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n.

n.

EDITORIAL 34‘er Fetischisten von Johannes Reichl

Die jüngste Schlammschlacht zwi-

sich geladen hatten und ein Rechtfertigungsdruck nicht nur

schen SPÖ und ÖVP rund um „Spit-

von innen, sondern v. a. von außen zur Auseinandersetzung

zeltätigkeiten“ der jeweils anderen

geradezu zwang. Die Konflikte der 20‘er und 30‘er Jahre hin-

Seite, für die die Parteien rasch blumige, wenngleich völlig

gegen waren rein innerösterreichische und ermöglichten

abstruse Titel wie „Stasi-Methoden“ oder „VPNÖ-Water-

den Parteien ein Einzementieren auf den eigenen, unver-

gate“ (siehe Artikel S. 6) parat hatten, dokumentiert einmal

söhnlichen Positionen. Zudem wurde das Trauma Bürger-

mehr das tiefe, fast pathologisch-paranoid zu nennende

krieg durch die bald folgende Auslöschung Österreichs, die

Misstrauen zwischen den beiden Kontrahenten. In einem

beide Parteien zu Verlierern machte, völlig überfrachtet, wie

Interview mit dem SP-Bezirksparteisekretär fällt sodenn re-

sie umgekehrt deren Allianz nach der Befreiung durch die

flexartig der Name Engelbert Dollfuss und ist die Rede von

Alliierten 1945 überhaupt erst ermöglichte. Gemeinsam lei-

der Nähe gewisser Teile der ÖVP zum Austrofaschismus.

steten sie Großartiges, ihr gegenseitiges Misstrauen aus der

Egal, was daherkommt, der Dollfuss-Joker sticht immer. Er

Bürgerkriegszeit konnten sie allerdings nie gänzlich über-

ist der Fetisch der Sozialdemokratie, um der ÖVP als Nach-

winden und lecken ihre Wunden – bis heute.

folgepartei der Christlichsozialen immer wieder den Mantel

Wissenschaftlich sind all diese Kapitel längst dokumen-

des Faschismus umzuhängen, wenngleich die Realität der

tiert. Man möge den faktischen Ergebnissen der Historiker

Zweiten Republik anders aussieht.

endlich folgen und das Thema auch politisch angehen, und

Ebenso ist er, perverserweise, zugleich Fetisch der ÖVP, die

zwar in einer – der Distanz der Ereignisse entsprechenden –

meint, just im Bekenntnis zu einem christlich-fundamen-

Nüchternheit, Reife und Staatsverantwortlichkeit. Dazu wird

talistischen Faschisten wie Dollfuss Geschlossenheit und

es einer eigenen historischen Kommission, einer Versöh-

Stärke demonstrieren zu müssen. Völlig an den Haaren her-

nungskonferenz bedürfen mit einer starken, unabhängigen

beigezogen ist zudem der Versuch, die SPÖ mit totalitären

Integrationsfigur an der Spitze.

kommunistischen Regimen in Verbindung zu bringen, ob-

Es bleibt zu hoffen, dass sich spätestens dann die SPÖ vom

wohl ein solches in Österreichs Geschichte nie existierte.

Fetisch der bösen Faschisten, die sich noch immer zuhauf

Beide Verhaltensmuster, so falsch sie sind, lassen tief in die

in den Reihen der ÖVP tummeln, ebenso verabschiedet,

Seele blicken und evozieren die Frage nach dem „Warum?“

wie die ÖVP vom Schreckgespenst einer revolutionär-wirt-

Die Antwort liegt u. a. darin, dass nach gut 80 Jahren die

schaftsfeindlichen SPÖ, die eine Diktatur des Proletariats

Vorfälle von Schattendorf sowie des Justizpalastbrandes

samt Enteignung des Kapitals anstrebe. Beides sind Bilder

1927, die Ausschaltung des Parlaments 1933 sowie der of-

aus der Mottenkiste. Und selbstverständlich verlangt es

fene Bürgerkrieg 1934 (der in Wahrheit die ganze 1. Republik

der Respekt vor der Demokratie und der Republik, dass das

hindurch schwelte und durch die Zusammenstöße der para-

Dollfussbild im ÖVP-Parlamentsklub (wo es erst nach 1945

militärischen Verbände sowie des Einschreitens der „Staats-

aufgehängt wurde!) endlich abgenommen wird.

gewalt“ mindestens 1600 Todesopfer und Verwundete for-

Mögen die beiden Parteien, die sich so gerne als staats-

derte) politisch noch immer nicht aufgearbeitet sind.

tragend bezeichnen, auch so benehmen und ihre (!) Wun-

Während es Österreich – mehr oder weniger – geschafft

den der Geschichte reinigen und desinfiszieren, damit sie

hat, sein NS-Erbe nach jahrzehntelanger Verdrängung anzu-

endlich ordentlich verheilen und das werden, was sie sein

gehen, ist dies im Fall der Ersten Republik und des Stände-

sollten: Narben der Vergangenheit, die uns daran erinnern,

staates nach wir vor nicht gelungen. Dass ersteres, obwohl

dass wir auf der Hut sein müssen. Ständig an der Wunde mit

zeitlich nachgelagert, „schneller“ von statten ging, mag

Schmutzkübelfingern herumzukletzeln hingegen ist gefähr-

auch daran liegen, dass Parteigänger aller Seiten Schuld auf

lich – sie könnte sich irgendwann wieder entzünden.

IMPRESSUM Blattlinie: Das fast unabhängige Magazin zur Förderung der Urbankultur in Niederösterreich Medieninhaber (Verleger): NXP Veranstaltungsbetriebs GmbH, MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten Herausgeber: Bernard und René Voak Redaktionsanschrift: MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten; Telefon: 02742/71400-330, Fax: 02742/71400305; Internet: www.dasmfg.at, Email: office@dasmfg.at Chefredakteur: Johannes Reichl Chef vom Dienst: Anne-Sophie Settele Redaktionsteam: Thomas Fröhlich, Gotthard Gansch, Sascha Harold, Mathias Kirner, Angelika Mandryk, Althea Müller, Michael Müllner, Marion Pfeffer, Petra Pfeiffer, Michael Reibnagel, Ruth Riel, Eva Seidl, Anne-Sophie Settele, Katharina Vrana. Kolumnisten: Herbert Binder, Thomas Fröhlich, Judith Goritschnig, Althea Müller, Michael Müllner, Primadonna, Rosa Kritiker: Helmuth Fahrngruber, Judith Goritschnig, Wolfgang Hintermeier, Dali Koljanin, David Meixner, Manuel Pernsteiner, Anne-Sophie Settele, Robert Stefan, Markus Waldbauer Leiter der Bildredaktion: Hermann Rauschmayr Art Director & Layout: REBELTECH Hersteller: NÖ Pressehaus Druck- und Verlagsgesellschaft mbH Herstellungs- und Verlagsort: St. Pölten Verlagspostamt: 3100 St. Pölten, P.b.b. Alle Rechte, auch die Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2. Urheberrechtsgesetz, sind vorbehalten. Alle Angaben ohne Gewähr. Für den Inhalt bezahlter Beiträge ist der Medieninhaber nicht verantwortlich. Internet: http://www.dasmfg.at Offenlegung nach § 25 Medien-Gesetz: Medieninhaber: NXP Veranstaltungsbetriebs GmbH, MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten. Unternehmensgegenstand: Freizeitwirtschaft, Tourismus und Veranstaltungen. Geschäftsführer: Bernard und René Voak MBA. Grundlegende Blattlinie: Das fast unabhängige Magazin zur Förderung der Urbankultur in NÖ.


In DIESER AUSGABE URBAn

URBAn

6

8 12 18 22 24 30

SCHWARZE ZAHLEN ST. PÖLTEN IM 20. JAHRHUNDERT TOD DEM TOTEN SONNTAG NEUE SERIE: UNSERE AUSLÄNDER IM SITZUNGSSAAL... DER SPÖ DIE JUNGEN UND DIE HEERESREFORM

KULTUR 33 34 36

KULTUR

32

CUBA LIBRE DIE KUNST DER BUNDESLÄNDER DER FLANEUR ZWISCHEN DEN WELTEN

SZEnE 44 48 52

AUF DEN SPUREN DER OLDIES DIE VIELEN GESICHTER DES GH KOLL DAS LEBEN EINER PUPPE

SPORT

SZEnE

42

56 58

VON POTTSCHACH INS SAN SIRO STOCHER ÜBER STOCK UND STEIN

06 7 32 42 62 63

IN WAS FÜR EINER STADT SHORTCUTS URBAN SHORTCUTS KULTUR SHORTCUTS SZENE KRITIKEN VERANSTALTUNGEN

DAS nÄchSTE MFG ERSchEInT AM

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3. JUnI 2011

56

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In der FPÖ-Mandatar Otzelberger im Wochen-

In

takt „Skandale“ enthüllt, die keine sind. So

präsentierte, in dem die Genossen unter dem

Domplatzes präsentiert hat – und sich gleich

sorgte er z. B. für ein bisschen Panik zwischen-

Betreff „Gegnerbeobachtung“ um Erhebung

darauf rechtfertigen musste, weshalb es auf

durch mit der Aussage, dass „beim Abriss der

von Adressmaterial der VP-Funktionäre ersucht

den „Planungsskizzen“ noch so schirch leer

ehemaligen Gebietskrankenkasse krebserre-

wurden. Für die VP ein klarer Fall von „Spio-

aussieht. Zur Erklärung: Zwei, drei Jahre lang

gender Asbeststaub freigesetzt wird“. Stimmt

nage in Stasi-Manier“. Nun, hätte die Stasi tat-

wird dieser Planer noch weiterplanen, bis man

nicht, wie die Sachverständigen beruhigten.

sächlich so patschert gearbeitet wie die SPÖ,

sich ein „echtes“ Bild vom Umbau wird ma-

Dann wähnte Otzelberger „Schwarzhackler

wäre wohl viel Leid erspart geblieben.

chen können. Fix ist bis dato: Ausgangspunkt

bei den Stadtsälen“. Auch das stimmt nicht,

Die SPÖ zauberte kurz darauf, welch Zufall, eine

für den „Domplatz Neu“ ist seine multifunkti-

wie die Behörde und die KIAB informierten.

„Sachverhaltsdarstellung“ hervor, derzufolge

onale Nutzung, regelmäßige Märkte aber auch

Seine Logik erklärt der Mandatar unter dem

ein Nussdorfer VP-Mandatar nämlichen Brief

Konzerte sind möglich, auch Parkplätze wer-

Titel „Anlaufstelle für Sorgen der Bürger“ so:

wohl aus dem Büro des SP-Bürgermeisters

den (noch) verfügbar sein. Vor dem Dom ent-

„Wenn aus einem Fenster Rauch dringt, dann

stibitzt habe – was man blumig „VPNÖ Water-

steht eine liturgische Fläche, im südlichen Teil

ruf ich die Feuerwehr. Wenn sich im Nachhi-

gate“ taufte. (Hoffentlich wurde das Nussdorfer

sollen Bäume und Schanigärten entstehen, im

nein herausstellt, dass es nur rauchendes Fett

Bürgermeisterbüro, dieser Hotspot höchstbri-

Palais Wellenstein sorgt ein Durchgang in die

in einer Pfanne war, dann freue ich mich darü-

santer Geheiminformationen, nicht auch noch

Wiener Straße für noch mehr „Öffnung“ des

ber, dass weiter nichts passiert ist.“ Das klingt

verwanzt?!) Liebe Politiker: Das ist weder Stasi

Platzes. Auf Laternenmasten wird verzichtet,

zwar durchaus nobel, allein – der FP-Politiker

noch Watergate, sondern nur peinlich. Ein Tipp

Lichtquellen auf den umliegenden Dächern

ist durch die (bewusste oder unbewusste?)

an die Totengräber der Politik-Glaubwürdigkeit:

sorgen für nächtliche Erhellung, wodurch die

Lancierung von Falschmeldungen derjenige,

Vor der Gegnerbeobachtung sollte man viel-

attraktiven Fassaden der den Platz umrah-

der die Brände überhaupt erst legt.

leicht einmal mit Selbstbeobachtung beginnen.

menden Gebäude ins Blickfeld treten.

der die ÖVP kürzlich ein SPÖ-Schreiben

In

der man kürzlich den „Planer“ des neuen

Liebe Leserinnen und Leser!

Seid weiterhin mutig genug, Fehler zu machen, euch Dinge anzuschauen, wo man lieber wegsieht, Gedanken auszusprechen, die gemeinhin als unsagbar galten und eure Ohren zu öffnen für die stillen Fußnoten des Alltagslärms. Die Normalität ist eine gepf asterte Straße; man kann gut darauf gehen - doch es wachsen keine Blumen auf ihr. In diesem Sinne... Mit inspirierenden Grüßen -Erato-

An MFG-Leserschaft Aufgeschlossenes, Mutiges St. Pölten 3100 STP-Sunrise-City

Foto: fotolia, mss, zVg

Mein Füller ist leer, die Briefmarken sind ausverkauft, die Post bringt allen was – aber ich nichts mehr zu ihr. Ab jetzt wird nur mehr gejodelt – in den Tiroler Bergen. Es ist nicht so, dass alles schon gesagt wäre. Nein, ganz im Gegenteil: die Stimmen der Menschen werden immer lauter und hörbarer. Wundervoll und erschrekkend zugleich, wenn man sein Radar dieser Tage auf Weltempfang stellt. Aber, wie schon William Connor Magee meinte: „Menschen, die keine Fehler machen, machen normalerweise auch sonst nichts.“ Tja, nichts mehr hinzu zu fügen...


URBAN SHORTCUTS

Schön grüSSen!

von Hebi

St.Pöltens

Stadion

vor inzwischen fast 25 Jahren, der Versuch

Am 17. März erfolgt der Spatenstich zum Bau des neuen Fußballstadions in St. Pölten. „Das

geistigen Welt Meidling, Simmering und Favo-

eingereichte Projekt ist nun durch alle Instanzen durch, der positive Bescheid liegt vor“,

riten, hat neben Vorteilen auch Probleme mit

erläutert Pressesprecher Michael Hatz. Verläuft alles nach Plan, sollen die Wölfe des SKN ab

sich gebracht. So sind etwa nicht wenige der

Sommer 2012 im neuen Stadion kicken. Damit steigt auch der politische Rechtfertigungs-

tagtäglich beruflich einpendelnden Kulturmi-

druck, dass der Verein erstligatauglich wird. „Es gibt hier ein sehr gutes Team mit der guten

granten noch immer kaum der Sprache der

Philosophie, Eigenbau- und Akademiespieler zu fördern. Aber im Sport lässt sich nicht alles

indigenen Bevölkerung mächtig. Ein Schritt

so genau vorausplanen, deshalb kann man nicht sagen, ob sich der Aufstieg in die Bundes-

zur Beseitigung dieser Barriere soll nun mit

liga bis zum Einzug ins neue Stadium ausgeht“, so Hatz. Mittelfristig sei er jedenfalls das

dem Projekt „Schön grüßen!“ gesetzt wer-

Ziel, wie auch der Verein bestätigt. Dass es der SKN aber aus aktueller eigener (Finanz)Kraft

den.

kaum schaffen wird, ist ebenfalls ein offenes Geheimnis. Man darf also gespannt sein, wie

Im eher bürgerlichen Milieu geht man sicher

man die nötigen Millionen für die Bundesliga aufstellt. Denn Geld allein spielt zwar nicht

nicht fehl mit „Sgott!“ bzw. „Pfehlung!“, wobei

Fußball, wie es so schön heißt, aber Fußball ohne Geld spielt sicher nicht Bundesliga.

ein offenes O bei Sgott besonders freundlich

Erhebung zur Landeshauptstadt

einer behutsamen Emanzipation also von der

wirkt. In der Vorstadt hört man, je nach Tages-

RE-REFORM Im Magistrat hat man den Rückwärts-

zeit, eher „Dag!“ oder „Namd!“. Bühnenarbei-

gang eingelegt. Hatte man 2008 unter großem Tamtam

(ab 11) und „Dere!“. Noble Sozis rufen dem

eine neue Geschäftseinsteilung präsentiert, so wurde

Fremdling „Grüssi!“ oder gar „Grüßesie!“ zu.

diese nun teilweise zurückgenommen. Just im hochpoli-

Gemüt wie den Heuduft des inneren Traisen-

tischen Ressort Öffentlichkeitsarbeit. Just im Wahljahr. Zu-

tals spürt man aus „Griaßdi, Griaßeich, Pfiaddi

fall? Magistratsdirektor Thomas Dewina kann nicht nach-

und Pfiaddeich“. „Haaalo!“ sagt man (ver-

vollziehen, warum manche das Gras wachsen hören. „Die

meintlich erstaunt), wenn man nicht genau

Geschäftseinteilung ist nichts Fixes, sondern unterliegt

weiß, ob man mit allen per Du ist, grüßt einen

ständig der Evaluierung. Vom Öffentlichkeitsarbeitsbe-

aber jemand per „Halloooh!“, dann handelt es

reich hat sich nur das Stadtmarketing verschoben.“

sich im Zweifel um einen verarmten jungen

ter kommunizieren mit „Moang!“, „Moezeid!“

Foto: fotolia, mss, zVg

Landadeligen.

Wenig angreifen 2,5 Millionen Euro wird die

Doch Achtung: Nicht jeder Banker hört auf

Neugestaltung des Domplatzes der Stadt kosten. In etwa

auf „Freundschaft“! Und selbst wenn Er dich

diese Summe werden auch die archäologischen Gra-

fesch auf die Schulter gehaut hat, hast du

bungen samt Wiederherstellung der öffentlichen Flächen

nicht zu sagen „Seass Eawin!“, sondern doch

ausmachen, zwei bis drei Jahre wird noch gegraben. Eine

besser „Servus, Herr Landeshauptmann!“ –

Zielsetzung der Wiener Planungsarchitekten ist es dem-

mit einer dezenten Verneigung vielleicht.

nach auch nicht tiefer als nötig ins Erdreich vorzudrin-

So richtig zu uns, liebe Freunde aus Döbling

gen. Bodendenkmäler, die man bei Baumaßnahmen nicht

wie Wanne-Eickel, gehört ihr aber sicher

„angreift“, muss man nämlich auch nicht aufwendig und

dann, wenn euch die Supermarkt-Kassierin

teuer dokumentieren.

anstrahlt mit einem echt vom Herzen kom-

„Weidmannsheil“, nicht jeder Sozialdemokrat

menden: „Schendogno!“. –7 – MFG


TEXT: MICHAEL MÜLLNeR Fotos: SFU, FOTOLIA

Zerbricht das (angeblich) konstruktive Arbeitsklima zwischen roter Hauptstadt und schwarzem Land an gesundheitspolitischen Fragen? Wie das Land NÖ eine private Medizinuni in St. Pölten verhindert – aber dafür mit eigenen Plänen den Vorwurf des Schrebergarten-Denkens erntet.

–8– MFG


MFG URBAN Beinharte

Schwarze Zahlen.

Besonders spannend

Dass es einer öffentlichen Uni (wie eben der

Studienplätze. Viele sehen in den nächsten Jah-

ist die Rolle der Wiener Projektpartner. Wieso

Meduni oder der TU Wien) so nebenbei gesetz-

ren einen Ärztemangel auf uns zukommen. Da

beteiligt sich die öffentlich finanzierte Wiener

lich verboten ist Privatunis ihre Mittel zuzu-

sollte ein zusätzlicher Ausbildungsstandort für

Meduni an einer Privatuni in NÖ? Weil sie eine

schießen, macht die Kartoffel noch heißer. Die

Humanmedizin nicht schaden. Schon gar nicht,

„einmalige Chance sieht ihr großes Know how

Kremser Konstellation ist also von Anfang an

wenn dort neben der Arztausbildung auch

einzubringen“, außerdem hätte die Gefahr be-

zu unternehmerischem Erfolg verdammt. „Nur

Medizintechnik und Medizinökonomie gelehrt

standen, dass „vor der eigenen Haustür ein

wenn Businesspläne und Machbarkeitsstudien

werden und es potente Partnerschaften gibt.

Lehrplan mit mangelnder Professionalität“ ent-

schwarze Zahlen versprechen, bleiben wir an

Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) hat sein

steht, denn das Land NÖ hätte die Privatuni „in

Bord“, heißt es aus der Meduni Wien. Auch Wis-

Prestigeprojekt „Privatuniversität für Gesund-

jedem Fall errichtet“. Das eigene Lehrpersonal

senschaftsministerin Beatrix Karl bestätigt: „Es

heitswissenschaften“ am 14. Jänner der Öffent-

will man jedenfalls nur in der Übergangszeit

muss sichergestellt sein, dass keine Bundes-

lichkeit präsentiert – und wohl weniger Applaus

einsetzen und „sehr rasch zurückziehen“.

mittel, die für öffentliche Hochschulen vorgese-

Aufnahmetests, streng limitierte

geerntet als ursprünglich erwartet.

Uni-Schrebergarten.

Univ.-Prof. Dr. Alfred Pritz ist seit 2005 Rektor der angesehenen Sigmund-Freud-Privat-Universität Wien mit rund 1000 Studenten. Unter seiner Verantwortung erhielt die SFU 2005 und 2010 die „Akkreditierung“ durch den Akkreditierungsrat.

Der Präsident der

Österreichischen Ärztekammer Walter Dorner fühlte sich nach der Projektpräsentation an einen „Schrebergarten für pensionierte

Was hatte die Sigmund-Freud-Universität in St. Pölten geplant?

Professoren“ erinnert. Generell ist er gegen Privatunis, „an denen sich Studenten ein Medizinstudium ‚erkaufen‘ können“. Besonders der Aufbau des Studiums mit einer späten Spezialisierung auf den Arztberuf lässt ihn einen Qualitätsverlust befürchten: „Dort werden Schmalspurmediziner ausgebildet mit denen man nichts anfangen kann!“ Das Gesetz sieht

Ein vollwertiges humanmedizinisches Studium mit rund 80 Studierenden pro Jahrgang. Wir waren seit längerem im Gespräch mit Bürgermeister Stadler und den Verwertern der Liegenschaft des ehemaligen Areals der Gebietskrankenkasse. Zudem hatten wir circa im April 2010 sehr positive Gespräche mit dem Land NÖ geführt. Eigentlich war alles fix. Sogar der Tarif, den wir an die Krankenhaus-Holding zahlen würden, um die Ausbildungsplätze für unsere Studenten zu bekommen, war festgelegt.

jedenfalls vor, dass neue Studienpläne nach

Was ist dann schiefgelaufen?

der „Bologna-Architektur“ konzipiert werden.

Nachdem Landeshauptmann Erwin Pröll bei einer Pressekonferenz das Projekt der Privatuni in Krems bekanntgegeben hat, wurde uns mit wenigen Worten abgesagt. Eine Erklärung haben wir eigentlich gar nicht bekommen.

Als Grundlage dient das dreijährige BachelorStudium „Gesundheitswissenschaften“, darauf aufbauend folgen ebenfalls dreijährige MasterStudien

„Humanmedizin“,

„Medizintechnik“

oder „Medizinökonomie“. Dorner lehnt es auch ab, „dass Privat-Unis auf das Ausbildungspersonal staatlicher Universitäten zurückgreifen, die sich dann Zusatzaufgaben und -einkünfte schaffen könnten, obwohl sie schon derzeit ihren umfassenden Aufgaben wie Ausbildung,

Wurde im Vorfeld der Standort Krems mit Ihnen thematisiert? Natürlich, uns wurde nahegelegt, dass wir das Projekt doch in Krems umsetzen sollen. Das haben wir abgelehnt, weil das Projekt in Krems nicht funktioniert. Es gab jedoch einen Kompromissvorschlag: Der vor-klinische Teil des Studiums hätte in Krems stattfinden sollen, der klinische Teil in St. Pölten. Wir wollten diese Bedingung des Landes achten. Umso überraschter waren wir, als uns Landesrat Sobotka mitgeteilt hat, dass es nur ein Projekt in Niederösterreich geben wird und wir keine Ausbildungsplätze in St. Pölten erhalten werden.

Forschung und Patientenbetreuung, laut eige-

Das heißt, das Projekt SFU in St. Pölten ist gestorben?

nen Aussagen kaum mehr nachgehen können.“

Unser Projekt ist tot. Eine Gruppe mit unternehmerischem Geist wurde vertrieben, die angestrebte Wertschöpfung für Niederösterreich ist weg. Besonders ärgerlich ist, dass wir keinerlei öffentliche Förderungen beantragt haben oder hätten. Wir wären eine echte Privatuniversität, finanziert durch Studiengebühren und aus privaten Einkünften. Wir hätten sogar laufend an das Land überwiesen, um unsere Studenten in deren Klinikum ausbilden zu dürfen!

„Die Presse“ druckte einen wenig schmeichelhaften Gastkommentar des früheren Sektionschefs im Wissenschaftsministeriums Norbert Rozsenich. Er forderte eine gesamtösterreichisch koordinierte Hochschulplanung anstatt eines „feudalistischen Konstrukts“, bei dem auch der Betriff „privat“ einer „Orwell’schen Neuinterpretation“ unterzogen werde. Die „Life Sciene Krems GmbH“ entwickelt das Projekt und ist zu 90% im Besitz des Landes NÖ. Als zukünftige Betreiber nennt das Land NÖ eine Kooperation von Donau-Uni Krems, Medizinuni Wien, Technische Universität Wien (TU Wien)

Vielleicht findet sich ja noch eine Lösung mit dem Landeshauptmann? Ich bin immer für Gespräche offen, aber viel Hoffnung existiert ehrlich gesagt nicht. Wenn politische Einsicht nicht vorhanden ist, dann ist es Schade um die Energie. Es gibt ja auch andere Alternativen.

Wären zwei private Medizin-Unis in Niederösterreich nebeneinander denkbar? Natürlich sind zwei Medizin-Unis in NÖ denkbar, mit unseren 80 Studienplätzen pro Jahr wäre das ja ohnehin ein Mini-Angebot bei der sehr großen Nachfrage. Es ist nur eine Frage des Wollens.

und FH Krems. Von Privatwirtschaft keine Spur.

„Wenn politische Einsicht nicht vorhanden ist, dann ist es Schade um die Energie.“ Alfred Pritz, Rektor der Sigmund Freud Privat-Universität –9– MFG


MFG URBAN hen sind, in die geplante Privatuni fließen. Da braucht es ein transparentes und schlüssiges Finanzierungsmodell.“ Ein paar Hausaufgaben werden die Projektträger bis zur Genehmigung durch den Österreichischen Akkreditierungsrat noch liefern müssen, um den von Erwin Pröll genannten Eröffnungstermin Oktober 2013 zu halten – der übrigens mit der nächsten Landtagswahl zusammenfallen wird.

Paris, Wien, St. Pölten.

Während sich in

Wiener Uni-Kreisen hitzige Debatten ergaben, stellte sich in St. Pölten die große Enttäuschung ein. Bürgermeister Stadler (SPÖ) war nämlich seit längerem mit einem anderen Privatuni-Betreiber in intensiven Gesprächen. Die Sigmund-Freud-Universität (SFU) ist eine seit Jahren anerkannte Privatuni. In Wien und Paris bietet sie Psychotherapiestudien an, in St. Pölten war ein „vollwertiges Studium der Humanmedizin“ geplant, rund 600 Studierende waren im Vollausbau das Ziel. Seit rund einem Jahr kam es hinter den Ku-

Richtig Schwerpunkten

Macht es Sinn, die orthopädische Abteilung in St. Pölten zu schließen? Die Bevölkerung reagiert verunsichert, der Protest wächst. So

lissen auch zu intensiven Diskussionen auf Ebene der politischen Entscheidungsträger, was den Standort St. Pölten betrifft. Das Land NÖ drängte angeblich auf eine Verlegung des Projektes nach Krems. Zumindest teilweise, wenn schon nicht ganz, sollte die Wachauer

viele Babys oder offene Herzen können

wünscht“. Der lässt jedoch über MFG aus-

Donaustadt und nicht die Hauptstadt an der

andere Abteilungen gar nicht auf die Welt

richten als Bundesminister kommentiere

Traisen zum Zug kommen.

bringen bzw. reparieren, momentan inte-

er Einzelfälle nicht, „das ist schon die Ver-

Bei Landeshauptmann Erwin Pröll wurde seit

ressieren sich alle nur für die Orthopädie.

antwortung und Kompetenz des Landes“.

einem Jahr mit Nachdruck für den Standort

Die Landeskliniken-Holding kündigte im De-

Christoph Reisner, Präsident der NÖ Ärzte-

St. Pölten lobbyiert: Von der zukünftigen Aus-

zember an, dass in den nächsten drei bis

kammer, befürchtet eine „Verschlechterung

bildungsstätte könne man bequem zu Fuß ins

fünf Jahren alle planbaren Operationen der

der medizinischen Versorgung – was wohl

Landesklinikum mit seinen Praktikumsstellen

Orthopädie von St. Pölten nach Krems ab-

nicht politisches Ziel sein kann“ und hat

gehen. St. Pölten biete generell perfekte Ver-

wandern. In St. Pölten würde man sich auf

beim Land Hintergründe zur Entscheidung

kehrsanbindungen (schon bald mit dem öf-

Akutfälle sowie Vor- und Nachbetreuungen

angefragt. Hinter der hitzigen Diskussion

fentlichen Verkehr nur 20 Minuten bis Wien).

im „orthopädischen Bereich“ beschränken,

um „die Ortho“ verbirgt sich eine Grund-

Zahlreiche Einrichtungen wie die Fachhoch-

die „Akutmedizin soll durch ein medizi-

satzfrage: Soll das Land als Gestalter der Ge-

schule (mit ihren „gesundheitsnahen“ Studi-

nisches Trauma-Zentrum (Knochen-, Unfall-

sundheitsversorgung auf Zentralkliniken und

engängen), Ärzte, Therapiezentren, Röntgenin-

und Neurochirurgie)“ verstärkt werden. Die

Schwerpunktkrankenhäuser oder auf Teufel

stitute, Sozialversicherungseinrichtungen oder

orthopädische Leistung sei „sichergestellt“,

komm raus dezentralisieren? Momentan ist

Schulen lägen in unmittelbarer Nähe. Generell

Arbeitsplätze nicht in Gefahr. In der Öffent-

St. Pölten aufgrund weniger fehlender Be-

sei die vorhandene Infrastruktur auch bei Frei-

lichkeit kam die Botschaft jedoch so an,

reiche noch kein Zentralklinikum, hinter vor-

zeiteinrichtungen (die für Studierende und de-

dass eine Abteilung geschlossen wird, deren

gehaltener Hand sehen Experten in den Kli-

ren Wertschöpfung nicht unwesentlich sind) in

Bedeutung gerade durch die zunehmende

niken St. Pölten und Wiener Neustadt dafür

St. Pölten bestens für einen Privatuni-Standort

Überalterung der Bevölkerung wächst. SPÖ-

jedoch geeignete Häuser. Offiziell schweigen

geeignet. Aus dem Wissenschaftsministerium

Politiker fanden es klug eine Unterschriften-

sich viele Fachleute aus. Doch die Gretchen-

heißt es zum Stellenwert des Projekts Priva-

liste aufzulegen womit die Diskussion zuse-

frage, ob das Filetieren von Abteilungen Sinn

tuni St. Pölten: „Jede Privatinitiative, die in

hends parteipolitisch wurde. Die Initiatoren

macht, beantworten sie ohne Namensnen-

den Zukunftsbereichen Wissenschaft und For-

sprechen von 10.000 Unterschriften einer

nung meist sinngemäß: „Man hört täglich,

schung gesetzt wird, ist förderlich und daher

verunsicherten und erbosten Bevölkerung.

dass man Patienten gesamtheitlich betrach-

auch willkommen.“ Auch Niederösterreichs

Das Land versteht die Aufregung nicht,

ten soll. Welchen Sinn macht es da einen

Ärztekammer-Präsident Christoph Reisner be-

auch

Kranken im ganzen Land von einer Klinik in

grüßt grundsätzlich neue Ausbildungsplätze,

die andere zu führen?“

aber „in Wirklichkeit wissen wir noch nichts,

von SPÖ-Gesundheitsminister Alois

Stöger sei die „Schwerpunktsetzung so ge-

das Land hat uns nicht eingebunden, darum – 10 – MFG


holen wir derzeit selbst Fakten ein und sehen

auskommt. Wieso sollte das Land NÖ diesem

dann weiter. Der Begriff ‚Privatuni‘ scheint mir

Projekt im Weg stehen, wo es doch kein Ri-

bei diesem Projekt jedenfalls sehr suspekt.“

siko trägt und ungestört die „eigenen“ Pläne

Kein Platz.

Fremdschämen

in Krems umsetzen könnte? Will man dem St. Die Entscheidungsträger des

Pöltner Standort keinen Startvorteil geben? In

Landes entschieden sich jedenfalls für die „Pri-

Krems wird ja erst 2013 eröffnet, sofern die

vatuniversität für Gesundheitswissenschaften“

ambitionierten Zeitpläne halten.

in Krems. LH-Stellvertreter Wolfgang Sobotka

Vor allem als erfolgreicher Bildungsstandort

(ÖVP) argumentiert dies mit dem „besseren

könnte sich Niederösterreich bis zur nächsten

Konzept“. Der Todesstoß für das SFU-Projekt

Landtagswahl im Herbst 2013 mit einem be-

in St. Pölten war die Aussage des Landes, dass

reits etablierten Privatuni-Standort in St. Pölten

es im St. Pöltner Klinikum keine Ausbildungs-

und einer gänzlich neuen, breitaufgestellten

plätze für die SFU-Studenten geben werde.

Privatuni in Krems bestens profilieren.

Man habe sich laut dem Geschäftsführer der Landeskliniken-Holding Robert Griessner für

Breite Unterstützung.

das Kremser-Projekt entschieden, weil es „rich-

win-win-Situation liegt der letzte Funke Hoff-

Wenn

tungsweisend“ sei und auch die Klinikstand-

nung, den zahlreiche Gesprächspartner quer

wo man sonst eher die großen Klappen

orte Krems und Tulln einbinde.

durch alle Parteien und Ideologien nach wie

vermuten würde, dann wird es spannend.

Während SFU-Rektor Pritz sein St. Pölten-Pro-

vor sehen. Könnte aus der Irritation über die

Zahlreiche

jekt „tot“ sieht und den politischen Willen auf

Absage des Landes an die SFU schon bald eine

aus unterschiedlichen Backgrounds hielten

Seiten des Landes vermisst, gibt es hinter den

offene Unterstützungsinitiative Pro-SFU entste-

sich auf Anfrage von MFG nobel zurück und

Kulissen zahlreiche Akteure, die noch nicht

hen, getragen quer durch Gemeinde- und Par-

wollten ihre Meinung nicht in der Zeitung le-

aufgeben wollen. Deren Tenor lautet sinnge-

teigrenzen? Im St. Pöltner Gemeinderat hat je-

sen. Das spricht für die Bedeutung des The-

mäß: „Es geht einfach um zu viel. Die Sachar-

denfalls auch die ÖVP-Fraktion der einstimmig

mas und (hoffentlich auch) dafür, dass auch

gumente überzeugen. Es wäre idiotisch, wenn

gefassten Resolution „Pro-SFU“ zugestimmt.

das Land NÖ hier die Türen noch nicht gänz-

man so ein Projekt sterben lässt. Auch das

Relevanter für die Landes-ÖVP ist wohl das auf-

lich zugeschlagen hat – sondern die Dinge

Land wird sich treffenden Argumenten nicht

keimende Unverständnis in breiten Teilen der

noch im Fluss sind.

verschließen.“ In St. Pölten wird sogar kolpor-

Wirtschaft, also in klassisch ÖVP-dominierten

Warum sollte man dem St. Pöltner Bürger-

tiert, dass das Wintersemester 2011 als realis-

Wählerkreisen.

meister, der im Herbst bekanntlich eine

tischer Starttermin im Raum stand.

Und für Niederösterreich ist ein weiterer Bil-

Wahl zu schlagen hat, nach dem popu-

Sobald das Land NÖ die Ausbildungsplätze zu-

dungsstandort in St. Pölten zweifelsfrei bes-

lären Thema „Schließung der Orthopädie“

sagt, will die SFU zur raschen Umsetzung des

ser als ein umgesetztes SFU-Projekt in einem

noch einen zweiten Elfer auflegen – und

Projektes schreiten. Die Konzepte seien fertig,

anderen Bundesland. Das Land verwaltet in

aus einem lachhaften „Wir haben zu we-

es fehlen nur die Ausbildungsplätze, für wel-

seiner Holding übrigens 25 Landeskliniken.

nig Ausbildungsplätze“-Argument heraus

che die SFU übrigens auch einen bereits pak-

Wie soll es da an 100 Ausbildungsplätzen pro

das Projekt der Sigmund Freud Universität

tierten Tarif an die Landeskliniken-Holding zah-

Jahr – die noch dazu vom Betreiber bezahlt

boykottieren? Und wenn das Konzept der

len würde. Geld in das Gesundheitssystem aus

sind – scheitern? Gerade am Standort St. Pöl-

„umfassenden Privatuni in Krems“ wie be-

einem zu 100 Prozent privat finanzierten Uni-

ten könnte das Land NÖ somit ein vollwertiges

hauptet so viel Sinn macht, dann wird der

Betreiber, der ohne jede öffentliche Subvention

Zentralklinikum errichten. Wenn es denn will.

St. Pöltner „Mitbewerber“ doch bitte dabei

Gerade in dieser

sich großes Schweigen breitmacht,

angesehene

Persönlichkeiten

keine Rolle spielen? Bürgermeister Stadler kann man anrechnen, dass er seine SPÖ bis dato in dieser Frage unter Kontrolle hielt und uns verzichtbare Profiliierungsversuche nach Parteilogik erspart blieben. Die Attacke des ÖVP-Manns Matthias Adl hingegen (wonach es die Schuld des Bürgermeisters sei, dass aus dem SFU-Projekt nichts wird) ist selbst in Faschingszeiten ein Anlass zum Fremdschämen. Und die Kritik des ÖÄK-Präsidenten Dorner, der generell gegen Privatunis zur Medizinerausbildung ist, zeigt die aktuelle Problematik wunderbar auf. Mit der Situation an den staatlichen (Medizin-)Unis ist jeder unglücklich, aber der Wille für echte VerAus der „Sigmund Freud PrivatUniversität St. Pölten“ wird wohl nichts. Das Land Niederösterreich verhindert die Umsetzung, der Start im Herbst bleibt wohl eine Foto-Montage.

– 11 – MFG

besserungen (höhere Budgets) fehlt und vor privaten (und damit wirklich unabhängigen) Alternativen hat man Schiss.


Die Hauptstadt kam zum schlechtesten Zeitpunkt TEXT: Johannes Reichl Fotos: STADTARCHIV St. PÖLTEN

Siegfried Nasko hat vor kurzem das Buch „St. Pölten im 20. Jahrhundert“ herausgegeben. Mit MFG plauderte er über Singularitäten in der St. Pöltner Stadtgeschichte, über Helden und „Teufel“, Provinzialismus, die Hauptstadt, und warum er Bundesländer für überholt hält.


MFG URBAN

„Durch die Glanzstoff und ihre Geruchsproblematik war St. Pölten lange der Watschenbaum der Zweiten Republik.“ Gibt es eigentlich so etwas wie einen roten Faden in der Geschichte St. Pöltens im 20. Jahrhundert?

Zuvor gab es kaum historische Wahrnehmung über St. Pölten.

Einer ist ohne Zweifel die durchgehende Aufwärtsentwicklung. Zuvor

tatsächlich keine Rolle. Es gab kaum überregional auffällige Politiker, mit

hat St. Pölten vom Mittelalter herauf bis in die erste Hälfte des 19. Jahr-

Ausnahme von Wilhelm Voelkl, der sich im Reichsrat duellierte, Julius

hunderts bei etwa 3.500 Einwohnern stagniert. Mit dem Anschluss an

Raab, der im Ständestaat Minister wurde, und Hugo Jury, St. Pöltner Lun-

die Westbahn wurde das Tor zur Welt aufgestoßen. 1900 lebten bereits

genfacharzt, der unter den Nazis zum Gauleiter avancierte.

Während der Monarchie und während der 1. Republik spielte St. Pölten

14.500 Leute in der Stadt, bis heute hat sich diese Zahl weiter vervier-

Ein zweiter roter Faden – der typisch für alle Städte war – ist die Tatsa-

Mag es auch daran liegen – wenn man jetzt an Jury denkt – dass man bewusst derlei Persönlichkeiten verdrängte, damit sozusagen keine negative Aura auf die Stadt abfärbt?

che, dass das 20. Jahrhundert das Jahrhundert der Sozialdemokratie war.

Nein. Ich glaube, so wie man die Helden nicht für St. Pölten reklamieren

facht, die Zahl der Häuser hat sich verfünfzehnfacht, die Fläche verzehnfacht! All dies ist Beleg für die zunehmende Bedeutung der Stadt!

darf, kann man die anderen ebenso wenig als exemplarische Oberteufel

Prinzipiell könnte man St. Pölten historisch betrachtet wohl als geradezu exemplarische österreichische Stadt bezeichnen.

hinstellen. Man muss auch die Wandlung der Menschen berücksichtigen.

Das stimmt. In der allgemeinen Aufwärtsentwicklung des Jahrhunderts

kanzler. Und von Leopold Figl gibt es Zeugnisse über Jury, dass dieser

gab es Rückschläge durch den Ersten Weltkrieg, durch Wirtschaftskrise,

auch vielen geholfen hat – andererseits war er am Ende des Regimes der

Bürgerkrieg, Ständestaat, Zweiten Weltkrieg, NS-Besatzung, russische Be-

größte Durchhaltepeitscher und schickte die Jugendlichen in einen verlo-

satzung. 1914 gab es Hurra-Rufe, Kriegsbegeisterung und Einschwören

renen Krieg. Er nahm sich in Zwettl das Leben!

Julius Raab etwa wurde in der Zweiten Republik demokratischer Bundes-

auf den Kaiser, 1938 jubelte man Hitler zu und ernannte ihn zum Ehrenbürger. Viele Dinge, wie etwa jüdische Arbeitslager bei der Glanzstoff und in Viehofen, sind erst in den letzten Jahren bekannt und aufgearbeitet worden. Andererseits gab es aber auch einzelne, die ihr Leben für andere riskierten. Die die Hasenjagd nicht mitmachten und Juden bei sich zuhause versteckten, etwa die Familie Jindrak das Mädchen Vera Heilpern. Und es gab auch Widerstand, der quer durch alle Schichten ging und Opfer forderte. Keine Frage, die Mehrheit war „anders“. Aber St. Pölten soll auf jene stolz sein, die sich – unter Einsatz ihres Lebens – dagegen gestellt haben. Das verdient hervorgehoben zu werden!

Kommt das nicht einer Vereinnahmung gleich, auch um von den Schattenseiten abzulenken? Jedes Regime pickt sich in seiner Geschichte die Rosinen raus, die im aktuellen Kontext als vorbildlich gelten. Das war während des Ständestaates der Fall, während der Nazis und auch während der russischen Besatzung. Aber heute leben wir in einer friedlichen Zeit, stehen nicht mehr unter dem Druck eines Regimes. Heute beurteilen wir die Historie relativ objektiv nach bleibenden Werten wie Freiheit, Demokratie, Menschlichkeit. Daher ist es wichtig, gerade diese Persönlichkeiten und ihr Wirken als vorbildlich zu würdigen!

Widerstand gab es auch im Zuge der Februar-Unruhen 1934. Diesbezüglich reklamiert St. Pölten ja eine gewisse Sonderstellung für sich in Niederösterreich. Die größte Singularität im Vergleich zu anderen Städten besteht eigentlich darin, dass es hier eine Art österreichische Jean d’Arc gab, also eine Frau, die den Männern gezeigt hat, wo es langgeht und die das Kommando übernommen hat: Maria Emhart. 1936 war sie während der Sozialistenprozesse gemeinsam mit Bruno Kreisky eingesperrt und rechnete mit ihrer Hinrichtung. Einzigartig im Niederösterreich-Konnex war außerdem die Hinrichtung der Widerstandskämpfer Hoys und Rauchenberger in St. Pölten. Kanzler

Bild links: Baustelle des Regierungsviertels vom Klangturm aus aufgenommen Richtung Norden Bild oben: Kaiserbesuch 1910 Bild unten: Abrücken der Soldaten zur Front 1914

Engelbert Dollfuss hatte ja Order gegeben, dass pro Bundesland zwei Widerstandskämpfer hingerichtet werden müssen. Diese wurden in St. Pölten vollzogen.

– 13 – MFG


Bild links: NSDAP-Veranstaltung am Rathausplatz 1939; Bild rechts: Arbeiterbaracken nach 1945; Bild S.15: Blick in die Brunngasse. Bombenschaden 1945 (heutiges Einkaufszentrum Promenade)

Letztlich ist das ganze Leben eine Bewährungsprobe. Es geht um Quali-

durch die Glanzstoff und ihre Geruchsproblematik war St. Pölten der Wat-

tät, um Läuterung, um Weiterentwicklung. Was die Menschen im 20. Jahr-

schenbaum der Zweiten Republik, und zwar bis zu ihrer Schließung. In

hundert erlebt haben, war extrem intensiv – es gab kein Zeitalter, in dem

einem Interview, das ich einmal mit dem damaligen Landeshauptmann

man soviele Höhen und Tiefen erlebte.

Siegfried Ludwig führte, sprach er von der Idee, die Glanzstoff niederzureißen und an anderer Stelle außerhalb der Stadt wieder aufzubauen

Und nach dem Krieg?

– die Problematik war also bekannt. Für die Sozialdemokratie war ein

Der grundlegendste Unterschied zur 1. Republik war, dass es in der 2. Re-

Sperren des Werkes aber absolut undenkbar. So wurde die wirtschaftlich

publik drei überregionale Persönlichkeiten mit St. Pölten-Hintergrund gab.

marode Glanzstoff 1978 unter Kreisky und 1995 unter Vranitzky geret-

Das waren Kardinal Franz König, Bundeskanzler Julius Raab und Bruno

tet – möglicherweise ein Bärendienst, auch wenn die Fabrik damals noch

Kreisky, der ja auf einem St. Pöltner Mandat im Nationalrat saß. Zudem

1000 und nicht, wie zuletzt, nur mehr 300 Mitarbeiter hatte. Über Alter-

darf man auch Viktor Müllner nicht vergessen, der Landeshautpmann-

nativen wurde nicht einmal nachgedacht, das war ein Tabuthema. Hätte

Stellvertreter wurde und vordem der Widerstandsgruppe 05 angehört

man das offen ausgesprochen in der SPÖ, wäre man sofort weggewesen.

hatte – er ließ als St. Pöltner Magistratsbeamter 1938 ein Munitionsdepot

Da schwang immer die Überlegung mit, dass Arbeitslose sozusagen eine

anlegen, weil er im Falle des Einmarsches für Österreich kämpfen wollte.

„Ansteckungsgefahr“ in sich tragen und das Wählerstimmen kostet.

Furore machten diese Persönlichkeiten aber überregional? Es gab historisch betrachtet schon zwei wichtige Weichenstellungen, die

War dies der einzige Grund, warum St. Pölten als Inbegriff der Provinz betrachtet wurde?

von St. Pölten ihren Ausgang nahmen. Zum einen traute Franz König, da-

Nein, dafür gibt es sicher verschiedene Erklärungen. Die Außenwahrneh-

mals noch Kurat im Dom, in der Anstaltskapelle des Krankenhauses ein

mung hing sicher mit gewissen Reaktionen der Stadt selbst zusammen.

evangelisches Paar! Das hatte es zuvor noch nicht gegeben.

Als etwa Hanne Rohrer im Club 2 den Spruch prägte „Den Mutigen bangt

Zum anderen fand 1967 unter Bruno Kreisky und Erika Weinzierl in St.

selten, warum graut dir vor St. Pölten“, fühlten sich die St. Pöltner bis ins

Pölten eine Aussöhnungskonferenz mit der Katholischen Kirche statt, auf

Mark beleidigt. Es gab riesengroße Aufregung, man forderte die Abset-

der Kreisky offen bekannte, dass die Sozialdemokratie sozusagen nicht

zung Rohrers, der ORF-Abteilungsleiter musste sich öffentlich entschuldi-

den ganzen Menschen für sich beansprucht, sondern jeder auch persön-

gen usw. Diese Überreaktion wurde mit einiger Verwunderung aufgenom-

liche Nischen hat, wie eben die Religion. Das ging in die Geschichte als St.

men, der Grundtenor war: „Na, die halten nix aus, die Provinzler“.

Pöltner Konferenz ein!

Zudem, auch das mag mit eine Rolle gespielt haben, waren vielfach jene, die die Stadt nach außen hin vertraten, provinziell. Bürgermeister Rudolf

Trotzdem fiel St. Pölten auch nach dem Krieg nicht sonderlich auf, am ehesten noch mit der Glanzstoff-Fabrik.

Singer etwa hat das Provinzlertum in dem Sinne salonfähig gemacht,

Was wenige wissen ist, dass die Nazis 1945 beim Rückzug aus der Stadt

mer alles für St. Pölten und seine Person reklamierte. Dadurch wurde St.

die Glanzstoff in die Luft jagen wollten. Ein Sprengkommando hatte be-

Pölten bald zur Buhstadt.

dass er auf allen Ebenen – egal ob im Bund, im Land, in der Partei – im-

reits die Ladungen angebracht, ein engagierter Mitarbeiter entschärfte

Aber daran allein kann es ja auch nicht gelegen sein, zumal sich ja auch ein gewisser Minderwertigkeitskomplex herausprägte?

sie rechtzeitig, was als großes Glück gefeiert wurde. Aus Sicht der Zeit kann man natürlich fragen, ob es wirklich ein so großes Glück war. Denn

Tatsächlich sind in der Monarchie und in der 1. Republik diese Komplexe noch nicht wahrnehmbar. Eine Rolle mögen die schweren Bombarde-

„Letztlich ist das ganze Leben eine Bewährungsprobe. Es geht um Qualität, um Läuterung, um Weiterentwicklung.“

ments gespielt haben, da hat es St. Pölten schlimm erwischt, und keinesfalls darf man das Jahrzehnt der russischen Besatzung in Niederösterreich unterschätzen. Das war eine Zeit der Unterdrückung und Angst, hat alle Kräfte gezügelt. Hugo Portisch hat mir einmal erzählt, dass sein Vater – während der Besatzung Chefredakteur der St. Pöltner Zeitung – einmal pro Woche zur sowjetischen Kommandantur zwecks Freigabe – 14 – MFG


MFG URBAN der Zeitung gehen musste. Mit dabei hatte er immer eine Tasche mit 2kg

und zu einem Kompromiss fanden! Zudem war weichenstellend, dass ein

Zucker, Wollsocken und Wollhandschuhen, weil er immer befürchtete, so-

roter Bürgermeister, Willi Gruber, aus der Parteilinie ausscherte. Auch das

fort nach Sibierien deportiert zu werden. Derlei passierte damals, jeder

hatte es zuvor in der Form nicht gegeben!

hat gewusst, was die Russen machen, viele Frauen wurden missbraucht. während die Russen demokratische Wahlen zumeist anerkannten, wurde

Wenn Sie heute das Regierungsviertel als Symbol der Hauptstadt betrachten, wie beurteilen Sie dies?

in St. Pölten der von den Sowjets eingesetzte Bürgermeister Franz Käfer,

Hut ab vorm Management der NÖPLAN! Diese hat allein durch die beein-

ein integrer Mann, trotz Wahlniederlage weiter als Bürgermeister gehal-

druckende Gegenwartsarchitektur dazu beigetragen, das provinzlerische

ten. Das vermittelte ein Gefühl von völliger Ohnmacht.

Image der Stadt zu sprengen, wenngleich auch hier manches als provin-

Außerdem – im Übrigen eine Singularität gegenüber anderen Städten –

ziell wahrgenommen wurde, etwa dass man sich beim Klangturm vor der

Danach nahm St. Pölten aber – wenn auch vielleicht noch nicht so im Vordergrund – eine durchaus gedeihliche Entwicklung.

Kirche geduckt hat [Die Kirche forderte, dass der Klangturm nicht höher

In der 2. Republik hatten wir das Glück, dass sozusagen das Füllhorn über

geplant – Anm. d. Redaktion]

St. Pölten ausgeschüttet wurde. Rudolf Singer profitierte vom Verkauf von

Schade ist außerdem, dass man nicht verhindern konnte, dass das Regie-

E-Werk-Aktien ans Land Niederösterreich. Willi Gruber erzielte Erlöse aus

rungsviertel meist eine „tote“ Insel ist. Zum einen erweist sich die Nicht-

Grundstücken fürs Regierungsviertel, und Matthias Stadler konnte zuletzt

anbindung an die Altstadt als kontraproduktiv, v. a. dass die B1a durch den

Geld aus dem Verkauf des Fernheizkraftwerkes lukrieren! Dadurch war

Tunnel führt, das Viertel also umfahren und nicht – wie damals ebenfalls

immer wichtiger Spielraum für Investitionen gegeben.

in Diskussion – durchfahren wird. Außerdem wurde der ursprüngliche

als der Domturm werden dürfe, daher fiel er fast 10m niedriger aus als

Ansatz, das Büroviertel mit Wohnungen zu durchsetzen, nicht realisiert.

DIE historische Sternstunde aus Sicht der Stadt war aber ohne Zweifel die Hauptstadterhebung.

Da ist man den eigenen Prinzipien untreu geworden. Auch der Umstand,

St. Pölten stellte ja schon zuvor ein wichtiges Zentrum in Niederösterreich

Arbeit sofort wieder wegzukarren, hatte negative Auswirkungen. Ande-

dar. Entscheidend war letztlich, dass Siegfried Ludwig 1984 das Haupt-

rerseits ist dieser Service auch Beleg der Vermenschlichung der Politik.

dass man den Wiesel-Bus installierte, um die Beamten her- und nach der

stadtthema, das über die Jahrzehnte immer wieder thematisiert worden mit vom WBO Skandal abzulenken. Wie auch immer: Ludwig blieb am Ball,

Was von der Stadt über die Jahre immer wieder beklagt wurde, war die nur „partielle“ Ausstattung.

seine Partei sprang schließlich auf den Zug auf und zuletzt stimmte auch

Wir haben seitens der Stadt, den Expertenmeinungen folgend, immer

die SPÖ zu. Die große historische Leistung lag letztlich auch darin, dass

eine vollständige Ausstattung gefordert, z.B. bei den Bildungseinrich-

ÖVP und SPÖ – im Gegensatz zu früher – über ihren Schatten sprangen

tungen, allein um junges, kritisches Potential in die Stadt zu bekommen.

war, auf eigene Faust wieder ins Spiel brachte. Viele vermuteten, um da-

– 15 – MFG


MFG URBAN der, sondern die Bezirke und Kommunen sind am nächsten beim Bürger. Und schauen Sie einmal ins Regierungsviertel: Dort arbeiten 2.500 Beamte, aber Bürger sehe ich dort keine. Ich war selbst Mitglied im Landtag, ganz ehrlich: Das ist eine Enklave. Es nimmt niemand wirklich Anteil, die Regierungsmitglieder waren selten bei den Sitzungen, und die Themen sind nicht weltbewegend.Ich habe mich als Landtagsabgeordneter überflüssig gefühlt. Da darf man sich nichts einbilden. Im Grunde genommen macht man nichts anderes als Redeübungen, und es werden Budgets hin- und hergeschoben. Das ist zur Legitimation einfach zu wenig!

Das heißt, Sie wollen sich auch vom föderalistischen Prinzip verabschieden? Nein, denn die föderale Struktur bleibt ja erhalten – das Bundesparlament setzt sich seit je aus Mandataren der Regionen zusammen! Aber

Die Herausgeber Siegfried Nasko (l) und Willibald Rosner (r) gemeinsam mit Landesrat Wolfgang Sobotka und Bürgermeister Matthias Stadler bei der Präsentation ihres im Residenz-Verlag erschienenen Buches „St. Pölten im 20. Jahrhundert - Geschichte einer Stadt“.

der Bund hätte echte Kompetenzen und Budgethoheit und bräuchte sich nicht mehr streiten mit Leuten, die sich ihrer selbst so zukunftssicher sind. Man ersparte sich auch die Landeshauptleutekonferenz. Es bedürfte eines bundesweiten Kompromisses, eines Verzichts auf alte Pfründe – es

Die Realität sieht aber anders aus, jüngstes Beispiel ist die Medizin-Uni. Diesbezüglich gibt das Land Krems den Vorzug.

bedürfte daher auch einer Erneuerung im parteipolitischen Bereich.

Das ist die Fortsetzung des Regionalisierungsgesetzes, in dem 1986

Aber scheitert es bis dato nicht gerade daran?

festgesetzt wurde, dass jährlich 500 Millionen Schilling in die Regionen

Tatsächlich können die politischen Repräsentanten leider bislang nicht

fließen müssen. Zudem hing man dem Ansatz der Viertelhauptstädte

aus ihrer Zwangsjacke heraus. Ich kann mich erinnern, dass ich im Land-

an! Krems als Bildungsstadt, Baden als Tourismusmetropole, Tulln als

tag – in der eigenen Fraktion – im Hinblick auf diese Frage sofort mundtot

Agrarstadt, Wiener Neustadt als Industriestadt und St. Pölten eben als

gemacht wurde. Der Bestand des Landtages und der Bundesländer sei

Verwaltungseinheit. Im Hinblick auf die Zukunft der Region ist das pro-

nicht zu hinterfragen, hieß es. Das sei parteiübergreifender Konsens.

blematisch, zumal die Hauptstadt, so gut sie heute funktioniert, zu einer

Aktuell schwelgt man ja in Kreisky-Nostalgie. Man mag zu Kreisky ste-

Unzeit gekommen ist.

hen wie man möchte, aber einen Satz möge sich die Politik beherzigen, und zwar sein Bekenntnis „zur ständigen gesellschaftlichen und demo-

Inwiefern?

kratischen Reformierung.“ Kreiskys Reformen waren ein Nachvollzug von

Damals hat sich schon der EU-Beitritt Österreichs abgezeichnet, damit

Dingen, die überfällig waren. Auch die Staatsreform ist überfällig, um die

aber auch das Bekenntnis, gewisse Souveränitätsrechte auf eine höhere,

Zukunft unseres Staates zu sichern. Sie ist gegenwärtig das ernsteste

gemeinsame Ebene zu verlagern. Dieser Prozess muss mutig weiterge-

Problem Österreichs! Und um mich nicht falsch zu verstehen: Mir geht

dacht sowie die dementsprechenden Folgeschritte gesetzt werden.

es sicher nicht um Provokation oder Profilierung oder darum, jemandem etwas wegzunehmen! Da aber auf Parteienebene kaum ein Konsens ge-

Welche wären das?

funden werden kann, rege ich dafür eine Volksabstimmung an, die dann

Eine große Staatsreform und die Einsicht, dass die Bundesländer ihre

verbindlich ist!

historische Funktion erfüllt haben. Ich habe nichts dagegen, wenn man Vermarktung auf Hochglanz poliert, aber im 21. Jahrhundert weiter an

Und was passiert dann mit den Landeshauptstädten, um auf St. Pölten zurückzukommen?

den Strukturen der alten Kronländer festzuhalten, ist fatal und nicht

Stadtregionen, Ballungszentren gibt es ja weiterhin. Die traditionellen

mehr leistbar. Wir sollten uns eher an Bayern orientieren: Bayern hat 10

Hauptstädte werden Zentren sein, wo der Bund seine dezentralen Ein-

Millionen Einwohner und 1 Parlament, Österreich hingegen 9 Millionen

richtungen hat. Ich könnte mir auch vorstellen, dass das Parlament rotiert

Einwohner und 9 Regionalparlamente. Die Staatsreform ist die wichtigste

– warum soll es nicht jährlich in einer anderen Stadt tagen, das eine Mal

anstehende Aufgabe überhaupt!

in Wien, das nächste in Bregenz, das dritte in St. Pölten usw. Gerade aus

im Tourismus der Franz Joseph und Sissi Nostalgie frönt und sie zwecks

diesem Blickwinkel ist es wichtig für die gesamte Region, dass St. Pölten

Das heißt Sie plädieren für die Auflösung der Länder?

eben nicht nur Verwaltungszentrum ist, sondern voll ausgestattete Stadt.

Es ist nicht mehr haltbar, für Parallelstrukturen, für den Erhalt bestehender Gebäude, Funktionen und Jobs Milliarden zu verpulvern. Die Bevölkerung versteht nicht, warum die Staatsreform nicht vorangeht. Beim Staatskonvent vor einigen Jahren haben eineinhalb Jahre die klügsten Köpfe nachgedacht – alle diese Konzepte sind in der Schublade ver-

ZUR PERSON. Siegfried Nasko war von 1971 bis 2004 Leiter der Abtei-

schwunden. Der Rechnungshof kritisiert Jahr für Jahr die Parallelstruk-

lung Öffentlichkeitsarbeit sowie langjähriger Archivdirektor im Magistrat St. Pölten, 1984 bis 2003 Gemeinderat, ab 1991 Stadtrat für Kultur. 2003 bis 2005 Mitglied des NÖ Landtages. Der Historiker gestaltete zahlreiche Ausstellungen und richtete einige Museen ein. Verfasser mehrerer Publikationen zur Geschichte St. Pöltens, der Arbeiterbewegung sowie über Karl Renner. Mehrere wissenschaftliche Preise.

turen, da stellt sich einfach die Frage: Warum gibt es die Landtage noch?

Vielfach wird argumentiert, weil Länder durch ihre Nähe zum Bürger eine wichtige identitätsstiftende Funktion haben. Dieser „Patriotismus“ ist provinzlerisch, und er ist falsch. Nicht die Län– 16 – MFG


MFG URBAN

TEXT: Mathias Kirner Foto: Hermann Rauschmayr

EIN INVESTOR, DER GENIESSER SEIN MÖCHTE

Der St. Pöltener Unternehmer Christian Guzy ist Miteigentümer der zweitgrößten Shopping Mall Österreichs, aber auch Besitzer des Klosters Und in Krems sowie Betreiber des Golfclubs Atzenbrugg. Wenn ein Immobilienentwickler und Ko-Be-

belegte er ein Europastudium an der Landes-

sitzer zweier Einkaufszentren über vier Mil-

akademie in Krems. Eigentlich verfolgte er

lionen Euro in ein zum Gastronomie- und Se-

damit das Ziel, Unternehmensberater mit EU-

minarbetrieb umgebautes Kloster steckt, ist

Hintergrund zu werden. Doch währenddessen,

das dann Liebhaberei? Ist es eine Phantasie,

1994, lockte ihn ein Studienkollege, der Besit-

einen Golfplatz mitten in den nicht gerade von

zer des Kremser Bühl-Centers, in die Immobi-

Tourismus gesegneten Tiefen des Tullner Be-

lienbranche, wo er dann auch blieb. In einer

ckens zu übernehmen und ihn zum größten

Branche, in der die Investitionen hoch sind und

Golfressort Österreichs ausbauen zu wollen?

entsprechende Risiken gegenüberstehen.

Christian Guzy sieht das nicht so. In das denk-

Das „Abenteuer Wirtschaft“ habe ihn schon

malgeschützte Kloster Und in Krems sowie in

immer interessiert, weiß Guzy das Wort Risiko

den Golfplatz Atzenbrugg zu investieren, tat er

elegant zu umschreiben. Das Risiko bei den

aus geschäftlichem Kalkül. So wie er es sagt –

Immobilien liege auch darin, dass Fehler im

ohne Umschweife, trocken – klingt das über-

Nachhinein nur schwer korrigierbar sind. Ob

zeugend.

er sich deswegen als Perfektionist bezeichnen

„Halbe Sachen funktionieren nicht“

würde? Nein, das nicht, aber als einer, der sich auf Projekte zur Gänze konzentriert und sie zu

Geschäftliches Kalkül bewies Guzy schon, als

Ende bringt, sobald er sich dafür entschieden

er mit Partnern 2005 die Shopping City Wels

hat. „Halbe Sachen funktionieren nicht!“

eröffnete und 2007 die Shopping City Seiersberg bei Graz, immerhin die zweitgrößte Ös-

„Möchte Genussmensch sein“

terreichs. Bevor er seinen 50-Prozent-Anteil

Neben seiner Motivation, Dinge ständig zu

an Seiersberg erwarb, war er übrigens als

verbessern und wirtschaftlichen Erfolg zu er-

Berater dort engagiert, um dann die dama-

zielen, hat er auch etwas für Kunst und Kuli-

ligen Besitzer gemeinsam mit seinem Partner

narik übrig. Nicht ohne Stolz führt er durch

auszuzahlen. Gelegenheiten muss man eben

das Kloster Und, präsentiert die zum Veran-

ergreifen. Das spiegelt auch Guzys Weg in die

staltungsraum umgebaute Kapelle, das Luxus-

Immobilienbranche wider: Nach Gymnasium

Restaurant und die Vinothek. Ob der dreifache

und Handelsakademie in St. Pölten studierte

Familienvater nun doch ein Genussmensch

er Wirtschaftsinformatik in Wien. Im Anschluss

sei? „Ich möchte gerne einer sei!“ – 17 – MFG

Der leidenschaftliche Golfer und Schifahrer Christian Guzy wohnt „seit 1990 wieder in St. Pölten“, wo sein Vater bis 1992 das bekannte Unternehmen „Eisen-Guzy“ führte. Der Vater habe ihn aber nicht in seiner Eigenschaft als Unternehmer geprägt, „die Wirtschaft hat mich einfach schon immer interessiert!“


TOD DEM TOTEN SONNTAG! TEXT: Sascha Harold, Althea Müller, Anne-Sophie Settele Fotos: HERMANN RAUSCHMAYR

Aaaah, Sonntag! Dies solis, Tag der Sonne, Tag des Herrn. Für die meisten von uns bedeutet das darum: keine Arbeit, keine Schule, geschlossene Geschäfte und ein beschissenes Fernsehprogramm – keine Chance also, sich durch die üblichen Zeitvertreibereien abzulenken. Herrlich? Von wegen! …

– 18 – MFG


MFG URBAN Vielen von uns schläft am Sonntag eher genau

gibt es zu wenig Speiselokale und Cafés, die

bummeln (so der Fachausdruck). Schauen in

das Gesicht ein. Und in St. Pölten überhaupt.

am Sonntag offen haben. Außerdem fahren die

die Schaufenster und sind wahrscheinlich froh,

Weil St. Pölten hat mal wieder die Arschkarte

Leute lieber z. B. zu irgendwelchen Heurigen,

dass alles zu hat und sie nicht überlegen müs-

gezogen: Da ist nämlich schon gar nichts los. Da

als in die Innenstadt. Sandra schließlich fasst es

sen, ob sie sich das oder jenes nicht kaufen

ist der Sonntag noch schlimmer als anderswo.

relativ dramatisch zusammen: „Wir vergraben

sollten. Sie schauen nicht traurig aus.

Sagt zumindest der Volksmund. Wir aber – aktiv

uns alle zusammen in unseren Häusern, sodass

und engagiert wie immer – erheben uns nun

St. Pölten nur mehr einer Geisterstadt ähnelt.

Fakt 2: Tag des Herrn.

mühsam von der Couch, wischen uns die Brun-

So kommt es mir zumindest vor.“

Und zwar wirklich im kirchlichen Sinne. Nach-

chbrösel vom labbrigen T-Shirt, fordern laut-

dem sich unser kleiner wackerer Journi-Trupp

stark: TOD DEM TOTEN SONNTAG! und lösen

Soviel zu den kursierenden Meinungen. Wir

umständlich drauf geeinigt hatte, waren wir

das Henne-Ei-Rätsel auf, denn: Tun wir nix, weil

machen es uns einfach und sagen mal: Okay,

eine Minute zum vorsichtigen Lokalaugen-

es nix gibt? Oder gibt es nix, weil wir nix tun?

jeder hat recht, irgendwie. Nur: Hat wirklich je-

schein in dem Gebäude namens Dom. Und der

Oder tun wir eh, obwohl es nix gibt bzw. gäbe

der recht?

war, wie die Deutschen so schön sagen, rappe-

es genug, nur tun wir nix? Hm.

VOLKSMUND UND O-TON

DIE SONNTÄGLICHE WAHRHEIT

voll.

… ist nun nämlich, dass es in der Innenstadt

Fakt 3: Die Innenstadt hat offen.

Wir haben uns mal umgehört, was einzelne

genug Angebot gibt. Ehrlich. Wir haben es uns

Das Café Schubert am Herrenplatz ist täglich

STP-Leute so von sich geben, wenn man ihnen

angeschaut. War nicht leicht, aufzukommen an

und damit auch sonntags selbstverständlich

die Stichworte „Sonntag“ und „St. Pölten“ hin-

jenem Tag, an dem man sich normalerweise

geöffnet. Kellnerin Justina verrät uns inmitten

wirft…

original vom Bett auf die Couch rollt und dort

des angenehm gefüllten Lokals, dass sie gerade

unter dem Einfluss einer Überdosis Schogetten

am Sonntag viele Gäste begrüßen, die zuvor in

Patrick sagt ganz klar: „Ich mach am Sonntag

alles schaut, was auf rtl2 kommt. Aber wir ha-

der Kirche waren. (Wir, als neue Kirchenprofis,

gar nichts in St. Pölten, weil einfach nichts los

ben es geschafft AND WE WERE THERE – in der

nicken wissend.) Weiter geht die Tour auf den

ist bzw. weil alles zu hat. Ich hätte gern ver-

St. Pöltner Innenstadt. An einem Sonntag im

Rathausplatz, wo wir im ebenfalls sehr geöff-

schiedene Events am Sonntag in St. Pölten.“

Februar…

neten und wunderschön nobel eingerichteten La Dolce Vita mit Küchenchef Florian plaudern.

Caro möchte am Sonntag regelmäßig eines: ihren Rausch vom Samstag ausschlafen. Ähn-

Fakt 1: Es gibt Menschen.

Auch hier gab es seit der Neueröffnung vor drei

lich geht es Markus und Peter. Renate schafft

In der Fußgängerzone gehen Menschen. Pär-

Jahren nie eine Diskussion, ob die Restaurant-

es zumindest noch, dazwischen mal zur Familie

chen, Hundebesitzer plus Wuffi und manchmal

Bar sonntags geschlossen haben sollte. Gerade

zum Mittagessen zu fahren, ansonsten ist der

sogar Großgruppen von bis zu vier Leuten. Sie

im Sommer mit den anhängenden Gastgärten

Sonntag für sie ebenfalls eine einzige große Chillout Area. Daheim, versteht sich. Julia ist der Meinung, dass die St. Pöltner Innenstadt am Sonntagvormittag ausgestorben ist. Sie geht da nicht hin, weil nichts los ist. Punkt. Wenn, dann nutzt sie den freien Tag zum Sport bzw. fährt im Sommer gemütlich an den See. Ins Kino geht sie auch nicht, weil sie das, wenn, dann unter der Woche tut. (Was nicht unklug ist, denn das ist zum Teil günstiger, Anm.) Martin fährt am Sonntag gerne raus aus St. Pölten. Bei gutem Wetter aktiviert er sich wie Julia zum Sport, aber eher außerhalb der Stadt. Er findet, dass da am Sonntag einfach nichts los ist. Den Grund, wieso nichts offen hat, sieht er aber nicht im fehlenden Angebot, das die Leute abhält, sondern darin, dass die Leute größtenteils wegfahren oder daheim bleiben – und daher wenig offen hat. (Wir sind mal wieder beim Huhn-Ei-Mysterium gelandet.) Michael würde am Sonntag gerne einkaufen gehen. Weil das aber nicht geht, geht er stattdessen frühstücken, spazieren oder macht einen Ausflug, z. B. nach Krems oder Wien. Er findet, dass am Sonntag nichts los ist, weil in der Innenstadt nichts offen hat. „Wenn man einkaufen könnte, würde mehr los sein und würden somit auch mehr Gastronomiebetriebe offen haben“, sagt der bekennende Shopaholic. Seiner Meinung nach

„Es ist ein Irrtum, dass am Sonntag nichts offen hat!“ Leo Graf, Obmann der Wirte 3100, hält das Gerücht, dass am Sonntag nichts in St. Pölten offen hat, für ein Gerücht, denn in Wahrheit haben zig Betriebe offen. „Es gibt von der Stadt den ‚Sonntags geöffnet‘-Folder, wo man nachsehen kann, wer aller offen hat, z.B. Paradox, Winkler, Gwercher und Bootshaus, nur um ein paar zu nennen. Also es haben sicher 50 Häuser geöffnet.“ Solange jene Betriebe, die sonntags geöffnet haben, jedoch nicht überfüllt sind, braucht laut Graf auch nicht alles offen haben. Wieso diese geringe Auslastung? „Aufgrund der Lage steigen viele St. Pöltner am Sonntag gerne ins Auto und fahren weg, z.B. zu Heurigen oder machen Ausflüge.“ Graf selbst hat auch am Feiertag geschlossen, „dafür habe ich montags geöffnet, wo andere wieder zuhaben. Das ist alles in Abstimmung mit den anderen Wirten ausgemacht.“ – 19 – MFG


SONNTAG IM ZEICHEN DER 5 ELEMENTE FEUER unterm Hintern macht die Action (ja, das Wort ist jetzt wieder salonfähig, nachdem Arnie nicht mehr gouverniert!) im NXP Lasertron beim Cybersport „Lasertron“, Bowling, Billiard und Playfield bzw. bei NXP Bowling. Kaltes klares WASSER gibt es unter Dach in der Aquacity und im Sommer an unseren wirklich genialen Seen (Viehofen, Ratzersdorf) bzw. im Sommerbad St. Pölten.

Das Dolce Vita am Rathausplatz hat sonntags geöffnet und lädt im Sommer mit dem angrenzenden Gastgarten zum Verweilen ein. Ein Diskussion über eine Schließung am Sonntag gab es nie wirklich.

GeERDEt wird man bei Kulturgenuss im Stadtmuseum, bei Veranstaltungen der St. Pöltner Bühnen, im Sommer natürlich am mehrwöchigen Kultur-und-Gourmet-Open Air am Rathausplatz oder am Flohmarkt, der vormittags im Einkaufscenter Traisenpark stattfindet, und wo man Blumentöpfe um 10 Cent und Megadeath-Platten kaufen kann. Zum Beispiel. Frische LUFT finden wir in den zahlreichen Parks wie Sparkassen-, Hammer-, Süd- oder Stadtpark (aka Kaiserwald). Außerdem hat St. Pölten ganze 54 Spielplätze zu bieten (ja, natürlich haben wir das überprüft!) sowie eine Minigolfanlage. Und entlang der Traisen lässt es sich gut spazieren gehen, laufen oder skaten. Oder Radfahren. Oder dem Hund nachlaufen. Der dem Radfahrer nachläuft.

Die Wiccaner unter euch, die Luft durch LICHT ersetzen möchten, finden sich wiederum in den Lichtspieltheatern St. Pöltens wieder – anspruchsvoll im Cinema Paradiso oder blockbusterchillig im Hollywood Megaplex. Das fünfte Element ist die LIEBE – somit lasst es euch gut gehen mit eurem Schatz, während ihr es euch mit Pizza und Eis auf der Couch gemütlich macht, das Handy abdreht, die Kinder in den Garten sperrt und … tja.

herrscht nämlich auch sonntags reger Betrieb.

nach zwei Sekunden aber auftaut und gerne

Und im Allgemeinen geht vor allem das Mit-

berichtet, dass es für das Museum gar keine

tagsgeschäft gut bzw. freuen sich die Dolce

Frage wäre, an einem freien Familientag wie

Vitas nach Bällen oder sonstigen Großveran-

dem Sonntag nicht geöffnet zu haben. Von der

staltungen am Samstag verstärkt über sonn-

Frequenz her wäre es jedoch schwierig einzu-

tägliche Frühstückskunden. „Es gibt schon öf-

schätzen – je nach Wetter und Angebot kom-

ters Gäste, die herein kommen und sagen, na

men sonntags mal mehr, mal weniger Leute.

gottseidank, ein Lokal, das offen hat und wo

Wir besuchen nun das Restaurant Tokyo in der

man etwas essen kann“, erzählt er. Wir ziehen

Franziskanergasse, wo uns eine Schallwelle

weiter gen Linzerstraße. Auch hier hat linker-

aus Murmeln, Besteckklappern und Kinderge-

hand ein Beisl geöffnet, das wir aufgrund einer

schreie entgegenschlägt. Die Tische sind voll,

kurzen demokratischen Abstimmung dann je-

Leute ziehen am Buffet vorbei und die Chefin

doch nicht betreten – ins immer noch kultige

strahlt uns an: „Am Sonntag haben wir das al-

Salzamt auf der anderen Seite fallen wir dafür

lermeiste Geschäft“, gibt sie gerne Auskunft.

wie die Hunnen ein, freudig überrascht über

Wir drehen noch eine eher unspektakuläre Eh-

die bereits am Nachmittag offene Tür und die

renrunde durch die Kloster- und Kremsergasse

Menschen, die drinnen Bänke zurecht rücken.

zurück, wo wir uns einmal mehr kaum an den

Ausnahmsweise geht’s heute aber um den

Spaziergängern sattsehen können, die sich

Superbowl, normaler Lokalbetrieb wird ver-

mittlerweile sogar vermehrt haben. Von we-

neint; an jedem anderen Sonntag jedoch kön-

gen Geisterstadt. Unsere letzte Station ist das

nen sich hungrige Bummler auch hier ab 18

Cinema Paradiso am Rathausplatz. Auch hier:

Uhr den Bauch vollschlagen oder gemütlich

business as usual, Frühstücks- und Snackange-

was trinken. Wenn wir schon hier sind, hüp-

bote, und wer mag, der kann gleich auch noch

fen wir schnell noch ins Stadtmuseum, wo die

ins Kino gehen.

Dame am Empfang ob unseres jugendlichen

Fazit: Die Henne ignoriert das Ei

Übermuts erst ein wenig distanziert reagiert,

…denn das war nur eine kleine Auswahl. Laut

Auch okay: Bei uns ist sonntags zu! Michaela vom Restaurant „Mandas“ am Mühlweg erläutert schlüssige Gründe für den selbstgewählten Ruhetag: „Anfangs war der Montag unser Ruhetag, und am Sonntag war geöffnet, aber da war immer eher wenig los, deshalb haben wir jetzt am Sonntag geschlossen. Montags kommen auch mehr Leute als früher am Sonntag. Der zweite Grund ist, dass Samstag immer sehr lange geöffnet ist, da bietet sich der Sonntag als Ruhetag an.“ Sabine, die im Restaurant „Die Villa“ in der Herzogenburger Straße arbeitet, sieht wenig philosophischen Background für die Tatsache, am Sonntag zu ruhen: „Da gibt’s keinen tieferen Hintergrund. Wir haben das so entschieden, und die Supermärkte haben am Sonntag ja auch geschlossen.“ – 20 – MFG


interimslösung n auf e t r a w uen Alle Fra ihres Lebens, nn den Ma Zwischener aber in d en sie. at Iris Berben) ( zeit heir von Primadonna

Der

Geburtstag meiner Freundin Julia hat

wieder einmal deutliche Spuren in ihrem Gemüt hinterlassen. „Mein Leben ist eine Im Restaurant Tokyo in der Franziskanergasse sind die Tische voll. Leute ziehen am Buffet vorbei. Die Chefin ist erfreut: „Am Sonntag haben wir das allermeiste Geschäft..“

einzige Zwischenlösung. Alles an mir könnte mit inzwischen, unterdessen und vorübergehend bezeichnet werden!“, sinniert sie

dem Sonntagsfolder, den es beim Magistrat

los. Um die Mittagszeit ist ein China-Restaurant

und kaut an ihrer Martiniglasolive herum.

St. Pölten gibt, haben noch viele andere Cafés,

wirklich jeden Sonntag voll, und abends haben

Ich mustere sie kopfschüttelnd, muss ihr

Restaurants und Bars geöffnet. Ja, am Sonntag!

einige Bars offen, unter anderem das „Win-

aber leider in Gedanken Recht geben.

Das weiß vielleicht nur deshalb keiner, weil

zig“ – Geschäftsführerin Susanne dazu: „Das

Ihr alter Wagen ist eine einzige Spardose,

keiner hingeht. Und wenn keiner hingeht, mag

Sonntagsgeschäft ist zwar eher mager. Wir

derweil fährt er aber noch. Sie möchte sich

die Innenstadt schon mal ausgestorben wirken.

haben trotzdem 365 Tage im Jahr geöffnet. Die

die Haare wachsen lassen, vorübergehend

Nur: Die Saloons hätten ja offen. Und Fakt ist,

Überlegung, einen Ruhetag einzuführen, gibt´s

hängen sie ihr allerdings ins Gesicht. Ihre

dass sie auch besucht werden. Von denen, die

zwar immer wieder, aber nicht speziell auf den

Traumfigur hat sie mit 50 kg, inzwischen

nicht daheim sitzen, und sagen, es zahlt sich

Sonntag bezogen.

bringt sie aber etwas mehr auf die Waage.

nicht aus, rauszugehen, weil nichts offen hat…

Die abonnierten Zeitschriften wird sie na-

Im Rennen: Althea, Startnummer: Wien Favoriten (eh kloar)

türlich alle noch lesen, unterdessen lagern

(Na Entschuldigung, den ersten Bezirk werden

sich einen billigen „Zwischendurch-Bikini“

Im Rennen: Anne, Startnummer: Amstetten

wir ja wohl nicht zum Vergleich heranziehen!)

gekauft, weil sie den perfekten noch nicht

Das Schöne ist, dass man hier genug Cafés und

gefunden hat. Seit einem Jahr hängt in

Wenn man am Sonntag durch die Amstettner

Pubs findet, in die man gehen kann, wenn man

ihrem Schlafzimmer kein Luster, inzwi-

City spaziert, wird man zwar nicht viele Leute

sich traut. Auf der Straße wackeln die Leute

schen benutzt sie die Nachttischlampe. Sie

antreffen, aber im Gegensatz zu St. Pölten ha-

genauso samstagsgeschädigt wie man selbst

möchte ein Kind, derweil genießt sie aber

ben hier mehr Lokale geöffnet – auf einer Stre-

über die Gehsteige, und es sind nicht wenig

das Single-Leben. Sie wünscht sich ein Haus

cke von etwa 500 Metern 14 verschiedene Lo-

Leute: Immerhin hat hier fast jeder einen Hund.

mit Garten, lebt aber glücklich in einer Miet-

kale: sieben Cafés/Pubs, der Rest Restaurants

Oder Kinder. Und die gehören alle an die frische

wohnung ohne Balkon. Sie wartet auf den

wie Chinesen, Italiener und österreichische Kü-

Luft, die im Zehnten bekanntlich am besten

Mann ihres Lebens, vorübergehend trifft sie

che. Der Eindruck, dass in Amstetten mehr los

schmeckt. Mit einem Hupfer in die Bim ist man

sich aber mit anderen.

ist, liegt wohl an der Konzentration der Lokale

schnell am Westbahnhof, wo man alles kaufen

Natürlich ist sie nicht die Einzige. Ich wollte

entlang der wichtigsten Straße bzw. dem wich-

kann, das einem am Vorabend ausgegangen

unlängst alle alten Kleidungsstücke zu Hu-

tigsten Platz in der City. Einer „Sonntags-Beisl-

ist. Ansonsten gibt es zu St. Pölten nur wenig

mana bringen, derweil lagern sie im Abstell-

Rallye“ stehen hier also keine geschlossenen

gravierende Unterschiede: Es fahren viel mehr

kammerl. Mein Boiler tropft seit einem Jahr,

Lokale im Wege – ganz im Gegenteil: Bei den

Autos auf den Straßen. Und alle Snackbuden

vorübergehend stelle ich ein Glas darunter.

Einkehrmöglichkeiten ist für jeden Geschmack

haben geöffnet.

Ich habe fünf Hosen, die gekürzt werden

etwas dabei.

Gut. Mag sein, dass der Sonntag so oder so

müssen, inzwischen schlage ich sie nach in-

prinzipiell fad ist. Er ist es aber eigentlich über-

nen oder stopfe sie in meine Stiefel.

Im Rennen: Sascha, Startnummer: Tulln

all. Außer, man tut was dagegen. Geht raus,

„Bleiben wir jetzt hier, oder möchtest du

Rund um den Hauptplatz gibt es in Tulln einige

nützt die diversen Gelegenheiten und gebt

noch auf die Party gehen?“, frage ich Julia

Cafés, die offen haben und die auch gut gefüllt

dem Tag eine Chance. Oder genießt die selbst-

schon etwas drängender. Die Antwort hätte

sind. Tulln ist natürlich um einiges kleiner als St.

erwählte Langeweile doch einfach mal. Weil:

ich mir denken können: „Trinken wir inzwi-

Pölten, aber verhältnismäßig ist doch sehr viel

Morgen ist eh schon wieder Montag...

schen mal noch einen Martini!“

So ist das nämlich, basta.

STÄDTE-COMPETITION

– 21 – MFG

sie in der Zimmerecke. Im Frühling hat sie


NEUE SERIE

Integration sieht sie als gemeinsamen Weg, Rassismus als Dummheit. Dali Koljanin ist gebürtige Österreicherin mit serbischen Wurzeln. Die St. Pöltnerin lebt mit zwei Kulturen im Herzen das europäische Ideal.

ICH LEBE EUROPA Dali Koljanin ist ein Kind der 1970er Generation und musste selbst erleben, dass Integration nicht immer ein Miteinander ist. Als Tochter einer orthodoxen Arbeiterfamilie aus dem serbischen Teil Bosniens wuchs sie in Ober-Grafendorf auf. In der Volksschule wurde sie verspottet und ausgegrenzt. „Mein Bruder und ich waren die einzigen Ausländerkinder. Es waren damals andere Zeiten, die Lehrer wussten nicht so recht, mit der Situation umzugehen.“ Ihre Mutter ließ sie schließlich um ein Jahr zurückstufen, in der neuen Klasse fand sie ihre erste beste Freundin. Koljanins Abstammung wurde beim Einstieg ins Berufsleben erneut zur Barriere. Nach einer abgeschlossenen Friseur- und Bürokauffrau-Lehre wurde sie anfangs zu keinen Bewerbungsgesprächen eingeladen. „Ich rief an, stellte mich vor und wurde aufgrund meines serbischen Namens abgewiesen. Das war frustrierend.“ Jetzt sei es anders. „Mein Umfeld ist multikulturell und weltoffen. Ich habe inzwischen die Erfahrung gemacht, dass es cool ist, ausländischer Abstammung zu sein.“ WEITBLICK. 14 Jahre lang arbeitete Koljanin im Hollywood Megaplex, davon drei Monate als Sekretärin und eineinhalb Jahre als Assistentin, ehe sie Leiterin wurde. Ihre Bewerbung hat Koljanin ein Jahr im Vorfeld geschrieben. Zu dieser Zeit standen lediglich die Außenmauern des Kinos. Ihren Aufstieg führt sie zunächst auf ihre Erziehung zurück „Meine Eltern sind sehr f eißig und ehrgeizig.“ Koljanins Vater hatte oft mehrere Jobs gleichzeitig, die Mutter nahm sie und ihren Bruder zur Arbeit mit. „Orthodoxe Menschen sind sehr strebsam, für Frauen ist es selbstverständlich arbeiten zu gehen. Meinen Eltern war es wichtig, uns Kindern ein schönes Zuhause bieten zu können. Während meine Mutter am Fließband stand, hielt mich mein Bruder im Arm. Diese Einstellung zur Arbeit hat mich natürlich geprägt.“ Andererseits ist sich Koljanin sicher, dass ihre österreichische und serbische Seite für den Erfolg verantwortlich sind: „Meine österreichische Seite ist genau und handelt überlegt, während mein Temperament von serbischer Natur ist.“

FESTE FEIERN. Neben Fleiß und Familienzusammenhalt ist das serbische Volk bekannt für seine Feste. „Wir feiern gern und viel.“ Weihnachten, Muttertag oder Ostern wird in Koljanins Familie zweimal jährlich zelebriert – nach österreichischer und nach serbischer Tradition. Die Geburtstagsfeier von Koljanins Mutter war einst Auslöser für die inzwischen legendären Balkan Nights. Familie und Freunde feierten bei serbischer Musik im Megaplex, als zunehmend die Leute im Haus aufmerksam wurden und mitmachen wollten. „Das ist gelebte Offenheit, und irgendwann kam mir der Gedanke, solche Feste zu veranstalten.“

TEXT: PETRA PFEIFFER FOTO: JANA KÖNIGSKIND

HEIMAT IST ... Koljanin ist in Österreich sehr glücklich. Sie schätzt die Leute, die Schönheit und den Fortschritt des Landes. Im Herzen ist sie auch Serbin. „Ich lebe mit zwei Kulturen das europäische Ideal. Ich bin weltoffen, in meinem Leben gibt es keinen Platz für Feindseligkeiten gegenüber anderen. Es gibt kein besser oder schlechter, wir können nur voneinander prof tieren.“

– 22 – MFG

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Im Sitzungssaal... der SPÖ

TEXT: J. Reichl, M. Müllner Fotos: H. Rauschmayr

Betritt man die Bezirksparteizentrale der SPÖ, so fühlt man sich fürs erste in die Vergangenheit zurückversetzt und kann sich einer gewissen traditionsdurchtränkten Patina nicht erwehren. Das hat allerdings weniger mit dem barocken Gebäude in der Prandtauerstraße zu tun, als vielmehr mit vermeintlichen Anachronismen, die bis heute aber zum gelebten Erbe der Partei gehören.

Schon

im schlauchartigen Hausflur erinnern Schautafeln an historische

sen feucht und man erntet Schulterklopfen, wenn man zumindest die er-

Wendepunkte Österreichs sowie die Rolle sozialistischer Persönlich-

ste Strophe der „Internationale“ auswendig singen kann. Da stehen noch

keiten wie etwa jene der St. Pöltner Widerstandskämpferin Maria Em-

die Genossen mit ernsten Mienen an den Gräbern der Widerstandskämp-

hart, des zweifachen Staatskanzlers Karl Renner, Bruno Kreiskys, der auf

fer des Februar 1934, und gedenken der Helden der Bewegung.

einem St. Pöltner Mandat in den Nationalrat einzog u. a.

Auch das Büro von Bezirksparteisekretär Robert Laimer atmet Tradition.

Tradition, als Schlüsselbegriff gemeinhin eher der ÖVP zugeordnet, wird

Am Tisch stehen – wenn auch nicht frisch – rote Nelken. Und an den

in der SPÖ St. Pölten hochgeschrieben, ja fast bis zum Exzess ausgereizt.

Wänden hängen Bilder seiner Idole Karl Marx und Bruno Kreisky. Selbst

„Sage mir woher du kommst, und ich sage dir wer du bist – und zu wem

ein Kalender von Che Guervara darf nicht fehlen, als hänge er hier als

du gehörst.“ Eine Gretchenfrage, die von fundamentaleren Teilen der Par-

Gralshüter einer kämpferisch-revolutionären Parteilinie, die stets zum

tei (wie bei allen politischen Bewegungen) wie ein Glaubensbekenntnis

Selbstverständnis der SPÖ mitzählte und sich in der Parteizentrale etwa

betrachtet wird und eine einfache, manchmal gar zu einfache Einteilung

in den Slogans der aktuellen Plakatserie niederschlägt: „Wenn jemand

in Freund und Feind zur Folge hat. „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.“

Schulen schließt in NÖ, dann die ÖVP. Lassen Sie sich nicht länger belü-

Dabei ist der Glaube, die Religion in der SPÖ eigentlich eine - gerade noch

gen!“ St. Pölten, die wirklich letzte rote Bastion? Wir sprachen mit Robert

- erduldete, oft misstrauisch beäugte Randerscheinung, was sich auch im

Laimer über Tradition, Moderne, absolute Verhältnisse, die Zukunft der

alltäglichen Sprachgebrauch manifestiert. Da kann es schon einmal vor-

Stadt und ob es die „Arbeiterpartei“ überhaupt noch gibt.

kommen – wie einer Magistratsbediensteten aus dem Heiligen Land Tirol

Tag heißt das bei uns“ zur Antwort bekam.

Die SPÖ wirkt in Ihrem Auftritt vielfach anachronistisch. Hat man den Sprung in die Moderne verpasst, oder ist dieses Hochhalten der Tradition Lebensader und Selbstverständnis?

Zufall? Die SPÖ weiß um die Wirkung der Sprache – sie ist der Stoff, aus

Es stimmt, dass die SPÖ stolz auf ihre Geschichte ist. Zurecht, wie ich

dem Zusammenhalt gesponnen wird. Und darum geht es: Zusammenhalt,

meine, weil wir die Demokratie und die Freiheit der Meinungsäußerung

Einheit, Solidarität – jedenfalls zunächst einmal innerhalb der „Familie“.

nachweislich nie verraten haben. „Nur wenn man weiß, woher man

In der SPÖ sind deshalb alle Parteimitglieder „Genossen“, und trifft man

kommt, weiß man auch, wohin man geht!“ Ich z. B. bin demokratischer

einander – wie wir es in der Parteizentrale live miterleben dürfen, als Na-

Sozialist aus der Überzeugung heraus, dass die SPÖ jene Partei ist, die

tionalrat Anton Heinzl die Bühne betritt – schallt nach wie vor der Gruß

am glaubwürdigsten für mehr Gerechtigkeit in der Gesellschaft eintritt.

„Freundschaft“ durch den Äther, der zugleich Parole ist.

Geschichtsbewusstsein und Zukunftsentwicklung ergänzen sich in der

Für einen Außenstehenden mag dies alles altbacken, ja überholt wirken,

Sozialdemokratie geradezu ideal.

bei Dienstantritt passiert – dass sie als Antwort auf ihr fröhliches „Grüß Gott“ vom ehemaligen roten Vizebürgermeister ein belehrendes „Guten

für einen wahren Genossen ist es gelebte Realität. Ebenso wie der vernen mit den drei nach unten gerichteten Pfeilen am 1. Mai im Wind, die

Aber kommt man mit dem Blick zurück wirklich vorwärts, um zeitgemäße Politik zu betreiben? Wofür steht die SPÖ heute?

gerne als kämpferisches „Nieder mit Kapitalismus, Imperialismus und Fa-

Es zählt für Sozialdemokraten nicht die Idee der Gewalt – für uns ist Le-

schismus“ interpretiert werden. Da werden die Augen manch Altgenos-

bensaufgabe die Gewalt der Idee. Daher ist auch die richtige Mischung

meintlich überbordende Umgang mit Symbolik. Da wehen noch die Fah-

aus Vision und Pragmatismus so wichtig für eine progressive Politik. Ziel unserer Politik ist eine harmonische, friedliche aber auch leistungsbereite Welt, wobei der politische „Kampf“ um ein mehr an Gerechtigkeit aktueller denn je ist, wenn man nach Nordafrika blickt! Und egal ob in Parlamenten oder auf Straßen – das Ringen um mehr Würde für jeden Einzelnen in der Gesellschaft ist und bleibt oberste Priorität der Sozialdemokratie.

Für wen kämpft man da in Österreich genau? Die klassische Stammklientel der SPÖ, die Arbeiterschaft, mutiert in einer Dienstleistungsgesellschaft ja sukzessive zur Minderheit. Nein, das glaube ich nicht. Es gibt zum Beispiel aufgrund des hohen Drucks immer mehr freie Mitarbeiter, immer mehr Einzelunternehmer etc. – die gehören ebenfalls zur Arbeiterklasse! Es gibt also noch lange keine klassenlose Gesellschaft! Umgekehrt gibt es heute aber weniger – 24 – MFG


Offensichtlich geben Parteien auch die Adressen Ihrer Mandatare nicht gern preis. Warum hat ansonsten die SPÖ unter dem Titel „Gegnerbeoachtung“ ihre Mitglieder aufgefordert, Adressmaterial der ÖVP-Funktionäre im Bezirk zu eruieren, was den Vorwurf von Spitzelei nach sich zog. Das Sammeln von aktuellen Koordinaten des politischen Mitbewerbers ist weder anrüchig noch etwas Ungewöhnliches! Es dient dazu, dass Funktionäre anderer Parteien auch Infos der SPÖ bekommen, falls – und nur falls – darin Bedarf besteht. So hat auch Volkspartei NÖ Sekretär Karner 2010 das Spekulationsdesaster in Sachen Wohnbaufördergelder händeringend den SPÖ Funktionären zu erklären versucht. Der Brief hat in der SPÖ aber für keine Empörung gesorgt. Und eine Frage zur sogenannten „Briefaffäre“ sei schon gestattet: Wie ist die ÖVP zum Brief gelangt? Die von Karner propagierte Version eines SPÖ Funktionärs ist auszuschließen, und seit Bekanntwerden der „Nußdorfer Watergate-Affäre“ ist die ÖVP verdächtig ruhig geworden. Das heißt, das „Beschaffungswesen“ made by ÖVP ist der wahre Skandal in dieser Angelegenheit!

Als Skandal empfanden viele aber auch die Reise von SPÖ Mandataren nach Nordkorea. Ich war nicht mit auf dieser Reise, aber es ist schon festzuhalten, dass das keine offizielle Reise der SPÖ war, sondern eine private Studienreise, wie sie im Übrigen viele Agenturen anbieten, z.B. auch Raiffeisen-Reisen.

Trotzdem war diese Reise dem Image der SPÖ nicht gerade zuträglich, oder? Warum gerade Nordkorea? Es ging um das Interesse an der Geschichte dieses Landes, und Nordkorea findet nun einmal statt, das kann man ja nicht negieren. Und man erfährt halt am meisten, wenn man hinfährt und sich vor Ort ein Bild macht. Nordkorea steuert auf eine humanitäre Katastrophe, eine neuerliche Hungersnot zu – die Menschen dort können nichts dafür, und um die geht es! Und darauf muss man auch aufmerksam machen.

Aber viele Bürger wird man auf so einer Reise ja nicht treffen? Man bewegt sich nie allein, das stimmt. Interessant an der öffentlichen Meinung hierzulande ist aber schon, dass man zwar, wenns ums Wirtschaft geht, kein Problem mit Reisen nach Nordkorea hat – in den Fabriken standen z. B.

deutsche Maschinen, es fuhren schon offizielle

österreichische Wirtschaftsdelegationen dorthin – wenn es aber um die Menschen geht, ist das plötzlich ganz schlimm. Letztlich wird man nur Klassenbewusstsein, immer weniger Solidarität, was den Kampf für die

Änderungen herbeiführen können, wenn man sich einem Dialog nicht

Menschen nicht leichter macht.

verschließt. Und die Sozialdemokratie wird immer auf der Seite jener stehen, die für Demokratie und Freiheit eintreten. Dazu ist es aber unabding-

Gibt es deshalb immer weniger Funktionäre? Wie in anderen Institutionen ist in der SPÖ der Mitgliederschwund offensichtlich. Bei Sektionssitzungen ist die Überalterung nicht zu übersehen.

bar, dass man miteinander redet.

Prinzipiell ist alles schneller geworden – das ist nicht nur ein politisches

Wobei das Reden ja schon in Österreich nicht immer leicht fällt, selbst koalitionsintern nicht. Wieso tun sich SPÖ und ÖVP so schwer miteinander?

Phänomen, sondern ein gesamtgesellschaftliches. Keiner hat mehr Zeit,

SPÖ und ÖVP sind einfach zwei unterschiedliche Parteien, mit unter-

auch nicht für Politik. Prinzipiell ist die Alterststruktur aber von Sektion zu

schiedlichen Interessen – das steht außer Streit. Ebenso steht aber auch

Sektion äußerst unterschiedlich. In meiner Sektion in Ratzersdorf zähle

außer Streit, dass es in Österreich zumeist eine große Koalition der bei-

ich z. B. zu den Ältesten, das hängt einfach von der Struktur des Um-

den Parteien gab und immer wieder Kompromisse gefunden wurden.

feldes ab – dort sind etwa viele neue Siedlungen entstanden.

Ein grundlegender Unterschied ist, dass wir in unserer Parteigeschichte

Der Zeitgeist macht natürlich auch vor politischen Parteien nicht Halt.

kein Blut an unseren Händen kleben, keine Diktatur errichtet, keine Ar-

Wieviele Parteimitglieder hat die SPÖ St. Pölten eigentlich?

beiter erschossen haben. Der Ständestaat hingegen war ein christlicher

Genaue Mitgliederzahlen gibt keine Partei gerne preis. Ich möchte aber schon darauf hinweisen, dass Niederösterreich – nicht etwa Wien – die meisten SPÖ Parteimitglieder hat!

„Es gibt noch lange keine klassenlose Gesellschaft.“

– 25 – MFG


staat unter Ahmidinijad heute. Ich bin jedenfalls stolz auf die SPÖ, auf die

Auf Lokalebene kommt das aber manchmal so rüber. Die Opposition kritisiert den „absolutistischen“ Führungsstil der SPÖ.

Arbeiterpartei, die Widerstandskämpfer, die damals für Demokratie und

Uns Absolutismus vorzuwerfen ist völlig absurd. Es gibt z. B. so viele Pa-

Freiheit eingetreten sind.

teiengespräche wie nie zuvor.

Dafür tritt aber auch die ÖVP ein. alten Namen „Christlichsoziale“ nicht mehr beibehalten. Viele Politiker

Die seien aber keine Gespräche, sondern Monologe, wo die SPÖ erklärt, was sie machen wird. Überhaupt bekomme man kaum substanzielle Informationen.

sind auch, das war sicher eine gemeinsame Erfahrung mit der Sozialde-

Also bitte, Matthias Stadler fährt sicher nicht mit dem Holzhammer drü-

mokratie, unter Hitler verfolgt worden.

ber. Es gäbe ja gar keine Notwendigkeit dieser Gespräche, aber es macht

Eines hat sich in der Zweiten Republik jedenfalls gezeigt: Wenn es ein

Sinn, auch den politischen Mitbewerber zu hören. Mir wird halt nachher

übergeordnetes, großes Ziel gibt, hat die Zusammenarbeit gut funktio-

oft berichtet, dass im Zuge der Gespräche von der Opposition gar kein

niert. Das war im Falle des Wiederaufbaus der Fall, genauso wie im Fall

eigener Standpunkt vorgebracht wird. Und eines sei auch gesagt: Infor-

des EU-Beitrittes! Das politische Tagesgeschäft hingegen ist halt oft ein

mation, das ist nicht nur eine Bringschuld, sondern schon auch eine Hol-

Schlagabtausch, da geht es um das Werben um die eigenen Argumente –

schuld in der Politik. Den großen Ohnmächtigkeitsfaktor der Opposition

das muss man nicht immer so negativ sehen, wobei, das sei auch gesagt:

nehme ich ihr jedenfalls nicht ab. Das ist nicht ehrlich, sondern eine be-

Keine Partei hat die Wahrheit gepachtet.

wusste Strategie, Teil des politischen Schlagabtausches.

Auch die SPÖ nicht?

Schlagabtausch prägt aber den Umgang der Parteien untereinander über Gebühr, wie viele Bürger empfinden, oder ist das von den Medien hochgespielt?

Gottesstaat, nicht viel anders in seiner Struktur als ein iranischer Gottes-

Die ÖVP wurde ja erst 1945 gegründet – nach der Misere konnte man den

Natürlich auch die SPÖ nicht!

Natürlich tragen die Medien ihres dazu bei. Wir alle wissen, dass die Leute heute nicht mehr lange lesen, dass alles auf die Schlagzeile, den Bildtext reduziert wird. Daher verkürzt auch die Politik, spitzt zu, die Medien ebenso. Wichtig ist bei alledem aber eines: Miteinander reden muss man immer und überall können!

Zuhören aber auch. Man hat oft den Eindruck, dass jede Partei die Vorschläge der anderen reflexartig ablehnt. Das liegt im Ermessen der Parteien. Es war zum Beispiel geradezu absurd, dass die ÖVP als die sogenannte Wirtschaftspartei, gegen den Ausbau der Fußgängerzone war, weil man da vielleicht drei Parkplätze verliert. Das hat keiner verstanden! Das ist kein konstruktives Vorgehen. Eigentlich hätte eine solche Idee ja von der ÖVP kommen müssen.

Die sagt aber, sie dringt mit ihren Ideen sowieso nicht durch. Also wenn die Fußgängerzonenerweiterung von der ÖVP gekommen wäre, hätten wir das sicher mitgetragen, wobei, ganz ehrlich: Welche klassische Idee gibt es, die von der Opposition gekommen ist? Mir fällt keine ein.

Die Innenstadtwohnförderung zum Beispiel. Ja, das war ein kleines Projekt. Aber das setzen wir auch um. Die Wirtschaft ist unser Partner, nicht der Feind. Ich glaube, das ist auch durchgedrungen, dass es keine ideologischen Barrieren in der SPÖ gibt.

Und wie siehts parteiintern aus? Der Verkauf des Fernheizkraftwerkes und der EVN-Deal wurden von vielen eingefleischten Genossen ja als regelrechter Verrat an den Prinzipien empfunden. Das war früher sicher einmal ein Tabu-Thema. Aber der EVN-Deal war eine pragmatische Lösung. Was, wenn die Liberalisierung des Strom- und Gasmarktes fortschreitet? Was, wenn das Land, welches das Klinikum übernommen hat, seine Energie dafür in Hinkunft vielleicht einmal woanders bezieht? Daher war es zukunftsweisend, den Deal einzufädeln.

Das wirft aber die generelle Frage auf, was jetzt eine Kommune noch zu leisten hat, und was nicht. Ende der 90’er, Anfang 2000 haben alle ÖVP-Proponenten gerufen „Mehr – 26 – MFG


MFG URBAN

Bild S. 26: Sammelbände polit-theoretischer Zeitschriften wie z. B. „Die Zukunft“ neben einer historischen Ausgabe von Meyers Konversationslexikon. oben: An den Wänden der Bezirksparteizentrale hängen die aktuellen Werbesujets, im Büro des Bezirsksparteisekretärs Bilder von Kreisky und Marx.

Privat, weniger Staat!“ Nach dem globalen Finanzdesaster ist es ruhiger

Menschen erreicht. Dass Infrastruktur funktioniert, es Arbeitsplätze gibt

um diese Stimmen geworden. Ich sage ehrlich: Wir brauchen mehr Stadt,

etc., das erwarten die Leute ohnedies von einer Regierung. Ich denke, am

mehr Land, mehr Europa – es geht darum, wieder die richtige Balance

wichtigsten ist die Frage, welche Kultur, welcher Umgang in einer Gesell-

zwischen Wirtschaft und öffentlichem Interesse zu schaffen. Die Sozi-

schaft herrscht.

aldemokratie hat sich immer um den Ausgleich zwischen Kapital und Mensch bemüht. Das ist ein langer steiniger Weg, wahrscheinlich kom-

Spielen Sie damit auf die Integrationsdebatte an?

men wir nie an – die Spannung zwischen Arbeit und Wirtschaft wird wohl

Integration ist in meinen Augen ja mittlerweile ein Unwort. Da wird so viel

immer bestehen.

hineininterpretiert – auch in der SPÖ. Die SPÖ hat immer eine große Verantwortung für das Miteinander gehabt. Kein Ur-St. Pöltner soll den Ein-

Es scheint aber, dass viele Wähler den Großparteien diesen Ausgleich gar nicht mehr zutrauen und deshalb zu Protestbewegungen wie der FPÖ „überlaufen“.

druck haben, dass andere bevorteilt werden, umgekehrt soll aber auch kein Nicht St. Pöltner das Gefühl haben, er sei ein Mensch 2. Klasse. Das heißt, wie überall, ist der Ausgleich die Kunst.

Das Kernproblem ist, dass die FPÖ gar keine Protestpartei mehr ist! Wenn Chance auf Mitbestimmung hat – das ist im Fall der FPÖ aber nicht ge-

Wie schafft man den? Das Thema wird ja auf einer sehr irrationalen Ebene gekocht.

gegeben. Ich glaube diese allgemeine Stimmung geht auf Jörg Haider zu-

Eines kann ich ganz klar sagen: An uns wenden sich viele Ausländer mit

rück, der ja bewusst das politische Establishment beschädigen wollte, die

der Frage nach Deutschkursen. Es stimmt also einfach nicht, dass die

Sozialpartnerschaft schlecht gemacht hat. Dabei beneiden uns andere

nichtösterreichische Community nicht daran interessiert wäre, unsere

Staaten darum und die daraus resultierende Stabilität. In Österreich kann

Sprache zu erlernen, sich zu integrieren.

man Streiks ja in Sekunden messen.

Natürlich gibt es kulturelle Unterschiede – aber das zeichnet Europa doch

Zudem hat Haider eine bewusste Zangenpolitik betrieben, indem er Sün-

aus, diese Vielfalt! Und historisch betrachtet war Österreich immer ein

denböcke suchte, im rechten Lager Angst schürte. Das ist über die Jahre

Schmelztiegel. Ein gutes Miteinander ist daher unabdingbar. Wir sind da-

einfach gesickert. HC Strache will sich zwar heute gerne anders darstel-

her ganz klar gegen Sündenbockpolitik, gegen Neidgesellschaft.

len, aber er setzt dieses Erbe fort, und in Wahrheit fürchtet er sich vor

Umgekehrt ist die Aussage, dass die Roten Ausländern Tür und Tor öffnen,

dem Tag, an dem es ernst wird und er Verantwortung übernehmen muss.

nicht richtig. Der Zuzug – mit Ausnahme des Balkankrieges – fand immer

Wie das unter Haider geendet hat, weiß man.

geregelt und im Konsens statt. Den stärksten Zuzug gab es übrigens un-

ich meinen Protest ausdrücken möchte, wähle ich eine Partei, die keine

ter Schwarz/Blau, als von der ÖVP billige Arbeitskräfte forciert wurden.

Das ist ja nett, dass man sich als SPÖ Sorgen um HC Straches Ängste macht, aber solange wird man als Regierungspartei ja nicht warten wollen, bis man die Macht verliert, es sei denn man stellt sich schon auf eine Koalition mit der FPÖ ein. Oder gibt es Gegenkonzepte?

Warum tut sich die heutige Politik generell so schwer, Sympathien zu gewinnen? Liegt es auch daran, dass es keine großen gesellschaftlichen Siege mehr zu erringen gibt, weil diese schon die Vorgängergenerationen besorgt haben?

Also unsere Parteilinie ist klar: Keine Koalition mit HC Strache! Das Modell

Das stimmt sicher in gewisser Weise. In den Wahlauseinandersetzungen

rot-grün in Wien macht mich hingegen hoffnungsfroh. Das ist ein Projekt,

geht es nicht mehr um die großen Würfe, sondern darum, die Standards

das Chancen hat. Sicher nicht überall, aber im urbanen Bereich ist es ein klarer Gegenentwurf zu schwarz-blau. Gibt es Konzepte – eine gute Frage. Wichtig ist, dass man sozusagen die Hausaufgaben macht, wobei man damit noch nicht die Herzen der

„Keine Partei hat die Wahrheit gepachtet!“

– 27 – MFG


Freaky times

für die Zukunft zu sichern. Das ist aber ein großes Erbe: Ethische Werte, Friede, Freiheit – die europäische Dimension ist wichtig! Nie

G

wieder Krieg!

Kommen wir zu St. Pölten. Welche Strategie wird die SPÖ für den Wahlkampf im Herbst einschlagen? Kämpferischsoziales Rot versus böses Schwarz, oder eher „staatstragend“ auf den Bürgermeister aufgebaut? Wir werden uns natürlich auf unseren Spitzenkandidaten konzentrieren, den sehr sozialen Bürgermeister Stadler, der ein Bürgermei-

von Michael Müllner

The

ster für alle St. Pöltner ist. Aber es gibt auch Wunsch-Sachthemen für den Wahlkampf bzw. die Zeit danach. Stadler hat den Stadtkern der

W W Un

Times They Are a-Changin‘, weiß Bob

City nachhaltig zum Positiven verändert, die

Dylan schon lang, aber momentan geht’s

Neugestaltung des Domplatzs ist ein bestim-

wirklich ruck-zuck. Heute allmächtiger Dik-

mendes Thema für die nächsten Jahre, ebensol-

tator, morgen abgedankter Freak.

che sind Sanierungen von Wohnhausanlagen,

Freud Universität wäre ein Gewinn für alle,

Aus Angst, dass Araber in unsere Hochhäu-

Schulen, das Sommerbad und die zusätzliche

dass das Land dieses Projekt sabotiert, ist fatal

ser fliegen, packeln wir Europäer lieber mit

Park & Ride Anlage beim Bahnhof.

für St. Pölten. Die Schließung der Orthopädie

Öl-liefernden Verbrecherregimen anstatt die

muss ebenfalls verhindert werden ...

große Chance eines neuen Nahen Ostens

Was wünscht man sich dazu vom Land?

zu fördern. Nun haben sich die Geknechte-

Das Land soll St. Pölten den dynamischen Weg

Das ist ein rotes Tuch für die SPÖ, oder?

ten selbst geholfen, und uns genau das vor

weitergehen lassen. Finanzielle Hilfe nehmen

Ja, das wollen wir so keinesfalls akzeptieren.

Augen geführt und bewiesen. Waren es im

wir natürlich gerne dankbar an. Die Sigmund

Das Land will aus politischem Kalkül in St. Pöl-

Ostblock noch Aushängeschilder wie Lech

ten kein Zentralklinikum zulassen, wir versu-

Walesa, so gelten heute Twitter und Fa-

chen mit dem nötigen politischen Fingerspit-

cebook als Schlüssel zum Erfolg. Und wie

zengefühl hier eine positive Kampagne für die

immer sind wir naiv genug, und glauben, es

Orthopädie und für das Klinikum zu unterstüt-

geht um einzelne Menschen.

zen.

Doch die Demonstranten wollen nicht nur

einen Präsidentenkopf los werden, sondern tionssystem, welches Jahrzehnte lang sein

Wäre das nicht ein schönes Beispiel für eine Neuordnung der Zuständigkeiten zwischen Land und Stadt?

gleich das ganze fischig-stinkende KorrupVolk in Profiteure und Loser teilte. Es geht

Ja, definitiv. Derzeit zahlt die Gemeinde St.

also nicht um ‚den‘ Worst-Case der poli-

Pölten ca. 20 Millionen Euro für das Klinikum

tischen Megaverbrecher, sondern um ‚sein‘

in St. Pölten ans Land, wir haben aber keinen

ganzes, komplexes System der Unmoral.

Einfluss auf die Entwicklung. Sinnvoller wäre,

Desto mehr wir das erkennen, desto mehr

wenn die Verantwortung und die Finanzierung

können wir uns gleich mit ins Winkerl zum

des Gesundheitswesen beispielsweise nur vom

Abschaum stellen. Wir Geschäftemacher

Land getragen wird. Umgekehrt könnte die Ge-

und Pauschaltouristen, die wir der ara-

meinde allein für die Errichtung und Qualität

bischen Kultur über Jahrzehnte hinweg das

der Kindergärten verantwortlich sein.

Potential für einen aufgeklärten, demokratischen Wandel abgesprochen haben nur um uns an ihren Ölfeldern und Sandstränden breit zu machen. Ruck-zuck – und absolute Machtverhältnisse sind Geschichte. PS: Im Oktober wird in St. Pölten gewählt. Will unser Wahlvolk einen Wandel? Können politische Freaks wie Asbest-Otzi, Gift-undGallen-Nonni oder experimentelle „BürgerGruppen“ das absolute Machtsystem St. Pölten zu Fall bringen? Oder liegt unser Wandel gar schon hinter uns, als damals im Jahre 2004 Gruber an Stadler übergab?

„Den großen Ohnmächtigkeitsfaktor der Opposition glaube ich ihr nicht. Das ist eine bewusste Strategie.“ – 28 – MFG

Da Co Bi zu

M w


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Foto: iStockphoto.com / © Shelly Perry

G e fu n de n!


Der Wehr-Igel stellt die Stacheln auf

Habt Acht!

Den Beginn nimmt unsere Reise in der Hesserkaserne

St.Pölten. Oberst Bruno Deutschbauer, seines Zeichens stellvertretender Militärkommandant Niederösterreichs, begrüßt die entfachte Diskussion. „Das Bundesheer gehört zweifelsohne reformiert. Die Wehrpflicht muss anders werden, es muss ein anderes System geschaffen werden.“ Er mahnt jedoch, die „Reifen nicht vor dem Auto zu kaufen. Zuerst muss die Sicherheitsdoktrin festgelegt werden, in weiterer Folge müssen die Aufgaben des Bundesheeres festgesetzt werden, bevor noch über verschiedene Modelle diskutiert werden kann. Dann kann ich erst die Struktur den Aufgaben entsprechend anpassen.“

Quasi über Nacht ist auch in Österreich die Diskussion über die Wehrpflicht ausgebrochen. Was war, was ist, was kommt? Schüler und politische Vertreter, Militär und Sozialdienst führen eine Debatte über Freiwilligkeit, Zwang und den Sinn.

In der Kaserne selbst sind im Durchschnitt 400 Soldaten und Zivilbedienstete stationiert, davon entfallen 70 bis 80 auf die Grundwehrdiener. In St. Pölten werden sie als Systemerhalter eingesetzt – u. a. als Kraftfahrer, Wachen, Rekruten der Stellungskommission oder Militärmusiker. Im Katastrophenfall kämen je nach Ausbildungsstand auch Grundwehrdiener zum Einsatz. Deutschbauer selbst verrichtete seinen Dienst bei den Pionieren – und profitierte davon. „Ich konnte mein erlerntes Wissen beim Hausbau anwenden.“ Durch ein eventuelles Ende der Wehrpflicht würden in St. Pölten „nur“ die Systemerhalter wegfallen: „Wir haben bereits länger begonnen, die Grundwehrdiener als Systemerhalter kontinuierlich abzubauen. Das Militärkommando kommt fast gänzlich ohne Grundwehrdiener aus. Daher würden sich die Veränderungen auf die Hesserkaserne in geringem Maße auswirken.“ Deutschbauer sieht auch die Vorteile eines Berufsheeres: „Ich muss dann einen Soldaten nur einmal ausbilden, er bleibt mir aber für Jahre erhalten!“ Hingegen äußert er Bedenken, ob sich genügend Freiwillige melden würden und ob dann die „richtige“ Kli-

TEXT: Sascha Harold, Gotthard Gansch Fotos: H. Rauschmayr, BMLV, zvg

entel angezogen wird. „Wie die Reform des Bundesheeres auch aussehen mag, ich hoffe nur, dass alle Rahmenbedingungen beachtet werden, die – 30 – MFG


MFG SZENE

„Ohne Zivildiener könnten wir den Betreuungsstandard nicht mehr gewährleisten!“ Karl Rottenschlager, Emmaus Gemeinschaft beste Variante für die österreichische Bevölkerung gewählt wird und es

verschwendung. „Dieses Geld könnte besser in den Aufbau eines funktio-

zu keinem Politikum wird. Rein theoretisch wäre alles machbar, man darf

nierenden Sozial- und Katastrophendienstes gesteckt werden.“

bei der Debatte aber auch nicht den zivilen Bereich vergessen.“

Markus Krempl, Vorsitzender der Jungen Volkspartei (JVP), sieht das an-

Und die Zivis?

ders: „Es geht nicht um die Abschaffung der Wehrpflicht, sondern um Gerade dort, im zivilen Bereich, sind die Zivildiener

eine sinnvolle Gestaltung des Wehrdienstes und des Wehrersatzdienstes.

oftmals unverzichtbar. Emmaus-Geschäftsführer Karl Rottenschlager

Dann würden sich Jugendliche auch dazu bereit erklären, sechs Monate

stellt klar: „Ohne Zivildiener würde unser Niveau schmerzlich sinken, wir

zu investieren.“

könnten den Betreuungsstandard nicht mehr gewährleisten. Davon sind

Der Status des Gesundheitssystems mit seiner starken Abhängigkeit

auch alle Blaulichtorganisationen betroffen. Ohne adäquaten Ersatz ist

von Zivildienern wird unterschiedlich bewertet. „Die Abhängigkeit des

die Situation undenkbar, v. a. wenn man die jetzigen Standards halten

Gesundheitssystems von der Wehrpflicht ist de facto nichts Schlechtes,

will.“ Alleine bei Emmaus sind im Durchschnitt bis zu 25 Zivildiener be-

man muss sich dessen einfach bewusst sein, wenn man Änderungen

schäftigt. Über die Jahre waren bereits 500 für die Einrichtung im Einsatz.

vornehmen will“, so Krempl. Bartl entgegnet, dass die Diskussion nicht

Auch die Caritas St. Pölten setzt 33 Zivildiener ein, die in Werkstätten und

auf dem Rücken der Zivildiener ausgefochten werden dürfe, denn „damit

Wohnhäusern für Menschen mit Behinderung arbeiten. Sechs Zivis ver-

wird nur kaschiert, dass unser Gesundheitssystem die letzten Jahre hin-

sehen ihren Dienst im Pflege- und Pensionistenheim St. Pölten-Wagram.

durch chronisch unterfinanziert ist.“

Caritas-Pressesprecher Karl Lahmer: „Fallen die Zivildiener weg, leidet die

Einen anderen Aspekt bringt der Ring Freiheitlicher Jugendlicher (RJF) in

Qualität der Arbeit. Dieses Ungleichgewicht müsste durch Aufnahme von

einer Presse-Aussendung mit dem Titel „Volksheer statt ostanatolischer

mehr Personal wieder ausgeglichen werden. Das vom Sozialminister vor-

Söldnertruppe“ ein. Auf die Frage nach der Bedeutung dieser Botschaft

gestellte Modell eines attraktiveren ‚Freiwilligen Sozialen Jahres‘ würde

meint Stefan Berger, Vorsitzender des RJF in Niederösterreich: „Die Aus-

sogar eine Qualitätsverbesserung darstellen, da die Motivation der jun-

bildung der Grundwehrdiener hat das Wirken für das Gemeinwohl Öster-

gen Leute eine höhere ist: Erstens sind sie wirklich freiwillig in der Ein-

reichs zu vermitteln. Mit einer Berufsarmee geht die Identifikation des

richtung, und weiters dient das FSJ ja oft auch der Berufsorientierung.“

Staatsbürgers mit der Landesverteidigung verloren. Weiters ist die allge-

Das Junge Volk. Stellt sich die Frage,

meine Wehrpflicht der Garant für die Einbindung und Integration der jungen Menschen in das soziale Gefüge unserer Gesellschaft.“

was die eigenltich Betroffenen,

die zukünftigen Grundwehrdiener, zur Causa denken. Christoph, Schüler

Eine Kritik hört man bei allen Statements der Schüler und Jungpolitiker

der HTL, bringt die Gedanken vieler Kollegen auf den Punkt: „Wehrpflicht

durch. Wirklich eingebunden fühlt man sich in die Diskussion bislang

is für´n Oasch.“ Andi aus der HAK präzisiert: „Die Wehrpflicht gehört ab-

nicht. „Es wird zwar oft gemeint, im Sinne der Jugendlichen zu argu-

geschafft, weil es einfach nicht mehr zeitgemäß ist, jungen Männern de

mentieren, gefragt werden wir aber nicht“, kritisiert Benjamin Jaquemar,

facto ein Jahr ihres Lebens mit sinnlosen Tätigkeiten zu stehlen.“

Schulsprecher des BORG.

Dorothee Dober, Schulsprecherin des Gymnasiums, sieht die Situation

Um Deutschbauers Bonmot mit den Reifen und dem Auto abzuwandeln:

differenzierter: „Ich persönlich bin schon für die Abschaffung. Allgemein

Bevor man das Auto kauft, sollte man auch die Lenker in die Kaufent-

ist die Stimmung bei uns aber durchmischt, ein paar meinen, dass die

scheidung miteinbinden. Sie werden nämlich über den künftigen Erfolg

Wehrpflicht für die Landesverteidigung schon wichtig ist. Ein freiwilliges

oder Misserfolg sowie die Fahrtauglichkeit des Vehikels entscheiden.

soziales Jahr fände ich super. Ich würde es machen!“ Jungpolitiker bringen sich ebenfalls in die Debatte ein. Für Stefan Bartl, Vorsitzender der Sozialistischen Jugend (SJ), stellt sich die Frage nach der Wehrpflicht gar nicht erst: „Das Bundesheer ist veraltet und gehört abgeschafft.“ So die verkürzte Botschaft. Die Landesverteidigung läge längst in den Händen der EU, ein selbstständiges Heer ist für Bartl daher Geld-

„Man darf die Reifen nicht vor dem Auto kaufen. Zuerst muss die Sicherheitsdoktrin festgelegt werden, dann kann man erst die verschiedenen Modelle diskutieren!“ Oberst Bruno Deutschbauer, Bundesheer – 31 – MFG


KULTUR SHORTCUTS

Beislkultur. Kulturbeisl.

von Thomas Fröhlich

„Also wenn der Koll zusperrt, kann man auch gleich aus St. Pölten wegziehen.“

Malakhov zurück in sTP

Nach dem großen Vorjahrserfolg findet am 28. April erneut eine mit internationalen Startän-

So der Kommentar eines unbekannt bleiben

zern besetzte Ballett-Gala im VAZ St.Pölten statt. Vladimir Malakhov, preisgekrönter Tänzer

wollenden Fans obgenannter gastronomisch-

und Intendant des Staatsballett Berlin, gastiert gemeinsam mit Solisten seiner Compagnie,

kultureller Einrichtung zu den frei schwe-

des Mariinsky Theater, English National Ballet, Wiener Staatsballett sowie mit dem Ballett

benden Gerüchten der letzten Wochen.

St. Pölten in herausragenden Stücken des klassischen und modernen Balletts. Malakhov:

Doch dann: Entwarnung. Der Koll bleibt nicht

„Ich freue mich sehr bald wieder nach St. Pölten zu kommen, um dort aufzutreten. Ich

nur offen, er wird relauncht, wie das auf

bin mir sicher, dass wir an den Erfolg der letztjährigen Gala anknüpfen können und einen

Neudeutsch so schön heißt. Obwohl der Koll

tollen Ballettabend feiern werden! Meine Verbindung zu St. Pölten ist sehr eng. Ich bin ja

ja schon seit einiger Zeit Akiwi heißt. Neuer

auch Ehrenbürger der Stadt! In diesem Sinne bin ich froh, alle bald wieder zu sehen und zu

Besitzer (Walter Franek), neuer Name.

tanzen!“ Weitere Gäste der Ballettgala sind u.a. Giuseppe Picone, Karina Sarkissova, Rainer

Doch irgendwas scheint da schief gelaufen

Krenstetter, Andrei Batalov, Nadja Saidakova, Anais Chalendard, Dinu Tamazlacaru und Na-

zu sein. Mit dem Abgang der Urgesteine Pletti

talia Krekou. www.vaz.at

und Alex darf man sich nämlich berechtigte Sorgen um die Seele des Lokals machen. Andererseits: Ohne den Akiwi-Koll wäre St.

bisjetzt. Alfred Dorfer zieht zum 25-jährigen Büh-

Pölten tatsächlich eine ärmere Stadt. Im Win-

nenjubiläum Resümee: „Mein neues Programm ´bisjetzt´

ter um den heimeligen Festbrennstoff-Ofen

ist kein Best of, das wäre mir zu fad. Ich habe meine

geschart, im Sommer Chillen im urigsten und

früheren Programme zusammen gemischt und heraus-

zugleich schönsten Gastgarten von St. Pöl-

gekommen ist etwas Neues.“ Dorfer-Fans dürfen sich auf

ten. Was sag’ ich: von ganz Mitteleuropa.

„alte Bekannte“ freuen. So lässt der Kabarettist frühere

Mit bodenständiger Küche, abgeschmeckt

Charaktere aufmarschieren wie z.B. den Lehrer Roland

mit ein paar recht feinen Kulturveranstal-

Brenner. In altgewohnter Besetzung (mit Band Peter

tungen. Und, wenn geht, ohne Dire Straits/

Herrmann, Günther Paal und Lothar Scherpe) gastiert

Joe Cocker-Beschallung, bitte!

Dorfer von 29.-31. März 2011 in der Bühne im Hof.

Erfreulich: Dass das EGON – nicht zuletzt reicher Programmierung – wieder ein wun-

KUNSTWINKEL.

derbarer urbaner Hotspot geworden ist,

„Kunstwinkel“ wird von 30. April bis 6. Mai erstmals im

weiß man eh. Doch dass dort seit Kurzem

ehemaligen Forum Kino über die Bühne gehen. Urheber ist

auch – hervorragend – spanisch gekocht

Matthias Maier, der den Verein „Junge Bühne St. Pölten“

wird, stellt nun das Tüpfelchen auf dem i

aus der Taufe hob. In Hannes „Hennes“ Beitl fand er einen

bzw. die Garnele in der Paella dar. Denn so

kongenialen Partner, der meint: „Letztlich gibt es die Ini-

gut wie im EGON isst man derzeit in St. Pöl-

tiative, um Platz zu schaffen für innovative Produktionen

ten selten.

junger Menschen!“ Das ehemalige Kino biete dafür den

Im Kulturbeisl.

idealen Standort. Geboten wird eine Mischung aus Thea-

Mit Wirtshauskultur.

ter und Vorträgen. www.kunstwinkel.at

Geht doch. – 32 – MFG

Die neue Veranstaltungsreihe

Foto: Rauschmayr, Buckley, zVg

dank bemerkenswerter und abwechslungs-


Cuba libre Pachin Inocencio ist 77 Jahre und der älteste Kopf der Gruppe rund um die Live-Show „Pasión de Buena Vista“ aus Kuba, die am 11. Mai im VAZ St. Pölten gastiert. Im Interview spricht er über die Liebe zur Musik, über die Show und wieso er als kleiner Junge unter dem Balkon von Frauen gesungen hat. Durch „Buena Vista Social Club“ entstand Ende der 90’er ein regelrechter Kuba-Hype, viele legendäre kubanische Musiker wie Sie gelangten dadurch zu spätem Weltruhm. Ich denke, wir sind einfach der beste Beweis dafür, dass Musik keine Altersfrage, sondern eine Lebenseinstellung ist. Ich möchte mit meiner Musik einfach die Menschen in Europa berühren und ihnen unsere Kultur, unsere Leidenschaft näher bringen!

Wir haben in Europa ja so unsere Klischeebilder von Ihrem Land. Ausgebeulte Chevies, Zigarren, Rum und natürlich Musik. Spielt die tatsächlich so eine wichtige Rolle? Ja, ich glaube wir Kubaner haben den Rhythmus einfach im Blut. In Kuba ist es nichts Ungewöhnliches auf der Straße stehen zu bleiben und zur Musik, die aus den Häusern tönt, zu tanzen oder zu singen. Wir sind eben ein sehr lebensfrohes Volk, und Musik stellt einen großen Teil unserer Kultur dar!

Sie selbst sind ja von klein auf musikalisch geprägt? Ich hatte eine sehr glückliche Kindheit. Mir wurde die Musik praktisch in die Wiege gelegt. Meine Eltern waren beide Musiker, und so habe ich mich auch schnell für unterschiedliche Instrumente begeistert und schlussendlich den Gesang für mich entdeckt.

TEXT: ANNE-SOPHIE SETTELE Foto: ZVG

Den sie zunächst als postillon d’amour einsetzten? Ja, ich habe tatsächlich schon als kleiner Junge von meiner Stimme profitiert. Es fing damit an, dass ich einem Freund mit meinem Gesang helfen sollte, seinen Schwarm zu erobern. Schnell hatte sich dies in der Nachbarschaft rumgesprochen, und so schlich ich mich nachts aus dem Haus meiner Eltern und verdiente mir ein paar Pesos, indem ich Liebeslieder unter dem Balkon angebeteter Damen sang. Beauftragt wurde ich von jungen Männern aus unserer Stadt, die den Frauen auf diese Weise ihre Liebe gestanden.

PASIÓN DE BUENA VISTA - Live from Cuba VAZ St. Pölten, 11. Mai 2011

Foto: Rauschmayr, Buckley, zVg

Nach über 250.000 begeisterten Besuchern in über 25 Ländern mit über 150 Shows kommt „Pasión de Buena Vista“ 2011 zurück nach Europa und macht auch Station im VAZ St. Pölten! Live-Auftritte bei Shows wie „Wetten Dass...?“ machten das Programm bekannt! Heiße Rhythmen, mitreißende Tänze, exotische Schönheiten und traumhafte Melodien führen das Publikum durch das aufregende Nachtleben Kubas. Eine 10 köpfige Live Band alt eingesessener kubanischer Unikate, in Kuba umschwärmte Sänger und Tänzer sowie eine einzigartige Bühnenkulisse mit atemberaubenden Projektionen stecken mit dem Humor und dem Temperament Kubas an.


TEXT: Marion Pfeffer Foto: Hermann Rauschmayr

Die Kunst der Bundesländer „Es ist erstaunlich, in welcher kreativen Qualität und mit welchem Engagement in den Bundesländern Theater und Oper gemacht wird.“

Anno dazumal war die Rolle der Landesbühne ganz klar. Junge Künstler verdienten sich ihre ersten Sporen und nutzten sie als Sprungbrett nach Wien und in die weite Welt. Heute spielen die Häuser in den Bundesländern nicht mehr die zweite Geige hinter Wien. Das soll der bevorstehende Intendantengipfel im St. Pöltner Festspielhaus am 20. März medienwirksam unter Beweis stellen.

vielleicht das falsche Wort. Es gilt vielmehr, ein Ungleichgewicht auszubalancieren. Die Intendanten selbst haben ganz sicher keinen Komplex. Das geht eher vom ‚Wasserkopf‘ Wien aus, der jahrelang seine Vorherrschaft in Sachen Kultur zur Schau gestellt hat“, so die Medienexpertin. Ob dies auch zu einem Gutteil journalistischer Arroganz zu verdanken ist, wird von Cuesta mit einem klaren „Ja!“ beantwortet. Aus Wien rauszufahren, kann auch unbequem sein. Wie schafft man es dann, das Publikum zu motivieren? „Die Häuser kennen ihr Publikum recht gut und stellen sich darauf ein. Ich beobachte schon seit längerem eine Emanzipation des Publikums.

Der mutet ein bisschen wie ein Maturatreffen an. Ein solches Treffen war

Es wird mündiger und lässt sich nicht mehr alles vorsetzen und das ist gut

längst im Gespräch. „Das müssten wir mal machen“ und „eigentlich wäre

so. Daraus resultiert ein klarer kreativer Auftrag an die Häuser. Sie trauen

es an der Zeit“ hörte man von so mancher regionaler Kulturinstitution.

sich was und werden sehr oft mit einem ausgeprägten Kulturpatriotismus

Dass eine Bereitschaft zum Dialog also immer vorhanden war, stand au-

belohnt“, lobt Cuesta anerkennend. Genau das müsse besser in den Me-

ßer Frage. Aber wer organisiert die Chose? Die Chance beim Schopf ge-

dien transportiert werden. Kultur ist jedenfalls nichts mehr für die „bürger-

packt haben die Kulturredakteure Erna Cuesta und Franz Zoglauer, die die

liche“ Schicht oder die älteren Semester. Kultur wird heutzutage in einem

Schirmherrschaft übernommen haben und die Veranstaltung über ihre

großen, erschwinglichen Angebot präsentiert. Das treibt auch junge Leute

Sendung „Highlights“ bei ATV einem breiten Publikum zugänglich machen.

in die Häuser. St. Pölten sei dafür ein gutes Beispiel mit seinen drei großen

Als erfahrene Branchenkennerin – Cuesta ist bereits seit über 20 Jahren

Kultureinrichtungen (Festspielhaus, Landestheater und Bühne im Hof). „St.

in den Kulturredaktionen Österreichs verankert – sah sie die Notwendig-

Pölten bietet sich aufgrund der Lage für unseren Gipfel gut an. Außerdem

keit, ein Bewusstsein zu schaffen. „Es ist erstaunlich, in welcher kreativen

ist die Zusammenarbeit mit dem Festspielhaus sehr unkompliziert. Das

Qualität und mit welchem Engagement in den Bundesländern Theater und

Haus hat sich als idealer Standort entpuppt.“

Oper gemacht wird. Und das mit wesentlich weniger Geld, dafür mit weWas wünscht sie sich persönlich als Outcome des Gipfels? „Er soll nur der

sentlich mehr Problemen!“, so Cuesta über ihre Motivation.

Startschuss für viele weitere Treffen sein. Mit der medialen AufmerksamUnter dem Arbeitstitel „Die Kunst der Landestheater - Zugpferd Bundes-

keit wollen wir eine Bewusstwerdung für die kulturelle Qualität der Bun-

land auf der Überholspur“ werden die einzelnen Häuser einen Überblick

desländer erzielen und den Bühnen Vernetzungsmöglichkeiten bieten.“

über ihr Angebot geben und die Themen und Probleme besprechen, mit denen sie zu kämpfen haben. Ein bisschen wie Maturatreffen scheint es auch deshalb, da viele der Intendanten entweder jeweils beim anderen

Erna Cuesta. Von 1990 bis 2009 war Erna Cuesta in der ORF Kulturre-

„in der Lehre“ waren und/oder bereits bei früheren Projekten zusammen

daktion tätig. 2009 wechselte die Journalistin als Senior Consultant und Mediencoach zur Agentur media consult. Sie moderiert gemeinsam mit Franz Zoglauer das wöchentliche Kulturmagazin „Highlights“ auf ATV.

gearbeitet haben. Bei einer solch guten Vernetzung der Häuser stellt sich die Frage der Notwendigkeit eines derartigen medialen Treffens. Schwingt da nicht auch ein Minderwertigkeitskomplex mit? „Minderwertigkeit ist – 34 – MFG


11. Mai 2011

VAZ St. Pölten - 20 Uhr

Tickets im VAZ, www.vaz.at, ticket@nxp.at, 02742/71400-100, in allen Raiffeisenbanken und Geschäftsstellen von Ö-Ticket.

EGON S P E C I A L S

Fr. 25.03.2011:

9-JAHRESFEST

Live on Stage: CROSSROADS Erdiger Rock zum Jahrestag

Sa. 09.04.2011:

HARLEQUIN´S GLANCE

Welttag der Bühnenwirtshäuser NÖ Folk´n´Roll vom Feinsten

Weitere Highlights: 02.04. MOB 23.04. SOLRIZE 29.04. BLUESMOPOLITANS 27. 05. KOLLEGIUM KALKSBURG News: SPANISCHE KÜCHE on.at

Alle Infos unter: www.musikcafe-eg


Der Flaneur zwischen den Welten

Kaum ein zeitgenössischer bildender Künstler ist in St. Pölten dermaßen präsent wie Walter Berger. Sei es durch seine Werke im öffentlichen Raum, sei es durch seine Person selbst, die im Flanieren gleichsam Stadtarchäologie betreibt, sei es mittels seiner Bilder und Fotos in der aktuellen Ausstellung „Einblicke“ im NÖ Dokumentationszentrum für Moderne Kunst (DOK). Berger legt eine Vielseitigkeit an den Tag, die mitunter schon unheimlich wirkt. Thomas Fröhlich hat da einen Verdacht.

TEXT: Thomas Fröhlich Fotos: Hermann Rauschmayr

„While he spoke, so profound was the stillness that one might have heard a pin dropping upon the floor.” (Aus: “William Wilson” von Edgar A. Poe) Der Schreiber dieser Zeilen gibt zu: Er ist befangen. Er kennt Walter Berger

kumentation der vor wenigen Monaten stattgefundenen Sprengung des

ja schon länger. Oder, um genau zu sein: beide Bergers. Und umgekehrt.

Glanzstoff-Schlotes hin. „Wahnsinnig schade darum“, meint Berger zum

Was das jetzt soll? Mit volltrunkener Doppelsichtigkeit hat das nichts zu

Schlotabriss. „Das wäre ein wunderbares Industriedenkmal gewesen.“

tun. Vielmehr lief man einander vor Jahren schon in Wien regelmäßig über

Fragen von Perspektiven und Perspektivenwechsel durchziehen sein

den Weg, ob am Naschmarkt oder im WUK, ohne jedoch eine Ahnung zu

Werk, das neben den erwähnten Fotografien auch die – ebenfalls im DOK

haben, wer der andere war. Dann verlegte der Schreiber seinen Haupt-

zu betrachtenden – großformatigen in Drippingtechnik hergestellten Ro-

wohnsitz nach St. Pölten (ohne Wien ganz untreu zu werden) – und traf

tationsbilder umfasst, die, wie es eine Besucherin so treffend ausdrückte,

da ebenso regelmäßig auf jemanden, der dem Vom-Sehen-Bekannten in

„einen komplett reinziehen.“ „Es ist eine weiterentwickelte Technik, die

Wien verdammt ähnlich sah. Wie ein Doppelgänger. Walter Berger dachte

Max Ernst einst Jackson Pollock empfohlen hat“, erklärt der Künstler.

Gleiches vice versa. Irgendwann beschloss man, sich vorzustellen und

„Wenn man ein Farbgefäß an drei Fäden aufhängt, kann man die verschie-

einander die g’spaßige Mär vom jeweiligen verblüffend ähnlich ausseh-

densten Resultate erzielen. Ich hänge also Farbflaschen an die Fäden – es

enden Gegenüber aus Wien zu erzählen – nur um drauf zu kommen, dass

dürfen aber auch Ketten sein, da jedes Material zu einem anderen Ergeb-

beide eben in St. Pölten und Wien lebten. Kein Doppelgänger-Mysterium,

nis führt – und lasse über eine Düse Farbe auf die darunter liegende Lein-

sondern ein way of life, der zwei Städte umfasst.

wand aus. Ich setze die Flasche in Bewegung – und habe dann eine Auf-

Als „archäologische Spurensicherung der Gegenwart“ beschreibt Carl

zeichnung dieser Bewegung, bei der auch das Element Geschwindigkeit

Aigner, Direktor des Landesmuseums Niederösterreich, Bergers Herange-

eine wesentliche Rolle spielt.“ Wie auch der Zufall, der aber durch Bergers

hensweise in der Einführungsrede zur Eröffnung der Doppel-Ausstellung

penible Vorarbeiten so zufällig gar nicht ist. Eine formale Ähnlichkeit mit

Walter Berger: Einblicke / Fritz Ruprechter: Genaue Ungenauigkeiten.

den Doppelspiralnebeln im Kosmos habe sich da ergeben. Auch ein Zufall?

Aigner weist dabei im Besonderen auf die vor einigen Jahren von Berger

Schließlich gehe es Berger darum, Wahrnehmungskonditionierungen auf-

in Rom geschossene Pantheon-Fotoserie sowie auf die fotografische Do-

zubrechen. Nach dem Motto: Was nehme ich, wenn ich wahrnehme?

– 36 – MFG


MFG KULTUR

Bergers erste eigene Wahrnehmungen begannen auf jeden Fall im Jahr

Flaneur liest den öffentlichen Raum gleichsam wie ein Buch, von dem er

1951 in St. Pölten. Von 1975 bis 1981 besuchte er die Hochschule für

nie weiß, wie es ausgeht. Vielfach wird der Flaneur auch gerne mit dem

angewandte Kunst in Wien. 1979 eröffnete er seine erste große Einzel-

Dandy gleichgesetzt, was aber von einigen – nicht nur von Berger selbst

ausstellung im NÖ Landesmuseum, das sich damals noch in Wien befand.

– abgelehnt wird. Obwohl man ihm ein leicht dandyhaftes Verhalten nicht

Zahlreiche weitere Einzel- und auch Gruppenausstellungen sollten ihn

absprechen kann. Und das nicht nur aufgrund seiner Bekleidungskultur,

bis nach St. Petersburg führen. Mental durchaus ein Weltbürger im klas-

die dem Anzug, selbst beim Radfahren, immer noch Priorität einräumt,

sischen Sinne, ein Reisender auch um des Reisens willen, sollten seine

und die wohl die Antithese zur Jogginghosen-Erbärmlichkeit dieser Tage

beiden Ankerpunkte Wien und St. Pölten bleiben: in Wien sein Atelier im

darstellt. Doch auch wenn er es durchaus schätzt, sich selbst zu insze-

WUK, in St. Pölten sein Wohnsitz. Vergleichen könne man die Städte aber

nieren (mitunter als sichtbaren Teil seines von ihm selbst geschaffenen

nicht. „Wien ist Österreichs einzige Großstadt“, meint Berger, „und St. Pöl-

Werkes), geht es ihm vielmehr um das Erkennen und Offenbaren von Zu-

ten leidet leider unter permanenter Behübschung – jede Fußgängerzone

sammenhängen, um Erfahrungsebenen, die sich dem durch die Straßen

wird mit Betonblumentrögen verschandelt.“ Und er ergänzt: „Genauso

hastenden und den Blick womöglich starr aufs Handy – als Hirn-GPS? –

wie die Südseite des Bahnhofs. Furchtbar!“ Berger ist durchaus jemand,

gerichteten Zeitgenossen verschließen.

der sich offenen Auges durch die Stadt bewegt.

Denn auch Erfahrung lebt von der Perspektive. Und deren Wechsel. Oder

Und so unterschiedlich wie seine – großteils in Städten gewonnen – Inspi-

wie es der Philosoph Walter Benjamin vor Jahrzehnten recht poetisch for-

rationen fallen auch seine Kunstwerke aus. Neben seinen großflächigen

muliert hat: „Die Menge ist der Schleier, durch den hindurch dem Flaneur

Bildern einerseits und intimen Fotografien andererseits ist Berger auch im

die gewohnte Stadt als Phantasmagorie winkt. In ihr ist sie bald Land-

öffentlichen Raum umtriebig: etwa als Schöpfer des Radnetzes Y Nr. 1 in

schaft, bald Stube.“

der St. Pöltner Marktgasse (als Spinnennetz bezeichnet) oder als Gestal-

Und dabei erweckt Berger so ganz und gar nicht den Eindruck des in sich

ter der Römischen Wand im Café Schubert. Und dann wäre da noch das

gekehrten, versponnenen Künstlers. Vielmehr wie einer, der auch gern

„Foyer des Flaneurs“ im KWI-Haus in der Fuhrmannsgasse. Zudem macht

und oft anpackt und Elfenbeintürme eher von außen kennt. Bei der Aus-

es Freude, Berger zuzuhören, wenn er begeistert von seinen Eindrücken

stellungseröffnung fällt bezüglich Bergers Persönlichkeit u. a. die Bezeich-

erzählt, die dann – transformiert – in seinen Werken Einzug finden.

nung „handfest“: Und das stellt im Grunde ein sehr schönes Kompliment

Was wiederum mit dem vorhin schon genannten Flaneur zu tun hat: Aig-

dar. So vielgestaltig die Facetten von Bergers bisherigem Gesamtwerk

ner weist nicht zu Unrecht auf diesen Begriff hin, der auch Berger gut

schillern, fragt man sich allerdings mitunter, ob das alles wirklich von

charakterisiert. Aus dem 19. Jahrhundert stammend, bezeichnet Flanie-

einem Menschen stammt. Oder ob die Idee mit dem Doppelgänger viel-

ren eine nicht zielgerichtete Bewegung durch ein städtisches Umfeld. Der

leicht doch gar nicht so abwegig ist.

– 37 – MFG


MFG ADVERTORIAL MITGLIED WERDEN! Genießen Sie unsere exklusiven Vorteile (Ermäßigungen

Lust auf mehr

in den Institutionen des Kulturbezirks sowie den Partnerhäusern, Previews, Künstlertreffs, Ausflüge etc.), egal ob als Privatperson, Firma, Familie oder Jugendlicher. Info: Tel. 02742 / 908080-812, evelyn.frei@festspielhaus.at, www.kulturbezirk.at

Immer wieder wird mir die Klage zu Ohren gebracht, dass

zu

wenige

junge

Menschen die Hochkultureinrichtungen

aufsuchen.

Eine Aussage, die nur teilbedingt zutrifft, denn wie so oft im Leben: Das Angebot schafft, sofern man den Geschmack trifft, die Nachfrage. So sind zwar z.B. Konzerte klassischer Musik im Festspielhaus tatsächlich noch immer eine Domäne der älteren Semester (wie eh und je), durch neue Module unter dem künstlerischen Leiter Joachim Schloemer trifft man aber zusehends auch junge Menschen an, und zwar nicht nur im explizit auf die Jugendkultur zugeschnittenen Café Publik. Es genügt, bei einer Tanzveranstaltung, bei Jazz oder auch Unterhaltungsmusik mit offenen Augen durchs Haus zu gehen – über einen Mangel an Jugend

spielorte-Magazin

Im Jänner fand im Landestheater Niederösterreich die Präsentation des neuen Theatermaga-

braucht man sich bestimmt nicht zu beklagen.

zins „spielorte – Das Magazin der St. Pöltner Bühnen“ statt, welches der Förderverein Kultur-

Ebenso zeigen auch die anderen Häuser

bezirk herausbringt.

Flagge. Das Landestheater etwa legt einen Fo-

spielorte ist das gemeinsame Magazin für das Festspielhaus St. Pölten, die Bühne im Hof so-

kus auf Kinder- und Jugendtheater, die Bühne

wie das Landestheater Niederösterreich. spielorte richtet sich vorrangig an das Publikum der

im Hof erarbeitet Eigenproduktionen (wie z. B.

Häuser sowie kulturinteressierte Persönlichkeiten im allgemeinen und erscheint vier Mal pro

das Musical „Voll fett“), die ganz bewusst die

Spielzeit. Der redaktionelle Fokus liegt auf detaillierten Informationen zu den aktuellen Produk-

Lebenswelt junger Menschen zum Inhalt ha-

tionen der drei Häuser, Hintergrundberichte sowie Künstlerportraits runden das Spektrum ab.

ben. Alle genannten Institutionen, ebenso das

Landestheater Intendantin Isabella Suppanz konnte ein volles Haus begrüßen. Moderiert

Landesmuseum, bieten spannende Vermitt-

wurde die kurzweilige Vorstellung von Kulturredakteurin Erna Cuesta, ihr standen Paul Gessl

lungsprogramme für Kinder und Jugendliche

(NÖKU), Johannes Reichl (spielorte), Caroline Salzer (Förderverein Kulturbezirk), Sandra Wind-

an, um sie für Kultur zu begeistern – mit Erfolg!

fuhr (Festspielhaus), Rupert Klima (Landestheater Niederösterreich), Reinhard Gosch (Bühne

Nicht zu missachten ist auch der Beitrag der

im Hof) sowie Martin Bosch (Living Office) Rede und Antwort.

Schulen. Von der Masse kaum wahrgenom-

Krzystof Dobrek und Aliosa Biz sorgten für die musikalische Umrahmung des Abends, Katha-

men, besuchen zahlreiche Schüler die Veran-

rina von Harsdorf und Helmut Wiesinger rezitierten Texte zum Thema Journalismus und Kultur.

staltungen, nur halt nicht am Abend in Robe, sondern am Vormittag in Jeans.

spielorte gratis per Post: Schicken Sie Ihre Kontaktdaten per Mail an office@spielorte.at oder

Mehr tun kann man natürlich immer. Aus die-

geben Sie diese telefonisch durch unter Tel. 02742/90 80 80 222.

sem Grund bemüht sich auch der Förderverein Kulturbezirk einen Beitrag zu leisten und bietet seit heuer eine eigene Familien- sowie eine Jugendmitgliedschaft an. Zudem schnüren wir für

Förderverein im Theater

diese Zielgruppen explizite Veranstaltungspa-

Im März warten auf die Mitglieder des Fördervereins

kete, frei nach dem Motto „Lust auf mehr ma-

Kulturbezirk gleich zwei exklusive Veranstaltungen

chen!“ Über Anregungen, was gewünscht wird,

im Landestheater Niederösterreich.

freuen wir uns an evelyn.frei@festspielhaus.at!

Zum einen, im Rahmen des Familienmoduls, steht am 19. März die Vorstellung „Die Schatzinsel“ am Programm, Stevensons Kinderbuchklassiker in einer spannenden Bühnenbearbeitung von Antje Hochholdinger. Nach der Vorstellung darf das junge Publikum mit dem Ensemble im Originalbühnenbild auf der großen Bühne

Lothar Fiedler, Obmann

fotografieren und fotografiert werden. Am 26. März tauchen wir dann ein in die Welt des „Spielers“. Dostojewskis Roman in einer mitreißenden Bühnenfassung mit Schauspiel-Jungstar Valentin Schreyer in der Hauptrolle. Im Anschluss findet ein exklusiver Empfang mit der künstlerischen Leiterin Isabella Suppanz sowie den Mitwirkenden statt.

– 38 – MFG

L D


Foto: Stefan Liewehr © Landesmuseum Niederösterreich

www.landesmuseum.net

In Kooperation mit

Kraut & Rüben Menschen und ihre Kulturpflanzen 20. März 2011 - 12. Februar 2012 Landesmuseum Niederösterreich I Kulturbezirk 5, 3100 St. Pölten Di bis So von 9 bis 17 Uhr I T: +43-2742-90 80 90-999


MFG ADVERTORIAL

Utschi zum Frühstück

Gesunde Ernährung mit nur einfachen Lebensmitteln ermöglichen. Diesen Projektauftrag realisierten Diätologie-Studentinnen der Fachhochschule St. Pölten. Aus Maismehl und Wasser entstanden eiweißhaltige Speisen, die auch schmecken.


Mit

einer Anfrage von „Ärzte ohne Grenzen“

die Einwohnerinnen und Einwohner keinen ho-

startete das Projekt der Diätologie-Studentinnen

hen Stellenwert, wie etwa in den Industrielän-

Manuela Melchart, Simone Moosheer und Da-

dern. Gegessen wird, um satt zu werden und

niela Matzinger. Ziel war es, eine Broschüre für

keinen Hunger zu leiden.“

eine möglichst breite Bevölkerungsschicht zu

KLARTEXT

erstellen, um auf die Wichtigkeit gesunder Er-

Patzerei in der Küche.

nährung aufmerksam zu machen. „In Lugarawa

nüsse, Kartoffeln etc. – mit den vorhandenen Le-

ist die Versorgung an Eiweiß und anderen Nähr-

bensmitteln probierten sich die Studentinnen als

stoffen sehr mangelhaft. Dies hat eine schlechte

Köchinnen. „Wir versuchten, die traditionellen

Wundheilung und ein allgemein supprimiertes

Speisen zuhause nachzukochen und überlegten

Immunsystem zur Folge“, beschreibt Melchart

uns dann, welche eiweißreiche Zutat dem Ge-

die Situation des afrikanischen Dorfes. Die Stu-

richt eine höhere Nährstoffdichte verleiht“, so

dentinnen trafen sich regelmäßig mit einem

Matzinger. „Unsere Kochaktion hat sehr viel Spaß

Team von „Ärzte ohne Grenzen“ und gewannen

gemacht und artete in einer ziemlichen Patzerei

so Eindrücke über das Dorf. „Leider konnten wir

aus“, fügt die Diätologie-Studentin schmunzelnd

uns nicht selbst ein Bild von der Situation vor

hinzu. Die traditionelle Speise Ugali verfeinerten

Ort machen, obwohl es uns schon sehr reizen

die Studentinnen mit Erdnusspaste, Zimt und

würde, nach Lugarawa zu reisen“, so Moosheer.

Obst. „Erst schmeckte der Brei so, wie er sich

Neues Jahr, neues Glück heißt es ja so viel-

anhört. In der veredelten Form ist er nun richtig

versprechend. Nun, da Rosa 2010 nicht

Essen ohne Stellenwert.

Sojabohnen, Erd-

von Rosa

Anhand der ge-

genießbar und enthält auch mehr Eiweiß, Ener-

unbedingt den besten Run hatte, und mir

wonnenen Basisinformationen über das Dorf

gie und Vitamine“, erklärt Melchart. Acht Seiten

auch der Auftakt 2011 gründlich in Wodka

und seine BewohnerInnen erstellten die Studen-

umfasst das Rezeptheft, eine eigens erstellte

ertränkt wurde, muss ich das Glück wohl

tinnen einen Fragebogen. Ein Team von „Ärzte

Ernährungspyramide und Informationen zu ge-

diesmal mit klarem Kopf in die eigene Hand

ohne Grenzen“ unterstützte die Einheimischen

sunder Ernährung komplettiert die Broschüre,

nehmen. Habe das bereits versucht. Bin

beim Ausfüllen. Matzinger: „Die Antworten ga-

welche im Dorf von „Ärzte ohne Grenzen“ an die

kläglich gescheitert. Am Mann.

ben uns Aufschluss über die Essgewohnheiten

BewohnerInnen verteilt wird.

Dass Rosa einen Hang zu Männern hat, die immer zuallererst ihr Seeleninnerstes he-

und auch darüber, welche Lebensmittel vorhanden sind und genutzt werden.“ Typische

„Wir haben unser Projekt in der FH vorgestellt,

rauskotzen um dann mitleidig, fürsorglich

Gerichte sind etwa Ugali, ein Brei aus Maismehl

viele Leute waren begeistert. Zu sehen, was für

und umtriebigst von mir geheilt zu werden,

und Wasser, gekochtes Gemüse oder Bohnen.

andere getan werden kann, motivierte uns noch

ist eine bekannte Sache. Um diese Sorte

Karies und in Folge schlechte Zähne verurs-

mehr“, resümiert Moosheer.

Mann kümmere ich mich mittlerweile seit ungefähr 17 Jahren, also die Hälfte meiner

acht Zuckerrohr, an welchem die Kinder kauen. Zum Frühstück wird oft Utschi, eine gewässerte

Infos und Spenden: Verein Hilfe für Luga-

Rosa-Zeit. Neu war mir jedoch jene Sorte

Milch, getrunken. Moosheer: „Ernährung hat für

rawa: www.lugarawa.org

Mann, die mich anfangs hüfteschwingend umwarb und ganz zart und heimlich liebkoste, sich dann jedoch aus purer Laune heraus, stillschweigend und eierlos ins Nirvana verzog. „Ich versteh das einfach nicht“, schluchzte und rotzte ich zum bestimmt 1.000 Mal meiner allerliebsten und allergeduldigsten Freundin Rosmarie ins Handy, “Was bitte hab ich getan – oder wahrscheinlich vielmehr nicht getan –, dass dieser Vorarlberger sich einfach nicht mehr meldet, Rosie? Und dabei ist das noch nicht mal mein Typ! Gar nicht!” Da fährt Rosa extra ins Gebirge und was macht dieser Idiot? Von seinem Recht gebrauch, nichts mehr zu tun. Rein gar nichts. An dieser Stelle sei gewarnt: Lieber G. M. und alle anderen die hier noch in diesem Jahr erwähnt werden sollen, merkt euch eines: Mann spielt nicht mit Rosa. Schon gar nicht 2011. Denn 2011 gehört mir ganz alleine. Da müsst ihr euch schon SEHR bemühen, wenn ihr ein Stück davon und Rosa abkriegen wollt.

Die Diätologie-Studentinnen der FH St. Pölten Manuela Melchart, Simone Moosheer und Daniela Matzinger erstellten in Kooperation mit „Ärzte ohne Grenzen“ für Lugarawa eine Ernährungsbroschüre.


SZENE SHORTCUTS

New Media

von Chicken

Ganz

offen: Ich bin begeistert vom Fort-

schritt rundherum. Die ersten Medien, mit denen ich aufwuchs, waren schließlich Kassetten, die sich beizeiten in eine braune Bandsuppe verwandelten (und erst viel später – wow! – CDs). Wir saßen abpassend mit dem Finger auf der Recordtaste da, um vom Radio Ö3 (Privatradios? Häh?)

BURLSEQUE

Spätestens seit Dita von Teese erlebt Burlesque, eine Mischung aus Tanz, Show und Strip-

Lieder aufzunehmen. Die TV-Sender hießen

tease, ein globales Revival. Nun hat die charmante Welle auch St. Pölten erreicht. Am 25.

FS 1 und 2. In Sendepausen sah man da

März wird Cirque Rouge im Café Publik gastieren, mit dabei – eine wahre Meisterin ihres

dann Kurzfilme von spielenden Welpen im

Metiers – Miss Mama Ulita, die den Zauber wie folgt umschreibt: „Für mich ist es einfach

Schnee. (Ich meine – ehrlich jetzt – war das

wundervoll als Mama Ulita in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen, Kostüme mit einge-

leiwand?) Okay, die SAT-Schüssel bescherte

bauten Gimmicks zu entwerfen und mir immer wieder neue Geschichten auszudenken, um

uns mehr Programm. Und auf MTV sah man

meine Showgirl-Träume umzusetzen. Ich kann nur sagen, Burlesque macht nicht nur schön,

auch tatsächlich noch Musik. Musikclips auf

sondern auch glücklich.“ Und schön anzusehen ist es obendrein!

Videokassetten gab es dann im Virgin Megastore zu kaufen. (500 Schilling weg.) Telefonieren ging am Festnetz im Wohnzimmer,

Spanisches Flair Im Kultlokal EGON wird seit

die Eltern daneben. Oder in der öffentlichen

1. Februar spanisch gegessen. Die alte Karte wurde durch

Telefonzelle. Ich schnitt die obligaten Bilder

„Paella“, verschiedenste Tapas u.v.m. ersetzt. Für das

für meine Collagen noch aus Zeitungen aus.

neue Küchen-Konzept zeichnet sich Antonio Farina ver-

Mit der Schere. Erst die Einführung der Free-

antwortlich. Der Zufall hat Lokalinhaber Tezcan Soylu und

cards erleichterte das Leben – kostenlose

ihn zusammengebracht und die Idee einer neuen Küche

Revolution in Form subversiver Bilder an

ward geboren. Was den aus Madrid stammenden Koch

den Wänden im Jugendzimmer. Und apro-

nach St. Pölten bringt? „Die Liebe“, verrät uns Antonio. Wir

pos Jugendzimmer: Wer das FM4-House

haben eine Verkostung gewagt und können die spanische

of Pain nicht verpassen wollte, musste zur

Küche im Egon nur empfehlen!

Und überhaupt – Internet? Gab es. Aber nicht unmittelbar. 1999 dann mein erster E-

Implantierter Tinnitus

Mail-Account, das erste Handy. Und heute

um Ursula Helene K. ist schon etwas ganz Besonderes.

… alle wissen, wie es heute ist. Ich sag ja

Aktuell ist das Album „Tinnitus freust du dich schon“ im

nicht, dass das Web, der sprechende Kater

Handel erhältlich. Die darauf enthaltenen 11 Songs finden

auf meinem Telefon, 15in1-Geräte, digitales

nun nach einer einjährigen Studioarbeit ihren Weg in die

Fernsehen oder weltweit gratis Skypen AL-

Gehörgänge. Ursula K., die ihre Wurzeln in der Rock/Avant-

LES sind… aber missen möchte ich es auch

gardemusik hat, verspricht „rotzig, leicht schizophrene

nicht mehr. Klar ging es früher auch irgend-

Texte mit Tiefgang“, weit weg vom Mainstream. Aktuell

wie. Und dann all die Kehrseiten, sicher. Aber

wird für eine im Frühling stattfindende CD Präsentation in

mehr Spaß macht’s mir doch heute. Ja!

St. Pölten geprobt. www.myspace.com/implantatband – 42 – MFG

Implantat rund

Foto: fotolia, zVg, JustLookPhotography, Harauer

Sendezeit vorm Gerät sitzen. Podcasts?


TEXT: Anne-Sophie Settele Fotos: zvg

SKRILLEX

The Beat Goes On

DJ Tiësto sowie Martin Solveig, aktuell mit der Single „Hello“ vorne in den Ö3-Charts, zählen ebenso zu den Highlights wie Moby. Er ist einer der bedeutendsten Künstler der Dance-Szene überhaupt. Sein Superhit „Why Does My Heart Feel So Bad“ klingt noch heute in den Ohren. Heuer erstmals am Beatpatrol ist auch Skrillex. Das Electro-Wunderkind 2010/11 aus den Vereinigten Staaten macht seit Monaten von sich reden. Beim Beatpatrol Festival feiert er seine Österreich-Premiere. Weiters mit dabei: Mr. Oizo, Steve Aoki, Afrojack, Chuckie, Pleasurekraft, die Lokalmatadoren I Am Cereals etc. Über 100 Künstler werden auch heuer wieder die Landeshauptstadt rocken. Das Festivalspektakel lockt vor allem junge Menschen aus Österreich und dem Ausland. Bürgermeister Matthias Stadler dazu: „Wir wollen eine moderne, junge Landeshauptstadt sein und etwas für junges Publikum bieten, und das über die Stadtgrenzen hinaus.“ Positive Effekte sieht Stadler auch für die Wirtschaft, „denn nicht nur Tausende Besucher aus ganz Österreich, sondern allein die rund 1.000 Beschäftigten während des Festivals sind ein Faktor, ganz abgesehen vom immensen Imagefaktor für die Stadt!“ Beatpatrol goes GreenPatrol.

20 junge enga-

gierte Menschen trafen sich am 4. Februar zum ersten Meeting des Teams der Green Patrol, um gemeinsam zum Thema grüneres, nachhaltigeres Festivalmanagement zu diskutieren und sich aktiv einzubringen: Der

Bereits zum dritten Mal findet willig zur Mitarbeit beim Beatpatrol entschlossen! heuer das BEATPATROL Festival Es ist eine Innovation im österreichischen Festivalmarkt, powered by Raiffeisenclub von dass Besucher von Anfang an in die Planung eines Fe22. – 24. Juli 2011 am VAZstivals eingebunden werden. „Ich war begeistert von Gelände in St. Pölten statt. Im der offenen Atmosphäre, und dass die Teilnehmer sofort Vorjahr feierten bereits 27.000 mit Ideen herausschossen. Man merkt, dass auch die Besucher. Heuer werden es Jugendlichen das Thema Nachhaltigkeit und Umweltbebei Stars wie TIESTO, Moby, wusstsein interessiert und bereit sind, sich dafür zu enMartin Solveig, Skrillex u.v.m. gagieren“, so Projektleiterin Ruth Riel. noch mehr sein! In die gleiche Kerbe schlägt VAZ Chef René Voak. „Entge-

bunte Haufen aus Studenten und Schülern hat sich frei-

gen vielen skeptischen Stimmen ist es der jungen Generation durchaus wichtig ist, nachhaltiger und grüner zu leben. Der große Input, der von den Jugendlichen kam, war selbst für uns überraschend! Wir freuen uns schon auf die weitere Zusammenarbeit und viele realisierbare Projekte.“ So wird bereits Anfang März mit der Umsetzung der ersten, mit den Jugendlichen gemeinsam entwickelten Projekten begonnen. „Nur so viel vorab: Es wird darum gehen, Besucher schon vor dem Festival dazu zu animieren, sich Gedanken darüber zu machen, wie sie sich am Festival nachhaltig verhalten. Mehr werdet ihr bald sehen“, so Riel. Für die Realisierung der Projekte werden noch Freiwillige gesucht, also wenn Ihr auch etwas beitragen wollt: Join the GreenPatrol@Beatpatrol Festival 2011. Anmeldung und nähere Infos: ruth.riel@nxp.at

– 43 – MFG

MOBY

HARDFACTS

22. – 24. Juli 2011 DATE VAZ St. Pölten, Kelsengasse 9 VENUE www.vaz.at TICKETINFO

Weitere Infos unter www.beatpatrol.at


Auf den Spuren

der Oldies TEXT: Anne-Sophie Settele, Gotthard Gansch, Ruth Riel Fotos: Hermann Rauschmayr, Ruth Riel

Unter jungen Leuten eilt ihnen ein schlechter Ruf voraus: Discos und Bars, in denen sich ältere Semester treffen, um zu tanzen und zu feiern. Wir schickten drei Jungspunde ins Rennen, um sich selbst ein Bild zu machen und dem Geheimnis des Erfolges der berühmt-berüchtigten „Oldiesabende“ auf den Grund zu gehen. – 44 – MFG


MFG SZENE First Stop

risch. Allgemein gefällt Manfred die Atmosphäre im Lokal.

Oldiesabend in der „Pizzeria Hausleitner“, Wilhelmsburg

„Aber Oldies-Abende gehen eh überall gut“, meint er. Geflunkert wird gleich einmal beim Beziehungsstatus. „Wir sind alle

Wenn man Mittwochabends nichtsahnend in der Pizzeria

Single“, behauptet er anfangs verschmitzt. Im Laufe des Ge-

Hausleitner gemütlich ein Abendessen zu sich nimmt, wird

sprächs rückt er aber raus: „Wir zwei sind verheiratet, einer

man Zeuge eines eigenartigen Schauspiels. Sukzessive ste-

ist frisch geschieden.“ Und die Frauen? „Na die haben wir na-

hen immer Leute auf und verschwinden im Keller. Des Rätsels

türlich zuhause gelassen“, lacht er. Sein Freund Christian (40)

Lösung: Es ist OIdies Night. Vom oberen Teil des Lokals führt

stammt aus der Nähe von Wilhelmsburg. Er kommt nur wegen

eine enge Stiege in den Keller hinab und dient sozusagen

der Oldies-Night zum Hausi. Was so Besonderes daran ist?

gleich als Laufsteg, denn kaum betritt man den Raum, wird

„Eigentlich nichts. Es ist seit 20 Jahren dasselbe. Hier weißt

man fürs erste einmal von oben bis unten gemustert.

du einfach, was dich erwartet.“ Tanzen gehe er aber nicht.

Auffallend zu Beginn: Die Männer stehen in der einen Ecke

„Hier kannst nur saufen.“ Bekennender Oldies-Abend-Fan

des Raumes, die Frauen in der anderen. Mit zunehmendem

ist Martin (42) aus Wilhelmsburg: „Ich bin sicher einmal pro

Alkoholkonsum vermischen sich aber langsam die Gruppen

Monat hier, einfach damit ich rauskomme.“ Martin ist Single.

und es wird alsbald getanzt, getanzt und – getanzt. Schlager,

Ein Anziehungspunkt sei selbstverständlich auch das weib-

Oldies, Rock`n`Roll, Klassiker, kurzum alles, was nur irgendwie

liche Geschlecht, bei dem er ab und zu auch Erfolge verbu-

paarweise tanzbar ist, dröhnt aus den Lautsprechern.

chen kann, wie er verrät. Zum ersten Mal ist Walter hier. Der

Gerüchteweise sollen beim Hausi ja schon viele Pärchen

20-jährige besucht prinzipiell selten Lokale: „Am liebsten bin

zueinander gefunden haben. Begonnen hat alles 1973, als

ich bei Freunden eingeladen.“ Er vermisst ein größeres Disko-

der „Hausleitner“ in Wilhelmsburg eröffnete, damals nur

Angebot in der Hauptstadt. „Wohin willst du in St. Pölten noch

als kleine Bar mit Tanzmusik im Keller. Irgendwann kam die

gehen? Ab einem gewissen Alter interessiert dich das LaBoom

Pizzeria dazu. Der Keller hat sich aber als Tanzlokal gehal-

auch nicht mehr!“ Beim „Hausi“ finde er alles, was er zum

ten und öffnet nach wie vor jeden Mittwoch seine Pforten

Fortgehen braucht: „Spaß mit meinen Freunden, gemütliche

zur Oldies Night. Ebensolange ist Kellnerin Christl schon mit

Atmosphäre, gute Musik – und keine Raufereien.“ In die glei-

an Bord. „Die Christl gehört schon zum Inventar!“, heißt es.

che Kerbe schlägt Thomas, der heute seinen 39. Geburtstag

Viele kommen nicht zuletzt wegen ihr sowie aufgrund der fa-

feiert: „Ich mag die Kellnerinnen und das gute Essen.“ Seine

miliären Atmosphäre. So auch Petra, geborene Wilhelmsbur-

Prioritäten liegen eindeutig auf dem Tanzen, jemanden „abzu-

gerin und jetzt wohnhaft in Wien, die mindestens einmal im

schleppen“ interessiere ihn hingegen nicht.

Monat extra aus Wien anreist, um beim Hausi das Tanzbein

Um 2 Uhr morgens machen wir uns wieder auf den Weg und

zu schwingen. „Wenn wir kommen, ist immer ein Platz an der

sind durchwegs begeistert vom Oldies-Abend. Für einen Mitt-

Bar für uns reserviert, und die Getränke stehen bereits da.

woch jedenfalls eine super Location zum Partymachen!

Das macht halt das spezielle Flair aus. Außerdem trifft man hier viele Freunde“, erzählt sie. Und möglicherweise auch sein

Next Stop

Herzblatt. „Viele kommen, wenn sie jung sind, zur Brautschau.

„La Luna” - Tanzbar, St. Pölten

Dann sieht man sie einige Zeit nicht, da sind sie verheiratet, und irgendwann kommen sie wieder, wenn sie geschieden

Wir finden uns Samstagabend um halb zehn Uhr in der Disco

sind“, verrät Christl.

„La Luna“ ein. Sitzplatz finden wir keinen mehr, fast alle Plätze

Gitti, die Chefin des Hauses, zeigt uns eine Gruppe Männer

sind besetzt oder reserviert. Glaubt man der Gerüchteküche,

mittleren Alters: „Die könnt ihr fragen, das sind Stammgäste!“

dann ist das „La Luna“ ein Stammlokal der älteren Semester,

Einer in der Runde ist Manfred (44). Heute sei er nur zufällig

und tatsächlich scheint der Großteil der Gäste jenseits der 40

mit zwei Freunden da, wenn, dann gehe er eher öfters Essen

Jahre zu sein. „Früher waren die Gäste älter, jetzt sind sie ab

zum Hausi. Zu den Oldies-Abenden komme er selten: „Naja,

30 aufwärts. Ich würde sagen 45/50 ist der Schnitt“, so Alex,

ich bin hier alle zwei bis drei Jahre.“ Ob das wirklich stimmt,

der heute Kellner ist. Er arbeitet seit vier Jahren im La Luna.

sei dahingestellt – das Lachen der Freunde scheint verräte-

Die Disco hat Freitag und Samstag ab 21 Uhr geöffnet, im

Foto S.44: Disco-Opa „Pepi“ im La Luna. Foto links: Boris und Franz sind heute nur zufällig bei der Oldies Night im Fliegerbräu. Foto rechts: In der Kellerbar der Pizzeria Hausleitner wird jeden Mittwochabend fleißig getanzt.

– 45 – MFG

Die Spurensucher: Gotthard Gansch, Anne-Sophie Settele (o.), Ruth Riel (u.)


MFG SZENE

Foto li.: Die Tanzbar La Luna ist bei den älteren Semestern sehr beliebt. „Ein Geheimtipp“, meint Wolfgang, der dafür einige Kilometer in Kauf nimmt. Foto re.: Chris Heart heizt jeden 2. Donnerstag im Fliegerbräu den Gästen mit Schlager- und Oldiemusik ein.

Oben: Christl gehört schon zum Inventar vom „Hausi“. Unten: Lokalchefin Brigitte

Winter auch donnerstags, und sie grenzt an das Lokal „Fass-

Woche ein Salsa-Abend“, erzählt Hüseyin. Die Besucher heute

lboden“ an, in dem man gut essen kann. Im Sommer lädt ein

Abend beschreibt er als 25+. Sie kommen zum Tanzen und

Gastgarten zum gemütlichen Verweilen ein. „Die meisten hier

Leute kennenlernen her. Viele sind Stammkunden, wie z. B.

sind Stammgäste“, erklärt Alex. Die Musik ist dem Geschmack

auch Boris und Franz. Dass die beiden just zur Oldies Night

der Gäste angepasst. Oldies, die 70er, die 80er, Fox u. ä. er-

geraten sind, sei Zufall. „Wie ich das bemerkt habe, wollte ich

klingen. Viele Gäste kommen nur zum Tanzen, und weil sie

erst gar nicht reingehen, weil da normalerweise zu viel los ist.

gemütlich beisammensitzen möchten, wie z. B. Fatima (32)

Aber heute geht’s“, so Franz. Man merke aber schon deutlich,

und Christine (18). Sie lieben im La Luna die „gute Atmosphäre

dass heute mehr ältere Leute anwesend sind. „Aber die Musik

und das nette Publikum“, wollen beim Fortgehen nur „Gaudi

gefällt mir.“ Neben ihnen entdecken wir ein älteres Pärchen,

haben und tanzen“. Der älteste Besucher ist Josef „Pepi“. Der

das soeben von der Tanzfläche zurückgekommen ist. Die Frau

82-Jährige nennt sich auch selbst „Disco-Opa“ und überzeugt

erzählt:„Wir kommen speziell zum Oldiesabend. Sonst kann

trotz seines Alters mit feurigem Temperament: „Ich gehe

man ja nirgends tanzen gehen in St. Pölten.“

überall fort – Krems, St. Pölten, jeder kennt mich. Am wich-

Unter den Gästen lernen wir einen Tiroler kennen: Der 50-Jäh-

tigsten ist mir aber gute Tanzmusik, ich will ja schließlich noch

rige Rudi ist beruflich in St. Pölten. Auf das Fliegerbräu wurde

tanzen“, erzählt er und begibt sich sogleich auf die Tanzfläche.

er durch das eigens gebraute Bier aufmerksam. Vom Lokal so-

Nach einer Weile gesellt sich Wolfgang (39) zu uns. Mit einem

wie der Oldiesnight ist er begeistert. „Das Essen ist wahnsin-

Spritzer in der Hand beobachtet er das Geschehen. Er ist heute

nig gut. Es hat sich wirklich ausgezahlt herzuschauen.“ Auch

zum zweiten Mal hier. „Was ich so gehört habe, war das früher

Hans (35) und Kurt (32) genießen ihren „exklusiven Männera-

ja eine tiefe Box, z. B. bist als Mädl reingekommen und sofort

bend“. „Wir wollen Spaß haben und lieben die lockere Atmo-

mit den Augen ausgezogen worden. Aber anscheinend geht’s

sphäre. Nachdem wir aber vergeben sind, ist höchstens die

jetzt aufwärts.“ Er findet das Lokal jedenfalls „einfach leiwand,

Optik der Frauen interessant“, scherzen sie.

weil man hier viele Leute im mittleren Alter trifft.“ Wolfgang

Werner (43) ist mit einer gemischten Gruppe hier. „Ich gehe

kommt aus Gföhl. Nachdem in Krems das „Hanger“ zugemacht

gerne auf Oldiesabende, z. B. auch ins Herrenhaus oder nach

hat, würden jetzt viele aus aus seiner Gegend ins La Luna fah-

Rabelsbach“, erklärt er, und fügt, auf seinen Freund deutend,

ren, „weil hier kennt dich keiner! Das ist ein Geheimtipp. Ich

hinzu: „Wir hatten vor fünf Jahren gleichzeitig eine Scheidung.

bin ein Typ mit Frau, mich muss nicht jeder kennen.“ Single

Nachher war ich oft hier, meistens am Freitag.“ Zum Aufriss

ist Wolfgang also keiner. „Sie weiß, dass ich hier bin. Es ist ge-

sei er heute nicht hier, „ich gehe aber gern tanzen!“

rade nicht so einfach bei uns.“ Während des Gesprächs hält er

Wir plaudern noch eine Weile mit der netten Runde, gegen

Ausschau nach potentiellen Tanzpartnerinnen:„Man muss die

halb eins verlassen wir schließlich das Lokal, womit die Mis-

Frauen aber aktiv ansprechen, sonst wird das nichts!“, meint

sion „Oldies-Tour“ offiziell beendet ist. Eine gewisse Erleichte-

er und macht sich auf den Weg. So wie wir. Hier fühlen wir uns

rung macht sich breit, immerhin sind drei Oldiesabende inner-

doch irgendwie im falschen Revier.

halb einer Woche für uns Jungen doch ein bisschen gar viel.

Last Stop

Unser Fazit. Ob jung oder alt, ob mit oder ohne Alkohol im

Oldiesabend im Fliegerbräu mit Chris Heart, St. Pölten

Blut, man wird schnell von der Stimmung angesteckt. Und auch wenn wir fürs Erste einmal genug von Oldiesabenden

Donnerstag, 23 Uhr. Wir betreten das Fliegerbräu und werden,

haben, so können wir uns durchaus vorstellen, in 20 Jahren

wie in allen Lokalen zuvor, von den Besuchern beäugt. In einer

selbst zu den Stammgästen zu zählen. Vorausgesetzt dass

Ecke finden wir ein kleines Tischerl, der Rest des Lokals ist gut

sich bis dahin der Musikstil für alle Ü40 Richtung Moderne

gefüllt. Kellner Hüseyin meint jedoch: „Sonst ist viel mehr los!“

entwickelt, nur das werden dann auch schon wieder Oldies

Jeden 1. und 3. Donnerstag im Monat gibt es den Oldiesabend

sein. Kurzum: Auch für uns wird es kein Entrinnen geben, und

mit Chris Heart, an dem Schlager und Oldies am Programm

auch wir werden uns in Lokalen herumtreiben, welche die

stehen. Jeden 2. und 4. Donnerstag wird bei der „Dance Night“

Jungen abfällig als „Krampfadernbars“ titulieren. Nur: Die sind

abgetanzt. „Da spielt es dann moderne Musik, z. B. war letzte

besser als ihr Ruf!

– 46 – MFG

Wa


Birgits Welt hautnah, persönlich und exklusiv Die aktuellste Frauen- & Lifestyle Sendung auf HiT FM! Alles was „frau“ schon immer wissen oder sagen wollte. Von Montag bis Freitag mit Birgit Hofbauer über Trends, Lifestyle- und Styling-Tipps oder über die Dinge talken, die Frauen bewegen. Somit sind Sie HiT FM Trend Scout, Style Expertin oder einfach die Stimme der Frauen. Werden auch Sie Teil von Birgits Welt. So einfach geht´s: posten und diskutieren Sie mit auf facebook unter HiT FM Privatradio GmbH Birgits Welt – hautnah, persönlich und exklusiv Montag - Freitag ab 10.30 Uhr auf HiT FM

104,9 Waldviertel

103,3 Mostviertel

100,8 St. Pölten

106,7 Nö-Süd


TEXT: A. Müller, G. Gnasch, A. Settele Fotos: H. Rauschmayr

Die vielen Gesichter des Gasthaus

Seit 117 Jahren besteht das Gasthaus in der Alten Reichsstraße. Als Gasthaus Koll ist es vielen St. Pöltnern ein Begriff, avancierte in den letzten Jahrzehnten zum Kultlokal. Zurzeit sind die Stammkunden und Freunde des gemütlichen Gute-Küche-Garanten allerdings vieles – verwirrt und/oder verärgert, größtenteils aber nicht mehr auf den rustikalen Holzbänken im Koll zu finden. Denn im Jänner hat sich schlagartig einiges verändert… HARD FACTS. Dem Kind seinen Namen gab einst Wirt Leo Koll, der 2009

beiden Kellner, die dem Gasthaus beim Alpenbahnhof viele Jahre und

in Pension ging. Das Lokal wurde daraufhin dem Enkel der ursprüng-

auch noch nach dem Verkauf an Franek die Treue hielten – Alex und

lichen Besitzerin des Hauses verkauft – Dr. Walter Franek übernahm das

Pletti schmissen den Laden. Im Jänner 2011 ging ein Aufschrei durch

Gasthaus und taufte es in AKIWI um. (Bis heute sagt das eigentlich kein

die Gemeinde (und das ist kein Witz), als Alex seinen Weggang vom

Mensch. Der Koll ist der Koll bleibt der Koll.) Neben der entspannten

Gasthaus bekannt gab. Woraufhin sein Kollege freiwillig ebenfalls den

Atmosphäre mit viel Holz in der Hütte, alten Polstern auf den Bänken,

Hut nahm. Zur selben Zeit wurden verstärkt Print- und Online-Inserate

seinen berühmten Blechschildern an allen Wänden und einer deftigen

gesichtet, in denen das Gasthaus zum Verkauf angeboten wurde. Und

Speisekarte zeichnete sich das Lokal zum einen durch den jährlichen

JETZT? Wir sprachen exklusiv mit allen Beteiligten.

„Weihnachtskoll“ aus, einer regelmäßigen Feier am 23.12., veranstaltet von LAMES und in der Ausgehszene der Stadt vor allem bei den vor 1990

AKIWI – Stand der Dinge rund ums Gasthaus.

Geborenen Kult. Zum anderen verließen sich die Stammgäste auf ihre

Wirtschaftskrise und in Sorge vor einer Geldentwertung hatte der gebo-

Im Zuge der

rene St. Pöltener Franek beschlossen, ein eben erhaltenes Erbe gleich zu investieren. Geraten wurde ihm zu Immobilien im 18. Bezirk in Wien. „Ich

Statement einer eingeschworenen Stammgästin

wollte aber ein Investment, wo ich einen Bezug dazu habe“, schildert

„Ich finde, dass der Koll (also Akiwi) seit dem Abgang der Kellner nicht mehr derselbe ist. Ich war letztes Jahr regelmäßig ein- bis zweimal die Woche dort essen, weil das Service, Atmosphäre und Essen passen. Und egal, ob Alex oder Pletti da war, uns wurde meistens ohne zu fragen gleich unser Getränk am Tisch gestellt, die Kellner haben kurz mit einem geplauscht, kurz: Ich war dort wirklich Stammgast und hab mich auch wie einer gefühlt. Jetzt finde ich, dass die Atmosphäre nicht mehr passt. Beim letzten Mal war immer die gleiche Musik viel zu laut aufgedreht, eine neue junge Kellnerin in hohen Stiefeln und Riesen-Creolen stand tanzend hinter der Bar, usw. Ich weiß, man sollte dem "Neuen" eine Chance geben, aber momentan bin ich einfach noch nicht bereit dazu.“

Franek seine Beweggründe für den Kauf des Gasthauses 2009. Das Lokal war bereits von 1932 bis 1998, also über sechs Jahrzehnte, im Familienbesitz gewesen, unter anderem hatte es seiner geliebten Großmutter gehört. Somit führt er nun eine Familientradition weiter. Den Grund, warum er das Gasthaus unlängst wieder zum Verkauf ausgeschrieben hat, nennt er wie folgt: „Simplify your life. Einfach zurückschalten.“ Und warum kam es zum Bruch mit den beiden Langzeitkellnern? „Ich möchte zuerst festhalten, dass ich mit Pletti keinerlei Probleme hatte. Er ist ein Idealist. Aber Gäste berichteten mir ungefragt, dass man gegen mich arbeitete, wenn ich nicht im Lokal war.“ Mit Alex hätte es mehrere Vorfälle gegeben. „Die Begründung der Kündigung lautete daher: Die Zeitbombe ist geplatzt“, so Franek. – 48 – MFG


MFG SZENE

DAS KOLL-DREAMTEAM IST GESCHICHTE

Ex-Kellner Alex im Interview. Warum hast du im Jänner nach so vielen Jahren im Gasthaus aufgehört? Ich bin entlassen worden. Von einer Minute auf die andere, ohne Begründung. Franek hat gesagt, er muss es auch nicht begründen. Sicher war das ein Schock, im ersten Moment hab ich ihn auch nicht ernst genommen und wollte den Pletti auch nicht sofort im Stich lassen, es war ja normaler Lokalbetrieb. Franek hat mich dann aber aus dem Lokal verwiesen. Meine Sachen durfte ich mir grad noch holen.

Es muss doch einen Grund gegeben haben? Es war kein Streit oder sonst etwas. Wir hatten nach dem Weihnachtsurlaub am Samstag und Sonntag normal offen, und am Dienstag wurde ich dann entlassen. Daraufhin hat Pletti gesagt, er hört auch auf.

Der Schöpfergeist. Zugleich – einigermaßen verwirrend und widersprüchlich zum Verkaufsangebot – sprüht Franek aber voller Ideen für

Das Ganze ist jetzt erst wenige Wochen her, aber du bist nicht wirklich deprimiert.

das noch junge Baby „akiwi“ (ein Akronym für „Alpenbahn, Kulturbeisl, Ideenkultur, Wohlfühloase, International“). „Ich möchte DAS Kulturzen-

Das Feedback von den Stammgästen (z.B. unzählige FacebookEinträge auf Alex‘ Profil, Anm.) war so enorm, wie soll man da deprimiert sein? Das heißt nicht, dass ich nicht enttäuscht war oder traurig oder schockiert, oder dass es mir wurscht ist, aber was bringt das Hängenbleiben und Rumwühlen in der Vergangenheit?

trum im Westen St. Pöltens werden“, schildert er das Grundkonzept. „Es kommen eine neue Bühne, die dazu gehörende Beleuchtung und elektronische Ausstattung. Es wird auch eine Cinema Veranda geben, die Filmleinwand dazu hab ich schon“, funkeln seine Augen. Die Ideenliste ist lang, neben zwei Gastgärten soll auch ein Kindergarten Platz finden.

Du hast ja auch rasend schnell nach der Kündigung einen neuen Job gefunden…

Er überlegt auch, einen Eislaufplatz zu errichten, ist er doch selbst begeisterter Eistänzer. Weiters könnte Franek sich gut eine Kooperation

Ja, ich bin jetzt im Cinema. Nachdem ich das Lokal von Anfang an kenne, hab ich dort angefragt, und es hat gepasst. Innerhalb von zwei Tagen. Und macht, wie sich schon jetzt herausgestellt hat, eh mehr Spaß.

mit dem Naturhistorischen Museum, oder einen Gesundheitsbereich im Lokal vorstellen. Platz gibt es unter anderem am Dachboden genügend, der nach den Umbauarbeiten flexibel genutzt werden kann. Eine Erfinderwerkstatt soll beispielsweise entstehen, Franek hat auch hier –

Sind Ex-Koll/akiwi-Stammgäste bereits zu dir ins Cinema übergewechselt?

wie für das Lokal selbst – noch zahlreiche Ideen: „Ich habe die Gabe, relevante und lösbare Probleme zu identifizieren. Dann überlege ich

Nein. Ist auch gar nicht möglich, weil es ganz was anderes ist. Ich schätze, die Stammgäste werden entweder versuchen, weiterhin zum Koll-Akiwi-wie auch immer zu gehen, oder sie suchen sich etwas anderes Adäquates – einen Riesentisch, wo acht bis zehn Leute sitzen können, gibt’s im Cinema halt nicht, und auch die Karte unterscheidet sich ja sehr.

mir, wie ich zum gewünschten Ergebnis komme“, begründet er seinen Erfindungsgeist und Ideenreichtum. Um dem Anspruch eines Kulturzentrums zu entsprechen, soll es so neben den geplanten Filmvorführungen auch Livemusik geben. Primär will der Wirt lokalen Künstlern eine Bühne geboten werden. Die Erweiterung der Öffnungszeiten auf eine 7-TageWoche steht ebenso am Programm wie ein Frühstücksangebot ab Sep-

Auf einer anderen Ebene arbeitet Alex übrigens nach der Grinberg Methode in einer Gemeinschaftspraxis in St. Pölten: www. alexander-gasser.com

tember 2011. Kurz gesagt: Es bleibt auch in den nächsten Monaten spannend, wie sich das „Akiwi“ in der Zukunft entwickeln wird. – 49 – MFG


G

N

Money, Money, Mon Promis ProMis ProM Pro Mis bringen 20.000,Mis â‚Ź

Fotos: Michael Zargarinejad, Manfred Baumann und Andreas Tischler


LADYTRON

JOHN CALE & BAND

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DEATH FROM ABOVE 1979

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Wien 102.5 St. Pölten 96.3


Das Leben einer Puppe TEXT: Petra Pfeiffer Fotos: HERMANN RAUSCHMAYR

Die Gedankenwelt einer Puppe ist Inhalt des Musikvideos zu Galaxy, der Singleauskoppelung des neuen I Am Cereals-Albums. Hinter der aufwendigen Stop-Motion Animation stecken Mike Kren und Mirjam Baker. Zwei Künstler, die in ihrer jungen Karriere bereits internationale Erfolge feierten.

Gerald

Huber und Daniel Letschka wurden durch die Medien auf Mike

Wunsch war es, mit Mike und Mirjam zusammenzuarbeiten. Wir hatten

Kren und Mirjam Baker aufmerksam. Die beiden Absolventen der Fach-

Glück, dass die beiden für ein neues Projekt offen waren“, so Letschka,

hochschule St. Pölten gewannen im Vorjahr mehrere nationale und inter-

Schlagzeuger von I Am Cereals. Anfang Juli 2010 begann das Duo am Ga-

nationale Preise mit zwei Musikvideos zu Songs von Zoot Women. „Unser

laxy-Video zu arbeiten, in Kürze wollen sie das Werk präsentieren – freie Tage gab es dazwischen kaum.

Web 2.0 Band Ende Jänner 2011 erschien „Galaxy“, das neue Album von I Am Cereals. Die niederösterreichischen Musiker überzeugen mit textlicher Tiefe sowie anspruchsvollen Pop- und Dance-Elementen. „Wir sind eine Web 2.0 Band“, so Ben Martin. Gearbeitet wird im Schichtbetrieb – künstlerisch und personell, aber immer miteinander verbunden. Meist beginnen Ben Martin, Daniel Letschka und Gerald Huber mit der ersten Runde, bei einigen Songs ist auch Felix Teiretzbacher am Entstehungsprozess beteiligt. Sie bauen das Fundament und stecken den Kurs ab, ehe Marcus Hufnagl und Christoph Richter dazustoßen und weiter modellieren. Der Großteil des Albums ist live eingespielt, nur wenig ist programmiert. Sounds und Melodien entstehen dabei oft zufällig und ergeben am Ende, zwölf Songs später, einen kunstvollen Popplaneten. „Wir haben unsere musikalische Vision auf den Punkt gebracht“, so Martin. Die galaktische Reise handelt von Individualismus, Alltag oder Liebe. „Je nach Tagesverfassung“ der Bandmitglieder varrieren auch deren persönliche Favoriten des Albums. Der Song „My Reality“ ist bei allen irgendwie die geheime Nummer eins und „geht immer“. Das Coverlayout, entworfen von Marcus Hufnagl, bringt „Galaxy“ auf den Punkt. „Ein bisschen galaktisch, ein bisschen Barock, hell und einfach anders“, so Hufnagl.

Dialog im Park.

Das Konzept zum Galaxy-Video enstand innerhalb

eines Monats. Das Grundgerüst der Geschichte hatten Mirjam und Mike innerhalb weniger Tage im Kopf. „Wir hörten das Lied sehr oft, schrieben Texte heraus, um so auf die Essenz des Liedes zu stoßen“, erklärt Kren die Vorgehensweise. Danach folgten Änderungen, Freunden wurde die erste Version vorgelegt, aber grundsätzlich gilt: „Das Konzept ensteht im Dialog zwischen uns beiden“, so Baker. In Parks und Kaffeehäusern haben die beiden viel Zeit verbracht. Orte, an denen beide gut denken und reden können. Kren: „Unsere Zusammenarbeit funktioniert sehr gut, wir sprechen alles an und haben sehr ähnliche Ansprüche.“

Klein Kinski.

Eine animierte Puppe ist Hauptcharakter des Musikvi-

deos. Mike und Mirjam erstellten die Figur in akribischer Kleinstarbeit. Eine unbeabsichtigte Ähnlichkeit mit Klaus Kinski war Auslöser für die Namensgebung. Klaus besteht aus einem plastilin-ähnlichen Material. Erst wurden die Prototypen der einzelnen Extremitäten geformt, in zweiteiligen Gipsformen das Skelett der Puppe aus Metallteilen mit Kugelgelenken hinzugefügt. Schließlich wurden die Formen mit flüssigem LatexSchaum aufgefüllt, der nach einer Backzeit von mehreren Stunden fest

I Am Cereals in St. Pölten

und elastisch wurde. „Das richtige Mischverhältnis dieses Schaumes zu

2. April 2011: Freiraum; 22. Juli 2011: Beatpatrol Festival, VAZ Weitere Infos und Konzerttermine: www.iamcereals.com

erhalten ist eine Wissenschaft für sich. Es gibt dazu keine Dokumentationen“, so Baker. – 52 – MFG


MFG SZENE

Handwerkskunst. Das Video zeigt zu Beginn einen leeren, herunter-

Bundesministerium erhalten, mit medientechnischen Jobs kommen sie

gekommenen Raum. Es handelt sich um die Gedankenwelt von Klaus, der

über die Runden. „Wir sehen es als Startkapital, wir investieren in uns

er nicht entkommen kann. Erst am Ende gelingt ihm der erlösende Aus-

selber, niemand zwingt uns zu dem, was wir tun. Und: Wir führen einen

bruch. Der Raum, in dem sich Klaus befindet, ähnelt einem Puppenhaus

asketischen Lebensstil“, fügt Kren schmunzelnd hinzu.

und ist das Set, welches Mike und Mirjam bauten. Um zum Beispiel die Struktur und Farbe einer alten, vergammelten Tapete zu erhalten, gossen die beiden Kaffee auf Papier und erhofften durch Trocknen den gewünschten Effekt, ehe sie mit dem Drucker eine für sich noch bessere Lösung entdeckten. Ähnlich aufwendig wie die Tapete enstanden Bett, Kasten, Heizkörper oder die Lichtschalter des Raumes – alles eigenhändig modelliert und geformt. „Die Band war sehr geduldig und hat uns den Rücken freigehalten, was uns sehr geholfen hat“, erinnert sich Kren. I Am Cereals über das Video nach der Zwischenpräsentation: „Die unglaubliche Detailverliebtheit hat uns immer wieder in Staunen versetzt. Die beiden haben damit etwas ganz Großes geschaffen.“ In einer Stop-Motion Animation wurde Klaus in seiner Gedankenwelt schließlich zum Leben erweckt. Diese Animationsform entsteht durch Einzelbildaufnahmen von Objekten, welche verschoben oder verändert werden. Beim Abspielen in Normalgeschwindigkeit werden so Bewegungsabläufe suggeriert. Für die Aufnahmen erhielt das Team von Nikon eine Spiegelreflexkamera gesponsert. Um die Bewegungen von Klaus möglichst lebendig und realisitsch zu gestalten, hat das Duo einen Tänzer organisiert. Anhand dessen Körpersprache wurde die Puppe animiert.

Asketischer Lebensstil.

Für das Musikvideo erhielten Kren und

Mike Kren, geboren am 22.4.1981, kommt aus Wien. Mirjam Baker, geboren am 7.7.1985, kommt aus Mank und lebt seit

Baker ein Grundkapital von I Am Cereals, die Finanzierung stellt jedoch generell ein Problem dar. „Die Musikwelt ist im Umbruch, die Gelder sind

2004 in Wien. Infos unter: www.cinemabochen.com

knapp“, so Kren. Für dieses Projekt haben die beiden eine Förderung vom – 53 – MFG


9 mm daneben sind keine Kleinigkeit!

PROFIWERKZEUG UND ZUBEHÖR ATC Metallwelt | Mostviertelstraße 5 | 3100 St. Pölten | Tel.: 02742/252 941 | www.metallwelt.at

Alles andere ist Spielzeug.

Regionalfernsehen für den Zentralraum von NÖ

www.p3tv.at


Frühlingsgefühle kommen auf, vor allem wenn man an die kommenden Termine im März im Warehouse denkt.

11. MÄRZ BEATPATROL

PRES. DIM MAK NEW TALENTS

Wetter hin oder her, heiß geht’s bereits am 11. März her, wenn die „DIM MAK New Talents“ á la Felix Cartal, Mustard Pimp und The Scanners ins Warehouse St. Pölten kommen. ViermalVier hosted den 2ten Floor und lässt niemand Geringeren als Megablast, der seit Jahren gemeinsam mit Makossa auf dem bekannten G-Stone Label released, aufspielen! Be there to get hot!

12. MÄRZ CITY OF BASS

In bester Laune sieht man sich gleich am nächsten Tag bei CITY OF BASS wieder. Diesmal gibt’s auch einen weiteren Grund ausgelassen zu feiern, denn alle Jahre wieder f ndet der Weasel & Friends Birthday Bash statt – und zahlreiche Acts sind der Einladung gefolgt.

18. MÄRZ BOARDERLINE –

THE SURF AND SNOW EXPERIENCE

Wenn die Snowboards gegen Surfboards getauscht werden, rufen Mellowmove Surfcamps und 1760Ghettobrothers zum Boarderline auf! Neben der passenden Musik gibt’s bei freiem Eintritt auch noch die Chance einen 1-wöchigen Surfaufenthalt am Mellowmove Surfcamp in Portugal zu gewinnen.

25. MÄRZ VIERMALVIER IST ZWEI!

Superf u, ein ProduZwei Jahre und zwei Floors – dazu noch Superfl nicht mehr wegSzene der aus welches Duo, DJ und zentenzudenken ist, sowie Felice und zahlreiche mehr…. ergibt am Ende doch wieder ViermalVier!

IST ZWEI n warehouse st.pölte

25.03.2011


MFG SPORT

San Siro Vom Sportplatz Pottschach ins

Jahrelang war Lukas Spendlhofers überragendes Talent in der Akademie St. Pölten zu beobachten. Einem österreichischen Bundesligisten ist er nicht aufgefallen. Im Nachhinein nicht schlecht, denn jetzt hat der 17-Jährige, der seine Karriere beim SV SF Pottschach begann, bei Inter Mailand einen Vertrag bis 2015.

TEXT: Thomas Schöpf Foto: ZVG

Über 100 Österreicher kicken in ausländischen Profi-Ligen. Alleine 16

San Siro-Stadion stattgefunden hat.“ Am nettesten ist Goalgetter Samuel

in der Deutschen Bundesliga. So viele wie nie zuvor. Aber nicht nur

Eto’o. „Der kommt jedes Mal her, und fragt, ob alles in Ordnung ist“,

g’standene Kicker wandern ab, sondern immer mehr Junge. In der U19-

schildert Spendlhofer, „der Spaßvogel in der Mannschaft ist eigentlich

Auswahl des FC Bayern München stehen aktuell mit Kevin Friesenbich-

Marco Materazzi, auch wenn man es nicht glauben würde. Der heimliche

ler, Dominik Traunmüller, Dominik Burusic und Ylli Sallahi gleich vier

Chef neben Kapitän Javier Zanetti ist Maicon.“

Österreicher, in der U17 mit Alessandro Schöpf und Christian Derflinger

Mit dem 18-jährigen Wiener Christoph Knasmüllner, der ebenfalls im

zwei weitere. Als Arsenals Mastermind Arsene Wenger im Zuge der EM

Jänner um 500.000 Euro Ablöse vom Bayern-Nachwuchs zu Inter wech-

2008 gefragt wurde, ob er sich in naher Zukunft einen Österreicher bei

selte, teilt Spendlhofer ein Zimmer: „Aufgenommen haben mich aber alle

seinen „Gunners“ vorstellen könne, meinte er: „Keinen, der länger bei

Leute super. Die Unterkunft ist gut und das italienische Essen schmeckt

euch in der Bundesliga gespielt hat, der kann sich an unser Tempo nicht

köstlich.“ Das einzige, was in den ersten Wochen nicht geklappt hat, war

mehr gewöhnen. Es müsste ein Talent aus dem Nachwuchs sein, das

ein Spieleinsatz. Das lag aber keineswegs an Spendlhofer, sondern da-

man noch formen kann.“

ran, dass im Zuge eines neu installierten Jugendschutzprogramms des

Genau deswegen holen internationale Top-Klubs lieber unsere Teenager.

Fußball-Weltverbands FIFA erst einige Dinge (wie zum Beispiel, ob er re-

Wie Champions-League-Gewinner Inter Mailand den 17-jährigen Lukas

gelmäßig zur Schule gegangen ist) überprüft werden mussten.

Spendlhofer aus der Akademie St. Pölten. Die Italiener wussten, dass der Neunkirchner als Verteidiger (!) bester Torschütze in der bundesweiten

Auch Mädchen dürfen nun auf eine Akademie. Wie Lukas Spendlho-

U19-Meisterschaft ist und beobachteten ihn beim U18-Länderspiel Ös-

fer bekommen künftig auch Mädchen die Chance von St. Pölten aus die

terreichs in der Schweiz (2:2). Da erzielte er nicht nur ein Tor, sondern

große Fußballwelt zu erobern. In das bereits bestehende Sportleistungs-

glänzte gleich auf drei verschiedenen Positionen. „Inters Chef-Scout

zentrum wurde nun das „nationale Zentrum für Frauenfußball“ des Ös-

war da und hat Lukas sofort unter Vertrag neh-

terreichischen Fußball Bundes ÖFB integriert,

men wollen“, erzählt Spendlhofers Manager Otto

das ab der Saison 2011/12 Mädchen von 14 bis

Hauptmann. Nachsatz: „Wen soll er als Chef

19 Jahren ausbildet. Die Fußballerinnen können

auch noch lang fragen.“ Lukas bekam noch et-

zwischen einem Bundesoberstufen-Realgymna-

was Bedenkzeit, wog Für und Wider mit der Fa-

sium und einer Handelsschule wählen. Unterge-

milie ab - und Hauptmann handelte schließlich

bracht sind sie im Bundesschülerheim St. Pölten

im Jänner einen Vertrag über viereinhalb Jahre

in der Bimbo Binder Promenade. Als sportlicher

für seinen Schützling aus. „Wichtig ist jetzt, dass

Leiter agiert Dominik Thalhammer, der einst

er sich schnell anpasst, die Sprache lernt und

bei der Admira unter anderem Marc Janko und

die Mentalität der Italiener verinnerlicht“, sagt

Jimmy Hoffer raus brachte. ÖFB-Sportdirektor

Hauptmann. Derzeit macht Spendlhofer das im

Willi Ruttensteiner sagt: „Es hat früher unglaub-

„Primavera“-Team von Inter, das in einer Art U19-

lich weh getan, einem 14-jährigen Mädchen

Liga um den Meistertitel spielt. „Die Liga ist ver-

sagen zu müssen, dass wir in Österreich keine

gleichbar mit unserer Regionalliga“, meint Haupt-

weitere Ausbildung mit internationalen Ansprü-

mann. In Inters Primavera sind nicht weniger als

chen haben. Das ist nun vorbei.“ Die Kosten pro

16 Nachwuchs-Nationalspieler, darunter acht

Schuljahr belaufen sich für die Eltern auf 3.100

italienische.

Euro. Der tatsächliche Wert beträgt rund 8.000

Für Spendlhofer selbst waren bislang die Trai-

Euro. Für die Differenz kommt der ÖFB auf. Rund

nings mit Wesley Sneijder und Co. die Highlights:

350 Damen-Teams nehmen derzeit in Österreich

„Vor allem die erste gemeinsame Einheit, die im

an einem geregelten Meisterschaftsbetrieb teil. – 56 – MFG


CD OUT NOW

SAT 02.04. LASERTRON St. Pölten, 22 Uhr

TICKETS im VAZ St. Pölten, 02742/71400, www.vaz.at, in allen Geschäftsstellen von Ö-Ticket, www.oeticket.com und in allen Sparkassen (Erm. für Spark7-Mitglieder)

Infos unter www.lasertron.at

17.06.11

VAZ ST. PÖLTEN TICKETS im VAZ St. Pölten, 02742/71400, www.vaz.at; in allen Geschäftsstellen von Ö-Ticket, www.oeticket.com


www.mbike.at

Über Stock und Stein Mit zehn Jahren bekam er sein lange ersehntes

Radsportangelegenheiten zuständig. Das Rad

schließlich hat er als Profi-Radfahrer nicht nur

Rennrad, 1981 begann Stocher professionell

hat er aber dennoch nicht an den Nagel ge-

ein Bike im Schlepptau.

Rad zu fahren – mit Erfolg! Fünfmal war er

hängt, sondern fährt in seiner Freizeit fleißig

Teilnehmer bei Olympischen Spielen, gewann

weiter. Neben dem normalen Radeln mit dem

Zurück in Niederösterreich. „Ich komme

sechs WM-Medaillen, wurde 2003 Bahnwelt-

Rennrad auf der Straße ist er auch viel mit

aus dem Wienerwald, aus Pressbaum, daher

meister und feierte viele weitere Erfolge bei

dem Mountainbike unterwegs. Dabei faszi-

bin ich dort am meisten unterwegs und das ist,

Europameisterschaften, Weltcup-Rennen usw.

niert ihn die Nähe zur Natur, „das Puristische“,

wenn man das so sagen möchte, mein Lieb-

Zu seinem Steckenpferd zählten die Bahnren-

schwärmt er. „Beim Mountainbiken hat man

lingsgebiet“, erzählt Stocher. „Hier gibt’s tolle

nen, nichts desto trotz gewann er 1994 auf

einen größeren Aktionsradius als z.B. beim Lau-

Möglichkeiten für beide Arten des Radfahrens,

der Straße die Strecke Wien-Gresten-Wien, das

fen. Es macht einfach mehr Spaß!“ Angebot da-

also sowohl zum Mountainbiken als auch auf

seither keinem Österreicher mehr gelungen ist.

für findet er genug: „Es gibt tausende Kilometer

der Straße.“ Der Wienerwald sei aber vor allem

„Ich habe in meinem Leben 500.000 km mit

beschilderte Strecken in Niederösterreich, viele

für seine Mountainbike-Strecken berühmt. Eine

dem Rad zurückgelegt“, erzählt der Sportler.

davon sind betreute Wege mit Labstationen.“

Tour dauert ca. ein bis zwei Stunden. „Früher

2005 beendete er dann seine professionelle

Niederösterreich ist mit seinen Mountainbike-

bin ich 30.000 km pro Jahr gefahren. Das ging

Radkarriere. „Altersbedingt“, erklärt er. „Lei-

Strecken diesbezüglich sicher Vorreiter, meint

von einem Ruhetag bis neun Stunden pro Tag,

stungssportler haben ein Ablaufdatum. Ich war

Stocher, der sich auf dem Gebiet bestens aus-

solange halt ein Arbeitstag dauert.“ Obwohl

damals 36. Das ist so in etwa das Alter, wo du

kennt. Nicht nur in Niederösterreich findet

er ein erfahrener Mountainbiker ist, nimmt er

als professioneller Radsportler aufhörst, weil

er tolle Wege, auch bundesweit hat er schon

auch gerne die MTB-Karten aus den Regionen

es nicht mehr geht. Außerdem war es Zeit für

viele Routen ausprobiert, ja sogar internatio-

Niederösterreichs zur Hand. „Die sind sehr gut,

mich etwas Neues zu beginnen.“

nal kennt er sich gut aus. So bereiste er bereits

vor allem gibt’s aber auch interaktive Karten im

Heute ist Stocher 41 Jahre alt und bei der Nie-

Inseln im Mittelmeer, Südafrika, Australien,

Internet. Da kann man sich dann die Daten aufs

derösterreichischen Landesregierung u.a. für

Neuseeland oder Südamerika mit seinen Bikes,

Navi laden. Die Strecken rund um dein zuhause

– 58 – MFG

Foto: weinfranz.at/ARGE MTB Niederösterreich, Leo Himsl/ARGE MTB Niederösterreich

Biker aufgepasst! Der Frühling steht vor der Tür – Zeit die Räder zu satteln. Wer mit seinem Bike gerne in der Natur „herumcruist“ und über Stock und Stein fahren will, der sollte sich ein Mountainbike zulegen und mit den neuen Karten der ARGE Mountainbike Niederösterreich die 5.700 Kilometer pures Mountainbike-Vergnügen im größten Bundesland Österreichs erkunden, so wie der begeisterte Mountainbiker und ehemalige Radprofi Franz Stocher.


MFG ADVERTORIAL

reiche Tour beginnt in Gmünd und durchquert

möchtest, sind sie wirklich sehr hilfreich“,

in drei Etappen auf manchmal sehr einsamen

meint Stocher.

Wegen das ursprüngliche Waldviertel via Groß

Mountainbiken für alle.

Gerungs und Bärnkopf/Gutenbrunn. Gegen Seit mehr als

Ende fällt der Granit-Trail steil ab und führt bis

10 Jahren baut Niederösterreich sein Moun-

nach Persenbeug an die Donau. Sanfte Hügel

tainbikenetz weiter aus. Inzwischen verfügt

und schier endlos scheinende Wälder prägen

das weite Land um Wien über 5.700 Kilometer

diese Einsteigerstrecke der Alpentour, die mit

einheitlich beschilderter Routen – und damit

ihren gemütlichen Etappenlängen und der lo-

über das umfangreichste Netz aller österrei-

ckeren Streckenführung auch unter Genuss-

chischen Bundesländer. Vier engagierte nie-

bikern für Freude sorgt. Unterwegs gibt es

derösterreichische Regionen haben sich mit

riesige Wackelsteine aus Granit zu bestaunen.

ihrem Mountainbike-Angebot zusammengetan und bilden gemeinsam das weite Mountain-

NEUE STRECKEN IM MOSTVIERTEL. Die Ge-

bike-Land Niederösterreich: das Mostviertel,

meinde Rabenstein im Pielachtal präsentiert

das Waldviertel, die Region Wiener Alpen in

zwei neue Mountainbike-Strecken: Die Geis-

Niederösterreich sowie der Wienerwald. Ge-

bühel-Strecke führt auf eine der markanten

meinsam führt ihr Mountainbike-Netz von den

Erhebungen des Pielachtales, den Geisbühel,

sanften Wäldern und Hügeln des Wienerwalds

der dem Namen Dirndltal mit seinen zahl-

über die imposanten Zweitausender in der

reichen Dirndlsträuchern alle Ehre macht. Die

Region Wiener Alpen in Niederösterreich und

Kaiserkogel-Strecke

reicht von den geschichtsreichen Tälern des

nun auch von der Pielachtaler Seite den Kai-

alpinen Mostviertels bis in die urwüchsigen

serkogel mit seiner gemütlichen Hütte, von wo

Granitlandschaften des Waldviertels. Alle 264

man einen herrlichen Blick ins Umland hat. Sie

Routen sind nach Sport-Med Fitness-Stufen

vernetzt sich ideal mit den umliegenden Stre-

kategorisiert und einheitlich beschildert.

cken. Die neuen Strecken sowie viele weitere

An dieser Stelle kann man natürlich nicht alle

sind in der fünften Auflage der brandneuen

MTB-Strecken in Niederösterreich - von den

Karte „Mountainbike Mostviertel“ zu finden.

eher leichten Family- über die Fun- bis hin zu

Für die detaillierte Lektüre und Vertiefung in

den anspruchsvollen Power-Strecken ist so-

das gesamte Streckenangebot NÖ‘s empfeh-

wohl für den Einsteiger als auch für den Profi

len sich eben die vier Mountainbike-Karten der

etwas dabei - vorstellen. Daher wollen wir ex-

Regionen. Erhältlich unter www.mbike.at so-

emplarisch zwei Routen herausgreifen.

wie bei den nebenstehenden Infostellen.

wiederum

erschließt

Mountainbike Wiener Alpen

Tschechien Czech Republic Don a

Deutschland Germany

uD

an

ub

Linz

Niederösterreich

e

Slowakei Republic

Wien Slovak

St. Pölten

Salzburg Bregenz

Schweiz Switzerland

Ungarn Hungary

Graz

Italien Italy

in Niederösterreich und Burgenland

Eisenstadt

Innsbruck Klagenfurt

Slowenien Slovenia

Wir beraten Sie gerne! ARGE-MTB NÖ Süd alpin A-2880 Kirchberg am Wechsel, Markt 63 Tel. +43/2641/2460 tourismus@kirchberg-am-wechsel.at Wiener Alpen in Niederösterreich Tourismus GmbH. A-2801 Katzelsdorf, Schlossstraße 1 Tel. +43/2622/78960 info@wieneralpen.at

Niederösterreich und Burgenland

weiterfährst oder etwas Neues ausprobieren

Mountainbike Wiener Alpen in

meter lange und landschaftlich abwechslungs-

Burgenland Tourismus Schloss Esterházy A-7000 Eisenstadt Tel. +43/2682/63384-0 info@burgenland.info

Bild oben: Welterbe Semmeringbahn Strecke

Das Projekt wurde aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung und aus Mitteln des NÖ Wirtschafts- und Tourismusfonds kofinanziert.

Karten – Höhenprofile – Infos

Waldviertler Granit-Trail. Die 153 Kilo-

man im Normalfall keine Karten. Wenn du aber

3. Auflage, Maßstab 1:50 000

kennst du ja meistens sowieso, dafür braucht

www.mbike.at

Kartenmaterial, Infos und Buchung Mountainbike Mostviertel Mostviertel Tourismus, Adalbert-Stifter Str. 4, 3250 Wieselburg Tel. 07416/521 91, Fax 07416/530 87 e-mail: office@most4tel.com, www.mostviertel.info

Mountainbike Waldviertel Destination Waldviertel GmbH, Sparkassenplatz 4, 3910 Zwettl Tel: 02822 54109 0, Fax: 02822 54109 36 email: info@waldviertel.at www.waldviertel.at

Mountainbike Wienerwald Wienerwald Tourismus GmbH, Hauptplatz 11, 3002 Purkersdorf Tel. 02231/62 176-12, Fax 02231/655 10 email: office@wienerwald.info, www.wienerwald.info

Mountainbike Wiener Alpen Wiener Alpen in NÖ GmbH, Schlossstraße 1, 2801 Katzelsdorf Tel. 02622/78 960, Fax 02622/78960-50 e-mail: office@wieneralpen.at, www.wieneralpen.at

MTB Koordinationsbüro Wiener Alpen Foto: weinfranz.at/ARGE MTB Niederösterreich, Leo Himsl/ARGE MTB Niederösterreich

Markt 63, 2880 Kirchberg am Wechsel Tel. 02641/37300, email: info@mbike.at Unter dem Codewort „MFG“ erhalten Sie bei den oben genannten Infosstellen die Mountainbike-Karten um nur EUR 8,- statt EUR 10,-.

Fahrtechnik-Workshops für FahrspaSS & Sicherheit Gut und sicher biken will gelernt sein, wenn es drum geht, heikle Situationen richtig und besonnen zu „umschiffen“. Von April bis September 2011 finden in ganz Niederösterreich zahlreiche Fahrtechnik-Workshops für Mountainbike-Einsteiger und Fortgeschrittene statt. Detailinfos und Anmeldung unter www.mbike.at und den MTB-Destinationen.

– 59 – MFG


Zum Hören

Manshee, mikeSnare, Knolli, DJ Annettehalbestunde, Rob.STP, Gitsche (von links nach rechts)

Beady Eye wurde im Mai 2010 von Liam Gallagher gegründet, nachdem er einen Riesenstreit mit Bruder Noel gehabt und Oasis verlassen hatte. Stilistisch haben sie sich ein wenig von Oasis emanzipiert, wobei noch immer Hintergründe der alten Band zu hören sind. Letztendlich erinnern sie aber mehr an die Beatles. Ein gelungenes Album mit Einflüssen aus den 60s, Country, Britpop und auch dem alternativen Rockgenre.

Daft Punk

Tron Legacy OST Kinder der 80er, volle Tronzentration, bitte. Lightcycles rasen wieder durch digitale Schaltkreise. Jeff Bridges klöppelt seinen eigenen Klon durch den Cyberspace. Ergo? Tron ist zurück. Und macht gewaltig einen auf Hui Wui. Will heißen: Großes Kino. Dafür sorgen die bestechende 3D-Optik und der maßgeschneiderte Soundtrack. Aufgefuchst wie alte Soundtrack-Hasen – mit Orchester im Talon – veredlen Daft Punk die futuristische Bilderflut.

ZUCCHERO

NERO

CHOCABECK

Me and You

Auf seinem wohl persönlichsten Album nimmt Zucchero den Hörer auf eine Zeitreise durch seine Kindheit mit. Das fünfminütige und pompöse „Un Soffio Caldo“ eröffnet den Reigen seines zwölften Studioalbums, das sowohl knackige Pop-Rock-Songs als auch Balladen mit Hang zum Kitsch umfasst. Mit dabei: Iggy Pop und U2-Chef Bono, die beim englischsprachigen Songwriting eingriffen. Und der Rest des Albums: Tutto in italiano!

Zweifellos wird derzeit der elektronische Musikmarkt vom Genre Dubstep aufgemischt, und viele Drum&Bass Producer suchen dort nach Gold. Des Trittbrettfahrens völlig unverdächtig sind aber „Nero“, die sich schon seit Jahren dem Dubstep verpflichtet fühlen und mit dem vorliegenden Track nach „Innocence“ einen erfrischenden, popigen Dubstep Tune rausschießen. Auch der Dirtyphonics Remix auf der B-Seite ist sehr zu empfehlen.

Zum Schauen

Zum Spielen

Manshee, Dali Koljanin

Markus Waldbauer

Steve Lukather

All’s well that ends well Das mittlerweile 6. Solo-Album eines der letzten Guitarheroes unserer Zeit besticht nicht durch fulminantes Sologeschreddere, sondern durch hervorragendes Songwriting. Verspieltheit weicht Tiefgang, was bei dem mehrfachen Grammy Award Gewinner wohl der nächste Schritt in dessen musikalischer Evolution bedeutet. Ein sehr emotionales Album, auf dem der TotoGitarrist einen tiefen Einblick in sein Seelenleben zulässt.

The Jolly Boys

Great Expectation So haben Sie Ihre Lieblingshits noch nie gehört! Jamaika’s dienstälteste Band „The Jolly Boys“ besteht bereits seit den 50er Jahren. Das Durchschnittsalter der Band liegt bei geschmeidigen 78 Jahren und damit lassen sie dann auch die Rolling Stones wie blutige Newcomer aussehen. In der rohen, aber charmanten Sprache des Mento Style machen sie sich an Klassiker wie „Rehab“ oder „Ring of Fire“.

Zum Lesen

H. Fahrngruber, W. Hintermeier

127 Hours

Little Big Planet 2

Ferdinand von Schirach

Der Film erzählt die atemberaubende Geschichte des 26-jährigen Aron Ralston. Im April 2003 fuhr er nach Utah, um in den abgelegenen Canyonlands National Park zu wandern und geriet in ein lebensgefährliches Abenteuer. Nachdem ihm ein Felsbrocken auf den Arm gerollt war, wurde eine abgelegene Schlucht für ihn zur Falle wurde.

Das Jump & Run der besonderen Art feiert mit Little Big Planet 2 sein bombastisches Comeback. Mehr denn je hat der Gamer die Möglichkeit, seine Fantasie in einer schrulligen digitalen Welt umzusetzen und den verschiedensten Objekten Leben einzuhauchen. Neben dem Story-Modus warten viele tausend Online-Welten darauf entdeckt zu werden.

Elf wahre Kriminalfälle in präziser, kurzer Sprache: Ferdinand von Schirach nimmt sich spektakulärer Verbrechen als Verteidiger an. Er beschreibt nüchtern brutale Vergehen, die einem den Atem nehmen. Welche Gedanken gehen Mördern durch den Kopf? Darauf gibt es kaum Antworten, ebenso verzichtet das Buch auf jedes moralische Urteil.

Pirates of the Caribbean 4

Fall Out: New Vegas Namco Bandai

winter-kartoffel-knödel

Captain Jack Sparrow ist wieder zurück auf der Suche nach der ewigen Jugend. Aber nicht nur er, auch sein größter Feind Barbossa will sie besitzen. Dabei stößt Jack auf seine Jugendliebe Angelica. Ist ihre Liebe echt oder will Angelica nur den Schatz haben? Das Abenteuer von Jack Sparrow geht weiter … Diesmal ohne Orlando Bloom und Keira Knightley, dafür sind Penélope Cruz und Keith Richards mit an Bord.

In der nahen Zukunkft muss man den Held der Geschichte durch mehr als 100 verschiedene Ortschaften im Mojave Ödland begleiten und ihm helfen, seinen eigenen Tod zu rächen. Das fesselnde Fantasy Rollenspiel bietet, wie schon der geniale Vorgänger, neben einigen kleinen Macken wie beispielsweise langen Ladezeiten ein spannendes Abenteuer, das dich über 100 Stunden fesseln wird!

Max gab seine Karriere in Wien und seine Beziehung zu einer Designerin auf, als sein Vater sterbenskrank war, und lebt nun in seinem kleinen Heimatdorf ein ruhiges Leben als Totengräber. Als die Schwester seiner ehemaligen Liebe, ein magersüchtiges Model, in Wien unter mysteriösen Umständen Selbstmord begeht, wird sie von Max bestattet. Doch ihr Leichnam verschwindet und Max stürzt sich in lebensgefährliche Ermittlungen.

Danny Boyle

ROB MARSHALL

Media Molecule

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Verbrechen

rita falk

Foto: zVg

BEADY EYE

DifFerent Gear, Still Speeding


HigHLigHt www.vaz.at

mike supancic – traumscHiff supancic

In seinem neuen Program „Traumschiff Supancic“ sticht er im Auftrag einer Billig-Schifffahrtslinie mit der „MS Titanitsch“ in See. Mit an Bord sind zahlreiche Stars, die ihre Gäste betreuen. Doch was wird auf hoher See geschehen? Müssen die Gäste der „Titanitsch“ in der Hand von Piraten die Qualen der Quallen erleiden? Wird Käpt‘n Mike die Meuterei auf dem „Braunen Deck“ niederschlagen können? Und beginnt mit der „Wasserleich vom Schwarzlteich“ der Untergang?

28. apriL 2011

bis 26. 03. DRUCKGRAFISCH Die erste Ausstellung dieses Jahres im KUNST:WERK, im St. Pöltner Löwenhof ist traditionell einer künstlerischen Technik gewidmet. Diesmal ist es Druckgrafik. Mitglieder und Gäste des St. Pöltner Künstlerbundes zeigen Beispiele klassischer Druckgrafik: Holz-/Linolschnitt, Radierung, Lithographie und Siebdruck, bis zu Abklatsch, Monotypien, Mischtechniken uvm.

Der „11th Guinness Celtic Spring Caravan” zieht durch die Lande, und hat diesmal Künstler aus Irland, Schottland und England an Bord. Großartige keltische Musik hält mit einem Doppelkonzert Einzug ins Cinema Paradiso: „The Long Notes“ und das „Tim Edey Collective“ zaubern diesmal Folkmusik ins Beislkino. Grüne Tanzhose anziehen und abfeiern!

50.000 Besucher Jahr für Jahr können einfach nicht irren – die WISA St. Pölten ist der größte Impulsgeber für die heimische Wirtschaft. Mehr als 450 Aussteller präsentieren auf 65.000 m2 ihre Neuheiten. Also nichts wie hinein ins WISAMessegeschehen! Die Messe ist täglich von 9:00 bis 18:00 Uhr, Vergnügungspark & Showzelte bis 2:00 Uhr geöffnet.

08.-10.04. LITERATUR & WEIN Heuer wird zum dreizehnten Mal die bewährte Cuvée aus hochklassiger Literatur, erlesenen Weinen und kongenialer Musik, kurz „Literatur & Wein“ kredenzt. Musikalisch wird das Festival u. a. von „Dauerbrenner“ Roland Neuwirth (mit den legendären Extremschrammeln) sowie der Wiener Tschuschenkapelle bestritten. Programmablauf & Karten unter www.literaturundwein.at

aussteLLung

kOnZert

messe

festivaL

13.03.

GH KOLL KUNST:WERK

UGH BOOTS

09. 03.

19 03.

CELTIC SPRING

CINEMA PARADISO

Freut euch auf ein Clubbing mit italienischem Dolce Vita in der Autoschmiede von Rennlegenden, denn der „Seniorenfloor“ steht diesmal unter dem Motto „ITALIEN - Targa Florio“. Mit dabei: DJ Chris, DJ Manshee, DJ SIMS, DJ Zotti und Gast DJ Thomas. KartenVVK in den Sparkassen-Filialen, bei Zweirad Hentschl und bei Mercedes Wiesenthal.

kOnZert

party

27.04-07.05. DONAUFESTIVAL

Der Journalist und Grasser-Skandalaufdecker Florian Klenk liest aus seinem aktuellen Buch „Früher war hier das Ende der Welt“. Durch seine akribische Arbeit hat er den BUWOG-Skandal aufgerollt und die brisanten Telefonate an die Öffentlichkeit gebracht. Klenk wurde mit dem Kurt-Vorhofer-, Claus-Gattererund dem Concordia-Preis für Menschenrechte ausgezeichnet.

Das internationale Festival bewegt sich in Bereichen zeitgenössischer Kunstformen von Performance bis Klangkunst, von neuen Theaterformen bis Medienkunst, von Experiment bis Pop. Die 7. Ausgabe hat „Nodes, Roots & Shoots (Knoten, Wurzeln Und Triebe)“ zum Thema und findet von 28. April bis 07. Mai in Krems a.d. Donau statt.

Lesung

festivaL

CINEMA PARADISO

VAZ

LITERATURHAUS KREMS

MERCEDES WIESENTHAL

FLORIAN KLENK

23. 03.

WISA

SENIORENFLOOR

Die austro-australischen Bluesrocker ughBoots – Namensvetter der australischen Schafwollstiefel – ziehen nun schon seit fast 10 Jahren durch die Lande. Einflüsse von Blues und Hardrock über Jazz bis Klassik sorgen für eine vielfältig bunte Palette an Songs. Mitunter schleicht sich die eine oder andere Coverversion ins Live Programm. Don’t miss it! GHEGON KOLL

07.-10.04

28. 04. 11 VAZ ST. PÖLTEN, 20 Uhr

TICKETS im VAZ St. Pölten, www.vaz.at, ticket@nxp.at, 02742 / 71400 - 100, in allen Raiffeisenbanken und bei Ö-Ticket, www.oeticket.com, 01 / 96 0 96

KREMS

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MFG - Das Magazin / Ausgabe 37  

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