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DIENSTAG, 20. NOVEMBER 2012

A4 Vorarlberg

VORARLBERGER NACHRICHTEN

Eindrucksvoller Gesang in der Hl. Kreuz Kirche

Sportvereine sind in Klösterle eine Seltenheit

(VN-js) Anlässlich 400 Jahre Kirchenmusik Bludenz fand in der Hl. Kreuz Kirche ein feierlicher Gottesdienst statt. Dazu hatten sich die sieben Bludenzer Chöre zur Mitgestaltung der Jubiläumsmesse zusammengeschlossen. Begleitet von einem Streichorchester beschallten die 120 Sänger das vollbesetzte Gotteshaus mit imposanten Klängen.

Gaben bei der Jubiläumsmesse die „Deutsche Messe Nr. 2“ zum Besten: rund 120 Chorsänger in der Bludenzer Hl. Kreuz Kirche. FOTO: VN/J. SCHWALD

Ein ruhend gestellter Skiverein und ein aufgelöster Tennisverein, dessen Klubheim von der Funkenzunft übernommen wurde: In Klösterle sind Sportvereine zur Rarität geworden. Die Fläche des brachliegenden Tennisplatzes wird nun rekultiviert und laut Bürgermeister Dietmar Tschohl ins Spielraumkonzept der Gemeinde aufgenommen.

Schnelles Netz für ländliche Gemeinden

Eine explosive Käsemischung

Gemeinden im ländlichen Raum mit schnellem Internet zu versorgen, das ist das Ziel der Initiative „Breitband Austria 2013“. Im Ortsteil Marul konnten bisher nur sechs Haushalte den Dienst des Breitband-Internets nutzen. Im Zuge von Tiefbauarbeiten für Trinkwasserversorgung und Kanalisation wurde ein Glasfaserkabel von Raggal zum Schulhaus Marul mitverlegt, sodass der Ort jetzt mit dem schnellen Internet versorgt ist. Die „Breitband Austria 2013“ wird aus Geldern des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER), des Bundes und der Länder finanziert. Insgesamt flossen 1,16 Millionen Euro an Fördermitteln für Vorarlberg. Diese Gelder wurden für Projekte in zehn Gebieten eingesetzt: neben RaggalMarul auch Bregenz-Fluh, Dornbirn-Bobletten, Dornbirn-Ebnit, Feldkirch-Bangs, Interpark Röthis, Meiningen, Rankweil-Brederis, St. Gerold und Wolfurt-Güterbahnhof. Um den Breitbandausbau zusätzlich zu beschleunigen, hat die Vorarlberger Landesregierung heuer zwei eigene Förderungsrichtlinien für Investitionen von Klein- und Mittelbetrieben, Gemeinden und Gemeindeverbänden eingeführt.

Im Bregenzerwald wird mit Hühnermist gedüngt. Dem Käse bekommt das nicht.

BLUDENZ.

RAGGAL.

VORARLBERGER MUNDART. Walgau

„Wer in Amäßahuufa ihehŏckt, würd bsäächt.“

KLÖSTERLE.

„Wer Streit sucht, muss mit entsprechenden Gegenreaktionen rechnen.“ QUELLE: VORARLBERGER MUNDARTWÖRTERBUCH, HUBERT ALLGÄUER

ANDREAS SCALET andreas.scalet@vn.vol.at, 05572/501-862

Im Bregenzerwald gärt es. Im wahrsten Sinne des Wortes. Auf Alpen und beim größten Käseverarbeiter des Tales wird der so gelobte Alpkäse schlecht. Wird schwarz oder platzt auf, weil er gärt. Ein riesiger Schaden für die Landwirtschaft im Wald. Qualitätsprobleme haben die Sennereien schon länger, so mehrere Milchbauern im Gespräch mit den VN, in letzter Zeit haben sie nochmals zugenommen.

SCHWARZACH.

Qualitätsprobleme „Wegen dem Hühnerdung“, ist sich der Hohenemser Landwirt Karl Josef Mathis sicher. Und er ist mit seiner Meinung nicht alleine. Mit Hühnerdung behandeln etliche Bregenzerwälder Bauern nämlich ihre Wiesen. Und zwar so üppig, dass das so gedüngte Gras den Kühen nicht gut tut. Und auch der Milch nicht. Nur die Landwirtschaftskammer wiegelt ab. „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun“, vermutet Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger, als er

Ist Überdüngung schuld an den Qualitätsproblemen des Bregenzerwälder Käse?

mit den Vorwürfen konfrontiert wird. Man sollte nicht urteilen, bevor man richtig informiert sei, weist er Zusammenhänge von sich, gesteht aber ein, dass es sowohl Qualitätsprobleme beim Bre-

Man sollte nicht urteilen, bevor man die Untersuchungsergebnisse kennt. JOSEF MOOSBRUGGER

genzerwälder Paradeprodukt Käse gibt, als auch, dass Hühnerdung auf den Bregenzerwälder Wiesen landet. „Die Qualitätsprobleme sind nicht eindeutig zuordenbar. Wir führen derzeit bakterologische Untersuchungen durch, die klären sollen, wieso es zu den Qualitätsproblemen gekommen ist“, erklärt der LandwirtschaftskammerPräsident. Um dann doch nocht festzuhalten: „Sollte es da einen Zusammenhang geben, werden wir das sofort abstellen.“ Noch ist es

FOTO: VN/BERCHTOLD

aber nicht soweit, noch wird aufgeregt diskutiert, was mit dem Käse passiert ist – etwa bei einer Veranstaltung in Andelsbuch, bei der sich betroffene Bauern Luft gemacht haben. Kein Zertifikat Aber auch wenn es keinen Zusammenhang zwischen Hühnerdung und Gärkäse geben sollte (wovon Fachleute nicht ausgehen), ist die Sache für die Vorarlberger Landwirtschaftskammer und ihre Mitglieder durchaus pi-

kant. Denn der Hühnerdung hat keine Zertifizierung als gentechnikfreier Dünger. Ein eindeutiger Verstoß gegen die selbst auferlegten Kriterien einer gentechnikfreien Region, „eine Täuschung der Endverbraucher“, wie bei der kürzlich stattgefundenen Konferenz der gentechnikfreien BodenseeanrainerLänder ein Teilnehmer nüchtern feststellte. Angeliefert wird der zu Pellets gepresste Hühnerdung aus den Großbetrieben Nordeutschlands und Hollands. „In diesen riesigen Zuchtbetrieben können Hühner gar nicht ohne Medikamente gehalten werden“, betont Kurt Bereuter aus Alberschwende, der ebenso wie Karl Josef Mathis Regierungspolitiker wiederholt auf das seltsame Treiben auf den Wiesen aufmerksam gemacht hat. Bislang ohne Erfolg, ohne Reaktion. Er weist auf die fatale Wirkung des Hühnerdungs hin: Der habe den dreifachen Stickstoffgehalt von Kuhmist. Kein Wunder, dass die Natur aus dem Gleichgewicht komme. Ein Einfuhrverbot von Hühnerdung gibt es bislang nicht. Deshalb, so LWK-Präsident Moosbrugger, wisse man in der Landwirtschaftskammer auch nichts über die Mengen, die gekauft und ausgebracht werden.

VN-SERIE. Woran ich glaube – Vorarlberger und ihre Religion

Sich dem Leben anvertrauen Katholikin Susanne Winder eröffnet neue VN-Serie: Für sie heißt Glauben Vertrauen. THOMAS MATT E-Mail: thomas.matt@vn.vol.at Telefon: 05572/501-724 Twitter: @ThomasMattVN

DORNBIRN. Gar nicht so einfach, seine innersten Überzeugungen in Worte zu kleiden. Susanne Winder (52) hat Kaffee gebrüht und Gebäck aufgetischt. Aber jetzt gehts ans Eingemachte. Dabei wäre die studierte Ärztin und Mutter von vier Kindern bestens gerüstet. Sie hat ein theologisches Fernstudium absolviert, sich zur Seelsor-

gerin und Religionslehrerin ausbilden lassen. Ihre Bibel trägt deutlich sichtbare Gebrauchsspuren. Die schöpft doch sicher aus dem Vollen! Dabei wählt sie ihre Worte abwägend vorsichtig. Das alles ist ihr kostbar, man spürt es gleich. Susanne Winder wuchs „in einer liberal-katholischen Familie“ auf. „Wir gingen zur Kirche, beteten vor dem Essen und vor dem Zubettgehen.“ Susanne hatte mit den Texten Mühe. „Ich hab nicht gern nachgesprochen, was ich nicht verstand.“ Doch Bibeltexte zogen sie damals schon an. Erlösend wirkte die Begegnung mit dem Innsbrucker

Einblicke ins Innerste In dieser neuen VN-Serie bitten wir Frauen und Männer in Vorarlberg, uns ihren Glauben zu erklären. Dass jemand dem Papier nach Katholik oder Moslem, Buddhist oder Hindu ist, das ist das eine. Aber woSCHWARZACH.

ran glauben diese Menschen wirklich? Wie drückt sich ihr Glaube im Leben aus? Und wie sehr geht er mit den Vorgaben ihrer Kirche konform? Die Gespräche gewähren spannende Einblicke ins Innerste.

Gebets-Empfehlung

Theologen Karl Rahner. „Man kann glauben und denken, und ganz echt sein.“ Rahner war so klug, und er war authentisch. Zum Zweiten lernte Winder beim Theologen und Analytiker Eugen Drewermann, „dass man die Bibel als Symbolsprache lesen muss“. Nachsatz: „Wer die Bibel wörtlich liest, hält ein gefährliches Buch in der Hand.“ Den Weg vertrauensvoll gehen Und was bedeutet ihr Glaube heute? Gott ist ihr „eine Wirklichkeit, in der ich mich bergen kann“. Glaube heißt für sie, darauf vertrauen können, dass da etwas ist, das trägt“. Susanne Winder geht ihren Weg auch dann vertrauensvoll, „wenn ich im Augenblick nicht kapiere, wo er mich hinführt“. Und sie arbeitet mit ihren Träumen. Neben dem Bett steht ein Laptop, damit sie die Bilder aufschreiben kann, wenn sie erwacht. Die Innsbrucker Psychoanalytikerin Veronica Gradl leitet sie an. „Zwei Mal im Jahr treffen wir uns

Religion verfolgt in Winders Augen zwei Ziele: Sie hilft dem Menschen, Mensch zu werden und sie lehrt, Beziehungen zu leben. FOTO: VN/MATT

zu siebt bei Traumseminaren.“ Dann steht die Frage im Raum, „was die Träume uns sagen“. Träume sind für Susanne Winder Weisungen, „das Wissen der Nacht“. In

Katholische Kirche Oberhaupt: Papst Benedikt XVI. Mitglieder: rund 1.181.000.000 Priester: 408.000 Ordensleute: 815.237 Website: www.vatican.va

der Bibel ist es Josef, dem Gott sich in Träumen offenbart. Vertrauen ins Leben erzeugt „mehr Fülle, mehr Menschlichkeit“. Christus ist in Winders Augen „der erste Mensch, der das ganz gelebt hat“. Nur ein Mensch, nicht auch Gottes Sohn? Winder, die selber Wortgottesdienste leitet, verhehlt nicht, dass ihr dieser Teil der Botschaft Mühe macht. Aber ein Bild

Gemeinschaftsgebet des „Werks der Frohbotschaft“ Komm, Schöpfer Geist, heilige uns und durchwirke unsere Gemeinschaft. Erfülle unsere Herzen mit brennender Sehnsucht nach Wahrheit, dem Weg und dem vollen Leben. Entzünde in uns Dein Feuer, dass wir selber davon zum Lichte werden, das leuchtet, wärmt und tröstet. Bewege unsere Gedanken, und wir werden das Undenkbare denken. Stärke unseren Mut, und wir werden das Unmögliche tun. Öffne uns, und wir werden vergeben können. Schaffe uns neu, dass wir Menschen der Liebe werden, Deine sichtbaren Worte. Dann werden wir das Antlitz der Erde erneuern, und alles wird neu geschaffen. Komm, Schöpfer Geist, ermutige uns, stärke uns, bleibe bei uns. Amen.

aus dem Johannesevangelium hat sich ihr eingeprägt: Jesus ist tot. Die Jünger kauern verängstigt hinter verschlossenen Türen. Da tritt der Gekreuzigte in ihre Mitte. „Dort, wo man lebt, die Ängste und Hoffnungen teilt“, sagt Winder, „dort wächst das Reich Gottes.“ mehrwissen.vol.at Gott ist Liebe. Wenn Susanne Winder Nichtchristen einen Text empfehlen wollte, dann diesen.


FREITAG, 23. NOVEMBER 2012

A6 Vorarlberg

VORARLBERGER NACHRICHTEN

Bis Monatsende sind alle Asylwerber untergebracht Aufatmen bei Land und Caritas: Bis 30. November werden 820 Asylwerber im Land sein. (VN-tm) „Wir schaffen es“, raunt Caritas-Direktor Peter Klinger am Rande der Vorstellung des „Sozialbarometers“. Man sieht ihm die unentwegten Verhandlungen der letzten Wochen nicht an. Aber bis Ende November wird Vorarlberg tatsächlich insgesamt 820 Asylwerber beherbergen. Damit hat das westlichste österreichische Bundesland 88 Prozent seiner Quote erfüllt. Das hatten die Länder Ende Oktober mit dem Bund so vereinbart, um BREGENZ.

das vollends überfüllte Erstaufnahmelager Traiskirchen vor den Toren Wiens zu entlasten. Das Kunststück gelang der Caritas-Flüchtlingshilfe, weil sie 27 Asylwerber im Haus der Frohbotschaft in Batschuns unterbringen kann. „Eine Pension in Schruns stellt uns 20 Plätze zur Verfügung.“ Den Rest der Asylwerber verteilt

Bis 30. November werden wir 820 Asylwerber untergebracht haben. PETER KLINGER

die Caritas auf Kleinquartiere. Einige wenige kamen neu hinzu, alte Wohnungen wurden frei, weil dort lebende Flüchtlinge inzwischen ihre Anerkennungspapiere in der Tasche haben. „Die Feldkircher Wohngemeinschaft für unbegleitete Minderjährige haben wir geleert und komplett umgebaut.“ Dort werden 15 Jugendliche eine neue Bleibe finden. „Insgesamt kommen in der nächsten Woche 70 zusätzliche Asylwerber ins Land.“ Sibratsgfäll auf Warteliste Ein Quartier, das zuletzt heftig diskutiert wurde, landete inzwischen auf der Warte-

liste: Der Gasthof Waldrast in Sibratsgfäll „wird erst im Dezember wieder ein Thema“, sagt Klinger. Anfang der Woche besuchte er eine nicht öffentliche Gemeindevertretungssitzung im 400-Einwohner-Ort. Man hat sich auf diese Arbeitsteilung geeinigt: Die neun Gemeindemandatare wollen sich mit der nötigen Umwidmung des Gebäudes befassen. Die Caritas ihrerseits nimmt mit der Vermieterin in der Schweiz Kontakt auf. „Da muss im Brandschutz noch ordentlich nachgebessert werden.“ Das ist laut Klinger Sache der Besitzerin.

Skater wünschen sich mehr Platz für ihre Luftsprünge Konzept für eine Skateplaza in Dornbirn wurde bereits im Rathaus präsentiert.

Heute um 16 Uhr öffnet die Skaterhalle. FOTOS: VN/PAULITSCH

DORNBIRN. (VN-zud) Seit Jahren sind Dornbirns Skater im Winter in der Messehalle 8a anzutreffen. Und seit Tagen sind die Organisatoren nun schon wieder mit dem Aufbau beschäftigt. Denn heute, Freitag, 16 Uhr, fällt der Startschuss für die neue Saison. Viel Zeit in die Vorbereitungen steckte auch Hallenbetreuer David Heuberger (24). Im Schnitt sind pro Tag 50 Personen in der Halle und üben ihre Tricks. Doch die Skaterhalle sei viel mehr, erklärt Heuberger: „Es ist ein Ort, an dem man Spaß hat, mit anderen Leuten redet und voneinander lernt.“ Weil ein solcher Treffpunkt sehr wichtig ist, hat der Skateclub ein Konzept für eine

Skateplaza – ein Skaterpark nach Stadtdesign mit Stiegen und Handläufen – in Dornbirn ausgearbeitet. Ziel ist, das Angebot für Skater und andere Rollsportarten auszubauen. In Hard gibt es einen großen Beton-Skaterpark, im Oktober wurde ein multifunktionaler Skaterpark in Feldkirch

eröffnet. „Eine Skateplaza im städtischen Raum würde dieses Angebot optimal ergänzen“, kommt Heuberger ins Schwärmen. Ob die Pläne realisiert werden, steht in den Sternen. Der Dornbirner Jugend-Stadtrat, Guntram Mäser: „Ich bin nicht derjenige, der grundsätzlich Nein sagt.“

Skaterhalle Dornbirn

Kosten abwägen Dass Jugendliche sich für ihre Wünsche einsetzen, findet er lobenswert. Es gelte jedoch, das Projekt seriös aufzuarbeiten. Eine Überlegung ist, das Projekt gemeindeübergreifend zu realisieren. Dazu braucht es aber eine genaue Prüfung. Diese wird 2013 erfolgen. Bis zum zweiten Quartal wird ein Zwischenbericht erwartet; vor allem auch, was den Standort betrifft, der noch nicht geklärt ist. Ein wichtiger Faktor sind natürlich auch die Kosten.

» Öffnungszeiten: Montag: Skatekurs (Anmeldungen und weitere Infos bei Sebastian Spiegel, Telefon 0676/83650828), Dienstag: Radtag; Mittwoch, Freitag und Samstag: 16 bis 21 Uhr; Sonntag: 15 bis 20 Uhr » Veranstaltungen: 9. Februar 2013: Skatecontest, 10. Februar 2013: letzter Tag mit gratis Eintritt » Preise: Saisionkarte 65 Euro / 50 Euro * Tageseintritt 3,50 Euro / 3 Euro * * mit 360° Card und für alle unter 14 Jahren

Gastkommentar

Peter Bußjäger

Groß und bürgernah Wie ich vor einigen Wochen angekündigt habe, ist die geplante Verkleinerung von Nationalrat und Bundesrat nun endgültig abgesagt. Darüber bin ich nicht unglücklich. Eine Verkleinerung des Parlaments hielte ich in einer Zeit, in der es der Parlamentarismus immer schwerer hat, sich gegen die Übermacht der Regierung und die aufgeblähte Bürokratie zu behaupten, für das falsche Signal. Wären die Parteien gut beraten gewesen, hätten sie jene Millionen, die die Einsparung hätte bringen sollen, bei der Parteienförderung gekürzt. Damit wäre der Bevölkerung signalisiert worden, dass die Politik sehr wohl bei sich sparen kann, ohne die demokratische Vertretung zu reduzieren.

Die Untätigkeit der Parteien auf Bundesebene wäre eine Chance für die Landtage, Impulse zu setzen.

Zu einem solchen Schritt hat es leider nicht gereicht. Ganz abgesehen davon, dass die Parteienförderung statt reduziert sogar in die Höhe geschraubt wurde, sind die Regierungsparteien nicht einmal bereit zuzugeben, dass die Verkleinerung des Parlaments eine Schnapsidee war. Sie schieben vielmehr die Schuld auf die Opposition, deren Zustimmung für das Gesetz nicht einmal notwendig gewesen wäre. Durchsichtiger geht es wohl nicht mehr. Das Parlament bleibe, so heißt es nun, „groß und bürgernah“. Um die Bürgernähe zu unterstreichen, werden die Bürger nunmehr darauf vertröstet, dass es „Erleichterungen“ bei Volksbegehren geben soll. In Zukunft sollen Unterstützungserklärungen auch online abgegeben werden können. Das ist sicherlich keine schlechte Idee. Wirklich bürgernah wäre der Nationalrat jedoch dann, wenn die Personen, die die Bürger repräsentieren, tatsächlich von ihnen bestimmt und nicht von den Parteisekretariaten nach Kriterien, deren Sachlichkeit man hinterfragen darf, nominiert würden. Länder wie Südtirol und Liechtenstein machen es im Übrigen mit ihren Wahlrechten vor, wie sich die Bürger von den Parteisekretariaten emanzipieren können. Die Untätigkeit der Parteien auf Bundesebene wäre eine Chance für die Landtage, Impulse zu setzen. Ohne das Vorpreschen Salzburgs und Vorarlbergs bei den neuen Transparenzbestimmungen für Abgeordnete hätte es beispielsweise wohl nie ein Transparenzpaket auf Bundesebene gegeben. Die Landtage könnten jetzt ein weiteres Mal Reformfähigkeit beweisen und mit einem mutigen Persönlichkeitswahlrecht Akzente setzen. peter.bussjaeger@vn.vol.at Peter Bußjäger ist Direktor des Vorarlberger Landtages und leitet das Institut für Föderalismus in Innsbruck. Die VN geben Gastkommentatoren Raum, ihre persönliche Meinung zu äußern. Sie muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

WORAN ICH GLAUBE. Vorarlberger und ihre Religion

„Ist doch kein Hemd zum Wechseln“ Der Bregenzer Mustafa Pacali könnte sich nie vorstellen, dem Islam untreu zu werden. THOMAS MATT E-Mail: thomas.matt@vn.vol.at Telefon: 05572/501-724 Twitter: @ThomasMattVN

BREGENZ. Auch Mustafas Glaube ist Teil seiner Migrationsgeschichte. Die ersten Schritte in der Fremde, erste Gebetsräume in geliehenen christlichen Kirchen . . . Mustafa Pacali (56) kam „am 23. Juli 1972, an einem Samstagnachmittag, um 16.30 Uhr nach dreitägiger Fahrt“ am alten Bregenzer Bahnhof an. Kurz davor hatte er in Aydin an der Ägäisküste maturiert. Fotos aus dem Album zeigen den klassischen 18-Jährigen mit langen Haaren und Glockenhosen. „Mit dem Vater sind wir dann im gelben Postbus nach Hörbranz gefahren.“ Dort hatte er ein Zimmer gemietet. „Zwei Wochen lang hab ich überlegt, wieder in die Türkei zurückzukehren.“

Doch Mustafa blieb. Während seine spätere Frau Meryem als erste türkische Arbeiterin bei Wolford Fuß fasste, fand er in den Lochauer Diem Werken Arbeit. Nach sechs Monaten kaufte er „beim Pircher“ einen Kassettenrecorder „gegen das Heimweh“. Ernst Schlegel wurde auf den jungen Mann aufmerksam, und Mustafa fand seinen endgültigen Job. „Seit 4. Mai 1973 bin ich dort beschäftigt.“ Mustafa Pacali hat all seine Daten im Kopf, Bilder von der Frau, den Kindern, den ersten Autos sauber ins Album eingeklebt. Und mehrere Ausgaben des Koran zur Hand. Mustafa und Meryem sind Sunniten.

Sunniten 85 Prozent der weltweit rund 1,5 Milliarden Muslime sind Sunniten. Sie stellen in den meisten islamischen Ländern die Mehrheit, mit Ausnahme des Iran, Irak, Oman, des Libanon und von Aserbaidschan sowie Bahrain. Bei den Sunniten leitet der Kalif die Gemeinschaft der Gläubigen. Das letzte Kalifat erlosch im März 1924 in der Türkei auf Geheiß Kemal Atatürks.

Ihr Glaube ist ihnen so selbstverständlich, dass mitunter lächelndes Kopfschütteln die Fragen begleitet. Erst nur geduldet Leicht war ihr Anfang nicht. „Als meine Eltern im ersten Ramadan in Vorarlberg fasten wollten, fanden sie nicht einmal einen Kalender mit den exakten Daten für Sonnenaufgang und -untergang. Später hörte der Vater davon, dass eine Gruppe türkischer Zuwanderer in einer Lauteracher Kirche beten durfte. „Da sind wir dann hingegangen.“

Der erste eigene Gebetsraum oberhalb des türkischen Lokals in der Bregenzer Kirchstraße fasste 20, 25 Leute. Unter den Gastarbeitern fand sich einer, der es im Selbststudium bis zum Vorbeter gebracht hatte. So fanden die Gebete allmählich wieder in jene Regelmäßigkeit, die Mustafa Pacali aus Aydin gewohnt war. „Dort stand unser Haus gleich neben der Moschee.“ Fünfmal täglich verneigte er sich als Kind nach Mekka. Heute hat er seine drei Kinder zum Glauben erzogen und schickt sich eben an, auch den drei Enkelsöhnen seine Religion nahezubringen. Mustafa Pacali glaubt an Allah. An den einen, einzigen, unteilbaren Gott. Er spricht es aus, jeden Morgen, wenn er erwacht: „Es gibt keinen Gott außer Allah.“ Was aber ist das für ein Gott? „Er koordiniert die ganze Natur und die Welt“, sagt Mustafa. „Er schickt Sonne und Regen.“ Und auch Erdbeben und Hochwasser? Da erinnert Mustafa an die Geschichte des Noah

Mustafa und Meryem: Den mittelalterlichen Dichter und Mystiker ar-Rumi nennen die Türken „Mevlana“. FOTO: VN/MATT

aus der Bibel, den der Koran „Nuh“ nennt. Sintflut und Arche kommen in beiden Büchern vor. Mustafa betet auf Arabisch und liest den Koran in türkischer Sprache. Dass sein achtjähriger Enkel Emre schon neun Suren auswendig kennt, erfüllt ihn mit Stolz. Mustafa hat zu keinem einzigen Zeitpunkt seines Lebens mit dem Gedanken gespielt, seine Religion aufzugeben oder zu wechseln. Der Gedanke scheint ihm gänzlich absurd. „Religion ist doch kein

Hemd zum Wechseln!“ Mustafa glaubt an die Verheißung des Paradieses nach dem Tod. Aber er hat das altorientalische Bild vom Garten Eden abstrahiert: Paradies ist für ihn „ein Leben ohne Schuld“. An einem Ehrenplatz der Wohnung haben Meryem und Mustafa eine Tafel mit Weisungen des persischen Mystikers ar-Rumi aufgestellt. Dort heißt es unter anderem: „Sei für die anderen wie ein Meer, weit und großzügig.“


DONNERSTAG, 29. NOVEMBER 2012

A8 Vorarlberg

VORARLBERGER NACHRICHTEN

Schutzbaupläne erhitzen Gemüter Land plant großflächige Schutzwaldsanierung im Klostertal. Grüne üben harte Kritik. Alte Platane wurde entfernt und durch einen neuen Baum ersetzt.

Platane am Seeufer ersetzt BREGENZ. (VN) In den Seeanlagen des Bregenzer Bodenseeufers befinden sich Dutzende Baumriesen. Dann und wann wird es aber aus Sicherheitsgründen notwendig, dass Bäume stark rückgeschnitten oder sogar gänzlich entfernt werden müssen. Der geschulte Blick des Leiters der Bregenzer Stadtgärtnerei, Jürgen Kiesenebner, sorgt dafür, dass erkrankte Bäume erkannt werden und gemäß den Vorschriften bezüglich der Sicherheit der Bewohner der Stadt entsprechend behandelt werden. So musste kürzlich auch die jahrzehntealte Platane beim Festspielhaus entfernt werden. Die Stadtgärtnerei sorgte kurz nach der Fällung gleich für jungen und starken Nachwuchs, der nun wieder am Bodenseeufer prächtig gedeihen soll.

Wohnanlage in Lustenau im Frühjahr fertig LUSTENAU. (sie) In der Lustenauer Kapellenstraße errichtet die Firma Haberl Bau in zwei Gebäuden insgesamt zwölf barrierefreie Eigentumswohnungen. Laut der Bauträgerfirma „H2 Halper Wohnbau GmbH Feldkirch“ beträgt das Investitionsvolumen 2,4 Millionen Euro. Die Wohnungen der Förderstufe 3 sind im Frühjahr 2013 beziehbar.

DALAAS. (VN-tw) Das Thema Waldsterben wird zwar kaum mehr debattiert. Dennoch gibt es offenbar auch in Vorarlberg nach wie vor Gebiete, in denen zum Schutz der Menschen Eingriffe in die Natur erfolgen müssen. Selbst wenn es sich dabei um ein Natura 2000-Gebiet handelt. Jüngstes Beispiel dafür bildet

Fakten zum Projekt Wichtige Zahlen zur Schutzwaldsanierung im Klostertal: » Baukosten: 260.000 Euro » Bauzeit: drei Jahre » Baugebiet: rund 100 Hektar » Holznutzung: 3000 Festmeter » Möglicher Baustart: Juli 2013 » Aufforstungszeit: 30 Jahre

ein Waldgebiet oberhalb der Gemeinde Dalaas. Ornithologe mit eingebunden Geht es nach den Plänen von Experten, so soll ein in die Jahre gekommener Schutzwald im Klostertal durch Schlägerungen, Aufforstung sowie Naturverjüngung und Bejagung in mehreren Bauetappen saniert werden. Derzeit laufen Verhandlungen mit Grundeigentümern, betont LR Erich Schwärzler auf Anfrage der VN. Noch könne deshalb „nicht von bereits fixen Plänen gesprochen werden“. Dass aber Maßnahmen gesetzt werden müssen, steht für Schwärzler fest: „Sicherheit hat auch in einem Natura2000-Gebiet oberste Priorität.“ Ähnlich wird dies bei der Bezirksbehörde Bludenz gesehen. „Ich sehe die Not-

wendigkeit für dieses Projekt gegeben“, sagt Karl Studer als Leiter der Forstabteilung. Darüber hinaus sei der anerkannte Ornithologe Georg Willi „von allem Anfang in die Pläne mit eingebunden worden“. Laut Studer wolle man „bei dem Bau mit äußerster Behutsamkeit vorgehen“. Johannes Rauch, Sprecher der Grünen, sieht dies völlig anders. „Da geht es nicht um Schutzwaldsanierung, sondern um Holzverwertung.“ Unter dem „Deckmantel der Waldverjüngung sollen Schneisen geschlagen werden“, kritisiert Rauch und richtete bereits eine Landtagsanfrage an Landesrat Erich Schwärzler. mehrwissen.vol.at Anfrage. Wortlaut der Anfrage an Landesrat Erich Schwärzler durch die Grünen.

Das ganze Land wird heute in Weiß erstrahlen Kräftiger Neuschnee verzaubert Vorarlberg heute und morgen in ein prächtiges Winterwunderland. (VN-sas) Dauerschnee, Kälte und nochmal Schnee – das sind die Hauptingredienzen, mit denen Petrus heute und am morgigen Freitag das Land beglücken wird. Kurzum: Der Winter hält hierzulande erneut Einzug. Spätestens im Laufe des Vormittags ist in ganz Vorarlberg Schnee angesagt. Tagsüber soll sich das Schneetreiben deutlich intensivieren.

Winterfreunde kommen voll auf ihre Kosten: Endlich ist wieder Rodelspaß angesagt. FOTO: VN/PAULITSCH

mäß sinken mit dem Wintereinbruch auch die Temperaturen – auf minus zwei bis maximal plus drei Grad Celsius können wir uns einstellen, mehr ist nicht drin. Doch das nehmen Winterfreunde wohl sportlich hin, sind doch pünktlich zum Wochenende endlich wieder ausgelassene Schneeballschlachten oder Rodelpartien möglich. Für alle anderen gibt es sonst genügend Möglichkeiten, sich ob der weißen Pracht zu freuen: Etwa mit einem ausgedehnten Spaziergang oder einer Tasse Punsch auf einem der zahlreichen Weihnachtsmärkte.

30 Zentimeter in den Bergen „Mehr als zehn Zentimeter könnten allerorts zusammenkommen“, prognostiziert

Günter Scheibenreif von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Bregenz. Deutlich heftiger

Es bleibt kalt Für die nächsten Tage prognostiziert der ZAMG-Mitarbeiter ähnliche Wetterver-

SCHWARZACH.

wird das Schneetreiben im Gebirge ausfallen: „Bis zu 30 Zentimeter Neuschnee sind zu erwarten.“ Und naturge-

hältnisse. „Es bleibt kalt und es ist mit weiteren Schneeschauern zu rechnen“, so Scheibenreif. Hin und wieder lasse sich aber die Sonne blicken. „Zu Beginn der kommenden Woche soll es dann wieder etwas wärmer werden“, meint der Wettermann. Wobei wärmer in diesem Zusammenhang ein recht hoch gegriffener Begriff ist. „Wir reden hier von wenigen Grad Celsius, winterlich und vor allem unbeständig bleibt es weiterhin.“ Ein Mix aus Schnee, Kälte, aber auch Sonne wird uns somit auch noch in der kommenden Woche begleiten. Und daran denken: Wenn nicht ohnehin schon erledigt, sollten spätestens jetzt an allen Fahrzeugen Winterreifen montiert werden.

WORAN ICH GLAUBE. Vorarlberger und ihre Religion

Dem guten Leben entgegen Dass ein Inder nach Frastanz reist, um Buddhismus einzuüben, hat schon seine Richtigkeit. THOMAS MATT E-Mail: thomas.matt@vn.vol.at Telefon: 05572/501-724 Twitter: @ThomasMattVN

FRASTANZ. Der Wind treibt seine Späße mit den Gebetsfahnen. Ein Mönch schürzt die rote Kutte, schreitet forsch den Hügel hinan und umrundet das marmorne Monument oberhalb von Frastanz murmelnd im Uhrzeigersinn. Hierher also ist der 28-jährige Inder Suman Barua vor zwei Jahren seinem Bruder, einem Mönch, gefolgt. Reiste von Indien ausgerechnet nach Vorarlberg, um sich mit dem Buddhismus ernsthafter vertraut zu machen. Denn obwohl die Lehre von Erleuchtung und Wiedergeburt im Norden Indiens ihren Ausgang nahm, leben heute nur mehr 6,6 Millionen Buddhisten unter den 1,2 Milliarden Einwohnern des Vielvölkerstaates. „Zuhause hätte ich auch diese Strukturen nicht“,

bekennt der „Beute-Vorarlberger“ Suman Barua, dem Land und Leute außerordentlich behagen. Ausbildung im Tourismus Ende Mai 2013 schließt er in Bludenz die Tourismusschule ab. Er will bald selber Geld verdienen. Auf eigenen Beinen stehen, vor allem aber seine Eltern unterstützen. „Mama und Papa leben in Kalkutta. Sie haben alles für mich gegeben, da ist es doch nur selbstverständlich ...“ Im Kloster am Frastanzer Letzehof war der Spross aus einer uralten buddhistischen Familie hoch willkommen. Schon in Kalkutta hatte er als Jugendlicher Schriften

Buddhisten Der Buddhismus ist je nach Quelle mit weltweit 230 bis 500 Millionen Gläubigen nach Christentum, Islam und Hinduismus die viertgrößte Religion der Erde. Die Buddhisten berufen sich auf die Lehren des Siddhartha Gautama, der in Nordindien lebte. Er lehrt eine befreiende Einsicht in die Grundtatsachen allen Lebens, aus der sich die Überwindung des leidhaften Daseins ergibt.

des ehrwürdigen Gonsar Rinpotsche (63) gelesen; ein Fürst unter den Tibetern, der schon mit sechs Jahren einer Klosterschule beitrat. Heute führen Gonsar Rinpotsches Schriften im Buchladen des Frastanzer Klosters Neuankömmlinge in diese fremde, bunte und fröhliche Welt. Ob auch Suman Barua Mönch werden will, weiß er noch nicht. Eine Freundin hatte er. Aber da nimmt er Zuflucht zu einem verschämten Lächeln. Das wird dann doch zu privat. Tatsächlich studiert er abseits der Tourismusschule am Letzehof buddhistische Theologie. Er hört philosophische Unterweisungen. Als er den Meditationsraum des Klosters betritt, wirft er sich dreimal zu Boden „aus Respekt“. Den bezeugt er auch einer grünen Statue von „Tara“, die neben den Buddhas thront. Sie ist die „weibliche, friedvolle Manifestation erleuchteter Weisheit“. Ein Lernender Und woran glaubt Suman Barua? „Vor allem an mich selbst“, sagt er. Das soll nicht vermessen klingen. Suman

Suman Barua bringt Licht und Wasser als Opfergaben dar.

glaubt daran, „dass ich das Gute tun kann“. Dazu freilich müsse er „noch viel mehr lernen“. Er tippt sich lachend an die Stirn und bekennt: „Da ist noch viel zu wenig drin.“ Das Gute tun. Das sagt sich so leicht. Aber klappt das auch im Affekt? Wenn dich etwa einer anpöbelt ..., „dann kenne ich Vorbilder, an denen ich mich orientieren kann“.

Suman sagt, er denke viel öfter nach, seit er sich entschlossen habe, bewusst zu einem mitfühlenden Wesen zu werden. Und er achtet auf eine gedeihliche Umgebung. Ganz buddhistisch greift er zu einem Sprachbild und erzählt die Geschichte vom frischen Apfel, der alsbald selber faulig wird, wenn er mit faulen Äpfeln eine Schale

FOTO: VN/MATT

teilt. So sei es auch mit dem Menschen. Gelingt ihm aber ein gutes Leben zum Wohl der anderen, sammelt er gutes Karma durch gute Taten, dann wird er eines Tages den Kreislauf der Wiedergeburten durchbrechen und befreit ins Nirwana eingehen. Erreichen kann das freilich nur, wer als Erstes lernt, sich selber nicht mehr zu belügen.


SAMSTAG/SONNTAG, 1./2. DEZEMBER 2012

A6 Vorarlberg

VORARLBERGER NACHRICHTEN

WORAN ICH GLAUBE. Vorarlberger im Porträt

„Man sollte mit 60 stehen bleiben“ Abseits aller Theologie lebt Rosmarie Zanol ihren Glauben mit verblüffendem Ausgang. THOMAS MATT E-Mail: thomas.matt@vn.vol.at Telefon: 05572/501-724 Twitter: @ThomasMattVN

DORNBIRN. Rosmarie Zanol hat schon Kekse gebacken. Auch wenn sie und ihr Mann Egon selber keine Kinder haben, ist die Familie doch groß. Ein Foto vom jüngsten Treffen in Kärnten beweist es. Dort kommt Rosmarie her. 1955 kam sie nach der Haushaltungsschule auf Stellensuche nach Vorarlberg. Bei einem Lebensmittelhändler wurde sie „Mädchen für alles“. Und „mit 19 Jahren hab’ ich geheiratet.“

„Genauso gut wie alle“ Heute ist Rosmarie Zanol 73 Jahre alt und ein zufriedener Mensch. Das spürt man. „Mei, haben’s wir schön“; so ein Gedanke erfüllt sie wieder und wieder. Selbst als sie aus einer rein protestantischen Kärntner Gemeinde ins katholische

Protestanten Weltweit leben heute rund 400 Millionen Protestanten. In Vorarlberg unterscheidet man je nach Herkunft zwischen „Lutherischen“ (Augsburger Bekenntnis) und „Reformierten (Helvetisches Bekenntnis). Inhaltlich prägend sind die Konzentration auf die Bibel, die Anerkennung von Jesus Christus als alleiniger Autorität für die Kirche sowie die Lehre, dass der Mensch „allein aus Gnade“ – und nicht aufgrund eigenen Handelns – errettet wird.

Dornbirn kam, hat sie das nicht irritiert. „Unsere Seniorchefin hatte in der Schweiz Protestanten kennengelernt und hat mir gesagt: Ihr Evangelische seid genauso gut wie alle anderen.“ Daheim in Kärnten ist der Vater mit ihr und ihren fünf Geschwistern an hohen Feiertagen in die Kirche gegangen. Die Mutter hielt eine Bibel auf dem Nachtkästchen griffbereit und las täglich darin. So wuchs sie auf. Und woran glaubt Rosmarie Zanol heute? „Ich glaube, dass es eine höhere Macht gibt.“ Später spricht sie vom Herrgott, dem sie vertraut, wenn das Leben mal schwieriger wird: „Er wird schon wissen, warum.“ An ein Leben nach dem Tod aber vermag sie nicht zu glauben. Also ist alles zu Ende mit dem letzten Atemzug? „Ja“, sagt Rosmarie Zanol und erinnert sich an einen Sommertag, als sie sich erstmals ihrer Bienenallergie bewusst wurde. Sie ist ohnmächtig umgekippt, und als sie wieder zu sich kam, „waren do Schlüch und Lüt“. Sie aber dachte bei sich, „es hätte jetzt auch aus sein können“ und „schlimm war das nicht“. Nur manchmal verursacht ihr der Gedanke an die Endlichkeit Zeitnot. Dann wünscht sich Rosmarie Zanol: „Eigentlich sollten wir mit 60 Jahren stehen bleiben dürfen.“ Dass ihr einfacher, gelebter Glaube im Widerspruch zum Bekenntnis der Kirche steht, weiß sie wohl. Aber sie zieren in ihrer Offenheit nahezu lutherische Züge: Sie kann halt auch nicht anders.

Den Riebel brät Rosmarie Zanol in der gußeisernen Pfanne. Sie lebt mit ihrem Mann ein zufriedenes, bescheidenes Leben. FOTO: VN/MATT

He, das zwickt aber! Der zweijährige Josef und seine Schwestern Pia (7) und Anna (10) haben den Adventkranz gemeinsam mit ihrer Mutter Sigrid gebunden. Die vier sind ein eingespieltes Team. FOTOS: L. BERCHTOLD

Ein Advent mit dem Duft aus früheren Tagen Bei Albrechts hat der Advent anderes zu bieten als Einkaufsstress und Glühweinseligkeit. (VN-tm) Josef wirkt noch etwas unentschlossen. Für die frisch geschnittenen Tannenzweige hätte er auf seinem Bauernhof ganz gut Verwendung. Das Gehöft steht – prächtig anzuschauen – mitten in der Küche; Kühe und Kälber grasen um die Stuhlbeine herum, ein stabiler Anhänger erleichtert die kindliche Feldarbeit enorm.

Vater Andreas (37) etwa in die Werkstatt hinabsteigt, weil das Dach der Krippe neue Schindeln braucht. Oder wenn Mama Sigrid ihren drei Sprößlingen abends am Kaminfeuer eine Geschichte vorliest. Von Martin, dem Schuster, zum Beispiel. Oder die Erzählung, „als das

Christkind auf die Erde kam“. Sie braucht so ein Büchlein nur zur Hand zu nehmen, schon klettert der zweijährige Josef auf ihren Schoß, kuschelt sich zurecht und hört und staunt. Vielleicht genießen die Kinder der Albrechts im Andelsbucher Grunholz diese Stunden auch deshalb so ungeniert, weil der Fernseher in ihrem Leben fast gar keine Rolle spielt. Kabel oder Satellit sucht man vergebens. Stattdessen basteln die drei Geschwister fürs Leben gern und spielen draußen im Feld so zeitvergessen, dass Mama alle Mühe hat, sie in der Dämmerung wieder einzufangen. So, aber jetzt ist genug geplaudert. Josef, Pia und Anna fehlt schlicht die Zeit, sonst wird das nie etwas mit dem Adventkranz. Denn morgen, am Sonntag, ist es schließlich so weit. Dann darf Pia die erste Kerze anstecken, die erste von vier bis zum Heiligabend am 24. Dezember.

etwas ganz Kostbares: Sie basteln in einer 18-teiligen Serie Christbaumschmuck.

Den können Eltern mit ihren Kindern nämlich ganz einfach selber machen.

ANDELSBUCH.

Rasch überredet Andererseits hält die Mama alle Trümpfe in der Hand. Einer hölzernen Schachtel hat Sigrid Albrecht (40) behutsam allerlei Bänder und bunten Zierat entnommen. Und schon sitzt der zweijährige Josef mitten im Geschehen. Assistiert von seinen beiden großen Schwestern Pia und

Den Sonntagabend verbringt Familie Albrecht rund um den Adventkranz, mit Geschichten und Liedern.

Anna macht er sich geschickt ans Werk: So entsteht ein Adventkranz im Hause Albrecht. Für dieses Jahr hat die fünfköpfige Andelsbucher Familie eingewilligt, während der vier Wochen vor Weihnachten dann und wann den VN ihre Türen zu öffnen. Wenn

BASTELSPASS IM ADVENT. Teil 1: Ein Tannenbaum als Christbaumschmuck (VN-tm) Im Bregenzer Kindergarten an der Ach, der 94 Kinder in fünf Gruppen zählt,

wird schon eifrig gebastelt. Mit Feuereifer bereiten Kinder und Pädagoginnen sich

auf das Weihnachtsfest vor. Der hohe Anteil muslimischer Kinder tut da keinen

Abbruch, ganz im Gegenteil. Der VN-Leserschaft schenken Kinder und Betreuerinnen

Sila zeigt, wie es geht: Die beliebig geschnittenen bunten Streifen klebt sie auf das beige Blatt auf.

Alexander nimmt nun die Schere zur Hand und schneidet den Tannenbaum aus. Noch ein hübscher Faden dran und . . .

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Was braucht man? Bunte Fotokartons (in jedem Papiergeschäft erhältlich), eine Schere, Klebstoff und Buntstifte.

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Lisa Maria Strigl wendet nun das Blatt, legt eine weiße Tannenbaum-Schablone drauf und zeichnet mit Bleistift den Rand nach.

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. . . fertig ist der Tannenbaum als Christbaumschmuck.


MITTWOCH, 5. DEZEMBER 2012

VORARLBERGER NACHRICHTEN

VORARLBERGER MUNDART. Bregenzerwald

„Du beošt a re(ch)ta Wuotas!“ Sagt man im Bregenzerwald zu einem zornigen, aufbrausenden Menschen. QUELLE: VORARLBERGER MUNDARTWÖRTERBUCH, HUBERT ALLGÄUER

Vorarlberg A5

Theatergruppe sammelte für guten Zweck

Beratungsstelle Straße auf den Femail mit Preis Ardetzenberg ausgezeichnet bleibt gesperrt

Soziales Engagement zeigten die Mitglieder der „Fraschtner Bühne“. Sie haben bei ihren Aufführungen Geld gesammelt, um in Zusammenarbeit mit der Aktion „Stunde des Herzens“ ein Mädchen mit schwerer Behinderung zu unterstützen. Mit den gesammelten 3000 Euro konnte immerhin die Hälfte eines Rollstuhls finanziert werden.

FELDKIRCH. Das Fraueninformationszentrum Femail in Feldkirch ist mit dem zweiten Preis des ESF-Innovationsaward 2012 für Beschäftigungs- und Bildungsprojekte ausgezeichnet worden. Die Servicestelle entwickelte ein individuelles Beratungsangebot für Frauen in Pflegeberufen. 30 Projekte aus ganz Österreich wurden beim Sozialministerium eingereicht.

FRASTANZ.

Kürzlich bekam Angelina aus Meiningen ihren neuen Rollstuhl.

FELDKIRCH. Wegen Kanalbauarbeiten wird die Ardetzenbergstraße noch bis spätestens Weihnachten gesperrt bleiben. Die Bauarbeiten auf dem 40 Meter langen Teilstück seien aufgrund der zahlreichen Versorgungsleitungen sehr umfangreich, heißt es vom Stadtbauhof. Die Kosten für die Leitungssanierung betragen rund 30.000 Euro.

VN-INTERVIEW. Landesrätin Andrea Kaufmann (43)

„Ruhe soll wieder einkehren“ Landesrätin Kaufmann im Interview über die Situation an der Fachhochschule Dornbirn.

wird das in einem Hearing entschieden werden. Und beim Rektor? Da sind wir seit September in der Situation, dass eine Bestätigung rechtlich nicht mehr möglich ist.

hoffe, dass Unsicherheiten ausgeräumt werden konnten. Nochmals zu Frormann: Gibt es bereits einen neuen Dreiervorschlag für die Nachfolge? KAUFMANN: Nein. Alles muss Schritt für Schritt gehen. Zuerst wird der kaufmännische Geschäftsführer bestellt, dann werden wir – mit oder ohne Ausschreibung – einen Dreiervorschlag zusammenstellen. Die neue Führung muss gut besetzt sein, weil wichtige Aufgaben anstehen, neue Studiengänge zu entwickeln sind und eine große Verantwortung gegenüber den Studierenden besteht. Es gibt übrigens keine zeitliche Vorgabe für diesen Dreiervorschlag. Wir wollen das aber möglichst bald machen – Anfang des nächsten Jahres.

ANDREAS DÜNSER E-Mail: andreas.duenser@vn.vol.at Telefon: 05572/501-327 Twitter: @AndreasDuenser

DORNBIRN. Lars Frormann ist nur noch FH-Rektor auf Abruf, ein neuer Dreiervorschlag soll Anfang 2013 erstellt sein. In Bälde wird auch feststehen, wer kaufmännischer FH-Geschäftsführer sein wird – und ob noch ein wissenschaftlicher Geschäftsführer gesucht wird. Landesrätin Andrea Kaufmann (43) hofft, dass an der FH in personeller Hinsicht Ruhe einkehrt – damit man sich wieder Sachthemen widmen könne.

An der FH Vorarlberg scheint’s derzeit drunter und drüber zu gehen – in personeller Hinsicht. Die SP fordert Sie nun auf, entschiedener zu handeln. KAUFMANN: Man kann sicher sein, dass ich schon seit Monaten sehr entschieden handle. Nur haben wir derzeit die Situation, dass die kaufmännische Geschäftsführung ausgeschrieben ist. Das Bestellungsverfahren läuft, noch vor Weihnachten

Sie sprechen es an. Das FH-Kollegium hat Frormann als Leiter nicht wieder bestätigt. Laut SP wurde auch schriftlich beim LH gegen Frormann protestiert. KAUFMANN: Es gibt einen Brief an den Landeshauptmann, den auch ich erhalten habe. In diesem Brief, den alle Führungskräfte unterschrieben haben, geht es aber hauptsächlich um die Begründung für die Neuausschreibung für die kaufmännische Nachfolge. Vom Rektor steht nichts in diesem Brief. Im Übrigen bezieht sich der Brief hauptsächlich auf einen VN-Artikel vom 22. November. Dieser Bericht hat eine gewisse Verunsicherung ausgelöst durch die Aussage, es stünden Weichenstellungen in der Organisation an. Was ja auch stimmt. KAUFMANN: Klar. Nur hatten zu diesem Zeitpunkt nicht alle den gleichen Informationsstand, als sie den VN-Artikel lasen. Wir haben daraufhin postwendend alle Führungskräfte zu einem

Landesrätin Kaufmann: „Unsicherheiten ausgeräumt.“ FOTO: VN

Wie viele Personen haben sich eigentlich für die Nachfolge von FH-Geschäftsführerin Hedwig Natter beworben? KAUFMANN: Insgesamt 54. Das ist eine hohe Zahl, die zeigt, dass es sehr attraktiv ist, die Geschäftsführung an der FH zu übernehmen.

Gespräch eingeladen, um alle auf den aktuellen Stand zu bringen. Aus unserer Sicht war das sehr konstruktiv. Ich

Hat Natter noch Chancen auf eine Wiederbestellung? KAUFMANN: Da kann ich noch nichts dazu sagen. Die

Vorauswahl ist noch nicht fixiert, wir haben das an ein Personalberatungsbüro vergeben. Ich warte jetzt auf die Auswahl. Und dann schauen wir weiter. Die Geschäftsführung soll ja künftig in einen kaufmännischen und einen wissenschaftlichen Bereich geteilt werden. KAUFMANN: Da ist noch keine Entscheidung gefallen. Anfang nächsten Jahres soll gemeinsam mit den Führungskräften der FH entschieden werden. Es muss alles Schritt für Schritt gehen – zunächst wird die kaufmännische Geschäftsführung entschieden. Abschließend: Wie erklären Sie sich die großen Vorbehalte gegen Natter und Frormann? KAUFMANN: Das ist schwer zu erklären. Es gibt gewisse Kritikpunkte auf beiden Seiten, in beide Richtungen, es gibt verschiedene Interessen. Und dass beide Personalien gleichzeitig zusammenkommen, war nicht absehbar. Jetzt schauen wir halt. Ich nehme die Herausforderung an, wir werden gute Personalentscheidungen für die Zukunft treffen. Es soll wieder Ruhe einkehren, auch in der Mitarbeiterschaft. Das wünsche ich mir.

Präsentierte Walsertreff-Symbol: Monika Bischof. HRONEK

Gemeinden als „Perlen“ vom Biosphärenpark Als „Biosphärenpark-Perlen“ wollen sich die Gemeinden Damüls, Fontanella, Sonntag, Blons, St. Gerold, Thüringerberg und Raggal-Marul beim dreitägigen internationalen Walsertreffen vom 13. bis 15. September 2013 präsentieren. Das Programm steht bereits. Jede Gemeinde zeigt sich dabei mit eigenem Profil. Damüls nimmt beispielsweise die 700-Jahr-Feier in der Gemeinde zum Anlass, Fontanella präsentiert sich als „Wasser- & Musikgemeinde“ mit Open Air am Seewaldsee, und Sonntag hat mit dem Haus Walserstolz Gelegenheit auf bäuerliche Selbstvermarktung aufmerksam zu machen. „Mit diesem Programm wollen wir uns als einzelne Perlen in einer geschlossenen Kette zeigen“, ist Tourismusleiterin Monika Bischof überzeugt, den Besuchern ein interessantes Programm bieten zu können.

SONNTAG.

WORAN ICH GLAUBE. Vorarlberger und ihre Religion

„Den Erlöser angenommen“ Monika Hofer fand in der Evangelikalen Kirche verschüttete Zugänge zu Gott wieder. THOMAS MATT E-Mail: thomas.matt@vn.vol.at Telefon: 05572/501-724 Twitter: @ThomasMattVN

LUSTENAU. „Aber ich hab mich

gebessert.“ Ein ansteckendes Lachen bemächtigt sich der ganzen Person, wenn Monika Hofer an die ersten Monate denkt, nachdem sie Jesus „als ihren Erlöser angenommen“ hatte. „Es fühlte sich an wie verliebt sein.“ Bibel und Gott – so lange hatte sie das nicht betroffen. Und jetzt verwickelte sie selbst den Polizisten, der während eines

Festes spätnachts mit der Bitte um Ruhe vorbeischaute, in ein Gespräch über Gott. Und schindete so nebenbei noch eine unbeschwerte Stunde für die Gäste heraus. „Aber, ich habe mich gebessert.“ Kaum vorstellbar Die 49-jährige diplomierte Europasekretärin hat eine Vorarlberger Bilderbuchjugend hinter sich. Gutes Elternhaus, katholisch. Erst im Privatgymnasium Riedenburg, dann auf die Akademie nach Wien. Da fehlte nix. Gott wäre beinah im Weg gewesen. „Dass der da vorn, über dem Altar, einen Durchblick in meinem Leben haben sollte, war mir unvorstellbar.“ Eine Freundin, die abends

Der persönliche Glaube SCHWARZACH. In dieser VNSerie bitten wir Frauen und Männer in Vorarlberg, uns ihren persönlichen Glauben zu erklären. Es werden keine Kirchen porträtiert; dann müssten Amtsträger – Pries-

ter, Dedes und Imame zu Wort kommen. Es geht um „normale“ Menschen. Woran glauben sie? Wie drückt sich ihr Glaube im Leben aus? Die Gespräche gewähren spannende Einblicke ins Innerste.

immer mal wieder über Gott sprach und unentwegt die Bibel zur Hand hatte, „hat mich mächtig aufgeregt“. Und doch auch angezogen. Sonst wäre Monika Hofer nicht eines Tages hingegangen zur Bibelstunde der „Internationalen Vereinigung Christlicher Geschäftsleute“. Nach und nach gab sie ihren Widerstand auf und begann das Buch der Bücher zu lesen. Sie unterstrich, was sie beeindruckte, setzte Fragezeichen hinter Unverständliches, „und was an voller Witz“ schien, erhielt einen Blitz als Warnzeichen. Tausende Seiten später hatte sich Monika Hofer darauf verständigt: „Gott gibt es.“ Zusatz: „Wie er das alles macht, kann ich mir nicht vorstellen.“ Direkte Abstammung Kann sie das heute? Monika Hofer hat hinterfragt, „wie die Saurier wohl auf die Arche kamen“ und nachgerechnet, „wie lange die hochschwangere Maria unterwegs war auf dem Weg zur Volkszählung“. Sie glaubt daran, dass

Seit sie sich intensiv mit der Bibel auseinandersetzt, „ist es, als hätte ich eine andere CD im Kopf.“ FOTO: VN/MATT

die Menschen sich bis zum allerersten Paar im Paradies zurückführen lassen. Das Leben an sich scheint ihr so wunderbar, dass sie nicht an die Ursprünge rühren mag. „Gott und Mensch sollten ursprünglich im Paradies miteinander Gemeinschaft haben, aber der Mensch entschied sich anders.“ Jesus habe den Weg zurück geebnet, sagt Monika Hofer mit Bestimmtheit und zeichnet ein Kreuz derart auf ein Blatt Papier, dass der Querbalken

eine Brücke bildet zwischen Gott und dem Menschen. „Der Mensch sehnt sich nach diesem Daheim“, dessen ist sie sich sicher. Die Frage, welche Religion nun die richtige ist, scheint ihr dagegen irrelevant. Mit ihrer türkischen Nachbarin verbindet sie eine Freundschaft. Der Freien Evangelikalen Gemeinde in Dornbirn gehört sie an, lässt es aber ihren beiden Söhnen offen, auch hinzugehen. Am meisten wünschte sie sich, „dass

wir offener und weniger eingefahren durchs Leben gehen“.

Evangelikale Die Freie Evangelikale Gemeinde in Dornbirn (FEG) feierte 2011 ihren 20. Geburtstag. Die evangelikale Bewegung geht auf das 19. Jahrhundert zurück und zählt heute rund 600 Millionen Christen, wenn man die Pfingstler und die charismatische Bewegung dazuzählt. Gemeinsam ist ihnen allen eine sehr persönliche Beziehung zu Jesus Christus und zur Grundlage ihres Christentums.


MONTAG, 10. DEZEMBER 2012

A10 Vorarlberg

VORARLBERGER NACHRICHTEN

WAS WURDE AUS . . .? Ludwig Bertel (86)

Die Musik ist noch nicht verstummt Nach einem Schicksalsschlag findet der Volksmusik-Star Trost in Tönen.

(49) heuer im Juni ist alles anders. Die Gruppe lebt nur noch in seiner Erinnerung, die Musik aber ist bei dem 86-Jährigen auch heute noch nicht verstummt. Erst vor einer Woche wurde sein

FRITZ JURMANN fritz.jurmann@vol.at

Über 50 Jahre lang konnte kaum jemand die ungebrochene Aktivität von Ludwig Bertel stoppen, der mit seinen „Bregenzerwälder Dorfmusikanten“ auf weltweiten Tourneen und im Fernsehen längst zu einer Legende unter den volkstümlichen Musikanten geworden ist. Doch seit dem Tod seines Sohnes Claus

LANGENEGG.

Zur Person Ludwig Bertel Geboren: 19. Jänner 1926 in Langenegg Ausbildung: Landwirtschaftsschule Bregenz, Musikschule Bregenz Tätigkeit: Gründer und Leiter der „Bregenzerwälder Dorfmusikanten“, Kapellmeister des Musikvereins Langenegg, eintausend volkstümliche Kompositionen und Arrangements, davon 250 für Blasmusik, 40 Plattenund CD-Einspielungen Auszeichnung: Berufstitel Professor 2010 Biografie: „Ein Leben für die Musik“, Diplomarbeit von Christian Faißt (Verlag Bucher) Familie: verheiratet, drei Kinder

neuester Blasmusik-Marsch im Wolfurter Cubus uraufgeführt, einmal monatlich trifft sich Bertel mit einer Gruppe in Langenegg zum Seniorensingen. Da spielt er dann Zither, mit der man schon den Sechsjährigen für die Musik begeistern konnte. Doch bevor er zum späteren gefeierten Musikprofi wurde, brachte der Kriegsdienst ab 1943 eine entscheidende Zäsur in sein Leben. „Ich wurde nach Emden zur Kriegsmarine einberufen“, erinnert sich Bertel, „und meine Zither hat mich im Krieg immer begleitet.“ Zuerst kam er auf ein U-Boot, dann auf ein Minenräumboot. Von den zwölf Schiffen seiner Einheit blieben am Schluss gerade drei übrig, doch Ludwig kam relativ heil davon, geriet in Lüneburg in Kriegsgefangenschaft und klopfte nach viertägiger Flucht bereits im November 1945 wieder zu Hause an: „Für meine Eltern galt ich längst als vermisst!“ Diese abenteuerlichen Bilder haben ihn nie losgelassen und ihren Niederschlag in zahlreichen realistischen Ölkreide-Zeichnungen gefunden. Gleich danach legte er richtig los mit der Musik: „Ich ging sofort zur

Ludwig Bertel zusammen mit seinem Sohn Claus.

Dorfmusik, wo man dringend einen Flügelhornisten brauchte. Später kamen Klarinette und Saxophon dazu, auch Keyboard und Gesang für kleine Unterhaltungsgruppen.“ 1948 übernahm er für 38 Jahre die Leitung des Musikvereins Langenegg. Das waren damals etwa 20 Leute, für die Bertel auch zu komponieren begann, in der „böhmischen Art“, die ihm gelegen ist. Oder er kaufte sich Schellacks und schrieb über das Gehör die Arrangements auf Noten. Inzwischen liegen von ihm 250 Kompositionen vor, als Dauerbrenner sein Marsch „Mein Wälderland“. Die Gründung eines eigenen professionellen Quintetts 1958 war für den umtriebigen

FOTO: BERTEL

Langenegger fast die logische Konsequenz. „Zauber der Berge“ Mit seinen „Bregenzerwälder Dorfmusikanten“ spielte er zunächst als kleine „Bauernkapelle“, bis er sich dann, gemeinsam mit den Hammerer-Brüdern, dem aufkommenden Trend der „Oberkrainer“-Besetzung anschloss, gemischt mit Elementen der „Fidelen Inntaler“. Der ganz große internationale Durchbruch kam freilich erst, als sich die Formation zum Trio reduzierte, dem nun auch Sohn Claus angehörte. Bertel: „Wir waren in Heiligenblut auf Tournee, und dort hat mich diese Landschaft zu meinem

erfolgreichsten Titel inspiriert: ‚Zauber der Berge‘. In einer Viertelstunde habe ich Text und Melodie konzipiert, nach dem dritten Platz beim ‚Grand Prix der Volksmusik‘ sind davon innert zwei Jahren über drei Millionen CDs verkauft worden.“ Und eine Randbemerkung zu einer derzeit aktuellen Diskussion: „Natürlich haben auch wir damals, so wie alle anderen, Vollplayback gespielt.“ Über 40 Platten- und CDEinspielungen sind es in über 50 Jahren geworden, Tourneen führten das Trio fünf Mal in die USA, sechs Mal nach Kanada, Asien und durch halb Europa. So lange, bis sich vor ein paar Jahren bei Claus eine schlimme Erkrankung ankündigte, die schließlich zu seinem frühen Tod führte. Bis zuletzt ertrug er alles mit großer Geduld und spielte, wenn auch reduziert, noch heuer bei Auftritten mit. Vater Ludwig hat Kraft im Glauben und in seiner Musik gefunden. Es vergeht auch heute noch kein Tag, an dem der so bescheiden gebliebene Star der volkstümlichen Musik nicht seine geliebte Zither zur Hand nimmt. Sie ist ihm, neben seiner Frau Lisa, zur lebenslangen treuen Gefährtin geworden.

WORAN ICH GLAUBE. Vorarlberger und ihre Religion

Göttlicher Auftrag zur Achtsamkeit Für den Kinderpsychologen Hannes Berthold ist Gott „im Prinzip die Liebe“. THOMAS MATT E-Mail: thomas.matt@vn.vol.at Telefon: 05572/501-724 Twitter: @ThomasMattVN

Die Orgel spielt er nach wie vor. Obwohl mittlerweile Altkatholik. „Ich bin schließlich immer Organist in Stuben gewesen.“ Hannes Berthold (51) hat seine Religion in Kindertagen durch die Familie und sein Dorf ganz selbstverständlich erfahren. Man besuchte sonntags den Gottesdienst, die Männer gingen nach der Messe zum Frühschoppen, während die Frauen sich ums Essen kümmerten. Sehr katholisch? „Ja“, nickt Berthold, „weniger in Worten, mehr in den Abläufen.“

FELDKIRCH.

„Aus christlicher Überzeugung“ Vor vier Jahren hat er die katholische Kirche dann verlassen. Für Berthold „ist Religion etwas sehr Wichtiges“.

Immer öfter stieß er sich an Vorgaben der Amtskirche. „Dass Rom von den Priestern den Zölibat verlangt“, wollte er so wenig einsehen wie „den Umgang der Kirche mit Frauen“. Den Ausschlag aber gab die unglückliche Äußerung des damaligen Bischofs Elmar Fischer, wonach Homosexualität heilbar sei. Nach kurzem Bedenken fügt Berthold an: „Mein jüngster Bruder ist homosexuell. Alle wissen es.“ Und niemand stoße sich daran. Das Wort von der Heilbarkeit gab einem schon lange währenden Prozess die entscheidende Wende. Aber ohne Kirche wollte Berthold auch nicht bleiben. Zwar verließ er die katholische Kirche „aus christlicher Überzeugung“, aber ein Jahr später trat er der altkatholischen Kirche bei. „Meine Frau hatte mir den Tipp gegeben.“ Der dreifache Vater Hannes Berthold bewältigt drei Berufe. Er arbeitet als Kinderpsychologe für den Arbeitskreis für Vorsorge und Sozialmedizin (AKS). Er unterrichtet

Musik in Buchs. Im Winter erfreut er als Barpianist die Gäste in Lecher Hotels. Gut ausgelastet, würde man sagen. In der altkatholischen Kirche fand er einen kleinen, familiären Rahmen. „Bischöfe werden demokratisch gewählt, Frauen dürfen Priester werden. Bischof Johannes Okoro hat auch in unserer Gemeinde schon homosexuelle Paare gesegnet.“ „Gott ist Liebe“ Was aber bedeutet ihm das alles, woran glaubt Hannes Berthold? „Gott ist für mich im Prinzip die Liebe, die alles umfasst“; Berthold sucht nach Worten. Er stellt sich Gott nicht personal vor oder als Dreifaltigkeit. Gott ist in seinen Augen schlichtweg Liebe. Das aber erzieht ihn zur Achtsamkeit: „Ich muss achtsam mit jedem Menschen umgehen, weil er in dieser Liebe ein Teil von mir ist.“ Natürlich schwingt da Bertholds berufliche Erfahrung mit. „In meiner Arbeit geht es immer um Liebe“, sagt er, der sehr stark mit den Eltern

Mehr auf: www.raiba.at/begeistertfuervorarlberg

In der Nähe liegt der Sinn. Nähe ist Erfolg für Viele. Die Genossenschaft mit Tradition und Zukunft.

Bodesee-Panorama, Foto: Walter Vonbank/Vorarlberg Tourismus

arbeitet, deren Kinder ihm zugewiesen werden. Denn „geht es den Eltern gut“, profitieren auch die Kinder. Die Eltern, sagt Berthold „sind nicht der Virus, sie sind das Medikament“. Nachsatz: „Es gibt freilich auch abgelaufene Medikamente.“ Der Psychologe Berthold liest im Übrigen aus dem biblischen Gebot der Nächstenliebe eine wesentliche Voraussetzung heraus: „Du musst erst dich selber gern haben können, bevor du andere liebst.“ So erhält die Anweisung „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ einen zusätzlichen, allzu oft vernachlässigten Klang.

Altkatholische Kirche Die altkatholischen Kirchen in Deutschland, Österreich und der Schweiz entstanden u. a. aus Protest gegen die beschlossene Unfehlbarkeit des Papstes, die auf dem Ersten Vatikanischen Konzil am 18. Juli 1870 verkündet wurde. Sie kommt ihm zu, wenn er in seinem Amt als „Lehrer aller Christen“ eine Glaubens- oder Sittenfrage als endgültig entschieden verkündet.

Mit der Marionette Kasimir kommt Hannes Berthold (51) seinen kleinen Klienten entgegen und schafft Vertrauen. FOTO: VN/MATT

Die Vorarlberger Raiffeisenbanken


DONNERSTAG, 13. DEZEMBER 2012

VORARLBERGER NACHRICHTEN

Vorarlberg A11

„Schule für Intensivlandwirte“ Die Ökoland-Strategie ist auch eine Chance für die Landwirtschaftsschule in Hohenems. BREGENZ. (VN-sca) 23 Fragen stellte der Grünen-Agrarsprecher Johannes Rauch an Agrar-Landesrat Erich Schwärzler anlässlich der Malversationen rund um Dünger und Käse im Bregenzerwald. Fragen, die freilich

Jetzt ist die Chance, die Probleme der Bauern anzupacken. JOHANNES RAUCH, DIE GRÜNEN

für die gesamte Landwirtschaft Vorarlbergs von Belang sind. Im laufenden Jahr wurden laut Kontrollen der Veterinärabteilung rund 370 Tonnen Hühnermist-Pellets ausgebracht. Das ist immerhin fast doppelt so viel wie bisher angegeben wurde. Die Importeure haben den Mist im ganzen Land verteilt, schreibt Schwärzler, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass Einfuhr und Ausbringung in ganz Europa erlaubt sind. Ganz wohl ist ihm dabei nicht: „Für mich ist klar, dass in der Vorarlberger Landwirtschaft, vor allem in der Milchviehhaltung, kein ausländischer Hühnerdünger ausgebracht werden soll und

Wenn in Hohenems eine landwirtschaftliche Lehranstalt etabliert wird, besteht die Chance auf einen Schwenk im Lehrplan. FOTO: VN/TF

darf, da das Risiko zu groß ist.“ Und den Bauern, die davon nicht ganz überzeugt sind, stellt er eine Förderung in Aussicht. „Der Verzicht soll, soweit dies möglich ist, auch

in den Fördermaßnahmen Berücksichtigung finden.“ „Restrisiko ist vorhanden“ Obwohl Landesrat Schwärzler Zusammenhänge zwi-

schen der Düngung und Käsefehlern bezweifelt, sichert er sich ab: „Ein Restrisiko kann seitens der Fachleute jedoch nicht ausgeschlossen werden.“ Dieselbe Antwort gibt er auf die Frage nach Antibiotikarückständen im Mist und auf die Frage, ob auch Trinkmilch betroffen sei. Rauch sieht in der Diskussion aber auch eine große Chance: „In der Vorarlberger Landwirtschaft gibt es eine ganze Reihe von Problemen, die jetzt diskutiert werden müssen.“ Und von der Landwirtschaftsschule bzw. der Lehranstalt, die kommen soll, erwartet er eine Richtungsänderung: „Der derzeitige Lehrplan macht aus den Schülern Intensivlandwirte.“

Kindergarten bis Februar fertig (kam) Das Erweiterungsprojekt der Gemeinde Fraxern um einen zweiten Gruppenraum für den Bewegungskindergarten schreitet seit dem Baubeginn im Sommer zügig voran. Nach Fertigstellung der Fassade inklusive Fenstereinbau konnten die Innenarbeiten planmäßig beginnen. Derzeit werden Elektro-, Heizungsund Sanitär-Installationen eingebaut, bevor der Innenausbau erfolgt. Je nach Wetterlage wird im Anschluss der Außenbereich gestaltet. Dafür müssen der Terrassenbereich geschüttet und Platten verlegt werden. Zudem wird ein Sonnenschutz montiert. Der Einzugstermin ist laut Bürgermeister Reinhard Nachbaur für den SemesterWechsel im Februar geplant.

FRAXERN.

WORAN ICH GLAUBE. Vorarlberger und ihre Religion

Ernst machen mit Gott Miriam Alge hat sogar eine zweite Berufslaufbahn eingeschlagen, „weil Gott das so will“. THOMAS MATT E-Mail: thomas.matt@vn.vol.at Telefon: 05572/501-724 Twitter: @ThomasMattVN

Wenn Miriam Alge (27) an jenen Tag im Jahr 2006 zurückdenkt, an dem sie zur Gänze im Taufbecken der Bregenzer Adventistenkirche untertauchte, vergleicht sie es mit einer „Verlobungsfeier“. Ihre Eltern nahmen teil. Ganz offiziell und vor allen setzte Miriam das Zeichen, dass sie „ernst machen will mit Gott“. Die angehende Lehrerin wuchs katholisch auf, „so wie jeder in Vorarlberg“. Nachsatz: „Dass sich jemand wirklich mit seinem Glauben auseinandersetzt, ist selten.“ Ob Religion aus der Mode kommt oder boomt, hängt ihrer Ansicht nach vom Wohlstand einer Gesellschaft ab. „Man sucht nach Antworten, wenn eines einem nicht mehr so gut geht.“

LUSTENAU.

Sie selber fand über eine Beziehung zur Kirche der „Siebenten-Tags-Adventisten“. Ihr damaliger Freund begann sich dafür zu interessieren. Er hat ihr „immer offen gelassen, was ich glauben will“. Aber während sie ihm dabei zusah, wie er sein Leben total neu ordnete, empfand sie Respekt. Das Ergebnis fand sie „total lässig“, obwohl sie heute nicht mehr zusammen sind. Unvergleichbarer Friede Miriams Leben hat „gravierende Veränderungen“ erfah-

Adventisten Als Adventisten (von lateinisch adventus „Ankunft“) wurden Anhänger einer christlichen Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts in den USA bezeichnet. Für sie spielte die Lehre von der nahen Wiederkunft Christi eine zentrale Rolle. Von der genauen Berechnung des Tages ist die Kirche heute abgekommen. Ihre Mitglieder engagieren sich stark im Sozialbereich mit dem Hilfswerk ADRA, im Bereich Gesundheit, weil ihnen der Mensch als lebendige Seele gilt, und in der Erziehung. Adventisten unterhalten u. a. die private Schule Elia in Lustenau.

ren, „nachdem ich Gott näher kennengelernt habe“. Wenn sie Texte in der Bibel liest, flößt ihr das einen Frieden ein, „der höher ist als jeder Verstand“. Einen Perspektivenwechsel erwirkt die Lektüre, „sodass ich mich selber wertschätze und zu anderen liebevoll bin“. Wie aber erfährt sie den Gott, an den sie glaubt? „Wenn ich in der Natur bin, Musik höre, christliche Literatur lese . . .“ Dann kann sie Gott nahe sein. Diese Nähe geht so weit, dass sie ihr einen neuen Beruf eingetragen hat. Eigentlich hat Miriam Alge Sozialarbeit an der Fachhochschule in Dornbirn studiert und bereits im Vorarlberger Kinderdorfs gearbeitet. Aber dann fragte sie Pastor Kurt Piesslinger, ob sie nicht Lust hätte, in der privaten Volksschule der Adventisten namens Elia zu arbeiten. „Nein“, dachte sich Miriam, „nein, wirklich nicht.“ Nicht schon wieder ein Studium! Noch einmal schlägt sie gespielt entrüstet die Hände vors Gesicht. Später hat sie „darüber gebetet“. Am Ende schlug sie

Miriam Alges Bibel ist schon ganz zerfleddert. Sie liest viel darin. Das schenkt ihr Frieden.

den Weg ein. Sie geht „dorthin, wo Gott mich haben will“. All das klingt so sicher. Hat sie nie Zweifel? Weshalb braucht dieser Gott, der doch auch in ihren Augen vollkommen und allmächtig ist, überhaupt unsere Zuneigung? Müsste ein vollkommener Gott nicht wunschlos sein? Miriam Alge ist sich sicher: „Gott kann, will aber nicht allein existieren.“ Er ist ihr ein Kompass fürs

Ein Meilenstein für 89 Volksschüler Die VS Egg ist österreichweiter Kindermeilen-Sieger. (VN-ger) Hoher Besuch wurde am Mittwochvormittag in der Volksschule Egg empfangen. Dementsprechend groß war auch die Aufregung in den Klassen. Denn Klimaclown Monsieur Hugo höchstpersönlich war aus Wien angereist, um den Schülern ihre große Trophäe

EGG.

zu überreichen. Den österreichischen Kindermeilen-Preis 2012. Seit mittlerweile elf Jahren sammeln Kinder aus ganz Europa ihre umweltfreundlichen Schul- und Kindergartenwege. Für jeden umweltfreundlich zurückgelegten Weg gibt es eine Klimameile für das persönliche Album. Allein in Österreich nahmen heuer 346 Schulen und Kindergärten an der Kampagne

des Klimabündnisses teil. Ein Teilnehmerrekord. Doch die 89 Schüler der VS Egg waren unschlagbar. Beachtliche 5120 Klimameilen sammelten sie innerhalb von vier Wochen – so viele wie keine andere Schule und kein anderer Kindergarten in ganz Österreich. Und das, obwohl Direktorin Herma Sutterlüty anfänglich gar nicht an den Wettbewerb gedacht hat. Sie wollte im Rahmen der Um-

Hurra, wir sind Kindermeilen-Sieger! Beachtliche 5120 Meilen haben die Schüler der VS Egg gesammelt. FOTO: GER

weltgruppe einfach nur einen von vielen Akzenten setzen. Dennoch hat die Pädagogin viele begeisterte Klimameilen-Sammler gefunden. Zum Beispiel im Drittklässler Simon Sutterlüty: „Ich laufe gerne zur Schule. Es ist schön auf dem Weg, wir machen immer ein paar Spiele“, erzählt der Neunjährige. Großes Lernfeld Stolz auf die Leistungen der Schüler ist nicht zuletzt Bürgermeisterin Theresia Handler: „Ich möchte den Eltern Mut zusprechen, dass sie ihre Kinder weiterhin zu Fuß auf den Schulweg schicken.“ Denn erst durch die eigenen Erfahrungen würden die Kinder lernen, die Gefahren im Straßenverkehr richtig einzuschätzen. Aber beispielsweise auch in Sachen Konfliktbewältigung sei der Schulweg sehr wichtig. „Der Schulweg ist ein großes Lernfeld und ein kleiner Meilenstein für die Persönlichkeitsbildung“, ist die Gemeindechefin überzeugt.

Leben. „Wenn ich um mich selber kreise, führt die Spirale nur nach unten.“ Miriam Alge verhehlt nicht, dass sie zwischen 17 und 19 „die Fühler in alle Richtungen ausgestreckt hat“. Bei ihrem Gott, der auch mit sich hadern lässt, ohne Blitze zu schleudern, ist sie geblieben. Auf die Zeit nach dem Tod „freue ich mich“: Wo sie doch sieht, dass es in unserer Welt an allen Ecken und

FOTO: VN/MATT

Enden fehlt. „Drüben“ aber stellt sie sich eine Zeit vor, „in der keiner mehr hassen muss, niemand mehr verletzt wird oder krank ist“. Dass sich all das nicht beweisen, sondern nur erhoffen lässt, stört sie nicht: „Was ich bisher von Gott erfahren habe, macht so viel Sinn, dass ich ihm glaube, wenn er in der Bibel schreibt: Ich bereite etwas für Dich vor.“ ##Thomas Matt#1##

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DIENSTAG, 18. DEZEMBER 2012

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VORARLBERGER NACHRICHTEN

„Denen klopf’ ich auf die Finger“ Salzburger Skandal bedroht den Föderalismus. Vorarlberger Politiker warnen. BREGENZ. (VN-ad) Nach den in Salzburg verspekulierten 340 Millionen Euro sind Österreichs Politiker um Schadensbegrenzung bemüht, rufen nach Transparenz und neuen Regeln, fordern ein Spekulationsverbot mit Steuergeldern. Ob Bundeskanzler Werner Faymann nun aber wirklich nur „gläserne Kassen“ schaffen will oder weit tiefere Reformen anstrebt, ist offen – und verunsichert Föderalisten. Zuletzt wurde gar geargwöhnt, dass Länder unter Kuratel des Bundes gestellt werden könnten und ihre Finanzhoheit verlieren würden.

Wallner: „Darf nie passieren“ Besonders im Land ist der Ärger groß. Vorarlberg ist das Bundesland mit dem geringsten Schuldenstand (siehe Grafik). Also sagt Landeshauptmann Markus Wallner: „Wie kommen wir denn dazu, unser Schuldenmanagement nach Wien abzugeben? Das

kommt ja nicht in Frage.“ Er, Wallner, sei für ein Spekulationsverbot: „Man kann mit den Ländern auch verhandeln, gewisse Regeln im Finanzmanagement einzuführen.“ Niemals aber dürfe die Finanzhoheit der Länder auch nur angetastet werden. Und wird nun ein Spekulationsverbot in der Bundesverfassung verankert, „wäre einem Angriff auf die Budgethoheit Tür und Tor geöffnet“. Wallners Ansage: „Das darf nie passieren, das wird nie passieren – denen klopf ich auf die Finger.“ Und trotzdem in der Defensive Salzburg bringt die Länder trotzdem in die Defensive. Alt-Landtagsdirektor Peter Bußjäger ortet gar eine „Bedrohung für den Föderalismus“. Jürgen Weiss, der einstige Föderalismus-Minister, sieht durch Salzburg den „sorgfältigen Umgang der Länder mit ihren Rechten in Misskredit gebracht“. Auch er warnt vor überschießenden Reaktionen, welche die Länder einschränken könnten. Trotzdem habe man aus dem jüngsten Skandal die Lehren

zu ziehen, müsse gemeinsam Spielregeln nachbessern. Oder kurz gesagt: „Ein Spekulationsverbot muss her.“ Schon 2009 für ein Verbot In Vorarlberg besteht ein solches Spekulationsverbot bereits. Das Land selbst hatte zwar stets eine konservative Veranlagungsstrategie verfolgt. Ein riskantes Geschäft der Vorarlberger Gebietskrankenkasse aber führte 2009 dazu, dass sich die Landtagsparteien einstimmig für ein Spekulationsverbot mit öffentlichen Geldern aussprachen. FPÖ-Chef Dieter Egger ärgert sich deswegen über die Vorgangsweise der Bundesregierung: „Es ist keinesfalls notwendig, dass wir uns unter die Kuratel des Bundes stellen lassen müssen – wir brauchen Faymann und Spindelegger sicher nicht als Oberwächter über die Landesfinanzen.“ Egger drängt auf folgende Vorgehensweise: „Ein Spekulationsverbot aller Gebietskörperschaften muss gemeinsam getragen und gelebt werden.“ Dies könne etwa im Rahmen des Stabilitätspakts oder einer

Österreich ein verfassungskonformes Spekulationsverbot verankert wird, ohne die Finanzverfassung anzutasten: „Möglich ist das.“ Dass Länder unter Kuratel des Bundes gestellt werden könnten, glaubt Rauch nicht. Michael Ritsch, dem SPÖChef, wäre dies freilich egal: „Wenn damit ein Finanzskandal verhindert werden könnte, wäre es doch unerheblich, welche Ebene nun welche Ebene kontrolliert.“

15a-Vereinbarung erfolgen – Wallner hatte diesen Weg bereits am Sonntag skizziert. Für Grünen-Chef Johannes Rauch wäre eine 15a-Vereinbarung allerdings „zu viel Absichtserklärung bei zu wenig Absicht“. Rauch will, dass in

Ein bemerkenswerter Zusatz Als sich die Landtagsparteien 2009 für ein Spekulationsverbot aussprachen, garnierten sie den Antrag übrigens mit folgendem Zusatz: „Spitzenmanager, die branchenunüblich oder Existenz gefährdend mit dem Geld der Sparer oder Steuerzahler spekulieren, sollten im Falle von Verlusten persönlich haftbar gemacht werden. Das von den Menschen hart erarbeitete Geld darf unter keinen Umständen leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.“ Vielleicht spricht sich das ja auch bis zur Bundesebene herum – die Debatte geht jedenfalls weiter.

Steinbruch Hohenems hat „Kies im Getriebe“ Countdown in der Stadtvertretung. Wird der Steinbruch-Vertrag neu verhandelt? (VN-sca) Bereits am 12. Februar glaubte die Rathaus-Mehrheit in Hohenems, den Pachtvertrag mit dem bisherigen Steinbruchbetreiber Rhomberg verlängern zu können. Und freute sich über Einnahmen aus dem Verkauf eines Grundstückes auf dem Gelände des riesigen Steinbruchs. Knapp 650.000 Euro sollte der in die Kassen der Stadt spülen. Geld, das die Kommune gebrauchen könnte. Doch jetzt

HOHENEMS.

Der Steinbruch ist wieder einmal Thema in Hohenems: Wird heute den Pacht- und Kaufverträgen zugestimmt? FOTO: VN/HOFMEISTER

ist „Kies im Getriebe“. Drei von fünf Rathaus-Fraktionen wehrten sich vehement gegen den Abschluss von Kauf- und Pachtvertrag. Die Anrainer des Steinbruchs,

gut 500 Personen, forderten eine Neuverhandlung mit der Firma Rhomberg, bei der ihre Anliegen berücksichtigt werden. „Wünsche und Forderungen, die nicht übertrie-

ben sind und die von der Firma Rhomberg erfüllt werden können“, sagt der Sprecher der Anrainer, Christian Reich, im Gespräch mit den VN. Während die Anrainer, Bürgerbewegung, Emsige und Grüne sowie die SPÖ der Meinung sind, dass die von Stadtrat Karl Dobler ausgehandelten Bedingungen inakzeptabel sind, ist der ÖVP-Politiker naturgemäß anderer Ansicht: „Wir haben uns mit den Anrainern im April zusammengesetzt und zehn Punkte formuliert, die mit der Firma Rhomberg verhandelt werden sollen. Wir haben alle zehn Punkte

erfüllt oder zum Teil erfüllt. Es war für uns sehr dienlich, dass die Bürger ihre Anliegen formuliert haben. Das hat unsere Verhandlungsposition gestärkt“, sagt Dobler. Er ist der Meinung, dass jetzt eine Entscheidung ansteht, weil irgendwann sei alles ausverhandelt, außerdem bestehe durchaus die Gefahr, dass Rhomberg die Verhandlungen abbreche. Die Bürgerinitiative hat angekündigt, heute die Fragestunde vor der Stadtvertretung zu nutzen, um den Abschluss zu verschieben: „Man muss unsere Argumente richtig behandeln.“

Die Bauarbeiten laufen seit gut einer Woche. FOTO: TF

Mehr Sicherheit vor Hochwasser (tf) Die Baumaßnahmen für das Hochwasserschutzprojekt RheintalBinnenkanal sollen rund 150 Wohn- und Gewerbeobjekten im Westen von Hohenems Schutz vor Überschwemmungen bieten. Mit den Bauarbeiten wurde am 10. Dezember im Bereich Rheinauen begonnen. Dort wird bei der Einmündung des Emmebachs in den Koblacher Kanal ein Absperrbauwerk mit Schleuse errichtet, das bei Bedarf einen gezielten Hochwasserrückhalt ermöglicht. Im Ernstfall soll die Überflutungsfläche südöstlich des Erholungszentrums Rheinauen geflutet und somit ein schadloses Ableiten der Wassermassen gewährleistet werden. Die Kosten betragen bis zu sieben Millionen Euro, 78 Prozent werden vom Bund getragen. HOHENEMS.

Innensanierung von Pfarrkirche läuft nach Plan DORNBIRN. (eh) Die Sanierung des Innenraums der Pfarrkirche St. Sebastian liegt im Zeitplan. „Auch die Kosten wurden bisher nicht überschritten“, gibt Architektin Anja Fischer bekannt. Diese wurden mit 950.000 Euro budgetiert. Die Sanierung der Fenster sowie die Restaurierung der Deckengemälde sind bereits erledigt. Derzeit werden im Innenraum die Steinrestaurierungen an den Säulen und Steinfassungen vorgenommen. Mit der Fertigstellung wird im März 2013 gerechnet.

WORAN ICH GLAUBE. Vorarlberger und ihre Religion

Jede Seele muss reifen Bei Aleviten wie Nuri Sarigül stehen Bildung und Toleranz ganz oben auf der Werteskala. THOMAS MATT E-Mail: thomas.matt@vn.vol.at Telefon: 05572/501-724 Twitter: @ThomasMattVN

BREGENZ. Als er 1987 Vorarlberger Boden betrat, beherrschte Nuri Sarigül zwei Worte: Ja und Danke. Später hat er die HTL in Rankweil mit Fachrichtung Tiefbau besucht und an der Fachhochschule in Liechtenstein Bauingenieurwesen studiert.

Heute arbeitet der zweifache Familienvater als Verkehrsplaner in Wil. Seiner Gattin Evren liegt die Basler Herkunft auf der Zunge. Die Zwillinge Meryem und Sara wachsen zweisprachig auf, vielleicht sollte man zweieinhalb sagen, um den schwyzerdütschen Anteil nicht sträflich auszublenden. Nuri und Evren sind Aleviten. Alevitische Frauen und Männer begegnen einander in Augenhöhe. Auch das lehrt ihr Beispiel: Bildung geht den Aleviten über alles. Dass sie niemals zum seelenlosen Strebertum ver-

Aleviten In Vorarlberg ist etwa jeder fünfte Zuwanderer aus der Türkei Alevit. Diese Sonderrichtung des Islam hat sich nach dem Tode des Propheten im Jahr 632 im Streit um die Führung der Moslems herausgebildet. Ali war Gatte von Fatima, des einzigen leiblichen Kindes des Propheten. Ein Teil der Moslems sah in Ali den legitimen Führer der Gemeinde, die Mehrheit vertrat die Ansicht, der Führer (Kalif) müsse nur aus dem Stamm Mohameds kommen. Die Schia, die „Partei“ Alis, verlor den Streit.

Innerhalb der Schia nahmen die Aleviten eine ganz eigene Entwicklung. Sie teilen zwar die religiösen Grundannahmen des schiitischen Islam, den Glauben an die Führerschaft Alis und seiner elf Nachfolger sowie an die Verborgenheit und die Wiederkunft des Imam Mahdi. Doch leben Aleviten eine priester- und moscheenlose Religion, religiöses Wissen und Praxis werden in mündlicher Tradition durch „Pirs“ (Weise) und „Dedes“ (Großväter) weitergegeben, die aus „heiligen Familien“ stammen.

kommt, dafür sorgt ihre Weltsicht. „Der Mensch“, sagt Nuri Sarigül, „kommt als unreife Seele zur Welt.“ Er ist kein Zufallsprodukt. Gott hat ihn auserwählt. „Er soll sein Statthalter sein auf dieser Welt.“ Deshalb hat er ihm die Fähigkeit zur Unterscheidung zwischen Gut und Böse in die Wiege gelegt. Und manche beruft Gott zu Propheten. 124.000 sollen es gewesen sein im Laufe der Zeit. „Der letzte war Mohammed.“ Das Tun im Alltag ist Gebet Der Mensch steht im Mittelpunkt des Alevitentums. Er soll reifen ein Leben lang, auf dass sein innerer Anteil an Allah zur Blüte findet. So lassen sich Glaube und Privatleben auch bei Sarigüls nicht trennen. „Schließlich lehrt uns die Religion, wie wir das Leben meistern können.“ In Nuri Sarigül tut sie das auf besondere Weise. Er darf sich zu den „Ehl-i-Beyt“ zählen, zur unmittelbaren Nachkommenschaft des Propheten. Als „Dede“ leitet er die monatlichen Gebetsversammlungen namens „Cem“.

Seinen Töchtern lebt Sarigül religiöse Überzeugungen vor. Das Bild über ihm zeigt Ali, den Schwiegersohn des Propheten. Aleviten sind „die Partei Alis“. FOTO: VN/MATT

Gericht und Versöhnung, Belehrung und Gebet reflektiert die Gemeinde über Stunden hinweg. Zum Klang des Saiteninstruments Saz erinnern sich die Gläubigen an „die sieben großen Dichter“, die vom 14. bis ins 17. Jahrhundert literarische Wegmarken hinterlassen haben. Den Koran handhaben Aleviten schon deshalb interpretierbar, „weil jeder der 6000 Sätze immer im Zusammen-

hang gelesen werden muss.“ Nuri Sarigül legt kostbare Bücher auf den Tisch wie „Nehcul Belaga“ und das Buch „Buyruk“, das Weisungen und Gedichte des Mystikers Hadschi Bektasch Wali aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts beinhaltet. Die Zeit, da die Aleviten noch ohne Unterdrückung in ihren Klosterschulen namens „Dergah“ Philosophie und Theologie betrieben,

wird in Sarigüls Erzählungen so lebendig wie irgend möglich. Was ihm schon als Kind mündlich überliefert wurde, blieb haften. Dies und die grundgelegte Toleranz: Nuri Sarigül genießt den Austausch mit dem christlichen Gast; ein glänzender Zuhörer, der jeder Religion Respekt zollt. mehrwissen.vol.at Religionsserie. Alle bisherigen Teile der VN-Serie „Woran ich glaube“ zum Download.

Religionsserie  

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