HALTESTELLEN oder: Sie haben Ihr Ziel erreicht.?
Ursula Dorigo wurde in Salzburg geboren, studierte in Innsbruck und übte ihren Beruf als AHS –Lehrerin schließlich in Feldkirch aus – Stationen oder Haltestellen des bürgerlichen Lebens. Ihr „anderes“ Leben entwickelte sich parallel dazu. Eine Quereinsteigerin im Kunstbetrieb, begann sie spät, mit bereits vierzig Jahren, eine intensive künstlerische Ausbildung. Ihre Lehrer waren die Maler Georg Eisler (Sommerakademie Salzburg) und K.P.Frank (München). Von Maria Lassnig bekam sie den Rat, einfach zu arbeiten – und so wurde die Malerei zu der Konstante in ihrem Leben. Ursula Dorigo präsentierte vor genau zwanzig Jahren ihre erste Ausstellung, die folgenden Jahre sehen sie in eine umfangreiche Ausstellungstätigkeit eingebunden, in Österreich wie auch der Schweiz, Deutschland, Griechenland und Russland. Der Reiz des Fremden, die Herausforderung durch unbekanntes Terrain ließ sie immer wieder ihr seßhaftes Leben in Feldkirch unterbrechen. Das romantische Motiv des Wanderns, der Sehnsucht nach der Ferne
wird auch Leitmotiv in ihrem Leben. Daraus ergaben sich einige Haltestellen des Verweilens: schwerpunktmäßig der mediterrane Raum, wohl wegen des Lichts Inspiration für nicht wenige Künstler, aber auch Polen und Russland. Wenn es auch zum grundlegenden Rezipieren eines bildnerisch tätigen Menschen gehört, visuelle Impressionen zu speichern, so versucht Ursula Dorigo sich nicht allein darauf zu beschränken, sondern alle Sinne einzusetzen, um sich einen ästhetischen Gesamteindruck zu verschaffen: der leichte oder schwere Duft von Blumen und Kräutern, der frische Wind mit dem herben Ballast von Fischen und Algen prägen sich ein. Oberflächen von Steinen, Rinden, altem Gemäuer, verrottenden Holzwänden werden abgetastet. Das alles ist wichtig für die spätere Wahl der künstlerischen Mittel., zum Beispiel sei nur die Frottage erwähnt. Selbst die Geräusche sensibilisieren die Imaginationen eines künstlerisch orientierten Menschen. Das können nun Tierstimmen sein, wie das Zirpen der Grillen im Olivenhain, der Vogelchor, der schreiend die aufgehende Sonne begrüßt oder die ganze Nacht den Mond anjaulende Hunde. Ebenso wirken stürzende Wasser, anbrandende Wellen oder auch nur das Klappern einer alten Dachrinne im Sturm. All dies wird gespeichert und wichtige Assistenz für ein geistiges Hologramm. Darüber hinaus ist es vor allem die Bewegung des ganzen Körpers, des ganzen Menschen, der Umgebung, Landschaft abschreitet, um Formen, Farben. Dimensionen aufzunehmen. Wenn schließlich der Skizzenblock auf den Knien ruht und die Summe der Eindrücke als Notiz für spätere Ausarbeitung festgehalten wurde, so ist es wieder die Hand der Künstlerin, die mit ihrer Bewegung und dem Einsatz feinster Muskelfasern in Verbindung mit dem betrachtenden Auge eine endgültige Fixierung für den Transport ins Atelier herstellt. Ursula Dorigo erreicht ein für den Betrachter erkennbares Ziel, wenn sie im Atelier mit malerischen Mitteln ihren Vorstellungen endgültige Form verleiht. Während sie auf den Haltestellen im Ausland aus praktischen Gründen vorwiegend mit Acrylfarben arbeitet und collagiert- Acrylfarbe trocknet schnell und ist vielseitig einsetzbar- drängt sich bei der Arbeit im Atelier zunehmend wieder das Malen mit Ölfarben und Pigmenten in den Vordergrund. Hier ist es auch möglich, arbeitsintensivere Techniken wie zum Beispiel die für Leinwand modifizierte Technik der Enkaustik einzusetzen. Neben der Aisthesis, der sinnlichen Wahrnehmung der realen Dinge, spielen noch andere Komponenten als Grundlage künstlerischer Verarbeitung des an diversen Haltestellen Aufgenommenen eine entscheidende Rolle.
Häufig finden sich im Reisegepäck der Heimkehrerin spezielle Souvenirs: Blätter, Steine, Sande, Zeitungen, Tickets, Stadtpläne, papierene Tischsets oder der Verformung erlegene Alltagsgegenstände wie plattgewalzte Blechbehälter und selbst getauchte Fundstücke aus dem Meer. Solcherlei Mitbringsel eröffnen weitere Möglichkeiten für die Erschaffung künstlerischer Sujets, für Montagen und Collagen. Dabei kann eine räumliche Dimension entstehen, das Werk tritt aus der Ebene heraus und spricht den Betrachter in einer ungewohnten, oft sehr persönlichen Art an. Die neueste Phase in der Malerei der Künstlerin beruht auf der Basis geometrischer Formen wie Rechteck oder Quadrat , auf Farbe und Fläche, dem Verzicht auf die Figur. Das Bedürfnis ist die weite Fläche. Ziel ist autonome Malerei. Peter Handke formuliert so in „Gestern unterwegs“: „ Das allgemeine Schön-Tun der Naturtöne miteinander, das geht durch penible Nachbildung verloren; erhalten bleibt es durch die Neuschöpfung einer Farbskala, die dazu parallel verläuft.“ Sie haben Ihr Ziel erreicht? Nicht auszudenken! Wie gut, dass es immer neue Herausforderungen, neue Entwicklungen gibt. Biografie - Ursula Dorigo
Ursula Dorigo Malerin Galerie Jahrgang 1942 - geboren in Salzburg Ausbildung 1961-68 Studium der Germanistik und Geschichte an der Universität Innsbruck 1968-71 AHS-Lehrerin in Innsbruck 1971AHS-Lehrein in Feldkirch 2000 1984 Sommerakademie Salzburg, Klasse Georg Eisler 1985 Seminare des BMfUK für Radierungen in Viktring, Kärnten 1986 Sommerakademie Salzburg, Klasse Georg Eisler ab 1986 Weiterbildung bei Klaus P. Frank, Malschule am Glockenbach, München Seminare in Österreich und Italien 1987 Seminare des BMfUK für Radierungen in Viktring, Kärnten 1990 Projekt "Kunst-Umeni" der Vorarlberger Landesregierung 1992 Mitglied der Berufsvereinigung der Bildenden Künstler Vorarlbergs 1993 Hollersbacher Malerwochen, Klasse Peter Mairinger 1994 Plein Air in Urupinsk/Russland, Einladung des russischen Kulturministeriums 1995 Teilnahme am Russisch-Österr. Symposion in Furx, A 1996 Stipendium der Landesregierung Vorarlbergs/Atelier in Pirgi auf Chios, Griechenland Ausstellungen und -beteiligungen / Auswahl 1991 "Kunst-Umeni", Landhaus Bregenz 1993 "Zunahme", Palais Thurn & Taxis, Bregenz
1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001
Galerie Altesse, Nendeln, LI Urupinsk, Russland "Land-Semlja", Landhaus, Bregenz "Dionysia", Villa Claudia, Feldkirch "Dionysia", Villa Claudia, Feldkirch Pinakothek, Chios, Griechenland Studio Drehpunkt, Bregenz Weihnachtaustellung, K端nstlerhaus, Bregenz "Reisezeichen", Antonierhaus, Memmingen, D