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LKHluaga! DAS MAGAZIN DER

VORARLBERGER LANDESKRANKENHÄUSER

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Thementitel

VORARLBERGER LANDESKRANKENHÄUSER

Schnell und scharf Neuer MRT für Rankweil

Der Genetik auf der Spur Experten helfen verstehen

Künstler im Verborgenen Einblick in die OP-Pflege

Wenn der Weg zu Ende geht Ein Abschied in Würde

Klein, krank und schützenswert Kindsein im Krankenhaus

Im Interview:

Prim. Dr. Albert Lingg Mag. Johannes Moser Stefan Kreiner


Willkommen

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Inhalt

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Nachhaltig in die Zukunft

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Klein, krank und schützenswert

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Den genetischen Zusammenhängen

auf der Spur

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Mit Sicherheit und Qualität zum Wunschkind

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Künstler im Verborgenen

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Führungspersönlichkeiten im Gespräch: Primar Dr. Albert Lingg

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Schnell und scharf – neues MRT-Gerät in Rankweil in Betrieb

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Wäsche, soweit das Auge reicht

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Wenn der Weg zu Ende geht

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Shopping für Fortgeschrittene

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Patienten bekennen Farbe

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Im Interview: Stefan Kreiner, Hypobank

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Stets zu Diensten – nicht nur wenn’s brennt!

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Wie von Zauberhand

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Wenn ein Lächeln Wirkung zeigt

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Viel Trinken – eine Modeerscheinung?

35 Tipps

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Faszination Fliegenfischen inkl. Gewinnspiel

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Gesunde Jause

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LKH Hohenems in neuem Glanz

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Aufgeschnappt in den LKHs

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Impressum: Verleger, Medieninhaber und Herausgeber: Vorarlberger Krankenhaus-Betriebsgesellschaft, Carinagasse 41, 6800 Feldkirch, www.khbg.at Redaktionsleitung: Mag. Martina Pointner Text: Mag. Martina Pointner, Mag. Michaela Sonderegger, Christine Mennel, Mag. Caroline Begle Grafische Umsetzung: Flax Jutz Metzler, Dornbirn Foto: Dietmar Mathis, Lisa Mathis, Mag. Markus Schuler, Christina Scheiderbauer u.a. Lektorat: Daniela Plattner, Petra Geiger Druck: Buchdruckerei Lustenau GmbH, 6890 Lustenau Titelbild: Bringen Farbe in den Krankenhausalltag: die CliniClowns – im Bild Dr. Paula Plüsch und Prof. Dr. Frieda Purzel mit Michael

Liebe Leserinnen, wo immer möglich, haben wir in dieser Ausgabe die männliche und weibliche bzw. gemischte Sprachform verwendet. Sollte es irgendwo nicht der Fall sein, dann geschah dies zugunsten der einfacheren Lesbarkeit der Texte. Danke für Ihr Verständnis.


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Willkommen

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MARTINA POINTNER Chefredakteurin von „LKH luag a!“

Liebe Leserinnen und Leser

Es ist der Albtraum aller Eltern: Das eigene Kind verletzt sich derart schwer oder ist so krank, dass es ins Spital gebracht werden muss. Während sich die meisten kindlichen Erkrankungen und Blessuren als schnell kurierbar herausstellen, trifft es manche mit voller Härte, weil sich die gesundheitlichen Probleme als schwerwiegend, als chronisch oder sogar als lebensbedrohlich herausstellen. Wie gut, wenn dann professionelle Hilfe zur Verfügung steht und das Kind nicht nur medizinisch, sondern auch darüber hinaus bestens betreut wird. Lesen Sie in dieser Ausgabe, welche zusätzlichen Leistungen in den Vorarlberger Landeskrankenhäusern geboten werden, damit sich die kleinen Patienten, aber auch deren Eltern in der ungewohnten Umgebung möglichst wohl- und geborgen fühlen können (Seite 6). Sie sind meist „unsichtbar“ für die Patienten – und doch von entscheidender Bedeutung bei der operativen Versorgung. Mit kühlem Kopf und hoch konzentriert verrichten OP-Pflegekräfte ihre Arbeit „am Tisch“. Als erfahrene Instrumentare sind sie eine unverzichtbare Ergänzung zum Operateur, mit dem im Idealfall eine Art professionelle Symbiose entsteht – ein oft wortloses Teamwork, das den Operationsverlauf optimiert und damit für den Patienten bestmögliche Ergebnisse bringt. LKH luag a! bietet Ihnen einen spannenden Einblick in den „Mikrokosmos Operationssaal“, wie er dem Patienten normalerweise verborgen bleibt (Seite 12). 90.000 – das ist die beeindruckende Zahl an Patientinnen und Patienten, die jährlich in den Vorarlberger Landeskrankenhäusern stationär behandelt werden. Der Bogen spannt sich dabei von der Geburt bis zum Ende des Lebens. Damit es auch im Krankenhaus möglich ist, den letzten Weg in Würde zu gehen, sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – in enger und guter Zusammenarbeit mit externen Institutionen – stets bemüht, sowohl Patienten als auch Angehörige in der schwierigen Lebenssituation optimal zu betreuen und bis zuletzt zu begleiten. Eine große Herausforderung, die nur mit viel Engagement, Einfühlungsvermögen und „Liebe zum Menschen“ bewältigt werden kann (Seite 21). Sie sehen, auch in dieser Ausgabe zeigt sich, wie vielfältig und oft auch gegensätzlich der Krankenhausalltag ist: Trauer und Glück, Verzweiflung und Hoffnung, Schmerz und Genesung, Sterben und Geboren werden – die Ganze Bandbreite des Lebens an einem Ort vereint! Viel Vergnügen beim Lesen wünscht Ihnen herzlichst,

Mitglieder Redaktionsteam: KHBG Mag. Martina Pointner Leitung Unternehmenskommunikation Mag. Markus Schuler Leitung Personalwesen Mag. Michaela Polster Unternehmenskommunikation

LKH Bludenz Mag. Franz Streit Verwaltungsdirektor DGKP Erich Gantner Pflegedienstleiter

LKH Bregenz Prim. Univ. Doz. Dr. Christian Huemer Leitung Kinder- und Jugendheilkunde Andreas Lauterer, BSc MA Personal und Beschwerdestelle OA Dr. Michael Rohde Frauenheilkunde und Geburtshilfe

LKH Feldkirch Dipl.KH-Bw. Harald Maikisch Verwaltungsdirektor Prim.Univ.Prof. Dr. Etienne Wenzl Chefarzt OÄ Dr. Martina Türtscher Krankenhaushygiene DGKP Dieter Morscher Krankenpflegeschule Feldkirch DGKP Michael Scheffknecht Stv. Pflegedienstleiter

LKH Hohenems Dipl. KH-Bw. Dietmar Hartner Verwaltungsdirektor Hildegard Höss Sekretariat Verwaltungsdirektion

LKH Rankweil Dr. Franz Freilinger Verwaltungsdirektor DGKS Elke Kovatsch Oberpflege / Hygienefachkraft

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Thementitel

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LKH Bregenz Optimierte Wärmerückgewinnung Spezielle Wärmedämmung Software zur Überwachung und Optimierung des Energieverbrauchs Energieeffiziente Beleuchtung

LKH Hohenems Optimierte Wärmerückgewinnung Spezielle Wärmedämmung Software zur Überwachung und Optimierung des Energieverbrauchs Energieeffiziente Beleuchtung Fernwärmebereitstellung für externe Gebäude

LKH Rankweil Optimierte Wärmerückgewinnung Spezielle Wärmedämmung Software zur Überwachung und Optimierung des Energieverbrauchs Energieeffiziente Beleuchtung Eigenes Kleinkraftwerk zur Stromgewinnung

LKH Feldkirch Optimierte Wärmerückgewinnung Spezielle Wärmedämmung Software zur Überwachung und Optimierung des Energieverbrauchs Energieeffiziente Beleuchtung Fernwärmebereitstellung für externe Gebäude

LKH Bludenz

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Optimierte Wärmerückgewinnung Spezielle Wärmedämmung Software zur Überwachung und Optimierung des Energieverbrauchs Energieeffiziente Beleuchtung Fernwärmebereitstellung für externe Gebäude


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Ausblicke

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Nachhaltig in die Zukunft

Nicht erst Katastrophen wie die Ölpest im Golf von Mexiko oder der Super-Gau in Fukushima führen uns eindrücklich vor Augen, dass es höchste Zeit ist, mit Energieressourcen sorgsam umzugehen. Gerade auch im Krankenhausbereich, wo traditionell viel Energie ge- und verbraucht wird, sind Innovationen und Weitblick gefragt, um den Spagat zwischen steigenden Ansprüchen und Umweltorientierung zu schaffen.

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ie Vorarlberger Landeskrankenhäuser bemühen sich daher seit Jahren – mit baulichen Maßnahmen, aber vor allem auch mit nachhaltiger Betriebsführung –Ressourcen sorgsam einzusetzen. Dass diese Bemühungen erfolgreich sind, zeigen die beeindruckenden Kennzahlen (links im Bild zu sehen). Aber auch formelle Bestätigungen, wie etwa die neuerliche ÖkoprofitZertifizierung aller fünf LKHs, die sicherstellt, dass Nachhaltigkeit im Unternehmen nicht dem Zufall überlassen, sondern mit Konsequenz und Ausdauer verfolgt wird. n

LSth. Mag. Markus Wallner

Dir. Dr. Gerald Fleisch

Dir. Dr. Till Hornung

„Nicht nur bei Bauvorhaben, sondern bei allen unseren Projekten stehen Qualität und Nachhaltigkeit im Mittelpunkt unserer Planungen.“

„Nachhaltigkeit gilt für mich vor allem auch in Hinblick auf unsere Mitarbeiter: Um leistungsfähig zu bleiben, müssen wir Vorarlberg als attraktiven Arbeitsplatz für alle Berufsgruppen im Gesundheitswesen stärken. Die bereits in diese Richtung gesetzten Maßnahmen sind ein erster Schritt und müssen konsequent fortgesetzt werden.“

„Auch in der medizinischen Entwicklung ist Nachhaltigkeit gefordert: So muss die „State-ofthe -Art“-Behandlung stets im Blick behalten werden vor allem um Mitarbeitern und Patienten die Sicherheit zu geben, dass auf der Höhe der Zeit internationaler Standard praktiziert wird.“

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Kindsein im Krankenhaus

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Klein, krank und schützenswert

Auch Kinder sind vor Krankheit und Unfall nicht gefeit. Gut, wenn sie im Fall der Fälle im Krankenhaus optimal betreut werden: Die Landeskrankenhäuser bieten den kleinen Patienten und deren Eltern neben der optimalen medizinischen Versorgung vielfältige Unterstützung an.

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ehrere tausend Kinder jährlich erkranken oder verunfallen in Vorarlberg so schwer, dass ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus notwendig wird. Auch wenn die meisten nach wenigen Tagen das Spital schon wieder verlassen können, gibt es doch so manchen kleinen Patienten, der über längere Zeit das Krankenbett hüten muss oder gar mit einer chronischen Erkrankung zu kämpfen hat. Aber ob nur kurz da, oder länger – für die kleinen Patienten bieten die Vorarlberger Landeskrankenhäuser eine breite Palette an Leistungen an:

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Kindsein im Krankenhaus

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Mama oder Papa immer dabei Ist ein Kind ernstlich krank, sind auch die Eltern direkt betroffen – und meist im Ausnahmezustand. Umfassende Information und Aufklärung ist daher besonders wichtig. „Alle Behandlungen werden in enger Absprache mit den Eltern durchgeführt, Therapienpläne gemeinsam erarbeitet“, erklärt der Leiter der Pädiatrie am LKH Feldkirch, Prim. Prof. Dr. Burkhard Simma. Und weil Kinder gerade in schwierigen Situationen vertraute Menschen um sich brauchen, gibt es in allen LKHs die Möglichkeit, dass auch eine Begleitperson mit aufgenommen wird. Das Angebot wird zumeist gerne in Anspruch genommen, und so bleibt beim überwiegenden Teil der Kinder unter 14 Jahren jeweils ein Elternteil mit im Spital. Das hilft nicht nur den kleinen Patienten, sondern auch dem Personal, das von den Eltern bei der Pflege und Tagesgestaltung aktiv unterstützt wird. „Es kann aber auch eine Herausforderung für alle bedeuten, insbesondere dann, wenn die Erwartungshaltung sehr hoch ist“, sagt Prim. Raimund Reindl vom LKH Bludenz. Aber auch hier versuchen die Abteilungen, den Bedürfnissen von Eltern und Kindern bestmöglich entgegen zu kommen. Interdisziplinäre Zusammenarbeit Um die Kinder optimal zu behandeln, pflegen alle Kinderabteilungen eine enge Zusammenarbeit mit anderen Fachabteilungen – beginnend bei der Gynäkologie über die Unfallchirurgie und Chirurgie bis hin zu Spezialfächern wie HNO, Neurochirurgie oder Augenheilkunde. „Dank der optimalen interdisziplinären Abstimmung können viele Behandlungen oder spezielle Untersuchungen auch tagesklinisch durchgeführt werden, was Kindern wie Eltern entgegenkommt“, betont Prim. Doz. Dr. Christian Huemer von der Pädiatrie am LKH Bregenz.

p Auf Visite am Krankenbett: Die CliniClowns zaubern Michael ein Lachen ins Gesicht.

Kindgerecht betreut Kinderkrankenpflege ist eine ganz besondere Aufgabe. Daher gibt es auf den pädiatrischen Stationen eigens ausgebildete Kinderkrankenschwestern bzw. -pfleger. Diese sorgen mit viel Feingefühl und hohem persönlichem Einsatz dafür, dass sich die Kinder und Jugendlichen in der ungewohnten Umgebung möglichst wohl und geborgen fühlen. Im Gegenzug dafür bekommen die Pflegekräfte viel Dankbarkeit und Lebensfreude zurück. „Es gibt nichts Schöneres, als dass ein Kind dich anlacht“, bestätigt Diplomkinderkrankenschwester Sandra Oehlke vom LKH Bregenz. Lernen macht Spaß Damit während eines längeren Spitalsaufenthalts, wie er vor allem im Schwerpunktspital Feldkirch vorkommen kann, die Schulbildung nicht zu kurz kommt, gibt es dort eine eigene Lehrperson für die kleinen Patienten. In enger Abstimmung mit den Herkunftsschulen übernimmt die Lehrerin den Unterricht und vermittelt die Lerninhalte, die sonst verpasst würden. Aber der Unterricht ist nicht nur wichtig, weil die Kinder dadurch nach ihrer Entlassung meist lückenlos an den Schulstoff anschließen können,

p  Der Alltag soll für die Kinder und Jugendlichen möglichst abwechslungsreich gestaltet werden.

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Kindsein im Krankenhaus

sondern auch weil er sie vom Kranksein ablenkt. Die Kinder schätzen daher den Unterricht und arbeiten, so es ihr Zustand zulässt, fleißig mit. Kunterbunte Zuversicht Für Spaß und Ablenkung sorgen auch sie: Die CliniClowns, die mit ihrer ganz besonderen Art Zuversicht und Lebensfreude in den Krankenhausalltag bringen. Die Männer und Frauen sind auf den Kinderabteilungen der Landeskrankenhäuser mit ihrem wöchentlichen Besuch nicht mehr wegzudenken und werden von den Kindern oft voller Vorfreude erwartet. Wenn die Clini­ Clowns die kleinen Patienten besuchen, tragen sie zwar weiße Ärztekittel, doch ihre knallroten Nasen und allerlei spaßige Clown-Utensilien verraten sie schon von Weitem. Mit viel Feingefühl und Improvisationstalent gehen

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sie auf die ganz besonderen Bedürfnisse der kleinen Patienten ein. „Wenn die Kinder erkennen, dass die CliniClowns hilfloser, tollpatschiger und unwissender sind als sie selbst, dann wachsen sie über sich hinaus! Das gibt ihnen Mut und Selbstvertrauen. Denn wer lacht, der gibt nicht auf“, weiß Brigitte Nussbaumer alias Dr. Frieda Purzel. Hilfe bei seelischen Leiden Wenn Kinder von einem Unfall betroffen bzw. mit einer Operation konfrontiert sind oder an chronischen Krankheiten, wie Diabetes oder Asthma, leiden, dann kann auch die seelische Gesundheit ernsthaft Schaden nehmen. Gerade in solchen Fällen macht eine frühzeitige psychiatrische Betreuung Sinn. „Es kann helfen, über die schwierige Situation zu sprechen und damit den

Gedanken Raum zu geben. Sowohl den Kindern und Jugendlichen, als auch den Eltern und Geschwistern“, weiß Dr. Wolfgang Menz, Leiter des Kinder- und Jugendpsychologischen Dienstes am LKH Feldkirch, aus Erfahrung. Aber auch andere psychische Probleme im Kindes- und Jugendalter, wie

depressive Zustände, Essstörungen oder so genannte Tics, werden von seinem Team behandelt. Nachdem diese Störungen vielfältige Auslöser haben können, ist der erste wichtige Schritt, den möglichen Ursachen auf den Grund zu gehen. „Unser Ziel ist es, stationären Kindern und Jugendlichen und

Was sind die Herausforderungen der Kinder- und Jugendheilkunde heute?

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Prim. Prof. Dr. Burkhard Simma, LKH Feldkirch

Primar. Doz. Dr. Christian Huemer, LKH Bregenz

Prim. Dr. Raimund Reindl, LKH Bludenz

OA Dr. Wolfgang Menz, LKH Feldkirch

“Kinder- und Jugendmedizin macht Spaß, ist vielfältig, anspruchsvoll und mit großen inhaltlichen Fortschritten verbunden. Sie setzt eine lange medizinische oder pflegerische Ausbildung sowie hohe fachliche und soziale Kompetenz voraus. Das Image des ‚Kinderarztes’ als Arzt für die ‚Kleinen’ mit ‚kleinen’, sprich ‚banalen’ Krankheiten gilt nicht (mehr). Unsere Patienten sind Frühgeborene an der Grenze der Lebensfähigkeit genauso wie Jugendliche mit Herzfehlern, Diabetes oder behinderte junge Erwachsene.“

„Eine besondere Herausforderung für das pädiatrische Team ist heute die hohe Frequenz der Aufnahmen. Bei einer sehr niedrigen Aufenthaltsdauer von durchschnittlich zwei Tagen gilt es, sich schnell auf die zumeist akut kranken, aber recht schnell wieder fitten Kinder einzustellen. Auch ist es zunehmend schwierig, der steigenden Erwartungshaltung der Eltern, die einerseits auf schnelle Abklärung, aber andererseits auch auf möglichst rasche Entlassung drängen, gerecht zu werden.“

„Die Kinderheilkunde hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt. In vielen Bereichen hat eine extreme Spezialisierung stattgefunden, die einen intensiven Austausch mit Kollegen notwendig macht. Ein Einzelner kann daher eine Abteilung nicht mehr optimal führen. Früher waren Eltern im Krankenhaus nicht so präsent, jetzt sind sie immer involviert. Das bringt einen sehr hohen Informationsbedarf mit sich. Der Arzt ist einem hohen Druck ausgesetzt, auch weil die Erwartungshaltung heute sehr hoch ist.“

„Psychische Probleme im Kinderund Jugendalter nehmen zu. Das Ziel des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes am LKH Feldkirch ist es, Kindern, Jugendlichen und Eltern in schwierigen Situationen mit Wissen und Erfahrung zur Seite zu stehen. In Zusammenarbeit mit den klinischen Fachabteilungen des Hauses und niedergelassenen Ärzten bieten wir professionelle Hilfestellung und Therapiemöglichkeiten an. So können akute Problemstellungen möglichst effizient und nachhaltig entschärft werden.“


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auch deren Eltern mit unserem Wissen und unserer Erfahrung zur Seite zu stehen“, so Menz. Gemeinsames Ziel All den Bemühungen und Initiativen gemeinsam ist das Ziel, die Kinder und Jugendlichen während ihres stationären Aufenthalts einerseits bestmöglich zu umsorgen und medizinisch zu betreuen – und sie andererseits baldmöglichst wieder in die gewohnte Umgebung entlassen zu können. Doch bei allem Verständnis für Eltern, die sich eine rasche Abklärung und Behandlung wünschen – wie so oft sollte auch hier der „gesunde Menschenverstand“ nicht aus den Augen verloren und den Kindern entsprechende Zeit zur Genesung gegeben werden. „So kurz wie möglich, aber so lange wie nötig“, sind sich daher die Verantwortlichen einig. n

Die Kinderabeilungen der ­Landeskrankenhäuser Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am LKH Feldkirch Als Teil des Schwerpunktspitals bietet die Abteilung neben der pädiatrischen Grundversorgung eine Vielzahl spezieller Behandlungen und Therapien an. Die Schwerpunkte reichen dabei von Kinderintensiv und extremen Früh­ge­ burten über die Behandlung angeborener Herzfehler bis hin zur Neuro-Pädiatrischen Versorgung. Zu speziellen Fragestellungen in der medikamentösen Therapie arbeitet die Abteilung, die als akademische Lehrabteilung auch verschiedene wissenschaftliche Themen bearbeitet, intensiv mit klinischen Pharmazeuten von der Krankenhausapotheke zusammen. Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am LKH Bregenz Neben der Grundversorgung wurden von Prim. Doz. Dr. Christian Huemer und seinem Team mehrere fachliche Schwerpunkte gesetzt, wie etwa die Behandlung Rheumatischer Erkrankungen, komplexer Epilepsien und neurologischer Erkrankungen oder angeborener Stoffwechselkrankheiten. Eine Neonatologie sorgt für die optimale Versorgung von Frühgeborenen. In Ergänzung zu den Ärzten und Pflegekräften kümmern sich eine Pädagogin und eine klinische Psychologin um das Wohl der Kinder und Jugendlichen. Pädiatrie am LKH Bludenz Prim. Dr. Raimund Reindl und sein Pflegeteam kümmern sich vor allem um die Grundversorgung der Kinder und Jugendlichen aus der Region. Schwerere Fälle werden ins Schwerpunktspital transferiert. Mit der Pensionierung von Primarius Reindl Ende 2011 wird die pädiatrische Versorgung von zwei am LKH angesiedelten niedergelassenen Kinderfachärzten übernommen.

Kindsein im Krankenhaus

Kinderschutz wird groß geschrieben Nicht immer stammen Verletzungen, die Kinder erleiden müssen, von einem Unfall. Kindesmisshandlung ist heute leider ein Thema, dem wir uns zunehmend stellen müssen – oder vielleicht sollte man sagen: glücklicherweise. Denn immerhin sorgt die gesteigerte Aufmerksamkeit dafür, dass nicht weggeschaut wird und dass das Leid misshandelter Kinder früher erkannt werden kann. Die Kinderschutzgruppen der Landeskrankenhäuser tragen aktiv dazu bei.

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ntsteht bei der Behandlung eines Kindes im Krankenhaus der Verdacht auf eine strafbare Handlung im Sinne von Vernachlässigung, Misshandlung oder Missbrauch, schaltet der behandelnde Arzt bzw. die Ärztin die Kinderschutzgruppe ein. Die interdisziplinäre Gruppe leitet dann alle weiteren Schritte, wie etwa Beweissicherung oder Meldung bei der Jugendwohlfahrt, ein. Das Ziel der Kinderschutzgruppe ist es, Gewalt an Kindern möglichst frühzeitig aufzudecken und zu unterbinden, aber auch Hilfsmaßnahmen einzuleiten, die den Betroffenen ermöglichen sollen, ohne Gewalt auszukommen. „Denn oft entsteht Kindesmisshandlung aus massiver Überforderung“, weiß Psychiater Dr. Ingo Kitzelmann, Leiter der Kinderschutzgruppe am LKH Feldkirch. Im Jahr werden von ihm und seinem Team rund 20 Fälle bearbeitet, wobei auch einzelne Fälle aus dem LKH Bludenz bei Bedarf mitbetreut werden. Im LKH Bregenz sind es rund 25 Fälle jährlich, um die sich die Kinderschutzgruppe rund um OA Dr. Kurt Schlachter von der Pädiatrie kümmert. „Gewalt an und Vernachlässigung von Kindern belasten alle Betroffenen. Auf der Abteilung versuchen wir über die Arbeit der Kinderschutzgruppe hinaus mit gezielten Projekten, wie etwa Beratungsangeboten für junge Eltern in Zusammenarbeit mit externen Netzwerkpartnern, entgegen zu steuern – mit dem erklärten Ziel, dass es erst gar nicht zu Gewalt und Vernachlässigung kommt“, so Schlachter. n 9


Aus den Häusern

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Den genetischen Zusammenhängen auf der Spur Humangenetische Sprechstunde im LKH Feldkirch

Doz. Dr. Dieter Kotzot „Eine genetische Beratung soll Betroffenen und Angehörigen helfen, Ursachen und Risiken einer vorliegenden oder vermuteten genetischen Erkrankung besser zu verstehen und sie in die Lage versetzen, Entscheidungen selbst treffen zu können.“

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ei manchen Erkrankungen spielt die Genetik eine entscheidende Rolle. Mit den komplexen genetischen Zusammenhängen sind jedoch oft nur Spezialisten vertraut. Um in Vorarlberg die Diagnose und Behandlung seltener, genetisch bedingter Krankheiten zu verbessern bzw. die Betroffenen beim Umgang mit diesen Krankheiten zu unterstützen, initiierte Prim. Prof. Dr. Burkhard Simma, Leiter der Kinder- und Jugendheilkunde im LKH Feldkirch, gemeinsam mit Prof. DDr. Johannes Zschocke, Sektionsleiter der Humangenetik der medizinischen Universität Innsbruck, die „Humangenetische Sprechstunde“ am LKH Feldkirch. „Ursprünglich war nur eine Sprechstunde pro Quartal geplant, aber aufgrund der großen Nachfrage bieten wir die Beratung nun einmal im Monat an“, erklärt Doz. Dr. Dieter Kotzot, Facharzt für Humangenetik an der Medizinischen Universität Innsbruck, der einmal monatlich nach

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Vorarlberg reist, um die Sprechstunde abzuhalten. Eine Zuweisung erfolgt über einen niedergelassenen Facharzt. Die Sprechstunde umfasst eine ausführliche Analyse der medizinischen Vorgeschichte, die Aufzeichnung eines Familienstammbaums über drei Generationen und gegebenenfalls eine Untersuchung des Kindes. Die Eltern werden eingehend über die genetischen Zusammenhänge informiert und über mögliche Konsequenzen aufgeklärt. Die Erkenntnisse aus der Untersuchung fließen in der Folge in die Behandlung des Kindes und gegebenenfalls in die weitere Familienplanung ein. „Wir geben jedoch keine konkreten Handlungsempfehlungen ab. Die genetische Beratung soll Betroffenen und ihren Angehörigen vielmehr helfen, Ursachen und Risiken einer vorliegenden oder vermuteten genetischen Erkrankung besser zu verstehen und sie in die Lage versetzen, anstehende Entscheidungen selbst treffen zu können“, so Dr. Kotzot. n


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Aus den Häusern

Mit Sicherheit und Qualität zum Wunschkind Im Kinderwunschzentrum Vorarlberg steht – neben der sehr persönlichen und serviceorientierten Betreuung der Kinderwunschpaare – Qualität an oberster Stelle. Bereits im April 2009 wurde das Qualitätsmanagement-System des Kinderwunschzentrums, das im Schwerpunktspital Feldkirch angesiedelt ist, nach ISO Standard 9001:2008 zertifiziert. Nun wurde mit dem Gütesiegel des Bundesamts für Sicherheit im Gesundheitswesen in Punkto Sicherheit und Qualität noch eins draufgesetzt.

D Nadine Ströhle „Ich fühle mich im Kinderwunschzentrum rundum gut betreut. Das ganze Team ist sehr freundlich und alle sind jederzeit um Lösungen bemüht, wenn es mal Probleme gibt. Auch mein Partner wird stets mit einbezogen, was für mich sehr wichtig ist.“

Das Team des Kinderwunschzentrums Vorarlberg: OA Dr. Richard Mangold, DGKS Christine Huber, OA Dr. Norbert Loacker, OA Dr. Elmar Verocai und Biologe Mag. Lukas Ebner (v.l.n.r.) 

as ISO-Zertifikat ist der formale Nachweis dafür, was tagtäglich geleistet und gelebt wird: eine Behandlung auf qualitativ höchstem Niveau. „Konkret bestätigt die ISO-Zertifizierung, dass alle Arbeitsabläufe innerhalb des Kinderwunschzentrums hinsichtlich Struktur, interdisziplinärer Zusammenarbeit und Qualitätssicherung nach modernsten Qualitätsmanagement-Richtlinien organisiert sind“, erklärt der leitende Arzt, OA Dr. Norbert Loacker. Für Patienten bedeutet dies das gute Gefühl, nicht nur individuell und zuvorkommend betreut, sondern auch medizinisch optimal behandelt zu werden.

Umsetzung von EU-Standards Basierend auf dem ISO-Zertifikat wurde das Kinderwunschzentrum nun neuerlich einer Prüfung unterzogen. Grund dafür war der Beschluss des EU-Parlaments, einheitliche Qualitäts- und Sicherheitsstandards für die Arbeit mit Gewebe einzuführen. Das Kinderwunschzentrum im LKH Feldkirch wurde als erstes Kinderwunschzentrum in Vorarlberg erfolgreich geprüft und konnte das Zertifikat des Bundesamts für Sicherheit im Gesundheitswesen entgegennehmen. Einziger Komplettanbieter in Vorarlberg Das seit 2008 im LKH Feldkirch angesiedelte Kinderwunschzentrum ist in die Infrastruktur der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe unter der Leitung von Prim. Dr. Peter Schwärzler eingebettet. Dies und die hervorragende Zusammenarbeit mit weiteren Einrichtungen im Hause macht das Kinderwunschzentrum zu Vorarlbergs einzigem Komplettanbieter in Sachen Kinderwunsch – von der Erstberatung über die pränatale Diagnostik bis hin zur Geburt. n

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Mikrokosmos OP

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Künstler im Verborgenen Sie leisten schier Unglaubliches: Die flinken HelferInnen im OP. „LKH Luag a!“ durfte bei einer Operation Eindrücke sammeln. 8:00 Uhr morgens, Treffpunkt Frauenschleuse. Nüchtern. Nicht weil ich selbst auf den OP-Tisch komme, sondern als Präventivmaßnahme. Ich möchte der freundlichen Mannschaft hier im LKH Bregenz schließlich nicht den Arbeitsbereich und noch weniger den Tag verderben. Heute geht es ans Eingemachte: mir wird ein Blick in sämtliche OPSäle des Hauses gewährt. Obwohl: Einer reicht mir. Also, ab in die Frauenschleuse. Da gibt es ein schickes Kostüm, ganz in medizinergrün gehalten. Eine frisurzerstörende Haube und der obligate Mundschutz, der zwar meine Brille beschlagen lässt, aber womöglich ist es sowieso besser, wenn ich einen Weichzeichner à la David Hamilton auf der Nase habe. 12


DAS MAGAZIN DER

p Handwerkliches Geschick und technisches Verständnis sind optimale Voraussetzungen für die OP-Pflege

Über den hundertprozentigen Durchblick verfügen hier ohnehin andere, das erkenne ich, als mich Mag. Sieglinde Gsöllradl, Fachbereichsleiterin OP, in die Organisation und Logistik einweiht. Mir gehen schier die getrübten Augen über, als ich erkenne, was für ein immenser Aufwand eine einzige Operation mit sich bringt. Meterlang reihen sich an die 300 wertvolle, mit Instrumenten bestückte Baukästen, so genannte „Siebe“, aneinander. Allein hundert von diesen Containern sind für Unfälle vorgesehen. Der Inhalt gleicht einem Werkzeugkasten: Instrumente, die aussehen wie Winkel oder Flacheisen, Schrauben und Nägel in jeder Form und Farbe, an denen jeder Hobbyhandwerker seine helle Freude hätte. Farbige Deckel machen eine Zuteilung leichter: Die blauen Boxen sind für die Chirurgie bestimmt, die gelben gehören passenderweise zur Urologie, schwarz ist für die HNO und hoffnungsvolles Grün für die Gynäkologie reserviert. Es ist eine kaum bezifferbare Anzahl an Gerätschaften, die individuell zum Einsatz kommt. Manches klingt geradezu gefährlich: „Stichsäge“ lese ich etwas verwirrt auf einer Box... Eingespieltes Team Nach einem Leitfaden wird jeder Eingriff minutiös geplant. Doch die Arbeit fängt schon viel früher an: Ein genauer OP-Plan sowie die Saal- und Personaleinteilung muss im Vorfeld erstellt werden. „Dabei versuche ich, Rücksicht auf

Mag. Sieglinde Gsöllradl „Die Arbeit im OP erfordert hohen persönlichen Einsatz, sie ist aber auch sehr abwechslungsreich und spannend. Die gute Teamarbeit motiviert uns alle täglich neu.“

Mikrokosmos OP

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Operateure und OP-Pflege bilden ein eingespieltes Team 

p Beim Instrumentieren muss jeder Griff sitzen.

die Wünsche des 28-köpfigen OP-Pflege-Teams zu nehmen“, sagt Sieglinde Gsöllradl, die neben ihrem intensiven Beruf noch ein geisteswissenschaftliches Studium absolvierte und jetzt das Doktorat anpeilt. Die gebürtige Oberösterreicherin scheint – man glaubt es kaum – den totalen Überblick über die Abläufe zu haben. 31 Jahre ist sie schon hier in Bregenz und seit 1974 im OP-Einsatz. Aha, deshalb. „Im Schnitt ist hier jeder über zehn Jahre dabei“, sagt sie nicht ohne Stolz. OP-Helfer Dietmar ist seit 28 Jahren im OP. Er erklärt mir die heutige Operation anhand einer Zeichnung. Ein 88 Jahre alter Mann hat einen Nabelbruch erlitten. Nun muss die Bauchdecke geöffnet und der Riss im Peritoneum (Bauchfell) geschlossen werden. In der Zwischenzeit wird der Patient

für die Operation vorbereitet, gewaschen und seine Daten erfasst (Diagnosen, Dokumentation). Auch die Anzahl an Tupfern, Tüchern und was sonst noch an Material verwendet werden kann, wird gezählt, per EDV dokumentiert und das Protokoll vom Pflegepersonal unterschrieben. Die ganze Liste wird ausgedruckt und mit in den OP-Saal gereicht. „Außerdem ist es ganz wichtig, dass der Patient eindeutig identifiziert wird“, betont Gsöllradl. Ein farbiges Namensband am Handgelenk gibt Aufschluss darüber, aber auch am Bett wird der Name überprüft, genauso wie die Krankengeschichte. Vertrauen ist gut, Kontrolle besser. Es ist schließlich schon mal vorgekommen, dass ein anderer Patient – genauer ein Kind – im Bett lag, als erwartet. Zwei kleine Patienten hatten am Abend zusammen gespielt und waren dann jeweils im anderen Bett eingeschlafen. „Das haben wir natürlich aufklären können“, sagt die OP-Chefin mit einem Lächeln. Vorausschauende Planung Jeder Schritt ist also mit äußerster Vorsicht und Präzision geplant. Der OP-Saal ist mit allem Notwendigen bestückt – auch Nähmaterial gibt es hier in allen Variationen, von auflösend bis geknüpft, dick oder dünn. Mittlerweile ist der Patient identifiziert, die betreffende Stelle vom Pflegepersonal desinfiziert. OP-Gehilfe Dietmar kümmert sich um eine optimale Position des Patienten, der bereit für die Anästhesie ist. „Bei diesem Herrn handelt es sich um einen Risikopatienten“, erklärt der Arzt. Wegen des hohen Alters kann ihm keine Vollnarkose zugemutet werden. So wird die betreffende Stelle am Oberbauch lokal betäubt, und der Patient erhält ein leichtes Schlafmittel. Feingefühl und Fachkompetenz ist dabei gefragt. Zwei „Nachwuchsmediziner“ dürfen dem Anästhesisten über die Schulter schauen. Beim heutigen Eingriff befinden sich sieben Personen im Raum. Üblicherweise sind zwei Operateure bei der Arbeit, ein Anästhesist und eine 13


Mikrokosmos OP

Schwester bzw. ein Pfleger. Je nach Umfang und Schwere der OP kann das Team aber auch deutlich erweitert werden. Die Operation beginnt. Die OPSchwester steht links vom Operateur, ihm gegenüber unterstützt ihn eine Assistenzärztin. Gemeinsam zählen OP-Gehilfe Dietmar und OPSchwester Sandra Horvath-Gog, die als erfahrene Instrumentarin dem Arzt das jeweils Benötigte reicht, die Tupfer, die jetzt verwendet werden. Sie haben einen Röntgenstreifen, damit sie, falls sie in den unendlichen Weiten des Bauchraums verloren gehen, schnell lokalisiert werden können.

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Hochkonzentriert Ich habe mich in einen Winkel verschanzt, in sicherem Abstand zum sterilen „Besteckwagen“. Als das Skalpell zum Einsatz kommt und es blutig wird, setze ich mich und zähle lieber die 20 Klemmen, die auf dem Instrumentensieb liegen. Operateur und Schwester arbeiten flink und hoch konzentriert, allerdings nicht gerade zimperlich. Wenn ich müsste, würde ich die Haut und das nun teilweise sichtbare „Innenleben“ behandeln wie rohe Eier. Was wahrscheinlich wenig zielführend wäre. Aber zumindest ist mir nun klar, warum Eingriffe durch die Bauchdecke so lange spürbar sind. Jetzt sehe ich, wie der Operateur ein weißes Netz in den

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Bauch setzt. Das soll die Bruchlücke verschließen. Die verwendeten Tupfer landen vor mir auf dem Abwurftisch und werden penibelst abgezählt. Ich bin mir sicher, dass ich genauso erleichtert bin wie der Patient, als alles wieder an seinem Platz ist und die Näharbeit beginnen kann. Am Schluss wird ein großes Pflaster über den relativ kleinen Schnitt geklebt. „Es ist alles gut gegangen“ höre ich den Arzt mit einer gewissen Erleichterung und einem Seitenblick auf mich sagen. „Prima haben Sie es gemacht“, wird der Patient gelobt, als er aufwacht. Der murmelt noch ganz benommen: „Was, schon fertig?“ n

Was schätzen Sie an Ihrem Beruf?

Ulli Rein, leitende OP-Schwester OP Ost, LKH Feldkirch

Karin Blaschko, Leitung OP, LKH Hohenems

Andrea Kröll, leitende OP-Schwester, LKH Bludenz

Die Arbeit im OP ist nicht nur ein Job, es ist Berufung. Entweder man ist vom OP fasziniert oder man meidet ihn. Ein Dazwischen gibt es nicht, und wenn doch, wirkt sich das auf die Arbeit aus. Die Arbeit ist abwechslungsreich, faszinierend und spannend. Man weiß während der Operation nie genau, was kommt, und muss deshalb sehr flexibel, vorausschauend und auch kreativ sein. Die Arbeit am OP-Tisch sollte eine Symbiose zwischen Instrumentarin und Operateur sein – wenn dies gelingt, ist ein wortloses, harmonisches Arbeiten möglich. Die Arbeitszeiten im OP sind sehr mitarbeiterfreundlich.

In einem Operationssaal herrscht eine ganz besondere Atmosphäre. Verantwortung und Präzision liegen in der Luft. Als OPSchwester/-Pfleger ist man mit so vielen Aufgaben konfrontiert, dass Langeweile praktisch nicht existiert. Verantwortungsbewusstsein und Interesse für High-tech machen das Instrumentieren spannend. Miterleben wie die menschliche Anatomie „repariert“ werden kann und auch selbst dazu beitragen, macht jeden Arbeitstag aufs Neue interessant. Trotz Selbständigkeit ist die OP-Pflege wesentlicher Teil eines interdisziplinären Teams. Auch die Mitwirkung an Planung und Organisation sowie der tägliche Umgang mit Menschen tragen wesentlich zur Abwechslung bei.

Der OP ist ein Funktionsbereich, der an alle, ob in der Pflege oder im ärztlichen Bereich physisch aber auch psychisch vor große Herausforderungen stellt. Es braucht gutes Konzentrationsvermögen und Flexibilität, um sich rasch auf veränderte Situationen einstellen zu können. Wichtige Voraussetzungen sind die Fähigkeit, im Team zu arbeiten, sowie technisches Verständnis, Lernbereitschaft und ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Die Aufgabenstellungen für die OP- Pflege sind sehr komplex, Sicherheit für unsere Patienten steht an oberster Stelle. Mein Interesse am OP wurde schon in meiner Ausbildung vor über 25 Jahren geweckt, die Faszination für diesen sensiblen, hoch technischen Bereich mit seinen vielseitigen Anforderungen ist geblieben. Mein Team unterstützt und motiviert mich, um diese Herausforderungen täglich anzunehmen.

Was eine OP-Pflegekraft auszeichnet Den ganzen Tag im OP stehen und voll konzentriert arbeiten: dafür ist nicht jeder geschaffen. Doch der Beruf ist nicht nur herausfordernd, sondern auch erfüllend, und Operateure schätzen eine professionelle OP-Kraft immens. Drei Jahre dauert die Ausbildung zur Diplompflegekraft, dann folgt eine zweijährige Zusatzausbildung zur/m OP-Schwester/-Pfleger, ein Jahr davon bereits als „Praktikant“ im OP. Eine gute OP-Kraft sollte über eine hohe Sozialkompetenz verfügen, immer einen Schritt voraus denken, mit Zeitdruck gut umgehen können und über ein breites Fachwissen verfügen. Mehr Infos unter: www.lkhf.at/schule > Sonderausbildungen >>> Lesen Sie in der nächsten Ausgabe von „LKH luag a!“: OP West am LKH Feldkirch – ein Team stellt sich vor!

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Thementitel

Führungspersönlichkeiten im Gespräch: Primar Dr. Albert Lingg

Rock’n’Roll im Blut

Wandlungsfähig ist er, begeistern kann er. Ob als wilder Rock’n’Roller auf der Bühne oder als anerkannter Fachexperte – stets macht er eine gute Figur. Auch mit bald 62 Jahren überzeugt der Leiter der Psychiatrie am LKH Rankweil Patienten und Fans gleichermaßen.

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Einblicke

LKH luag a!: Ich stelle mir vor, als Psychiater sieht man die Menschen etwas „anders“ – im Sinne von differenzierter und vielleicht auch kritischer – als der Durchschnittsbürger. Muss man sich davor in acht nehmen, die Menschen in seiner Umgebung nicht ständig zu „analysieren“? Primar Dr. Albert Lingg: Tatsächlich glauben viele, dass wir Psychiater sie durchschauen. Aber ich kann Sie beruhigen, dem ist nicht so. Es wäre ein typischer Anfängerfehler, sein Umfeld dauernd zu analysieren, und man gewöhnt es sich rasch ab, weil es für alle mühsam ist. Aber natürlich ziehe ich aus meiner Erfahrung Menschen einzuschätzen einen gewissen Nutzen, um mich selbst besser zu schützen. Gibt es berufliche Erlebnisse und Erfahrungen, die auch einen erfahrenen Arzt wie Sie belasten können? Und wenn ja, wie schaffen Sie es damit umzugehen?

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lie – Eltern, Geschwister, aber auch meine eigene Familie haben mir immer Halt und Sinn gegeben. Der Rest ist die Überlegung: Was brauche ich, um gesund und belastbar zu bleiben? Sie arbeiten schon über drei Jahrzehnte als Psychiater, die meisten davon als Primarius. Gibt es auch bei Ihnen manchmal Ermüdungserscheinungen? Und wie schaffen Sie den Ausgleich zum oft stressigen Arbeitsalltag? Ermüdungserscheinungen gibt es durchaus. Ich habe auf der Abteilung als junger Primararzt – ich war immerhin erst 32 Jahre alt, als ich die Funktion antrat – eine Situation angetroffen, die über viele Jahre sehr viel Einsatz erfordert hat. 60, 70 Stunden pro Woche waren damals an der Tagesordnung. Durch eine gute Konstitution und viel Leidenschaft für den Beruf habe ich das gut gemeistert. In letzter Zeit aber bemerke ich öfter mal Verschleißerscheinungen. Ich denke, das hat auch damit zu tun, dass sich die Szenerie nicht gerade zum Vorteil verändert hat. Was meinen Sie damit konkret?

Belastend sind in unserem Beruf zum Beispiel Suizide, die uns ganz klar unsere Grenzen aufzeigen. Besonders belastend ist es für mich auch, wenn sehr junge Menschen an schweren psychischen Störungen leiden. Insbesondere, wenn sie im selben Alter wie meine eigenen Kinder sind, ist es schwierig, die Professionalität zu bewahren. Aber man muss lernen, mit den Patientenschicksalen möglichst sachlich umzugehen, sonst würde man vor Mitleid geradezu davonschwimmen, bzw. nicht die Entscheidungen treffen können, die zu treffen sind. Um professionell arbeiten zu können, muss man sehr genau auf die eigene Psychohygiene achten. Ich habe zum Glück einen guten Rückhalt in meiner Großfami16

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Die Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen haben sich sehr geändert. Der ökonomische Druck ist deutlich größer und auch die Erwartungshaltung der Patienten ist eine andere. Gesellschaftliche Veränderungen schlagen gerade in unserem Fach voll durch, weil die Erkrankungen stark zunehmen. Positiv ist zu bewerten, dass sich das Bild der Psychiatrie komplett gewandelt hat. Der alte Schrecken konnte abgebaut werden, das Image hat sich sehr gewandelt. Es ist heute kein Tabu mehr, sich in psychiatrische Behandlung zu begeben – es liegt geradezu im Trend. Früher hatten die Patienten Angst, nicht mehr aus der Valduna rauszukommen, heute haben Sie Angst, nicht hineinzukommen. Zu den Veränderungen in der öffentlichen Wahrnehmung haben die allgemeinen Entwicklungen, aber vor allem auch die herausragenden Leistungen meiner Mitarbeiter beitragen, wofür ich ihnen an dieser Stelle speziell danken möchte. Womit wir beim Thema Mitarbeiter wären. Als Leiter der Abteilung, aber auch als langjähriger Chefarzt sind Sie Teil der obersten Führungsebene des LKH Rankweil. Wie würden Sie Ihren – offensichtlich erfolgreichen – Führungsstil beschreiben?

Zu meiner Zeit war es für Mediziner noch nicht üblich, Managementkurse zu besuchen. Dass ich eine gewisse Begabung fürs Organisieren und „Managen“ habe, rührt sicher daher, dass ich in einem Hotel aufgewachsen bin, wo diese Fähigkeiten unerlässlich sind. Zudem setze ich auch heute mehr auf Handschlagqualität, als auf schriftliche Dienstanweisungen. Die direkte Kommunikation ist meiner Ansicht nach immer noch die beste. Wichtig ist mir auch, dass der gesunde Menschenverstand Geltung haben darf und soll. Daher bevorzuge ich den kollegialen Führungsstil und verstehe mich als „primus inter pares“, als Erster unter Gleichen. Sie haben es ja nicht nur als Arzt, sondern auch als Musiker zu einer ansehnlichen Bekanntheit mit hohen Sympathiewerten gebracht. Ihre Auftritte als MickJagger-Double sind schon jetzt legendär. Wie erleben Sie Ihre Popularität? Das alles hat sich für mich doch sehr überraschend entwickelt. Meinen bescheidenen Erfolg im musikalischen Bereich verdanke ich vor allem einer ausgezeichneten Band, beziehungsweise herausragenden Musikern, die mich mit ihrer Begeisterung mitreißen. Und den Leuten macht es offensichtlich Spaß, den Chefarzt einmal anders zu erleben – wobei manche von dieser Rolle auch etwas irritiert sind, aber das ist eher selten. Meine Autorität als Arzt– so zumindest mein Eindruck – hat durch meine musikalischen Ambitionen aber nicht gelitten. Im Gegenteil. Für mich selbst ist das Singen ein optimaler Ausgleich.


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Und wie kamen Sie gerade auf Mick Jagger? Ich bin seit frühesten Tagen der Meinung, dass die Rolling Stones Rock’n’Roll am besten rüberbringen und dass sie eine überzeugende Botschaft – vor allem was den Zeitgeist anbelangt – haben. Daraus hat sich eine lebenslange Anhängerschaft ergeben. Das heißt, Sie sind ein echter Fan? Nein, ich bin mehr als das – fast schon ein Gläubiger (lacht). Neben der Musik liegt Ihnen, wie ich weiß, auch die Ausbildung des Pflegenachwuchses sehr am Herzen. So sind Sie seit vielen Jahren für die Psychiatrische Pflegeschule in Rankweil im Einsatz. Was bewegt Sie zu diesem zusätzlichen Engagement? Ja, ich bin tatsächlich schon seit 25 Jahren in der Schule aktiv. Zuerst als Schulleiter und heute – da es einen eigenen operativen Schulleiter gibt – als medizinischer Leiter. Auch heute noch unterrichte ich viel und gerne. Ich denke, unsere Schule ist der wesentliche Faktor, dass die Versorgungsqualität in der psychiatrischen Pflege wesentlich verbessert werden konnte. Daher ist dieser Einsatz so wichtig. Mein Herzenswunsch ist, dass auch die Kollegen das so sehen und dass die Tradition weitergeht. Denn auch für Fachkräfte gilt: wie man sie zieht, so hat man sie. Wir haben in den letzten Jahren dank des fähigen Eigenbaus uns selbst und auch den extramuralen Bereich gut versorgen können.

Hat man als psychiatrische Diplompflegekraft denn auch außerhalb des Krankenhauses gute Jobaussichten? Ja, weil auch hier ein Wandlungsprozess im Gange ist. Zudem haben wir schon seit rund zehn Jahren neben Psychiatrie und Neurologie auf den Schwerpunkt Geriatrie gesetzt – und gerade hier steigt der Bedarf an Fachkräften aufgrund des demografischen Wandels stetig.

Psychiatrie in Vorarlberg mitgestalten konnte. Danach werde ich mich ins Privatissimum zurückziehen. Vielleicht als Mesmer und Wanderführer im Bregenzerwald (lacht). Glauben Sie wirklich, von heute auf morgen ‚abschalten’ zu können?

Sie sind, wie ich weiß, seit vielen Jahren verheiratet und haben fünf inzwischen erwachsene Kinder und bereits drei Enkel. Welchen Stellenwert hat für Sie – insbesondere vor dem Hintergrund beruflichen Erfolgs – das Lebenskonzept Familie? Ich habe meine Frau kennengelernt, als ich noch Student war. Sie stammt aus Holland und kam – eigentlich nur zum Skifahren – in den Bregenzerwald. Hier ist sie dann ‚hängen geblieben’. Wenn ich auf etwas stolz sein sollte – stolz soll man ja nicht sein – dann darauf, dass wir fünf aufrechte und aufrichtige Kinder groß gezogen haben. Das ist natürlich in erster Linie meiner Frau zu verdanken, die zu Hause das Schiff auf Kurs und mir den Rücken frei gehalten hat. Früher konnten die Kinder etwas von mir lernen, heute ist es umgekehrt. Es sind durchwegs kritische Geister, die auch in meinen Ansichten einiges verändert haben. Meine Tochter etwa hat die Psychiatrische Pflegeschule absolviert. Das war sehr spannend und auch für mich Anlass, eingefahrene Wege zu verlassen. Mit nunmehr 28 Jahren im Amt sind Sie inzwischen der dienstälteste Primararzt aller fünf Landeskrankenhäuser. Wie stellen Sie sich die nächsten Jahre vor? Ich habe bis vor kurzem nie an die Pension gedacht. Zuletzt aber doch häufiger. Und ich war guter Hoffnung – auch vor dem Hintergrund, um mich fähige und treue Oberärzte zu wissen – meine Krankenhauslaufbahn ruhig ausklingen zu lassen. Aber stattdessen werden anstehende strukturelle Veränderungen in der psychiatrischen Versorgung und umfangreiche Bauvorhaben auf unserer Abteilung mich noch einmal aus der letzten Reserve locken. Ich werde dann mit sehr viel Dankbarkeit auf meine Zeit zurückschauen, weil ich mit vielen anderen wertvollen Mitstreitern eine wichtige Epoche der

Ich habe ja neben meinem Beruf noch sehr viele Ehrenämter, die mir am Herzen liegen. So bin ich im Präsidium der Lebenshilfe, bei der Telefonseelsorge, beim Verein Seelische Gesundheit, beim Kuratorium Stiftung Maria Ebene sowie im Landessanitätsrat aktiv. Ich erschrecke jedes Mal selbst über die Vielzahl an Aufgaben. Man könnte fast meinen, ich sei ein ‚Gschaftlhuber’, aber in einem kleinen Land wie unserem ist man sehr bald vernetzt, und Ehrenämter sind ja nicht gerade hoch begehrt. Aber auch aus diesen Funktionen werde ich mich sukzessive zurückziehen. Dann sollen Jüngere ans Werk, und ich widme mich meinen vielseitigen Interessen: Wandern im Bregenzerwald, Bücher lesen und selbst schreiben, Musik hören und auch ein bisschen machen – und natürlich Fußball schauen. Kein Spiel von Austria Lustenau wird mir dann mehr entgehen... Vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person Primar Dr. Albert Lingg geboren am 1.10.1949 in Au im Bregenzerwald wohnhaft im Feldkirch verheiratet mit Grietje fünf erwachsene Kinder

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Schnell und scharf Neues MRT-Gerät in Rankweil in Betrieb Die Nachfrage nach Untersuchungen mittels Magnetresonanztomografie (MRT) steigt. Gerade im neurologischen Bereich ist die Technologie inzwischen unverzichtbar. Das LKH Rankweil verfügt seit April über eines der stärksten und modernsten MRT-Geräte im Land.

M

itte März hat die Zukunft in Rankweil begonnen: ein riesiger Sondertransport lieferte das Gerät, „auf das wir warten, seit es die Neurologie gibt“, so Pflegedirektor Norbert Schnetzer schmunzelnd. Das neue MRT-Gerät, das fast liebevoll nur „3 Tesla“* genannt wird, stellt in Punkto Qualität und Leistung landesweit eine Premiere in öffentlichen Krankenhäusern dar.

 Per Kran ins neue „Zuhause“: die spektakuläre Anlieferung des neuen MRT im LKH Rankweil.

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Dir. Norbert Schnetzer

Prim. Dr. Stefan Koppi

OA Dr. Andreas Fussenegger

Jodok Ratz RT

Prim. Doz. Dr. Manfred Cejna

„Das neue MRTGerät bedeutet für uns eine wichtige Qualitätsverbesserung – insbesondere für schwerstkranke Patienten in der akuten Nachsorge“.

„Insbesondere in der Neuro-Radiologie darf mit besonders vertiefter Expertise für ganz Vorarlberg gerechnet werden.“

„Von der besseren Bildqualität erwarten wir uns in vielen Bereichen ein effizienteres und stichhaltigeres Befunden“.

„Aufgrund der hohen Feldstärke des Geräts müssen Gefahrenquellen durch Metall oder Implantate ausgeschaltet werden.“

„Es gilt im Einzelfall zu entscheiden, ob der ‚1,5 Tesla’ in Feldkirch oder der ‚3 Tesla’ in Rankweil das Gerät der ersten Wahl darstellt“.

Für die Mannschaft im LKH Rankweil war es vor allem eine logistische Herausforderung, den durchaus voluminösen Apparat an seinen Bestimmungsort zu transferieren: Durchgänge mussten möglich gemacht, Türen vergrößert und ein neuer, gesicherter Arbeitsbereich geschaffen werden. Optimierte Abläufe, verbesserte Diagnostik Die Erleichterung beim Pflegedirektor ist spürbar. „Bisher wurden alle MRT-Untersuchungen außerhalb, d.h. beim niedergelassenen Radiologen oder am LKH Feldkirch durchgeführt. Das bedeutete eine gewisse Belastung durch Transport und Wartezeit für die betroffenen Patienten“, so Schnetzer. Auch für das Pflegepersonal war der Transfer mit zusätzlichem Aufwand verbunden, vor allem die Vorbereitung und Begleitung der Patienten nahm zusätzliche Zeit in Anspruch. „Dank des neuen ‚3 Tesla’ und der dadurch optimierten Diagnostik ist die Behandlung unserer Patienten wieder ein Stück besser geworden, denn nun können Radiologen und Neurologen vor Ort zusammenarbeiten und sich austauschen. Insbesondere in der Neuro-Radiologie darf mit besonders vertiefter Expertise für ganz Vorarlberg gerechnet werden“, freut sich auch Primar Dr. Stefan Koppi, Leiter der Neurologie am LKH Rankweil, über den ersehnten Neuzugang. Nettes Detail am Rande: Das neue MRT-Gerät ist direkt unter Koppis Büro platziert – und das hätte sich der Primar in seinen „kühnsten Träumen nicht erwartet“. Umstellung auch fürs Team Ein Großteil der nun neu anfallenden radiologischen Aufgaben übernimmt

ein rotierendes Team der Radiologie am LKH Feldkirch, bestehend aus zwei Fachärzten und fünf RadiologieTechnologen. Jodok Ratz ist einer von ihnen und Systemverantwortlicher, „seit es die Magnetresonanz gibt“, wie er sagt. Er freut sich auf eine neue, spannende Tätigkeit, denn die Arbeit am „3 Tesla“ unterscheide sich in vieler Hinsicht zum gewohnten 1,5-Tesla-Gerät. Auf der einen Seite ist die Liegezeit der Patienten bei der minimierten Scan-Zeit in vielen Fällen deutlich kürzer, andererseits müsse aufgrund der hohen Feldstärke eine umfassendere Abklärung und Aufklärung mit Patienten stattfinden und Gefahrenquellen durch Metall oder Implantate ausgeschaltet werden. Auch gäbe es Variablen, mit denen man „spielen“ könne: wird Priorität auf Geschwindigkeit gelegt, weil der Patient in schlechtem Zustand ist? Oder geht es in erster Linie um ein klareres Bild? „Ein Vorteil liegt auch darin, dass weniger Kontrastmittel gegeben werden muss, dafür sind 3-Tesla-MRTs anfälliger für Störungen, so genannte Artefakte“, sagt Ratz. „Einsetzen, wo es Sinn macht“ „Wo die Präferenzen im Einzelfall liegen, entscheidet der zuständige Radiologe“, betont OA Dr. Andreas Fussenegger. „Durch die detailliertere Bildgebung erwarten wir uns in vielen Bereichen ein effizienteres, stichhaltigeres Befunden“. Bilder von Fasersträngen bzw. Nervenbündeln etwa, sogenannte „Fiber Tract“-Darstellungen, sind mit dem neuen Gerät deutlich besser möglich. Der Leiter der Radiologie, Primar Doz. Dr. Manfred Cejna, relativiert: „Der ‚3 Tesla’ bedeutet eine Qualitätsverbesserung,

er ist aber sicher nicht ein Gerät für alles. Die Patientenströme von und nach Rankweil werden sich verändern. Es wird Bereiche geben, wo eine Untersuchung mit dem ‚1,5 Tesla’ am LKH Feldkirch die ideale Untersuchung darstellt – und umgekehrt. Wir werden uns danach richten, was im Einzelfall die optimale Lösung ist, und die Geräte so einsetzen, dass es für den Patienten und den Zuweiser Sinn macht.“ Die Einschulung am neuen MRT hat Mitte April begonnen. Seitdem haben Jodok Ratz und Andreas Fussenegger einige Stunden im „3 Tesla“ zugebracht. Denn die beiden haben sich als Probanden zur Verfügung gestellt – und versprechen mit einem Lachen: „Wir muten den Patienten nichts zu, was wir nicht selber machen würden“. n

Gut zu Wissen! Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist ein bildgebendes Verfahren, das in der medizinischen Diagnostik zur Darstellung der Struktur, Funktion und möglicher krankhafter Veränderungen der Gewebe und Organe im Körper eingesetzt wird. Im MRT-Gerät wird statt Röntgenstrahlung die „magnetischen Grundeigenschaften“ der Gewebe in einem starken Magnetfeld für die Bilderstellung genutzt. *„Tesla“ bezeichnet die Einheit für die Stärke des im MRT-Gerät erzeugten Magnetfeldes. Der neue „3 Tesla“ MRT in Rankweil erzeugt also ein doppelt so starkes Magnetfeld als der im LKH Feldkirch eingesetzte „1,5 Tesla“-MRT.

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Einblicke

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Wäsche, soweit das Auge reicht...

Tausende Wäscheteile waschen, bügeln und zusammenlegen. Von morgens bis abends, fast rund um die Uhr. Der Albtraum jeder Hausfrau ist das Kerngeschäft von Berendsen in Hard. Ein Lokalaugenschein.

T

äglich kommen hier rund 35 Tonnen Wäsche an, um wenig später hygienisch gereinigt an Gesundheitseinrichtungen in Vorarlberg, Süddeutschland, Tirol und Südtirol ausgeliefert zu werden. Auch die Landeskrankenhäuser gehören zu den zufriedenen Kunden der Firma Berendsen mit Sitz in Hard. Einen Eindruck der gewaltigen Dimensionen im größten Wäschereibetrieb Vorarlbergs erhielten die Hygienekontaktpersonen der Landeskrankenhäuser Feldkirch und Hohenems bei einer äußerst interessanten Betriebsbesichtigung, die für LKH luag a! festgehalten wurde. Frische Wäsche auf Knopfdruck Ein Projekt, das in den kommenden Monaten die Landeskrankenhäuser in Vorarlberg betreffen wird, ist die Umstellung der Personalwäscheversorgung auf das Automatensystem „Unimat“. Das Funktionsprinzip beruht darauf, dass die MitarbeiterInnen keine „eigene“ 20

p Spannende Einblicke bot die Besichtigung der BerendsenGroßwäscherei in Hard.

Dienstkleidung mehr haben, sondern dass es ein bestimmtes Wäschekontingent für jede einzelne Berufsgruppen gibt. Die Ausgabe der Kleidung an den/die einzelne/n Mitarbeiter/in erfolgt über einen Automaten. Die Kennung am Unimat erfolgt über einen Chip, der mit den Daten des Mitarbeiters (Berufsgruppe, Kleidergröße etc.) gefüttert ist. Jedem Mitarbeiter stehen rund um die Uhr vier frische Wäschestücke zur Verfügung. Wird gebrauchte Wäsche in den Abwurf gegeben, kann zeitgleich neue Wäsche bezogen werden. „Damit gehört die Zeit der Engpässe bei der Versorgung mit Dienstkleidung der Vergangenheit an“, verspricht Mag. (FH) Harald Keckeis, der das Projekt von Seiten der KHBG betreut. Neues Outfit Im Zuge der Einführung des neuen Systems soll auch die Dienstkleidung umgestellt werden. Seit einigen Monaten läuft im LKH Hohenems die Testphase der neuen Kleidung. Sollte diese positiv verlaufen, werden in Zukunft alle Landeskran­ kenhäuser mit Unimaten und der neuen Dienst­ kleidung ausgestattet. Das LKH Bludenz verfügt zwar schon seit längerem über einen Unimaten, der allerdings noch mit „alter“ Dienstkleidung bestückt ist. „Die Erfahrung, die wir bislang mit den Automaten machen konnten, sind durchwegs positiv – nun freuen wir uns schon auf die neue Kleidung“, sagt so Erich Ganter vom LKH Bludenz. n

DGKS Veronika Klammsteiner, MPH, Hygieneschwester „Die Dimensionen sind beeindruckend. Die 200 Mitarbeiter – im Übrigen vorwiegend Frauen – leisten großartige Arbeit.“

DGKS Miriam Kalcher, Hygienefachkraft „Die Betriebsbesichtigung war sehr interessant, informativ und trug zum gegenseitigen Verständnis bei.“


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Wenn der Weg zu Ende geht Zu Hause sterben, das wünschen sich die meisten Menschen am Ende ihres Lebens. Doch nicht immer kann dieser Wunsch erfüllt werden. Umso wichtiger, dass auch im Krankenhaus die Vorraussetzungen gegeben sind, den letzten Weg in Würde und Geborgenheit zu gehen.

p In schwierigen Lebenssituationen brauchen Menschen vor allem Zuwendung und das Gefühl, gut aufgehoben und geborgen zu sein.

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ach wie vor ist der Tod ein Thema, dem wir uns nur zaghaft nähern. Wer wird schon gerne an die Endlichkeit erinnert? Im Krankenhaus tragen engagierte Menschen und Institutionen dazu bei, dass das Unausweichliche annehmbarer wird. ÄrztInnen und Pflegekräfte Sie stehen in intensivem persönlichen Kontakt mit den PatientInnen und begleiten diese oft während des gesamten Krankheitsverlaufs. Wenn dann irgendwann die Möglichkeiten der Medizin erschöpft sind, sind sie besonders gefordert. „Einem Menschen sagen zu müssen, dass sein Leben zu Ende geht – das sind die schwierigsten Momente in unserem Beruf“, erzählt OA Dr. Josef Pointner 21


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von der Urologie am LKH Bregenz, wo auch schwerstkranke Patienten – etwa mit weit fortgeschrittenem Krebsleiden – betreut werden. Um diese Herausforderung besser meistern zu können, helfen vor allem Gespräche mit Kollegen – eine Art informelle Supervision. „Aber auch wenn es irgendwie zu unserem Alltag gehört, gewöhnen kann man sich nie daran“, so Pointner. Die Landeskrankenhäuser fördern daher verstärkt Weiterbildungsmaßnahmen, die dazu beitragen sollen, das Thema Sterben auch persönlich besser verarbeiten zu können. Palliativstation Mit der Palliativstation am LKH Hohenems verfügt Vorarlberg zudem über eine Einrichtung, die sich auf die Behandlung und Betreuung von Menschen mit einer nicht heilbaren, weit fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung spezialisiert hat. Ihre Hauptaufgabe sehen die dort tätigen Ärzte und Pflegefachkräfte darin, dem Patienten bis zuletzt eine bestmögliche Lebensqualität zu sichern. Das geschieht einerseits durch gezielte Schmerz- und Symptomlinderung, aber auch durch 22

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eine wohnliche Atmosphäre und einem möglichst individuellen Tagesablauf auf der Station. Die Abteilung mit zehn Betten ist daher eine gefragte Anlaufstelle für Betroffene aus dem ganzen Land. „Bei uns sind auch die Angehörigen intensiv in das Behandlungskonzept mit eingebunden. Die gemeinsam verbrachte Zeit ist für alle sehr wertvoll“, betont der leitende Arzt der Palliativstation OA Dr. Otto Gehmacher. Hospizbewegung Seit Jahren arbeitet die Palliativstation, aber auch alle anderen Landeskrankenhäuser eng mit der Hospizbewegung Vorarlberg zusammen. Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bieten Schwerstkranken auf allen Abteilungen aktive Begleitung in den letzten Tagen ihres Lebens an. Sie betreuen aber auch Angehörige, um ihnen beim Abschiednehmen und in ihrer Trauer zur Seite zu stehen. Die Begleiterinnen und Begleiter zeichnen sich aus durch hohe Einsatzbereitschaft und gelebte Mitmenschlichkeit, aber auch hohe Professionalität. „Unsere Mitarbeiter werden durch eine intensive Schulung auf ihre Tätigkeit


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vorbereitet und lernen durch ständige Reflexion ihrer Erfahrungen, durch Austausch, Supervision und Weiterbildung dazu“, betont Karl Bitschnau, Leiter der Hospizbewegung Vorarlberg. Die insgesamt rund 200 Ehrenamtlichen leisten pro Jahr ca. 2500 bis 3000 wertvolle Stunden in den fünf Landeskrankenhäusern. „Dieses Engagement kann gar nicht genug geschätzt werden, bedeutet es doch eine wichtige Bereicherung für die Patienten sowie eine große Entlastung sowohl für die Krankenhausmitarbeiter als auch die Angehörigen“, betont KHBG-Direktor Dr. Gerald Fleisch. Seelsorge Die Seelsorgerinnen und Seelsorger verschiedener Glaubensrichtungen erfüllen im Krankenhaus eine wichtige Funktion. Regelmäßig besuchen sie alle Patienten, die eine Kontaktaufnahme wünschen. Die Begleitung Schwerstkranker, Sterbender und ihrer Angehörigen auf dem Weg des Abschiednehmens ist ein Schwerpunkt der seelsorglichen Tätigkeit, wobei es eine enge Zusammenarbeit zwischen Hospizbewegung und Seelsorge gibt. Neben Gesprächen und gemeinsamem Gebet spendet die katholische Seelsorge die Sakramente Beichte, Krankensalbung und Krankenkommunion. „Für viele Menschen ist der Glaube eine wichtige Stütze, eine Quelle der Zuversicht und des Trostes in der Zeit der Krankheit und des Abschiednehmens von der Welt“, weiß der Leiter der Seelsorge im LKH Feldkirch Dr. Peter Rädler. Arbeitsgruppe „Viaticum“ Eine besondere Einrichtung gibt es im LKH Rankweil. Hier haben sich Seelsorger, Ärzte, Pflege- und Lehrpersonen zur Gruppe „Viaticum“ zusammengeschlossen. „Gemeinsam setzen wir uns mit dem Sterben im Krankenhaus auseinander und bieten in Zusammenarbeit mit externen Partnern, wie etwa der Hospizbewegung, unsere Begleitung an, damit Schwerkranke ihre bemessene Zeit in Würde erleben können“, erklärt Oberpfleger Arthur Bertsch. Zuletzt hat sich Viaticum intensiv mit dem Thema „Frühverstorbene Kinder“ beschäftigt und trug wesentlich dazu bei, dass der Friedhof für frühverstorbene Kinder beim LKH Rankweil neu errichtet wurde. Verabschiedungsräume Um den Angehörigen einen würdigen Abschied von einem Verstorbenen zu ermöglichen, gibt es in allen Landeskrankenhäusern spezielle Räumlichkeiten. Abseits vom umtriebigen Krankenhausalltag kann dort in aller Stille die Trauerarbeit beginnen. Zuletzt wurde gerade im LKH Bregenz ein neuer Verabschiedungsraum eingerichtet, der allen Trauernden – egal welcher Konfession – für Gebete und Abschiedsrituale zur Verfügung steht. n

p Der Glaube ist für viele Menschen in schwierigen Lebenssituationen ein wichtiger Trost- und Kraftspender

OA Dr. Josef Pointner, Urologie am LKH Bregenz

Karl Bitschnau, Leiter Hospizbewegung

Pfarrer Dr. Peter Rädler, Seelsorge LKH Feldkirch

„Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden durch intensive Schulung auf ihre Tätigkeit vorbereitet und lernen ständig dazu.“

„Für viele Menschen ist der Glaube eine wichtige Stütze in der Zeit der Krankheit und des Abschiednehmens von der Welt.“

„Einem Menschen sagen zu müssen, dass sein Leben zu Ende geht – das sind die schwierigsten Momente in unserem Beruf.“

OA Dr. Otto Arthur Bertsch, Gehmacher, Leiter Arbeitsgruppe Palliativstation Viaticum LKH Hohenems „Gemeinsam mit „Unsere Hauptauf- externen Partnern gabe sehen wir auf setzen wir uns dafür der Palliativstation ein, dass Schwerdarin, dem Patienkranke ihre bemesten bis zuletzt eine sene Zeit in Würde bestmögliche Leerleben können.“ bensqualität zu sichern.“

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Shopping für Fortgeschrittene LKH luag a!: Welches Ziel verfolgen die Landeskrankenhäuser mit der Neustrukturierung des Einkaufs?

Aussuchen, bestellen, kaufen. Was so trivial klingt, wird gerade auch in der Gesundheitsbranche zunehmend zu einer großen Herausforderung. Um dieser Entwicklung auch strukturell Rechnung zu tragen, wurde im Herbst letzten Jahres der zentrale Einkauf der Landeskrankenhäuser neu geordnet und inhaltlich neu ausgerichtet. Welche Vorteile dies für das Unternehmen, die Mitarbeiter und die Patienten bringt, erklärt der neue Einkaufsleiter Mag. Johannes Moser im LKH luag a! Interview.

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Mag. Johannes Moser: Unser Ziel ist es, alle einkaufsrelevanten Abläufe derart zu gestalten, dass sämtliche Beschaffungsaktivitäten mit der höchstmöglichen Professionalität und Effizienz durchgeführt werden können. Auf diese Weise soll der Anwender bzw. interne Kunde schnellst- und bestmöglich versorgt werden. Das bringt nicht nur eine Arbeitserleichterung für die Mitarbeiter, sondern auch die Sicherheit, das benötigte Material bzw. Equipment zum richtigen Zeitpunkt in der notwendigen Menge verfügbar zu haben. Der zentrale Einkauf ist in einen strategischen und operativen Bereich getrennt. Was versteht man denn unter “strategischem Einkauf“? Der strategische Einkauf beschäftigt sich mit einer Reihe von – wie der Name schon sagt – strategischen Themen, wie etwa mit der unternehmensspezifischen Einkaufsstrategie, mit dem so genannten Lieferantenmanagement, mit der Analyse des Beschaffungsmarkts oder der Planung und Steuerung der Materialkostenentwicklung. Der strategische Einkauf verhandelt Preise und andere Konditionen mit Lieferanten, gestaltet Verträge bzw. schließt sie ab und versucht durch Standardisierung Einkaufsvolumina zu bündeln, um bessere Konditionen zu erzielen. Ziel all dieser Bemühungen ist es, möglichst gute Qualität zum bestmöglichen Preis zu bekommen – oder anders gesagt, die Ausgaben zu reduzieren, ohne Qualitätseinbußen hinnehmen zu müssen. Grundsätzlich kann man sagen, der strategische Einkauf schafft die – möglichst optimalen – Rahmenbedingungen für den operativen, den ‚tatsächlichen’ Einkauf. Durch verstärkte Aktivitäten in diesem Bereich ist es uns gelungen, alleine in den letzten sechs Monaten ein Einsparpotential von über einer halben Million Euro umzusetzen – und das bei den gleichen Produkten und Lieferanten!


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Und was genau, macht der operative Einkauf? Der operative Einkauf hat dafür zu sorgen, dass die richtige Ware in der richtigen Menge zum gewünschten Zeitpunkt am gewünschten Ort eintrifft. Um dies zu gewährleisten, übernehmen die Einkäufer die gesamte Abwicklung der Bestellungen und die damit zusammenhängende Administration, sie optimieren die Bestelllosgrößen und Bestellzeitpunkte und sie kontrollieren schließlich die Rechnungen bzw. geben sie frei. Weist die gelieferte Ware Mängel auf, übernimmt der Einkauf auch die Abwicklung der Reklamationen. Der operative Einkauf ist demnach das Tagesgeschäft. Gibt es auch spezielle Projekte, die für die nächsten Monate geplant sind? Wir sind gerade dabei, in einzelnen Bereichen Waren-,

Produkt- und Instrumentensortimente gemeinsam mit den Anwendern zu standardisieren - mit dem Ziel, direkte Einkaufskosten zu minimieren und gleichzeitig die Qualität und Technologie der bezogenen Artikel auf hohem Niveau zu belassen. Entsprechend wichtig ist die Einbindung der Anwender in die Kaufentscheidung. Die Einigung darüber, welchem Sortiment bzw. System der Vorzug zu geben ist, erweist sich oft als langwieriger Prozess, denn gerade in der Medizintechnik gibt es unterschiedlichste Ansichten über den Nutzen von verschiedenen Instrumenten bzw. Systemen. Aber wir bemühen uns sehr, stets für alle zufriedenstellende Lösungen zu finden. Ein weiteres Projekt ist die Implementierung eines ITbasierten Anforderungssystems, das zum Ziel hat, Bestellvorgänge schnell und nachvollziehbar zu bearbeiten. Für Abteilungen mit hohem Bestellaufkommen

sind künftig automatisierte Bestellabwicklungen geplant. Das bedeutet, dass zukünftig die Bestellung mittels Barcodeleser durch Anwender bzw. Versorgungsassistenten elektronisch direkt an den Lieferanten erfolgen kann. Dadurch werden die Bestellvorgänge beschleunigt und die Mitarbeiter entlastet.

p Auch die Rahmenverträge für Lebensmittelbestellungen der fünf LKHs werden vom zentralen Einkauf ausverhandelt.

Außerdem sind wir aktuell dabei, ein elektronisches Einkaufscontrolling zu etablieren, um die Möglichkeit zu aktivem Benchmarking zu schaffen und anhand der dadurch errechenbaren Kennzahlen die Einkaufsstrategie zu optimieren. Um Ihnen ein Beispiel zu nennen: Durch die Konzentration des Einkaufsvolumens von zwei auf einen Lieferanten können in der Regel 20 bis 40 Prozent Einsparungen erzielt werden – natürlich ohne dass die Qualität darunter leidet. Vielen Dank für das ­Gespräch!

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Patienten bekennen Farbe Seit April trägt man in den Ambulanzen des Schwerpunktspitals Weiß oder Blau. Und geht damit auf Nummer sicher: Mit neuen PatientenIdentifikationsarmbändern für alle.

p Weiß und Blau: die neue Patientenidentifikation am LKH Feldkirch

E

ine Logopädin geht in den Ambulanzwarteraum und ruft einen Patienten beim Namen auf. Dort sitzen mehrere Patienten. Einer von ihnen steht auf und folgt der Logopädin in das Untersuchungszimmer zu einem Gehörtest. Als die Logopädin das Ergebnis im Computer abspeichern will, bemerkt sie, dass das Geburtsdatum des Patienten nicht stimmt. Es war der Falsche. Wahrscheinlich war der Test trotzdem nicht umsonst, denn offenbar hat er seinen Namen nicht richtig gehört. Solche, im Reich der „Heiterkeiten aus der Klinik“ angesiedelten Hoppalas passieren ab und zu, aber „so etwas gehört natürlich nicht zum Alltag“, relativiert der Leiter der Qualitätssicherungskommission Dr. Peter Weiß. Aber auch harmlose Verwechslungen sollten im Sinne eines optimalen Ablaufs möglichst vermieden werden.

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Resultat einer CIRS-Meldung Schwachstellen wie diese zeigt das anonyme Meldesystem „CIRS“ (siehe Kasten), das flächendeckend in den LKHs im Einsatz ist, erfolgreich auf. Als Resultat einer solchen CIRS-Meldung wurde im LKH Feldkirch gerade ein fächerübergreifendes Projekt umgesetzt: Die Patientenidentifikation per Armband für alle Patienten. Bisher bekamen nur Patienten, die operiert wurden, sowie Menschen mit Bewusstseinsstörungen und Kinder oder Schockraumpatienten Identifikationsbänder. Nach einem operativen Eingriff wurden sie auf der Station wieder entfernt. Künftig soll nun jeder Patient bei der Aufnahme ein solches Band mit den wichtigsten Daten wie Fallzahl, Name und Geburtsdatum erhalten. Für die stationären Patienten sind weiße Bänder vorgesehen. Allen ambulanten Patienten, die eine CT- oder MRT-Untersuchung erwarten oder die ambulant operiert werden sollen, werden blaue Patientenidentifikations-Armbänder angelegt. Sicherheit geht vor Peter Weiß hat die verschiedenen Bänder mehrere Tage lang selbst getestet. Bei einem durchschnittlichen Aufenthalt von drei, vier Tagen im Krankenhaus ist diese Art der Kennzeichnung im Sinne der Sicherheit auf jeden Fall zumutbar, so sein Urteil. Die neue Identifikation an der Hand ist im LKH Feldkirch seit dem 1. April 2011 gültig und mitnichten ein Aprilscherz: „Wer das Band ablehnt, muss im Extremfall damit rechnen, nicht behandelt zu werden“, stellt er klar.

Arbeitserleichterung für die Pflege. Bei einer Änderung der Fallzahl, etwa dann, wenn ein ambulanter Patient stationär aufgenommen wird, wird entsprechend ein neues Band ausgegeben. Auch Patienten aus dem LKH Rankweil, die zu einer Untersuchung an das LKH Feldkirch überwiesen werden, erhalten ein Identifikationsband. „Für die Zukunft ist angedacht, die durchgehende Patientenidentifikation auch auf die anderen Landeskrankenhäuser auszudehnen“, so Weiß. n

Dr. Peter Weiß, LKH Feldkirch

Maria Lackinger, LKH Feldkirch

„Die neuen Bänder sorgen für optimierte Abläufe und noch mehr Sicherheit insbesondere für ambulante Patienten.“

„Auch die Mitarbeiter profitieren, weil sie Patienten auf einen Blick sicher identifizieren können.“

I N FO R M AT I O N

Im Vorfeld wurde ein Pilotprojekt in der HNOAbteilung initiiert und auf die Anregungen und Wünsche der Mitarbeiter eingegangen. Direkt involviert ist vor allem der Pflegebereich, denn bei der Pflegeanamnese findet die Identifizierung statt. Neu ist auch, dass die reißfesten Bänder nun mit Klebe-Etiketten versehen werden und nicht mehr händisch beschriftet werden müssen – eine

WAS ist CIRS? Seit Herbst 2006 haben alle Mitarbeiter der Vorarlberger Landeskrankenhäuser die Möglichkeit, selbst einen Beitrag zur Steigerung der Patientensicherheit und zur Verbesserung der eigenen Arbeitssicherheit zu leisten, in dem sie so genannte „kritische Ereignisse“ oder „Beinahe-Schäden“ über ein elektronisches Formular anonym an die „Risk-Manager“ melden. Dank CIRS (Critical Incident Reporting System) können Schwachstellen im Krankenhaus schneller erkannt und entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden, damit Fehler künftig vermieden werden.

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Einblicke

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„Ich habe nur zwei Hände, aber acht Köpfe“

Stefan Kreiner leitet seit vier Jahren die Hypo-Filiale im LHK Feldkirch. Gemeinsam mit sieben Mitarbeitern kümmert er sich um die finanziellen Belange von LKHMitarbeitern, Patienten, Besuchern und externen Kunden. Was Medizin und Bank­ wesen verbindet und was die Arbeit im LKH Feldkirch ausmacht, darüber spricht er im „LKH Luag a!“ -Interview. LKH Luag a! Herr Kreiner, pas­­sen Bankgeschäft und ­Kranken­haus ­zusammen? Stefan Kreiner: Ja, denn auch wir in der Hypo-Filiale LKH Feldkirch kümmern uns um die Gesundheit der Menschen – zumindest in finanzieller Hinsicht. Auch wenn es bei uns nicht um Leben und Tod geht, haben wir doch eine gewisse Verantwortung gegenüber unseren Kunden. Der Kunde muss ­seine finanzielle Situation einschätzen, Alternativen abwägen und nachhaltige Entscheidungen treffen können. So wie ein Krankenhaus sind auch wir als Bank in erster Linie Dienstleister. Die Zufriedenheit unserer Kunden steht bei uns stets an erster Stelle.   Angenommen, ich bin zum ersten Mal bei Ihnen. Wie würde ein Beratungsgespräch ablaufen? So wie Ärzte Patienten ausführlich untersuchen müssen, um eine Dia­ gnose zu erstellen, so müssen auch wir die finanziellen und persönlichen Vor­aussetzungen der Kunden kennen. Erst dann macht eine Beratung Sinn. Anhand der vorgestellten Möglichkeiten kann der Kunde in aller Ruhe entscheiden und bei Fragen jederzeit auf uns zukommen. Dadurch unterscheiden wir uns von anonymen Großbanken. Um im Medizin-Jargon zu bleiben: So wie ein Röntgengerät zwar das Röntgen übernimmt, ist doch das ärztliche Know-how ausschlaggebend für die Diagnose. Auch bei Banken gibt es viele Systeme, die im Hintergrund schnell und effizient arbeiten. Aber ohne Menschen, die ihren Job mit Herzblut verrichten, nützt die beste Technik nichts.   Was macht die Arbeit im LKH Feldkirch aus? Durch den Standort der Filiale direkt im LKH Feldkirch sind wir sehr nahe bei unseren Kunden. Wir kennen 28

viele persönlich und unsere Kunden profitieren von kurzen Wegen. Insbesondere die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des LKH Feldkirch können ihre Bankgeschäfte direkt am Arbeitsplatz erledigen und sparen sich aufwändige Fahrten in eine Bankfiliale. Der Claim „Leidenschaftlich. Gut. Beraten“ beschreibt treffend unsere Haltung. Wir gehören seit über 35 Jahren zur LKH-Familie und sind integrierter Bestandteil des Krankenhauses. Was unterscheidet die Hypo-­Filiale LKH Feldkirch von a ­ nderen Banken? Wir haben die Filiale LKH Feldkirch vor wenigen Wochen renoviert und sind räumlich gut aufgestellt, um unsere Kunden bestmöglich zu beraten. Der „Körper“ ist also intakt und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten stets daran, die Kunden in ihrem Vertrauen zu bestätigen. Ich selbst habe zwar nur zwei Hände, aber insgesamt sind wir in der Filiale LKH Feldkirch acht Köpfe, die mit Herz und Verstand bei allen Themen rund ums Geld zur Seite stehen.   Erlauben Sie mir zum Schluss noch eine persönliche Frage. Was machen Sie, wenn Sie nicht gerade in ein Kundengespräch vertieft sind? Bleibt Ihnen noch Zeit für Freizeit?

Meine Freizeit verbringe ich am liebsten mit meiner Frau und meinen drei Kindern. Wir genießen Familienausflüge in der Natur und gemeinsames Arbeiten in Haus und Garten. Schifahren, Langlaufen und Brettspiele entspannen im Winter. Außerdem spiele ich leidenschaftlich gerne Fußball und Tennis. Doch oft reicht die Zeit auch nur für einen „Bodaseejass“ auf der Gartenbank. Vielen Dank für das ­Gespräch!

Zur Person Stefan Kreiner (37) Seit August 1995 bei der Hypo Landesbank, seit 1. August 2007 Filialleiter LKH-Feldkirch, verheiratet, 3 Kinder.


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Stets zu Diensten – nicht nur wenn´s brennt! Vorbeugender Brandschutz und rasche Maßnahmen im Ernstfall sind gerade für Gebäude, die Patienten beherbergen, von großer Bedeutung. Wie kann man Bränden oder anderen Gefahren vorbeugen? Wer ist da, wenn der Ernstfall eintritt? Im LKH Feldkirch und LKH Rankweil sind für diese Fragestellung die Betriebsfeuerwehren zuständig, in den anderen Häusern so genannte Brandschutzgruppen.

D

ie Betriebsfeuerwehren und die Brandschutzgruppen sind gesetzlich vorgeschriebene Einrichtungen, die für den vorbeugenden und abwehrenden Brand- und Katastrophenschutz sowie für die Abwehr akuter Gefahren wie Brände, Gasaustritte, Unfälle, Störfälle etc. im gesamten Betriebsgelände verantwortlich zeichnen. Im Ernstfall unterstützen die ehrenamtlich tätigen MitarbeiterInnen die Ortsfeuerwehren bei ihrem Einsatz.

Die Brandschutzgruppen in den Häusern Bregenz, Hohenems und Bludenz haben, was den vorbeugenden Brandschutz betrifft, ähnliche Aufgaben wie die Betriebsfeuerwehren, unterscheiden sich jedoch im offiziellen Status und vor allem in einigen fachlichen Bereichen und in der Ausbildung. „Wir sind zum Beispiel nicht im Atemschutz ausgebildet“, erklärt Herbert Feurstein, Mitglied der Brandschutzgruppe am LKH Bregenz.

Freiwilliges Engagement Die Betriebsfeuerwehr im LKH Feldkirch zählt heute rund 30 aktive Mitglieder. „Alle Kameraden der Betriebsfeuerwehr bringen entweder selbst langjährige Erfahrung aus einer Ortsfeuerwehr mit oder werden von der Feuerwehr intern oder extern beim Landesfeuerwehrverband ausgebildet“, berichtet Reinhard Bachmann, Feuerwehrkommandant und Hausmeister am LKH Feldkirch. Auch die Betriebsfeuerwehr im LKH Rankweil unter der Führung des Kommandanten Alfred Sieberer mit 22 aktiven Mitgliedern arbeitet intensiv mit der Ortsfeuerwehr zusammen. „Damit sich auch im Ernstfall die Kameraden im weitläufigen Gebäudekomplex zurecht finden, führen wir regelmäßig Gebäudebegehungen durch“, erzählt Sieberer.

Komplexe Brandschutzsysteme Das Schwerpunktspital Feldkirch ist mit über 70.000 m2 Geschossflächen der größte zusammenhängende Sonderbau Vorarlbergs. Das weitläufige Gebäude, das mit über 4000 Brandmeldern ausgestattet ist, erfordert ein ausgeklügeltes Brandschutzsystem. Ing. Herbert Sturn, Leiter der Technik und Brandschutzbeauftragter des LKH Feldkirch, hat mit seinem Team daher Brandschutzpläne entwickelt, die auch für die anderen Landeskrankenhäuser als Standard und sogar beim Land Vorarlberg als Mustervorlage gelten. Heute ist das gesamte Brandschutzsystem der fünf Landeskrankenhäuser IT unterstützt. „Dank der eingesetzten Software haben wir und auch die Feuerwehr Tisis im Falle eines akuten Gefahrenmoments alle nötigen Informationen direkt auf dem Bildschirm und können rasch die notwendigen Maßnahmen einleiten. Damit sind

p Bei regelmäßigen Übungseinsätzen wird der Ernstfall geprobt.

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wir absolute Vorreiter in Vorarlberg“, so Sturn. Und damit alles von Anfang an optimal läuft und auch die baulichen Voraussetzungen gegeben sind, wird bei jedem Bauvorhaben eine brandschutztechnische Begutachtung durch das Institut für Brandschutztechnik und Sicherheitsforschung aus Linz sowie bei größeren Neubauten eine begleitende Brandschutzüberwachung durchgeführt.

p Jeder Griff muss sitzen: Konzentration und körperliche Ausdauer werden konsequent trainiert.

Roland Güfel – engagierter Mitarbeiter, „Fürwehrler“ und Betriebsrat Ein Mann mit vielseitigem Engagement. Im Juni 1978 wurde er im LKH Feldkirch als Elektriker in der Technik-Abteilung eingestellt. Im darauffolgenden Jahr gründete er den Arbeiterbetriebsrat und übernahm die Funktion als Obmann. Dort setzt er sich seit jeher für den Arbeitnehmerschutz ein. „Noch heute ist Roland mit Herz und Verstand im Betriebsrat sehr aktiv, wofür ihm Dank und Anerkennung gebührt“, so Betriebsratsvorsitzende Astrid Breuß. Im Jahr 1994 begründete der heute 62-Jährige die Betriebsfeuerwehr im LKH Feldkirch und übte die Funktion des 1. Kommandanten über drei Jahre hinweg aus. Seine Leidenschaft für „d’ Fürwehr“ begann bereits 1965 mit seinem Eintritt bei der Ortsfeuerwehr Meiningen. Er leistete kameradschaftlich, einsatzfreudig und verantwortungsbewusst viele Dienste zum „Schutz von Mensch und Substanz“. Sein Engagement wurde bei der Jahreshauptversammlung der Betriebsfeuerwehr im Januar 2011 mit der silbernen Feuerwehrverdienstmedaille des Landes Vorarlberg gewürdigt (Güfel rechts im Bild). LKH luag a! gratuliert dazu recht herzlich.

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Breites Aufgabenspektrum Neben der Mitgestaltung und Aktualisierung von Brandschutzplänen, der Brandsicherheitswache und der Wartung und Instandhaltung von Löschanlagen, Wasserentnahmestellen, Handfeuerlöschern und Überprüfung der Brandmeldeanlagen zeichnet die Betriebsfeuerwehr auch für Mitarbeiterschulungen verantwortlich. Bei diesen Schulungen werden Mitarbeiter zum Verhalten im Brandfall und anderen Gefahrenfällen geschult sowie über das richtige Hantieren mit Löschmitteln informiert. In Rankweil kommen häufig auch Sucheinsätze hinzu. Allein im Jahr 2010 rückte die dortige Betriebsfeuerwehr ein Dutzend Mal zum Großeinsatz aus, um abgängige Patienten wieder zu finden. Auszeichnung Da bei der Betriebsfeuerwehr auch Einsätze während der Arbeitszeit anfallen, braucht es

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einen Dienstgeber, der dieses Engagement mitträgt. Die Landeskrankenhäuser tun das nicht nur aus gesetzlicher Verpflichtung, sondern aus Überzeugung. Nicht zuletzt deshalb wurde das LKH Feldkirch letztes Jahr vom Landesfeuerwehrverband Vorarlberg als „feuerwehrfreundlicher Arbeitgeber“ für das Entgegenkommen ausgezeichnet. Jugend im Vormarsch Die Betriebsfeuerwehr wird auch für die Jugend zunehmend attraktiver. So auch für David Escamez, Mitarbeiter des Zentralmagazins im LKH Feldkirch, der zuvor schon bei der Jugendfeuerwehr aktiv war und dort seine Ausbildung absolvierte. Besonders erfreulich ist – nicht nur für die männlichen Kameraden – dass auch zwei junge Frauen bei der Betriebsfeuerwehr tatkräftig mitmischen. Birgit Schnetzer, die im LKH Feldkirch in der Abteilung Technik beschäftigt und für Malerarbeiten zuständig ist, hat gerade das erste Modul ihrer Ausbildung absolviert. n

Lust, das Krankenhaus aus einer anderen Perspektive zu sehen? Komm` zur Betriebsfeuerwehr! Neue Mitglieder sind willkommen! Mehr Infos im Intranet unter: Informationen – Brandschutz

David Escamez, Mitarbeiter Zentralmagazin, LKHF

Birgit Schnetzer, Malerei/ Haustechnik, LKHF

„Ich bin bei der BTFW, weil ich früher schon bei der Freiwilligen Feuerwehr in Hohenems gewesen bin, und mir dachte, das Hobby mit meinem Beruf im LKH Feldkirch zu verbinden. Außerdem helfe ich gerne Mitmenschen, die in Not geraten sind.“

„Die Betriebsfeuerwehr ist für mich eine gute Möglichkeit, aktiv zur Sicherheit im Haus beizutragen.“

Ing. Herbert Sturn, Leitung Technik, LKHF „Dank der eingesetzten Software haben wir im Falle eines akuten Gefahrenmoments alle nötigen Informationen direkt auf dem Bildschirm, als Ausdruck und auf dem Handy.“


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Wie von Zauberhand

Schienbeinbrüche, Knöchelfrakturen, Prellungen – damit hat Ferdinand Lampert als Gipser am LKH Bludenz tagtäglich zu tun. Waghalsige Schifahrer oder übermütige Snowboarder liegen in der Wintersaison zu Dutzenden vor ihm auf dem Tisch. Mit flinken Händen, knochentrockenem Humor und kleinen Tricks aus 40 Jahren Berufserfahrung macht Ferdinand Lampert sich an die Arbeit. Risikofreude, geschickte Hände und große Tricks zeigt er dann auch nach Dienstschluss: in seiner Freizeit tritt er als Zauberer, Dompteur und Feuerschlucker auf.

p Auch im Umgang mit Mullbinde, Gips & Co. ist Ferdl Lampert ein Meister seines Fachs.

B

ereits als Junge entdeckte Ferdinand Lampert die Zauberei für sich. Ein Nachbar zeigte ihm einen Kartentrick, der 9-Jährige war verzaubert. „Mit Semmeln austragen erarbeitete ich mir das Geld für meinen ersten Zauberkasten“, erzählt er. Mit 19 stand er als „Fernando“ zum ersten Mal im Duo auf der Bühne, seitdem entwickelte er sein Repertoire weiter. „Heute mache ich alles“, erklärt der 57-Jährige. Vom Feuerschlucker über Illusionist bis hin zum Tierdompteur. Mit Tieren arbeite er am liebsten: so zaubert er Hasen aus dem Hut, lässt Tauben fliegen, bändigt Raubkatzen oder lässt Kleinpferde erscheinen. Die Tiere zieht er dafür manchmal selber auf, auch die Raubtiere. „Ab und zu hat man schon ein bisschen geblutet, wenn der Panther schmusen wollte“, gesteht Ferdinand Lampert, ohne eine Miene zu verziehen. Das sei eben das Berufsrisiko. Seine guten Verbindungen zum Krankenhaus kamen ihm daher schon öfter zugute, so verbrannte er sich zum Beispiel beim Feuerschlucken-Üben die Stimmbänder oder zog sich bei einer Show Verbrennungen an der Hand zu. Das Spiel mit dem Feuer beherrscht er mittlerweile jedoch bestens, wurde in dieser Disziplin sogar Weltmeister. Keine Hexerei Aufgetreten ist Ferdinand Lampert bereits auf der ganzen Welt. Meist steht er gemeinsam mit seiner Assistentin auf der Bühne, die auch seine Frau ist. „Seit 74 Jahren“, erklärt er. 74? „Kriegsjahre zählen doppelt“, meint er mit einem kaum merklichen Schmunzeln. Ein Lächeln verkneifen konnte er sich nach einem Auftritt in einem Seniorenheim jedoch nicht, erzählt er. Beim anschließenden gemeinsamen Kaffee habe ihn nämlich seine Tischnachbarin gebeten, sich doch woanders hin zu setzen – denn er habe „mit dem Teufel zu tun“. Teuflische Hexerei ist es allerdings nicht, was Ferdinand Lampert zum Zaubermeister macht. Sondern vielmehr exakte Planung, Disziplin, langjährige Erfahrung und natürlich eine gute Portion Phantasie und Kreativität. n Weitere Infos unter: www.fernandos.at 31


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Madagaskar – aufstrebendes Reiseziel für Naturliebhaber und Ökotouristen. Und eines der ärmsten Länder der Welt. Die Menschen, die dort leben, haben nur das Nötigste – und oft auch nicht einmal das. Vielleicht sind die Madagassen aber auch gerade deshalb so lebensfroh und gut gelaunt. Vorarlberger OP-Team im Hilfseinsatz für „Smile 4 Madagaskar“

Wenn ein Lächeln Wirkung zeigt

p Not macht erfinderisch: das OPTeam wusste sich mit einfachsten Mitteln zu helfen.

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Schatten im Paradies Auf der landschaftlich reizvollen Insel scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Entsprechend den ärmlichen Lebensverhältnissen der Menschen ist auch die Infrastruktur mehr als bescheiden. So wird etwa noch am offenen Feuer gekocht, und häufig verbrennen sich insbesondere Kinder an den zahlreichen Feuerstellen. „Großflächige Brandwunden, aber auch andere böse Verletzungen und Krankheiten sind an der Tagesordnung“, erklärt Dr. Ingo Plötzeneder, plastischer Chirurg aus dem LKH Feldkirch und Mitglied des Vorarlberger Vereins „Smile 4 Madagaskar“. Medizinische Behandlungen und vor allem Operationen sind teuer. Auf Madagaskar gibt es jedoch keine Krankenversicherung. Daher können es sich nur wenige leisten, sich professionell versorgen zu lassen. Aber auch das Ausbildungsniveau madagassischer Ärzte lässt spezielle Eingriffe vielfach erst gar nicht

zu. Ein Team rund um Dr. Plötzeneder hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, madagassische Ärzte zu unterstützen und Patienten, denen bislang nicht geholfen werden konnte, zu behandeln. Vorbereitung ist alles Bereits 2008 war der plastische Chirurg mit einem Ärzteteam aus Deutschland auf der Insel gewesen, hatte die medizinische Situation vor Ort kennen gelernt und Kontakte zum Krankenhaus in Tuléar, das halbwegs gut ausgestattet schien, geknüpft. Nach längerer intensiver Vorbereitungszeit war es im Herbst 2010 schließlich soweit: Dr. Plötzeneder reiste gemeinsam mit dem Anästhesisten Dr. Martin Dorner aus dem LKH Bregenz, Anästhesiepfleger Markus Bitsche, OP-Pflegerin Eva-Maria Bergsteiner aus dem LKH Feldkirch und Dr. Volkhart Krekel, plastischer Chirurg aus Deutschland, nach Madagaskar, um zwei Wochen lang chirurgische Hilfe zu leisten.


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p Im Schnitt wurde 14 Stunden täglich operiert.

p Die Dankbarkeit und Freude bei den Patienten und Mitarbeitern im Krankenhaus von Tuléar waren nicht zu übersehen.

„Urlaub“ im OP Ausgestattet mit sterilen Tupfern und Verbandsmaterialien, Abdeckungen, OP-Bekleidung, Einweghandschuhen, Desinfektionsmitteln sowie sämtlichen Nahtmaterialien, Venenzugängen und Anästhesiemedikamenten, traf das Team frühmorgens im Krankenhaus von Tuléar ein. Über hundert Patienten warteten bereits hoffnungsvoll. Sie alle waren durch die Kirche und das dortige Radio über die Ankunft der europäischen Mediziner informiert worden. Am Vormittag wurde der Operationsplan festgelegt und kurz nach Mittag fanden bereits die ersten Operationen statt. „In den darauffolgenden Tagen kamen während der laufenden Operationen immer wieder neue Patienten, die in den OP-Pausen soweit es ging noch zusätzlich in den Operationsplan geschleust wurden. Wir arbeiteten durchschnittlich 14 Stunden täglich“, schildert Plötzeneder.

sichtstumore, angeborene Fehlbildungen und Lippen-KieferGaumen-Spalten operiert.

An neun Arbeitstagen konnten so insgesamt rund 70 Patienten operiert werden. Am häufigsten wurden plastische Korrekturen nach Verbrennungen durchgeführt, denn bleiben diese unbehandelt, können sie zu deutlich eingeschränkter Bewegungsfreiheit und im Wachstum sogar zu Verkrüppelungen führen. Weiters wurden Ge-

p Die Arbeit ging den Vorarlbergern in Tuléar nicht aus.

Einfallsreichtum gefragt Bei den schlecht ausgestatteten OP-Räumen ist besonderer Einfallsreichtum gefragt. Für eine optimale Beleuchtung während der Operationen etwa sorgten mitgebrachte Stirnlampen, und durch allerlei Anstrengung konnten auch tot geglaubte Geräte wieder verwendet werden. OP-Pflegerin Eva Bergsteiner schaffte es mit hohem Einsatz, den OP hygienisch sogar fast auf europäischen Standard zu bringen. „Das Wichtigste an unserem Einsatz ist die Hilfe zur Selbsthilfe, das heißt der Wissenstransfer von europäischen Operationsmethoden. Die Ärzte vor Ort haben beispielsweise nie gelernt, wie Hauttransplantationen – essentiell für die Wiederherstellung nach Verbrennungen – durchgeführt werden“ so Plötzeneder. „Und genau hier setzen wir an. Wir bringen keine teuren Geräte, die später nicht gewartet werden können, sondern wir versuchen, mit vorhandenem Material zu arbeiten und den dortigen Ärzten zu zeigen, wie sie auch ohne unsere Hilfe den Menschen vor Ort effektiver helfen können.“ Hilfe mit Zukunft Während des Aufenthalts wurde auch dem Leiter der Gesundheitsbehörde in Tuléar ein Besuch abgestattet. „Das Gespräch legte den Grundstein für eine

langjährige Zusammenarbeit“, freut sich Plötzeneder, der schon weitere Einsätze plant. Finanziert wird die Aktion übrigens durch Sponsoren und Spendengelder. Die Helfer selbst „opfern“ ihren Urlaub, ihr Wissen bzw. ihre Arbeitskraft stellen sie ehrenamtlich zur Verfügung. Der Lohn für all die Mühe ist das gute Gefühl, etwas Sinnvolles und vor allem Nachhaltiges bewirkt zu haben. n

Einsatz in ­Madagaskar An 9 Arbeitstagen wurden 68 PatientInnen operiert. DURCHGEFÜHRTE OPs: Wiederherstellung nach Verbrennungen, Entfernung von Gesichtstumoren, angeborenen Fehlbildungen und Lippen-KieferGaumen-Spalten. SPONSOREN: Interplast und smile4 „Smile 4 Madagskar“ ist ein Vorarlberger Verein, der sich für Menschen und Natur in Madagaskar einsetzt und Hilfe vor Ort leistet. MEHR INFOS UNTER www.smile4.at BENEFIZKONZERT mit den „Souljackers“ am 8.10.2011 in der „Wirtschaft“ in Dornbirn!

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Gewusst wie

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Viel Trinken – Modeerscheinung oder medizinische Notwendigkeit?

Wie viel haben Sie heute schon getrunken? Laut diversen Ratgebern soll viel Flüssigkeit – freilich in Form von nicht-alkoholischen, ungesüßten und koffeinfreien Getränken – angeblich gesund, schlank und schön machen. LKH luag a! ging der Frage nach, wie viel Wahrheit in den Ratschlägen steckt und hat einen, der es wissen muss, dazu befragt.

Univ.-Doz. Dr. Karl Lhotta „Hören Sie auf Ihr Durstgefühl. Prinzipiell gilt: Es kommt nicht so sehr darauf, wie viel man trinkt, sondern was man trinkt. Wasser ist ein idealer, weil gesunder und erfrischender Durstlöscher.“

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p Wasser löscht den Durst und ist gesund: In den LKHs stehen daher MitarbeiterInnen und PatientenInnen flächendeckend Wasserspender zur Verfügung.

„Auf diese Frage gibt es keine allgemein gültige Antwort, und zwar deswegen, weil unser Körper über die Nieren den Wasserhaushalt sehr individuell regulieren kann“, erläutert Prim. Univ.-Doz. Dr. Karl Lhotta, Leiter der Abteilung für Nephrologie und Dialyse im LKH Feldkirch. Denn die Niere braucht mindestens einen halben und maximal zwölf Liter Harn pro Tag, um die Giftstoffe ausscheiden zu können. Das heißt, die minimale Trinkmenge pro Tag liegt bei einem halben Liter. Bei größerem Flüssigkeitsverlust, zum Beispiel bei körperlicher Betätigung oder Hitze, muss dieser natürlich durch vermehrtes Trinken ausgeglichen werden. Wie viel man dabei zusätzlich trinken soll, ist nicht genau festzulegen. „Aber in jedem Fall gilt: das Durstgefühl ist ein guter Wegweiser. Wer darauf vertraut, kann eigentlich nicht zu wenig trinken. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung, dass, wer Durst verspüre, schon dehydriert sei, ist Durst unser normales Frühwarnsystem zur Vermeidung eines Flüssigkeitsmangels“, stellt Lhotta klar. Gesundheitliche Vorteile einer sehr großen

Trinkmenge sind nicht belegt. So ist die Wasserflasche als ständiger Begleiter eher modisches Accessoire als medizinische Notwendigkeit. „Gerade beim Sport kann eine zu große Flüssigkeitszufuhr gefährlich sein und zu einer so genannten Wasservergiftung führen, da die Nieren bei körperlicher Belastung keinen verdünnten Harn produzieren können“, so der Nephrologe. Auch bei Patienten mit Herzoder Nierenerkrankungen könne eine zu hohe Flüssigkeitszufuhr schädlich sein. Und die landläufige Empfehlung, dass Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion viel trinken sollen, gelte heute als überholt. Ebenso entbehre die Meinung, man müsse soviel trinken, dass der Harn immer eine strohhelle Farbe haben soll, jeder wissenschaftlichen Grundlage. „Es gibt keinerlei Hinweise dafür, dass ein konzentrierter Harn schädlich ist“, sagt der Nieren-Spezialist. Aber Achtung, Ausnahmen bestätigen die Regel! „Wer bereits Nierensteine hatte oder dazu neigt, der sollte wirklich etwas mehr – also täglich rund zwei bis drei Liter an Flüssigkeit zu sich nehmen“, betont Lhotta. n


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Tipps & mehr

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Mein Mediatipp „ZUKUNFT IM KOPF“ erschienen im Rudolf Haufe Verlag 2. Auflage 1992 320 Seiten gebunden. Nur noch Restbestände! www.prof-magyar.ch /de/autor/zukunft-imkopf oder leihweise bei Herbert Feurstein, LKH Bregenz

Herbert Feurstein Leiter Technik, LKH Bregenz

Kann ein Buch über Wirtschaftsthemen auch unterhaltsam sein? Die außergewöhnlichen Geschichten, die hinter der Entstehung vieler bekannter Unternehmen stecken, sind vergleichbar mit Berichten von Entdeckungsreisenden. In „Zukunft im Kopf“ wird etwa die Geschichte von zwei Ingenieuren erzählt, die nach dem zweiten Weltkrieg im zerbombten Japan leben und gemeinsam Regeln für die von ihnen gegründete Firma notieren. Diese Regeln gelten dort auch heute noch – es sind die Leitsätze der Firma Sony. Oder die Geschichte von Frau Rodnick, die, um ihre Familie ernähren zu können, einen kleinen

Laden eröffnet. Sie verkauft Produkte, die sie bis dahin selbst vergeblich suchte, nämlich natürliche Kosmetikartikel ohne aufwendige Verpackung. Innerhalb von nur sechs Jahren entstand so das weltweit agierende Handelsunternehmen „The body shop“. Geschichten wie diese werden in einer verständlichen Sprache erzählt. Allen gemeinsam ist: Leidenschaft für ihr Tun – und es geht nicht um das „große Geld“, sondern darum, einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Die Denkanstöße können die persönliche Sichtweise über Teamarbeit und unternehmerischem Handeln nachhaltig beeinflussen! n

Mein Ausgehtipp GEORGE@JOE VITALGASTRONOMIE GMBH Hauptstraße 4 | 6706 Bürs Tel: +43 (0)5552 34734 | Fax: 34735 ÖFFNUNGS­ ZEITEN: Mo-Do: 07:30 - 24:00 Fr+Sa, vor Feiertag: 07:30 - 02:00

Auer Manuel, EDV-Abteilung, LKH Bludenz

Im Oberland in Bürs findet man das Lokal George@Joe. Da nebenan auch einige Einkaufsgeschäfte warten, kann man im „George“ einen Kaffee zwischen den Einkäufen genießen. Aber auch um abends weg zu gehen, ist das Lokal empfehlenswert. Was man dann auf keinen Fall verpassen sollte, ist die reichliche Auswahl an feinen Cocktails, die frisch und direkt vor

Mein Reisetipp Wenn der Winter zu lang wird, ist Kuba ein schönes Ziel, um Reiselust oder Badefreuden zu genießen. Die Karibikinsel ist in rund neun Stunden gut erreichbar und bietet in der Zeit von Februar bis April sehr angenehme Temperaturen und hohe Wettersicherheit. Kuba scheint unter Fidel Castros Kommunismus seit den 50ern stillzustehen. In den Straßen

Havannas dominieren alte Ami-Schlitten, die das Herz von Oldtimerfans höher schlagen lassen. Die „Perle der Karibik“, wie Havanna einst genannt wurde, bietet eine geschäftige Altstadt, die sich am besten zu Fuß oder mit Fahrradrikschas erkunden lässt. In seiner morbiden Schönheit wird die Altstadt oft in einem Atemzug mit Venedig und Paris genannt und hat seit 1982 den Status

dem Gast zubereitet werden. An Wochenenden spielen ab und zu verschiedene Live Bands, die richtig Stimmung machen. Wenn das George@Joe die Tore um 02:00 Uhr schließt und die Feierlaune noch nicht erloschen ist, kann einen Stock höher im „Rush Club“ noch bis in die frühen Morgenstunden getanzt werden... n

Brigitte Moosbrugger Hebamme, LKH Feldkirch

als UNESCO Weltkulturerbe. Doch auch das Landes­ innere mit seinen Zucker­ rohrplantagen, den Ta­bak­anbaugebieten und den allgegenwärtigen ­Königspalmen bezaubert die Sinne. Kuba ist in ­seiner Einzigartigkeit sicher eine Reise wert, für einen reinen Badeurlaub aber eher zu schade. n

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Gastartikel

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forderung, möglichst naturnah zu fischen, die „Fliege“ selbst zu binden, die richtige „Fliege“ anhand der angetroffenen Insekten und Larven auszuwählen und schließlich die Bewegung in der Natur, denn im Gegensatz zum „Würmlebaden“ ist man beim Fliegenfischen immer in Bewegung. Auch hat der Fisch beim Fliegenfischen deutlich größere Chancen, lebend davon zukommen, da er den Köder stets vorne am Maul erwischt, was ein Lösen des Hakens ermöglicht. Das Fliegenfischen bedarf einer besonderen Wurftechnik. Statt einem Bleigewicht mit Vorfach (wie beim Grundangeln oder beim Angeln mit dem Schwimmer) oder dem Eigengewicht eines Blinkers (wie beim Spinnfischen), wird hier das Gewicht der speziellen Schnur genutzt. Nicht selten kommt es vor, dass bei einem Anfänger die Fliege im eigenen Ohrläppchen statt im Fischmaul landet. Aber da muss man durch – es ist wie im richtigen Leben: man lernt nie aus!

Von Gast-Redakteur Mag. Franz Streit

Faszination Fliegenfischen Wenn Sie Robert Redfords berühmten Film „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“ gesehen haben, dann ist Ihnen klar: „Fliegenfischen“ ist eine Art Lebensphilosophie, weit mehr als ein Hobby. „Fliegenfischen“ und „normales Angeln“ sind vergleichbar mit einer herrlichen Tiefschneeabfahrt bei einer Schitour einerseits und Schifahren auf einer Schipiste andererseits – also zwei völlig verschiedene Dinge. Der Name Fliegenfischen kommt von der künstlich nachgebauten „Fliege“, die als Köder dient. Damit wird dem Fisch vorgetäuscht, dass Insekten oder andere kleine Lebewesen als Beute zu holen sind. Tatsächlich jedoch verbirgt sich in dieser „Fliege“ – kunstvoll getarnt durch Materialien wie Fell, Vogelfedern, Hahnenbälgen oder Kunststoff – hinterlistig der Haken. Die Faszination des Fliegenfischens hat viele Gründe: da ist zunächst Verständnis für die Zusammenhänge in der Natur gefragt, die Heraus36

Fast schon ein Kunstwerk: die farbenprächtige künstliche „Fliege“. u

Es gibt verschiedene Techniken: Beim Trockenfliegenfischen, dem „klassischen“ Fliegenfischen, lässt man die künstliche Fliege auf der Wasseroberfläche treiben. So werden hauptsächlich solche Fische gefangen, die nach Anflugnahrung „steigen“, also Insekten von der Wasseroberfläche fressen. Beim Nassfliegenfischen imitieren unter der Wasseroberfläche sinkende Fliegen zum Schlupf aufsteigende Nymphen oder dahintreibende, tote Insekten.


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Nymphenfischen bezeichnet das Fischen mit speziellen Fliegen, die ebenso wie Nassfliegen sinken, jedoch die Larvenstadien von Wasserinsekten imitieren – übrigens die Hauptnahrung der meisten Fische bei uns. Streamerfischen funktioniert mit künstlichen Ködern, die Raubfische durch ihre grellen Farben zum Anbiss verleiten sollen. „Fliegen“ sind diese Köder nur insofern, als sie aus Fliegenbinder-Materialien hergestellt werden und mit der Fliegenrute gefischt werden.Die Möglichkeiten sind vielfältig. Wie auch immer Sie es angehen wollen, ich wünsche Ihnen ein kräftiges „Petri Heil“! n

Gewinnspiel „Fliegenfischen“ Gewinnfrage: In welchem Vorarlberger See fischt dieser Fliegenfischer? UNSER TIPP: Der See heißt so wie eine Alpe bzw. ein Berg und liegt in der südlichen Landeshälfte Vorarlbergs über 1.500 m. Senden Sie Ihre Antwort bis spät. 31.8.2011 per Mail an: office@khbg.at oder per Post an die Vlbg. Krankenhaus-Betriebsgesellschaft, Carinagasse 41, 6800 Feldkirch, Kennwort „Fliegenfischen“. Der Gewinner wird benachrichtigt. DER PREIS: Zu gewinnen ist ein Erlebnistag „Fliegenfischen“ mit Guide – inklusive Leihausrüstung, Tageskarte und Verpflegung.

Werden Sie „LKH luag!“- Gast-Redakteur In! Sie haben Interesse am Schreiben und ein spanndes Thema, über das Sie in „LKH Luag a!“ berichten wollen? Dann melden Sie sich bitte unter martina.pointner@khbg.at.

Rezept + + + Rezept + + + Rezept + + + Rezept + + + Rezept + + + Rezept + + + Rezept + + + Rezept + + + Rezept + +

Fit mit gesunder Jause Rezept Zutaten für ca. 5 Portionen: ½ Stück gelbe Paprika 2 Esslöffel Topfen 2 Esslöffel Sauerrahm 2 Stück Cocktailtomaten 1 Teelöffel Kürbiskernöl Salz, Pfeffer, Kürbiskerne, Salat­ gurke, Petersilie oder Kresse 1 Stück Sonnen­blumenkernbrötchen

Wer sich zwischendurch einen kleinen Snack gönnt, ist weniger anfällig für Heißhungerattacken. Der Snack sollte natürlich leicht sein und nicht belasten. Fritz Thaler, Küchenleiter des LKH Hohenems, empfiehlt den Lesern von „LKH luag a!“ daher gesunde und ab­ wechslungsreiche Jausenrezepte mit Pfiff!

Gefüllte Paprika mit Sonnenblumenkernbrötchen Zubereitung: Topfen, Sauerrahm, Kürbiskernöl und Gewürze verrühren. Paprika waschen, entkernen. Mit der Masse füllen, mit Cocktailtomaten, Salatgurke, Petersilie und Kürbiskernen garnieren.

Rezept Zutaten für ca. 5 Portionen: 2 Esslöffel Topfen 2 Esslöffel Frischkäse 1/8 Stück Salatgurke 1 kleine Karotte Salz, Pfeffer, Knoblauch,Cayennepfeffer, Kresse oder Bärlauch 1 Stück Haferflockenbrötchen

Salatgurke mit Topfen-Frischkäsefülle mit Haferflockenbrötchen Zubereitung: Topfen, Frischkäse und Gewürze verrühren. Salatgurke waschen und in Scheiben schneiden. Die Masse auf die Gurkenscheiben spritzen, mit Karotten, Schnittlauch und Cayennepfeffer garnieren. 37


Ausblicke

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 Die attraktive Fassade der Klausur wurde komplett renoviert, die Räumlichkeiten dienen nun als großzügiges Archiv.

Alle Mann packen mit an, schließlich soll das neue Verwaltungsgebäude schon im Spätsommer bezogen werden. 

In neuem Glanz Die Bauarbeiten schreiten voran, das „LKH Hohenems NEU“ nimmt Formen an. Während die alte Klausur in neuem Glanz erstrahlt, ist auch das neue Verwaltungsgebäude auf bestem Weg, rechtzeitig bezugsfertig zu werden. Bis im Frühjahr 2012 sollen dann alle Bauarbeiten im und um den weitläufigen Gebäudekomplex fertig gestellt sein. Im neuen Schockraum werden Schwerstverletzte professionell erstversorgt. 

p Der CT hat nun seinen fixen Platz im LKH Hohenems bekommen.

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Gehören bald der Vergangenheit an: die Container, die seit Herbst 2009 die Krankenhausverwaltung beherbergen. 


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Aus den Häusern

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Aufgeschnappt in den LKHs Neuer Leiter Die Pulmologie am Landeskrankenhaus Hohenems steht unter neuer Führung: Der bisherige Oberarzt und nunmehrige Primarius Dr. Peter Cerkl hat mit Dezember 2010 die Leitung der Abteilung übernommen. Prim. Dr. Johannes Rothmund ist nach 28 verdienstvollen Jahren an der Spitze der Pulmologie in den Ruhestand getreten. n

Generationswechsel Im März verabschiedete sich der langjährige Pflegedirektor Helmut Fertl in den wohlverdienten Ruhestand. Die Stelle wurde mit dem 38-jährigen Diplomkrankenpfleger Arno Geiger neu besetzt. Der gebürtige Bregenzerwälder, der sowohl die Diplomausbildung für Allgemeine wie für Psychiatrische Pflege vorweisen kann, war zuvor Leiter der Pflege auf der Pulmologie und hat als solcher den Umzug der Abteilung vom KH Gaisbühel und die erfolgreiche Integration ins LKH Hohenems maßgeblich mit gestaltet. n

Auszeichnung Die Kinderabteilung am LKH Bregenz wurde unlängst von der Zeitschrift CliniCum mit dem 3. Platz im Ranking der besten Spitalsabteilungen Österreichs ausgezeichnet. Dabei wurden vor allem die modernen Strukturen, die Kommunikationskultur, das Teamwork, das detaillierte Leitbild und die Einbindung in diverse Netzwerkprojekte mit internen und externen Partnern gewürdigt. LKH luag a! gratuliert zur Auszeichnung! n

Bestätigung Das LKH Hohenems darf sich wiederum über das Zertifikat „Ausgezeichneter Lehrbetrieb“ freuen. Auf hohem Niveau werden die Berufe VerwaltungsassistentIn, Betriebsdienstleistungskaufmann/frau (BDL) und EDV-TechnikerIn ausgebildet. Neben Weiterbildungsveranstaltungen und Seminaren zur Persönlichkeitsentwicklung bietet das Spital seinen Lehrlingen auch Lernhilfe bei schulischen Schwächen. Derzeit hat zudem einer der Lehrlinge die Möglichkeit, das Lehrlingsprogramm „Lehre mit Matura“ zu absolvieren. n

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