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BIKE BIZ

REVOLUTION

3. SEPTEMBER 2019

CONFERENCE FOR VISIONARIES Die größten Mythen

BIKE AS A SERVICE

Die Erfolgsgeschichte von Swapfiets basiert auf einer Neubewertung der Kundenbedürfnisse und auf einer effizienten, digitalen Infrastruktur. Das Fahrrad ist ein emotionales Thema. Die neuen Kunden, die Swapfiets entdecken, kommen entweder, weil sie auf Social Media davon gehört haben, oder weil ihnen ein Freund davon erzählte. Die Google-Suche spielt unterdessen nur bei zwei Prozent

der Neukunden eine Rolle. Und das ist nicht überraschend: Die Idee eines Fahrrad-Abos ist neu und danach wird eben nicht gesucht. Teure Aufmerksamkeitskampagnen in TV oder auf Plakaten, machen das Geschäftsmodell kaputt. Das Beispiel Swapfiets zeigt, wie gut Handwerk und Digitalisierung Hand in Hand gehen, auch oder gerade bei einem emotionalen Thema. Das Serviceversprechen von Swapfiets ist, innerhalb von 12 Stunden Ersatz für ein beschädigtes Rad zu beschaffen. Dabei hilft den Niederländern die zentrale App. Hier kann der Abo-Besitzer bequem seinen Servicefall melden und den Fehler beschreiben. Nur einen Tab weiter findet er den nächstgelegenen Service-Partner. Für Swapfiets erlaubt die digitale Übermittlung der Service-Tickets eine effiziente Ablauforganisation. Mitunter werden Aufträge an Werkstätten weiter geleitet, die nicht ausgelastet sind. Was aber noch viel wichtiger ist: Swapfiets sammelt Daten. Daten über die Räder, z. B. welche Teile häufiger kaputt gehen als andere. Das optimiert de Bevorratung mit Teilen und dient als Verhandlungsgrundlage mit den Herstellern. Swapfiets sammelt auch Daten von den Abonnenten. So weiß man, wie sich die Radler in der Stadt bewegen, wer sie sind, und wo es sich lohnt, neue Werkstätten einzurichten. Langfristig sind diese Daten sogar an Dritte vermarktbar. Anonym und streng nach DSGVO versteht sich. Swapfiets ist ein gutes Beispiel, wie die Digitalisierung die Marktbedingungen verändert, denn ist ein Prozess einmal etabliert, lässt er sich skalieren. Das Fahrrad-Abo gibt es inzwischen in 45 Städten, 17 davon in Deutschland.

E-Commerce aber richtig

Thomas Schwerdtner ist der Frage nachgegangen, wie haltbar gängige Klischees eigentlich sind, die in der E-Commerce- und Marketing-Beratung gerne als Allgemeingut behandelt werden. Seine Analyse: 1. Sei auf Amazon Das Wachstum von Amazon geschieht auf dem Marketplace und das sind die Händler. Man füttert also den eigenen Feind. Die optische Präsenz begrenzt sich auf Produkt und Preis. Will man sich so präsentieren? Ortlieb zeigt, dass es auch anders geht. 2. Direktvertrieb Der Kunde muss dort kaufen können, wo er will. Die Digitalisierung eröffnet neue Points of Sale und die muss man nutzen. Das Festhalten an alten Strukturen aus Tradition ist falsch. Handelsvertrieb ergibt dort Sinn, wo ein Mehrwert für Kunden und Hersteller entsteht.

Wer auf Amazon verkauft, macht den Wettbewerber noch stärker

3. Sei disruptiv Der Handel muss wieder zu seinen ureigenen Stärken zurückfinden: der Vorauswahl der Produkte, der individuellen Beratung, des ortsnahen Service und der haptischen Inszenierung. Customer Centricity nennt das die Digitalbranche, und es ist der letzte Schrei.

Connected Bikes

Die digitale Anbindung der Räder und Fahrer an Plattformen und Marken, eröffnet ganz neue Geschäftsfelder und gibt den Herstellern die Chance auf regelmäßigen Kontakt mit den Kunden. Was unterscheidet Tesla von VW? Tesla hat ein Smartphone genommen und vier Räder darunter geschraubt. So ähnlich entwickeln sich gerade auch das Fahrrad und insbesondere das E-Bike. Begonnen hat alles mit digitalen Rad-Tools wie Tacho oder GPS-Navi. Dann kamen die GPS-Diebstahlsicherung und das smarte Fahrradschloss. Inzwischen merkt die Branche, dass sich eher ein großer Umbruch ankündigt, der zahlreiche neue Geschäfts- und Servicemodelle erlaubt.

Schnittstellen für diverse vernetzte Anwendungen, die sich der Hersteller selbst ausdenkt. Außerdem haben die Bewegungsdaten das Rades natürlich auch einen ganz eigenen Wert für die Optimierung des Angebots von Hersteller und Händler. Kressimir Hlede von Greyp Bikes zeigt, wie das in der Praxis aussieht. Sein Unternehmen, dass sich als IT-Company verstanden wissen will, vernetzt Sporträder virtuell über eine Onlineplattform, so dass man virtuelle Rennen gegeinander austragen kann.

„Für einen MechaChristian Anuth von Hatroniker wie mich ist veltec, dem Hersteller von es hart zuzugeben, So sieht Comodule die Zukunft des Bike Biz I LOCK IT erinnert allerdings dass Service wichtiger ist, als das Produkt“, sagt Kristjan Maruste von an die schlechten Erfahrungen, die nicht viele MarComodule. Sein Unternehmen bietet als Zubehör- ken mit ihren eigenen Apps gemacht haben. „Ich lieferant die Digitalisierung fertiger Räder an. Die glaube nicht, dass der Kunde erst Apps starten will, Ikone Gazelle gibt es beispielsweise in der ver- bevor er sein Fahrrad in Betrieb nimmt,“ schmunzelt netzten Form C8 HMB Connect. Darin enthalten sind Anuth. Er drängt dringend auf Standardisierung. neben Diebstahlschutz und Co. eben auch offene

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EUROBIKE 2019 | E-Commerce aber richtig – Connected Bikes  

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