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Sozialkapital_Schulstudien_Zukunftsbuero

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Wer Gutes tut, ist auch gut in der Schule Studienergebnisse von drei Vorarlberger Schulen Erstmals liegen in Vorarlberg Sozialkapitalstudien über drei Vorarlberger Schulen (2 AHS und 1 HS) vor, die einen eindeutigen Zusammenhang zwischen freiwilligem Engagement, Schulleistungen und persönlichem Wohlbefinden belegen. Die vom Büro für Zukunftsfragen initiierten Studien zeigen interessante Ergebnisse. Markante Ergebnisse: Die Klassen mit Sozialdienst-Einsätzen profitierten deutlich, da • sich die Identifikation mit der Schule erhöhte • das Wohlbefinden in freundschaftlichen Beziehungen stieg • das Gefühl, gesund und fit zu sein, zunahm, • sich in einer Klasse das positive Sozialkapital in den Lehrer-SchülerBeziehungen verdoppelte. Insgesamt kam es bei den engagierten SchülerInnen zu einem Bewusstseinswandel: durch die sozialen Dienste wurden sie für Anliegen und Hilfe im Nachbarschaftsbereich sensibilisiert. Der Kontakt zu Hilfsbedürftigen gab damit auch den Anstoß, im eigenen Lebensumfeld hilfsbereiter zu werden. Zudem reduzierten die sozialen Aktivitäten bei den SchülerInnen die Eindrücke von Unfreundlichkeit und Unverständnis an der Schule. Schule als Lebensort Die SchülerInnen lernen durch freiwilliges Engagement beispielsweise als Babysitter oder in einem Altenheim, ihr Wissen in realen Situationen außerhalb der Schule anzuwenden. Und das verblüffende Resultat der Befragungen: die Jugendlichen gehen motivierter in die Schule, das Lehrer-Schüler-Verhältnis verbesserte sich. Die Schüler spüren, wie wertvoll ihr Wissen im Alltag sein kann. Sie legen ihre passive Haltung ab und schulen ihre soziale Kompetenz - eine Fähigkeit, die im Berufsalltag zunehmend gefragt ist. OECD-Studie als Grundlage für Befragung Die OECD, der westliche Industrieländer aber auch Staaten aus Asien, Osteuropa und Lateinamerika angehören, hat das Projekt zur Messung von Sozialkapital initiiert, um die vielfältigen Zusammenhänge gemeinschaftlichen Lebens - Solidarität, Gemeinschaftsgefühl, Verbundenheit und Identifikation - mit wirtschaftlichen Komponenten zu erforschen. Weil die OECD erkannte, dass bisher den Kräften des sozialen Zusammenhaltes nicht genügend Aufmerksamkeit gewidmet wurde, will sie Sozialkapital nun international bewusst und vergleichbar machen. Mit dem Projekt „Measuring Social Capital“, an dem sich 21 Nationen beteiligen, werden statistische Indikatoren und Fragen für vergleichende Studien erarbeitet. Für Österreich ist Prof. DI Ernst Gehmacher (BoaS - Büro für angewandte Sozialforschung) der zuständige OECD-Beauftragte, er führte im Auftrag des Büros für Zukunftsfragen die Erhebung an den Vorarlberger Schulen durch und wertete die Ergebnisse aus. Was unterscheidet Sozialkapital von Humankapital? Der Begriff Humankapital wurde von der OECD für die Investition in Aus- und Weiterbildung geprägt. Humankapital ist längst zum wesentlichen Faktor für Wirtschaftswachstum geworden. Es reicht jedoch nicht aus, um auch die ausschlaggebenden Wirkungsmechanismen sozialen Zusammenhalts zu erfassen. Das gelingt mit Sozialkapital: die sozialen Bindungs- und Leistungskräfte sind sowohl Kitt als auch Öl (zum Schmieren wie


zum Antrieb) der Gesellschaft sowie von Institutionen, Unternehmen, Gemeinden und für das Wohlbefinden jedes einzelnen Menschen. Die wissenschaftlichen Grundlagen für die Sozialkapital-Theorie Besonders interessante Erkenntnisse kommen aus der neuesten neurobiologischen Forschung. Hier ist zunehmend vom „social brain“ die Rede. Die dem zugrunde liegende Erkenntnis lautet: Menschen sind nicht primär auf Egoismus und Konkurrenz eingestellt, sondern auf Kooperation und Resonanz. Das Gehirn belohnt gelungenes Miteinander durch Ausschüttung von Botenstoffen, die gute Gefühle und Gesundheit erzeugen. Kern aller menschlichen Motivation sind gelingende soziale Beziehungen. Was wir im Alltag tun, wird direkt oder indirekt dadurch bestimmt, dass wir soziale Kontakte gewinnen oder erhalten möchten. Joachim Bauer, der für seine neurobiologischen Forschungsarbeiten den renommierten Organon-Preis der deutschen Gesellschaft für Biologische Psychiatrie erhalten hat, schreibt: „Wer Menschen nachhaltig motivieren will, dies ist die unabweisbare Konsequenz aus den dargestellten neurobiologischen Daten, muss ihnen die Möglichkeit geben, mit anderen zu kooperieren und Beziehungen zu gestalten. Dies hat weitreichende Konsequenzen für die Arbeitswelt, für das Führungsverhalten von Vorgesetzten und Managern, für das Medizinsystem und für die Pädagogik. Da sie mit der Ausschüttung der Glücksbotenstoffen Dopamin, Oxytozin und Opioide einhergehen, sind gelingende Beziehungen das unbewusste Ziel allen menschlichen Bemühens.“ (Joachim Bauer: Prinzip Menschlichkeit. Warum wir von Natur aus kooperieren. Hoffmann und Campe, 2006) Sozialkapital-Studien ermöglichen eine Analyse des sozialen Beziehungsgefüges auf unterschiedlichen Ebenen und eröffnen – darauf basierend – die Möglichkeit zukünftiger Gestaltung. Was kann Sozialkapital? Positives Sozialkapital (vertrauensvolle gelingende Beziehungen), vermehrt den Wohlstand einer Gesellschaft, bringt wirtschaftlichen Erfolg und steigert die Effizienz, hat aber auch entscheidenden Einfluss auf die seelische und körperliche Gesundheit des Menschen, wie mehrfach in Studien belegt wurde. Büro für Zukunftsfragen fördert Sozialkapital Sozialkapital stellt für das Büro für Zukunftsfragen das zentrale Verbindungsglied zwischen persönlichem Engagement und nachhaltiger Entwicklung dar. Die Motivation zu sozialem Miteinander und Erhebungen des Sozialkapitals in Vorarlberg gehören daher zu den zentralen Aufgabenbereichen des Büros für Zukunftsfragen. Brüchige Gesellschaft Die Stärkung des Sozialkapitals wird umso bedeutungsvoller, da der gesellschaftliche Trend in eine andere Richtung geht: verstärkte Individualisierung, Zunahme an Einsamkeit, psychische Erkrankungen steigen und das Miteinander der Generationen ist durch den demografischen Wandel gefährdet. Gleichzeitig stellen wir vielerorts eine rasante Beschleunigung der Lebensprozesse fest, wo der direkte persönliche Kontakt auf der Strecke bleibt. Wie in jedes Kapital kann und muss man auch in Sozialkapital investieren, um einen entsprechenden Ertrag zu erzielen. Derartige Schulprojekte sind daher die Chance, um das Sozialkapital innerhalb und außerhalb der Schule zu fördern und die Jugendlichen zu bestärken, durch ihr Tun Verantwortung für das Miteinander in der Gesellschaft zu übernehmen.


Kontakt: Dr. Kriemhild Büchel-Kapeller Büro für Zukunftsfragen, Amt der Vorarlberger Landesregierung Jahnstraße 13-15, 6901 Bregenz Tel: #43(0)5574/511-20615 Fax: #43(0)5574/511-920695 E-Mail: kriemhild.buechel-kapeller@vorarlberg.at http://www.vorarlberg.at/zukunft


Ich helfe Nachbarn... Sozialkapital auf der Meso-Ebene 39% 33% 27% 22% 15% 8%

Klasse 1

Klasse 2

vorher Quelle: BOaS-Studie im Auftrag des B端ro f端r Zukunftsfragen

Kontrollgruppe

nachher


Wie oft erlebst du Unverständnis und Unfreundlichkeit bei Freunden? Negatives Sozialkapital auf der Meso-Ebene (‚sehr oft‘ und ‚öfters‘ in %)

19% 17%

11%

11%

12%

8%

Klasse 1

Klasse 2

vorher Quelle: BOaS-Studie im Auftrag des Büro für Zukunftsfragen

Kontrollgruppe

nachher


Wie wichtig ist dir die Schule in deinem Leben? Negatives Sozialkapital auf der Meso-Ebene (‚sehr wichtig‘ und ‚wichtig‘ in %) 50%

50% 46% 41%

39%

Klasse 1

Klasse 2

vorher Quelle: BOaS-Studie im Auftrag des Büro für Zukunftsfragen

42%

Kontrollgruppe

nachher


Wie glücklich bist du in deiner Freundschaft, Partnerschaft? (‚sehr glücklich‘ und ‚glücklich‘ in %) 100%

92%

90%

87%

85%

89% 82%

80%

77%

70%

60% Klasse 1

Klasse 2

vorher Quelle: BOaS-Studie im Auftrag des Büro für Zukunftsfragen

Kontrollgruppe

nachher


In welchem Umfang bekommst du Anerkennung und Vertrauen von Lehrern? Sozialkapital auf der Meso-Ebene (‚sehr oft‘ und ‚öfters‘ in %)

44%

33% 27%

25%

23%

21%

Klasse 1

Klasse 2

vorher Quelle: BOaS-Studie im Auftrag des Büro für Zukunftsfragen

Kontrollgruppe

nachher


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