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Frauen in MINT

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Mathematik

Mathematik-Absolventin Susanne

EINE UNABHÄNGIGE KAMPAGNE VON MEDIAPLANET 10

“MEINE MOTIVATION IST ES, WISSENSCHAFT SICHTBAR ZU MACHEN.“

Biologin und Unternehmerin Amelie Reigl im Interview.

Scherer spricht darüber, wie man den Spaß am Fach entdecken und seinen persönlichen Zugang finden kann. 04 08

frauen IN MINT

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Informatik

IT-Managerin und Autorin Annahita

Esmailzadeh setzt es sich zum Ziel, mit geschlechterspezifischen Vorurteilen aufzuräumen.

Technik

CEO Sophia Tran interessierte sich schon als Kind für Technik – sie gibt Insights, welche Entwicklungen sie als besonders zukunftsträchtig empfindet.

VERANTWORTLICH FÜR DEN INHALT

DIESER AUSGABE MÄRZ 2026

SARAH BEHA

MINT-Berufe gehören zu den zukunftsstärksten Feldern unserer Zeit. Mit dieser Kampagne möchten wir Mädchen und Frauen zeigen, welche Chancen dort auf sie warten und sie ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen.

Termine für Messen 2026

Forum MINT vocatium

verschiedene Standorte März-November 2026 www.vocatium.de/berufsfeld-foren-mint

ITCS Darmstadt

23. April 2026, Darmstadt www.it-cs.io/events/darmstadt

FEMWORX

23. – 24. April 2026, Hannover www.hannovermesse.de/de/rahmenprogramm special-events/femworx/

LearnTec

05. – 07. Mai 2026, Karlruhe www.learntec.de

WOMEN OF TECH CONFERENCE'26

19. – 21. Mai 2026, Stuttgart www.womenoftech.de

Sarah Beha (Project Manager), Natascha Wesiak (Business Development Manager), Henriette Schröder (Managing Director), Philipp Colaço (Director Business Development), Lea Hartmann (Head of Design)

Cover: Amelie Reigl @dieWissenschaftlerin Mediaplanet-Kontakt: de.redaktion@mediaplanet.com

Alle Artikel, die mit “In Zusammenarbeit mit“ gekennzeichnet sind, sind keine neutrale Redaktion der Mediaplanet Verlag Deutschland GmbH. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Alle Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.

Zukunft braucht Vielfalt

WENN FRAUEN & MÄDCHEN ZUKUNFT SCHREIBEN

Die technologische Zukunft Deutschlands hängt stark von guten MINT-Kompetenzen und der gleichberechtigten Teilhabe von Mädchen und jungen Frauen ab. 2024 erreichte der Anteil weiblicher MINTStudienanfängerinnen mit 36 Prozent einen Höchststand, doch die Unterschiede zwischen den Fächern bleiben groß: Während in der Innen architektur 87 Prozent Frauen studierten, lag der Frauenanteil in der Fahrzeug technik bei nur 10 Prozent.

Warum Mädchen sich seltener für MINT entscheiden, ist gut erforscht: Gesellschaftliche Stereotype, fehlende weibliche Vorbilder und Unsicherheiten im eigenen Kompetenzverständnis prägen nach wie vor Bildungsentscheidungen. Frühe Förderung, kreative Lernumgebungen und klischeefreie Berufsorien tierung können diesen Mustern aktiv entgegenwirken.

Eltern, Lehrkräfte und Unternehmen können Mädchen unterstützen, indem sie Mut machen, technisches Interesse fördern, weibliche Vorbilder sichtbar machen und praxisnahe Erkundungen ermöglichen. Stereotype verändern sich, wenn junge Menschen erleben, dass Talente nicht geschlechtsspezifisch sind.

Seit dem Start des Girls’Day vor 25 Jahren wurden mehr als 2,5 Millionen Plätze für Schülerinnen in Bereichen wie IT, Handwerk, Naturwissenschaften und Technik angeboten. Allein 2025 gab es 14.759 Angebote mit rund 130.000 Plätzen – davon fast 2.000 im Bereich EDV, IT, Robotik und Programmierung. Diese Zahlen zeigen, wie wichtig praktische Einblicke für eine nachhaltige Nachwuchsentwicklung sind.

Auch der Gender Pay Gap ist im MINT-Kontext eklatant: 2025 verdienten Frauen durchschnittlich 16 Prozent weniger als Männer, selbst bereinigt besteht eine Lohnlücke von 6 Prozent. Umso wichtiger ist es, Mädchen früh zu stärken und ihnen Zugang zu stabilen, zukunftssicheren Berufsfeldern zu eröffnen. Programme wie der Girls’Day, das Niedersachsen- oder NRW-Technikum und regionale MINT-Labore schaffen genau diese Zugänge: Sie ermöglichen praxisnahe Einblicke, stärken Selbstvertrauen und zeigen vielfältige Karrierewege auf.

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit der GFN GmbH entstanden.

REBOOT – RAUS AUS ALTEN DENKMUSTERN, REIN IN DIE IT

Text Stephanie Dümig, Senior Content-Managerin, GFN GmbH

Der Fachkräftemangel in Deutschland ist besonders in der IT seit Jahren spürbar. Unternehmen suchen qualifizierte Fachkräfte – und gleichzeitig bleibt ein großes Potenzial ungenutzt: Frauen, die sich beruflich neu orientieren möchten, ziehen eine IT-Karriere oft gar nicht erst in Betracht. Nicht aus Mangel an Fähigkeiten, sondern aus Unsicherheit oder der Vorstellung heraus, Technik sei nichts für sie. Wie dieser Kno ten platzen kann, zeigt die Geschichte von Meral Karagül.

M Karagül)

Karagül ist 39 Jahre alt und Mutter zweier Kinder, als sie den Entschluss fasst, sich beruflich neu zu orientieren. Die zentrale Frage: Wäre IT etwas für mich? Antworten fand sie beim bundesweit tätigen Bildungsträ ger GFN, der seit über 30 Jahren auf IT-Qualifizierung spezialisiert ist und zu den führenden Anbietern geförderter IT-Umschulungen und -Weiterbildungen in Deutschland gehört. Im Trainingscenter Freiburg belegte Meral Karagül einen Orientierungskurs speziell für Frauen, die sich für einen Neustart in der IT interessieren.

ein PC oder Laptop auseinandergebaut“, erklärt Felix Precht, Ausbilder bei GFN in Freiburg. Man wolle zeigen, dass IT lernbar ist. „Es fehlt oft nicht an Talent, sondern an Zutrauen“, ergänzt Standortleiterin Kamila Kadié. Karagül jedenfalls war sich nach dem Kurs sicher: „Das ist mein Weg.“

“MAN MUSS NICHT ALLES KÖNNEN, BEVOR MAN STARTET. MAN MUSS NUR DEN MUT HABEN, ANZUFANGEN. ES LOHNT SICH.“

Meral Karagül hat bei GFN zur Fachinformatikerin für Anwendungsentwicklung umgeschult

Ziel dieser Kurse ist es, Berührungsängste abzubauen und praktische Einblicke zu geben. „Da wird auch mal

Im Januar 2024 startete sie ihre Umschulung zur Fachinformatikerin für Anwendungsentwicklung bei GFN, gefördert mit dem Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit. Zwei intensive Jahre folgten. „Nach dem Unterricht habe ich oft noch bis spät in die Nacht gelernt“, erinnert sie sich. Es gab Momente, in denen sie kurz davor war, aufzugeben. Irgendwann kam der Wendepunkt: „Plötzlich habe ich Zusammenhänge wirklich verstanden.“

“2024 ERREICHTE DER ANTEIL VON MINT-STUDIENANFÄNGERINNEN MIT 36 PROZENT EINEN HÖCHSTSTAND, DOCH DIE UNTERSCHIEDE ZWISCHEN DEN FÄCHERN BLEIBEN GROß“

Tabea Schroer

Leitung der Bundeskoordinierungsstelle des Girls'Day

Der 25. Girls’Day am 23. April 2026 lädt erneut dazu ein, Horizonte zu öffnen und stereotype Berufsbilder zu erweitern. 95 Prozent der teilnehmenden Schülerinnen empfehlen den Girls’Day weiter – weil sie neue Berufsfelder entdecken und praktische Erfahrungen sammeln konnten. Die Arbeitswelt der Zukunft braucht Vielfalt – und Mädchen, die sie mitgestalten. Seien Sie dabei, unterstützen Sie Mädchen und junge Frauen auf ihrem Weg in die berufliche Zukunft!

Weitere Informationen finden Sie unter: www.girls-day.de

In der Praktikumsphase programmierte sie in einer Behörde eine App zur Prozessautomatisierung. Heute arbeitet sie dort fest angestellt als Entwicklerin – in Vollzeit, mit Homeoffice-Optionen. Ob Anwendungen, kleinere Digitalisierungsprojekte oder Support für Verwaltungskollegen: Die Aufgaben sind vielfältig.

Karagül fühlt sich angekommen. „Mich fasziniert, dass man mit ein paar Zeilen Code echte Probleme lösen kann.“ Ihr Rat an alle, die gerade erst loslegen: „Man muss nicht alles können, bevor man startet. Man muss nur den Mut haben, anzufangen. Es lohnt sich.“

Weitere Informationen finden Sie unter: www.gfn.de

Text Tabea Schroer

Dieser

MEHR ALS EIN BERUF WIE MINT JUNGEN FRAUEN WEGE IN DIE

ZUKUNFT ERÖFFNET

An Aktionstagen wie dem Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft oder dem Girls’Day richtet sich der Blick jedes Jahr auf Berufe in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Für viele Mädchen ist dieser Tag eine erste Einladung, sich Räume vorzustellen, in denen sie bislang selten vertreten sind. Dabei geht es längst nicht nur um Karrierechancen, sondern um Selbstbestimmung, Teilhabe und die Möglichkeit, gesellschaftliche Entwicklungen aktiv mitzugestalten. Persönliche Geschichten aus Studium, Forschung und Praxis zeigen, wie kraftvoll dieser Schritt sein kann. Sie machen deutlich, dass MINT-Wege nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Selbstvertrauen stärken – und dass gerade Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Feldern dringend gebraucht werden.

Text Chritine Thaler

Neugier als Ausgangspunkt – und der Mut, dranzubleiben

Für Anja Müller begann der Weg in die Wissenschaft mit einem Studium der Wasserwirtschaft an der Hochschule Magdeburg-Stendal und der Faszination dafür, wie Materialien, Umwelt und Technik zusammenwirken. Heute arbeitet sie am Institut für Maschinenbau im Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Industriedesign (IWID), begleitet Experimente, entwickelt Verfahren zur Untersuchung von Werkstoffen und betreut Studierende auf ihrem eigenen Weg in die Forschung.

Ein besonderer Schwerpunkt ihres Engagements liegt in der Nachwuchsförderung: In Projekten wie MagdeMINT und im JuniorLab bringt sie Kindern und Jugendlichen naturwissenschaftliche Themen praxisnah näher. Dort wird geforscht, ausprobiert und gefragt – lange bevor Berufsentscheidungen anstehen. Gerade diese frühen Erfahrungen können entscheidend sein, um Interesse zu wecken und Berührungsängste abzubauen.

Solche Initiativen setzen dort an, wo viele Unsicherheiten entstehen: bei fehlenden Vorbildern, mangelndem Selbstvertrauen oder dem Gefühl, nicht dazuzugehören. Zwar steigt der Frauenanteil in natur- und ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen, doch strukturelle Hürden bleiben bestehen – etwa stereotype Rollenbilder oder schwierige Karrierebedingungen. Für Anja steht deshalb fest: Zukunftsfragen wie nachhaltige Produktion oder Klimaschutz lassen sich nur lösen, wenn unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen. Ihr wichtigster Rat an junge Frauen ist entsprechend klar: neugierig bleiben, Unterstützung suchen und den eigenen Fähigkeiten vertrauen.

Magdeburg. Nach einer kaufmännischen Ausbildung entschied sie sich bewusst für das Bachelorstudium Bauingenieurwesen, um Technik praktisch anzuwenden und sichtbare Ergebnisse zu schaffen. Schon während ihres Studiums arbeitet die Mathe-Liebhaberin in einem Bauunternehmen, sammelt Erfahrung auf Baustellen und plant ein Auslandssemester. Ihr Ziel ist es, später Bauprojekte eigenverantwortlich zu leiten.

Wenn mehr Frauen diese Bereiche prägen, verändert das nicht nur Statistiken, sondern auch Innovationskulturen und Prioritäten. Vielfalt wird damit zu einem entscheidenden Faktor für Zukunftsfähigkeit.

Orientierung entsteht durch Begegnung

Ob sich junge Menschen für einen technischen oder naturwissenschaftlichen Weg entscheiden, hängt oft weniger von Noten als von Erfahrungen ab. Wer früh Einblicke in Labore, Werkstätten oder Forschungsprojekte erhält, erkennt schneller, wie vielfältig und kreativ MINT-Berufe tatsächlich sind. Genau solche Begegnungen können Unsicherheiten abbauen und zeigen, dass technisches Interesse kein Ausnahmefall, sondern eine echte Möglichkeit ist. Sichtbare Beispiele, persönliche Gespräche und praktische Erfahrungen eröffnen damit neue Perspektiven – und machen aus vagen Interessen konkrete Zukunftspläne.

“GERADE ANGESICHTS VON KLIMAWANDEL, DIGITALISIERUNG UND GLOBALEM WANDEL WÄCHST DER BEDARF AN FACHKRÄFTEN, DIE KOMPLEXE ZUSAMMENHÄNGE VERSTEHEN.“

Zwei Möglichkeiten, Teil solcher Begegnungen zu sein, bieten sich am Girls‘ Day und Boys‘ Day am 23. April sowie beim MINT-Herbstkurs am 19. und 20. Oktober an der Hochschule Magdeburg Stendal. Beim Girls‘Day und Boys‘ Day bekommen Mädchen und bekommen die Gelegenheit, die Vielfalt ihrer Begabungen zu nutzen und ihre Talente zu entdecken. Die Angebote richten sich an Schülerinnen und Schüler von der 5. Klasse bis zur gymnasialen Oberstufe und bieten einen kleinen Einblick in unsere Studiengänge an beiden Standorten. Der MINTHerbstkurs besteht aus zwei Tagen voller Wissenschaft, Teamwork und Aha-Momenten, in welchen Schülerinnen und Schüler rausfinden können, wie sehr Mathe, Physik & Co. ihnen liegen.

Perspektiven für Studium und Zukunft Welche Chancen sich daraus konkret ergeben, zeigt das breite Studienangebot der Hochschule Magdeburg-Stendal. Von klassischen Ingenieur- und Bauwissenschaften über Umwelt- und Sicherheitsstudiengänge bis hin zu Maschinenbau, Mechatronischer Systemtechnik, Mensch-Technik-Interaktion bis hin zu Sozialer Arbeit und Kindheitswissenschaftenverbindet es wissenschaftliche Grundlagen mit starkem Praxisbezug. Projekte, Kooperationen mit Unternehmen und internationale Austauschprogramme erleichtern den Einstieg in den Beruf – und eröffnen vielfältige Karrierewege.

Technik als Gestaltungskraft im Alltag Auch Alina Frosts Weg begann mit einem Studium in

Das Studium verbindet naturwissenschaftliche Grundlagen mit anwendungsnahen Inhalten wie Konstruktion, Bauphysik oder Infrastrukturplanung. Damit qualifiziert es nicht nur für klassische Ingenieuraufgaben, sondern auch für nachhaltige Stadtentwicklung, Ressourcenschutz und moderne Mobilität. Gleichzeitig zeigt der Studienalltag, dass Teamarbeit, Kommunikation und gemeinsames Problemlösen ebenso wichtig sind wie mathematisches Know-how.

Zukunft gestalten heißt Vielfalt zulassen

MINT-Berufe formen die Welt von morgen: Sie bestimmen, wie Städte gebaut, Ressourcen genutzt, Krankheiten behandelt oder digitale Räume entwickelt werden. Wer hier mitarbeitet, gestaltet Gesellschaft aktiv

Die Erfahrungen von Anja und Alina stehen exemplarisch für viele Frauen in diesen Feldern. Technisch-naturwissenschaftliche Bildung eröffnet finanzielle Unabhängigkeit, internationale Perspektiven und die Chance, gesellschaftliche Herausforderungen aktiv mitzugestalten. Gerade angesichts von Klimawandel, Digitalisierung und globalem Wandel wächst der Bedarf an Fachkräften, die komplexe Zusammenhänge verstehen.

So wird deutlich: MINT bedeutet mehr als Technik. Es bedeutet, Zukunft mitzugestalten – und jungen Frauen die Werkzeuge zu geben, ihren eigenen Platz darin selbstbewusst einzunehmen.

Quellen: https://studieren.h2.de/aktuelles/detail/traut-euch-anja-mueller-ueberfrauen-in-der-wissenschaft https://studieren.h2.de/aktuelles/detail/ich-moechte-dass-gebaeude-anstaendiggebaut-werden

QR-CODE SCANNEN FÜR ALLE VERANSTALTUNGEN IM ÜBERBLICK !

Weitere spannende Geschichten über Studierende sowie mehr Informationen zur Hochschule: www.h2.de/studieren

Noch mehr Informationen und Einblicke finden Sie unter: www.h2.de und auf Instagram hsmagdeburgstendal

Struktur statt Chaos MEINE LIEBE ZUR MATHEMATIK

Mathe ist für viele ein Angstfach. Für Mathematik-Absolventin und YouTuberin Susanne Scherer (@MathemaTrick) war es ein Puzzle, das darauf wartete, gelöst zu werden.

Woher und wann kam dein Interesse für Mathematik?

Mein Interesse begann schon in der Grundschule. Mathe fühlte sich für mich wie ein Rätsel an, das man lösen darf. Es gab klare Regeln und ein eindeutiges Ergebnis. Wenn ich verstanden hatte, wie ein Weg funktioniert, konnte ich ihn sicher gehen. Dieses Gefühl von Struktur und Verlässlichkeit hat mir gefallen.

Natürlich lief nicht immer alles glatt. Die Strahlensätze zum Beispiel konnte ich damals einfach nicht verstehen. Und in der Oberstufe war Stochastik der absolute Horror für mich, weil es sich einfach wie Chaos angefühlt hat. Aber genau das ist normal: Jeder hat Themen, in denen er sich wohler fühlt als in anderen.

Wie hat sich dein Ausbildungsweg in der Mathematik gestaltet?

Nach dem Abitur habe ich mich entschieden, reine Mathematik in Kaiserslautern zu studieren, mit Nebenfach Maschinenbau. Ich hatte großen Respekt davor, weil ich ständig hörte, wie schwer dieses Studium sei.

“MEIN TIPP IST: FINDE HERAUS, WAS DICH WIRKLICH INTERESSIERT. UND WENN DICH ETWAS BEGEISTERT, DANN GEH DIESEM GEFÜHL NACH.“

Welche Themen und Bereiche findest du am spannendsten an Mathe und was würdest du anderen, die sich dafür begeistern, als Tipp mitgeben? Besonders wohlgefühlt habe ich mich in der theoretischen Mathematik, vor allem in der Algebra. Diese Klarheit und innere Struktur faszinieren mich bis heute. Andere lieben angewandte Mathematik oder Statistik. Und genau das ist das Schöne: Mathematik ist unglaublich vielfältig. Mein Tipp ist deshalb: Finde heraus, was dich wirklich interessiert. Und wenn dich etwas begeistert, dann geh diesem Gefühl nach. Man darf sich ausprobieren und man darf auch merken, dass ein Bereich nicht der richtige ist.

Viele denken bei Mathematik zunächst an Lehr- oder Forschungsberufe. Welche anderen spannenden Berufsfelder gibt es für Mathematikerinnen heute?

Susanne Scherer Youtuberin und Creatorin, @MathemaTrick

Mein Lehrer fragte mich nur: „Warum willst du es studieren?“ – und ich antwortete: „Weil es mir Spaß macht.“ Das war seiner Meinung nach die richtige Antwort. Das Studium war sehr theoretisch. Es ging nicht mehr ums Rechnen, sondern ums Beweisen: also darum, Aussagen Schritt für Schritt logisch sauber herzuleiten. Das war anspruchsvoll, und ich habe mich oft gefragt, ob ich gut genug bin. Aber ich habe gelernt: Man muss kein Genie sein. Fleiß, Geduld und echtes Interesse tragen einen weit.

Mathematikerinnen arbeiten zum Beispiel in Unternehmen, die große Datenmengen auswerten. Etwa um Kundenverhalten besser zu verstehen oder Prozesse effizienter zu machen.

Manche entwickeln Verschlüsselungssysteme, damit unsere Kommunikation sicher bleibt. Andere arbeiten in der Finanzbranche und berechnen Risiken.

Auch in der Biomathematik werden zum Beispiel Modelle entwickelt, die medizinische Forschung unterstützen – etwa bei der Analyse von Tumorwachstum oder der Auswertung komplexer Studiendaten. Mathematik bedeutet heute oft, komplexe Probleme so zu strukturieren, dass man kluge Entscheidungen treffen kann –in ganz unterschiedlichen Branchen.

Viele Schülerinnen haben Angst vor Mathe. Welche konkreten Tipps würdest du geben, um diese Hemmschwelle zu überwinden?

Ich glaube, viel Angst entsteht, weil wir früh hören, wie „schlimm“ Mathe sei. Doch nur weil es jemand anderem schwer fiel, heißt das nicht, dass es dir genauso geht. Mein wichtigster Tipp: Fang klein an. Such dir Aufgaben, die du leicht lösen kannst und steigere dich Schritt für Schritt.

Kaum jemandem fällt Mathe einfach zu – auch mir nicht. Ich habe viel geübt und war vor allem konsequent dran. Und manchmal braucht es einfach die richtige Erklärung. Eine Person, der man gerne zuhört.

“ICH GLAUBE, VIEL ANGST ENTSTEHT, WEIL WIR FRÜH HÖREN, WIE „SCHLIMM“ MATHE SEI. DOCH NUR WEIL ES JEMAND ANDEREM SCHWER FIEL, HEISST DAS NICHT, DASS ES DIR GENAUSO GEHT. “

Ich bekomme oft Nachrichten von Menschen, bei denen es erst Jahre später durch eines meiner Videos „Klick“ gemacht hat. Das zeigt: Mathematik kann man lernen. Es ist kein Talenttest, sondern ein Weg, den man Schritt für Schritt gehen kann.

Weitere Informationen finden Sie unter: mathematrick.de Mehr Einblicke gibt es auf Instagram & YouTube! mathema_trick @MathemaTrick

Text Emma Schäfer

Mehr als Zahlen:

WELCHE KARRIEREWEGE

EIN MATHEMATIKSTUDIUM ERÖFFNET

Wer Mathematik studiert, entscheidet sich für eines der vielseitigsten Studienfächer überhaupt. Dennoch halten sich hartnäckige Klischees: Viele verbinden Mathematikerinnen vor allem mit Schule oder Forschung. Tatsächlich arbeiten Absolventinnen heute in nahezu allen Branchen – von Finanzwirtschaft über IT bis hin zu Medizin, Energie oder Klimaforschung. Gerade in einer zunehmend datengetriebenen Wirtschaft sind mathematische Kompetenzen gefragter denn je. Für Frauen eröffnen sich damit vielfältige und zukunftssichere Karrierewege.

MATHEMATIK ALS SCHLÜSSELKOMPETENZ DER DIGITALEN WIRTSCHAFT

Mathematik ist weit mehr als das Lösen von Gleichungen. Im Studium lernen Studierende vor allem, komplexe Probleme strukturiert zu analysieren, Muster zu erkennen und Lösungen logisch herzuleiten. Genau diese Fähigkeiten werden in vielen Zukunftsbranchen benötigt.

Unternehmen arbeiten heute mit enormen Datenmengen: Kundendaten, Produktionsdaten, Verkehrsströme oder medizinische Informationen. Mathematikerinnen entwickeln Modelle, mit denen sich diese Daten auswerten lassen. Sie helfen beispielsweise dabei, Prognosen zu erstellen, Risiken zu berechnen oder Prozesse effizienter zu gestalten.

“UNTERNEHMEN ARBEITEN HEUTE MIT ENORMEN DATENMENGEN: KUNDENDATEN, PRODUKTIONSDATEN, VERKEHRSSTRÖME ODER MEDIZINISCHE INFORMATIONEN. MATHEMATIKERINNEN ENTWICKELN MODELLE, MIT DENEN SICH DIESE DATEN AUSWERTEN LASSEN.“

Diese analytischen Fähigkeiten machen Mathematikerinnen besonders attraktiv für Arbeitgeber. Laut Studien des Instituts der deutschen Wirtschaft gehört Mathematik zu den Studienfächern mit besonders guten Beschäftigungsperspektiven und stabilen Einstiegsgehältern.

FINANZBRANCHE: RISIKEN VERSTEHEN UND MÄRKTE ANALYSIEREN

Eines der klassischen Tätigkeitsfelder für Mathematikerinnen ist die Finanzwirtschaft. Banken, Versicherungen

Gerade in der personalisierten Medizin, bei der Therapien auf individuelle Patientendaten zugeschnitten werden, gewinnen mathematische Modelle zunehmend an Bedeutung.

Mathematikerinnen arbeiten dabei oft interdisziplinär mit Biologinnen, Medizinerinnen und Informatikerinnen zusammen.

INDUSTRIE, TECHNOLOGIE UND LOGISTIK

und Investmentgesellschaften beschäftigen sogenannte Aktuarinnen oder Quantitative Analystinnen.

Ihre Aufgabe besteht darin, Risiken zu berechnen und Modelle zu entwickeln, die wirtschaftliche Entwicklungen vorhersagen können. Versicherungen nutzen mathematische Methoden beispielsweise, um Beiträge zu kalkulieren oder Schadensrisiken zu bewerten. In Banken analysieren Mathematikerinnen komplexe Finanzprodukte oder entwickeln Modelle zur Marktprognose.

Gerade Versicherungen gehören traditionell zu den größten Arbeitgebern für Mathematikabsolventinnen. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach Fachkräften, die mathematische Modelle mit Programmierkenntnissen kombinieren können.

DATENANALYSE UND KÜNSTLICHE INTELLIGENZ

Mit der zunehmenden Digitalisierung entstehen neue Berufsbilder, in denen mathematisches Denken zentral ist. Data Scientists, Machine-Learning-Expertinnen oder KI-Entwicklerinnen arbeiten an Algorithmen, die große Datenmengen analysieren und daraus automatisierte Entscheidungen ableiten.

Mathematikerinnen bringen dafür eine ideale Grundlage mit. Statistik, Wahrscheinlichkeitstheorie und Optimierungsverfahren gehören zu den Kernbereichen ihres Studiums. Diese Methoden sind entscheidend, um Muster in Daten zu erkennen oder lernende Systeme zu entwickeln. Einsatzfelder finden sich in nahezu allen Branchen: Onlinehandel analysiert Kaufverhalten, Verkehrsunternehmen optimieren ihre Routenplanung, Energieunternehmen berechnen Strombedarfe und Medizinforschung wertet klinische Daten aus.

MATHEMATIK IN MEDIZIN UND NATURWISSENSCHAFT

Ein weniger bekanntes, aber wachsendes Arbeitsfeld ist die sogenannte Biomathematik. Hier entwickeln Mathematikerinnen Modelle, um biologische Prozesse zu verstehen – etwa das Wachstum von Tumoren oder die Ausbreitung von Infektionskrankheiten.

Auch in der Pharmaindustrie spielen mathematische Methoden eine wichtige Rolle. Sie helfen dabei, klinische Studien auszuwerten oder Wirkstoffentwicklungen zu simulieren.

Auch Industrieunternehmen setzen auf mathematische Expertise. In der Produktion helfen Optimierungsverfahren, Lieferketten effizient zu planen oder Maschinen besser auszulasten. In der Logistik werden mathematische Modelle genutzt, um Transportwege zu optimieren oder Lagerbestände zu berechnen.

oF ot psnU hsal

Besonders in Bereichen wie Automobilindustrie, Luftfahrt oder Energiewirtschaft werden mathematische Simulationen eingesetzt, um komplexe technische Systeme zu analysieren. Mathematikerinnen können beispielsweise an Verkehrsmodellen arbeiten, Energieflüsse berechnen oder Simulationen für neue Technologien entwickeln.

BERATUNG, KOMMUNIKATION UND NEUE KARRIEREWEGE

Neben klassischen Fachkarrieren eröffnen sich für Mathematikerinnen auch Wege in Beratung, Management oder Wissenschaftskommunikation. Unternehmensberatungen suchen gezielt Absolventinnen mit analytischem Hintergrund, um strategische Entscheidungen datenbasiert vorzubereiten.

Einige Mathematikerinnen gehen auch in die Wissenschaftskommunikation oder gründen eigene Unternehmen – etwa im Bereich Bildung, Datenanalyse oder Technologieentwicklung. Digitale Plattformen und soziale Medien haben zudem neue Möglichkeiten geschaffen, mathematische Inhalte verständlich zu vermitteln und eine breite Öffentlichkeit zu erreichen.

WARUM GERADE FRAUEN IN DER MATHEMATIK GEBRAUCHT WERDEN

Trotz guter Berufsaussichten ist der Frauenanteil in vielen mathematischen Studiengängen weiterhin vergleichsweise niedrig. Dabei profitieren Unternehmen und Forschung nachweislich von diversen Teams: Unterschiedliche Perspektiven führen häufig zu kreativeren Lösungsansätzen und innovativeren Ergebnissen. Gerade in datengetriebenen Technologien wie Künstlicher Intelligenz ist Vielfalt besonders wichtig. Wenn mathematische Modelle Entscheidungen beeinflussen – etwa bei Kreditvergaben, medizinischen Diagnosen oder Verkehrssteuerung –sollten möglichst viele Perspektiven in ihre Entwicklung einfließen.

EIN STUDIUM MIT VIELEN MÖGLICHKEITEN

Ein Mathematikstudium ist kein enger Karrierepfad, sondern eine vielseitige Grundlage. Die Kombination aus analytischem Denken, Problemlösungskompetenz und methodischem Arbeiten eröffnet Absolventinnen zahlreiche Optionen – von Finanzwirtschaft über Technologie bis hin zu Medizin oder Forschung.

Wer Freude daran hat, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und strukturiert zu denken, findet in der Mathematik ein Fach mit außergewöhnlicher Breite. Für Frauen bedeutet das: Mathematik ist nicht nur ein spannendes Studienfach, sondern auch ein Türöffner für viele der wichtigsten Zukunftsbranchen.

Text Charlie Schröder

Schluss mit dem Klischee: INFORMATIK KENNT KEIN GESCHLECHT

Annahita Esmailzadeh spricht über ihren Weg in die IT, die Bedeutung von strategischem Denken und warum technisches Verständnis keine Frage des Geschlechts ist.

Woher und wann kam dein Interesse für Informatik?

Offen gesagt entschied ich mich nicht aus persönlicher Neigung, sondern eher aus Vernunftsgründen für mein Studium. Als Kind iranischer Einwanderer, die immer sehr hart arbeiten mussten, hatte ich schon von klein auf ein stark ausgeprägtes Bedürfnis nach finanzieller Absicherung und Sicherheit. Ich googelte nach dem Abitur also schlichtweg nach dem Studium mit den besten Job- und Gehaltschancen – und heraus kam Wirtschaftsinformatik.

Wenige Wochen später saß ich in meiner ersten Softwareentwicklungsvorlesung, ohne vorher auch nur eine Zeile Code in meinem Leben geschrieben zu haben. Zu meiner eigenen großen Überraschung fand ich aber sehr schnell Freude an dem Studium und auch an der Branche, die mich bis heute begleitet.

Wie hat sich dein Ausbildungsweg im IT-Bereich gestaltet?

Ich habe meinen Bachelor in Wirtschaftsinformatik mit dem Schwerpunkt IT-Sicherheit und meinen Master in Wirtschaftsinformatik mit dem Schwerpunkt Big Data und Large-Scale-Systeme gemacht. Mein Studium bestand zu etwa 80 Prozent aus Informatik und zu 20 Prozent aus BWL.

der Bedarf zusätzlich in Richtung Datenqualität, Modellverständnis und verantwortungsvoller Implementierung. Es reicht nicht, KI anzuwenden – man muss ihre Grenzen, Risiken und regulatorischen Rahmenbedingungen verstehen.

aber sie beeinflusst Wahrnehmung und Bewertung von Talenten. Technisches Verständnis ist allerdings nicht geschlechterspezifisch – dass wir heutzutage so wenige Frauen im Tech-Bereich vorfinden, hat sehr viel mit gesellschaftlicher Prägung und Sozialisierung zu tun.

Annahita Esmailzadeh Tech-Leaderin, Autorin & Speakerin, ServiceNow

Mein Weg führte mich direkt in die IT-Prozessberatung bei SAP. Von dort ging es in die Führung – zunächst als Projektleiterin großer SAP-ERP-Implementierungsprojekte, später als Head of Innovation bei SAP in München. Danach war ich Head of Customer Success Account Management bei Microsoft und heute arbeite ich als Führungskraft bei ServiceNow im Aftersales.

Was macht dir am meisten Spaß an IT – und welchen Tipp würdest du anderen geben?

Mich begeistert, dass Technologie nie isoliert funktioniert. Sie beeinflusst Prozesse, Entscheidungsstrukturen und letztlich Wettbewerbsfähigkeit. Mein Tipp wäre: Beschäftigt euch nicht nur mit Technik, sondern mit Kontext. Wer versteht, wie Technologie Geschäftsmodelle verändert, wird immer relevanter sein als jemand, der nur einzelne Systeme bedienen kann.

Welche technischen Kompetenzen sind heute besonders gefragt – wo siehst du großes Potenzial?

Mit der breiten Einführung generativer KI verschiebt sich

Großes Potenzial sehe ich in der Verbindung aus technischer Tiefe und strategischem Denken. Technologie wird komplexer – entsprechend gefragt sind Menschen, die Komplexität strukturieren können.

Welches Vorurteil über Frauen in der IT-Branche nervt dich am meisten?

Die implizite Annahme, Frauen seien weniger technisch oder primär für kommunikative oder soziale Rollen geeignet. Diese Erwartung ist selten offen ausgesprochen,

Text Emma Schäfer

Zahlen, Daten & Fakten

GENDER PAY GAP, GLASS CEILING & CO.

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Gender Pay Gap:

Frauen verdienen im Schnitt weniger

Der unbereinigte Gender Pay Gap lag in Deutschland 2025 bei rund 16 Prozent.

Das bedeutet: Frauen verdienen durchschnittlich 16 Prozent weniger pro Stunde als Männer. Selbst wenn Faktoren wie Branche, Beruf oder Arbeitszeit berücksichtigt werden, bleibt laut Statistischem Bundesamt eine bereinigte Lohnlücke von etwa 6 Prozent bestehen.

Der Frauenanteil in MINTStudiengängen wächst

Immer mehr Frauen entscheiden sich für ein Studium in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

2024 lag der Anteil weiblicher Studienanfängerinnen in MINT-Fächern bei rund 36 Prozent – so hoch wie nie zuvor.

Dennoch gibt es große Unterschiede zwischen einzelnen Studienrichtungen.

MINT-Berufe gehören zu den bestbezahlten Branchen

Technische und naturwissenschaftliche Berufe zählen zu den einkommensstärksten Tätigkeiten.

Ingenieurinnen, IT-Spezialistinnen oder Data Scientists erreichen häufig überdurchschnittliche Einstiegsgehälter und gute Gehaltsentwicklungen. Ein Studium in Mathematik, Informatik oder Technik kann damit langfristig einen wichtigen Beitrag zur finanziellen Stabilität leisten. 02

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Extreme Unterschiede zwischen MINT-Fächern

In manchen technischen Studiengängen sind Frauen weiterhin stark unterrepräsentiert. Während Studiengänge wie Innenarchitektur oder Biologie einen hohen Frauenanteil haben, liegt er in technischen Bereichen wie Fahrzeugtechnik teilweise nur bei etwa 10 Prozent.

Diese Unterschiede zeigen, wie stark Studienentscheidungen noch von Rollenbildern beeinflusst werden.

Finanzielle Folgen für die Altersvorsorge

Niedrigere Einkommen wirken sich langfristig auf Rentenansprüche aus.

Da Frauen im Durchschnitt weniger verdienen und häufiger in Teilzeit arbeiten, erhalten sie später oft niedrigere Renten.

Gut bezahlte Berufe – etwa in technischen oder naturwissenschaftlichen Bereichen – können deshalb entscheidend für eine stabile Altersvorsorge sein.

Vorurteile beeinflussen Berufsentscheidungen früh

Geschlechterstereotype wirken bereits im Schulalter.

Studien zeigen, dass Mädchen ihre mathematischen Fähigkeiten häufig kritischer einschätzen als Jungen – selbst bei gleichen Leistungen. Solche Selbstzweifel können dazu führen, dass sie sich seltener für technische Studiengänge entscheiden.

Frauen arbeiten häufiger in schlechter bezahlten Branchen

Ein wesentlicher Teil der Lohnlücke entsteht durch unterschiedliche Berufswahlen.

Frauen sind überdurchschnittlich häufig in sozialen oder pädagogischen Berufen tätig, die traditionell niedriger vergütet werden.

Technische Berufe mit höheren Einkommen werden dagegen deutlich häufiger von Männern gewählt.

Die „Gläserne Decke“ bremst Karrieren

Frauen sind in Führungspositionen weiterhin deutlich unterrepräsentiert.

Obwohl Frauen inzwischen mehr als die Hälfte der Hochschulabsolventinnen stellen, sinkt ihr Anteil mit jeder Karrierestufe. Besonders in technischen Unternehmen oder der Forschung erreichen deutlich weniger Frauen Spitzenpositionen.

Weibliche Vorbilder erhöhen die Wahrscheinlichkeit für MINT-Karrieren

Role Models spielen eine entscheidende Rolle bei der Berufsorientierung.

Wenn Schülerinnen Wissenschaftlerinnen, Ingenieurinnen oder Programmiererinnen als Vorbilder sehen, steigt nachweislich ihr Interesse an entsprechenden Studiengängen und Berufen.

Text Katharina Lassmann

Wissenschaft trifft Unternehmergeist: BIOLOGIE NEU GEDACHT

Wissenschaft braucht Menschen, die sie erklären. Und solche, die sie weiterentwickeln. Für Biologin und Unternehmerin Amelie Reigl (@dieWissenschaftlerin) bedeutet Forschung Scheitern, Anpassen, Weitermachen - genau so ist ihr Start-up zur Herstellung fast-menschlicher Haut zur Reduzierung von Tierversuchen entstanden.

Text Amelie Reigl

Wissenschaft sichtbar machen

Ich bin Amelie Reigl (31), Biologin, baldige Gründerin von TigerShark Science einem Biotech-Start-up bei dem wir menschliche Haut züchten, um Tierversuche zu reduzieren und betreibe in den Sozialen Medien Wissenschaftskommunikation als @dieWissenschaftlerin. Meine Motivation ist es, Wissenschaft sichtbar zu machen.

Mein Interesse für Naturwissenschaften entstand nicht durch einen konkreten Berufswunsch, sondern durch Neugier. Warum teilen sich Zellen? Warum heilt Haut? Warum reagiert der Körper unterschiedlich? Mich hat fasziniert, dass Biologie uns diese Antworten liefern kann und zwar in einem System aus Zusammenhängen.

Der Weg in die Biologie

Nach dem Biologiestudium (Bachelor und Master) in Würzburg habe ich meine Promotion ebenfalls an der Universität Würzburg am Lehrstuhl für Tissue Engineering und Regenerative Medizin durchgeführt.

Dort spezialisierte ich mich auf die Entwicklung komplexer humaner in vitro Hautmodelle. Diese Modelle bilden menschliche Haut realitätsnah im Labor ab und tragen dazu bei, präzisere Testsysteme zu entwickeln

und Tierversuche zu reduzieren. Parallel habe ich beim Fraunhofer ISC in Würzburg als Projektleitung gearbeitet und die Idee für das Start-up entwickelt.

Wissenschaftliche Ausbildung bedeutet nicht nur Fachwissen. Sie schult strukturiertes Denken, kritisches Hinterfragen und Ausdauer.

“MEHR FRAUEN IN MINT BEDEUTET DAHER NICHT NUR MEHR REPRÄSENTATION, SONDERN BESSERE WISSENSCHAFTLICHE FRAGESTELLUNGEN UND ROBUSTERE FORSCHUNGSERGEBNISSE.“

Amelie Reigl

Biologin, Creatorin & Gründerin, TigerShark Science

Forschung ist selten geradlinig. Hypothesen scheitern, Experimente müssen angepasst werden, Ergebnisse werden neu bewertet.

MEHR VIELFALT IN MINT: WEIL VORBILDER MUT MACHEN

Women Do Science - Inspiration und Austausch für die nächste Generation

Es gibt unzählige faszinierende Themen in Wissenschaft und Technik, von Quantenphysik über Robotik bis hin zu nachhaltiger Chemie. Interesse und Talente gibt es, aber oft fehlt der entscheidende Impuls: Der Moment, in dem aus „Vielleicht wäre das spannend“ ein „Das kann ich mir wirklich vorstellen“ wird.

Hier setzt Women Do Science an. 2018 in Spanien gestartet, bringt CASIO das Projekt seit September 2025 nach Deutschland – mit einem klaren Ziel: Mädchen und junge Frauen für MINT zu begeistern, zu stärken und neue Perspektiven aufzuzeigen. Denn Begeisterung entsteht nicht allein durch Inhalte, sondern durch Begegnungen. Genau diese stehen im Zentrum des Projekts. Wissenschaft wird oft über große Namen oder beeindruckende Lebenswerke vermittelt. Diese Geschichten sind wichtig, wirken aber häufig fern - zeitlich, persönlich und emotional. Sie erzählen von Genies, von Wegen, von Erfolgen, aber nicht von Zweifeln, Ausnahmetalenten und nicht von Menschen wie du und ich, mit Neugier und Durchhaltevermögen.

Was passiert, wenn eine Physikerin aus der Region über Unsicherheiten erzählt? Wenn eine Mechatronikerin offen zugibt, dass ihr erster Programmiercode nicht funktioniert hat? Wenn eine angehende Chemikerin beschreibt, wie sie ihre Leidenschaft gefunden hat? Dann wird Wissenschaft nahbar.

Die MINT-Heldinnen – Dr. Carmen Köhler, promovierte Physikerin und Analog-Astronautin, Sophie Charlotte Keunecke Mechatronikerin im Bereich Robotik, Ida Hülsbusch, angehende Physikerin mit Schwerpunkt Plasmaphysik, und Mara Maier, angehende Chemikerin mit Begeisterung für organische Chemie, sind keine unerreichbaren Ikonen. Sie sind Frauen aus der Region.

Expertinnen, die ihren Weg noch gehen oder gerade begonnen haben. Sie sprechen über Entscheidungen,

Genau diese Prozesse formen wissenschaftliche Kompetenz. Man braucht also viel Geduld, was manchmal etwas schwierig ist, wenn man so neugierig ist. Aber das Warten und Durchhalten lohnt sich meistens immer.

Umwege, Motivation und Mut. Von Momenten des Zweifelns. Und von dem Augenblick, in dem sie gespürt haben: Genau hier gehöre ich hin. Dieser Perspektivwechsel macht einen entscheidenden Unterschied. Wenn Schüler*innen sich identifizieren können, dann entsteht Nähe. „Wenn sie das geschafft hat, dann kann ich das auch schaffen“ ist ein starker Gedanke. Er verändert Selbstbilder und erweitert Möglichkeitsräume. Denn nahbare Vorbilder wirken durch Authentizität, sie prägen Selbstvertrauen.

CASIO setzt auf dialogorientierte Workshops mit Role Models, für einen Austausch auf Augenhöhe. Schüler*innen fragen nach Studium, Ausbildung, Karrierewegen, Work-Life-Balance oder Herausforderungen in der Forschung und erhalten praxisnahe Einblicke, die kein Lehrbuch allein bietet.

Lehrkräfte und Schulen finden bei Women Do Science Lehrmaterialien und Unterrichtsideen zur MINT-Förderung, u.a. auch illustrierte Cover für die Rechnerserie fx-810DE CW. Bildungspolitiker*innen, die Synergien für Vielfalt und Innovation sehen, sind herzlich eingeladen, mit CASIO ins Gespräch zu kommen.

Women Do Science fördert Talente und Perspektiven für eine vielfältige, innovative Gesellschaft.

Manchmal beginnt Veränderung mit einer Begegnung. Und dem einfachen Satz: „Auch du kannst forschen, erfinden, gestalten.“

KONTAKT

wds@casio.de oder casio-education.de/women-do-science

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Alltag zwischen Labor und Analyse

Ein typischer Arbeitstag in der Forschung ist eine Mischung aus Laborarbeit, Datenauswertung, Literaturrecherche und Teamdiskussionen. Experimente werden geplant, Daten ausgewertet und Ergebnisse kritisch hinterfragt. Forschung ist analytisch und gleichzeitig kreativ, gerade bei den Versuchsplanungen. Der besondere Moment entsteht dann, wenn aus einzelnen Datenpunkten ein belastbares Gesamtbild wird. Gerade in meinem Bereich arbeite ich viel in der Zellkultur, das bedeutet ich arbeite mit menschlichen Zellen und baue daraus Hautmodelle, um Experimente durchzuführen. Dies bedeutet auch, dass ich viel an der Sterilwerkbank sitze, um die Modelle zu versorgen. Denn diese sind lebendig und benötigen genauso Nährstoffe, als Essen, wie wir Menschen. Deshalb macht mir mein Beruf aber auch so viel Spaß, denn ich bin nicht nur im Büro sondern auch im Labor und ab und zu auf Konferenzen, um meine Ergebnisse vorzustellen und mich mit anderen Forschenden auszutauschen.

Mehr Wege als viele denken

Die beruflichen Perspektiven für Biologinnen gehen weit über klassische Forschung und Lehre hinaus. Tätigkeitsfelder finden sich in der Pharmaindustrie, der Biotechnologie, im Qualitätsmanagement, in Regulatory Affairs, in der Produktentwicklung, im Venture Capital, in der Wissenschaftskommunikation oder in technologieorientierten Startups.

Ein naturwissenschaftliches Studium ist kein enger Pfad, sondern eine Plattform. Wer analytisch denkt und komplexe Zusammenhänge verstehen möchte, eröffnet sich vielfältige Optionen. Wer zwischen Ausbildung und Studium schwankt, sollte ehrlich prüfen, welche Arbeitsweise besser passt. Praxisorientiertes Arbeiten kann ebenso erfüllend sein wie strategisches und langfristiges Gestalten. Vor allem auch die Frage: Will ich ein Forschungsteam führen? Dann wäre ein Studium sinnvoll oder möchte ich lieber im Team mit anderen praktisch Arbeiten? Dann wäre eine Ausbildung spannend.

Wissenschaft sichtbar machen

Parallel zu meiner Forschung habe ich vor über sechs Jahren @dieWissenschaftlerin gegründet. Als Selbstständige vermittle ich wissenschaftliche Inhalte verständlich und transparent und nehme über 400.000 Menschen mit in meinen Alltag. Mir ist wichtig, zu zeigen, dass Wissenschaft kein abstraktes System ist, sondern unsere Gesellschaft prägt und beeinflusst. Wissenschaft ist überall und ich möchte sie sichtbar machen, für alle und verständlich.

Von der Forschung zur Gründung Zusammen mit meinem Team entstand TigerShark Science. Unser Ziel ist es, humane Hautmodelle zu entwickeln, um präzisere Testsysteme für Pharma und Kosmetik bereitzustellen und Tierversuche zu reduzieren.

Die technologische Basis wurde im Fraunhofer AHEAD Programm mit 150.000 Euro gefördert. Im Rahmen des EXIST Forschungstransfers des Bundesministeriums für Forschung konnten wir zusätzlich über eine Million Euro einwerben. Mehrere Start-up Preise folgten. Mit Pilotkunden arbeiten wir bereits an konkreten Anwendungen.

Warum Frauen in MINT wichtig sind

Noch immer sind viele präklinische Systeme männlich geprägt. Weibliche Biologie wird nicht immer systematisch berücksichtigt. Mehr Frauen in MINT bedeutet daher nicht nur mehr Repräsentation, sondern bessere wissenschaftliche Fragestellungen und robustere Forschungsergebnisse. Generell sind diverse Teams gerade für die Forschung extrem wichtig. Umso mehr unterschiedliche Fragen gestellt werden, umso mehr beleuchtet man die Hypothese aus unterschiedlichen Perspektiven und kommt effektiver zum Erfolg.

Die nächste Phase ist die Skalierung. Dazu führen wir seit Monaten Gespräche mit Investoren. Dieser Prozess ist intensiver. Ein Start-up benötigt Geschwindigkeit, wissenschaftliche Innovation jedoch auch Validierung und Substanz. Die Balance zwischen wissenschaftlicher Exzellenz und wirtschaftlichen Erfolg finde ich sehr spannend.

WHERE SCIENCE MEETS INDUSTRY

Erfahren Sie, wie Deep-Tech-Partnerschaften Forschungsergebnisse in industrielle Wertschöpfung überführen. www.hannovermesse.de/f-e

“WISSENSCHAFT IST ÜBERALL UND ICH MÖCHTE SIE SICHTBAR MACHEN, FÜR ALLE UND VERSTÄNDLICH.“

Ein persönlicher Rat

Man muss nicht perfekt sein, um Naturwissenschaften zu studieren. Man muss nicht alle Antworten kennen. Und Selbstzweifel gehören auch bei mir dazu. Entscheidend ist die Bereitschaft, Fragen zu stellen und Zusammenhänge verstehen zu wollen. Neugier ist eine der wichtigsten Kompetenzen für eine Wissenschaftlerin. Und Wissenschaft braucht Menschen, die sie sichtbar machen. Also bleib neugierig!

Weitere Informationen fi nden Sie unter: www.dieWissenschaftlerin.de

Mehr Einblicke gibt es auf TikTok & Instagram dieWissenschaftlerin

Messetipp

Innovation kann Märkte verändern, PROZESSE EFFIZIENTER MACHEN

ODER GESELLSCHAFTLICHE PROBLEME LÖSEN

Als eine der wenigen Frauen im Elektrotechnikstudium lernte Unternehmerin Sophia Tran, sich Raum zu nehmen. Heute setzt sie sich genau dafür ein, dass andere ihn gar nicht erst erkämpfen müssen.

Woher und wann kam dein Interesse für Technik?

Technik wurde mir tatsächlich in die Wiege gelegt. Mein Vater ist Ingenieur, und als Einzelkind durfte ich früh miterleben, wie spannend es ist, Probleme strukturiert zu analysieren und Lösungen zu entwickeln. Gleichzeitig sind meine Eltern aus dem Krieg geflohen, wir hatten finanziell wenig – vieles habe ich mir selbst gebaut. Spiel zeug wurde repariert oder neu erfunden. Aus Mangel wurde Kreativität.

Dieses Selbermachen, dieses Zerlegen und Neu-Zusammensetzen hat mein technisches

Denken geprägt. Rückblickend war es weniger ein einzelner Moment als eine Haltung: Neugier statt Respekt vor Komplexität.

Wie hat sich dein Ausbildungsweg gestaltet?

Was begeistert dich an Technologie – und welchen Rat gibst du jungen Frauen?

Technologie bedeutet Gestaltungsmacht. Sie entscheidet darüber, wie wir arbeiten, wie wir kommunizieren, wie wir Sicherheit organisieren und wie wir globale Herausforderungen bewältigen. Mich begeistert diese Hebelwirkung. Eine Innovation kann Märkte verändern, Prozesse effizienter machen oder konkrete gesellschaftliche Probleme lösen. Mein Rat an junge Frauen: Wartet nicht darauf, euch „bereit genug“ zu fühlen. Kompetenz entsteht durch Anwendung, nicht durch Perfektion. Technik ist kein exklusiver Raum – sie lebt von Perspektivenvielfalt.

Ich habe Elektrotechnik und zusätzlich Betriebswirtschaftslehre studiert – bewusst, weil ich Technik nicht isoliert betrachten wollte, sondern im Zusammenspiel mit Wirtschaft und Wirkung. Im Elektrotechnikstudium war der Frauenanteil gering. Die Hürden waren selten offen, aber subtil: geringere Erwartungen, stereotype Zuschreibungen, das Gefühl, sich stärker beweisen zu müssen. Genau solche Mechanismen wirken strukturell und halten viele junge Frauen unbewusst fern. Wenn technische Kompetenz nicht selbstverständlich mit Weiblichkeit assoziiert wird, entsteht Distanz. Deshalb sind Vorbilder und Sichtbarkeit entscheidend.

“MEIN ZIEL IST ES, MEHR DIVERSITÄT IN WIRTSCHAFT UND TECHNOLOGIE SICHTBAR UND STRUKTURELL WIRKSAM ZU MACHEN.“

Sophia Tran Gründerin & CEO von Spotlight! und Spotlight! Ventures

Du arbeitest heute nicht klassisch als Ingenieurin. Welche Wege stehen offen?

Nach Stationen in verschiedenen Unternehmen und der Beratung von Startups habe ich selbst gegründet: Spotlight!

Mein Ziel ist es, mehr Diversität in Wirtschaft und Technologie sichtbar und strukturell wirksam zu machen. Für mich ist das eine logische Weiterentwicklung meines technischen Hintergrunds. Denn wer Systeme versteht, erkennt auch, wie sehr Innovation von unterschiedlichen Perspektiven abhängt.

Ingenieurinnen gründen Startups, entwickeln KI-Produkte, arbeiten im Venture Capital, gestalten Innovationsstrategien oder übernehmen Führungspositionen. Ein technisches Studium ist kein enger Tunnel, sondern ein strategisches Fundament für vielfältige Karrierewege.

Welche Bereiche haben Zukunftspotenzial?

Besonders großes Potenzial sehe ich in Künstlicher Intelligenz, Climate Tech, Cybersecurity und Defense Tech. Gerade in Zeiten geopolitischer Unsicherheit wird deutlich, wie wichtig technologische Souveränität und digitale Resilienz sind. Entscheidend ist jedoch nicht nur, welche Technologien wir entwickeln, sondern wer sie entwickelt. Wenn Frauen in Schlüsseltechnologien fehlen, fehlt Innovationskraft. Die Zukunft wird technologisch – und sie braucht weibliche Gestaltungskraft.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.sophia-tran.de

Mehr Einblicke gibt es auf Instagram sophia_tran

Text Emma Schäfer

WARUM FRÜHE FÖRDERUNG ENTSCHEIDEND IST

Frau Wikenhauser, in technischen Berufen sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert. Woran liegt das aus Ihrer Sicht?

Viele Weichen werden sehr früh gestellt, zu Hause und in der Schule. Noch immer begegnen Mädchen dort subtilen Botschaften, was „typisch“ für sie sei und was nicht. Technik gilt häufig als kompliziert oder männlich geprägt. Das hält viele davon ab, sich überhaupt auszuprobieren. Dabei erleben wir immer wieder: Wenn Mädchen früh und praxisnah mit Technik in Berührung kommen, ist das Interesse sofort da. Was heißt frühe Förderung konkret?

Es geht darum, Neugier zuzulassen und Mut zu machen. Kinder sollten unabhängig vom Geschlecht ermutigt werden, Dinge auseinanderzunehmen, Fragen zu stellen, zu experimentieren. In der Schule braucht es realistische Einblicke in Berufe, nicht nur abstrakte Informationen. Deshalb engagieren wir uns stark in der Berufsorientierung, gehen in Schulen und holen Schülerinnen und Schüler auch zu uns. Technik wird greifbar, wenn man sie erlebt.

Technische Berufe zählen zu den zukunftssichersten Arbeitsfeldern, dennoch sind Frauen im MINT Bereich weiterhin unterrepräsentiert. Warum frühe Förderung, Ausbildung und gezielte Investitionen entscheidend sind, erläutert Marion Wikenhauser, Geschäftsführerin ABB Ausbildungszentrum gGmbH, im Interview.

ABB setzt dabei gezielt auf Programme für Mädchen. Warum ist das wichtig?

Weil gleiche Chancen nicht automatisch entstehen. Initiativen wie girlsatec schaffen Räume, in denen Mädchen Technik ohne Vorurteile kennenlernen können. Gleichzeitig ist uns wichtig zu betonen: Vielfalt endet für uns nicht beim Geschlecht. Wir wollen grundsätzlich Zugänge zu technischen Berufen öffnen – unabhängig von Herkunft, Bildungsweg oder persönlichen Voraussetzungen. Weibliche Vorbilder zeigen dabei, dass ein technischer Beruf kein Ausnahmeweg ist, sondern eine ganz normale, attraktive Option. Solche Erfahrungen wirken oft nachhaltiger als jede Broschüre.

Welche Rolle spielt dabei die Ausbildung?

Über ABB

“Weibliche Vorbilder zeigen, dass ein technischer Beruf kein Ausnahmeweg ist, sondern eine ganz normale, attraktive Option.”

Marion Wikenhauser

ABB ist ein führendes Technologieunternehmen in den Bereichen Elektrifizierung und Automation, das eine nachhaltigere und ressourceneffizientere Zukunft ermöglicht. Durch die Verbindung von technischer Expertise und Digitalisierung sorgt ABB dafür, dass Industrien hohe Leistungen erbringen und gleichzeitig effizienter, produktiver und nachhaltiger werden, um ihre Ziele zu übertreffen. Bei ABB nennen wir das «Engineered to Outrun».

VON DER NEUGIER ZUR ENERGIEWENDE

Dr.-Ing. Lena Viviane Bühre verbindet Wissenschaft, Technik und Klimaschutz. Die mehrfach ausgezeichnete Absolventin der Leibniz Universität Hannover forscht heute als Gruppenleiterin an der Fakultät für Elektrotechnik und Informatik. Sie berichtet von ihrem Werdegang in der Energieforschung und wie sie als Frau in MINT die Zukunft mitgestaltet.

„Wie können wir Energie so speichern, dass unsere Erde auch für kommende Generationen lebenswert bleibt?“ Diese Frage hat mich schon früh beschäftigt. Mein Interesse an Mathematik und Naturwissenschaften war immer eng damit verbunden, wie wir dem Klimawandel begegnen können – und genau diese Neugier hat mich zur Energietechnik geführt. Als Frau war ich in vielen Veranstaltungen allerdings in der Minderheit. Weibliche Vorbilder gab es nur wenige. Umso wichtige finde ich heute Netzwerke und Initiativen, die FLINTA-Personen im MINT-Bereich sichtbar machen und unterstützen.

Mein Rat an junge Frauen ist deshalb: Vernetzt euch, tauscht euch aus und nutzt Förderprogramme. Keine muss diesen Weg alleine gehen. Gerade wenn es im Studium oder Beruf einmal schwierig wird, können Netzwerke Halt geben, neue Perspektiven erö nen und dabei helfen, den eigenen Weg weiterzugehen.

Mein Tipp zum Ausprobieren:

Eine sehr große. Wir müssen weg von der Vorstellung, dass nur ein Studium zum Erfolg führt. Ausbildung und duales Studium sind gleichwertige Bildungswege mit unterschiedlichen Stärken. Gerade in technischen Berufen bietet die Ausbildung einen sehr praxisnahen Einstieg und exzellente Entwicklungsmöglichkeiten. Viele Führungs- und Spezialistenkarrieren beginnen genau dort. Das wird gesellschaftlich noch immer unterschätzt.

Warum ist das Thema auch wirtschaftlich relevant?

Der Fachkräftemangel wird sich weiter verschärfen. Wenn wir das Potenzial von Frauen im MINT Bereich nicht besser nutzen, schwächen wir unsere Innovationskraft. Für mich ist das keine Frage von Image oder Quote, sondern von Zukunftsfähigkeit. Wer Technik gestalten will, braucht Vielfalt – in den Perspektiven, in den Erfahrungen und in den Lebenswegen.

Starte durch in Technik, IT oder Wirtschaft – sowohl in Ausbildung als auch dualem Studium gemeinsam mit ABB!

Ausbildung macht Zukunft! Mache deinen nächsten Schritt gemeinsam mit ABB und erobere als junge Frau technische Berufe - mehr Infos unter: go.abb/girlsatec

Für mein Studium habe ich mich ganz bewusst für die Leibniz Universität Hannover entschieden. Der Schwerpunkt auf Energiespeichersystemen hat mich sofort begeistert, denn genau hier entscheidet sich, wie die Energieversorgung der Zukunft aussehen kann. Energietechnik ist ein unglaublich vielseitiges Feld: Sie verbindet Elektrotechnik mit weiteren naturwissenschaftlichen und technischen Disziplinen um Lösungen für reale Herausforderungen zu entwickeln. Genau diese Interdisziplinarität macht das Studium so spannend.

Heute beschäftige ich mich vor allem mit grünem Wassersto und der Elektrolyse. Dabei wird Wasser mithilfe von Strom in Wassersto und Sauersto gespalten. Der Wassersto kann anschließend als Energieträger genutzt werden und hilft, erneuerbare Energie auch dann verfügbar zu machen, wenn gerade kein Wind weht oder keine Sonne scheint.

„Indem wir unsere Erfahrungen teilen, scha en wir weibliche Role Models und ermutigen die nächste Generation in MINT.“

Dr.-Ing. Lena Viviane Bühre

Das Studium war für mich nicht immer einfach. Gerade im Bachelor haben mich einige Grundlagenfächer zum Zweifeln gebracht. Heute weiß ich: Das ist ganz normal und gehört dazu. Meine Begeisterung

Ada Lovelace's Urenkelinnen Initiative: Workshops & AGs von Studentinnen rund um Themen der Technik und Informatik

Mein Tipp für die Studienentscheidung: Kontaktiere Studierende und lass dich beraten. Die Erstsemestertutor*innen unserer Fakultät erreichst du unter: oe-orga@finf.uni-hannover.de

kam mit engagierten Dozierenden und den ersten Einblicken in echte Energietechnologien. Besonders prägend waren auch meine internationalen Stationen –unter anderem in Madrid, Vancouver und Hawaii. Diese Erfahrungen waren für mich besonders wertvoll, weil ich dort nicht nur neue Forschungsperspektiven kennengelernt habe, sondern auch die Möglichkeit hatte, ein eigenes internationales Netzwerk aufzubauen und die Bedeutung von grenzüberschreitender Zusammenarbeit in der Energieforschung hautnah zu erleben.

Ich bin überzeugt: Die Energiewende braucht nicht nur neue Technologien, sondern auch Menschen, die neugierig sind, Fragen stellen und Verantwortung übernehmen wollen – und das gilt ganz besonders für junge Frauen. Traut euch, eure Perspektiven einzubringen, Technikwissen zu erlernen und an Lösungen für die großen Herausforderungen unserer Zeit mitzuwirken.

Du hast die Energie. Wir das Studium.

Zu unseren Studienangeboten! go.lu-h.de/fei_studium

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