Beitrag für die Gesellschaft geleistet, aber trotzdem wurden sie ausgerot-

„Manche haben eingesehen, dass es ein Fehler war – das kann ich verzeihen. Wer aber heute noch ein Nazi ist – das ist unverzeihlich!“ tet. Warum? Waren sie wirklich so niederträchtig, so minderwertig? Und natürlich wusste ich, dass sie es nicht waren – aber dieses Abarbeiten war so, als wollte ich mich dessen versichern, als wollte ich den Gegenbeweis antreten, als gelte es irgendeinen Komplex zu kompensieren.“ Als ich Hans Morgenstern zuletzt frage, ob er in seiner lebenslangen Auseinandersetzung eine Antwort auf seine Frage gefunden hat, schüttelt er fast unmerklich den Kopf. „Nein, eigentlich nicht, obwohl mindestens die Hälfte meiner Bibliothek mit Büchern zu dem Thema voll ist. Natürlich kann man den Holocaust wissenschaftlich analysieren, kann

ihn historisch, soziologisch herleiten, aber da bleibt doch immer ein letzter Rest offen ... es bleibt mir ein Rätsel!“ Das klingt wie ein Schlusssatz, mehr ist nicht hinzuzufügen. Hans Morgenstern nimmt einen Schluck von seinem Kaffee und lächelt sanft. Wir schweigen einige Sekunden gemeinsam in uns hinein, als eine Frau vom Nebentisch an uns herantritt. Sie ist sichtlich bewegt, ihre Worte purzeln rasch und ohne Pause aus ihr heraus. „Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass ich heimlich mitlauschen durfte.“ Mag sein, dass Hans Morgenstern dereinst der letzte Jude der ehemaligen Kultusgemeinde sein wird, der am jüdischen Friedhof St. Pölten bestattet wird. Aber seine Geschichte, die Geschichte seiner Gemeinde, die zugleich unsere eigene Geschichte ist, wird weitererzählt werden. Und ihm braucht auch nicht bange zu sein, dass sich niemand findet, der auf seinem Grabstein dann das noch fehlende Sterbejahr anbringen lässt. Es wird vielen eine Ehre sein, dieser großen Persönlichkeit unserer Gemeinde diesen letzten Dienst zu erweisen.

„VIELLEICHT WILL ES GOTT SO.“ Hans Morgenstern könnte der letzte Jude der ehemaligen jüdischen Gemeinde werden, der am jüdischen Friedhof St. Pölten bestattet wird.

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DAS DUNKLE UND DAS KALTE

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uf der Orientierungstafel am Haupteingang des St. Pöltner Hauptfriedhofes in der Goldegger Straße ist der Israelitische Friedhof nur als weißer Fleck inmitten des weitläufigen Areals des mit über 12.000 Gräbern größten Gottesackers Niederösterreichs eingezeichnet. Dort findet man keinen polierten Granit, keine liebevoll gehegten Rabatte, dort regieren die Moose und die Flechten, der Efeu und das Gebüsch, die Gräser und die Stauden, und Stein um Stein wird langsam, unendlich langsam wieder zu Sand. Auf einem der Grabsteine kann man lesen: „Hier ruht unser unvergesslicher guter Gatte und Vater MORITZ REISS geb. am 13. Februar 1868 gest. am 19. April 1915 tief betrauert von seiner Gattin und seinen Kindern“ Seiner Ehefrau aber war es nicht mehr vergönnt, neben ihrem Mann in Ewigkeit ruhen zu können, gleich darunter findet man die Inschrift: „Zum Gedenken an Gattin EMMA gest. 1945 im 64. Lebensj. in Shanghai, China.“ Was, denke ich, gibt es für einen St. Pöltner, für eine St. Pöltnerin Schlimmeres, als in Shanghai sterben zu 22

müssen? – Aber es gab Schlimmeres, weit Schlimmeres. Auf dem übernächsten Grabstein finden sich die Worte: „Unsere Mutter KLARA KÖRNER Unsere Schwester GUSTI KÖRNER Umgekommen in Theresienstadt“ Und wieder ein paar Schritte weiter, am Sockel eines weiteren alten Steines schließlich die Inschrift: „Zum Gedenken an Therese Spitz geb. Blum Familien Herlinger und Zweig aus Wilhelmsburg Alle 1941/42 deportiert“ Die Kälte beißt in meine Knochen, und es ist nicht nur der trockene Wind, der die Haut meines Gesichtes spannt. Mit meinen Halbschuhen versinke ich in dicken Schichten alten Grases, in Laub vom letzten Herbst und Laub vom Vorvorjahr, während ich lesend von Grabstein zu Grabstein gehe. Einige haben das Friedhofsgebüsch, der Efeu und der Wacholder schon so umschlungen, dass kaum oder nichts mehr auf ihnen zu entziffern ist. Denn die Wiener Israelitische Kultusgemeinde hat 26 Friedhöfe in Niederösterreich zu erhalten, die Gemeinde ist überaltert, trägt

schwer unter den finanziellen Lasten der Versorgung ihrer Mitglieder im Alter und kann sich kommerzielle Gärtnerdienste für all diese Totenäcker, auf denen die letzten Toten in den Dreißiger Jahren beerdigt worden sind, nicht leisten. Auch ein Reserveareal hatte der Chewara Kadischa irgendwann vor 1938 erworben, noch einmal 3.000 Quadratmeter zusätzlich zur 1895 angelegten Gräberfläche. Durch eine Hecke ist es nun vom eigentlichen Gräberfeld getrennt und dicht mit hohen, alten Grasbüscheln bewachsen. Hier wird nie wieder jemand begraben werden, die jüdische Gemeinde von St. Pölten ist ausgelöscht durch Mörderhand. Gegen die Landstraße nach Karlstetten zu ist der Totenacker eingefriedet von einer massiven, übermannshohen Betonwand, aus der Kalk sintert. Wild aufgegangene Busch- und Baumgruppen saugen das Mineral gierig auf. Längs des Betonzaunes zog sich vor vielen Jahren ein circa zwanzig Meter langer und drei Meter breiter Graben, der mit den Leichen von ermordeten Juden und Erde aufgefüllt wurde. Darüber ein längst zersprungener Deckel aus Magerbeton. Ein schlichter Betonquader mit einer Gedenktafel aus schwarzem Granit reckt seine Inschrift in die kalte, trockene Luft: „Hier ruhen die sterblichen Überreste von 223 israelitischen Märtyrern des Jahres 1945“. Praktisch kaum ein St. Pöltner kennt diese Grabanlage im abgeschiedensten Teil eines quasi exterritorialen Friedhofes, es ist vielleicht das unbekannteste Massengrab der Republik. Die Vernichtung, denke ich, war nicht nur physisch total, die Opfer sind auch noch namenlos und weitgehend vergessen. Gegen dieses Vergessen habe ich ein Buch („223. Oder das Faustpfand“) geschrieben, das im Vorjahr bei Residenz erschienen ist. Nicht am jüdischen Friedhof zu St. Pölten liegt Elfriede Frischmann aus der St. Pöltner Franziskanergasse


TEXT: MANFRED WIENINGER | Fotos: Hermann Rauschmayr, JOSEF VORLAUFER

begraben. Das Einzige, was von ihr noch existiert, ist ein Bildchen. Es zeigt ein vielleicht vier, fünfjähriges, etwas pummeliges Mädchen in einem über und über geblümten, ärmellosen Kleidchen mit einer für den Termin beim Fotografen von der Mama sorgfältig gelegten Frisur. Wasserhelle Augen in einem traurig-ungewissen Gesichtchen. Am 26. Jänner 1942 wurde die damals Achtjährige nach Riga deportiert und dort bald nach ihrer Ankunft ermordet. Irgendwo in der nördlichen Vorstadt von St. Pölten. Ich trinke in der Küche meiner Schwiegereltern Kaffee. Ein großes Fenster in meinem Rücken wirft das Nachmittagslicht auf die honigfarbenen Furniere der Küchenkästchen. Links von mir hängt auf einem gebeizten Holzgestell eine Zwiebeldekor-Gewürzgarnitur aus Porzellan an der Wand. Rechts von mir ist ein Bild des Heiligen Florian mit seinen Attributen über der Tür in ein anderes Zimmer aufgehängt. In dieser nicht allzu großen Küche, die damals ein gewöhnliches Zimmer war, lebte 1939/1940 ein gewisser Heinrich Gelb. Der Zins, den er dem Vater meines Schwiegervaters für die Ein-Zimmer-Wohnung zu bezahlen hatte, betrug 20,67 Reichsmark im Monat. Das Zimmer verfügte über kein fließendes Wasser. Das Klo befand sich einige Zimmer weiter im Hof, die Waschküche quer über den Hof in einem Nebengebäude. Heinrich Gelb wurde am 1. Juli 1879 geboren. Von Beruf war er den spärlichen Quellen nach Kaufmann, nach dem sogenannten Anschluss, allerdings ein ruinierter Kaufmann, da man ihn durch Berufsverbot und zwangsweise Geschäftsarisierung seiner Existenzgrundlage beraubt hatte. Von der Israelitischen Kultusgemeinde St. Pölten erhielt er eine finanzielle Beihilfe in der Höhe von 13,33 Reichsmark im Monat. Davon hatte er auch noch seine fast blinde Frau Cäcilia und einen ebenfalls mittellosen Sohn, die beide in Wien lebten, zu unterstützen. Der Vater meines Schwiegervaters, ein

Zimmermann, der im Grätzel als besonders sozialer Vermieter bekannt war, dürfte einen Teil des Zinses für das St. Pöltner Zimmer gestundet beziehungsweise erlassen haben, sonst wäre Heinrich Gelb wohl überhaupt nicht über die Runden gekommen. Vermutlich 1940 wurde der Mieter von Amts wegen angewiesen, seinen Wohnsitz von St. Pölten in ein sogenanntes „Judenhaus“ in Wien, vermutlich in der Leopoldstadt, zu verlegen. Am 26. Februar 1941 wurde Heinrich Gelb gemeinsam mit 1.048 Wiener Juden vom Wiener Aspangbahnhof aus nach Opole Lubelskie, eine Kleinstadt in der Nähe von Lublin, deportiert. 1940 war in der dortigen Altstadt - in jüdischen Privathäusern, einer Synagoge und diversen Baracken - ein bald völlig überfülltes Ghetto eingerichtet worden. Am 15. Februar 1941 war der erste Zug mit 996 deportierten Wiener Juden in Opole Lubelskie angekommen. In dem nur äußerst mangelhaft mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgten Ghetto, in dem mehr als 8.000 Menschen auf allerengstem Raum zusammengepfercht waren, brachen Seuchen aus, denen rund 1.500 Ghettoinsassen zum Opfer gefallen sein dürften. Zwischen März und Oktober 1942

wurde das Ghetto Opole Lubelskie von den deutschen Machthabern liquidiert. Die Insassen wurden zum kleineren Teil im Ghetto erschossen, zum größeren Teil in das Vernichtungslager Sobibór und in das nahe gelegene Arbeitslager Poniatowa deportiert und dort sofort ermordet oder nach und nach zu Tode gequält. Von den 2.045 nach Opole Lubelskie deportierten Wiener Juden haben nur 28 Menschen den Holocaust überlebt. Heinrich Gelb dürfte keiner dieser Glücklichen gewesen sein, obwohl sein Sterbedatum und Sterbeort unbekannt sind. Seiner Frau Cäcilia blieb die Deportation erspart. Sie starb am 9. Juni 1939 in Wien. Das Schicksal seines Sohnes ist unbekannt. Solange ich an all das denke, ist für mich das oft propagierte Ende der Geschichte nicht angebrochen. Noch ist mein Sohn viel zu klein, um Bohnenkaffee zu trinken. Aber ich werde ihm von der Gerechtigkeit erzählen und von der Ungerechtigkeit. Eines Tages werde ich ihm in der Küche seiner Großeltern auch von Heinrich Gelb erzählen, werde mit ihm über das Wenige, allzu Wenige, das ich von Heinrich Gelb weiß, sprechen. Damit die Geschichte und das Gedenken kein Ende haben.

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ls die Juden St. Pölten (unfreiwillig) verließen, haben sie uns etwas dagelassen. Etwa den alten jüdischen Friedhof am Pernerstorferplatz, an den sich aber kaum jemand erinnert. 1859 wurde er eröffnet, 1906 wieder geschlossen, weil damals am (heutigen) Hauptfriedhof eine jüdische Abteilung eröffnet wurde. 1938 wurde der alte Friedhof dann von der städtischen Bestattung arisiert, sämtliche Grabsteine sind verschwunden, gut möglich, dass sie verkauft, abgeschliffen und neuerlich verwendet wurden. In Folge geriet die Wiese in Vergessenheit. Bis vor einigen Jahren, als der St. Pöltner Wissenschaftler Christoph Lind den alten Friedhof zu erforschen begann. Mit der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik wurden Geo­radar- und Magnetfeldmessungen durchgeführt. Heute weiß man, wo unter der Erde die Gräber liegen, wo die Gehwege angelegt waren. Diese unterirdische „Oberfläche“ soll in Form eines Kunstprojektes wieder sichtbar gemacht werden. Auch die Namen der dort bestatteten St. Pöltner sind bekannt, man könnte sie etwa am Standort der alten Zeremonienhalle wieder sichtbar machen. Die vergessene Wiese gehört heute der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG). Jüdische Friedhöfe sind, anders als christliche, nicht auflösbar. Der Grabstein, das Grab gehört den Toten – auf ewig. Nun verschwand von einem Augenblick auf den nächsten fast die gesamte jüdische Kultur in Folge der Massenvernichtung durch die Nazis. Die heutige IKG trat die Rechtsnachfolge der früheren jüdischen Gemeinden an, alleine im größten österreichischen Bundesland Niederösterreich sind so 30 Friedhöfe in das Eigentum und damit in die Verantwortung der IKG übergegangen. Kein Wunder, dass die Kultusgemeinde damit überfordert ist. Keine Lösung. Doch eigentlich gäbe es seit Jahren einen Lösungsansatz. Im „Fonds zur Instandsetzung der jüdischen Friedhöfe in Österreich“ stehen seit 2011 24

Tot ist nur, wer vergessen wird Wer sich seiner Realität stellen will, der wird dabei nicht um die Vergangenheit herumkommen. Wie wir in St. Pölten mit unseren jüdischen Erben umgehen, sagt viel darüber aus, wer wir sind. Zum Thema „Erinnerungskultur“. Budgetmittel bereit. Die IKG kann diese jedoch nur abrufen, wenn mit der Standortgemeinde für zumindest 20 Jahre eine Instandhaltungsvereinbarung geschlossen wurde. Es fließt also erst dann Geld in die Sanierung der Friedhöfe, wenn diese auch auf absehbare Zeit gepflegt und erhalten werden. Im Oktober einigte sich die IKG nun mit der Stadt Wien über die Instandhaltung der Jüdischen Friedhöfe in Wien. In St. Pölten steht diese noch aus, der jüdische Friedhof im hinteren Eck des städtischen Hauptfriedhofes verfällt langsam vor sich hin. Grabsteine drohen umzufallen, die Zeremonienhalle ist baufällig, die Friedhofsverwaltung nimmt die nötigsten Grasmäharbeiten unentgeltlich vor. Lösung ist das freilich keine. Bürgermeister Matthias Stadler verweist darauf, dass es „keinen Vertragsentwurf“ der IKG für die beiden Friedhöfe gebe. Aus der IKG

hört man, dass es zwar mehrere Gespräche gegeben habe, aber dass es nun seit rund einem Jahr still geworden sei. Einen Vertragsentwurf hat dagegen der österreichische Städtebund im April 2012 bereits an alle Mitgliedsgemeinden ausgeschickt. Bei entsprechendem Engagement scheint eine Einigung also rasch möglich, zumal auch die juristischen Fragen der Haftung in dem Vertragsentwurf bereits ausverhandelt scheinen. Woran es nun in St. Pölten genau spießt, ist unklar. Vielleicht liegt der Schlüssel ja auch in einer größeren Lösung? Klar scheint, dass die IKG nicht jeder Gemeinde um eine Lösung nachlaufen kann. In St. Pölten bietet sich ein Doppelpack an: Einerseits eine Lösung für den bestehenden, derzeit vor sich hin verfallenden jüdischen Teil des Hauptfriedhofes, andererseits das engagierte Gedenkprojekt am Pernerstorferplatz.


TEXT: Michael Müllner | Fotos: Hermann Rauschmayr

Apropos Gedenken. In St. Pölten gibt es nur ein einziges Denkmal für die jüdische Bevölkerung, jenes bei der Synagoge. Das scheint etwas abseits, weshalb Christoph Lind ein entsprechendes Denkmal an einem zentralen Ort der Stadt anregt: „Da würde St. Pölten kein Zacken aus der Krone fallen.“ Auch im Regierungsviertel würde sich Lind ein eigenes Denkmal für die ermordeten Juden Niederösterreichs wünschen, „immerhin lebten hier circa 8.000 Juden in 15 Gemeinden. Auch dem Land würde somit kein Zacken aus der Krone fallen. Das Groteske: Das einzige Denkmal, eine Stele mit den Namen der Opfer, steht in Jerusalem. Das ist doch ein bisserl weit weg…“ Wenn man schon bei Gedenktafeln ist, so drängt sich auch die Erinnerung an das Massaker in HofamtPriel auf. 223 erschossene jüdische Zwangsarbeiter wurden in einem Massengrab am heutigen jüdischen Friedhof beerdigt. Mittlerweile sind ihre Namen großteils erforscht, auf der Gedenktafel am Massengrab sind diese jedoch noch nicht angeführt. Als Beitrag zu einem würdigen Gedenken wäre dies aber ein wichtiger Beitrag. Bürgermeister Stadler verweist in dieser Frage, da es sich nicht um ein spezifisch städtisches Thema handelt, auf die Abteilung „Kunst im öffentlichen Raum“ des Landes NÖ. Etwas präsenter wäre das Projekt „Stolpersteine“ (www.stolpersteine. eu). Dabei wird ein kleiner GedenkPflasterstein in den Boden eingelassen, und zwar an jener Stelle, an der ein Opfer des Nationalsozialismus gelebt hat. Man könnte also einen derartigen Stolperstein am Eingang zum Wohnhaus eines NS-Opfers platzieren und so dem Menschen gedenken, der hier lebte, bis er verfolgt und vertrieben wurde. Die Grüne Gemeinderätin Nicole Buschenreiter hat das Projekt, das in vielen anderen Städten Europas bereits erfolgreich umgesetzt wurde, nun für St. Pölten

angeregt und ist optimistisch: „Bürgermeister Stadler steht der Idee ausgesprochen positiv gegenüber, derzeit prüfen wir die Umsetzung und würden gerne mit dem Stolperstein für die Großmutter von Hans Morgenstern beginnen. Dafür hätten wir auch schon eine Genehmigung.“ Auf Anregung von Gunter Demnig, dem Initiator des Projekts, würde aber derzeit noch eine generelle Erlaubnis geprüft, um auch weitere Steine rasch umsetzen zu können. Bürgermeister Stadler bestätigt, dass die Umsetzung des Projektes derzeit geprüft wird und sieht darin „eine Möglichkeit von vielen, Verfolgungsopfern in eindringlicher Form zu

IKG und Gemeinde Wien zur Instandhaltung der jüdischen Friedhöfe berichtet wurde, kamen auch „kritische“ Stimmen zu tage, wieso denn „wir alle“ für die Erhaltung der jüdischen Friedhöfe zahlen müsste. Das sollen doch die Hinterbliebenen machen. Angesichts der Hintergründe des Holocausts natürlich eine Diskussion, die sich von selbst erübrigt. Dass aber die „Unauflöslichkeit“ eines jüdischen Friedhofs an sich eine Frage ist, die eine Kommune beantworten muss, zeigt der Blick über den Tellerrand. Auch ohne Massenvernichtung und Holocaust gibt es auch in anderen Ländern jüdische Gemeinden, die sich stark verkleinert haben.

gedenken, so wie wir es – stets in Zusammenarbeit mit dem Institut für jüdische Geschichte Österreichs – etwa in Form von Sonderführungen zum jüdischen St. Pölten oder auch in der derzeitige Ausstellung ‚Gott und Kaiser – 100 Jahre ehemalige Synagoge St. Pölten‘ tun.“ Dass es aber auch beim Gedenken nicht immer einstimmig zugeht, zeigt ein Blick in Online-Diskussionsforen oder auf den Wirtshausstammtisch. Als vor wenigen Wochen über die endlich erzielte Einigung zwischen

Es gibt auch anderswo Friedhöfe mit Gräbern, die – nach zwei, drei oder mehr Generationen – eben keinen greifbaren Nachkommen mehr zugeordnet werden können. In solchen Fällen gibt es eine pragmatische Lösung: Man betrachtet es als kommunale Aufgabe, dass diese Friedhöfe als Teil der gemeinsamen Geschichte und Kultur begriffen – und demnach auch gepflegt werden. Vielleicht schafft das St. Pöltner Rathaus ja in einem politischen Schulterschluss aller Fraktionen eine mutige Ansage und nimmt eine Vorreiterrolle in Sachen Erinnerungskultur ein? Ideen dafür gäbe es ja genug.

„Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, ist nicht tot, er ist nur fern. Tot ist nur, wer vergessen wird.“ | Immanuel Kant

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TEXT: Michael Müllner | Foto: Appearance/FOTOLIA.COM

ser für St. Pölten nachteilig errechnet wurde. Mit dem jüngsten Gerichtsbeschluss ist freilich noch nichts entschieden. „Das Land NÖ erhält nun die Möglichkeit zu den Bedenken des Gerichtshofs im Vorverfahren der Gesetzesprüfung Stellung zu nehmen“, so Christian Neuwirth, Sprecher des Verfassungsgerichtshofes. Die Durchschnittsdauer dafür beträgt neun Monate, erst danach kann mit einem weiteren Verhandlungstermin und einer Entscheidung gerechnet werden. Für Bürgermeister Matthias Stadler geht es aktuell um knapp 58 Millionen Euro, die man sich bei einer erfolgreichen Klage vom Land zurückholen will: „Geld, das den St. Pöltner Bürgerinnen und Bürgern zusteht und das wir etwa zur Sanierung der Pflichtschulen gut gebrauchen könnten!“

Geld-Zurück-Garantie? Entscheidet der Verfassungsgerichtshof im Sinne von St. Pölten und erhält die Stadt schon bald 58 Millionen aus zu viel bezahlter Spitalsfinanzierung zurück? Ein erster Schritt ist gelungen.

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orum geht’s? Im Jahr 2004 übertrug die Stadt St. Pölten das städtische Krankenhaus an das Land NÖ. Der finanzielle Aufwand war für die Stadt nicht mehr tragbar, man konnte sich das Spital schlichtweg nicht mehr leisten. Im Rahmen der Verhandlungen setzte das Land einen jährlichen „Standortbeitrag“ von rund sieben Millionen Euro fest, die Stadt wollte damals nur zwei Millionen zahlen. Eine politische Lösung kam über Jahre hindurch nicht zustande, gestützt auf ein Gutachten des bekannten Verfassungsjuristen Heinz Mayer brachte die Stadt nun Klage ein, um die „sachlich gerechtfertigte“ Höhe klären zu lassen. Das Land NÖ argumentiert die Höhe des Standortbeitrages mit einer Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) aus dem Jahr 2005. Demnach erziele die Standortgemeinde 26

Standortvorteile, weil das Land im Gemeindegebiet ein Spital erhält, etwa durch Menschen, die deswegen ihren Hauptwohnsitz nach St. Pölten verlegen. Dementsprechend tiefer müsse St. Pölten in die Tasche greifen. Am 3. Oktober 2013 beschloss nun der Verfassungsgerichtshof, dass die Klage der Stadt St. Pölten zulässig sei und dass man das entsprechende Landesgesetz auf seine Verfassungsmäßigkeit hin prüfen werde. Der Gerichtshof sieht Bedenken. Sinngemäß soll geprüft werden, ob die Argumentation von Land (und IHS-Studie) nicht einseitig sei, dass also nur die Vorteile des Spitals auf die Gemeinde bewertet werden, nicht aber etwaige Nachteile, beispielsweise durch einen erhöhten Aufwand für das Gemeindebudget. Die Art und Weise, wie also der Standortbeitrag berechnet wurde, wird überprüft. Es steht im Raum, dass die-

Dauerbrenner „KRAZAF“-Lücke Auch an einer anderen Front kann sich Stadler, zumindest theoretisch, einen Geldsegen für das Stadtbudget erhoffen. Seit 1995 verlangen 17 niederösterreichische Gemeinden Geld zurück – und zwar vom „KRAZAF“, dem Fonds zur Krankenanstaltenfinanzierung. Im Rahmen einer Systemumstellung seien Millionen auf irgendwelchen Konten verschwunden, Geld das den Kommunen zustehe und für dessen Rückzahlung sich rechtlich niemand zuständig fühle. Soweit die Position der Gemeinden, die auch vom österreichischen Städtebund geteilt wird, wie Silvia Stefan-Gromen bestätigt: „Unsere Juristen arbeiten seit Jahren an dem Thema, es gibt mittlerweile Berge von Akten.“ Bürgermeister Stadler ist zuversichtlich: „Der Bund hat beim Finanzausgleich 2008 anerkannt, dass die Lücke offen ist. Auch ein Städtebund-Gutachten von Professor Theodor Öhlinger stützt unsere Position, weshalb wir erst im Oktober wieder an das Gesundheitsministerium geschrieben haben.“ Immerhin geht es, zuzüglich Zinsen, um 50 Millionen Euro. Geld, mit dem man einen beachtlichen Teil der städtischen Verbindlichkeiten abdecken könnte – oder etwa 60 Kindergartengruppen finanzieren.


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100 Jahre ehemalige Synagoge St. Pölten

100 Jahre ehemalige Synagoge St. Pölten

14. Nov. 2013 – 27.Einladung April 2014

Mittwoch bis Sonntag jeweils von 10 bis 17 Uhr.

Der St. Georgener Martin Thür, 31, hat das Gymnasium Josefstraße besucht und arbeitet anschließend als Lokaljournalist. Seit elf Jahren ist er Innenpolitik-Redakteur bei ATV und bloggt auf martinthuer.at.  @MartinThuer

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Institut für jüdische Geschichte Österreichs

Fast exakt ein Monat nach der Landtagswahl einigt man sich auf ein Arbeitsübereinkommen, „auf Wunsch“ der SPÖ Niederösterreich wird der Proporz nicht abgeschafft, man darf ein bisschen mitregieren, ist nicht in die Vorhölle Opposition verdammt. Oppositionspolitik ist mühsam, man kann kein Geld und keine Posten verteilen und nörgelt am beliebten Regierungschef herum. Aber sie ist der einzige Weg, bestehende Strukturen zu verändern. Es scheint, als hätten sich SPÖ Niederösterreich und ÖVP St. Pölten mit ihrem Platz in der zweiten Reihe abgefunden, als sei er eine Art Naturgesetz. Die Menschheit hat selbst die Gravitation besiegt und Flugzeuge gebaut, nur den Glauben an eine Opposition in Stadt und Land, die diesen Namen auch verdient, haben die Beteiligten längst aufgegeben.

Fotos: istockphoto.com

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Oppositionslos

Naturgesetze haben es an sich, unveränderlich zu sein. Gelernte St. Pöltner kennen nichts anderes als einen roten Bürgermeister und einen schwarzen Landeshauptmann. Absolute Herrscher, die Widerspruch maximal als Ehrenbeleidigung wahrnehmen. Die jeweils andere Seite war lange Zeit eine bedeutungslose ÖVP in St. Pölten und eine chronisch erfolglose SPÖ Niederösterreich. Gemeinsam schienen sich Volkspartei und Sozialdemokraten damit arrangiert zu haben, dem jeweils anderen nicht zu weh zu tun. Man sollte meinen, eine funktionierende Regierung ist nur so gut wie die Opposition, die sie fordert, aber in der Gegend rund um die Traisen ist Opposition ein Schimpfwort. Nicht mit dabei zu sein, nicht mitspielen zu dürfen wird als größtmögliche politische Strafe gesehen, nicht als Chance. Es ist ein seltsamer Kulturbruch, dass nun schon seit März der absolut regierende Bürgermeister von St. Pölten dem absolut regierenden Landeshauptmann als Landesparteichef auf die Finger schaut. Nach einem halben Jahr lässt sich sagen: Konfrontativ wird es nicht werden.

© Marketing St. Pölten GmbH / insBesondere Innenstadt St. Pölten – eine Initiative der Plattform St. Pölten 2020 und der Stadt St. Pölten.

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JETZT NICHT DIE

Nerven verlieren Im Streit zwischen der Stadt St. Pölten und der Raiffeisen Landesbank Wien-NÖ gab es zwar keine Einigung, aber einen weiteren Verhandlungstag. Über sinngemäßes Ätsch-Sagen und Alternativen zur Kristallkugel.

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m 5. November wurde wieder verhandelt. Am Handelsgericht Wien ging es im Rechtsstreit zwischen St. Pölten und der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien (RLB) wieder um den strittigen SWAP, ein im Jahr 2007 abgeschlossenes Derivativgeschäft, eine Zinswette auf den Schweizer Franken – die sich extrem zum Nachteil der Stadt entwickelt hat. Jährlich zahlt man rund 4 Millionen Euro Zinsen – das geht noch rund 20 Jahre so weiter, immer abhängig vom Kurs des Schweizer Franken. Nun stand mit Reinhard Karl der RLB-Vertriebsvorstand im Zeugenstand: Gleich nach seinem Eintritt in das Unternehmen habe er von Vor28

standsdirektor Erwin Hameseder den Auftrag bekommen die Causa zu prüfen, da sich der St. Pöltner Bürgermeister beschwert hatte. „Mir ist rasch klar geworden, dass bei uns alles korrekt abgelaufen ist und dass wir überhaupt keinen Grund haben, der Stadt irgendetwas anzubieten“, so Karl. Bei allen Gesprächen sei gesagt worden, dass die Bank keine Vergleichsgespräche führe und dass eine finanzielle Beteiligung ausgeschlossen sei. „Also haben Sie der Stadt sinngemäß ‚Ätsch‘ gesagt?“, will Richter Martin Ogris wissen. Ja, so könne man das sagen. Der Verteidiger der Bank legt nach, immerhin hätte man schon kurz nach dem Abschluss des Geschäftes, als die

Finanzkrise losbrach und der Schweizer Franken stärker wurde, dem Kunden angeboten aus dem Geschäft auszusteigen: „Hätte die Stadt damals auf uns gehört, als erstmals das Risikolimit überschritten wurde, dann säßen wir heute nicht hier.“ Doch damals hätte der Herr Bürgermeister 16 Millionen Euro Verlust verantworten müssen, wie die Bankverteidiger einräumen und „die hätte man finanziell zwar schon aufgebracht, aber politisch wäre das wohl zum Problem geworden“. Bis heute regt es Herrn Karl übrigens „fürchterlich auf, dass Stadler behauptet, wir hätten Bereitschaft signalisiert uns am Minus zu beteiligen. Im Gegenteil!“


TEXT: Michael Müllner | Foto: Scott GriesseL/ FOTOLIA.COM (Montage: MFG)

Verjährt? Ja, nein, vielleicht. Doch bis dahin ist noch Zeit und so erzählt uns Herr Karl in seiner fünfstündigen Befragung auch, dass die Bank lange Zeit keinen Verjährungsverzicht abgeben wollte: „Dafür bestand überhaupt kein Anlass, das wäre ein Zeichen der Schwäche gewesen.“ Dennoch kam ein Verjährungsverzicht zustande. Angeblich, weil man aus dem Rathaus vernommen hätte, dass der Bürgermeister

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auf eine Beruhigung der Finanzkrise, und damit verbunden, eine Verbesserung des Ausstiegskurses in Zukunft gehofft habe. Und so nebenbei wäre noch die Gemeinderatswahl 2011 abzuwarten gewesen. „Wir haben dann doch einem Verjährungsverzicht zugestimmt, weil wir als Bank nicht in den Gemeinderatswahlkampf reingezogen werden wollten“, erklärt uns Karl den 180°-Kurswechsel relativ knapp. Aha. Jedenfalls sei der Verjährungsverzicht an die Verpflichtung gebunden gewesen, dass St. Pölten brav und pünktlich seiner Zahlungsverpflichtung aus dem Geschäft nachkomme. Weil St. Pölten aus Sicht der Bank eine Zahlung mit ein paar Tagen Verspätung geleistet hat, wurde dieser Verjährungsverzicht von der Bank wieder aufgekündigt. Relevant sind diese juristischen Spielereien zur Beurteilung der rechtlichen Frage, ob die Klage der Stadt überhaupt zulässig ist. Erkennt man nämlich, dass man etwas gekauft hat, was man so nicht wollte, dann gibt es eine Frist, in der man dieses Geschäft einklagen muss. Im Raum steht, dass St. Pölten diese Frist verstreichen hat lassen – womöglich gar, um keinen politischen Wirbel vor der Gemeinderatswahl zu machen. Doch zurück zur Bank, die so gar keine Gespräche über eine Beteiligung am Schaden führen wollte. Bürgermeister Stadler bekräftigt nach der Verhandlung gegenüber MFG, dass sich die Wahrheit ganz anders darstelle. „Der Stadt wurde nicht empfohlen aus dem Geschäft auszusteigen, sondern ganz im Gegenteil geraten, die Finanzkrise abzuwarten. Es wurde beschwichtigt und gesagt ‚man werde die Stadt nicht hängen lassen‘ und man solle ‚nicht die Nerven verlieren‘.“ Auch habe der Bürgermeister nicht die Causa bis nach der Wahl im Jahr 2011 „verstecken“ wollen, sonst hätte er ja von der RLB angebotene Stundungen der Zinszahlungen bis nach der Wahl angenommen. Vielmehr habe er laufend

„Haben Sie der Stadt sinngemäß ‚Ätsch‘ gesagt?“ | Richter MARTIN Ogris zu Bankvorstand REINHARD KARL

Veto-Vermutung

Beate Steiner Die Post bringt allen was – besonders gern, wenn diese das gar nicht wollen. Sie stopft zum Beispiel mit bunter Info das Briefkastl voll – neuerdings getarnt durch ein werbebedrucktes umhüllendes Kuvert. Trotz deutlicher „Keine-Werbung“-Aufschrift am HausPostkasten. Ich wollte mich dafür erkenntlich zeigen, bot den Werbefachmenschen unseres staatlich kontrollierten Briefzustellservices die Rücklieferung in das nächstgelegene Postamt an (das ist näher als die nächste Altpapier-Sammelstelle). Keine Reaktion, auch nicht auf meinen gutgemeinten Hinweis, dass ich die Produkte aller Firmen boykottiere, die sich in mein Postkastl schleichen. Immerhin hab ich keine Zeit mehr zum entspannten Konsum, wenn ich all den Papiermüll bis in den dritten Stock schleppen, dort stapeln und dann wieder entsorgen muss. Allerdings versicherte mir das postalische Kundenservice per Mail, dass mein Briefträger angehalten werde, meinen „Werbeverzicht“ zu berücksichtigen – wenn er überhaupt der „Täter“ gewesen sein sollte. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass irgendein Flyer-Verteiler das Postkuvert mit Inhalt stibitzt und bei mir hinterlegt, aber: Doppelt hält besser, und so wollte ich meinen Briefkasten mit einem zweiten, höchstpersönlichen Werbeverzichts-Pickerl schützen. Leichter gedacht als getan. Denn solch einen Aufkleber gibt es nicht in der Postniederlassung vor Ort, sondern nur nach schriftlichem Ansuchen an die Zentrale, inklusive frankiertem Rückkuvert. Ja, geht’s noch? Ich muss meine Zeit und meine Nerven investieren, damit ich etwas NICHT bekomme, das ich gar NICHT will? Ich plädiere dafür, dass die Veto-Vermutung gilt: Keiner will. Wer schon, soll dies mit einem Aufkleber kundtun.

MFG 11.13

Foto: sulupress/Fotolia.com

Nun ist es für einen Richter wohl nicht ungewöhnlich, dass bei einem Zivilprozess zwei Streitparteien auf Biegen und Brechen und zur Not beim Leben der Großmütter Dinge beschwören, die sich so wohl nicht zugetragen haben können. An anderer Stelle formulierte ein Staatsanwalt mal so: „Wie es bei Wirtshausraufereien so üblich ist, gibt es Zeugen, die relativ dumm daher lügen. Die werden noch von der Staatsanwaltschaft hören.“ Wer sich als unbefangener Zuhörer in den Verhandlungssaal 1911 begibt, bekommt jedenfalls auch große Ohren ob der selbstsicheren Ausführungen des Herrn Raiffeisenbankers. Perfekt vorbereitet sei er natürlich, sogar Taferl hat er für den Herrn Rat vorbereitet und hält er ihm entgegen, seine Antworten wirken dennoch eintrainiert. Auch jene, die er nicht gibt, beispielsweise was er von Details des Geschäftes hält. Das tue nichts zur Sache, meint Herr Karl. Er sei Zeuge, kein Gutachter. Dazu habe er keine Wahrnehmung. Damals sei er ja noch gar nicht bei der Bank gewesen. Wohin soll diese Befragung führen? Und Herr Ogris, der Richter, stimmt ihm oft zu. Konsequent dreht sich die Befragung im Kreis, werden Fragen wiederholt und wiederholt, in der Hoffnung doch einen Satz ins Protokoll zu bekommen, den man vielleicht später nochmals zur Konstruktion einer Argumentation brauchen könnte. Wenn schon nicht bei diesem Richter, dann vielleicht im Berufungsverfahren.

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MFG URBAN

LOCH A MAL!

Michael Müllner

Foto: George Dolgikh/Fotolia.com

Nach der Aufregung steht also fest: Es gibt kein Budgetloch, schon gar kein schwarzes Loch, in dem Geld verschwunden ist. Nur bei den Prognosen gehen die Erwartungen zwischen Einnahmen und Ausgaben auseinander. Wenn das keine gute Nachricht ist! Wir sollten uns also alle entschleunigen. A bissl chillen, a bissl runter vom Gaspedal. Statt dem nervigen „Nochamal“ des Wahlkampfs ein „Loch a mal“ im Sinne von Lächeln trotz besseren Wissens – notfalls auch über vorhandene und nicht vorhandene Löcher aller Art. Etwa so: Liebe Lehrergewerkschaft, bitte geht in Wiener Rathausmanier herumgranteln und mit Karacho auf die Straße! Es geht nicht an, dass die Regierung nach zwölf Jahren Nichtstun nun sogar im Personalbereich des Zukunftsthemas „Bildung“ die Hebel ansetzt und zukünftige Lehrer in Dienstverhältnisse presst, die sich der Realität gefährlich nähern. Wo kommen wir hin, wenn in Zukunft alle Lehrer „Professor“ geschimpft werden, wenn Jungakademiker mit BachelorAbschluss gerade mal mit 2.420 Euro Bruttomonatsgehalt schuften und dabei noch dazu 24 Fächer, sprich Miniprojekte, betreuen müssen – für die es bei entsprechenden Mehrbelastungen wie Schularbeitskorrekturen gerade mal Zulagen gibt. Schon klar, Lehrersein ist auch nicht mehr, was es mal war. Die Zeiten, in denen man die Schüler unbeaufsichtigt Fußballspielen lässt, während man mit dem Schulwart auf an Spritzer geht, sind (hoffentlich) vorbei. Die „normalen“ Kids werden immer weniger, der Druck immer mehr. Aber, liebe Lehrer, das ist bei uns da draußen genauso. Die irren Kids haben irre Eltern, die in ihrem Berufsalltag ihre Kollegen auch unglaublich nerven. Echt jetzt. Der Leistungsdruck wird höher, die Miniprojekte Jahr für Jahr mehr. Und Zulagen? Nie gehört. Da wünsche ich gerne einen schönen Streik. Und: IMMER LÄCHELN!

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nach Auswegen gesucht. Genau diese Auswege waren aber scheinbar in den Gesprächen mit der RLB nicht zu finden, auch vor Gericht wurde die Quintessenz der Gespräche ja mit einem einfachen ‚Ätsch‘ zusammengefasst. Deshalb beauftragte die Stadt ein Gutachten und bereitete letztlich die nunmehr eingebrachte Klage vor. Nach der Verhandlung zeigte sich Stadler entrüstet: „Die RLB hat die Maske des kundenfreundlichen Geldinstitutes fallengelassen. Die Geschäftsbeziehungen zu Raiffeisen sind zu überdenken.“

mit verdient habe, auch der negative Anfangswert des Geschäftes sei für den Richter uninteressant. Es scheint ihm rein um die Frage zu gehen, ob der Käufer verstanden hatte, welches Geschäft er da abschließt und welches Risiko er damit in Kauf nimmt. „Und mit diesem maximalen Risiko haben sich alle abgefunden, zumindest die Herren Knoth und Stadler wussten über das Risiko durch das korrekte Einsetzen des Schweizer-FrankenKurses in die Formel des Geschäftes Bescheid“, wie Ogris im Laufe der Verhandlung feststellt.

Und weiter? Eine erste Bilanz des Verfahrens ist schwierig. Beide Seiten argumentieren konsequent die bekannten Verteidigungslinien, neue Sachbeweise sind bis dato ausgeblieben. Vieles ist unterschiedlich interpretierbar. Tatsache ist, dass die Klägerin versucht das abgeschlossene Geschäft zu ergründen – mit dem Ziel aufzuzeigen, dass eben dieses Geschäft nie und nimmer mit einer Kommune hätte geschlossen werden dürfen. Die Stadt fühlt sich falsch beraten, sie fühlt sich hinter’s Licht geführt. Die Bank habe zu viel mit dem Geschäft verdient, es sei viel zu riskant gewesen (so hätte es gar nicht im Handelsbuch der RLB Platz finden können) und die Treasury Linien, die interne Bonitätsbewertungsmittel einer Bank sind, seien einfach nach Belieben angepasst worden, als der Schweizer Franken davonzog und die Zahlungsverpflichtungen der Stadt St. Pölten aus dem Geschäft so exorbitant angestiegen sind. Richter Ogris bringt es auf den Punkt: „Dass heute niemand dieses Geschäft mehr abschließen würde, das ist eh allen klar. Und dass es niemand haben möchte, merkt man daran, dass es mit rund 80 Millionen Euro negativem Marktwert bewertet wird.“ Es sei auch völlig unerheblich, ob die Bank nun 800.000 Euro oder das Doppelte da-

Kristallkugel und Fetzen. Die Wette auf den Schweizer-Franken über eine Laufzeit von zig Jahren, das sei eben ein Glücksspiel, egal wie sehr sich die Anwälte nun bemühen würden, irgendwelche Kennzahlen in Bilanzen auf ihre Sinnhaftigkeit hin zu bewerten. Ogris sagt: „Wenn die Bank in ihrem Bericht unter dem Punkt ‚Risikoanalyse‘ irgendwelche gescheit klingenden Abkürzungen hinschreibt, dann macht sie das ja nur, weil es der Finanzmarktaufsicht wohl nicht gefallen würde, wenn sie schreiben würde, dass man dafür lediglich eine Kristallkugel und einen Fetzen verwendet habe. Aber es wird doch dennoch kein Mensch glauben, dass man heute ausrechnen kann, wie der Kurs des Schweizer-Frankens in zwanzig Jahren steht, oder? Na eben.“ Doch kann man sich die Frage so leicht machen? Wäre es nicht von einer kommunalen Hausbank zu erwarten gewesen, dass sie nur Geschäfte verkauft, die sie selber versteht? Deren Marktwert sie selber jederzeit problemlos ermitteln kann und deren Risiko in einem vertretbaren Rahmen bleibt? Ist es vorstellbar, dass ein rationaler Bürgermeister und sein Finanzdirektor, ein derart hohes Risiko in Kauf genommen hätten – hätten sie darüber einen vollständigen Wissenstand gehabt. Für eine Upfront-Zah-

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„Es wurde beschwichtigt und gesagt, wir sollen nicht die Nerven verlieren.“ | Matthias Stadler


Jetzt nicht die Nerven verlieren

lung von lächerlichen 1,5 Millionen Euro wohl gemerkt, während heute aus dem Geschäft eine Millionen Euro Zinsen pro Quartal fällig werden? Am Wirtshausstammtisch droht wie so oft ein schnelles Urteil. Dass die Politiker alle deppert sind und die Banken sowieso lauter Verbrecher. Dass aber dieses Geschäft zu einer Zeit abgeschlossen wurde, in der selbst Rechnungshöfe die Kommunen zur aktiven Schuldenbewirtschaftung aufgefordert hatten, das darf auch nicht unter den Tisch fallen. Und dass dieses Spiel viele Jahre lang gut ging. Und dass es eben nicht eine böse Investmentbank mit amerikanischen Eigentümern war, die dieses „Zauberprodukt“ angeboten hat, sondern die gute alte Tante Raiffeisen, die in NÖ wohl bei keiner Kommunalfinanzierung fehlen darf. Während also in der ebenfalls rotregierten Stadt Linz der Staatsanwalt bereits gegen leitende Finanzbeamte Anklage erhoben hat und der Streit-

wert im Zivilprozess zwischen Stadt und BAWAG bei unvorstellbaren 500 Millionen Euro liegt, steht das St. Pöltner Problem noch schüchtern in der zweiten Reihe. Für die Streitparteien ist dieser „Zweite Platz“ ein Segen, wird man somit doch überregional noch relativ wenig beachtet. Laut Staatsanwaltschaft St. Pölten gab und gibt es jedenfalls keine Ermittlungen gegen Stadler oder Knoth, zumal deren Geschäfte immer durch einen Beschluss des Gemeinderates gedeckt waren. Wird die Klage abgewiesen zahlt St. Pölten noch jahrelang – je nach Entwicklung des SchweizerFranken-Kurses – ein paar Millionen Euro pro Jahr für dein dummes Geschäft. Eine außergerichtliche Einigung scheint undenkbar, wohl auch weil ein Vergleich das Jahresergebnis der Bank massiv belasten würde. Auch bei 50:50 wären aktuell 40 Millionen Euro fällig, das wird der Bankvorstand seinen Genossenschaf-

tern genauso schwer erklären können, wie der Herr Bürgermeister seinen Gemeinderäten und Bürgern. Und bis am Handelsgericht Wien das erste Urteil gesprochen wird, wird der nächste Sommer ins Land gezogen sein. Bis die Instanzen ausgeschöpft sind, werden wohl Jahre vergehen. Und wohl so lange wird uns auch das Thema im Hinblick auf die politische Verantwortung weiter begleiten. Während die Oppositionsparteien nach wie vor von mangelnder Transparenz sprechen, sieht die SPÖ-geführte Stadtverwaltung in jedem Angriff der Opposition einen Angriff auf die Stadt selbst bzw. die Verhandlungsposition. Das Klima im Gemeinderat ist nach wie vor vergiftet. Am 28. Jänner wird wohl weiter verhandelt. Zur Abwechslung sind dann Zeugen der Klägerin geladen, wir werden also die andere Sicht der Geschichte hören. Die Vorbereitungen darauf haben sicher schon begonnen.

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MFG URBAN

Die Demontage Intern hatte man es lange vermutet, die Dimensionen überraschten dann aber doch: Im September verkündete die Konzernleitung der Voith, dass im kommenden Jahr 290 Stellen der Sparte Voith Paper abgebaut werden. Das entspricht etwa einem Drittel aller am Standort Beschäftigten. Mitarbeiter und Betriebsrat zeigen sich verständnislos, die Konzernleitung in Heidenheim beschwichtigt.

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ie Wurzeln der „Industriestadt” St. Pölten liegen gut 100 Jahre zurück. Vor allem um die Jahrhundertwende setzte ein regelrechter Industrieboom ein, der nicht nur zigtausende Arbeitsplätze schuf, sondern auch die Bevölkerungszahl innerhalb von nur zehn Jahren von 25.000 auf 36.000 in die Höhe schnellen ließ. Der Ruf St. Pöltens als Arbeiterstadt war begründet, ihre gößten Flaggschiffe waren schon damals die Glanzstoff, die Voith und die ÖBB Hauptwerkstätte. Heute sind viele der ehemaligen Fa32

briken längst stillgelegt, die übrigen im Laufe der Jahrzehnte arbeitermäßig zusammengeschrumpft. Katastrophal waren die letzten Jahre: Nach Schließung der Glanzstoff 2008 kränkelte auch die Voith vor sich hin, was nunmehr in einer Massenentlassung gipfelt. Ein Aderlass von ca. 600 Industriearbeitsplätzen. Schlimm für die Mitarbeiter, schlimm für die Stadt, die über die Kommunalsteuer Einbußen in Millionenhöhe hinnehmen muss. „Kapazitätsanpassung“ Am Voith-Standort St. Pölten herrscht

derzeit Resignation. Kaum einer rechnet damit, dass die Entscheidung der Konzernleitung noch rückgängig gemacht wird. „Die ist in Stein gemeißelt, da hilft auch kein Hoffen mehr”, meint ein Mitarbeiter. „Kapazitätsanpassungen“, wie das im Wirtschaftsdeutsch heißt, seien der Grund für den Stellenabbau. Betroffen davon ist nicht nur St. Pölten, sondern sind auch Standorte in Deutschland, darunter mit Heidenheim die „Heimat” der Voith. Die wenigen Aufträge, die bei Voith Paper in Europa einträffen, beschäftigten längst nicht


TEXT: Sascha Harold, Michael Käfer | Fotos: Daniel Lohninger, Josef Vorlaufer

mehr alle Mitarbeiter. In den letzten Jahren wurden in Deutschland und Österreich bereits etliche hundert Menschen gekündigt, eine Abbauwelle im vergangenen Jahr betraf v. a. das Werk im deutschen Ravensburg, kostete aber auch in St. Pölten 70 Voithlern den Job. In Heidenheim werden bis 2015 weitere 400 der 4.500 Mitarbeiter (alle Sparten) abgebaut. Aus Sicht des Konzerns sind diese „Anpassungen“ – Abbau in Europa einerseits, gleichzeitig angelaufener Personalaufbau in Ländern wie China andererseits – notwendige Schritte, um den wirtschaftlichen Gesamterfolg weiter zu gewährleisten. Wenig verwunderlich also, dass die St. Pöltner Voithler dem heurigen September mit einem unguten Gefühl entgegenblickten. Es kam aber viel dicker als befürchtet. Kurz vor der Aufsichtsratssitzung teilte die Konzernleitung mit, dass 290 Stellen abgebaut werden – das sind zwei Drittel von Voith Paper in St. Pölten und ein Drittel aller am Standort Beschäftigten! Obwohl teilweise absehbar, werden die Mitarbeiter erst im Dezember offiziell erfahren, wer betroffen ist – die konkrete Auswahl wurde laut Betriebsrat an die St. Pöltner Führungskräfte delegiert. Wobei dies ein relativer Begriff ist, denn seit 2009 gibt es keine eigene Geschäftsführung mehr am Standort, was viele Mitarbeiter als Mitgrund für die St. Pöltner Misere erachten, ebenso wie der Betriebsrat in einem Brief strategische Fehler und Missmanagement der Konzernleitung anprangert: „Die sogenannten ‚Kleinen‘ dürfen nun die Suppe auslöffeln.“ Globalisierungsfalle? Wie im Falle der Glanzstoff spielte auch bei der Voith die drastische Erhöhung der Einfuhrzölle in die Habsburgermonarchie eine entscheidende Rolle für eine Niederlassung in Österreich. Das 1867 gegründete und einst aus einer kleinen Schlosserwerkstätte hervorgegangene deutsche Familienunternehmen J.M. Voith entschied sich 1903 also aus strategischen Gründen für den Produktionsstandort St. Pölten – im Übrigen die erste Aus-

landstochter des heutigen Global Players. Wie am Firmensitz im deutschen Heidenheim wurden nun auch in St. Pölten Papiermaschinen sowie Turbinen für Wasserkraftwerke produziert. Die Leitung der Fabrik übernahm ein Sohn des Unternehmensbesitzers, Walther Voith. Dieser bezog die VoithVilla in der neu errichteten Wohnkolonie des Werks – heute Herberge für die St. Pöltner Musikschule. Auch die immer noch bewohnte, denkmalgeschützte Wohnhausanlage „Bauvereinshäuser“ ließ die Voith errichten. Zwischenzeitig beschäftigte der Betrieb bis zu 3.000 Mitarbeiter in St. Pölten, Zahlen, von denen man heute nur mehr träumen kann. Diese Entwicklung steht stellvertretend für die gesamte österreichische, ja europäischen Industrie und ihren jahrzehntelangen Abwärtstrend. Aber wie darauf antworten? Der Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Christoph Neumayer, plädiert diesbezüglich in einem Interview mit dem „Standard” für eine Re-In-

HARDFACTS Der Voith Konzern hat insgesamt vier „Konzernbereiche“. Drei davon sind auch in St. Pölten vertreten: Voith Hydro fertigt mit 255 Beschäftigten vor allem Turbinen für Wasserkraftwerke, Voith Turbo mit 57 Beschäftigten Getriebe für Züge und Voith Paper mit 448 Beschäftigten Walzen und Kartonmaschinen an. Neben Konstruktion und Fertigung fallen Servicedienste wie Reparaturen und Inbetriebnahmen sowie kaufmännische, logistische und EDV-Arbeiten an – insgesamt arbeiten am Standort St. Pölten 792 Personen. Die Turbo-Sparte hat in den vergangenen Jahren massiv Arbeitsplätze abgebaut, die Zukunft ist mehr als unsicher. Für Voith Paper wurde vor Kurzem die zweite Kündigungswelle in nur zwei Jahren beschlossen, die Konzernleitung baut 290 der 448 Beschäftigten ab (wobei 40 davon in andere Sparten wechseln sollen und 250 den Arbeitsplatz verlieren). Dies kommt einer so nicht erwarteten Teilschließung gleich, viele rechnen binnen fünf Jahren mit dem Ende von Voith Paper in St. Pölten. Was dann wahrscheinlich noch bliebe, ist die Hydro-Sparte. Hier wird nach einer Fast-Schließung in den 1990er Jahren wieder Personal aufgenommen, die Belegschaft wuchs in den letzten Jahren von unter 100 auf über 200.

MFG 11.13

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MFG URBAN

» Das Ende des Industriestandortes?

MFG sprach mit Christoph Schwarz von ecopoint, der Wirtschaftsservicestelle der Stadt St. Pölten, über den jüngsten Aderlass im Industriesektor der Stadt. St. Pölten galt einst als Industriestadt – nun sind in den letzten Jahren mit Glanzstoff sowie bei Voith über 600 Industriearbeitsplätze verschwunden – ist das ein Abschied von der Industriestadt auf leisen Sohlen?

Ist es prinzipieller Fokus von ecopoint, trotzdem produzierende Betriebe neu anzusiedeln, oder liegt der Fokus auf Gewerbe und Dienstleistungsbetrieben? Bzw. wie schwer ist es, produzierende Betriebe überhaupt noch anlocken zu können?

Die Schließung der Glanzstoff sowie die Einschnitte bei Voith

Ecopoint macht bei der Ansiedlung von Unternehmen keine

sind natürlich sehr bedauerlich, einen Abschied der Indus-

Unterschiede. Die Industrie liegt dabei genauso im Fokus un-

trie aus St. Pölten sehe ich allerdings nicht. Wir haben zahl-

serer Ansiedlungspolitik. Bestes Beispiel dafür ist das Gewerbe-

reiche sehr erfolgreiche Industriebetriebe in der Stadt, die

gebiet NOE Central im Süden von St. Pölten. Hier entsteht ein

in den letzten Jahren kräftig investiert haben und die auch

Industriegebiet mit hervorragendem Potential für Investoren.

zukünftig große Investitionen am Standort St. Pölten planen.

150 ha gewidmetes Industriegebiet, ab Ende 2014 eine Brü-

Ich verweise nur auf die Projekte von Kössler in St. Pölten-St.

cke über die B20, die eine perfekte Anbindung an das hoch-

Georgen, die zahlreichen Investitionen von Sunpor und Egger

rangige Verkehrsnetz schafft, sowie ein Gleisanschluss, der

im Gewerbegebiet St. Pölten-Unterradlberg oder die WWG,

vor allem für Logistiker perfekte Voraussetzungen schafft. Mit

die durch innovative Konzepte weltweiter Marktführer im Wei-

diesen Rahmenbedingungen können wir in St. Pölten jedem

chenbau sind.

internationalen Vergleich standhalten.

dustrialisierung Europas. Ob diese Forderung freilich nicht eher einem verklärten Blick in die Vergangenheit geschuldet ist, sei dahingestellt, wobei Österreich mit einem Industrieanteil von 22,5 Prozent ohnehin über dem europäischen Durchschnitt liegt. Aber die Frage, wie diese Re-Vitalisierung erfolgen soll, bleibt unbeantwortet. Denn so wie Voith haben auch andere Konzerne eher die Auslagerung nach Brasilien und China, als den Stellenaufbau in Mitteleuropa im Auge. Dabei hat die Voith im Papiermaschinenbau weltweit ohnedies nur eine Handvoll ernsthafter Konkurrenten (v. a. Andritz aus Österreich und Metso aus Finnland). Nun ist aber nicht die Konkurrenz das Pro-

Beschäftigte Im ersten Produktionsjahr 1904 wurden 225 Personen beschäftigt, 1920 waren es bereits 1.200. Nach einem weiteren Anstieg kam es während der Weltwirtschaftskrise 1929 und dem Zweiten Weltkrieg zu drastischen Produktionseinbrüchen. Unter den Sowjets stiegen die Zahlen wieder und 1961 wurde der ewige Höchststand von 3.031 Beschäftigten erreicht. Seither sinkt der Personalstand kontinuierlich: 1993 waren es noch 1.500, im Mai 2012 nur mehr 870 Mitarbeiter.

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blem, sondern die Nachfrage nach Papier. Technologische Neuerungen wie Computer, Internet, E-Books, I-Phone & Co. lassen den Papierverbrauch in den westlichen Industriestaaten stagnieren, die Nachfrage nach Papiermaschinen hat sich auf einem niedrigen Niveau eingependelt. Mittlerweile wollen in Europa und Nordamerika kaum noch Papierhersteller neue Maschinen kaufen. In Asien dagegen besteht noch Nachfrage nach mittelgroßen Maschinen. Da Exporte nach China aber unwirtschaftlich seien, baut Voith neue Werke in China und fertigt die nachgefragten Maschinen direkt vorort an – mit dem Nebeneffekt, dass die Lohnkosten dort unter jenen Österreichs oder Deutschlands liegen. Ist der Stellenabbau also einfach eine Notwendigkeit, wie die Voith Konzernleitung suggeriert? St. Pölten, das Bauernopfer? Betriebsratsvorsitzender Hans-Joachim Haiderer zweifelt daran: „Dass St. Pölten wirtschaftlich funktioniert hat, sieht man allein daran, dass wir als eigenständige GmbH zwischen 2005 und 2012 insgesamt 72 Millionen Euro netto an den Konzern abgeliefert haben!”

Besonders schmerzhaft und auch wenig nachvollziehbar erscheint das Faktum, dass es vor allem die in Heidenheim produzierten grafischen Papiermaschinen sind, die von der stagnierenden Nachfrage betroffen sind. Im Gegensatz zum Papiermarkt leidet hingegen der Karton- und Verpackungspapiermarkt, der traditionell in St. Pölten beheimatet war, deutlich weniger. Der radikale Stellenabbau in St. Pölten erscheint also unlogisch. Bei näherem Hinsehen erschließt sich allerdings die – für St. Pölten fatale – Konzernstrategie: Das Kompetenzzentrum für Karton und Verpackungsmaschinen soll nämlich ebenfalls nach Heidenheim abwandern. Kurzum, der zu schließende Bereich in St. Pölten wird in Heidenheim neu aufgebaut, das Know-how dazu sollen einzelne St. Pöltner Abteilungen und Angestellte in Schlüsselpositionen liefern, was Haiderer mit Bitterkeit bestätigt: „Seit Jahren wird St. Pölten systematisch abgebaut, aktuell gibt es konkrete Angebote an die Führungskräfte gegen Bonuszahlungen in den Firmensitz nach Heidenheim zu wechseln. Der einzige Bereich der Sparte Voith Paper, der auch in Zukunft gesichert scheint, ist die Walzenherstellung, die


DIE DEMONTAGE

Der Anfang vom Ende? Viele orten im nunmehrigen Schritt jedenfalls den Auftakt zur gänzlichen Schließung der Sparte, ja, das Schreckgespenst einer generellen Standortschließung in St. Pölten geistert durch die diversen Fabrikshallen. Die Heidenheimer Konzernleitung beschwichtigt: „Wir möchten darauf hinweisen, dass sich die Restrukturierungsmaßnahmen in St. Pölten ausschließlich auf den Bereich Voith Paper erstrecken. Die übrigen Voith-Firmen am Standort sind von diesen Maßnahmen nicht betroffen. Die wirtschaftliche Lage von Voith Paper ist in St. Pölten wie an den anderen deutschsprachigen Standorten von Voith Paper

sehr angespannt, die Gründe hierfür haben wir in den letzten Wochen sehr klar dargelegt.” Zudem verweist man darauf, dass Voith Hydro zuletzt – gemeinsam mit der Osloer Niederlassung – einen 18 Millionen Euro Auftrag zur Ausrüstung eines Krafwerkes an Land ziehen konnte. Auf Voith Turbo hingegen geht man nicht weiter ein – auch diese Sparte kriselt seit Jahren, wurde bereits in der Vergangenheit „zusammengestrichen“ und blickt – wie man hinter vorgehaltener Hand hört – einer tristen Auftragslage entgegen ... In den nächsten Wochen geht es aber nunmehr darum, die Bedingungen der Entlassungen auszuverhandlen. Eine Stiftung für die Entlassenen, ähnlich der Maßnahme nach Schließung der Glanzstoff, ist denkbar. Ein Streitpunkt sind auch die Abfertigungen, die in St. Pölten nur einige Monatsgehälter betragen, während sie bei den Kollegen in Heidenheim wesentlich höher ausfallen dürften. Wie es aus der Konzernleitung verlautet, soll der endgültige Abbau spätestens im September 2014 abgeschlossen sein. Die meisten Mitarbeiter werden schon davor versuchen, das sinkende Schiff zu verlassen.

SCHOCKIERT. Alfred Tatschl und Hans-Joachim Haiderer erkennen „ihre“ Voith nicht wieder: „Warum haben sich Klima, Kultur und Vorgehensweise so drastisch verändert?“

Tage wie diese

Primadonna Es beginnt ganz klein. Am Morgen erwacht der Sohn, strahlt und weckt mich mit einem Kuss. Ich fahre zur Arbeit, angezuckerte Berge in der Ferne! Gleich zu Mittag zum Reifenwechseln fahren – und niemand vor mir? Die Frau im verrauchten Warteraum drückt mir eine Münze für den Kaffeeautomaten in die Hand – einfach so. Ich checke meine Mails: Eine Spielzeugfirma schickt mir gratis eine neue Fernbedienung für das kaputte ferngesteuerte Auto – einfach so. Hm! Aus dem Radio mein Lieblingslied von den Toten Hosen. Ein Mann betritt den Warteraum und meint: „Ich hätt gerne Winterreifen!” Antwort der schmunzelnden Reifenhändlerin: „Was? Diese runden, schwarzen Dinger? Hamma nicht!” Stand-up-Comedy extra für mich? Dann Arzttermin in der City: „Wollen Sie noch eine halbe Stunde weggehen?” Ja, will ich! Ich schlendere durch meine Stadt. Es riecht nach Schnee und Maroni. Vorbei an den vorweihnachtlichen Auslagen, am scharfen Eck das vertraute „Servaaaas” des Augustinverkäufers, dann wieder zurück – zu kalt zum Shoppen – ins Schubert. Wen treff ich? Eine alte Bekannte, ewig nicht gesehen, große Freude. Wir quatschen, trinken heiße Schokolade. Dann ab nachhause. In der Post liegt eine Einladung zur 40er Feier einer Schulfreundin und erste Geburtstagswünsche. Es gibt sie also doch, diese Tage, an denen du nur lächeln könntest, durchgehend. Nichts Spektakuläres, einfach leben, Gedanken nachhängen, reden, Zeitung lesen, sich nicht ärgern müssen. Abends beim Vorlesen frag ich den Sohn, wie denn sein Tag war. „Alles gut, Mama!” Ich freue mich darüber und weiß, dass es sehr vielen Menschen heute genauso gegangen ist.

Foto: Olly/Fotolia.com

in abgespeckter Form weiter bestehen wird.“ Nicht minder bitter stößt der Belegschaft auf, dass sie in den letzten Jahren zahlreiche Zugeständnisse gemacht hat, etwa einem flexiblen Arbeitszeitmodell zugestimmt hat, um eben Kündigungen zu verhindern und das Unternehmen auch budgetär (nicht ausbezahlte Überstunden) zu entlasten. Nun ist eine Massenkündigung Tatsache – die Belegschaft hat die Betriebsvereinbarung aufgekündigt.

Das war einer dieser Tage....

MFG 11.13

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MFG URBAN

Forum XXIII Reformbedarf ist das zentrale Anliegen des Forum XXIII. Im Interesse steht hier aber nicht die ebenfalls reformmüde politische Landschaft in Österreich, sondern der Reformeifer der katholischen Kirche.

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ie katholische Kirche ist in letzter Zeit wohl öfter in den Medien präsent gewesen, als es ihr selbst lieb war: Ein verschwenderischer (zumindest kein bescheidener) Luxusbischof in Deutschland mit einhergehender Debatte über Kircheneigentum, die Nachwehen von Vergewaltigungsund Missbrauchsskandalen, die Priesterinitiative und das (schlussendlich wenig erfolgreiche) Gegen-Kirchenprivilegien-Volksbegehren haben reichlich Staub aufgewirbelt. Für Aufsehen hat weltweit auch der neue Papst Franziskus gesorgt – allerdings eher im positiven Sinne. Mit seiner Bestellung ist in vielen Katholiken wieder Hoffnung aufgekeimt: Hoffnung, dass die katholische Kirche nunmehr ihr – so die kircheninternen Kritiker – starres antiquiertes Antlitz endlich ablegen könnte, außerdem Hoffnung, dass sie sich den dringend benötigten Reformen nicht weiter verschließt. Österreich ist, trotz oder vielleicht gerade wegen der sehr stark katholisch geprägten Bevölkerung, ein zentraler Ausgangspunkt dieser kritischen Stimmen. Eine davon ist das Forum XXIII, das unlängst in der Stattersdorfer Milleniumskirche sein 20-jähriges Jubiläum beging. Auch im Zuge dessen bestätigte man den stets aufmerksam-kritischen Grundansatz – als Vortragender war der renommierte Vatikan-Kenner Marco Politi (u. a. Journalist der Tageszeitung „La Repubblica“) zu Gast. Konservative Kreise, wie z. B. das online-Magazin „katholisches.info“ titelten daraufhin „Antikatholischer Ideologe als Festredner des Forum XXIII – Progressive in Sankt Pölten unter sich“. 36

Im Anfang schuf… Am 30. September 1993 wurde im Stift Herzogenburg das Forum XXIII von gläubigen Katholiken der Diözese St. Pölten gegründet – „als direkte Reaktion auf die Entwicklungen ab Mitte der 80er Jahre, v. a. die Bestellung Kurt Krenns zum Bischof von St. Pölten“, wie die Präsidentin der Initiative, Sophia Seidler-Silbermayr, verrät: „Während das Zweite Vatikanische Konzil in den 60er und 70er Jahren eine wohltuende Aufbruchsstimmung ausgelöst hatte, wehte dann ein neuer Wind. Unter Kardinal Groer

gab es mehrere komische Bischofsernennungen.“ Es ging aber nicht nur um einen aufgezwungen Bischof, stellt Seidler-Silbermayr klar: „Angesehene Theologen haben in St. Pölten Redeverbot erteilt bekommen. Denjenigen wollten und wollen wir ein Forum bieten.“ Die Errungenschaften des Zweiten Vatikanischen Konzils wären in Gefahr gewesen, die positive Stimmung verflogen. Deshalb habe man sich zur Gründung entschlossen – Forum XXIII soll dabei namentlich wie inhaltlich auf den Konzilspapst und Vorbild Johannes XXIII verweisen.


TEXT: Gotthard Gansch | Fotos: Karl Stadler, ZVG

Oberstes Gebot Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt sind eine der Grundanliegen des Forum XXIII. Es sollen unterschiedliche und kontroversielle Standpunkte Berücksichtigung finden. „Wir wollen ein freies Wort in der Kirche. Religiöse und gesellschaftspolitische Themen müssen ohne Maulkorb diskutiert werden können“, fordert SeidlerSilbermayr. So denke man über Reformen der Kirchensteuer nach, etwa an eine Kultursteuer wie in Italien, wo jeder obligatorisch diese Steuer zu entrichten hat, aber entscheiden kann, ob sie einer Religionsgemeinschaft, sozialen Zwecken oder dem Staat zufließen soll. Im Allgemeinen versteht Seidler-Silbermayr aber die Aufregung um die Kirchensteuer nicht: „Mir ist aus persönlichen Erlebnissen und Erzählungen bekannt, dass die Beitragsstelle hier sehr kulant agiert.“ Auch das Zölibat – „das ist kein Dogma, das ist mehr so etwas wie Dienstrecht“ – oder das Subsidiaritätsprinzip im Gegensatz zur zentralistischen Organisation der Weltkirche sind Gegenstand der Diskussionen. Schließlich könne man durchaus der Ortskirche zutrauen, ihre Probleme selber zu lösen. Der neue Papst habe dieses Vertrauen. Die Überalterung der Pfarrer werde in ein paar Jahren ohnedies viele Probleme aufwerfen. „Auftreten, nicht austreten“ Abtrünnig sei man aber auf keinem Fall, stellt Seidler-Silbermayr klar: „Die Kirche ist meine Heimat. Wir wollen aber eine Kirche, wie es dem Evangelium entspricht: menschlich offen, geschwisterlich, im Leben stehend und nicht wie ein Paralleluniversum.“ Mit dem als konservativ geltenden Diözesanbischof Klaus Küng habe man ein entspanntes und korrektes Verhältnis. Er sei zwar kein großer Fan, es gebe aber auch keinen großen Kontakt. So konstatiert Küng: „Das Forum XXIII ist eine Organi-

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sation engagierter Priester und Laien, die die Entwicklungen in Gesellschaft und Kirche mit einem eher kritischen Blick verfolgen. Das Forum XXIII ist eine private Initiative und hat keinen offiziell kirchlichen Charakter.“ Bei einem Treffen habe Küng einmal eine treffende Metapher gefunden, wie Seidler-Silbermayr findet: Die Kirche sei wie eine mehrspurige Autobahn, das Forum XXIII sei eben auf der linken Spur etwas schneller unterwegs. Solange man aber in die gleiche Richtung fahre und auf der Fahrbahn bleibe, sei alles okay. Mit dem auch als konservativ geltenden Kardinal Schönborn gebe es keinen persönlichen Kontakt, man arbeite sowieso „eher diözesanorientiert.“ Die Zustimmung des Kardinals zum homosexuellen Pfarrgemeinderat habe man aber – wie auch selbst in Rom – positiv aufgenommen. Mit anderen Initiativen wie etwa der PfarrerInitiative pflege man guten Kontakt. Dies bestätigt auch Pater Udo, Pfarrer von Paudorf-Göttweig, der mit Helmut Schüller die Initiative der Öffentlichkeit vorstellte: „Seit seiner Gründung bin ich dem Forum XXIII eng verbunden und freue mich über alle seine Aktivitäten. Indem das Forum XXIII Referenten wie zuletzt Marco Politi in unsere Diözese holt, ist und bleibt es ein bedeutender Faktor der kirchlichen und gesellschaftlichen Weiterbildung im Westen Niederösterreichs.“

pen wie der Pfarrer-Initiative oder der mittlerweile weltweit agierenden Plattform „Wir sind Kirche“ sei man vernetzt. Diese Initiativen sind alle von Österreich ausgegangen, was auch eine gewisse Unzufriedenheit und damit einhergehend Reformbereitschaft widerspiegelt. Mit dem neuen Papst Franziskus ist auch in dieser Hinsicht wieder Zuversicht eingekehrt: „Der Reformstau ist zwar noch immer da, aber der neue Papst ist ja ganz anders als der alte. Er will das Zentralistische aufweichen und mehr Kollegialität. So nimmt er sich etwa Berater aus allen Kontinenten“, erläutert Seidler-Silbermayr. Conclusio: „Es wird also wieder spannend!“ Ebenso wie die Zukunft des Forum XXIII selbst, denn auch dieses steht vor ganz ähnlichen Problemen wie seine Kirche – der Nachwuchs fehlt. „Eine großflächige pastorale Betreuung wie früher gibt es nicht mehr. Es ist schade, dass die Jugendbetreuung immer mehr verloren geht“, sieht Seidler-Silbermayr die Schwachstellen. „Daher werden wir uns weiter engagieren!“

Spannende Zukunft „Es gibt noch genug zu tun“, weiß Seidler-Silbermayr. Allein das Potential des Zweiten Vatikanums sei noch gar nicht ausgeschöpft. So jährte sich 2012 der Beginn des Zweiten Vatikanums zum 50. Mal, weshalb untersucht wird: „Ist alles umgesetzt worden? Ist es noch aktuell? Braucht es noch ein Update?“ Im Dezember 2015 sollen die Ergebnisse präsentiert werden. Mit anderen Reformgrup-

„Wir wollen eine Kirche, wie es dem Evangelium entspricht: menschlich offen, geschwisterlich, im Leben stehend und nicht wie ein Paralleluniversum.“ | Präsidentin Seidler-Silbermayr MFG 11.13

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MFG SZENE

Wirt und mehr ...

St. Pöltens ältestes Beisl feiert seinen 25. Geburtstag. NarrnkastlGastronom Otto Schwarz über sein Erfolgsrezept und warum er seine aktive Politkarriere nicht verlängert hat.

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988. St. Pölten darf sich zwar schon Landeshauptstadt nennen, Auswirkungen auf das Kleinstadtleben hat das aber noch keine. Regiert wird das Land von Wien aus, „Beislszene“ ist ein Fremdwort ... Nicht für Otto Schwarz! Der damals 26-jährige Student lernte zu dieser Zeit die Wiener Lokalszene schätzen: „So etwas wollte ich auch haben – für mich und meine Freunde.“ In St. Pölten. Otto ließ sich ein Konzept einfallen, adaptierte die Räumlichkeiten in der Wiener Straße, eröffnete das Narrnkastl. Der 1. Tag war perfekt, alle haben zusammengeholfen, „sonst hätte es nicht funktioniert.“ Am dritten Tag war die Euphorie schon etwas verflogen: 38

„Meine Beine schmerzten so sehr, dass ich nicht schlafen konnte. Ich wollte das Ding gleich verpachten.“ Aber: „Man lernt schnell … “ Und so ist das Narrnkastl seit 25 Jahren das verlängerte Wohnzimmer von Otto Schwarz, „mit Interaktion zwischen denen vor und denen hinter der Bar.“ Das führt dazu, dass in keinem anderen St. Pöltner Beisl der Wirt so schwer von seinen Gästen zu unterscheiden ist wie im Narrnkastl. Es soll sogar vorkommen, dass Otto in den frühen Morgenstunden die Seiten wechselt und gemeinsam mit den letzten Narren beim Nachbarn über der Straße den Nachtdienst mit einem Frühstück beschließt. Genau diese Gemeinsamkeit, diese Empa-

thie, gab dem Lokal den Namen: „Alle sind ein bisserl narrisch.“ Die an der Schank haben hie und da gewechselt in all den Jahren – einer ist bis auf eine kurze Unterbrechung immer zwischen den Masken gestanden: Otto, der Unverwüstliche. Mit ihm älter geworden sind seine Gäste. Obwohl: Die nächste Generation hat bereits das „Kastl“ erobert – und macht es wieder zum Studentenlokal. Trotzdem oder gerade weil alles so bleibt, wie sich’s gehört. Klar haben die Eckpfeiler des Narrnkastl nach 25 Jahren unveränderter Anziehungskraft ein bisserl Patina angesetzt, aber missen will sie keiner: das Hainfelder Bier, Ottos legendäres Gulasch, die besten überbackenen Brote der Stadt, die Faschings-Deko, die riesige Palme, die zahlreichen Zeitschriften, vom „Spiegel“ bis zu den lokalen Infos, die angenehme Musik, die Gin-Tonic-Runden, die Narrnkastl-Festln wie „Dicht ins Dunkel“ als alternative Adventfeier.


TEXT: beate steiner | Fotos: hermann rauschmayr

INSTITUTION. Seit 25 Jahren ist das Narrenkastl in der Wiener Straße das verlängerte Wohnzimmer von Otto Schwarz und seinen Gästen! Der Name ist Programm: „Alle sind ein bisserl narrisch.“

Wie macht das der Otto? Kontinuität ist also das Erfolgsrezept. „Ich bin immer eine Linie gefahren, das ist das Um und Auf, sich nicht beirren lassen. Du darfst alles werden, nur nicht beliebig.“ Dann ist das Wirt-Sein auch nach all den Jahren noch eine Freude. „Wenn dir das keinen Spaß macht, kannst du nicht hier sein, das ist wie auf einer Bühne: Du kannst dich nicht verstecken.“ Immerhin kommen viele Gäste ja „zum Otto“, also ins personifizierte Beisl. Obwohl, Otto ist ja eigentlich kein wirklicher gelernter Wirt. Was ist er dann? Hausbesitzer, Haussanierer, Politiker, fast AHS-Professor: „Da hätt ich’s gemütlicher gehabt, wenn ich das Lehramt abgeschlossen hätte.“ Einen Anlauf hat er dafür noch genommen, verpachtete Anfang 1996

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das Lokal, um sein Chemiestudium zu beenden. Aber der Nicht-mehrWirt hatte die Rechnung ohne Niki Schwab gemacht. Der rekrutierte seinen Freund für das neu entstandene Liberale Forum, Otto wurde vom Politvirus infiziert, war Gemeinderat in St. Pölten, in sämtlichen Gremien der jungen Partei vertreten, das Studium war wieder Nebensache. „Ich war immer ein politischer Mensch, das war schon sehr spannend.“ So sehr, dass Otto Schwarz mit einer eigenen Bürgerliste bei den darauffolgenden Gemeinderatswahlen antrat: „Wenn man die Dinge ändern will, muss man selber was tun.“ Er verpasste den Einzug ins Stadtparlament hauchdünn. Warum er nicht weitermacht? „Politik ist für mich eine Zeitfrage, vor allem wenn du alleine agierst, dir alle Gemeinderatsakten

selbst durchschauen musst. Ich hab übrigens unglaublich viele Stunden für das Liberale Forum eingesetzt – und hätte gern mehr Zeit für meine Tochter gehabt.“ So betrachtet er die Lokalpolitik jetzt von außen: St. Pölten geht in die richtige Richtung, der Bürgermeister hat den passenden Zugang zu den Problemen der Stadt. Nur bei der Domplatzneugestaltung, da sollte endlich eine Entscheidung fallen. Ottos Optimum: „Ich würd nochmal hart mit dem Bundesdenkmalamt verhandeln, und dann eine viergeschoßige Tiefgarage bauen – mit Präsentation der Ausgrabungen und Kühlanlagen für die Marktlieferanten im ersten Geschoß, darunter drei Ebenen für die Autos.“ Lockversuchen anderer Parteien hat er bis jetzt widerstanden – erstens passt’s nirgendwo so ganz und zweitens – woher die Zeit nehmen, bei allem was so ansteht? Zum Beispiel ab März ein neues Lokal, am Tag geöffnet, als Ergänzung zum Kastl ... Das hat übrigens ein ganz besonderes Alleinstellungsmerkmal, das perfekt harmoniert mit der Beständigkeit des Narrnkastl, aber auch mit Ottos Diskretion („gastronomische Schweigepflicht“): Otto ist offline. Social networks? „Nein, danke!“ Aus Prinzip, und „weil ich mir dadurch viel Zeit erspare.“ Dazu fügt sich bestens, dass die Web-Wellen im Kastl versiegen, Handys mangels Netz nicht läuten können – ein USP mit Zukunft: 24-Stunden-Online-Junkies müssen da ganz einfach im Narrnkastl entschleunigen, Abhörbedrohte können frei von der Leber weg reden, während sie diese mit edlen Getränken belasten – Freizeit, was willst du mehr!

„Wenn man die Dinge ändern will, muss man selber was tun.“ MFG 11.13

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SHORTCUT KULTUR

Nichts los

Thomas Fröhlich

Mein Tipp: Genießen Sie einmal den Novembernebel da draußen. An einem jener Tage, an denen der fusselbärtige, rotbemützte ColaDealer noch nicht die „stillste Zeit des Jahres“ zugejinglebellt hat. Verlieren Sie sich ein wenig dort, wo die Geräusche gedämpft und die Bilder nicht greifbar scheinen. Und vielleicht, wenn Sie gut hinhören, erzählt Ihnen der Nebel sogar eine Geschichte: möglicherweise Ihre eigene.

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Auf zu neuen Ufern

Nach einigen Wochen emotional äußerst stürmischer See, in denen die Planken mächtig ächzten, ist das altehrwürdige Schiff des Musikvereins 1837 nun wieder in ruhigeren Gewässer unterwegs und auf Kurs. Diesen bestimmt fortan als neuer „Kapitän“ Obmann Werner Hackl, auch ein neuer Dirigent wurde an Bord geholt: Der Katalane Manel Morales López, der u. a. auch am hiesigen Kirchenmusikkonservatorium unterrichtet. Auf seine neue Aufgabe freut er sich sehr: „Orchester und Chor sind menschlich großartig. Das ist das Wichtigste für mich, noch vor der Musik.“ Musikalisch wolle man sich, auch wenn man ein Laienorchester sei, „Schritt für Schritt weiterentwickeln. Das ist das Spannende!“ Programmatisch werde er „keine Experimente machen, wir möchten aber ein eigenes Profil entwickeln.“ Wobei es Morales „weniger auf das Was, sondern v. a. auf das Wie ankommt. Unsere Freude, unsere Expressivität muss das Publikum spüren und ihm Freude bereiten!“ Möglichkeit dazu hat man am 29. November beim Adventkonzert in der Franziskanerkirche.

Literatur-Liebe In gewisser Weise war es so etwas wie Liebe auf den zweiten Blick. Lehnte Eva Riebler die an sie herangetragene Obfrauschaft der Literarischen Gesellschaft (Litges) 1998 noch ab, war sie fünf Jahre später bereit dazu. Seit-

her hat sie dem Literaturverein neues Leben eingehaucht und ihn einer Art Frischzellenkur unterzogen: „Meine Ziele waren neben dem Erstarken der Zeitschrift punkto Umfang und Reichweite die Erweiterung Richtung bildender Kunst sowie später auch Verschränkung mit dieser Richtung visueller Poesie!“, skizziert Riebler ihren Grundzugang. LitGes Lounge und Poetry Slams wurden unter ihrer 10-jährigen Obmannschaft ebenso umgesetzt, wie ein eigener Jugendbewerb für Autoren unter 27 Jahren ins Leben gerufen. Am 6. Dezember wird im Stadtmuseum die nächste Ausgabe des von der Litges herausgegebenen Magazins „etcetera“ präsentiert. www.litges.at

Fotos: Jürgen Fälchle/Fotolia.com, zVg

Wissen Sie, was ich die letzten drei Wochen getan habe? Ich sag‘s Ihnen, ob es Sie nun interessiert oder nicht: Ich habe NICHTS getan. Zumindest nichts gesellschaftlich Relevantes. Und auch nichts, was zur Profitmaximierung dient, ob nun zu meiner eigenen oder (wie üblich) der von anderen. Stattdessen habe ich den Blättern beim sich Verfärben und vom Baum fallen zugesehen. Weiße Wolken vor einem azurfarbenen Himmel betrachtet, bis die Dämmerung die blaue Stunde einläutete, um dem heraufziehenden Nachtschwarz die Referenz zu erweisen. Kleine Kätzchen beobachtet, die mit ihren Pfoten die letzten Sonnenstrahlen einzufangen versuchten. Ich habe mir Zeit genommen. Klarerweise gezwungenermaßen. Weil mein Hausarzt und meine Kardiologin unisono der Meinung sind, ich solle einmal ausruhen. Vielleicht, weil nach einem halben Jahrhundert „mit einem Hintern auf zehn Kirtag‘“ und einer, sagen wir, mäßig gesunden Lebensweise einmal eine Pause fällig ist. Keine Sorge, ich belabere Sie nicht weiter mit meinem Privatleben: Was ich sagen will, ist, dass man derlei Beschaulichkeit ja auch einmal freiwillig einlegen könnte. Tut aber keiner. Weil wir alle ja so unglaublich viel zu tun haben. Und die Erde bekanntlich eine Scheibe zum hin und her Rennen ist.


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MFG KULTUR

Jäger des verlorenen Schatzes Zwei Institutionen – zwei runde Jubiläen, ein Jubiläumsjahr: 2013 feiert man 150 Jahre NÖ Landesarchiv, 200 Jahre Landesbibliothek. Seit zwei Jahren sind der kollektive Erinnerungsspeicher und die Büchersammlung nun wieder zusammengeführt, unter der Leitung eines Direktors.

G

eschichte ist im Büro von Archivdirektor Willibald Rosner allgegenwärtig. Neben seinem Schreibtisch und unzähligen Büchern steht eine „alte Aktenkrax´n“, wie das hölzerne Gestell, ein früheres Aktentransportmittel, von Rosner genannt wird, und auf der Wand dahinter hängen historische Abbildungen. Es blicken der letzte kaiserliche Statthalter von Niederösterreich, Oktavian Regner Freiherr von Bleyleben, Erzherzog Eugen als Deutschmeister und der erste Direktor des Regierungsarchives, Albert Starzer, geschichtsträchtig auf Rosner herab. Bewahren, Bewerten, Sichern und Erschließen „Starzer hat sich aufgehängt, das einzige, was man als Archivdirektor tun kann“, scherzt Rosner über den irdischen Abgang einer seiner Vorgänger. Er selbst, der Deutsch und Geschichte mit Ausbildung zum Archivar studierte und zehn Jahre beim Bundesheer diente, ist da, wie sein

„ZWILLINGE“. NÖ Landesbibliothek und Landesarchiv NÖ im Kulturbezirk St. Pölten.

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ARCHIVDIREKTOR. Unter der Leitung von Willibald Rosner sind seit Mai 2011 Landesarchiv und Landesbibliothek quasi wieder vereint und feiern heuer gemeinsam ihre Jubiläen.

Sarkasmus schon erkennen lässt, von gefestigterer Natur. „Bei der Armee hab ich viel gelernt, auch den Umgang mit aussichtlosen Situationen“, so der anerkannte Spezialist auf dem Gebiet der Fortifikationsgeschichte (Festungsbau) und der Franziskojosephinischen Ära mit Blick auf Landgemeinden. Seine Lieblingsburg Aggstein hatte er zu Kinderzeiten als dreiteiliges Modell mit kleinen Plastikfiguren – getreu dem Motto der Archivare „Bewahren, Bewerten, Sichern und Erschließen“. 1988 kam er ans Institut für Landeskunde, seit 2005 ist der „Alt- oder Ostösterreicher“ mit galizischen, most- und waldviertlerischen sowie burgenländischen Wurzeln Direktor des Landesarchives. Durch Synergien, wie man politischer Sprachdiktion entnehmen darf, hat er seit zwei Jahren nun auch die Leitung der Landesbibliothek über.

Beginn als „Ständische Büchersammlung“ Deren Gründungsdatum liegt 200 Jahre zurück. Unter dem Namen „Ständische Büchersammlung“ war seinerzeit eine kleine Anzahl von Büchern, die zum Gebrauch der niederösterreichischen Stände (Klerus, Hoher Adel und Städte) bestimmt war, in den Sitzungssälen des damaligen Landhauses zu finden. „Mit 88 Werken ein sehr mythischer Beginn. Erst mit der Übernahme durch den Dichter Ignaz Franz Castelli im Jahre 1833 wurde aus dieser Sammlung eine Bibliothek mit fixem Ankaufsprogramm“, erzählt Rosner von den Anfängen der Landesbibliothek. Diese befand sich übrigens in Wien, genauso wie die zweite Station der heute größten Bibliothek des Landes – erst 1997 wurde sie in den St. Pöltner Neubau übersiedelt.


TEXT: Andreas ReichebneR, Michael Käfer | Fotos: Karl Stadler, LANDESARCHIV

Dort befindet sie sich heute genau gegenüber dem Landesarchiv im Regierungsviertel – wie zwei Zwillinge wirken die beiden Gebäude, eine direkte Verbindung gibt es allerdings nicht. Trennung und Wiedervereinigung von Landesbibliothek und Landesarchiv waren im Laufe der Geschichte immer wieder ein Thema. „Man teilte oft auch das gemeinsame Schicksal, von der Kulturabteilung geschluckt zu werden“, so Rosner. „Sermones aurei des sanctis“ Heute ist die Bibliothek für jedermann öffentlich zugänglich, es können an die 360.000 Bücher zu sämtlichen Wissensgebieten gelesen und entlehnt, rund 22.000 Kartenblätter und 100.000 topographische Ansichten benützt werden. Zu den Schätzen der Bibliothek zählt ihr ältestes Buch, die „Sermones aurei des sanctis“ des Leonardus de Utinus. Es beinhaltet Predigten und wurde 1475, kurz nach der Erfindung des Buchdrucks, in Venedig gedruckt. Ein ganz besonderes Stück ist auch das lateinische Marienandachtsbuch des Michel François, das am 20. März 1501 in Schrattenthal geschaffen wurde und als ältestes gedrucktes Buch aus dem heutigen Niederösterreich gilt. Die „Schedelsche Weltchronik“ aus dem Jahre 1493 mit 1809 Holzschnitten, reiht sich als die prominenteste der acht im Haus vorhandenen Inkunabeln (Wiegendrucke) nahtlos in die Reihe bedeutender Schriftwerke ein. Da kann das Lieblingsstück von Rosner aus dem Landesarchiv nicht ganz mithalten. „Es ist ein handgeschriebenes Kochbuch aus dem 18. Jahrhundert, aus dem Osten Österreichs.“

des Kaisers Friedrich Barbarossa Objekte, die dem ältesten Buch aus der Landesbibliothek über 300 Jahre voraus sind. Zu den skurrilsten Objekten gehört neben einer Skizze zu einem Verkehrsunfall aus dem 18. Jahrhundert – wo ein besoffener Kutscher zwei Damen, eine davon tödlich, niederfuhr und mit vier Wochen Herrschaftsarbeit und 15 Rutenstreichen eher glimpflich davonkam – auch ein Mickey Mouse Heft als Aktenbeilage. Urkunden und Handschriften, ja ganze Herrschaftsarchive sind archivarische Objekte der Begierde. „Wir sind so etwas wie die Jäger des verlorenen Schatzes!“, meint Rosner. Dass ein Objekt übrigens zum Archivgut wird, dazu bedarf es einer Ortsveränderung. Solange etwa ein Schriftgut in einer Kanzlei oder Behörde aufbewahrt wird, ist es in der Registratur. „Erst wenn es von der Behörde an uns abgegeben wird, wird es Archivgut.“ Diese archivarische Unterscheidung macht es u. a. auch schwierig, den genauen Zeitpunkt der Gründung eines Landesarchives zu bestimmen. „1518 erfahren wir von der Existenz eines Briefg´wölbs im Alten Landhaus. Das wird es aber vermutlich schon 1513 beim Ankauf des Hauses in der Herrengasse gegeben haben“, wäre für Rosner auch 500 Jahre Archivjubiläum hypothetisch denkbar. Nicht ganz einfach, da das heutige

Archiv aus zwei historischen Registraturen, jener der Stände und jener der Regierung, und deren Archiven entstanden ist. Diese beiden wurden 1940 zusammengelegt, kein besonders geeignetes Datum, Jubiläum zu feiern. Da passt das Jahr 1863, als die Ständische Registratur aus der neuen Registratur herausgelöst und ein Archiv-Fachdienst eingerichtet wurde – die Definition als wissenschaftliche Anstalt – schon eher als Gründungsjahr. Dient die Bibliothek vorrangig der Volksbildung, so ist es seit 150 Jahren die Hauptaufgabe des Landesarchivs, historisches Material zu sammeln und für die wissenschaftliche Forschung aufzubereiten. Hier findet man mittelalterliche Urkunden, wichtige historische Akte, aber auch jüngeres Schriftgut, das beispielsweise von Gerichten zur Rechtsprechung herangezogen werden kann. „Bibliothekare verwalten Bücher, Archivare lesen wirklich“, erklärt Rosner zum Schluss scherzhaft den Unterschied zwischen Archiv und Bibliothek. Aber das ist sicherlich nicht der Hauptgrund, warum es Jahrzehnte, beinahe Jahrhunderte gedauert hat, dass man nun, unter einem administrativen Dach, gemeinsam feiern kann. Mit Internet und vernetzten Bibliothek- und Archivsystemen („ein Traum von mir wäre ein Archivverband“, so Rosner) stellt man sich jetzt vereint einer neuen Zeitepoche.

Das älteste Archivgut Dagegen hat man in den Archivbeständen mit der Gründungsurkunde des Klosters Erla und einer Schenkungsurkunde aus dem Jahre 1162

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„Bibliothekare verwalten Bücher. Archivare müssen wirklich lesen.“ MFG 11.13

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MFG ADVERTORIAL

Kultur trifft Wirtschaft

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s war ein erster Versuch – und dieser darf als absolut gelungen erachtet werden. Der Förderverein Kulturbezirk lud seine Sponsoren und Förderer zum „Kulturlunch“ ins Theatercafé des Landestheaters Niederösterreich ein. Das von Initiatorin Caroline Salzer (Vizepräsidentin des Vereins) vorgegebene Thema stellte dabei die provokante Frage in den Raum: „Wirtschaft fördert Kultur – fördert Kultur Wirtschaft?“ Nach einer Vorstellung der „neuen“ starken Frauen in der Hauptstadtkulturszene, der künstlerischen Leiterin des Landestheaters Niederösterreich, Bettina Hering, sowie der künstlerischen Leiterin des Festspielhauses, Brigitte Fürle, entwickelte sich eine angeregte Diskussion, in deren Verlauf einige sehr spannende Inputs seitens der Wirtschaft gegeben wurden. Thomas Salzer, Geschäftsführer des gleichnamigen St. Pöltner Paradeunternehmens etwa verwies auf die Sinnhaftigkeit von konkreten Packages für Business-Kunden, welche Kultur- und Kulinarikgenuss verbinden. Zudem – nachdem NÖKU-Chef Paul Gessl den Gedanken einer Förderung einkommensschwächerer Gruppen angeregt hatte – brachte Salzer in Anlehnung an

den Bildungsscheck der Wirtschaftskammer auch die Idee einer Art Kulturscheck ins Spiel. Helge Haslinger, Vorstandsdirektor der Sparkasse NÖ Mitte West AG wiederum strich das Besondere des kulturellen Erlebnisses hervor, das für Mitarbeiter und Kunden gleichermaßen wertvoll sei. „Eine Karte für eines der Häuser kann ich mir rasch kaufen. Aber einen Abend gekoppelt an ein besonderes Erlebnis, zum Beispiel einen Blick hinter die Kulissen, einen Probenbesuch und ähnliches, das vergisst man nicht so schnell.“ Die Folge sei eine klassische win-win-Situation: Für den Geladenen, der etwas Unvergessliches erlebt, für das Unternehmen, das ihm dieses Erlebnis ermöglicht und daraus einen positiven Imagetransfer ziehen kann, und nicht zuletzt für den Kulturbetrieb, der möglicherweise einen neuen Kunden gewonnen hat, der sich zudem via Mundpropaganda als wertvoller Multiplikator herausstellt. In die selbe Kerbe schlug auch Klaus Ebner von MAIN, selbst langjähriger Kulturmanager, der ebenfalls auf die Sinnhaftigkeit eines geeigneten Gesamtangebots, das von den Häusern sehr flexibel angeboten werden könnte, verwies. Die Anmietung diverser Räumlich-

keiten für Firmenkunden – was möglich ist – brachte wiederum DI Franz Arzberger von AHP als Thema in die Diskussion ein, und Werner Gally, Geschäftsführer des gleichnamigen Versicherungsunternehmens, zeigte sich an den Präsentationsmöglichkeiten für Unternehmer im Rahmen von Fördervereinsveranstaltungen interessiert. Auch die Rolle der Kultur als Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber wurde angesprochen. So hat zuletzt eine Studie belegt, dass – wie Festspielhaus Geschäftsführer Thomas Gludovatz informierte – „etwa im Falle der NÖKUBetriebe jeder eingesetzte Euro doppelt zurück in die Wirtschaft fließt.“ Gerade in St. Pölten zeige sich zudem die unglaublich wichtige Rolle der Kultur im Hinblick auf Lebensqualität und Imagetransfer. Grundtenor: Die letzten ca. 15 Jahre hat die Hauptstadt einen enormen Aufschwung erlebt. Diesbezüglich konnte Robert Beutler, Geschäftsführer des Landestheaters, eine Anekdote erzählen: „Elisabeth Orth war im Taxi am Weg zum Westbahnhof, als sie der Taxifahrer fragte, wo sie denn hinfahre? „Nach St. Pölten!“, gab sie zur Antwort, darauf er: „Ah, da geht es ja gerade mit dem Theater voll ab, wie ich gehört habe!“ Voll ab könnte es in Hinkunft auch mit neuen Firmenmodulen gehen, wie Fördervereins-Präsident Lothar Fieder versprach: „Wir haben vom heutigen Lunch viele Anregungen mitgenommen und werden Sie schon im kommenden Jahren mit ersten sichtbaren Ergebnissen überraschen.“ Auch der Kulturlunch, so viel steht fest, wird eine alljährliche Fortsetzung erfahren – weil Kultur und Wirtschaft einander zum gegenseitigen Vorteil fördern! Mitglied werden und die zahlreichen Vereinsvorteile (Exklusivveranstaltungen, Previes, Künstlertreffen, Exkursionen, Ermäßigungen uvm.) genießen. Anmeldung und Infos unter 02742/908080812, foerderverein@kulturbezirk.at

der große Katzenfreund, 1980 (ausschnitt), © Foto: Günter König

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40 Jahre NÖ Kulturforum

Seit dem Jahr 1973 gibt es das NÖ Kulturforum. Mit einem Festabend am 30. 10. im KulturSozialZentrum Volkshaus Lerchenfeld setzte es den Auftakt für eine Veranstaltungsserie zu diesem Jubiläum in mehreren Städten Niederösterreichs.

G

egründet wurde das Niederösterreichische Kulturforum (NÖ Kulturforum) von einem engagierten Personenkreis mit der Absicht, im doppelten Sinne aufzubrechen: aufzubrechen verkrustete Strukturen und aufzubrechen hin zu einer Neuorientierung der Kulturpolitik in Niederösterreich, die Mitte der 1970er Jahre wahrlich einen Neuanfang brauchte. Der damalige Kulturreferent des Landes NÖ, Leopold Grünzweig, gab den Anstoß dazu, und es hat sich tatsächlich eine Bewegung ergeben, die auch auf die offizielle Kulturpolitik des Landes befruchtend und ideenbringend gewirkt hat und die die Kulturlandschaft Niederösterreichs mit veränderte.

Persönlichkeiten wie Dr. Franz Slawik, Gymnasialdirektor in Schwechat, langjähriger Direktor des Renner-Institutes und Landespolitiker, Prof. Dr. Karl Gutkas aus St. Pölten, Dr. Kurt Preiß aus Krems, Kurt Fuss aus Ternitz, Prof. Gotthard Fellerer aus Wiener Neustadt u. a. m. waren Begründer und jahrelange Wegbegleiter des NÖ Kulturforums. Seinen Zielen fühlt sich das NÖ Kulturforum nach wie vor unbeirrt verbunden: Wir wollen idealistische Ideenbringer sein, sind Förderer und verstehen uns als Kulturmittler, auch Kulturvermittler. Nicht Angepasstheit, sondern kri-

Das NÖ Kulturforum feiert mit vielen Gästen den 40er.

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tisches Kulturengagement kennzeichnet unser Tun. Wir bemühen uns vor allem die Jugend anzusprechen: Mit Schulpartnerschaften und Materialien für die Kunsterziehung, die wir zur Verfügung stellen, bauen wir eine Brücke zur Jugend. Ein Auftrag ist uns auch die Förderung der Jugendkulturszene in den Städten und Gemeinden Niederösterreichs, wie Projekte in Wr. Neustadt (Triebwerk) oder Traisen (Kunstraum) beweisen. Ebenso arbeiten wir immer wieder mit kulturengagierten Seniorinnen und Senioren, wie z. B. im Pensio-


KULTURFORUM

Auszugsweise einige Projekte des NÖ Kulturforums der letzten Jahre • NÖ Kunstproviant I, II (Postkartensammlung NÖ Künstler) • Kunst Phantastisch Proviant • Katalog Weinviertler Künstlerinnen und Künstler • Projekt Hocknstad • Foto- und Diskussionsprojekt „Denkmal statt Arbeit“ (Ulrich Gansert) • Fotoausstellung „Frauenalltag“ (Nikolaus Neureiter) • Fotoausstellung „Roma in Mitteleuropa – Integration oder Ausgrenzung“ (Ulrich Gansert) „Kultur vor der Haustür“ - das Motto des NÖ Kulturforums. Prof. Ewald Sacher, seit einem Jahrzehnt Obmann des NÖ Kulturforums: „Wir sind Kulturvermittler in NÖ.“

nistenverband, bei Ausstellungen usw. zusammen. Wenn offizielle Kulturpolitik naturgemäß das Ergebnis eines politischen Auftrages ist, so ist unsere Arbeit geprägt vom ganzheitlich individuellen, persönlichen Einsatz. Deshalb verzichten wir auch auf einen aufwändigen Apparat und agieren deshalb prompt und unmittelbar. Unser Schwerpunkt liegt in der dezentralen Kulturarbeit, in der Förderung lokaler Initiativen, in der Unterstützung regionaler Künstlerinnen und Künstler, in der Vermittlung kultureller und künstlerischer Werte an die Basis. Wir haben Visionen, wie eine gute Zukunft aussehen kann. Wir haben Phantasie, setzen innovatorische Impulse und wollen mit unserem Tun junge Menschen und Junggebliebene mit der Vorstellung erreichen, dass alles, was lebt, auch pulsiert, auf Bestehendem baut, und sich auch verändern darf! Aus diesem Grund fördern wir kulturelle Initiativen unterschiedlichster Altersgruppen, dokumentieren kulturelle Besonderheiten, gehen überaus erfolgreiche Schulpartnerschaften ein und glauben an eine gute Zukunft! Wir wenden uns auch an jene Kultur­ interessierten des Landes, die noch keinen Zugang zu Kunst und Kultur

fanden, und wollen auch jene für kulturelles Engagement gewinnen, die bislang abseits gestanden sind. Im übertragenen Sinn bringen wir die Kultur vor die Haustüre! Das ist unser Auftrag, den wir auch, vielleicht gerade in einer Zeit verfolgen, in der allzu oft Finanz- und Wirtschaftsprobleme als Hinderungsgründe für eine Kulturförderung vorgeschoben und Kunst und Kultur als nebensächlich abqualifiziert werden. Seit 10 Jahren steht Prof. Ewald Sacher als Obmann an der Spitze des NÖ Kulturforums. Prof. Gotthard Fellerer aus Wr. Neustadt ist der „künstlerische Motor“ und Ideenbringer. Persönlichkeiten aus der niederösterreichischen Landespolitik wie Dr. Siegfried Nasko, Landtagsabgeordneter Helmut Cerwenka, Bürgermeister Josef Jahrmann waren zuvor als Obleute tätig. Im Vorstand sind Vertreterinnen und Vertreter aus sämtlichen Regionen aktiv: Dr. Thomas Karl, Mag. Thomas Pulle, Mag. Thomas Lösch, Elisabeth Schwarzinger aus St. Pölten, NR Ulrike Königsberger-Ludwig aus Amstetten, Alfred Zach aus Schwechat, Mag. Klaus Bergmaier aus Krems, Dr. Michael Rosecker aus Wr. Neustadt u.a.m.

• Projekt „Schiach is sche“ (Gotthard Fellerer) • Kunstleitn Innerschildgraben/Kunstverein Südost • CD-Produktionen „Weinviertler Elegien“, „Morgenrot“, „Freiheit die WIR meinen“ • Förderung Filmproduktion „70 Jahre Herwig Zens“ • Wanderausstellung „Phantastische Kunst in NÖ“ • Kooperation mit Phantastenmuseum Wien/ Palais Palffy • Kooperation mit dem Renner-Museum in Gloggnitz • Schulpartnerschaft NMS Wr. Neustadt u. a. • Förderung von integrativen Kultureinrich- tungen und Veranstaltungen • Kooperation mit Kulturzeitschriften wie BravDa oder mfg u.a.m.

Aktuelle, neue Projekte, Projekte in Vorbereitung

• Fotoprojekt „Bahnnostalgie – Neben- bahnen in NÖ“ (Ulrich Gansert) • Projekt „Lerchenfeld wie es wirklich ist – eine Aufarbeitung“ (Manfred Weis, Ewald Sacher) • Ausstellung „Gott und Kaiser – 100 Jahre Synagoge St. Pölten“ • Katalog „40 Jahre NÖ Kulturforum“ (in Vorbereitung)

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SHORTCUT SZENE

Rosa denkt nach

P Rosa

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DIE KASERNE

Wie sang weiland Wolfgang Ambros im Song „Tagwache“: „Links um, rechts um schallt es schroff, über den Kasernenhof - grau in grau, wohin i schau.“ Norbert „ImmerfüreinecooleIdeegut“ Bauer wird im Falle der ehemaligen Kopalkaserne nunmehr dafür sorgen, dass es erstens ordentlich bunt wird und zweitens es zwar nach wie vor links und rechts geht, aber nicht im Marsch-, sondern im Tanzschritt. Mit „Die Kaserne“ hebt der Veranstalter im Dezember am mittlerweile im Besitz der LUTZ-Gruppe befindlichen Areal eine neue, einmonatige Clubbingschiene aus der Taufe – in Fachkreisen nobel als Popupclub betitelt. „Wir werden jedes Wochenende mit Musik quer durch den Gemüsegarten, von 80ies Pop über House und Drum’n’Bass bis zu Techno auffahren“, verrät Bauer, für den die Rückkehr in die Kopalkaserne auch eine emotionale ist. „Als ehemaliger Grundwehrdiener in der Kopalkaserne ist das eine einmalige Chance, dort den Militärbär steppen zu lassen – LUTZ sei dank, der uns das allen dort ermöglicht!“  www.diekaserne.at

Hollywood-Diva? Weil in ihren Augen die aktuelle PunkSzene der Hauptstadt vor sich hingrundelt, „war es an der Zeit, der viel zitierten ‚STP Rockcity‘ wieder mehr Punkrock einzuhauchen!“ Die Antwort der Herren „Hurricane Harry“,

„ZZ Gabor“ und „Mots T. Sux“, die seit Jahren in diversen Bands wie Exceed Excess, Skeptic Eleptic oder Demenzia Kolektiva aktiv sind, heißt„The Zsa Zsa Gabor’s“. Warum ausgerechnet die Hollywood Diva als Namensgeberin für die neue Band Patin steht, erklärt Mots T. Sux so: „Zum einen heißt unser Drummer Gabor und zum zweiten haben wir den Kontrast Hollywooddiva versus Punk ganz interessant gefunden.“ Einigen fetten Stuff haben die Jungs schon in den Äther geschleudert, wobei sie in ihren Songs zum einen das pralle Leben besingen, zum anderen – geradezu eine Wohltat in weichgespülten Faserschmeichlerzeiten – aber auch schon mal einen sozialkritischen Blick riskieren!

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Fotos: Daniel Coulmann/Fotolia.com, zVg

Da lag Rosa nun: verrotzte Nase, verschleimte Bronchien und ganz miese Stimmung, weil durch Langeweile das Gesundwerden anscheinend noch länger dauerte als sonst. Also mal kurz die Stellung gewechselt, vom Bett auf die Couch und damit auch vor die Glotze. Doch was Rosa dort zu sehen bekam, besserte die Laune auch nicht gerade: Perfektes Dinner, perfekte Hochzeit, auf der Suche nach dem perfekten Sex, perfektes Shopping, perfekte Schwiegertochter, perfekte Brüste und vieles mehr. Alles ganz perfekt und mehr als Rosa gerade so lieb war und ertragen konnte. Kommen etwa daher die Anwandlungen jener Mütter, denen Rosa in Boboville begegnete, und die in perfekten Designer-Kinderkutschen ihre Marie-Luisen, Leonardos, Arthure und Egons auf den großen Präsentierteller Kinderspielplatz spazieren schoben. Kamen daher also die Anwandlungen von Rosas Freundinnen, die perfekte Ehefrau, Hausfrau und Mutter sein zu wollen, um dabei im selben Moment auch noch Erfolg im Beruf zu haben und aufopfernd und leidenschaftlich die Geliebte für den Mann zu spielen, damit alles ein perfektes Zusammenspiel ergibt. Herrje, was für eine Zeitverschwendung. Wer will denn schon perfekt sein, frag ich mich? Rosa nicht. Hier herrscht wohl dringender Aufklärungsbedarf. Es wäre doch jammerschade, wenn Rosa immer pünktlich zu ihren Verabredungen käme. Es wäre doch jammerschade, wenn Rosa immer und ausschließlich top gestylt in den Alltag starten müsste. Ein wenig weniger Perfektion ist doch so herrlich unkompliziert und charmant. Es ist das, was jeden von uns ausmacht und jeden ebenso unterschiedlich zum nächsten macht. Individualität ist doch tausendmal liebreizender als perfektionsgesteuerter Einheitsbrei.


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-up e n i L – s f f o y Pla Hauffgasse 26, 1110 Wien Play-off #1 – Fr, 3.1.2014

Play-off #5 – Sa, 8.2.2014

Snap DazeD (STK), Ruben Dimitri (W), Be.eF & DzingiZ (W), Spade (NÖ), Ophites (W), Colliding Stars (NÖ), tba

Schmiedeeisn (BGLD), Latrator (T), Léyya (OÖ), Slide (OÖ), 4Straight (OÖ), Di’Laemma (OÖ), Under Authority (OÖ)

Play-off #2 – Sa, 4.1.2014

Play Off #6 – Fr, 14.3.2014

XtraVagant (W), Passengers (STK), Coby Trip (W), Jetstream (W), The Overalls (BGLD), Diary Of Myself (NÖ), tba

ACT (NÖ), SYCA (W), Lowlife (W), tba

Play Off #7 – Sa, 15.3.2014

Play-off #3 – So, 26.1.2014

Slite (OÖ), The Heavy Minds (OÖ), Jolly Buster (NÖ), tba

Bäd Hammer (OÖ), Paraseed (OÖ), Alongside (W), Siren Call (W), tba

Weitere Teilnehmer noch nicht terminisiert

Play-off #4 – Fr, 7.2.2014

Kostrouch (W), The Liquid States (NÖ)

Transylvanian Black Sun (OÖ), Biest (OÖ), The Weight (W), Vandans (NÖ), Pussy Pilot (OÖ), Companion (W), tba

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MFG SZENE

TEXT: gotthard gansch| Foto: TIEFENRAUSCH

Camo & Krooked

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amo & Krooked sind zwei österreichische Drum’n’Bass Produzenten und DJs. Im Zuge ihrer Tour legen sie nicht nur in Städten wie Sydney, Rotterdam, Manchester, Rom, Warschau oder Lille einen Stopp ein, sondern eben auch in St. Pölten. Die Stopps in Österreich (auch noch Graz, Innsbruck, Salzburg und Wien) seien dabei etwas ganz Besonderes, wie sie betonen: „Unsere ganze Österreich Tour fühlt sich wie ein großes Heimspiel an. Für uns ist sie jedes Jahr definitiv das Highlight der Saison! Die Partys sind voll mit Freunden und bekannten Gesichtern, die Stimmung am Höhepunkt – wir freuen uns schon!“ So kann der aus Lilienfeld stammende Markus (Krooked) gerade in St. Pölten auf sein Heimpublikum bauen, Reinhard (Camo) wurde in Salzburg geboren und hofft dort auf zahlreiche Unterstützung. St. Pölten sei dabei bereits seit einigen Jahren, noch vor Festivals wie etwa dem Beatpatrol, als Drum’n’Bass 50

Eine Woche nach dem Hl. Nikolaus und Krampus besucht ein mit ähnlich bekanntes Duo St. Pölten: Am 13.12. kommen Camo & Krooked ins Warehouse! Hochburg bekannt gewesen – „wo die wildesten Partys gefeiert worden sind“. Für die Größe der Stadt sei die Szene definitiv stark, im internationalen Vergleich aber eben eine kleine Stadt – wobei Camo & Krooked mit einem Augenzwinkern anmerken: „Size doesn’t matter!“ Zeitgeist. Mit im Gepäck haben die beiden auch ihr neues Album „Zeitgeist“, an dem anderthalb Jahre gearbeitet wurde. Der Name der Scheibe soll hierbei die Vermischung verschiedenster Musikrichtungen aus unterschiedlichen musikalischen Epochen mit „unserem eigenen Sound der Zukunft“ andeuten. Die vorangegangene Studioarbeit, der

Versuch, sich selbst immer und immer wieder zu übertreffen, sei dabei die wahre Herausforderung an ihrem Beruf. Das Reisen gehöre auch dazu, sei aber zur Routine geworden. „Die Berufung beginnt schließlich beim DJing im Club, ohne dessen Kick wir wohl gar nicht mehr leben könnten“, wie sie voller Enthusiasmus berichten. Ihr Interesse an elektronischer Musik habe sich dabei bereits sehr früh heraus kristallisiert: Es begann im zarten Alter mit dem Hören von Vangelis oder Jean Michel Jarre, führte weiter zu ersten Gehversuchen in der Produktion mit Einsteigerprogrammen sowie zu ersten Releases und gipfelte schließlich in einer Karriere auf großen internationalen Bühnen – so sind sie mittlerweile etwa Dauergast beim größten Electronicmusicfestival der Welt, dem „Ultramusic“ in Miami. Satt sind sie deswegen aber noch lange nicht, sie richten den Blick weiter nach vorne – und die nächsten Projekte sind bereits im Köcher!


MFG ADVERTORIAL

FH ST. PÖLTEN

Zug um Zug zum Erfolg

Möglichkeiten zu studieren gäbe es in der Bundeshauptstadt zu Hauf. Der in Wien lebende Medienmanagement-Student Fabio nimmt aber freiwillig täglich längere Anfahrtswege nach St. Pölten in Kauf. Für ihn ist es der Beginn einer Erfolgsstory. Warum, erzählt er uns höchstselbst ... Hätte ich damals gewusst, ich werde einmal in St. Pölten studieren, ich hätte mich wohl nur milde belächelt. Von der Hauptstadt Österreichs nach St. Pölten? Ein komplett neues Umfeld ohne Bekannte, Freunde und Bezugspunkte? Das kann ja nicht gut gehen. Eine große Fehleinschätzung, wie sich herausstellte. Über die Bildungsmesse Best wurde ich auf die Fachhochschule St. Pölten aufmerksam. Praxisbezogenes Studium im Medienbereich im Herzen Europas? Das klingt doch gut. Nach einiger Recherche gab ich der Fachhochschule samt St. Pölten eine Chance. Durch einen interessanten Tag der offenen Tür und Gespräche mit damaligen Studenten wusste ich genau: Das ist meins! Seit Herbst 2012 studiere ich nun im Bachelorstudiengang Medienmanagement in St. Pölten. Um meine Wurzeln nach Wien nicht gänzlich zu verlieren, wohne ich noch dort und pendle jeden Tag an die Fachhochschule. Daran habe ich mich, dank schneller Zugverbindungen und guter Infrastruktur, aber schnell gewöhnt. Die freundliche Atmosphäre und das studentische Umfeld rund um die FH haben es mir leicht gemacht, mich zurechtzufinden. Seit Beginn meines Studiums wollte ich unbedingt die Lehrinhalte der Vorlesungen in die Praxis integrieren. Ich entschied mich, beim Ausbildungsmagazin SUMO mitzuarbeiten. Eine der besten Entschei-

dungen, wie sich später herausstellen sollte. Die Arbeit für das Printmagazin und die wertvollen Praxisinformationen sind wie eine Spielwiese im Medienbereich. Hier kann ich mich ausleben, Fragen stellen und auch Fehler machen. Nirgendwo anders wäre dies in der Art möglich. Nun, im dritten Semester, bin ich Leiter der Bildredaktion und koordiniere zusätzlich den Vertrieb. Hier werde ich vor Probleme und Herausforderungen gestellt, die es in der Arbeitswelt ebenso gibt. Ich löse sie und sammle dabei Erfahrung. Das ist für mich Praxis! Derzeit arbeite ich für das Kommunikationsteam der Fachhochschule. Meine Tätigkeit bei SUMO hat mir dabei maßgeblich geholfen. Von Wien nach St. Pölten? Für mich eine Erfolgsstory.

Fabio Faber, 19 Jahre Student Bachelor Medienmanagement mm121042@fhstp.ac.at

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MFG SZENE

TEXT: Siegrid Mayer | Fotos: Robert Saringer

Frischer Wind, wo es mal gestunken hat….

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Seit 2012 nutzt die NDU eine leer stehende Halle der ehemaligen Glanzstofffabrik unter dem Namen „NDU Factory“ und machte sich zuletzt im Rahmen des Symposiums „Maßstab Mittelstadt“ über Realität und Zukunft des Industrieareals Gedanken.

D

ie Glanzstoffwerke vereinen Gegenwart und Zukunft. Mit dieser Ausstellung wollten wir zeigen, wie sich das alte Fabriksareal in die Mittelstadt St. Pölten neu und zukunftsnah eingliedern kann“, so Rektor Stephan Schmidt-Wulffen. Zu diesem Zweck hatten Experten aus ganz Europa und aus unzähligen Fachgebieten rund 160 Studenten aller NDU-Studienrichtungen im Zuge von zehn Workshops begleitet. Als Output entstanden so Modelle für die Stadtplanung, Ideen für die Bespielung des Glanzstoffgeländes und Visionen für die Stadt St. Pölten. Für Rektor Schmidt-Wulffen ist insbesondere der interdisziplinäre Ansatz von größter Bedeutung. „Die Lehrenden und Studierenden kommen aus unterschiedlichen Disziplinen und bringen so vielfältige Blickwinkel ein.“ Letztlich habe die Zusammenarbeit „den wertvollen Impuls geliefert, über den eigenen fachlichen Tellerrand zu schauen!“

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M ZUKUNFTSVISIONEN. Experten aus ganz Europa und aus unzähligen Fachgebieten haben mit rund 160 NDU-Studenten Ideen für die Nutzung des Glanzstoffgeländes erarbeitet.

Eine Erfahrung, welche auch die Studenten bestätigen. „Ich kann mich hier meiner eigenen Idee widmen und dabei feststellen, wie sie unter Hilfestellung der NDU quasi einen Platz in der realen Welt findet“, schwärmt etwa Student Manuel Weilguny. Dominic Reiter wiederum, Student des Bachelor Studiengangs „Grafikdesign & mediale Gestaltung“, zeigte sich von der Arbeit mit dem neuseeländischen Lektor Vito Lo Lacono angetan: „Seine Ideen zu Strategy Design & Advertising, vor allem im Bereich Social Media haben neue wertvolle Denkansätze in den Workshop gebracht“. Die Workshopthemen, an denen sich die Studenten sozusagen abarbeiten konnten, waren manigfaltig und spannend – ein paar Beispiele: „Umwidmung des Glanzstoff Areals“ fragte nach der Bedeutung der ehemaligen Fabrik für die umliegenden Bewohner, Studierenden, Arbeiternehmer und Durchreisende. „(Re)produktion“ thematisierte die Frage der Möglichkeit einfacher Produktionsprozesse/Manufakturen, um das Areal kurzfristig wieder in eine lokale ‚Produktionsstätte‘ zu verwandeln. Am Ende des Tages wurden durch-

aus spannende Ergebnisse präsentiert, wie etwa das Modell „Family Park St. Pölten“. Dieses geht davon aus, dass das ehemalige Fabriksareal zur Zusammenführung verschiedener Generationen genutzt werden soll. In einer Kombination aus Wohnmöglichkeiten und Arbeitsbereichen auf engem Raum erübrige sich unnötiges Pendeln. Zentrale Themen des Konzepts seien Grünflächen sowie eine umfassende Infrastruktur, vom Restaurant über den Friseur bis hin zu zukünftigen Betrieben. Die so entstehenden Arbeitsplätze seien so attraktiv, um am Areal sesshaft zu werden, Jugendarbeitslosigkeit und Abwanderung würde so entgegengewirkt werden. Jedenfalls brachte das Symposium neue, „schrankenlose“ Inputs zusätzlich zu bereits kursierenden in der Stadt, wie etwa der Ansiedlung weiterer universitärer Einrichtungen am Areal oder der Schaffung einer Glanzstoff-Factory für regionale Künstler. Die Glanzstoff bleibt das spannendste städteplanerische Kapitel der nächsten ein, zwei Jahrzehnte, frisches Studentenblut und Inputs von Querdenkern können im (Selbst)Findungsprozess nicht hoch genug eingeschätzt werden!

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MFG SZENE

TEXT: Katharina Vrana| Fotos: Hanna Partaj

DIXIELAND GOES STP Vor einem Jahr hat Mastermind Reinhold Gansch mit einer Schar gleichgesinnter Vollblut-Musiker aus St. Pölten und Umgebung „Dixiefritz & The Hippolyt Stompers“ gegründet. Die größte Überraschung: Auch die junge Crowd fährt voll auf Dixieland ab.

R

einhold Ganschs Herz schlägt für die Musik: Er studiert unter anderem Trompete, verbringt seine Freizeit in zahlreichen Bandprojekten unterschiedlichster Richtungen – man sollte also meinen, er sei ausgelastet. Weit gefehlt: Vor ungefähr einem Jahr kam Gansch die Idee für ein weiteres Projekt: eine DixielandBand. Dixieland bezeichnet den frühesten Jazz weißer Musiker und entstand um 1890 in Nachahmung des New Orleans Jazz. In einer vierköpfigen Formation, die sich dieser Musikrichtung verschrieben hat, spielte zwar bereits ein Teil der nunmehrigen Band – doch Reinhold schwebten „vielfältigere und ausgefallenere Arrangements“

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vor, die nur mit einer größeren Mannschaft umzusetzen sind. So machte er sich auf die Suche nach potentiellen Bandmitgliedern und fand schon bald Gleichgesinnte. Neben Reinhold Gansch sind Gotthard Gansch, Robert Rosenthaler, Christian Amstätter, Rainer Leithner, Patrick Rauch, Paul Schubert, Johannes Forstreiter sowie Michaela Wandl mit von der Partie und nennen sich „Dixiefritz & The Hippolyt Stompers“. Mister Fritz Dixie himself ist ein recht scheuer Kauz, selbst die Auftritte schwänzt der geheimnisvolle Mr. X. Ganz anders ist da Reinhold und schwärmt voller Begeisterung vom Probenalltag, der sich aufgrund der Größe der Band nicht immer ganz

einfach gestaltet. So erzählt Gansch, „dass sich unser Gitarrist und unser Posaunist erst nach einem halben Jahr kennen gelernt haben, weil immer einer der beiden keine Zeit hatte! Aber das sind alles erfahrene Musiker – das ist kein großes Problem. “ Der Reiz an Dixieland ist für den Band-Leader die klangliche Vielfalt, die aufgrund der großen Besetzung gegeben ist. Unterschiedliche Instrumente, die sich abwechseln, spannende Soli, die jedes Mal anders ausfallen können – Dixieland bietet diesen Spielraum, es ist viel Platz für Improvisationen. Heuer absolvierte die Truppe bereits drei äußerst erfolgreiche Auftritte im Egon, beim Villino da Tino in Mauterheim und beim Parque del Sol-Festival. Von Seiten der Band freut man sich nicht nur über die Besucherzahlen, sondern auch besonders über das Interesse des jungen Publikums, weshalb Dixiefritz & The Hippolyt Stompers auch im nächsten Jahr wieder live on stage stehen werden. Wie sang schon weiland Elvis, die schwärzeste weiße Stimme aller Zeiten in American Trilogy: „Oh, I wish I was in Dixie!“


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MFG SZENE

BAUCHKLANG

Is this the End?

Bauchklang gilt als Aushängeschild der St. Pöltner Musikszene, auf Grund der Gerüchte zu einer Auflösung der Band wollte es das MFG Team genau wissen. Wir trafen BK vor ihrem Auftritt in der alten Linzer Tabakfabrik zu einem ausführlichen Interview. Wie läuft das so vor einem Konzert ab – habt ihr Rituale?

Gerald Huber: Im Normalfall treffen wir uns eine dreiviertel Stunde vorher. Phillip und Andi machen meistens Übungen zum Einsingen, Alex zieht sich zurück, und ich bin derjenige, der direkt vom Sofa aufsteht und auf die Bühne geht. Kurz vorm Auftritt gibt es noch ein gemeinsames Einschwören.

Alex ist ruhig? Musst du sozusagen vorher in Dich gehen?

Alexander Böck: Das ist einfach mein

Naturell. Ich bin nicht so wie Scooter, der sich Backstage „aufganserln“ muss, um dann auf der Bühne zu funktionieren. 56

Wieso habt ihr euch eigentlich nie den ganz großen Erfolg geholt, seid den Weg über den Kommerz, über Ö3 gegangen? Christian Birawsky (Bina): Dazu muss

es allen voran einmal eine Grundeinstellung geben, und dann ist es noch immer extrem schwierig und mit viel Arbeit verbunden. Das muss man mögen, es wird einem nichts geschenkt! Und nur weil du Musik machst, heißt das ja noch lange nicht, dass du einen Hit produzieren kannst – zudem gehört auch die ganze Promokiste dazu, wo du irgendein Image durchziehen musst, das du vielleicht gar nicht bist… BK: Und du musst das Musikmaterial dafür haben!

Aber das ist doch der Fall bei euch! BK: Nein. In Vergangenheit gab es

zwar immer wieder Berater und Kollegen, die meinten „Na macht’s doch mal einen Hit“, und es gab auch die eine oder andere Studio Session, wo wir in diese Richtung gearbeitet haben, aber letztlich hat es nicht funktioniert. Und etwas „Hittiges“ zu machen, nur um mehr Kohle zu verdienen, obwohl man nicht dahinter steht – das war nie unser Weg. Huber: Man müsste – gerade auch bei Ö3 – viele Kompromisse eingehen, und wir sind künstlerisch nicht gerade als die kompromissbereiteste Band bekannt. Ö3 ist sowieso ein Reizthema für uns (BK lachen) – aber jetzt nicht mehr! Es gibt ja extrem viele gute Acts, die das Potential hätten, gespielt zu werden – und da spreche ich jetzt gar nicht von uns – aber die werden halt ignoriert. Es gibt keinen Support. Das ist noch immer so, dass Österreicher nicht gespielt werden? BK: Ja.


TEXT: Siegrid Mayer | Fotos: Karl Stadler

Ihr hattet schon Gigs in Übersee, Kanada, Indien – warum ist es dann nicht Richtung Welttournee weiter gegangen?

Andy Fränzl: Es gab durchaus Momente, wo wir knapp davor standen, aber zuletzt haben einige Ingredienzien im Managementbereich gefehlt, um wirklich richtig weiter zu kommen. Und einige Dinge, wie z. B. Werbegeschichten, wofür wir uns hätten verbiegen müssen, haben einfach nicht zu unserer Gruppenidentität gepasst. Böck: Um in Übersee spielen zu können, brauchst du einen Partner, der das Projekt finanziert, und einen – für uns wichtig – der dich nicht verbiegen möchte. Im Endeffekt ist es also auch am Geld gescheitert. Und du kannst dir vielleicht Österreich mittels Touren erspielen, aber in Deutschland funktioniert das schon nicht mehr, geschweige denn in den Staaten ... denn da wärst du 80, wenn du dir das Land mit Konzerten erobert hast. Und in Österreich haben wir auch nie die Riesenhörerschaft gehabt. Natürlich haben wir ein gewisses Standing, aber es gibt trotzdem Millionen von Leuten, die von Bauchklang noch nie etwas gehört haben. Bina: Es ist eine Nische, eine absolute Nische – aber dafür ist es cool.

Von der großen Welt in die Heimat. Wie ist euer Bezug zu St. Pölten. Wie erleben Bina als Münchner und Phillip als Linzer die Stadt? Bina: Ich habe St Pölten zuerst über den

SKW und die Pension Tritsch Tratsch, die liegt ja da irgendwo im Industrieviertel, kennengelernt. Der zweite Eindruck war dann beim Hubsi, der am Fluss neben dem Regierungsviertel wohnt, das ja tot ist, wenn man da am Samstagnachmittag durchgeht. Und

GERALD HUBER

ALEXANDER BÖCK

dann kenne ich natürlich die Altstadt. Die ist lieb, klein, und überschaubar. Aja und die Aquacity gibt’s noch! Philipp Sageder: Der einzige echte St. Pöltner ist eigentlich Alex, die anderen kommen ja auch aus der Umgebung. St. Pölten war halt irgendwie die Homebase, dadurch wächst einem der Ort ans Herz. Ich hätte nie geglaubt, dass ich jemals nach St. Pölten komme. Aber es gibt hier wirklich gute Musiker. Bina: Ja! Es gibt extrem gute Musiker sogar, und es gibt größere Städte, wo bedeutend weniger los ist. Fränzl: Der Bezug zu St. Pölten hat sich natürlich im Laufe der Jahre verändert. Zu Beginn sind wir hier noch in die Schule gegangen, so im Alter zwischen 17 und 19 Jahren, je nachdem wie oft du wiederholt hast (lacht). Danach habe ich in Wien gewohnt, aber geprobt haben wir am SKW, später hat es sich dann allerdings auch nach Wien verlagert. Aber wir haben unsere Herkunft immer vor uns hergetragen, auch gegenüber andern Bands. Und obwohl die Hälfte von Bauchklang seit zehn Jahren in Wien wohnt, haben wir eigentlich nie gesagt, wir sind eine Wiener Band. Der St. Pöltner Stempel ist uns sozusagen geblieben, es war aber auch eine bewusste Entscheidung … auch wenn wir dafür oft genug ausgelacht wurden. Schlagwort „Sex & Drugs & Beat Boxing“: Kann man so ein Image pflegen?

Sageder: Angeblich haben wir ein ziemlich verruchtes Image und wir versuchen erst seit kurzer Zeit dem wirklich gerecht zu werden (lacht). Natürlich gibt es immer wieder Partys und entspannende Momente, aber wir sind jetzt nicht die Band, die mehr Frauen

im Tourbus hat als Techniker… Böck: Wir sind eigentlich relativ steady, es gibt nicht dieses „Jetzt bin ich auf Tour und kann mich endlich voll ausleben.“ Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass unser Erfolg langsam gewachsen ist, nicht so wie bei jungen Bands, die mit dem Erfolg über Nacht vollkommen auszucken. Eure Konzerte sind ja auch körperlich anstrengend, da kann man wohl eher schwer mit einem hang over auf die Bühne gehen, oder?

Sageder: Naja es geht schon, aber du musst halt aufpassen, denn du hast ja keine neuen Saiten, die du aufziehen kannst. Das macht auch den Unterschied zu wirklich jedem anderen Instrumentalmusiker aus – wir müssen tatsächlich jeden Tag den Sound, den wir machen, neu erfinden.

ANDY FRÄNZL

Neu erfinden, finden möchte sich auch Bauchklang und macht eine Schaffenspause. Alex verlässt die Gruppe. Warum Alex?

Böck: Ich habe bis jetzt alle Interviews abgelehnt. Es ist eine Mischung aus verschiedenen Gründen und der Wunsch zur Umentwicklung. Also keine Weiterentwicklung, sondern eben die Entwicklung in eine andere Richtung. Selbst in der Phase, als mein Schritt bekannt wurde, war relativ wenig Interesse dafür. Ich habe mich immer aus der Presse herausgehalten. Mein Statement ist: Es war total

Save the last dance Ihr letztes Konzert vor der Pause geben Bauchklang in ihrer Homebase St. Pölten, und zwar am 19. Dezember im Warehouse! www.w-house.at; www.bauchklang.at

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MFG SZENE

Weihnachten in STP

IS THIS THE END?

geil. Es war, was es war, und es ist einfach eine neue Zeit angebrochen aus verschiedenen Gründen. Und es wird auf jeden Fall weitergehen. Es ist nicht so: „Bauchklang ist satt und schiebt den Teller weg“?

Roul Starka

Foto: Dron/Fotolia.com

Weihnachten, alles war Märklin und Karpfen und Carrera, Oma und Eierlikör, Bruder, Schwester, Tannenbaum. Der Höhepunkt war das Läuten der Weihnachtsglocke, es klingelingte verlässlich. Was uns natürlich schon seit Jahren aufgefallen war, dass meine Mutter immer kurz vor dem Zeitpunkt des Klingelns in die Küche musste, den Kuchen oder sonst was im Rohr anschauen. Wir waren schon alle über 20, als wir wie jedes Jahr, hochrot und festlich im Gesicht, unsere Mutter lachend fragten, ob sie denn nicht kurz in die Küche müsse, den Kuchen anschauen. Doch die milde lächelnde Mutter meinte, nein, müsse sie nicht, sie habe erst vor kurzem nachgeschaut, es sei alles bestens. Ein „Aha…“ ging durch das hübsch verteilte Reisig, der Oma klebte der dritte Eierlikör auf den Oberlippen, alles kekserlte und bröselte aufgeregt. Ich sehe es noch ganz genau, die Mama lehnte entspannt am Türstock zum Vorzimmer, leuchtend roter Lippenstift, abwechselndes Oma-MundAbwischen von uns „Kindern“, der liebe Onkel Jupp, Mamas Lebensgefährte, sprach ein „Jo jo“, und: Es klingelte. Oma hörte zu kauen auf, alle sahen zur Mama und sagten leise: „Mama…?“ „Ja?“, lächelnd das Christkind, die Mama. „Ja, aber, du bist ja da?!“ „Ich bin immer da, bin ja eure Mutter!“, lachte die Mutter. Und es klingelte wieder und wieder, klingeling, ich schwöre es, die Glocke machte „Klingeling“. Wir alle sahen der Mama in ihre glitzernden Augen, gerade waren wir noch Mitte 20 und ganz furchtbar erwachsen, nie wieder war der Raum so voller staunender Kinder. Jahre später gestand mir meine Mutter, dass es ein heimlich konstruierter Seilzug gewesen ist. Oder ein Draht zum Christkind, das glaube nämlich ich, euer Roul.

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Böck: Nein. Es gibt jetzt ein halbes Jahr Pause und dann werden wir sehen, wie es weitergeht. Dass es das Ende ist, mit dem Gedanken spielen die Medien gerne, weil es so schön plakativ klingt. Aber es stimmt nicht!

Also ist eigentlich alles offen ...

Fränzl: Der Moment ist stimmig für

uns. Die letzten Jahre haben wir uns alle völlig dem Projekt verpflichtet gefühlt, waren ständig dafür abrufbar. Es gab nie länger als drei Wochen Urlaub. Jetzt passt es gut. Alex wollten und könnten wir sowieso nicht nachbesetzen. Jetzt werden wir jeder für sich die Zeit nutzen. Was macht Ihr in der Zeit, die euch diese Pause beschert?

ein, besuche über den Februar meine Familie in Indien. Ich bin mit verschiedensten Leuten an einigen Projekten dran. Böck: Ich habe diese Gedanken für mich außen vor gelassen, lasse mir Zeit bis 1.1. Ich habe jedenfalls vor etwas ganz anderes zu machen, vollkommen weg von der Musik. Konntet ihr eigentlich von Bauchklang leben, oder müsst Ihr die Schaffenspause zum Geldverdienen einlegen? Fränzl: Es ging sich aus, wenn wir auch

nicht reich wurden. Aber das Schöne ist, dass wir unabhängig sind und uns

PHILIPP SAGEDER

Huber: „Visch“, das Projekt mit meiner

Frau und einem befreundeten Pärchen ist mein großes Thema (www.visch.at, Anm.), weil wir unseren Lebensraum verändern wollen. Ich werde verstärkt Beat Boxing Workshops anbieten und weiterhin Musik machen. Fränzl: Ich habe mir noch wenig Gedanken darüber gemacht, eventuell gehe ich mehr in Richtung Malerei. Auf jeden Fall mache ich musikalisch Dinge, die ich mir bisher verwehrt habe. Bina: Ich habe in München meine Base. Mich hat ein Spezl gefragt, ob ich Theater spielen will, jetzt versuche ich mal das, und dann will ich Musik machen. Sageder: Ich möchte auch Musik machen. Vorher lege ich eine kurze Pause

CHRISTIAN BIRAWSKY

immer voll auf das Künstlerische konzentrieren konnten. Wir sind nie abgehoben, daher ging es sich aus, und Geld war sowieso nie eine Motivation. Meine Abschlussfrage: klang und Song Contest?

Bauch-

Fränzl: Ihr werdet es nicht glauben, aber diese Frage ist von gewissen Ecken immer wieder an uns herangetragen worden. Böck: (lacht) Das machen wir 2015 – ich habe schon vor 15 Jahren gesagt, der Song Contest ist unser letzter Gig.

Bleibt mir nur noch anzumerken: Warum sitzen nicht Musiker wie Bauchklang, sondern – bei allem Respekt für Sido – ein deutscher „Hip Hop Popper“ in der Jury der österreichischen Talente-Schau „Die große Chance“? Und: Ich hoffe, dass unsere Kinder in einigen Jahren auch noch vor der Bühne bei Bauchklang genauso auszucken können wie wir, als uns die Jungs mit ihren unglaublichen Soundkonstruktionen wie die Puppen tanzen ließen … Danke BK!


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AUSSTELLUNG Für die Ausstellung „Vom 5-Uhr-Tee zum Frequency“ – initiiert von Wolfgang Matzl und Didi Prochaska gemeinsam mit Kuratoren und Künstlern aus St. Pölten – werden bis Ende des Jahres noch Exponate von Videomaterial über Plakate, Flyer, Eintrittskarten, Merchandise uvm. aus 60 Jahren St. Pöltner Musikszene gesucht. (Ehemalige) MusikerInnen, Bands und Fans können sich bis 31.12.2013 unter stp.ausstellung@gmail. com melden, um ihre Fundusschätze einzureichen.

Vom Fünf-Uhr-Tee zum Frequency SERIE 2. TEIL

Wir befinden uns in den 50er Jahren, der Krieg und die darauf folgenden Hungerjahre sind vorbei, die Trümmer beseitigt, Österreich ist frei. Das Jahrzehnt steht ganz im Zeichen von Aufschwung und Wachstum, der allgemeine Optimismus ist überall spürbar, es geht bergauf, und zwar ordentlich. Und ordentlich sollte auch nach dem Krieg noch die Jugend sein, zwar nicht mehr militärisch-straff organisiert wie in den NS-Verbänden, aber doch.

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nd wie immer, wenn die Jugend in einen Rahmen gepresst werden soll, der ihr nicht behagt – man sucht sich Ventile, man rebelliert: mit musikalischer Untermalung und neuen Tanzformen. Schon in der NaziZeit waren Jugendgruppen wie die „Edelweißpiraten“, die „Zazous“, die „Swings“ oder die „Schlurfs“ der Obrigkeit ein Dorn im Auge, waren sie doch im Begriff, mit ihrer Musik und ihren Tänzen die Ordnung zu stören und Autoritäten vor den Kopf zu stoßen. Schon 1942 hielt der Referent Heinrich Gollner bei der Sondertagung der Arbeitsgemeinschaft „Junges Schaffen“ zum Thema „Tanz“ in der Wasserburg Pottenbrunn fest, dass die neuen „jüdisch60

frivolen Rhythmen“ selbst die „deutschen Tanzkompositionen“ erfasst hätten und forderte die Einrichtung einer „Arbeitsgruppe Tanz“ und die Fernhaltung von „Schlurfs und Modepuppen“ vom Tanzunterricht, der im übrigen in einer Tanzschule der Hitler-Jugend erfolgen sollte. Eckenstehverbot & Rock‘n‘Roll Dieser Ungeist beherrschte noch das autoritäre Denken der Erwachsenen, als sich die ersten „Halbstarken“ und „Schlurfs“ auf den Straßen trafen – (Szene)Lokale gab es noch nicht einmal in Wien, geschweige denn in St. Pölten. Logische Folge dieser unorganisierten Treffen auf Stiegen und an Straßenecken: das 1957 erlassene „Eckenstehverbot“. Und während

aus den Radios noch Operettenstimmen dem Belcanto huldigten, hörten die Jugendlichen bereits die lange verbotene „Negermusik“ und tanzten dazu. Aber musikalisch so richtig losgehen sollte es erst in den 60ern. Der Schlager herrschte vor, doch Stars wie Ted Herold und Peter Kraus trauten sich bereits, Elemente des Rock’n’Roll einfließen zu lassen und machten Lust auf mehr. Didi Prochaska bringt’s auf den Punkt: „Wenn auch der ‚echte’ Rock’n’Roll hierzulande völlig unbekannt war, drangen Chuck Berry, Little Richard und Elvis auch zu uns vor. Kaum hatten wir das verdaut, lief die Information: Du musst ab 21 Uhr dein Radio ins Fenster stellen, mit Draht eine lange Antenne basteln und Radio Luxemburg suchen. Und damit tat sich eine völlig neue Musikwelt auf! ‚Here is Radio Luxemburg, the station of the stars!’ tönte der Moderator, und plötzlich kamen da Sounds und Songs aus der Kiste, wie wir sie nie zuvor gehört hatten. Zwar war der Empfang immer wieder unterbrochen, die Sendersuche ZehntelMillimeterarbeit, aber wir saßen wie gebannt vor dem Röhrengerät und hörten plötzlich Cliff Richards, die Shadows und Bill Haley, wenngleich auch oft nur in Fragmenten. Heute noch unglaublich war das darauf folgende Tempo, in dem sich die Musik entwickelte. Plötzlich hörten wir Beatles, Rolling Stones und Kinks, Freunde brachten immer neue Platten aus England, Holland und Deutschland mit, Kassetten wurden kopiert,


TEXT: Wolfgang Matzl | Fotos: ZVG

getauscht und gehandelt – die Musikrevolution kam über uns wie ein Tsunami. Und erstmals gab es beim Elektro-Klug am Bahnhofsplatz auch LP’s und Singles zu kaufen! Fast täglich pilgerten wir hin und hörten immer mehr Neues, und selbst im sonst so ruhigen St. Pölten begann sich eine Szene aus Hippies, Gammlern und Musikfreaks zu formieren.“ Diese Szene blieb natürlich der Öffentlichkeit nicht verborgen: „Allmählich scheint der ‚Gammler-Look’ auch im St. Pöltner Stadtbild auf, je nach Generationseinstellung zur Verwunderung oder zum Ärgernis der Passanten“, schrieben etwa die NÖN 1966, als sie von einer Reise des „St. Pöltner Gammlerkönigs“ Willi Lechner per Autostopp nach London berichtete. Wobei der noch beteuerte, kein echter Gammler zu sein, weil er ja arbeite, wohingegen ein echter aus Protest gegen die Gesellschaft absolut nichts tut. So etwas wie „Jugendkultur“ Während in London in den BeatClubs wie „Marquee“ oder „Tiles“ die Richtung vorgegeben wurde, begann nun auch in St. Pölten die Szene Treffpunkte und Lokale zu erobern. In den Stadtsälen wurden die ersten „Teenager-Partys“ organisiert, freilich noch mit dem politisch verordneten Versuch, die Jugend in geordneten Bahnen zu lenken. „Wir brauchen keine Spelunkenmädchen

HEROES. New Malformation (Nebenseite) schafften es bis in Peter Rapps „Spotlight“, und auch Helmut Scherner mischte früh mit seiner ersten Band Shadecrackers (o.) in der Szene mit.

aus irgendeiner Bar in Wien, die in St. Pölten singen, wir haben mindestens ebenso gute Kräfte hier“, so der Leiter des St. Pöltner Jugendklubs 1965. Und er hatte insofern recht, als die St. Pöltner Bands, die in dieser Zeit ins Rampenlicht traten, den nationalen Vergleich nicht scheuen mussten. In den beliebten Bandwettbewerben platzierten sich die „Swing-Boys“, „The Lost Generation“, „The Gents“, „The Fellows“ und andere Bands aus St. Pölten und Umgebung stets an der Spitze. Zu den beliebten „Matinées“ und den darauf folgenden „Fünf-Uhr-Tees“, zuerst im Parkkino am Mühlweg, später in den Stadtsälen, strömten Massen von Jugendlichen, um erstmals Jugendkultur zu zelebrieren, Live-Musik zu

hören und zu tanzen. Und es ging in dieser Tonart weiter. Auch in den 70er Jahren war St. Pölten in der österreichischen Musikszene „on top“. Bands wie „The EXP“ (der damalige Bandleader Ernest Kienzl ist heute Obmann des St. Pöltner Künstlerbunds), „The Roots“ und später „Iviron“ rund um Ausnahmemusiker Helmut Scherner oder „New Malformation“ waren Aushängeschilder der heimischen Szene. Vor allem die „New Malformation“ brachte es dank professioneller Struktur mit eigener P.A. Anlage, Bandbus und Management (Ed Knappl!) zu unzähligen Auftritten im In- und Ausland samt Airplay im Radio und Fernsehauftritten, unter anderem bei Peter Rapps „Spotlight“. Und wer werkte als Tontechniker am Mischpult? Bereits erwähnter Didi Prochaska, seines Zeichens nun Oberkurator der Ausstellung „Vom Fünf-Uhr-Tee zum Frequency“, die sich des Themas der St. Pöltner Musikszene umfassend annimmt und im Frühjahr 2014 im Parkhaus der neu gebauten Arbeiterkammer NÖ in der Herzogenburgerstraße eröffnet wird.

In der nächsten Ausgabe SWING-BOYS. Die Swing-Boys rund um Schurl Lind und Hannes Mader zählten zu den ersten

Die Chartstürmer von den 80ern bis heute.

großen St. Pöltner „Exportschlagern“ in Sachen Jugendkultur.

MFG 11.13

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Warehouse

BAUCHKLANG & FRIENDS

21.12.

Am 21. Dezember stehen Bauchklang zum allerletzten Mal in der aktuellen Besetzung auf der Bühne. Dass dieser Abschied kein leiser wird, ist wohl jedem klar. Das vocal-groove-Project Bauchklang formierte sich im Jahr 1996 infolge einer gemeinsamen Schul-Musical-Produktion von Jesus Christ Superstar des BRG/BORG St. Pölten. Unglaubliche 17 Jahre später zählen Bauchklang heute zu einem der bekanntesten Musik-Exporte Österreichs.

13.12.

THE SEVEN SHOP TRIBUTE

TOASTED!

CAMO & KROOKED

The boys are back in town! Niederösterreichs Drum’n’Bass Fans warten schon lange darauf – jetzt ist es endlich soweit. Im Zuge ihrer Album Release Tour legen CAMO & KROOKED einen Stopp im Warehouse ein. Und wenn zwei der talentiertesten und erfolgreichsten Drum’n’Bass Produzenten unserer Tage zum Heimspiel antreten, dann ist mit einer Bombe zu rechnen. Be there!

25.12.

Der 25. Dezember im Warehouse ist eines jener Phänomene, wo man all jene trifft, die man das ganze Jahr über nicht sieht. Vielleicht ist die Stimmung bei der Seven X-Mas Session gerade deswegen so einzigartig und die Party so beliebt. Das Floor-Hosting übernimmt, wie gewohnt, Mellowmove Surfcamps und City of Bass.

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PROGRAMM NOVEMBER / DEZEMBER FR 22.11. TOASTED!

SA 23.11. PURA VIDA CLUB

DJ DISASZT

CHILI CONTEST

SA 07.12. TRIPUDIUM SESSIONS

SA 21.12. BAUCHKLANG & FRIENDS

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SA 29.11. SUPREME STYLEZ

MI 25.12. THE SEVEN SHOP TRIBUTE

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FIT IN DEN WINTER

Neue Trainer, neue Kurse und einen dichten Stundenplan findet man in „meinSeestudio“ am Ratzersdorfer See in St. Pölten. Perfekt, um kraftvoll in den Winter zu starten.

▼ Tae Bo Carina verstärkt das meinSeestudioTeam mit „Tae Bo“-Stunden - eine Mischung aus Aerobic & Kraftsport. Die Bewegungen sind sehr dynamisch und kraftvoll, begleitet von schneller Musik. Es ist nicht nur ein perfektes Ganzkörpertraining zur Stärkung der Muskeln, sondern zusätzlich ein Gleichgewichts- und Koordinations-Training. Großer Wert wird dabei auf die Technik und Ausführung gelegt. „Es macht wahnsinnig Spaß und man kann sich sehr gut auspowern“, schwärmt die 27-jährige St. Pöltnerin.

den hat, und mir ist es daher ein großes Anliegen meine Motivation weiterzugeben“, so die diplomierte Wellnessund Fitnesstrainerin. Ihr Motto: „Tu deinem Körper etwas Gutes, damit deine Seele Lust hat darin zu wohnen!“ ZUMBA® KIDS Jr. 4–6 Jahre Angelika kümmert sich um die Jüngsten Teilnehmer in meinSeestudio und bietet einen Zumba Kurs für alle Kids von 4-6 Jahren an. Kinderfreundliche Choreografien und Musik, die Kinder lieben, sollen bereits im Kindergartenalter zur Bewegung animieren. Zusätzlich fördert Zumba Kids Konzentration und Selbstbewusstsein, regt den Stoffwechsel an und verbessert die Koordination.

Cheerleading und Cheer Workout Azra unterrichtet Cheerleading/Cheer Dance für Kinder und Cheer Workout für Erwachsene. „Beim Cheerleading/Cheer Dance erlernen die Kinder Grundtechniken wie Sprünge, Pyramiden, Spagate und natürlich auch typische Cheer Choreographien“, erklärt Azra, die bereits seit 2006 Kinder im Cheerleading-Bereich unterrichtet und bis vor Kurzem selbst noch aktive Tänzerin beim offiziellen Cheer Dance Team der Danube Dragons war. Das Cheer Workout für Erwachsene ist eine schweißtreibende Ausdauer- und Kräftigungsstunde mit intensivem Stretchingpart. Bodywork Teresa bietet eine Ganzkörperkräftigungsstunde, sogenanntes „Bodyworkout“, an. „Ich begeistere mich für Alles was Körper, Geist und Seele gut tut. Aus eigener Erfahrung weiß ich, was für einen hohen Stellenwert Bewegung für unser Wohlbefin-

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ZUMBA® Fitness, ZUMBA® Gold, ZUMBA® Sentao, ZUMBA® Kids 7–11 Jahre, FLEXI BAR®, PILOXING® und BOKWA® Fitness Milena ist seit vielen Jahren im Fitness/Aerobic-Bereich tätig und hat vor einem Jahr „meinSeestudio“ eröffnet. Als Trainerin bietet sie nicht nur die verschiedensten Arten von ZUMBA®Kursen für Jung und Alt an, sondern auch die neuesten Trends wie FLEXI BAR® (Stärkung der Tiefenmuskulatur mit einem Swingstick), PILOXING® (eine Mischung aus Pilates und Boxen) und BOKWA® Fitness (Tanzen von Buchstaben und Zahlen).

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meinSeestudio, Bimbo Binder Promenade 15, 3100 St. Pölten, 0676 / 971 6 651, www.meinseestudio.at


Beislkultur in St. Pölten

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Warum in die Ferne schweifen?

Wenn das Gute doch so nah ist in Sachen Wintersport! Die Gemeindealpe Mitterbach entwickelt sich zum genialen Ski Sport Hot Spot.

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ällt einem in der netten, aber manchmal doch etwas engen Hauptstadtregion die Decke auf den Kopf, dann ist es wieder einmal höchste Zeit, um einen Trip ins Voralpenland, etwa die Region der Gemeindealpe Mitterbach zu unternehmen. Das Hirn freikriegen, Sonnenlicht tanken, dem Nebel entkommen, den Fernblick genießen. Es gibt wenig, das einen zufriedener wieder heimkommen lässt, und das alles praktisch direkt vor der Haustür. Nach einer guten Stunde Autofahrt von St. Pölten aus oder einer gemütlichen Reisezeit von knapp zweieinhalb Stunden mit der Mariazellerbahn ist man in Mitterbach angekommen ... und dann geht’s los! Neues altes Skiparadies Hieß es in dieser Gegend früher gern „Uhren zurückdrehen, hier gilt noch Nostalgie!“, ist seit Übernahme des Liftbetriebes durch die NÖVOG eine neue Ära im Anrollen. So lässt Diensstellenleiter Andreas Markusich wissen: „6,5 Millionen Euro fließen in den Ausbau des Wintersportangebots für ambitionierte Wintersportler. Ab der Wintersaison 2013/2014 gibt es einige neue Attraktionen!“ Und damit wird schwer untertrieben – man stellt die Gemeindealpe quasi komplett neu auf, wobei die NÖVOG dabei nach einem professionellen wie nachhaltigen Masterplan vorgegangen ist, der in etwa nach folgendem Schema abläuft: Man nehme ein etabliertes, aber leicht in die Jahre gekommenes Freizeit- und Kurzurlaubsziel, blase den Staub der Vergangenheit aus den letzten Ritzen, engagiere innovative Unternehmen, sei aufgeschlossen für Modernisierungen, wertschätze allerdings die Traditionen und alten Werte der Region und ihrer Bewohner, berücksichtige Alternativen und: Voilà, es entsteht ein großartiges Konzept mit einem unverwechselbarem Profil, wie auch NÖVOG Geschäftsführer Gerhard Stindl bestätigt: „Wir grenzen uns klar von den umliegenden Familienskigebieten Annaberg und Mariazeller Bürgeralpe ab. Unter anderem erneuern wir bestehende

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Beschneiungsanlagen und bauen die Beschneiung bis zur Bergstation aus. Im Skiverleih wird es neben Ski und Snowboards auch Snowscoots, Tourenski, Freeride-Ski und Lawinenverschüttetensuchgeräte geben. Damit bieten wir ein umfangreiches Winterangebot mit viel Spaß und Action.“ Eines, das nicht nur mit dem neuen Snowpark als „Herz der Gemeindealpe“ aufwartet, sondern auch manch anderes Zuckerl abseits eingefahrener Muster bereithält, wie Markusich weiter ausführt: „In der Wintersaison 2013/14 ist jeden Mittwoch und Samstag die Abfahrt vom Berg bis 19 Uhr möglich, da die Pistengeräte an diesen Tagen erst nach 19 Uhr in Betrieb genommen werden. Damit bleibt mehr Zeit, den Tag gemütlich im Wirtshaus zum Bäreneck oder im Terzerhaus ausklingen zu lassen.“ Letzteres wird im Übrigen ebenfalls einem Facelifting unterzogen werden, wie Stindl verrät: „Das Terzerhaus wird durch einen Neubau um 2,4 Millionen Euro ersetzt. Das neue Terzerhaus bietet dann einen wunderbaren Panoramablick auf die Bergwelt, 230 Sitzplätze und ein Bettenlager mit 30 Schlafplätzen. Es geht im Sommer 2014 in Betrieb.“ Nachhaltigkeitsschub Im Gegensatz zu den umliegenden Familienskigebieten Annaberg und Mariazell/Bürgeralpe wird sich die Gemeindealpe also in der sportlichen Ecke positionieren, was allein aufgrund der Selektivität nahe liegt: „Wir haben die steilste schwarze Piste Niederösterreichs.“ Es sollen sportliche Skifahrer und Snowboarder, Tourengeher (für die es zwei Routen mit eigenem Zugang gibt!) sowie Freerider angesprochen werden. Zudem möchte man auch mittels Side-Events für Belebung sorgen. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, einige spannende Veranstaltungen zu uns auf den Berg zu bringen!“, verrät Markusich, und weiter „Der Snowpark sowie die anderen neuen Winterangebote stellen eine große Chance dar, die Gemeindealpe stärker als zuvor als wichtigen Wintersportort zu positionieren.“

Kurzum – es geht etwas weiter in Mitterbach, nicht nur zur Freude der Wintersportfans, sondern natürlich auch der Bevölkerung vorort. „In der Region ist die Freude über die Investitionen in den Winterbetrieb deutlich spürbar, da vom Betrieb der Gemeindealpe direkt 20 Arbeitsplätze und indirekt ungefähr doppelt so viele Ar-

beitsplätze abhängig sind. Die Einheimischen hängen an ihrem Hausberg und sind sehr froh darüber, dass der Weiterbestand der Lifte gesichert ist.“ Dies gilt nicht minder für die Wintersportler, denn tatsächlich: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah und vor allem so attraktiv ist!

EINIGE DER NEUERUNGEN Der Gemeindealpe Mitterbach

• Ausbau und tw. Erneuerung der Beschneiung • Neuer Schlepplift „Birkilift“ zur Mittelstation • Eigenes Freeride-Gelände • Speed-Strecke mit Geschwindigkeitsmessung • Skiline Höhenmeterstatistik (damit kann man über die Tageskarte die gefahrenen Höhenmeter eines Skitages als Höhenmeterdiagramm darstellen) • 2 Routen für Tourenskigeher samt Nutzung Infrastruktur (Tageskarte € 4,50) • Snowpark Gemeindealpe im Bereich des neuen Schleppliftes • Neues Pistenleitsystem • Neuerungen im Skiverleih (Snowscoot, Tourenski, Freeride-Ski, Lawinenverschüttetensuchgerät)

Skigebiet Gemeindealpe Mitterbach Saisonstart 7. Dezember 2013 Täglicher Liftbetrieb von 9:00 bis 16:00 Uhr Bergbahnen Mitterbach GmbH E-Mail: office@gemeindealpe.at, Tel.: +43 (0)2742 36 099 099 www.gemeindealpe.at Ski- und Snowboardverleih E- Mail: schiverleih@gemeindealpe.at, Tel.: +43 (0)3882 417 20 625 Skischule Gemeindealpe E-Mail: schischule@gemeindealpe.at, Tel.: +43 (0)3882 417 20 626

Auszug Preise Wintersaison 2013/14 • Tageskarte Vollpreis Erwachsene: € 31,00 • Tageskarte Vollpreis Kinder (Jg. 2007-1999): € 16,00 • Tageskarte Vollpreis Junioren: € 26,50 • Kleinkinder bis Jahrgang 2008 kostenfrei (mit Begleitperson) • Saisonkarte Erwachsene: € 350,00 • Saisonkarte Kinder: € 175,00 • Saisonkarte Junioren: € 285,00 • Familienpackerl (maximaler Gesamt- preis für alle Saisonkarten von Eltern und Kindern bis 18 Jahre): € 760,00

Die weiteren Ski-Oasen im Mostviertel

Annaberg: 9 Lifte, 20 Pistenkilometer, Buckelpiste. Kinderfreundliches Anna-Land. www.annabergerlifte.at, www.annaberg.info, +43 (0)2728 8477 Göstling-Hochkar: 9 Lifte, 19km Pisten, Senoner‘park Hochkar, bekannt für seine legendäre Schneesicherheit. Freeride-Abenteuer. Weltcupläufer-Schmiede Österreichs! www.hochkar.com, www.goestling-hochkar.at, +43 (0)7484 2122 Lackenhof-Ötscher: 10 Pisten, 9 Lifte, Snowpark, Sunny Kids Park, Rennstrecke, Tourengeher, Schneeschuhwandern, www.oetscher.at, www.lackenhof.at, +43 (0)7480 / 5354 Das gesamte Mostviertler Winterangebot finden Sie unter www.mostviertel.info/winter

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MFG KRITIKEN

ZUM HÖREN

Manshee, mikeSnare, Thomas Fröhlich, Dr. Schramek, Rob.STP, dieKatha (von links nach rechts)

Lessons

Thematisch geht es im vierten Album des Quartetts um die Lehrstunden, die einem das Leben so erteilt. Musikalisch entfernen sie sich ein wenig von ihrem polternden, reduzierten Indietrifft-aufSouthern-Rock-Sound hin zu einer fetteren Instrumentierung – jedoch nicht auf Kosten der Authentizität. „Lessons“ ist ein wohlklingendes Beispiel dafür, wie sich traditionelle Einflüsse und moderne Elemente zu einem zeitgemäßen, frisch klingenden Americana verbinden lassen.

Paul McCartney new

Irgendwie vermeint man das spitzbübische Lächeln des ewig jungen Sir Paul zu erkennen, wenn er sein Album kokett „New“ tauft, um uns dann doch ein klassisches McCartney Werk vorzulegen! Nicht, dass der Gute an Innovationskraft eingebüßt hätte, ein aufgeschlossen-genialer Geist war er ja immer, der mit den Beatles quasi die gesamte kommende Popgeschichte vorweggenommen hat. Aber zugleich war McCartney immer typisch – auch wenn er new war! Gut so!

ZUM SCHAUEN Manshee, Ebru Erez

Schau in den Lauf Hase

Die Höchste Eisenbahn „Ich wollte immer schon leicht sein. Und rhythmisch aufgeräumt“ – singt Schröder in „Allen Gefallen“. Mission meisterhaft geglückt: Was Max Schröder (Tomte, Der Hund Marie) und Felix Weigt (u. a. Kid Kopphausen) erstmals gemeinsam mit „Tele“-Sänger Francesco Wilking aus dem Hut zaubern, bezaubert auf der Stelle: Deutsche Popsongs im besten Sinne, melodiös, aber nie pathetisch, die Texte feinsinnig und weder zu verkopft, noch zu seicht.

CAMO & KROOKED Zeitgeist

Obwohl die beiden wohl der erfolgreichste heimische Drum&Bass Export sind, wäre es unangebracht, in Bezug aufs neue Album von einem D‘n‘B-Album zu sprechen. Vermutlich hätten sie einfach ihren bewährten und oft kopierten Stil weiter fahren können. Das neue Album ist jedoch ein gewaltiger Schritt weg vom 08/15 Drum&Bass Format und eine äußerst ansprechende Mischung aus French-House, Minimal und Bass-Music. Eine sehr, sehr mutige und ambitionierte Platte!

ZUM SPIELEN

Markus Waldbauer, Mr. Shitakii

Black Manna Radio Manna

Fans abseitigen Entertainments sind sie ja schon länger ein Begriff: David Pfister und Dr. Nachtstrom. Als Black Manna frönen sie auf dem bei Klanggalerie erschienenen Album gemeinsam ihrer Liebe zu Verschwörungstheorien, Besessenheit und paranormalen Phänomenen auf popmusikalische Weise: Noise trifft auf rituellen Ambient trifft auf „Gruselfilmmusik“ trifft auf Hörbuch. Turn on, tune in, drop dead!

EMINEM

The Marshall Mathers LP Wer sich vom zu poppig geratenen „The Monster“ mit Rihanna nicht abschrecken lässt, wird die „Marshall Mathers LP 2“ trotzdem als würdigen Nachfolger des „Rap Gods“ befinden. Gleich der erste Track schlägt gelungen die Brücke zum Vorgänger – mit „Bad Guy“ als Fortsetzung von „Stan“! Interessantere und äußerst gelungene Kooperation gibt’s mit Kendrick Lamar, Rick Rubins, Nate Ruess u.a. … so soll frischer Stoff von alten Hasen klingen!

ZUM LESEN

H. Fahrngruber, W. Hintermeier

GTA 5

Rockstar

Leider hat Lukas…

Quentin Dupieux aka Mr. Oizo Der Erdboden scheint den Vierbeiner Paul verschluckt zu haben, dessen arbeitsloses Herrchen ist darüber entsetzlich in Sorge. Um sich wenigstens kurze Zeit von seinen Befürchtungen abzulenken, ruft er einen Pizzaservice an, und diskutiert mit der Mitarbeiterin über das Logo der Firma. Ein Anruf, der skurrile Konsequenzen nach sich zieht. Und dann ist da noch der Anruf von Pauls Kidnapper Master Chang...

Grand Theft Auto ist eine Klasse für sich. Im virtuellen Los Angeles erlebt man die Geschichte der drei Hauptcharaktere Michael, Trevor und Franklin, die auf GTAtypische Weise voll satirischer Elemente daherkommt. Facebook und Apple werden dabei genauso aufs Korn genommen, wie die kapitalistischen Meinungsbildner der neuen Welt. Viel Neues und Altbewährtes erwartet die Gamer bei der mehr als umfangreichen Kampagne.

Niki Glattauer erzählt in kurzweiliger, satirischer Weise und mit viel Humor von der großen Herausforderung für Schüler, Eltern und Lehrer: (Wie) soll oder kann man in diesem Dreieck (sinnvoll) kommunizieren? Eine Ansammlung diverser Missverständnisse, Disharmonien und gegenseitiger Abhängigkeit ergibt einen unterhaltsamen Querschnitt des Schulalltags.

Der Hobbit 2 - Smaugs Einöde

BATTLEFIELD 4

Mit euch an meiner Seite

Der zweite Teil der Hobbit-Triologie schließt direkt an das Ende des ersten Teils an. Bilbo Beutlin, Gandalf und die Zwerge mit ihrem Anführer Thorin Eichenschild sind auf dem Weg zum Berg Erebor. Dort wollen sie den Drachen Smaug vertreiben, um den Zwergen wieder ihre alte Heimat und ihren Schatz zurückzugeben. Klar, dass das nicht ohne Kämpfe gegen Riesenspinnen und andere Kreaturen abläuft.

Der Action-Blockbuster Battlefield 4 definiert das Genre neu und lässt Sie einzigartige Momente erleben. Dank der der Next-Generation-Engine Frostbite 3 liefert das Game unübertreffliche Dramatik und Spannung. Zusätzlich zu seinem charakteristischen Multiplayer-Modus bietet Battlefield 4 eine intensive und dramatische Einzelspieler-Kampagne. Tauchen Sie ein in riesige und atemberaubende Schlachten.

Was gibt es Schöneres für eine Frau, als ein Kind zu bekommen und sich dann liebevoll um dieses zu kümmern? Sechs Frauen mit unterschiedlichsten Lebensgeschichten treffen sich in einer Mütterrunde, werden sogar so etwas wie Freundinnen – bis ein schreckliches Unglück geschieht und alle endlich bereit sind, sich der Wahrheit zu stellen, den anderen ihre Probleme zu gestehen und Hilfe anzunehmen.

WRONG

Peter Jackson

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Electronic Arts

Niki Glattauer

Fiona Higgins

Fotos: zVg

HA HA TONKA


MFG VERANSTALTUNGEN

HIGHLIGHT VAZ St. Pölten

BENJAMIN BLÜMCHEN – „Törööö im Zoo!“ Nach der erfolgreichen Bibi Blocksberg Show präsentiert das VAZ St. Pölten den kleinen Zuschauern das nächste Live-Show-Event: Benjamin Blümchen erreichte von 2005 bis jetzt mit seinen zwei Musicalformaten über 250.000 Zuschauer in weit mehr als 300 Städten. Der beliebte Kinderstar feierte 2012 seinen 35. Geburtstag! Die Benjamin Blümchen LiveShow „Törööö im Zoo!“ ist ein buntes Event für die ganze Familie: Zusammen mit Benjamin und seinen Freunden singen, tanzen, lachen... und einen ganzen Tag im Neustädter Zoo erleben! 27. April 2014



04.12.

Magic Comedy Night

Wie jeden ersten Mittwoch im Monat bittet das Egon auch am 4. Dezember seine Gäste zum Lachen in den Keller. Durch den Abend führen zwei Shootingstars der Zauberszene: Thommy Ten & Amélie, aus Deutschland kommt der amtierende Meister der Manipulationen, Luke Dimonit! Weiters dabei: Max Schneider. Lassen Sie sich überraschen! WINTERSPECIAL

22.12.

BLIND

Die LitGes lädt ins Stadtmuseum: An diesem Abend lautet das Thema „Blind“. Neben Lesung von Texten zum Thema und Interviews mit Otto Lechner, Stavarics und Eugen Gommringer gibt’s die Präsentation des etcetera 54. Auch für musikalisches Rahmenprogramm ist gesorgt: Martin und Annemarie sind „B.U.G.L.“ (Beinahe Unter der Gürtel Linie).

EGON

LESUNG

Stadtmuseum

michael heltau

23.12.

kutige weihnacht

Bei seinem letzten Meisterkonzert hat Michael Heltau mit seiner beeindruckenden sprachlichen Verwandlungskunst als Rezitator verzaubert. Dies wird er auch diesmal tun, zudem wird er aber, begleitet von Robert Lehrbaumer am Klavier, sein musikalisches Repertoire zum Besten geben, vom Chanson über das Wiener Lied bis hin zur Operette. konzert

Stadtsaal

19.01.

ina müller

Ihre Open-Air-Tour 2013 war praktisch ausverkauft! Zwischenzeitig hat die Zauberfrau nunmehr mt „48“ ihr viertes Album vorgelegt! Ein Plädoyer für das Leben, die Liebe, den Schmerz, die Lust, tief empfundene Freude, Selbstironie, Erkenntnis und das, was dazwischen liegt. Tja, und sehr zu Freude aller Fans geht Ina Müller auch damit gleich auf Tournee! konzert

04.12.

Wr. Stadthalle

Als die Neulingers den ehem. Gasthof Koll übernahmen und das „Kultig“ eröffneten, stand eine bange Frage im Raum: Werden sie es tun? Die frohe Botschaft: JA, sie tun es! Und so dürfen wir uns frei nach dem Motto „Der Weihnachtskoll ist tot, lang lebe Kultige Weihnacht!“ am 23. Dezember auf die legendäre Partysause freuen. U.a. mit Akustix und DJ Ed Knappl. PARTY

13.03.

KULTIG

otto schenk

Otto Schenk rezitiert, parodiert und dirigiert ein großes Orchester: Sein ganzes Leben lang träumte er davon! Als Opernregisseur weltweit gefeiert, erzählt er in seinem neuen Programm „Humor nach Noten“ von seiner ersten Begegnung mit der Musik, mit der Welt der Oper und seinen Treffen mit den berühmtesten Dirigenten der Welt. SHOW

Exceed Excess

07.12.

In den Anfangsjahren wurde die Band vom Deutschpunk sowie 80er Hardcore beeinflusst. Exceed Excess haben eine verdammt gute Zeiten sowohl auf, vor und auch hinter der Bühne verbracht. 40 Konzerte und einen Longplayer (DIY) später geben Hari, Gabor & Co diesmal unplugged im BarRock ordentlich Gas. Eintritt: Freiwilliger Musikbeitrag! SCHWERPUNKT

Café BarRock

Desfado

14.12.

Sie wisse nicht, ob sie den Fado ausgesucht habe oder der Fado sie, so die Sängerin Ana Moura. Auf ihrem letzten Album „Desfado“ lässt sich die Sängerin von Jazz-Größen wie Herbie Hancock begleiten und singt neben dem Stones-Saxofonisten Tim Ries. Die Fadista singt vom Heute, ohne sich jedoch von ihren musikalischen Wurzeln zu lösen. FestSpielhaus

Konzert

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Reich(l)ebners Panoptikum

Budget. Wie aus Insiderkreisen zu erfahren ist, soll auch im kommenden Jahr die Rosskur beim St. Pöltner Amtsschimmel fortgesetzt werden. Vom „Gesundsparen“ will dem Vernehmen nach allerdings niemand mehr sprechen ...

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Willkommen beim ersten

Indoor-Mittelalterspektakel Österreichs!

ls wir mit dieser Idee das erste Mal an die Öffentlichkeit traten, war das Echo ein interessiert abwartendes: Die einen meinten „Endlich passiert in diese Richtung auch in der kalten Jahreszeit etwas, und zwar im Sinne eines richtigen Mittelalterfestes und Marktes“, andere waren skeptisch „Kann so etwas in einer Halle wirklich funktionieren, wie soll das gehen mit den Lagergruppen etc.“ Allesamt waren aber durchwegs interessiert und gespannt – so wie wir!

Programmchef gesetzt, uns sozusagen anerkanntes Know How von außen geholt: Georg Ragyoczy, seines Zeichens langjähriger Veranstalter des Mittelalterfestes Gablitz, zeichnet sich für die qualitativ hochwertige Programmierung zuständig – dafür an dieser Stelle schon großer Dank!

Ein solcher geht ebenso an Tom Urbanek, welcher als Booker des Konzertabends am 30. November die Finger auf sehr geniale und kompetente Weise im Spiel hatte und ein tolles Line Up zusammengestellt hat. Denn dies Wir haben über ein ganzes Jahr war der zweite, völlig neue Ansatz viel Herzblut, Kreativität und und Weg, den wir beschreiten: Arbeitsschweiß in die Vorbereidie Kopplung eines derartigen tungen des Mittelalterspektakels Mittelalterspektakels mit einem investiert, um die Vision WirkKonzertabend der etwas härteren lichkeit werden zu lassen, und Musikgangart, die aber im Nahheute können wir mit Fug und bereich mit diesem Thema spielt. René und Bernard Voak Recht behaupten: Ja, es funkDaraus geworden ist ein internatitioniert! Das VAZ St. Pölten wird indoor (und mit onales Line Up auf Top-Niveau! einigen Attraktionen wie etwa Feuershow, Bogenschießen, Ponyreiten etc. auch outdoor) zu einer Es ist, wie man so schön sagt, angerichtet. Jetzt Mittelalterwelt mit Lagern, Rittern, Gauklern, Mufreuen wir uns auf Ihren werten Besuch, freuen uns sikanten, Handwerkern, kulinarischen Spezialitäten, auf staunende und glückliche Kinderaugen, interesKinderprogramm uvm. – alles, was die Freunde der sierte Erwachsene und wunderschöne Stunden, die in Szene sowie die Familien glücklich macht. Wir hadie Welt des Mittelalters entführen, sowie auf einen ben diesbezüglich ganz bewusst auf einen erfahrenen unterhaltsamen, schweißtreibenden Musikabend!


Wer einmal war, kommt wieder ... Georg Ragyoczy (mitte) organisiert seit 8 Jahren erfolgreich das Gablitzer Mittelalterfest. Nunmehr verleiht er auch dem Mittelalterspektakel St. Pölten seinen spannenden programmatischen Anstrich. Was haben Sie im ersten Moment gedacht, als VAZ-Chef René Voak mit dem Vorschlag eines IndoorMittelalterspektakels auf Sie zugekommen ist? Das hat mich natürlich sehr gefreut, zumal mir bekannt war, dass er ein erfahrener Veranstalter ist und daher auch das Potential zur Verwirklichung einer solchen Idee hat. Nicht unerwähnt sei, dass uns ein gemeinsamer St. Pöltner Freund zusammengebracht hat – Werner Sandhacker, „Der letzte Harlekin“.

Unseren Recherchen zufolge handelt es sich um Österreichs, vielleicht sogar Europas erste derartige Veranstaltung. Was ist das Besondere daran? Die Herausforderung besteht darin, das Flair eines Outdoor-Mittelalterfestes in Hallen zu bringen und nicht nur einen reinen „Indoor-Markt“ zu veranstalten. Das wird uns gelingen, wie ich überzeugt bin: Nunmehr gibt es alles in den Hallen, was auch bei Outdoorfesten üblich ist – Lagergruppen, Gaukler, Schaukämpfe, Händler usw.

Wie wurde die Idee eigentlich in der Szene aufgenommen? Sofort, nachdem das Vorhaben und der Termin „durchgesickert“ sind, kam es zu Diskussionen auf allen wesentlichen Mittelalterplattformen im Netz. Auf vielen Mittelalterveranstaltungen im In- und Ausland war das Spektakel im VAZ St. Pölten Gesprächsthema.

Was macht den Unterschied zu draußen, etwa Burgen & Co. aus? Outdoor-Veranstaltungen in der kalten Jahreszeit bringen naturgemäß die Kälte ins Gemüt und Gebein. Indoor kann man sich dem Vergnügen hingegen in warmer Umgebung hingeben.

Zahlreiche Gruppen sind beim Mittelalterspektakel vertreten – gibt es quasi eine Art gemeinsamen Nenner bzw. worauf haben Sie Wert gelegt? Für alle Gruppen gilt es, die Epoche, welche sie darstellen, so authentisch als möglich zu zeigen. Das geht oft bis ins kleinste Detail. Dennoch lege ich Wert auf die Feststellung, dass indoor nicht alles authentisch ist und auch nicht sein kann! Es ist ein Fest für die ganze Familie und für alle aus der Szene.

Wer sind die Zielgruppen des Mittelalterspektakels? Ist das eine in sich geschlossene Community? Für das zweitägige Spektakel natürlich vor allem Familien mit Kindern, ebenso Interessierte an dieser Epoche sowie Liebhaber der Mittelaltermusik. Die Konzerte am Samstagabend wiederum stellen ein weiteres Highlight dar und werden sicher ein Publikumsmagnet weit über die Mittelalterszene hinaus sein!

Was macht die Faszination von Mittelalterfesten im Allgemeinen aus – wie ist es erklärbar, dass wir im 21. Jahrhundert noch immer so auf diese Zeit abfahren? Das ist mir selbst nicht wirklich erklärlich. Die Zeit war schrecklich – und doch gibt es eine gewisse Sehnsucht sich dem kargen Leben hinzugeben. Wer einmal bei einem Mittelalterfest war, weiß vom Flair eines solchen und kommt wieder ...


Mittelalterliches Treiben Zahlreiche Ritter- & Lagergruppen, Schaukämpfer, Gaukler, Handwerker und Händler der Mittelalterszene präsentieren sich am ersten Adventwochenende bei Österreichs erstem Indoor-Mittelalterspektakel. LAGERGRUPPEN MIT LAGERLEBEN, HANDWERKERN UND SCHAUKÄMPFEN Prima Nocte Der Mittelalterverein Prima Nocte ist mit seiner Darstellung im späten 13. Jahrhundert angesiedelt und stellt eine Lanze unter der Führung des Ritters Wilhelm von Baumgarten dar. Mit etwa 15 Waffenknechten und Einschildrittern steht Ritter Wilhelm hier ein beachtlicher Trupp an Kämpfern zur Verfügung.

Armati Domini „Die Soldaten des Herren“ beschäftigen sich mit dem Alltagsleben Ende des 13./Beginn des 14. Jahrhunderts, speziell im Rahmen des Johanniterordens. Die Gruppe besteht nicht nur aus Rittern, sondern ebenso aus Sergeanten, „bürgerlichen“ Ordensmitgliedern sowie Laienbrüdern und -schwestern. Black Watch Vienna Black Watch Vienna ist ideell dem Royal Highland Regiment Nr. 42 verbunden – ein noch heute bestehendes Elite-Regiment, das in fast

allen Kriegen, an denen das Vereinigte Königreich von England beteiligt war, mitgekämpft hat. Bei der Black Watch Vienna sind neben Fans von mittelalterlicher Darstellung auch Schottland-Enthusiasten zu finden.

Memento Mori Der Verein Memento Mori beschäftigt sich hauptsächlich mit dem mittelalterlichen Handwerk und versucht dieses so gut als möglich darzustellen. Ihr Hauptziel ist es den Menschen die Zeit zwischen dem 8. bis 11. Jahrhundert nahe zu bringen, im Rahmen der historischen Darstellung umzulegen und auch das Publikum an ihrer Freude teilhaben zu lassen.

Arduinnas Gefährten Die Bogengilde Arduinnas Gefährten stellt eine Gemeinschaft von 24 Bogenschützen dar, die unter der Führung des Bogenmeisters James steht. Historisch ist die Bogengilde, die hauptsächlich im 3D Bereich (lebensgroße drei-dimensionale Tierziele aus speziellem Kunststoff) unterwegs ist, am ehesten im „neuen Mittelalter“ anzusiedeln.


Rittersporn – Armae Victusque In ihrer Darstellung konzentriert sich Rittersporn auf die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts, als wehrhafte Bürger und Insassen der Stadt Wien - eine kämpfende Truppe abseits vom protzigen Leben der zu Reichtum gekommenen Bürger. Die Gruppe präsentiert zwei einsatzbereite Kanonen und alle scharfen und spitzen Gerätschaften der damaligen Zeit. Clan Eisenwacht Der Clan Eisenwacht betreibt eine möglichst genaue Darstellung der Wikinger/Normannen um 850 a. D. und bemüht sich um eine geschichtlich fundierte Alltagsdarstellung mit Handwerk und Waffen- sowie Rüstungserklärungen. Ihre Lagergäste „Viator Mercator“ stellen den Alltag mit Handwerk wie Feldschmiede, Lederbearbeitung, Rüstungs-Reparatur und den Handel mit Waren dar. Loricatus Munimento Loricatus munimento (der gerüstete Haufen) haben sich der Handwerkskunst des Mittelalters verschrieben. Ihre Tätigkeiten reichen vom Nadelbinden bis zum Trippen (Unterschuhe aus Holz) bauen, vom Schmieden bis zum Bronze gießen. Ihr Ziel ist es den Besuchern zu vermitteln, wie vor hunderten von Jahren gearbeitet und gelebt wurde.

Clann Claiomh bietet Schaukämpfe mit Stock und Schwert und zeigt ihr Können in Bereichen verschie-

dener Genres. Im Lager des Clans wird die Bekleidung sowie die Handhabung der Bewaffnung der Highlander erklärt. Auch die üblichen Speisen der Highlander und deren Zubereitung werden auf Anfrage ausführlich erläutert.

Equinox Ihr Ziel ist die Förderung und Verbreitung von mittelalterlichen und historischen Darstellungen. Dabei legen sie viel Wert darauf, dass der „Spaß an der Sache“ trotz aller Ernsthaftigkeit nicht abhanden kommt.

Furibundus „Geschichte lebendig erleben“ – so das Motto von Furibundus, die nicht nur Unterhaltung, sondern auch Informationen rund um das Thema Mittelalter bieten. Ein „Ritterprogramm“ wartet vor allem auf die jüngeren Gäste. Wolfspak Das Wolfspak ist eine kleine Gruppe von Sachsen und Alemannen im 6. Jahrhundert. Freunde sind immer gern gesehen in ihrem Lager. Rotte vom Hagenthal Die Rotte vom Hagenthal ist ein Amateurkampfsportclub, dessen Fokus auf dem mittelalterlichen Vollkontaktkampf nach internationalem Reglement liegt. Das Augenmerk der Rotte liegt nicht auf historischer Darstellung und Gewandung, sondern auf dem Vollkontaktkampf als Sportart.


MARKTMUSIK Die Schandgesellen Seit 2008 sind die Gesellen ein Garant für Spaß in allen Lebenslagen und auf allen möglichen Festen. Dudelsäcke verschiedenster Art, Flöten, Streichpsalter, Cister oder Schrummstab, Maultrommeln, Rauschpfeifen und vieles mehr kommen bei den Schandgesellen zum Einsatz, rhythmisch wird vor allem auf Landsknechttrommel und Davul gesetzt. Salamanda Die Band aus Wien wurde 2007 gegründet und macht vorrangig mittelalterliche Musik, spielt aber auch gerne irische Stücke. Ihr Repertoire besteht aus Instrumentalnummern und aus Liedern mit Gesang.

Sie spielen sowohl schnelle als auch langsame Stücke, laute und leise, altbekannte und auch neue Kompositionen, ebenso wie eigene.

Schulmeyster & Gefolge Das Ensemble Schulmeyster & Gefolge hat sich mit altösterreichischem Dudelsack, Geigen und Trommel der herzhaft-frischen Musik des Mittelalters und der Renaissance verschrieben, interpretiert Tänze aus vergangenen Zeiten und lässt mit ihren Klängen den Lieben Augustin wiederauferstehen.

Die Gasslspieler Die Gasslspieler wollen Traditionen, Mythen und Legenden nicht als etwas von der Realität Separiertes verstehen, sondern als Teil einer aufregenden und schönen Wirklichkeit. Mit alten Weih-


nachts- und Volksliedern aus dem deutschsprachigen Raum sowie mittelalterlichen und folkigen Tanzweisen aus ganz Europa machen die Gasslspieler den Advent zu einer fröhlich beschwingten Zeit.

GAUKLER GIGAS – Giganten Gaukler Show Die Gigantischen Gaukler beleben den Markt als riesige Gaukler, übergroße Hexen oder fabrizieren Riesenseifenblasen. Die Besucher können mit den Gauklern Jonglieren, Pois, Stelzen uvm. kennenlernen und ausprobieren oder in der Leonardo-Werkstatt beim Bau der Leonardo Brücke und des Leonardo Rades mithelfen. Feuermatrix Feuertanz, Feuerperformance, Feuerspucker und Feuerjonglage sind die Elemente der Abendfeuershow, mit der die Gaukler die Nacht feurig beleben.

HÄNDLER • Mokkazelt: Kaffee und selbstkreierte Tees, hausgemachte Kuchenspezialitäten

• Tränke zum wilden Wikinger: selbstgemachter Met, Produkte vom Bauern, Herbergs-Zelt

• SeidigSeifen: Naturseifen und Naturkosmetik aus ökologisch unbedenklichen Rohstoffen • Michaels Drechselstube: Arbeiten aus Holz und Leder (z. B. Schüsseln und Schalen) • Imkereifachbetrieb: selbstgemachter Met ohne jegliche Zusätze • Leckermäulchen: gebrannte Mandeln und andere Nüsse, Kokos- & Pralinenstangen, Marzipankartoffel, diverse Met-Sorten sowie Ruf- und Trinkhörner • Hexenwerk: Symbolschmuck, Pendel, Bücher, Schreibfedern, Besen, Figuren (Hexen, Elfen, Drachen), keltische & historische Gewänder ergänzt mit Zubehör uvm.

• Blaudruck: Mittelaltergewandung aus verschiedenen Tuchen (z. B. Leinen, Baumwolle, Taft, Seide, Wolltaft) • Wanderbäckerei: Speckweckerl, Knoblauchstangerl, Käse-Salzbrezeln, Mohnzelten, Nussbeugel, Punschkrapfen, Kletzenbrot, Schmerstrudel uvm. • Kontiki – Basteleien: Kopfschmuck (Blütenkränze, Stirnbänder und Prinzessinnen-Schleier), Stofftaschen und Kleider für die junge Maid sowie Glasperlen, Schellen und Schellenbänder • Kovex-Ars: Waffenschmid von historischen und schaukampftauglichen Waffen und Rüstungen • Motivsteine – Gabi Permesser: sandgestrahlte Steine und Glasscheiben mit diversen Motiven, versehen mit keltischen Knoten, Runen, Eidechsen, einfachen Schriftzügen uvm. • Hautmalerey Plank: gemaltes Geschmeide auf der Haut (z. B. Ornamentiken, Symboliken oder Kriegerbemalung) • Nomad Art: Bögen, Pfeile, Lederwaren • Wahrsagerin Monika Neunkirchner: Einblick in Welt der Astrologie, Nummerologie, des Kartendeutens und Handlesens • Mortifera: Assassinen- und Alchemistenzubehör, Rauch- und Räucherwaren, Stoff-, Fell- und Ledertaschen, Assassinen- und Alchemistengewandungen, Lederschutz, Rüstungen uvm. • Hannes der Jausenträger: Hirschwurscht mit Walnussweckerl, süsse Schneckerl, Laugenbrezn • Vehi Mercatus – der fahrende Händler: Kessel, Pfannen, Besteck, Messer und Dolche, Schuhwerk, Rüstungen, Körbe, Felle und Decken uvm. • Sabine Schimani – Kinderzelt: Schwerter, Ritterfahnen, Gipsformen, Ritterschilder oder Holz Teelichthalter bemalen, Schminken uvm.

• Elke Schräfl – Schmuck • Ocarinas • Attila Haz – Töpfer- und Tonwaren • Stand Stift Göttweig

Den Wanst vollschlagen er war nicht schon einmal auf einem Ritteressen, wo man sich gegrillte Hähnchen in den Mund steckte, ordentlich mit den Händen zulangte, dazu gut gezapftes Bier? Dass derlei Essorgie im Mittelalter nicht wirklich an der Tagesordnung stand und auch weniger mit lukullischem Genuss, denn eher schnöder Nahrungsaufnahme zu tun hatte, verrät Georg Ragyoczy: „Das Essen der einfachen Leute bestand meist aus Breien. Selten gab es Gemüse, trockenes Brot oder Fladen. Fleisch

im Grunde genommen überhaupt nicht.“ Wenig verwunderlich also, dass die Menschen im Mittelalter an zahlreichen Mangelerscheinungen litten, Krankheiten waren dem Vitaminmangel und einseitiger Ernährung geschuldet. Nur höhere Kreise konnten sich einen abwechslungsreicheren Speiseplan leisten.

Wolfs Schenke

Beim Mittelalterspektakel wird aber Schmalhans dennoch nicht Küchenmeister sein. Gastronom Wolfgang Wutzl wird in seinem

Restaurant „Wolfs Schenke“ dafür sorgen, dass das Essen zwar einfach, aber doch bekömmlich und äußerst schmackhaft bleibt. So kredenzt er Eintopf, Suppe aus dem Brotlaib, Stelzen, Hähnchen oder Spanferkel! Dazu werden Bier und andere Getränke gereicht. Selbstredend wird auch für kleinere Snacks gesorgt sein. Neben Wolfs Schenke sorgen auch die „Tränke zum Wilden Wikinger“, die „Wanderbäckerei“ oder das „Mokkazelt“ für kleine Schmankerl, von Met bis Schmerstrudel.


MITTELALTER ERLEBEN FÜR KINDER Ein umfassendes Kinderprogramm wartet auf die jüngeren Besucher beim Mittelalterspektakel. Ob Ritterspiele, Bogenschießen, Handwerk oder Ponyreiten - es gibt einiges zu entdecken! Black Watch Vienna Highlandgames

„Tossing The Caber“ (Baumstamm werfen), „Archery“ (Bogenschießen) und „Tug o´War“ (Seilziehen) sind die Bewerbe, in denen Kinder bis zum Alter von ca. zehn Jahren ihre Kraft und Geschicklichkeit bei den KinderHighlandgames von der Gruppe „Black Watch Vienna“ unter Beweis stellen können. Nach einer Einführung in die mehrere Jahrhunderte alte Tradition der schottischen Highlandgames („G´schichterl erzählen“) werden die Kinder an den Stationen mit den Geräten vertraut gemacht. Beim Seilziehen versuchen die Kinder, aufgeteilt in zwei Gruppen, an einem sechs Meter Seil ihr Gegenüber über die magische Mittellinie zu ziehen. Danach geht es weiter zum Baumstamm werfen, wo drei verschiedene Bäume mit unterschiedlichen Längen und Gewichten zur Verfügung stehen. Bei der letzten Station, dem Bogenschießen, können die Kinder je drei Pfeile auf Ringscheiben in drei Metern Entfernung schießen. „Nachdem alle drei Bewerbe mit kindergerechten Sportgeräten und unter Aufsicht absolviert wurden, erhalten die neuen ‚Highlander‘ eine Urkunde, in der ihre Leistungen gewürdigt werden“, so Black Watch Vienna.

Furibundus – Ritterspiele

„Geschichte lebendig erleben“ ist das Motto von Furibundus, die am Mittelalterspektakel mit einem Ritterprogramm aufwarten. In ihrem Lager können die Kinder Rüstungen anfassen und probieren oder mittels authentisch nachgebauter Gebrauchsgegenstände sich auf Entdeckungsreise ins Mittelalter begeben und den Fragen nachgehen, wie im Mittelalter gegessen, Kleider hergestellt, Burgen gebaut und gewohnt wurde oder wie man früher

Highlandgames

Furibundus

ohne elektronische Geräte auskam. „Interessantes Wissen wird nicht nur durch spannende Erzählungen, sondern auch durch ‚aktives‘ Mitmachen erworben. Jedes Kind darf versuchen und selbst mit all seinen Sinnen erleben, wie es damals gewesen sein könnte“, erklärt Alois-Michael Gesperger von Furibundus, der sich auch für einen Schwertkampf den Kindern zur Verfügung stellt.

Milites Dei – Figurentheater

Die kleine Mittelaltergruppe aus Oberösterreich und Salzburg hat sich zum Ziel gesetzt, Kinderprogramm auf möglichst hohem Authentizitätsniveau anzubieten und ermöglich seinen Gästen im Lager das Eintauchen in eine vergangene Zeit – dem Übergang vom Hoch- zum Spätmittelalter um 1265. Ihr rekonstruiertes Handpuppentheater zeigt lustige Geschichten für die Jungen und jung Gebliebenen. Daneben zaubert ein Magier garantiert jedem Kind ein Lächeln ins Gesicht und bei der Märchenstunde können Gäste Mären und Fabeln aus dem Mittelalter erleben. Zwischendurch bieten sie Einblick in ihr historisches Lagerleben.

Sabine Schimani – Kinderzelt

Im Kinderzelt der Firma Schimani können die Kleinsten Schwerter, Ritterfahnen, Gipsformen, Ritterschilder oder Holz-Teelichthalter bemalen, Holztruhen und Holz-Vogelhäuschen gestalten und sich schminken lassen.

Ponyreiten

Beim Ponyreiten werden die Kinder durch einen Geschicklichkeitsparcour am Freigelände geführt, wo sie Hufeisen in einen Korb werfen, durch einen Slalom oder über einen Teppich reiten.

BogenschieSSen


Das Goldene Händchen Er ist ein Hans Dampf in allen Gassen. Tom Urbanek spielt nicht nur selbst Schlagzeug in der Band Deavastating Enemy, sondern hat sich mit seiner Firma Catapult Promotion v. a. einen klingenden Namen als Booker und Promotor in der Szene gemacht. Der ideale kompetente Mann also fürs Booking des Konzertabends im Rahmen des Mittelalterspektakels. Sie gelten als einer DER Szenekenner und Veranstalter in Sachen „härtere Fraktion“ in Österreich – was hat Sie am Konzept des Mittelalterspektakels gereizt, was ist möglicherweise das Neue, Innovative daran? Mich persönlich hat die Idee gereizt ein richtig gutes und mächtiges Konzert mit wohl dem größten IndoorMittelaltermarkt zu verbinden. Dieses Gesamtpaket ist unverwechselbar und einzigartig. So etwas gab es bisher noch nie!

Sie haben ein schwergewichtiges Programm zusammengestellt – wie schwierig ist es, solche Hochkaräter für einen Abend geballt im November zu gewinnen? Naja, das ist natürlich kein Kinderspiel. Aber mit einem guten Team in Hintergrund, der nötigen Erfahrung sowie einem Quäntchen Glück, das immer dazugehört, lässt sich alles in die Tat umsetzen! Ich denke, die Fans werden auf ihre Kosten kommen.

Wer ist eigentlich ihr ganz persönlicher Favorit – und warum? In diesem Fall sogar der Headliner Subway To Sally, gefolgt von Tanzwut. Beide Bands, vor allem Subway To Sally, habe ich vor vielen Jahren sehr oft und gerne gehört. Zudem ist Subway To Sally einfach

eine unverwechselbare Live-Band!

Neben der Mainstage gibt es auch eine zweite Bühne – was war die Idee dahinter und wer wird dort zu bewundern sein? Auf der 2nd Stage wird man ein zum Teil ähnliches Programm, was die Musikrichtung betrifft, erleben, zum anderen bildet sie aber teilweise auch einen ganz schönen Kontrast, um ein wenig Abwechslung zu bieten. Es performen dort u.a. jene Bands, die sich im Rahmen des Voting-Wettbewerbs dafür qualifiziert haben, zum anderen freuen wir uns dort auch sehr auf die St. Pöltner Lokalmatadore von Epsilon!

Warum spielt man gerade in der härteren Musikfraktion oft gerne mit Genres wie Mittelalter, Fantasy & Co. – was macht den, möglicherweise auch künstlerischen, Reiz dieser Zugangsweise aus? Ich persönlich denke, dass man die Zuhörer und Zuseher in diesen Genres sehr gut in eine andere Welt mitnehmen kann und dementsprechend sind viele Menschen extrem dafür zu begeistern, da man hier sehr viele verschiedene Möglichkeiten der Untermalung hat, angefangen vom Outfit der Musiker bis hin zu Licht & Feuereffekten.


BORN TO BE WILD! Am ersten Abend des Mittelalterspektakels bekommen Fans der härteren Musik etwas auf ihre Ohren. Auf der Mainstage heizen die begehrtesten und erfolgreichsten Bands der Mittelalterszene von Folk über Rock bis Metal dem Publikum ein. Auf der 2nd Stage sind neben zahlreichen Votinggewinnern u. a. auch die St. Pöltner Lokalmatadoren Epsilon vertreten.

SUBWAY TO SALLY 2008 treten Subway To Sally erstmals ins Licht einer größeren Öffentlichkeit und gewinnen Stefan Raabs „Bundesvision Song Contest“ mit dem Song „Auf Kiel“ – für viele TV-Zuschauer der erste, elektrisierende Kontakt mit Subway To Sally. Mittlerweile haben sie tausende von Konzerte zu einer der besten LiveBands Deutschlands gemacht, mit einer Gemeinde, die das Gelände nicht ohne „Schrei“ und den „Blut, Blut, Räuber saufen Blut!“-Refrain verlässt - egal, ob Subway To Sally gerade Wacken rocken oder auf einem Schloss subtile Akustikversionen ihrer Hits zum Besten geben. Mit ihrem vielschichtigen Mix aus Rock und alter Musik, mit wortgewaltigen, deutschen Texten und eigenständigen kreativen Visionen haben die Sieben jedenfalls hierzulande Rockgeschichte geschrieben. Mit einem „Best Of“-Programm wollen sie am Konzertabend alles zum Beben bringen.

SUBWAY TO SALLY

SALTATIO MORTIS Seit ihrer Gründung im Jahr 2010 haben Saltatio Mortis sich mit unermüdlicher Bühnenpräsenz und hoher Veröffentlichungsfrequenz ein ebenso treues wie sich stetig mehrendes Fanpublikum erspielt. Längst ist aus dem, was einst mit der spontanen Bandgründung musikalischer Mittelalter-Fans begann, eine hochprofessionelle Rockband geworden. Chartplatzierungen und Headlinerpositionen auf wichtigen Festivals sind ebenso selbstverständlich für Saltatio Mortis wie der eigene Anspruch, den Fans mit hervorragender künstlerischer Arbeit immer neuen Stoff zum Tanzen und Träumen zu geben. Das Mittelalter verarbeiten sie bei ihren Auftritten in Wort, Note, Bild und Stoff. Im August erschien ihr neuestes Album „Das Schwarze Einmaleins“, das sie, ebenso wie ältere Klassiker, auch im VAZ präsentieren werden.

SALTATIO MORTIS


FIDDLER’S GREEN Seit 1990 verkörpern die sechs Mannen von Fiddler‘s Green nun bereits das Paradies des irischen Seemanns, das Nirwana der Ausgelassenheit und das El Dorado der Dunkelbiertrinker. Denn der Name der Band steht als Sinnbild für ein sagenumwobenes Reich, in dem immerwährende Freude herrscht, der Grog in Strömen fließt, die Fidel niemals verstummt und den Tanzenden unendliche Ausdauer beschert wird. Es wird sogar gemunkelt, dass die freigesetzte Energie eines Fiddlers-Konzertes durch Hüpfen, Moshen, Gröhlen, Rennen, Singen und Tanzen locker einem Aufschlag eines Kometen von der Größe Irlands entspricht – Pi mal Daumen! Am 30.11. wird die Band viele Songs ihrer aktuellen CD „Winners & Boozers“ spielen – natürlich dürfen aber die alten Klassiker nicht fehlen. Es wird schweißtreibend!

FIDDLER‘S GREEN

TANZWUT 1999 gegründet, zählt das Septett zu den Pionieren in Sachen Verschmelzung von mittelalterlichen Instrumenten und Rock’n’Roll. Dudelsäcke, Schalmeien, E-Gitarren und Elektronik verbinden sich zu einer brodelnden Mixtur aus Teufels Küche, die die Sinne weckt und die ideale Begleitmusik ist, um die Nacht zum Tage zu machen. Tanzwut sind Garanten für schweißtreibende Shows und kochende Säle. Tanzwut sind eine Partyband. TANZWUT

DIE SCHANDGESELLEN Sei’s drum, seit 2008 sind die Gesellen ein Garant für Spaß in allen Lebenslagen, auf allen möglichen Festen. Vieles ist hier „einmal anders“. Gern auch mal die Besetzung, die sich 2012 grundlegend geändert hat. Dudelsäcke verschiedenster Art, Flöten, Streichpsalter, Cister oder Schrummstab, Maultrommeln, Rauschpfeifen und vieles mehr kommen bei den Schandgesellen zum Einsatz, rhythmisch wird vor allem auf Landsknechttrommel und Davul gesetzt. Alles was Spaß macht und gut klingt ist erlaubt!

DIE SCHANDGESELLEN


HARDFACTS MITTELALTERSPEKTAKEL 2013

DIE KONZERTE

Samstag, 30. November: 10 bis 22 Uhr Sonntag, 1. Dezember: 10 bis 17 Uhr

Samstag, 30. November 2013, ab 18 Uhr

LAGERGRUPPEN MIT LAGERLEBEN, HANDWERKERN UND SCHAUKÄMPFEN

18:00 - 18:40 19:00 - 20:00 20:20 - 21:20 21:40 - 22:40 23:00 - 00:30

Prima Nocte Armati Domini Black Watch Vienna Memento Mori Arduinnas Gefährten Rittersporn - Armae Victusque Clan Eisenwacht – Lagergäste: Viator Mercator Loricatus Munimento Clann Claiomh Equinox Furibundus Milites Dei Wolfspak Rotte vom Hagenthal Ponyreiten

MARKTMUSIK Die Schandgesellen Salamanda Schulmeyster & Gefolge Die Gasslspieler

GAUKLER GIGAS – Giganten Gaukler Show Feuermatrix

Mainstage:

Die Schandgesellen Tanzwut Fiddler´s Green Saltatio Mortis SUBWAY TO SALLY

2nd Stage:

20:30 - 21:00 21:15 - 21:45 22:00 - 22:30 22:45 - 23:15 23:30 - 00:00 00:15 - 00:45 01:00 - 02:00 02:00 - 04:00

Dark Sin Remember Twilight Impius Mundi Daedric Tales Epsilon Analphabeten DJ Vagabund Djane Rosweißchen & Rosenschnee

TICKETINFOS EUR 42,90 normal / EUR 20,90 ermäßigt (Die Ermäßigung gilt für Rollstuhlfahrer.) Die Konzertkarte gilt auch als Eintrittskarte für das Mittelalterspektakel am 30. November. Vorverkaufsstellen: VAZ St. Pölten (02742/71400-100, ticket@nxp.at, www.vaz.at), Raiffeisenbanken und Geschäftsstellen von www.oeticket.com

ADRESSE VAZ ST. PÖLTEN, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten www.mittelalterspektakel.at

HÄNDLER Mokkazelt Tränke zum wilden Wikinger SeidigSeifen Michaels Drechselstube Imkereifachbetrieb Leckermäulchen Hexenwerk Blaudruck Wanderbäckerei Kontiki - Basteleien Kovex-Ars Motivsteine – Gabi Permesser Hautmalerey Plank Nomad Art Wahrsagerin Monika Neunkirchner Mortifera Hannes der Jausenträger Elke Schräfl – Schmuck Ocarinas Attila Haz – Töpfer- und Tonwaren Stand Stift Göttweig Sabine Schimani – Kinderzelt

TICKETINFOS EUR 8,-- normal / EUR 4,-- ermäßigt (Die Ermäßigung gilt für Gewandete und Kinder von 7 14.) Kinder bis 6 Jahren freier Eintritt! Die Tickets für das Mittelalterspektakel sind an den Tageskassen erhältlich und berechtigen zum Eintritt an einem Spektakel-Tag!

Taterman

Mittelalterliches Infomagazin Fotoreports, Veranstaltungsberichte, Vereine Akteure, Termine, Informationen Das Taterman Magazin im Internet:

www.taterman.at Bereits im 14 Jh soll laut Grimm der Name „Taterman“ in der Bedeutung „Kobold“ in der Form kleiner aus Buchsbaum geschnitzter Haus bzw. Schutzgeister auf Kaminen, bekannt gewesen sein.


Der Ruhestand kommt schneller als man denkt. Und dafür sollte man vorgesorgt haben – je früher, desto besser. Ihr Raiffeisenberater weiß, welche unserer Produkte am besten zu Ihnen passen und erstellt Ihnen einen individuellen Vorsorgeplan. www.rbstp.at

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