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Dez-Jan-Feb

7,00 € 01-2016 

Dez-Jan-Feb

01-2016 

18457FS1507

EINER GREVENST 1920 UM BRAUEREI

AHOI HAMBURG

ANTON VE LTINS

CARL VELTINS

Hanse-Brauer drehen auf

Das naturtrübe Grevensteiner ist geprägt durch erntefrischen Hopfen sowie historische Malze und zeichnet sich durch einen traditionsreichen Bierstil aus. Zum speziellen Brauverfahren, getreu dem deutschen Reinheitsgebot, gehört eine besondere Würzebereitstellung. Dieses Landbier wird durch seine seidigmatte Bernsteinfarbe und eine weiche Schaumkrone geprägt. Karamellaromen mit einem leichten Unterton nach Honig, gebrannten Mandeln und frisch-fruchtigen Noten dominieren das komplexe Aroma. Das Grevensteiner wirkt sehr spritzig und elegant.

Magazin für Bierkultur

Proost

Eine leichte Röstbittere, gepaart mit nussigen Geschmackseindrücken eröffnet das ausgeprägte Finale, in dem sich ein Aromaeindruck von Sahnekaramellen entfaltet.

In Antwerpen trinkt man Bolleke

OPEN MIND

Im Porträt: Bitburger-Boss Jan Niewodniczanski

Klick

Wie gut sind Online-Biershops?

Meiningers 

KOCH mICH!

Kellerbier zu Frischling-Kotelett

Österreich 7,70 € / Schweiz sfr 12,60 / BeNeLux 8,20 €

Wow! Frauen am Kessel Natalie von Freude braut ihr eigenes Bier


Mehr zu dieser BrauSpezialität unter www.mönchshof.de


Omlors Ansage

Platz für alle Mädels, schön, dass Ihr wieder da seid!

Alles ist online verfügbar. Zu jeder Tageszeit, von jedem Ort. Funktioniert das auch mit Bier? Wir wollten es wissen und haben bei vier der bekanntesten Online-Shops bestellt. Wir haben ganz genau hingeguckt. Das Angebot gecheckt, die Tage gezählt, die Verpackung geprüft. Was dabei herausgekommen ist, lesen Sie ab Seite 72. Vorab: Toll, dieses Web-Shoppen! Frauen und Bier? Oh, ja! Fast unbemerkt sind die Mädels an die Sudkessel zurückgekehrt. Und nicht nur das. Sie gründen eigene Labels, übernehmen die Brauereien ihrer Väter, werden Biersommelière. Für unsere Titelstory haben wir diese Frauen getroffen. In Hamburg sind die Brauer zurück. Fast wie damals, zur Blüte der Hanse, als in bald jedem fünften Haushalt gebraut wurde. Fast. Munter tummeln sich in der Hansestadt heute kleine und große Brauer. Platz genug gibt es für alle. Für das Hamburg-Spezial sind wir in die Szene eingetaucht. Wir wollen neue Standards. Zumindest für unser Magazin. Biermythen und Schräge Biere heißen die neuen Rubriken. Bierpapst Conrad Seidl ist Legenden auf der Spur und widmet sich zum Auftakt dem Reinheitsgebot. Schräge Biere zu finden ist denkbar einfach. Bei der Experimentierfreude! Manches allerdings geht gar nicht. Walhoden im Bier sind ein No-Go. Finden wir. Na, denn Prost! Viel Spaß beim Lesen und Genießen,

Dirk Omlor Chefredakteur Meiningers CRAFT omlor@meininger.de No. 01-2016

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No. 01-2016

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50

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Titel _

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78 Revolution im Königreich

AM Kessel Brauerinnen, Sommelièren, Bier-Enthusiastinnen – Frauen entdecken Bier neu

Markt_Macher _Marken 24

Nah dran: Jan Niewodniczanski Der Bitburger-Chef ist ein Weltenbummler in Sachen Bier

28 Weizen aus Kapstadt Ein Franke braut am Tafelberg

44 50 57

Bier im Stadion

92 97 99

Nordlichter brauen „Sørfers“ und „Sylter Hopfen“

Mit Wasser werben Brauereien setzen auf Qualität

„Etiketten sind Anker“ Designer André Riehle im Gespräch

102 Gelebte Tradition

Renaissance der Rauchbiere

Alles leichter mit Bolleke Belgian Beer in Berlin Bart Neirynck betreibt das „Herman“

66 Im Aufwind

Störtebeker wächst schneller als geplant



Handwerkliche Biere erobern Norwegen

Trip durch Flanderns Hauptstadt

CRAFT-Chefredakteur unterwegs auf Hopfenfeldern, in Brauereien und Bars

70

Bier per Mausklick Online-Shops im Test

So raffiniert ist die Logistik

62 HOP TOur USA

04

18

„Willkommen Greg Koch“ Jeff Maisel im Interview

Spezial _

32 Hamburg

Platz für alle: Die Brauer sind zurück in der Hansestadt

84 Strammer Max

Sterne-Koch Schütz hat Lust aufs Land No. 01-2016


BrauBeviale 2015 10.-12. November Halle 1/1-204

24

92

Standards _ 03 Omlors Ansage 06 Kurz + Knapp 08 Hasenbecks Bierwelt 10 Plus + Minus 12 Nachgefragt

Craftbier: brauchen wir eine Definition?

14 Aufgemacht

Craft Master One 47,3 cl

NEU!

Craft Master Two 47,3 cl

Neue Biere entdecken

16 eingekehrt

Zum Ausgehen schön

91 Hans im glück

Frankens feinste Bieradressen

95

Kiesbyes Bieroskop Mallorca entdeckt Craftbier

104 Craftprobe

Getestet: Die besten Rauchbiere

106 Biermythen 108 Schräge Biere 110 Events & Termine 112 Marktplatz/Impressum 114 Hingucker

Crafted Design for Craft Beer

www.rastal.com No. 01-2016


kurz+knapp

Heiner Hopfen und Martin Malz sind die Helden des Films, der in 5D über die Leinwand des Mini-Kinos im „Brauhaus am Kreuzberg“ flimmert.

Mit allen Sinnen

Nebel und Hitze, Blitz und Regen – im „Brauhaus am Kreuzberg“ im fränkischen Hallerndorf können Brauerei und Brennerei der Familie Winkelmann in fünf Dimensionen erlebt werden. In dem 15-minütigen Streifen, einem Mix aus Real- und Animationsfilm, wackeln die Sitze, nieselt es von der Decke und flitzen die Protagonisten Heiner Hopfen und Martin Malz auf der Leinwand um die Wette. Vollgepackt mit Effekten veranschaulicht der Film, wie Biere und Brände entstehen. Das topmoderne Mini-Kino hat 32 Sitzplätze. Film ab heißt es im Brauhaus am Kreuzberg täglich um 19 Uhr und am Wochenende zusätzlich um 14 Uhr. www.brauhaus-am-kreuzberg.de 06



Das Technoseum in Mannheim zeigt ab Februar 2016 die Sonderausstellung „Bier. Braukunst & 500 Jahre Reinheitsgebot“. Auf einer Fläche von 850 Quadratmetern erfahren die Besucher Historisches und Neues, dürfen sehen, riechen und schmecken und sich von Aha-Effekten rund um das Thema verblüffen lassen. Die Ausstellung widmet sich auch der Kulturgeschichte des Bieres, der Bedeutung von Erfindungen, Ritualen aus der Landwirtschaft, der Lust am Rausch, der Suchtprävention und Themen des verantwortungsvollen Genusses. Last, not least kann der Besucher auf einer Bierbank des Oktoberfestes verweilen oder in einer typischen Kneipe ein Bier genießen. www.technoseum.de

Bier-Ferien

Hotelzimmer mit Zapfhähnen? Die Hotelsuche „trivago“ hat zwölf Hotels in Deutschland recherchiert, die sich auf Bierliebhaber eingestellt haben und von Reisenden mit „sehr gut“ bewertet wurden. So gibt es in diesen Hotels tatsächlich Bierzimmer mit Zapfhähnen, werden Bierverkostungen angeboten, können Bierkenner bei einem „Bierathlon“ ihr Wissen rund um Bier beweisen oder bei Bierkulinarien in Form von mehrgängigen Menüs verschiedene Biersorten testen. www.trivago.de

Für Kopf und Topf Diese Liebeserklärung an die neue Braukultur zeigt, was und wie man mit und zu Bier kochen kann. Stevan Paul hat die Rezepte entwickelt, Torsten Goffin liefert ein gutes Dutzend Geschichten über Brauer und Brauereien in Europa, Amerika und Australien. Beides in Szene setzt die Fotografin Daniela Haug. Wirklich bildschön! „Craft Beer Kochbuch“, Brandstätter Verlag, 240 S., 34,90 Euro.

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Foto: Technoseum

(Foto/Screenshots: Raupach)

Bier im Museum


UNSERE SPEZIALITÄT AUS DER WARSTEINER BRAUAKADEMIE

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kurz+knapp Heilige Kühe Wenn das Reinheitsgebot im nächsten Jahr sein 500-jähriges Bestehen feiert, sind heftige Diskussionen um Sinn und Unsinn des ältesten Lebensmittelgesetzes der Welt vorprogrammiert. Klar: Das Gesetz von 1516 ist keineswegs eine schlechte Sache – aber es verhindert hierzulande die Geschmacksvielfalt beim Bier und blockiert Experimentierfreude sowie Kreativität junger, ehrgeiziger Brauer. Mit dem Dekret von 1516, das beim Bierbrauen nur Wasser, Gerste und Hopfen erlaubt, sollte einst verhindert werden, dass Leute nicht an Beigaben wie Fliegenpilzen, Giftkräutern oder verdorbenem Ochsenblut sterben. Die Hefe indes ist auch heute noch nicht im Gebot geregelt. In den USA gibt es zum Beispiel Biere, deren Hefekulturen in den Vollbärten mutiger Brauer oder in noch extremeren Körperpartien gezüchtet werden. Streng genommen entsprechen auch diese dem Reinheitsgebot, denn nirgendwo ist bislang festgelegt, welche Art von Hefen ins Bier dürfen und welche nicht. Da können selbst die traditionellsten Brauer nur schmunzeln. Solche Kuriositäten zeigen, dass das Reinheitsgebot dringend einer Überarbeitung bedarf. Gerade junge Konsumenten beginnen, sich Dank des vielseitigen Craft-Angebotes wieder mit Bier zu beschäftigen. Dabei geht es nicht unbedingt um Reinheit oder Qualität. Es geht vielmehr um Variations- und Aromenvielfalt, um Experimentierfreude und die Definition neuer Rohstoffe. Die letzten heiligen Kühe eines überholten Regelwerks sollten endlich geschlachtet werden. Wer will, dass sich Menschen wieder für Bier begeistern, der muss auch den gesetzlichen Rahmen dafür schaffen – vielleicht mit einer neuen Craft-Kategorie. Klar ist: Das Reinheitsgebot hat nur dann eine Zukunft, wenn es sich den Wünschen der Verbraucher sowie der Dynamik und dem Veränderungsprozess einer zeitgemäßen Bierkultur anpasst. Mareike Hasenbeck ist Journalistin und betreibt unter anderem den Bierblog www.feinerhopfen.com.

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Braufreude grenzenlos Maisel & Friends und die Stieglbrauerei haben sich für einen bemerkenswerten deutsch-österreichischen Collaboration-Brew zusammengetan. Für das Brauprojekt der beiden Familienbrauereien überquerten Ideen und Rohstoffe die Landesgrenze, zweimal wurde gemeinsam gebraut – einmal in Deutschland, einmal in Österreich. Am Ende des Experiments stehen zwei Biere: „Stiegl Smoked Baltic Porter“ und die „Maisel & Friends Bordeaux Weisse“ (als Neuheit verkostet auf Seite 14/15). Die Edition gibt es im Doppelpack. www.maiselandfriends.com

Jedes dritte Bier von AB Inbev

Für fast 100 Milliarden Euro will der weltgrößte Braukonzern AB Inbev den britischen Konkurrenten SAB Miller kaufen. Damit würde ein Braugigant neuer Dimension entstehen, von dem fortan jedes dritte auf der Welt konsumierte Bier stammen würde. AB Inbev plant, 44 Pfund pro Aktie des britischen Rivalen zu zahlen, was einem Kaufpreis von insgesamt 71 Milliarden Pfund (96 Milliarden Euro) entspricht.

Es lebe die „WeiSSe“

Die Brauerei Berliner Berg, die im Oktober im Neuköllner Rollbergkiez in in Berlin das Gebäude einer alten Schmalzfa­brik eingezogen ist, will die Original Berliner Weiße wieder auferstehen lassen. Die Herausforderung: der für Braumeister Richie Hodges das Bier typische, aber gefürch­tete Hefepilz Brettanomyces bruxellensis. Zur Finanzierung einer separaten Brauanlage mit 5 hl haben die Jungs von Berliner Berg eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Bei Redaktionsschluss waren sie ihrem Ziel, auf diese Weise bei Berliner Bierfreunden 65.000 Euro einzusammeln, ziemlich nahe. www.startnext.de/berlinerberg Foto: Privat

Hasenbecks bierwelt

Rund um den Globus Mit der „Best Brew Challenge“ startete am 23. April der erste Weltrekordversuch von Bierbrauern rund um den Globus. Initiiert von der deutschen Mälzereigruppe Bestmalz AG wurde zeitgleich auf sechs Kontinenten eine einheitliche Maische nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut. Die Brauer hatten ansonsten alle Freiheit, einziges Gebot: das Malz Red X zu verwenden, das dem Bier eine rote Farbe verleiht. Eine Fachjury kürte in Heidelberg die besten Biere aus 70 Einreichungen. An 30 Brauteams ging der Titel „Best Brew 2015“. Die drei am höchsten bewerteten Biere: Neckarsulmer Brauhaus, RheinhessenBräu, Riverbend Brewing Oregon/ USA. bestbrewchallenge.com

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WARSTEINER HERB Kein Craft-Bier, aber doppelt gehopft und mit vollem Geschmack.

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Plus+minus

TOP-TEN

WeltbierausstoSS 2014

Bierabsatz im Handel, 1. Halbjahr 2015 Pilsbiere machen weiterhin mehr als die Hälfte (54,7%) des Bierabsatzes aus.

Die Bierproduktion 2014 sank gegenüber dem Ausstoß 2013 weltweit um 11,8 Millionen Hektoliter (-0,6%)

1

China

492 Mio hl

2

USA

226 Mio hl

3

Brasilien

140 Mio hl

4

Deutschland

96 Mio hl

5

Mexiko 

82 Mio hl

6

Russland 

81 Mio hl

7

Japan 

56 Mio hl

8

GroSSbritannien  41 Mio hl

9

Polen 

40 Mio hl

10

Vietnam 

39 Mio hl

2

36 % der Deutschen trinken nach wie vor Pils am liebsten, so auch 29 % der Österreicher. Die Schweizer bevorzugen das Besondere: 16 % greifen zum Spezialbier. So lautet das Fazit einer Umfrage von Bookatable, einem Online-Reservierungsportal für Restaurants, das 822 Gäste nach ihren Vorlieben befragt hat. Regional fallen Unterschiede auf: In Bayern dominiert das Helle mit 41 %, Pils kommt erst an dritter Stelle (knapp 18 %).  

1

Quelle: NIelsen

Bayern lieben Helles

10

Weizen: 2,1 Mio hl

Export: 2,3 Mio hl

Quelle: Barth-Haas Group

Pils: 16 Mio hl

3

In den ersten sechs Monaten des Jahres haben die Deutschen rund 2,9 Mrd. Liter alkoholhaltige und alkoholfreie Biere und BiermixGetränke im Handel gekauft. Das entspricht pro Kopf fast 36,5 Litern. Im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr 2014 ist der Absatz von Bieren und Biermix-Getränken um 2,4% gesunken. Der Umsatz im Handel im ersten Halbjahr 2015 sank im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr um 1,7% auf rund 3,5 Mrd. Euro. Pro Kopf wurden im Schnitt somit rund 44 Euro für Bier ausgegeben. (Quelle: Nielsen)

Bierdurst ab 45 18- bis 24-Jährige trinken am seltensten Bier. Lediglich jeder Vierte (26%) gibt an, mindestens einmal die Woche Bier zu trinken. Bei den 25- bis 34-Jährigen ist der Anteil mit 35% wesentlich höher. Spitzenreiter sind die 45- bis 54-Jährigen. Hier trinkt fast jeder Zweite (46%) mindestens einmal pro Woche. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage des internationalen Marktforschungsund Beratungsinstituts YouGov, das für die aktuelle Studie „Das macht Durst 2015“ über 2.000 Personen repräsentativ befragte.  No. 01-2016


w w w.hacker-pschorr.de

HACKER-PSCHORR . BR AUKUNST SEIT 1417.


Craftbier:

Brauchen wir eine Definition?

foto: Andy Grabo

nachgefragt

Oliver Bartelt

Sprecher AB InBev Deutschland

Die Debatte um Unterschiede

anstatt mit dem Bier selber. Beim Thema Craft

Brauereien schadet dem Thema Bier

es geht um kreative mutige Köpfe, um die Braumeister und die Teams, die diese Biere brauen und leben. Wir müssen unsere lange Brauhistorie,

wir auch keine Definitionen oder

unsere tollen Bierstile, die Kenntnisse in der

Regeln. Man kann nicht die simple

Technologie und all unsere Erfahrung mit der

Dass „kleine“ Brauer versuchen, mit

Offenheit der Craftbier-Brauer für Neues verbinden. Das wäre dann unser eigener Weg – sozusagen German Craft.

extremen Geschmäckern und Zutaten ihre hochpreisige Nische zu finden, wird dem Bier allgemein den nötigen Schwung und die Strahlkraft geben,

Wendelin Quadt

Brauerei Kuehn Kunz Rosen, Mainz

Ich halte nichts von solchen Definitionsüberlegungen. Handwerklich,

um einen Trend dauerhaft zu fixieren. authentisch, kreativ und unabhängig

Oliver Lemke, Brauhaus Lemke, Berlin

foto: Privat

schon wieder viel zu viel mit dem Formulieren geht es um charaktervolle, spannende Biere und

Formel anlegen „Klein = Besser“.

muss Craftbier in Abgrenzung zu den Industriebieren sein, die eben das genau

Wir benötigen keine neue Definition, da der Begriff ja von der Brewers Association (BA) klar definiert ist. Die Deutungshoheit eines Begriffes kann nur bei demjenigen liegen, der ihn prägt. Wem hierzulande die Definition der BA nicht gefällt, dem steht es ja frei, für sein Bier einen eigenen Begriff zu prägen. 12

Leider beschäftigen wir uns bei diesem Thema

zwischen kleinen und großen

im Ganzen. Entsprechend brauchen

Vermarktung, denn er weckt (starke) Emotionen. Jeder Versuch, Craftbier zu definieren, wäre anfechtbar und würde die Emotionalität reduzieren. Craftbier braucht keine Definition – nur Geschmack und Emotion!

Marc Rauschmann

Geschäftsführer, Internationale Brau-Manufacturen (Braufactum)

foto: Privat

foto: Barth-Haas Group

Seitdem der Begriff „craft“ aus den USA eingeführt wurde, versuchen sich viele an einer eindeutigen Definition – und dies vergeblich. „Craft“ ist für mich ein starker Begriff für die

foto: Michael Ihle

Thomas Raiser

Vertriebsleiter Barth-Haas-Group



nicht sind. An dieser Stelle überlasse ich dann gerne dem Craftbier-Fan die Deutungshoheit, was für ihn wirklich Craft ist. Er wird es schmecken. No. 01-2016


AUCH MIXKISTEN ERHÄLTLICH!

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aufgemacht Melon Flash

Lenchens Ale

Aufgrund der weltweiten Knappheit an Nelson Sauvin-Hopfen musste die Brauerei Camba Bavaria ihre beliebte „Camba Nelson Weisse“ einstellen. Der Nachfolger „Melon Flash“ (u.a. mit dem Hopfen Hüll Melon) präsentiert sich als schlanke Weizenvariante mit hoher Drinkability und dürfte damit auch Nicht-Weißbiertrinker ansprechen. Duft nach junger Banane und Honigmelone, am Gaumen fruchtig-frisch und spritzig, stets schlank und erfrischend. Passt zu: hellem Fleisch, Pasta oder Fisch. Alkoholgehalt: 5,2 % vol., Preis: 1,10 Euro (0,33 l),

Drei Bierspezialitäten präsentiert die hessische Hütt-Brauerei in ihrer ersten Craft Edition: den Weizenbock 1838, das Äquator-Bier sowie – das aus unserer Sicht gelungenste Experiment – das Lenchens Ale, eine untergärige Interpretation eines naturbelassenen Ales, das zu leichten Speisen wie Geflügel, Salaten und süßen Früchten empfohlen wird. Das Bier ist eine Hommage an „Lenchen“, die Großmutter des Brauereichefs Frank Bettenhäuser, die ihren Garten und Früchte liebte. Das verspielte, beerige Hopfenbukett muss man mögen – wir mögen’s! Alkoholgehalt: 5,5 % vol., Preis: 1,99 Euro (0,33 l),

Fruchtiges Weißbier von der Camba Bavaria

Untergärige Ale-Interpretation aus der Hütt-Brauerei

www.huett.de

SonnenØl

Kalt gehopftes Saison von der Craftschmiede „von Freude“

Der belgische Bierstil Saison (auch Farmhouse Ale) regt derzeit viele deutsche Craftbrauer zu Interpretationen an. Die Hamburger Marke „von Freude“ hat sich bei ihrer Kreation „Sonnenøl“ für eine kaltgehopfte Variante entschieden, was den gewürzartigen, gereiften Grundton des Bieres um eine exotische Fruchtigkeit erweitert. Das Ganze umspielt von einer erfrischenden, aber nicht aufschäumenden Kohlensäure. Im Abgang verharrt eine leichte Bitternote auf der Zunge. Der Name trügt: Das „Sonnenøl“ macht sich auch im Herbst gut. Alkoholgehalt: 6,0 % vol., Preis: 2,49 Euro (0,33 l),

www.camba-bavaria.de

www.vonfreude.de

10 neue entdecken

Hallertauer Zwickel Hell

Naturtrüber, bayerischer Klassiker von der Urban Chestnut Brewing Company

www.urbanchestnut.de

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nsere

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Bayrisch, baltisch, belgisch, englisch oder vom Wald inspiriert – unsere Neuheiten zeigen die wunderbare Vielfalt der Bierwelt.

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Zu der Hallertauer Serie, den ersten Bieren aus der Deutschland-Dependance der Urban Chestnut Brauerei, zählen das Lager „Hopfenperle“, das Pale Ale „Zuagroast“ und das wunderbar süffige „Zwickel Hell“. Herrlich frisch im Aroma; man meint, die Nase in Bierwürze zu tauchen. Harmonisch im Antrunk, eine leichte Honigsüße hüllt die malzigen und dezent säuerlichen Noten galant ein. Fließt geschmeidig die Kehle hinunter. Rund! Alkoholgehalt: 5,0 % vol., Preis: ca. 0,80 Euro (0,5 l),

eb in l

Bitter 58

Kreuzung aus Extra Special Bitter und fränkischem Pils aus der Brauerei Rittmayer Zuwachs in der „Kraftbier“-Serie von Rittmayer. „Ist es zu hopfig, bist Du zu soft“, warnt uns das Etikett des Bitter 58. Ne, sind wir nicht, zumal die Bittereinheiten harmonisch in eine fruchtige Aromatik (Kalthopfung mit Citra und Cascade) eingebunden sind. So harmonieren grün-kräuterige Aromen perfekt mit frisch-fruchtigen Hopfennoten. Am Gaumen bleibt das Bier stets schlank, sodass das Bitter 58 durchaus für eingefleischte Pilstrinker ein Einstieg in die Welt der Kalthopfung sein könnte. Alkoholgehalt: 5,8 % vol., Preis: ca. 1 Euro (0,33 l), www.rittmayer.de

No. 01-2016


Neues Bier gebraut? Dann senden Sie uns Kostproben (Minimum drei Flaschen) Ihrer Braukreation bis zum 10. Dezember 2015 an:

Hafensänger nsere

Li

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Baltic Porter aus der Mashsee Brauerei

eb in l

Aus Hannover in die Welt – mit dem „Hafensänger“ wagt sich die kleine Mashsee-Brauerei an den Bierstil Baltic Porter und interpretiert diesen auf – im Wortsinne – erfrischende Weise. Assoziiert man Porter in erster Linie mit einer „dunklen“ Aromatik, überrascht dieses Bier mit einer angenehmen Fruchtigkeit und leichten Trinkbarkeit. Aber keine Angst: Wir haben es hier immer noch mit einem Porter zu tun, eine satte Malznote sowie ausgeprägte Röst- und Karamellaromen bilden das Grundgerüst. Alkoholgehalt: 6,1 % vol., Preis: ca. 2,50 Euro (0,33 l),

Meininger Verlag GmbH Redaktion CRAFT Rubrik „Aufgemacht 2-2016“ Maximilianstraße 7-17 67433 Neustadt/Weinstraße Die besten Neuheiten präsentieren wir in der nächsten Ausgabe!

Weizen-IPA von Maisel & Friends in Zusammenarbeit mit Stiegl Aus dem deutsch-österreichischen Zusammentreffen der beiden Familienbrauereien Maisel aus Bayreuth und Stiegl aus Salzburg (siehe auch Meldung Seite 8) entstanden gleich zwei kreative Biere. Unter der „Maisel & Friends“-Flagge läuft die Bordeaux Weisse, ein überaus gelungenes wuchtiges Weizen-IPA, bei dem das Urgetreide Bordeaux-Weizen aus Österreich in den Sud wanderte. So treffen bei dem Bier typische Weißbieraromen wie vollreife Banane auf die herb-fruchtigen Noten eines hopfenbetonten IPA. nsere Vollmundig und harmonisch im Geschmack mit fein eb in eingebundener Bittere (40 l IBU) im Abgang. Alkoholgehalt: 7,3 % vol., Preis: im 2er-Pack mit Smoked Baltic Porter 14,99 Euro (2 x 0,75 l),

Li

ge

U

www.mashsee.de

Maisel & Friends Bordeaux Weisse

www.maiselandfriends.com

Soleya

Saison von Braufactum

Mit dem „Soleya“ präsentieren die Braufactum-Braumeister Marc Rauschmann und Markus Becke ihre sommerlich-frische Variante des belgischen Bierstils Saison, bei dem sie neben einem speziellen Saison-Hefestamm auch den australischen Hopfen Enigma verwenden. So treffen florale Hopfenaromen auf fruchtige Hefenoten (Apfel, Zitrone, grüne Banane). Das Ganze eingebunden in eine prickelnde Kohlensäure und eine feine untermalende Bitternote. Passt gut zu Geflügel sowie mexikanischen und thailändischen Gerichten. Alkoholgehalt: 6,5 % vol., Preis: ca. 2,49 Euro (0,35 l), www.braufactum.de

NBG IPA

Astreines IPA von der New Beer Generation Nürnberg Hinter der New Beer Generation stecken die beiden in Nürnberg lebenden US-Amerikaner Mark Zunkel und Luke Kennedy, die bei ihrem Erstling „German Quality“ und „American Character“ miteinander vereinen wollen. Das gelingt verdammt gut. Ihr IPA mit fünf Hopfen und einem Bitterwert von 50 IBU ist ein Musterbeispiel an Ausgewogenheit zwischen Hopfenbittere, fruchtigen Tönen und malziger Süße. Perfekt als Begleitung zu Burgern und BBQ. Alkoholgehalt: 6,1 % vol., Preis: ca. 2,50-3,00 Euro (0,33 l), www.newbeergeneration.de

Kiesbye’s Waldbier Edition 2015

Brauspezialität mit Fichtenharz von Axel Kiesbye Im Jahre 2010 gestartet, verwendet der Bierexperte Axel Kiesbye (Bierkulturhaus, Obertrum) jährlich neu ausgewählte Zutaten des österreichischen Waldes für seine Waldbier-Serie, die 2015 mit der Edition „Fichte“ endet. Das dem Sud beigemengte Fichtenharz verleiht dem Bier dezente Kräuter- und Holznoten und Anklänge von Waldhonig. Das bernsteinfarbene Strong Ale (7,2 % vol.) klingt trocken und feinherb aus und passt mit seiner Aromatik bestens zu Räucherfischen, Wild und Pilzgerichten. Alkoholgehalt: 7,2 % vol., Preis: ca. 12,90 Euro (0,75 l), www.waldbier.com

No. 01-2016

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eingekehrt

fotos: Haus Nordmann, Dirk Omlor, LokÀl Pod Divadlem, Mühlen Kölsch, Frenc

Bier-Stop! 5 Adressen, in denen das Biertrinken so richtig Spaß macht.

Frenc, Berlin

Für „heartcrafted goods“ steht diese tolle, individuelle Adresse in Berlin. Neben dem eigenen Frenc Pale Ale gibt es zwei weitere Craftbiere vom Fass und gut 20 aus der Flasche. Besonders: das liebevolle Speisenangebot mit rustikalen Käse-/ Wurstplatten und der Haus-Spezialität, französischen Crêpes und Galettes. Niederbarnimstraße 16, 10247 Berlin, www.frenc.de

Dolden Mädel, Berlin Pod Divadlem, Pilsen

Frischer geht’s kaum: Dreimal die Woche wird unpasteurisiertes Pilsner Urquell direkt ins „Lokàl Pod Divadlem“ geliefert. Zum Bier gibt’s typisch böhmische Küche. Beleuchtete Wand-Illustrationen sind ein schöner Kontrast zur unverputzten Decke und dem Parkettboden. Hingucker: der Edelstahltank unter dem gläsernen Tresen. Bezruv˘ova 34, 301 00 Pilsen, lokal-poddivadlem.ambi.cz

MühlenBar, Köln

Zwölf Bier-Cocktails mit Mühlen Kölsch, dazu rund 50 verschiedene Craftbier-Kreationen aus aller Welt. Die neue „MühlenBar“ in der Malzmühle, dem Traditionsbrauhaus am Kölner Heumarkt, hat das Zeug, zum neuen Bier-Hot-Spot der Stadt zu werden. Heumarkt 6, 50667 Köln, www.muehlenkoelsch.de 16



Handwerkliches Bier aus aller Welt und kreative Marktküche verspricht das neue Braugasthaus „Dolden Mädel“ in Berlin. Wer das „Alte Mädchen“ in Hamburg kennt, wird hier einige Anleihen finden. Kein Wunder, mit dem Haus Nordmann und der Ratsherrn-Brauerei stecken die selben Ideengeber dahinter. So fließen neben den Ratsherrn-Bieren aus den gut 20 Zapfhähnen Spezialitäten aus u.a. Kanada, den USA, Schottland, Skandinavien und den Niederlanden. 70 weitere Biere serviert der bestens geschulte Service zudem aus der Flasche. Die drei Bier-Sommeliers stehen mit Rat und Tat zur Stelle und empfehlen gerne das passende Bier zu Speisen wie Pulled Pork, einem Kreuzberg-Burger, Bio-Pastrami oder auch veganen Gerichten wie marinierten Avocados mit Quinoa. Credo beim Küchenprogramm: Die Aromen sollen stets zum umfangreichen Bierportfolio passen. Mehringdamm 80, 10965 Berlin, www.doldenmaedel.de

Public House, Portland

Im Herzen von Portland, Oregon, steht die Gasthausbrauerei des amerikanischen Kultbrauers Deschutes. An 26 Zapfhähnen gibt es die klassischen Deschutes-Biere sowie eine Auswahl an saisonalen Spezialitäten und experimentellen Bieren, die hier vor Ort gebraut werden. Das Brauhaus bietet außerdem eine große Auswahl an gutem Essen und eine entspannte urbane Atmosphäre. Die Küche ist zum Gastraum hin offen. Wer essen möchte, sollte allerdings einen Tisch reservieren. Die Deschutes-Mutterbrauerei befindet sich allerdings am anderen Ende von Portland. Dort werden jährlich rund 250.000 Hektoliter Bier gebraut. Die 1988 gegründete Brauerei erhielt für ihre Biere bereits zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen. 210 NW 11th Avenue, Portland, OR 97209 www.deschutesbrewery.com No. 01-2016


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Titel _ Frauen und Bier

Im Auftrag der Ninkasi Nach Jahrhunderten der Abstinenz liegt Bier bei Frauen wieder im Trend. Immer mehr von ihnen ergreifen den Brauberuf, übernehmen die Sudhäuser ihrer Väter oder brauen zu Hause im Keller.

E

igentlich waren es die Mönche, die den Frauen das Bierbrauen ausgetrieben haben. Von der Antike bis ins Mittelalter war die Verarbeitung von Hopfen und Malz über Jahrtausende meist Frauensache. Das Brauen gehörte zur üblichen Hausarbeit. Grabfunde sowie Inschriften auf Steintafeln und Papyrusrollen belegen, dass Frauen schon vor 4.000 Jahren in Mesopotamien und Ägypten als alleinige Herrinnen den Sudkessel dominierten. Bei den Babyloniern, die das Bier erfunden haben sollen, schrieben Poeten großartige Hymnen auf die Biergöttin Ninkasi. Bei den Germanen hielt sich lange das Gerücht, dass sogar Odins Göttergattinnen höchstpersönlich den Braulöffel führten. Auch Luthers Ehefrau Katharina von 18



Bora hatte noch den Brauerinnenberuf erlernt und bediente den trinkfreudigen Reformator mit eigenwilligen Rezepturen.

Foto: David Daub

Text: Mareike Hasenbeck

Bis in das Mittelalter hinein erhielten Frauen zur Hochzeit häufig einen Braukessel einschließlich Läuterbottich geschenkt. Auch in den Brauhäusern begegnete man nur zarter Weiblichkeit. Erst als die Klöster im Bierausschank eine lukrative Einnahmequelle entdeckten, verdrängten die Diener Gottes die Brauerinnen zunehmend vom Kessel und nahmen den Rührlöffel in Hand. Nur in den Nonnenklöstern durften die Ordensschwestern weitermachen. Auch als die ersten privaten Braustätten entstanden, blieb das Bier weitgehend Männersache. » No. 01-2016


Noch eins, bitte: die Hamburgerin Natalie von Freude hat Bier für sich entdeckt und ihr eigenes Label „Von Freude“ gegründet. No. 01-2016

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Unter sich: Auf einer Floßfahrt des Vereins „Barley's Angels“ wird das Thema Bier vertieft. Marlies Bernreuther (rechts) ist Chefin der Brauerei Pyraser.

Bier-Unis Inzwischen hat die Craftbier-Szene hierzulande vieles verändert: Immer mehr Frauen entscheiden sich für den Brauberuf oder übernehmen gleich ganze Brauereien. Bier-Unis wie Weihenstephan und Berlin registrieren ein wachsendes Interesse von Bewerberinnen. Frauen buchen mehrtägige Braulehrgänge, treffen sich zu gemeinsamen Degustationsrunden, gründen Stammtische und bundesweit agierende Biervereine. Eine dieser neuen Gruppierungen, die „Barley’s Angels“, verfolgen eine ganz spezielle Zielrichtung: „Bier war lange Zeit eine reine Männerdomäne“, sagt Esther Isaak, Angel-Mitgründerin und Inhaberin des Hamburger CraftbierShops „Bierland“. „Wir wollen beweisen, dass auch Frauen eine erstzunehmende Zielgruppe für die neuen Bier-Spezialitäten sind.“

Genussaffin Ein starkes Interesse der Weiblichkeit am Bier registriert auch Christoph Kämpf, Präsident des Verbands der Diplom Biersommeliers. Er führt diese Begeisterung 20

Foto: Reddich

Foto: Daniela Hartl

Titel _ Frauen und Bier



unter anderem darauf zurück, dass die Biervielfalt in Deutschland zunimmt und inzwischen viele internationale Spezialitäten mit ganz besonderen Aromen erhältlich sind. Viele der neuen Bierspezialitäten würden insbesondere Frauen ansprechen. Aber für Kämpf ist auch eines klar: „Frauen haben eine viel höhere Affinität zu Genussthemen und verfügen meist über ein besser ausgebildetes Geschmacksempfinden als Männer.“ Das sei inzwischen medizinisch erwiesen. Dieser Trend hat außerdem ökonomische Auswirkungen. So freut sich der Sommelier-Präsident darüber, dass das CraftFeuer nun auch auf die Frauen übergesprungen ist und sie zahlreiche Tastings oder Seminarangebote der SommelierInstitute wahrnehmen. Auch die Anzahl weiblicher Bier-Sommeliers steigt in Deutschland kontinuierlich an, wie Kämpf bestätigt. Gab es allein bei der DoemensSchule, einer der führenden Ausbildungsstätten der Branche mit Sitz in Gräfelfing bei München, im Jahre 2004 noch lediglich eine Teilnehmerin, so stieg die Zahl inzwischen auf rund dreißig Absolventinnen pro Jahr.

Vielfalt als Offenbarung Auch das alte Vorurteil, dass Frauen eigentlich gar kein Bier mögen, ist längst widerlegt. Nach einer jüngsten Studie der Centralen Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) schätzen zwei Drittel der erwachsenen Frauen wieder gutes Bier. Dennoch lassen sich die vielen Vorurteile rund um der Deutschen liebstes Getränk nicht ausradieren. An dumpfen Stammtischen gilt meist noch immer: Bierbrauen ist Männersache. Von diesem Unsinn lässt sich Natalie von Freude nicht abschrecken. Die 33-jährige Bürofrau schmiss für ihre Leidenschaft zu selbstgebrauten Malzgetränken vor zwei Jahren sogar ihren Job hin, um gemeinsam mit ihrem Freund die Marke „Von Freude“ zu gründen. „Nachdem ich jahrelang kein Bier mochte, weil mich der Geschmack von Fernsehbieren abschreckte“, so die Hamburgerin, „empfinde ich die neue Biervielfalt als eine einzige Offenbarung.“ Auch Lisa Luginger ist dem Zauber der Craftbiere erlegen. Als die 28-jährige Journalistin an einem Dokumentarfilm über die Gerstensaftkultur in Bamberg No. 01-2016


Foto: Markus Raubach

Foto: René Ruprecht

Lisa Luginger (oben) gibt ihr Wissen um Bier in Seminaren und Verkostungen weiter. In Familientradition brauen die „Bierfeen“ Yvonne Wernlein (rechtes Bild, v.l.), Gisela und Monika Meinel-Hansen und Isabella Straub.

mitarbeitete und dabei mit einem Kamerateam in die USA flog, konnte sie erstmals diese handwerklich hergestellten Hopfensäfte probieren. Das kreative Aromenspiel moderner Biersorten hat die fränkische Medienfrau derart begeistert, dass sie beschloss, sich diesem Thema auch beruflich zu widmen. „Ich war damals total verliebt in diese Biere“, schwärmt die Bambergerin noch immer. Daraufhin begann sie spontan eine Ausbildung zur Bier-Sommeliere und entwickelte daraus eine eigene Geschäftsidee. In Seminaren und Verkostungen gibt sie jetzt bundesweit ihr Wissen weiter.

Zum Brauen berufen Aber Natalie von Freude und Lisa Luginger sind nicht die einzigen Frauen, die ihre Leidenschaft zum Beruf machen. Die Hochschule in Weihenstephan, älteste Bieruniversität der Welt, registriert ebenfalls ein wachsendes Interesse von Bewerberinnen, die sich für den Beruf am Sudkessel entscheiden. Mittlerweile liegt der Anteil bei etwa 15 Prozent. „Frauen wählen in der Regel viel bewusster den Brauberuf als männliche Studierende und sind No. 01-2016

mit großem Enthusiasmus dabei“, urteilt Manuela Stöberl, Geschäftsführerin der Studienfakultät Brau- und Lebensmitteltechnologie der TU in Weihenstephan. Aber es muss beim Bierbrauen nicht immer akademisch zugehen. Auch aus heimischen Kellern und Garagen wabert inzwischen der Duft von Hopfen und Malz. Hier schwingen junge Bierenthusiastinnen den Braulöffel und schaffen ganz beeindruckende Sude. Das zeigt der Hobbybrauer-Wettbewerb, der erstmals im September dieses Jahres in der „Camba Old Factory“ im schwäbischen Gundelfingen stattfand. Dort sitzen inzwischen zahlreiche Frauen in der Jury und beurteilen mit sensibler Zunge die dort eingereichten Individualsude. Dasselbe gilt für die Jury des Meininger International Craft Beer Awards und die Preisrichter des European Beer Star. Biermarkt-Analysten sehen eines klar: Das Interesse der Frauen am Gerstensaft wurde hierzulande erst wieder durch die Crafbier-Bewegung der vergangenen Jahre neu entfacht. Darüber freuen sich auch die Inhaber von Online-Shops, die

sich auf den Vertrieb von Brau-Equipment spezialisiert haben. Auch sie verzeichnen eine wachsende Kaufdynamik bei Freizeitbrauerinnen. Zwar gibt es in dem jungen Markt für Kreativbiere hierzulande noch keine verlässlichen Zahlen, aber Christian Herkommer, Inhaber des HobbybrauVersands „Hopfen und mehr“ kann bestätigen: „Immer mehr Kundinnen bestellen bei uns die zum Homebrewing erforderlichen Rohstoffe sowie Malzmühlen und Braukessel.“

Kirschbier und Porter Über den Frauentrend freut sich auch Matthias Thieme, Inhaber des Münchner Craft-Shops „Biervana“. Der ehemalige Microsoft-Manager, der aus seiner Liebe zu ungewöhnlichen Hopfensäften eine Profession machte, sieht in der Geschmacksvielfalt der neuen Kreativbiere, mit Aromen von tropischen Früchten, Schokolade, Kaffee oder Marzipan, einen Trend, der immer mehr Genießerinnen anspricht: „Während Frauen anfangs nur einen besonderen Drink für ihren Partner suchten, kaufen sie nun auch seltene Kirschbiere aus Belgien, fruchtige Pale 21


Foto: Sandra Geiger

Foto: Peter Felbert

Titel _ Frauen und Bier

Kathrin und Stephanie Meyer (l.) brauen im Allgäu die „Braukatz“-Biere. Schwester Doris (rechts) steht in der Klosterbrauerei Mallersdorf am Sudkessel und braut regionale Spezialitäten.

Ales aus Kalifornien oder malzige Porter aus England für den eigenen Genuss.“ Während Shops und Szene-Bars florieren, wird auch das traditionelle Brauhandwerk zunehmend zur Frauensache. Seien es die Schwestern Kathrin und Stephanie Meyer von der „Braukatz“ aus Nesselwang im Allgäu, Sabine Thaler von „Camba Bavaria“ in der Nähe des Chiemsees, Tanja Leidgschwendner von der „Brauerei im Eiswerk“ in München oder die „Bierfeen“ aus dem oberfränkischen Hof, die in einem Frauen-Quartett ganz ungewöhnliche Hopfenspezialitäten entwickeln. All diese Frauen konnten sich mit modernen Rezepturen in einem von Standardpils dominierten Markt durchsetzen. „Wer einmal den Duft nach gebackenen Bananen, Pflaume und Mirabelle in der Nase hatte, den Geschmack von Karamell-, Birnen- und Pfirsichnoten auf der Zunge spürte, wird sich schnell für unsere Frauenbiere begeistern können“, sagt Gisela Meinel von den fränkischen „Bierfeen“. Mit der gleichen Leidenschaft steht auch Tina Dingel am Sudkessel. Für die Berliner Hobbybrauerin ist es eine besondere 22



Herausforderung, ihr eigenes und ganz spezielles Bier zu kreieren. Sie beschreibt ihre Passion als eine permanente Jagd nach dem perfekten Geschmack. Damit begeistert sie – wenngleich bislang nur in kleineren Mengen – auch immer wieder Freunde und Familie. „Kaum bin ich mit einem Sud fertig“, sagt die 40-jährige Produktmanagerin, „schon muss ich den nächsten aufsetzen.“

In Vaters Fußstapfen Während die Berlinerin mit ihren Kreationen noch am Anfang steht, konnten einige ihrer Kolleginnen bereits den Traum vieler Männer realisieren: Sie reihen sich ein in die Stammbäume ihrer Väter und führen die eigene Familienbrauerei weiter. Isabella Straub, Chefin der „Drei Kronen Brauerei“ in Memmelsdorf, ist eine dieser Aufsteigerinnen. Aber auch Yvonne Wernlein von der Haberstumpf Brauerei in Trebgast oder Marlies Bernreuther, die Erbin der renommierten Pyraser Landbrauerei in Mittelfranken. Die 37-Jährige bekam im vergangenen Jahr sogar einen „Emotion Award“ im Bereich Unternehmensnachfolge überreicht. Auch

ihre neue Bierserie „Herzblut“ mit ausgeprägten Noten von Vanille, Marzipan und Ingwer, konnte bereits viele Ehrungen verbuchen. Eine echte Ausnahmeerscheinung in Deutschlands Bierszene ist jedoch Doris Engelhard. Als Schwester Doris fungiert sie als Braumeisterin in der Klosterbrauerei Mallersdorf, mitten in der Pampa zwischen Regensburg und Landshut – und das mittlerweile seit mehr als fünfzig Jahren. Jährlich produziert sie dort in der „Kongregation der Armen Franziskanerinnen“ mit einer Handvoll schwesterlicher Helferinnen kaum mehr als 2.000 Hektoliter feinster Regionalspezialitäten. Die Rohstoffe für das Malz stammen teilweise aus eigenem Anbau. Eine Mälzerei ist Bestandteil des Klosters. Ihre ganze Liebe aber gilt dem Bock. Wer die Franziskaner-Nonne mit Schleier und schwarzem Gewand zwischen ihren beiden Kupferkesseln oder im eiskalten Lagerkeller hantieren sieht, bekommt bereits eine leise Ahnung von der Qualität ihrer Klosterbiere. Ihr Lebensziel hat sie abgesteckt: „Ich werde so lange brauen, wie ich irgendwie arbeiten kann.“ – No. 01-2016


BEI UNS ISST UND TRINKT DER BAUER WIRKLICH N U R , WA S E R K E N N T. Haben Sie schon einmal von Schwarzer Nacktgerste, Alpiner Pfauengerste, Vögeles Gold oder Schwarzem Hafer gehört? Nein? Die meisten anderen Biere auch nicht. Doch wer ein ganz besonderes Bier brauen will, der braucht eben auch ganz besondere Zutaten. Und genau deshalb kultiviert unser Gutsverwalter am Stiegl-Gut Wildshut – dem ersten Biergut Österreichs – diese längst vergessenen Urgetreidesorten. Als einzige Brauerei des Landes vermälzen wir unsere wertvollen Rohstoffe direkt vor Ort, bevor unser Kreativbraumeister ans Werk geht und daraus die außergewöhnlichen Wildshuter Bierspezialitäten braut. B E S U C H E N S I E U N S ! N Ä H E R E I N F O S A U F B I E R G U T. A T

Dr. Heinrich Dieter Kiener

FRANZ ZEHENTNER GU T S VE R WA LT E R


Macher _ Jan Niewodniczanski

Immer auf Empfang NAH DRAN AN: Jan Niewodniczanski Der Urenkel des Gründers der Bitburger Brauerei steht heute selbst an der Spitze der Braugruppe. Ein Weltenbummler in Sachen Bier.

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chlank, groß, drahtig. Jan Niewodniczanski ist ein sportlicher Typ. Einer, der Sport mag und Bier. Früher hat er Eishockey gespielt, heute geht der 50-Jährige surfen und biken, im Winter Ski fahren. Wer sich mit ihm auf ein Bier verabredet, kriegt spannende Geschichten zu hören. Von seiner Kindheit in der Brauerei, von Braulegenden und Bier-Erlebnissen, von seinen Erfahrungen als Brauer rund um den Globus. Jan Niewodniczanski ist auch Weltenbummler. Weltenbummler in Sachen Bier. 12 Jahre lang lebte und braute er im 24



Ausland, bevor er 2006 in seine Heimatstadt Bitburg zurückkehrte. Er mag Kneipen mit internationalem Flair, liebt große Biervielfalt auf kleinstem Raum. Das TapHouse in München ist so ein Ort. Hier fühlt er sich wohl. „Es erinnert mich an moderne, bieraffine Gastronomie rund um den Globus. Das gefällt mir. Hier wird Pionierarbeit geleistet von Menschen, die sowohl vom Bier als auch von der Brautechnologie etwas verstehen“, sagt Niewodniczanski, der von vielen Mitarbeitern einfach Niewo genannt wird. Das Internationale wurde ihm schon in die Wiege gelegt. Seine Mutter, Marie-Luise

Text: Dirk Omlor  Fotos: Daniel Reiter

Simon, Tochter von Brauereilegende Theobald Simon, heiratete 1960 den polnischen Kernphysiker Thomas Niewodniczanski. Das Paar zog nach Polen und kehrte erst gut zehn Jahre später mit ihren drei Kindern nach Deutschland zurück. Jan Niewodniczanski war damals fünf Jahre alt. Sein Vater wurde 1973 Geschäftsführer der Bitburger Brauerei. „In der Kleinstadt Bitburg bin ich genauso aufgewachsen wie alle anderen Kinder. Ich ging auf eine staatliche Schule und hatte keinerlei Sonderstatus“, erzählt Niewodniczanski. Auch bei der Berufswahl hätten ihn die Eltern nicht versucht zu beeinflussen. Nach dem Abitur wollte er zunächst Luft- und No. 01-2016


Weltoffen und bekennender Hopfen-Fan: BitburgerGeschäftsführer Jan Niewodniczanski.

Raumfahrttechnik studieren. Der damalige technische Direktor der Brauerei, Gert Kühbeck, habe ihn vom Studium des Brauwesens überzeugt. „Er hat mir gesagt, dass 80 Prozent aller Ingenieurstudiengänge inhaltlich gleich wären. Der einzige Unterschied beim Brauwesen sei, dass ich mir später die ganze Welt anschauen könne und ein internationales Netzwerk von Brauer-Freunden haben werde“, erinnert er sich. „Damit hat er mich geködert. Es hat funktioniert.“ Zum Studium ging’s nach Freising/Weihenstephan. Dort lebte er mit dem heutigen Inhaber des Lehrstuhls Brau- und No. 01-2016

Getränketechnologie, Prof. Thomas Becker, in einer WG. „Wir waren eine super Clique und der letzte Jahrgang, der bei der Braulegende Prof. Ludwig Narziß studiert hat, bevor er in Pension ging. Wir haben damals öfter die Vorlesung geschwänzt und sind mit dem VW-Bus und Skiern in die Berge gefahren“, sagt Niewodniczanski. „Heute bedauere ich, dass ich nicht ganz so oft in seiner Vorlesung war.“ Trotzdem: „Die Zeit in Freising habe ich sehr genossen. Sie gehört zu der schönsten Zeit meines Lebens.“ Niewodniczanski wollte die Welt sehen. Für das Studium machte er unter anderem

Praktika in den USA bei Brauereien von Anheuser Busch in St. Louis und Los Angeles. Er braute in Südafrika sowie für San Miguel auf den Philippinen und in China. Nach dem Studium ging es eineinhalb Jahre zu Spaten Franziskaner, dann zurück nach Südafrika. Fast zehn Jahre war er in den verschiedensten Positionen bei SAB tätig, zunächst in Pretoria und zuletzt als Brewing Manager in Kapstadt. Nebenbei absolvierte er noch erfolgreich das Studium Master of Business Administration. „Ich wollte nicht wieder zurück nach Deutschland, sondern hatte Spaß an der internationalen Karriere“, sagt Niewodniczanski. 2006 kehrte er doch nach Bitburg 25


Macher _ Jan Niewodniczanski

In unserer Serie „Nah dran“ begegnen wir Managern abseits des Schreibtisches. Im Wald, am See, in der Kneipe: Hauptsache unkompliziert. Wir reden über den Job, über Leidenschaften, über Gott und die Welt.

Auf ein IPA im Münchner Tap-House: Jan Niewodniczanski und CRAFT-Chefredakteur Dirk Omlor.

zurück. Für seinen Onkel, den technischen Geschäftsführer Axel Simon, wurde ein Nachfolger gesucht. „Durch den Kauf von König und Licher wurden wir damals eine attraktive Braugruppe. Ich sah die Chance, meine Erfahrungen von SAB einzubringen“, sagt Niewodniczanski. „Von Anfang an habe ich versucht, das Beste aus zwei Welten zu vereinen: Die Transparenz und Prozessorientierung eines Konzerns und die traditionelle Familienkultur.“ Synergien zwischen den fünf Braustätten werden genutzt, ohne Personal einzusparen. Expertenteams werden eingeführt, die Unternehmenskultur weiter entwickelt, verrückte Sachen unternommen. „Wir haben mit dem Team an mehreren 24-StundenMountainbike-Rennen teilgenommen. Das schweißt zusammen“, sagt Niewodniczanski. Mit der Gesellschafterfamilie habe er neulich einen Tag lang zusammen Bier gebraut, „damit sie ein Gefühl dafür bekommen“, wie er sagt. Die Rückkehr nach Bitburg sei zunächst ein Kulturschock gewesen. Deutsch fiel ihm schwer. Schließlich hatte er seine Muttersprache zwölf Jahre lang nicht gesprochen. „Ich konnte mich anfangs kaum mit meinen Freunden unterhalten“, erinnert er sich. 26



Trotzdem sei Bitburg – neben Kapstadt – immer für ihn Heimat gewesen. An beiden Orten fühlt er sich zuhause. Ob er sich nun von Deutschland aus oder von sonst wo in der Welt einloggt, sei einerlei. „Die Welt hat sich verändert, Webkonferenzen und Skype machen es möglich“, sagt er. Dass es in Deutschland einmal eine Craftbier-Bewegung geben würde, hätte er nie geglaubt. „Wir hatten bereits ein breites Spektrum an Bierspezialitäten und waren den USA weit voraus. Die neue Entwicklung hilft nun der gesamten Branche und ist gut für das Produkt Bier. Die mediale Berichterstattung ist jedoch nicht proportional zur Realität. In Deutschland haben die Craftbrauer deutlich weniger als ein Prozent Marktanteil“, sagt Niewodniczanski. Nicht gut findet er die Polarisierung zwischen Craftbrauern und der etablierten Brauszene. „Wir haben in Deutschland einen Biermarkt, der nicht vergleichbar ist mit anderen auf der Welt. Hier kann man nur bestehen, wenn man gut ist und hohe Qualität liefert. Die etablierten Brauer haben über lange Zeiträume Marken aufgebaut und brauen erstklassige Biere. Ein Gypsy-Brauer hat viel weniger Einfluss auf die Qualität

als ein etablierter Brauer“, ist er überzeugt. Platz sollte dennoch für alle da sein. Niewodniczanski glaubt, dass Gastronomie-Konzepte wie das Tap-House in Deutschland eher eine Seltenheit bleiben werden. „Wir versuchen, dem Gast in der Gastronomie mehr Biervielfalt zu bieten. Ein Wirt, der jeden Abend 20 Zapfhähne reinigen muss und dadurch auch mehr Schwund hat, wird für das Bier mehr Geld verlangen.“ In den USA seien die Leute bereit, für Bier und das Erlebnis mehr zu bezahlen. Inwieweit das in Deutschland funktioniere, müsse sich zeigen. Jan Niewodniczanski ist neben dem Tagesgeschäft in Bitburg auch heute noch viel unterwegs. Besucht Brauer überall auf der Welt, lernt neue Biere kennen, schließt Brauer-Freundschaften. Am Sudkessel aber steht er nur noch selten, Ausnahme ist die Versuchsbrauerei, das Craftwerk in Bitburg. Er ist Fan hopfenbetonter Biere, liebt IPA. Wenn er allerdings lange auf Reisen war und viele ganz wunderbare Craftbiere getrunken hat, dann freut er sich wieder auf seine deutsche Heimat. „Auf nichts freue ich mich dann mehr als auf ein frisches Bitburger Pils.“ – No. 01-2016


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fotos: CBC, Ingo Reich

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Vor der Kulisse des Tafelbergs ein Weizenbier oder ein Pils? Braumeister Wolfgang Koedel, ein gebürtiger Franke, braut für die Cape Brewing Company (CBC) in der südafrikanischen Weinregion bei Kapstadt klassische deutsche Bierstile. Aber durchaus auch mal ein India Pale Ale. Text: Ingo Reich

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olfgang Koedel geht es nicht um Masse, sondern um Klasse. „Brauen ist vor allem Handwerkskunst“, sagt der 50-Jährige. „Und das macht sich im Produkt bemerkbar.“ Stolz präsentiert der Braumeister, der sein Handwerk bei der Bayreuther Brauerei Gebr. Maisel lernte, seine neue Sorte: „Mandarina Bavaria IPA“, ein India Pale Ale. Das frisch gezapfte Bier, das Koedel über den Tresen reicht, bricht neuen Geschmackswelten Bahn. Trotz eines Bitterwertes von 65 IBU umschmeicheln die starken Nektarinen- sowie Citrus-Noten den Gaumen.  »

Weizen am Kap 28



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←↓ Bewusst nachhaltig:

CBC setzt Bio-Diesel ein, um das Sudhaus zu beheizen. Um 60 Prozent konnte zuletzt der Energieverbrauch gesenkt werden.

↓ Ein Hoch auf die Braukunst:

(v.l.) Braumeister Wolfgang Koedel, Operational Manager Andy Küng und Brand Ambassador Scott Kelly.

Das traditionell stark gehopfte India Pale Ale verdankt seine Entstehungsgeschichte der britischen Kolonialherrschaft. Die zusätzliche Gabe von getrocknetem Aromahopfen und ein hoher Alkoholgehalt sorgten bei den in England und Schottland gebrauten Bieren für die Haltbarkeit auf dem langen Schiffsweg von Southampton um das Kap der Guten Hoffnung herum bis nach Indien. „Die britischen Soldaten, die das Bier hauptsächlich konsumierten, waren vor allem über den hohen Alkoholgehalt erfreut, dabei nahmen sie die hohen Bitterwerte sozusagen billigend in Kauf“, erklärt Koedel. Anders als bei traditionellen Rezepten experimentierte der Braumeister mit Hopfenaromen. Denn reichern sich die ansonsten leicht flüchtigen Hopfenöle während des Brauprozesses im Bier an, sorgen sie für eine extrem fruchtige Note. „Selbstverständlich stammen sämtliche Zutaten aus Deutschland, nur das Brauwasser fördern wir aus zwei benachbarten Naturquellen“, erläutert Koedel, der seine Freiräume bei der CBC auch weiterhin nutzen will, um Craftbiere zu brauen. Neben dem India Pale Ale, das zunächst in einer kleineren Auflage produziert wird, 30



sorgen vier klassische Sorten wie Pilsner, Lager, Kristallweizen sowie ein dunkles Hefeweizen (Amber) für den größten Umsatz der Kap-Brauerei. Außerdem im Programm: saisonale Produkte wie ein Oktoberfest-Bier oder ein Harvest Lager.

Zurück an die Sudpfanne Vor seinem Engagement bei der CBC war Wolfgang Koedel rund zehn Jahre lang der Braumeister des Paulaner Bräus auf Kapstadts Touristenmeile an der Victoria & Alfred Waterfront. Anfang 2012 war damit jedoch Schluss. Das Münchner Unternehmen, das zur Schörghuber-Gruppe gehört, war nicht mehr bereit, die stark gestiegene Pacht aufzubringen. Nur wenige Tage, nachdem im Paulaner die Zapfhähne für immer versiegten, brachte Charles Back, die Nummer eins unter den Kap-Winzern und Eigentümer des Paarler Weinguts Fairview, den Braumeister zurück an die Sudpfanne. Back war überzeugt, die Kap-Region brauche dringend eine Brauerei, die eine perfekte Ergänzung zu den qualitativ hochwertigen Weinen aus dem Gebiet um die Weinmetropole rund um Paarl und Stellenbosch

CBC Mitarbeiter: 38 Jahresproduktion: 35.000 Hektoliter Sudhaus: 30 hl Lagertanks: 2.160 hl Flaschen-Abfüllung: bis 3.000 Flaschen pro Stunde Fass-Abfüllung: Keg-Line mit bis zu 30 Kegs pro Stunde www.capebrewing.co.za No. 01-2016


bilden sollte. Als weiteren Investor holte Back die schwedische Brauerei Åbro mit ins Boot. „Wir wollen in Südafrika neue Maßstäbe setzen“, sagt Koedel. „Auch hinsichtlich der Nachhaltigkeit. So haben wir beispielsweise unseren Energieverbrauch bereits um 60 Prozent senken können. Außerdem setzen wir Bio-Diesel bei der Beheizung des Sudhauses ein.“

Schokoladenmanufaktur, eine Glasbläserei sowie weitere Feinkostanbieter runden das Angebot ab. „Die traumhaften Sonnenuntergänge hinter dem Tafelberg, die Abende mit einem Glas Wein oder Bier in der Hand sowie der Blick zum Simonsberg besitzen große Anziehungskraft für Einheimische wie Touristen“, schwärmt Tourismus-Experte Reimar Thielemann, der die Weinregion um Paarl wie seine Westentasche kennt. 45.000 Gäste

besuchten die Brauerei im vergangenen Jahr. Auch für Wolfgang Koedel ist Südafrika zur Heimat geworden. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Li, die er während seines Engagements für Paulaner in Shanghai kennenlernte, kann er sich keinen schöneren Platz auf Erden vorstellen. Ob seine Biere künftig auch auf dem europäischen Markt erhältlich sein werden? „Wieso? Afrika ist doch groß genug“, sagt der gebürtige Franke lächelnd.  –

Magnet der Region

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Als Chief Operating Officer (COO) der Investorengruppe steht Koedel von Anbeginn der Schweizer Andy Küng zur Seite. „Wir wollen dem südafrikanischen Biermarkt neue Impulse geben und ihn wachsen sehen“, sagt CBC-Geschäftsführer Küng. Er berichtet von anfänglichen Problemen, den einheimischen Mitarbeitern die hohen Hygiene-Standards der Brauerei nahezubringen. Doch mittlerweile kann man redensartlich vom Boden des Produktionsgeländes essen. „Alle haben erkannt, dass wir ein verlässlicher Sozialpartner sind, wenn unsere Regeln hinsichtlich Sauberkeit und Pünktlichkeit eingehalten werden“, sagt Küng. CBC beliefert inzwischen mehr als 500 Hotels und Spitzenrestaurants sowie den Einzelhandel in ganz Südafrika. „Ein Angebot zum exklusiven Vertrieb über eine der großen heimischen Einzelhandelsketten haben wir abgelehnt, denn wir wollen unsere Autonomie nicht aufs Spiel setzen“, berichtet der 48-jährige Manager. Das Brauereigelände nebst Restaurant, Probierstube und Biergarten befindet sich auf dem Areal des Paarler Weinguts „Spice Route“, vormals Seidelberg, das Investor Charles Back zu einem Touristenmagnet der KapRegion ausgebaut hat. Auf einer Gesamtfläche von etwa zwei Hektar destilliert dort auch der gebürtige Deutsche Helmut Wilderer seine prämierten Spirituosen. Eine No. 01-2016

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Spezial _ Hamburg

Sie sind zurück, die Brauer in der alten Hansestadt! Was sie so treiben und wo man sie findet, lesen Sie im Hamburg-Spezial auf den nächsten Seiten.

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st lange her, dass in der Elbmetropole bald in jedem fünften Haushalt gebraut wurde. Ziemlich lange. Zur Blütezeit der Hanse war das so. Da gab es um die 500 Brauereien in der Stadt, Bier war der Exportschlager schlechthin, hektoliterweise wurde es gen Norden verschifft. Hamburg galt als das „Brauhaus der Hanse“. Später ging’s dann eigentlich nur noch bergab. Abgesehen von der kleinen Renaissance, die das Brauhandwerk im späten 19. Jahrhundert erlebte. Und heute? Ein Eldorado für Bierenthusiasten. Denn längst haben sich Hamburgs Brauer auf den Weg gemacht. In den Fußstapfen ihrer Vorfahren kreieren sie neue Sorten, erfinden wilde, noch nie da gewesene Biere oder besinnen sich auf alte Rezepte. Und es ist Platz für alle da. Für den Multi Carlsberg, der in der Gastronomie jetzt mit einem neuen Zapfsystem auf Fassbiere setzen will, wie für die ambitionierten Craftbrauer, deren Biere aus den Hähnen von Szenekneipen sprudeln und in der Flasche in den Biershops zu haben sind. Oder für Ratsherrn, den Großen unter den Kleinen, der Klassiker braut, aber immerzu auch Neues probiert. Was in der Mikrobrauerei von Ratsherrn geköchelt wird, geht gleich mal an den Hahn des zugehörigen Braugasthauses „Altes Mädchen“ oder wird in kleinster Auflage im eigenen Craftbier-Store verkauft. Shops mit Spezialitäten aus aller Welt gibt es nicht nur im szenigen Schanzenviertel. Bier in Hamburg macht Freude. Große Freude.

Hier geht’s lang „Eine wunderbare Spielwiese“

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Fünf auf einen Streich

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Die Große unter den Kleinen

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Interview mit Carlsberg-Entscheidern Hamburgs Craftbrauer

Die Brauerei Ratsherrn

Schützenhilfe für Start-ups

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Zurück in der Heimat

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Gegen den Durst

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Der Bierverlag Brausturm

Brauer Wesseloh sagt, was er denkt 32



Stationen für Bier-Fans

No. 01-2016


No. 01-2016

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foto: istockphoto.com


Spezial _ Hamburg

Seit mehr als zehn Jahren steuert der dänische Riese CARLSBERG seine Aktivitäten auf dem deutschen Markt von Hamburg aus. Auf die Bewegungen im Biermarkt reagiert der Konzern ab 2016 mit einem modularen Zapfsystem und übernimmt den Vertrieb von Bieren der amerikanischen Marc Kemper (l.) und Sebastian Holtz.

Kultbrauerei Brooklyn.

„Können alle nur gewinnen“ Ein Gespräch mit Sebastian Holtz, neuer CEO CARLSBERG Deutschland, und Marc Kemper, Geschäftsführer Gastronomie.

Interview: Marika Schiller

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Im deutschen Biermarkt ist ziemlich was los. Neue Sorten werden gebraut, alte Rezepte neu belebt. Große Brauereien lassen sich von der Experimentierfreude der Craftbrauer inspirieren... Herr Holtz, wohin führt das? Holtz: Was im Moment passiert, das ist absolut erfreulich. Zu erleben, dass über Bier wieder gesprochen wird, dass sich die Leute dafür wirklich interessieren, also nach Zutaten und Herkunft fragen, das ist wirklich positiv. Und das ist neu. Was daraus erwächst, wohin all das führt, das ist offen. Aber die Entwicklungen haben großes Potenzial. Wir glauben an diesen Trend.

Wie geht Carlsberg mit? Kemper: Wir beobachten eine steigende Nachfrage an Fassbieren und reagieren. Im Januar 2016 führen wir offiziell den Draught-Master im Markt ein. Dies ist ein modulares Zapfsystem, das in unserem Forschungszentrum nach italienischem Vorbild weiterentwickelt wurde und seit drei Monaten in zehn Objekten in Hamburg und Berlin sehr erfolgreich in der Pilotphase läuft. Aktuell können sechs Fassbiere mit dem Draught-Master gleichzeitig angeboten werden. Es arbeitet mit Einwegfässern aus Kunststoff, die bis zu 31 Tage im Anstich haltbar sind. Kein Fässerschleppen mehr.

Was bedeutet das für die Gastronomie? Kemper: Wird die Bewegung aufgenommen und mitgegangen, dann könnte das die Branche insgesamt verändern. Vielerorts passiert das ja schon. Die Gäste erwarten, ja, sie fordern Vielfalt. Sie sind anspruchsvoller und bewusster. Der Gastronom sollte darauf reagieren und diese Veränderungen unbedingt als Chance erkennen.

Bier aus dem PET-Fass? Holtz: Natürlich, zunächst klingt das ungewöhnlich und tatsächlich haben wir bei der Einführung mit Skepsis gerechnet. Aber genau das Gegenteil passierte. Die Rückmeldungen der Gastronomen sind durchweg positiv. Die Aufgeschlossenheit und spontane Akzeptanz hat uns selbst fast überrascht. Kemper: Für den Draught-Master spricht No. 01-2016


fotos: david daub

ja nicht nur das einfache und unkomplizierte Handling. Die Anlage arbeitet mit Druckluft, die das Fass durch Zusammenpressen entleert. Zusätzliches Kohlendioxid und ein Gaswarngerät sind somit überflüssig, ebenso das regelmäßige Reinigen der Bierleitungen durch einen externen Servicepartner, denn dieses erfolgt nun automatisch auf Knopfdruck. Die Qualität, zu der die Biere vom ersten bis zum letzten Glas gezapft werden können, ist gleichbleibend gut. Es gibt also so gut wie keine Schankverluste. Und was bringt der Gastronom auf? Kemper: Er muss bereit sein, in die erforderlichen Standards zu investieren, in Cobra-Schanksäulen, eine begleitende Kühlung bis ans Ende der Leitung und eine Gläserspülung. Diese Investitionen sind Voraussetzung. Jedoch dürften diese sich schon bald rechnen. Ab Januar übernimmt Carlsberg den Vertrieb für Brooklyn-Biere in Deutschland. Diverse Joint-Venture-Projekte mit der amerikanischen Kultmarke werden schon länger in Schweden und Norwegen realisiert. Welche Idee steckt dahinter? Holtz: Nach Jahren der Kooperation ist das so etwas wie eine logische Fortführung dieser Zusammenarbeit. Mit Blick auf Brooklyn Lager könnte man das auch als Antwort auf die drei neuen Sorten verstehen, die Beck’s seit diesem Frühjahr vermarktet… Holtz: Überhaupt nicht. Die Brooklyn-Biere haben wie ihre Brauerei so etwas wie Kultstatus. Sie stehen absolut für sich. Carlsberg konzentriert sich vor allem auf den norddeutschen Markt. Wird das mit den amerikanischen Bieren jetzt anders? Holtz: Schon länger fokussieren wir nicht mehr ausschließlich den Norden. Der Prozess, sich national zu positionieren, läuft bereits seit vier Jahren. Der Gesamtumsatz der Marke Astra beispielsweise wird zu 40 Prozent außerhalb unseres Kernmarktes gemacht. Wie sollen die Brooklyn-Biere vermarktet werden? Holtz: Wir starten mit den Sorten Indian Pale Ale und Brooklyn Lager und forcieren No. 01-2016

zunächst urbane Räume, konkret Hamburg und Berlin. Denn vor allem hier erreichen wir die Zielgruppen. Es wird die Biere in der Flasche im ausgewählten Handel und im Draught-Master in der Gastronomie geben. Ein Brand Ambassador, ein Markenbotschafter, wird die Marke in der Öffentlichkeit repräsentieren, Bierabende und Tastings organisieren, und Brooklyn in den sozialen Netzwerken vertreten. Redet denn die Brooklyn-Brauerei in Sachen Vermarktung mit? Holtz: Im Grunde nein. Wir agieren selbstständig. Und doch profitieren wir von der Zusammenarbeit, von den gemeinsamen Projekten. Zu sehen, wie die Dinge bei Brooklyn laufen, ist interessant und durchaus lehrreich.

Markt. Wie glaubwürdig ist ein handwerklich gebrautes Bier in Verbindung mit dieser Marke? Holtz: Doch, die Botschaft einer kleinen limitierten Auflage lässt sich gut an den Konsumenten vermitteln. Die Holsten Brauwelt ist ja eine wirklich kleine Brauerei, eine Nanobrauerei gewissermaßen, mit einer Anlage, die für 65 Liter pro Sud konzipiert ist. Gemeinsam mit einem Braumeister kann man hier in Seminaren sein eigenes Bier brauen, Zutaten auswählen und sich einen Namen für dieses Bier ausdenken und das Etikett gestalten. Das Handwerk, der Brauprozess soll auf diese Weise hautnah erlebt und nachvollzogen werden können. Die Nähe zum Produkt Bier, das ist die Idee, die hinter der Holsten Brauwelt steht.

Im Ausland spielt Carlsberg das Thema Spezialitätenbiere mit Jacobson schon seit Jahren. Warum wurde das Konzept nicht viel früher und im größeren Stil als mit der Marke Duckstein auf Deutschland übertragen? Holtz: In der Tat hätten wir Jacobson gerne auch in Deutschland vermarktet. Rechtlich war das aber aufgrund der Mehrwegproblematik schwierig und wir haben auf andere Projekte gesetzt. Mit der Duckstein Edelstein-Kollektion und den drei jährlichen Saisonbieren wird dieser Weg aber konsequent beschritten. Das Duckstein Opal Pilsener gibt es jetzt auch vom Fass und im Draught-Master.

Zurück zum bewegten Biermarkt. Auch in Hamburg sind einige sehr ambitionierte Jungbrauer am Start. Noch dominiert Carlsberg. Könnte das einmal anders aussehen? Holtz: Die jungen Brauer im Markt empfinden wir keineswegs als bedrohlich. Im Gegenteil. Gemeinsam erzeugen wir eine neue Vielfalt. Der Markt ist wie eine große, wunderbare Spielwiese. Und das ist doch ein sehr positives Bild. Wir beobachten ein Umdenken in der Branche, eine Verjüngung im Denken. Das Thema Bier hat wieder einen größeren Stellenwert bekommen.

Mit der Holsten Brauwelt ist Carlsberg mit einer eigenen Craftbier-Reihe am

Kemper: Wir können doch alle nur gewinnen.

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Spezial _ Hamburg

Wildwuchs

Kehrwieder

Köpfe

Fiete Matthies

Warum Bier?

Der Braumeister hat Spaß an Bier. Etwas selbst zu machen, das ist sein Traum.

Köpfe

Seit wann?

2006, selbstständig seit 2012

Sorten

Pils, Bockbier, fassge- reiftes Bockbier, Stout

Wie viel?

Knapp 250 hl im Jahr

Spirit Etwas machen, was sich richtig anfühlt und wofür die richtige Zeit ist. Etwas Eigenes machen. www.wildwuchs-brauwerk.de

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Oliver Wesseloh (Foto), seine Frau Julia, Mutter Karin, Geselle Felix und Azubi Christian

Warum Bier? Ist das schönste und vielfältigste und sein Lieblingsgetränk. Seit wann?

Januar 2013 (das erste Bier braute er schon vor 20 Jahren)

Sorten

IPA bis Barleywine und Pale Ale, dauernd irgendwelche Testsude

Wie viel?

50 hl im Monat

Spirit

Liebe zum Bier www.kreativbrauerei.de

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Ratsherrn

Von Freude

Brewcifer

Köpfe Braumeister: Philip Bollhorn (Foto), Tho- mas Kunst, Ian Pyle, Gesellen: Nils, Jule, Michael, Azubi: Len- nard, Aushilfe: John- alan

Köpfe

Köpfe

Seit wann?

Herbst 2013

Warum Bier?

Weil es ein emotiona- les Produkt ist, mit dem man Leute begeis- tern kann.

Sorten

Saison, Lager, Pale Ale, dänisches Winterbier

Seit wann?

Seit 2012, Philip ist Braumeister seit 2004.

Wie viel?

Mehrmals im Monat ein Sud mit 10 bis 50 hl

Sorten

Von Pils bis Witbier, Coffee Stout, holzfass- gereifte Biere

Wie viel?

ca. 32.000 hl im Jahr

Natalie (Foto) und Martin von Freude

Warum Bier? Aus Liebe zu leckeren Dingen

Spirit Lebenslust, Herzblut und der Glaube daran, dass Deutschland spannende Biere braucht.

Jochen Mader

Warum Bier? Weil Jochen das am liebsten trinkt. Seit wann?

Offiziell seit Ende 2013, aber eigentlich schon einige Jahre länger

Sorten

Verrückter Kram. Pale Ale mit Fichtenspitzen, Saison mit Rhabarber, IPA mit Chili

Wie viel?

200 hl im Jahr

Spirit

Gutes, verrücktes Bier abseits der Norm www.brewcifer.de

www.vonfreude.de

Spirit Menschen behutsam an das Thema Craftbier heranführen, bis sie sich irgendwann an die Biere von Brewcifer wagen.

foto: David Daub

www.ratsherrn.de

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Spezial _ Hamburg

In einem Boot

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fotos: Ratsherrn

Nichts etepetete. Im Schanzenviertel ist man Teil des Miteinanders oder gar nicht. Schon im vierten Jahr werden hier RATSHERRNBiere gebraut. Und das erfolgreich: 2015 rechnet die Brauerei mit einem Hektoliter-Zuwachs von 45 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Text: Marika Schiller

E

ben standen sie noch bei einem Bierchen zusammen, die Gesellen und Azubis. Ist ja Freitagnachmittag. Ein Feierabendbier mit dem Braumeister zu trinken, über dies und das zu reden, wie es so geht, was freut, was bekümmert – auch mal über ganz privaten Kram, das ist bei Ratsherrn Usus, gehört zum Miteinander. „Eine Berührung außerhalb der Arbeit, der persönliche Kontakt zu den Mitarbeitern, ist wichtig“, sagt Thomas Kunst, leitender Braumeister bei Ratsherrn. „Wir sitzen doch alle in einem Boot. Keiner ohne den anderen.“ Da feiert die Mannschaft schon mal zusammen Thanksgiving auf dem Brauereihof, weil das Braumeister Ian Pyle aus seiner Heimat Philadelphia so kennt. Truthahn gibt’s dann für alle und Kartoffelpüree, abgeschmeckt mit Knob» lauch und IPA. 

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fotos: Ratsherrn

Spezial _ Hamburg

← Seit 2012 braut Ratsherrn in den denkmalgeschützten Viehhallen im Schanzenviertel. ↑ Keiner ohne den anderen: Thomas Kunst (von links), Ian Pyle und Philip Bollhorn sind Braumeister bei Ratsherrn.

Im Karo-Hemd schreitet Kunst über den Hof und misst Feierabend ist nach dem kleinen Schnack am Freitagnachmittag allerdings nicht. Werden also nochmal die Ärmel hochgekrempelt. Im Karo-Hemd schreitet Braumeister Kunst an diesem Mittag über den Hof, misst mit ausgeklapptem Meter entlang der schwarzen Kegs mit dem Ratsherrn-Schriftzug. Misst und überlegt. „Platz für drei neue Tanks gäbe es noch“, sagt Kunst. Dem Start-up ist es gut ergangen, seit der Eröffnung der Brauerei im März 2012 in den Schanzenhöfen, zwischen Fernsehturm und Fleischgroßmarkt, Schanzenbahnhof und Messehallen. Mit 3000 Hektolitern eingestiegen, wird am Ende dieses Jahres ein Ergebnis von 32.000 bis 34.000 hl erwartet. Was laut Kunst einem Hektoliter-Zuwachs von 45 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die Nordmann-Gruppe hatte 2005 die Markenrechte der traditionsreichen Hamburger Biermarke Ratsherrn Pilsner erworben, die in der Hansestadt zuletzt kaum noch abgefüllt worden war. Die einst zur Elbschlossbrauerei gehörte, dann zur Bavaria-St. Pauli-Brauerei, später zu Holsten und schließlich zu Carlsberg. Braumeister Kunst, großgeworden bei Beck’s und dort zuletzt in der Entwicklungsabteilung, modifizierte das ursprüngliche Rezept des Ratsherrn Pilsner nach seinen Vorstellungen. 2009 war das, noch bevor in den alten, denkmalgeschützten Viehhallen an der 40



Lagerstraße die neue Braustätte gebaut wurde, die zunächst als reine Pils-Brauerei konzipiert war. Weil Kunst aber von Anfang an mehr wollte, als Pils zu brauen, wurden etwa die Tanks zur Herstellung von obergärigen Bieren gleich auf höheren Druck ausgelegt. Wurde eine Zentrifuge in die Anlage integriert, um auch Weizen- und Kellerbiere zu brauen oder naturbelassene Sorten.

Zu süß dürfen die Biere im Norden nicht sein „Ich habe damals ziemlich schnell begriffen, dass wir mit Pils allein keinen Blumentopf gewinnen können“, sagt der 49-Jährige. Die Statistik sollte ihm Recht geben: Machte Pils bei Ratsherrn Ende 2012 noch 82 % von 8000 hl aus, sind es heute noch 62 % von insgesamt rund 34.000 hl Jahresproduktion. 13 verschiedene Sorten wurden in diesem Jahr auf der großen Anlage gebraut, ungefähr dieselbe Anzahl neuer Biere in der Mikrobrauerei. „Wir gucken nicht nur, was die Kollegen in den USA so machen“, sagt Kunst. Tüftle er an einem neuen Bier, stelle er sich seine ganz eigene Interpretation dieses Stils vor, überlege aber auch, welche Geschichte zu dem Bier gehört und was geschmacklich zur Region und den Menschen hier passe. Zu süß etwa dürften die Biere, die Ratsherrn im norddeutschen Raum bis Hannover vertreibt, niemals sein. Kunst berichtet vom Rotbier, das zu den Stammsorten von Ratsherrn gehört und das schon im 13. Jahrhundert in Hamburg gebraut worden sein soll. Oder dem Kaventsmann, einem

Craftbier-Store Auf 25 Regalmetern werden 350 Biere aus aller Welt verkauft – vom Fass und in der Flasche, unterteilt in ober- und untergärige Bierstile, geschützt durch indirektes Licht, gekühlt im begehbaren Kühlhaus. Freitags, zwischen 18 und 20 Uhr, heißt es „Open Bottle“. Dann werden im Store besondere Biere verkostet.

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag, 12 bis 20 Uhr, Telefon 040 380 728 9222 www.craftbeerstore.de No. 01-2016


Greening Projekt „Gartendeck“. Oder öffnet von Mai bis September jeden ersten Sonntag im Monat kostenlos ihren Innenhof für den Und weil klar ist, dass wer in den SchanzenhöNachbarschaftsmarkt „Hallo Frau Nachbar“. Dann lassen sich Menschen aus dem Vierfen braut, nicht glauben sollte, etwas Besseres Der Braumeister hatte Lust, zu sein, tut Ratsherrn gut daran, die Nähe zu tel auf den rohen Holzbänken vor dem roten bekannte Pfade zu verlassen Backstein nieder. Kommen nur zum Schnaden Leuten drum herum zu suchen. Etepetete ist nicht angesagt. Also setzt die Brauerei cken. Oder zeigen Handwerkliches: vegane Von seiner klassischen Ausbildung zum BrauCraftauch Magazin, 142 x 200 mm, CC-de46-AZ026Leckerbissen, 09/15 hier auf Miteinander. Auf die Zusammenmeister geprägt, hat Kunst den Lehrgang zum Schmuck, Klamotten, sogar Koffer, die Musik machen können – oder Bier. – Sommelier als schieren „Augenöffner“ erlebt, arbeit mit den Elbe-Werkstätten, dem Urban als „Bewusstseinserweiterung.“ Plötzlich hatte er unbändige Lust, die bekannten Pfade zu verlassen. „Ich verspürte Lust, mit dem Hopfen zu spielen.“ Auf einer Reise schließlich, die Kunst gemeinsam mit Kollegen zu Craftbrauern in Dänemark unternahm, lernte er, dass Bier immer auch Storytelling braucht. Dass Lagerbier zum Beispiel zwar in Österreich erfuncraftbrewing.krones.com den, aber vor 150 Jahren schon in Hamburg gebraut wurde. Und Ratsherrn diesen untergärigen Klassiker nun auch in den Schanzenhöfen in St. Pauli brauen könnte – zumal an der Lagerstraße gelegen. nachtschwarzen Saisonbier mit Malzaromen von Schokolade, getrockneten Früchten und Espresso.

Um zu forschen, zu entwickeln, dafür gibt’s bei Ratsherrn die Mikrobrauerei. Wie alle anderen nennt Kunst sie einfach nur „die Mikro“. Weil sie sogar eine eigene Abfüllanlage hat, können hier Biere in kleiner Auflage hergestellt werden, limitierte Sorten, wie ein Weizenbockbier mit Zitronen- und Maracuja-Aromen oder ein Oat White IPA mit ordentlich Bittereinheiten. „Alles was hier gut gelingt“, sagt Kunst, „wird in unserem Shop in der Flasche verkauft oder geht im Alten Mädchen an den Hahn.“ So funktionieren der Store und das Braugasthaus „Altes Mädchen“ (siehe Seite 43) als Testmärkte und Botschafter zugleich. Neue Sorten, die dort gut ankommen, werden in größeren Mengen dann an der großen Anlage gebraut.

wird sichtbar, dass das Bier von Menschen mit Herzblut gemacht wird“, sagt Kunst.

blog.krones.com/craftbeer

For those about to brew

BrauBeviale 2015 Nuremberg, 10 – 12 November Stand 7A-520

Herr über die „Mikro“ ist Ian Pyle, der als Entwicklungsbraumeister bei der Samuel Adams Brewery in Boston gearbeitet hat, bevor er zu Ratsherrn kam. Er gibt auch die so genannten „Costum made Brewings“-Kurse, bei denen jeder, der mag, sein eigenes Bier brauen kann. „In der ‚Mikro‘ No. 01-2016

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foto: Brausturmverlag

Spezial _ Hamburg

Die Bierstürmer Maximilian Marner und Ronald Siemsglüß sind CraftbierEnthusiasten. Das sagen sie selbst von sich. Das spiegelt sich in ihrem Tun. Mit dem Brausturm Bierverlag betreiben sie in Hamburg einen Craftbier-Großhandel.

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ine Kneipe, eine Bar? Großhandel oder Shop? „Es sollte um Craftbier gehen“, sagt Maximilian Marner. „Aber auch darum, frei zu sein.“ Mit Ronald Siemsglüß saß er damals zusammen, dem Bruder des Brauers Simon Siemsglüß, der in Hamburg die Buddelship-Biere braut. Sie überlegten, diskutierten über ein mögliches Geschäftsmodell rund um Craftbier. Einen Bierverlag, einen Großhandel, zu gründen, schien ihnen am lukrativsten. Auch als Basis für weitere Projekte. Projekte, die das Duo mittlerweile längst realisiert hat: die „Schankwirtschaft“, einen ungebundenen Bierladen nahe der Reeperbahn und den Shop „Beyond Bier“ mit Fassbieren und Taproom.

„Ein Verband wäre nützlich“ Mein erstes Bier… ähm, kann ich mich nicht erinnern. Als Wanderbrauer habe ich… viel Spaß gehabt und viel gelernt. Ich schließe die Tür zu meiner Brauerei auf und denke… geil!!! Brauen ist für mich… Kreativität und Freude. 42



foto: David Daub

Multiaktiv fördern sie die Bekanntheit von Craftbier über ganz unterschiedliche Aktionen. Sie ermuntern Gleichgesinnte zu Innovationen und vertreiben ausgefallene Bierkreationen, um Mikrobrauer zu unterstützen. Vor allem jene in Hamburg. Konzentriert auf den nationalen Markt, ist Brausturm Großhändler und Importeur von Bierspezialitäten, Vertriebspartner von kleinen Start-up-Brauereien. „Neu ist“, sagt Marner, „dass jetzt auch die großen

Die „Schankwirtschaft“ und „Beyond Beer“ dienen als Referenzprojekte. „Erfahrungen, die wir selbst im Bereich Shop und Gastronomie machen, können wir an unsere Kunden weitergeben“, erklärt Marner. „Wir können zeigen, dass sich Craftbier aus gastronomischer Perspektive durchaus lohnt.“ Und dass Shops funktionieren, die mit einem abwechslungsreichen Angebot immer wieder neu überraschen. Einsteiger unterstützt der Verlag bei der Planung, bei Einrichtung, Kassensystem und möglichen Veranstaltungen. Bemerkenswert sei, wie viele Shops derzeit eröffneten. Beflügelt fühlen sich die Craftbier-Enthusiasten von der Begeisterung, die Bier auslösen kann. Bei ihnen selbst, bei anderen. Aber auch davon, sich als Teil der Gemeinschaft von Brauern zu fühlen.  – www.brausturm.de

Oliver Wesseloh folgte nach Jahren als Wanderbrauer in Amerika dem Ruf seiner Heimat, dem Ruf „Kehr wieder“, mit dem Seefahrer einst von ihren Familien verabschiedet wurden. 2014 eröffnete der Brauingenieur in Hamburg die Kreativbrauerei Kehrwieder.

welcher Qualität Ich dieses Bier ist. Es habe kann uns unterein Buch stützen oder den geMarkt zerstören. schrieben, weil… ich gefragt wurde und es lie- Craftbier heißt… be, Menschen von echter authentische Biervielfalt Biervielfalt zu begeistern. leben. Wenn Großbrauereien behaupten, Craftbiere zu brauen, dann… kommt es darauf an, von

Märkte im Segment Craftbier mitspielen wollen.“ So würden bereits 30 Edeka-Märkte über Brausturm mit diesen Bieren versorgt, 400 Kunden zählt der Verlag in ganz Deutschland.

Dass jetzt die amerikanische Kultbrauerei Stone Brewing mit einer Brauerei samt Gastronomie in Berlin den Sprung nach Deutschland wagt, bedeutet,… dass der Durchbruch auch in Deutschland geschafft ist.

Ein Verband handwerkDas Reinheitslicher Brauer wäre… nötig, nützlich und könnte gebot ist… uns allen helfen. Verbrauchertäuschung.

In zehn Jahren ist der deutsche Markt… hoffentlich deutlich vielfältiger in Bezug auf die Bierstile und kreative Biere sind fest etabliert. Ein gutes Bier… hinterlässt positive Eindrücke, die bleiben. Hamburg ist für mich… die schönste Stadt der Welt und meine Heimat. No. 01-2016


Foto: Bureau Malte Metag

Gegen Den

Altes Mädchen Aus Südafrika, Italien, Skandinavien, Frankreich, aber auch aus Franken und Berlin – im „Alten Mädchen“ in den Schanzenhöfen gibt es neben den Bieren von Ratsherrn rund 60 Craftbiere aus aller Welt. Mit Kamin, Hochbänken und Holztischen ist die Atmosphäre gemütlich-ursprünglich. Zu jedem Bier gibt’s das passende Gericht. Oder umgekehrt. Einfach fragen. Das Braugasthaus setzt auf eigene Interpretationen regionaler Food-Klassiker und backt im hauseigenen Holzbackofen jeden Tag Brot für Stullen, Happen und die „Abendbrote“. Die Philosophie: regionale Produkte, schonende Verarbeitung und ein vernünftiger Umgang mit der Umwelt. Hauptsache frisch, lecker und bewusst. Lagerstraße 28b, altes-maedchen.de

Foto: Nigel Robinson

Alles Elbe „Alles Elbe“ ist ein Mix aus Laden, Kneipe und Café. Ähnlich wie in einem Tante-Emma-Laden gibt es also von allem etwas. Der Anspruch ist hoch: Die Produkte sind allesamt erlesen und stammen aus kleinen Manufakturen, Familien- und Hobbybetrieben des Elbeeinzugsgebiets – von Single Malt Whisky aus dem Spreewald über Gin aus Altona, Wein aus der Region Saale-Unstrut, Salz aus Soltau, Jahreszeitenmilch von den Öko-Melkburen bis zu Craftbier aus Tschechien. Fast alles bei „Alles Elbe“ gibt es zum Mitnehmen. Oder man bleibt lieber gleich im Biergarten der kleinen Kneipe in St. Pauli. Hein-Hoyer-Straße 63, alleselbe.de

Foto: Henning Angerer

Galopper des Jahres Im „Galopper des Jahres“ wird feiner Biergenuss auf groben Tischen serviert. Die nationalen und internationalen Bierspezialitäten kommen aus kleinen Kreativbrauereien oder besonders traditionsbewussten Brauhäusern. Übersichtlich: Auf einer großen Tafel am Tresen lässt sich ablesen, wie viele Fässer des jeweiligen Bieres noch auf Lager sind. Ein Hahn der Zapfanlage ist stets reserviert für neue Entdeckungen. Hier fließt das so genannte „Bier der Stunde“. Die Atmosphäre im „Galopper“: urig und unkompliziert. Gleich neben der Roten Flora, dem autonomen Kulturzentrum im Schanzenviertel. Schulterblatt 73, dreiundsiebzig.de

Foto: Paul Müller-Rode

Schankwirtschaft Ein Bierladen mit klassischem Bistromobiliar, der auf Abwechslung und Frische setzt: aus den zwölf Zapfhähnen der „Schankwirtschaft“ in St. Pauli fließen immer neue, andere spannende Craftbiere. Dazu gibt es eine saisonal abgestimmte Flaschenbierkarte mit jeweils zehn Bieren – exklusive internationale Bierspezialitäten mit bis zu 6,90 Euro für den Drittelliter oder das deutsche Pendant zu 3,20 Euro. Wer sich nur schwer entscheiden kann, der darf am Tresen gerne einen kostenlosen Probierschluck nehmen. Die Speisekarte ist klein, aber fein: Croquette mit Serranoschinken oder Blumenkohl und Bergkäse, Pork Ribs, vegetarische oder mit gebackenem Kabeljau gefüllte Tacos. Detlef-Bremer-Straße 43, schankwirtschaft.com

Foto: Gudrun Drews

Durst

Hier gibt’s Craftbier vom Hahn und aus der Flasche. Passend dazu: Ambiente und Speisekarte.

No. 01-2016

Biershops in der Elbmetropole Haus der 131 Biere Karlshöhe 27 22175 Hamburg Telefon 040 6407299 www.haus-der-131-Biere.de Oasis Hauptstraße 60 22339 Hamburg Telefon 040 5386967 www.oasis-getraenkemarkt.de Bierspezi Hohe Luft Hoheluftchaussee 117-119 20253 Hamburg Telefon 040 4220254 www.bierspezi.de Craftbeerstore Lagerstraße 30a 20357 Hamburg Telefon 040 38072892-22 www.craftbeerstore.de Beyond Beer Weidenallee 55 20357 Hamburg Telefon 040 44465424 www.beyondbeer.de Bierland Seumestraße 10 22089 Hamburg Telefon 040 208971 www.bierland-hamburg.de 43


Markt_ Logistik

Ăœber 60.000 Zuschauer kommen zu den Heimspielen von Schalke 04 in die Arena.

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Olé, Olé, … fotos und Illustrationen: Veltins

Bier und Fußball, das gehört zusammen. Besonders im Stadion. In rauen Mengen geht es hier über die Theken. Die Logistik dahinter ist einfach raffiniert. Zum Beispiel in der Arena „Auf Schalke“.

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Text: Dirk Omlor

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Markt_ Logistik

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enn die königsblauen Knappen furios siegen, können die Fans jederzeit auf ihre Mannschaft anstoßen. Dank eines zentralen Bierleitungsnetzes muss der Besucher keine langen Wege in Kauf nehmen, um an ein frisch gezapftes Bier zu kommen. Über 5.500 Meter Bierleitungen mit eingebauter Kühlung führen aus vier Kühlzentren der Stadion-Katakomben zu 110 Zapfhähnen. In 31 Kiosken, Business-Clubs und Restaurants ist erstklassiger Biergenuss angesagt. Damit verfügt die Veltins-Arena über eine in ihrer Dimension europaweit einmalige Bier-Infrastruktur. Servicequalität ist inzwischen auch bei Großveranstaltungen ein Muss. Kein Wunder also, dass die Planer der Arena „Auf Schalke“ dieser Komponente große Beachtung schenkten. Aber wie soll eine ständige „Zapfbereitschaft“ in den Kiosken gewährleistet werden? Die Infrastruktur jedenfalls schloss eine Versorgung per konventioneller 50-Liter-Fässer von vornherein aus. „Räumlich zu umständlich und bei Hochbetrieb zu unzuverlässig“, lautete 1999 das einhellige Urteil von Architekten, Logistikern und Schankexperten der Brauerei Veltins, die seit Sommer 2005 auch die Namensrechte an dem Stadion hält. „Angesichts der Vielzahl von Verkaufsstellen und wünschenswert kurzen Wegen gab es nur die Lösung der zentralen Bierversorgung“, sagt Veltins-Marketing-Direktor Herbert Sollich. Rund 62.000 Zuschauer sollen in der Veltins-Arena bei den Heimbegegnungen des FC Schalke 04 oder der steigenden Zahl von Musikevents mit Bier versorgt werden. Die Brauerei konzipierte das Bierleitungsnetz, das sich auf vier Kühlzentren stützt. Dort sind jeweils 16.000 Liter frisches Bier gelagert, in 2,6 Meter langen Edelstahltanks. Jeder Tank fasst 1.000 Liter. Außerdem gibt es weitere Kühlräume in der Südostkurve und unweit der Südtribüne. Wöchentlich werden die Zentren per Tankbierzug über die umlaufende Ringstraße der Arena beliefert. Wenn es der Veranstaltungskalender erfordert, kommt auch ein zweites Mal Nachschub. Alles andere läuft praktisch wie von Geisterhand durch die Bierleitungen. Damit diese auf jedem Zentimeter der Wegstrecke gekühlt werden, sind sie von einer weiteren Leitung mit kühlendem Eiswasser umgeben. Beide befinden sich in einer 13 Millimeter starken Isolierung. Auf diese Weise werden optimale Zapftemperaturen von 6 Grad am Zapfhahn gewährleistet. 46



In den vier Kühlzentren des Leitungsnetzes lagern jeweils 16.000 Liter frisches Bier.

Herbert Sollich: „Die Bierpflege unterliegt selbstverständlich der Schankanlagenverordnung, wie sie in der Gastronomie vorgeschrieben ist.“ Im Klartext: Spätestens nach jeder Veranstaltung erfolgt eine mechanische und chemische Reinigung, damit der Geschmack an jedem der 110 Zapfhähne stimmt. Das Veltins-Team ist nach langjähriger Betriebszeit und dem reichlichen Lob der Fans zufrieden. Sollich: „Frische und Rezenz des Bieres haben für uns eine absolute Priorität. Wir wollen Zapfgenuss wie in der gepflegten Gastronomie. Für uns ist die Kombination aus Sponsoring und nachhaltigem Produkterlebnis eine wichtige Facette unseres Schalke-Engagements“. –

Kennziffern 5.500 Meter Bierleitung Frisch gezapftes Pils aus 110 Zapfhähnen Zu Veranstaltungen stehen 52.000 Liter Bier bereit 110 Zapfhähne – in 31 Kiosken, Business-Clubs und Restaurants Unter der Haupttribüne sind 16.000 Liter Pils gebunkert

Funktionsweise 52 Tanks mit je 1.000 l Veltins lagern in der Arena. Die Anlieferung erfolgt mit großen Tankwagen, von denen der größte 28.000 l fasst. Die Bierschläuche werden von den Tankwagen bis an die Tanks gelegt und angeschlossen.

Bier im Stadion Verein Stadion Biermarke Borussia Dortmund Hertha BSC FC Bayern München FC Schalke 04 VfB Stuttgart Hamburger SV Borussia Mönchengladbach Eintracht Frankfurt 1. FC Köln Hannover 96 Werder Bremen 1. FSV Mainz 05 FC Augsburg Bayer 04 Leverkusen TSG 1899 Hoffenheim VfL Wolfsburg FC Ingolstadt 04 SV Darmstadt 98

Signal Iduna Park Olympiastadion Allianz Arena Veltins-Arena Mercedes-Benz Arena Imtech Arena Stadion im Borussia-Park Commerzbank-Arena RheinEnergieStadion HDI-Arena Weserstadion Coface Arena SGL arena BayArena Wirsol Rhein-Neckar-Arena Volkswagen Arena Audi-Sportpark Merck-Stadion am Böllenfalltor

Brinkhoff’s No.1 Warsteiner Paulaner Veltins Krombacher König Pilsener Bitburger & Bolten Krombacher Gaffel & Bitburger Hasseröder Haake-Beck & Hasseröder Bitburger Riegele Gaffel & Bitburger Bitburger Veltins Herrnbräu Pfungstädter 1. FuSSball-Bundesliga, Saison 2015/16

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MÄNNER BACKEN ANDERS. WEIHNACHTSPLÄTZCHEN AUS HACK. AB S. 40.

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Markt_ Logistik

Alles im Fluss Die Bierversorgung in der Arena „Auf Schalke“

Ausschank In den Gastronomiebereichen münden die zwei Bierleitungen in die Schankanlage. Das Kühlwasser ist als Kreislauf geschaltet und hält das Bier auf dem Weg vom Tanklager zum Zapfhahn kalt. Zusätzlich sind zwei Leerleitungen eingebaut, die jederzeit an weitere Zapfhähne angeschlossen werden können.

Befüllung Der Tankzug ist mit 28.000 Litern Bier gefüllt und fährt direkt an der Veltins-Arena vor. Über ein Begleitfahrzeug wird CO2 in die Tankkammern gedrückt, um das Bier unter Druck in die einzelnen Tanks zu füllen. Über einen geeichten Mengenzähler fließt das Bier in eins von vier Tanklagern. Von dort wird es in die Gastronomiebereiche geleitet. 48



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Bierleitung Insgesamt sind über 5.000 Meter isolierte Schlauchbündel (Python) durch das gesamte Stadion verlegt und mit den Zapfhähnen verbunden. Im Python befinden sich acht kleinere Schläuche: zwei für die Bierversorgung, zwei für die Begleitkühlung sowie vier Leerleitungen für zusätzliche Kapazitäten.

Lagerung In der Arena befinden sich vier Tanklager. Dort wird das Bier in insgesamt 52 Tanks mit je 1.000 Litern deponiert. Die beiden größten Lager liegen unter der Haupttribüne und in der Nordkurve (je 16.000 Liter Fassungsvermögen). Damit für optimale Hygiene gesorgt ist, läuft das Bier nicht direkt in die Tanks, sondern in gas- und wasserdichte Kunststoffsäcke, die bei jeder Befüllung der Tanks neu eingelegt werden. No. 01-2016

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City Tour _ Antwerpen

Bier trinken unter Madonnenfiguren: „Het elfde Gebod“ zählt zu den optisch eindrucksvollsten Bier-Cafés in Antwerpen.

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Het elfde Gebod „Du sollst belgisches Bier trinken.“ Nichts leichter als das. Vor allem, wenn es einen nach Antwerpen, in die Hauptstadt Flanderns verschlägt. Tradition und Zukunft begegnen sich hier auf einzigartige Weise. Text & Fotos: Benjamin Brouër

B

olleke. Nochmal: Bol-le-ke. Was für ein herrliches Wort. Und das Beste daran: Mit jedem Bolleke mehr kann man es flüssiger aussprechen. Wer mit Durst durch Antwerpen schlendert – und den Durst setzen wir einfach mal voraus –, der hat in Windeseile eines dieser runden, sich nach oben öffnenden Gläser mit Stiel in der Hand, deren Form man einfach nicht besser beschreiben kann als mit: „Bolleke“. Drin: ein bernsteinfarbenes, malziges, herrlich süffiges Bier aus der Brauerei De Koninck, die seit 1883 ohne Unterbrechung in Antwerpen Bier braut. Gut 40.000 Hektoliter pro Jahr. Es gibt nicht viele Städte, die derart mit einer Brauerei verwachsen sind wie Antwerpen No. 01-2016

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foto: Belgian Brewers - Lander Loeckx

City Tour _ Antwerpen

Belgische Bier-Festivals Wo könnte man die belgische Biervielfalt besser erleben als in den Bier-Cafés? Höchstens auf einem der zahlreichen Bier-Festivals, die das ganze Jahr über in den verschiedenen Regionen Belgiens stattfinden. Zum Besuch empfohlen!

ANTWERPEN (plus Umgebung)

„Bar Paniek“: lässige Pop-Up-Bar auf dem „Eilandje“ Antwerpens.

mit De Koninck. De Koninck ist der „City Brewer“, und das Bolleke ist das Hausbier der 500.000-Einwohner-Stadt.

belgischen Bieres und kämpfen für Qualität, Vielfalt und althergebrachte Braumethoden. Kurz: für die Zukunft der Tradition.

Antwerpen und Flandern insgesamt sind die perfekte Destination, um sich im Selbst-Experiment vom Können der belgischen Brauer zu überzeugen, von der ungeheuren Sorten- und Aromenvielfalt, von der Bereitschaft zum Experiment und dem hohen Qualitätsbewusstsein. Rund 100 der insgesamt etwa 160 belgischen Brauereien findet man in Flandern: abgeschiedene Trappistenklöster, urige Lambic-Brauereien, Giganten wie AB Inbev in der Stadt Leuven und eben historisch verwurzelte Brauereien wie De Koninck.

Seef – alte Marke wiederentdeckt

Von außen mag der belgische Markt gelegentlich behütet wirken, aber natürlich ist auch er nicht vor den üblichen Marktmechanismen gefeit. Brauereischließungen, Marktkonzentration – all das gibt es auch in Belgien. Um für die Zukunft gewappnet zu sein, haben sich mittlerweile 22 Privatbrauer zu den „Belgian Family Brewers“ zusammengeschlossen, darunter die Marken der Duvel-Moortgat-Group, zu der auch De Koninck seit 2010 zählt. Die Family Brewers produzieren 15 Prozent des 52



Tradition und Zukunft – das ist genau das Thema von Johan Van Dyck, einem Mann, der den vermutlich bestbezahlten Job in der belgischen Bierindustrie an den Nagel hängte, alles auf eine Karte setzte und, wie’s aussieht, beim Mischen Fortune hatte. Der allerdings das Spiel auch bestens beherrscht. Wir treffen ihn in der lässigen Pop-Up-Bar „Paniek“ auf dem Eilandje, nördlich des Stadtkerns, dort, wo Antwerpen langsam übergeht in den zweitgrößten Hafen Europas. Das „Paniek“ wirkt wie eine Mischung aus Kunstinstallation, Flohmarkt und Eckkneipe, und Johan Van Dyck wirkt wie der Selfmade-Men schlechthin. Acht Jahre lang hat er bei der DuvelMoortgat-Group gearbeitet, hat als Marketingdirektor die Geschicke von Marken wie Duvel, Liefmans und auch De Koninck geleitet. Und jetzt? Jetzt ist er Gypsy-Brauer. Seine Firma: Antwerpse Brouw Compagnie. Seine Marke: Seef. Sein Traum: eine eigene Brauerei in Antwerpen.

Bierpassieweekend Drei-Tages-Festival des Magazins „Bierpassie“ auf Antwerpens Groenplaats. Vor historischer Kulisse präsentieren sich an einem Wochenende Ende Juni rund 50 belgische Brauereien mit über 170 Bieren. www.bierpassieweekend.be Bollekesfeest Großes Stadtfest an einem Wochenende im August im Herzen Antwerpens. Verschiedene Bühnen für Bands, Theatergruppen, Komiker. Kulinarik: handgemachte regionale Produkte plus Bollekes satt. www.bollekesfeest.be Modeste Bier Festival Dieses jährliche Festival zu Ehren des langjährigen De Koninck-Braumeisters Modeste Van den Bogaert gibt den belgischen Klein- und Kleinstbrauern eine Bühne. Zuletzt versammelten sich gut 4.000 Besucher auf dem Brauereigelände. Termin circa Anfang Oktober. www.modestebierfestival.be Kerstbierfestival, Essen (bei Antwerpen) Das Kerstbierfestival kurz vor Weihnachten wird zur großen Verkostung belgischer Weihnachts- und Winterbiere. Rund 200 Kreationen bis hin zum „Glüh-Kriek“, also warmem Kirschbier, können probiert werden. Termin: 20./21. Dezember 2015 www.kerstbierfestival.be

LEUVEN

Zythos Beer Festival Kult-Festival des Bierkonsumentenverbands Zythos in No. 01-2016


der Brabanthalle von Leuven. Am letzten Aprilwochenende versammeln sich an zwei Tagen tausende von Bierfans um die mehr als 100 Stände belgischer Brauer. www.zbf.be Hapje Tapje Am ersten Sonntag im August dreht sich im historischen Zentrum von Leuven alles um „Häppchen und Gezapftes“. Spitzenköche treffen auf Premium-Biere. www.hapje-tapje.be

BRÜSSEL (plus Umgebung)

Belgian Beer Weekend Die besten Biere Belgiens auf einem der schönsten Plätze des Landes, dem Grote Markt von Brüssel. Auf Initiative des Verbands belgischer Brauer präsentieren kleine, mittlere und große Brauereien, gut 50 an der Zahl, ihr Können. Termin zuletzt Anfang September. www.belgianbeerweekend.be Tour de Geuze Alle zwei Jahre (das nächste Mal leider erst im Frühling 2017) öffnen die bekannten Lambic-Brauereien im Pajottenland und im Sennetal ihre Tore und können individuell oder an Bord eines Tour-Busses besucht werden. Begehrt: der Oude Geuze Megablend, der von den teilnehmenden Brauereien gemeinsam kreiert wird. www.horal.be/toer-de-geuze

„Vor Jahren bin ich per diesem ,Yes-Moment‘ Zufall in einer Bibliothek folgte sogleich der ,Oh auf ein altes Buch gestomy God-Moment‘“, schilßen aus einer Zeit, in der dert Johan, der schnell es in Antwerpen noch feststellen musste, dass über 100 Brauereien gab ihm weiterhin ein entund das beliebteste Bier scheidender Bestandteil Seef hieß“, erzählt Johan, fehlte: die richtige Hefe setzt sein gewinnendes für das Original-SeefLächeln auf und schenkt Flavour. Als er mit Hilfe uns sein Seef-Bier anno der Universität Leuven 2015 ein. Ein spritzigund deren historischer frisches Weißbier, sehr Hefesammlung schließhefig, leicht bitter und lich auch dieses Puzzleteil gefährlich erfrischend ergänzte, war es an der mit 6,5 % vol. Das Bier Zeit, die Familie auf eider Arbeiter, der Chamnen Gang ins Ungewisse vorzubereiten. pagner für Arme war das Seef bis in die 1930er – Johan Van Dyck, Wiederentdeund dann verschwand es Antwerpens dritte cker des Seef-Biers. von der Bildfläche. Mit Brauerei? detektivischem Gespür machte sich der Antwerpener Van Dyck – Heute, vier Jahre und einige Bier-Awards zunächst als Hobby – auf die Suche nach später, ist die Zukunft so ungewiss gar Spuren, Notizen, Rezepten, sprach mit nicht mehr. Geschickt hat Johan Van Dyck greisen Brauern und besuchte achselzuüber Guerilla-Aktionen die Marke aufgebaut, mit Aussagen über den Absatz hält ckende Nachkommen. Gut drei Jahre nach den Anfängen stieß er schließlich auf ein er sich aber lieber zurück. „Wir versuchen, etwas unter dem Radar zu bleiben“, Notizbuch mit Originalrezepturen. „Doch

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↑ Zum Finale der „De Koninck Beer Experience“ geht es an die Verkostungstheke. ↗ Ein Shop für Bierspezialitäten mitten in der City – in Antwerpen ganz selbstverständlich.

sagt er und zeigt sich leicht besorgt, dass ihm insbesondere in der Gastronomie Steine in den Weg gelegt werden könnten. Noch lässt er das Seefbier und seine zweite Sorte, das Bootjesbier, bei einem Freund in dessen Roman Brewery, gut eine Stunde von Antwerpen entfernt, brauen. 2016 soll es dann aber mit dem eigenen Zuhause und einem Brewpub klappen.

Die Bier-Waage halten „Bis es soweit ist, bleibt Seef eine reine Marke, und Antwerpen hat weiterhin nur zwei aktive Brauereien: De Koninck und die Hausbrauerei Pakhuis“, insistiert Hans Bombeke. Der Consultant, Brauer und Tourguide kennt sich in der Antwerpener Szene aus wie kein Zweiter und hat seine Finger scheinbar überall drin: in der Craftbiermesse „Brouw plus“, im Modeste Bierfestival (siehe Übersicht Seite 52), in Antwerps Biercollege, im Brauhaus „Pakhuis“. Und auch im Biercafé „’t Waagstuk“, das er uns zeigen will, um zu demonstrieren, wie gute Biergastronomie in Antwerpen funktioniert. Erste Bedingung: eine Außenfläche. Schließlich ist des Belgiers größtes Hobby das „Terrasje doen“, frei übersetzt: draußen hocken und Bier trinken. Zweite 54



Bedingung: kein Schnickschnack bei der Einrichtung, rustikal geht schon in Ordnung. Dritte Bedingung: eine ausgewogene Bierkarte. Und so tun der Belgier Peter de Raedt und der US-Amerikaner Alex Haueter, die den Laden kürzlich übernommen haben, auch einen Teufel, am Grundkonzept des 1983 gegründeten Ladens etwas zu verändern. „Die beiden haben verstanden, dass es nicht darum geht, einfach Unmengen an Biermarken zu versammeln“, erläutert Hans Bombeke. „Eine gute Bierkarte muss vor allem ein Gleichgewicht haben, sollte besondere, kreative Biere ebenso abdecken wie große Marken, die für den Normalkunden wichtig sind. Sie sollte lokale Akzente setzen und dabei natürlich viele Biersorten umfassen.“ Klar, dass die Biere bei den beiden perfekt temperiert sind und fachmännisch eingeschenkt werden. Wichtig, so Alex Haueter: „Den Bodensatz nie direkt mit ausgießen. Stattdessen die Flasche auf den Tisch stellen und den Gast entscheiden lassen.“

Bier trifft Food Spätestens beim dritten Bolleke, Seef oder Trappistenbier wird einem klar, dass es eine vierte Bedingung für gute Biergastronomie gibt: Kleinigkeiten aus der Küche. Die Kombination aus Bier und Speisen hat

in den letzten Jahren in Belgien enorm an Fahrt aufgenommen, etliche Restaurants bieten eine Bierbegleitung an, und mit den „Bapas“, kurz für Bier-Tapas, hat sich eine eigene Küchenrichtung entwickelt. Ein weiteres Kapitel im Bier-Foodpairing soll nun mit der „De Koninck Beer Experience“ aufgeschlagen werden. Denn die neu eröffnete Erlebniswelt auf dem Brauereigelände bietet noch viel mehr als eine interaktive Tour durch die Bier- und Brauereigeschichte und eine Verkostung der De Koninck-Biere. Das wirklich Neue ist die Integration anderer flämischer Geschäfte und Handwerksbetriebe ins Konzept. So hat Jitsk Heyninck, einer der besten Chocolatiers des Landes, seine Produktion und den Verkauf auf das De Koninck-Gelände verlagert, der Metzger Luc De Laet bezieht seine Räume neben dem neuen Restaurant von Spitzenkoch Bert-Jan Michielsen, und der Käse-Experte Michel Van Tricht produziert für jedermann einsehbar in der alten Abfüllung. Gemeinsame Events sind geplant, Verkostungsabende, kurz: der kreative Austausch handwerklicher Betriebe. Für die Brauerei ist das Millionenprojekt ein Invest, das die Bindung zur Heimat abermals stärken soll. Ein weiterer Schritt in die Zukunft mit Geschichte. – No. 01-2016


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2016

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Bier-cafés in Antwerpen ’t Waagstuk Aus zehn Hähnen und gut 100 verschiedenen Flaschen fließt hier das Bier in die Gläser. Doch den Neu-Betreibern Peter de Raedt und Alex Haueter geht es nicht um bloße Superlative, sondern um ein wohlkomponiertes Biermenü, zu dem auch das Hausbier „Zeppelin“ zählt. Ein dunkles Starkbier mit rund 9 % vol., gebraut bei Dirk Naudts in dessen „De Proef Brouwerij“. Das 1983 gegründete Biercafé verfügt über einen lauschigen Innenhof und eine ansehnliche Bierkrug-Kollektion an der Decke des Gastraumes. Stadswaag 20, 2000 Antwerpen, www.waagstuk.be

foto: Brouer

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Het Elfde Gebod Nach einem Besuch in der Kathedrale von Antwerpen muss man nur einmal um die Ecke gehen und landet in diesem wirklich sehenswerten Laden. Das Bierangebot ist für belgische Verhältnisse zwar recht überschaubar und fast schon touristisch ausgelegt, das Interior allerdings haut einen um. „Het Elfde Gebod“ quillt über vor religiösen Memorabilia. Engels-, Jesus-, Maria- und Jüngerstatuen, wohin das Auge blickt. Perfekt, um die müden Sightseeing-Füße auszuruhen und das ein oder andere Trappistenbier zu ordern. Blauwmoezelstraat 11, 2000 Antwerpen, www.facebook.com/hetelfdegebod

foto: Brouer

Bier Central „The Place to Beer“ nennt sich diese Antwerpener Institution, bei der man statt einer Bierkarte fast schon eine Enzyklopädie in die Hand gedrückt bekommt. Kein Wunder bei 24 Fass- und rund 300 Flaschenbieren, allesamt aus Belgien, versteht sich. Jeweils freitags ist ein Sommelier vor Ort, um die verschiedenen Stile zu erläutern. Der rustikale Holzlook ist typisch für die Bier-Cafés des Landes. de Keyserlei 25, 2018 Antwerpen, www.biercentral.eu

Kulminator Der Name lässt Großes erwarten – und in der Tat ist dieser leicht versteckte Laden ein Juwel mit mittlerweile Weltruhm. Dass der „Kulminator“ von den Usern der Plattform Ratebeer.com schon mehrfach zur besten Bierbar der Welt gewählt wurde, dürfte eher am Wahnsinns-Angebot denn am Ambiente liegen. Kaum zu fassen, dass das ältere Betreiber-Paar in diesem Wohnstuben-Umfeld die Übersicht über ihr Portfolio aus rund 600 Bieren, darunter etliche gereifte, behält. Erlebenswert! Vleminckveld 32, 2000 Antwerpen

foto: Bier Central

foto: Brouer

Wenn man in Belgien Bier trinken will, geht man ins Café, ins Bier-Café natürlich. Die Bierkultur ist in den Städten derart stark verwurzelt, dass man nahezu überall ein – verglichen mit Deutschland – großes Bierangebot vorfindet. Und nicht nur das: Die Biere sind in der Regel perfekt temperiert und werden im Originalglas der Brauerei sortentypisch eingeschenkt. Für besonderen Biergenuss in Antwerpen stehen folgende Ausgehtipps:

foto: Visitantwerp

City Tour _ Antwerpen

’t Pakhuis Im trendigen Stadtviertel Zuid befindet sich die „Huisbrouwerij ’t Pakhuis“, neben De Koninck derzeit die einzige aktive Brauerei der Stadt. Dank der offenen Gestaltung kann der gesamte Brauprozess verfolgt werden. Das 1850 errichtete Gebäude diente früher als Lagerraum an den Zuiderdokken des Flusses Schelde. Heute kann man hier herzhaft essen – durchaus auch in größerer Gruppe – und drei verschiedene Hausbiere plus Sondereditionen trinken, darunter das Flaggschiff „Bangelijke“, ein kräftiges Triple. Vlaamsekaai 76, 2000 Antwerpen, www.pakhuis.info Weitere Tipps und Touren unter www.visitantwerpen.be und belgium.beertourism.com No. 01-2016


Markt_gastronomie

Bart Neirynck, Inhaber der belgischen Bierbar „Herman“ in Berlin, über Sortenvielfalt, Kistenchaos und den Blauschimmel unter den Bieren.

„D ie Belgier haben’s einfach drauf“

Interview: Benjamin Brouër Fotos: Cordula Giese

Eine Bar für belgische Biere in Deutschland. Manch einer würde sagen, das ist wie Eulen nach Athen tragen ... Ja, oder wie Kühlschränke in Alaska verkaufen. Habe ich mir vor gut zwei Jahren, als ich die Bar hier eröffnet habe, alles anhören dürfen von meinen Bekannten in Belgien. Aber alles, was schwierig ist, zieht mich enorm an, und ich war davon überzeugt, dass das funktionieren kann. Voraussetzung war natürlich eine große Stadt mit vielen Leuten aus verschiedenen Ländern. Da ist Berlin einfach ideal.

No. 01-2016

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Markt_gastronomie Einmal quer durch Belgiens Bierlandschaft können sich die Gäste im „Herman“ verkosten.

wie Leffe oder Hoegaarden sind generell gute Einstiegsbiere für Leute, die erstmal zurückhaltend sind. Das Angebot ist ja auch enorm … Ja, wir haben immer zwischen 120 und 150 verschiedene Biere vor Ort, vier Biere vom Fass. Diese wechseln regelmäßig. Wichtig bei der Zusammenstellung ist mir, dass die Biere möglichst unterschiedlich sind und eine große Sortenvielfalt abdecken. Dabei machen wir keinen Unterschied zwischen ausgefallenen Spezialitäten und kommerziellen Bieren aus großen Brauereien. Was ist das Faszinierende an belgischen Bieren? Belgische Biere sind absolut vielfältig und die Qualität ist durchgehend hoch. Wenn man ein belgisches Bier öffnet, hat man immer ein angenehmes Aroma in der Nase. Die Belgier können einfach gut brauen und schaffen es, den Bieren einen guten Körper und einen perfekten Schaum zu verleihen. Sie beherrschen die Kunst der Flaschengärung. Und selbst wenn die Biere mal etwas süßer sind, besitzen sie immer noch eine gute Balance.

Es ist also gar nicht unbedingt deutsches Publikum, das zu dir kommt? Zu Beginn hatte ich fast nur ausländische Gäste, sehr wenige Deutsche haben sich reingetraut. Und die, die dennoch kamen, waren eher skeptisch, was der Belgier hier so macht. Es gibt einfach jede Menge Vorurteile gegenüber belgischen Bieren. Zum Beispiel, dass wir nur süße Fruchtbiere machen. Oder dass alle Biere mehr als zehn Prozent Alkohol haben. Und natürlich, dass die Belgier in ihre Biere alles reinschmeißen. Das zu widerlegen, ist nun meine Aufgabe. 58



Wie führst du Neulinge an belgische Biere heran? Ich versuche bei jedem Gast anhand der Art, wie er fragt, herauszufinden, was sich für den Einstieg eignet. Außerdem erkundigen wir uns, was er sonst so trinkt und was seine favorisierte Geschmacksrichtung ist. Dann ist es meine Aufgabe, ihm etwas zu servieren, was seinen Vorlieben entspricht, oder aber ihn mit etwas zu überraschen, was er gar nicht erwartet hat. In der Regel geschieht das aus dem Bauch heraus, ohne dass ich groß darüber nachdenke. Bekannte Marken

Wie kommt es, dass in Belgien viele Biere so hochprozentig sind? Das hat mit dem Vandervelde-Gesetz aus dem Jahr 1919 zu tun, das damals den Verkauf von Spirituosen in Bars verbot, weil die Leute einfach zu viel Genever getrunken haben. Und was machen wir Belgier mit Regelungen? Wir versuchen, sie zu umgehen. Also haben die Brauer eben ihre Biere stärker eingebraut. Zu starke Bürokratisierung ist uns ein Graus, da muss man sich nur mal die Bierkisten anschauen. Fast jede Brauerei hat hier eine eigene Kistenform und übrigens auch anderes Pfand. Zum Lagern natürlich alles andere als praktisch. No. 01-2016


Apropos lagern – was hat es mit den vielen unterschiedlichen Gläsern jeder Brauerei auf sich? Als Gastronom muss man da doch wahnsinnig werden ... Das stimmt. Für die Brauereien sind die Gläser ein wichtiges Marketinginstrument, aber bei so vielen unterschiedlichen Bieren, wie ich sie habe, kann man unmöglich alle Original-Gläser vorhalten. Zumal ich manche Gläser auch für ungeeignet halte, zumindest außerhalb Belgiens. Gerade für Biere mit sehr speziellem Geschmack, zum Beispiel für alle säuerlichen Biere, eignet sich ein kleines Universalglas aus meiner Sicht besser. Das zwingt dazu, das Bier anders zu

trinken und sich mit dem Bier mehr Mühe zu geben, als wenn man den gesamten Inhalt auf einmal im Glas hat. Was läuft in deiner Bar am besten? Generell verkaufen sich bekannte Marken wie Leffe sehr gut, das verlangen die Leute einfach von sich aus. Gut gehen auch Chimay blue, Westmalle, Hoegaarden und Duvel. Aber wir verkaufen mittlerweile auch eine ganze Menge spontanvergorener Sauerbiere. Für die einen bleibt es bei dem einen Bier, die anderen verknallen sich in diesen Stil. Ich vergleiche das immer mit Käse. Da gibt es die Gouda-Fans und die Blauschimmel-Fraktion.

Oak Aged – holzfassgereifte Bierspezialitäten Camba Oak Aged Biere werden durch eine mehrmonatige Reifung in Eichenholzfässern unterschiedlichster Herkunft veredelt. In verschiedenen Sorten wie Amber Ale - Rum oder Milk Stout - Bourbon erhältlich, werden sie in edle 0,25 und 0,75 Liter Flaschen abgefüllt.

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Markt_gastronomie

Kleine belgische Sortenkunde Die Biervielfalt bei unseren Nachbarn ist enorm. Die wichtigsten Vertreter im Schnelldurchgang. ein Dubbel eine zusätzliche zweite Gärung in der Flasche. Obergärig, 6-8 % vol., dunkle, leicht süßlich-malzige Biere mit einem Aroma von Süßholz, Kandis, Rosinen und gelegentlich einem etwas „brenzligen“ Charakter. Beliebtes Trappistenbier.

Flaschenvielfalt von Stubbi bis Champagner.

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Foto: www.milo-profi.be

In Deutschland gründet sich derzeit eine neue Generation an Brauern, die viel experimentieren. Wie sieht das in Belgien aus – gibt es das dort auch? Doch, das gibt es auch. Aber die Belgier sind so von ihrer Braukunst überzeugt, dass sie nicht in großem Stil auf den Craftbier-Zug aufspringen werden. In Belgien schreibt auch kein Mensch „Craft Beer“ auf die Etiketten, allenfalls „artisanal“. Es gibt aber trotzdem mehr und mehr kleine Brauereien, die eher hopfig nach amerikanischem Beispiel brauen. Diese Biere kann man allerdings nicht überall kaufen, da siegt dann meist noch der Lokalpatriotismus.

Tripel Die Steigerung des Dubbel hinsichtlich verwendeter Malzmenge (hier aber helle Malze) und somit auch Alkoholgehalt. Obergärig, 8-12 % vol., blond in der Farbe, meist dreifach vergoren (inkl. Flaschengärung), malziger bis süßlicher Körper, deutlicher Hopfencharakter und ein bisweilen würziges Aroma. Typischer Bierstil der Trappisten.

Trinken die Belgier auch etwas anderes als ihr eigenes Bier? Sind sie offen für andere Geschmäcker? Hey, wir sind ein Land mit drei unterschiedlichen Sprachen und einer enormen Biervielfalt beim Bier, natürlich sind wir offen und experimentierfreudig. Wir trinken auch viel Wein und Champagner, was zeigt, dass wir Genussmenschen sind. Da kommt wahrscheinlich die Habsburger Vergangenheit durch. Es gab mal eine Statistik darüber, welche Nationen am meisten für Essen und Trinken ausgeben. Da lag Belgien gemeinsam mit Italien ganz vorne. –

Strong Blond Über die weltbekannte Marke „Duvel“ kommen viele Leute erstmals mit dieser Sorte und belgischen Bieren insgesamt in Kontakt. Obergärig, 7-11 % vol., ausgeprägte Schaumkrone, vollmundig, deutliche Hefeund Hopfennoten, teilweise fruchtig, dazu „blonde“ Malzaromen, gefährlich erfrischend. Die „Teufel unter den Bieren“ aufgrund ihrer guten Drinkability bei hohen Alkoholwerten.

Herman Schönhauser Allee 173 10119 Berlin Tel. 030 44312854 www.bravebelgians.be

Dubbel Der Name dieser weit verbreiteten Sorte verweist ursprünglich auf die doppelte Menge an verwendetem Malz. In der Regel erfährt



Trappist Weniger ein eigener Bierstil als vielmehr eine Herkunftsbezeichnung für Biere, die in einem Kloster der Zisterzienser der strengen Observanz gebraut werden. Trappistenmönche müssen in den Herstellungsprozess eingebunden sein und die Erlöse dürfen ausschließlich der Erhaltung des Klosters oder karitativen Zwecken zugutekommen. In Belgien gibt es sechs Trappistenorden: Westmalle, Westvleteren, Achel, Chimay, Orval, Rochefort. Typische Biere der Trappisten: Strong Blond, Dubbel, Tripel plus generell obergärige Starkbiere. Saison (auch Farmhouse Ale) Ein derzeit auch unter deutschen Craftbrauern No. 01-2016


populärer, obergäriger Bierstil (siehe „Aufgemacht“, S. 14/15), der seinen Ursprung in der wallonischen Provinz Hennegau (oder Hainaut) hat. In früheren Tagen zur Winterzeit eingebraut, um die Feldarbeiter in den Sommermonaten zu erfrischen. Ursprünglich ein eher leichter Bierstil (ca. 5 % vol.) mit hopfig-fruchtigem Charakter, würzigen Anklängen und komplexen Hefenoten. Leicht säuerliche Noten verweisen auf den Einfluss wilder Hefen.

Holzfässern, werden dann miteinander verschnitten und abgefüllt. In der Flasche kommt es zur Nachgärung und die entstehende Geuze weist eine feine Perlage, ­einen fein-säuerlichen ­Charakter und zwischen 5 und 7 % vol. auf. „Oude ­Geuze“ darf sich das Bier ­ nur nennen, wenn dem ­spontanvergorenen Bier ­keines aus Obergärung ­zugesetzt wird. Bekannte Marken: Lindemans, Boon, Mort Subite, Timmermans.

Wit/Blanche Ebenfalls stark angesagt unter der neuen Riege an Craftbrauern. Zumeist ungefiltertes und somit trübes Weizenbier, dem Koriander und Orangenschalen zugegeben werden, um den erfrischenden Charakter dieses leichten Bieres (ca. 5 % vol.) zu unterstreichen. Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen aus dem Jahr 1318 verweisen auf den kleinen Ort Hoegaarden als Ursprung, gleichen Namens ist die heute populärste Marke, die zu AB Inbev gehört.

Fruchtbier Grundlage für die bekannten Fruchtbiere bildet Lambic. Diesem werden Früchte, Fruchtsäfte oder Extrakte hinzugefügt. Das traditionellste Fruchtbier auf Lambic-Basis ist das Kriek (Kirschbier). Hierfür lässt man mindestens 20 Kilogramm Sauerkirschen in 100 Liter altem, das heißt gereiftem Lambic mazerieren. Kriek (ca. 4-6 % vol.) weist geschmacklich alle Charakteristika einer Geuze auf, kombiniert mit dem fruchtigen Aroma der Sauerkirsche. Beliebt sind zudem Fruchtvarianten mit Cassis, Apfel, Pfirsich und Himbeere.

No. 01-2016

Weitere populäre Stile: Speciale Belge obergärig, bernsteinfarben, malzig, ca. 5 % vol., Beispiel: Palm, De Koninck Bière Brut obergärig, starke blonde Biere, Flaschengärung nach der Champagnermethode, Beispiel: Deus Oud Bruin/Flämisch Rotbraunes: Spezialitäten aus Flandern basierend aus gemischter Gärung, z.T. mit Milchsäure, holzfassgelagert, frischwürzig, leicht säuerlich, 5-6,5 % vol., Beispiel: Rodenbach Grand Cru, Liefmans Oud Bruin

Oliver Wesseloh – Bierbrauer aus Leidenschaft und Weltmeister der Biersommeliers – nimmt uns mit auf eine Reise durch die Welt des Bieres, erklärt den Weg zum guten Bier, gibt eine Anleitung zum Heimbrauen und präsentiert die unglaubliche Vielfalt, die Bier zu bieten hat. Ein Buch voller Herzblut und Genuss, eine Liebeserklärung an das Bier und ein Muss für alle Bierliebhaber.

© formvermittlung Klaas Twietmeyer

Geuze/Gueuze Basis einer jeden Geuze sind Lambics unterschiedlichen Alters. Lambic ist sicherlich einer der traditionsreichsten belgischen Bierstile und beruht auf einer Spontanvergärung mittels wilder, in der Luft befindlicher Hefen. Das Sennetal rund um Brüssel eignet sich aufgrund seines besonderen Mikroklimas und der wilden Hefen (Brettanomyces bruxellensis) besonders für die Produktion der Lambics, deren Schüttung im Übrigen mindestens zu ­ 30 Prozent aus unvermälztem Weizen bestehen muss. ­Gebraut wird nur in den ­kalten Monaten (ca. Oktober bis April), da zu dieser Zeit die gewünschten Mikro­ organismen aktiv sind. Die Lambics reifen zwischen ein und drei Jahren in großen

AUF DIE NEUE BIERVIELFALT!


Markt_ Mittendrin

Seattle

Auszüge aus dem Tagebuch des Chefredakteurs Dirk Omlor.

Ich hab’s wieder getan! Bin wieder in die USA. Dorthin, wo das Land weit ist und Männer noch echte Männer sein dürfen. Hopfenernte in Yakima. Farmen besuchen, Leute kennenlernen, Bier trinken. Pubs in Portland und Seattle testen. Was für eine Bierauswahl! Und erst das BBQ! Alles riesig. Nur das Frühstück nicht. Das ist grauenhaft. 62



No. 01-2016


BurRito Verde

Tipsoo Lake

Miss Dee

Im hopfenfeld

Hopfentrocknung

Mann mit Helm

High Noon in Toppenish

...mhmm!

Hopfenhalle

M채nnerreifen

No. 01-2016

Yakima Valley

Noch mehr Valley

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Markt_ Mittendrin

1. Juli, 2 Monate vor Reiseantritt 10:₄3 Uhr. Habe mich zu den Hopfentagen

angemeldet, organisiert von Barth und Braufactum. Es geht in die USA. Eine Woche, 25 Mitreisende. Seattle, Yakima, Portland. Hört sich super an: Hopfen-Farmen, Brauereien, Pubs und jede Menge neue Biere.

17:58 Uhr. Englisch-CD im Auto eingelegt. Kurs fortsetzen. „Hello, my name is Dirk.“ Bin erleichtert, ich kann’s noch. Werde nun täglich eine Lektion hören.

18:03 Uhr. CD nervt. Schalte auf Radio.

31. August, Montag, Reiseantritt 10:28 Uhr. Sitze im Flieger. Economy,

Mittelgang, Mitte. Hölle. Neben mir eine Amerikanerin. Uralt. Sieht aus wie 100. Hoffentlich überlebt sie den Flug.

16:03 Uhr. Kann kaum noch sitzen. Alles tut weh. Noch fünf Stunden.

11:28 Uhr, Ortszeit Seattle. Gelandet. Die Oma lebt noch. Gott sei Dank.

12: 16 Uhr. Lange Schlangen bei der Einreise.

Wieder Kreuzverhör. „I’m here for the Beer“, sag ich. Noch mehr Kreuzverhör. Brille ausziehen, Gesichtserkennung, Fingerabdrücke - und ich bin drin. Hoffentlich lassen die mich auch wieder raus!

13:26 Uhr. Wir sitzen im Bus. Bunte Truppe.

Bier-Enthusiasten und -Blogger, Journalisten, Mitarbeiter von Barth-Haas, Braufactum und Doemens.

13:35 Uhr. Erster Halt: ein Supermarkt. Pale

Ales, IPAs, Pumpkin Ales und weitere Sorten werden verladen. Bierprobe startet. Schön, dieser Nationalpark.

17:25 Uhr. Dritter Halt: Whistling Jack Lodge,

es gibt Bierbuffet. Mitten in der Wildnis, daneben ein Fluss. Fühle mich wie der Mann in den Bergen. Fehlt nur noch der Bär. Trinke eiskaltes Coors Light. Werde dafür von den Anderen verspottet, die trinken Craftbier. Egal, mir schmeckt’s. Die Landschaft - ein Traum.

18:48 Uhr. Bin bei Coors Light geblieben

und todmüde. Fühle mich wie in Watte. Die neun Stunden Zeitverschiebung machen sich bemerkbar.

19:13 Uhr. Endlich Essen. Riesige Maiskolben

und riesige Kartoffeln, dazu Nudelsalat und Lachs. Die regionale Spezialität Blutsoße gibt es zum Glück extra. Stinkt und schmeckt eklig. Nachspeise: Eis mit Huckleberrys. Der Koch erklärt den Unterschied zwischen Huckleberrys und Blueberrys. Verstehe kein Wort und trinke noch ein Coors Light.

21:08 Uhr. Yakima. Größtes Hopfenanbau-

gebiet der USA. Sehe keinen Hopfen und mache um die Hotelbar einen großen Bogen. Bin stehend k.o. und werde die Nacht bestimmt gut schlafen.

23:11 Uhr. Wieder hellwach. Scheiß Zeitverschiebung.

1. September, Dienstag

6:00 Uhr. Was für eine Nacht. Nur stunden-

weise geschlafen. Muss heute Abend mehr Bier trinken. Jetzt duschen.

6:23 Uhr. Wasser extrem gechlort. Rieche nach Hallenbad.

6:37 Uhr. Frühstück. Es gibt Obst, Joghurt,

Sandkuchen und Schoko-Muffins. Esse einen Muffin.

6:41 Uhr.

Zuckerschock. Muffin liegt wie ein Stein im Magen. Astronauten-Nahrung ist nichts dagegen. Die spinnen, die Amis.

15:30 Uhr. Wald und schnurgerade

8:05 Uhr. Die Wüste lebt. Nach einer Stunde

Busfahrt der erste Hopfen. Die Wykoff-Farm, mit ca. 1.000 ha die größte in Yakima. Hopfenernte ist in vollem Gang. Die Anlagen nagelneu, erst wenige Tage in Betrieb. Groß, größer, USA. Riesige Hallen zur Hopfen-Trocknung. Überall Mexikaner als Erntehelfer.

12:11 Uhr. Ankunft in Toppenish. Wie im wilden Westen. Nur Saloon fehlt. Monumentale Gemälde an den Häusern zeigen Indianer bei der Hopfenernte. 8.000 Einwohner. Außer uns kein Mensch auf der Straße. Wind wirbelt Staub auf. High Noon.

12:27 Uhr. Mittagessen beim Mexikaner. Sitze

neben unserem Busfahrer Steve. Der schwärmt von dem Essen hier und empfiehlt Burrito Verde, was immer das auch sein mag. Ich vertraue ihm und bestelle dasselbe.

12:25 Uhr. Endlich. Mexikanisches Bier. Dazu

Tacos mit extrem scharfer Soße. Habe Hunger und esse die ganze Schüssel. Bier hinterher. Hilfe, war das Zeug scharf!

12:43 Uhr. Burrito Verde. Ein Pfannkuchen

gefüllt mit fettem Schweinefleisch und fetter Soße, dazu pürierte rote Bohnen, Reis. Alles dick mit Käse überbacken. Der Teller schwimmt in Fett. Steve strahlt und haut sich das Zeug rein. Ich auch. Strahle nicht.

12:55 Uhr. Nie wieder Burrito Verde. Nie wieder Essen. Musste die Hose öffnen, kann kaum noch laufen. Fettschock. Brauch einen Schnaps.

13:33 Uhr. Wieder im Hopfenfeld. Barth-Haas

hop breeding Farm. Mussten vorher Helme und Schutzbrillen anziehen. Bier gab’s auch. Für mich nicht. Noch zu vollgegessen. Danke, Steve. Goldzahn, Dreitagebart, Cowboystiefeln, Jeans, riesiger Gürtelschnalle und jeder Menge Brusthaar, das er auch zeigt. Dazu einen Schutzhelm in Form eines Cowboyhutes. Ich liebe Amerika. Hier dürfen Männer noch echte Männer sein.

16:23 Uhr. Zweiter Halt: Tipsoo Lake,

beliebtes Ausflugsziel. Ist kalt und nebelig. Der See winzig, mehr ein Teich. Zu Fuß herum keine zehn Minuten. Lake? Haben die Amis kein anderes Wort dafür? Auf dem Weg: Elchscheiße. Daneben Bärenkacke, wie mir der Busfahrer erklärt.

17:37 Uhr. Barbeque, ein riesiger Smoker. Miss Dee und zwei weitere Wuchtbrummen sorgen für Stimmung. Miss Dee spricht lautstark das Tischgebet.

18:05 Uhr. Konnte kaum was essen. Burrito

Kaugummi-Wand 

Straßen, karge Gebirgszüge. Wir fahren durchs Yakima-Valley. Hier ist Wüste, verkündet der Busfahrer. Nie Regen. Ohne künstliche Bewässerung wachse hier nichts. Mein SmallTalk vorhin mit dem Hotelportier, dass ich froh bin, dass wir Glück mit dem Wetter haben, ist mir jetzt direkt peinlich.

14:17 Uhr. Unser Führer, ein Mexikaner mit

Straße. Alle sind gut drauf. Gerade ein paar Elche gesehen. Sieht aus wie in Kanada.

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7:34 Uhr. Endlose Weite, endlos gerade

Verde liegt immer noch quer. Nachspeise extrem süß, brauchte dazu drei Boston Lager. No. 01-2016


11:19 Uhr. Bierprobe. Auf dem Weg nach Port21: 16 Uhr.

Hotelbar. Jetzt IPAs, die Nacht muss . Muss ins Bett. werden besser

0:34 Uhr.

Hellwach. Scheiß Zeitverschiebung. Muss morgen Abend noch mehr Bier trinken.

2. September, Mittwoch

6:32 Uhr. Was für eine Morgentoilette! Frag nicht. Burrito Verde, sag ich nur.

13:05 Uhr. Heute Vormittag Vorträge über

den US-Bier- und -Hopfenmarkt. Jetzt bei Bale Breaker Brewery. Kleine Brauerei einer Hopfenbauern-Familie.

16:11 Uhr. Sensationelle Biere! Mein Sitznach-

bar Klaus holt Nachschub. In fünf Minuten fährt der Bus.

17:03 Uhr.

Zwischenstopp bei Jürgen, einem deutschen Auswanderer aus Trier. Macht jetzt Sekt. Wir probieren verschiedene Sorten. Super Stimmung.

22:57 Uhr. Mit Teilen der Truppe im Pub

versackt. Habe das Gefühl für Raum und Zeit verloren.

3. September, Donnerstag

land Zwischenstopp in Hood River bei der Full Sail Brewery.

14:12 Uhr. Die Stimmung steigt. Doch einige

Biere probiert. Danach Burger, dann Barley Wine. Noch eine Brauerei in Hood River besichtigt. Muss Klaus nochmal nach dem Namen fragen.

23:02 Uhr. Pub-Tour in Portland. Im 10-Barrel-

Brewery, bei der Rogue Brewery, im Fat Head Brewing und bei Deschutes Brewery jeweils schöne Biere getrunken. Wahnsinns Stimmung. Im Bus singt Detlef lauthals „It’s a long way to Tipperary“. Jetzt im Hotel. Weckruf bestellt. Bloß kein Nizza 3.0.

4. September, Freitag

5. September, Samstag, Rückflug 8:14 Uhr. Gestern Abend noch drei weitere

Pubs getestet. Alle super. Auch das Bier. Muss spät ins Bett gekommen sein. Fühle mich elend. „It’s a long way to Tipperary“…

ich unter der Dusche. Der Ohrwurm geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Danke, Detlef.

lädt auf ein letztes IPA ein. Der Pub macht einen guten Eindruck.

8:44 Uhr. Grauenhaftes Frühstück. Das Lied

12:41 Uhr. Klaus lacht und bringt noch eine

„Breakfast in America“ von Supertramp ist ab sofort gestrichen. Auf nach Seattle.

12:05 Uhr. Vier Stunden Zeit, auf eigene Faust

die Stadt zu erkunden. Die meisten wollen zum Space Needle, dem Wahrzeichen von Seattle. Wir nicht. Gehen zu fünft in die andere Richtung.

aus dem Tiefschlaf. „Hier Rauschmann, wir sitzen im Bus, wo bleiben Sie denn?“, dröhnt es aus dem Hörer.

Sonne scheint, die Bierauswahl ist großartig. Wir müssen weiter.

8:11 Uhr.

15:20 Uhr. Stehe vor einer riesigen Wand

Spiegelau Craft Beer Glasses Tasting approved!

Über 110 Biere vom Fass. Gedämpftes Licht, gute Musik. Wir bestellen Bier und versichern, dass wir alle weit über 40 sind. Müssen trotzdem unserer Ausweise vorzeigen. Die spinnen, die Amis.

Uhr. Sind viel zu früh am Flughafen. 7:43 Uhr. „It’s a long way to Tipperary“, singe 10:01 Noch vier Stunden bis zum Abflug. Klaus

Uhr. Sitzen seit zwei Stunden in einer 8:05 Uhr. Mein Telefon klingelt und reißt mich 14:16 schönen Hafenkneipe. Hat Klaus entdeckt. Die Werde mit Applaus im Bus empfangen. Klaus sagt etwas von Nizza 2.0 und lacht. Keine Ahnung, wovon er spricht.

15:25 Uhr. Kaugummi gekauft. 15:51 Uhr. Noch einen super Pub gefunden.

voll mit Kaugummis. Gekauten, angeklebten Kaugummis. Bin fassungslos. Was Leute so alles machen.

www.spiegelau.com

weitere Runde.

13:46 Uhr. Wir singen „Is this the way

to Amarillo“ und steigen ins Flugzeug. Die Leute sind gut drauf, singen mit und klatschen.

6. September, Sonntag

9:15 Uhr. Frankfurt. Geschafft. Dank den IPAs war der Rückflug deutlich kürzer.

11:23 Uhr. Sitze im Auto und singe vor mich

hin. Verdammter Ohrwurm. It’s a long way to Tipperary ...

Bayerische Glaswerke GmbH Zacharias-Frank-Str. 7 D-92660 Neustadt/Waldnaab Phone 00 49 (0) 96 02/30 0 E-mail: CustomerService@spiegelau.com


Marken_ störtebeker

Hoch über der StörtebekerBrauerei: Braumeister Frank Lucas und Marketingleiter Karsten Triebe.

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No. 01-2016


Zu DDR-Zeiten hatte die Stralsunder Brauerei keinen guten

Im Aufwind Ruf. Auch die Nachwendejahre waren schwierig. Seit Jahren jedoch gewinnen die Störtebeker-Biere an Hektoliter-Zahlen und Image. Die Brauerei wächst schneller als geplant.

Text: Dirk Omlor   Fotos: Ben Fuchs

B

ei Störtebeker wird gebaut. Wieder einmal. Die Brauerei muss vergrößert werden. Sie wächst schneller als geplant. Betrug der Jahres-Ausstoß 1996 gerade einmal 9.000 hl waren es 2013 schon 95.000 hl, ein Jahr später 123.000 hl und Ende 2015 werden es über 140.000 hl sein. Tendenz stark steigend. Der neue Gär- und Lagerkeller könnte schon bald wieder zu klein sein, wurde er doch „nur“ für 200.000 hl konzipiert. Direkt neben dem Gärkeller sollen 2016 eine neue Schroterei und mehrere Malzsilos entstehen, das Sudhaus soll ebenfalls erweitert werden. Bauzaun und Kran stehen schon. „Durch unsere Biervielfalt mit den individuellen Rezepturen sind wir im Sudhaus und im Malzlager bereits an unsere Grenzen gestoßen“, sagt Braumeister Frank Lucas. Gemeinsam mit Marketingleiter Karsten Triebe steht er hoch oben auf dem Dach der Brauerei, über den Lagertanks. Von hier aus blicken beide hinüber auf die nahe gelegene Insel Rügen, schauen auf das Leergutlager und auf den Brauereihof mit eigener Düne. „Wir sind die einzige Brauerei mit einer Düne im Hof, mit Dünengras und Strandkörben. No. 01-2016

Früher war hier ein Parkplatz“, erinnert sich Karsten Triebe. Der Marketingleiter ist in Stralsund aufgewachsen und hat bereits als Zwölfjähriger in den Ferien in der Brauerei gearbeitet. „Stralsund war früher eine Brau-Hochburg. Über 300 Brauereien gab es dort zu Zeiten der Hanse“, erzählt Triebe. Besonders der Export nach Dänemark und Norwegen habe eine wichtige Rolle gespielt. Heute ist Störtebeker die einzige Stralsunder Brauerei. Zu DDR-Zeiten lag der Spitzenausstoß bei 100.000 hl. „Allerdings hatte Stralsunder Bier keinen guten Ruf. Die Qualität war schlecht und es war meist nur wenige Tage haltbar“, sagt Frank Lucas. Nach der Wende habe keiner mehr das Bier aus der Hansestadt gewollt. 1991 dann der Tiefpunkt. Als Familie Nordmann das Unternehmen für eine Million D-Mark kaufte, lag der Ausstoß beinahe bei null. „Aufgrund der Vergangenheit war Flaschenbier damals unverkäuflich. Wir haben komplett auf Fassbier umgestellt“, erzählt Triebe. Das sei dann in der Gastronomie ausgeschenkt worden, die der Getränkefachgroßhandel der Familie Nordmann belieferte. „Dadurch sollte der Ruf des Bieres verbessert und 67


Marken_ störtebeker

die Marke Stralsunder wieder etabliert werden“, sagt Lucas. Vergebens. Für die Einheimischen blieb das schlechte Image der Marke. Das Bier war chancenlos, auch als die Qualität gut war. Die Bedingungen im Kerngebiet waren damals schlecht. Die jungen Leute zogen weg, es gab zu wenige Jobs. Die Einwohnerzahl von Stralsund sank von 82.000 auf 57.000. Familie Nordmann war klar: Sie mussten mit dem Bier raus aus der Kernregion. Es wurde investiert, die Brauerei nach und nach neu gebaut. 1998 ging die neue Abfüllanlage in Betrieb, das erste Flaschenbier seit der Wende wurde abgefüllt. Dann begann die Suche nach einem neuen Namen. „Die Markenrechte besaß die Brauerei bereits, weil früher das Bier bei den Festspielen über das Leben von Klaus Störtebeker unter diesem Namen verkauft wurde“, sagt Triebe. Die Strategie war klar: Unter Störtebeker sollten Bierspezialitäten verkauft werden. Hauptzielgruppe: Touristen, die Bier mit nach Hause nehmen wollen. „Im Kernmarkt hatten wir anfangs keine Chance. Die Gastronomie war mit anderen Marken gebunden und auch Feste gab es hier nur wenige“, sagt Triebe. Von Anfang an sei die Brauerei gezwungen gewesen, auf Spezialitäten und Innovationen zu setzen. Das erste norddeutsche Bio-Bier wurde gebraut, 2002 dann das erste Weißbier. Für die Einheimischen war das ein Tabubruch. „In Norddeutschland braut man kein Weißbier“, sagt Lucas. Bis 2010 habe es gedauert, die 68



Marke Störtebeker aufzubauen. Im selben Jahr gewinnen die Biere international mehrfach Goldmedaillen. 2011 dann die Namensänderung der Brauerei in Störtebeker B r a u m a n u f a k t u r. „Die Leute nahmen uns jetzt ab, dass wir Bierspezialitäten in hoher Qualität brauen“, sagt Triebe. Danach kamen weitere Biere wie Atlantik Ale und WhiskyBier dazu. 2012 dann ein weiterer wichtiger Schritt: der neue Bier-Kasten. „Das gab einen richtigen Absatzschub. Die Kiste kam enorm gut bei den Kunden an und wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet“, erzählt Triebe. 2013 lag der Ausstoß erstmals wieder bei 100.000 hl. Seitdem wächst er weiter zweistellig. Die Brauerei profitiert vom Trend zu regionalen Spezialitäten.

Entwicklung Störtebeker 1827: Gründung und später Umzug an den heutigen Standort mit eigenen Mineralwasserquellen 1988: Höchster Ausstoß in der DDR-Zeit mit ca. 100.000 hl 1991: Tiefststand mit fast gar keiner Brauleistung 1993: Neubau Brauerei mit Sudhaus am historischen Standort 1998: Neubau Abfüllanlage – das erste Flaschenbier seit der Wende 1998: Ausbau Lagerkeller 1999: Die erste StörtebekerSchatzkiste mit Spezialitäten kommt auf den Markt 2010: Ausbau Gär- und Lagerkeller für Weizenbiere 2012: Ausbau Hefekeller für Atlantik-Ale 2015: Ausbau Gär- und Lagerkeller 2016 (geplant): Ausbau Malzlager für Spezialbraumalze

↖Einmalig: Düne im Brauereihof. ↑↑Verkaufsraum im Besucherzentrum. ↑Eine neue Spezialität wird verkostet. ↗↗Unverwechselbar: Fässer in Rot. ↗Gär- und Lagerkeller.

Auch intern setzt Nordmann auf Knowhow. Er lässt kontinuierlich Mitarbeiter zu Biersommeliers ausbilden. „Von diesem Wissen profitieren wir, und wir fühlen uns darin bestätigt, mit unserer Spezialitäten-Strategie auf dem richtigen Weg zu sein“, sagt Frank ­Lucas, der bei der Weltmeisterschaft der Biersommeliers in diesem Jahr Zweiter wurde. Die Störtebeker-Biersommeliers vermitteln ihr Wissen über Verkostungen an die Kunden. „Das ist die Basisarbeit, die wir leisten müssen“, sagt Lucas. 25.000 Besucher nahmen 2014 an den Führungen durch die Brauerei und an den Verkostungen teil. „Wir werden heute als außergewöhnliche Marke von der Küste wahrgenommen“, sagt Triebe, „authentisch eben.“ Zwölf Sorten Störtebeker gibt es mittlerweile. Eine neue Sorte wird gerade entwickelt. Es wird ein dunkles Bier, mehr verrät Triebe nicht. Gemeinsam mit Braumeister Frank Lucas blickt er stolz auf alles, was bisher erreicht wurde. Blickt hinauf zum Baukran und hinunter auf den Brauereihof, über den gerade wieder eine neue Besuchergruppe läuft. – No. 01-2016


„Riesig gefreut“

Interview mit Frank Lucas, Störtebeker-Braumeister Bei der Weltmeisterschaft der Biersommeliers Mitte Juli in Brasilien belegte Frank Lucas den zweiten Platz. Nur Zweiter geworden zu sein, wurmt Sie das? Nein, absolut nicht. Als bester deutscher Teilnehmer fühle ich mich gut. Ich bin stolz, unter 53 Teilnehmern aus neun Nationen den zweiten Platz erreicht zu haben. Ich bin Biersommelier eher im Nebenberuf, arbeite bei Störtebeker als Produktentwickler und QualitätsmanagementBeauftragter. Da freut man

sich riesig, bei der Weltmeisterschaft der Biersommeliers auf dem Treppchen zu stehen. Wie sah das Training aus? Bei uns in der Brauerei wurden insgesamt zehn Mitarbeiter zu Biersommeliers ausgebildet. Mein Kollege Christoph Puttnies und ich haben uns bei der

Vorentscheidung zur Weltmeisterschaft qualifiziert. Von da an haben wir ungefähr sechs Wochen regelmäßig nach Feierabend trainiert. Vor allem haben wir Bier blind verkostet, um das Erkennen von Bierstilen zu üben. Dazu noch jede Menge Theorie. Eben alles, was ein Biersommelier so wissen sollte. Vizeweltmeister – was stellen Sie mit dem Titel an?

Es gab bislang sehr viele Anfragen der Presse und auch vom Fernsehen. Als Botschafter für Bier und für Störtebeker kann ich hier für gute Bier-Berichte sorgen. Mein Know-how bringe ich natürlich auch in die Brauerei ein. Insbesondere bei der Entwicklung neuer Biere sind meine internationalen Erfahrungen sehr hilfreich. Und, sind Sie in zwei Jahren bei der nächsten Weltmeisterschaft wieder dabei? Ich würde lieber einen Kollegen fit machen und zum Wettbewerb schicken.  –

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Macher_ Jeff Maisel

„Wir Brauer müssen zusammenhalten“ Die Brauerei Gebr. Maisel reagierte mit der Marke „Maisel & Friends“ bereits früh auf den deutschen Craftbier-Trend. Anfang 2016 eröffnet die Brauerei mit „Liebesbier“ ein Kreativbrauhaus mit über 20 Bieren vom Fass. Brauereichef Jeff Maisel über die Hintergründe.

Foto: Brauerei Gebr. Maisel

Interview: Dirk omlor

Jeff Maisel, Inhaber Brauerei Gebr. Maisel, Bayreuth. 70



Der Biermarkt ist im Wandel. Geschmacksvielfalt ist angesagt. Inwieweit sind Craftbiere inzwischen beim Verbraucher angekommen? Ich unterscheide zwischen modernen Craftbieren und traditionellen Craftbieren, also nach traditioneller Braukunst hergestellten Bierspezialitäten wie fränkischem Kellerbier, bayerischem Helles oder Weißbier. Die traditionellen Craftbiere gewinnen zunehmend Marktanteile. Hier sind die Verbraucher bereit, höhere Preise zu zahlen. Das Segment wächst. Dagegen bringen Preisaktionen großer Biermarken im Handel keine Reichweiten und keine Mengen mehr. Diese Entwicklung ist der erste Schritt in eine neue Bier-Zukunft. Die modernen Craftbiere sind beim Verbraucher bislang nur vereinzelt angekommen. Die breite Masse kennt solche Biere noch No. 01-2016


nicht. Durch die neuen Produkte von Beck’s entwickelt sich aber auch hier eine andere Wahrnehmung. Die Leute lernen Pale Ale kennen. Es wird darüber gesprochen, die Presse berichtet zunehmend über die Craftbier-Szene. Noch sind die modernen Craftbiere eher ein urbanes Thema. Es steckt aber viel Energie drin, die irgendwann explodieren wird. Ist Craftbier also mehr als ein kurzfristiger Trend? Wir haben seit einiger Zeit einen Megatrend der Bedürfnisse. Die Leute fahren den ganzen Tag im Hochgeschwindigkeitszug, der sich Alltag nennt, und wollen ab und zu aussteigen. Sie wollen wieder etwas Handgemachtes, wollen authentische, ehrliche Produkte. Sei es nun ein guter Burger, Käse oder eben Craftbier. Es ist ein Trend, der nachhaltig bestehen bleibt. Bei den modernen Craftbieren kommen beinahe täglich neue hinzu. Es gibt viele Startup-Unternehmen. Was bleibt am Ende übrig? Am Ende wird sich Qualität durchsetzen. Diejenigen, die mit Herzblut und Leidenschaft qualitativ hochwertige Biere brauen und ihr Konzept bis zum Ende durchdenken, haben im Markt gute Chancen. Die Biere sollten auch einer breiteren Masse schmecken und nicht nur bitter sein. Was raten Sie Neueinsteigern? Tatsache ist: Die Einstiegsbarrieren in den Markt sind sehr hoch und nicht vergleichbar mit den USA. Ich rate, die Biere in Mehrwegflaschen abzufüllen und dafür zu sorgen, dass sie dauerhaft verfügbar sind. Mit saisonalen Produkten kann der Handel wenig anfangen. Außerdem sollten die Biere anfangs nicht zu extrem sein. Die Leute müssen sich erst einmal an neue Geschmacksrichtungen gewöhnen. Bei den Preisen sollten es die Craftbrauer halten wie die Winzer: Ein guter Winzer verkauft auch nicht nur teure Weine, er bietet auch Weine zu moderaten Preisen an, bei denen dennoch die Qualität stimmt. Im nächsten Jahr eröffnet Greg Koch mit Stone Brew als erster US-Brauer eine Brauerei in Deutschland. Müssen sich die deutschen Brauer Sorgen machen? Ich sage: Herzlich willkommen Greg Koch! Ich finde es wunderbar, dass er den Mut hat, in Deutschland eine Brauerei zu bauen. Das kann das Thema Craftbier nur fördern. No. 01-2016

Die Frage ist jedoch: Wie geht man in einen solchen Markt. Wenn ich in ein anderes Land käme, würde ich nicht gleich herumtrampeln wie ein Elefant im Porzellanladen. Sein Auftritt vor der Presse war despektierlich allen deutschen Brauern gegenüber. Wird es für ihn in Deutschland so einfach, wie er sich das vorstellt? Die Craftbier-Bewegung in Deutschland ist vollkommen anders entstanden als in den USA. Bei uns gab es schon immer eine enorm große Biervielfalt und auch viele Brauereien. Es ist eine völlig andere Situation als in den USA. Das wird Greg Koch jedoch sehr schnell feststellen. Greg Koch stichelt auch gegen das Reinheitsgebot. Sollten künftig alle natürlichen Zutaten erlaubt sein? Das Reinheitsgebot ist unser Qualitätssiegel. Wir brauen unsere Biere allesamt nach dem Reinheitsgebot. Auch innerhalb dieser Grenzen ist – dank des riesigen Angebots an Hefestämmen, Hopfenarten und Malzsorten – eine unglaubliche Geschmacksvielfalt möglich. Deshalb ist es für uns völlig in Ordnung, wenn Bier auch weiterhin nur mit vier Zutaten gebraut werden darf. Dennoch finde ich es spannend, wenn andere Brauer mit natürlichen Rohstoffen wie Nüssen oder Himbeeren tolle Getränke herstellen. Bier sollten diese aber nicht genannt werden. Ich schlage alternativ die Bezeichnung Braukreation vor. Die Bezeichnung empfinde ich durchaus als sehr wertschätzend. Wichtig ist schlussendlich, dass alle Brauer zusammenhalten. Denn nur mit einem Konsens können wir unser Reinheitsgebot stärken, die Verbrauchersicherheit wahren und gleichzeitig neue Freiheit für mehr Kreativität schaffen. Stichwort Gastronomie: Wie sehen Sie hier die Entwicklung? Das Thema Biervielfalt ist auch dort ein Megatrend. Es reicht nicht mehr, Pils, Weizen und Alt auf die Karte zu setzen. Die Aufgabe der Gastronomie wird sein, die Leute für das Thema Bier zu interessieren. Die Biere müssen in Bierkarten beschrieben werden, es muss Bierempfehlungen geben. Die Gastronomen, die Vielfalt anbieten, werden in den nächsten Jahren erfolgreicher sein als andere. Hier glaube ich an eine ähnliche Entwicklung wie in den USA. Dort gibt es heute eine enorme

Biervielfalt in der Gastronomie und viele Biere vom Fass. Anfang 2016 eröffnen Sie mit „Liebesbier“ ein eigenes Gastronomieobjekt. Dabei setzen Sie auf Biervielfalt. Wir bauen gerade eine kleine Brauerei mit einem 25 Hektoliter-Sudwerk, in der wir Braukultur erlebbar machen und handwerkliche Braukunst live zeigen werden. Von der angeschlossenen Gastronomie „Liebesbier“ aus wird man die Sudkessel sehen und das Bier genießen können, das dort gebraut wurde. Der Gastraum wird 250 Plätze, der Biergarten 300 haben. Es gibt innen einen offenen Kamin, einen sichtbaren Kühlraum zur Holzfassreifung und eine lange Bar mit über 20 Bieren vom Fass. Es wird natürlich Maisel & Friends ausgeschenkt, aber auch Biere von befreundeten Brauereien. Wir haben außerdem eine Brennerei und eine hauseigene Bäckerei, die das Brot für das „Liebesbier“ herstellt. Wo sehen Sie den deutschen Biermarkt in fünf Jahren? Wir haben eine Vision für 2025: Dann werden Craftbiere eine wesentliche Rolle im deutschen Markt spielen. In fünf Jahren sind wir schon auf einem guten Weg dahin. Dann wird das Thema sich aus den großen Städten über ganz Deutschland verbreitet haben. Aber Craftbier bleibt eine Nische, wird also kein Volumenprodukt und wird auch den Rückgang im deutschen Biermarkt nicht aufhalten. Die Wertigkeit des Bieres wird aber in fünf Jahren eine andere sein als heute. –

Brauerei Gebr. Maisel 1887 wurde das Familienunternehmen von Hans und Eberhardt Maisel gegründet. Sie errichteten vor den Toren Bayreuths eine moderne Braustätte. In den 20er Jahren übernahmen Fritz und Andreas, die Söhne der Gründerbrüder, die Führung der Brauereigeschäfte. Fritz Maisel war es aber letztendlich, der ab 1936 den Betrieb in eigener Verantwortung leitete. 1955 traf er gemeinsam mit seinen Söhnen Hans und Oscar eine weitreichende Entscheidung: die Einführung eines Weißbieres, das zunächst unter der Bezeichnung „Champagner-Weizen“ firmierte. Inzwischen hat die vierte Generation mit Jeff Maisel die Geschicke der Brauerei übernommen. www.maisel.com 71


Markt_ online-shops

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No. 01-2016


Bier ist da! Was taugen Online-Shops für Craftbier? Wir haben bei vier der bekanntesten Anbietern bestellt und Angebot sowie Leistung miteinander verglichen. Text: Benjamin Brouër Fotos: Ralf Ziegler

C

raftbier kaufen – für all jene, die nicht in einem Ballungszentrum wohnen und einen stationären Bierspezialisten aufsuchen können, gar nicht so einfach. Da stellt sich die Frage: Ins Auto steigen und Kilometer machen oder vor den Computer hocken und flüssig shoppen gehen? Wir haben uns für Letzteres entschieden und mit Bier-Deluxe, Craft Beer Store, Bierzwerg und Craftbeer Shop vier der wichtigsten Online-Shops etwas genauer unter die Lupe genommen (weitere Anbieter folgen in späteren Ausgaben): Wie groß ist das Angebot, wie komfortabel gestaltet sich die Suche im Shop, wie teuer sind die Biere, wie läuft das Bestell-Handling, wie schnell und in welchem Zustand kommt die ersehnte Ware beim Kunden an? » No. 01-2016

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Markt_ online-shops

Um nicht nur das Gesamtangebot und den Web-Auftritt an sich bewerten, sondern auch den Preis und Zustand der gelieferten Ware miteinander vergleichen zu können, entschieden wir uns für einen übersichtlichen Warenkorb, der bei allen Anbietern gleich bestellt wurde. Gar nicht so einfach, denn die Schnittmenge an Bieren, die alle Shops auf Lager haben, ist kleiner als gedacht. So füllten wir unseren Test-Warenkorb mit insgesamt sechs Bieren der bekannten Marken Braukunstkeller, Crew Republic, Sierra Nevada, Maisel & Friends, Chimay und Riegele. Bestellt wurden die Biere an einem Montagmorgen innerhalb weniger Minuten, allesamt per PayPal, da dies zum 74



Ergebnisse:

Website und Benutzerführung  Bis auf den Bierzwerg, der gestalterisch und hinsichtlich der Benutzerführung meilenweit hinterherhinkt, kommen auch Neulinge in allen Shops gut zurecht und finden Orientierung. Bier-Deluxe und der Craft Beer Store haben aber insgesamt die Nase vorn mit entweder besonders umfangreichen Informationen zu den Bieren (Bier-Deluxe) oder individueller Gestaltung und liebevoll aufbereiteten Texten (Craft Beer Store). Der zur Hamburger Ratsherrn-Brauerei gehörende Craft Beer Store ist es dann, der in dieser Kategorie das Rennen macht, da Look & Feel hier einfach passen und der User genau die Infos und Tipps bekommt, die ihn weiterbringen, ohne abzulenken. Sieger: Craft Beer Store

Angebot Viel Boden gut macht der Bierzwerg wieder beim Angebot. Mit mehr als 360 verschiedenen Bieren hat er (zum Zeitpunkt unseres Tests) das umfangreichste Portfolio, besonders die Auswahl an belgischen Bieren (ca. 160) ist immens. Alle anderen Anbieter liegen mit rund 200 bis

250 Bieren etwa gleich auf, setzen aber hier und da andere Schwerpunkte. Während der Craftbeer Shop besonders viele deutsche Biere (ca. 140) und jede Menge Produkte der schottischen Brauerei Brewdog vorhält, kann Bier-Deluxe mit dem größten US-Portfolio auftrumpfen. Die mehr als 40 verschiedenen US-Biere stammen aus 13 Brauereien, vier Brauereien davon sind exklusiv bei Bier-Deluxe im Vertrieb. Sieger: Bierzwerg

Versand- und Zahlungsmöglichkeiten Alle Anbieter verlassen sich beim Versand auf DHL. Offensichtlich gut so, denn jede Lieferung kam einwandfrei bei uns an. Wohl auch wegen der zertifizierten Kartons, die so konzipiert sind, dass auf Verpackungsverschwendung verzichtet werden kann. Was die Flexibilität der Zahlung angeht, ist Bier-Deluxe klarer Sieger im Test: Gleich auf fünf Varianten kann der Kunde seine Rechnung begleichen. Verlierer wiederum ist der Bierzwerg, der neben PayPal nur Vorkasse zulässt. Sieger: Bier-Deluxe

Lieferkosten

N

Der Versuchsaufbau:

einen die schnellste, zum andern die einzige Zahlungsmethode ist, die alle Shops anbieten.

TETTNA

Den detaillierten Ergebnissen vorweggreifend, lautet die frohe Botschaft: Auch Hans Mustermann in Hinterposemuckel muss nicht auf seine Ration IPA, Pale Ale, Chocolate Bock und belgische Bierspezialität verzichten. Die getesteten Anbieter erfüllen alle die Erwartungen an Professionalität, Zuverlässigkeit und Schnelligkeit. Auch wenn es nicht den einen Shop gibt, der in allen Kategorien Bestpunkte sammeln konnte, so sollte doch jeder Craftbier-Fan – vom Einsteiger bis zum Fortgeschrittenen – im Web ein passendes Angebot finden.

Bei allen Anbietern gilt der Standardsatz von 6,90 Euro (bei Bierzwerg 6,95 Euro). Doch Achtung: Während bei Bier-Deluxe, No. 01-2016


dem Craft Beer Store und dem Craftbeer Shop die Lieferkosten ab einer Bestellmenge von 69/70 Euro entfallen, zahlt man diese beim Bierzwerg in jedem Fall. Und je mehr man bestellt, desto höher werden sie (für alle angefangenen 22 kg fallen jeweils 6,95 Euro an). Ob sich die günstigeren Bierzwerg-Preise für die einzelnen Biere (siehe dort) trotzdem lohnen, hängt von der georderten Ware ab. Rechnen und vergleichen lohnt also in jedem Fall! Verlierer: Bierzwerg

Vergleich: Kauft man den vierfachen Warenkorb ein, landet man bei folgenden Gesamtpreisen (inkl. evtl. Versandkosten): Bierzwerg: 85,66 Euro, Bier-Deluxe: 75,04 Euro, Craftbeer Shop: 77,04 Euro und Craft Beer Store: 89,92 Euro. Auf einmal ist BierDeluxe der günstigste und Bierzwerg fast der teuerste Shop. Sieger: kommt auf die Bestellmenge an

Fazit

Preise

Lieferzeit Schnell und zuverlässig waren sie alle – die einen jedoch noch etwas mehr als die anderen. Die Order am Montagmorgen abgegeben, erreichten uns die Pakete von Bier-Deluxe und Bierzwerg am Mittwoch, der Craft Beer Store und Craftbeer Shop lieferten am Morgen des Donnerstags in die Redaktion nach Neustadt an der Weinstraße. Standortvorteile können nicht den Ausschlag gegeben haben, denn Bier-Deluxe und Craftbeer Shop haben ihren Sitz im Nordosten (Potsdam und Parchim), der Bierzwerg und Craft Beer Store jeweils in Hamburg. Diese Anbieter zählen sogar zur gleichen Unternehmensgruppe. Sieger: Bier-Deluxe und Bierzwerg

nuss

O H PF E R E N G

Wenn man die Einzelpreise der Warenkorb-Biere betrachtet, geht der Bierzwerg als Sieger hervor. Bei ihm zahlt man für die sechs Beispielbiere (ohne Versand) nur 17,94 Euro, bei Bier-Deluxe 19,07 Euro und beim Craftbeer Shop 19,26 Euro. Der Craft Beer Store als teuerster Shop ruft für die gleiche Ware 22,48 Euro auf, also gut 4,50 Euro mehr als der Bierzwerg. Bewegt man sich mit seinem Einkauf – wie wir in unserem Beispiel – unterhalb von 70 Euro (also im versandkostenpflichtigen Bereich), bleibt Bierzwerg der günstigste Anbieter. Doch Achtung: Überschreitet man diese Grenze, können die anderen Anbieter schnell günstiger werden, da bei ihnen dann das Porto entfällt. Zum

Licht und etwas Schatten wechseln sich bei den Anbietern ab. Einen eindeutigen Sieger zu küren, ist daher schwierig. Vielmehr hängt der passende Shop von den Bedürfnissen des Kunden ab. Unterhalb von 70 Euro Warenwert kauft man am günstigsten beim Bierzwerg ein. Die Seite ist trotz ihres tollen Angebotsumfangs aber nur Fortgeschrittenen zu empfehlen, da die Aufmachung eher abschreckend wirkt. Oberhalb von 70 Euro geht Bier-Deluxe knapp vor Craftbeer Shop als Preis-Champion hervor. Bier-Deluxe punktet im direkten Vergleich zusätzlich mit den detaillierteren Infos zu den Bieren und spannenden Specials. Wer auf das Geld nicht achten muss, ist beim Craft Beer Store an der richtigen Stelle, denn hier macht das Shoppen am meisten Spaß. – Auf der folgenden Doppelseite finden Sie die Ergebnisse im Überblick.

www.tettnanger-hopfen.de • facebook.com / tettnangerhopfen • youtube.com / tettnangerhopfen

ge

AN

Marika Schiller und Benjamin Brouër checken in der CRAFT-Redaktion Zustand und Verpackung der heiß ersehnten Bierlieferung.


Markt_ online-shops

Der Test im Überblick

Bier-Deluxe

Craft Beer Store

www.bier-deluxe.de

www.craftbeerstore.de

der Anbieter

· Das Unternehmen aus Potsdam ist nach eigener Aussage Deutschlands größter Online-Shop für Craft Beer, zudem größter Händler für Craft Beer in Flaschen und KEGs. Bekannt durch TV-Werbung (Sky, Sport 1)

· „Craftbeerstore.de“ ist seit 2013 der Online-Ableger des Stores in den Hamburger Schanzenhöfen. Dahinter steht die Ratsherrn Brauerei GmbH, die auch online die Strategie verfolgt, nicht nur die eigenen Biere zu verkaufen

Aufmachung Website

· Gerade neu gestaltet präsentiert sich der Shop aufgeräumt, dabei im Look aber etwas „craftiger“ als zuvor. Auf der Startseite werden die Exklusivmarken, das Paket des Monats sowie die Brauerei des Monats gefeatured; dazu aktuelle Topseller · Klassische Suche nach Ländern (8) und Sorten (23), darunter auch Sammlungen wie „Winterbiere“. Dazu Selektion nach Neuheiten, Exklusivangeboten und – toll für Einsteiger – Geschmacksrichtungen möglich. In der zweiten Ebene weitere Suchfilter nach Alkoholgehalt, Geschmack, Bewertung auf RateBeer, Inhalt (Menge) und Trinktemperatur · Sehr detailreiche Angaben zu den Bieren und Brauereien, neben Text auch hilfreiche Steckbriefe („Quick Check“) mit Angaben zu Geschmack, Stil, Alkoholgehalt, Glas- und Speiseempfehlung · Userbewertungen der Bier-Deluxe Community und „Kunden kauften auch“-Empfehlungen geben weitere Orientierung

· Startseite mit vielen Aktionsflächen, die neben den RatsherrnBieren auch andere promoten. Ansonsten zeigen Schriften und die gesamte Gestaltung: Hier hat sich jemand Gedanken gemacht. Optischer Sieger · Klassische Suche nach Ländern (9), Sorten (15) und zudem nach zwölf Geschmacksrichtungen. Dazu Geschenke, Accessoires und „New Arrivals“ als Menüeinträge · Weitere Filter innerhalb der Kategorien: Alkoholgehalt, Brauerei, Geschmack, Inhaltsmenge · Übersichtlich dargestellte, detailreiche Infos zu Bierstilen, einzelnen Produkten und Brauereien. Individuelle, kreative Beschreibungen. „Ähnliche Artikel“ geben Orientierung

Angebot

· Rund 210 Biere aus acht Ländern Schwerpunkt: Deutschland, USA, Belgien

· Gut 215 Biere aus neun Ländern Schwerpunkt: Deutschland, Belgien

Specials

· Sieben internationale Biermarken/Brauereien exklusiv. Viele verschiedene Kennenlernpakete im Angebot, gute Ausrichtung auf Craft-Neulinge

· Unter „Accessoires“ findet man u.a. eine Braubox zum Selberbrauen

Versand Zahlung

· Alle Pakete per DHL

· Alle Pakete per DHL

· PayPal · Bezahlen über Amazon · Kreditkarte (VISA, Mastercard) · SOFORT Überweisung (nur bei Rechnungsanschrift in Deutschland) · Kauf auf Rechnung mit BillSafe (nur in D, wenn Rechnungs- und Lieferadresse identisch und Rechnungsbetrag unter 500 Euro sind)

· PayPal · Kreditkarte (VISA, Mastercard) · SOFORT Überweisung (alles bei Rechnungsanschrift in Deutschland)

Lieferkosten

· 6,90 €

· 6,90 €

Versandkostenfrei ab… Lieferzeit im Test Zustand der Lieferung/ Verpackung

· 69 € · 2 Tage

· 70 € · 3 Tage

· Auffälliger, individueller schwarzer Karton · Drinnen: nur Bier, Lieferschein und Pappe, so soll’s sein

· Einwandfrei geliefert im Standard-UPS-Karton · Drinnen: Bier, Karton und Lieferschein, keine Verpackungsverschwendung

Benutzerführung

Preise

(inkl. Pfand und Mwst.)

Fazit

Warenkorb* gesamt: Versandkosten: Einfacher Warenkorb Gesamtrechnung: Vierfacher Warenkorb Gesamtrechnung:

19,07 € 6,90 € 25,97 € 75,04 €

· Schnelle Lieferung, flexible Zahlungsmöglichkeiten, gute Benutzerführung. Ab 70 Euro Warenwert außerdem der Preis-Champion · Insbesondere Neulinge finden hier (auch wegen der vielen Probiersets) ein passendes Online-Angebot. Der Shop punktet außerdem mit einigen exklusiven Bieren

Warenkorb* gesamt: Versandkosten: Einfacher Warenkorb Gesamtrechnung: Vierfacher Warenkorb Gesamtrechnung:

22,48 € 6,90 € 29,38 € 89,92 €

· Der teuerste Anbieter im Test, allerdings auch der mit der schönsten Gestaltung, den individuellsten Bierbeschreibungen und der besten Benutzerführung · Gut geeignet für Neulinge, Designaffine und natürlich alle Ratsherrn-Fans

Stand Oktober 2015 *Unser Testwarenkorb bestand aus: Braukunstkeller Amarsi (0,33 l), Chimay Blue (0,33 l), Maisel & Friends Marc’s Chocolate Bock (0,75 l), Sierra Nevada Pale Ale (0,35 l), Riegele Amaris 50 (0,66 l), Crew Republic Drunken Sailor (0,33 l)

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No. 01-2016


Craftbeer Shop

Bierzwerg

www.bierzwerg.de

www.craftbeer-shop.com

· „Bierzwerg“ ist eine Marke der Hamburg Beer Company GmbH und ein Urgestein unter den deutschen Online-Shops. Gestartet 2007 versteht sich der „Bierzwerg“ als Großhändler und Direktimporteur für internationale Bierspezialitäten und Craftbiere

· „Deutschlands großer Online Shop für Craft Beer & Bierspezialitäten“ zählt zur Meyer Getränkemarkt Betriebsgesellschaft aus Parchim. Das Unternehmen betreibt zudem auch Shop-in-Shop-Ecken in Getränkemärkten

· Wie aus dem letzten Jahrhundert. Aus rein optischer Sicht hat die Seite dringend einen Relaunch nötig, auch wenn die Aufmachung fast schon wieder „historischen“ Charme versprüht · Ein heilloses Durcheinander; Bierstile und Länder gehen in der Suchleiste munter kreuz und quer · „Craft-Biere“ als Suchkategorie wenig hilfreich · Empfehlungen auf der Startseite wirken wahllos; von Benutzerführung keine Spur

· Design wirkt modern und professionell, dabei aber etwas konfektioniert und wenig individuell. Startseite bietet Einstieg über wechselnde Aktionsflächen und die Topseller, dazwischen: viel Text – könnte optimiert werden · Einstiegssuche über die Kategorien „Länder“ (16), „Biersorten“ (16) und „Brauereien“, wiederum vorgefiltert nach Ländern · Weitere Filterung/Sortierung nur nach Name und Preis möglich · Weitere Empfehlungen über Funktion „Kunden, die dieses Produkt gekauft haben …“ · Infos zu einzelnen Bieren gut und übersichtlich aufbereitet. Im Vergleich zu Bier-Deluxe und Craft Beer Store jedoch eher Standard. Benutzerführung und Aufbereitung könnten insgesamt noch verbessert werden

· Über 360 Biere aus mehr als 20 Ländern Schwerpunkt: Belgien

· Gut 250 Biere aus 15 Ländern Schwerpunkt: Deutschland, Schottland (Brewdog)

· Bier-Abo „Bierzwerg des Monats“, Für 10,80 € plus Versand gibt es jeden Monat zehn Biere einer kleinen, sympathischen Familienbrauerei

· Craftbeer-Abo: monatlich zwischen 8-10 Flaschen. Abo 3/6/12 Monate: 111/222/444 € · Viele verschiedene Probepakete · Reduzierte und rabattierte Artikel in Sale-Kategorie · Alle Pakete per DHL

· Alle Pakete per DHL · PayPal · Vorkasse/Überweisung

· PayPal · Kauf auf Rechnung mit BillSafe · Vorkasse/Überweisung

· 6,95 € (bis 22 kg) · Für jede weiteren oder angefangenen 22 kg: erneut 6,95 €

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· Einwandfrei im Standardkarton, kein Lieferschein enthalten · Sonst: Bier und Karton, mehr nicht

· Einwandfrei geliefert im Standardkarton · Zusätzlicher Styroporschutz enthalten · Einziger Anbieter, der Info-/Webeflyer beigelegt hat · Individuell: Lieferschein plus handschriftlichem Hinweis des Verpackers Warenkorb* gesamt: 19,26 € Versandkosten: 6,90 € Einfacher Warenkorb Gesamtrechnung: 26,16 € Vierfacher Warenkorb Gesamtrechnung: 77,04 €

Warenkorb* gesamt: Versandkosten: Einfacher Warenkorb Gesamtrechnung: Vierfacher Warenkorb Gesamtrechnung:

17,94 € 6,95 € 24,89 € 85,66 €

· Größtes Angebot, schneller Versand, beste Einzelpreise. Aber Achtung: Es fallen immer Versandkosten an, und je umfangreicher die Bestellung, desto höher werden sie · Dennoch ein guter Shop, vor allem für alle Belgien-Fans und jene, die genau wissen, was sie suchen. Denn: Die Website bietet keinerlei Orientierung

No. 01-2016

· Optisch und hinsichtlich der Benutzerführung im Mittelfeld. Preislich attraktiv, vor allem ab einem Warenwert von 70 Euro · Außergewöhnlich ist das Angebot an deutschen Craftbieren, das mehr als 130 Biere umfasst

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Foto: Nøgne Ø

Markt_ Norwegen

Werbeverbot, hohe Lohnkosten, staatlich

im Zeich des begrenzte Alkoholgehalte – eigentlich müsste handwerkliches Øl (Bier) in

Norwegen ein Ladenhüter sein. Eigentlich. Text: Benedikt Grein

Die „Øl-revolusjon“ macht sich in Norwegen breit. 130 Mikrobrauereien gibt es im Königreich.

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en No. 01-2016

s klingt wie ein Märchen aus der Zeit der Wikinger: Freie Kleinbrauereien erobern sich immer mehr Marktanteile am norwegischen Biermarkt. Die „Øl-revolusjon“ (Bier-Revolution) nimmt immer mehr Fahrt auf. Im Jahr 2000 gab es zwei registrierte Kleinbrauereien, 2005 gerade mal fünf. Heute stillen ungefähr 130 Mikrobrauereien einen Teil des norwegischen Bierdurstes. 2010 steuerten diese wilden Gesellen 0,7 Prozent zur Gesamtbierproduktion bei. 2014 waren es bereits 3 Prozent, Tendenz steigend. Petter Nome, Direktor der Bryggeri- og drikkevareforeningens (BROD), ein Zusammenschluss von Brauereien und Mineralwasser- und Softdrinkherstellern, schätzt, dass im Jahr 2020 jedes zehnte Bier in Norwegen aus den Sudkesseln der Kleinbrauer stammen wird. „Ein internationaler Trend hat Norwegen erreicht. Es hat ein paar Jahre gedauert, aber Trends verbreiten sich in einer kleinen Gesellschaft wie der unseren sehr schnell. 2012/2013 hatten alle norwegischen Supermarktketten Craftbier in ihr Sortiment eingeführt.“ Laut Nome ist der Trend eng verbunden mit einem wachsenden Interesse an lokalen

und traditionellen Lebensmitteln. Viele Brauer arbeiten mit kleinen Lebensmittelerzeugern sowie der Tourismusbranche zusammen und nutzen entstehende Synergien. Eine hohe Kaufkraft sorgt zudem dafür, dass die Konsumenten es sich leisten können, alternativ zu ihrem Standardbier auch immer häufiger teurere Craftbiere zu kaufen.

Ein Drittel Bierenthusiasten „Øl er den nye vinen“ – Bier ist der neue Wein. Das postuliert mittlerweile sogar das Vinmonopolet, das staatliche Unternehmen, welches das nationale Monopol für den Verkauf alkoholischer Getränke mit einem Alkoholgehalt von mehr als 4,7 % vol. hat und das nicht gerade für seine Flexibilität bekannt ist. Alle Produkte jenseits dieser Alkoholgrenze, also auch viele der Craftbiere, dürfen ausschließlich in den Vinmonopolet-Läden verkauft werden. Der Claim kommt nicht von ungefähr: Bier ist, neben alkoholfreien Produkten, der einzige wirkliche Wachstumsmarkt, den die Monopolläden derzeit zu verzeichnen haben. Während der deutsche Markt weiterhin leicht rückläufig ist, stieg der

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Foto: Benedikt Grein

Foto: Ove Haugland Jakobsen / Olportalen

Foto: Benedikt Grein

Foto: Norwegian Beer and Soft Drink Producers

Markt_ Norwegen

norwegische Bierabsatz in den Vinmonopolet-Läden zwischen 2013 und 2014 um beachtliche 22 Prozent. Um die Bierrevolution besser zu verstehen, hat das Vinmonopolet die Bierkunden analysiert und in verschiedene Segmente unterteilt: in den Gewohnheitskunden, den Geselligen und den Bierenthusiasten. Das Erstaunliche: Die Marktanteile der verschiedenen Kundensegmente sind ungefähr gleich.

Werbung verboten! Der Siegeszug des Bieres ist noch umso beachtlicher, wenn man bedenkt, dass in Norwegen jegliche Werbung für alkoholische Getränke verboten ist. „Unsere größten Probleme sind, dass wir keine Bilder unserer Produkte veröffentlichen und nicht über unsere Produkte kommunizieren dürfen. Außer auf Flaschen dürfen wir nicht mal Speiseempfehlungen für unsere Biere aussprechen“, berichtet Tom Young, Marketingmanager bei Nøgne Ø, einer 80



der ältesten und mit einem Jahresabsatz von rund 1,5 Mio. Liter erfolgreichsten Craftbrauereien Norwegens, die seit 2013 zu 55 Prozent der Hansa Borg Gruppe gehört. In manchen Städten wird das Werbeverbot sogar so strikt ausgelegt, dass bei öffentlichen Bierverkostungen der Name der Brauerei nicht bekannt gegeben werden darf. „Ein stückweit erhöht das Werbeverbot sogar die Chancen für kleine Erzeuger“, wirft Tom Young ein. Mit ihrer Kapitalmacht würden die großen Brauereien die Werbung dominieren und wenig medialen Raum für die kleinen Produzenten lassen.

Open-Source-Mentalität Wegen des Werbeverbots werden stattdessen andere Kommunikationskanäle äußerst relevant. „Für uns ist es extrem wichtig, dass Blogger über unsere Biere berichten. Dies ist der einzige Weg, wie wir in Kontakt mit Konsumenten kommen

←← Petter Nome, Direktor von BROD, Zusammenschluss von Brauereien und Mineralwasser- und Softdrinkherstellern. ← Christer Edvartsen, Miteigentümer und Chefbrauer von Ego Bryghus. ↙↙ Tellef Dannevig, Braumeister der Brauerei Qvart. ↙ Tom Young, Marketingmanager bei Nøgne Ø.

können“, berichtet Christer Edvartsen von Ego Bryghus, einem Brauerei-Startup, welches seit einem Jahr am Markt ist. Früher war Christer selbst aktiver Blogger (www.beernorway.com), heute ist er Miteigentümer und Chefbrauer und hat keine Zeit mehr, um über andere Biere zu berichten. Mit einem Fünf-Hektoliter-Sudhaus produziert die Brauerei drei Biere für Supermärkte in einem Umkreis von 200 Kilometern um die Stadt Fredrikstad: ein Saison, ein Porter und ein Amber-Ale. „Ich will keine IPAs für Supermärkte machen. Ich bin eher auf der Suche nach Bierstilen, die noch unter die gesetzliche Alkoholgrenze von 4,7 % vol. passen.“ Zudem ist eine Berliner Weiße mit Himbeere und Ananas für das Vinmonopolet in Planung. Christer Edvartsen: „Für mich ist das kreative Arbeiten während der Entwicklung neuer Rezepte der beste Teil der Arbeit.“ Auch der offene Austausch mit seinen Kollegen und anderen Neugründern liegt ihm am Herzen. „In meinem früheren Job als IT-Entwickler habe ich viel mit OpenSource-Software gearbeitet. Ich versuche, diesen Geist auch innerhalb der BrauereiSzene zu erhalten.“ Seit jeher spielte Bier in der nordischen Alltagswelt eine bedeutende Rolle. Im „Gulatingsloven“, einer der ältesten überlieferten Gesetzestexte, wurde festgelegt, wie die Bauern das Juleøl (Weihnachtbier) einzubrauen hatten. Die Menge an Malz musste mindestens dem Körpergewicht von Bäuerin und Bauer des Hofes entsprechen. Der Bruch dieses Gesetzes konnte im schlimmsten Fall mit Verbannung bestraft werden. Für die heutigen Brauer gelten diese Regeln glücklicherweise nicht mehr, dennoch spielt das Juleøl eine wichtige Rolle in der norwegischen Bierkultur. „Das Weihnachtsbier ist der einzig wirklich norwegische Bierstil – davon abgesehen kopieren wir nur“, erzählt Tom Young von Nøgne Ø. In den 1950er-Jahren begannen die Brauereien, ein dunkles Bockbier speziell für die kalte Jahreszeit zu brauen, die meisten haben es noch heute in ihrem Portfolio. Die von den großen norwegischen Tageszeitungen alljährlich No. 01-2016


Fotos: Nøgne Ø

→↘ Nøgne Ø ist eine der ältesten

und erfolgreichsten Craftbrauereien Norwegens.

durchgeführten Verkostungen sind sehr wichtig für den Verkaufserfolg eines Weihnachtsbieres. „Und für die allgemeine Bekanntheit der Brauerei“, ergänzt Yngvar Orebek von Qvart Bryghus aus Kristiansand, „durch das strikte Webeverbot sind wir Brauer auf diesen Kommunikationsweg besonders angewiesen“.

Von Export und Import

Doch ganz so abgeschottet, wie es von außen wirken mag, ist der norwegische Markt nicht mehr. Es kündigen sich Veränderungen an. So plant die amerikanische Brooklyn Brewery den Einstieg. In Kooperation mit Ringnes, einer der größten Brauereien in Norwegen, die zur Carlsberg-Gruppe zählt, soll die historische E.C. Dahls Bryggeri zu neuem Leben erweckt werden. Von dort sollen neben Norwegen eventuell auch andere europäische Märkte ins Visier genommen werden. Wie in vielen anderen Ländern wird auch in Norwegen der Craftbier-Boom noch von Hobbybrauern getragen, die sich No. 01-2016

irgendwann dazu entschließen, eine Mikrobrauerei zu gründen. „Das läuft oft nach dem Schema: Oh, guck mal, wir haben da ja noch eine Scheune, lasst uns eine Brauerei gründen“, spitzt Ygvar Orebek von Qvart etwas zu. Auch Tellef Dannevig, Chefbrauer bei Qvart, sieht diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen: „Es gibt einige Brauereien mit schickem, neuem Equipment. Vielen Leuten fehlt aber die Erfahrung, um einen Betrieb zu führen. Man kann nicht einfach nur sein Homebrewing hochskalieren. Wir sind eine sehr kleine Gemeinschaft. Wenn minderwertiges norwegisches Bier auf den Markt gebracht wird, ist das schlecht für uns alle.“

außergewöhnlichen Biere, die sich am besten verkaufen.“ Aber langsam, so Hortemo, emanzipiere sich der norwegische Markt: „Die Dinge verändern sich im Moment. Subtile belgische Stile wie Saison oder Sauerbiere rücken in den Fokus. Die Zeit der Rebellion ist vorbei, nun geht es einfach nur darum, gutes Bier zu machen. Wir sind keine rebellierenden Teenager mehr, wir werden langsam erwachsen.“ –

Foto: Nøgne Ø

Auf ausländischen Märkten sind norwegische Biere bis jetzt eher selten anzutreffen, mit Ausnahme vielleicht der anderen skandinavischen Länder. Dies liegt zum einen sicherlich an der geringen Größe vieler Brauereien, die es ihnen nur erlaubt, den lokalen Markt zu bedienen. Mindestens so schwer wiegen jedoch die Produktionskosten, die in Norwegen vergleichsweise hoch sind. Hopfen und Malz müssen (noch) importiert werden, und die Lohnkosten gehören zu den höchsten Europas. So müssen die Bierfans für einen halben Liter IPA im Supermarkt zwischen 57 und 79 Kronen, umgerechnet zwischen 6 und 8,30 Euro, hinlegen. Etwa 1,20 Euro wandern als Steuer an den norwegischen Staat. So hat der Export für Tom Young von Nøgne Ø auch eher Marketing- denn ökonomische Bedeutung. „Allerdings“, fügt er grinsend hinzu, „in unseren Anfangstagen haben wir unsere Biere ins Ausland verkauft. In Norwegen wollte sie damals keiner haben.“

Stilistisch sind die norwegischen Brauer stark von der amerikanischen CraftbierBewegung geprägt. Edvard Hortemo, Produktionsmanager von Nøgne Ø, bestätigt: „Wir haben direkt angefangen, IPAs und Imperial Stouts zu brauen. Auch heute noch sind es die kraftvollen und 81


Markt_ Norwegen

Drei Fragen an:

Kjetil Jikiun, Gründer Nøgne Ø

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Foto: Benedikt Grein

ls der ehemalige ScandinavianAirlines-Pilot und Homebrewer Kjetil Jikiun im Jahre 2002 die Brauerei Nøgne Ø gründete, war Norwegen ein Pilsland. Aus der Garage heraus entstand eine Brauerei, die heute eine der größten und einflussreichsten Produzenten von Craftbieren in Norwegen ist. Nach dem Motto „Life is better when there are new things to learn“ und immer auf der Suche nach Neuem, war er auch der erste norwegische Sake-Produzent. Im Jahre 2013 verkaufte Kjetil zum Schrecken vieler Craftbier-Nerds seine Unternehmensanteile an die Hansa Borg Gruppe, zu welcher bereits mehrere norwegische Brauereien gehören. Heute lebt er teilweise auf Kreta, wo er ein Weingut aufbaut und Orange Wine aus Amphoren erzeugen will. Ganz ohne Bier geht es natürlich nicht, auch auf Kreta möchte der umtriebige Kjetil eine kleine Brauerei gründen.

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Wie wird sich der norwegische Craftbier-Markt durch den Einstieg von Brooklyn Brewery/Ringnes verändern? Ich denke, es wird sich nicht viel ändern. Sicherlich werden sich die Biere gut verkaufen, weil sie verhältnismäßig preisgünstig sind. Aber geschmacklich werden sie sich wohl an eine breite Käuferschicht richten und somit für den eingefleischten

Craftbiertrinker eher uninteressant sein. Es wird wohl so etwas Ähnliches wie Craft oder eine Craft-Imitation werden. Welche Auswirkungen hatte das Vinmonopolet auf die Entwicklung des norwegischen Marktes? Das Vinmonopolet war sehr wichtig für uns, weil es kleinere Brauereien in sein Portfolio aufgenommen hat. Zudem hat es sich stärker auf Bier fokussiert und sein Personal besser geschult. Die Bierauswahl im Vinmonopolet ist wesentlich größer und vielfältiger als in den Supermärkten. Dies geschieht aber nicht aus einer Mission heraus, kleinere Erzeuger zu unterstützen. Die Aufgabe des Vinmonopolet ist es, den Markt zu bedienen und den Kunden das zu geben, was sie wollen. Wie könnte ein eigener norwegischer Bierstil aussehen? Die norwegischen BrauTraditionen sind aufgrund der Topographie und Geographie lokal sehr unterschiedlich. Ich denke, das Außergewöhnlichste ist das Stjørdalsøl. Es ist ein stark mit Erlenholz geräuchertes Bier. Eine weitere Besonderheit ist die Verwendung von Wachholderzweigen. Wenn ich mir einen norwegischen Bierstil vorstelle, wäre es für mich ein dunkles, süßes Bier. Mit etwas Rauch, Honig und Wacholder. No. 01-2016


! N O W O RD ER KALEA

CRAFT BEER ADVENT CALENDAR

r twenty-fou craft beers

mas until Christ

The Beer Advent Calendar is filled with 24 beers produced by craftand micro breweries. Only 2000 units of this version are produced in 2015. The calendars are available only in a few countries: 500 pieces in Germany, 350 in Austria, 200 in Italy, 150 in Denmark, 200 in the Netherlands, 150 in Belgium, 150 in England, 150 in Switzerland and 150 in Iceland. WWW.BEERCALENDAR.NET | WWW.KALEA.DE.COM


spezial _ food

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No. 01-2016


Alexander Schütz hat in den besten Häusern gearbeitet und sogar einen Michelin-Stern erkocht. Die Heimatliebe führte ihn zurück nach Franken. In seinem Lokal „Ursprung“ kocht er Landhausküche auf Sterne-Niveau.

Text: Fridtjof Atterdal Fotos: Mathias Neubauer, Thomas Köhler

Brotzeit mit Sternen No. 01-2016

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spezial _ food

H Ier bin ich immer noch Alexander, und nicht der Sterne-Koch Schütz.

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ielleicht lag es auch am Bier, das er als kleiner Wirtsbub mit seinem Leiterwagen den Nachbarn an die Türe lieferte, dass Alexander Schütz nach seinen Wanderjahren im Ort Wartenfels mit offenen Armen empfangen wurde. „Hier bin ich immer noch Alexander, und nicht der SterneKoch Schütz“, sagt er, und schaut dabei recht zufrieden aus. Zufrieden kann er sein, denn was der Koch aus dem elterlichen „Berghof“ gemacht hat, kann sich sehen lassen. Sein Restaurant „Ursprung“ ist gut etabliert und bei Einheimischen wie Gästen aus dem weiten Umland beliebt. Abends ist es schwierig, einen Platz zu bekommen. „Wir müssen nicht viel Werbung machen, das Restaurant läuft“, freut sich Schütz gemeinsam mit Ehefrau Claudia, die ihm als Restaurantleiterin zur Seite steht. „Tradition trifft Moderne“ zieht sich als Motto durch alles, was Schütz anfasst, angefangen von der Architektur des Restaurants über das Interieur bis hin zur Kochkunst, die er als 86



„internationale Küche mit fränkischen Wurzeln“ bezeichnet.

Duft von Steinpilzen Wenn Schütz vom Duft der Steinpilze im feuchten Moos schwärmt, weiß man, was für ihn Heimat bedeutet und warum er den kleinen fränkischen Ort mitten in der urwüchsigen Natur einer internationalen Karriere als Sternekoch vorgezogen hat. „Heimat, das ist Kindheit, das ist Familie und das ist Arbeit“, sagt er. Die „Wanderjahre“, wie der Koch seine Ausbildungszeit und die ersten Berufsjahre nennt, hat er in den besten Häusern verbracht, darunter Johann Lafers Stromburg und Harald Wohlfahrts Schwarzwaldstube im Hotel Traube in Tonbach. Was er dort lernte, brachte ihm als Küchenchef im „St. Benoit“ in Oberammergau seinen ersten Michelin-Stern ein. Und jetzt ein 500-Seelen-Dorf in Oberfranken? „Ich habe lange mit mir gerungen, ob es das Richtige ist“, bekennt er. Eine Küche auf Sterne-Niveau lässt sich in einem Landgasthaus nicht verwirklichen. „Aber den No. 01-2016


Ein wunderbares Menü, um die kalte Jahreszeit zu begrüßen Reife Äpfel, die ersten Petersilienwurzeln, Walnüsse und Wildschwein aus dem Frankenwald Vorspeise:

Holzofencrostino mit Meerrettichcreme und Saiblingstatar Alexanders Biertipp: Bayerisch Hell Rezept für 4 Brote Zutaten: 4 Scheiben Holzofenbrot Olivenöl zum Braten 1 Knoblauchzehe 150g Frischkäse 50g Tafelmeerrettich aus dem Glas ½ Zitrone (Saft und Abrieb) 250g frisches Saiblingsfilet (ohne Haut und Gräten) 60g Schalotten in Würfel 1 Bund Schnittlauch 1 EL mildes Olivenöl Gartenkräuter zum Garnieren (z.B. Kerbel, Kresse, Schafgarbe) Zubereitung: 1 Das Brot in einer Pfanne bei mittlerer Hitze in reichlich Olivenöl von beiden Seiten goldbraun braten und mit Salz und Pfeffer würzen. Anschließend das Brot auf ein Küchenpapier geben, von überschüssigem Bratfett befreien und noch warm mit dem Knoblauch einreiben. Das Crostino zur Seite stellen und abkühlen lassen.

3 Den Saibling in gleichmäßige kleine Würfel schneiden. Die Schalottenwürfel im Wasser abkochen und unter kaltem Wasser abschrecken, abtropfen lassen und zum Tatar geben. Das Tatar nun mit Zitronensaft und Zitronenabrieb, Salz und Pfeffer sowie einem EL Olivenöl abschmecken.

2 Frischkäse mit Tafelmeerrettich verrühren und mit Salz und Pfeffer aus der Mühle abschmecken. Den Schnittlauch in feine Röllchen schneiden und zur Seite stellen.

4 Die Crostinos mit der Meerrettichcreme bestreichen und das Saiblingstatar gleichmäßig darauf verteilen. Die Crostinos mit den Schnittlauchröllchen und den Gartenkräutern dekorieren.


spezial _ food

Sterne-Geschmack, den kann ich beibehalten“, betont er. Und den danken ihm die Gäste. „Für einen Koch ist es das Größte, wenn er nach einem Essen das zufriedene Funkeln in den Augen seiner Gäste sieht“, verrät Schütz. Dafür habe es sich gelohnt, nach Hause zurückzukehren. Seit vier Generationen hat die Familie Schütz das Gasthaus im Ort, schon sein Urgroßvater war Wirt. Den heutigen Berghof haben die Großeltern 1956 in einer alten Hausschuhfabrik eröffnet, 1983 übernahmen Schütz’ Eltern. Von ihnen hat Alexander Schütz auch das Händchen für Lebensmittel. Mutter Elisabeth ist gelernte Hauswirtschaftsmeisterin und war jahrelang Chefköchin des Berghof. Als Souschefin packt sie jetzt noch mit an. Vater Thomas, der Metzgermeister, fährt immer noch zu den Bauern in der Region und sucht die Tiere aus, die im „Ursprung“ auf dem Teller landen.

Gemüse vom Bauern Regionalität ist ein großes Thema für Alexander Schütz. Das Rehwild kommt aus den angrenzenden Wäldern, Obst und Gemüse von Bauern in den umliegenden Dörfern. Auch 88



← Sorgt für zufriedenes Funkeln in den Augen der Gäste: Alexander Schütz. ↑ Bier und Fleisch aus der Region: auch Vater Thomas packt mit an.

internationale Gerichte stehen auf der Speisekarte, auch mal Riesengarnelen oder Salzwasserfisch. Schütz meistert den Spagat zwischen Spitzenküche und Landgasthof. Es gibt mehrgängige Menüs sowie Speisen, wie man sie in einem Wirtshaus erwartet. Auf der Brotzeitkarte gibt es Schaschlik, Strammen Max und Currywurst.

Offene Küche Es liegt wohl auch an diesem Konzept, dass man die Wartenfelser im Restaurant ebenso antrifft wie Gourmets aus der Region. „Zu Beginn waren alle ganz ehrfürchtig und haben sich kaum getraut zu sprechen, weil sie dachten, hier wäre jetzt ein Sterne-Lokal eingezogen“, lacht der Koch. Aber das habe sich schnell gelegt. Die offene Küche erlaubt es den Gästen, den Köchen bei der Arbeit zuzusehen. Dass er sich mehr als Handwerker denn als Küchenkünstler begreift, zeigt auch die Küchentür, auf der „Werkstatt“ zu lesen ist. Für No. 01-2016


Das perfekte Weihnachtsgeschenk!

Hauptgang:

Kotelett vom Frischling mit marinierten Äpfeln und Petersilienwurzelpüree

Alexanders Biertipp: Mönchshof Kellerbier Rezept für 4 Personen Für die Koteletts: 8 Koteletts vom Frischling à 100g 2 Äpfel von der Sorte „Braeburn“ 10 halbe Walnusskerne 2-3 EL Essig 4-6 EL Sonnenblumenöl Salz und Pfeffer aus der Mühle Gartenkresse zum Ausgarnieren Für die Kruste: 120g weiche Butter 60g Semmelbrösel 10 halbe Walnusskerne fein gehackt Salz und Pfeffer aus der Mühle Für das Petersilienwurzelpüree: 600g Petersilienwurzel 250g Blattpetersilie 200ml Sahne Mark einer Vanilleschote Zucker, Salz, Pfeffer aus der Mühle Muskatnuss zum Reiben Zubereitung: 1 Für das Petersilienwurzelpüree die Wurzeln waschen, schälen und in 2cm große Würfel schneiden. Die Würfel in leicht gesalzenem und gezuckertem Wasser in ca. 25 Minuten weich kochen. Die Blattpetersilie waschen, trocken tupfen und die Blätter abzupfen. Die weich gekochte Petersilienwurzel abgießen und zusammen mit den Blättern, dem Vanillemark und der Sahne in einem Mixer fein pürieren. Das Püree mit den restlichen Gewürzen abschmecken und warm halten. No. 01-2016

2 Die Koteletts mit Salz und Pfeffer kräftig würzen und in einer heißen Pfanne mit 2 EL Öl nacheinander von beiden Seiten scharf anbraten. Die Koteletts auf ein Gitterrost (mit Backblech darunter) legen und in einen auf 150°C (Umluft) vorgeheizten Ofen in ca. 20-25 Minuten weitergaren. 3 Als kleine Hilfestellung empfiehlt es sich, immer mal eine Rouladennadel in die Mitte des Garguts zu stecken, um die Temperatur im Kern zu überprüfen. Die Nadel aus dem Fleisch ziehen und vorsichtig an die Unterlippe halten; wenn es sich gut warm anfühlt, ist das Gargut in der Mitte rosa gebraten. Achtung, die Nadel könnte sehr heiß sein! 4 In der Zwischenzeit für die Kruste die gehackten Walnusskerne zusammen mit der Butter und den Semmelbröseln zu einer homogenen Masse verarbeiten (am besten mit Kochlöffel oder Gummischaber). Mit Salz und Pfeffer pikant würzen. Die Kruste auf den gegarten Koteletts verteilen und in der mittleren Einschubleiste bei 180 °C Oberhitze ca. 5 Minuten goldbraun gratinieren. 5 Die Äpfel waschen, vierteln und entkernen. Die Viertel der Länge nach in ca. 2mm dünne Scheiben schneiden und mit Essig, dem restlichen Öl, Salz und Pfeffer marinieren. Die marinierten Apfelspalten als Rondell auf den Teller legen und das heiße Petersilienwurzelpüree in die Mitte setzen. Die gratinierten Koteletts auf das Püree geben und mit den halben Walnusskernen und der Gartenkresse ausgarnieren.

Der Oaked Whiskey Ultra aus der Pyraser Herzblut Edition ist ein markanter, dunkler Doppelbock mit imposantem Aromaprofil. Auch erhältlich in der eleganten Geschenkkiste aus Holz mit zwei passenden Gläsern. 89


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Auge fürs Detail: Ehefrau Claudia sorgt für das Ambiente.

die Details ist Claudia Schütz zuständig. Der helle Gastraum ist gemütlich und mit groben Holzscheiten dekoriert. Auf den Tischen stehen frische Blumen in kleinen, gebeizten Holzkistchen. Die Speisekarte ist aus rustikalem Eichenholz. Die Weinkarte aber bekommt der Gast als Ipad in die Hand gedrückt. „Auf diese Weise können wir bei unserer großen Weinauswahl viel mehr Details unterbringen“, erklärt Schütz. Tradition trifft also Moderne.

Mit Bier experimentieren

Nachspeise:

Gebrannte Quarkcreme mit Brombeeren Rezept für 6 Gläser à 150ml Zutaten: 350g Magerquark 150g Creme double 100g Zucker 200g Brombeeren 125g Brombeermarmelade oder Waldbeeren 1 Vanilleschote 2EL Brauner Zucker Zusätzlich: Flambierer, 6 Gläser (z.B. Weckgläser) Zubereitung: 1 Die Brombeeren mit fließendem kalten Wasser abwaschen und putzen. 6-8 schöne Beeren für die Dekoration zur Seite legen. Die restlichen Brombeeren würfeln und vorsichtig mit der Marmelade verrühren. 90



Brombeermarmelade in einen Spritzbeutel füllen.

Das Bier im „Ursprung“ kommt auch aus der Region – von der traditionellen Mönchshof-Brauerei aus Kulmbach. Im Bierland Oberfranken, mit seinen mehr als 200 kleinen und großen Brauereien bietet es sich an, auch als Koch mit dem Gerstensaft zu experimentieren, findet Schütz. „Aber so etwas muss von sich aus entstehen und ist oft nicht ganz einfach einzubauen.“ Umso mehr freut es ihn, dass man mittlerweile auch in der Spitzengastronomie durchaus Bier zum Essen reichen kann. „Je gehobener es wird, desto leichter lassen sich die Leute darauf ein“, hat er beobachtet. Und die Nachbarn, die ihn immer noch „Alexander“ nennen – die trinken ohnehin gerne ein kräftiges Bier zu ihrer Brotzeit. –

2 Den Quark mit Creme double, Zucker und dem ausgeschabten Mark einer Vanilleschote verrühren. Die Quarkcreme in einen Spritzbeutel füllen. 3 Die Gläser abwechselnd mit der Brombeermarmelade und der Quarkcreme schichtweise füllen. Die letzte Schicht muss Quarkcreme sein. Die Gläser mit 1 bis 2 Brombeeren belegen und für ca. 1 Stunde im Kühlschrank gut durchkühlen.

INFO

4 Die Gläser mit braunem Zucker bestreuen und mit einem Flambierer gleichmäßig flambieren, so dass der Zucker braun karamellisiert.

Restaurant Ursprung Wartenfels 85, 95355 Presseck Telefon: 09223-229 mail@berghof-wartenfels.de www.berghof-wartenfels.de

Tipp: Auch andere Früchte und Beeren eignen sich gut. Erdbeeren, Blaubeeren oder Himbeeren können kombiniert werden.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag ab 11 Uhr, Sonntag ab 9 Uhr geöffnet Montag und Dienstag Ruhetag No. 01-2016


_ Kolumne

Nostalgie im „Woachner“ Bei Wagner-Bräu in Kemmern, einer mehr als 200 Jahre alten familiengeführten Privatbrauerei, trifft der Gast auf gleich drei Generationen, die als Wirt und Braumeister das Sagen haben und auch mal Ansprechpartner in (fast allen) Fragen des täglichen Lebens sind.

Hans im Glück

Frankens beste Bieradressen Franken ist das Land der Brauer. Mit 265 Braustätten hat die Region in Bayern die weltweit höchste Dichte an Brauereien. Hans Wächtler, Biersommelier aus Bamberg, ist den kulinarischen Köstlichkeiten seiner Heimat auf der Spur. Kombiniert mit Bier, versteht sich! Weitere Infos unter www.bierbegeisterung.de

Die Nostalgie ist bei Wagner-Bräu nicht nur im Bierstil, wie etwa dem Märzen, zuhause, sondern auch im Wirtshaus selbst. Jeder Stammgast kann seinen eigenen Krug oder ein Glas mitbringen und daraus Bier vom Fass trinken. Es sind immer zwei Biere vom Fass im Anschlag, meist Lager und Pils.

über Karamell bis zu Nougat reichen, ergänzen sich beim Essen mit dem Gebratenen. Die Röstnoten runden wunderbar die Aromen des Bieres ab. Die Farbe des Märzens, ein strahlendes Bernstein mit kompaktem Schaum, ist einfach schön anzuschauen. Der Abgang ist leicht bitter, was auf eine feine Hopfung hindeutet und gewiss von der Erfahrung von Generationen lebt. Im Sommer kann man sich bei Wagner-Bräu in den Garten setzen. Oder wie halt in Franken üblich „auf den Bierkeller gehen“.

An den langen und kalten Winterabenden ist es besonders mittwochs schön „im Woachner“, wie der Kemmerer sagt. Denn dann sind die Hausplatzsänger da und singen alte Lieder – laut und leidenschaftlich. „Zu unserem Märzen, das wie vor fünf Generationen gebraut wird, passt eine gebratene Göttinger mit Spiegelei und Bratkartoffeln“, erzählt Hubertus Wagner (links im Bild). Und das stimmt. Die Aromen des Märzens, die von Nuss

Wagner-Bräu Hauptstraße 15 96164 Kemmern www.brauerei-wagner.de

In ist was GIN ist Entdecken Sie unseren neuen GIN. Aus frischen Wacholderbeeren und 14 weiteren Kräutern und Essenzen sogenannte Botanicals destilliert. Zitrusfrüchte, Lavendel, Koriander, Angelikawurzel und Ingwer verleihen diesem Gin neben weiteren handverlesenen Zutaten sein würzig-fruchtiges Bukett und seine Komplexität. Pur, für Cocktails oder mit Tonic – eine neu Klasse für GIN!

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67273 Weisenheim am Berg // www.destillerie-sippel.de

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fotos: Roman Matejov, Westindian Compagnie

Markt_ SĂ˜RFERS + SYLTER HOPFEN

Mikro-Brauer Christoph Knorr braut in der MilchkĂźche eines befreundeten Bio-Bauern.

Zum Brauen seines Champagner-Bieres verwendet Thomas Kipka nur Hopfen, der auf Sylt gedeiht. 92



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Westwind aus der Milchküche Er ist Kameramann, Surfer und Brauer. Der nördlichste Mikro-Brauer der Republik. In einer winzigen Milchküche auf Sylt braut Christoph Knorr, wann immer er Zeit dafür hat. Ebenfalls hoch im Norden reifen die Biere von Thomas Kipka. In Flensburg abgefüllt, gibt’s den „Sylter Hopfen“ in Feinkostläden – auf Sylt. Text: Alexander Richter

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Verfügbar sind die Sørfers-Biere nicht immer. Kann schon mal passieren, dass Knorr sich entschuldigt: „Ich hab’ nichts mehr da, ich bin ausverkauft.“ Vielleicht findet er ja doch noch ein Pale Ale. Der Brauer beschreibt es so: „Man schmeckt Grapefruitschale, Zitrusfrüchte und Waldhonig.“ Sein Stout indes habe deutliche Noten von Kaffee- und Schokoladenaromen sowie einen Hauch von Haselnuss.

och ist er ein kleiner, ein ganz kleiner Mikro-Brauer. Aber ein waschechter. Einer, mit dem die Leidenschaft fürs Bier schon mal durchgehen kann. Sein Start-up auf Deutschlands beliebtester Ferieninsel ist mehr Hobby als Beruf. Noch. Denn Christoph Knorr (33), Typ „sunny Beachboy“, will irgendwann vom Brauen leben. Am liebsten auf Sylt. Die Insel ist nämlich seine große Liebe, direkt nach seiner Familie – und vor dem Bier. Immerhin: Mit seiner kreativen Brauerei Sørfers hat der smarte Surfer und ehemalige Rettungsschwimmer auf der Insel einen ziemlich erfolgreichen Anfang hingelegt. Seine Biere – ungefähr 120 Flaschen à 0,33 l pro Sud – gehen in seiner nordfriesischen Wahlheimat weg wie die legendären warmen Semmeln. Aktuell braut er in der alten Milchküche des Biobauernhofs der befreundeten Familie Dethlefs in Braderup. „Noch brauche ich nicht viel Platz, aber auf Dauer wird das hier zu klein“, sagt Knorr. Wegen seiner Leidenschaft für das Surfen ist der gebürtige Hamburger vor ein paar Jahren nach Sylt gezogen. No. 01-2016

Drei Biere stellt er derzeit in der kleinen Milchküche her. Da ist das Stout „Westwind“, das Pale Ale „Moin Moin“ und das Lager „Badezeit“, das er zusammen mit einem befreundeten Brauer vom Festland braut und auf Sylt abfüllt. Die Auflage ist klein, er braut, wie er Lust, Laune und vor allem Zeit hat. Denn im Hauptberuf ist er als freischaffender Kameramann für Fernsehen und Industrie unterwegs.

Seine persönliche „beer-story“ geht so: Das erste Bier braut er am Herd in Hamburg – mit Glühweintopf und Nudelsieb. Das Wissen dazu liest er sich an: im Internet, in Hobbybrauer-Foren, in Büchern. Freunde meinen: Das schmeckt doch ganz gut. Knorr denkt: Das geht noch besser. 2014 absolviert er eine Ausbildung zum Bier-Sommelier bei Doemens in Österreich. Zurück in der winzigen Brauküche beim Bauern, die er auch als Kühl- und Lagerraum nutzen darf, geht er mit neuer Begeisterung ans Werk. Füllt seine Biere von Hand ab, verschließt und etikettiert sie. Die Label hat ein Designer-Kumpel aus Hamburg entworfen. Dass sein Bier allerdings im Vergleich doppelt so viel kostet 93


Markt_ SØRFERS + SYLTER HOPFEN wie Biere großer Brauereien, das muss er vor allem noch in der Gastronomie „viel erklären“.

den Norden wieder neu belebt“, erklärt Geschäftsführer Thomas Kipka, der das Brauen in Westfalen lernte und zunächst in England und Dänemark braute. 2008 bringt er dann zusammen mit einem Freund das erste Mal „Sylter Hopfen“ auf den Markt – laut Kipka ausschließlich mit Hopfen von der Insel gebraut. Und wenn die Ernte so mickrig ausfällt wie in diesem Jahr? „Dann packen wir unsere Reserven aus den Vorjahren an“, sagt Kipka.

Trotz seines Erfolgs ist Knorr Realist: „Noch steckt das hier alles in den Kinderschuhen.“ Noch braut er dann, wenn er Zeit dafür hat, alle 14 Tage also. Die Prozedur ist ziemlich umständlich, muss er doch nach jedem Sud alles wieder abbauen und verstauen. Die Flaschen lagern in einer Strandkorbhalle – „es ist eine ewige Rennerei“. Und so sucht er einen Ort mit genügend Platz, an dem er brauen und Bierkultur erlebbar machen kann. Natürlich auf Sylt. Denn wenn die Wellen gut sind, lässt der Surfer schon mal alles stehen und liegen und stürzt sich in die See.

Mit dem Kopf nach unten Szenenwechsel. Zurück auf dem Festland und auf den Spuren des Sylter Hopfens. So heißt einerseits ein Hopfenfeld in Keitum auf Sylt, das kleiner ist als ein Fußballfeld und direkt neben dem nördlichsten Weinberg Deutschlands gedeiht. Andererseits ist dies der Name einer hoch-

preisigen Bierkreation, die aber gar nicht von der Insel kommt. Sondern aus der Westindien Compagnie in Flensburg stammt, die als Brauerei, Destille und Rum-Importeur auf ein breites Portfolio setzt und sich auf dem Gelände der ersten (alten) Flensburger Brauerei befindet. „Mit der Westindien Compagnie Seehandelsgesellschaft haben wir einen traditionellen Namen für

Die Gärung der Biere erfolgt in der Flasche. Dazu wird die Flasche kopfüber aufgehängt, so dass sich die Hefe im Flaschenhals sammelt. Ist der Prozess abgeschlossen, wird der Verschluss entfernt, die Hefe schießt heraus und die Flasche wird verkorkt. „Am Anfang sind uns hier jede Menge Flaschen um die Ohren geflogen“, verrät Kipka schmunzelnd. Zwischen 10.000 und 20.000 Flaschen pro Jahrgang produziert und verkauft die Westindien Compagnie – die dickbauchige Champagner-Flasche (0,75 l) für 20 Euro. „Sylter Hopfen“ gibt es in Feinkostläden – auf Sylt. – ADVERTORIAL

KLEIN UND ELEGANT Handlich: Alpirsbacher Klosterbräu jetzt auch im Kleinformat Ambrosius, das edle AbteiBier von Alpirsbacher Klosterbräu, ist jetzt auch in der 0,33 l Mehrwegflasche erhältlich. Damit gesellt sich zur repräsentativen 0,75 l Flasche quasi der kleine Bruder. Mit besonderer handwerklicher Sorgfalt schonend gebraut, trägt Ambrosius die unverkennbare Handschrift der Alpirsbacher Braumeister. Aus dem Ambrosius-Pokal mit einer Temperatur von 10 Grad getrunken, entfaltet dieser außergewöhnlich elegante Klostertrunk mit seinem samtig weichen Schaum sein vollendetes Aroma von Frucht und Bittere in perfekter Balance. Durch eine Grünhopfung im Profil verfeinert, überrascht auch 94



der neu gebraute Ambrosius mit ganz besonderen Zutaten. Bei der Grünhopfung wird der Hopfen ganz frisch auf dem Feld gezupft und muss innerhalb von 24 Stunden verarbeitet werden. Durch dieses Hopfenverfahren erhält das Bier einen besonders fruchtigen Geschmack mit leichter blumiger Note. Das Bier präsentiert sich in leuchtendem Bernstein sowie orangenen Reflexen und einer samtig weichen Schaumkrone. Das sehr komplexe Aroma wird zunächst dominiert von Fruchtnoten, die vor allem an Aprikose und Passionsfrucht erinnern, umspielt von Trockenbeerennoten und reifen Datteln. Darüber hinaus entwickeln sich Karamellaromen mit einem leichten Unterton nach Vanille, Honig und Kakao.

ABTEI-BIER AMBROSIUS GESCHMACKSTYP: cremig, vollmundig, fruchtig WASSER: Quellwasser aus dem Naturschutzgebiet Glaswaldwiesen MALZ: Weizen- und Gerstenmalz HOPFEN: Naturhopfen HEFE: Alpirsbacher Hefestamm STAMMWÜRZE: 18 °Plato ALKOHOLGEHALT: 7,7 % Vol. BITTEREINHEITEN: 31 BE Alpirsbacher Klosterbräu Glauner GmbH & Co.KG Marktplatz1, 72275 Alpirsbach Telefon 07444 670 info@alpirsbacher.de www.alpirsbacher.de

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Foto: istockphoto.com/pbsm, Axel Kiesbye

Kiesbyes Bieroskop _

Reif für die Insel Mallorca erfindet sich gerade neu. Weg vom Ballermann-Image. Auch in Sachen Bier. Zehn Kleinbrauer gibt es inzwischen auf der Insel. Sie geben ihren Bieren mit Gewürzen und Früchten eine typisch mallorquinische Handschrift. Gut für die Millionen Touristen, die jedes Jahr auf die Insel strömen. Text: Axel Kiesbye

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a, auf Mallorca wird gerne Bier getrunken. Touristen und Insulaner kommen zusammen auf mehr als eine Million Hektoliter im Jahr. Darunter sind deutsche Biere, englische und belgische. Marken wie Warsteiner, Krombacher, Veltins, Paulaner, Schneider gibt es an jeder Hotelbar. Ansonsten dominieren die spanischen Großbrauereien den mallorquinischen Markt. Insgesamt hat sich Spanien mittlerweile zum drittgrößten Bierproduzenten hinter Deutschland und UK entwickelt. Auch hier dominiert das eher charakterarme, untergärige Lagerbier. Immer mehr kleine Brauereien sind in den vergangenen Jahren entstanden. In Katalonien sind es rund 40, in ganz Spanien rund 100, die in 95


Kiesbyes Bieroskop _ den letzten fünf Jahren gegründet wurden. Seit 2012 gibt es sogar das Barcelona Beer Festival mit mittlerweile rund 300 Bieren von Handwerksbrauern. Eine neue BierSzene etabliert sich. Die aktuelle Situation auf Mallorca spiegelt diese spanische Aufbruchstimmung gut wider. Zehn Kleinbrauereien bemühen sich um Vielfalt und Geschmack. So produziert Sullerica Cerveza Artesana in Soller an der Nordküste spannend aromatisierte Biere mit mallorquinischen Zutaten wie Orangen, Zitronenblüten, Rosmarin oder Oliven. Im Tramuntana-Gebirge, in der Ortschaft Galilea, baut Cas Cerveser sogar an archaisch anmutenden Holzgestellen eigenen Hopfen an, um seinen Bieren damit eine spezielle lokale Hopfung geben zu können. Nebenbei experimentiert die Brauerei aber auch mit dem Barrique-Ausbau und verschiedenen Fruchtbier-Variationen. In Alcudia hat Beer Lovers die technisch wohl ausgefeilteste Brauanlage der Insel in ein altes Gebäude der Altstadt eingebracht. Miquel, ein Mallorquiner mit englischer Mutter, hat sich dort zur Lebensaufgabe gemacht, die besten mallorquinischen Ales zu brauen. Die Brauerei Tramuntana – Cerveza Artesana de Mallorca hingegen nutzt ihren Standortvorteil vor den Toren Palmas, um beispielsweise mit der Sorte „Rossa“ überzeugte Weintrinker für Bier zu gewinnen. Weitere Brauereien wie Cerveza des Pla (Biere mit Feigen oder Honig) oder Forastera (englische Ales), die von zwei Westfalen geführt wird, bereichern den Markt mit Bieren, die eher aus der Sicht eines Kochs als aus der Sicht eines Brauers entwickelt wurden. Das Ziel aller Brauer: den Bieren mit Gewürzen und Früchten eine typisch mallorquinische Handschrift zu geben. Eine erfolgversprechende Strategie, da gerade immer mehr Touristen im Urlaub authentischen, landestypischen Produkten den Vorzug geben. Parallel zu den Brauern hat sich auf Mallorca auch schon ein kleines Vertriebsnetz für Bierspezialitäten aufgebaut. Einerseits gibt es bereits bieraffine Restaurants und Bars wie das L’orien mitten in Palma, das Beershooters in Santa Ponsa oder bei Santa Catalina, ebenfalls Palma. Aber auch Biershops wie das Cerveses del Mon in Palma oder das Tot per al vi in Santa Maria del Cami sind Zeugen der Aufbruchstimmung. Natürlich darf auch das erste Bierfestival der Insel, Beer Palma, am Fuße der Kathedrale, nicht unerwähnt bleiben. 96



→ Braut inmitten der Altstadt von Alcudia: Beer Lovers. ↓ Braut ihre Biere mit Orangen, Rosmarin oder Oliven: Sullerica Cerveza Artesana. ↘ Bier-Stop: der Shop Cerveses del Mon in Palma.

Der Gesamtkonsum an Craftbieren liegt auf der Insel geschätzt aber noch unter 5000 Hektolitern pro Jahr. Die Gründe für diese noch etwas zaghafte Performance sind vielfältig. Beispielsweise das fehlende Miteinander in der lokalen Bierszene, ein noch sehr rustikales Marketing und zweifelhafte Vertriebsstrategien wie das mühevolle Betreiben von Marktständen auf den zahlreichen Wochenmärkten. Außerdem die teilweise stark schwankenden Qualitäten gerade in den Sommermonaten. Bierflaschen können hier aufgrund ihrer nachgärungsbedingten Sprengkraft tatsächlich waffenscheinpflichtig werden. Dennoch ist die Szene sehr lebendig und vor allem authentisch und eine echte Berei-

cherung für die vielen Spezialitätengeschäfte. Es lohnt sich also allemal, Mallorcas B nicht mit Ballermann, sondern mit gutem Bier in Verbindung zu bringen und Brauereibesichtigungen ins SightseeingProgramm einzuplanen. Die meisten Brauereien befinden sich im Norden der Insel und rund um Palma. –

axel kiesbye nimmt in jeder Ausgabe bierthemen unter die Lupe. Kiesbye ist diplomierter Brauingenieur. Der gebürtige Dortmunder betreibt in der Nähe von Salzburg sein „Bierkulturhaus“ mit dem Schwerpunkt auf hochwertigen Bierausbildungen. Er ist seit 20 Jahren Braumeister der Trumer Privatbrauerei und Begründer der Ausbildung zum Diplom-Biersommelier. Kiesbyes Bierkulturhaus in den Salzburger Voralpen ist ein bekannter, unabhängiger Qualitätsführer für Bierausbildungen und –inszenierungen in Österreich. www.bierkulturhaus.com No. 01-2016


Markt_ Rohstoffe

Für gutes Bier ist Wasser richtig wichtig. Gutes Wasser. Und so kommt es nicht von ungefähr, dass Brauereien mit der Qualität ihres Wassers werben. Wasser ist nämlich nicht gleich Wasser.

WieI das Wasser,I soI das BierI Text: Claudia Steinert

foto: istockphoto.com

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n Sachen Wasser sind Brauereien ziemlich anspruchsvoll. Bevor es in den Kessel fließt, strömt es erst einmal durch unzählige Rohre und Tanks. Es wird analysiert und aufbereitet, denn nicht jedes gute Trinkwasser ist automatisch auch gutes Brauwasser. „Man kann zwar aus jedem Wasser Bier herstellen, aber nicht jedes Wasser passt zu jedem Bierstil“, erklärt Hubertus Schneiderbanger vom Forschungszentrum Weihenstephan. Heute können dank moderner Wasseraufbereitungstechnik überall auf der Welt die unterschiedlichsten Biere gebraut werden. Doch das war nicht immer so. » 97


Markt_ rohstoffe foto: istockphoto.com

Je nachdem, welche Gesteinsschichten Wasser passiert, ändert sich seine Zusammensetzung.

Ob ein Wasser hart oder weich ist, das entscheiden die darin gelösten Ionen. Regenwasser ist meist ionenfrei und daher sehr weich. Sein Härtegrad entspricht null Grad deutscher Härte (0° dH). Doch wenn das Wasser im Boden versickert, lösen sich darin Mineralien. So gelangen hauptsächlich Magnesium- oder Kalziumionen ins Wasser, aber auch Karbonat-, Chlor- und Sulfationen. Je nachdem, durch welche Gesteinsschichten das Wasser wandert, ändert sich seine Zusammensetzung.

Gezielte Werbung

Früher, als vor allem die Mönche am Braukessel standen, wurden nur Biere gebraut, die an das jeweilige Wasser der Region angepasst waren. „Grob gesagt kann man historisch die vier Hauptsorten Münchner, Wiener, Pilsner und Dortmunder unterscheiden“, erklärt Schneiderbanger.

Dem Wasser angepasst Das Wasser in der bayrischen Landeshauptstadt München ist hart und eignet sich deshalb besonders gut für das dunkle, ausgewogene, bittere Münchner Bier. Auch im Nachbarland Österreich mussten die Brauer mit sehr hartem Wasser zurechtkommen. Davon zeugt das Wiener Bier, ein Zwischentyp von Hellem und Dunklem. Ganz anders in der tschechischen Stadt Pilsen. Dort pumpte man aus dem Boden besonders weiches Wasser, was sich gut für helle, hopfenbetonte Biere eignet. Typisch herbes Pils eben. Weiter westlich, in Dortmund, wurde ebenfalls helles Bier gebraut: das Dortmunder Export. Dortmunder Wasser ist zwar ebenfalls eher hart, aber chemisch betrachtet auf eine andere Weise als das Münchner oder Wiener Wasser [siehe Kasten]. 98



Heute können Brauer ihr Wasser nach Belieben verändern. Trotzdem werben einige Brauereien gezielt damit, aus welcher Quelle ihre Wasser kommen. Die Brauerei Alpirsbacher Klosterbräu wirbt schon seit Jahren mit seinem „berühmten Brauwasser aus dem Schwarzwald“, und die Krombacher Brauerei hat sich den Ausdruck „Felsquellwasser“ sogar rechtlich schützen lassen. Wasser ist für sie ein wichtiges Verkaufsargument. Auf Anfrage teilt Krombacher mit, dass sie ihr Wasser zwar filtern, um Trübungspartikel auszuschließen. Weitere Verfahren wie Wasserenthärtung kämen aber nicht zur Anwendung. Die Brauerei Ketterer in Hornberg im Schwarzwald braut sogar mit dem gleichen Wasser, das auch als Mineralwasser verkauft wird. Anfangs wollte die Brauerei das gar nicht bewerben. „Damals war die Wassermarke Hornberger Lebensquell noch neu und unbekannt. Wir wollten vermeiden, dass die Leute denken: Na toll, jetzt füllen die ihr Brauwasser als Mineralwasser ab“, sagt Geschäftsführer Philipp Ketterer. Inzwischen hat sich das geändert, Ketterer weist seine Kunden jetzt explizit darauf hin, dass ihr Bier mit Mineralwasser gebraut wird. Doch es gibt auch Brauer, die gar keine eigene Brauerei haben, sondern sich an wechselnden Standorten einmieten. Diese Wanderbrauer müssen mit immer anderem Wasser zurechtkommen und gegebenenfalls sogar ihre Rezepte anpassen. Hobbybrauer können bei ihrem Wasserversorger nachfragen, von welcher Qualität das Wasser ist, das aus dem heimischen Hahn sprudelt. Zum Trinken wird es auf jeden Fall geeignet sein. Zum Brauen nur vielleicht.  –

Wasserchemie Im Wasser befinden sich positiv und negativ geladene Ionen. Sie entscheiden über die Eigenschaften des Wassers. Gesamthärte Die Summe aller Ionen der Erdalkalimetalle, das sind hauptsächlich Calcium und Magnesium, bildet die Gesamthärte. Die Gesamthärte setzt sich zusammen aus Karbonat- und Nichtkarbonathärte. Karbonathärte Calcium- und Magnesiumionen sind positiv geladen. Ihr negativ geladener Gegenspieler im Wasser ist zum größten Teil Hydrogencarbonat. Die Karbonathärte entspricht der Menge der Erdalkaliionen, die an Hydrogencarbonat gebunden ist (beziehungsweise wäre, wenn die Ionen nicht im Wasser in Lösung wären). Nichtkarbonathärte Nicht alle Calcium- und Magnesiumionen sind mit Hydrogencarbonat verbandelt. Einige sind stattdessen an Chlor- oder Sulfationen gebunden. Dieser Teil der Wasserhärte wird deshalb als Nichtkarbonathärte bezeichnet. Restalkalität Die Restalkalität beschreibt, wie das Brauwasser den pH-Wert beeinflusst. Während des Maischens wird das Brauwasser vom Malz auf natürliche Weise angesäuert. Der pH-Wert sinkt. Eine negative Restalkalität verstärkt diesen Vorgang. Sie wird durch säurefördernde Calcium- und Magnesiumionen ausgelöst. Häufiger ist hierzulande jedoch eine positive Restalkalität. Die wird von den säurevernichtenden Hydrogencarbonationen ausgelöst.

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foto: iKlaus Hohnwald

Markt_ etiketten

Abgefahren und schrill oder klassisch mit Frakturschrift und Hopfen-Malz-Dekor. Wie das Etikett auf der Flasche, so der Geschmack? Kommunikationsdesigner André Riehle über die Kraft von Symbolen, Authentizität und die Bedeutung von Social-Media.

Interview: Marika Schiller

„Geil, Wenn es passt“ No. 01-2016

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Markt_ etiketten

Egal, ob abgefahren oder traditionell: ein Etikett funktioniert dann, wenn es zum Produkt und seinen Machern passt. Die Auswahl zeigt Etiketten verschiedener Brauereien und Designer. André Riehle hat die Etiketten für die Brauerei Artland und den Gastronomie Großhandel Pistole – Hardcore Food gestaltet.

André, wenn das Etikett stark ist, schmeckt das Bier dann besser? Ja. Ach? Doch, wirklich. Blindverkostungen zeigen gut, wie sehr sich die Leute von der Aufmachung eines Lebensmittels geschmacklich leiten und beeinflussen lassen. Und hier spielen das Etikett und der Name des Produkts, eine entscheidende Rolle. Was kann ein gutes Etikett? Verschiedenes. Vieles. Nämlich? Es kann Geschichten transportieren. Geschichten erzählen, wenn man so will. Also alles um das Produkt herum. Wie funktioniert das? Mittels Bildern und Symbolen 100



zum Beispiel. Diese können etwas über die Macher, die Menschen mitteilen, die hinter dem Produkt stehen. Über den Brauer meinetwegen, über seine Geschichte, die seiner Vorfahren. So transportiert das Etikett auch ein Image, das Image der Firma, der Brauerei. Letztlich soll sich doch aber das Produkt verkaufen. Klar soll es das. Das Etikett ist ein Anker. Es soll den Kunden animieren. Und dafür muss es sich abheben. Hauptsache abgefahren, Hauptsache anders – geht das immer gut? Nein, geht es nicht. Ein Etikett muss glaubwürdig sein. Es muss zu denen passen, die dahinter stehen. Ist der Mensch, der das Produkt entwickelt hat, ein ruhiger Typ, einer mit einer eher stillen Art, dann darf auch das Etikett ruhig sein und eben genau diese Anmutung haben. Auch hier geht es um Authentizität, um Glaubwürdigkeit. Sich

einfach irgendein Mäntelchen umzuhängen oder etwas zu tun, weil es dem Trend entspricht, das funktioniert meistens nicht. Folklore, Frakturschrift und drum herum reichlich Gold und Hopfen-Malz-Dekor – geht das also auch? Wenn es passt, warum nicht? Dann kann es sogar richtig geil sein. Dann kann man auch Hopfen- und Malz-Dekor richtig gut inszenieren. Es passt dann, wenn es eine Brauerei mit Tradition ist, mit Historie. Dann ist es eine Stärke, die wirksam für das Marketing sein kann. Ist ja nicht eben eine große Spielwiese für einen Designer, so ein Etikett. Oder ist das gerade reizvoll? Ist doch gar nicht so klein, ein Etikett. Und der Reiz? Es ist ein Mittel der Manipulation. Klingt erstmal negativ. Ist aber so. Mit einem Etikett kann man Leute verführen. Sie mittels Typografie

Mit Herz & Hand Als selbstständiger Kommunikationsdesigner arbeitet André Riehle seit 2003. Zu seinem Handwerk gehören Markengestaltung, Grafik- und Verpackungsdesign, Social-Media. Er berät Unternehmen in Corporate Design und Vermarktung, entwickelt Logos und Etiketten, gestaltet Webseiten und betreut Facebook-Seiten. Seine Philosophie: Alles mit Kopf, Herz und Hand. No. 01-2016 www.andreriehle.com


anzusprechen, zum Kauf zu bewegen, das hat was. Das empfinde ich als absolut reizvoll. Muss man als Designer eigentlich das Produkt mögen, um ein gutes Etikett zu gestalten? Ehrlich? Ja. Es ist toll, wenn man nur Sachen macht, die man auch mag. Mir ging das bis jetzt meistens so. Ich hab also Dinge gemacht, die ich selber wirklich wollte. Dinge, die ich mochte. Aber im Grunde sind wir Designer doch wie Huren. Du gestaltest vor allem Etiketten für Wein und Spirituosen, auch mal für Essig oder Bier. Nimmst du vor dem ersten Entwurf einen Schluck? Klar, mache ich. Weil dich auch der Geschmack inspiriert. No. 01-2016

Passt das zu handwerklich gebrautem Bier? Warum denn nicht? Wenn ich zu diesem Thema Vorträge in Unternehmen halte, dann zeige ich ein Foto. Ein Schwarzweißfoto von zwei alten Männern, die zusammensitzen und sich unterhalten. Sich auszutauschen, ist ein uraltes Mittel, Wie läuft so ein kreativer Prozess ab? um Neues zu erfahren, um mitreden zu Wie steigst du ein? können. Der moderne Weg heißt SocialIch treffe mich mit dem Winzer oder dem Brauer und wir reden. Ich höre vor allem Media. Er ist heute essentiell. Und er zu. Denn so erfahre ich etwas von dem sollte genutzt werden. Weniger, um das Menschen selbst, von seinem Leben, Produkt zu zeigen. Vielmehr kann er dazu dienen, den Menschen dahinter sichtbar seinen Werten und Vorlieben. All das zu machen. Seine Aktivitäten, seine Intefließt in die Gestaltung ein. Meine Arbeit empfinde ich ähnlich der eines Maßressen und Individualität. Das erfüllt ein schneiders. Am Ende steht für mich etwas, Produkt mit Leben. Das interessiert den Kunden. das wie angegossen passt. Ja. Das Schmecken gehört eben zu den Sinnen. Und beim Probieren bekomme ich einen Eindruck und ein Gefühl für das Produkt. Schmeckt es rau, derb, animalisch oder ist es eher leicht, filigran und feingliedrig.

Wie wichtig ist das Papier der Etiketten? Das wird leider noch oft unterschätzt. Dabei gehört es unbedingt dazu. Nicht nur optisch. Habe ich eine Flasche Bier in der Hand, dann fühle ich automatisch das Papier. Auch dieser haptische Eindruck bleibt hängen.

Facebook & Co. zu bedienen, kostet Zeit. Zeit, die vor allem kleine Brauer nicht wirklich haben… Trotzdem sollten sie ein Bewusstsein dafür haben, wie wichtig Vermarktung ist, wie bedeutend der kommunikative Kanal von Social-Media.

Stichwort Vermarktung: Ein neues Bier muss unter Leute. Welche Kanäle sind wichtig? Social-Media.

Sollte ein Etikett immer halten, was es verspricht? Wenn es sein Versprechen hält, ist es unschlagbar.

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Spezial _ rauchbier

Feuer frei! Rauchbier ist wieder angesagt. Nicht nur in Franken, sondern auch in den USA. Dort gibt es zahlreiche Kleinbrauereien, die Rauchbiere saisonal brauen. Bewahrt wurde diese Tradition über Generationen in Bamberg. Text: Hans Wächtler, Dirk Omlor

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rüher schmeckten alle Biere rauchig. Der Grund: Das Malz wurde über offenem Feuer getrocknet, bevor daraus Bier gebraut wurde. Im Zuge der industriellen Revolution entstanden neue Trocknungsmethoden, Malz wurde schonend gedarrt, ohne Rauch. Die Folge: Rauchige Biere verschwanden vom Markt, ausgenommen in Bamberg. Bis in die Gegenwart wurde die alte Tradition von Bamberger Brauereien bewahrt. Sie betreiben bis heute teilweise eigene Mälzereien und stellen ihr Rauchmalz selbst her. Rauchmalz kann aber inzwischen auch aus industriellen Handelsmälzereien bezogen werden. Deshalb hat Rauchbier in den letzten Jahren eine gewisse Renaissance erfahren, vor allem in den USA. Rauchbier ist kein eigener Bierstil, viele Bierstile können aber als Rauchbier gebraut werden, so beispielsweise Märzen und Lager, aber auch Weizen und Bock. Dabei muss keinesfalls zu 100 Prozent Rauchmalz zum Einsatz kommen. Wie hoch der Rauchmalzanteil bei den Brauereien ist, die ihr Rauchmalz nicht selbst herstellen, ist ein gut gehütetes Geheimnis, das meist nur der Braumeister kennt. „Die richtige Menge macht das Bier“, sagt Thomas Kraus-Weyermann, Geschäftsführer

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des größten Spezialmalz-Herstellers der Welt. „Es gibt viele Land- und Lagerbiere, die einen relativ kleinen Rauchmalzanteil von unter fünf Prozent haben. Das erhöht die Vollmundigkeit, ohne das Raucharoma wahrzunehmen“, sagt Kraus-Weyermann. Inzwischen greifen viele Brauereien die Tradition des Rauchbierbrauens wieder auf. „Wichtig war uns, das traditionelle Rauchbier so zu interpretieren, dass wir eine dezente Rauchnote haben“, sagt Braufactum-Geschäftsführer Marc Rauschmann über das Rauchweizen Roog, das bei unserer Verkostung (siehe Seite 104/105) als Sieger hervorging. Für das Rauchbier der Bamberger Brauerei Greifenklau wird nur 25 Prozent Rauchmalz verwendet. „Damit unser Bier etwas angenehmer zu trinken ist, besonders für die, die das Rauchbier nicht kennen“, sagt Greifenklau-Seniorchef Siggi Brockard. Die beiden Bamberger Rauchbierbrauereien Schlenkerla und Spezial setzen zu 100 Prozent auf Rauchmalz. „Alle Malze, die wir herstellen, sind Rauchmalze. Und wir brauen ausschließlich damit“, sagt Matthias Trum, Inhaber der Brauerei Heller, die das Schlenkerla herstellt. Auch in der Brauerei Spezial setzt Juniorchef Sebastian Merz ausschließlich auf die alte Trocknungsmethode. „Wir darren unser

Malz nach wie vor über offenem Buchenholzfeuer. Das ergibt das besondere Raucharoma.“ Auf die Frage nach einer gesetzlichen Regelung für die Herstellung von Rauchbier waren sich die Bamberger einig. Eine Regelung sollte her, damit nicht jeder Rauchbier auf das Etikett schreiben darf, „der lediglich eine Handvoll Rauchmalz zugibt.“ Die Bamberger Küche könnte ein Grund dafür sein, dass Rauchbier gerade dort nicht in Vergessenheit geraten ist. Deftiges Essen wie geräuchertes Fleisch und Fisch oder das im Holzofen gebackene Bauernbrot stellten immer einen Bezug zu Rauch dar. Wer zu Gast in Bamberg ist, trinkt fast selbstverständlich auch Rauchbier. Um ungeübten Gaumen den Einstieg zu erleichtern, wird das Rauchbier mit „Zwetschgenbamers“, einer geräucherten Rinderlende, verkostet. Der Vorteil dieser Kombination ist, dass durch den starken Rauch des Fleisches der rauchige Geschmack des Bieres zurücksteht und der zugrundeliegende Bierstil mit seinen Aromen in den Vordergrund tritt. Gut lässt sich Rauchbier, besonders der Rauchbock, mit Süßem verbinden. Tatsächlich ist der Geschmack von Rauchbier gewöhnungsbedürftig. Und nach einem alten Sprichwort schmeckt erst das dritte Glas so richtig. –

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BIER

PASST!

Nach dem Qualitätsversprechen von 1846. www.underberg.de

© Copyright 2015 by Underberg GmbH & Co KG Rheinberg

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Spezial_ Craftprobe

Deutsche Rauchbiere – die Top 10

Wir haben es ordentlich qualmen lassen und uns durch deutsche Rauchbiere probiert. Hier sind die zehn Besten. Göller Rauchbier Brauerei Göller „Zur Alten Freyung“, Zeil am Main Zwönitzer Rauchbier Brauerei Zwönitz, Erzgebirge

Auch eher für Einsteiger bietet sich dieses kastanienfarbene Rauchbier aus dem Erzgebirge an, das den „geräucherten Schinken“ in einen vollmundig-süßlichen Mantel verpackt und so ausgesprochen gefällig daherkommen lässt. Ein malzaromatischer und sehr harmonischer Vertreter, den man auch ohne Vorwarnung servieren kann. Alkoholgehalt: 5,0 % vol., Preis: ca. 2,00 Euro (0,33 l) www.brauerei-zwoenitz.de

Als „feinrauchig und würzig“ beschreibt die fränkische Brauerei Göller ihr Rauchbier, das in der Vergangenheit schon einige Medaillen sammeln konnte. Auch bei diesem Bier spielt der Rauch eher eine gut besetzte Nebenrolle als den Hauptpart. Die Räucher- und Schinkenaromen untermalen vielmehr die deutliche Malznote. Auffällig ist die prägnante Bitterkeit im Abgang. Alkoholgehalt: 4,9 % vol., Preis: ca. 80 Cent (0,5 l) ab Brauerei www.brauerei-goeller.de

Aecht Schlenkerla Rauchbier Weizen Brauerei Heller, Bamberg

Wer Schlenkerla kennenlernen, jedoch nicht gleich komplett die Räucherkammer betreten möchte, dem sei das Rauchweizen empfohlen. Für ein Weizen recht schlank im Geschmack, übernehmen die weißbiertypischen Bananenaromen die Türöffnerfunktion in die Welt des Rauchbiers. In der Nase noch sehr verhalten, treten die Raucharomen beim Trinken schon etwas deutlicher hervor. Wetten, dass der Weg zum „hard stuff“ danach nicht mehr weit ist!? Alkoholgehalt: 5,2 % vol., Preis: 1,70 Euro (0,5 l) www.schlenkerla.de

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Der Rauchbier-Klassiker schlechthin zählt nach wie vor zu den Top-Vertretern. Es geht zwar nichts über den frischen Genuss direkt vom Eichenholzfass vor Ort in Bamberg, doch auch aus der Flasche überzeugt das Märzen von Schlenkerla. Einsteiger sollten sich vielleicht erst einmal einem anderen Vertreter nähern, doch Kenner finden hier ihre volle Ladung Speck und Rauch. Andere Aromen werden da gnadenlos in die Schranken gewiesen. Die Benchmark in Sachen Rauchintensität. Alkoholgehalt: 5,1 % vol., Preis: 1,60 Euro (0,5 l) www.schlenkerla.de

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Bei dem bernsteinfarbenen Hirschentrunk der Brauerei Kraus aus der Nähe Bambergs haben wir es mit einem typischen Rauchbiervertreter zu tun, der nicht zu stark polarisiert. Im Geruch noch recht verhalten, setzt sich die Rauchnote im Geschmack deutlicher durch und geht mit der prägnanten, süßlichen Malznote eine gelungene, vollmundige Harmonie ein. Das Bier klingt mit einer feinen Bittere aus. Alkoholgehalt: 5,5 % vol., Preis: ca. 80 Cent (0,5 l) ab Brauerei www.brauerei-kraus.de

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Aecht Schlenkerla Rauchbier Märzen Brauerei Heller, Bamberg

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Hirschentrunk Brauerei Kraus, Hirschaid

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Weiherer Rauch Brauerei Kundmüller, Viereth-Trunstadt

Ein ebenso ungewöhnliches wie interessantes und gelungenes Rauchbier. Gerstengelb in der Farbe und ungemein vielschichtig im Geschmack verbinden sich beim Weiherer Rauch Malzaromen mit dezenten Rauchnoten und deutlichen Anklängen von exotischen Früchten (Grapefruit, Zitrus). Mit diesem perfekten Dreiklang sticht das Bier aus der Menge hervor und bietet sich auch für Einsteiger an. Alkoholgehalt: 5,5 % vol., Preis: ca. 1 Euro (0,5 l) ab Brauerei www.weiherer-bier.de

Aecht Schlenkerla Rauchbier Urbock Brauerei Heller, Bamberg

In feinstem Schokoton begegnet uns die Urbock-Version des Schlenkerla, die nur zur Bamberger Starkbierzeit im Winter eingebraut wird. Der Urbock reift anschließend monatelang in den historischen Felsenkellern tief unter dem Stephansberg in Bamberg. Das vom Märzen her bekannte Feuerwerk an Rauch- und Speckaromen wird hier eingehüllt in eine angenehme Süße, die beim Original etwas fehlt. Karamellisierter Schinken? Here you go! Alkoholgehalt: 6,5 % vol., Preis: 1,80 Euro (0,5 l) www.schlenkerla.de

Braufactum Roog – Rauchweizen Die Internationale Brau-Manufacturen GmbH, Frankfurt am Main

Rittmayer Rauchbier Brauerei Rittmayer, Hallerndorf

Mehr Florett als Degen lässt die Brauerei Rittmayer bei ihrem Rauchbier walten: Das Rauchmalz kommt gemäßigt zum Einsatz und gesellt sich an die Seite von feiner Malzsüße und differenzierter Hopfenbittere. Harmonisch und vielschichtig in Geruch und Geschmack. Die ausgeprägte Spritzigkeit unterstreicht den frischen Charakter dieses eher hellen Rauchbieres. Alkoholgehalt: 4,9 % vol., Preis: ca. 1 Euro (0,5 l) www.rittmayer.de

Unser Rauchbier-Champion kratzt an der Kategorie „Weltklasse“! Eine ungemein harmonische Kreuzung aus typischen fruchtigen Weißbieraromen (Banane, Orange), einer entschärften Rauchnote und deutlicher Schinkenaromatik. Man möchte direkt den Grill aus der Garage räumen und das Barbecue starten. Für den Kenner dürfte es noch eine Spur mehr Rauchmalz sein, ansonsten perfekt. Alkoholgehalt: 6,6 % vol., Preis: 6,99 Euro (0,65 l) www.braufactum.de

Schlotfegerla Weyermann Braumanufaktur, Bamberg

In der Braumanufaktur des Spezialmalz-Marktführers Weyermann entstehen immer wieder Bierspezialitäten, die man vor Ort in Bamberg im Fan-Shop erstehen kann. Das dunkle Rauchbier Schlotfegerla zählt zu den Klassikern: Zurückhaltende Buchenholz-Rauchnoten treffen auf einen ausgeprägten, süßen Malzkörper. Vollmundig im Geschmack. Passt, wie fast alle Rauchbiere, gut zu Fleischgerichten und Schinken. Alkoholgehalt: 5,2 % vol., Preis: 1,80 Euro (0,33 l) www.weyermann.de

In der nächsten Ausgabe: Porter/Stout Sie wollen dabei sein? Dann senden Sie uns Produktmuster (Minimum drei Flaschen) Ihres Bieres bis zum 10. Dezember 2015 an: Meininger Verlag GmbH Redaktion CRAFT Rubrik „Craftprobe 2-2016“ Maximilianstraße 7-17 67433 Neustadt/Weinstraße

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Die besten Porter/Stouts präsentieren wir in der nächsten Ausgabe!

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Zur Wertung: Für die „Craftprobe“ verkostet und bewertet der Vorstand des Meininger’s International Craft Beer Award, bestehend aus Prof. Dominik Durner, Christian Neumer, Dirk Omlor und Benjamin Brouër, die Biere hinsichtlich Geruch, Geschmack und Gesamteindruck. Basis bildet das bewährte 100-Punkte-Schema.

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100-96 Punkte: Weltklasse 95-91 Punkte: Herausragend 90-86 Punkte: Sehr gelungen 85-81 Punkte: Gelungen 105


biermythen

Kurioses vom Reinheitsgebot W enn im kommenden April das 500-Jahr-Jubiläum des Reinheitsgebots gefeiert wird, dann wird man wieder allerhand Erklärungen hören, warum diese Verordnung so und nicht anders formuliert wurde. Jeder meint ja zu wissen, dass das Reinheitsgebot vorschreibe, zum Bier nur Wasser, Malz und Hopfen zu verwenden. Aber vom Malz ist da gar nicht die Rede. Vielmehr heißt es, „Wir wöllen auch sonderlichen / das füran allenthalben in unsern Stetten / Märckthen / unn auf dem Lannde / zu kainem Pier / merer stückh / dann allain Gersten / Hopfen / unn wasser / genommen unn gepraucht sölle werdn.“

Hier ging es also um die Festschreibung des Rohstoffes Gerste – damit eben andere (Brot-) Getreide nicht im Braukessel landen sollten. Oder wenigstens nicht in denen der gewöhnlichen Bierbrauer.

Der schlaue Jurist Leonhart von Eck, der den Entwurf für die Reinheitsgebots-Verordnung vom 23. April 1516 geliefert hatte, hat damals allerdings ein Schlupfloch in die Formulierung geschummelt: Gelten sollte das Reinheitsgebot „in unsern Stetten / Märckthen / unn auf dem Lannde“, also auf dem Land, in den Städten und Märkten. Das klingt sehr umfassend, aber juristisch gebildete Leser ahnen es schon: Wenn ein Gesetzgeber allzu genau schreibt, was wo gilt, dann will er sagen, dass anderswo eben etwas anderes gelten kann. Auch die Aufzählung war also sehr absichtsvoll unvollständig gehalten. Der bayerische Herzog hatte sich und seinen Hof nicht einbezogen und damit ein Weizenbiermonopol geschaffen, das dann von 1520 an auch als „Weissbierregal“ an die Familie der Degenberger verpachtet wurde. An dem ältesten Lebensmittelgesetz wurde auch sonst von Juristen herumgedeutelt und umformuliert, wie es dem Zeitgeist – oder der Not – gerade geschuldet war: Bedenkenlos wurde etwa während der Weltkriege Molke verbraut, um die dünnen Kriegsbiere vollmundiger schmecken zu lassen.

foto: Günter Menzl

Noch kurioser ist der Mythos, den man auch auf etlichen Webseiten der Brauerverbände findet: Dass nämlich im Reinheitsgebot die Hefe fehle, weil sie 1516 noch gar nicht bekannt gewesen sei. Der Verband Privater Brauereien schwadroniert etwa auf seiner Website: „Logischerweise wurde sie erst nach der Erfindung des Mikroskops (im 17. Jahrhundert) entdeckt.“ Man müsste fast sagen: Das Gegenteil ist wahr – denn gerade im Vorfeld des heute bekannten Reinheitsgebots hatten sich die bayrischen Herzöge intensiv mit dem „Bäcker und Brauerstreit“ in München auseinanderzusetzen gehabt, in dem es ausschließlich darum gegangen war, ob die Bäcker von den Brauern Überschusshefe kaufen müssten und welche Qualität diese haben sollte. Bei Hofe wusste man also genau um die Hefe und ihre Vermehrung (nicht allerdings um den genauen Mechanismus der Hefegärung) – doch war dies einfach nicht wichtig im Zusammenhang mit der „Reinheitsgebots“-Festlegung auf Gerste. Und auf Hopfen; aber das ist eine andere Geschichte.

Conrad Seidl, allgemein als der Bierpapst bekannt, schreibt und unterrichtet seit drei Jahrzehnten über Bier. Wöchentlich verkostet er ein Bier auf www.beerweekly.com

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No. 01-2016


„LEBEN IST INSZENIERUNG, MOTORRADFAHREN EIN GESAMTKUNSTWERK.“

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Schräge Biere Craftbrauer experimentieren gern. Mit Fichtenspitzen, Kaffeebohnen, Koriandersamen und derlei. Was aber eine winzige Brauerei 100 Kilometer nördlich der isländischen Hauptstadt Reykjavik treibt, geht über Probierlust hinaus. Gleich mit zwei Suden hat das „Brugghús Steðja“ für Schlagzeilen in der internationalen Brauszene gesorgt. 2014 setzte sie erstmals einen Sud mit Knochenmehl des Finnwales an. Die Meldung über dieses Bier namens „Hvalur Þorrabjór Steðja“ ging um die ganze Welt und rief Proteststürme von Tierschützern hervor, so dass der Ausschank sogar kurzzeitig verboten wurde. Steðja-Chef Dagbjartur Arilíusson zeigte sich jeder Kritik erhaben und freute sich über den Erfolg seiner Kreation: „Wir haben zwar nur 5000 Liter von diesem Die internationale CraftBier-Szene ist voller Bier gebraut, aber schon nach Kuriositäten und seltener Sude. In Island werden wenigen Tagen waren wir komplett ausverkauft.“ Biere mit Walhoden-Extrakt gebraut. Ein No-Go!

No-Go am Polarkreis

LOGO bier-deluxe 2

von Mareike Hasenbeck

Mit seinem „Hvalur 2“, das mit Walhoden-Extrakt gebraut wurde und seit Ende Januar im Handel erhältlich ist, dürfte die Brauerei die Schwelle der Geschmacklosigkeit aber überschritten haben. Steðja, die für dieses Bier mit einer Walfangfirma zusammenarbeitet, beruft sich auf eine uralte Tradition aus der Wikingerzeit: das nordgermanische Opferfest „Thorrablot“, bei dem die Inselbewohner alljährlich zwischen Januar bis Februar traditionelle Gerichte, aber auch Innereien wie Schafshirn oder -hoden verzehren. „Wir wollen mit unserem Produkt zu einer authentischen Thorri-Atmosphäre beitragen. Deshalb haben wir geräucherte Hoden von Walen benutzt, um das Bier zu aromatisieren“, sagte Arilíusson gegenüber der Süddeutschen Zeitung Anfang des Jahres. Makaber: Farblich glänzt das 5,2-prozentige Ale beinahe blutrot im Glas. Das Bier riecht malzig, mit leichtem Anflug von Röstaromen – und ein wenig nach geräuchertem Speck. Im Mund ist es fein und mild, was wohl am kristallklaren Fjordwasser liegt. Am Gaumen machen sich nordische Steinbeeren mit süßlichen Malznoten bemerkbar. Zum Genuss gerät das Bier nicht. Wie sollte man den Wal vergessen? Morbide ist, dass sich Steðja auf rechtlich sicherem Terrain bewegt. Denn obwohl der kommerzielle Walfang seit 1986 international verboten ist, ist das Treiben der Isländer dank Ausnahmeregelungen legal. Die Walschutzorganisation „Whale and Dolphin Conversation“ verurteilt die Strategie von Steðja scharf. Experimentierfreude hin oder her. Wale

gehören in den Ozean und nicht in den Sudkessel!

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No. 01-2016


ADVERTORIAL

RAUER, GRIFFIGER, CRAFTIGER Von der Garagenfirma zu nationaler Größe: In nur drei Jahren hat es Bierdeluxe zum größten Craftbier-Onlinehändler in Deutschland geschafft. 300 verschiedene Biere können über das Portal bestellt werden. Jetzt ist es auch optisch deluxe.

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Der Name ist geblieben, sieht aber anders aus. Und liest sich anders. Rauer, griffiger. Craftiger, wenn man so will. Bier-Deluxe, das größte deutsche Online-Portal für Craftbier-Afiniciados, kommt in neuem Look daher. Christoph Klischan, verantwortlich für Marketing und Business Development bei Bierdeluxe, erklärt den Relaunch: „Das The-

ma Craftbier hat sich in den vergangenen drei Jahren verändert, es gibt jetzt einen Markt und den wollen wir auch optisch repräsentieren.“ Es sei an der Zeit gewesen, den Auftritt visuell anzupassen und kundenfreundlicher zu gestalten. „Der Kunde soll sich auf der Website künftig nicht nur

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inhaltlich sondern auch emotional abgeLOGO COLOUR holt fühlen“, sagt Klischan. Passieren soll das über Mood-Videos und Bilder, ganz nach dem Motto: „If you never tasted craftbeer, you never tasted beer.“ So lautet auch das Fazit des TV-Clips von BierDeluxe, der zeigt, wie überraschend, ja, beglückend der Genuss von Bier sein kann. Ganz zwanglos genießen in dem Spot Frauen wie Männer Pale Ale, Schwarzbier, Saison oder Porter. Ausgestrahlt wird der 20-Sekünder noch bis Mitte Dezember auf Sky und Sendern der ProSieben-Sat.1Gruppe. Gezielt kann sich der Kunde auf der Website über eine Auswahl orientieren. Steuert seine Suche entweder über „Sorten“ und „Länder“ oder lässt sich über „Exklusiv“ von Spezialitäten aus aller Welt inspirieren. Für Einsteiger sind bereits DutzendPakete diverser Sorten geschnürt. Vielleicht lässt er sich auch einfach vom Menüpunkt „Geschmack“ leiten und findet über

Beschreibungen wie „blumig“, „rauchig“ oder „gewürzbetont“ seine Favoriten. Beschrieben werden die Biere jeweils ausführlich. Manchmal sogar von Videos ergänzt. Noch stärker einfließen sollen künftig Bewertungen von Kunden. Ganz persönliche geschmackliche Erlebnisse mit einem Pale Ale aus den USA, einem belgischen Tripel, einem bayrischen Kellerbier. „Kunden interessieren sich natürlich für die Erfahrungen anderer Kunden“, so Klischan. „Sie helfen bei der Orientierung.“ Eigens ein Biersommelier beschäftigt sich für den Online-Händler permanent mit dem internationalen Craftbier-Markt, ist stets Neuheiten und Exklusivitäten auf der Spur. Seiner Passion, das Thema Craftbier in seiner Popularität voranzubringen, folgt Bier-Deluxe auch als Veranstalter. „Wir wollen Leute aus der Szene zusammenbringen und das Miteinander fördern“, sagt Klischan. So werden Kontakte zwischen Brauern vermittelt und gemeinsamen Aktionen, wie Collaborationssuden, angeregt, werden Craftbier-Partys oder Tape Take Overs organisiert. „Toll, dass der Markt noch so offen ist.“ Übrigens: Bei Bier-Deluxe sind nicht nur die Produkte „Craft“ sondern auch die Firma. Alle Schlüsselpositionen sind von Gesellschaftern besetzt. Über 300 Kunden aus Handel und Gastronomie zählt der Online-Händler deutschlandweit.

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Events+termine Auf keinen Fall verpassen: Alles für den Gast Sa-Mi, 7.-11. November, Messezentrum Salzburg. Fachmesse für die Gastronomie- und Hotellerie-Branche im Donau-Alpen-Adria-Raum mit 700 Ausstellern. Zweite Runde für „Craft Beer Summit for Professionals“. www.gastmesse.at Braubeviale Di-Do, 10.-12. November, Nürnberg, Messezentrum. Investitionsgütermesse für die Getränkewirtschaft. Es geht um Rohstoffe, Technologien, Logistiklösungen und Marketing-Ideen. www.braubeviale.de

Wien im CraftbierFieber Spot an für Craftbiere: Nach dem Erfolg der Premiere im vergangenen Jahr mit mehr als 4000 Besuchern stehen auch beim diesjährigen Craftbier-Fest in Wien, das am

Bierkennertour Sa, 14. November, Bamberg. Stadtführung durch die Weltkulturer­­­beStadt Bamberg inklusive Besuch bei mehreren Brauereien, Bierprobe. www.bierakademie.net

21. und 22. November in der Anker-Expedithalle veranstaltet wird,

Craft Beer & Single Malt Mi, 18. November, naïv, Frankfurt am Main. Ab 20 Uhr werden in der Bar Craftbiere und Single-Malt-Whiskys verkostet. Dazu gibt’s Feines aus der naïv-Küche. Platz ist für 20 Leute. Unbedingt anmelden. Telefon 069 24404982, www.naiv-frankfurt.de

Starterfeld der Aussteller aus dem In- und Ausland hat sich ver-

handwerkliche Biere und ihre Brauer im Mittelpunkt. Die Besucher können neue, experimentelle und traditionelle Sude verkosten und mit den Menschen plaudern, die hinter diesen Bieren stehen. Das größert (2015: 36). Zahlreiche Brauer präsentieren speziell für das Craftbier-Fest gebraute Event-Sude oder Collaboration Brews. www.craftbierfest.at

Craftbier-Fest Fr+Sa, 20.-21. November, Wien, Anker-Expedithalle. Mit noch mehr Brauern aus dem In- und Ausland geht das Craftbier-Fest am Donaukanal in die zweite Runde. 4000 Besucher kamen zur Premiere 2014. www.craftbierfest.at

Premiere in Mainz Am 27. und 28. November ist die Alte Lokhalle in Mainz die Adresse für Craftbier-Fans. Veranstaltet vom Messeunternehmen RAM Regio geht damit die erste Craftbier-Messe in der rheinlandpfälzischen Landeshauptstadt an den Start. Rund 30 Brauereien und einige Händler bieten mehr als 150 Biere an und laden zum Probieren ein. Bezahlt werden die Kostproben (0,1l) mit BierCoins. Ein Hobby-Brauer-Markt macht Lust aufs Selberbrauen, in Vorträgen und Workshops wird das Wissen drum herum vermittelt. Sogar einen Wettbewerb für Hobbybrauer soll es geben. Den „Bierhunger“ stillen kann man an den Ständen von „Finest Food“. In einem Shop gibt’s die präsentierten Biere. www.craftbeermesse.de

Winter Beer Day Sa, 21. November, Schanzenhöfe, Hamburg. Winterbier von Craftbrauern im Innenhof der Brauerei Ratsherrn. Craft Beer Messe Fr+Sa, 27.+28. November, Alte Lokhalle, Mainz. Craftbier-Premiere in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt. Messe mit Brauern, Biershop, Braukursen und Hobby-Brauer-Markt. Food-Stände mit Leckereien aus regionalen Zutaten. www.craftbeermesse.de Ausstellung Bier Ab 19. Februar bis Juli 2016, Technoseum, Mannheim. Sonderausstellung „Bier. Braukunst und 500 Jahre Reinheitsgebot“ mit interaktiven Stationen, Experimenten zum Brauen und zu Rohstoffen. www.technoseum.de Braukunst live Fr-So, 26.-28. Februar 2016, MVG Museum München. Deutschlands großes Festival für Bierspezialitäten: Zum fünften Mal präsentiert die internationale Szene − vom Craftbrauer bis zur Großbrauerei − alles rund ums Thema Bierkultur. www.braukunst-live.com Northern Craft Beer Days Fr+Sa, 29.+30. April 2016, Holstenhalle, Neumünster. 20 Aussteller zeigen ihre Biere, es gibt Vorträge rund ums Thema, Künstler sorgen für Unterhaltung an beiden Messetagen. Der Eintritt kostet 4 Euro. 110



Internationale Bierkultur Das wird ein Fest: Zum fünften Mal öffnet vom 26. bis 28. Februar 2016 die „Braukunst Live!“, Deutschlands großes Festival für Bierspezialitäten, ihre Pforten im Münchner MVG Museum. Hier zelebriert die internationale Szene Bierkultur – vom unabhängigen Craft Brewer bis hin zur kultigen Großbrauerei. „Wir werden überbucht sein, das zeichnet sich jetzt schon ab“, sagte Frank-Michael Böer, Veranstalter der Braukunst Live, gegenüber CRAFT Mitte Oktober. Zunehmend gingen Anfragen aus dem Ausland ein, aus Europa und Amerika. Bemerkenswert laut Böer ist dieses Mal das auffällige Interesse von Gasthausbrauereien. Und: „Etablierte Aussteller sind wieder dabei.“

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fotos: XXXXX

Bochum, wir kommen wieder! Bier trifft Spirituose: Mehr als 3000 Besucher kamen zur zweiten Auflage der „Finest Spirits & Beer Convention“ in die Jahrhunderthalle nach Bochum, um den aktuellen Trends der Bierbranche und hochwertiger Spirituosen nachzuspüren. Mit 60 Austellern war die Atmosphäre unter dem Dach der ehemaligen Gaskraftzentrale fast intim und regte einen persönlichen und intensiven Austausch zwischen Publikum und Ausstellern an - und erlaubte dem einen oder anderen Besucher einen Blick hinter die Kulissen. Die Produkte zweier Branchen als ein gemeinsames, bleibendes Erlebnis zu inszenieren, war erklärtes Ziel des Veranstalters Frank-Michael Böer: „Die Messe bietet Bieren über hochwertige Spirituosen einen Ballsaal, und Spirituosen wiederum profitieren von der Popularität der Biere.“ Und so wurde an den drei Messetagen Anfang Oktober verkostet und gefachsimpelt, begeisterten kreative und renommierte Aussteller beider Branchen mit Sondersuden, limitierten Editionen und Raritäten. Nach der eher verhalten besuchten Premiere 2014 bewertet Böer diesen zweiten Auftakt als gelungen: „Wir konnten mit dem Festival ein paar tausend Menschen begeistern und freuen uns auf nächstes Jahr in Bochum.“

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Unter dem Dach der Jahrhunderthalle präsentierten sich Brauer und Hersteller hochwertiger Spirituosen.

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Marktplatz Hier entdecken Sie eine groSSe Auswahl an tollen Bieren! Getränkesupermarkt Kefenbaum e.K. Wickrather Str. 129, 41236 Mönchengladbach, Tel. 02166 139967

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Im Porträt: Bitburger-Boss Jan Niewodniczanski

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Layout  direct-agentur, Neustadt Marcus Dicks, Lothar Platz, Marko Röthlingshöfer Titelfoto David Daub Geschäftsleitung Produktion Horst Emmert Geschäftsleitung Media Ralf Clemens, 06321 8908-81 MEDIABERATung Sarah Grundmann, 06321 8908-53, grundmann@meininger.de Susanne Kleber, 06321 8908-66, kleber@meininger.de Anzeigenverwaltung Miriam Raffel, 06321 8908-48, raffel@meininger.de Anzeigen siehe Preisliste Nr. 1, gültig ab 01.01.2015

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Fracking-Gesetz noch vor der Sommerpause ALS „RÜCKSCHRITT für die Energiewende und als Zugeständnis an fossile Energien“, bewertet die Deutsche Umwelthilfe (DUH) den aktuell beschlossenen Gesetzesentwurf der Bundesregierung zum Einsatz der umstrittenen FrackingMethode in Deutschland. Die Entscheidung, Fracking künftig zu erlauben, sei „weder unter umweltpolitischen Gesichtspunkten nachvollziehbar noch energiepolitisch das richtige Signal“, bemängelt DUHGeschäftsführer Sascha MüllerKraenner. Auf massive Kritik stoßen dabei im besonderen Maße mögliche Fracking-Einsätze in Schiefer- und Kohleflözgestein. Die Fracking-Gegner fordern indessen einen weitergehenden Schutz für Trinkwassereinzugs- und Naturschutzgebiete. Die Abstimmung über den vorgelegten Gesetzesentwurf soll noch vor der Sommerpause erfolgen. les

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Schwarze Keller – was hilft gegen Schimmel?

Generation Y trinkt Bio: Was erwartet sie?

Entblätterung: Wer zu spät kommt, verschenkt Oechsle

IM SOMMER will die Rewe Für Sie Getränkevermarktungs- und Einkaufsgesellschaft (GVG) unter dem Titel „GAM der Zukunft“ ein neues Konzept für Getränkeabholmärkte vorstellen. Aktuell arbeite man zusammen mit seinen Vermarktungspartnern an diesem Projekt, so GVG-Geschäftsführerin Silke Rösler auf Anfrage. Der erste aktualisierte Markt soll voraussichtlich am 1. September dieses Jahres der Öffentlichkeit vorgestellt werden. les

DER MARKT

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PRIVATER KONSUM 24,5 %

13,8 %

1970

Quelle: Statistisches Bundesamt

DIE ZAHL

GFGH-Betriebe

sind in Folge der Insolvenz der Getränke-Ring-Gruppe im Oktober 2012 laut GFGHBundesverband bis heute ebenfalls in Konkurs gegangen.

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Titelthema Seite 6

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MinAG arbeitet wieder profitabel DIE MINERALBRUNNEN AG konnte trotz eines leichten Umsatzrückgangs von 1,6 Prozent auf 136,5 Mio. Euro ihre Profitabilität klar steigern. Positiv hat sich nach Unternehmensangaben besonders das Markengeschäft mit den beiden Marken Teinacher und Krumbach entwickelt, während man im Saftsegment Absatzrückgänge habe hinnehmen müssen. MinAG-Chef Michael Bartholl sieht sein Haus nach dem Restrukturierungsprozess gut aufgestellt: „Unser Konzern verfügt heute über ein hochwertiges Portfolio ertragreicher Marken im regionalen Mineralwassermarkt und im überregionalen Fruchtsaft- und Limonadenmarkt.“ les

! Seite 4

2014

Anteil der Ausgaben für Nahrung, Getränke und Tabakwaren

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GETRÄNKEFACHHANDEL Die negativen Zahlen spiegeln nur einen Teil der Branche wider: Gerade die filialisierten GAM-Ketten behaupten mit neuem Selbstbewusstsein ihre wachsende MarktBedeutung Foto: lassedesignen - Fotolia.com

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Chefredaktion Dirk Omlor 06321 8908-52, omlor@meininger.de

Red Bull auch bei Aldi DISCOUNTER listet Energydrink in der 0,33 l-Dose Mit der Einlistung des Energydrink-Marktführers Red Bull hat der Discounter Aldi nach CocaCola eine weitere große AfG-Marke in sein Portfolio aufgenommen. Seit der Kalenderwoche 14 wird Red Bull in allen Aldi-Filialen zu einem Preis von 1,49 Euro für die 0,33 l-Dose angeboten, wie eine Sprecherin des Discounters gegenüber der GZ bestätigte. In europäischen Nachbarländern wie beispielsweise Holland ist Red Bull bereits in den Aldi-Märkten gelistet.

Doch nicht nur der preisliche Wettbewerb dürfte mit der Red Bull-Einlistung neue Fahrt aufnehmen, sondern auch das Thema Dosengebinde gewinnt zunehmend an Bedeutung für den Discount-Riesen. Die Listung von Red Bull in die Regale seiner Billig-Märkte läuft zeitlich fast parallel mit der Einlistung von Bier-Eigenmarken in der Dose. Weitere Einlistungen von Getränkedosen sind aber zumindest bei Aldi Süd nach Unternehmensangaben derzeit nicht geplant. les

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Hier das Making-Off: Den Spot gibt's hier:

https://www.youtube.com/ watch?v=VyTZpQt1sX0 https://www.youtube.com/ watch?v=emnxl32OsvA

Die nächste Ausgabe erscheint am 19. Februar 2016 114



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