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„NEUDEFINITION ÜBER WEGE UND ZIELE DER FRÜHPÄDAGOGISCHEN BILDUNG UND ERZIEHUNG“

PRESSEUNTERLAGE zur PRESSEKONFERENZ

mit der Familiensprecherin der Freiheitlichen, LAbg Hildtraud Wieser und der Bildungssprecherin im Vorarlberger Landtag, LAbg Silvia Benzer

Bregenz, am 15. Mai 2007


. Beilage im Jahre 2007 zu den Sitzungsberichten des XXVIII. Vorarlberger Landtages FREIHEITLICHE

Selbstständiger Antrag

Beilage: /2007

An das Präsidium des Vorarlberger Landtages Landhaus 6900 Bregenz Bregenz, am 15. Mai 2007

BETREFF: BILDUNGS- UND ERZIEHUNGSPLAN Sehr geehrter Herr Präsident! Die frühe Kindheit wird von Fachleuten als lernintensivste Zeit und prägendste Phase im Leben eines Menschen gesehen. Deshalb spricht aus ihrer Sicht alles dafür, den frühkindlichen Lernprozessen besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Dies auch vor dem Hintergrund, dass Versäumnisse in der frühen Bildung durch spätere Bildungsinstanzen – ungeachtet ihrer Qualität – wenn überhaupt, nur unter hohem personellen und finanziellen Aufwand wettgemacht werden können. In mehreren europäischen und außereuropäischen Ländern wurden bereits Bildungsund Erziehungspläne für Kinder unter sechs Jahren eingeführt und für alle betroffenen Einrichtungen für verbindlich erklärt. In Bayern zB – einem Nachbarland, dessen Projekte schon des öfteren Nachahmung in Vorarlberg gefunden haben – hat das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Frauen und Jugend bereits einen Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder unter sechs Jahren entwickelt und implementiert. Eine Fachkommission begleitete diese Arbeit. Neben den Spitzenverbänden der freien und öffentlichen Wohlfahrtspflege, den kommunalen Verbänden, Fachkräften aus dem frühpädagogischen Bereich, Vertretern der Fachakademien für Sozialpädagogik, der Schulen, der außerunterrichtlichen Betreuung von Kindern, sind auch die Eltern, die Wirtschaft und andere Experten vertreten. Auch in Österreich machen gesellschaftspolitische Veränderungen eine grundsätzliche Neudefinition der Frühpädagogik notwendig. Nachdem von Vorarlberg diesbezüglich bereits eine Reihe wertvoller Initiativen erfolgten, wie zB Vernetzung von Kindergarten und Schule oder zuletzt "Verstärkte Sprach- und Sprechförderung für Kinder" macht ein Vorstoß aus unserem Land zur ganzheitlichen Entwicklung eines Bildungs- und Erziehungsplanes für Kinder unter sechs Jahren Sinn, um die pädagogisch richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen. Einzelmaßnahmen allein, sind zu wenig.


Um den gesellschaftspolitischen Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden, muss vielmehr rasch eine umfassende Grundlage für die Neudefinition über Wege und Ziele der Frühpädagogischen Bildung und Erziehung geschaffen werden. Diese soll einerseits den Eltern echte Wahlmöglichkeit garantieren und andererseits für Kinder aller Altersstufen qualitativ hochwertige, wohnortnahe und bedarfsgerechte Bildungs- und Betreuungsangebote schaffen. Das Wohl des Kindes muss dabei immer im Mittelpunkt stehen. Vor diesem Hintergrund stellen die unterzeichnenden Abgeordneten folgenden

ANTRAG

Der Vorarlberger Landtag möge beschließen: Die Vorarlberger Landesregierung wird aufgefordert, 1. beim Bildungsministerium dafür einzutreten, dass in Anlehnung an das Beispiel des Freistaates Bayern, die Weichen zur Erstellung eines Bildungsund Erziehungsplanes für die generelle pädagogische Arbeit mit Kinder unter sechs Jahren gestellt werden und dazu ein zeitlicher Rahmen fixiert wird, 2. beim Bildungsministerium dafür einzutreten, dass Vorarlberg ein Pilotprojekt "Umsetzung eines Bildungs- und Erziehungsplanes für Kinder unter sechs Jahren" erarbeiten und umsetzen kann und dafür Fördermittel des Bundes zugewiesen erhält, 3. ein Pilotprojekt "Umsetzung eines Bildungs- und Erziehungsplanes für Kinder unter sechs Jahren" zu erarbeiten und dazu neben Berufung eines namhaften Experten als Projektleiter auch Fachkräfte aus dem frühpädagogischen Bereich, Vertreter der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik, der Pädagogischen Hochschule und der Schulen, von Kinder- und Schülerbetreuungseinrichtungen, von Eltern- und Familienverbänden sowie der Wirtschaft und andere Experten miteinzubinden, 4. zu prüfen wie und in welchem Umfang vorhandene Einrichtungen (Spielgruppen, Kindergärten, diverse Betreuungseinrichtungen und -modelle, Volksschulen) in einen Bildungs- und Erziehungsplan für Vorarlberg bestmöglichst integriert und vernetzt werden können, 5. Angebote zur Elternbildung auszuarbeiten, damit die Erziehungs- und Bildungspartnerschaft von Eltern und Fachkräften intensiviert und Eltern ein höheres Mitspracherecht eingeräumt wird.

LAbg Hildtraud Wieser Familiensprecherin

LAbg Silvia Benzer Bildungssprecherin


LAbg Silvia Benzer Bildungssprecherin der Freiheitlichen Neudefinition über Wege und Ziele der Frühpädagogischen Bildung und Erziehung

Gründe für den vorliegenden Antrag aus Sicht der Bildungspolitikerin Gesellschaftliche Veränderungen Kulturell vielfältig, sozial komplex, Kontinuitäten nicht mehr in dem Ausmaß vorhanden, viele Brüche und Unsicherheiten, die unzählige räumliche und zeitliche Perspektiven erlaubt. Eine solche Gesellschaft erfordert ein neues Bildungskonzept. Beispiel Bildungsbiographie: Auslandsstudium etc. Orientierung wird nicht mehr von außen – z.B. durch Familien – gesetzt, sondern erwächst viel mehr aus der inneren Stärkung und durch Mitverantwortung. Familienstrukturen haben sich verändert Von der Großfamilie zum Muster der kunterbunten Familien mit neuen Herausforderungen: patchwork-family, Alleinerzieherinnen, Kleinfamilien etc. Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist gefordert Nicht mehr entweder oder, sondern sowohl als auch => Forderung der Öffnung für Kindergärten für Kinder ab 3 Jahren Aber nicht nur Plätze schaffen, sondern gleichzeitig die Qualität der frühkindlichen Bildung und Erziehung definieren. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse Was die Lernfähigkeit der Kinder in frühen Jahren betrifft Bedeutung der Übergänge im Bildungsverlauf Päd. Voraussetzungen, um das Lernen zu lernen Bedeutung von Beziehungen und Interaktionen für die Bildungsqualität


Neue Entwicklung im Elementarbereich Auf dem Weg des lebenslangen Lernens sind neben der Familie der Elementarbereich die zweite und die Grundschule bereits die dritte Station auf diesem Weg. Fundament für Bildungserfolg Forschungsergebnisse zeigen auf, dass die Lernprozesse nicht nur früh beginnen, sondern dass sie gleichzeitig aufeinander aufbauen und sich gegenseitig beeinflussen. Beweis der Richtigkeit und Wichtigkeit unseres Konzeptes der „frühen Sprachförderung“, das nicht erst mit 5 Jahren einsetzt, sondern das Lernpotential der Kinder bereits von frühester Kindheit an anspricht. Gilt sowohl für Kinder deren Muttersprache die Unterrichtssprache ist und für Kinder für die die Unterrichtssprache ihre Zweitsprache ist. Wenn ich den rechtzeitigen Ausgleich von Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben, Rechnen und beim Erwerb der deutschen Sprache fordere, kann sich der frühpädagogische Bereich nicht für unzuständig erklären. Analog zu den Englisch sprechenden Spielgruppen oder Kindergarten-Gruppen gibt, könnte es auch Deutsch sprechende Gruppen geben. Verständnis von Bildung Bild hat sich gewandelt – reformpäd. Ansätze erkennbar. Weg vom reinen Vermitteln und Vorsetzen von Fachwissen hin zur Vermittlung von Kompetenzen. Kompetenzen im persönlichen Bereich, im sozialen Bereich und nicht zuletzt auch im fachlichen Bereich Kinder brauchen das Angebot Lern– und Entwicklungschancen Soll heißen: Nicht nur mehr Wissen und Fähigkeiten aneignen, sondern die Kompetenzen aneignen, diese auch anwenden zu können. Nicht nur auf das Berufsleben vorbereiten, sondern für das soziale Zusammenleben befähigen.

Bild vom Kind UN-Kinderrechtskonventionen, die das Kind und seine Bedürfnisse ins Zentrum rücken -Verankerung in der Landesverfassung.


Forderung eines Pilotprojektes für Vorarlberg: Entwicklung eines Bildungs- und Erziehungsplanes, der den Ansprüchen der Kinder gerecht wird. Insbesondere ein Recht auf Bildung von Anfang an: Ihre Persönlichkeit, Begabung und ihre Fähigkeiten voll zur Entfaltung zu bringen, muss oberstes Ziel ihrer Bildung sein. Vor dem Hintergrund: Verantwortung, die Bildungsangebote entwicklungsangemessen anzubieten und ihre natürliche Neugierde, ihren Erkundungs- und Erforschungsdrang, ihren Wissensdurst zu stillen. Verknüpfung von Spielen und Lernen Spielen ist die elementarste Form des Lernens Verbunden mit einer Verknüpfung der Übergänge Von Familie zur außerfamiliären Kinderbetreuung Von der Kinderbetreuung zum Kindergarten Vom Kindergarten in die Schule

Resümee: Der Bildungs- und Erziehungsplan ist ein Schwerpunkt unserer Bildungspolitik. Auch um dem engen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und schulischem Erfolg entgegensteuern zu können. Kinder, die im familiären Umfeld nicht so gute Möglichkeiten haben, sollen in dem Alter, in dem sie so aufnahmefähig sind, die Anregungen anderswoher bekommen. Daher möchten wir möglicht früh für Kompensation sorgen.

Als Teil unserer „Qualitäts- und Bildungsoffensive Vorarlberg“ nach dem Motto „mehr Tiefe als Breite“ Es geht um mehr als „von einer Hand in die andere“ – es geht um die Begleitung der Kinder von einer Welt in die andere, die die Kinder erleben und sich dabei ihr Weltwissen aneignen. Aufwertung der Bedeutung der frühen Jahre im Bildungssystem Wir wollen weg von den reinen Lehrplänen hin zum Bauplan des Kindes.


Darauf aufbauend wollen wir den Bildungs- und Erziehungsplan verstanden wissen und darauf aufbauend diesen auch umsetzen.

Keine Verschulung der Kinder/des Kindergartens durch Bildungs- und Erziehungsplan Spielen und Lernen sind auf derselben Seite der Medaille. Lernen ist nur dann möglich, wenn es emotional positiv besetzt ist. Unser System baut darauf auf, Schwächen zu suchen und diese zu beseitigen (Disqualifikationsmentaltität). Blickwende: Stärken stärken und diese mobilisieren und als Chance ausnützen, darauf aufbauen (Qualifikationsmentalität) Ausreichende allgemeine Orientierung, aber auch Raum und Stärkung der Kreativität und Verantwortung vor Ort – Entwicklung einer klaren Philosophie

Unterschiede zwischen Bildungs- und Erziehungsplan und Kindergarten- und Schulkonzept des Landes Vorarlberg Für Kinder in Tageseinrichtungen bis zur Einschulung Kann als Grundlage dienen; ist ein Konzept, das steht, doch nun muss die Umsetzung folgen Kindergarten- und Erziehungsplan 2004: Umsetzung soll vorangetrieben und Wirkung soll evaluiert werden. Ein Konzept ist ein Plan, ein Programm für ein Vorhaben, ein erster Entwurf Ein erster Schritt Was ist notwendig, um die Umsetzung des Konzeptes ausüben zu können? Zweiter Schritt Ein Gremium muss beschließen; konkreter Antrag Nicht nur präsentieren Bildungspläne in Europa Schweden (1998), England (2000), Griechenland ( 2001; 3 -6), Dänemark (1999 und 2003/04; 0 -6), Deutschland, Finnland


Zu wenig passiert? Ansatz: Bildung passiert über Eigenaktivität des Kindes – passiert im Austauschprozess (z.B. Spracherwerb) Soziale Herkunft – Bildungserfolg best ausgebildete und best bezahlte Pädagogen in den ersten zwei Stufen des Bildungssystems; Investitionen in die Bildung anstatt in die Sozialpolitik nicht darauf warten, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist Paradigmenwechsel vom Fokus auf die Schwächen zum Fokus auf die Stärken Stärkung der Sprachkompetenz Elterbeteiligung – Konstrukteure kindlicher Entwicklung – Stärkung der elterlichen Kompetenz – Eltern als Hauptverantwortliche

OECD Studie „Starting Strong“ und „Starting Strong II“ I: 12 Empfehlungen Notwendigkeit der frühen Förderung Individuelle Förderung Lernen, ein Leben lang Aus- und Weiterbildung des päd. Personals Frühpäd. Forschungsinfrastruktur II: Österreich bewegt sich nur im Mittelfeld im Bereich der Ausgaben für Kinderbetreuung – Nutzung der Kindertageseinrichtungen zur Unterstützung Früher Bildungsprozesse

Bregenz, am 15. Mai 2007


Bildungs-_und_Erziehungsplan